Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 719 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 3.086

24.11.2014 21:10
In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

IN FRANKFURT SIND DIE NÄCHTE HEIß
s/w-Krimi, Österreich 1966
Mit Vera Tschechowa, Erik Schumann, Konrad Georg, Barbara Valentin, Walter Kohut, Claus Ringer, Richard Münch, Wolfried Lier, Harald Dietl u. v. a.

Buch: Rolf Olsen, Walter Breuer
Kamera: Karl Löb
Musik: Erwin Halletz
Produktion: Interncontinental Wien
Produzent: Karl Spiehs
Regie: Rolf Olsen

Dass seine Verlobte Vera als Prostituierte arbeitete, erfährt Peter erst, als er sie in ihrer Wohnung erwürgt auffindet. Wenig später am Tatort ist ihr Zuhälter, der ihn dazu bewegen will, wieder abzureisen. Peter hält sich jedoch nicht daran und die Polizei in Form von Kommissar Reinisch nimmt die Ermittlungen auf. Eine Mörderjagd beginnt. Dabei bekommt Reinisch es mit zwielichtigen Gesellen aus der Unterwelt, die untereinander rivalisieren, ebenso zu tun, wie mit den Kunden der Ermordeten...

Dieser Rolf Olsen-Film, von manchen als "Exploitation-Meisterwerk" bezeichnet, ist typisch für den österreichischen Regisseur: er versucht hier eine Kriminal-, mit einer Kiez- und Kolportagegeschichte zu mischen, die mit etwas Liebesstory verfeinert wird. Die Dialoge sind - vor allem auf dem Kiez und unter den Prostituierten - unglaubwürdig und vulgär-ordinär. Die Geschichte an sich kommt nie richtig in Fahrt und manchen Schauspielern kauft man ihre Rolle nicht ab. So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt. Richard Münch fällt in seiner Rolle viel zu wenig auf, Walter Breuer (laut Wikipedia Siegfried Breuer jr.), auch Coautor, ist als Frankfurter Kriminalassistent mit Wiener Akzent blass.
Die Erzählweise erinnert an spätere Der Kommissar-Folgen: die in den Titelcredits als erste gelistete Vera Tschechowa stirbt nämlich schon vor dem Vorspann. In Rückblenden werden entscheidende Sequenzen aus ihrem Leben erzählt.
Olsen versucht teilweise, dem Film einen dokumentarischen Stil zu verleihen, indem er den Kommissar völlig überflüssige Offkommentare sagen lässt - und zwar ganze drei Mal im Film. Der tiefere Beweggrund dafür ist nicht ganz nachvollziehbar, aber offenbar orientiert sich die Geschichte - laut Vorspann - an echten Ereignissen und nimmt in der Spielhandlung auch auf die Nitribitt-Affaire Bezug. Demnach wäre die tote Vera das dritte Opfer des bis dato unbekannten Kiezkillers.
Immerhin ist die Tschechowa eine ganz gute Wahl für die Rolle der Vera gewesen, Claus Ringer als ihr Wiener Freund war in anderen Rollen schon weitaus besser.
Bleibt das Positive: dieser Film setzt irgendwie die Fernsehserie Kommissar Freytag fort, denn Konrad Georg spielt den Ermittler so wie sein alter ego in der genannten Fernsehserie, trägt sogar den gleichen Anzug und dieselbe Brille. Und war es Zufall oder Absicht, dass sein Büro jenem des Münchner Ermittlers extrem ähnelt? Ich glaube nicht.
Für Freunde des Whodunits bleibt neben den ganzen Nebenerzählsträngen (Rivalisierende Zuhälterbanden, Rückblick auf die "Liebesgeschichte" zwischen Vera und Peter etc.) immerhin ein Mörderratespiel. Flott gestaltet sich auch die Musik von Erwin Halletz, die in gewissen Sequenzen eindeutig Anleihen bei seiner Titelmelodie zur Serie Die fünfte Kolonne nimmt.
Übrig bleibt ein durchschnittlicher s/w-Krimi mit den genannten Zutaten, der zwar nicht gerade langweilt, einen aber auch nicht vom Hocker haut. Für mich war er wegen Konrad Georgs Kommissar-Rolle dennoch sehenswert. Herr Olsen konnte das aber bei weitem besser!
Hier noch zwei Links zu interessanten Besprechungen:

http://www.eskalierende-traeume.de/100-d...chte-heis-1966/
http://www.moviepilot.de/movies/in-frank...ie-nachte-heiss

Jan Offline




Beiträge: 1.462

25.11.2014 17:27
#2 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #1

So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt.


Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mir ad hoc kein einziger Typ einfällt, den Erik Schumann in meinen Augen je glaubwürdig verkörpert hätte. Wo ich ihn sah, war Schumann blass und nichtssagend. Erwähnenswert hier auch sein Auftritt in Olsens Trash-Granate "Rasthaus der grausamen Puppen". Diese permanente Kurzatmigkeit seines Spiels hat mich bislang überall genervt. So auch im "Frankfurt"-Film. Schumann verfällt schlicht und ergreifend in stumpfe Schreierei, wenn er Macht und Einfluss verkörpern will. Das ist mir bereits in mehreren Filmen aufgefallen und kann daher in diesem Fall nicht unbedingt Rolf Olsen angehängt werden, dessen exploitiver Regiestil indes seinen Teil beigetragen haben mag. Wie es anders geht, zeigt einmal mehr Walter Kohut, der wahrscheinlich auch einen Begrenzungspfahl der Straßenmeisterei glaubwürdig verkörpert hätte. Häufig abonniert auf den Anti-Typen, wird er auch hier wieder einmal seinem Rollenfach gemäß besetzt.

