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  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die Lady in Zement (Lady in Cement, USA 1968)

    Regie: Gordon Douglas

    Darsteller: Frank Sinatra, Raquel Welch, Richard Conte, Dan Blocker u.a.



    Privatdetektiv Tony Rome entdeckt beim Tauchen zufällig eine unidentifizierte, einzementierte Leiche einer jungen Frau. Ein Ganove namens Gronsky beauftragt Rome daraufhin nach seiner Freundin Sondra zu suchen, weil er davon ausgeht, dass es sich bei der Toten um seine Freundin handelt. Eine erste Spur führt Rome zu der schönen Millionenerbin Kit (Raquel Welch). Bald gibt es weitere Toten und Tony Rome selbst gerät unter Mordverdacht...

    Der Erfolg von "Der Schnüffler" hatte ein Jahr später die Fortsetzung "Die Lady in Zement" zur Folge, in der Frank Sinatra abermals unter der Regie von Gordon Douglas den in Miami tätigen Privatdetektiv porträtierte. Auch Richard Conte als sein befreundeteter Polizist ist wieder mit von der Partie, wodurch der Film einen gewissen Wiedererkennungswert besitzt. "Die Lady in Zement" beginnt mit gelungenen Unterwasser-Aufnahmen von Ricou Browning, der sich drei Jahre zuvor bereits für die epischen Unterwasser-Schlachten im James Bond-Abenteuer "Feuerball" verantwortlich gezeichnet hatte. Der geheimnisvolle Titel erklärt sich umgehend, das Interesse des Publikums wird geweckt. Der weitere Verlauf der Handlung gestaltet sich indes mitunter etwas unübersichtlich, wobei Anleihen beim Noir-Klassiker "Murder, My Sweet" unverkennbar sind. Außerdem geht dem Sequel ein wenig der Esprit des Originals ab. Raquel Welch sieht zwar blendend aus, hat jedoch nicht die Klasse einer Jill St. John, weshalb die gemeinsamen Szenen mit Frank Sinatra weniger eindrucksvoll ausfallen. In Sachen Action bewegt sich der Film im Vergleich zum Vorgänger eher auf Sparflamme und auch Sinatra ist nicht so gut aufgelegt wie noch im "Schnüffler". Was bleibt, ist einmalmehr lässige Krimi-Unterhaltung vor traumhafter Kulisse. Die Titelmusik könnte auch von Peter Thomas sein und versprüht bestes End-Sixties-Feeling.

    "Die Lady in Zement" ist von 20th Century Fox in der Reihe "Große Film-Klassiker" erschienen. Die DVD kommt mit gutem Bild und im Schuber daher. Als Extras gibt es ein Booklet und eine Postkarte mit dem schön gestalteten Cover-Motiv.


    "Die Lady in Zement" reicht nicht an die Klasse des Erstlings heran. Die Story ist mitunter etwas wirr, Raquel Welch ist nicht Jill St. John und Frank Sinatra erreicht ebenfalls nicht die Form des Originals. Gut fotografierte, entspannte Krimi-Unterhaltung vor traumhafter Kulisse bietet der Film aber dennoch. Noch 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Folge 2: Die Frau im Nerz

    Am Bahnhof in München wird die Leiche einer Frau gefunden, die einen teuren Nerzmantel trägt. Was erst nach einem Selbstmord aussieht, entpuppt sich spätestens nach der zweiten Leiche doch eindeutig als Mordfall...

    Die zweite Folge des "Kriminalmuseums", erstmals mit Wolfgang Becker auf dem Regiestuhl, beginnt wie schon hervorgehoben in der Tat mit schön atmosphärischen Szenen am Münchener Hauptbahnhof. Hier sorgt auch der Schlagabtausch zwischen Ermittler Hanns-Ernst Jäger mit Zeugin Fräulein Umlauf (Herta Konrad) durchaus für Amüsement. Inhaltlich ist die Geschichte um den Nerz jedoch insgesamt weniger mysteriös als jene der ersten Folge. Zudem ist Jäger zwar ein echter "Kauz", zusammen mit dem etwas lahmen Hans Elwenspoek bleibt er indes hinter der Leistung der Ermittler aus den "Fünf Fotos" zurück. Auch im Übrigen hat der Cast weniger zu bieten als die erste Episode. Zwar ist insbesondere der in der Krimi-Welle einmalige Auftritt von Gustav Fröhlich etwas ganz besonderes, im Übrigen gibt es für den Krimi-Freund aber weniger interessante Gastauftritte. Das führt, in Verbindung mit der im Vergleich zur ersten Folge schwächeren Musik, dazu, dass sich die Folge ein wenig zieht. Die finale Auflösung wird überdies unnötig hinausgezögert, weiß dann jedoch durchaus zu überraschen. Insgesamt fällt "Die Frau im Nerz" daher im Vergleich zu "Fünf Fotos" deutlich ab.


    Eine weniger mysteriöse Geschichte, ein schwächeres Ermittler-Duo, abgesehen von Gustav Fröhlich kaum erwähnenswerte Gastauftritte: "Die Frau im Nerz" kann an das hohe Niveau von "Fünf Fotos" nicht anknüpfen. Noch 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Der Schnüffler (Tony Rome, USA 1967)

    Regie: Gordon Douglas

    Darsteller: Frank Sinatra, Jill St. John, Richard Conte u.a.



    Tony Rome ist ein ehemaliger Polizist und inzwischen Privatdetektiv in Miami. Der Anruf eines Bekannten verbunden mit der Bitte, ein stark betrunkenes Mädchen aus einem Hotelzimmer zu schaffen und zu ihrer Familie zurückzubringen, stürzt den "Schnüffler" in einen aufregenden Fall...

    Frank Sinatra gibt den Privatdetektiv Tony Rome und knüpft dabei an alte Noir-Traditionen an. Mit wahrer Spiellaune und einer markanten Abgebrühtheit wandelt der große Entertainer des vergangenen Jahrhunderts durch dieses Abenteuer, weshalb es eine absolute Freude ist, Tony Rome bei seinen Ermittlungen zuzusehen. Inhaltlich findet man eine klassische Detektiv-Story vor, wie sie auch Sam Spade oder Philip Marlowe hätte durchleben können. Ein zunächst als ungewöhnlicher, aber wenig spektakulär anmutender Fall weckt nach dem Verschwinden einer wertvollen Brosche bei dem jungen Mädchen und ersten Todesopfern schnell die Neugierde des Zuschauers. Dennoch ist "Der Schnüffler" ein typisches Produkt seiner Entstehungszeit. Rome gibt allerhand zum Schmunzeln einladende Einzeiler zum Besten, die Mode ist bunt, die Frauen sind dabei, sich sexuell zu befreien. Der sommerliche Schauplatz Miamis, schicke Autos, Bars, Hotels und Anwesen sorgen für optische Reizpunkte, die von der Kamera hervorragend eingefangen werden. Unter den Darstellern tut sich vor allem das spätere Bond-Girl Jill St. John ("Diamantenfieber") hervor. Ihre Ausstrahlung ist schlichtweg umwerfend und die gemeinsamen Szenen mit Sinatra voll knisternder erotischer Spannung. Mit Richard Conte bekommt das Publikum zudem ein echtes Schwergewicht des klassischen Film Noir in einer Nebenrolle als Polizist und Freund Romes zu sehen. Tochter Sinatra steuert wie für den im selben Jahr erschienenen Bond-Film "Man lebt nur zweimal" ("You Only Live Twice") ein passendes Titellied bei. Für Freunde des 1960er-Jahre-Kinos ist dieser lässige Kriminalfilm ein echtes Highlight.

    Die Blu-Ray von WVG weist ein gutes Bild auf. Als Extras gibt es ein Behind-the-scenes-Featurette, eine umfangreiche Bildergalerie sowie den amerikanischen und deutschen Kinotrailer.


    Frank Sinatra als cooler Privatdetektiv und die reizende Jill St. John sorgen für lässige Krimi-Unterhaltung an traumhaften Schauplätzen. 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    "Der Mann mit dem Glasauge" nimmt im Rahmen der Reihe gewiss eine Sonderstellung ein. Dafür sorgt schon die klare personelle und inhaltliche Zäsur, die sich dem Film anschloss. Im Vergleich zum "Gorilla" geht es qualitativ wieder deutlich bergauf, was den Betrachter vor allem für Alfred Vohrer freut, weil auf diesem Wege der Regisseur, der den größten Einfluss auf die Reihe hatte, sich selbst einen würdigen Abschied beschert.

    Der Film bietet extreme Kurzweil. Zwei schnelle Morde, eine Menge Figuren, rasche Szenenwechsel und die ein oder andere "Action-Sequenz" neben den Mordszenen (Schießerei auf dem Dach, Verfolgung von Bob mit Puppenkopf durch Perkins, die Schlägerei im Billardclub) halten das Tempo konstant hoch. Die Morde sind atmosphärisch inszeniert, überhaupt waren messerwerfende Mörder gefühlt eher eine Spezialität der BEW-Reihe und sind daher in der Ur-Walllace-Serie durchaus als Erfrischung anzusehen. Die Titelfigur ist schon eine interessante Schöpfung, gleichwohl bleiben eine Menge Fragen: Warum macht sich Yvonne Duvall die Mühe und tarnt sich als "Mann mit dem Glasauge" (insbesondere das Einsetzen des Glasauges ist ja durchaus aufwändig)? Die Opfer können doch die Information nicht mehr an die Organisation weitergeben und die davon kommenden Mädels kennen den "Boss" überhaupt nicht. Darüber, ob über die Mordserie ausführlich berichtet wird und die Öffentlichkeit von der Tarnung des Mörders weiß, erfährt das Publikum nichts. Überhaupt ist der "Boss" ja letztlich nur die zweite Geige. Dass "Boss" und Phantom bei der Konfrontation sogar im "Partner-Look" auftreten, ist ebenso bemerkenswert wie das gute Gespür Yvonne Duvals. Als hätte sie es im Urin gehabt, steht sie prompt auf dem Dach, nachdem es Donovan den Damen als Ausgangsoption eröffnet hat. Aber über derartige Aspekte kann man weitaus bereitwilliger hinwegsehen als über die doch einigermaßen plumpen Altherrenwitze und sexuellen Anspielungen. Immerhin wird die nackte Haut diesmal geschickt in die Handlung eingebaut.

    Auf Seiten der Darsteller ragen Karin Hübner und Friedel Schuster heraus. Insbesondere Hübners Verdienst ist es, dass einem das Schicksals des Mörders erstmals seit "Zimmer 13" richtiggehend mitnimmt. Die Desillusion in ihrem Blick bleibt haften. Aber auch zuvor überzeugt sie durch einen gefühlvollen und entschlossenen Auftritt, vor allem im Zusammenspiel mit Fritz Wepper, der eher unbekannte Facetten seines schauspielerischen Könnens glaubhaft zur Schau stellt. Bei Friedel Schuster weiß man nicht, ob man Bewunderung für ihr Spiel oder Abscheu für ihre Figur empfinden soll. Vermutlich beides. Narziss Sokatscheff, Harry Riebauer und Harry Wüstenhagen geben solide Ganovenbilder ab. Ansonsten sieht man einige neue (Iris Berben, Christiane Krüger) und bis in die Kleinstrollen bekannte Gesichter aus unmittelbar vorangegangenen Filmen. Horst Tappert spielt wie zuletzt sehr engagiert und mit der mitunter notwendigen ironischen Distanz. Stefan Behrens stört im Ergebnis weniger als von Meyerinck und Pagé, dennoch wundert es nicht, dass man Behrens auch in anderen, ernsteren Rollen nie ganz für voll nehmen kann, wenn das "Glasauge" lange Zeit die einzige Begegnung mit ihm war. In manchen Sznen agiert er arg penetrant, die Chemie mit Tappert geht jedoch in Ordnung. Den mit starkem Dialekt sprechenden Botenjungen, der wohl als Zugeständnis an die "Pauker"-Filme betrachtet werden darf, hätte man sich jedoch gerne schenken bzw. anders besetzen dürfen.

    Dem insgesamt gesteigerten Niveau passt sich auch Peter Thomas an, die Musik gehört zwar nicht zu seinen besten Arbeiten, untermalt das Geschehen aber passend. Alfred Vohrer gibt sich ebenfalls mehr Mühe als zuletzt. Fließende Übergänge (der Wurf der Billardkugel von Perkins in Sir Arthurs Büros setzt sich nach einem schnellen Schnitt mit einer fliegenden Billardkugel im Club fort) illustrieren Einfallsreichtum und Liebe zum Detail. Atttribute, die man zuletzt schmerzlich vermisste. Insgesamt ist das "Glasauge" im Mittelfeld einzuordnen. 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch ich hatte schon länger vor, mir die Folgen des "Kriminalmuseums" noch einmal genauer anzusehen und schließe mich Gubanovs Sichtungsreihe daher gerne an...


    Folge 1: Fünf Fotos


    Die junge Angestellte einer Drogerie entdeckt beim Entwickeln eines frisch abgegebenen Films fünf Fotos einer Leiche. Am nächsten Morgen wird Herr Hillmann, ein anderer Angestellter der Drogerie, tot aufgefunden. Besteht eine Verbindung zwischen den Toten?

    Mit einer aus der Erinnerung heraus ungewohnt langen Version des von Reinhard Glemnitz gesprochenen Einstiegs mit höchstem Kult- und Nostalgie-Faktor beginnt die erste Folge des "Kriminamuseums", die den Machern gleich sehr gut gelungen ist. Freilich überließ man nichts dem Zufall und engagierte für die Regie Helmuth Ashley, der fürs Kino bereits mehrere erfolgreiche Kriminalfilme inszeniert hatte ("Das schwarze Schaf", "Das Rätsel der roten Orchidee"). Zusammen mit Hans Maeter verfasste er zudem das Drehbuch. Die titelgebenden fünf Fotos bilden in der Art und Weise, wie sie in die Handlung eingeführt werden, einen mysteriösen Gegenstand, der die Neugier des Publikums damals wie heute zu wecken weiß. Der zügige "zweite" Mord gibt letzte Sicherheit, dass eine Verbindung zwischen der auf den Fotos abgebildeten Leiche und der Drogerie bzw. mindestens einem Angestellten der Drogerie besteht und die Abgabe der Fotos ausgerechnet in dieser Drogerie kein Zufall war. Im letzten Drittel kann die Story dann nochmal mit einem gelungenen Twist aufwarten, das Rätsel wird zufriedenstellend aufgelöst, auch wenn - da muss ich Gubanov beipflichten - ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit in Bezug auf die Identität des Täters nicht verleugnet werden kann.

    Mit Blick auf die Gastdarsteller finden sich dem geneigten Krimi-Freund jener Zeit gleich eine Vielzahl bekannter Gesichter. Horst Niendorf und Reinhard Glemnitz geben ein nettes ungleiches Duo ab, das sich prima ergänzt. In der Drogerie haben Herbert Tiede und der damals noch auf schmierige Typen gebuchte Horst Naumann kleine, aber feine Auftritte, Katrin Schaake bleibt dagegen eher blass. Für echte Kabinettstückchen sorgt - wer würde es angesichts seiner Sir Arthur-Auftritte für möglich halten - Hubert von Meyerinck als Vermieter der "Pension Daheim". Hier zeigt sich, dass "Hubsi" bei gutem Skript und entsprechender Schauspielerführung durchaus für angenehme humoristische Auflockerung sorgen konnte. Wallace-Akteur Heinz Spitzner rundet den Cast ab.

    Für seinerzeit sicher schon vertraute Krimi-Klänge sorgt die für ihn typische musikalische Untermalung von Martin Böttcher.


    Die Auftaktfolge des "Kriminalmuseums" punktet mit einer angenehm mysteriösen Story, einem stimmigen Ermittler-Duo und ein paar guten Akteuren in den Nebenrollen. 4,5 von 5 Punkten.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum10.06.2019 14:08
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Berlin-Express (Berlin Express, USA 1948)

    Regie: Jacques Tourneur

    Darsteller: Robert Ryan, Merle Oberon, Paul Lukas u.a.



    Film Noir Nummer 105:


    Personen unterschiedlicher Nationen und mit verschiedenen Beweggründen besteigen einen Zug in Frankreich, der durch das besetzte Deutschland bis nach Berlin fahren soll. Kurz vor Frankfurt wird der Friedensaktivist Dr. Bernhardt, dem eine Schlüsselrolle bei Gesprächen über ein vereinigtes Deutschland zugeschrieben wird, vermeintlich von einer Bombe getötet. Nachdem die Passagiere in Frankfurt verhört werden, stellt sich schnell heraus, dass der Tote gar nicht Dr. Bernhardt ist, sondern sein Leibwächter. Dr. Bernhardt hat sich für einen anderen ausgegeben. Doch der Aktivist ist weiterhin nicht sicher, denn die feindlichen Kräfte sind gut vernetzt...

    Dieser unter der Regie von Jacques Tourneur ("Katzenmenschen", "Goldenes Gift") inszenierte Spionage-Krimi war der erste amerikanische Film im Europa der Nachkriegszeit. Entsprechend filmhistorisch wertvoll ist das Material, das dem Zuschauer geboten wird. Die Bilder vom zerbombten Frankfurt und Berlin beeindrucken und wirken nach. Aber nicht nur in Berlin und Frankfurt, sondern auch in Paris wurde gedreht und dabei die zentralen Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Dazu gibt es hochatmosphärische Bahnhofs- und Zugimpressionen, die für Nostalgiker einiges zu bieten haben. Die Story ist überdies keinesfalls schlecht. Natürlich kann man mit dem Kritiker bei der-film-noir.de fragen, warum Dr. Bernhardt nun tatsächlich so zentral für die Frage eines vereinigten Deutschlands ist. An dieser und anderen Stellen bleibt sicherlich manches dunkel, letztlich fungiert der Aktivist als ein MacGuffin, der im Laufe der Handlung vermeintlich getötet, entführt und am Ende nochmals angegriffen wird. Robert Ryan, ein Bekannter im Genre und sonst auf Schurken gebucht ("Im Kreuzfeuer", "Wenig Chancen für morgen"), darf ausnahmsweise mal eine sympathische Figur verkörpern. Der Film ist nicht zuletzt durch die wechselnden Schauplätze sehr kurzweilig. Das Finale kann zudem mit einer hoch spannenden Suspense-Sequenz im Zug aufwarten, in der Ryan im Spiegel eines vorbeifahrenden Zuges sieht, wie nebenan ein Mordanschlag auf Dr. Bernhardt verübt wird. Ob er rechtzeitig zur Hilfe kommen kann, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Inhaltlich ist "Berlin-Express" zwar mehr Spionagekrimi als Noir, aber das stört nicht wirklich. Spürbar sind freilich die leicht propagandistischen Tendenzen und das bemüht friedvolle Ende, allerdings kann man auch darüber weitgehend hinwegsehen. In Deutschland kam der Film übrigens erst 1954 und in einer gekürzten und stark entpolitisierten Version in die Kinos. Glücklicherweise wurde 2001 eine neu synchronisierte Fassung im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, die auch Grundlage für die deutsche DVD ist.


    "Berlin-Express" bietet effektvolles Spannungskino im Nachkriegsdeutschland. Bilder aus zerbombten Städten (Frankfurt, Berlin) sind interessante Zeitdokumente und sorgen für eine bedrückende Atmosphäre. 4,5 von 5 Punkten.

  • Die Lady in Zement (1968)Datum10.06.2019 13:33
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Klingt grundsätzlich interessant. Danke für die Vorstellung. Aber dann werde ich mir erstmal "Der Schnüffler" ansehen, ist ja noch recht frisch auf DVD und Blu-Ray erschienen.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum06.06.2019 22:36
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    So, inzwischen habe ich nun auch Collector's Box Vol. 5 durchgesehen. Wie von Marmstorfer in Aussicht gestellt, waren wirklich noch einmal ein paar Höhepunkte dabei. Allerdings dürften wir bei der Frage, um welche Folgen es sich dabei konkret handelt, nur teilweise auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Highlight war für mich die Folge "Die Angst des Apothekers" mit einem hervorragenden Wolf Roth in der Titelrolle. Dieser wird von einem Bekannten unter Druck gesetzt. Beide hatten bei einem Bootsunfall im Ausland einen Jungen getötet. Die Leiche des Jungen sei nach Angaben des Bekannten an Land gespült worden und ein Mann, der von den Vorkommnissen Kenntnis hat, erpresse ihn nun. Da er nicht alleine "blechen" will, wendet er sich an den honorigen Apotheker. Als dieser von einer gesetzlichen Regelung erfährt, die einem Erpressungsopfer unter Umständen Straffreiheit gewährt, wenn die Tat, um die es in der Erpressung geht, nicht schwer ist, weigert er sich, sich am "Freikauf" zu beteiligen. Kurz darauf ist der Bekannte tot. Die Story ist wirklich gut und darüber hinaus spannend inszeniert. Kösters Bekanntschaft zum Apotheker gibt der Folge noch eine besondere, persönliche Würze. Ebenfalls storytechnisch sehr interessant und noch dazu hervorragend besetzt ist die Folge "Flüstermord". Dort geht es um ein Nottestament, mit dem der Sterbende seine Frau (Christiane Krüger) und Kind enterbt und dafür seine Schwester (Christine Wodetzky) zur Haupterbin macht. Zeugen dieses Nottestaments waren Uwe Friedrichsen, Stefan Behrens und Gert Günther Hoffmann. Die Ehefrau ficht das Testament an, kurz darauf wird ihr Kind in anonymen Anrufen bedroht. Weitere Gaststars sind Harald Leipnitz und Paul Edwin Roth. Story und Besetzung ergeben hier eine wirklich gute Symbiose, kurios ist der unmotivierte Eva-Kostüm-Auftritt von Christiane Krüger, ihre 80er-Jahre-Frise ist aus heutiger Sicht obendrein ein ziemlicher "Abtörner". Komplettiert wird das Trio durch die Folge "Der Selbstmord", in der Charles Regnier einen echten Gala-Auftritt hinlegt. Zwischen ihm und Lowitz entwickelt sich im Laufe der Folge ein tolles Psycho-Duell, zumal schnell klar wird, dass er der Mörder ist.

    Achtung Spoiler

    Ich wusste zwar schon vorher, dass Köster in der letzten Folge sterben würde. Auch wenn die Folge auf diesem Wege natürlich dramatisch aufgeladen ist und mit einem echten Paukenschlag endet, frage ich mich, ob das wirklich nötig war. Lowitz war seinerzeit jenseits der 70, warum ihn also nicht einfach in den Ruhestand schicken? Hätte ich im Zweifel glaubwürdiger gefunden.

    Spoiler Ende


    Insgesamt würde ich die Folgen in folgende Rangfolge bringen:


    01. Die Angst des Apothekers 5/5
    02. Flüstermord 4,5/5
    03. Der Selbstmord 4,5/5
    04. Die Tote in der Sauna 4/5
    05. Die Tote im Schlosspark 4/5
    06. Der Leibwächter 3,5/5
    07. Zwei Leben 3,5/5
    08. Tödlicher Bumerang 3,5/5
    09. "...tot ist tot" 3,5/5
    10. Hals über Kopf 3/5
    11. Eine Tote auf Safari 3/5
    12. Gemischtes Doppel 2,5/5
    13. Der Sohn 2,5/5
    14. Wiederholungstäter 2,5/5

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Andreas im Beitrag #30
    Was ist denn eine Kampflesbe???


    Das ist grundsätzlich eine abwertende Bezeichnung für eine lesbische Frau mit äußerlich männlichem Aussehen. Sollte aber hier ein Wortspiel sein, weil sie ja in der fraglichen Szene tatsächlich "kämpft". Daher auch in Anführungszeichen.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Insgesamt hatte ich den "Gorilla" sogar noch schlimmer in Erinnerung, dennoch kann ich mich den schlechten Kritiken im Ergebnis anschließen.

    Man muss sich in der Tat fragen, warum man anstelle eines bereits verfilmten Drehbuchs nicht ein unverfilmtes zur Hand nahm. Einen Gorilla hätte man in andere Storys doch ebenso "überzeugend" hineinschreiben können wie in die vorliegende.

    Die Vergleiche, die sich zwangsläufig zu den "toten Augen von London" aufdrängen müssen, verliert der "Gorilla" tatsächlich durch die Bank weg. Tappert ist zwar durchaus motiviert, kann sich aber kaum profilieren, weil er entweder von nervigen Kollegen/Vorgesetzten umgeben ist oder aber die Zeilen aufsagen muss, die so oder so ähnlich schon Kollege Holt von sich gegeben hat. Dadurch wirkt Vieles unnatürlich und wie auswendig gelernt (was es natürlich auch ist). Friedrichsen hatte ich offen gestanden penetranter in Erinnerung, er hat zumindest im Ansatz komische bzw. sympathische Momente, so dass man durchaus sagen kann, dass sein Auftritt sich ungefähr auf dem Niveau der schwächeren Arent-Vorstellungen bewegt. Uschi Glas agiert dagegen ausgesprochen hölzern. Unter den Nebendarstellern fallen Beate Hasenau und Ralf Schermuly im Vergleich zu ihren Vorbildern besonders stark ab. Aber auch Herbert Fux ist natürlich nur eine schlechte Kopie von Harry Wüstenhagen. Achtbar aus der Affäre schlagen sich immerhin Albert Lieven und Inge Langen.

    Wie schon geschrieben wurde, lässt das Timing in vielen bekannten Szenen stark zu wünschen übrig, was teilweise an den Darstellern, teilweise an der Inszenierung und mal an beidem festzumachen ist. Äußerst unangenehm fallen aus heutiger Sicht obendrein die Nacktszenen im Club sowie das Scharmützel zwischen der "Kampflesbe" und einem anderem Mädchen im "St. Maria" auf. Getoppt werden diese Momente eigentlich nur noch durch Sir Arthurs Club-Bekanntschaft mit ihrem ewigen "Gehen wir nun Arthur oder gehen wir nicht?" - ein Running Gag wahrlich zum Davonlaufen.

    An einigermaßen gelungenen bzw. wirkungsvollen Neuerungen wären einzig die solide Prätitelsequenz sowie der "Twist" im Finale, dass Parker sich gegen seine Partnerin wendet und sie kaltblütig erschießt, zu nennen. Aber auch da muss man sich fragen, warum nicht öfter anders als im Vorbild? Warum nicht Sugar in der Fahrstuhl-Szene mal davonkommen lassen o.ä.? Die durchaus noch vorhandenen dramaturgischen Chancen, die sich aus der gewählten Herangehensweise ergeben haben, wurden insgesamt ebenfalls nicht ausreichend genutzt.

    Die Musik von Peter Thomas wurde treffend als "uninspiriert" umschrieben, wobei man zu Thomas' Ehrenrettung einräumen muss, dass der Film alles andere als inspirierend ist. Gleichwohl handelt es sich um die schlechteste Musik in der Farbära.

    Alles in allem gibt es außerhalb von chronologischen Sichtungen eigentlich keinen Grund, sich den alles andere als "affenstarken" "Gorilla von Soho" anzutun. Der Stadtteil Soho im Titel eines Wallace-Films scheint kein gutes Omen zu sein. 2 von 5 Punkten.

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum01.06.2019 11:24
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch von mir erstmal den aller größten Respekt für diese Energieleistung und ein großes Dankeschön für den Episodenguide, den du im Thread hinterlassen hast!

    Ich bin inzwischen mit Box 6 durch und bin insgesamt zufrieden, das Niveau kann gehalten werden, seit längerer Zeit kann ich mal wieder zwei Folgen die Höchstwertung vergeben. Mein Favorit ist "Tod im See". Eine Folge, die trotz Whodunit ein bisschen "Columbo"-Flair versprüht, weil es ganz auf das psychologische Duell aus (wahrscheinlichem) Täter und Derrick zugeschnitten ist. Robert Atzorn meistert diesen Part ganz hervorragend, auch Christiane Krüger macht einmal mehr eine gute Figur. Knapp dahinter ordnet sich "Eine ganz alte Geschichte" ein. Hier geht es ebenfalls um ein Pscho-Duell, allerdings zwischen den Gaststars Mathieu Carrière und Herbert Fleischmann. Carrière beschuldigt Fleischmann, vor über 30 Jahren seinen Onkel getötet zu haben. Der Film lebt von der Spannung (War Fleischmann wirklich der Mörder?) und der Stärke der Figuren. Aufgrund der Unverfrorenheit der Carriére-Figur sympathisert der Zuseher eher mit Fleischmann. Abgerundet wird das Führungs-Trio mit "Prozente". Dort versucht der starke Gerd Baltus einen fehlgeschlagenen Mordanschlag eines Unbekannten auf einen Wucherer zu nutzen, um mit Blick auf die hohen Zinsen seines Kredits "Prozente" heraushandeln zu können. Ganz unten rangiert "Das sechste Streichholz" mit dem leider viel zu häufig besetzten Pierre Franckh in einer nervigen Rolle.

    Als Gaststars wirken neben den bereits genannten Darstellern u.a. folgende mit: Klaus Schwarzkopf, Eva Ingeborg Scholz, Ellen Schwiers, Karin Baal, Barbar Rütting.

    Insgesamt würde ich die Folgen in diese Reihenfolge bringen:

    01. Tod im See 5/5
    02. Eine ganz alte Geschichte 5/5
    03. Prozente 4,5/5
    04. Die Schwester 4/5
    05. Der Kanal 4/5
    06. Pricker 4/5
    07. Kein Garten Eden 4/5
    08. Die Stunde des Mörders 3,5/5
    09. Die Rose im Müll 3,5/5
    10. Dem Mörder eine Kerze 3,5/5
    11. Der Untermieter 3/5
    12. Eine Rechnung geht nicht auf 3/5
    13. Tod eines Italieners 3/5
    14. Am Abgrund 3/5
    15. Das sechste Streichholz 2/5

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Kann den insgesamt sehr positiven Stimmen zu diesem Film nur zustimmen, auch eine Modernisierung ist in meinen Augen klar erkennbar und es ist in der Tat schade, dass man in diesem Stil nicht einfach weiter gemacht hat.

    Die Prätitelsequenz kommt ohne Mord aus, im Anschluss folgen die bekannten, bunt gehaltenen Credits. Doch zwei Änderungen fallen ins Auge bzw. gehen ins Ohr: Zum einen ist der Name Joachim Fuchsbergers dem Titel vorangestellt - eine eindeutige Manifestation seines Sonderstatus. Zum anderen bekommt das Publikum zum ersten und letzten Mal einen Titelsong, der wie schon beschrieben wurde, klar an die Lieder der Bond-Filme angelehnt ist und ein Beispiel für die Momente im Film ist, in denen das Erscheinungsjahr offen zu Tage tritt. (Von 007 abgekupfert ist gewiss auch die ohne Aussicht auf ein "Happy End" bestehende Verbindung zwischen Higgins und Miss Finley (Miss Moneypenny lässt grüßen!)). Sir Arthurs Bemerkung über die Beatles und Peggy Wards "Make love not war"-Zitat sind weitere solcher Momente.

    Bei der Besetzung setzte man eher auf neue Kräfte, ohne gänzlich auf vertraute Gesichter zu verzichten. Die Rolle der Peggy Ward, eine durchaus reizvolle Mischung aus Emma Peel-Verschnitt und einer vorlauten Reporter-Figur, die in früheren Jahren wohl Eddi Arent eingenommen hätte, wird von Siw Mattson nicht zu vollster Zufriedenheit ausgefüllt, hier wäre noch deutlich mehr drin gewesen. Ganz vortrefflich fällt im Gegenzug die Darbietung von Wolfgang Kieling aus, der das Geschehen in einer Weise an sich reißt, wie es schon lange keinem Nebendarsteller mehr gelungen ist. Erinnerungen an Sternstunden von Pinkas Braun, Albert Lieven oder Ulrich Beiger werden zwangsläufig wach. Auch Claude Farell kann bei ihrem einmaligen Gastspiel dem Film durchaus ihren Stempel aufdrücken. Durchaus sympathisch fällt nicht zuletzt wegen des Verzichts auf eine Synchronisation der kleine Auftritt Ewa Strömbergs als Bibliothekarin aus. Pinkas Braun darf sich mit einer undurchsichtigen Rolle aus der Reihe verabschieden, ohne dabei an alte Glanzzeiten anknüpfen zu können.

    Die Figur der lachenden Leiche gehört zu den besten Ideen der Wallace-Film-Macher. Überdies hatten Vohrer und sein Team ganz offensichtlich großen Spaß mit der Figur und setzten diese mit verschiedenfarbiger Einstrahlung sehr kreativ ins Bild. Die Szenen mit dem "Unheimlichen" sorgen daher für Geisterbahngrusel auf allerhöchstem Niveau. Ein echtes Highlight ist wieder einmal die Musik von Peter Thomas. Und damit ist nicht nur der zeitgenössische Titelsong, sondern auch die vielen hörenswerten Tracks im Laufe gemeint. Die eingestreuten London-Aufnahmen werten den Film weiter auf.

    Wie schon korrekt analysiert wurde, muss sich der begeisterte Betrachter mit zwei Punkten arrangieren, die das Sehvergnügen ein wenig trüben. Da wäre erstens die Figurenkonstruktion des Ramiro, die einen immer wieder fassungslos macht. Zweitens der Wechsel von Sir John zu Sir Arthur. Mit einem Sir John in der Form vom "Peitschenmönch" im Buddy-Gespann mit Inspektor Higgins hätte der Film dem roten Kapuzenmann Konkurrenz machen können. Mit dem nur selten amüsanten, häufig dagegen anstrengenden Hubert von Meyerinck, dessen Rolle leider allzu flach angelegt ist, muss sich "Banne" hinter dem "Peitschenmönch" einreihen. Dennoch ein weiterer sehr gelungener Farbbeitrag von Alfred Vohrer. Daher sehr gute 4,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    "Der Hund von Blackwood Castle" ist ein insgesamt wirklich gelungener Jubiläums-Wallace. Wie schon ausgeführt wurde, geht es inhaltlich wieder ein wenig klassischer zu. Die Story kann gerade zum Ende hin mit einigen Überraschungen aufwarten und gibt sich davor gekonnt mysteriös und hält so das Interesse des Publikums hoch. Passend zum Jubiläum ist der Cast sehr breit aufgestellt und die Rollen sind gut verteilt. So erscheinen die nacheinander aufschlagenden Komplizen des Kaptitäns gleich im doppelten Sinne als Gäste, nämlich als Gäste im "Old Inn" sowie im Film selbst. Horst Tappert gibt dabei einen gelungenen Einstand, Harry Wüstenhagen ein durchaus ersehntes Comeback und Rainer Brandt ein eher unspektakuläres Gastspiel innerhalb der Rialto-Reihe (seinen Telefonauftritt als Inspektor Fuchsberger im "Tuch" einmal ausgeklammert). Wegen akuter Personalnot darf Sir John mal wieder die Ermittlungen selbst führen, was er dem Grunde nach schon in "Zimmer 13" einmal gemacht hat. So bekommt er in Sachen Präsenz und Wichtigkeit unvorhergesehen einen angemessenen vorläufigen Ausstand. Obwohl sein Gala-Auftritt aus dem "Peitschenmönch" nicht getoppt werden kann, überzeugt Schürenberg hier mit einer wieder etwas seriöseren Interpretation des Scotland Yard-Chefs und im Zusammenspiel mit Sidekick Ilse Pagé, die wohl ihren besten und dankbarsten Auftritt absolviert. Für Heinz Drache ist der Film Rückkehr, Farbdebüt, und Wallace-Ausstand zugleich. Seine Figur macht enorme Entwicklungen durch und wird von Drache souverän wie eh und je durch den Film geführt. Karin Baal liefert die wohl bis dato stärkste Darbietung einer weiblichen Hauptdarstellerin in der Farbära ab. Überfällig war ein Gastspiel Hans Söhnkers. Er drückt in der Rolle des Rechtsanwalts zu Anfang dem Film mächtig den Stempel auf und macht vielleicht ein wenig zu früh Platz für andere. Agnes Windeck in ihrem besten Wallace-Auftritt sowie Tilo von Berlepsch als adlige Besitzer des "Old Inn" werten den Film auf darstellerischer Ebene zusätzlich auf.

    Alfred Vohrer liefert vor allem im ersten Drittel eine wunderbare Geisterbahn-Atmosphäre. Hier sind vor allem die Szenen rund um die erste Nacht Karin Baals im Schloss zu nennen. Vor allem die Einstellungen in subjektiver Kamera, wie sie mit Kerzenständer über den Gang schreitet, sind besonders atmosphärisch. Auch Skelett und Gummistiefel sorgen für angenehmen Grusel, wohingegen die elenden Schlangen trotz vorgeschobener inhaltlicher Rechtfertigung einfach nur noch nerven. Ein besonderer Reiz des Films liegt auch in den einmaligen herbstlichen Außenaufnahmen auf der Pfaueninsel. Die Szenen mit dem Hund hätten zwar effektvoller inszeniert werden können, setzen aber ebenfalls neue Akzente. Schließlich bedarf die grandiose Musik von Peter Thomas besondere Erwähnung. Dieses groovige Etwas gehört zum absolut besten, was die Reihe in der Sparte zu bieten hat - "I see you".

    Summa summarum bin ich gerne bereit, dem "Hund" 4,5 von 5 Punkten zu geben.

  • Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23)Datum22.05.2019 23:05
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Baal1985 im Beitrag #202
    Zitat von Ray im Beitrag #201
    Was ich noch vergessen hatte: Löblich ist, dass man die Idee, im Vorspann Standbilder aus dem fiolgenden Film einzubauen, aus "Zimmer 13 " und "Gruft" wider aufgenommen hat, auch wenn die Umsetzun diesmal nicht ganz so gelungen ist. Schade, dass man im "Peitschenmönch" sogleich wieder davon abgewichen ist.



    Warum? Ich finde, das ist so, als würde man den Film in der Vorschau verraten. Gerade in einem Krimi Spannung zu zerstören ist, sagen wir wenig sinnvoll.


    Na ja, es kommt auf die Umsetzung an. Wenn man in schneller Abfolge ein paar "Appetitanreger" serviert, kreiert man eher Spannung als dass man sie zerstört. Zumal bei dem Tempo beim durchschnittlichen Zuschauer wenig hängen bleiben dürfte. Außerdem kennen zumindest hier im Forum die meisten den Film ja recht gut, weshalb es auch nicht mehr viel zu verraten gibt. Wenn es ungeschickt gemacht ist und einen bei der Erstsichtung erwischt, kann es aber natürlich auch ärgerlich werden.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Sabotage (Sabotage, GB 1936)

    Regie: Alfred Hitchcock

    Darsteller: Sylvia Sidney, Oskar Homolka, John Loder u.a.



    Ein scheinbar biederer Londoner Kinobesitzer namens Verloc ist Mitglied in einer terroristischen Organisation. Nachdem ein erster Sabotageakt nicht die gewünschte Wirkung hat, soll Verloc eine Bombe am Piccadilly Circus hochgehen lassen...

    Der Bericht enthält Spoiler.

    "Sabotage", nicht zu verwechseln mit dem nur wenige Jahre später von Hitchcock verantworteten "Saboteure", erzählt in knapp 75 Minuten eine dramatische Geschichte, die in einem heutigen Film wohl wesentlich mehr Laufzeit beanspruchen würde. Der Meister persönlich mag den Film - wie erstaunlich viele seiner Werke - nicht. Den Hauptschwachpunkt sieht er darin, den zentralen Suspense-Moment nicht zufriedenstellend aufgelöst zu haben. Dort schickt Verloc den arglosen minderjährigen Bruder seiner Ehefrau los, um das Paket mit der Bombe in einem Schließfach zu deponieren. Die Bombe explodiert - der Junge stirbt. In der Tötung eines Kindes sah Hitchcock später einen Verstoß gegen die ungeschriebenen Gesetze des Kinos, Truffaut sprach gar von einem "Missbrauch des Kinos". Zwar muss man dem Regisseur zugute halten, dass er sich in einem wohl nur schwer auflösbaren Dilemma befand. Er benötigte eine Rechtfertigung für die spätere Tötung von Mrs. Verloc an ihrem Mann. Mit dem Tod an ihrem Bruder liefert sie für sich und das Publikum ein absolut nachvollziehbares Motiv. Man kann sich allerdings vor dem Hintergrund dieses Dilemmas fragen, ob Hitchcock in der Wahl seines Stoffs bzw. in der Überarbeitung dessen ein glückliches Händchen hatte. Wenn es also die (streitbare) Tötung des Kindes zur Rechtfertigung des anschließenden Racheakts von Mrs Verloc an ihrem Ehemann brauchte, hätte man dann nicht vielleicht auf letzteren verzichten und der Handlung einen anderen Verlauf geben sollen? Bisweilen offenbart der Film im Übrigen, dass seinerzeit ein Stück weit die filmischen Mittel fehlten, um bestimmte Szenen - insbesondere die Sabotageakte - hinreichend wirkungsvoll darstellen zu können. Zudem ist der Film im Gegensatz etwa zu "39 Stufen" nicht derart temporeich, dass man als Zuschauer verschmerzen kann, dass die Hintergründe bezüglich der Organisation und ihrer Motive dunkel bleiben. Was bleibt, ist eine abgesehen vom letzten Drittel recht angenehme Atmosphäre und zufriedenstellende Leistungen der Hauptdarsteller. Sylvia Sidney drückt mit ihrem charismatischen Gesicht diesem Film zwischen ihren Arbeiten mit Fritz Lang ihren Stempel auf, vorhandene kreative Differenzen mit Hitchcock sieht man dem Endprodukt nicht an. Auch John Loder, der anstelle des nicht verfügbaren Robert Donat die durchaus diffizile Rolle des verdeckt ermittelnden Yard-Ermittlers übernahm, der aufgrund seines Interesses an Mrs Verloc ein Stück weit den "Familienfrieden" stört und letztlich entgegen seinem Berufsethos handelt, macht seine Sache durchaus gut. Bilder aus der Londoner Metropole in den 1930ern sorgen für die atmosphärischen Pluspunkte. Gleichwohl muss man insgesamt konstatieren, dass "Sabotage" im Gesamtwerk Hitchcocks sicher nicht zu den Höhepunkten zählt.


    Ein im Ansatz sympathischer Streifen mit phasenweise gelungener Atmosphäre und soliden darstellerischen Leistungen, der inhaltlich jedoch nur sehr bedingt zu überzeugen vermag. Dass Hitchcock selbst den Film nicht sonderlich mochte, ist in diesem Fall nachvollziehbar. 3 von 5 Punkten.

  • Wallace & Blu-rayDatum21.05.2019 22:26
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Achso, ich hätte dazu sagen sollen, dass ich die Blu-Rays im Zuge der "Wallace der Woche"-Sichtungen erstmals in den Player lege. Daher hab ich von den Farbfilmen erst den Buckligen, Hand und eben den Peitschenmönch gesehen. Aber deine Aussage steigert auf jeden Fall schon mal die Vorfreude auf "Im Banne des Unheimlichen".

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die rote Lola (Stage Fright, USA 1950)

    Regie: Alfred Hitchcock

    Darsteller: Jane Wyman, Richard Todd, Malene Dietrich u.a.



    Jonathan Cooper steht im Verdacht, den Gatten seiner Liebhaberin Charlotte Inwood getötet zu haben. Er sucht Unterschlupf bei einer Freundin namens Eve, die in ihn verliebt ist. Jonathan erklärt Eve gegenüber, Charlotte selbst habe ihren Mann umgebracht. Eve beschließt, eigene Ermittlungen anzustellen...


    Der Bericht enthält Spoiler.

    "Die rote Lola" hat in der Filmografie Alfred Hitchcocks negative Berühmtheit erlangt, die einzig und allein mit einer Begebenheit zusammenhängt: eine Rückblende zu Anfang des Films, die sich ohne Anzeichen am Ende als "filmische Lüge" entpuppt. Das Publikum fühlte sich seinerzeit überwiegend "betrogen" und dem Film war kein sonderlich großer Erfolg vergönnt. Ob man den Kunstgriff des Regisseurs nun als Betrug am Zuschauer oder besondere Schlitzohrigkeit einordnet, ist sicher Ansichtssache. Letztlich dürfte dieser Aspekt Hitchcocks Interesse geweckt haben, denn an Whodunits hatte er wie mehrfach bekundet grundsätzlich kein Interesse. Diesen Umstand merkt man dem Film durchaus an, denn sonderlich spannend ist "Die rote Lola" nicht. Eine Laufzeit von mehr als 100 Minuten gibt die Story in der dargebrachten Form jedenfalls kaum her. Phasenweise steht gar der komödiantische Aspekt beinahe im Vordergrund, wenn Eve bei ihren Nachforschungen in immer neue Rollen schlüpft oder der ihr zur Seite stehende Vater bei einem Fest an einer Schießbude auf eine verschrobene Verleiherin trifft. Die Darsteller machen jedoch insgesamt eine gute Figur. Jane Wyman, die optisch an Hitchcocks Tochter Patricia erinnert, die ebenfalls einen kleinen Part hat und Wyman zudem in einer Szene doubelte, spielt die Rolle der Eve ausgesprochen sympathisch. Marlene Dietrich strahlt eine ungemeine Grazie aus und darf eine laszive Gesangsnummer ("The Laziest Gal in Town") zum besten geben, die zu den Höhepunkten des Films gehört. Im dramaturgischen Höhepunkt kann sich dann auch Richard Todd (bekannt als Polizeinspektor Sanders aus den Afrika-Wallace-Filmen "Todestrommeln am großen Fluss" und "Sanders und das Schiff des Todes") auszeichnen, dessen Darbietung - möglicherweise dramaturgisch bedingt - zuvor eher unspektakulär ausfällt. Unter dem Strich ist "Die rote Lola" ein grundsolider Kriminalfilm, der im Gesamtwerk Hitchcocks jedoch zu Recht keinen hervorgehobenen Status hat. Dafür gibt es einfach zu viele Filme, die besser sind.


    Hitchcock liefert mit "Die rote Lola" eine Spielart des Kriminalfilms, die er selber nicht sonderlich schätzte: den Whodunit. Ein klassischer Vertreter seiner Gattung ist er im Endeffekt doch nicht geworden, da er das Publikum mit einer "filmischen Lüge" aufs Glatteis führt. Ansonsten ist "Die rote Lola" weniger bemerkenswert als viele andere seiner Werke, punktet aber durch gut aufgelegte Hauptdarsteller. 3,5 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23)Datum18.05.2019 11:54
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Was ich noch vergessen hatte: Löblich ist, dass man die Idee, im Vorspann Standbilder aus dem fiolgenden Film einzubauen, aus "Zimmer 13 " und "Gruft" wider aufgenommen hat, auch wenn die Umsetzun diesmal nicht ganz so gelungen ist. Schade, dass man im "Peitschenmönch" sogleich wieder davon abgewichen ist.

    Nachdem inzwischen geklärt ist, wer im "Peitschenmönch" der Voyeur ist, stellt sich mir die Frage, wer da eigentlich bei der "Hand" die ganze Zeit durch die Schlitze schaut?

  • Wallace & Blu-rayDatum18.05.2019 11:50
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich muss sagen, dass ich von der Qualität der Blu-Ray zum "Peitschenmönch" echt begeistert war. Das viele Grün bei den Außenaufnahmen ist ungemein kräftig, auf den Wiesen sieht man jeden Grashalm. Auch die Details der Tapeten im Mädchenpensionat ist mir erstmals aufgefallen. Von den Farb-Wallaces bisher mit Abstand die gelungenste Umsetzung!

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Das war mir nicht bekannt. Meine Taschenbuchausgabe ist von 2003 und sie hat zwar Bilder, aber nicht sonderlich viele.

    @Gubanov: Danke für den Hinweis, ich denke, ich werde es mir besorgen.


    Anlässlich des Todes von Doris Day...


    Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956)

    Regie: Alfred Hitchcock

    Darsteller: James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin u.a.



    Der amerikanische Arzt Dr. Benjamin McKenna macht zusammen mit Gattin und Sohn Urlaub in Marrakesch. Bei ihrer Ankunft lernen sie den Franzosen Louis Bernard kennen, der abends mit ihnen essen gehen möchte, das Treffen jedoch kurzfristig absagt. Am folgenden Tag fällt McKenna auf einem Marktplatz ein Mann mit einem Dolch im Rücken in die Arme - es ist Bernard. Er erzählt McKenna im Angesicht des Todes von einem geplanten Anschlag auf einen wichtigen Staatsmann in London. Kurz darauf wird McKennas Sohn entführt. Die Kidnapper wollen offenbar verhindern, dass McKenna sein Wissen preisgibt und so das Attentat verhindert...

    Mit "Der Mann, der zuviel wusste" inszenierte Alfred Hitchcock 1956 das Remake seines eigenen britischen Films aus dem Jahre 1934. Gegenüber Francois Truffaut erklärte er Jahre später im Hinblick auf einen Vergleich beider Filme: "Sagen wir, die erste Fassung hat ein talentierter Dilletant gemacht und die zweite ein Professioneller." Inhaltlich wurde die Handlung im Groben übernommen, dafür die Schauplätze teilweise verändert. Obendrein setzte man diesmal auf eine Star-Besetzung. Das Endprodukt kann sich absolut sehen lassen.

    In den ersten Minuten des Films schafft Hitchcock eine wunderbar heimelige Atmosphäre. Die Familie McKenna wird dem Publikum als absolute Vorzeige-Familie vorgestellt. Der Mann ist ein erfolgreicher Arzt, die Frau eine ehemals erfolgreiche Sängerin, die ihre Karriere indes zugunsten der Familie einstweilen auf Eis gelegt hat. Im Hotel bekommt das Publikum eine erste Kostprobe des zum Klassiker gewordenen "Que Sera Sera" geboten, das im Finale noch eine wichtige dramaturgische Funktion haben wird. Das seltsame Verhalten Bernards sowie die Aufdringlichkeit des Ehepaars Drayton sorgen nicht nur bei Mrs McKenna, sondern auch beim Publikum für ersten Argwohn. Zerstreut wird dieser durch eine herrliche Szene in einem örtlichen Restaurant, in dem Gatte McKenna mit den lokalen Essensbräuchen (unbequeme Sitze; mit den Fingern essen, wobei man nur drei Finger benutzen darf) sichtlich seine Probleme hat. Impressionen von den Märkten Marrakeschs sorgen für weitere Zerstreuung, doch dann ist es schlagartig vorbei mit aller Behaglichkeit: Bernard wird ermordet, der Sohn entführt. Während das Publikum im Vergleich zu den Protagonisten bei Hitchcock nicht selten überlegenes Wissen hat, so hat McKenna in diesem Moment gefährliches Wissen. Die McKennas machen sich auf nach London, wo sie sich anhand der Informationen, die ihnen Bernard noch mit auf dem Weg geben konnten, auf die Suche nach ihrem Sohn zu machen. Nach ein paar kurzen Irrungen kommen sie ihrem Sohn in einer Kapelle bereits sehr nahe, der Showdown findet jedoch in der Royal Albert Hall bzw. anschließend in der Botschaft statt. Die Szene in der Royal Albert Hall ist geradezu episch und dramaturgisch perfekt, noch dazu von Hitchcock im Vorspann und während des Films durch den Hinweis auf die Wichtigkeit des lauten Tons, welches das Becken abgibt, geschickt vorbereitet. Die Spannung ist absolut greifbar, wenn das Attentat immer näher rückt. Dass eine solche Sequenz auch heute noch seine Wirkung entfaltet, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass im fünften Teil der "Mission: Impossible"-Reihe vor wenigen Jahren eine ganz ähnliche Szene eingebaut wurde. Ein zweites Finale gibt es dann in der Botschaft, in dem das Lied "Que Sera Sera" wie angesprochen einen zweiten und dramaturgisch wichtigen Einsatz erhält.

    James Stewart war bei Hitchcock "Wiederholungstäter" und gibt einmalmehr den sympathischen und bodenständigen "Durchschnittsamerikaner", wenn man einmal von seiner beruflichen Qualifikation absieht. Doris Day, weder eine Stilikone wie Audrey Hepburn noch eine laszive Sexbombe wie Marilyn Monroe, sondern eher "Sauberfrau" und daher heute nicht mehr ganz so stark in der Popkultur verankert wie die anderen genannten Damen, gibt die passende Ehefrau. In Nebenrollen sieht man Daniel Gélin, der später an der Seite von Heinz Drache in "Zeugin aus der Hölle" auftrat, sowie Reggie Nalder, den Mann mit dem einprägsamen Gesicht - wie auch in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" "natürlich" als Killer.


    Hitchcock versteht es Wohlfühl- und Spannungsmomente in eine ideale Balance zu bringen. Schauplätze in Marrakesch und London sowie der opulente Showdown in der Royal Albert Hall sorgen für optische Reizpunkte, Stewart und Day geben ein ausnehmend sympathisches Hauptdarstellerduo. 5 von 5 Punkten.

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