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  • In einer Bar in MexikoDatumGestern 13:52
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    In einer Bar in Mexiko

    Der Reisebericht eines Cinephilen aus einem interessanten Land mit ungeahnt renommierter Filmvergangenheit.
    Mexiko wurde zu hollywoodianischen Studiozeiten allzu gern als kostengünstige Dependance angesteuert.
    ... Und hat nicht zuletzt dank Bunuel auch eine eigenständige Kinovergangenheit. Von der Entwicklung einer Regie-Genration zu Oscar-reicher Gegenwart ganz zu schweigen...

    Was bietet sich mehr an, als die zahlreichen Recherche-Ergebnisse beim Besuch in filmhistorisch belasteten Hotelbars niederzuschreiben…..?

    Die Verknüpfung der Anekdotensammlung zu einem reisetechnischen wie filmhistorischen Gesamteindruck ist anschaulich und lebendig angereichert. Gerade dort, wo die Spuren des Filmschaffens heutzutage nicht mehr so deutlich zu sehen sind, wird vor allem den Freunden schöner Anekdoten aus dem guten alten Hollywood ein höchst unterhaltsames Erlebnis geboten.
    Mehr als einmal fühlt man sich selbst - leicht schwankend - neben Robert Mitchum am Tresen stehen....
    Apropos: Also, Reiner, mit dir sollte man anscheinend mal ein Gläslein trinken. Es müsste nicht unbedingt Tequila sein, aber es würde sich etwas Geistvolles finden. Zu erzählen hast du sicher eine Menge. Das kann man deiner konstruktiven Schreibwut entnehmen, die uns bereits 13 Bücher zählen lässt, wenn ich mich nicht irre...

  • Eure FilmbücherDatumGestern 13:32
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Michael Neubauer / Karl Prümm / Alexandra Schwarz (Hg.):

    Ungemütliche Bilder. Die Schwarz/Weiß-Fotografie des Kameramanns Heinz Pehlke.

    Schüren Verlag, Marburg, 2002.




    Auch Der rote Kreis findet Erwähnung:
    "... Die Low-key-Fotografie mit ihrem großen Kontrast zwischen den Spitzenlichtern des Führungslichts und den Schwärzen der Schatten, die nicht oder kaum von einem Füllicht aufgehellt werden, zeichnet nicht nur Schwarzer Kies, sondern auch den Edgar-Wallace-Film Der rote Kreis aus. Dieser zweite Film des Zyklus weist bereits alle wohlbekannten Ingredienzen auf, die die Verfilmungen des britischen Krimiautors auszeichnen: dunkle Herrenhäuser, neblige Straßen, wehende Vorhänge, schwere Schlagschatten, tiefe Kamerastandpunkte, verzerrende Weitwinkelaufnahmen.
    Heinz Pehlke und sein langjähriger Schwenker Wolfgang Treu halfen mit, die fotografischen Konventionen dieses Subgenres des deutschen Kriminalfilms zu etablieren. Eine Sequenz erweist sich gleichsam als stilistische 'tour de force':
    Eine blonde Frau im Nerzmantel verabschiedet sich von ihrem Liebhaber und steigt in ihr Auto, um heim zu ihrem reichen Ehemann zu fahren. Nach einiger Zeit bemerkt sie, dass ihr ein Wagen folgt. Sie wird zunehmend nervös, beißt sich auf die Unterlippe. Immer wieder blickt sie in den Rückspiegel, wobei wir ihr Gesicht im Ausschnitt sehen. Schatten von Bäumen und Ästen wandern durch das Innere des Wagens, als sie ihn beschleunigt. Es gelingt ihr, die Verfolger abzuhängen. Sie stoppt, kichert hysterisch und erleichtert zugleich. Als sie sich eine Zigarette anstecken will, erhebt sich eine vermummte Gestalt aus dem Fond und legt die Hände um ihren Hals. Schnitt: Die Polizei findet den Wagen; nur das alternierende LIcht des Blinkers erleuchtet die Szenerie. Einer der Polizisten öffnet den Schlag, und die Leiche der Frau fällt heraus."

  • Carlos-Thompson-BiografieDatum16.09.2019 18:35
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Carlos Thompson hatte eine Persönlichkeit, die weit über den Räuberhauptmann aus dem Spessart hinausging. Vielerlei Interessen, Fähigkeiten und der Drang nach einem weltmännischen Leben ließen ihn über lange Zeit aus seiner argentinischen Heimat ziehen, um nicht zuletzt in deutschen Landen ein echtes Wohlfühlklima zu finden.
    Sein Leben nach der Schauspielkarriere - in seiner eigentlichen Berufung als Schriftsteller - endete indes tragisch.
    Eine vorzüglich tiefe Recherche und eine streng chronologische Struktur schenken dem Leser dieser sehr empfehlenswerten Biografie einen vitalen und spannenden Lebenslauf.
    Gleichzeitig liefert sie eine Reihe interessanter neuer Hintergrundgeschichten über das damalige Filmschaffen in Deutschland, den USA und Lateinamerika.