Zitat von Georg im Beitrag #1

Olsen versucht teilweise, dem Film einen dokumentarischen Stil zu verleihen, indem er den Kommissar völlig überflüssige Offkommentare sagen lässt - und zwar ganze drei Mal im Film. Der tiefere Beweggrund dafür ist nicht ganz nachvollziehbar, aber offenbar orientiert sich die Geschichte - laut Vorspann - an echten Ereignissen und nimmt in der Spielhandlung auch auf die Nitribitt-Affaire Bezug.


Ich hatte beim ersten Sehen den Eindruck, man schiele nicht zuletzt auch auf "Stahlnetz" bzw. Jürgen Rolands enorm erfolgreichen "Davidwachen"-Film.


Zitat von Georg im Beitrag #1
Flott gestaltet sich auch die Musik von Erwin Halletz


Von den zahlreichen Meisterleistungen des Erwin Halletz würde ich seine Musik zu "In Frankfurt sind die Nächte heiß" fast an die erste Stelle rücken. Laut, aggressiv, abwechslungsreich und so plakativ, wie es sich für einen Exploitation-Reißer gehört.

Gruß
Jan

Georg Offline




Beiträge: 3.086

25.11.2014 18:39
#3 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #2
Zitat von Georg im Beitrag #1

So glaube ich Erik Schumann seinen Zuhältertyp nicht eine Minute, wohingegen Walter Kohut diesen Part sehr gut erledigt.


Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass mir ad hoc kein einziger Typ einfällt, den Erik Schumann in meinen Augen je glaubwürdig verkörpert hätte.
Als Stimme des Tierarztes Siegfried Farnon in der Serie Der Doktor und das liebe Vieh war er sehr passend!

Zitat von Jan im Beitrag #2
Ich hatte beim ersten Sehen den Eindruck, man schiele nicht zuletzt auch auf "Stahlnetz" bzw. Jürgen Rolands enorm erfolgreichen "Davidwachen"-Film.
Ja, den Eindruck hatte ich auch. Olsen schielt offensichtlich auf Rolands Werke Stahlnetz und Davidswache. Dazu hätte er den dokumentarischen Stil aber beibehalten müssen. In dem Film geht das kurze Off-Statement Konrad Georgs als Kommissar völlig unter. Es fragt sich überhaupt, warum es sein muss und wieso gerade der Kommissar es spricht ...

Giacco Offline



Beiträge: 1.907

25.11.2014 19:35
#4 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Hier eine Filmkritik aus dem Film-Echo vom 3.9.1966:

"Frankfurt erwies sich als ergiebiger Drehbuchlieferant: Die Nitribitt und die Matura starben einen dramatischen Tod. Die Vera dieses Films hat eine gute Abendkasse und will sich nach entsprechend erfolgreicher Zeit mit einem keuschen und ahnungslosen jungen Mann in das bürgerliche Leben zurückziehen. Doch aus filmdramaturgischen Gründen kommt es dazu natürlich nicht mehr. Sie wird erstochen. Und so ergibt sich die Frage: Wer ist der Mörder?
Regisseur Rolf Olsen geht bei der Aufrollung des Falles, der auf einer eigenen Drehbuchfassung beruht, fast dokumentarisch vor. So legt er die Arbeit der Polizei und der Berufskolleginnen von Vera exakt und glaubhaft dar. Rückblenden zeigen das dolce vita der Ermordeten in Wien.
Als der ahnungslose Verlobte erfährt, dass seine Vera "auf den sogenannten" geht, fährt er nach Frankfurt. Dort erwartet ihn nur noch ihre Leiche. Zwei Gastarbeiter werden bei der Toten gefunden und ein Zuhälter wirft ihn aus der Wohnung. Mühsam nur gelingt es dem Kriminalkommissar, brauchbare Fakten aus dem Wust der Verdächtigungen zu erarbeiten, doch die Unterwelt macht reinen Tisch in den eigenen Reihen, bevor er die Hand auf die Schulter des Schuldigen legen kann.
Die Kraftausdrücke aus dem Milieu sind echt, doch hat es die Hauptdarstellerin Vera Tschechowa nicht immer leicht, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass ihr dieser Jargon in die Wiege gelegt worden ist. Gute und verläßliche Darsteller sind wie immer Richard Münch und Fritz Tillmann. Konrad Georg als Kommissar und die Inkarnation des Weiblichen, Barbara Valentin, verdienen aus dem langen Besetzungszettel noch Erwähnung."

Kommerziell gesehen war der Film seinerzeit recht erfolgreich. Film-Echo-Note: 2,8

TV-1967 Offline



Beiträge: 505

25.11.2014 19:52
#5 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Fand ich auch. Die Filmmusik war klasse- Leider habe ich nur noch eine alte "Betamax"-Aufnahme von d. Film. Ist bekannt ob der
vielleicht demnächst mal erscheint?

Jan Offline




Beiträge: 1.462

25.11.2014 22:25
#6 RE: In Frankfurt sind die Nächte heiß (Krimi, Ö 1966) Zitat · Antworten

Ja, eigentlich ungewöhnlich, dass es den nicht auf DVD gibt. Die meisten der anderen Filme, bei denen der "Tschepi" Olsen so schön deftig hingelangt hat, sind ja auch schon verfügbar. Ich habe den Film auf VHS, bin mir nur nicht mehr ganz sicher, ob der seinerzeit auf RTL oder auf RTL2 lief. Das muss bald 20 Jahre her sein...

Immerhin, Halletz' schmissigen Sound zum Film gibt es ja auf der Filmkomponisten-CD und mittlerweile in sehr guter Qualität auch bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=VcDcQ6aDG1U

Gruß
Jan

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz