eine schöne Idee – ich werde den Thread mit Interesse verfolgen. Nur an den Titel „Entspannung durch Hochspannung“ muss ich mich noch gewöhnen, da dieses Versprechen für mich eher dafür steht, dass auch ein spannender Krimi zu entspannender Unterhaltung für den Zuschauer führen kann. Was die Filmhandlung betrifft, bin ich aber ganz bei dir, wenn du im weiteren Verlauf von Entspannungsmomenten sprichst. Das Aufbrechen der Kriminalfilmhandlung war sicherlich ein nicht zu unterschätzendes Merkmal im Erfolgsrezept der Reihe.
Was mir spontan zum Frosch noch einfällt: Fuchsberger und Arent bilden in leisen Ansätzen ein Buddy-Duo, auch wenn die Gewichtung nicht gleichwertig ist. Der smarte Gentleman und sein Butler als Sidekick, der steif wirkt, aber mit trocken-zurückhaltender Komik agiert. In ihrer Konstellation nehmen sie fast ein wenig Bruce Wayne und Alfred vorweg, bei denen es ebenfalls immer wieder zu humorvollen Auflockerungen in der Interaktion kommt. Und zu guter Letzt trainieren die beiden ja sogar gemeinsam Karate – wie später Inspektor Clouseau und sein Diener, wobei dort allerdings wirklich ungezügelte Slapstick-Momente entstehen.
Vielen Dank lieber Florian, Vielen Dank allen Gratulanten, Ich freue mich sehr über die Glückwünsche.
Zum Geburtstag habe ich ein paar Tage in der ewigen Stadt verbracht (Nicht ohne kurzen Abstecher zur Cinecittà) und komme daher erst jetzt zum antworten.
Nun, das Soundfile wäre wohl hilfreich oder auch die Informationen, um welches Anwesen an welchem Ort es sich handelt. Denn v.a. die Drehorte sind eigentlich mittlerweile recht gut dokumentiert.
ZitatDoch wie ich schon schrieb, Humor hat viele Facetten und die einen Zuschauer finden das blöd, die Anderen eben lustig bis sehr lustig.
Richtig. Ich kann weder dem Gro der Gottlieb-Komödien, noch "Wer zuletzt lacht, lacht am besten" oder der "Drei Männer im Schnee"-Neuverfilmung etwas abgewinnen, freue mich aber dennoch, wenn auch diese Filme noch ihre Liebhaber finden.
Ich kann einige Ausführungen bezüglich der Regisseure nicht nachvollziehen. Es sind auch ein paar sehr spezielle Ansichten dabei, was aber ja völlig legitim ist. Nur so viel: Alle genannten Regisseure waren keine Autorenfilmer. Während Reinls Spielfilmkarriere in den 70er-Jahren dem Ende entgegenging und Vohrer zum Fernsehen wechselte, drehte Gottlieb in größerer Zahl 70er-Komödien – inmitten eines eingebrochenen Kinomarkts. In diese Richtung zielte ja auch Georg bereits.
Bezieht man diesen Umstand ein, so meine ich, nehmen sich die 70er-Komödien all der genannten Regisseure nicht viel – und geben sich auch nicht viel. Wenngleich es innerhalb dieser Phase durchaus noch Entdeckenswertes gibt (siehe Lady Dracula (1975-1978, Berlinale-Wiederaufführung)).
Schon gar nicht würde ich Gottlieb ein im Vergleich höheres Humorverständnis im Rahmen der vorhergehenden Dekade attestieren – und ich denke, das würden auch die allerwenigsten. Wenngleich ich der Meinung bin, dass ihm mit ein, zwei glücklicheren Umständen auch mal ein Wallace-Volltreffer hätte gelingen können. Als Ausputzer hat er sich aber zu keiner Zeit verdient gemacht.
Gegen wen sich die Polemik auch immer richtete, es braucht sie hier nicht. Der Thread wird bitte für sachgerchte Diskussionen zum gegebenen Thema. Die letzten beiden Beiträge habe ich gelöscht.