  • Aktuelle deutsche TV-FilmeDatum11.09.2019 11:58
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Havi17 im Beitrag #41
    Tödliche Versuchung
    Zurecht als Krimidrama ausgewiesen. Hervorragend dargestellt und optisch eingefangen. Auch die Musik passt
    auf den Punkt. Ein Film der unter die Haut geht und die Gefühle deutlich und authentisch in den Vordergrund
    stellt und die letztlich ursächlichen Gründe für die Tat offenlegt und damit entgegen fast aller Krimikost der
    alltäglichen Realität einer Normalfamilie entspricht. Ein Top10 Krimidrama und großes Kino...

    @Havi17 Danke für den guten Tipp. Habe mir den Film angesehen und stimme Dir zu!

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Vielen Dank an Gubanov für die professionelle und spannende Veranstaltung. Mit dem Ergebnis bin ich insgesamt sehr zufrieden. Daher auch ein aufrichtiger Dank an alle Mitstreiter.....

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Wertung abgegeben.

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Wertung abgegeben.

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Wertung abgegeben

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Die erste Wertung ist raus.....

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Ich bin dabei.

  • In einer Bar in MexikoDatum24.06.2019 16:25
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Diesen literarischen Drink habe ich mir sofort spendiert. Ich setze mich mal dazu, mindestens so inkognito wie B. Traven, und warte einfach ab, was in der Bar so alles passiert.....

  • Edgar Wallace - die neuen FälleDatum22.06.2019 23:58
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Inzwischen habe ich alle vier Folgen mit einiger Begeisterung gelesen.
    Endlich neue Ware, endlich mal wieder typische EW-Stoffe, die man lesen kann, ohne die weitere Handlung schon vorher haarklein zu kennen.
    Wallace-Freunden kann man nur zurufen: Freut euch darauf! Lest sie einfach!
    "Die Hand aus dem Nebel" ist als Einstieg schon sehr stark, die unmittelbar folgenden „schwarzen Augen“ und „Schatten des Hexers“ darf man sogar noch als eine Steigerung empfinden. Tja, und mit "Die Rache der Gerechten" folgt dann noch ein spektakuläres Finale mit dreieinhalb Inspektoren, fünf potentiellen Opfern und x Killern, die sich alle parallel zur "Rache der Gerechten" bewegen.

    Vier schmackhafte, für Romane sehr kompakte, spielfilmformatige Geschichten mit überraschenden Enden sind auf jeden Fall gewiss…..

    Die Stories sind sehr eigenständig, gleichzeitig aber befüllt mit zahllosen Reminiszenzen, die allein schon die Geschichten lesenswert machen.
    Zugleich sind die Geschichten so unvorhersehbar und spannend, dass sie Spaß machen und nach "Mehr" rufen, stilistisch hochwertig, voll von interessanten Figuren und lakonischem Humor.

    Natürlich verrate ich nicht zuviel, wenn ich ankündige, dass der Autor viele spannende Fragen beantwortet, beispielsweise die folgenden:

    Taugt ein kleiner grüner Morris zum Fluchtfahrzeug?
    Könnte nach gialleskem Flüstern im Nebel rasiermesserscharf durchdachtes Handeln nötig sein?
    Ist Larry Holt reiner Nebelspezialist?
    Eignen sich Gebäude namens Longford generell für handwerklich-forschende Tätigkeiten?
    Kann man es übers Herz bringen, Cora Ann Milton etwas anzutun?
    Spielt eine gewisse Myrna wieder eine Schlüsselrolle?
    Wie transkribiert sich der italienische 'Giacco' ins West-Neuguineische? Oder handelt es sich doch eher um eine Namens-Verwandlung des Bhag aus dem Hause Penn?
    Führt der beschwerliche Weg eines blinden Hausierers zu einem guten Ende, wenn dieser ausgerechnet Pheeney heißt?
    Waren im London des Edgar Wallace weiße Wäscherei-Lieferwagen tatsächlich so populär?
    Warum lebt ein ehrenwerter Lord am heimeligen abendlichen Kaminfeuer in London wirklich so gefährlich, wie man es auch schon aus dem schottischen Marks Priory vernommen hat?
    Ist der Hexer nach eigenmächtigen Urteilen endlich mal gesprächsbereiter?
    Warum verschlägt es die notorisch halbseidenen Mr. Connor und Mrs. Westlake nicht in eine alte Windmühle?
    Lohnt es sich, von White Bliss zu naschen?
    Kann man sich einen Killer vorstellen, der die Physiognomie (bzw. die Optik, haha) des blinden Jack mit den Qualitäten entfernter Kollegen wie Oddjob oder Max Cady vereint?
    Zeigt der von Pfeilmördern geplagte Spike Holland in seinem Tun endlich eine gewisse Ernsthaftigkeit?
    Apropos Mörder: Ist in Sachen Täter-Identität eigentlich auch undenkbares denkbar?
    Ist jemand namens Enderby - oder jemand namens Morley - ein Quereinsteiger aus dem Marple-England?
    Ist der gute alte Bankier Brabazon etwa unverbesserlich?
    Lassen sich die etablierten Geschäftsideen von Fröschen und Kreisen zielführend miteinander verbinden?
    Spielt Inspektor Elk immer noch selbstgefällig mit seiner Schwerhörigkeit?
    Hat man im 'Leopard Club' immer noch gute Erinnerungen an Frank Sutton? Was könnte Elford davon halten?
    Und: Ist dem Hexer verdammt nochmal wirklich alles zuzutrauen???
    Dies und vieles mehr.........

