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Dieses Thema hat 50 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

04.01.2008 16:24
Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Hallo,

um dieses Forum etwas „aufzulockern“ fange ich einmal eine neue Diskussionsrunde an. Was hält Ihr von den französischen Kriminal- und Gangsterfilmen bzw. welches sind Eure Favoriten:

Persönlich liebe ich dieses Genre, das ebenso vielfältig ist wie der Italo-Western und ebenso viele Klassiker hervorbrachte, wenn auch kein „Spiel mir das Lied vom Tod“ dabei ist. Ich gebe hier einmal meine 25 Lieblingsfilme vor, vielleicht könnt Ihr sie durch weitere Filme ergänzen („Borsalino“ ist der einzige Film, den ich nie sah, daher auch nicht in der Bewertung):

  1. Der Clan der Sizilianer
  2. Vier im Roten Kreis
  3. Das Mädchen und der Kommissar
  4. Der Coup
  5. Angst über der Stadt
  6. Der Greifer
  7. Der Swimming-Pool
  8. Der Chef
  9. Der Mann aus Marseille
  10. Der Killer und der Kommissar
  11. Der Bulle
  12. Der Erbarmungslose
  13. Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen
  14. Nada
  15. Der Körper meines Feindes
  16. Der Profi
  17. Der Außenseiter
  18. Rette Deine Haut, Killer
  19. Der Eiskalte Engel
  20. Außer Atem
  21. Neun im Fadenkreuz
  22. Schüsse aus der Manteltasche
  23. Ein Bulle sieht rot
  24. Endstation Schafott
  25. Ein toller Bluff
Joachim.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.510

04.01.2008 16:28
#2 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Ich habe zwar die Filme "Der Clan der Sizilianer", "Der Coup", "Angst über der Stadt", "Der Greifer", "Der Körper meines Feindes" und "Der eiskalte Engel" in meiner Sammlung, allerdings noch nicht gesehen. Das französische Kino allgemein konnte mich aber bisher nicht begeistern, da sind einfach italienische Gangster-Filme wie "Der Mafiaboss" mit Adorf oder "Milano Kaliber 9" kaum zu schlagen!

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

04.01.2008 16:41
#3 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Ist nicht mein Spezialgebiet, aber ein paar habe ich mir angesehen.

Das Mädchen und der Kommissar: Finde ich ganz stark (Romy Schneider ist in den französischen Filmen eigentlich allein schon sehenswert: Nachtblende / Trio Infernal!). Der Film ist spannend und gut durchdacht - starkes Paket. 5 von 5 Punkten.

Der Swimming-Pool: Habe ich bei mir herumliegen, aber noch nicht angesehen.

Der Bulle: Habe ich aus der "Jean Gabin Collection 2". Ebenfalls ein toller, stimmungsvoller Film, in dem die Action-Szenen ein bisschen erzwungen wirken. 4 von 5 Punkten.

Der Killer und der Kommissar: Aus der gleichen Collecton, ist sowohl von der DVD (Bild ist mies!) als auch vom Film her schwächer - hält nicht, was er verspricht! Die Besetzung liest sich toll, aber Fabio Testi übertreibt meiner Meinung nach, und Gerard Depardieu hat nur einen Kurzauftritt. Uschi Glas überzeugt überraschenderweise. Keine Spannung, schlechte Story, lustlose Schauspieler. 1 von 5 Punkten.

Die anderen kenne ich nicht.

Happiness IS the road! (Marillion)

Mike Pierce ( gelöscht )
Beiträge:

04.01.2008 17:12
#4 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

"Das französische Kino" ist nicht so mein Genre.

Dennoch hier einige Filme:

"Der Mörder", 1962 - FR / BRD / IT, mit Gert Fröbe
"Fahrstuhl zum Schafott", 1958 - FR, mit Maurice Ronet
"Das Geheimnis der falschen Braut", 1968 - FR / IT, mit Jean-Paul Belmondo
"Maigret kennt kein Erbarmen", 1959 - FR / IT, mit Jean Gabin
"Endstation Schafott", 1973 - FR / IT, mit Mimsy Farmer

Diese Filme sehe ich gerne.

elvis Offline




Beiträge: 248

04.01.2008 17:42
#5 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Hier hat @Joachim Kramp endlich einmal ein interessantes Thema aufgemacht, wo man ein paar Hundert Filme besprechen könnte, die in der Mehrzahl alle den Edgar-Wallace-Filmen überlegen sind. Wenn @Fabi88 den italienischen Mafiafilm heraushebt und ihn besser findet als die französischen Gangsterfilme, ringt mir das nur ein müdes Lächeln ab. Das beweist nur, dass er die guten französischen Kriminal- und Gangsterfilme gar nicht kennt.