Zitat von Savini im Beitrag #115Prügeleien gab es allerdings auch bei Vohrer ("Augen", "Tuch", "Bann" und speziell "Glasauge") oder Gottlieb ("Abt", "Gruft", 7. Opfer"), Explosionen im Karl-May-Genre auch bei Vohrer ("Old Firehand") oder Philipp ("Ölprinz", "Apanatschi"). Sicher wurden beide Genres zuvor von Reinl geprägt, und an bestimmten Standards orientierten sich dann auch spätere Autoren/Regisseure. Aber ich kann mir kaum vorstellen, dass diese andernfalls ganz auf diese Zutaten verzichtet hätten.
Richtig. Die Frage war ja, was man als typisch Reinl einstufen würde. Nicht, was er völlig exklusiv für sich verbuchen kann.
By the way: Folgender Ausschnitt aus einem Interview mit dem Kulturwissenschaftler Ralf Junkerjürgen (Stuttgarter Zeitung im letzten September): "In ästhetischer Hinsicht haben gerade die Filme von Harald Reinl, der nach " Der Schatz im Silbersee" auch die " Winnetou" -Trilogie inszeniert hat, Maßstäbe gesetzt. Als ehemaliger Wintersportler hatte er ein unglaublich gutes Gespür für gebirgige Landschaften. Bei meinen Reisen zu den Schauplätzen in Kroatien ist mir erst bewusst geworden, welche logistischen Herausforderungen die Filmteams zu bewältigen hatten, weil viele Drehorte in den Bergen nur über Trampelpfade zu erreichen waren. Reinl und sein kongenialer Kameramann Ernst W. Kalinke haben einen enormen Aufwand betrieben, um der Landschaft diese Bilder abzuringen. Im Ausland sind die Filme übrigens zum Teil deutlich besser besprochen worden. Hierzulande konnte gerade die linksintellektuelle Filmkritik nichts mit den Karl-May-Verfilmungen anfangen."
Die Antwort nach typischen Reinl-Stilmitteln hast du dir ja schon weitgehend selbst gegeben.
Die Schlusseinstellung mit Liebespaar würde ich auch als typisch bezeichnen, wobei man das natürlich auch bei Vohrer findet.
Dann wird ihm ja stets nachgesagt, als ehemaliger Bergfilmer stets Wert auf Postkartenmotive gelegt zu haben. Das finde ich auch nachvollziehbar. Mag es bei einem Western oder Heimatfilm in den Alpen besonders naheliegen, einen Panorama-Schwenk einzubauen, so muss man mit Blick auf die Krimi- und Abenteuerfilme sagen, dass er auch hier gerne Außenmotive (Schlosspark etc.) weit bebilderte. Dagegen drehte Vorher – übertrieben gesagt – klaustrophobische Studiofilme, besonders natürlich in der Spätphase. Wobei natürlich auch Trends in der Produktion den Stil prägen. So kann man zwar festhalten, dass Philipp mit der Themsentoten das Geschehen beispielsweise wiederum vollständig aus dem Studio hinausverlegt, dies aber auch ingesamt bei den Filmen dieser Jahre zu beobachten war. Bei den Italo-Wallace findet man viel stärker die mobile Handkamera eingesetzt, was im Zusammenspiel mit dem Plot ein dortiges Stilmerkmal wurde (z.B. subjektive Täter/Opfer-Sequenzen). Es ist also auch immer ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Trotzdem kann ich mir den Establishing-Shot vom Schloss “Marks Priory” beim indischen Tuch bei einer angenommenen Regie von Reinl nur unter seinem Protest vorstellen.
Reinl legte außerdem viel Wert auf “Action”, wie er in einer der raren Behind-the-Scenes-Reportagen (ich glaube es war ein Fernsehbericht zu einem Cotton?) selbst betont. Da der moderne Actionfilm noch nicht geboren war, bedeutete dies für Reinl v.a., dass sich sein Held im Lauf der Geschichte prügeln musste und es entsprechend temporeiche Passagen geben muss. Wobei er ja auch schon – insbesondere Winnetou eingerechnet –ordentlich was wegsprengte und in die Luft jagte.
Thema von DanielL im Forum Film- und Fernsehklass...
