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  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Schauderhaft. Nicht weil ich es als Majestätsbeleidigung auffassen würde. Ganz sicher nicht. Es ist, dem Trailer nach zu urteilen, schlicht miserabel gemacht.

    Je mehr die deutsche Filmindustrie vorsätzlich derartige Totalausfälle verbricht, desto weniger kann ich noch Mitleid für sie aufbringen.

    Gruß
    Jan

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum26.07.2018 23:54
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Eine durchaus korrekte Liste! Die zweite Box hat mehr starke Episoden als alle anderen. Neben "Schock" sehe ich "Den Mann aus Portofino" (nicht den Toten ), "Tod der Kolibris" und "Das Superding" nahezu gleichwertig. Alle zusammen glaskare A-Liga des deutschen TV-Krimis. "Tote Vögel singen nicht" steht glattweg noch eine Stufe darüber, quasi A mit Sternchen. Für mich die beste aller Derrick-Episoden. Geschrieben habe ich schon genug darüber, das muss nicht wiederholt werden. Aber auch "Kein schöner Sonntag" ist in meiner Gunst mit den Jahren deutlich gestiegen. Die Episode war mir früher zu betulich, heute schätze ich vor allem den famosen Ullrich Haupt. In Zeiten immer gleichförmiger daher kommender TV-Krimis lässt es heute geradezu erstaunen, wie unterschiedlich und dennoch auf ihre ganz eigene Weise gelungen einzelne Derrick-Episoden ausfielen.

    Gruß
    Jan

  • Diese Drombuschs (1983-94, TV)Datum12.07.2018 23:21
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Da bin ich ja mal auf die einzelnen Besprechungen zu den Episoden gespannt! Als Ergänzung vorab würde ich natürlich unbedingt noch den wesentlichen Hauptcharakter des Onkel Ludwig benennen, den der fabelhafte Günter Strack in einer absoluten Paraderolle mit der ihm eigenen Wucht darstellt und - ich meine, er tritt ab der zweiten Staffel auf - den Rest des Ensembles streckenweise schlicht und ergreifend von der Mattscheibe fegt. Wie schon bei der ebenfalls von Robert Stromberger geschriebenen legendären Familienserie "Die Unverbesserlichen" in den Jahren 1965 bis 1971 wurden die ersten Episoden der "Drombuschs" von Claus Peter Witt inszeniert, ehe dann Wolfgang Staudtes langjähriger Regieassistent Michael Meyer übernahm.

    Kennzeichnend für "Diese Drombuschs" (wie auch für "Die Unverbesserlichen") ist eine über weite Strecken durchaus ambitionierte Behandlung zeittypischer Problemthemen, die zumeist episodenweise regelrecht abgehandelt werden. Robert Stromberger, durchaus ein Intellektueller, verfiel dabei häufig und mit den Jahren auch zunehmend in regelrechte Monologpassagen einzelner Charaktere, die eindeutig seine eigene Handschrift tragen; sowohl inhaltlich als auch in ihrer Diktion. Parallelen zwischen den "Unverbesserlichen" und den "Drombuschs" sind unverkennbar. Die Themen kreisen häufig um alleinerziehende Mütter, Wohnungsnotstand und den Generationenkonflikt.

    Gruß
    Jan

  • Das Millionending (1966, TV)Datum12.07.2018 22:32
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Ich war angesichts der Besetzung zunächst auch skeptisch, dann aber letztlich doch sehr angetan. Sicher, die großen Leinwandhelden findet man hier nicht. Das hat sich für mich aber nicht negativ ausgewirkt. Gerade Horst Bollmann ist so drollig und knuffig, Helmut Wildt so smart und hart, dass diese Mischung sehr überzeugen kann. Helmut Wildt gehört für mich ohnehin zu den unterschätzten Darstellern. Aus der echten Heldenrolle ist er vielleicht auch aufgrund seiner kräftigen und weniger jugendlich-sportlichen Erscheinung etwas herausgefallen. Als Gangsterboss allerdings ist er hier durchaus in der Lage, den Mehrteiler zu tragen.

