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  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #171

    Es ist dieser Tage übrigens das Buch von Paul Duncan über die Hitchcock-Filme im Taschen-Verlag neu aufgelegt worden. In einem schicken Leineneinband und mit der vom Verlag gewohnten großzügigen Gestaltung macht es einen sehr guten Eindruck, auch wenn es inhaltlich sicher nicht die tiefgreifendste Auseinandersetzung mit Hitchcocks Werk ist:

    https://www.taschen.com/pages/de/catalog...liche_filme.htm


    Witzig, dass du es ansprichst. Genau danach wollte ich eben noch gefragt haben. Ob das vielleicht jemand hier hat und was dazu sagen kann. Ein Band mit starkem Bilderanteil fehlt mir nämlich noch zu Hitchcock. Das Truffaut-Buch in der Taschenbuchausgabe hat da nicht so viel zu bieten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich möchte natürlich auch keinen drängen. Hatte auch über eine chronologische Sichtung nachgedacht, aber da sind dann doch einige Filme dabei, die mich wegen der Entstehungszeit oder inhaltlich gar nicht interessieren. Deswegen wird es jetzt ein Durcheinander werden, nach Lust und danach bemessen, wie lange ich manchen Film nicht mehr gesehen habe.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Weißes Gift/Berüchtigt (Notorious, USA 1946)

    Regie: Alfred Hitchcock

    Darsteller: Ingrid Bergman, Cary Grant, Claude Rains u.a.



    Der Vater der deutschstämmigen Alicia Huberman wird kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wegen Landesverrats zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der amerikanische Geheimdienst wendet sich in der Folge an Alicia mit der Bitte, Kontakt zu einem ehemaligen Vertrauten ihres Vaters namens Alexander Sebastian aufzunehmen, der in Rio Kontakt zu Alt-Nazis hält. Sie soll in Erfahrung bringen, ob von Sebastian und seinen Kollegen eine Gefahr ausgeht. Sebastian hatte schon immer tiefere Gefühle für Alicia empfunden. Der angestrebte Erfolg des Auftrags bringt Alicia in einen emotionalen Konflikt: Sebastian macht ihr bald einen Antrag, Alicia hat sich hingegen längst in den amerikanischen Agenten Devlin verliebt...

    Lebte "39 Stufen" vom Tempo und den verschiedenen Schauplätzen, verließ sich Hitchcock in "Berüchtigt" vor allem auf die Star-Power seines Hauptdarsteller-Duos. Sowohl mit Bergman ("Ich kämpfe um dich") als auch Grant ("Verdacht") hatte der Regisseur schon erfolgreich zusammengearbeitet. Der Film ist ein Thriller mit eindeutig romantischem Einschlag, insoweit vergleichbar mit dem späteren Werk "Über den Dächern von Nizza". "Berüchtigt" enthält die bis dahin längste Kussszene. Gerade zu Anfang nimmt sich der Film viel Zeit, um die Anbahnung der Beziehung der beiden Hauptfiguren zu zeigen. Dies ist freilich in Teilen notwendig, um den späteren emotionalen Konflikt Alicias um die Heirat mit Sebastian vorzubereiten. Dennoch zeigt sich, dass romantisch akzentuierte Thriller Hitchcock weniger liegen als etwa Stanley Donen ("Charade", "Arabeske"). So versinkt "Berüchtigt" vor allem im Finale in Melodramatik, es fehlt ein wenig die Leichtigkeit. Typische Suspense-Momente (der Schlüsselklau Alicias und die Szenen im Keller, in denen sie und Devlin die uranhaltigen Weinflaschen entdecken) und die edle Inszenierung können dies nur teilweise kompensieren. Insofern dürfte der laut Truffaut beste Hitchcock - zumindest unter den Schwarzweiß-Filmen - in die Kategorie "überschätzt" fallen. Interessant ist noch, dass der Film zum Kinostart seinerzeit in Deutschland inhaltlich wie üblich, wenn es um die jüngere deutsche Vergangenheit ging, umgewandelt wurde. Die Rollennamen wurden verändert und aus dem Uran wurde Rauschgift. Für die Erstausstrahlung im Fernsehen Ende der 1960er-Jahre wurde eine neue Synchronisation angefertigt, die sich wieder weithin am Original orientierte. Ingrid Bergman und Cary Grant sollten 1958 noch einmal gemeinsam in einem Film auftreten: in der romantischen Komödie "Indiskret" unter der Regie Stanley Donens.


    Stargespickter romantischer Thriller um verbrecherische Pläne untergetauchter Nazis, der sich arg auf die Ausstrahlung seiner Hauptdarsteller verlässt und mitunter sehr theatralisch daherkommt. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich persönlich fand die "Wixxer"-Filme sehr gelungen, vor allem den zweiten und hatte eine große Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Joachim Fuchsberger und Karin Dor in "Triple WixXx". Daraus wird ja nun bedauerlicherweise nichts mehr, dennoch würde ich mich über einen dritten Teil freuen.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Lese akteuell Truffauts "Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht?" Die Lektüre hat mich dazu inspiriert, in nächster Zeit hier ein paar Hitchcock-Filme zu besprechen. Vielleicht hat ja noch wer mal wieder Lust auf die ein oder andere Perle des "Master of Suspense"?