Brannigan – Ein Mann aus Stahl
USA 1975 • Regie: Douglas Hickox • Drehbuch: Christopher Trumbo, Michael Butler, William P. McGivern • Kamera: Gerry Fisher • Schnitt: Malcolm Cooke • Musik: Dominic Frontiere • Produktion: Arthur Lewis (Wellborn Productions)
• John Wayne als Lt. Jim Brannigan • Richard Attenborough als Commander Swann • Judy Geeson als Jennifer • Mel Ferrer als Mel Fields • John Vernon als Ben Larkin • Lesley-Anne Down als Miss Thorpe • Ralph Meeker als Capt. Moretti • Daniel Pilon als Gorman • Barry Dennen als Julian
Lieutenant Jim Brannigan, ein harter Polizist aus Chicago, wird nach London geschickt, um einen geflohenen Gangster namens Ben Larkin zurückzubringen. Doch kurz nach seiner Ankunft wird Larkin entführt. Brannigan versucht, die Entführer zu finden, muss sich aber mit den britischen Behörden, insbesondere mit Commander Swann, arrangieren. Zwischen actionreichen Verfolgungsjagden zeigt Brannigan, dass er auch auf fremdem Boden seinen eigenen Regeln folgt.
Wayne trifft als raubeiniger Chicago-Cop in diesem ironisch gestalteten Thriller auf britische Kollegen von Scotland Yard. Dabei fällt er nicht nur mit seiner direkte Art oder unkonventionellen Auftritte im Lunch-Club auf, sondern vor allem durch seine kompromisslosen Ermittlungsmethoden. Doch als der Fall eskaliert, kann auch Yard-Mann Swann nicht länger Wert auf britische Höflichkeit legen. So entsteht eine unterhaltsame Vorstufe zur später etablierten Buddy-Action.
Brannigan trägt stets seinen 38er Colt bei sich, was unweigerlich an "Dirty Harry" erinnert, doch anders als in seinem vorhergehenden Film "McQ schlägt zu" bleibt Wayne letztlich in seiner eigenen Tradition treu: Während der zynische Detective Callahan dem Italo-Western entsprungen ist, ist Brannigan eher der amerikanische Westernheld – nur mit einem gewissem Altersstarrsinn. Kein verbitterter Einzelkämpfer, sondern ein durchsetzungsfähiger Stadt-Cowboy, der in London zwar fremd, aber nicht verloren ist.
Zusätzliche Spannung erhält die Jagd nach dem Gangster Larkin durch die Nebenhandlung um den Auftragskiller Gorman, der dem Helden unter anderem in einem schwarzen Jaguar E-Type auf den Fersen bleibt. Die filmisch stark eingefangenen Verfolgungsjagden durch London, gespickt mit entsprechenden Postkartenmotiven, sorgen für visuelle Highlights. Unterstützt wird das Ganze durch einen gelungenen, zeitgenössischen Soundtrack, der den Mix aus Action, Humor und Macho-Coolness schön unterstreicht.
Aktuell ist der Film in guter Qualität im Amazon-Prime-Basispaket zu sehen. Da er auf DVD und Blu-ray vergriffen ist und es sich augenscheinlich nicht um eine Begleitverwertung im Zuge einer physischen Neuauflage handelt, hat Amazon offenbar den Zugang zum MGM-Portfolio genutzt.
Absolut richtig, da ist auf jeden Fall viel Klamauk dabei und auch die ein oder andere Szene, wo man sich an den Kopf fassen darf. Nur eben recht liebevoll das Ganze und was mich überrascht hat, ohne große Langeweile (mag auch an der besonderen Kino-Atmosphäre gelegen haben). Den Vergleich zu anderen Komödien jener Zeit finde ich fairer, als zu "echten" Krimis. Und wenn man sich da dann mal anguckt, mit welch platten Gags man in diesen ganzen Gunter-Philipp-Filmen (70er) gearbeitet hat, oder bei Carrell & Ilja Richter, später Gottschalk/Krüger, ... steht die "Lady Dracula" plötzlich gar nicht mehr so schlecht da, wenn man sich mit dem natürlich völlig absurden Grundplot abfinden kann.
Den Schlussgag hätte man sich in der Tat sparen können, dass hätte den Film m.M. besser gerahmt. Das war damals wohl so eine Marotte, die gelegentlich mal vorkam (siehe auch die berühmt berüchtige letzte Szene schon beim "indisches Tuch").
