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Dieses Thema hat 10 Antworten
und wurde 1.397 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 3.266

24.11.2014 21:10
In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

IN FRANKFURT SIND DIE NÄCHTE HEIß
s/w-Krimi, Österreich 1966
Mit Vera Tschechowa, Erik Schumann, Konrad Georg, Barbara Valentin, Walter Kohut, Claus Ringer, Richard Münch, Wolfried Lier, Harald Dietl u. v. a.

Buch: Rolf Olsen, Walter Breuer
Kamera: Karl Löb
Musik: Erwin Halletz
Produktion: Interncontinental Wien
Produzent: Karl Spiehs
Regie: Rolf Olsen

Dass seine Verlobte Vera als Prostituierte arbeitete, erfährt Peter erst, als er sie in ihrer Wohnung erwürgt auffindet. Wenig später am Tatort ist ihr Zuhälter, der ihn dazu bewegen will, wieder abzureisen. Peter hält sich jedoch nicht daran und die Polizei in Form von Kommissar Reinisch nimmt die Ermittlungen auf. Eine Mörderjagd beginnt. Dabei bekommt Reinisch es mit zwielichtigen Gesellen aus der Unterwelt, die untereinander rivalisieren, ebenso zu tun, wie mit den Kunden der Ermordeten...

Dieser Rolf Olsen-Film, von manchen als "Exploitation-Meisterwerk" bezeichnet, ist typisch für den österreichischen Regisseur: er versucht hier eine Kriminal-, mit einer Kiez- und Kolportagegeschichte zu mischen, die mit etwas Liebesstory verfeinert wird. Die Dialoge sind - vor allem auf dem Kiez und unter den Prostituierten - unglaubwürdig und vulgär-ordinär. Die Geschichte an sich kommt nie richtig in Fahrt und manchen Schauspielern kauft man ihre Rolle nicht ab. So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt. Richard Münch fällt in seiner Rolle viel zu wenig auf, Walter Breuer (laut Wikipedia Siegfried Breuer jr.), auch Coautor, ist als Frankfurter Kriminalassistent mit Wiener Akzent blass.
Die Erzählweise erinnert an spätere Der Kommissar-Folgen: die in den Titelcredits als erste gelistete Vera Tschechowa stirbt nämlich schon vor dem Vorspann. In Rückblenden werden entscheidende Sequenzen aus ihrem Leben erzählt.
Olsen versucht teilweise, dem Film einen dokumentarischen Stil zu verleihen, indem er den Kommissar völlig überflüssige Offkommentare sagen lässt - und zwar ganze drei Mal im Film. Der tiefere Beweggrund dafür ist nicht ganz nachvollziehbar, aber offenbar orientiert sich die Geschichte - laut Vorspann - an echten Ereignissen und nimmt in der Spielhandlung auch auf die Nitribitt-Affaire Bezug. Demnach wäre die tote Vera das dritte Opfer des bis dato unbekannten Kiezkillers.
Immerhin ist die Tschechowa eine ganz gute Wahl für die Rolle der Vera gewesen, Claus Ringer als ihr Wiener Freund war in anderen Rollen schon weitaus besser.
Bleibt das Positive: dieser Film setzt irgendwie die Fernsehserie Kommissar Freytag fort, denn Konrad Georg spielt den Ermittler so wie sein alter ego in der genannten Fernsehserie, trägt sogar den gleichen Anzug und dieselbe Brille. Und war es Zufall oder Absicht, dass sein Büro jenem des Münchner Ermittlers extrem ähnelt? Ich glaube nicht.
Für Freunde des Whodunits bleibt neben den ganzen Nebenerzählsträngen (Rivalisierende Zuhälterbanden, Rückblick auf die "Liebesgeschichte" zwischen Vera und Peter etc.) immerhin ein Mörderratespiel. Flott gestaltet sich auch die Musik von Erwin Halletz, die in gewissen Sequenzen eindeutig Anleihen bei seiner Titelmelodie zur Serie Die fünfte Kolonne nimmt.
Übrig bleibt ein durchschnittlicher s/w-Krimi mit den genannten Zutaten, der zwar nicht gerade langweilt, einen aber auch nicht vom Hocker haut. Für mich war er wegen Konrad Georgs Kommissar-Rolle dennoch sehenswert. Herr Olsen konnte das aber bei weitem besser!
Hier noch zwei Links zu interessanten Besprechungen:

http://www.eskalierende-traeume.de/100-d...chte-heis-1966/
http://www.moviepilot.de/movies/in-frank...ie-nachte-heiss

Jan Offline




Beiträge: 1.753

25.11.2014 17:27
#2 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #1

So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt.


Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mir ad hoc kein einziger Typ einfällt, den Erik Schumann in meinen Augen je glaubwürdig verkörpert hätte. Wo ich ihn sah, war Schumann blass und nichtssagend. Erwähnenswert hier auch sein Auftritt in Olsens Trash-Granate "Rasthaus der grausamen Puppen". Diese permanente Kurzatmigkeit seines Spiels hat mich bislang überall genervt. So auch im "Frankfurt"-Film. Schumann verfällt schlicht und ergreifend in stumpfe Schreierei, wenn er Macht und Einfluss verkörpern will. Das ist mir bereits in mehreren Filmen aufgefallen und kann daher in diesem Fall nicht unbedingt Rolf Olsen angehängt werden, dessen exploitiver Regiestil indes seinen Teil beigetragen haben mag. Wie es anders geht, zeigt einmal mehr Walter Kohut, der wahrscheinlich auch einen Begrenzungspfahl der Straßenmeisterei glaubwürdig verkörpert hätte. Häufig abonniert auf den Anti-Typen, wird er auch hier wieder einmal seinem Rollenfach gemäß besetzt.

Zitat von Georg im Beitrag #1

Olsen versucht teilweise, dem Film einen dokumentarischen Stil zu verleihen, indem er den Kommissar völlig überflüssige Offkommentare sagen lässt - und zwar ganze drei Mal im Film. Der tiefere Beweggrund dafür ist nicht ganz nachvollziehbar, aber offenbar orientiert sich die Geschichte - laut Vorspann - an echten Ereignissen und nimmt in der Spielhandlung auch auf die Nitribitt-Affaire Bezug.


Ich hatte beim ersten Sehen den Eindruck, man schiele nicht zuletzt auch auf "Stahlnetz" bzw. Jürgen Rolands enorm erfolgreichen "Davidwachen"-Film.


Zitat von Georg im Beitrag #1
Flott gestaltet sich auch die Musik von Erwin Halletz


Von den zahlreichen Meisterleistungen des Erwin Halletz würde ich seine Musik zu "In Frankfurt sind die Nächte heiß" fast an die erste Stelle rücken. Laut, aggressiv, abwechslungsreich und so plakativ, wie es sich für einen Exploitation-Reißer gehört.

Gruß
Jan

Georg Offline




Beiträge: 3.266

25.11.2014 18:39
#3 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #2
Zitat von Georg im Beitrag #1

So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt.


Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mir ad hoc kein einziger Typ einfällt, den Erik Schumann in meinen Augen je glaubwürdig verkörpert hätte.
Als Stimme des Tierarztes Siegfried Farnon in der Serie Der Doktor und das liebe Vieh war er sehr passend!

Zitat von Jan im Beitrag #2
Ich hatte beim ersten Sehen den Eindruck, man schiele nicht zuletzt auch auf "Stahlnetz" bzw. Jürgen Rolands enorm erfolgreichen "Davidwachen"-Film.
Ja, den Eindruck hatte ich auch. Olsen schielt offensichtlich auf Rolands Werke Stahlnetz und Davidswache. Dazu hätte er den dokumentarischen Stil aber beibehalten müssen. In dem Film geht das kurze Off-Statement Konrad Georgs als Kommissar völlig unter. Es fragt sich überhaupt, warum es sein muss und wieso gerade der Kommissar es spricht ...

