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Dieses Thema hat 23 Antworten
und wurde 1.939 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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fritz k Offline



Beiträge: 243

24.10.2006 19:32
Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

"Babeck" ist meiner Ansicht nach der gelungenste Reinecker-Dreiteiler. Wenn die beiden anderen auch schon sehr gut geraten sind, ist dieser sogar noch besser. Regie, Kamera, Musik, Darsteller und vor allem Buch bieten das Maximum eines Fernseh-Dreiteilers.

Helmut Lohner - ein klischeeunbelasteter großer Theatermime, der gerade durch seine fehlende Kino-Präsenz glaubwürdig Realität vermitteln kann. Ein hervorragender Schauspieler. Cordula Trantow - einmal eine Hauptdarstellerin, die nicht über den Normalfall sexy daherkommt und die dadurch auch um so mehr eine glaubwürdige Figur wird, mit der man mitfühlt. Helmut Käutner - eine Leistung des Produzenten, diesen großen deutschen Regisseur als Darsteller zu gewinnen. Käutner als Schauspieler ist eine sensationelle Entdeckung. Sein ganz eigenständiges Spiel ist sehr feinnervig, der komplizierte Charakter des Dr. Brenner ist eine der faszinierendsten Figuren im deutschen Fernsehkrimi.

Siegfried Lowitz - abseits vom Inspektorimage eine perfekte Interpretation des schwachen, bestechlichen, ignoranten und letztendlich hilflosen Normalbürgers, der wider besseres Wissen zum Verbrecher wird. Charles Regnier - seine Paraderolle als Gangster. Kalt, zynisch, intelligent, stilvoll - das alles auf dem höchstmöglichem Niveau. Senta Berger - Österreichs erotischste Frau (noch in Umfragen der 80iger Jahre) als geheimnisvolle Susanne Stefan. Endlich einmal ein Geheimnis mit packender Auflösung im dritten Teil.

Curd Jürgens - nach pompösen Heldenrollen überzeugt er überraschend und glänzend als aufgeblasener Schmierenkomödiant. Sein erschreckendes Ende ist ein fabelhafter dramaturgischer Griff von Reinecker. Karl John - glänzend als wankelmütiger Mitläufer zwischen Aufstiegsgier und Gewissen. Friedrich Joloff - wie immer der intelligent-undurchschaubare Typ, der immer dann auftaucht, wenn man gar nicht mit ihm rechnet. Walter Richter - in überragender Qualität bietet er mit seinem Talent als Volksschauspieler den einfachen und gutmütigen Mann, der das erste Opfer wird.

Auch die kleineren Gangsterrollen sind mit Schauspielern wie Raimund Harmstorf, Jan Hendriks, Peter Neusser und Paul Albert Krumm ausnahmslos exzellent besetzt. Der Aufbau der Story von dem scheinbar ruhig idyllischen Anfang bis zu den letzten dramatischen Ereignissen in Genua gehört zum Besten, was in Deutschland in Sachen Krimi geschrieben wurde. 5 von 5 Punkten.

ewok2003 Offline




Beiträge: 1.290

24.10.2006 20:14
#2 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Dem kann man kaum noch etwas hinzufügen. Auch mir gefällt "Babeck" besser als "Der Tod läuft hinterher". Jedoch kann für meinen Geschmack auch "11 Uhr 20" mit der Qualität von "Babeck" mithalten.

Sehr gut gefällt mir in dieser zweiten Reinecker-Trilogie der musikalische Auftritt von Senta Berger mit dem Lied "Vergiß mich, wenn Du kannst", das auch gleichzeitig in instrumentaler Version die Titelmelodie ist. Die besten schauspielerischen Leistungen bringen wie bereits angesprochen Helmut Käutner, Siegfried Lowitz und Friedrich Joloff sowie natürlich Helmuth Lohner. In der Tat erstaunlich, dass Helmuth Lohner kaum in Kinofilmen zu sehen war. Stattdessen hatte er dann später ja Gastauftritte u.a. bei "Der Kommissar" (Ein Playboy segnet das Zeitliche) und "Derrick" (Johanna).

Gruß, Ewok

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.564

25.10.2006 20:51
#3 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

SPOILER

Für mich ist "Babeck" der beste Reinecker-Dreiteiler. Die Bedrohung ist von der ersten Minute an zu spüren. Durch jede nervöse Geste und Bewegung zeigt Helmut Käutner, dass er nichts Gutes im Schilde führt. Der unbeschwerte Messerschleifer geht blind in die vorbereitete Falle.