Ich möchte nur kurz noch einiges von Jean Gabin erwähnen, die allesamt hochkarätig sind und bestimmt jeden Krimiliebhaber begeistern:

Wenn es Nacht wird in Paris
Lautlos wie die Nacht
Razzia in Paris
Le Rouge est mis (von 1957, eine absolute Granate)
oder die drei Kommissar-Maigret-Verfilmungen, ebenfalls das Beste was es hier gegeben hat

Dann denke ich an Lino Ventura mit:

Ganoven rechnen ab
Der Panther wird gehetzt
Der zweite Atem
Das Raubtier rechnet ab

Diese Filme sind meiner Meinung nach jedem italienischen Gangsterfilm überlegen, weil das die Franzosen einfach besser konnten, hier kann ich noch jede Menge mehr an Beispielfilmen bringen.

Beste Grüße
Elvis

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

04.01.2008 17:47
#6 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Stimme Dir voll zu - die genannten Film gehören selbstverständlich ebenfalls hinzu. Nur wollte ich nicht direkt alle Filme aufzählen, sondern auch für andere Forumsmitglieder Gesprächsstoff lassen. Was Lino Ventura betrifft, gehört er zu meinen Lieblingen - zwei Filme, die Zwitter aus Krimi- und Spionagefilmen sind, seien hier noch erwähnt: Ich, die Nummer Eins und Der Maulwurf.

Joachim.

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.510

04.01.2008 18:02
#7 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Zitat von elvis im Beitrag #5
Wenn @Fabi88 den italienischen Mafiafilm heraushebt und ihn besser findet als die französischen Gangsterfilme, ringt mir das nur ein müdes Lächeln ab.

Das mag sein, aber mir sagen schlecht gemachte, politisch unkorrekte und höllisch unterhaltsame Filme mehr zu als Filme, die ihre Spannung eher gemächlich aufbauen ...

elvis Offline




Beiträge: 248

04.01.2008 19:44
#8 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Diese Aussage lieber Fabi bestärkt nur meine Vermutung, du hast die betreffenden Filme nie gesehen. Von wegen "Spannung nur gemächlich aufbauen", da lache ich aber!

Gruß
Elvis

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.510

04.01.2008 19:48
#9 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Sicher, "Der Coup" und Co. sind Actionfilme, aber ich spreche vom französischen Kino allgemein. Und "Der eiskalte Engel" ist nicht für farbenfrohe Gestaltung, wilde Schießereien und einen Big-Beat-Soundtrack bekannt, oder?

Havi17 Offline




Beiträge: 2.948

04.01.2008 19:56
#10 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Zitat von Fabi88 im Beitrag #7
Das mag sein, aber mir sagen schlecht gemachte, politisch unkorrekte und höllisch unterhaltsame Filme mehr zu als Filme, die ihre Spannung eher gemächlich aufbauen ...

Das ist eine Aussage, kann ich so auch voll akzeptieren, auch wenn für mich die hohe Kunst, Spannung zu erzeugen, eben darin liegt, dies "anders" zu tun.

@Joachim Kramp: Ein guter Thread. Ich bin ebenfalls ein großer Fan von Lino Ventura. Es gab ja auch mal einen Thread, wo nach "Lieblingsschauspielern" gefragt wurde. Von den genannten Filmen zähle ich zu meinen Favoriten:

Der Panther wird gehetzt
Der zweite Atem
Das Raubtier rechnet ab
Angst über der Stadt
Der Greifer
Der Profi
Der Außenseiter
Ein toller Bluff
Der Maulwurf

Weiterhin fällt mir ad hoc ein: I wie Ikarus, Der Coup, Baraka Agent X13, Der Puppenspieler, Adieu Bulle, Der Mann aus Marseille, Die Haut des anderen, Ertrinken verboten, Letzter Sommer in Tanger, Mord im Fahrpreis inbegriffen, Tödliche Angst

Gruß
Havi17

Fadecounter Offline




Beiträge: 2.081

04.01.2008 20:37
#11 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Borsalino ist einer der bestgemachten Gangsterfilme des französischen Films. Auch die Fortsetzung, Borsalino und Co., kann sich mit der internationalen Konkurrenz messen.