    39 Stufen (The 39 Steps, GB 1935)

    Regie: Alfred Hitchcock

    Darsteller: Robert Donat, Madeleine Carroll, Lucie Mannheim u.a.



    Richard Hannay läuft bei einer Varieté-Vorstellung der jungen Anabelle Smith in die Arme und nimmt diese kurzerhand mit zu sich in die Wohnung. Schnell stellt sich heraus, dass sie ein Geheimnis hat. Sie eröffnet ihm, eine Spionin zu sein und vom Diebstahl wichtiger Informationen durch eine ausländische Macht zu wissen. In der Nacht wird Annabelle in Richards Wohnung ermordet. Der Verdacht fällt umgehend auf Richard, der sich von nun an auf der Flucht vor Polizeibehörden und ausländischen Spionen befindet...

    "39 Stufen" enthält das typische Hitchcock-Motiv des unschuldig Verfolgten. Eine Thematik, die den "Master of Suspense" Zeit seines Lebens verfolgte und die er immer wieder gerne in seinen Filmen aufgriff - etwa in "Saboteure" und vor allem "Der unsichtbare Dritte". Nach der gelungenen Exposition in dem Varieté um den Mann mit dem unglaublichen Gedächtnis namens "Mr Memory" purzelt die Hauptfigur schnell in eine ausgewachsene Spionagegeschichte. Die titelgebenden "39 Stufen" fungieren als MacGuffin, mithin als (austauschbare) Triebfeder für eine spannungsgeladene Geschichte. Der Film ist ausgesprochen temporeich und wechselt regelmäßig die Schauplätze. So flüchtet Richard zunächst aus seiner Wohnung, bald darauf springt er auf dem Weg nach Schottland aus einem Zug. Hitchcock beschränkt sich auf notwendige Szenen und spart alles weitere aus. Folge ist eine episodenhafte Erzählstruktur, die ihren Zweck, den Zuschauer bestmöglich zu unterhalten, allemal erfüllt. Das Publikum muss mit Richard einige lebensgefährliche bzw. brenzlige Situationen überstehen, bis es im Finale vermittelt über "Mr Memory" - sein erneutes Auftreten lassen den Film ungemein rund erscheinen - das Geheimnis um die 39 Stufen erfährt.

    Was dem Film im Vergleich zu späteren Filmen freilich abgeht, ist der Glamour. Robert Donat schlägt sich wacker, hat aber längst nicht die Ausstrahlung eines Cary Grant oder James Stewart. Interessant ist die Mitwirkung der deutschen Schauspielerin Lucie Mannheim, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft 1933 aus Deutschland emigriert war. Anfang der 1950er-Jahre kehrte sie nach Deutschland zurück und wirkte in den gelungenen Kriminaldramen "Gestehen Sie, Dr. Corda!" und "Der letzte Zeuge" mit.


    Das ewig junge Sujet des unschuldig Verfolgten sorgt gepaart mit der temporeichen Inszenierung des Meisters auch rund 85 Jahre nach Erscheinen von "39 Stufen" für kurzweilige Unterhaltung. 4 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Die blaue Hand" (1967, 23)Datum09.05.2019 00:05
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    "Die blaue Hand" war seinerzeit mein erster Farb-Wallace und ließ sogleich Zweifel an der verbreiteten These, die Farbfilme seien generell "nicht so gut wie die Schwarzweißen" aufkommen, denn die "Hand" gefiel mir damals ziemlich gut. Daran hat sich über die Jahre recht wenig geändert. Wenn auch sicher nicht der beste Farb-Wallace, so ist die "Hand" doch eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung.

    Alfred Vohrer hatte sichtlich Freude an der Arbeit und ließ sich wieder mehr inszenatorische Rafinessen einfallen als zuletzt. Hervorzuheben sind die harten Schnitte auf den Papagei im "Petit Maxim", welche die Spannungsszene wunderbar humoristisch auflockern. Im Übrigen sorgt der Regisseur für wohligen Geisterbahn-Grusel, so etwa, wenn erstmals die blaue Hand auf dem Dachboden liegend ihre Krallen aufschnappen lässt, nachdem sich der Inspektor dort umgeschaut hat. Gleiches gilt für den Moment, in dem die Titelfigur Myrna einen Besuch abstattet und bei einem kräftigen Gewitter im Hintergrund den Vorhang zerschlitzt. Ganz vortrefflich werden insbesondere die Spannungssequenzen von der bläserlastigen Musik Martin Böttchers begleitet.