Besonders interessant ist wieder einmal die Hierarchie des Verbrechens: Ganz unten der kleine Mann, der unbedacht in den Strudel krimineller Machenschaften geraten ist (Siegfried Lowitz), dann der Arzt Dr. Brenner, der während des Zweiten Weltkriegs an Menschenversuchen beteiligt war und sich deshalb mit einem weiteren Mord von seiner Vergangenheit freikaufen möchte (Helmut Käutner), dann die Helfershelfer (Paul-Albert Krumm, Raimund Harmstorf), die illustren Geschäftspartner (Friedrich Joloff) und an der Spitze "Babeck" (oder wer sich dafür ausgibt).

Die Ironie der Geschichte zeigt sich am Ende, als Helmut Lohner, der die ganze Zeit hinter Babeck her war, um ihn zur Verantwortung ziehen zu können, bei der Entlarvung des Haupttäters nicht dabei ist. Er verlässt die Villa in dem Glauben, Curd Jürgens sei Babeck, der sich selbst tötete, um der Verfolgung zu entgehen. Gerichtet wird Babeck (Charles Regnier) aber von Senta Berger, die hier einen starken Auftritt hat. Ihre Gesangseinlage ist sehr angenehm und das Lied ein echter Ohrwurm. Überhaupt sind die Frauenfiguren hier modern und unabhängig.

Lohner und Trantow handeln Hand in Hand, was für beide von Vorteil ist (man denke nur daran, was passiert wäre, wenn Lohner allein zu Lowitz in die Wohnung gegangen wäre). Sie behandeln einander mit Respekt und siezen sich bis zum Schluss, was ich sehr schön finde. Helmut Lohner überzeugt von Anfang an, er nimmt seine Sache ernst und verleiht seiner Rolle Würde. Man zittert bis zum Ende mit ihm und bewundert seine Hartnäckigkeit. Sein Zusammenspiel mit Cordula Trantow ist frei von Klischees. Charles Regnier als zynischer "Geschäftsmann" brilliert durch seine Contenance.

Der Aufbau der Geschichte mit vielen interessanten Einfällen (das Durchspielen des Mordes an Kruppka von Siegfried Lowitz, die Reise mit dem Zug von München nach Genua) ist logisch und realistisch. Ein großes Kompliment allen Mitwirkenden, besonders aber Helmut Lohner.

ewok2003 Offline




Beiträge: 1.290

26.10.2006 00:16
#4 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #3
... mit vielen interessanten Einfällen (das Durchspielen des Mordes an Kruppka von Siegfried Lowitz, ...)

Hier identifiziert sich der Zuschauer sogar für einen kurzen Augenblick mit Lowitz, was ich sehr gut gelungen finde. Vor allem dann als Kontrast das reale Aufeinandertreffen und der Untergang von Lowitz als gutmütiger Versager in seinem Schicksal ...

Gruß, Ewok

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.307

26.10.2006 17:26
#5 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Fast so gut wie DER TOD LÄUFT HINTERHER und etwas besser als 11 UHR 20.

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

21.04.2008 14:44
#6 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Ein spannendes Stück TV-Geschichte mit einem brillianten Helmut Lohner. Alle Darsteller spielen klasse. Der Film besticht durch eine äußerst spannende Geschichte und eine gelungene Auflösung. Sollte man sich nicht entgehen lassen.


Zur Info:
Biografie Helmut Lohner (Steffi-Line.de)

MfG
Mike

blofeld Offline




Beiträge: 407

22.04.2008 15:08
#7 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

"Babeck" ist für mich auch der beste Reinecker-Dreiteiler, gefolgt von "Der Tod läuft hinterher" und an dritter Stelle erst "11 Uhr 20". Am spannendsten ist für mich nach wie vor die erste Folge mit der Ermordung des Scherenschleifers und dem Ein-Mann-Rollenspiel von Siegfried Lowitz. Bei Teil 2 ist die Zugfahrt schon ein Klassiker, bei der Paul Verhoeven als Killer zu kurz kommt.

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 423

22.04.2008 15:46
#8 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Mein absoluter Favorit unter allen Krimi-Mehrteilern, die ich bis jetzt gesehen habe (einschließlich aller Durbridges).