    @Mr. Wooler Danke für die schönen Stunden! Ach Marc, weißt du, ich bin richtig stolz auf dich!


  • Edgar Wallace - die neuen FälleDatum10.06.2019 19:02
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Mir genügen die E-Book-Versionen.
    Ich habe soeben schon die erste Folge gelesen und für sehr unterhaltsam und spannend befunden.
    Well done, Marc!

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #8
    Frage an die Experten: obwohl ich den Film so häufig gesehen habe, ist es mir zum ersten Mal aufgefallen, dass man auf zwei Außenaufnahmen dem Schloss auf der Pfaueninsel noch ein Geschoss mit ein paar Erkern hinzugefügt hat Weiß jemand, wie das geschehen ist? Offensichtlich ist es ja nicht nur eine Montage auf dem Standbild sondern eine echte Kulisse, da es nicht nur ein Standbild ist, sondern sich das Bild mit der Aufnahme bewegt (Jane Wilson kommt gerade an)|addpics|o19-3-d575.jpg|/addpics|

    Dieses interessante Thema hatten wir früher schon erörtert. Kollege Kolvenal hat schließlich die glaubhafte Lösung gefunden und - trotz tarnendem Gebüsch - die ernüchternde Wahrheit mit gefühlten ca. 99,5% Wahrscheinlichkeit nachgewiesen...:

    Zitat von Kolvenal im Beitrag Edgar-Wallace-Schauplätze
    ..... Meines Erachtens ist der Aufbau an dem Pfaueninselschloß nach alter Filmmanier eine Miniatur, die im richtigen Abstand zwischen Kamera und Objekt an einem Stativ befestigt wurde. Wenn man sich den grünen Strauch rechts genauer betrachtet, kann man auch das Stativ erahnen.


    Dies ist auch auf deinem Foto ziemlich gut zu erkennen. Tatsächliche Aufbauten wären für eine läppische Sekundensequenz um ein Vielfaches zu teuer gewesen. Es fällt im Film ja öfter auf, dass in vielen Szenen das Erdgeschoss mit geradezu lächerlich bemalten, angeblich zugenagelten Fenstern auf billigste Weise zum Abbruchschloss stilisiert wurde. Kamerafahrten nach oben werden dagegen während des gesamten Films auffallend krampfhaft vermieden, ...weil man sich lieber eines, pardon, billigen Taschenspielertricks bedienen wollte. Zwar gab es in der Wallace-Trash-Phase noch weit schlimmere Aussetzer, doch sollten auch diese geschickten Spar-Maßnahmen nicht gänzlich unerwähnt bleiben.....

  • Schloss BerlepschDatum12.03.2019 19:14
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Matze K. im Beitrag #1
    .... ich war letztes Wochenende zufällig beim Schloss Berlepsch - aber nur Außen und nun lese ich, dass es Drehort für einige Edgar-Wallace-Filme war. Ich finde aber nirgends für welche. Habt ihr einen Plan?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Berlepsch


    Das Thema gab´s schon einmal....

    Tilo von Berlepsch (2)

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #47
    Was macht es dramaturgisch für einen Sinn, dem Zuschauer das Gesicht des Mörders beim Mord an Flimmer-Fred nicht zu zeigen, wenige Sekunden später bei der Flucht aus dem Bürogebäude dann aber doch? Riecht das nicht schon etwas fischig ... nach rotem Hering?

    Es stimmt, dass dies dramaturgisch keinen Sinn hat. Aber es sieht effektvoller aus. Und es ist bei Wallace ja kein Einzelfall, dass auch mal mit fragwürdigen Stilmitteln geheimnisvolle Verwirrung gestiftet wird. Möglich ist daher alles.
    Wenn wir annehmen, dass es sich wirklich um einen roten Hering handelt, passt das Verhalten rund um die zweite Falle aber nicht mehr richtig in den Handlungsverlauf.
    Dass Strauss kleiner Handlanger und immer nur unschuldiger Zeuge ist, am Ende aber plötzlich eigenständig und ohne wirkliches Motiv die Mordfalle bastelt, kann mir niemand unterjubeln. Schon gar nicht der Gorilla...
    Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin selbst nicht sicher, weil es in diesem Nebel die ultimative Sicherheit nicht gibt. Wallace-Logik ist ja bekanntermaßen ein Endlos-Thema. Aber es macht viel Spaß, darüber zu plaudern.....

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45
    .... Stimmt, wir wissen, dass Blake Telefongespräche abhören kann. Allerdings hat Flimmer-Fred mit Judd telefoniert und nicht Strauss.....

    Das sahen wir im Bild, müssen aber davon ausgehen, dass Blake sich auch von anderen Leuten Infos verschafft hat. Neben seinem Flimmerfredschen Erpresserwissen ("Schlüssel") gibt er Nora ja später auch einen Hinweis auf den Unterschlupf (Hilfe "mit Kontakten").

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45
    Bleiben wir einfach dabei, dass alles Auslegungssache ist und bleibt. Oder hat jemand Zugriff auf Drehbuch?

