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  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch ich möchte meine "Wallace der Woche"-Sichtungen mit einem neuen Ranking abschließen. War auch meine erste chronologische Betrachtung der Wallace-Filme erst wenige Jahre her, haben mich die Wallace-Filme doch getreu dem bekannten Motto sofort wieder "fesseln" können. Ein großes Dankeschön an Gubanov für die Idee und Organisation der schönen Aktion, die sicher eine Fortsetzung verdient hätte. Ein "Cotton der Woche" oder "Mabuse der Woche" hätte sicher Potential, irgendwann dann auch sicher nochmal ein "BEW der Woche", "LWW der Woche" oder "Durbridge der Woche". Nur so zur Anregung.


    01. (01) Die toten Augen von London (5/5)
    02. (02) Der Mönch mit der Peitsche (5/5)
    03. (03) Der Fälscher von London (5/5)
    04. (04) Das indische Tuch (5/5)
    05. (05) Die Bande des Schreckens (5/5)
    06. (12) Das Gasthaus an der Themse (4,5/5)
    07. (11) Die Tür mit den sieben Schlössern (4,5/5)
    08. (15) Der Frosch mit der Maske (4,5/5)
    09. (10) Im Banne des Unheimlichen (4,5/5)
    10. (14) Der Hexer (4,5/5)
    11. (08) Das Geheimnis der gelben Narzissen (4,5/5)
    12. (13) Das schwarze Abt (4,5/5)
    13. (17) Der rote Kreis (4,5/5)
    14. (07) Der Hund von Blackwood Castle (4,5/5)
    15. (05) Der unheimliche Mönch (4/5)
    16. (20) Der grüne Bogenschütze (4/5)
    17. (29) Die Tote aus der Themse (4/5)
    18. (21) Der Mann mit dem Glasauge (4/5)
    19. (19) Die blaue Hand (4/5)
    20. (09) Zimmer 13 (4/5)
    21. (16) Das Rätsel des silbernen Halbmonds (4/5)
    22. (22) Das Rätsel der roten Orchidee (3,5/5)
    23. (25) Die seltsame Gräfin (3,5/5)
    24. (18) Die Gruft mit dem Rätselschloss (3,5/5)
    25. (23) Das Verrätertor (3,5/5)
    26. (26) Der Bucklige von Soho (3,5/5)
    27. (27) Der Zinker (3,5/5)
    28. (28) Neues vom Hexer (3,5/5)
    29. (24) Das Rätsel des silbernen Dreieck (3/5)
    30. (31) Das Geheimnis der weißen Nonne (3/5)
    31. (30) Das Geheimnis der grünen Stecknadel (3/5)
    32. (33) Der Fluch der gelben Schlange (2,5/5)
    33. (32) Der Rächer (2,5/5)
    34. (35) Der Teufel kam aus Aksasava (2/5)
    35. (36) Der Gorilla von Soho (2/5)
    36. (34) Das Gesicht im Dunkeln (1,5/5)



    In Klammern findet sich jeweils die Platzierung in meinem letzten Ranking. Vorne tut sich erstmal nichts. Auch diesmal obsiegt der Verstand kanpp über das Herz und beschert den "toten Augen" einen knappen Sieg vor dem von Count Villain treffend als "Super-Wallace" betitelten "Peitschenmönch". "Gasthaus" macht einen Satz nach vorne, ebenso wie der "Frosch", der sich auf einem Allzeithoch befindet und erstmals den Weg in die Top 10 findet. "Banne" sichert sich im Farb-Ranking einen verdienten zweiten Platz. "Der Hexer" rundet die Top 10 ab. Schwere Verluste gab es für zwei Reinl-Wallaces ("uMönch" (-10) und "Zimmer 13" (-11)). Satte 12 Plätze macht dagegen die "Themsetote" gut, die erstmals den Weg in die Top 20 findet und damit als heimlicher Gewinner aus den "Wallace der Woche"-Sichtungen hervorgeht. Bei "Halbmond" und "Gruft" zeigt die Tendenz nach einem Zwischenhoch wieder nach unten. Sehr schwer tun sich nach wie vor die vermeintlichen Klassiker "Zinker" und "Neues", die sich wiederum am Ende der Top 30 finden. Die Flop 5 aus "Fluch", "Rächer", "Akasava", "Gorilla" und "Gesicht" scheint in ihrer Besetzung in Stein gemeißelt, hier gibt es nur untereinander kleinere Veränderungen. So kann der "Gorilla" die rote Laterne vorerst an "Gesicht" weiter reichen. Mal schauen, wie sich das Ganze in den nächsten Jahren entwickeln wird und was das nächste Update bringt!

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Da ist er nun, der (formal) letzte Film der Wallace-Ära. Sicher kann man im Falle des "Halbmonds" argumentieren, dass zumindest zur Veröffentlichungszeit das informierte Publikum nach den Eindrücken der "Stecknadel" einigermaßen wissen musste, worauf es sich einließ. Wer aber heute den Fil sichtet, ohne vorher "Gesicht" oder "Stecknadel" gesehen zu haben, und nicht allzu sehr in der Marterie ist, wird natürlich ebenso vor den Kopf gestoßen wie bei den anderen beiden Filmen. Für mich war der "Halbmond" vor einigen Jahren tatsächlich der letzte Wallace, den ich einer Erstsichtung zuführte. Mit entsprechender "Vorbildung" und ohne jedwede Erwartungshaltung in den Film gegangen, war ich doch positiv überrascht von dem Werk Umberto Lenzis. Das gilt im Wesentlichen auch nach der jüngsten Sichtung. Jedenfalls kann ich mich nur mit Nachdruck den Stimmen anschließen, die den "Halbmond" stärker einschätzen als die "Stecknadel". Denn anders als der Vorgänger ist der vorliegende Film in sich stimmig. Er vermeidet heikle Themen und darauf bezogene inszenatorische Fehltritte, sondern will einfach nur spannende Thriller-Unterhaltung bieten.