    Der Vergleich zu den "Gentleman" ist für das "Millionending" auch deswegen schwer, weil das Gespann um Horst Tappert und Günther Neutze schon alleine wegen des sagenumwobenen echten Raubüberfalls einen gewissen Kultcharakter genießt, der bis heute ungebrochen anhält. Tappert war zeitlebens nicht nur Derrick, sondern auch der Posträuber. Die Vorlage zum "Millionending" ist da schon eine Nummer kleiner, kann keine um die Welt gejagten echten Gauner vorweisen und ist daher aus dem Bewusstsein völlig verschwunden. Inszenatorisch indes kann ich dem "Millionending" im Vergleich durchaus ein höheres Spannungspotential zubilligen, währenddessen die "Gentleman" in ihrem beinahe dokumentarischen Charakter zwar auch ungemein reizvoll sind, jedoch auch nüchterner und in den Charakteren weniger ausgefeilt daherkommen.

    Insofern ist das "Millionending" kein Abklatsch der "Gentleman", sondern eine durchaus eigenständige Bereicherung auf dem Sektor der deutschen Heist-Movies. Ich werde da alsbald sicher wieder einen Blick riskieren.

    Zitat von Ray im Beitrag #1
    Berlin-Fans kommen auf ihre Kosten, wird doch mit (Archiv-)Bildern der Bundeshauptstadt nicht gegeizt.

    Das ist ganz bestimmt auch ein besonderer Punkt, denn "Das Millionending" gehört zu den ausgewiesenen Berlin-Filmen. Wie kommst Du aber auf die Archivbilder? Eher fand ich, dass Helmuth Ashley allzu leichtfertig im Jahr 1966 gefilmt und nicht sonderlich viel wert darauf gelegt hat, den aktuellen Zeitgeist in Ausstattung und Bild zu eleminieren. Ich meine sogar, bei einigen Szenen zwischen den beiden Kriminalkommissaren die Mauer im Hintergrund gesehen zu haben.

    Gruß
    Jan

  • Der deutsche Kriminalfilm vor 1945Datum10.07.2018 00:09
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Billyboy03 im Beitrag #86
    Kennt jemand von euch die Seite filmhauer.net? Dort kann man (meist für ca. 15€) alte deutschsprachige Filme erwerben, die es nicht im Handel gibt. Hat jemand damit Erfahrungen gemacht? Danke fürs Feedback.

    Ich kannte die Seite bis eben nicht, scheint sich im Wesentlichen mit Militaria zu befassen. Ein anderer mag mehr Glück haben, ich jedoch habe auf die Schnelle kein Impressum gefunden, dafür allerlei Verbotsfilme und eine auf mich suspekt wirkende Über-uns-Angabe. Zunächst einmal also ein nicht sonderlich seriöser Auftritt.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Klaus Lemke zählt zweifelsohne zu den Regie-Exzentrikern des deutschen Films. Insofern ist "Negresco" in nahezu jeglicher Hinsicht ein atypischer Lemke-Film, der, finanziert mit durchaus stattlichem Budget, vielmehr an eine internationale Großproduktion erinnert als an einen kleinen Genrefilm mit schmaler Finanzierung und improvisiert erscheinender Inszenierung, wie es in den allermeisten sonstigen Filmen Lemkes der Fall ist. Mir ist kein weiterer Film von Klaus Lemke bekannt, der in vergleichbarer Weise in eher seichtem und auf Hochglanz poliertem Wasser des Unterhaltungskino fischt wie es "Negresco" tut. Zwar tauchen auch hier die bereits genannten Skurrilitäten und Derbheiten, die so typisch sind für Lemke, zu Tage, jedoch bleibt die Absicht, massentaugliches und internationales Starkino zu machen, stets präsent.

    Alles in allem bleibt mir nach dem Betrachten des Films immer der Eindruck zurück, dass Klaus Lemke durchaus - nicht zuletzt aufgrund Doldingers atmosphärischem Soundtrack und dem coolen Sixties-Dekors - ein unterhaltsamer Actionfilm gelungen ist, jedoch bleibt auch immer die Überzeugung, dass der extravagante Regisseur in vielen, vielen anderen Produktionen deutlich Stimmigeres abgeliefert hat. So recht den Überblick hat er hier bei diesem Großfilm nicht behalten. Die Inszenierung ist streckenweise sehr wirr, einige Handlungsstränge versanden oder bleiben unschlüssig im Raum stehen.