    Etwas schade ist jedoch, dass man sich in Sachen Schauplätze weitgehend auf das Schloss, die Irrenanstalt und die Büroräume Scotland Yards beschränkte. Hätte man die Figur Harry Riebauers weiter ausgebaut, hätte sie nicht nur einen Sinn bekommen, sondern dem Film obendrein mehr Varianz verleihen können. Warum die Handlung nicht mehr ins "Petit Maxim" verlegen und Riebauer als weiteren möglichen Verdächtigen bzw. weiteren Handlanger vom "Boss" aufbauen? Carl Lange macht seine Sache als Dr. Mangrove zwar ganz ausgezeichnet, aber der Handlungsstrang im Irrenhaus ist doch sehr eindeutig aus der "Gräfin" übernommen. Harald Leipnitz schlägt sich recht wacker, er wirkt agil und motiviert; die Chemie mit Schürenberg stimmt. Klaus Kinski in einer Doppelrolle klingt vielversprechend, da Richard schnell verschwindet und die Figur des Dave für Kinski-Verhältnisse doch recht langweilig ist, wurde hier aber tendenziell ebenfalls Potential verschenkt. Ilse Steppat und Albert Bessler werten den Film auf, die weiteren Kinder Emersons können dagegen in der Tat keine echten Akzente setzen.

    Nun habe ich den Film erstmals gesehen, seitdem mir bekannt ist, dass nach dem Skript ursprünglich der Anwalt der "Boss" sein sollte. Dennoch bleibt die im Film präsentierte Lösung naheliegend und einigermaßen schlüssig. Die Inszenierung der Auflösung ist überdies sehr prägnant und gibt Harald Leipnitz eine Chance zu glänzen. Insgesamt kann ich mit dem Ende des Films daher sehr gut leben und sehe dieses auch nicht als Schwäche an. Störend sind da schon eher die ewigen Schlangen, die im Vohrer-Universum scheinbar jeder Verbrecher, der was auf sich hält, massenweise in diversen Schränken verstaut hat. Summa summarum vergebe ich für den ersten gelungenen Farb-Wallace gute 4 von 5 Punkten.

  • DM-Killer (1964)Datum08.05.2019 19:37
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von chris2005 im Beitrag #1
    Hat jemand mal den Film "DM-Killer" gesehen?



    Eine zugegebenermaßen etwas späte Antwort: Ja, ich


    DM-Killer (AT 1965)

    Regie: Rolf Thiele

    Darsteller: Curd Jürgens, Charles Regnier, Walter Giller, Daliah Lavi, Elga Andersen, Elisabeth Flickenschildt, Erica Beer, Tilo von Berlepsch, Hubert von Meyerinck, Ivan Desny, Stanislav Ledinek u.a.



    Drei "Ex-Knackis" entdecken ein neues Geschäftsmodell: Sie kaufen neue Volkswagen auf und exportieren diese nach Amerika. Die Amerikaner, die ansonsten lange Lieferzeiten in Kauf nehmen müssen, lassen sich die verkürzte Lieferzeit einen ordentlichen "Aufpreis" kosten und machen die drei ehemaligen Gauner im Nu zu Millionären...

    Diese Karl Spiehs-Produktion aus dem Jahre 1965 unter der Regie von Rolf Thiele ist eine Gaunerkomödie mit Seitenhieben auf das Wirtschaftswunder-Deutschland. Die Besetzung ist für Freunde des deutschsprachigen Kriminalfilms der Zeit reiner Zucker. Curd Jürgens, Charles Regnier und Walter Giller geben ein überzeugendes Trio ab. Charles Regnier, von seinen Kollegen respektvoll als "Professor" bezeichnet, ist der Kopf des ganzen Unternehmens. Er heckt den Plan aus und sorgt dafür, dass die beiden Kollegen nicht allzu übermütig werden - was allerdings nur teilweise gelingt. Curd Jürgens gibt einmalmehr gekonnt den Lebemann, dem die Frauen zu Füßen liegen. Walter Gillers Figur kann dagegen froh sein, einen Freund wie Regnier zu haben, seine "Ideen" sind nämlich wenig erfolgreich. In der Rolle seiner Mutter sieht man Elisabeth Flickenschildt, die mit ihrem kleinen Part als "Puffmutter" die Produktion aufwertet. Die holde Weiblichkeit ist mit Daliah Lavi und Elga Andersen im Übrigen blendend vertreten. Lavi spricht sich dabei erfreulicherweise selbst und überzeugt mit einer anrüchigen Darbietung. Kleinere Auftritte von Ivan Desny, Tilo von Berlepsch oder Hubert von Meyerinck runden den sehr guten Cast ab.

    Der Film beginnt flott, verlässt sich dann im zweiten Drittel jedoch allzu sehr auf seine satirischen Spitzen auf das Wirtschaftswunder. Gezeigt wird eine Gesellschaft in Saus und Braus. Die erstaunliche FSK 18-Freigabe lässt sich in Retrospektive mit für damalige Verhältnisse recht frivolen Inhalten erklären. Insgesamt hätte man den Film gut und gerne um 20 Minuten kürzen können. Man sollte also trotz der hervorragenden Besetzung insgesamt nicht zu viel erwarten, dann unterhält der Film über weite Strecken recht gut.

    Die frisch veröffentlichte DVD von Filmjuwelen präsentiert den Film im 1,85:1-Format, laut IMDB soll das Original-Format jedoch 2,35:1 sein. Die Bildqualität ist nicht besonders, eine Bearbeitung ist offenbar unterblieben. Als Bonus gibt es den Kinotrailer und das obligate Booklet.