    Selbst das würde sicher nicht alle offenen Fragen beantworten. Denn Wallace-Drehbücher haben ja häufig genug Unklarheiten mitgetragen - oder diese sogar erst erzeugt.....

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45
    Es gibt ja auch noch die dritte Möglichkeit, dass Strauss den Mord an Flimmer-Fred auf eigene Rechnung und nicht im Auftrag begangen hat. Er ist schließlich auch nicht ohne Motiv....

    Strauss kann den Störfaktor Fred nicht ausstehen. Dennoch sehe ich diese Möglichkeit nicht als realistisch an, es ist für Strauss eher ein willkommener Nebeneffekt (wie später bei Holt!). Es ist ja bereits der dritte Anschlag auf Fred, der nicht ahnt, den Co-Boss der toten Augen zu erpressen. Das wissen WIR im Nachhinein, deshalb ist das Motiv für die Anschläge völlig offensichtlich. Stephen Judd gab den Auftrag. Und das tat er auch im Fahrstuhl-'Fall', denn es passierte schließlich vor seiner Bürotür, wo er den Erpresser, der sein Geld abholen wollte, bei einer Zahlungs-Verabredung versetzte (Freds Ärger an der Bürotür mit dem enttäuschten Blick durch den Briefschlitz beweist dies). Statt mit Geldbündel im Büro zu warten, verschaffte sich Stephen im Foyer ein Alibi, während Strauss oben die Zigarettennummer auf Freds nicht sehr trittsicheren Fingern vollführte.

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45
    ....Strohleute? Also hat Strauss doch Fanny und Blake vorgeschickt?

    Nein, ich denke nur an Fanny.
    In der Tat wollte ich sie nicht als 'Strohfrau', 'Strohweib', 'Strohpuppe' oder 'Strohmännin' bezeichnen, dafür ist sie zu schade...

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45

    Na ja, der Schnüffler ist ja entsprechend vermummt. Hut, große Sonnenbrille und - wie du sehr schön ausgeführt hast - ein alltäglicher, anonymer Mantel. Wie groß ist außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wege des Steinmetzmeisters (oder eines Bürohausbesuchers oder -Mitarbeiters) und des Reverends aus dem Blindenheim auf normalem Weg kreuzen? Ich glaube nicht, dass David Judd als Reverend Dearborn so viel und oft außerhalb des Blindenheims unterwegs ist.

    Wenn ich es "sehr schön ausgeführt" habe, lasse ich natürlich auch gern den Einwand gelten.
    Allerdings dachte ich weniger an den Steinmetz oder Zufallsgeschichten, sondern mehr an die im Bürohaus ein- und ausgehenden Yard-Beamten. Aber trotzdem hätte es David wohl riskieren können. Nun, es bleibt Theorie, da wir ihn ja nie mit Trench und gleichzeitig das Gesicht mit Sonnenbrille gesehen haben, sondern nur wissen, dass es ihn auch SO gegeben hat. Trotzdem sehe ich, aus den anderen genannten Gründen, nur Strauss als Killer am Fahrstuhlschacht.

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45

    .....Was aber auch gefährlich ist. Wenn so eine Falle dann als reiner Selbstzweck in einem Film auftauchen würde, kann man leicht auch ein paar Zuschauer verprellen.

    Sehr richtig. Dennoch ein häufig anzutreffendes Phänomen, sozusagen die Berufskrankheit von Drehbuchautoren und Regisseuren, die aber manchmal überhaupt keine Wahl haben. Denn wenn ein relativ kurzer Film derart mit Handlung vollgestopft ist, wie es bei Wallace-Filmen eben häufig der Fall ist, müssen manchmal geradezu primitiv vereinfachte Elemente herhalten, um die Handlung voranzutreiben. Als Wallace-Liebhaber akzeptieren wir das nolens volens und diskutieren anschließend jahrzehntelang darüber.........

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45

    ....Erst im Gorilla ist es dann eindeutig. Da stellt Bird die Falle nach dem Schuss auf den Inspektor noch einmal für Mr. Parker scharf.

    Ja, aber ich bringe es nicht übers Herz, dem Schrott-Gorilla irgendeine Relevanz zuzubilligen, tut mir leid.....

    Zitat von Count Villain im Beitrag #45
    Die Augen lassen es offen, für wen die Falle aufgestellt war. Auf dem Tonband wird kein Name genannt. Da heißt es nur "Öffnen Sie den Schrank" und nicht "Öffnen Sie den Schrank, Inspektor/Mr. Judd". Da kann der Zuschauer dann selbst entscheiden, welche "Lesart" er für logischer hält. Wollte Strauss sich an Stephen Judd rächen? Oder wollten die Judds (auf gut Glück?) sowohl Holt als auch Strauss aus dem Weg bekommen?.....
    .....Wobei bei den Augen natürlich klar ist, dass Strauss sie aufgebaut hat. Da gibt es natürlich eher das gegenteilige "Problem", dass Strauss nicht keinen Grund dafür hat, sondern seine Intention nicht klar genug herausgearbeitet ist und es mehrere Möglichkeiten gibt.

