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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Online




Beiträge: 16.119

16.10.2012 21:01
Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten



Auf dem Abendkrimi-Markt hatte das ZDF seit 1974 mit „Derrick“ und seit 1977 mit „Der Alte“ zwei ganz heiße Eisen im Feuer. Aber wie war das noch? Aller guten Dinge sind drei. Das dachte man auch beim Mainzer Sender und entwickelte eine weitere Serie, die den Freunden der Verbrecherjagd unterhaltsame Stunden bescheren sollte. Ähnelten sich „Derrick“ und „Der Alte“ jedoch in vielen Punkten, so ging man bei der neuen Produktion „Ein Fall für Zwei“ ab 1981 gänzlich andere Wege: Kein alles überstrahlender Titelheld, sondern ein interagierendes, sich ergänzendes Duo; keine Polizisten, sondern Rechtsanwalt und Privatdetektiv; keine Münchner Schickeria, sondern Frankfurter Alltagsleben; kein Helmut Ringelmann, sondern Georg Althammer und seine Galmon-Film sollten es richten. Das Konzept war einmalig im deutschen Fernsehen und konnte sich diese Sonderstellung bis heute bewahren, denn obwohl kürzlich die Einstellung von „Ein Fall für Zwei“ nach 300 Folgen (und das sind somit mehr, als „Derrick“ zählt) bekannt gegeben wurde, gibt es doch immer noch Episoden, die auf ihre Erstausstrahlung warten.

Gehalten über all die Jahre hat sich Claus Theo Gärtner als Josef Matula. Dessen Kollegen, die Rechtsanwälte, wechselten in der Zwischenzeit dreimal. Insgesamt sieht die Aufstellung der „Ein Fall für Zwei“-Duos so aus:

• 001 – 060: Josef Matula und Dr. Dieter Renz (Günter Strack)
• 060 – 149: Josef Matula und Dr. Rainer Franck (Rainer Hunold)
• 149 – 182: Josef Matula und Dr. Johannes Voss (Mathias Herrmann)
• 182 – 300: Josef Matula und Dr. Markus Lessing (Paul Frielinghaus)


In diesem Thread soll es um die 60 Fälle gehen, in denen Matula und Renz gemeinsam ermitteln. Sie erschienen in vier DVD-Sets von MORE music & media auf insgesamt 23 DVDs in (größtenteils) chronologischer Reihenfolge. Für einen schnellen Überblick über die einzelnen Titel verweise ich auf Georgs Krimi-Homepage, die einen übersichtlichen Episodenführer bereithält.

Georg Offline




Beiträge: 3.049

16.10.2012 21:19
#2 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten

Eine tolle Krimiserie, vor allem die ersten 60 Fälle mit Günter Strack sind ausnahmslos sehenswert und sehr spannend, tolle Regisseure, Gaststars und Autoren sind mit dabei. Karl Heinz Willschrei war ein Meister seines Fachs und natürlich sind auch Herbert Rosendorfer und Detlef Müller mit dabei - und die gesamte erste Garde deutschsprachiger Schauspieler.
Unglaublich toll fand ich auch immer, dass da immens viel Spannung erzeugt wurde, obwohl es nicht immer um Mord ging. Auch die Insider- oder Runninggags - wie etwa das Kennzeichen von Günter Stracks Mercedes (F-DH 250 für "Friss die Hälfte", eine Idee von Regisseur Michael Braun) - waren toll.
Schon länger geplant: nach meinem Kommissar-Wiedersehen wandern die Folgen wieder mal in einem Player.
Die Fälle mit Rainer Hunold sind übrigens auch noch fast alle sehr gut, heutzutage geht es fast immer nur mehr um Mord und die Serie ist "dank" moderner Optik nicht wieder zu erkennen, auch wenn Paul Frielinghaus ein guter Anwalt ist.
Top-Strack-Folgen sind (aus meiner Erinnerung) Der Erbe (die erste produzierte Folge, 1977 als "Probe" gedreht, ob das Team Strack/ Gärtner funktioniert), Countdown, Totes Kapital, Wertloses Alibi, Sechs Richtige, Der Jäger als Hase, Tollwut, Schwind passt auf, Das Haus in Frankreich, Irgendwann ... (ach Gott, mir fallen viel zu viele ein) oder auch der spannende Dreiteiler Morgengrauen.
Sicherlich eine Reihe, die wegen der Hauptdarsteller aber auch wegen der guten Geschichten vielen gefallen wird... (P.S.: Den Pilotfilm Die große Schwester fand ich übrigens immer ein wenig schwach).

Gubanov Online




Beiträge: 16.119

17.10.2012 13:15
#3 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #2
P.S.: Den Pilotfilm Die große Schwester fand ich übrigens immer ein wenig schwach

Eine interessante Ansicht. „Die große Schwester“ hat mich bei einer ZDF-Ausstrahlung vor ein paar Jahren auf die Serie gebracht und mir damals schon sehr gut gefallen. Als ich sie gestern wiedersah, steigerte sich der Eindruck sogar noch. Für mich eine unheimlich spannende Angelegenheit – obwohl sie, wie du schon andeutest, eben nicht von Mord, sondern von Vandalismus, Einbruch und Strafvereitelung handelt. Gleich mehr, aber nach deiner Einschätzung kann ich mich ja erwartungsvoll bei allen kommenden Folgen zurücklehnen ...



Ein Fall für Zwei: Die große Schwester

Episode 1 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Wolfgang Storch. Drehbuch: Karl Heinz Willschrei. In den Hauptrollen: Günter Strack (Dr. Dieter Renz), Claus Theo Gärtner (Josef Matula). Gastdarsteller: Daniela Ziegler (Laura Schneider), Michael Drescher-Stierhofer (Paul Schneider), Eva Pflug (Richterin), Anfried Krämer (Richter), Rolf Beuckert (Ermittlungsrichter), Hans Jörg Assmann (Staatsanwalt), Klaus Götte (Staatsanwalt), Ludwig Haas (Wunderlich) u.a. Erstsendung: 11. September 1981.

Zitat von Ein Fall für Zwei: Die große Schwester
Matula ist mit seinem Beruf unzufrieden: Als Polizist eckt er überall an, ihm wird fehlende Dienstmoral vorgeworfen. Als er dann mit Laura, der Schwester eines verurteilten Straftäters, anbandelt, gegen den er selbst ausgesagt hat, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem lange unklar bleibt, wer auf welcher Seite steht. Lauras Bruder wird wieder straffällig – und Matula deckt ihn.


„Hermann Josef Matula, 31 Jahre alt, geboren in Oberhausen“ sind die ersten Worte, die man aus dem Mund von Claus Theo Gärtner zu hören bekommt. Genauso gut hätten sie „Josef Matula, geboren zum Erfolgsermittler“ lauten können. 1981, also in dem Jahr, in dem Horst Schimanski für die ARD als „Tatort“-Ermittler an den Start ging, war auch im zweiten Programm eine Abwechslung zu den oft ein wenig weichgespülten und überkorrekten Super-Ermittlern Derrick und Köster notwendig. Deren Unfehlbarkeit, die sie ähnlich einem Sherlock Holmes zwar zu schillernden Figuren machte, ihnen aber die Fähigkeit nahm, Schwächen zu zeigen, verlangte nach einem Ermittler, mit dem sich das Publikum besser identifizieren konnte. Ein solcher Mann ist Matula – zupackend, ohne blütenweiße Weste, dafür mit ebensoviel Kraft im Köpfchen wie in den Füßen und Fäusten.

„Die große Schwester“ erledigt den Job, ihn uns vorzustellen, ganz bravourös. Von der ersten Episode an ist Matula hinter den Frauen her, bringt sich damit auch in Konflikte und stoppt erst, als eigentlich schon alles zu spät ist. Es ist die Geschichte darüber, wie er aus dem Polizeidienst ausscheidet, um dem Anwalt Dr. Renz später als Zuarbeiter zur Verfügung zu stehen. Dabei bahnt sich zwischen Gärtner und Strack bereits am Ende des Pilotfilms eine absolut stimmige Chemie an, die man bereits als Anfang einer Freundschaft interpretieren kann.

Daniela Ziegler und Michael Drescher-Stierhofer übernehmen die weniger angenehmen Charaktere und haben es durch Karl Heinz Willschreis vielschichtiges Drehbuch nicht schwer, ihnen Tiefe zu verleihen. Auch wenn sich am Ende erwartungsgemäß herausstellt, dass Matula sich besser nicht mit ihnen eingelassen hätte, so gibt es doch einige Momente, in denen man sich über die traute Dreisamkeit, die besonders bei der gemeinsamen Tour auf dem Ausflugsdampfer zur Geltung kommt, freut. Umso schwerer wiegen die persönlichen Rückschläge, das erneute Abgleiten in die Kriminalität.

Zwei neue Ermittler, zwei kleine Lebensgeschichten in 75 Minuten. Claus Theo Gärtner überzeugt als hitzköpfiger Streifenpolizist, während Günter Strack in der vorerst kleineren Rolle die Ambiguität des Anwaltsberufs verdeutlicht, in der Gerechtigkeit zur relativen Auslegungssache wird. 5 von 5 Punkten für einen menschlich ergreifenden Einstand, der ohne Kapitalverbrechen einen guten Spannungsbogen aufrecht erhalten kann.

Georg Offline




Beiträge: 3.049

17.10.2012 13:26
#4 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten

Schauspielerisch ist gegen die Folge nichts einzuwenden, ich fand halt die weiteren Fälle einfach (noch) besser. Bin auf Deine Eindrücke gespannt. Ich glaube schon, dass Du Dich entspannt zurück lehnen und Dich auf sehr spannende Unterhaltung gefasst machen kannst.

Gubanov Online




Beiträge: 16.119

05.11.2012 19:21
#5 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten

Welch ein schönes Timing ’mal wieder: Einen halben Monat, nachdem ich mich für die erste „Ein Fall für Zwei“-Box entschieden habe, kündigt MORE prompt eine Komplettauflage aller 60 Folgen mit Günter Strack an. Erscheinen soll das 23 DVDs umfassende Sammlerpack am 30. November – man möchte das Weihnachtsgeschäft natürlich noch ausnutzen. Entsprechend edel auch die Aufmachung der zu erwartenden Box:



Mit einem Gesamtpreis von 76,99 Euro spart man gegenüber den vier bisherigen Einzel-Editionen natürlich einen ganzen Pappenstiel. Ich werde mich der Serie demnächst wieder zuwenden und bei der Sichtung weiterer Folgen herausfinden, ob es sich lohnt, die erste Box zugunsten der kompakten Neuauflage wieder abzustoßen, oder ob mir zwölf Episoden genügen.

Gubanov Online




Beiträge: 16.119

16.11.2014 15:08
#6 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten

Habe nun zum wiederholten Mal die Pilotfolge von „Ein Fall für Zwei“ gesehen. Ein starker Einstand für Matula als Hauptfigur abseits der üblichen Saubermann-Pfade, der trotzdem nicht so verkappt antiheldisch daherkommt wie eine Schimanski-Type. Die Geschichte um seinen letzten Fall als Polizist wird zugleich subtil und spannungsgeladen erzählt und ist eine Schilderung menschlicher Enttäuschungen. Damit hat sie mehr Tiefgang als viele andere TV-Krimis, konzentriert sich aber dennoch aufs Wesentliche, sodass sich keine Längen einschleichen. Zugleich kommt sie deutlich realitätsnäher daher als etwa die zweite Folge:



Ein Fall für Zwei: Fuchsjagd

Episode 2 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Reinhard Schwabenitzky. Drehbuch: Plym Pahl, Enno Hollrath. In den Hauptrollen: Günter Strack (Dr. Dieter Renz), Claus Theo Gärtner (Josef Matula). Gastdarsteller: Hannelore Cremer (Charlotte Brinkstedt), Dietmar Schönherr (Claus Brinckstedt), Kerstin Löhde (Angela Brinkstedt), Joachim Wichmann (Dr. Rasch), Henry van Lyck (Dr. Schultzen), Albert Kitzel (Gigi Dinica), Michael Gempart (Wilhelm Hespe), Dirk Galuba (Dr. Müller-Adorni) u.a. Erstsendung: 25. September 1981.

Zitat von Ein Fall für Zwei: Fuchsjagd
Der ehemalige Starreiter Claus Brinkstedt tritt mit einer überraschenden Bitte an den mit ihm befreundeten Anwalt Dr. Renz heran: Er will sich von seiner Frau Charlotte scheiden lassen, obwohl es nach außen hin keine Spannungen in der Ehe gibt. Einen wirklich stichhaltigen Grund kann Brinkstedt selbst auch nicht nennen – er ist lediglich besessen von der Idee, nach Spanien auszuwandern. Zuvor gibt er sich noch als Aushängeschild bei einer Fuchsjagd die Ehre, um dabei ausgerechnet von einem Pferd in den Tod zu stürzen. Die Versicherung will die Prämie an die Witwe nicht auszahlen, weil sie nicht an einen Unfall glaubt ...


Im Gegensatz zur völlig automatisch akzeptierten Kleinbürgergeschichte in „Die große Schwester“ vermögen die Schilderungen um die noble, aber unbedachte Familie Brinkstedt und die etwas deplatziert wirkende Fuchsjagd nicht recht zu überzeugen. Alle Charaktere bleiben anonym und in ihren Handlungen willkürlich, die Story gestaltet sich weniger unaufgeregt als vielmehr unaufregend. Es scheint, als wisse das Script selbst nicht, welchen Weg es in der nächsten Szene einschlagen möchte. Der Regisseur Reinhard Schwabenitzky schwingt sich zwar zu Meisterleistungen in puncto Humor empor: Besonders amüsant ist die Rolle des Versicherungschefs Dr. Rasch, die Joachim Wichmann mit großem Elan und dreist-verlegener Berliner Schnauze ausfüllt. Er versäumt jedoch, die Geschichte so aufzuzäumen, dass das geschilderte Verbrechen wirklich seine Faszination entwickelt. Erst zum Schluss wird klar, dass es sich um einen Mord handelt; zuvor wird zu lange von der naiven Frage „Unfall oder Selbstmord?“ ausgegangen – eine Situation, die vor allem in Bezug auf den erfahrenen Dr. Renz unglaubwürdig wirkt und aufzeigt, wie sehr der gewiefte Anwalt durch die persönlichen Beziehungen zur Familie Brinkstedt in seiner Objektivität geblendet wird.

Dietmar Schönherr spielt den alterswirren Exsportler, wobei sein kurzer Auftritt ihm aber nicht die Gelegenheit gibt, die Exzentrik seiner Rolle rundum nachvollziehbar zu gestalten. Seine „Gegenspielerin“, Filmehefrau Hannelore Cremer, hält sich ebenso in ihrer Darstellung zurück und hinterlässt deshalb einen unbeteiligten und unsympathischen Eindruck. Neben dem bereits erwähnten Joachim Wichmann unterhalten vor allem Klein(-st-)darsteller: Henry van Lyck als wortkarger Gastgeber, Dirk Galuba in einer für ihn absolut ungewöhnlichen Rolle als seriöser Finanzunternehmer und Albert Kitzel als wuseliger rumänischer Selfmade-Man prägen die jeweiligen Szenen durch ihre starke Präsenz, verdeutlichen aber auch noch einmal ganz deutlich, dass es hier nicht darum ging, einen ernstzunehmenden Krimi zu stemmen. Insofern zählt die „Fuchsjagd“ eher in das Reich der üppigen Märchengeschichten, wobei ich mir für Renz und Matula mehr Bodenhaftung wünsche.

Nach wie vor sind die zwei Serienpartner auf dem Weg, zueinander zu finden. Erschien ihre Zusammenarbeit am Ende der „großen Schwester“ schon wie eine ausgemachte Sache, treten sie im Fall der „Fuchsjagd“ als Konkurrenten in unterschiedlichem Interesse gegeneinander an, wobei sich die Gewinner- und Verliererrolle in diesem Duell im Vergleich zur Pilotfolge umkehrt. Auch die dramaturgische Strategie ändert sich von einer ernstzunehmenden Kleinkriminellen-Story hin zu einem unausgegorenen Mordfall ohne echte Überraschung. 3 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.119

16.11.2014 20:27
#7 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten



Ein Fall für Zwei: Das Haus in Frankreich

Episode 3 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Hans-Jürgen Tögel. Drehbuch: Karl Heinz Willschrei. In den Hauptrollen: Günter Strack (Dr. Dieter Renz), Claus Theo Gärtner (Josef Matula). Gastdarsteller: Barbara Rütting (Birgit Weißenborn), Karl Heinz Vosgerau (Konrad Weißenborn), Erik Schumann (Alf Weißenborn), Gerhard Retschy (Groß), Kurt Conradi (Herr Brokhoff), Ute Uellner (Frau Brokhoff), Ingeborg Rüppel, Gottfried Herbe u.a. Erstsendung: 23. Oktober 1981.