Dr. Kannoft wird übrigens von Fritz Hakl gespielt. Er hat in der tollen Derrick-Episode "Das Superding" eine wichtige Rolle. Daneben war er lange am Wiener Burgtheaters und spielte in der Blechtrommel. Da kann man sich als Ausgleich so etwas mal erlauben :D
Thema von DanielL im Forum Film- und Fernsehklass...
Bundesrepublik Deutschland 1975/78 · Regie: F.J.Gottlieb · Drehbuch: Bradford Harris (= Brad Harris), Redis Reda · Kamera: Ernst W. Kalinke · Schnitt: Gisela Haller · Musik: Horst Jankowski · Produzenten: Horst Pflüger · Eine IFV-Produktion der TV 13 im Verleih der KORA-Film
ZitatDie junge Comtesse Barbara von Weidenborn wird im Jahr 1876 von Graf Dracula (Stephen Boyd) gebissen und daraufhin bestattet. Hundert Jahre später wird ihr Sarg bei Bauarbeiten freigelegt, wodurch sie zu neuem Leben erwacht. Barbara (Evelyne Kraft) findet eine Anstellung als Leichenkosmetikerin im Bestattungsinstitut von Theo Marmorstein (Theo Lingen). Dadurch bleibt sie zunächst unentdeckt, da sie sich heimlich von Blutkonserven ernähren kann. Als diese jedoch zur Neige gehen, beginnt sie, über Bekannte herzufallen. Kriminalassistent Eddi (Eddi Arent) wird zuerst auf den Fall aufmerksam. Sein Vorgesetzter (Brad Harris) interessiert sich zunehmend auch privat für die ebenso verführerische wie verdächtige Barbara.
Dieser Film ist wie eine ausgelassene, groteske Kostümparty, bei der Regisseur Franz Josef Gottlieb geladen hat, ein letztes Mal "Papas Kino" zu feiern. Jenes Kino, das eigentlich schon als überholt galt. Doch wie die untote Barbara von Weidenborn erwacht es in "Lady Dracula" zum Leben und tänzelt beschwingt durch die bunten Siebziger Jahre.
Und wer ist nicht alles Gast auf dieser Party: Eddi Arent, Publikumsliebling der Edgar-Wallace-Filme, gibt in einem seiner letzten Kinoauftritte einmal mehr den lustigen Sidekick. Der eigentlich schon vom Film zurückgetretene Theo Lingen gab für "Lady Dracula" überraschend ein einmaliges Comeback. Es sollte auch der letzte Film für den internationalen Star Stephen Boyd sein, der hier als Graf Dracula im Prolog einen Gastauftritt in bester "Hammer"-Marnier absolviert. Walter Giller und Klaus Höhne sorgen als Sargträger-Duo für Slapstick-Momente. Die Besetzung glänzt bis in die Nebenrollen mit Genre-Gesichtern wie Christine Schuberth, Herbert Fux, Ulrich Beiger und Heinz Reincke. Angeführt wird die Besetzung allerdings durch die hübsche Schweizerin Evelyne Kraft und Brad "Captain Rowland" Harris.
Erstere ist damals 22 Jahre alt, spielt hier ihre erste Hauptrolle und war dabei für die Bravo "die große Entdeckung des letzten Jahres". Zuvor hatte sie kleine Filmrollen gespielt und als It-Girl in der Kommissar-Folge "Ein Playboy segnet das Zeitliche" bei Fernsehzuschauern zweifellos für hohen Puls gesorgt. Naheliegend wäre es daher, ihre Rolle in "Lady Dracula" als "Eye Candy" abzutun. Dabei würde man aber verkennen, dass sie hier nicht die bedrohte Schönheit gibt, sondern als Antiheldin den Film zu großen Teilen zu tragen hat. Trotzdem oder vielleicht gerade weil sie von Angelika Bender synchronisiert wird und ihr als durstige Vampirfrau naturgemäß keine feinen Nuancen, sondern wirkungsvolle, spaßige Szenen abverlangt werden, kann man ihr ganz unarrogant bescheinigen, dass sie das doch eigentlich ganz hervorragend macht. Gottlieb inszeniert sie in aufreizenden Nachthemden, verzichtet jedoch überraschenderweise auf voyeuristische Schüpfrigkeiten, die man in der Ära durchaus hätte erwarten können (sein vorheriger Film war "Auf der Alm, da gibt's koa Sünd"). Das Erstaunlichste an der Beteiligung von Action-Spezialist Brad Harris ist wiederum, dass ihm auch der Credit für die Drehbuch-Idee (als Bradford Harris) zukommt.
