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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 3.044

04.02.2016 16:29
#781 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #780
Entgegen seiner eigenen Antipathie gegenüber Hans-Jürgen Tögel schweigt sich Tappert Gentleman-like diesbezüglich aus.

Wo steht in seiner Autobiographie etwas gegen Hans-Jürgen Tögel? Daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Meinst Du vielleicht jenen Teil, in dem Tappert schreibt, der Regisseur ließ Derrick die Verdächtigen nur von hinten ansprechen? Maria Becker war laut Tappert in der Folge zu Gast. Bleibt nur ein Regisseur, den er meinen kann: Peter Deutsch und die Folge "Bleichröder ist tot".

Jan Offline




Beiträge: 1.428

04.02.2016 18:24
#782 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Da mag ich mich nun schwer vertan haben, denn Namen hatte Tapert im Negativen m.W. nirgendwo genannt. Ich habe da allerdings einen recht deutlich formulierten Rückschluss auf Tögel in Erinnerung, weil Tappert erwähnte, der betreffende Regisseur habe gottlob nur eine Episode inszeniert. Es ist aber länger her, dass ich das las. Wenn ich heute abend Zeit habe, gucke ich mal nach.

Gruß
Jan

Jan Offline




Beiträge: 1.428

05.02.2016 22:13
#783 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #782
Wenn ich heute abend Zeit habe, gucke ich mal nach.

Leider habe ich die Passage in Tapperts Buch bislang nicht wiederfinden können. Leider ist das Buch ja recht unübersichtlich und ich habe daraufhin einige Seiten durchgeblättert. Weißt Du noch, wo das mit dem Ansprechen steht?
Zitat von Blap im Beitrag #52
Folge 16 haut uns herrlich spritzige Dialoge um die Ohren, der Score poltert ab und an nicht minder energisch. Überhaupt scheint hier recht häufig der Popanz zu regieren. Wäre mehr Sex und Gewalt zu sehen, würde ich sofort auf eine von Alfred Vohrer inszenierte Episode tippen. Doch dazu bleiben die geeigneten Momente eine Spur zu brav. Ein Blick auf den Abspann verrät es, Dietrich Haugk führte Regie. "Tod der Kolibris" beschert der zweiten DVD-Box einen starken Auftakt, bitte mehr davon!

Diesen Abschnitt nahm ich nach dem Überfliegen des Threads zum Anlass, mir die Episode "Tod der Kolibris" einmal wieder zu Gemüte zu führen. Aus mir unerfindlichen Gründen hatte ich diesen Titel über Jahre als durchaus schwachen und getragenen Beitrag in Erinnerung, da ich, wie ich nun bemerkte, einen ganz anderen Inhalt in Erinnerung hatte.

Tod der Kolibris

EA: 11. Januar 1976
mit Horst Tappert, Fritz Wepper, Günther Stoll, Gerhard Bormann, Ernst Schröder, Sylvia Manas, Edith Heerdegen, Heinz Ehrenfreund, Benno Sterzenbach, uvm.
Buch: Herbert Reinecker
Kamera: Manfred Ensinger
Musik: Erich Ferstl
Regie: Dietrich Haugk

Inhalt: Ein aisatisches Mädchen im kunterbunten Seidenkleid irrt des Nächtens durch eine noble Wohnstraße Münchens und erliegt noch vor den Titelcredits ihrem Peiniger durch Messerstich. Ein übernächtigter Stephan Derrick trommelt nicht nur sein ganzes Team zusammen, sonern noch einige Mitarbeiter mehr, um einen gewissen Dr. Schleibnitz genau unter die Lupe zu nehmen. Immerhin hatten die Beamten einen telefonischen Tipp von Schleibnitz' Tochter bekommen. In der Tat erweist sich der honorige Herr mit den Fingern in allerlei dubiosen Geschäften kaum weniger verdächtig als sein schmalziger Geschäftspartner Judix. Als sich herausstellt, dass Schleibnitz mit seiner Firma nicht nur die straßenbaulichen Oberflächen Münchens saniert, sondern darüber hinaus auch ausgeprägte finanzielle Anteile an der Unterwelt der Metropole hält, kommen die Beamten langsam aber sicher auf die richtige Spur.

Bewertung: Wie in der mittlerweile über fünf Jahre alten Bewertung oben bereits umrissen, wähnt sich der Zuschauer in den ersten Minuten der Episode wie in der Auftaktsequenz eines Vohrer'schen Simmel-Films. Einerseits liegt das an der ungemein flotten Schnittfolge. Andererseits tut der famose Simmel-Dauervertoner Erich Ferstl sein Übriges dazu bei, dass echtes Seventies-Kinofeeling aufkommt. Dietrich Haugk giert gottlob nicht nur in den Szenen vor dem Derrick-Titel förmlich daanach, dem Zuschauer keine einzige Verschnaufpause zuzugestehen. Ganz im Stil so famoser Episoden wie Vohrers "Tote Vögel singen nicht" oder seines eigenen kleinen Meisterwerkes "Der Mann aus Portofino" brennt Haugk ein ganzes Pulverfass an schnellen Schwenks, raschen Zooms und flotten Schnitten ab. Den Darstellern gönnt er dabei keine ruhige Sekunde. Der ganze Cast wuselt sich 60 Minuten lang rast- und ruhelos durch die Geschichte. Der nette Gag, Derrick als übernächtigten und bissig-ironischen Staatsbeamten zu zeigen, gipfelt darin, dass der überarbeitete Oberinspektor allen Ernstes mit seinem Rasierapparat telefonieren will. Selbst in der Frühphase hat man selten eine Derrick-Episode gesehen, in der sich flott-flappsige Dialoge derart gut mit inszenatorischen Regieeinfällen ergänzen. Wen kümmert da schon großartig, dass man sich letztlich doch irgendwie fragt, warum die beiden Asiatinnen nun eigentlich getötet wurden. Haugk legt kaum Wert darauf, sonderlich plausibel zu bleiben oder tiefere Beweggründe zu zeigen. Er setzt ganz und gar auf Entertainment und liefert eine Episode ab, die sich zurecht nicht weit von seinem wohl gelungensten Beitrag zur Reihe "Der Mann aus Portofino" verorten lässt.

Wesentlicher Bestandteil des zündenden Erfolgs dieser Episode ist neben Haugks famoser Inszenierung und einem grandios agierenden Ensemble der Soundtrack Erich Ferstls. Der passionierte Trommler komponierte gleich drei eigene Themen für die übersichtlichen 60 Minuten und Haugk setzt sie gottlob gar verschwenderisch oft ein. Es gehörte stets zu den großen Gaben des Regisseurs, mit Musik handwerklich perfekt umgehen zu können. Dieses untrügliche Gespür für den richtigen Sound erhebt viele seiner Filme über das Mittelmaß.