    Ich möchte meinen Standpunkt verdeutlichen. Es ging ja in der Diskussion letztlich um die Motive und die Bedeutsamkeit der Figur 'Edgar Strauss'.
    Am Ende wurde seine Rolle schwerpunktmäßig kleingeredet und behauptet, Strauss habe keine mörderischen Fallen im Auftrag von Stephen gestellt, Strauss sei kein 'großer', sondern nur ein 'kleiner Handlanger', während David zur Not an mehreren Orten gleichzeitig zuschlägt (um´s überspitzt zu formulieren).
    Hätte Strauss aber als kleiner Handlanger die Todesfalle GEGEN Stephen Judd, also gegen die 'toten Augen' aufgestellt? Das wiederum hätte ihn zu einem 'großen Player', einem eigenständigen Killer gemacht. Genau an dieser Stelle frage ich mich dann, welchen Fluchtweg die Logik genommen hat...... "Nur getan, was man von mir verlangt hat." Selbst als Schutzbehauptung wäre diese Aussage hanebüchen gewesen, wenn er sich die Falle ohne Auftrag selbst ausgedacht gehabt hätte. Wie hätte er sie David - im Angesicht des Todes - auf Rückfrage erklären sollen? Mich stört dieser Widerspruch, da die vom Film angebotene, mundgerechte Lösung in Ordnung ist. Strauss hat zwar mit Geschick die beauftragten tödlichen Fallen gebaut, aber er hat sich durch Erpresserei und tiefe Mitwisserschaft in einer Mörderbande so ungeschickt verhalten, dass seine Chance, die Geschichte zu überleben, bei etwa null Prozent lag. So, wie es Wallace-Freunde bei solchen Figuren eigentlich fast am liebsten haben......

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43

    So selbstverständlich ist das nicht, sonst gäbe es diese Diskussion nicht.

    Richtig, in diesem Fall gebe ich dir recht, sorry. Aber verallgemeinern solltest du die Aussage lieber trotzdem nicht. Forumserfahrung....

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43

    Und warum erpresst Strauss Judd via Blake mit dem Schlüssel zu Fanny Weldons Wohnung anstatt mit dem Mordauftrag an Flimmer-Fred, ....

    Es ist ja eher so, dass Blake selber eine Scheibe abhaben möchte bzw. Dinge herausfinden möchte, um sie später an den richtigen Stellen zu lancieren. Strauss hat ihn auch nicht beauftragt, Blake hört bekanntermaßen seine Gäste ab.... Dass im Film insgesamt ein bisserl zuviel erpresst wird, ist ein Punkt, über den wir uns ja ohnehin alle einig sind.....
    Zitat von Count Villain im Beitrag #43

    Und warum erpresst Strauss Judd überhaupt, wenn er bereits für ihn mordet?

    Berechtigte Frage, die zum einen wieder in Richtung Gesamtlogik geht (wo bleibt vor lauter Erpressung das Geschäft der 'toten Augen' und die Jagd auf sie?).
    Zum anderen: Für mich beginnt die Erpresserei, bevor die Story für Strauss und alle Beteiligten vollkommen eskaliert, also nicht nur alte Männer ertränkt werden, sondern Interessenkonflikte unter den Beteiligten minütlich mit Morden gelöst werden. Und: Strauss kann Stephen Judd nicht mit schmutzigen Geschäften erpressen, an denen er selbst beteiligt ist, also auch nicht mit Mordaufträgen (der vergiftete Kuchen ist ja auch eher Strauss- als Judd-Stil). Er wäre ja selbst beim Henker vorstellig. Aber über Strohleute den verschwundenen Bruder, die Erbschaft und das große Geld ins Spiel zu bringen? Das geht!!

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43
    Larry-Holt-Falle:
    Woher sollten die Judds oder Strauss wissen, dass der Inspektor in dieser Nacht oder überhaupt einbrechen würde? Hätten sich Strauss und David Judd da etwa jede Nacht auf die Lauer legen müssen, wenn Holt nicht gekommen wäre?

    Die auffallend reibungslosen Wallace-Abläufe müssen wir nicht diskutieren, davon ist kein Film der Serie frei. Ich würde nie behaupten, dass ALLES logisch und stringent läuft. Aber diese Schiess-TV-Falle mitsamt anschließender Entführung war aus dramaturgischen Gründen für Holt gedacht. Und die Todesfalle stammt zweifelsfrei von Strauss, was als Botschaft für alle gilt, die ihn nur als Schreibtischtäter sehen. Bürotäter wäre hier schon wieder zutreffend, aber eben mörderisch einfallsreich.....
    Daher:
    Zitat von Count Villain im Beitrag #43

    Die Theorie, dass Strauss diese Falle für Judd aufgebaut hat (entweder um Judd zu töten, oder um ihm wegen eines toten Polizisten im Büro in Erklärungsnot zu bringen), weil dieser ihn erstens entlassen hat und zweitens nicht auf seine Erpressung eingegangen ist, hat doch auch etwas für sich, oder nicht?

    Theoretisch. Ja, durchaus. Aber der Film hat sich sozusagen für die Larry-Holt-Falle entschieden. Holt plant den abendlichen Einbruch, muss mit niemandem von der Gegenseite darüber reden und wird dennoch mit einer Action-Falle erwartet und ins Hauptquartier entführt, wo er seine Zukünftige retten darf. Wallace-Film-Logik vom feinsten.....

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43

    Und wenn schon der berühmte Strauss-Ausspruch zitiert wird, er sagt ja ebenfalls: "Ich weiß doch von nichts!" Wenn Strauss im Auftrag von Stephen Judd mörderische Fallen für Fred und Holt auslegt, weiß er schon eine ganze Menge.

    Erstaunlich, dass man diese verzweifelte Schutzbehauptung erklären muss. "Ich weiss doch von nichts!" ist ein Synonym für "Ich werde nichts verraten!". Selbstverständlich wissen beide Akteure in dieser Situation, dass Edgar Strauss sehr viel weiss, viel zu viel.

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43
    Warum das Risiko eingehen und Flimmer-Fred nicht selbst erledigen?

    Für mich kein valider Einwand. Fred hatte ja schon zwei Mordanschläge überstanden, einer davon sicher von David Judd ausgeführt. Er sollte auf jeden Fall verschwinden. Mit dem Fahrstuhl durfte sich Strauss versuchen.
    Hinzu kommt an dieser Stelle auch, dass David Judd tagsüber Reverend im Blindenheim ist. Bestenfalls ist er im Lieferwagen unterwegs. Aber er gefährdet seine Tarnung nicht durch alltägliches Herumschlendern in der City, wobei er sein sehendes Antlitz, das es nicht geben darf, vor Zeugen im Bürohaus von Stephen Judd zeigt. Oder auf dem Friedhof schnüffelt. Diese Dinge übernimmt Edgar Strauss. Dass Strauss vor seinem Ableben schon dienstlich entlassen wird, dient der Tarnung. Stephen Judd trennt ja Greenwich-Interessen sehr streng von den eigenen.

    Zitat von Count Villain im Beitrag #43
    Strauss' Flucht: Lässt sich meiner Meinung nach auf beide Arten erklären.

    Na, dann bleibe ich aber lieber bei meiner....

  • Foren-Beitrag von Peter im Thema

    Die toten Augen von London


    Ein innovatives Highlight der Serie. Und einer der Gründe, warum die Rialto-Wallaces so viel Popularität erlangen und jahrzehntelang bewahren konnten. 4,75 von 5 Punkten.



    Gerade zu diesem Film ist wirklich fast alles gesagt. Fast.
    Was brennt noch unter den Nägeln?
    Zum Beispiel immer wieder die ewige Diskussion um...

    ... Edgar Strauss....:
    Selbstverständlich (!) ist Edgar Strauss der Mörder des nicht nur bei diesem vielseitigen Sekretär reichlich ungeliebten halbseidenen Kerlchens Flimmer-Fred, dessen wanzenhafte Anhänglichkeit ihn leider selbst zu spät in Verwunderung darüber bringt, warum "keine Liebe mehr unter den Menschen herrscht".
    Nicht nur, dass wir Strauss, dessen Physiognomie auch vorm Fahrstuhl schon zu erahnen ist, wenige Sekunden nach dem Mord wenige Meter vom Tatort entfernt in passender Kleidung sehen (nein, nicht nur der Trench, auch die Handschuhe), er hält sogar die (nicht nur gesundheitsgefährdende, sondern geradezu) mörderisch glühende Zigarette noch immer in der Hand.
    Auch müsste er nicht abrupt vor den Zeugen im Erdgeschoss fliehen, wenn er nicht genau wüsste, wer dort unten liegt. Und warum. Das ist nämlich von oben aus nicht zu sehen!
    Okay, das genügt noch nicht als Argument?
    Die Falle für Flimmer-Fred in ihrem perfiden Sadismus entspricht stilistisch und mit tödlicher Konsequenz genau der Larry-Holt-Falle, die ohne Zweifel Strauss (nämlich mit seiner Stimme auf dem Tonband!) für Holt gebastelt hatte, nachdem Stephen Judd etwas in dieser Art angewiesen hatte ("... hab doch nur getan, was man von mir verlangt hat!"). Auch nach dem Auslösen des Schusses durch Holts Seiltrick kommt Strauss sofort ins Zimmer, um das tödliche Resultat zu begutachten und dem vermeintlichen Opfer bei Bedarf noch den Rest zu geben.
    Erst als er im Kampf mit Holt versagt hat, ereilt Strauss konsequent dasselbe Schicksal wie dem blinden Jack, der Nora Ward hatte entkommen lassen.
    .... Zumal Strauss sich als Mitwisser kurz vor der geplanten Südamerika-Flucht - und vor allem als Angehöriger der stetig wachsenden Erpressergilde sowieso selbst auf Abschussliste gesetzt hatte....
    All dies ist die schlüssige Logik der Judd-Brüder.
    Wie kann man also ernsthaft Straussens Handlangerdienste in der Mörderbande auf die Bürotätigkeiten beschränken wollen?!?
    Strauss ist nicht nur ein unseriöser Geschäftsmann. Er ist ein Killer, der sich dank fieser Fallen nicht gern mit Mordwerkzeugen die Finger dreckig macht; ein Killer, der das Bürohaus auf Geheiss von Stephen Judd vor Schnüffelnasen 'sauber' hält, während David Judd und Jack überall morden bzw. neben den "hauptgeschäftlichen" Opfern der 'toten Augen' auch Zeugen, Mitwisser, Organisationsversager und Erpresser beseitigen. Oder sich gegenseitig.
    Das führt gleich zum nächsten Streitpunkt...