    Der Film startet mit äußerst hohem Tempo. Im Grunde genommen hätte man sich die beiden ersten Morde vor dem Vorspann allerdings sparen und insoweit mit dem stark inszenierten Mord an Katy Adams "einsteigen" können. Auch der vorherige Anruf im Laden bei Giulia (Uschi Glas) hätte nicht zwangsläufig an Spannung einbüßen müssen, immerhin würde der Zuschauer auch so rätseln, warum der Anrufer sich nicht meldet. So wirkt am Anfang alles ein bisschen gehetzt und überfrachtet. Die Darstellung der Hippie- und Schwulenszene fällt sicher arg klischeehaft aus. Mitunter ergötzt sich der Film zudem ein wenig arg am Leid unmittelbar vor dem Tode stehender Menschen. Ansonsten kann man dem Film nicht viel vorwerfen. Absolut bemerkenswert ist sicher der Auftritt von Uschi Glas. Wenn man ihre hiesige Darbietung mal mit ihren Wallace-Anfängen bei den beiden Mönchs-Filmen oder dem "Gorilla" vergleicht, liegen dazwischen schon Welten. Und selbst in Relation zur nicht lange vorher produzierten "Themsetoten" ist ein erheblicher Sprung in schauspielerischer und optischer Hinsicht erkennbar. Aus hiesiger Sicht trägt sie ein gutes Stück zum Charme des Films bei, der in besten Momenten (gemeinsame Autofahrt mit Mario, Szenen im Haus) eine gewisse Wohlfühlatmosphäre versprüht. An Sommer und Seventies-Flair fehlt es definitiv nicht. Enorm aufgewertet wird der Film ferner durch den starken Score von Riz Ortolani, dessen Titelthema im Laufe des Films in verschiedenen Variationen ertönt (besonders gelungen auch die Variante während der gemeinsamen Autofahrt von Giulia und Mario). Antonio Sabato und Pier Paolo Capponi machen in den zentralen Rollen ebenfalls einen sehr ordentlichen Job. Erfreulich und ein kleines Geschenk ans Wallace-Publikum ist zudem die Besetzung Marisa Mells in einer inhaltlich wichtigen Doppelrolle. Einen absoluten Spannungshöhepunkt liefert natürlich das schon angesprochene Finale, das auch heutigen Maßstäben ans Thriller-Kino absolut gerecht wird und einen zum Abschluss der Reihe nochmal richtig mitfiebern lässt.

    Gleichwohl überkommt einem, wenn der Abspann mit den italienischen Credits über den Bildschirm läuft (etwas seltsam übrigens, wenn man bedenkt, dass es sich um die "deutsche Kinofassung" handelt und es sonst bei Wallace nie einen Abspann gab) ein komisches Gefühl. Das war es nun mit Wallace? Obwohl der "Halbmond" für sich betrachtet ein guter Film ist, taugt er streng genommen schlecht als Schwanengesang für eine Reihe, die ganz überwiegend eine andere Herangehensweise ans Krimi-Genre hatte. Insofern hätte man es als Wallace-Fan natürlich gern gesehen, wenn man es - zur Not auch mit einem anderen Produzenten als dem offenbar mit anderen Dingen beschäftigten Wendlandt - wenigstens nochmal versucht hätte, im Stile der "Themsetoten" weiter zu machen. Dennoch überwiegt letztlich die Dankbarkeit für das, was einem die Wallace-Filme dieser Ära hinterlassen haben. Für den "Halbmond" gebe ich zum Abschluss versöhnliche 4 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Darauf hab ich quasi seit meiner Anmeldung im Forum gewartet - ich mache sehr gerne mit!

  • Edgar Wallace AusstrahlungenDatum10.07.2019 19:08
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von greaves im Beitrag #499
    Wallace läuft wieder im TV!!!!

    Auf 3Sat.


    Jetzt :

    Gasthaus.

    Morgen :

    Zinker

    Donnerstag:

    Hexer und anschliessend Neues vom Hexer





    Und das sehr erfolgreich...

    https://meedia.de/2019/07/10/weniger-als...-bei-prosieben/

    Zitat
    Ebenfalls extrtem erfolgreich um 20.15 Uhr: 3sat mit dem Klassiker “Edgar Wallace: Das Gasthaus an der Themse”. 1,28 Mio. sahen zu, der Marktanteil von 4,6% lag meilenweit über dem Sender-Normalniveau von 1,3% aus den jüngsten 12 Monaten. Für 3sat sind die 1,28 Mio. sogar die zweitbeste Zuschauerzahl des bisherigen Jahres 2019.




    Ich finde es doch sehr bemerkenswert, wie viele Zuschauer man mit den Klassikern nach wie vor erreicht. Die Quoten haben sich seit den Zeiten um 2005 herum, als Kabel 1 die Filme noch regelmäßig Wallace-Filme im Sommer zeigte, überhaupt nicht verändert. Auch da lag man in der Regel knapp über 1 Million Zuschauer. Wenn man bedenkt, wie viele Ausstrahlungen des "Gasthauses" es inzwischen gab, wie die Vielfalt an Kanälen und alternativen Unterhaltungsmöglichkeiten zugenommen hat, wie sich das TV-Konsumverhalten verändert hat und dass seither sicher der ein oder andere, der vor knapp 15 Jahren noch zur Zielgruppe gehörte, inzwischen verstorben ist, ist das sehr beachtlich.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Es ist eigentlich immer wieder das Gleiche mit der "Stecknadel", wenn man sie alle paar Jahre wieder in den Player legt. Bis zur Hälfte des Films fragt man sich, warum man den Streifen als mittelmäßig in Erinnerung hat und meint, dieses Mal könne er womöglich "zünden". Nach der zweiten Hälfte weiß man dann wieder, woher die Einstufung als "medioker" kam.

    Das Hauptproblem des Films ist auf der ersten Seite des Threads schon angerissen worden. Wenn ich die Intention habe, einen seriösen, einfühlsamen Thriller mit einem gewissen Anspruch und sensibler Thematik (Vergewaltigung, Abtreibung) zu drehen - und diesen Eindruck erweckt der Film über weite Strecken - dann stoße ich das Publikum schlichtweg vor den Kopf, wenn ich zwischendrin in den "Schulmädchen-Report-Modus" schalte, das Kameraobjektiv auf ein halbes Dutzend weiblicher Genitalien richte und anschließend noch einen Lehrer zeige, der sich nach Betrachtung der Mädchen den Sabber vom Mund wischen muss. Filme wie der "Gorilla" oder der "Bucklige" mit ähnlichen, wenn auch der damaligen Zeit entsprechend noch nicht ganz so schweren Verfehlungen können sich da noch insoweit exkulpieren, als sie gerade nicht den Eindruck eines seriösen Films erweckten, sondern für jeden ersichtlich leicht verdauliche, klamottige Krimi-Unterhaltung offerieren wollten. Auch bei der traumatisierten Solange trägt Dallamano ebenso dick auf wie bei dem "eskalierenden" Täter am Ende. Hier wäre weniger mehr gewesen und hätte dem grundsätzlich ruhig verlaufenden Film, der dennoch nie langweilig erscheint, wesentlich besser zu Gesicht gestanden. So hinterlässt die "Stecknadel" stets einen faden Beigeschmack, der den Gesamteindruck wesentlich trübt.