Für die Kameraarbeit dieser Epissode zeichnet Manfred Ensinger verantwortlich. Wie so häufig lässt Haugk seinen Kameramann in ddie subjektive Perspektive rutschen, bleibt die Optik selten starr und wird viel mit der Handkamera gearbeitet. Einige Szenen zum Schluss hin erinnern gar etwas an die Kameraführung eines Charly Steinberger, sodass sich auch in den Schlussszenen erneut ein Hauch von Simmel-Kino einstellt.

Einen letzten Gag hebt sich Dietrich Haugk für die Abschlusscredits auf: Der die ganze Episode lang übernächtigte Stephan darf endlich die Augen zu machen. Noch am Ort der Verhaftung setzt er sich einfach auf ein Krankenhausbett und Harry macht's Licht aus.

Fazit: Mehr Drehzahl geht nicht, Derrick läuft am Begrenzer. Die rote Warnlampe geht dennoch nicht an. Die Epissode ist einer von Dietrich Haugks Volltreffern und heimst verdiente 5 von 5 Punkten ein!

Sonstiges: Regisseur Haugk ist als Krankenhausarzt zu sehen. Assistentin Heidi Adams als Krankenschwester.

Gruß
Jan

P.S.: Regisseureraten schied hier leider aus. Wäre dem nicht so gewesen, ich hätte 50 Euro auf Vohrer gesetzt (und eben verloren).

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.329

05.02.2016 22:48
#784 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #783
Diesen Abschnitt nahm ich nach dem Überfliegen des Threads zum Anlass, mir die Episode "Tod der Kolibris" einmal wieder zu Gemüte zu führen. Aus mir unerfindlichen Gründen hatte ich diesen Titel über Jahre als durchaus schwachen und getragenen Beitrag in Erinnerung, da ich, wie ich nun bemerkte, einen ganz anderen Inhalt in Erinnerung hatte.

Oder aber die Folge entwickelt erst in der Wiederholung ihren eigentlichen Reiz. Obwohl ich die frühen Derricks durchaus schätze, ist dieser Titel auch bei mir kurioserweise in eher lahm-farbloser Erinnerung und doch hatte auch ich bereits vorher das Gefühl, anhand der vorliegenden Besprechungen, dass ich an dieser Episode durchaus meine Freude haben müsste. Im Grunde ist es die alte Tragödie: um Kunstwerken wirklich gerecht zu werden, fehlt einfach die Zeit. Vieles offenbart sich erst beim Wiedersehen ... aber allein schon 281 Folgen Derrick sind einfach ein Ozean für sich ...

Jan Offline




Beiträge: 1.428

05.02.2016 22:57
#785 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #784
Oder aber die Folge entwickelt erst in der Wiederholung ihren eigentlichen Reiz.

Nee, glaube ich in diesem speziellen Fall nicht. Da hatte ich wirklich etwas anderes im Gedächtnis - vielleicht aufgrund des etwas gestelzten Titels.

Allerdings gibt es durchaus Episoden, die ich mit den Jahren anders bewerte. So hatte ich lange Zeit "Lissas Vater" als eher schwach in Erinnerung. Bei einem Wiedersehen neulich gefiel mir die Episode geradezu hervorragend. Ähnliches widerfuhr mir mit "Johanna" und nahezu allen anderen Episoden des "Kommissars" und "Derrick", die von Leopold Lindtberg inszeniert wurden. Mit denen konnte ich beim ersten Ansehen nahezu gar nichts anfangen. Mittlerweile halte ich sie für deutlich überdurchschnittlich.

Gruß
Jan

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

21.03.2016 13:10
#786 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Der Schrei

Episode 204 der TV-Kriminalserie, BRD 1991. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Wolf Roth (Simon Krüger), Rolf Zacher (Rudolf Schalk), Carin C. Tietze (Anita), Muriel Baumeister (Helga Wiesner), Christine Wodetzky (Frau Wiesner), Hans-Georg Panczak (Maitre), Gernot Duda, Michael Gahr u.a. Erstsendung: 18. Oktober 1991, ZDF.

Zitat von Derrick: Der Schrei
Durch Zufall erfährt Harry von der Haftentlassung Simon Krügers, den er selbst vor zehn Jahren hinter Gitter gebracht hatte. Krügers Komplize konnte damals nicht ermittelt werden. Hat Harry jetzt bessere Chancen, an den Namen zu kommen? Er heftet sich an Krügers Fersen. Der wird derweil von seinem schlechten Gewissen geplagt und muss ständig an den Schrei der Ehefrau des Mannes denken, den er damals erschoss. Er sucht den Kontakt zu der Frau und verunsichert damit seinen damaligen Mittäter ...


Wolf Roth, ebenso häufiger wie gern gesehener Gast, führt durch das Geschehen dieser Folge, die Derrick fast komplett aus dem Blickfeld eliminiert und dafür Harry – teilweise in Begleitung Bergers – aktiver werden lässt, ohne ihn dabei jedoch in den absoluten Mittelpunkt zu stellen. Man könnte sagen, „Der Schrei“ ist mehr die Geschichte eines Verbrechers als die der Polizeiarbeit – analog zum einstmals geplanten Titel erzählt die Episode keine „Wege ins Verbrechen“, wohl aber einen „aus dem Verbrechen hinaus“. Reinecker geht sehr umsichtig mit der Figur des wegen Mordes verurteilten und nach zehn Jahren wieder entlassenen Simon Krüger um. Er gesteht ihm zwar die nötigen Unterwelt-Connections und hormonelle Bedürfnisse zu, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der zumindest vor langer Zeit als „harter Junge“ unterwegs war, zugleich versäumt er jedoch nicht, Krüger als Musterbeispiel für die charakterlichen Besserungserscheinungen eines Gefängnisaufenthalts heranzuziehen. Das Leben hinter Gittern war es, das ihn vom Schurken zu einem reumütigen, reflektierten Menschen gemacht hat; diese neu gefundene Besserung bereitet dem Sündiger allerdings auch gehörige Gewissensbisse – dergestalt, dass er das Schlüsselverbrechen immer wieder durchlebt und vom gellenden Schrei der Frau Wiesner verfolgt wird.

Ashley greift Krügers nachdenkliche Art mit seinem Standard-Merkmal, dem gemächlichen Tempo, auf, wobei ich betonen möchte, dass diese Folge zu keinem Zeitpunkt als langweilig bezeichnet werden kann. Hier sind sich Buch, Regie und Darsteller einig und alles kommt zu einem wirkungsvollen Ganzen zusammen, einem eindringlichen Wiedergutmachungsversuch des tragischen Helden. Roth erreicht ein weiteres Mal das hohe Niveau seiner Leistung aus „Höllensturz“, wobei er diesmal sein Können vor allem deshalb so gut zeigen kann, weil er den Simon Krüger geschickt zwischen Sympathikus und einem Gegner für Harry austariert.