"Babeck" besticht durch eine fantastische Story von Herbert Reinecker (schade, dass dazu keine Romanvorlage existiert, wie z.B. bei "11 Uhr 20"). Die Besetzung dürfte wohl so ziemlich einmalig sein. Alle Rollen sind meiner Ansicht nach ideal besetzt, angefangen bei Helmut Käutner und Walter Richter über Siegfried Lowitz und Senta Berger bis hin zu Charles Regnier und Curd Jürgens. Abgerundet wird das Ganze durch eine erstklassige Filmmusik von Peter Thomas und die Gesangseinlage von Senta Berger.

Für mich ein Kult-Klassiker, den man sich immer wieder anschauen kann. Ich war sehr erfreut darüber, als der Mehrteiler endlich auf DVD erschien. Bei der DVD-Veröffentlichung vermisse ich allerdings sehr die Zusammenfassungen, die jeweils am Anfang von Teil 2 und Teil 3 gebracht wurden. Irgendwie erhöhte das bei der Fernsehausstrahlung nochmal die Spannung. Geht es anderen ähnlich, die sich die DVD geholt haben?

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

12.10.2008 22:30
#9 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

„Babeck“ (BRD 1968, TV)

Mit: Helmut Lohner, Cordula Trantow, Siegfried Lowitz, Curd Jürgens, Senta Berger, Paul Verhoeven, Charles Regnier, Wolfgang Völz, Raimund Harmstorf u.a. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker.

„Babeck“, der große Mann im Hintergrund, zieht die Fäden eines ebenso raffinierten wie kaltblütigen Verbrechens. Ein Scherenschleifer wird ermordet und anstelle eines renommierten Fotografen beerdigt. Den Täter quält das Gewissen und er wird zur Gefahr. Babecks andere Handlanger greifen durch ...

Teil 1: Der Sarg aus Genua

Äußerst ungewöhnlich beginnt der ZDF-Mehrteiler „Babeck“ mit dem Mord am Scherenschleifer Krupka. Wie ein ahnungsloses Kind lässt sich der von Freundlichkeit und neuen Kleidern geblendete Mann auf seine letzte Arbeit ein: Dr. Brenner, gespielt von einem hervorragenden Helmut Käutner, bringt ihn um. Die Szenen werden neben dem Spiel Käutners auch von den schönen Aufnahmen am Starnberger See sowie dem genialen Soundtrack von Peter Thomas getragen. Der Wurm geht ins Ohr und kommt nicht mehr heraus.

Immer mehr wird dem Zuschauer von den wahren Hintergründen preisgegeben, aber im Endeffekt nur soviel, um die Spannung auf ein Maximum zu treiben. Dabei sind auf allen Seiten von Recht und Unrecht glänzende Darstellerleistungen zu konstatieren: Helmut Lohner auf der Suche nach seinem Vater mag zwar nicht zu dieser plumpen, naiven Gestalt passen, besticht jedoch durch Wort und Habitus. Cordula Trantow als ahnungslose Tochter des in Genua ums Leben gekommenen Hohmann ist ein neues, erfrischendes Gesicht. Siegfried Lowitz wird als verzweifeltem Möchtegernverbrecher, oder besser: Solltegernverbrecher, viel Platz eingeräumt. Er stellt die Rolle bedrückend realistisch dar. Nichtsdestotrotz kann ich ihm in einer zwielichtigen Rolle nicht so viel abgewinnen wie etwa als Inspektor.

Dass der erste Teil dieses Mehrteilers ähnlich wie eine „Kommissar“-Folge wirkt, ist dabei kein Zufall. Schon ein Jahr vor dem Entstehen jener Serie kommen hier einige markante Punkte vor: der Mord zu Beginn, die Kameraführung, die Schauplätze und nicht zuletzt die Namen. Helma Seitz, alias „Rehbeinchen“, spielt eine immens große Rolle und im Abspann prangen Klaus Stapenhorst, Gustl Gotzler, Helmut Ringelmann und Wolfgang Becker. Letzterem ist schon für die Inszenierung des ersten „Babeck“-Teils ein großes Lob auszusprechen, welches ich nach Begutachtung der folgenden Episoden gewiss weiterführen kann ...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.538

14.10.2008 21:10
#10 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Teil 2: Das Geheimnis der Calasetta
Teil 3: Tödliche Geschäfte


Nach meiner uneingeschränkten Begeisterung für den ersten Teil der „Babeck“-Trilogie konnte mich auch der zweite Teil noch gut überzeugen. Spannung und „Drive“ kommen besonders in den Szenen um Fasolds Treffen mit Babeck und die anschließende Verfolgung Lohners sowie bei der Zugfahrt zustande. Ebenfalls ein Highlight ist der bereits von anderen erwähnte Gesangsauftritt Senta Bergers, „Vergiss mich, wenn du kannst“. Das Musikthema hat sich mir seit nunmehr drei Tagen so fest eingebrannt, dass ich es beinahe jede Minute vor mich hinpfeife.