Wie gelang diesem bizarr-trivialen Konzept die Umsetzung? Ironischerweise kommt man dabei ganz automatisch auf ein Thema zu sprechen, das so gar nicht aufregend klingt: Steuern. Der Film wurde von Hans Pflüger produziert, der bereits mit Theo Maria Werner einige "Kommissar X"-Streifen mit Brad Harris hergestellt hatte. Pflüger finanzierte seine späteren Filme gerne als sogenannte Abschreibungsfilme, was auf ein Steuerurteil von 1970 zurückzuführen ist. Dieses Modell sollte die Filmindustrie beleben und deutschen Filmschaffenden in kriselnden Zeiten helfen. Investoren konnten ihre Einlagen in Filmproduktionen vollständig als Betriebsausgaben absetzen und so ihre Steuerlast senken. Da der wirtschaftliche Vorteil für die Geldgeber bereits in der Abschreibung lag, gerieten die Filme in der Folge allerdings nicht übermäßig ambitioniert. So machte sich der in der Branche nicht unumstrittene Pflüger nach einem Dutzend solcher Projekte daran, auch "Lady Dracula" auf den Weg zu bringen. Probleme gab es allerdings, einen Verleih zu finden, sodass der Film erst verspätet und in geringem Umfang in die Kinos kam und schnell in Vergessenheit geriet.
Und hier liegt die vielleicht größte Überraschung: Sah der Filmdienst zwar nur ein "Horrorfilmchen unter Niveau", so ist "Lady Dracula" doch keineswegs bloß eine Klamotte niederer Machart. Er sortiert sich klar vor den Schlager-, Verwechslungs- und Sexfilmkomödien seiner Zeit ein. Franz Josef Gottlieb lieferte einen temporeichen Spaß ohne große Längen ab. Natürlich ist der Film hemmungslos klamaukig – aber das war "Dracula – Tot aber glücklich", den Slapstick-Ikone Leslie Nielsen zwei Jahrzehnte später drehte, ebenso (der Filmdienst notierte dabei eine "zitatenreiche Genreparodie"). Mit Wallace-Veteran Kalinke an der Kamera waren wohlig-gruselige Bildmotive kein Problem. Die Ausstattung ist liebevoll gestaltet, was den kursierenden, abgenutzten Fernsehmitschnitten bislang kaum zu entnehmen war. Der Original-Soundtrack von Horst Jankowski ist ein absoluter Knaller, den man sich sofort auf eine Filmmusik-Platte wünscht.
Im Rahmen der 75. Internationalen Filmfestspiele von Berlin und ihrer Retrospektive mit dem allzu passenden Titel "Wild, schräg, blutig." feierte "Lady Dracula" am 18.02.2025 seine Wiederentdeckung. Schnell geriet der Film zum Gute-Laune-Tipp der Berlinale-Retrospektive. Zwei weitere Vorstellungen während des Festivals, einerseits bei der Deutschen Kinemathek, andererseits im CineStar am Alexanderplatz – neben "Captain America" im Nachbarsaal –, waren ausverkauft. Berliner Filmstudierende, internationale Festivalgänger und Genre-Filmfans hatten ihre Freude an dem Film. Der "Tagesspiegel" beförderte die filmische Ausgrabung immerhin zum "großartigen Edeltrash". Der Redakteur der "Berliner Morgenpost" will zwar Fremdscham verspürt haben, konnte sich dem Guilty Pleasure dann aber doch nicht entziehen: "Welche Hingabe in Ausstattung und Dekor. Und wer hat da alles mitgespielt!"
Eine brandneue Abtastung liegt nun also digital vor – es wäre jetzt der richtige Moment, den Film mit ebenso großer Hingabe in einer entsprechenden Home-Video-Edition herauszubringen. Man könnte die Umverpackung mit so etwas Schönem betexten wie "Der auf der Berlinale als Kultfilm gefeierte Klassiker". Es wäre weit weniger gelogen als vieles, was man schon auf Covern gelesen hat.