    Hervorragend besetzte Gaunerkomödie, der vor satirischen Spitzen mitunter der Fokus auf die Handlung abgeht. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #33
    @Ray: Zu schreiben, der Film steche nicht aus der Masse heraus, ist zumindest im Kontext der German Wallace Wave natürlich etwas ungünstig. Da ragt er schließlich so deutlich heraus wie nur irgend möglich (in welche Richtung auch immer, das möge ein jeder Zuschauer selbst beurteilen). Aber ehrlich gesagt finde ich die "Nonne" auch darüber hinaus sehr "eigensinnig", wenn man sie mit anderen britischen Filmen der damaligen Zeit vergleicht. Welche sind denn deiner Meinung nach konkret ähnlich? Die Balance, die der Film zwischen Krimi und Euroaction, zwischen Inhalt und Optik findet, ist in meinen Augen schon ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal, aber vielleicht finde ich noch interessante Vorschläge. Und dass er nicht ins unmittelbar Absurde zielt wie etwa "Mit Schirm, Charme und Melone", dafür bin ich als Krimifreund sehr dankbar. Ich würde diesbezüglich auch nicht unbedingt formulieren, dass der Humor "auf der Strecke bleibt", sondern dass er nach (und vor) verschiedentlichen Ausrutschern zur Abwechslung einmal ein wenig eingedämmt wird.


    Aus den Wallace-Filmen sticht er natürlich schon heraus. Nur kann er das "Minus" an Vertrautheit (Atmosphäre, Darsteller) in meinen Augen nicht vollends kompensieren. Allein die Figur des Luke Emberday kostet schon 0,5-1 Punkt. Look und derartige Storys findet man in sehr ähnlicher Form in den genannten Serien (daher wahrscheinlich mangels Bedarfs weniger im Film, jedenfalls fällt mir jetzt spontan keiner ein), die zudem mit überzeugenderen Hauptdarstellern aufwarten können und die nötige Prise (mehr) an Humor haben, um das kuriose Treiben ein wenig aufzubrechen. Daher würde ich eine durchschnittliche Folge dieser Serien stets vorziehen.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Klingt interessant, danke für die Vorstellung. Wäre sicher auch was für eine DVD-Auswertung - genau wie "Unser Mann aus Istanbul".

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zwar ist die "Nonne" sicherlich "edler" als der "Bucklige". Dass man es vorliegend mit der teuersten Produktion der Reihe zu tun hat, sieht man dem Endprodukt aber auch nicht unbedingt an. Insgesamt eigentlich fast alles wie immer, wenn man es mit einer Co-Produktion aus dem Heimatland von Wallace zu tun hat: ein solider Kriminalfilm, der aber nicht aus der Masse heraussticht. Der "Nonne" geht einerseits das typische Wallace-Flair der deutschen Rialto-Produktionen ab, andererseits fehlt jedoch ein echter Mehrwert im Vergleich zu britischen TV-Produktionen der Zeit wie "Simon Templar" oder "Mit Schirm, Charme und Melone". Und die "Superwaffe" wirkt denn auch eher einer billigen Bond-Kopie entlehnt als aus der Original-Reihe und erscheint im vorliegenden Film ausgesprochen deplatziert. Auf unbeholfene Erotik-Einlagen wollte offenbar auch Cyril Frankel nicht verzichten. So bieten die Nonnen in Strapsen eine Steilvorlage für Parodien, die Kalkofe & Co in "Neues vom Wixxer" nur allzu gerne annahmen. Für Belustigung sorgt auch der Umstand, dass Sophie Hardy zwar ohne BH, dafür aber mit Slip in die Badewanne steigt.

    Die Story läuft insgesamt ziemlich flüssig ab, wenngleich der Whodunit-Nebenplot eine offensichtliche Pflichtschuldigkeit darstellt, nachdem man im "Verrätertor" zum Unmut der Zuschauer gänzlich darauf verzichtet hatte. Stewart Granger agiert souverän, Sophie Hardy hat hingegen einen (noch) weniger dankbaren Part erwischt als im "Hexer" - entsprechend weniger überzeugend fällt ihre Performance aus. Beherrscht wird das Geschehen eindeutig von "Chef-Nonne" Brigitte Horney, die wie schon bei ihrem Auftritt im zweiten "Hexer"-Film jede Szene perfekt akzentuiert und stets dezent und trotzdem prägnant agiert. Auch Cathleen Nesbitt und Robert Morley setzen Akzente. Was sich die Produzenten bei der Figur des Luke Emberday gedacht haben, wird wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Seine absolut überzogenen Auftritte überstrapazieren die Nerven der Zuschauer und werten den Film deutlich ab. Eddi Arent bekommt einen recht netten Ausstand ins Buch geschrieben und doch stellt sich die Frage, warum er bei dieser Co-Produktion noch unbedingt dabei sein musste, von nun an aber gänzlich entbehrlich war. Durch Arents Wandel in seinen Figurentypen und der überschaubaren Präsenz Siegfried Schürenbergs bleibt der Humor weitgehend auf der Strecke. Als gelungen können immerhin die Inszenierung der Morde und der Score von Peter Thomas bezeichnet werden.