Nachdem ich mich also auch in Teil 2 bestens unterhalten fühlte, stellte sich danach die Ernüchterung ein. Ich stellte mir nämlich die "Gretchenfrage": Sag, wer mag nun eigentlich dieser Babeck sein? Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Wirkliche Verdächtige gibt es hier ja absolut gar nicht! Es ist nach Teil 2 bei allen Personen (außer vielleicht der von Herrn Hohmann) geklärt, auf welcher Seite sie stehen. Dementsprechend tippte ich als Haupttäter entweder auf Herrn Hohmann oder, weil dies vielleicht etwas offensichtlich gewesen wäre, auf Susanne Stefan. Die Tatsache, dass sie bisher so über den Dingen stand, machte sie schon verdächtig. Die anderen waren (eigentlich) eindeutig als Handlanger ausgewiesen. Auf der Seite des Rechts standen ja vor allem zwei Personen, die aufgrund ihrer An- bzw. Abwesenheit zu bestimmten Situationen sowie natürlich ihres Interesses nicht Babeck sein konnten.

Unter Berücksichtigung dieser Betrachtung fiel Teil 3, der aus dem Kriminalfall mit Mabuse-artigem Aufbau letztenendes doch einen regelrechten Politthriller machte, gegen die anderen beiden sichtbar durch. Vieles von dem, was die ersten beiden Folgen ausmachte, fehlt: Tempo, Unterhaltungswert und einige der guten Darsteller (vor allem Paul Albert Krumm, aber auch Siegfried Lowitz oder Paul Verhoeven).

Die schlaffe Inszenierung der ersten Hälfte dieses Teils hatte dann wiederum zur Folge, dass das Ende gehetzt und unvollendet wirkt. Es mag gewollt sein, dass die Gestaltung offen und nachdenklich wirkt. Dies wurde in meinen Augen allerdings übertrieben. Ich muss erwähnen, dass ich kein Freund politischer und kriegsbezogener Geschichten bin und dementsprechend eine Abneigung gegen den dies besonders verdeutlichenden dritten Teil habe, aber die für mich recht enttäuschende Auflösung (ich hatte mich zwar geirrt, aber meine Lösungen fand ich logischer), bei der ich die spezielle Motivierung des Täters vermisse (es hätte auch jeder andere sein können), sowie die unzulängliche Beendigung der Handlungsstränge führen mich zu einem eher gemischten Gefühl.

5 Punkte + 5 Punkte + 2 Punkte ergeben im Durchschnitt genau 4 Punkte. Diese sind verdient, mehr muss aber nicht sein.

PS: Ich bin in solchen Dingen zwar kein Experte, aber die von vielen hier herausgestrichene Realitätsnähe dieses Mehrteilers würde ich einmal gründlich in Frage stellen!

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

15.10.2008 08:36
#11 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Herbert Reinecker war unanfechtbar der fleißigste und teilweise sogar beste Drehbuchautor der Nachkriegszeit - ob für Kinofilme oder fürs Fernsehen. Den meisten ist er nur als Krimiautor für Wallace-Filme oder für das ZDF bekannt - vor allem aufgrund seiner ausgeklügelten Storys, die die Zuschauer für 80 Minuten im Kino oder mehr als zwei Abende am Fernseher vor Spannung in "Schach" halten konnten. Dennoch hatte auch er einen großen Fehler: Die Auflösungen seiner Plots passen oftmals nicht zur Spannung des Gesamtfilms. Im Kino merkt man dies vor allem bei den Filmen "Neues vom Hexer" und "Die blaue Hand" und im Fernsehen sind "Der Tod läuft hinterher" und "Babeck" die markantesten Beispiele. Man hat immer wieder das Gefühl, dass er am Schluss einer Story einfach nur fertig werden wollte und es sich sehr einfach machte. Man interessiert sich hinterher nicht mehr, ob es Curd Jürgens, Charles Regnier oder ein anderer war - nur die beiden ersten Teile bieten bleibende Erinnerungen. Gleiches gilt für mich sowohl bei "Der Tod läuft hinterher" - ist doch auch hier egal, ob es Pinkas Braun oder Josef Meinrad war - als auch bei "11 Uhr 20" (hier verrate ich an dieser Stelle noch nichts.)