Sehe ich weitgehend auch so. Zumindest aus Sicht hiesiger Interessenten, die mit den Pidax-Einzelteilen nicht "abgeholt" wurden, wäre eine schmucke Box mit allen BEW-S/W-Filmen in HD noch eine interessante Alternative gewesen, zumal die Farbfilme ohnehin für die Giallo-Zielgruppe ohnehin ihre vergleichsweise prächtige Veröffentlichungen erfahren haben. Aber klar: Am Ende muss man es fairerweise erst mal am Zielmarkt bemessen. Da wird die Diskussion um die genaue Zugehörigkeit und Vollständigkeit EW/BEW ohnehin vermutlich nicht so leidenschaftlich diskutiert, so haben die Fans dort nun einfach Zugang zu einer Box mit weiteren Filmen der "German Wallace-Wave" mit den neuen Mastern. Diese dann als "brandnew restaurations" zu feiern, soviel Marketing muss man denen dann schon zugestehen. Das machen ja deutsche Veröffentlichungen, die auf neuen US-Mastern etc. basieren auch nicht anders.
Was die Darbietung abseits der Disc-Inhalte selbst betrifft, kam leider bisher nichts mehr an die rot-blau-gelben DVD-Schuber heran. Vielleicht nicht in der Verarbeitung (Kleber löste sich irgendwann tlw. auf), aber in Optik und Vollständigket. Irgendeine Lösung für das "Phantom" hätte es mit entsprechendem Willen schon gegeben. Pidax in allen Ehren wg. der umfangreichen Zugänglichmachung von Fernsehschätzen, aber die Chance sich mit den CCC-Lizenzen wirklich in das Herz der Sammler zu katapultieren, wurde leider verpasst. Und diese Box freut mich eher für die englischsprachigen Fans, als dass es nun eine echte Alternative ist.
Wäre dann immerhin hilfreich, die Infos, die da sind, zu hinterlegen. Sonst muss sich das jeder selbst suchen.
Zitat In the 1960s, a cycle of crime films - or krimis - became hugely popular with West German audiences. Adapted from works by the British crime writer Edgar Wallace and his son Bryan Edgar Wallace, they combined the traditional murder mystery with horror as they depicted enigmatic killers stalking their victims through foggy English landscapes - from the streets of London to isolated rural mansions. Following the early success of the cycle after the release of Face of the Frog and The Crimson Circle, veteran producer Artur Brauner launched into his own series of Wallace krimis with his company CCC Film. Presented here are five key films drawn from CCC's krimi cycle. In The Curse of the Yellow Snake, a mysterious cult wishes to lay its hands on an ancient artefact that has been brought to London from Hong Kong. The Strangler of Blackmoor Castle sees a masked murderer stalk the grounds of a vast British estate - one who brands his victims' foreheads with the letter "M." London is faced with dual threats in The Mad Executioners, as a gang of hooded vigilantes roams the streets while a sadistic serial killer is on the loose. Jack the Ripper lives on in The Monster of London City, as a series of brutal murders brings panic to the British capital. Finally, in The Racetrack Murders (or The Seventh Victim), people are dropping like flies in and around a stately home - and the murders might just have something to do with the owner's prized racehorse. With its masked killers, labyrinthine plots and gothic atmosphere, the Wallace krimi blended crime, thriller and horror elements into a potent mix that had a significant influence on both the Italian giallo and the American slasher film. The Masters of Cinema series is proud to present five of Artur Brauner's Wallace adaptations for the first time on Blu-ray in the UK from new restorations provided by CCC Film, alongside a wealth of special features - including a bonus film presented in standard definition, The Phantom of Soho.
Zitat Language(s): German, 'The Strangler of Blackmoor Castle'/'The Mad Executioners'/'The Monster of London City'/'The Phantom of Soho': English dub, Subtitles: English, Interactive Menu, Screen ratio 1 - 1.66:1, Screen ratio 2 - 1.37:1, Screen ratio 3 - 2.35:1, Booklet, Commentary: 'The Curse of the Yellow Snake'/'The Phantom of Soho': Kim Newman and Barry Forshaw; 'The Strangler of Blackmoor Castle'/'The Mad Executioners'/'The Racetrack Murders': Kevin Lyons and Jonathan Rigby; 'The monster of London City': Kim Newman and Stephan Jones., Documentaries: 'Passing the Blade'., Interviews: Alice Brauner (producer/managing director of CCC Film)., Limited edition hardbound slipcase featuring new artwork by Poochamin; Bonus feature: 'The Phantom of Soho' (1964); New introductions to each film by Tim Lucas (genre film expert/'Video Watchdog' founder).