Von der ersten Szene an (ein Stacheldrahtzaun mit dahinterliegender Strafvollzugsanstalt sah wohl selten so malerisch aus wie unter Kameramann Franz Xaver Lederle) bedient sich die Folge effektiv auch ihrer Schauwerte – vom Knast bis zum Englischen Garten, vom einsamen Feldweg bis zum Münchner Hauptbahnhof, von der respektablen Dachgeschosswohnung bis zur billigen Absteige (der gleiche Drehort wie in „Wer bist du, Vater?“, nur irgendwie einladender – ob Frau Tietze dafür verantwortlich ist?) erweckt die Folge einen zeitlosen, gemütlichen Eindruck.

Wenn selbst der Gauner schon zum Verbündeten wird, bedarf es eines umso stärkeren Gegengewichts, das in Gestalt Rolf Zachers auf den Plan tritt. Der mit allen Markenzeichen des rücksichtslosen Gangsterbosses ausgestattete Nachtclubbesitzer strotzt nur so vor typischen Reinecker-Klischees und überzeugt trotzdem – ob das nun an der gut funktionierenden Drehbuchkonstruktion oder an der prima Besetzung liegt (leider der einzige Zacher bei „Derrick“). Kontinuierlich steuert die Folge auf die Demaskierung dieses Tunichtguts zu und enttäuscht dann auch nicht mit ihrem dramatischen Finale, dessen Schlussmoment wirksamer ausfällt als jeder noch so explizite Zeigefinger.

Die Serien-Dauerbotschaft „Verbrechen lohnt sich nicht“ wird hier in eine galante Geschichte eingebaut, die zwar sicher weit davon entfernt ist, der beste Krimi zu sein, dafür aber mit Einfühlungsvermögen davon berichtet, dass das Einsperren nicht immer die schlimmste Strafe für einen Mord ist. Wolf Roth läuft zu Hochformen auf, für Setting, Figuren und Plot sind diverse Wohlfühl-Bonuspunkte fällig. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

21.03.2016 23:20
#787 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Das Lächeln des Doktor Bloch

Episode 205 der TV-Kriminalserie, BRD 1991. Regie: Günter Gräwert. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Hans-Michael Rehberg (Doktor Bloch), Evelyn Opela (Andrea Bloch), Peter Sattmann (Igor Brunner), Enzi Fuchs (Erna Glubitsch), Kurt Weinzierl (Herr Heuer), Katharina Schubert (Anette Heuer), Wolfram A. Günther, Sacha Holzheimer u.a. Erstsendung: 29. November 1991, ZDF.

Zitat von Derrick: Das Lächeln des Doktor Bloch
Nachdem ihr Liebhaber sie auf die Straße gesetzt hat, ist Andrea Bloch am Boden zerstört. Zurück zu ihrem Mann – das will sie auf keinen Fall. Noch am selben Tag muss ihr Gatte, der Internist Dr. Bloch, ihren Leichnam identifizieren, nachdem sie in voller Fahrt mutwillig gegen einen Brückenpfeiler steuerte. Für Dr. Bloch ist der Tod seiner Frau kein Selbstmord, sondern Mord – der Liebhaber, so der Doktor, habe die volle Schuld auf sich geladen. Er lässt seinem ehemaligen Nebenbuhler von nun an keine Ruhe mehr ...


Die ausgedehnten Spaghetti-Diners mit Harry fordern ihren Tribut: Derricks Cholesterinspiegel stößt fast gegen die Decke und sein Hausarzt rät ihm, sich in seinem Beruf nicht mehr so sehr aufzuregen. Kurioserweise sorgt gerade dieser Mann im Kommenden dafür, dass es seinem Patienten schwerfällt, den ärztlichen Rat in die Tat einzuhalten. Einen renitenteren Burschen als diesen Doktor Bloch muss man selbst unter den Gerechtigkeitsaposteln dieser Serie lange suchen! Nach dem Tod der – man muss es mittlerweile so uncharmant sagen – notorisch fremdgehenden Evelyn Opela sinnt der Doktor auf Rache und will, so seine ominöse Ankündigung, Derrick persönlich zum Zeugen des sich abzeichnenden Mordes machen.

Eine übliche Selbstjustizstory, könnte man meinen, doch Reinecker hat mehrere Trümpfe im Ärmel. Bis zur überraschenden Auflösung, die dann in letzter Minute auch endlich den kryptischen Titel erklärt, steigert sich die Spannung duch Blochs platonische Attacken auf den Playboy Brunner immer weiter. Er betreibt eine wirkungsvolle Verleumdungskampagne, was vom verschlagen dreinblickenden Hans-Michael Rehberg glaubhaft hasszerfressen vorgetragen wird. Man weiß als Zuschauer nur nicht so genau, wie man seine (Un-)Sympathien am besten verteilen soll: Brunner hat sich einmal wie ein Elefant im Porzellanladen benommen, macht aber sonst einen ganz ordentlichen Eindruck. Bloch scheint das üblere Exemplar zu sein, was Derrick dann auch in einem Gespräch mit Brunner bestätigt: „Allen könnte es helfen, wenn Sie ihn als einen Kranken betrachten, der Ihr Mitleid verdient“. Harter Tobak aus dem Mund des besonnenen Diplomaten!

Die persönliche Einbindung Derricks ist ebenso erfrischend wie der Wechsel der Führungsperson. Nimmt sonst Derrick den Ablauf der Ermittlungen in die Hand, weiß er hier nicht so recht, was er eigentlich ermitteln soll und lässt sich damit das Zepter von Bloch, dessen Handeln entschlossener und zielgerichteter ist, aus der Hand nehmen. Bloch genießt diese Macht, was Rehberg im Zusammenspiel sowohl mit Tappert als auch mit Wepper zu brillanten (amüsanten und doch besorgniserregenden) Szenen anregt.

Interessant ist, wie sorglos mit den Diensträngen von Derrick und Klein umgegangen wird. Schon in der letzten Folge, „Der Schrei“, bezeichnete sich Harry kurzweg selbst als Kommissar; hier nun spricht Bloch von Derrick als Kriminalkommissar. Doch man sollte wohl kein Wortwägen betreiben in einer Folge, in der ein Selbstmord zu einem Mord und ein Mord zu einem Selbstmord, obendrein auch noch ein Arzt zu einem Patienten und ein Patient zu einem Arzt wird. Verquere Welt – und trotz des latenten Nervpotenzials der Rächerrolle durchaus sehenswert.

Ein Psychodrama der ausgefallenen Sorte: Reinecker wob aus der üblichen Dreiecksgeschichte und der ebenfalls altbekannten Intention der Rache am Liebhaber der Ehefrau eine abwechslungsreiche Variation. Hans-Michael Rehberg lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wirkt in manchen Momenten sogar etwas übermotiviert. Sein Kontrahent kann einem direkt leid tun. Spannende 4 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

22.03.2016 15:45
#788 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Isoldes tote Freunde

Episode 206 der TV-Kriminalserie, BRD 1991. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Juliane Rautenberg (Isolde Rossky), Antje Hagen (Roberta Rossky), Franziska Walser (Gerlinde Rossky), Udo Thomer (Kurt Rossky), Holger Handtke (Erwin Rossky), Volkert Kraeft (Sudhoff), Werner Schnitzer, Philipp Moog u.a. Erstsendung: 20. Dezember 1991, ZDF.