    Vergleicht man "Negresco" mit dem wohl bekanntesten Lemke-Film "Rocker", so stellt man schnell fest, in welchem Metier Lemke mehr zu Hause ist. Es liegen ihm die kleinen, bizarren und mit viel Wortwitz bestückten Filme viel mehr als der große Unterhaltungsfilm mit internationaler Starbesetzung. Dennoch ist "Negresco" einen Blick wert, wenngleich er letztlich weder Fisch noch Fleisch ist.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #26
    Inzwischen stehen die Sendetermine der ersten Staffel von "Babylon Berlin" in der ARD fest.

    Den Auftakt mit drei Folgen gibt es am 30. September auf dem Sendeplatz des Dauerbrenners "Tatort". Danach geht es ab 04. Oktober erst mit Folgen im Dreierpack, dann mit Doppelfolgen weiter. Auch hier geht es jeweils um 20:15 los.


    Darauf bin ich schon mehr als gespannt. Da kann ich ja seit Jahren auch einmal wieder am Sonntagabend ARD schauen...

    Gruß
    Jan

  • Vergleichbarkeit von FilmbewertungenDatum25.06.2018 21:50
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Ich gucke bei jeder Besprechung als erstes auf den Punktewert, lese dann das Fazit und erst danach den Text - in der Tat sogar häufig absatzweise von unten nach oben und nicht umgekehrt. Das mit dem ersten Blick auf die Punkte hat vor allem einen Grund: Bei Produktionen, die ich gut kenne, weiß ich sofort, ob da jemand eine völlig abweichende Meinung vertritt oder ob sich die Bewertung vermutlich so ziemlich mit meiner decken wird. Interessierter bin ich grundsätzlich an völlig abweichenden Bewertungen und dafür sind die Punkte ein guter Anhaltswert. Ich finde die Punkte-Systematik eigentlich nicht schlecht, zumal sie, wie Gubanov schon schrieb, mitnichten alleine dasteht, sondern von sehr umfänglichen Texten begleitet wird.

    Gruß
    Jan

  • Vergleichbarkeit von FilmbewertungenDatum24.06.2018 22:58
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Diese Frage kam in der Tat meiner Erinnerung nach schon einige Male auf. Richtigerweise lässt sich auf die Frage in meinem Fall keine ganz eindeutige Antwort geben.

    Ich bepunkte in Serien ziemlich klar anhand der Serie selbst aber auch immer vor dem Hintergrund vergleichbarer Serien des Genres. Anders wäre es kaum möglich, den ersten Beitrag einer Serie wie beispielsweise "Sonderdezernat K1" überhaupt direkt nach dem Sehen mit einem Punktewert zu belegen, da ich den Rest der Serie ja noch gar nicht kenne. Insofern kommen hier vergleichbare Produktionen wie "Der Kommissar" oder "Derrick" als Messlatte hinzu. Welche Vergleichsproduktionen das im konkreten Fall immer sind, kann der Leser kaum wissen; ich benenne ja nicht jede Vergleichsproduktion immer konsequent. Insofern finden sich diese Vergleichswerte zunächst einmal in meinem Kopf.

    Ähnlich sieht es bei Spielfilmen und TV-Filmen aus, die keiner festen oder losen Serie zugehörig sind. Bei der Bewertung des Films "Am Tag als der Regen kam" zog ich für mich bei der Punktevergabe Vergleiche zu "Die Halbstarken" oder "Verbrechen nach Schulschluss ('59)". Sicher aber nicht zu "Im Banne des Unheimlichen" oder zu der "Derrick"-Episode "Tod am Bahngleis", um einmal einige Beispiele zu nennen. Die grobe Einordnung des besprochenen Films zum jeweiligen Genre (und damit den Vergleichsproduktionen) bleibt dem Leser der Besprechung überlassen. Wobei diese Zuordnung in diesen Reihen kaum einer Raketenwissenschaft gleich kommt. Die allermeisten kennen sich im Film sehr gut aus und werden nicht erwarten, dass ich völlig abwegige Vergleiche anstelle.