    .... den hellen Trenchcoat...:
    Oder: ist es eigentlich wichtig, dass es dank Strauss und David Judd zwei helle Trenchcoats sind? Nein.
    Ist euch aufgefallen, wie viele Männer in diesem Film helle Trenches oder helle Mäntel tragen? Die sehr unterschiedlichen Figuren Harvey, Fred und Stephen Judd gehören jedenfalls auch dazu. Bei der Mördersuche geht es hier nicht um die (bei Wallace häufig auffällige) Stecknadel im Heuhafen, nicht um etwas Lächerliches wie einen grün leuchtenden Bogenschützen. Es geht um die Stecknadel im Nadelkissen. Die Mörderkluft ist die Alltags-Tarnung, ein Abtauchen in die Anonymität. Nebel, weisser Lieferwagen, weisser Trenchcoat. Ständige Unklarheit über die Sichtverhältnisse und Sehfähigkeiten, Mitgliedschaften und Funktionen der Bandenmitglieder. Blinde - oder versteckte Augen.

    Apropos....weisser Lieferwagen:
    ... Oder: die berechtigte Frage, wie der blinde Jack aus dem Lieferwagen auf die Müllhalde gelangen konnte. Nun, es wird natürlich nicht deutlich gezeigt, allerdings wird es klar angedeutet und ist auch so denkbar: Ein Lieferwagen, der satte Massenfuhren - wie zum Beispiel einen Haufen Dreckwäsche, schnell abladen können musste, konnte mühelos auch damals schon einen nützlichen einfachen Kippmechanismus haben. Mit einem Hebel am Armaturenbrett gehen die Hintertüren auf, ein doppelter Boden der Ladefläche wird mit einem Hebemechanismus vorn angelupft - und schon rollt das ehemalige Ungeheuer hinten raus.... Geht schon....

    Der Abgrund:
    Wenn schon an Flimmer-Freds Ende herummäkeln möchte, dann nicht an seinem beinahe tadellosen Opfer-Verhalten. Die verhängnisvolle Rechts-Links-Schwäche, die ihm das mutwillig entfernte Warnschild entgehen ließ, war zwar ein tödlicher, für die Logik-Polizei gleichwohl absolut verzeihlicher Fehler. Kein Mensch achtet darauf, in welchen von zwei, drei Fahrstühlen nebeneinander er einsteigt.
    Mir kam es immer eher so vor, als sei die passgenaue - in optischer Perfektion benötigte! - Montage der Papierfolie im Fahrstuhlschacht schwierig und sogar gefährlich gewesen. Wer hat schon solch ein exakt ausgemessenes Material mit den richtigen Eigenschaften griffbereit zu Hause? Aber klar: die hier agierenden Versicherungs-Bürohengste (vielleicht haben Strauss und Stephen Judd sogar gemeinsam angepackt) beweisen in ihrer Geschichte ja reichlich alternative Talente und bösen nächtlichen Tatwillen....

    Die Störfakoren:
    "Die toten Augen von London" ist ein wundervoller Film, auch wenn er nicht ganz perfekt ist. Aber das erwartete man von Wallace-Filmen ja nie. Es sind hier wirklich nur Kleinigkeiten, die stören: die dem Spannungsbogen nicht dienliche unbeholfene Annäherungsgeschichte Larry/Nora/Sunny, teilweise misslungene Soundeffekte von Heinz Funk, ein alberner Schlussgag.
    Fast am meisten stört mich das Versäumnis, den Mord an Lew Norris durch schnöde Nicht-Inszenierung zu verschenken. Ich hatte im Forum schon früher darauf hingewiesen, dass Reinl - zeitlich fast parallel - in diesem einen Punkt ein hübsch-hundsgemeines Zeichen setzte, als er in seinem "Mabuse-Stahlnetz" den blinden Bettler in einer nachhaltig böse wirkenden Szene mit Magirus-Deutz-Power an die Kirchenwand stempelte. Etwas in dieser Art hätte im Nebel der 'toten Augen' auch zu einem weiteren unheimlichen Spannungsgipfel werden können.

  • Bewertet: "Der rote Kreis" (1959/60, 2)Datum27.11.2018 22:22
    Foren-Beitrag von Peter im Thema

    DER ROTE KREIS


    Ein Schurkenstück, das mir immer gut gefallen hat. Nach Schema F(b) mit dem nötigen Wohlwollen lockere 4,25 von 5 Punkten wert.

    Was jedoch fällt besonders auf...?