Auch hier hatte man also das Problem, das "Phantom von Soho" nur in SD von der CCC zu bekommen - und umgeht es, indem man es schlicht als Bonus bezeichnet. Interessant wäre allein, warum der Film diese unrühmliche Sonderstellung hat - also im Ursprung.
Angesichts der Tatsache, dass sich unser erstes Edgar-Wallace-Treffen - wenn ich richtig nachgesehen habe - im Spätsommer zum 20. mal jährt (!), werfe ich mal einen Samstag/Sonntag im späteren Jahresverlauf zwecks Stammtisch/Filmspaziergang etc. in den Raum.
Ich hätte dann noch einen "Hexer"-Drehort zu melden, der hier (meine ich) noch nicht zur Sprache kam!
Zitat von Fabi88 im Beitrag #66Handwerklich ist der Film einigermaßen okay. Richard Angst' Kameraarbeit ist aus meiner Sicht aber sogar schwach. Die teils "aus der Hüfte geschossenen" London-Bilder der Titelsequenz stammen offensichtlich aus irgendwelchen Drittquellen, sind vielleicht sogar 16mm-Dokumentarfilm-Material und sorgen für einen holprigen Einstieg.
Siehe Materialliste bei Filmportal.de: Dort kannst du eine Bestellliste für die London-Schnittbilder der CCC einsehen.
Zu unserer obigen Podcast-Folge hat sich ein Nutzer gemeldet und freundlich darauf hingewiesen, dass wir Dick Alford fälschlicherweise als Neffen von Harry Chelford bezeichnen statt als dessen Vetter. In der Romanvorlage war es ja noch ein Halbbruder. Nun habe ich mal in verschiedene Quellen gesehen. In Texten, die direkt von Rialto/Constantin herausgegeben wurden steht Vetter. Diese würde ich mal als maßgeblich betrachten. Dem Folgen auch die diversen zeitgenössischen Filmprogramme, die Kramp-Bücher und die meisten Inhaltsangaben. Im Pauer-Buch ist interessanterweise auch vom Neffen die Rede und wenn man danach sucht, findet man immer wieder mal Beschreibungen, wo dies ebenfalls der Fall ist. Wir sind also nicht die ersten und einzigen, die offensichtlich falsch lagen. Vermutlich liegt es daran, dass - wenn man die Jahrgänge der Schauspieler Fuchsberger/Borsche hernimmt - eine Onkel-Neffe-Beziehung etwas wahrscheinlicher ist, als eine Vetternbeziehung. Das finde ich auch insofern interessant, als dass öfter moniert wird, dass die Paarung Böttcher/Borsche unglaubwürdig sei, während dieser Aspekt bisher noch nicht auffiel. Meist ist im Film auch immer nur vom "Gutsverwalter Dick" und "Harry"/"Lord Chelford"/"seine Lordschaft" zu hören, als ob man das Verwandschaftsverhältnis bewusst lieber so lange wie möglich "umschiffen" würde. Am Ende sagt Fuchsberger dann aber: "Mein Onkel, Harrys Vater,..."
Der Film ist ja rar und wird bisher allenfalls in bescheidenen Privatkopien hin- und hergetauscht. Seitens Sky gibt es keine weiteren Infos über den EPG hinaus, dort kann man entnehmen, dass der Film in HD laufe und mit "FSK 18"-Jugendschutzsperre. Letzteres verwundert, lief der Film doch selbst 1958 FSK 16 - könnte denn aber der Grund sein, warum man den Film lediglich im tiefen Nachtprogramm einsortiert. Ansonsten heißt es nur: "Das Drama ist der erste Film von Regisseur Alfred Vohrer („Der Hexer“)."
Empfängt jemand den Sender und kann mal ein Auge darauf werfen?