Zitat von Derrick: Isoldes tote Freunde
Die junge Isolde ist das größte Klaviertalent, das München seit Jahrzehnten hervorgebracht hat. Dummerweise konzentriert sie sich nicht genug auf die Entfaltung ihrer musikalischen Fähigkeiten, da sie lieber jede Gelegenheit nutzt, um mit den Männern in ihrem Umfeld intim zu werden. Das scheint jemanden gewaltig zu stören, denn jeder ihrer Liebhaber wird erschossen. Jemand will offenbar unter allen Umständen verhindern, dass die Hormone die Oberhand über Händl und Haydn gewinnen ...


Da bekommt die Redensart „Von der Muse geküsst“ gleich eine ganz neue Bedeutung: Isolde Rossky ist eine jener stilisierten Frauenfiguren, wie sie der Serienvater häufig zeichnet und die sich vor allem durch Weltfremdheit und Feingeistigkeit auszeichnen. Ihre nymphomane Seite wird schon unterschwellig von Kamera und Kostümen betont, bevor der Zuschauer inhaltlich darüber aufgeklärt wird. Was zunächst wie der missglückte Versuch wirkt, über „Sex and Crime“ Quote zu machen, erweist sich schließlich als durch die Figuren- und Handlungsanlage gerechtfertigt. Dennoch erscheint schon die bloße Idee einer „Konkurrenz“ zwischen Klavier und Bett reichlich abstrus und an den Haren – oder gar an unterdrückten Wunschvorstellungen? – herbeigezogen.

Was will man dann auch über Juliane Rautenberg schreiben? Hübsch ist sie fraglos und damit schonmal eine passende Besetzung für eine Rolle, die nackte Haut und gierige Blicke erfordert. Doch auch die vergeistigte Seite der Isolde Rossky kommt zum Vorschein – allerdings in einer künstlich abwesenden, ja tranceartigen Verhaltensweise, die mich an eine Mischung aus Verena Peter und Helga Anders erinnert. Schlimmer nur noch tritt diese Art der entrückten Stammelinterpretation der Dialoge bei Franziska Walser in Erscheinung, deren Schwesternrolle man als noch affektierter und abgedrehter als die Titelfigur in Erinnerung behalten wird.

Bei den Männern sind einzig die Exemplare von Interesse, die – aus Verwandtschafts- oder Berufungsgründen – dem Charme der vielseitig begabten Musikerin nicht verfallen: Holger Handtke liefert trotz des verkappten Drehbuchs eine recht natürliche Leistung als wachsamer Bruder ab, was gespannt auf seine fünf weiteren Auftritte macht, in denen er als Jungdarsteller sicher noch so manche Reinecker’sche Feuerprobe überstehen muss. Und aus Volkert Kraefts Interpretation des Musiklehrers springt dem Publikum der bedingungslose Snobismus der Hochkultur so unverblümt entgegen, dass selbst dieser Sinn für die schönen Künste als ausgewachsenes Mordmotiv taugt.

Ashley inszeniert ohne besondere Höhepunkte; die Morde geschehen in sehr nüchterner Weise und lassen kaum Spannung aufkommen. Dennoch bleibt man unvermindert am Ball, denn es gelingt der Folge, die Vorhersehbarkeit durch einen großen Verdächtigenkreis aufzufangen (wobei das alte Problem darin besteht, dass, wenn alle das gleiche Motiv haben, es am Ende egal ist, wer nun wirklich der Täter war). Man merkt auch, dass sich Ashley im künstlerischen Milieu zu Hause fühlt und die Inszenierung selbstbewusster angeht als Folgen, die weniger zu seinen bevorzugten Sujets passen oder gar Actionanteile enthalten. Es erfreut zudem, dass die Mordkommission hier zur Abwechslung auch wieder Handwerklichkeit demonstrieren, Zeugen befragen und Alibis überprüfen darf. Gegenüber der Familie Rossky treten Derrick und Harry als entschlossene Bad Cops auf. Gute, alte Schule also – wenn auch mit fragwürdig-psychologischem Überbau.

Unrealistische Geschichte, die es sicher nicht zuletzt auf den Effekt nackter Haut abgesehen hat. Dies gleicht das Drehbuch mit zwei Morden aus, für die das Motiv schnell auf der Hand liegt und die dennoch von Derrick und Harry volles Engagement verlangen (Entwarnung: nicht vollen Körpereinsatz, denn die Tage, in denen Harry als dritter Liebhaber eingeschleust werden könnte, um den Mörder auf frischer Tat zu ertappen, sind wohl gezählt). 3 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

23.03.2016 15:00
#789 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Die Reise nach München

Episode 207 der TV-Kriminalserie, BRD 1992. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Stefan Wigger (Hugo Sassner), Ursula Lingen (Frau Holzinger), Michael Roll (Berthold Holzinger), Wolfrid Lier (Nissen), Gabriele Köstler (Amelie Sassner), Werner Asam, Christiane Rossbach, Bruno W. Pantel u.a. Erstsendung: 17. Januar 1992, ZDF.

Zitat von Derrick: Die Reise nach München
Im Affekt tötet Berthold Holzinger in einer billigen Pension eine Prostituierte. Niemand hat ihn gesehen – außer seinem Zimmernachbarn, dem Reisenden Hugo Sassner, der in München auf Stellungssuche ist. Sassner nutzt die Chance für eine ausgefallene Erpressung: Entweder Holzinger verschafft ihm eine Arbeit oder er verrät ihn bei der Polizei. Um den Plan in die Tat umzusetzen, benötigen die beiden von ihrer Notlage irritierten Männer die Hilfe von Holzingers Mutter, einer willensstarken und gewieften Frau. Kann sie ihre Marionetten über die polizeilichen Hürden lenken?


An Hugo Sassner exerziert Herbert Reinecker das ultimative Versagen des Mannes in der Leistungsgesellschaft vor: Schlimmer als alles andere auf der Welt ist, wenn der Ernährer kein durch ehrliche Arbeit verdientes Geld nach Hause bringt, sondern dem Staat auf der Tasche liegt. Natürlich veranlasst dies die Ehefrau im stockkonservativen Weltbild unseres „Derrick“-Schreibers nicht dazu, ebenfalls Ausschau nach einer Stellung zu halten. Nein, lieber stößt sie Drohungen aus, sie ertrage diese Schmach nicht länger und verließe ihren Mann, wenn dieser nicht bald wieder mit Pinke-Pinke um sich würfe. Eine reizende Ehe und ein kurioser Einstieg in einen sonst recht gelungenen Familien- und Erpressungskrimi!