Giacco Offline



Beiträge: 2.555

25.11.2014 19:35
#4 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Hier eine Filmkritik aus dem Film-Echo vom 3.9.1966:

"Frankfurt erwies sich als ergiebiger Drehbuchlieferant: Die Nitribitt und die Matura starben einen dramatischen Tod. Die Vera dieses Films hat eine gute Abendkasse und will sich nach entsprechend erfolgreicher Zeit mit einem keuschen und ahnungslosen jungen Mann in das bürgerliche Leben zurückziehen. Doch aus filmdramaturgischen Gründen kommt es dazu natürlich nicht mehr. Sie wird erstochen. Und so ergibt sich die Frage: Wer ist der Mörder?
Regisseur Rolf Olsen geht bei der Aufrollung des Falles, der auf einer eigenen Drehbuchfassung beruht, fast dokumentarisch vor. So legt er die Arbeit der Polizei und der Berufskolleginnen von Vera exakt und glaubhaft dar. Rückblenden zeigen das dolce vita der Ermordeten in Wien.
Als der ahnungslose Verlobte erfährt, dass seine Vera "auf den sogenannten" geht, fährt er nach Frankfurt. Dort erwartet ihn nur noch ihre Leiche. Zwei Gastarbeiter werden bei der Toten gefunden und ein Zuhälter wirft ihn aus der Wohnung. Mühsam nur gelingt es dem Kriminalkommissar, brauchbare Fakten aus dem Wust der Verdächtigungen zu erarbeiten, doch die Unterwelt macht reinen Tisch in den eigenen Reihen, bevor er die Hand auf die Schulter des Schuldigen legen kann.
Die Kraftausdrücke aus dem Milieu sind echt, doch hat es die Hauptdarstellerin Vera Tschechowa nicht immer leicht, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass ihr dieser Jargon in die Wiege gelegt worden ist. Gute und verläßliche Darsteller sind wie immer Richard Münch und Fritz Tillmann. Konrad Georg als Kommissar und die Inkarnation des Weiblichen, Barbara Valentin, verdienen aus dem langen Besetzungszettel noch Erwähnung."

Kommerziell gesehen war der Film seinerzeit recht erfolgreich. Film-Echo-Note: 2,8

TV-1967 Offline



Beiträge: 652

25.11.2014 19:52
#5 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Fand ich auch. Die Filmmusik war klasse- Leider habe ich nur noch eine alte "Betamax"-Aufnahme von d. Film. Ist bekannt ob der
vielleicht demnächst mal erscheint?

Jan Offline




Beiträge: 1.753

25.11.2014 22:25
#6 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Ja, eigentlich ungewöhnlich, dass es den nicht auf DVD gibt. Die meisten der anderen Filme, bei denen der "Tschepi" Olsen so schön deftig hingelangt hat, sind ja auch schon verfügbar. Ich habe den Film auf VHS, bin mir nur nicht mehr ganz sicher, ob der seinerzeit auf RTL oder auf RTL2 lief. Das muss bald 20 Jahre her sein...

Immerhin, Halletz' schmissigen Sound zum Film gibt es ja auf der Filmkomponisten-CD und mittlerweile in sehr guter Qualität auch bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=VcDcQ6aDG1U

Gruß
Jan

DanielL Offline




Beiträge: 4.157

15.08.2023 18:43
#7 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

In Frankfurt sind die Nächte heiß

Es gibt sie noch, die rar gesäten, großen Momente für Kleinode des deutschsprachigen Bahnhofskinos. Subkultur Entertainment, bei Kennern bekannt für hervorragende Blu-ray-Veröffentlichungen, bringt nun einen weiteren Rolf-Olsen-Krimi in prächtigem Gewand. „In Frankfurt sind die Nächte heiß” aus dem Jahr 1966 erscheint nicht nur als HD-Weltpremiere, sondern erstmals in einer unzensierten Fassung, die selbst ohne die FSK-Schnitte der Kinofassung auskommt (Meine Bestellung ist schon ausgeliefert, offizielle VÖ ist in wenigen Tagen).

Im Film wird die Edelprostituierte Vera Paterny (Vera Tschechowa) ermordet. In Rückblenden lernen wir ihr Umfeld kennen: Da wäre auf der einen Seite ihr Zuhälter Tewes (Erik Schumann), auf der anderen Seite ihr Verlobter Peter Seitz (Claus Ringer), pikanterweise uneingeweiht in ihre Beschäftigung. Die Ermittlungen führt Kommissar Reinisch (Konrad Georg), bereitwillig angestiftet von der konkurrierenden Milieu-Größe Harry Schimek (Walter Kohut).