    Ansonsten ist zu konstatieren, dass die Akteure um Hauptdarsteller Testi, Joachim Fuchsberger (hoffentlich kommt seine Frisur nicht so schnell wieder in Mode), Karin Baal und die sympathische Cristina Galbó einen guten Job machen. Die Musik von Ennio Morricone ist exzellent, das Verhältnis zwischen Innen- und Außenaufnahmen stimmt, die englische Metropole wurde gut eingefangen. Mittendrin "verstört" Dallamano den Zuschauer des an sich völlig humorlosen Streifens allerdings mit einer seltsam anmutenden Gag-Einlage (struwwelpeteriger Vermieter mit Priester-Trauma).

    Um auf die Ausgangsfrage zu antworten: das Update ist Dallamano und Co weniger gut gelungen. Der Übergang ist einfach zu drastisch, "schwere" Kost passt allgemein eher nicht zu Wallace, wenn sie dann noch derart unsensibel serviert wird, wiegt es doppelt schwer. Die "Themsetote" war da schon der bessere Ansatz, die Wallace-Filme in die 1970er-Jahre zu transportieren. Warum man angesichts des beachtlichen Erfolgs der "Themsetoten" und des mindestens ebenso beachtlichen Misserfolgs von "Gesicht" sich dazu entschloss, die Reihe mit einer weiteren deutsch-italienischen Co-Produktion fortzuführen, bleibt schleierhaft. Gialli hätte es auch ohne deutsche Beteiligung gegeben, umgekehrt wurde das "typisch deutsche" Wallace-Konzept zugunsten zweier Gialli komplett geopfert, was man rückblickend sehr bedauern muss. Für die "Stecknadel" gibt es insgesamt nicht mehr als 3 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #19
    Zitat von Ray im Beitrag #18
    Seinerzeit wurden die Drehorte doch sicher erst recht regelmäßig erkannt...


    Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Ich spekuliere natürlich nur, aber man darf nicht vergessen, dass die Leute die Filme damals nur im Kino sehen konnten und selbst bei etwaigen Fernsehausstrahlungen noch keine Aufzeichnungen anfertigen konnten. Wenn man jetzt damals direkt um die Ecke des Palace Hotel gewohnt hat, dann dürfte man dieses im Kino vielleicht erkannt haben, aber sonst? Soweit ich weiß, spielten die deutschen Drehorte weder in der Fachpresse noch in der PR des Verleihs eine Rolle. Die allerwenigsten Zuschauer dürften sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben - und selbst wenn, so hatten sie selbstredend noch nicht die aktuellen Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Archivmaterial gibt es so gut wie gar keines. Selbst Joachim hat trotz intensiver Recherche in seinem Buch nur offensichtliche Drehorte (z.B. die Wallace-Schlösser) benannt. Und machen wir uns nichts vor - außer uns paar Hanseln hier im Forum interessiert das alles so gut wie niemanden.



    Danke für deine Antwort, klingt für mich alles plausibel. Bei den Zeitungsberichten war ich mir halt nicht sicher, bei den Dreharbeiten zum "unheimlichen Mönch" im Schloss Hastenbeck gab es diese ja offenbar und auch entsprechende Anzeigen in der Zeitung. Aber das sind dann eben wieder die Schlösser und womöglich Ausnahmefälle.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Was mir bei der Sichtung noch so in den Sinn gekommen ist: Heute suchen wir ja nach wie vor mit Freude nach Schauplätzen der Wallace-Filme, machen Vergleiche "damals & heute" usw. Seinerzeit wurden die Drehorte doch sicher erst recht regelmäßig erkannt, gerade wenn es sich wie in der "Themsetoten" um ein Berliner Hotel o.ä. handelt. Diese deutschen Locations der Wallace-Filme gehören zwar heute ein Stück weit zum Charme dazu, aber weiß man, wie das damals so aufgenommen wurde? Haben sich da Leute dran gestört?

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Die Einigkeit hält an...


    Folge 6: Zahlen-Code N

    Ermittlungen bezüglich einer Geldfälscherbande tragen alsbald eine Leiche zu Tage. Falschgelddezernat und Morddezernat müssen daher die Kräfte bündeln, um beide Taten aufdecken zu können...

    Sonderlich viel zu sagen gibt es zu dieser ersten von Jürgen Goslar inszenierten Episode eigentlich nicht. Den "Stahlnetz-Faktor" erkennt man nicht nur an der Besetzung durch Wolfgang Völz, sondern auch an der Musik, die bisweilen an das Titelthema der Konkurrenz erinnert. Der Fall ist inhatlich in der Tat lahm und trägt kaum einen 60-minütige Episode und hätte daher eher bei einer Vorabendserie verwendet werden sollen. Immerhin sammeln die Ermittler Sympathiepunkte und sorgen für einige Schmunzler. Die Selbstverständlichkeit mit der Jochen Brockmann als Kommissar Karst die Sekretärin des Kollegen mit Essens- und Getränkewünschen von ihrer Arbeit abkommandiert, ist aus heutiger Sicht schon erstaunlich. Nach ganz ordentlichem Einstieg gelingt es der Regie leider nicht, das Interesse am Fall und an der Jagd nach den Geldfälschern hoch zu halten, was sicher auch an der Eindimensionalität der entsprechenden Figuren liegt. Den Schlussgag mit "Graswander Toni" Franz Muxeneder vergisst man besser - und zwar "quickly". Insgesamt sicher die bisher schwächste Folge.