Joachim.

Georg Offline




Beiträge: 2.969

26.02.2013 05:10
#12 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #10
Wirkliche Verdächtige gibt es hier ja absolut gar nicht! Es ist nach Teil 2 bei allen Personen (außer vielleicht der von Herrn Hohmann) geklärt, auf welcher Seite sie stehen.

Das ist genau das, was ich auch bei Der Tod läuft hinterher schon kritisierte. Zudem ist die Figurenkonstellation in Babeck der des Vorgängerfilms sehr, sehr ähnlich. Beispiele? Voilà:
  • In beiden Filmen wird ein Verwandter eines der beiden Protagonisten ermordet.
  • In beiden Filmen ist ein Verwandter der beiden Protagonisten spurlos verschwunden.
  • In beiden Filmen entpuppt sich dieser verschwundene Verwandte als jemand, der mit dem großen Bösewicht unter einer Decke steckt.
  • In beiden Filmen spielt eine Nachtbar eine Rolle.
  • In beiden Filmen gibt es außer den beiden Protagonisten keine positiven Charaktere und jeder hat Dreck am Stecken (was für einen Whodunit nicht gerade vorteilhaft ist, schließlich ist es bei so vielen Bösen egal, wer wen umbringt und wer der Hintermann ist).
  • In beiden Filmen gibt es Charaktere und Rollen, die sich ähneln. Ich denke da nur an Friedrich Joloff und seinen Handlanger. Joloffs Part wiederholt sich in ähnlicher Form dann sogar nochmal in 11 Uhr 20.
Das große Problem ist, dass es nicht wirklich andere Personen gibt, die man verdächtigen könnte und die - wie in anderen Krimis - über jeden Verdacht erhaben sind. Ich habe mich dennoch aufgrund der tollen Darsteller bestens unterhalten, als ich mir Babeck nun wieder ansah. Toller Soundtrack von Peter Thomas. Ach ja, und dass es auf Italienisch spiagga und nicht playa (wie im Spanischen) für Strand heißen muss, ist damals wohl auch Keinem aufgefallen. Schließlich habe ich noch einen Regiefehler bemerkt: Als Senta Berger singt, sitzen Hohmann und Krupka zuerst an der Bar und in der nächsten Einstellung plötzlich an einem Tisch ...

Geärgert habe ich mich diesmal auch über die Kauf-DVD, die ich erstmals heranzog. Das nächste Mal greife ich auf meine Uralt-Aufnahme vom ZDF von vor 20 Jahren zurück, denn im Bild sind ständig Kratzer und die Qualität lässt arg zu wünschen übrig. Der Vorspann bei Teil 2 und 3 wurde durch schwarze Überblendungen ersetzt, zudem fehlt die Zusammenfassung bei beiden Teilen. NUR aus diesen geht z.B. auch hervor, dass Dr. Brenner mit belastendem Material aus der Kriegszeit erpresst wurde (im 1. Teil ist das nicht ganz klar).

Georg Offline




Beiträge: 2.969

26.02.2013 16:21
#13 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Als Nachtrag hätte ich noch die Frage in den Raum zu werfen, ob wir jemals erfahren werden, wie die ursprüngliche Konstellation des Buchs ausgesehen hat. Dass Siegfried Lowitz' Rolle ursprünglich mit Ringelmanns Lieblingsschauspieler und Lehrer Martin Held besetzt werden sollte, ist ja wohl großteils bekannt. Ich frage mich aber, welche Rolle Curd Jürgens ursprünglich spielen hätte sollen. Ich habe nur so viele Hintergrundinformationen, dass Jürgens nach einem Unfall die vorgesehene (Haupt!-)Rolle nicht übernehmen konnte und er für einige Zeit an den Rollstuhl gefesselt war. Das Drehbuch musste umgeschrieben werden. Was hätte er aber spielen sollen? Regniers Rolle? Lohners Rolle kommt wohl nicht in Frage.