Vor allem dass man hier wieder einmal ein Familiendrama alter Schule – wenn auch auf ein Zwei-Personen-Stück zwischen Mutter und Sohn reduziert – entdecken darf, erfreut die Zuschauer, welche die Serie seit ihren Anfängen verfolgen. Leider tritt die formidable Ursula Lingen, die die Rolle der Frau Holzinger zum Highlight der vorliegenden Episode macht, erst verhältnismäßig spät auf, weil der intensiv, aber gemächlich inszenierende Weidenmann zu viel Zeit auf Sassners Jobsuche und die Milieuschilderung im Bahnhofsviertel verwendet (immerhin mit einem größeren Auftritt für den mittlerweile lange vermissten Ex-Dauergast, Grantler Wolfrid Lier als gutmütigem Pensionswirt). So kommt es, dass der viel interessantere Teil der Ermittlungen und der Planungen der Gegenseite einen verhältnismäßig kurzen Raum einnimmt und nach ein paar geschickten Raffinessen – vor allem die Nachfrage beim Taxifahrer ist ein cleverer Schachzug – zu einem eher gewöhnlichen, übereilt wirkenden Ende gebracht wird.

Während die beiden „Holzinger“-Darsteller überzeugen, hinterlässt ausgerechnet Schlüsselfigur Stefan Wigger in den wichtigen Szenen – sowohl bei der angestrengten Auswegsuche im Waschraum der Pension als auch bei der triumphierenden Selbstsicherheit in Derricks Büro – einen eher hölzernen Eindruck. Wahrscheinlich wollte er der Figur insgesamt einen unsicheren Stand angedeihen lassen, was in mancher Szene linkischer als nötig herüberkommt. Passend zu Sassners Arbeitslosen-Blues spielt Frank Duval aus dem Off melancholisch-melodische Klänge ein, die der Folge einen markanten Stempel aufdrücken, ohne nervig zu wirken. Gut auch, dass man die Anfangsszenen – wenn sie schon so übermäßig viel Raum einnehmen – aufwändig vor Ort in Wasserburg am Inn und der Münchner Innenstadt drehte und so viel Sommeratmosphäre einfing.

„Die Reise nach München“ – eigentlich ein absurder Titel für eine „Derrick“-Episode. Dahinter verbirgt sich eine direkt klassische Mutter-hilft-Sohn-aus-der-Patsche-Geschichte mit dem interessanten und zeitaktuellen Twist eines ungewöhnlichen Mitwissers und Profiteurs. Leider setzt die Folge ihre Prioritäten nicht richtig, sodass die Ermittlungen erst spät anlaufen und nicht so viel hergeben, wie im Idealfall möglich gewesen wäre. 3,5 von 5 Punkten.

Chinesische Nelke Offline



Beiträge: 134

23.03.2016 16:10
#790 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Stefan Wigger war Anfang der 90er Jahre ein angesagter Schauspieler, u.a. in der Serie "Ein Haus in der Toscana". Der damals 60-jährige Schauspieler konnte aber weder dort noch im besprochenen Derrick richtig überzeugen und erhielt möglicherweise auf deshalb weniger Angebote.

Das Grundthema erinnert stark an die Kommissar-Folge "Die Nacht mit Lansky" aus 1973. Der Verlust der Arbeitsplatzes wird zur Katastrophe, die hier zu einem Mord führt.

Ursula Lingen brillierte auch zwei Jahre später in "Teestunde mit einer Mörderin".

Jan Offline




Beiträge: 1.428

23.03.2016 17:03
#791 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Chinesische Nelke im Beitrag #790
Stefan Wigger war Anfang der 90er Jahre ein angesagter Schauspieler, u.a. in der Serie "Ein Haus in der Toscana". Der damals 60-jährige Schauspieler konnte aber weder dort noch im besprochenen Derrick richtig überzeugen und erhielt möglicherweise auf deshalb weniger Angebote.

Es steht allerdings auch zu vermuten, dass er zahlreiche Theater-Engagements hatte und vielleicht auch deswegen eher weniger auf Mattscheibe und Leinwand präsent war. Trotz seiner beachtlichen Körpergröße gehörte Wigger indes auch für mich häufig zu den eher unauffälligen Typen. In der Episode "Tod vor Schalterschluss" (Der Alte) und in der Serie "Ein Haus in der Toscana" fand ich ihn allerdings nicht schlecht. In letzterer hatte er ja durchaus einen eher blassen Deutschen zu mimen, der sich mit den italienischen Gepflogenheiten zurechtfinden muss. Das passte schon gut auf ihn.

Gruß
Jan

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

29.03.2016 12:30
#792 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Ein seltsamer Ehrenmann

Episode 208 der TV-Kriminalserie, BRD 1992. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Claude Oliver Rudolph (Krowacs), Monica Bleibtreu (Anna Krowacs), Peter Pasetti (Kurt Masinger), Eva Kryll (Lena Masinger), Philipp Moog (Berthold Masinger), Henry van Lyck (Grigo), Sabi Dorr (Körner), Günter Waidacher (Schuster) u.a. Erstsendung: 14. Februar 1992, ZDF.

Zitat von Derrick: Ein seltsamer Ehrenmann
Kurz nachdem der wegen Totschlages verurteilte Krowacs aus dem Gefängnis entlassen worden ist, spricht ein Mittelsmann ihn wegen eines Auftragsmords an, für den er Krowacs 10’000 Mark bezahlt. Es soll so aussehen, als sei das Opfer, ein Biologiestudent, von einem Einbrecher erschossen worden. Krowacs nimmt den Job an, bringt es dann aber doch nicht übers Herz, ihn zu Ende zu führen. Und doch wird der Student am nächsten Morgen tot aufgefunden. Als Mitwisser wendet sich der „seltsame Ehrenmann“ an Derrick ...


Brynych steigt mit hohem Wiedererkennungswert in der ersten Szene ins Trinker- und Halbweltmilieu um den Münchner Hauptbahnhof hinab. Wer aber erwartet, hier eine Milieustudie gestrauchelter Existenzen zu sehen zu bekommen, wird (gottlob) enttäuscht: Mit immer wieder überraschenden Haken bewegt sich die Geschichte zunächst in die Sphäre des organisierten Verbrechens, dann ins Studentenmilieu, in schummrige Kneipen, in eine honorige Villa und eine veraltete Familienfirma, führt regelmäßig neue Charaktere ein und setzt dennoch hauptsächlich auf das hier erstaunlich nuancierte Spiel des sonst bloß als rauen Haudegens bekannten Claude Oliver Rudolph. Ausgerechnet unter Brynych entwickelt Rudolph eine ungewohnt sensible und nachdenkliche Seite, eine Verwandlung vom gleichgültigen Killer zur sympathischen Hauptfigur.