    Generell stellt diese Punktevergabe für mich einen groben Anhaltspunkt für den Leser dar, der auf einen Blick einen Eindruck bekommt. Eine trennscharfe und mathematisch messbare Größe ist sie sicher nicht.

    Im Übrigen vergebe ich auch hohe Punktewerte für Produktionen, die mir nicht wirklich liegen - bzw. ich bin stets bestrebt, dies zu tun. Mein Paradebeispiel dafür ist "Feuerball". Ich mag den Film nicht übermäßig. Dennoch ist er in der James-Bond-Reihe und (natürlich) auch unter den Eurospy-Produktionen der 1960er Jahre eine Vorzeigeproduktion von ausgezeichneten Qualitäten, was sich in entsprechender Punktehöhe dann auch wiederfinden wird.

    Gruß
    Jan

  • Zukunft der CCC Studios HaselhorstDatum18.06.2018 22:18
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von greaves im Beitrag #17

    Auf dem „neueren“Studiogelände sieht der Einfahrttorbogen etwas an amerikanische Studios angelehnt aus,finde ich

    Etwas ist gut - als ich den entdeckt hatte, war mein erster Gedanke: Disney-World. Aber nun gut, sowas muss wohl sein. Alles in allem wird das Gelände sicher deutlich kleiner, aber eben auch deutlich aufgeräumter und ordentlicher. Will man zukünftig dort (internationale) Filmcrews anlocken, dann ist das irgendwie auch unvermeidlich. Man wird die Leute nur schwer durch ein von Bauzäunen zerklüftetes Areal mit baufälligem Gemäuer lotsen können. Das würde wenig professionell erscheinen. Insofern stehen in Haselhorst die Zeichen schon sehr auf Zukunft, und das ist in Zeiten, in denen sich Berlin immer mehr selbst abzuschaffen scheint, eine durchaus angenehme Ausnahme!

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #51
    Kennt jemand eigentlich sein einmaliges Gastspiel als Tatort-Kommissar und kann was dazu sagen?

    Ich habe das vor x Jahren mal gesehen und war nur so halb begeistert. Ziemlich dröge Kost, wenn ich's noch recht weiß.

    Krebs war ja auch bei Ringelmann und Gräwert beschäftigt. Ein durchaus wandelbarer und sehr überzeugender Darsteller; leider auch viel zu früh verstorben, wenn man mal bedenkt, dass Krebs bald 20 Jahre (!) tot ist.

    Gruß
    Jan

  • Zukunft der CCC Studios HaselhorstDatum16.06.2018 22:29
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Anbei einige Impressionen des Studiogeländes vom gestrigen Tage. Einiges ist dort in Bewegung, nicht nur in den renovierten Studios, in denen sehr zu meiner Freude reger Betrieb herrschte. Deutlich umtriebiger war die Abrissbirne indes ringsherum zuvor gewesen. Der alte Bürokomplex am Wasserturm ist verschwunden. Das alte Studio steht (noch?) an Ort und Stelle, ebenso der Anbau hinten dran und natürlich der Wasserturm. Leider war niemand dort, den man hätte Fragen können, was mit diesen Gebäuden passieren wird. Schweres Abbruchgerät konnte ich keines mehr finden, was ein Indiz für das Überleben sein mag. Wie man aber vor allem das alte Studio mit den nun sehr gut sichtbaren Zwischenböden retten will, dürfte eine interessante Aufgabe für einen Architekten sein. Das Gemäuer erscheint derart verfallen, dass ein Erhalt reichlich kostspielig sein wird.





    Ein mir bislang unbekanntes aber offenbar schon gut 78 Jahre altes Detail trat für mich erstmals in Erscheinung:



    Generell scheinen die nun abgerissenen Bauten sogar unterkellert gewesen zu sein, was die Neuverwertung des Geländes sicher nicht einfacher gestaltet. Was da neu entstehen wird, ist ja eh wohl noch unbekannt. Wenn ich mich in der Kleinen Eiswerderstraße aber so umsehe, drängt sich der Verdacht auf, dass auch auf dem CCC-Gelände bald nobler Wohnraum mit Havel-Blick entstehen könnte.











    In jedem Fall verlegt man die Hauptzufahrt definitiv von der Kleinen Eiswerderstraße in die Daumstraße. Ein noch im Rohbau dastehender Torbogen markiert die neue Zufahrt, sodass es wahrscheinlich erscheint, dass das Gelände wohl geteilt wird.



