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Dieses Thema hat 62 Antworten
und wurde 5.935 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Jan Offline




Beiträge: 1.245

09.12.2017 15:17
#61 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Zitat von Ray im Beitrag #60
gewollt oder ungewollt

Gewollt, würde ich meinen. Ich halte das Duell Gut gegen Böse bzw. Kieling gegen Ungeheuer nicht für das Hauptanliegen des Films. Es stellt einen locker angelegten Rahmen dar, um zu erreichen, dass der Film, dessen Hauptanliegen wohl eher die kleinen Geschichten und Geschichtchen sein sollen, einige Identifikationsfiguren behält, auf die schlussendlich die Handlungsstränge vereint werden. Im Vordergrund stehen aber Lokalcholorit und Absurditäten des Sixties-Kiezes. Im Übrigen wandte Jürgen Roland etwas Vergleichbares beim "Großstadtrevier" an. In den von ihm noch entwickelten Episoden werden drei oder vier parallele Handlungsstränge am Ende der Episode - mal mehr, mal weniger glaubwürdig - zusammengeführt, wobei in Rolands Fernsehserie nur selten bereits vorab bekannt war, auf welches Ende es hinausläuft.

Gruß
Jan

Ray Online



Beiträge: 863

23.12.2017 11:36
#62 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (BRD 1969)

Regie: Rolf Olsen

Darsteller: Curd Jürgens, Heinz Reincke, Jutta d'Arcy, Heidi Kabel, Fritz Tillmann, Horst Naumann, Diana Körner, Fritz Wepper, Konrad Georg, Erik Schumann u.a.



Nacht acht Jahren wird Hannes Teversen (Curd Jürgens), früherer Kapitän auf großen Schiffen, aus der Haft entlassen. Dabei geht es ihm neben der Resozialisierung vor allem auch um Rehabilitation, denn er ist nach wie vor von der eigenen Unschuld in Bezug auf die Tötung der Frau seines ehemaligen Teilhabers (Fritz Tillmann), mit der er damals ein Verhältnis hatte, überzeugt...

Im Remake des Hans Albers-Klassikers gelingt es Regisseur Olsen anfänglich sehr gut zu illustrieren, wie sich die (gesellschaftlichen) Verhältnisse in den acht Jahren verändert haben. Der Zuschauer begleitet Curd Jürgens auf seinen ersten Metern nach der Haftentlassung, die ihn an großen Baustellen und Kiosken vorbeiführen, die reihenweise Hefte mit spärlich oder gar nicht bekleideten Frauen verkaufen, Letzteres nimmt die Hauptfigur mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis.

Schnell führt ihn sein Weg zu seinem alten Freund, der ein schlecht gehendes und dazu von Schutzgelderpressern ausgemolkenes Etablissement führt. Dieser wird von in jenen Produktionen nahezu unvermeidlichen Heinz Reincke verkörpert, der zu dieser Rolle aber immerhin wesentlich besser passt als zu jener, welcher er er später in "Fluchtweg St. Pauli" bekleiden sollte. Jürgens wird kurzerhand bei Reincke einquartiert und beide peppeln sich gegenseitig in der Folge ein bisschen auf. Ein Konflikt deutet sich jedoch an, als Jürgens sich in Reinckes vermeintliche Tochter Antje verguckt, die in Wahrheit jedoch Teversens "eigen Fleisch und Blut" ist. Zwischen diesem dramatischen Aspekt und der Krimi-Handlung schwenkt der Film hin und her, wobei zwischendrin ein Übergewicht auf dem dramatischen Moment liegt. Das macht aber nicht ganz so viel aus, denn das Ensemble um Jürgens, Heidi Kabel & Co sorgt für eine ordentliche Portion Wohlfühl-Faktor. Selbst die Gesangs-Einlagen erweisen sich als nicht allzu störend, sind sie doch recht flott ins Bild gesetzt. Fritz Wepper (leider synchronisiert) und Diana Körner spielen erstaunlich kleine Parts, Antje wird von der recht unbekannten Jutta d'Arcy verkörpert, die aber einen ausgesprochen sympathischen Eindruck hinterlässt. Fritz Tillmann hat das richtige Format für einen Rivalen der Jürgens-Figur, Horst Naumann spielt eine für ihn typische Rolle.