Man kennt das Schicksal versagender Auftragsmörder und „singender“ Eingeweihter nur zu gut, sodass die Geschichte um Krowacs’ Manschetten zu jeder Minute spannend bleibt. Zwar ahnt man schnell zumindest im Groben, aus welcher Richtung die wahre Gefahr droht, doch Reineckers einfallsreiches Drehbuch macht sich ein wahres Vergnügen daraus, konkrete Informationen nur bruchstückhaft durchsickern zu lassen. Das geht sogar so weit, dass man am Ende zwar eine Melange aus drei Hintermännern präsentiert bekommt, aber nie explizit gesagt wird, wer nun eigentlich den Mord verübte – die ultimative Ungewissheit, die sich bis zur letzten Szene im Unbehagen über Krowacs’ (Un-)Sicherheit ausdrückt. Unterstützt wird diese auch durch einen erfreulich unkitschigen Duval-Score (sogar inklusive des Zither-Themas aus „Der dritte Mann“).

Peter Pasetti tischt in einer dramatischen Altersrolle vor allem Entsetzen und Verzweiflung auf und kristallisiert sich in Anbetracht der Tatsache, dass Dauerstudent Philipp Moog kaum zur Identifikationsfigur taugt, als eigentlicher Leidtragender des Mordkomplotts heraus. In der zweiten Reihe versprühen Eva Kryll und Günter Waidacher elegantes Gift, während Christoph Mainuschs kauziger Wirt als unverhohlener Hinweis auf den Mann im Regiestuhl zu werten ist. Überhaupt kann man die Spannweite der Besetzung von Rudolph bis Pasetti, von Moog bis van Lyck als Signal für die Stärke von „Ein seltsamer Ehrenmann“ werten, die darin liegt, unterschiedlichste Personenkreise auf glaubwürdige und spannende Weise zusammenzuführen. Dazu einige familiäre Zwistigkeiten und ein erneuter Einblick in Derricks Privatleben – und fertig ist ein Vorzeige-„Derrick“, der beweist, dass sich gute 90er-Jahre-Folgen nicht vor früheren Fällen zu verstecken brauchen.

Den Bericht möchte ich mit dem letzten Satz aus der Folge beenden, den Krowacs im Namen aller Zuschauer an Derrick richtet: „Ich hab’ es schonmal gesagt und ich sag’s nochmal: Ich bin froh, dass Sie da sind“, woraufhin Derrick in Heldenpose zuerst auf den Geretteten und dann gen Kamera blickt. Diese Szene bestätigt, dass der damals 68-jährige Tappert der coolste Held des Fernsehkrimis ist – Abblende zu einem der fotogensten Abspannstandbilder.

Zum zweiten Mal in kurzer Folge machte Reinecker nach „Der Schrei“ die neu entdeckte moralische Größe eines Ex-Sträflings zum Themenschwerpunkt eines „Derrick“-Krimis. „Ein seltsamer Ehrenmann“ gerät dennoch zu einem unverwechselbaren und innovativen Fall, in dem Reich und Hintertrieben auf Ehrlich und Solide trifft, es aber um Nervenkitzel und nicht um philosophische Überlegenheitsdebatten geht. Ein starker Cast, ein gut aufgelegter Regisseur und ein zwar später, aber starker Auftritt für Horst Tappert garantieren 5 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

29.03.2016 23:10
#793 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Mord im Treppenhaus

Episode 209 der TV-Kriminalserie, BRD 1992. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Rüdiger Vogler (Kollwitz), Holger Handtke (Martin), Harald Leipnitz (Dr. Strohm), Sonja Sutter (Helga Strohm), Sky Dumont (Sieber), Holger Petzold, Claudia Lössl, Robert Wolfgang Jarczyk u.a. Erstsendung: 20. März 1992, ZDF.

Zitat von Derrick: Mord im Treppenhaus
Blutstropfen machen die Benutzer des Treppenhauses darauf aufmerksam, dass ein Stockwerk über ihnen eine tote Frau auf den Stufen liegt. Es handelt sich um Frau Kollwitz, die, wie Derrick bald ermittelt, als Hostess für ein florierendes Hotel auch sehr private Dienstleistungen anbot. Dafür fehlte es ihrer Familie finanziell an nichts. Doch der Sohn Martin zeigt sich völlig entgeistert, als er erfährt, womit seine Mutter das Geld verdiente. Er begibt sich auf eigene Faust unter den Freiern auf Mördersuche ...


Die Besprechung enthält Spoiler.

Bezahlter Sex als schmutzigstes aller Gewerbe taucht immer wieder als Leitmotiv in Herbert Reineckers Krimis auf und zieht sich wie ein roter Faden von der schwarzweißen Welt des „Kommissars“ bis zur Nachwende-Moderne bei „Derrick“. Und wie immer, wenn Prostitution angesprochen wird, erigiert in erster Linie der Zeigefinger, der möglichst offenkundig auf die Verdorbenheit der Anbieter und Nutzer solcher Dienstleistungen sowie die aufrichtige Entrüstung der überraschten Unbeteiligten hinzuweisen versucht. Unfreiwillig komisch wird es, wenn, wie in diesem Fall, der Kontrast zwischen den moralischen Ebenen so überspitzt wird, dass er die Gebahren einer schmierentheaterhaften Lehrstunde annimmt und als absolut realitätsferne Begründung für einen bis zuletzt unglaubwürdigen Mord herhalten soll:

Zitat von Andreas Quetsch: Der Mensch und die Moral, in „Augenblick 30: Gesetz & Moral – Öffentlich-rechtliche Kommissare“, Marburger Hefte zur Medienwissenschaft, 1999, S. 44ff
[Letzlich sind] alle Derrick-Episoden Auseinandersetzungen mit der Moral. Bei der ersten Motiv-Variante ist es die „Krankheit Gleichgültigkeit“. [...] Bei der zweiten Motiv-Variante steht [...] vor allem die Schlechtigkeit der Ermordeten im moralischen Brennpunkt. Der „gute“ Mörder ist das eigentliche Opfer. [...] In allen Geschichten unterscheidet Reinecker klar nach den ihm eigenen gut/schlecht-Kategorien. An den untersuchten Episoden lässt sich Reineckers Wertesystem gut ablesen. Er agiert mit konventionellen, konservativen und konsensfähigen Werten. Gut und wichtig sind Ehrlichkeit, Vernunft, Bescheidenheit sowie intakte Familienbeziehungen zwischen gleichwertigen Partnern. [...] Hinzuzufügen ist, dass über ein solches Wertesystem auch bestehende Gesellschaftsstrukturen stabilisiert werden. Teilweise werden gar Wertvorstellungen vermittelt, die weit überholt und längst sehr fragwürdig sind. Dies zeigt sich in Bezug auf die jungen Menschen – oder an unabhängigen Frauengestalten, die bei Reinecker manchmal wenig überzeugend wirken und in ihrer Wertung zweideutig bleiben. Wie sonst ist zu erklären, dass in Mord im Treppenhaus (209/1992) ein Sohn seine Mutter tötet, weil sie eigene, von der Familie wegführende Wege geht [...]?