Die Kolportage basiert zumindest Vordergründig auf einigen Tatsachen. Produzent Spiehs sprang mit der Produktion (Premiere: August 1966) auf den Presserummel rund um den damals prominenten Frankfurter Mordfall Helga Matura (Januar 1966) auf. Regisseur Olsen, der auch das Drehbuch schrieb, nahm die bekannten Informationen sogleich als Rahmen für seinen Film her: Eine tote Prostituierte mit edlem Cabriolet als Markenzeichen und Draht in die besten Kreise. Das Milieu im Hintergrund und dazu ein Verlobter, mit dem das Opfer, wie Zeitungen spekulierten, womöglich ein bürgerliches Leben plante. Allein die Lösung des Falls bleibt völlig ungeklärt. Olsen, der den Originalfall zwar im Film erwähnen lässt, die Story aber auf seine Figur Paterny überschreibt, begegnet diesem Manko mit einer nicht zu anspruchsvollen „Whodunit"-Konstruktion. Trotzdem ist der Film völlig zu Unrecht selbst unter Fans des klassischen Kriminalfilms weitgehend in Vergessenheit geraten.

Rolf Olsen lässt ordentlich Talent für das Genre erkennen. Dieser Krimi-Einstand kommt allerdings spät. In der Folge kann er nur noch die Spätphase der Kriminalfilmwelle bedienen, wobei er den Amüsiervierteln meist treu bleibt (z.B. in „Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn”, 1967 oder „Der Arzt von St. Pauli”, 1968). Der Mord an der Paterny, das fördert die neue Filmfassung zu Tage, wurde von Olsen ursprünglich „gialloresk“ inszeniert. Der Film konzentriert sich danach auf Einblicke in das Frankfurter Milieu. Wohlmöglich nicht authentisch (laut Spiehs gab es ordentlich Kontra aus der Szene und Olsen brachte vorsorglich einen Karate-Meister als Beschützer mit zu einer Drehortbegehung), aber die dem Zuschauer präsentierten Dialoge machen Laune (Die Schumann-Figur und ihr Personal: „Was ist, Schwestern? Ruhetag?” - „Du kannst mich mal! Uns bringen heute keine zehn Pferde mehr auf die Rennbahn.” - “Sind auch schon Friseusen umgebracht worden, ohne dass die anderen deswegen gestreikt haben.”).

Interessant ist auch ein genauerer Blick auf Cast und Crew. Vera Tschechowa gab schon die Titelfigur in einem der rar gesäten Kriminalfilme der Pre-Edgar-Wallace-Ära („Das Mädchen mit den Katzenaugen”, 1958). Seit ihrem kleineren Auftritt in der Wallace-Reihe („Die Gruft mit dem Rätselschloss”, 1964) hatte man sie nicht mehr im Kino gesehen. Spaß macht Walter Kohut als Wiener Zuhälter. Seine Figur geht auf die gleiche reale Person zurück, die auch Vorlage für Herbert Fux in „Die Engel von St. Pauli” (von Jürgen Roland, 1968) war. Bei der Besetzung des Kommissars ging Karl Spiehs auf Nummer sicher. Konrad Georg gibt im Prinzip seinen „Kommissar Freytag“ (1963-1965). Gelungene Nebenrollen besetzen Richard Münch und Fritz Tillmann. Ihre Figuren, ein Arzt und ein erfolgreicher Geschäftsmann, können sich der Anziehung der Paterny nicht entziehen. Die nicht minder unterhaltsamen Figuren von Hans Zander (als schwuler Barkeeper), Rolf Kutschera (erpresserischer Fotograf) und Wilfried Lier (Mann für Alibis und sonstige Hilfstätigkeiten) sind hingegen mehr oder weniger Verbündete, die mehr oder weniger ihr Geschäft mit Vera machen. Als Kolleginnen „vom Fach“ sind Barbara Valentin und Christiane Rücker zu sehen, damals noch Starlets ohne die später durchaus vorhandenen Charakterrollen in ihrer Filmografie. Mit Blick auf den Stab nicht unerwähnt bleiben sollen die Auftritt von Angelica Ott (heiratete Spiehs im Dezember des Jahres) und Ilse Peternell (bereits die Angetraute von Olsen). Zusammengenommen kann man darüber hinwegsehen, dass Schumann als Zuhälter Tewes und der junge Claus Ringer vielleicht in dem Aufgebot nicht ganz so zünden, wie es für ihre prominenten Parts angemessen wäre.