    Ein sympathisches Ermittlerduo vermag über den lahmen Fall nur sehr bedingt hinwegzutrösten. 2,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auf "Die Tote aus der Themse" habe ich mich im Vorhinein tatsächlich mit am meisten gefreut. Das liegt zunächst an den von Gubanov schon aufgezählten Aspekten, die den Film so besonders interessant machen (einziger "typisch deutscher" Wallace der 1970er-Jahre; das ewige Rätsel, warum man trotz des respektablen Erfolgs - immerhin trotz Pause und erheblicher gesellschaftlicher Veränderungen ca. 200.000 Zuschauer mehr als der Jubiläums-Wallace "Hund" - nicht weiter machte). Überdies habe ich den Film verhältnismäßig spät erstgesichtet und in der Folge im Vergleich zu anderen Filmen der Reihe relativ selten gesehen. Und zuletzt stellte meine jünsgte Sichtung die erste nach meiner Erstbegegnung mit Kommissar Haferkamp dar. Ich war daher sehr gespannt, ob meine Sympathien für Haferkamp auch bei der "Themsetoten" für Pluspunkte sorgen würden.

    Tatsächlich erweist sich "Die Tote aus der Themse" ("Das Geheimnis der chinesischen Vasen" wäre nach der Anspielung Craigs im Antiquariat im Übrigen ein anderer klassischer Wallace-Titel gewesen) bei der diesmaligen Sichtungsreihe als die wohl bislang positivste Überraschung. Und das liegt noch nicht einmal allein an Felmy, der gleichwohl einen sehr guten Job macht und mit seiner sympathisch-zurückhaltenden Art schon Wesenszüge von Haferkamp offenbart. Storytechnisch knüpft die "Themsetote" nahtlos an "Glasauge" an und präsentiert eine moderne Geschichte um Drogenhandel, ohne typische Wallace-Elemente völlig außen vor zu lassen. Die Story bleibt allein schon wegen der Frage des Verbleibs Myrna Fergusons vom Anfang bis zum Ende interessant, die Auflösung ist stimmig und auch durchaus überraschend, zumindest, wenn man sich als Zuschauer nur zerstreuen lassen will und nicht allzu eifrig mitdenkt und -kombiniert.

    Harald Philipp leistet bei seinem ersten und letzten Wallace-Film im Großen und Ganzen gute Arbeit. Obwohl das Tempo nicht übermäßig hoch ist, ist der Film zu keiner Sekunde langweilig. Die Mordszenen, insbesondere jene am Piccadilly Circus, sind solide inszeniert. In manchen Momenten hätte die Inszenierung etwas ideenreicher und experimenteller ausfallen können, außerdem schleichen sich gerade zu Anfang wie schon erwähnt wurde einige Anschlussgehler ein, die man abgesehen von den letzten beiden handwerklichen Desastern in der Reihe eher nicht gewohnt ist.

    Bei den Darstellern bewies man überwiegend ein glückliches Händchen. Neben Felmy überzeugt einmal mehr Werner Peters, für den der Film auch ganz persönlich zum Schwanengesang werden sollte. Gerade sein erster richtiger Auftritt im Film, in dem er in ihm typischer Manier den Eindruck zu erwecken sucht, als könne er kein Wässerchen trüben, und dabei auf seine ihm eigene Art eine Zigarette hält, weckt wohlige Erinnerungen an alte Wallace-Tage. Peters hätte den deutschen TV-Krimi mit seinen Fähigkeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren zweifelsohne enorm bereichern können. Des Weiteren drückt Ivan Desny der Produktion bei seinem einmaligen Wallace-Gastspiel seinen Stempel auf. Vadim Glowna gibt eine gelungene Variation der vormals prominenten Reporter-Rolle. Dass man es mit der Chronologie bei der Reihe nie so ernst nahm, ist allgemein bekannt. Dennoch ist es bemerkenswert, wie selbstverständlich Sir John hier wieder wie eh und je vor sich hin werkelt, assistiert von einer neuen Sekretärin. Zwar kann Schürenberg an alte Glanzstunden nicht wirklich anknüpfen - immerhin ist seine pedantische Absage an die psychologische Ermittlungsarbeit und der Fokus auf Tatsachen eine nette Anspielung auf frühere entgegenstehende Dogmen -, eine Verbesserung gegenüber von Meyerincks Schaffen ist nichtsdestoweniger jederzeit erkennbar. Harry Riebauer mit seinem undurchsichtigen Part des Milton S. Farnborough und Friedrich Schoenfelder bekommen ebenfalls einen gelungenen Ausstand. Uschi Glas zeigt sich deutlich verbessert im Vergleich zu vorangegangenen Darbietungen, bleibt allerdings limitiert. Mit der eher unbeholfenen Lovestory greift der Film ein Muster auf, das man eigentlich schon länger abgelegt hatte und das eigentlich auch nicht mehr so recht in den Zeitgeist passte. Die Auftritte von Ingrid Steeger und Brigitte Skay sind dagegen offensichtliche Zugeständnisse an den damaligen Zeitgeist. Skay liefert wenigstens eine Steilvorlage für eine spitze Bemerkung Inspektor Craigs (Stichwort: Testament), die zum Schmunzeln einlädt. Günther Stolls Part ist dramaturgisch bedingt ein wenig größer als normalerweise erforderlich, Petra Schürmann hätte man dagegen ruhig etwas mehr einbinden dürfen.

    Zwei Aspekte werten den Film zuletzt ungemein auf: Da wären zu einen die in der Form für eine rein deutsche Produktion einmaligen Aufnahmen an Originalschauplätzen in London und die grandiose Musik von Peter Thomas, die unfreiwillig perfekt die melancholische Stimmung transportiert, die einen beschleicht, wenn man diesen letzten deutschen Wallace-Film dieser Ära betrachtet. Die Titelmelodie ist ein echter Ohrwurm und entwickelt zum Ende eine unheimliche Dynamik. Auch die rauen Gitarrenklänge bei den Mordszenen, die ein wenig an das "James Bond Theme" erinnern, sorgen für eine stimmige musikalische Untermalung des Films.

    Insgesamt hätte "Die Tote aus der Themse" eine grundsolide Basis für weitere Produktionen in diesem Stil geboten. Dem Zeitgeist entsprechend hätte man auf Ermittler wie Felmy und Stoll, zeitgemäße Krimi-Storys, die sich allein schon ob des Bodycounts vom typischen TV-Krimi abgehoben hätten, und Regisseure wie Philipp oder mal wieder Reinl setzen können. Potential für 3-5 weitere Filme wäre sicher vorhanden gewesen. Schade drum. Die "Themsetote" bekommt von mir gute 4 von 5 Punkten.