... und noch ein wenig Statistik: Die Einschaltquote betrug 64 Prozent (das waren 24 Millionen Deutsche und 74 Prozent aller ZDF-Seher). Die Produktionskosten beliefen sich auf 1,4 Millionen D-Mark.

Ray Offline



Beiträge: 1.089

25.05.2016 23:23
#14 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Babeck (BRD 1968)

Regie: Wolfgang Becker

Darsteller: Helmuth Lohner, Cordula Trantow, Senta Berger, Charles Regnier, Curd Jürgens, Friedrich Joloff, Helmut Käutner, Siegfried Lowitz, Karl John, Kai Fischer, Wolfgang Völz, Jan Hendriks, Walter Richter, Rudolf Schündler u.a.



Im Vergleich zu "Der Tod läuft hinterher" fallen zunächst zwei Aspekte auf: Erstens ist England kein Handlungsort, womit man sich vom Vorbild Durbridge geografisch absetzte. Zweitens ist die Besetzung im Gegensatz zum Vorgänger weniger spektakulär, insbesondere findet sich statt eines Superstars wie Fuchsberger ein in Kriminalfilmen eher als Nebendarsteller aufgetretener Helmuth Lohner (z.B. "Das 7. Opfer") an der Spitze der Besetzungsliste. Natürlich hat Lohner nicht die Ausstrahlung eines Fuchsberger, dennoch schlägt er sich äußerst wacker und muss sich vor den Darstellungen etwa eines Harald Leipnitz nicht verstecken.

Friedrich Joloff und Senta Berger glänzen in wunderbar geheimnisvollen Rollen. Joloff taucht immer wieder auf, so richtig einzuordnen vermag man ihn gleichwohl nicht, was sicherlich an der Klasse Joloffs liegt, der stets mit einem hintergründigen Lächeln durch die Szenerie stolziert. Senta Berger hat hier eine wesentlich dankbarere Rolle in Relation zu ihren Auftritten bei Bryan Edgar Wallace oder Dr. Mabuse. Sie umgibt eine verführerische, fast schon mystische Aura. Nur den Gesangsauftritt hätte man ihr besser erspart. Vor allem die Einstellung, in der sie in Zeitlupe "headbangt" und ihre Haare wild umherfliegen, wirkt heute in einem einigermaßen seriösen Kriminalfilm ziemlich lächerlich.

Der Film kommt weitgehend ohne Längen aus, nur im Finale wird ein wenig verzögert.

ACHTUNG SPOILER

Ich kann mich noch gut an meine Erstsichtung erinnern, in der ich auf Charles Regnier als Babeck gehofft hatte, weil ich diesem großartigen Mimen den Ruhm einer solch kultigen Figur einfach von Herzen gönnte. So kam es dann auch, wenngleich man sagen muss, dass das Ganze von Herbert Reinecker schon ziemlich geschickt konstruiert ist. Regnier taucht vergleichsweise oft auf, gibt sich offen als Babecks rechte Hand aus, sicher mit der Intention, dass das Publikum ihn gedanklich in der Täterfrage außen vor lässt. Dennoch empfinde ich es nicht so, dass einem völlig egal ist, wer nun Babeck ist, schließlich wird im Laufe der Handlung der Mythos um diese Figur stetig aufgebaut (so untersagt etwa Kai Fischer Wolfgang Völz gar, den Namen zu nennen, quasi eine Vorwegnahme Lord Voldemorts, "der, dessen Name nicht genannt werden darf").

SPOILER ENDE


Auch an "Babeck" gibt es wenig auszusetzen. Daher halte ich es für gut vertretbar, ihn vor "Der Tod läuft hinterher" einzuordnen, da er gefühlt weniger Längen hat und die vielleicht einen Ticken bessere Auflösung vorweisen kann. Dennoch tendiere ich nach wie vor dazu, aufgrund der in der Breite noch überzeugenderen Besetzung und der exquisiteren und klassischeren Drehorte, "Der Tod läuft hinterher" vorzuziehen. Trotzdem 5/5 Punkten für einen sehr unterhaltsamen Krimi-Reißer.

TV-1967 Offline



Beiträge: 443

01.06.2016 13:18
#15 RE: Babeck (1968, TV) Zitat · antworten

Ich fand Lohner leider vollkommen fehlbesetzt!

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