Der beste Regiesseur ist für mich Claude Chabrol. Nada, von ihm gedreht, ist allerdings nicht ins Krimigenre einzustufen, da es sich hier um einen Thriller mit realem politischem Hintergrund handelt.

Georg Offline




Beiträge: 2.773

14.09.2011 22:14
#12 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

DER KILLER UND DER KOMMISSAR (Le tueur / Il commissario Le Guen e il caso Gassot)
Frankreich / BR Deutschland / Italien 1972

Der gefährliche Killer Gassot (Fabio Testi) kann durch einen Trick aus einer Klinik ausbrechen und fliehen. Auf der Flucht lernt er die deutsche Prostituierte Gerda (Uschi Glas) kennen, mit der er nach Südamerika will. Kommissar LeGuen (Jean Gabin), der Gassot schon einmal hinter Gitter gebracht hat, will kurz vor seiner Pensionierung den gefährlichen Mann noch einmal hinter schwedische Gardinen bringen…

Das Duell, das keines ist

Alle Achtung, Produzent Horst Wendlandt ist hier in eine französische Krimiproduktion eingestiegen, die so gar nichts mit dem gewohnten Wallace-Schema zu tun hat und eine Bombenbesetzung aufweist: neben Jean Gabin als Kommissar spielen Bernard Blier dessen Chef und Gérard Depardieu einen Polizeispitzel. Fabio Testi ist als eiskalter, entflohener Killer zu sehen und Uschi Glas, von deutscher Seite beigesteuert, agiert als Hamburger Prostituierte Gerda in ungewohntem Milieu. Klingt alles nicht so schlecht, doch der Film kommt nicht richtig in Fahrt. Das durch den deutschen Titel suggerierte Duell zwischen dem Killer und dem Kommissar findet nämlich nicht statt. Vielmehr verlaufen die Handlungsstränge parallel, da auch die Geschichte mit Uschi Glas als Geliebter des Killers eingebaut wird, wäre ein Titel wie "Der Killer, der Kommissar und das Mädchen" angebrachter gewesen. Nicht einmal am Ende des Films stehen sich Testi und Gabin gegenüber. Der französische Originaltitel lautet übersetzt etwa "Der Killer" (so auch der außerordentlich "originelle" internationale Titel ("Killer")) und fokussiert somit eigentlich nur den 2. Hauptdarsteller. Die Produktion bleibt jedoch ein Gabin-Film: wenn er da ist, stehen alle anderen im Schatten, dabei ist seine Darstellung des mürrischen, kurz vor der Pension stehenden Polizisten, der noch einmal seinen großen Fall abschließen will, gar nicht besonders neu. Gabin spielt immer Gabin, egal in welchem Film. Die Inszenierung von Denys de la Patellière, der zu Gabins Stammregisseuren zählte, und der hier auch das Drehbuch schrieb, ist eher ruhig, aber durchaus akzeptabel. Dennoch kommt der Film nicht richtig in Fahrt. Fabio Testi knallt der Reihe nach - grundlos - irgendwelche Leute ab und kann in seiner Rolle keine große Herausforderung gesehen haben. Überhaupt wirkt er - und das muss man der Regie anlasten - in vielen Szenen fast zu sympathisch. Uschi Glas hingegen spielt sehr gut und legt die Rolle der Prostituierten ruhig, traurig und depressiv an. Die Bildgestaltung durch Claude Renoir, den Enkel des berühmten Malers, ist durchaus stimmig, vor allem die letzten 10 Minuten, die auf dem nebeligen Land spielen, sind unheimlich gut eingefangen.

Ein großer Pluspunkt des Films ist die geniale Musik von Hubert Giraud, der das Thema immer wieder variiert und am Ende sogar mit einem Gesang von Ricky Shayne untermalt, der mit extrem starkem englischen Akzent auf Französisch das Chanson "C'était un homme" zu den Klängen der Titelmusik singt.