  • Tod auf der Themse (BRD 1973)Datum02.07.2019 23:27
    Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Zur Abwechslung von der "Toten aus der Themse" heute mal was zum "Tod auf der Themse"...


    Tod auf der Themse (BRD 1973)

    Regie: Oswald Döpke

    Darsteller: Charles Regnier, Hannelore Elsner, Jochen Busse, Axel von Ambesser, Gerd Baltus, Giulia Follina, Volker Kraeft, Ulrich Gressieker, Axel Scholtz, Herbert Steinmetz, Wolfgang Weiser, Oswald Döpke, Carlos Werner


    Ein englischer Mediziner lädt sechs Freunde zu einer Fahrt auf seinem Boot mit Übernachtung ein. Nach vergnüglichem Start nimmt der Ausflug ein jähes Ende, als am nächsten Morgen der Gastgeber tot am Steuer des Bootes aufgefunden wird. Einer der Freunde des Toten traut dem ermittelnden Sergeant die Aufklärung des Falls nicht recht zu und heuert kurzerhand seinen befreundeten Kriminalschriftsteller und Hobbydetektiv Peter Finbow (Charles Regnier) an...

    "Tod auf der Themse", 1972 an Originalschauplätzen in England gedreht und Anfang 1973 im ZDF ausgestrahlt, entpuppt sich als wahrer Glücksfall eines TV-Kriminalfilms. Die Story kommt gut in die Gänge. Es ist von Anfang an klar, dass nur einer der (vermeintlichen) Freunde des Toten für die Tat verantwortlich sein kann. Von der Inszenierung her ist "Tod auf der Themse" sehr ambitioniert. Regelmäßige Wechsel der Schauplätze und ungewöhnliche Kameraperspektiven sorgen für Abwechslung und heben den Film vom klassischen Kammerspiel des vorherigen Jahrzehnts ab. Die Besetzung ist absolut erstklassig. Die Rolle des Peter Finbow ist eine Paraderolle für Charles Regnier, der wie schon in "Der schwarze Abt" einen hervorragenden Ermittler abgibt. Sein natürliches Charisma und seine unaufdringlich zur Schau gestellte Überlegenheit beeindrucken. Sofort ist offensichtlich, dass Gerd Baltus in der für ihn ungewohnten Rolle des Sergeants bei den Ermittlungen nur eine Nebenrolle einnehmen wird. Es macht einfach große Freude, Finbow bei seinen Überlegungen zuzuschauen, die er regelmäßig mit seinem Auftraggeber, gespielt von Axel von Ambesser, teilt. In den weiteren Rollen hinterlassen insbesondere Hannelore Elsner und Jochen Busse einen bleibenden Eindruck. "Tod auf der Themse" ist bis in die Kleinstrollen gut besetzt, so muss sich etwa ein profilierter Akteur wie Wolfgang Weiser mit einer einzigen Szene begnügen. Von dramaturgischer Warte erweist es sich als ungemein effektvoll, die Verdächtigen nach der gescheiterten Bootsfahrt auf einem an der Themse gelegenen Anwesen zusammen zu halten. So stellt sich nach und nach heraus, dass ein jeder ein handfestes Motiv für die Tat hatte. Eine dramatische Wende scheint das Geschehen schon auf den Kopf zu stellen, da versammelt Finbow die Verdächtigen im Speisesaal des großzügigen Anwesens und rückt die Verhältnisse in Agatha Christie-Manier wieder gerade. Die Auflösung erweist sich als durchaus überraschend und dabei gleichwohl absolut stimmig. London-Bilder sowie die hochwertige und stets passende musikalische Untermalung durch Erich Ferstl runden das Krimi-Vergnügen ab. Von Charles Regnier in der Rolle des Peter Finbow hätte man gerne mehr gesehen!

    Die ersten Einstellungen lassen Schlimmes befürchten, aber im Grundsatz geht die DVD von Pidax bildtechnisch in Ordnung. Das 08/15-Titelcover wurde schon zu Recht kritisiert, hier hätte sich ein Motiv des Hauptdarstellers aus dem Film angeboten. Die Hauptsache ist aber natürlich, dass dieser TV-Film endlich den Weg auf DVD gefunden hat, angesichts der prominenten Besetzung und der Qualität des Films eigentlich erstaunlich spät.


    Hochwertiger TV-Kriminalfilm, bei dem einfach alles passt. Von der reizvollen und wendungsreichen Story über den obercoolen Charles Regnier in der Rolle des smarten Privatschnüfflers bis zur ambitionierten Inszenierung durch Oswald Döpke. 5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Danke euch für die Antworten. Im "Hallo"-Buch gibt es nämlich diesbezüglich keine Information, dachte daher, er sei vielleicht "ausgespart" worden.

    Wäre eine mögliche Erklärung. Bei Towers war es ja umgekehrt. Erst Afrika-Wallace, dann "klassischer" Wallace. Und inhaltlich ist "Akasava" ja so ein bisschen eine Mischung aus Afrika-Wallace und klassischem Wallace, wie Gubanov ausgeführt hat. Vielleicht auch ein Grund, warum man ihm dann eher der regulären Reihe zuordnet.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Noch ergänzend zwei Fragen:

    Ist "Akasava" eigentlich jemals im Free-TV ausgestrahlt worden?

    Was ich mich bei der Sichtung noch gefragt habe: Der Film beruht doch auf einer Afrika-Erzählung von Wallace und spielt überwiegend nicht in England. Warum wird "Akasava" dann eigentlich traditionell innerhalb der regulären Reihe behandelt und nicht mit den beiden Sanders-Filmen ausgeklammert? (Soll jetzt kein Appell sein, den Film aus dem Kanon zu eliminieren, ist mir nur aufgefallen.)

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Folge 5: Die Nadel


    In der Leiche einer älteren Dame findet sich zwischen den Rippen eine Nadel, die Reste eines schwer nachweislichen Giftes enthält. Alles deutet daher auf einen unnatürlichen Tod hin. Verdächtige gibt es genug, war die Tote doch nach übereinstimmenden Angaben eine unangenehme Zeitgenossin, die versuchte, ihren Mitmenschen das Leben so schwer wie möglich zu machen...