Ich hatte bereits in meiner Besprechung zu „Isoldes tote Freunde“ über die Eignung Holger Handtkes für die typischen Reinecker’schen Jugendrollen spekuliert und musste nicht lang warten, bis sich diese Prophezeiung erfüllte: Nach Art eines von der Fürchterlichkeit der Welt betäubten Pierre Franckh taumelt Handtke Anschuldigungen umherwerfend und Phrasen dreschend durch die Kulissen und kann nicht einmal mit seiner eigentlich recht einnehmenden Art und den pflichtschuldig wahnsinnig glubschenden Augen über den Nervfaktor der Dialoge („Eine Familie ist wie ein Schiff“) hinwegtäuschen. Immerhin legt er sich mit Elan ins Zeug, während Rüdiger Vogler dem depressiven Ehemann nur allzu realistische Züge verleiht. Realismus kann man Harald Leipnitz hingegen nicht unbedingt zusprechen, der als Freier einige sehr hölzerne Zeilen von sich gibt und ähnlich wie Sky Dumont auf Abziehbildfunktion reduziert zu sein scheint. Einziger Lichtblick: Sonja Sutter als betrogene, die Situation mit Fassung tragende Ehefrau.

Über der gesamten Episode liegt eine gedämpfte Langeweile und Lustlosigkeit, die vielleicht daraus resultiert, dass die vorliegende Geschichte extrem vorhersehbar und kriminalistisch enttäuschend ist. Derrick fällt die Lösung ’mal eben am Waschbecken ein; er trägt sie auch allein und ohne Beweise vor und basiert sie auf dem (von Anfang an auffälligen) Verhalten des Täters – der Junge, der ein Mörder sein muss, weil er sich komisch benimmt. Überzeugend geht anders. So hat man es hier unterm Strich mit einer deutlich unterdurchschnittlichen Story zu tun, bei der Ashley wenig daran setzte, die inhaltlichen Schwächen durch eigenes Zutun zu mildern.

Auf der 281-fachen Suche nach Mordmotiven mag manche Wiederholung oder kreative Auslegung legitim sein. Was hier jedoch präsentiert wird, sprengt die Grenzen der Glaubwürdigkeit und wird in pathetisch aufgeladener Form dargeboten. Handtkes Talent wird für eine hüftsteife Moralritter-Rolle verheizt, während wirkliche Täterspannung nie aufkommt. 1,5 von 5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

30.03.2016 23:30
#794 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Die Festmenüs des Herrn Borgelt

Episode 210 der TV-Kriminalserie, BRD 1992. Regie: Alfred Weidenmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Ernst Schröder (Gustav Borgelt), Irene Clarin (Anneliese), Hans Peter Hallwachs (Dr. Lessner), Michèle Marian (Rosanna Wolf), Svenja Pages (Susanne Borgelt), Thomas Schücke (Manfred Lessner), Ursula Karven (Marlene Schall), Gert Burkard (Zimmerkellner) u.a. Erstsendung: 24. April 1992, ZDF.

Zitat von Derrick: Die Festmenüs des Herrn Borgelt
Gustav Borgelt lässt sich einen Videorecorder auf seinem Hotelzimmer installieren, um sich in die richtige Stimmung für seine abendlichen Festmenüs zu bringen: Er spielt die Videobotschaften, die ihm seine mittlerweile verstorbene Tochter hinterlassen hat, in Dauerschleife ab. Nach München scheint er mit dem Vorwand gekommen zu sein, Rache an den Männern zu nehmen, die er als verantwortlich für den Selbstmord seiner Tochter betrachtet. Doch immer dann, wenn Schüsse fallen, sitzt er „zufällig“ mit gutem Wein zu Tisch ...


Nach „Penthaus“ ist es erneut Ernst Schröder, der das Gesetz in die eigene Hand nimmt (zumindest als Fassade für die von einer anderen Person begangenen Verbrechen); nach gefühlten 700 anderen Fällen dreht sich die Rache wieder um ein im Münchner Molloch versunkenes Mädchenschicksal. Kreativität geht anders – und dennoch genießen die „Festmenüs“ einen gewissen Kultstatus, der vor allem der zelebrierten Formgebung der Folge entspringt. Nachdem man genau weiß, was man zu erwarten hat, erweist sich die Idee, mit Expositionen zu arbeiten, als sehr effektiv – Weidenmann kündigt mit dem Binden der Krawatte zum Diner den nächsten Mord an, wobei die Taten selbst im gleichen Maße an Intensität für den Zuschauer verlieren, in dem Borgelts Selbstgefälligkeit anwächst (solides Mitfiebern noch bei Dr. Lessner, im Pornostudio knallt es dann einfach nur noch kurz – Wortspiel nicht beabsichtigt).

Einige bereits verloren geglaubte Nebenrollen-Darsteller geben sich nach längerer Pause wieder die Ehre (Thomas Schücke zum ersten Mal seit #114, Hans Peter Hallwachs seit #175, Irene Clarin seit #181), was die eher durch philosophisch getragene und moralschwangere Texte geprägte Episode stellenweise auflockert. Dennoch bleibt der Unterhaltungsfaktor am Ende auf der Strecke, wenn Schröders Zeilen und die seiner Filmtochter Svenja Pages hauptsächlich aus philosophischem Kauderwelsch bestehen und Derrick zudem akut unterfordert wird, indem er am Schluss dem anrückenden Täter nur noch die Tür zu öffnen braucht.

Die Besetzung Schröders ist mutig, weil die in „Die Festmenüs des Herrn Borgelt“ erzählte Geschichte durchaus als Anspielung auf den Tod seiner Tochter Christiane gelesen werden kann. Sowohl Christiane Schröder als auch Susanne Borgelt kamen durch einen selbstgewählten Sturz ums Leben, nachdem sie an Männer geraten waren, die ihnen falsche Versprechungen machten. Einen ähnlichen Ausweg wählte Schröder selbst nach einer Krebsdiagnose dann im Juli 1994. Ob man der Folge für diese Meta-Bezüge eine Sonderbehandlung zukommen lässt, muss jeder Betrachter für sich entscheiden.

Ich glaube, dass „Borgelt“ in den Händen eines anderen Regisseurs ein besserer Fall hätte werden können. Abseits der sehr markanten Strukturierung gelingt Weidenmann kein besonderer Spannungshöhepunkt. Mit der Lebendigkeit eines Zbynek Brynych, der Unkonventionalität von Horst Tappert oder der Konzentration aufs Wesentliche, die Theodor Grädler auszeichnete, hätte die Geschichte von ihrem Ballast befreit und ansprechender umgesetzt werden können. So bleibt sie ein Beispiel für einen eher behäbigen Neuzeit-„Derrick“ mit vergebenen Chancen im handwerklichen Mittelmaß.