Bei der Synchronisation müssen übrigens besonders "talentierte" Leute agiert haben, so ist nämlich gezählte vier Mal Gerd Martinzen mit seiner markanten Stimme zu hören! Jedoch jedes Mal für eine andere Rolle!

Insgesamt ein etwas lascher Film mit großer Starbesetzung. Denys de la Patellière, den ich als Regisseur sehr schätze und der mit Gabin und Louis de Funès in "Le tatoué" (Balduin, das Nachtgespenst) einen meiner Lieblingsfilme gedreht hat, kann das bei weitem besser ...

Regie und Buch: Denys de la Patellière, Kamera: Claude Renoir, Musik: Hubert Giraud, Produktion für Rialto Film: Horst Wendlandt, Mit: Jean Gabin, Fabio Testi, Uschi Glas, Gérard Depardieu, Bernard Blier, Félix Marten u.v.a.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 379

18.09.2011 21:07
#13 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

DER ENGEL, DER EIN TEUFEL WAR
(Frankreich 1956, Original: Voici le temps des assassins)


Handicap dieses hochatmosphärischen, abgründigen französischen Psychothrillers ist die zu Grunde liegende unglaubwürdig gestaltete bzw. gespielte Figurenkonstellation - hier würde ich kaeuflins Einschätzung zu „Gewagtes Alibi“ zutreffend finden, nämlich dass die Chemie zwischen den drei Hauptpersonen nicht stimmt, der Funke nicht zündet, alle Obsessionen lahm und unterkühlt wirken. Held des Films ist der sympathische, wohlhabende Starkoch Andre Chatelin, der im Herzen von Paris ein gut gehendes Restaurant betreibt, nur für seine Arbeit lebt und alles Privatleben auf ein Minimum reduziert hat, gelegentlich lässt er sich von seiner Haushälterin und seiner Mutter – beides verkniffene, tyrannische alte Frauen – maßregeln, unterhält ein väterliches Verhältnis zu einem jungen Studenten, scheint sonst glücklich in seinem Reich, zwischen Gaststube, Küche und Wohnung, im Kontakt mit Kundschaft und Personal. In dieses überschaubare und vermeintlich zufriedene Leben platzt eines Tages ein junges Mädchen, Tochter seiner Ex-Frau, von der er seit zwanzig Jahren geschieden ist. Sie schleicht sich mit einer rührenden Geschichte in sein Herz, führt allerdings Böses im Schilde. Der mit ihrer rauschgiftsüchtigen Mutter ausgedachte perfide Plan entwickelt eine verhängnisvolle Eigendynamik …

Während der Rest des Films durchaus psychologische Tiefe, geschärfte Beobachtung und schonungslose Blicke in die Abgründe menschlicher Handlungsweisen zeigt, funktioniert er bei der Transportierung der leidenschaftlichen Gefühle, die die drei Hauptpersonen umtreibt, nur sehr bedingt. Die Beziehung Jean Gabins zu der unvermutet aufgetauchten jungen Frau hat viel mehr den Anstrich eines Vater-Tochter-Verhältnisses als den einer abhängigen Liebe, die bis zur Ehe führt, ebenso funktioniert die Beziehung des Studenten zum Mädchen eher auf einer Bruder-Schwester-Ebene. Unglaubwürdig fand ich in dem Zusammenhang auch, dass es der Frau so einfach gelang, einen Keil zwischen die beiden Männer zu treiben. Und Danièle Delorme nimmt man zwar durchaus ihre Verzweiflung über ein als Marseiller Prostituierte verpfuschtes Leben an der Seite einer süchtigen Mutter ab, ebenso die kaltblütige Entschlossenheit, mit der sie ihre Ziele verfolgt, die Gefühle für die umgarnten Männer kann auch sie nur schwer „spielen“. Viel geschlossener wirken da andere Charakterisierungen: das von Verachtung und Verwahrlosung beherrschte Abhängigkeitsverhältnis zwischen den beiden Frauen, die Mutter von Jean Jabin, eine harte, kalte, selbständige Frau, die ein Gasthaus auf dem Land betreibt, gelegentlich ihre Dienstboten mit der Peitsche züchtigt und immer noch über das Leben ihres Sohnes bestimmen will, nicht unschuldig ist an seiner Beziehungsschwäche, die wechselnden, mit feiner Ironie gezeichneten Gäste des Restaurants. Jean Gabin spielt – wie Georg oben schon treffend angemerkt hat – immer sich selbst, macht das hier aber auf einer sehr sympathische, etwas bärbeißige Art, die Mitleid mit seiner Figur, Anteilnahme an seinem Schicksal erzeugt. Von einer eindringlichen Intensität sind die Bilder, mit der Regisseur Julien Duvivier sein teilweise quälend realistisches Schauerstück – das trotz fast zweistündiger Laufzeit nie langweilt – ausstattet: düstere, einsame, fast apokalyptische Landschaften, grau, kahl und winterlich, das vibrierende Leben der alten Markthallen im Zentrum der Stadt, Straßenszenen und Häuserfronten des 50er-Jahre-Paris, Wohnungen, die in ihrer altmodischen Überladenheit kaum atmen lassen, die schäbige Absteige, in der sich die Mutter im Rauschgiftwahn windet. Und auch das schnelle, kompromisslose Ende jagt einem eine Gänsehaut über den Rücken.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 379