Die Kamera steuert Karl Löb. Der übliche Kompagnon von Alfred Vohrer ist längst Routinier des deutschen Kriminalfilms und damit vermutlich die Versicherung für Rolf Olsen. Erwin Halletz fährt einen wilden, wunderbar passenden Titelscore auf, nimmt sich hier und da aber auch die Freiheit, mit Versatzstücken aus ähnlich schon Gehörten zu arbeiten. Insgesamt gelingt Olsen keine so dichte Erzählung, wie sie Jürgen Roland mit seinen dokumentarisch angehauchten Kiez-Krimis präsentiert (Im Übrigen lässt er seinen Kommissar auch in bester Roland-Manier aus dem Off kommentieren, allerdings nur sehr gelegentlich). Auch ist „In Frankfurt sind die Nächte heiß” noch nicht so entfesselt wie spätere Werke von Olsen. Gerade als Genre-Krimi, der uns nicht zur Londoner Themse fantasiert, sondern zeitgenössischen Kontext bietet, verdient er jedoch mehr Sichtbarkeit.

Subkultur Entertainment präsentiert die unzensierte Fassung in neuer Abtastung mit Original-Kinotrailer, umfangreichem Bildarchiv, Location-Videos und fundierten Analysen im Booklet. Im “Special Edition”-Bundle gibt es dazu sogar ein gebundenes 96-seitiges Graphic Novel, vom Künstler Timo Wuerz auf Basis der Filmstroy gezeichnet. Subkultur Entertainment wird damit, wie schon zur erstklassigen „Engel von St. Pauli“-Veröffentlichung 2015, zum bisher haushohen Favoriten für die (forenrelevante) „Veröffentlichung des Jahres“.

Gruß,
Daniel

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.928

18.08.2023 12:18
#8 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Sehr schön geschrieben, Daniel!
Die VÖ wäre mir fast durchgerutscht, weil sie nicht in der "Edition Deutsche Vita", sondern in der "Lisa-Film-Kollektion" erscheint.
Dafür ist das Ganze aber immerhin auch ein ganzes Stück günstiger als die dortigen VÖs.
...aber in diesem Falle versuche ich wohl auch noch die Special Edition (bezahlbar) zu ergattern!

Ray Offline



Beiträge: 1.939

03.09.2023 22:55
#9 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

In Frankfurt sind die Nächte heiß (AT 1966)

Regie: Rolf Olsen

Darsteller: Erik Schumann, Claus Ringer, Konrad Georg, Vera Tschechowa, Richard Münch, Fritz Tillmann, Walter Kohut u.a.



Die Prostituierte Vera Paterny wird in ihrer Frankfurter Wohnung erstochen. Als Verdächtige treten sogleich ihr Geliebter Peter Seitz, der nichts von ihrer Tätigkeit wusste, sowie der skruppellose Zuhälter Tewes auf den Plan. Darüber hinaus hatte die Tote noch einige weitere (stille) Verehrer...

Mit einem stimmungsvoll eingefangenen Auftaktsmord, der in Sachen Härte an die Bryan Edgar Wallace-Filme der Zeit (insbesondere "Das Ungeheuer von London-City") erinnert, beginnt dieser Sittenkrimi, der rückblickend "ausnahmsweise" einmal nicht in Hamburg, sondern Frankfurt spielt. Die vielen Außenaufnahmen in der Stadt, vor allem jene Sequenzen mit Seitz und Tewes in dessen MG, sprühen nur so vor Sixties-Flair. Jedoch begnügt man sich nicht mit der Mainmetropole, auch nach Wien wird der Zuschauer mehrfach entführt.

