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  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Zitat von Tarzan im Beitrag #62
    Zitat von Mr. Igle im Beitrag #60
    Ist es das? Vieles war auch stilistisch bereits schon durch die Romane vorgegeben. Joachim Kramp hat - trotz seiner bekannten "Affenliebe" zu Reinl - stets betont wie wichtig der Einfluss Hummels als Wallace-Kenner und vor allem von Egon Eis als Autor für die frühen Wallace-Filme war. Kramp hat hierbei hervorgehoben, dass der Stil der ersten beiden Wallace-Filme vor allem in Sachen Atmosphäre, Härte und "eiskaltem Touch" konkret durch die Drebücher von Eis vorgegeben wurde. Die haben Reinl und Roland jeweils simultan umgesetzt. ...



    Dann frage ich mich, weshalb Bartsch (Reinls Drehbuchmann) beim "Frosch" als Bearbeiter des Eis-Buches genannt ist. Genau jener Herr Bartsch, der, siehe einen Beitrag zuvor, beim Drehbuch zum hochgelobten "Der unheimliche Mönch" beteiligt ist. Reinl hat wegen Bartschs Bearbeitung mit Sicherheit nicht ganz konsequent das Eis-Drehbuch umgesetzt. Das halte ich persönlich für sehr unwahrscheinlich. - Der allerwichtigste Mann bei der Entwicklung der Wallace-Reihe wurde hier bislang noch gar nicht genannt. "Das Wunderkind des deutschen Films", Horst Wendlandt, hat mit ziemlicher Sicherheit, wie später bei Karl May, auch hier die Zügel in die Hand genommen und die maßgeblichen Veränderungen in die Wege geleitet. Alfred Vohrer führte sicherlich die ein oder andere Idee seines Produzenten aus. Vohrer war ein wahnsinnig toller Handwerker, der bei Wallace am Set über sich hinaus gewachsen ist.


    Wendlandt hat mit Vohrers Stil herzlich wenig zu tun - Vohrers typische Stilmittel ziehen sich durch sein gesamtes Werk, egal, wer produziert hat.

    Der Frosch profitiert von dem wirklich guten Drehbuch, der weitgehend exzellenten Besetzung und der handwerklichen Kompetenz von Reinl, der das Geschehen in passende Bilder umsetzt und den richtigen Rhythmus findet. Keiner der vier weiteren Reinl-Wallaces kommt an den Erstling ran, ich halte sie sogar bis auf den "Fälscher" für ziemlich durchschnitlich. Jürgen Roland schlägt mit dem Kreis in eine ähnliche Kerbe wie Reinl beim Frosch und macht seinen Job genau so gut. Der verunglückte Bogenschütze ist natürlich ein anderes Thema, so einen (verhältnismäßigen) Ausfall hatte Reinl bei Wallace nicht. Frosch und Kreis sehe ich als Prototypen für spätere Werke, die noch ein wenig in der Tradition von Fritz Lang stehen, gepaart mit einer gewissen Wirtschaftswunder-Hemdsärmeligkeit und einem Blick nach England. Das funktioniert wunderbar und ergibt tolle Filme, aber den wirklichen stilistischen Startschuss haben Vohrers Augen gegeben, der zu Recht immer wieder als bester deutscher Wallace-Film genannt wird.
    Alle Wallace-Klischees, die gern zitiert und parodiert werden, gehen auf die typischen Vohrer-Trademarks zurück.

    Karl May sollte man hier ausklammern, das ist klar Reinls Baustelle. Vohrers Filmen merkt man an, dass er mit dem Blutsbrüder-Kitsch arg hadert. "Old Firehand" ist dafür sicherlich der stärkste und interessanteste Beleg. Man merkt immer wieder ein Schielen Richtung Italien, aber letzten Endes kämpft Vohrer nur gegen Drehbuch und Figuren, die in diesem Falle Windmühlen sind. Ein schönes Scheitern, sozusagen.