22.09.2011 16:35
#14 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

LAUTLOS WIE DIE NACHT
(Frankreich 1962, Original: Mélodie en sous-sol)


Ein alternder Krimineller plant seinen letzten großen Raub, um sich mit der Beute für den Rest seines Lebens zur Ruhe setzen zu können, nimmt dafür Kontakt zu einem jungen Kollegen auf, der ihm die Laufarbeit abnehmen soll ... Gern münden solche Geschichten in Blut und Gewalt, Verrat und Tod – dieses flotte französische Gangsterstück zeigt eine jugendfreiere Version, die auf spannende Weise unterhält, dabei auf billige Scherzereien verzichtet und mit einem perfiden Ende einen adäquaten Schlusspunkt setzt. Gelegentlich hätte der Film vielleicht eine kleine Straffung vertragen, die kühle, elegante 60er-Jahre-Schwarzweiß-Atmosphäre sorgt zusammen mit der musikalischen Untermalung für einen stylischen Touch, der die Coolness der Geschichte und die seiner Ausführenden auf eine angenehme Weise erhöht, ohne dabei zu übertreiben oder überzeichnen.

Die erste Filmhälfte schildert die Rückkehr des alten Gangsters nach ein paar Jahren Zuchthaus in eine fremd gewordene, moderne, hektisch-laute Welt der Hochhaussilos und geänderten Wertvorstellungen, zu einer müden, abgeklärten Ehefrau, die genug hat von den Unsicherheiten und Überraschungen, das ein Leben an seiner Seite bereithält sowie die Vorbereitung für den großen Coup, die Beraubung eines Spielcasinos in Cannes, und die Kontaktaufnahme mit den Komplizen, im zweiten Teil erleben wir die Ausführung des komplexen, raffinierten und von einigen Unwägbarkeiten gekennzeichneten Raubüberfalls, dessen gelungener Verlauf einen bösen Dämpfer erhält. Schade, dass in diesem zweiten Teil die gesellschaftskritischen Reflexionen und plastisch gestalteten Figuren-Charakterisierungen, die dem ersten Teil der Handlung Tiefgang verliehen haben, verloren gingen, man sich nur noch auf die Naturschönheit der französischen Mittelmeerküste und der zugegebenermaßen schweißtreibenden Ausführung und das letztendliche Scheitern des Raubes konzentriert hat. Jean Gabin und Alain Delon verkörpern ihre Figuren mit genau der richtigen Mischung aus Kaltschnäuzigkeit, krimineller Zielstrebigkeit und Phantasie, die man wohl nötig hat, um ein solches Verbrechen durchzuführen, die Frauen bleiben nur hübscher Aufputz, Mittel zum Zweck oder – wie die Ehefrau bzw. Mutter – ungehörte Ruferinnen in der Wüste.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

24.07.2012 22:16
#15 RE: Französische Kriminal- und Gangsterfilme Zitat · antworten

Angst über der Stadt
Orginaltitel: Peur sur la ville / Regie: Henri Verneuil / 1975 / Produktionsland: Frankreich, Italien