    Soweit einige aktuelle Bilder aus allen möglichen Perspektiven. Ich hatte versucht, sie in der Galerie hochzuladen, scheitere aber gerade daran, den notwendigen Upload-Knopf zu finden. Wenn das also ein Admin tun mag, dann gerne. Mit pic-upload.de geht es zwar auch, jedoch bin ich mir nicht sicher, dass die Bilder für immer und ewig erhalten bleiben.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Sehr cool! Wo hast Du das ergattert? Ebay?

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Die Parallele zu Reineckers Lieblingsthema der "verkommenen" Tochter zu ihren rechtschaffenden Eltern sehe ich in "Nachtrost" nicht in dieser Deutlichkeit. Im Zentrum von Herbert Lichtenfelds Buch steht - meiner Erinnerung nach (ich habe den Film viele Jahre nicht gesehen) - vielmehr der unter Verdacht stehende Marcel Werner und dessen Beziehung zu seinen Eltern. Soweit mich meine Erinnerung nicht trügt, lebte das Mordopfer vor ihrem Dahinscheiden bei einem über die Dauer des Films recht teilnahmslos erscheinenden Onkel oder Großvater. Insofern verlagert sich das eigentliche Beziehungsdrama auf zwei Generationen, die die Filmdauer über lebend gezeigt werden. Reinecker mühte sich zwar auch bisweilen, den Generationenkonflikt auszuweiten, in dem er beispielsweise eine am Leben befindliche Schwester der Toten in die Geschichte aufnahm, wie er es in der "Kommissar"-Episode "Die Tote im Park" tat. Die eigentliche Tote indes ist in "Nachtfrost" vielmehr Beiwerk, währenddessen sie in zahlreichen Reinecker-Büchern als Vertreterin der verrohten Jugend entsprechend bestraft wird, daher zu sterben hat und - als Tote - im Zentrum steht. Lichtenfeld geht ein stellungbeziehendes Gut und Böse recht deutlich ab. Die eigentliche Erklärung für das Arbeiten als Callgirl ist bei Lichtenfeld die schnelle Mark und nicht das Auflehnen gegenüber einer verklemmten Eltern-Generation. Reinecker'sches Gedankengut mischt sich eher schon in die Darstellung des jungen Marcel Werner und seiner recht herrischen Filmmutter Ulaa Jacobssen. Allerdings bleibt Herbert Lichtenfeld hier unparteiischer, bleibt bei den Motiven des Jugendlichen vielschichtiger, auch weil er schlicht 60 Minuten mehr Zeit hat für die Schilderung.

    Die Episode "Nachtfrost" lebt aus meiner Sicht vor allem durch den famosen Marcel Werner, unverkennbar in Aussehen und Schauspieltalent der Sohn Hanns Lothars. Es ist jammerschade, dass dieses Talent so jung verstarb. Werner ist ein regelrechter Glücksgriff in der Besetzung. Er deckt die Bandbreite zwischen depressiver Teilnahmslosigkeit und proaktivem Handeln überaus eindrucksvoll ab, bleibt für den Zuschauer schwer durchschaubar und dennoch stets glaubwürdig, lehnt sich gegen seine Filmeltern auf und sucht dorch wieder Zuflucht. Das ist behutsam geschrieben und hervorragend verkörpert.

    Wenn man hätte kürzen wollen, dann aus meiner Sicht am ehesten am Ende. Die auffahrende Hundertschaft der Polizei ist zwar optisch reizvoll in Szene gesetzt, jedoch letztlich überflüssig. "Alle gegen einen" oder eine Art "Jagd auf das wilde Tier" waren vermutlich Petersens Intention hinter dieser Szene. Das ist ihm gelungen, wenngleich das Ganze sicher noch einmal zehn Minuten Spielzeit einfordert. Für Wofgang Petersen darf diese Massenszene indes als gutes Arbeitszeugnis für spätere Hollywood-Großproduktionen gelten. Hier zeigte sich schon früh, wie fingerfertig Petersen in der Inszenierung derartiger Aufzüge ist.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Da schau an, der Herr Sandloff wieder. Er zeichnet für zwei Mabuse-Sounds den Credits zufolge verantwortlich und hat demnach keinen einzigen echten (Titel-)Beitrag geleistet. Denn auch den Soundtrack der "unsichtbaren Krallen" reklamiert ein anderer für sich:

    Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
    meine allererste Titelmusik, heute noch gut


    http://www.christianbruhn.de/cb/soundtracks-film-tv/

    Gruß
    Jan

  • Bewertung – Rolf Olsen-FilmeDatum06.06.2018 21:52
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Das ist eine richtige gute Neuigkeit. Da bin ich sicher an Bord, das gute Stück zu kaufen. Die Schnitte waren ja doch stets recht lieblos.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Ich zöge letztlich auch den "Sarg" dem "Mädchen" vor. Indes hat das weniger mit Parallelen zu Wallace-Filmen zu tun, die ich hier weder erwarte noch in besonderem Maße sehe. Das Subgenre ist ein anderes, und es hat in meinen Augen einen ganz eigenen Charme, der (auch nicht anteilig) durch den des Wallace-Subgenres ergänzt oder ersetzt werden muss. Insofern ist mir an dieser Stelle eine gewisse Eigenständigkeit sogar recht lieb. Dass der "Sarg" ein durchaus gelungener Film ist, habe ich oben schon geschrieben, und ich gehöre auch nicht zu den Köhler-Kritikern. Ganz im Gegenteil: Was ich von ihm kenne, ist durchaus sehr unterhaltsame Ware. Köhler verstand es stets, mit Schwung und Charme zu inszenieren. Insofern frage ich mich nach wie vor, woher der Mann seinen schlechten Ruf hat. Sei's drum: "Ein Sarg aus Hongkong" hat z.T. höchst geglückte Dialoge, mit Ralf Wolter einen drolligen humoristischen Part, optisch wirksame Hongkong- und handwerklich aufwändige Atelier-Aufnahmen. Dem gegenüber ist das zeittypisch ohne Atelier gedrehte "Mädchen von Hongkong" sehr auf Fuchsberger zurecht geschnitten (er bestreitet gefühlt jede Szene) und letztlich auch aufgrund der Entstehungszeit viel härter und sexlastiger ausgefallen. Für einen Jürgen-Roland-Film der 1970er Jahre bleibt "Das Mädchen von Hongkong" dennoch recht verhalten-zivilisiert, Roland haut inszenatorisch weniger mit dem Vorschlaghammer zu als in seinen späten St.-Pauli-Filmen. Dennoch verliert der Film gegenüber den Produktionen der 1960er Jahre deutlich an diesem gewissen Märchen-Charme, der Hartwigs Exotik-Abenteuer stets ein wenig begleitete.

    Für einen echten Vergleich des "Sarges" bieten sich insofern eher die Hartwig/Roland-Produktionen der 1960er Jahre an, und in diesem muss sich "Ein Sarg aus Hongkong" in keinem Fall verstecken. Ganz im Gegenteil.