  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Zitat von Jan im Beitrag #45

    Da er nun oft angesprochen wurde: Alfred Vohrer war nach allem, was ich von Hinterbliebenen in Erfahrung bringen konnte, ein weitgehend unpolitischer Mensch. Er war nachweislich niemals Mitglied in der NSDAP oder anderen NS-Verbänden oder -Vereinigungen. Auch war er nach dem Krieg bis zu seinem Lebensende nie (partei)politisch aktiv. Bekannt ist, dass er - wie so viele seinerzeit - einen Faible für Willy Brandt hatte, diesen jedoch nur im engsten Familienkreis zu erkennen gab. Welche politische Botschaft außer dem Genannten und vielleicht einigen wenigen weiteren Kleinigkeiten hätte er da in seine 14 Wallace-Filme einbauen sollen? Das ist abwegig! Auch Vohrer unterlag dem Ziel der Umsatzmaximierung. Und er litt darunter zeitlebens. Der Spagat zwischen Kunst und Kommerz war ihm aus seiner Sicht immer zu sehr in Richtung Kommerz gelungen. Nicht zuletzt auch zugunsten des eigenen Kommerzes wohlgemerkt. Vohrer konnte weder mit Edgar Wallace aber erst recht nichts mit Karl May anfangen. Seine Welt bestand aus Bach, Brahms, Hemingway, Karajan und Bernstein. Verwirklichen konnte er zeitlebens davon filmisch aber kaum etwas. Ich denke aber nicht, dass er deswegen behauptet hätte, dass seine Wallace-Filme eine entsprechende Botschaft hatten. Er wusste zeitlebens, was er da machte und das unterschied ihn von manch einem seiner Kollegen.

    Gruß
    Jan



    Jetzt wird es interessant. Du scheinst ja bezüglich Alfred Vohrer noch andere Quellen zu haben als die bekannten. Interviews mit Eva Ebner und anderen Kollegen und Schauspielern zufolge war Alfred Vohrer hundertprozentig schwul. Meines Wissens ist er auch mit seinem langjährigen Lebensgefährten Herbert begraben.
    Dies in Unterhaltungsfilmen als Subtext einzubauen, ist in den 60ern in Deutschland mit Sicherheit ein ziemliches Novum gewesen und macht ihn damit aus meiner Sicht durchaus zu einem Vorreiter im Kampf für eine offenere Gesellschaft. Natürlich wurde er ab den späten 60ern komplett überrollt von Fassbinder, Rosa von Praunheim und anderen, die im Zuge der gesellschaftlichen Revolution ganz anders und viel offener damit umgegangen sind.

  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Zitat von Tarzan im Beitrag #31
    Also Gottlieb wie Reinl zu sehen, bringt mir schon ein gewisses Schmunzeln auf die Lippen. Reinls Handschrift ist unverkennbar, der steht bei Wallace und May über Vohrer (aus meiner Sicht).


    Was würdest du denn als typische Charakteristika der Reinl-Handschrift beschreiben?

    Bei mir liegt ganz klar Vohrer oben.

  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    ...und Herbert Reineckers braune Vergangenheit ist auch hinreichend bekannt. Schwieriges Thema, aber ich denke, dass man so etwas zwar nicht ganz verdrängen sollte, aber Kunst und Künstler durchaus trennen kann.
    Apropos Künstler, Alfred Vohrer ist der einzige (deutsche) Wallace-Regisseur, dem ich eine echte Handschrift attestiere, Handwerker waren Reinl, Gottlieb und Konsorten. Seine typischen Stilmittel vom Schock-Zoom bis zur expressiven Schauspielerführung ziehen sich durch sein gesamtes Werk und selbst seine späteren Derricks erkennt man ziemlich leicht. Dass auch Handwerker gute Filme drehen können, will ich damit gar nicht negieren.
    Aber von Alfred Vohrer bin ich echter Fan, auch über den Wallace-Tellerrand hinaus.