    Solides Heist-Movie, das im starken Teilnehmerfeld aber ins letzte Drittel gehört. 3 von 5 Punkten.

  • Geheime Wege (USA 1961)Datum23.04.2019 22:37
    Thema von Ray im Forum Film- und Fernsehklass...

    Meine Sichtung ist schon etwas her, daher entfällt eine ausführliche Besprechung. Trotzdem möchte ich auf den Film hinweisen und ihn auch durchaus empfehlen, da er allein ob der Besetzung für einige hier interessant sein dürfte. Richard Widmark, der auch als Produzent fungierte, spielt die Hauptrolle in diesem Spionagethriller. Ein Geheimagent soll einen antikommunistischen Professor, der für eine Untergrundbewegeung arbeitet, von Ungarn in den Westen bringen. Neben Widmark agieren Walter Rilla (als Professor), Sonja Ziemann, Charles Regnier, Senta Berger, Hubert von Meyerinck, Walter Wilz, Howard Vernon, Jochen Brockmann, Ady Berber, Reinhard Kolldehoff u.a. Aufnahmen an Originalschauplätzen in Wien und Zürich sorgen für atmosphärische Dichte. Die deutschsprachigen Darstelller schlagen sich wacker, allen voran Walter Rilla und Charles Regnier, die absolute Schlüsselrollen haben. Wer an Spionage-Thrillern dieser Zeit interessiert ist, ist mit "Geheime Wege" sicher gut bedient.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Längst ist auch Box 3 (37-52) durchgesehen und ich darf vermelden, dass sich die positive Entwicklung absolut fortgesetzt hat. Die Chemie zwischen den Figuren wird stetig besser oder aber die Figuren schlicht immer vertrauter. Kleine Annäherungen zwischen Brem und Ackva sind schnell vergessen, auf eine Versöhnung folgt stets eine neue Zankerei. Sehr amüsant. Fritz Strassner ist in einigen Episoden abwesend, Ackva macht in diesen Fällen die Urlaubsvertretung. Inhaltlich bewegt sich die Serie für ein derartiges Format auf gutem Niveau, in Erinnerung bleiben die Folgen "Die Doublette", in der es um Fälle von Autodiebstahl geht und Fröschl sich an Alwy Becker heranmachen darf sowie die Folge "Kidnapping" mit Gaststar Sky Dumont. Apropos Gaststars: hier hinkt die Serie weiter hinter der Konkurrenz zurück (vor allem auch aus eigenem Hause). Hat jemand eine Idee, woran das lag? Waren die Gagen der Hauptdarsteller schon so hoch, dass man bei den Gaststars sparen musste?

    Da mir die Serie insgesamt doch gut gefallen hat, werde ich mir auch die "unsterblichen Methoden" ansehen, soweit sie veröffentlicht sind.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Gewiss ist der "Bucklige" kein Highlight der Reihe, dennoch erscheint mir der z.T. angestimmte Schwanengesang auf die Wallace-Serie arg verfrüht.

    Was immer wieder aufs Neue stört, sind diese beharrlichen und elendig breitgetretenen Sex-Anspielungen, denn mehr als Anspielungen sind es ja nicht. Warum der "Bucklige" nun einen künstlichen Buckel hat, ist tatsächlich eine gute Frage. Furchteinflößend dürfte die Gestalt Richard Hallers für junge Damen von Anfang 20 wohl auch ohne sein. Unangenehm fällt ferner die gerade zu hineinplatzende Autoexplosion auf. Ansonsten kann man der Inszenierung Alfred Vohrer wenig anlasten. Er verzichtet auf zuvor bzw. später typische Stilmittel (impossible shots, Reptilien), dafür gibt es Tempo und reichlich Ironie (weiblicher Sergeant, der einen "herrlichen kleinen Mord" meldet und kurz darauf selbst ins Gras beißen muss; Gisela Uhlen wird neben einem Boot mit dem Namen "Ladykiller" erwürgt).

    Inhaltlich ist der "Bucklige" eine Mixtur aus (inzwischen) bekannten und bewährten Zutaten. Die Auflösung ist zwar nicht unbedingt glaubwürdig, aber immerhin überraschend, im Ganzen noch die überzeugendste der letzten Filme. Die Musik von Peter Thomas gehört zum absolut besten, was die Reihe zu bieten hat und trägt erheblich dazu bei, dem Film insgesamt versöhnlicher entgegenzutreten.