    "Die Nadel" lässt die Atmosphäre typischer Fernsehkammerspiele, wie man sie gerade zu Anfang der 1960er Jahre noch häufiger angetroffen hatte, wiederaufleben. Der Großteil der Handlung spielt sich im Haus der Toten ab, in dem auch ihre Schwester - großartig gespielt von Adelheid Seeck -, die ihre negativen Gefühle der Verstorbenen gegenüber offen zur Schau stellt, ihr Sohn (Walter Wilz) und die Haushälterin leben. Die Schwester hat ein Verhältnis zu einem deutlich jüngeren Mann polnischer Herkunft (Narziss Sokatscheff) und musste sich deswegen allerhand anhören. Da sie finanziell von der Verstorbenen abhängig war, blieb ihr jedoch keine andere Wahl, als dies zu erdulden. Sie hatte demnach ein Motiv und ihr Liebhaber als Forscher das nötige "Know How". Das Gleiche gilt allerdings für den Ehemann der Toten, der zudem eine Affäre und vor diesem Hintergrund ebenso ein Motiv hatte. Aber auch die Haushälterin, die im Krieg als Krankenschwester gearbeitet hatte sowie der Medizin studierende Neffe wären in der Lage gewesen, den Mord zu begehen. So versammelt sich also eine solide Anzahl an Verdächtigen, wodurch die "Die Nadel" zu einem Whodunit klassischer Machart wird. Unterstrichen wird der Eindruck durch die im Agatha-Christie-Stil vorgenommene Auflösung, in der die Ermittler alle Verdächtigen im Wohnzimmer versammeln und unter spannungssteigernder Dramaturgie des Rätsels Lösung präsentieren. In die Rolle des Kriminalinspektors schlüpft in dieser Episode der früh verstorbene und im Genre wenig präsente Gerd Brüdern, der seinen selbstsicher auftretenden und mit Handicap aus dem Krieg versehenen Ermittler jedoch durchaus reizvoll anlegt. Horst Naumann gibt an seiner Seite den jüngeren, etwas unsensibleren Assistenten, der Charakterzüge aufweist, die später Reinhard Glemnitz im "Kommissar" auszeichnen sollten. Die Besetzung fällt nicht übermäßig prominent aus, Freude machen die Gastauftritte von Walter Wilz, dessen Darstellung mitunter an seinen Ray Bennet aus "Der Frosch mit der Maske" erinnert, sowie Narziss Sokatscheff. Ein kleiner Hänger im Mittelteil verhindert die Höchstwertung, trübt den (sehr) guten Gesamteindruck aber wenig.


    Klassische, kammerspielartig inszenierte Episode mit unverbrauchten Gesichtern. 4,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Auch im Falle von "Der Teufel von Akasava" hätte ich bei der Erstsichtung wohl kaum gedacht, dass es zu einer vierten Sichtung kommen würde. Wer den Film zum ersten Mal sieht und nicht recht weiß, worauf er sich einlässt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum fassen können, was er da von "Maestro Franco" kredenzt bekommt. Bei wiederholter Sichtung sieht das Ganze schon ein wenig anders aus und ich würde daher Gubanov beipflichten, dass man dem Streifen wenigstens einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. "Der Teufel kam aus Akasava" lebt wie die beiden vorangegangenen Franco-Filme "Vampyros Lesbos" und "Sie tötete in Ekstase" von zwei Aspekten: Hauptdarstellerin Soledad Miranda und der Musik von Manfred Hübler und Siegfried Schwab, die von der LP "Sexadelic Dance Party" stammt und in allen der genannten Filme verwendet wurde. Miranda ist eine natürliche, zeitlose Schönheit. Ihre Präsenz ist gut und der Einsatz nackter Haut hat bei aller Explizität eine angenehme Unaufdringlichkeit. Im Hinblick darauf, seine Muse in Szene zu setzen, hat Franco einen exzellenten Job gemacht, im Übrigen ist der Film jedoch weniger gut gelungen. Handwerklich ist "Akasava" von einer bemerkenswerten Minderwertigkeit, die man in der Form selten bis nie geboten bekommt, wenn man sich nicht gerade regelmäßig auf Trash-Film-Pfaden bewegt. Die Kamera scheint sich bisweilen selbstständig zu machen, bei einigen Dialogszenen tun einem als Zuschauer einfach nur die verdienten Schaupieler wie Tappert, Schürenberg oder Rilla leid, die diese hölzernen und mitunter kuriosen Sätze über ihre Lippen bringen mussten. Gerade Schürenberg meistert diese "Tour de Force" wenigstens mit Würde. Tappert wirkt über weite Strecken abwesend, Rilla meint man teilweise anzumerken, dass ihm die Mitwirkung an diesem Werk Unbehagen bereitet hat. Blandine Ebinger liefert eine besonders kuriose Performance ab, Fred Williams als Womanizer und Ermittler in Personalunion macht einen ziemlich schmierigen Eindruck und trägt ein gutes Stück zum Trash-Faktor bei, dem in besten Momenten ein Fünkchen Wohlfühlfaktor innewohnt.

    Insgesamt würde ich den Film wegen des höheren Unterhaltungsfaktors zumindest vor "Gesicht" und wegen der höheren "Originalität" wohl auch vor dem "Gorilla" einordnen und vergebe daher 2 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Folge 4: Die Fotokopie


    Der ehrenwerte Direktor Dr. h.c. Delius hinterlässt nach seinem Tode ein großes Vermögen. Anlässlich der Trauerfeier schlägt eine Frau namens Sommer auf, die vorgibt, eine nichteheliche Tochter des Toten zu sein. Als Beweisstück legt sie einen Brief des Verstorbenen vor, in dem er sie ihr eine Erbschaft in Höhe von 300.000 DM in Aussicht stellt. Die ehelichen Nachkommen des Toten zweifeln die Richtigkeit des Dokuments zunächst an. Eben jener Brief wird kurz darauf gestohlen. Allerdings hatte Sommer eine Kopie bei einem Anwalt hinterlassen...