    (Regisseure wie Jess Franco, Riccardo Freda oder Freddie Francis sind natürlich auch Künstler und haben eigene Handschriften, ihre interessantesten Filme sind jedoch nicht unbedingt im Wallace-Kosmos zu finden)

  • Wallace & Blu-rayDatum07.09.2019 20:08
    Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Dann werden sie wohl doch noch alle auf Blu-Ray kommen. Das ist toll. "Das Gesicht im Dunkeln" gibt es ja schon uncut in England, vielleicht wird die deutsche Scheibe ja beide Versionen enthalten. Für mich der am sträflichsten unterschätzte Wallace-Film.

    Und ja, auf den Affen freue ich mich auch, der macht sehr viel Spaß. Eigentlich alle aus der Liste mag ich auf ihre Art.

    Fehlen dann nur noch die beiden CCC-Filme.

  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Zitat von Andreas im Beitrag #17
    Mich befremdet die AfD Semantik hier enorm. Ich fühle mich im liberalen linksgrünen Spektrum wohl. Terror gibt es hier nicht. Hier gibt es Respekt, Demokratie, Freiheit, Umweltschutz, ein soziales Miteinander. Das Leben ist hier schön.


    Schön geschrieben, dem stimme ich absolut zu.

  • Foren-Beitrag von DerHexer im Thema

    Ich steige einfach mal mit einer möglicherweise etwas provokanten Beurteilung ein. Ich finde "Die Bande des Schreckens" grundsätzlich nicht übel, es gibt jedoch ein paar Kritikpunkte, aufgrund derer ich den Film bestenfalls im Mittelfeld der Reihe sehe. Für den Grand Prix bin ich leider zu spät, denn da gab es genau die entsprechenden Kategorien.

    Zunächst fällt die Kamera aus meiner Sicht deutlich gegenüber dem ab, was Ernst W. Kalinke im "Frosch" geleistet, um einen fairen Vergleich zu ziehen. Richard Angsts Kompositionen in z.B. "Der schwarze Abt" sind natürlich nochmal imposanter. Albert Benitz gelingen bei der "Bande" zwar ein paar expressionistisch angehauchte Einstellungen der Galgenhand, abgesehen davon finde ich die Fotografie verhältnismäßig routiniert. Die schlechten Rückprojektionen sind auch kein Ruhmesblatt und meines Erachtens noch viel störender - weil prominenter - als der Spielzeug-Crash im "Gesicht", der ja zudem nicht der Kamera, sondern dem Trick geschuldet ist. Da halte ich Platz 4 von 36 in der Kategorie Kamera im Grand Prix leider ungerechtfertigt. Das ist aber wohl dem geschuldet, dass Lieblingsfilme halt in vielen Kategorien gern gut bewertet werden. Für mich eine der schwächsten Kameraarbeiten der Reihe.

    Ein weiterer Kritikpunkt ist die aus meiner Sicht für Edgar-Wallace-Verhältnisse ebenfalls nicht herausragende Besetzung. Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp überzeugen wie gewohnt, wenn auch beide innerhalb der Reihe noch bessere Leistungen gezeigt haben. Joachim Fuchsberger spielt eine seiner besseren Rollen und kommt angehm lässig rüber. Karin Dor hingegen bleibt völlig blass und austauschbar. Auch Dieter Eppler, Ulrich Beiger und Karin Kernke spielen zwar solide, haben aber aus meiner Sicht nicht die Präsenz von beispielsweise Horst Frank, Werner Peters und Eva Pflug sie wahrscheinlich in den gleichen Rollen gehabt hätten.

    Die Geschichte an sich funktioniert und ist spannend, Harald Reinl inszeniert recht flott, wenn auch nicht so sehr wie noch im "Frosch".

    Die Musik muss ich hingegen in Schutz nehmen, sie hat weniger Ohrwurm-Charakter als spätere Thomas- oder Böttcher-Scores, unterstreicht das Gezeigte aber effektiv.

    Insgesamt also für mich eine recht gelungene Wallace-Adaption, die aber nicht zur Spitzengruppe der Reihe gehört.

    In Punkten wäre ich so bei 3 bis 3,5/5 für den dritten Rialto-Wallace ("Frosch" und "Kreis" sind für mich eindeutig stärker).

    Ach so, Karl-Heinz Kreienbaum spielt doch den Totengräber, oder?

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