    Gruß
    Jan

  • Harry RiebauerDatum02.06.2018 09:15
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    In der Tat eine interessante Frage. Ich kann dazu auch nur mutmaßen. Harry Riebauer lebte offenbar nach seinem Wechsel in den Westen in Berlin. Die angesprochenen Ringelmann-Serien entstanden in München. In erster Linie wurden Nebenrollen darin mit Darstellern besetzt, die in und um München ansässig waren. Sicherlich auch ein Kostenfaktor. Zwar gab es auch dabei immer wieder Ausnahmen, wenn der Regisseur beispielsweise auf entsprechende Darsteller bestand (vgl. Ilse Pagé und Albert Bessler in der Derrick-Episode "Kamillas junger Freund"). Harry Riebauer schien aber weder beim Produzenten noch bei den Regisseuren der genannten Serien eine enstprechende Lobby gehabt zu haben und bot sich ob der räumlichen Trennung daher offenbar auch nicht zwangsläufig als Besetzung an. Der Film- und Fernsehstandort Berlin hingegen nahm an Bedeutung ab den 1970er Jahren stetig ab, sodass sich lokal immer weniger Beschäftigungsmöglichkeiten ergaben und Harry Riebauer so bedauerlicherweise aus dem Fokus verschwand. Wie gesagt - nur eine Mutmaßung.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    "Jagdrevier" ist kein Whodunit, letztlich nicht einmal ein lupenreiner Kriminalfilm, sondern mehrheitlich die Spielwiese des Autors Herbert Lichtenfeld und des Regisseurs Wolfgang Petersen, in der norddeutschen Tiefebene einen Westernfilm ablaufen zu lassen. Die Stilmittel dieser Episode nehmen Anleihen an große US-amerikanische Vorbilder wie "12 Uhr mittags", und sie sind streckenweise nicht frei von einem gewissen Sergio-Leone-Touch. Das alles ist nicht unansehnlich drappiert, weiß durchaus zu unterhalten und vollzieht den Hofknicks vor den großen Vorbildern weder anbiedernd noch unfreiwillig komisch. Dennoch rangiert "Jagdrevier" - vielleicht mit Ausnahme von "Reifezeugnis" - auch in meiner Gunst hinter den übrigen Finke-Tatorten, letztlich im Wesentlichen deswegen, weil die Handlung gegenüber den übrigen Lichtenfeld-Büchern zu eindimensional bleibt und von dem Gespann Lichtenfeld/Petersen schlicht mehr erwartet werden darf. Rays Kritik indes halte ich für zu überzogen. Selbst wenn "Jagdrevier" ein nur mittelmäßiger Finke ist, ist er immer noch ein "Tatort" aus der oberen Liga.

    Gruß
    Jan

  • "Derrick" oder: das andere KonzeptDatum22.05.2018 23:49
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #866

    Interessant. Hast du bei "Derrick" auch bis zum (bitteren?) Ende durchgehalten?


    Nein, das habe ich mir nicht abverlangen können. Ich habe zwar alle Boxen (günstig) ergattern können, bin aber letztlich mit einer Gesamtschau irgendwann Mitte der 1980er Jahre ausgestiegen. "Das absolute Ende" war nicht nur Vohrers Ende, sondern irgendwie auch meines bei Derrick. Danach habe ich nur noch vereinzelte Episoden gesehen und habe dabei nach Regisseuren gewählt. Episoden von Wolfgang Becker, Horst Tappert, Günter Gräwert und vereinzelt auch Gero Erhardt habe ich noch gesehen; von Grädler, Ashley oder Weidenmann fast nichts mehr. Selbst auf meinen geheimen Liebling Brynych war nicht mehr recht Verlass.

    Zitat von Ray im Beitrag #866

    Der letzte Platz von "Der Tag nach dem Mord" hat entscheidend mit der Performance von Krista Keller zu tun, nehme ich an? Keller wird für mich in der Box in Sachen Nerv-Faktor nur durch die unfassbar penetrante Christiane Schröder in "Mitternachtsbus" übertroffen.


    Christa Keller hat sicher nicht dazu beigetragen, den "Tag nach dem Mord" in meiner Gunst steigen zu lassen, jedoch hat mich hier Oliver Grimm letztlich immer noch mehr genervt als die per se anstrengende Frau Keller. Verglichen mit den übrigen starken Beiträgen in der ersten Box ist diese Episode letztlich zu unbedeutend, als dass sie mir nachhaltig im Bewusstsein geblieben wäre. Da hatte es die typische Brynych-Machart inkl. Vicky-Leandros-Dauerbeschallung schon leichter. Es ist sicher nicht Brynychs beste Arbeit bei Derrick, allerdings ist die Episode wieder herrlich schräg geraten und für Freunde der Hau-drauf-Inszenierungen durchaus eine Bereicherung.

    Ich habe eben noch einmal das Cover der zweiten Box angsehen und habe wieder festgestellt, dass darin in meinen Augen noch erheblich bessere Episoden sind. Genau genommen findet sich da kaum etwas Mittelmäßiges. Dass ich ein regelrechter Fan der beiden Vogel-Episoden bin ("Tote Vögel singen nicht" und "Tod der Kolibris"), hatte ich schon einige Male geschrieben. Zusammen mit "Waldweg", "Der Mann aus Portofino" und "Hals in der Schlinge" ist das m.E. mit das Beste, was Ringelmann je produziert hat.

    Gruß
    Jan

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Jan
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