Ernst Schröder bringt für die Interpretation des gebrochenen Vaters private Erfahrung mit, kann aber nicht verhindern (im Gegenteil: trägt sogar aktiv dazu bei), dass der ohnehin schon vorhersehbare Plot mit wenig Action und viel moralischem Gedankengut aufwartet. Damit ist nur ein Platz im Mittelfeld drin, in anderen Worten: 3 von 5 Punkten.



Die frühen Neunziger verleihen der 14. „Derrick“-Box ein gemütliches Flair, das sich prima mit Tapperts gealterter Titelfigur ergänzt, sodass man sich eigentlich umgehend „zurückbeamen“ möchte. Qualitativ gibt es leider wieder einen kleinen Einsacker zu verzeichnen, nachdem sich Box 13 als verhältnismäßig stark herausgestellt hatte. Vor allem die wiederkehrenden nach Schablone angefertigten Handlungsabläufe in Kombination mit dürftigen Anteilen der polizeilichen Ermittlungsarbeit machen mehreren Folgen zu schaffen – andererseits demonstriert Reinecker mit Folgen wie „Ehrenmann“, „Schrei“ oder „Gefährlicher Weg“, dass er noch immer innovativ und fesselnd schreiben kann. Ashley und Grädler steuerten in Box 14 tendenziell eher schwächere Arbeiten bei; Brynych hingegen kann nach zwischenzeitlicher Schwäche die Top-Position von Gräwert zurückerobern.

Platz 01 | ★★★★★ | Folge 208 | Ein seltsamer Ehrenmann (Brynych)

Platz 02 | ★★★★☆ | Folge 204 | Der Schrei (Ashley)
Platz 03 | ★★★★☆ | Folge 200 | Offener Fall (Brynych)

Platz 04 | ★★★★★ | Folge 196 | Gefährlicher Weg durch die Nacht (Gräwert)
Platz 05 | ★★★★★ | Folge 205 | Das Lächeln des Dr. Bloch (Gräwert)

Platz 06 | ★★★☆★ | Folge 207 | Die Reise nach München (Weidenmann)
Platz 07 | ★★★☆★ | Folge 203 | Tod auf dem Hinterhof (Brynych)
Platz 08 | ★★★☆★ | Folge 201 | Der Tote spielt fast keine Rolle (Tappert)

Platz 09 | ★★★★★ | Folge 206 | Isoldes tote Freunde (Ashley)
Platz 10 | ★★★★★ | Folge 210 | Die Festmenüs des Herrn Borgelt (Weidenmann)
Platz 11 | ★★★★★ | Folge 199 | Verlorene Würde (Grädler)
Platz 12 | ★★★★★ | Folge 198 | Wer bist du, Vater? (Ashley)

Platz 13 | ★★☆★★ | Folge 197 | Penthaus (Grädler)

Platz 14 | ★★★★★ | Folge 202 | Störungen in der Lust zu leben (Grädler)

Platz 15 | ★☆★★★ | Folge 209 | Mord im Treppenhaus (Ashley)

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

31.03.2016 11:15
#795 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Derrick: Regisseur-Ranking nach Collector’s Box 14

Nach langer Zeit aktualisieren möchte ich bei dieser Gelegenheit nun auch das Regisseur-Ranking, das ich zuletzt nach Beendigung von Box 9 gepostet hatte (damals im Vergleich mit Percy Lister). Bei gleichbleibendem Drehbuchautor ist mir die Personalie des Regisseurs sehr wichtig, haben doch alle regulär verpflichteten Spielleiter einen ganz eigenen Stil, der bestimmten Arten von Geschichten unter die Arme greifen und andere behindern kann.

Im Gegensatz zum Box-9-Ranking basiere ich meine diesmaligen Punktwerte nicht allein auf dem Durchschnittswert der Folgen jedes Regisseurs. Da mittlerweile extreme Unterschiede in der Anzahl der inszenierten Fälle pro Person vorliegen, möchte ich die Präsenz des Regisseurs in der Reihe mit abgebildet sehen. Leichte Tendenzen zugunsten der Vieldreher und zugunsten häufiger 5-Punkte-Folgen sind also mit einberechnet, ebenso wie für Folgen unter 3 Punkte leichte Abzüge gegeben werden. Gleich bleibt, dass nur diejenigen Regisseure in die Wertung eingehen, die mindestens drei Episoden realisiert haben. Das erweitert die Liste von damals zehn auf mittlerweile 13 Namen:

Platz 01 | ★★★★☆ (4,670 Pkt.) | 05 Folgen | Franz Peter Wirth
Platz 02 | ★★★★☆ (4,620 Pkt.) | 08 Folgen | Dietrich Haugk
Platz 03 | ★★★★☆ (4,453 Pkt.) | 40 Folgen | Theodor Grädler
Platz 04 | ★★★★☆ (4,447 Pkt.) | 28 Folgen | Alfred Vohrer
Platz 05 | ★★★★☆ (4,270 Pkt.) | 10 Folgen | Günter Gräwert

Platz 06 | ★★★★★ (4,160 Pkt.) | 10 Folgen | Wolfgang Becker
Platz 07 | ★★★★★ (4,090 Pkt.) | 07 Folgen | Horst Tappert
Platz 08 | ★★★★★ (4,000 Pkt.) | 10 Folgen | Jürgen Goslar
Platz 09 | ★★★★★ (3,975 Pkt.) | 32 Folgen | Zbynek Brynych
Platz 10 | ★★★★★ (3,925 Pkt.) | 32 Folgen | Helmuth Ashley

Platz 11 | ★★★☆★ (3,601 Pkt.) | 17 Folgen | Alfred Weidenmann

Platz 12 | ★★★★★ (3,020 Pkt.) | 03 Folgen | Gero Erhardt

Platz 13 | ★★☆★★ (2,677 Pkt.) | 03 Folgen | Michael Braun

Besonders deutlich zeigt sich der Aufstieg von Günter Gräwert, der erst im späten Serienverlauf wirklich an Profil gewinnt, nachdem er zu Beginn einige schwächere Arbeiten lieferte. Umgekehrt operiert Wolfgang Becker – wohl altersbedingt – nicht mehr auf dem sehr hohen Niveau seiner „Derrick“-Anfangsjahre oder sogar seiner „Kommissar“-Zeit. Grädler schwächelte in Box 14, kann aber den dritten Platz aufgrund seines guten Vorschusses verteidigen (viele Folgen, mit 11x die meisten 5-Punkter, gefolgt von Vohrer mit 8x und Brynych mit 7x). Wirth steht trotz seltener Verpflichtung an der Spitze, was bei zwei 5-Punktern, zwei 4,5ern und einem 4er in nur fünf Arbeiten wohl auch kaum mehr eingeholt werden kann.

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