Zitat von Ein Fall für Zwei: Das Haus in Frankreich
Birgit Weißenborn will ihrem Mann ein Schnippchen schlagen, indem sie durch eine gewiefte Geldanlage finanziell von ihm unabhängig wird. Mit der Hilfe ihres alten Freundes Dr. Renz verkauft sie den ihr ans Herz gewachsenen Landsitz in Frankreich, um mit der Summe in eine Firma einzusteigen, die Farben und Lacke herstellt. Renz will ihr abraten, als er erfährt, dass der Betrieb auf dem absteigenden Ast ist. Doch das ist alles bereits einkalkuliert. Ein Auftrag der Bundeswehr zur Entwicklung einer neuartigen Tarnfarbe wird das schleppende Geschäft in Kürze zu ungeahnten Höhen führen. Oder?


Klassische Musik begleitet Dieter Renz’ Entspannungsstunde nach einem Tag anstrengender Büroarbeit. Da klingelt es an der Tür und davor steht – wie aus heiterem Himmel – die Liebe seiner Jugend. Barbara Rütting und Günter Strack lassen in einer anrühenden Szene vergangene Zeiten Revue passieren und schaffen damit eine ganz besondere Ausgangsstimmung für eine melancholischen Erzählung, die erneut beweist, dass „Ein Fall für Zwei“ auch und gerade bei den Geschichten ohne Mord seine größten Trümpfe auspackt. In den Dschungel von Geldanlagen und privaten Racheplänen muss man sich als Zuschauer ebenso wie Dr. Renz erst einfinden – zu Beginn stehen viele Fragezeichen im Raum, die das Geschehen geheimnis- und verheißungsvoll zugleich machen, die schrittweise aufgeklärt werden können und dann jeweils für handfeste Überraschungen sorgen.

Die größte Symbolkraft geht von jenem verträumten, titelgebenden Haus in Frankreich aus, das als Sinnbild für die persönliche Freiheit der Frau Weißenborn steht und nun dabei helfen soll, die Fesseln eines ermüdenden Ehelebens abzustreifen. Das macht einen Verkauf nötig, der widerum die Trennung von wertvollen Erinnerungen mit sich bringt. Anhand dieser Entscheidung wird klar, dass in dem raffinierten Spiel nicht „nur“ sechs Millionen Mark, sondern auch immaterielle Güter von unschätzbarem Wert auf der Kippe stehen. Umso schwerer wiegt das Ende, das Willschrei für seine Figuren bereithält und das wie in einem klassischen Drama den letzten Akt mit einer unausweichlichen Tragödie schließt.

Auch wenn an sich wenig Kriminelles geschieht, so bleibt die Episode zu jedem Zeitpunkt hochinteressant. Mit einigen Klischees und Angstvorstellungen spielt sie sogar willent- und wissentlich – so zum Beispiel in der Sequenz, in der Renz und Matula den Millionenbetrag in bar aus Zürich abholen und daraufhin (eine solche Summe kann natürlich leicht paranoid machen) plötzlich von düster dreinblickenden Motorradfahrern und Trenchcoat-Gestalten verfolgt werden. An dieser Stelle darf die Erwähnung der aufwändigen Außenaufnahmen selbst für kurze Ausflüge in Deutschland, Frankreich und der Schweiz nicht fehlen. Auch werden stellenweise falsche Verdachtsmomente und Einblicke in Untiefen menschlicher Bösartigkeit geboten, die sich vor allem in den Rollen von Erik Schumann und Karl Heinz Vosgerau erschließen.

In die bewegende Geschichte eines üblen Geld- und Gesichtsverlusts spielen kriminalistische Momente nur am Rande hinein. Sie gewinnt ihre Faszination aus der emotionalen Bindung der Charaktere zueinander sowie aus starken Auftritten des Duos Strack / Rütting und der süffisant die Krimi-Klischees bedienenden Herren Vosgerau und Schumann. Tragisch-wohlige 4,5 von 5 Punkten mit leichtem Abzug für die etwas in die Länge gezogene Abrechnung mit dem Strippenzieher am Ende.

Gubanov Online




Beiträge: 16.119

19.11.2014 23:11
#8 RE: Bewertet: "Ein Fall für Zwei" (Strack & Gärtner, 1981-88) Zitat · Antworten



Ein Fall für Zwei: Todfreunde

Episode 4 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Michael Braun. Drehbuch: Karl Heinz Willschrei. In den Hauptrollen: Günter Strack (Dr. Dieter Renz), Claus Theo Gärtner (Josef Matula). Gastdarsteller: Alexander Radszun (Armin Fest), Brigitte Grothum (Staatsanwältin), Wolf Richards (Vorsitzender), Hans Häckermann (Horst Senftleben), Liane Hielscher (Iris Berns), Siemen Rühaak (Lutz Hegart), Erwin Scherchel (Otto Wilke), Peter Nassauer (Hirsch) u.a. Erstsendung: 20. November 1981.