Inspektor Letellier (Jean Paul Belmondo) ermittelt in einem Mordfall, bei dem das weibliche Opfer zuvor per Telefon bedroht worden war. Obwohl Letellier gleichzeitig auch noch den Bankräuber Marcucci aufwendig verfolgt, wird er mehr und mehr in den Mordfall hineingezogen, der sich als Serientäterfall entpuppt. Bald schon meldet sich der Killer Minos vor jedem weiteren Mord bei Letellier. Offensichtlich will der Killer gegen allein lebende Frauen vorgehen. Als Letellier Marcucci endlich festgesetzt hat, bläst er zum Angriff auf den geheimnisvollen Minos ...

Ich habe den Film an sich eigentlich als ziemlich gut empfunden, da ich das französische Action- und Thriller-Kino sehr schätze.

Insgesamt ein von Jean Penzer ansprechend fotografierter Film mit guten Darstellern. Belmondos Stunts werten den Film natürlich deutlich auf, aber auch seine zynische und kaltschnäuzige Ermittlungsart hat mir sehr zugesagt. Der Film fängt sehr atmosphärisch an und wir werden gleich in die Handlung eingeführt, indem wir "Minos" (so nennt sich der Serienkiller) am Telefon hören, wobei er eine Frau durch seine Morddrohungen in den Tod treibt. Der Anfang des Films von der ersten bis ca. zur 30. Minute ist meiner Meinung nach atmosphärisch sehr dicht.

In der Mitte legt der Film deutlich an Action zu, dafür gibt es hier auch die meisten Logikfehler. Und wo man anfangs noch eine Whodunit-Handlung vermutet, da der Mörder nicht gezeigt wird und man immer nur seine schwarzen Handschuhe sieht (ja, auch hier wieder), wird man nach dem ersten Mord, den man live miterlebt, arg enttäuscht, denn unser Mörder ist eine ziemlich alberne Figur (meine Meinung). Hätte man ihn als den "schwarzen Mann" agieren lassen, hätte der gesamte Film viel besser funktioniert und man hätte es immer noch gut mit dem Action-Anteil verbinden können (wie z.B. bei "Feuerstoß", einem Whodunit mit viel Action). Aber da wir den Mörder nach dem ersten bzw. zweiten Mord schon sehen und Belmondo ihm auch gleich gefährlich nah kommt (viel zu nah, meiner Meinung nach), war ich persönlich erstmal sehr enttäuscht.

Enthält Spoiler!

Der größte Logikfehler war vor allem an dieser Stelle für mich, dass Belmondo sowie sein Kollege den Mörder an der Treppe im Haus gesehen haben und Belmondo ihm auch auf den Dach ein paar mal ins Gesicht sieht. Dann später, als er in der Wohnung der Frau ist, die er beschützen möchte, erkennt er den Mörder aber nicht, obwohl dieser eine auffällige Frisur hat und eine Sonnenbrille trägt. Das hat mich an dem Film eigentlich am meisten gestört. Zudem hätte man sogar aus dem Film ein Whodunit machen können, denn wenn der Mörder schon im Krankenhaus arbeitet und er mehrmals im Film auftritt, wäre es ein Leichtes gewesen, einen schönen spannenden Whodunit-Action-Thriller daraus zu machen. Für mich verliert der Film dadurch, wie schon erwähnt, sehr an Spannung, da der Film mir so, wie er ist, einfach zu wenige Wendungen bietet, vor allem im Vergleich mit anderen Belmondo-Filmen.

Das Ende war mir etwas zu utopisch mit Hubschrauber, dafür brachte es jedenfalls Action, eine normale Verfolgungsjagd durch Paris als Filmende wäre mir lieber gewesen, aber man kann schließlich nicht alles haben.

Auch wenn sich das jetzt sehr kritisch anhört, ist der Film trotzdem sehr gut, hat ein gutes Tempo und teils herausragende Actionsequenzen. Das hebt den Film in die obere Mittelklasse. Die Musik von Ennio Morricone ist, finde ich, nicht herausragend und an ein paar Stellen fehlt (mir) die musikalische Untermalung komplett.

Ich gebe 7,5 von 10 Punkten (gut) + Wohlfühlpunkte, trotz mancher hier aufgezählter Schwäche.

Gruß
Janek

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