    Auch der Cast sorgt durchaus für Pluspunkte. Monika Peitsch wirkt auf Anhieb sympathisch, weshalb selbst die zugegeben sehr kurze Einführung ihrer Figur ausreicht, um mit ihr zu fiebern. In der Anfangs- und Schlussszene tritt sie dem tollpatschigen Rechtsanwalt - Teeges Juristenparodie ist immerhin erträglicher als Arents aus der "Gruft" - gegenüber angenehm souverän auf. Optisch und schauspielerisch ist Peitsch einigen Vorgängerinnen und Nachfolgerinnen deutlich überlegen. Ebenso gibt Günther Stoll mit seiner leicht mürrischen, distanzierten Art das ideale Gegengewicht zu den quirligen Personen um ihn herum. Die Chemie mit Siegfried Schürenberg, der wieder mal sehr gut aufgelegt ist (herrlich allein die anfängliche "Pressekonferenz") stimmt. In den actionlastigeren Szenen tritt er ähnlich wie zuvor Harald Leipnitz sehr beherzt und agil auf. Agnes Windeck spielt weniger penetrant als noch im "Zinker", Hubert von Meyerinck dürfte ebenfalls seinen besten Auftritt in einem Wallace-Film absolvieren. Pinkas Braun bereichert den Film mit einer stets souveränen Darbietung. Gisela Uhlen hingegen vermag weniger Akzente zu setzen als gewohnt, gänzlich baden geht Hilde Sessak in ihrer Klischeerolle als herrische Anstaltsleiterin. Eddi Arent schlägt sich besser als zuletzt, ohne dabei postiv ins Gewicht zu fallen. Unter den jungen Damen macht Susanne Roquette eine ausgesprochen gute, Ilse Pagé eine weniger gute Figur.

    Alles in allem ein absolut unterhaltsamer Film, dem es allerdings ein Stück weit an Originalität und Seele fehlt. Arg plakative Szenen werten den Film zusätzlich ab. Insgesamt 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Seit ich die Kinowelt-DVD besitze nehme ich mir vor, endlich mal die Farb-Version zu sichten, irgendwie wird es dann doch immer wieder die deutsche Fassung. Vielleicht klappt es durch die Blu-Ray-VÖ von Filmjuwelen demnächst.

    Der Überfall auf der Tower-Bridge setzt sogleich eine echte Duftmarke, wenngleich dieser zumindest in der deutschen Fassung durch unpassende Nachsynchronisation getrübt wird. Das Zirkus- und Artistenmilieu finde ich in Krimis stets reizvoll, gerade bei Wallace war es zum Produktionszeitpunkt obendrein noch völlig unverbraucht. Die Figurenkonstellation offenbart zudem sofort manch reizvollen Konflikt. Dennoch wirkt das Ganze von der actionbetonten Einführung und der hochwertigen Besetzung abgesehen eher wie ein (britischer) TV-Krimi. Die Inszenierung bleibt weitgehend farblos, sowohl mit Blick auf die Morde als auch übrige Spannungssequenzen. Einmalmehr geht einer Co-Produktion das "typische" Wallace-Gefühl ab.

    Echte darstellerische Highlights sucht man überdies vergebens. Leo Genn liefert eine interessante Spielart eines Ermittlers ab, Heinz Drache schlägt sich im internationalen Cast mehr als achtbar. Die Damen wurden sehr sorgsam gecastet, insbesondere Kendall hätte man etwa in "Banne" wieder besetzen können. Klaus Kinskis Figur sieht man leider in jedem Moment an, dass sie sich nur in der Story findet, damit Kinski dabei ist. Das Gleiche würde man über Arent sagen, würde dieser nicht vermeintlich überraschend als Täter entlarvt. Nach seiner ersten Entlarvung im "uMönch" dürfte der Überraschungseffekt ein gutes Stück verpufft sein - oder rechnete man damit, das Publikum würde davon ausgehen, er würde nicht im zweiten Film hintereinander den Mörder spielen? Arents Slapstickeinlagen markieren im Übrigen den gescheiterten Versuch, dem eher trockenen Krimi eine Prise Humor zu verleihen. Christopher Lee weite Teile hinter einer Maske zu verstecken, war gewiss nicht die beste Idee der Verantwortlichen.

    Summa summarum solide Krimikost, die zumidest in der deutschen Fassung aber im Mittelfeld versinkt. 3 von 5 Punkten.

  • Tod auf der Themse (BRD 1973)Datum11.04.2019 23:23
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Mir absolut unbekannt, klingt aber vor allem wegen der Besetzung von Regnier als Ermittler und den Dreharbeiten an Originalschauplätzen sehr interessant! Da werde ich wohl zuschlagen.

  • Eure DVDsDatum11.04.2019 23:20
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Da darfst du dich auf viele schöne Noir-Stunden freuen. "Dead Reckoning" und "In A Lonely Place" sind für mich die besten Bogart-Noirs. "Die Rechnung ging nicht auf" und "Sorry, Wrong Number" sind ebenfalls klasse.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Hätte ja nicht gedacht, dass ich beim "unheimlichen Mönch" mit Gubanov zumindest im Ergebnis auf einen gemeinsamen Nenner komme, aber irgendwie konnten bei der heutigen Sichtung die Stärken die vorhandenen Schwächen nicht so gut nivellieren wie sonst.