    Die vierte Folge beginnt mit der vertrauteren, kürzeren Version des Vorspanns. Spätestens beim Wort "Gaunerrequisiten" erreichen die nostalgischen Gefühle neue Höhen. Etwas untypisch kommt "Die Fotokopie" ohne klassischen Mordfall aus und bietet statt dessen eine wendungsreiche Erbstreitigkeitengeschichte. Für die Story zeichnet sich das Autoren-Duo Maria Mantray und Answald Krüger verantwortlich, das später u.a. die ersten Folgen von "Sonderdezernat K1" inhaltlich verantworten sollte. Als Ermittler agiert Jürgen Goslar, der als Kriminalkommissar Breitenfeld einen kompetenten Eindruck hinterlässt. Klaus Dahlen als Kriminalassistent Appel hätte es nicht gebraucht, zumal seine wenigen Gags einigermaßen verpuffen. Als Gegenspieler der (vermeintlichen?) Erbin sticht Günther Schramm hervor, der entgegen seinem späteren "Mr. Nice Guy"-Image mal eine eher unsympathische Figur verkörpern darf und dabei einen ausgezeichneten Job macht. Dinah Hinz gibt in der Rolle des Fräulein Sommer ebenfalls in jeder Lage eine gute Figur ab. Gegen Mitte der Episode verflacht die Handlung ein wenig und man wähnt sich verfüht auf der Zielgeraden. Mit interessanten Wendungen und geschickten Rückblenden gewinnt Regisseur Wolfgang Becker das Interesse des Publikums indes zurück. Insgesamt bestätigt "Die Fotokopie" das solide Niveau der bisherigen Folgen.


    Eine Abwechslung von der typischen Mordgeschichte bietet "Die Fotokopie". Die Episode ist gut besetzt und zieht nach einem Zwischentief in der Mitte zum Ende hin nochmal gekonnt an. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Ich glaube dieser Absatz aus dem von dir zitierten Wikipedia-Artikel hilft hier weiter:

    Zitat
    Im Vergleich zum klassischen Film noir geht die Verwendung des Begriffs Neo-Noir meist mit einer wesentlich breiter gefassten Definition einher, in der Merkmale wie Farbe, Bildformat oder Produktionsland keine Rolle mehr spielen. Häufig erinnern auch die inhaltlichen Elemente nur noch entfernt an Werke des klassischen Zyklus. Unter anderem deswegen sehen Gegner des Begriffs Neo-Noir im Film noir ein zeitlich abgeschlossenes Phänomen. Letzterer sei durch seinen historischen Kontext definiert und habe in jüngerer Zeit keine Grundlage mehr. Befürworter äußerten in den 1990er Jahren, es würden nach wie vor Filme mit typischen Merkmalen des Film noir produziert; diese dürften auch als Neo-Noir bezeichnet werden.



    Wenn ich deine Ausführungen richtig verstehe, gehörst du zu dem zweiten Lager, das dem Begriff Neo Noir an sich kritisch gegenübersteht. Demnach können Filme nach der klassischen Noir-Ära für dich nur zur Noir-Gattung gezählt werden, wenn sie die typischen Merkmale der klassischen Ära erfüllen. Der Einstiegsbeitrag in diesem Thread hat sich jedoch dem ersten Lager angeschlossen, das den Begriff Neo Noir anerkennt und in der Folge selbst Filme darunter subsumiert, die in den Worten des Wikipedia-Beitrags "nur noch entfernt an Werke des klassischen Zyklus" erinnern. Die Tony Rome-Filme würde ich persönlich tendenziell in der Mitte verorten, sprich weder ganz klassisch noch als Film vom äußeren Rand, der nur noch entfernt an die Filme der klassischen Ära erinnert. Eine Parodie oder Persiflage auf die klassische Noir-Ära erkenne ich in den Tony Rome-Filmen jedenfalls nicht. Genrell wirst du dich aufgrund der Entscheidung für das erste Lager, die mit der Threaderöffnung getroffen wurde, wohl oder übel damit begnügen müssen, dass hier auch Filme besprochen werden, die für dich mit Noir "nichts zu tun" haben. Ich hoffe aber dennoch, dass die Besprechungen bei dir weiter auf Interesse stoßen werden, da schließlich die Filme an sich und weniger die Zuordnung zu Genres oder Stilrichtungen im Vordergrund stehen sollten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Okay, dann scheinst du generell eine enge(re) Noir-Definition vor Augen zu haben, was natürlich völlig in Ordnung ist. Nur fällt dann die Grenzziehung m.E. schwer. Wie viele Elemente eines idealtypischen Noir muss ein Film haben, um als Noir bezeichnet werden zu dürfen? Und wie sieht ein idealtypischer Noir überhaupt aus? Ich glaube, das wurde schon in dem regulären Noir-Thread mal diskutiert mit dem Resümee, dass wir dort eine eher weite Definition zugrunde legen wollten.

    Und im Fall von "Der Schnüffler" und "Die Lady in Zement" sehe ich da unter Berücksichtigung dessen nach wie vor keine Probleme. Tony Rome ist ein Privatdetektiv in der Tradition von Marlowe und Spade und erlebt Abenteuer, die die genannten auch so oder so ähnlich hätten erleben können. Gerade bei "Lady in Zement" sind Handlungsteile von "Murder, My Sweet", einem der großen Noir-Klassiker, quasi übernommen. Humoristische Auflockerung gab es auch schon im klassischen Noir (z.B. "Die rote Schlinge", der stark an die Screwballkomödien erinnert). Dass im Übrigen Elemente dem Zeitgeist angepasst werden und man daher von der "Noir-Norm" der 1940er teilweise abweicht, versteht sich ja im Grunde von selbst, schließlich liegt die Phase der Filme, die man rückblickend dem klassischen Noir zuordnet, bereits zehn Jahre zurück und der Kriminalfilm hat sich in Hollywood entsprechend entwickelt und den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen angepasst (s. auch die Überschrift des Threads "Tradition in neuem Gewand").

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Da bin ich doch sehr gespannt auf "Die Nadel", zumal ich spontan keine Erinnerungen mehr an diese Episode habe. Im Hinblick auf "Nur ein Schuh" sind wir uns jedenfalls wieder weitgehend einig...


    Folge 3: Nur ein Schuh

    Frau König wird tot in ihrem Haus aufgefunden. In ihrer Hand hält sie einen Schuh. Ein erster Verdacht fällt auf einen jungen Mann namens Steinitz, der mit Frau König ein Verhältnis gehabt haben soll. Zwei ältere Damen haben ihn am Tatabend gesehen...