"In Frankfurt sind die Nächte heiß" kann man, nicht zuletzt auch durch seine Veröffentlichung in schwarzweiß, als eine Art Übergangsfilm sehen zwischen den klassischen Kriminalfilmen der ersten Hälfte des Jahrzehnts und den eher auf Exploitation abzielenden Sittenkrimis der zweiten Jahrzehnthälfte und den frühen Siebzigern. Dass der Film seinerzeit gekürzt werden musste, überrascht bei der nunmehr möglichen Sichtung der ungekürzten Version kaum: neben dem deftigen ersten Mord gibt es für die damalige Zeit erstaunlich viel nackte Haut, wenn man bedenkt, wie verschämt die "Erotik-Einlagen" im "Buckligen" daherkamen, der im selben Jahr in die Lichtspielhäuser kam. Allerdings sind es auch u.a. eine (überlange) Partyorgienszene sowie eine missglückt inszenierte "handfeste" Schlägerei zweier Banden in einer Sandgrube, die seinerzeit offensichtlich dem Publikum "etwas bieten" sollten, heute indes weitgehend verpuffen.

Davon abgesehen stellt sich das Problem, dass dem Film eine (überzeugende) Hauptfigur abgeht. Der spätere "Sonderdezernat K1"-Ermittler Claus Ringer als Peter Seitz bleibt blass, Erik Schumann müht sich nach Kräften, überzeugt aber auch nicht derart, dass er mit seiner Interpretation des Zuhälters Tewes die Produktion über den Schnitt hieven könnte. Und Konrad Georg macht seine Sache zwar ordentlich, ist mit seiner Darstellung aber auch nicht der richtige Mann, um einen Kino-Krimi zu "tragen". Demgegenüber sind es eher die Nebendarsteller wie allen voran der schön schmierige Walter Kohut oder die routiniert aufspielenden Fritz Tillmann und Richard Münch, die Mängel der vorderen Reihe ausbügeln. Nicht vergessen sei jedoch Olga Tschechowa, die als weibliche Hauptfigur und Mordopfer sich in Rückblenden durchaus zu profilieren weiß.

Alles in allem ist "In Frankfurt sind die Nächte heiß" ein gut unterhaltender Krimi, der aus heutiger Sicht etwa 15-20 Minuten zu lang geraten ist. Dennoch ist der Film gerade hier in Forenkreisen für viele sicher eine Entdeckung wert.

Die kürzlich veröffentlichte Blu-Ray von Subkultur zeigt den Film in sehr guter Qualität. Als Bonus gibt es u.a. eine Locationtour durch Wien sowie ein Booklet mit Essay. Insgesamt für Genre-Freunde eine absolut lohnenswerte Veröffentlichung.


Unterhaltsamer Kriminalfilm von Rolf Olsen, der eine Art Bindeglied zwischen Genre-Vertretern der ersten und zweiten Hälfte des deutschsprachigen Krimis der 1960er-Jahre markiert, jedoch nicht ideal besetzt ist und aus heutiger Sicht 15-20 Minuten zu lang ist. 3,5 von 5 Punkten.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.928

04.09.2023 14:12
#10 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Falls sich jemand für die limitierte Edition mit graphic novel interessiert, die es beim Label selbst nicht mehr gibt:
Meinen erster Bestellversuch bei Mediamarkt/Saturn habe ich nun nach fast zwei Wochen Wartezeit abgebrochen, aber meine Bestellung bei JPC ging schon nach 2-3 Tagen auf den Weg zu mir.

Georg Offline




Beiträge: 3.266

07.09.2023 17:12
#11 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Ich muss meine Kritik von vor über 10 Jahren etwas relativieren. Habe die Blu-Ray nun auch gesehen und fand den Film insgesamt ganz ordentlich! Giallo-Anklänge im Vorspann, ein ausgezeichneter Soundtrack, die Darsteller waren ok und Erik Schumann fand ich als Zuhälter nun auch nicht mehr so unglaubwürdig.
Toll fand ich natürlich Konrad Georg als Kommissar "Freytag" mit anderem Namen. Seine Off-Kommentare sollten wohl etwas an "Stahlnetz" erinnern.

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