Insgesamt ein recht vergnüglicher Kriminalfilm, der für seine Entstehungszeit ordentliche Unterhaltung liefert.

Die DVD von Dynasty/Fernsehjuwelen/Intergroove präsentiert den Film im Original-Kinoformat, als Extra liegt eine 4:3-Fassung vor. Das Bild geht in Ordnung.


St. Pauli-Krimi mit einer ordentlichen Portion Wohlfühl-Faktor, der ein latentes Ungleichgewicht zwischen Drama- und Krimihandlung weitgehend aufwiegen kann. Noch 4 von 5 Punkten.

Ray Online



Beiträge: 863

03.01.2018 22:46
#63 RE: Hamburger Reeperbahn-Filmklassiker Zitat · antworten

Der Arzt von St. Pauli (BRD 1968)

Regie: Rolf Olsen

Darsteller: Curd Jürgens, Horst Naumann, Fritz Wepper, Suzanne Roquette, Monika Zinnenberg, Christiane Rücker, Heinz Reincke, Dieter Borsche, Marianne Hoffmann, Friedrich Schütter u.a.



Dr. Jan Diffring (Curd Jürgens) hat ein besonderes Herz für die "kleinen Leute" in St. Pauli und kümmert sich u.a. um Prostituierte oder hilft bei Boxkämpfen eines Freundes aus. Als ein junger Matrose unter Mordverdacht gerät, weil er seine Ex-Geliebte getötet haben soll, die ihm klar gemacht hatte, dass sie das Leben als Edelprostituierte dem ruhigen Leben mit ihm vorzieht, schaltet sich Diffring ebenfalls ein. Eine Spur führt zu seinem als Frauenarzt tätigen Bruder (Horst Naumann)...

Der erste St. Pauli-Film mit Curd Jürgens bietet nicht den Wohlfühl-Faktor wie der später realisierte "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins", dafür sorgen schon die überlangen und aus vordergründigen Motiven realisierten Orgien-Szenen sowie eine blutige Abtreibungs-Szene. Überdies benötigt der Film, bis er den entscheidenden Anstoß für die restliche Handlung, den Mord an der Edelprostituierten, liefert, recht viel Zeit. Davor ist die Handlung ein wenig überfrachtet mit (zu) vielen Nebenfiguren und Nebenhandlungen, exemplarisch die Behandlung Dr. Diffrings an dem schwer kranken Mädchen. Dass Dr. Diffring so etwas wie die "gute Seele" von St. Pauli ist, hat der Zuschauer zu diesem Zeitpunkt längst begriffen. Dafür macht der Film nach dem Wendepunkt keine Gefangenen und präsentiert eine nicht unspannende und flott inszenierte Hetzjagd auf die wahren Mörder, Curd Jürgens' Filmbruder Horst Naumann und Friedrich Schütter, die mithilfe einer kruden Verquickung von Abtreibungen und Sexpartys ein gutes Geschäft gemacht und verzweifelte junge Frauen ins Elend getrieben haben. Wenn man in Exploitation-Laune ist, kann man sich diesen Kiez-Krimi durchaus mal antun, zumal er mit vielen bekannten Gesichtern besetzt ist. So gibt es etwa ein Wiedersehen mit der Wallace-Aktrice Suzanne Roquette oder Dieter Borsche, der aber leider durch Friedrich Schoenfelder synchronisiert wurde. Horst Naumann ist als schmieriger Frauenarzt in einer ihm für die damalige Zeit typischen Rolle zu sehen, Gleiches gilt für die ebenfalls in St. Pauli-Filmen mehrfach aufgetretenen Fritz Wepper und Friedrich Schütter.


Erster Kiez-Krimi mit Curd Jürgens, der nach etwas schleppendem Start doch noch in die Gänge kommt und so über weite Strecken gut unterhält. Noch 4 von 5 Punkten.

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