    Der "uMönch" ist eine absolut ikonische Figur mit einer wunderbar-skurillen Mordwaffe. Die Morde sind auch durchaus effektvoll inszeniert. Noch beeindruckender gerät der Kampf zwischen Inspektor Bratt und dem Mönch im Lagerhaus. Die hin und her schwenkende Lampe und die Dynamik des Kampfes bleiben stets in Erinnerung. Die Musik von Peter Thomas gehört definitiv zum besten, was die Reihe zu bieten hat, Aufnahmen an Originalschauplätzen in London werten den Film zusätzlich auf. Karin Dor gibt einen verfrühten, aber allemal standesgemäßen Abgang. Sie scheint weiter gereift und agiert im Ganzen sehr souverän. Harald Leipnitz ist weniger präsent als die Kollegen Fuchsberger und Drache, vermag dies aber durch sein agiles Auftreten in den Kampfszenen ein Stück weit zu kompensieren. Siegfried Schürenberg sorgt einmalmehr für manche Pointe (herrlich die Szene, in der er Susanne Hsiao "tröstet" oder die gemeinsamen Szenen mit Ilse Steppat).

    Allerdings wirken gerade im ersten Drittel einige Szenen und Dialoge in der Tat sehr aufgesetzt. Auch bei der Wahl der Schauspieler hatte man nicht in allen Fällen ein glückliches Händchen. So wusste Reinl Hartmut Reck und Rudolf Schündler nicht recht zu händeln, beide agieren überzogen und erweisen sich als störend. Auch Eddi Arent ist mit seinem zugegeben eher undankbaren Part überfordert. Besser schlagen sich demgegenüber Siegfried Lowitz und Dieter Eppler. Vor allem Lowitz reißt das Geschehen besonders am Anfang geradezu an sich.

    Im Hinblick auf die Auflösung kann man sicher geteilter Meinung sein. Das theatralische Zubodengehen gefällt mir eigentlich recht gut. Auf ähnliche Weise hatte schon Alfred Vohrer Heinz Engelmann einen denkwürdigen Abgang verschafft. Die "Küchenpsychologie" nehme ich noch um des Überraschungseffekts willen, der sich bei meiner Erstsichtung defintiv eingestellt hat, hin. Für besonderes Amüsement hat diesmal der als "genial" bezeichnete Plan von Smithie und Short gesorgt, sich in Mädchenheime einzuschleusen, mit Brieftauben Nachricht zu geben, wenn diese das Heim verlassen, um sie dann zu entführen. Wirklich goldig.

    Insgesamt ein sehr kurzweiliger Abschluss der SW-Ära, der mit einer interessanten Titelfigur, einer überraschenden Auflösung, toller Musik, sorgsam ausgewählten Schauplätzen und gelungenen Mord- und "Actionsequenzen" aufwarten kann. Getrübt wird das Vergnügen allerdings durch einige Fehlbesetzungen, die vorhandenes Potential ungenutzt lassen und ein bisweilen auffallend holpriges Dialogbuch. Daher diesmal "nur" 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #140
    Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, hier noch meine Gedanken zum Wiedersehen mit der "Orchidee".




    Kann nur für mich sprechen, aber mir kommen sie definitiv nicht zu spät. Ich freue mich auch über nachgereichte Bewertungen. Nur weil man es mal nicht schafft "in time" zu liefern, heißt es ja nicht, dass man damit "raus" ist.

  • Sammelthread "Film Noir"Datum05.04.2019 23:00
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die Spinne (Black Widow, USA 1954)

    Regie: Nunnally Johnson

    Darsteller: Van Heflin, Gene Tierney, George Raft, Ginger Rogers u.a.



    Film Noir Nummer 104:


    Der erfolgreiche und glücklich verheiratete Theaterproduzent Peter lernt auf einer Party die junge Drehbuchautorin Nancy kennen. Da Peters Frau verreist ist, um ihre Mutter zu pflegen und Nancy vorgibt, sich einsam zu fühlen, lädt Peter sie zum Essen ein, ohne weitere Absichten zu hegen. Die beiden halten Kontakt. Eines Tages wird Nancy erhängt in Peters Wohnung aufgefunden...

    Bunte Bilder, Cinemasope, Whodunit - nicht unbedingt die typischen Noir-Ingredenzien und dennoch ist dieser Thriller von Nunnally Johnson (Drehbuch zu "Gefährliche Begegnung" u.a.) aus dem Jahre 1954 sehenswert. Dafür sorgt schon die mit Noir-Veteranen gespickte Besetzung. Hauptdarsteller Van Heflin wirkte in "Die seltsame Liebe der Martha Ivers" mit. Genre-Ikone Gene Tierney war zur Produktionszeit trotz ihres noch jungen Alters wohl schon über den Zenit ihrer Karriere hinaus, ihr Part als Peters Ehefrau fällt entsprechend kleiner aus als Rollen in vorangegangenen Noir-Beiträgen. Sichtlich gealtert ist auch George Raft, der etwa im Prä-Noir "You and Me" von Fritz Lang als Hauptdarsteller mit von der Partie war und hier durch eine engagierte Darbietung als Ermittler überzeugt.