    Das war so richtig gut:

    - Der Alphatier-Adlige Lord Beardmore, der die versuchte Bedrohung am liebsten politisch bewerten (und möglichst noch seinem 'verkommenen' Neffen unterschieben) würde: "Hahahahaha, der ROTE KREIS.... Dass ich nicht zur Polizei gehe, heißt noch lange nicht, dass ich Angst habe. ANGST vor dem ROTEN Kreis." Man könnte meinen, dieses Beardmore-Duo gehöre als KREIS-Beitrag schon zu den originellsten Mini-Familien der frühen Wallace-Welt. Weit gefehlt...
    - Das Prunkstück und das Ganovenliebchen: Leider blieben Karl-Georg Saebisch (jedenfalls als Ermittler) und Renate Ewert mit ihren verwandtschaftlich neckenden Figuren Unikate der Serie.
    Auch die prominentesten Wallace-Damen konnten später bestenfalls in ihren allergrößten Momenten dieser Thalia Drummond das Wasser reichen. Und Saebisch, dieses wunderbare Museumsstück von Schauspieler, als Parr von der Presse, Ministern und sonstigen vorgesetzten Dienstherren, Kollegen, Zeugen, Verdächtigen und Verbrechern (äh, ja und Privatdetektiven) unterschätzt und verspottet, zeigt es in überlegen-charismatischer Manier am Ende den Beteiligten, auch dem Publikum. Eine wohltuende Mischung aus allem, was einen unterhaltsamen Ermittler auszeichnet.
    - .... Apropos Unikat, wohl eines im gesamten damaligen Krimikosmos: Fritz Rasp als Froyant, ein lästiger alter Bekannter des KREISES, der sich obendrein als unzerstörbar erweist, jedenfalls zur Teestunde. Rasp - ein unschätzbares Geschenk für die frühe Phase der Filmreihe, in gewisser Weise vergleichbar mit Kinski, der etwas später abseits der Helden und Ermittler das eigentliche - weil geheimnisvolle - Gesicht der Wallace-Filme war.

    - .... Apropos unterschätzt: Die bedrohlichen Bläser und Trommler des Willy Mattes. Auch wenn im Vorspann mal eine fehlgeleitete Trompete wie eine KREISsäge ins Ohr kreischen darf: die wenig geliebte KREIS-Musik ist besser als ihr Ruf, nicht zuletzt die liebevolle akustische Ausmalung des nächtlichen Beardmore-Parks (und des unseriösen Treibens dort) - oder das unvergessliche Verfolgungs-Motiv, das letzte Halali für Lady Doringham, Felix Marles und Mr. Brabazon. Immer wieder schließen sich KREISE.

    - Eine Reihe von komödiantischen Perlen wie diese hier von einem sarkastisch wohlgelaunten Parr, einem verzweifelt desorientierten Selby und einem besonders genüsslich auf eigener Fährte ermittelnden, fiese grinsenden Yale: "...Wenn Sie DAS wissen, dann wissen Sie auch, dass wir Sie aufhängen werden." - "AUFHÄNGEN? MICH?" - "Haben Sie geglaubt, Sie kriegen einen Orden?"
    Überhaupt. In ausgewählten Momenten lautet das Motto "Wir brauchen Leute, die lachen können." Aber mit Stil. Der berüchtigte Wallace-Klamauk war 1959 zum Glück noch nicht erfunden. Sogar in der Haggett-als-Kinderschreck-Szene nach der Kitzelung mit dem Regenschirm braucht man Arent nicht als albern zu empfinden, weil er den eigentlichen Ernst der Situation sehr schön wiederherstellt und seinen Kollegen, denen das Lächeln gefriert, kundtut, wie dicht er nach dem vorzüglich inszenierten Marles-Mord in der spannenden Verfolgungsszene an der Demaskierung des KREISES geschnuppert hat. Ja, wenn "die lieben Kollegen" einen bloß nicht so oft aufhalten würden......... "Ich fürchte, das wird Ärger geben."


    Das waren die Momente zum Vergessen:

    - Jack Beardmore gilt zwar als gefräßig, gleichwohl als fabelhafter Bogenschütze. Kein Wunder, er hat viel Zeit zum Trainieren und nutzt diese trotz seiner angeblichen Faulheit. Dumm nur, dass die ihm gleichfalls nachgesagte Dummheit zwar eher unzutreffend ist, dass seine Dreimal-Zentrum-Pfeile aber deutlich sichtbar aus einer ganz anderen Richtung abgeschossen werden als uns die Geschichte dieses verhinderten Olympioniken vorgaukelt…. Hat der KREISSchütze etwa dem guten Jack schon beim Angeberflirt so unbürokratisch geholfen wie später bei der nächtlichen Erbschaftsregelung?

    - Neben einigen anderen logischen Schwächen, über die ich jetzt gern mal hinwegsehe, wird – um der lieben Spannung willen - in einer (trotzdem schönen) Szene eine psychologische Total-Unmöglichkeit strapaziert, denn: kurz nach dem freundlichen Erstbesuch des roten Kreises im Auto hätte Lady Doringham sich nie, nochmals nie und nimmermals ohne Checken der Rückbank in ihr Auto gesetzt. Vor allem nicht nach Missachtung der todesstraflichen Drohung durch den KREIS, die Ordnungspolizei doch bitteschön vom Glasperlen-Collier-Wechsel-Dich-Spielchen unbehelligt zu lassen…..

    - Klar, der Nagel. Als ich mir den Film einst einmal mit einem Wallace-unbefleckten Bekannten ansah, fragte der mich, was das solle. "Na ja, der Henker ist betrunken und schlägt deswegen den Nagel ein." Für diese alternativ- wie hilflose Erklärung erntete ich einen Blick, als hätte ich selbst gerade volltrunken einen Nagel eingeschlagen - ins eigene Schienbein..... Seitdem ist mir die dramaturgische Schwäche des Moments bewusst.....

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