Zitat von Ein Fall für Zwei: Todfreunde
Ein aufgeregter Mann unterbricht eine Feier im Hause Renz. Er hat gerade im Affekt seine Liebhaberin erschlagen. Nach einer Ohrfeige sei sie unglücklich gegen ein Heizungsrohr gestürzt. Dr. Renz übernimmt die Verteidigung und beauftragt Matula mit Untersuchungen in Wohnung und Umfeld der Toten, weil ihm die Geschichte nicht geheuer vorkommt und er sich außerdem keine Blamage vor der smarten Staatsanwältin geben will. Doch als es im Prozess zu einer Wendung kommt, die aus dem Todschlag einen Raubmord macht, wartet der Angeklagte von sich aus mit einer faustdicken Überraschung auf ...


Ein verschlossener Einzelgänger – das ist der Eindruck, den Alexander Radszun mit seiner Figur des geständigen „Mörders“ Armin Fest hinterlässt. Das Gefühl, er sei ein großer Frauenheld gewesen, der sich bei einer High-Society-Lady einschmeicheln konnte, vermittelt der mit breitem Berliner Akzent sprechende Kraftfahrer mit Sicherheit nicht. Wirkt die Geschichte daher zunächst mutwillig zusammengeschustert, so ergibt sie nach ihrem großen Wendepunkt plötzlich einen viel besseren Sinn, sodass man Karl Heinz Willschrei wieder einmal die saubere Ausarbeitung eines Drehbuchs zuschreiben kann, das so durchaus auch von Herbert Reinecker stammen könnte. Vor allem die bittere und von Selbstjustiz aus verletzter Freundschaft bestimmte Auflösung hätte auch in das Krimibild des „Derrick“-Autors gepasst.

Wer sich auf den Auftritt der Wallace-Mimin Brigitte Grothum freut, erlebt sie in einer unterhaltsamen und schlagfertigen, wenngleich schauspielerisch sicher nicht sonderlich anspruchsvollen Rolle als Staatsanwältin und pfiffiges Gegenstück zu Günter Strack (von einem Gegen-„Gewicht“ zu schreiben, wäre in diesem Fall wohl nicht sonderlich schmeichelhaft, auch wenn Strack sich bekennenderweise in Abstinenz übt, vegetarische Gaststätten besucht und Appetithemmer einnimmt). Vor Gericht brachte Produzent Georg Althammer offenbar gern die besonders etablierten Stars zusammen, denn schon im Pilotfilm wurde Eva Pflug als Richterin ähnlich wie jetzt auch Grothum eingesetzt.

Radszun vermittelt das glaubwürdige Bild eines Lügners und Geheimniskrämers, während Siemen Rühaak als Komplize in einem Part, der bei Ringelmann sicher Bernd Herzsprung oder Sky Dumont zugefallen wäre, eher blass bleibt. Besser gelungen sind die Auftritte der zynischen und eigensinnigen Leute im Umfeld der Toten: der Mann (Hans Häckermann) als gefühlslose Bonze mit Hang zu scharfzüngiger Bösartigkeit und die Mitarbeiterin (Liane Hielscher) als falsche Schlange mit überaus eifrigen Giftzähnen. – Noch ein wenig mehr hätte man aus diesem grundlegend recht interessanten Mord- und Gerichtsdrama bei einer Aufwertung der Schauplätze herausholen können, die allesamt, obwohl stimmig ausgewählt, recht muffig und karg präsentiert werden. Selbst die Wohnung des Anwalts Dr. Renz verbreitet trotz großer Gesellschaft eine deutlich weniger angeregte Atmosphäre als in der Episode zuvor.

Dass sich Anwalt und Staatsanwältin nicht darüber einig werden können, wofür sie den geständigen Angeklagten nun eigentlich hinter Gitter gebracht sehen wollen, ist ein netter Aufhänger für eine solide ausgearbeitete Geschichte, deren anfängliche Unglaubwürdigkeit durch eine geschickte Wendung ausgebügelt wird. Weitgehend kompetente Darstellerleistungen mit Promi-Bonus ergänzen die angenehme, aber etwas unspektakuläre Atmosphäre zu 4 von 5 Punkten.

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