    Nach Wolfgang Becker in der letzten Folge saß bei der dritten Episode wieder Helmuth Ashley am Ruder. Den Ermittler mimt kein geringerer als "Hexer" René Deltgen, dessen Kriminalkommissar Wagner in Teilen ein vorweggenommener Kommissar Keller ist. So dutzt auch Wagner seinen Assistenten väterlich und nennt ihn gar verniedlichend "Paulchen". Deltgens Charisma trägt die Episode, die inhaltlich tatsächlich etwas unspektakulärer als die Vorgänger und in der Auflösung ein wenig nach Schema F ausfällt. In dieser entlockt Wagner dem Täter mit einem alten "Bauerntrick" ein indirektes Geständnis. Im Übrigen bietet "Nur ein Schuh" ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern. Auffällig ist, dass einige spätere Serienhelden dem "Kriminalmuseum" ihre Aufwartung machen. Von Konrad Georg alias Kommissar Freytag als betrogener Ehegatte der Toten über Claus Wilcke alias Percy Stuart bis hin zu Maria Sebaldt, die zukünftig an der Seite von Alexander Kerst in "Gewagtes Spiel" Versicherungsbetrügern nachjagen sollte. Vor eine harte Geduldsprobe wird der Zuschauer durch die beiden völlig überzeichneten alten Damen gestellt, die als Nachbarn der Toten mit ihren Beobachtungen dem Kriminalkommissar mehr oder weniger wertvolle Hinweise geben.


    René Deltgen als charismatischem Ermittler hätte man einen etwas ideenreicher konstruierten Fall gewünscht, auch das alte Geschwisterpaar als Zeugen hätte man ihm und dem Publikum gerne erspart. Der im Übrigen gut und recht prominent besetzte Cast entschädigt jedoch ein wenig für diese Kritikpunkte. 3,5 von 5 Punkten.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Magst du uns da auch noch Gründe mitteilen, warum "Die Lady in Zement" deiner Meinung nach mit Noir nichts zu tun hat? Ein apodiktischer Satz ist mir da ein bisschen wenig. Hier wird er jeweils als Neo Noir eingestuft:

    https://der-film-noir.de/v1/node/1075

    https://en.wikipedia.org/wiki/Lady_in_Cement

    Ich hab auch den einen oder anderen klassischen Film Noir und Neo Noir gesehen und wüsste nach Sichtung des Films nicht, was einer derartigen Einschätzung entgegenstünde.

  • Foren-Beitrag von Ray im Thema

    Bei der Erstsichtung vor einigen Jahren hätte ich wohl auch nicht gedacht, dass es zu einer vierten Betrachtung kommen würde. Aber dann kam die Anschaffung der DVD-Box und dann zwei chronologische Sichtungen der Wallace-Reihe, wo man halt "muss".

    Der einzige uneingeschränkt positive Aspekt des Films ist in der Tat die Musik von Nora Orlandi. Aber da hört man sich diese besser mit den anderen Melodien auf der CD "Best of Edgar Wallace" an, als sie zusammen mit den Bildern des Films ablaufen zu lassen. In wenigen Momenten kommt Geisterbahngrusel-Stimmung und damit im Ansatz so etwas wie Wallace-Atmosphäre auf, vor allem in der Szene, in der Kinski mit Kronleuchter die Stufen des Hauses hinaufsteigt und im Hintergrund das Gewitter tobt. Damit hat es sich aber im Grunde. Die Exposition ist abgesehen von der ungeschickten Spielzeugauto-Crash-Szene sehr gehetzt. Ohne dass man die Figuren wirklich kennen gelernt hat, wird dem Zuschauer in Windeseile vermittelt, dass Helen und John verheiratet sind, Helen aber wohl eine lesbische Beziehung zu Liz unterhält und offenbar eine Trennung bzw. Scheidung im Raume steht. Ruckzuck ist Helen tot und die Frage nach den Hintergründen kommt auf. Eine im Ansatz nicht uninteressante Ausgangssituation wird durch trashige Elemente nahezu vollends zu nichte gemacht. Diese setzen mit dem ersten Auftritt Christiane Krügers ein. Ihre Dialoge mit Kinski sind mies synchronisiert und inhaltlich zum Fremdschämen. Getoppt wird das Ganze dann in der Szene, in der der Softporno aufgeführt wird, in der vermeintlich Helen mitspielt. Problematisch ist ferner, dass Kinski abwesend und teilweise lustlos agiert, weswegen seine Figur trotz des im Ergebnis üblen Spiels, das mit ihr gespielt wird, kaum Sympathien erntet. Die weiteren Figuren sind nur rudimentär herausgearbeitet, was dem Rätsel-Faktor überaus abträglich ist. Von technischer Warte erweist sich der Film abgesehen von den bereits erwähnten Höhe- und Tiefpunkten unter dem bisher gewohnten Niveau. Viele Einstellungen wirken stümperhaft und unüberlegt. Mit dem "Abdriften" des Films (Auftritt Krüger, Softporno) setzt zudem rasch akute Langeweile ein.

    Nicht wirklich nachvollziehbar bleibt es, warum man nach diesem einmaligen Flop mit völlig veränderter Herangehensweise nicht auf die bewährte Schiene zurückkehrte, auf der man bis einschlißelich zum Vorgänger immer noch gutes Geld machte. Vohrer war zwar nicht mehr verfügbar, aber Reinl oder eben schon Harald Philipp wären doch sicher in der Lage gewesen, einen "typisch deutschen" Wallace zu drehen, der dem Publikum wieder mehr zugesagt hätte.

    Insgesamt hinterlässt "Das Gesicht im Dunkeln" durch die amateurhaften Auto-Crashs, die überwiegend schwache Kameraarbeit, die öden Erotik-Einlagen, die mitunter peinlichen Dialoge, die streitbare Farbgebung und den Mangel an sympathischen und interessanten Figuren einen in gewisser Weise "schmuddeligen", abstoßenden Eindruck. Interessant ist dann eigentlich nur noch, ob man den Film besser oder schlechter einschätzt als den ebenfalls misslungenen "Gorilla". Habe ich beim letzten Mal noch dem "Gesicht" den Vorzug gegeben, tendiere ich diesmal eher dazu, die "Ehre" des "Gorillas" zu retten und dem "Gesicht" daher nur 1,5 von 5 Punkten zu geben.

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Ray
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