    Nach der kurzen Einführung schildert Peter zunächst in Rückblenden Nancys letzte Monate bis zum Tod, anschließend stehen die Ermittlungen im Vordergrund. Peter stellt sich mit seinen entschiedenen Zweifeln an einem etwaigen Selbstmord Nancys scheinbar selbst ein Bein, gerät er doch schnell selbst in Verdacht. Eine Affäre zwischen Nancy und ihm steht im Raum. Hat Nancy ihn unter Druck gesetzt und wurde so Opfer eines inszenierten Selbstmords? Trotz der vordergründigen Verdachtsmomente gelingt es Van Halen, die Sympathien der Zuschauer auf sich zu ziehen, weswegen man hofft, dass er nicht hinter Nancys Tod stehen mag. Hinten raus kommt es denn zu einer durchaus überraschenden Auflösung, für die sich Regisseur Johnson beinahe ein wenig viel Zeit lässt. Angesichts der Farbe und des Breitbild-Formats hätten dem Film mehr Außenaufnahmen von New York sicher nicht geschadet. Statt dessen spielt sich das Geschehen ganz überwiegend in den Wohnungen der Hauptfiguren auf, was für wenig optische Abwechslung sorgt. Davon abgesehen handelt es sich um einen gelungenen Kriminalfilm, bei dem man bedenkenlos einen Blick riskieren kann.


    Spät-Noir in Farbe und Breitbildformat, der aus den technischen Möglichkeiten zwar zu wenig herausholt, inhaltlich und darstellerisch indessen solide Krimi-Unterhaltung bietet. 4 von 5 Punkten.

  • Bewertet: "Neues vom Hexer" (1965, 19)Datum04.04.2019 00:07
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich bin bei diesem Film auch immer wieder aufs Neue hin- und hergerissen. Die Prätitelsequenz ist absolut genial und eine nette Abwechslung zum typischen "Einstiegsmord". Dieser folgt kurz darauf und ist sehr clever und spektakulär inszeniert. Es handelt sich zudem um den bei Wallace eher seltenen Fall, dass man beim ersten Mord die Identität des die Tat Ausführenden kennt. Klaus Kinski brilliert an der Harve und mit seiner in bittersüßen Ton vorgetragenen Frage "Noch einen Wunsch, Mylady?", die fast schon zum Running Gag wird. Es handelt sich um seinen letzten klassischen Rialto-Wallace-Auftritt als Nebendarsteller. Wenngleich er nicht selten verschenkt wurde, hat er mit seinen Darbietungen gewiss einen nicht unerheblichen Anteil an der bis heute anhaltenden Popularität der Reihe. Auch Heinz Drache und Eddi Arent sieht man letztmalig in ihrem typischen Rollentypus. Dass Drache mutmaßlich für den "Misserfolg" des Films herhalten musste, tut ihm und seiner wie immer souveränen Vorstellung Unrecht. Die kammerspielartige Inszenierung verleiht dem Film in weiten Teilen eine ungemeine Dichte. Brigitte Horney setzt bei ihrem ersten Wallace-Einsatz eine echte darstellerische Duftmarke. Ihre würdevolle, aber auch sehr verletzliche Ausstrahlung begeistert ein ums andere Mal. Sie hebt sich mit ihrer Darstellung von den Interpretationen anderer "Schlossherrinnen" wie Elisabeth Flickenschildt oder Lil Dagover gekonnt ab.

    Leider hat der Film auch einige Schwächen. Die offensichtliche wurde schon mehrfach genannt. Dass der Drahtzieher erstnalig bei der Entlarvung auftaucht, ist unbefriedigend, zumal sein Name schon länger bekannt ist. Hier wurde m.E. Potential für einen finalen Twist verschenkt. Warum hat man nicht etwa Philip als eine Art "Scheinidentität" des wahren Täters eingesetzt und als Schlusspointe einen der vorher präsenten Figuren als Haupttäter präsentiert? Die Art und Weise, wie der Hexer in dieses Familiendrama hineingeschrieben wurde, erscheint arg bemüht. Gleiches gilt für die Idee der Polizei, mit dem Hexer "gemeinsame Sache" zu machen. Zwar bekommt René Deltgen wietaus mehr Sreentime als im Erstling, dafür lässt man diesmal die im Vorgänger noch alles überragende Margot Trooger ein wenig links liegen. Die Masken sind nicht besonders gut gelungen und speziell die Szene, in der sich der Hexer als asiatischer Kellner maskiert, ist reichlich zäh und albern. Viele Nebenfiguren bleiben erstaunlich blass, allen voran Lady Curtain samt Hausdame. Auch Karl John und Heinz Spitzner vermögen keine rechten Akzente zu setzen.

    Alfred Vohrer verzichtet diesmal auf "impossible shots", dafür wurden mal wieder reichlich Tiere angekarrt, auch der typische Totenkopf darf nicht fehlen, diesmal dreht er sich auf dem Plattenspieler von Barbara Rütting.


    Viele gelungene, aber auch einige weniger gelungene Aspekte sorgen angesichts der starken Konkurrenz dazu, dass "Neues vom Hexer" sicher zu den schwächeren SW-Wallace aus dem Hause Rialto zu zählen ist. 3,5 von 5 Punkten. Die Einstiegsfrage, welcher der "Hexer"-Filme der bessere ist, muss ich eindeutig zugunsten des Vorgängers beantworten.

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Ray
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