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  • Bewertet TV: "Der Andere" (1959, 1)Datum08.01.2018 20:03
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Freut mich, dass Dich "Der Andere" auch gefesselt hat. In der Tat gibt es keinen zweiten Durbridge, bei dem ich mich zunächst mehr überwinden muss, ihn in den Player zu legen, der mich dann aber wie kaum ein zweiter in seinen Bann zieht, wenn ich ihn denn erst einmal begonnen habe zu sehen. Hervorragendes Ensemble, feinsinnig inszeniert und mit prägnantem Musik-Sound versehen. "Der Andere" ist wohl genau das, was man einen Geheimtipp nennt. Abseits vom Halstuch, Tim Frazer, etc. en Mehrteiler, der sich hinter den berühmten Nachfolgern nicht verstecken muss!

    Gruß
    Jan

  • AutogrammeDatum08.01.2018 19:54
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Frau Baal hat doch vor nicht allzu langer Zeit ein Buch geschrieben. Frag doch beim Verlag mal nach, evtl. können die Dir helfen.

    Gruß
    Jan

  • Bewertet: "Der Alte"Datum08.01.2018 19:41
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #259
    Zitat von Jan im Beitrag #256
    Allerdings ist Schlüter dann auch alsbald wieder aus der Serie ausgstiegen
    Na ja, Millinger/ Schlüter hatte seinen letzten Auftritt in Folge 78 Perfektes Geständnis, die als 74. produziert wurde. Da war er doch drei Viertel der Produktionszeit mit an Bord...


    Guck an, ich hätte gefühlsmäßig gesagt, es sei nicht so lange gewesen.

    Zitat von Georg im Beitrag #259

    Erst mit der Zeit hatte Ringelmann auch die "richtigen" Drehbuchautoren aussortiert (wobei ich mit einem immer meine Schwierigkeiten hatte: Volker Vogeler ...).

    Ja, der traurige Seehund (O-Ton Lowitz in einer Episode, in der Vogeler mal als Schauspieler zu sehen war). Der hatte leider seine Schwächen. Gottlob hatte man aber die gute Frau Fendel kein zweites Mal ans Drehbuch gelassen. Ihr Beitrag ist wirklich annähernd abstoßend.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #55
    Krista Keller hingegen überdreht ähnlich wie in der Der Alte-Folge "Verena und Annabelle" und erweist sich eher als störend.

    Wie immer, wenn Frau Keller auftrat, nervte sie auch mich. Schauderhaft. In der ansonsten wunderbare Episode "Marholms Erben" (auch Der Alte) muss sie auch ertragen werden.

    Gruß
    Jan

  • Bewertet: "Der Alte"Datum06.01.2018 23:26
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Henning Schlüter erinnert in der Tat an Siegfried Schürenberg. In einer Vohrer-Episode (weiß gerade nicht welche) bringt die adrette Sekretärin gar den Tee. Allerdings ist Schlüter dann auch alsbald wieder aus der Serie ausgstiegen und wurde auch nicht mehr ersetzt. Ein Staatsanwalt geisterte zudem durch einige Folgen, trat dann aber auch nicht wieder in Erscheinung.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Wolf C. Hartwig gehörte ohne Zweifel zu den echten Erfolgstypen des deutschen Films, wenngleich es ein Stück weit nachvollziehbar ist, ihn zunächst mit seinen kaum sonderlich geschmackssicheren aber dafür enorm erfolgreichen Sexfilmen in Verbidnung zu bringen. Währenddessen seine früheren Ansätze, sich an der Krimi- oder Abenteuerwelle zu beteiligen, zwar bisweilen achtbare Erfolge beispielsweise mit den Hongkong-Filmen erzielten, jedoch darüber hinaus verhältnismäßig unbedeutend blieben, schlug Hartwigs Stunde mit dem Einsetzen der Softsex-Welle. Die Kombination aus extrem billiger Herstellung und geradezu überwältigendem Publikumszuspruch zog eine ganze Schwemme dieser mit Amateuren und Sternchen besetzten Pseudo-Reporte nach sich, die Hartwig die Kassen dergestalt füllte, dass er es sich 1976 erlauben konnte, die Moneten mit Hollywoods zwar genialem aber leider auch mächtig versoffenem Enfant terrible Sam Peckinpah und einem internationalen Cast wieder zu verbrennen - obschon "Steiner" ein (wenngleich teuer erkaufter) Publikumserfolg wurde. Nach "Steiner" samt seines Sequels und noch einigen wenigen Softsex-Vehikeln stellte Hartwig nach angeblich über 100 Mio. Softsex-Zuschauern und reichlicher Entgegennahme Goldener Leinwände zur Mitte der 1980er Jahre das Produzieren ein. Die Zeit der belanglosen Nackideis und der unaufgeklärten Aufklärung war spätestens da völlig vorbei, sodass Wolf C. Hartwig die Pfründe seines Schaffens immerhin 32 Jahre lang genießen konnte, ehe er nun im hohen Alter von annähernd 100 Jahren verstarb.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    "Zweikampf" ist zweifellos eine der gelungensten Tatort-Episoden. Die Machart ohne Whodunit ähnelt auch dem zeitgleich entstandenen Derrick-Beginn, wobei hier noch die vorangestellte Komponente des Duells hinzu kommt. "Zweikampf" zählt zudem zu den prägnanten Beispielen der Vielseitigkeit Wolfgang Beckers, der nicht nur Hochkarätiges nach Schema F erstellen konnte, sondern eben auch Stoffe mit abweichender Dramaturgie enorm spannend umzusetzen wusste. Gleich zu Beginn ist "Zweikampf" übrigens als typisches Becker-Werk zu entlarven: Das Stück "Birdman" von Giles & McDonald setzte Becker unzählige Male ein. Zwei Stammschauspieler des Regisseurs sind zudem dabei: Horst Sachtleben (um die 15 Auftritte) und Beckers Lebensgefährtin Gracia Maria Kaus. Ein in sich wirklich stimmiges Werk!

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Louis de Funès - neben dem Gespann Spencer/Hill auch Held meiner Jugend - lebte hierzulande, wie oben schon ganz recht anklingt, von der grandiosen Synchronisation, die zumeist den Spagat zwischen Klamauk und Komödie meisterte (verantwortlich war ja auch häufig Rainer Brandt). Wie abhängig de Funès vom richtigen Sprecher war, zeigte sich, als Gerd Martienzen - meiner Erinnerung zufolge nach dem Film "Brust oder Keule" - aufhörte, den Franzosen zu sprechen. Zwar hatte sich zuvor auch Wallace-Darsteller Klaus Miedel mehrfach an de Funès abgearbeitet, den entscheidenden Kick gab ihm aber kein anderer als Martienzen. Der Berliner Peter Schiff, nach Martienzen Ausstieg de Funès' Stammsprecher, gab sicher sein Bestes, konnte das deutsche Stimm-Original aber m.E. nie gleichwertig ersetzen, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Synchronregie in späteren Werken allzu klamaukig vorging. Die im Original durchaus zwar komödiantisch, nicht aber zotig angelegte Molière-Adaption mit dem bereits die Richtung weisenden deutschen Titel "Louis der Geizkragen" wurde so ein Beispiel für eine nicht durch und durch geglückte deutsche Vertonung. Wenngleich der Film auch mit der deutschen Tonspur durchaus sehenswert bleibt, wäre etwas weniger sprachliche Haudrauf-Akrobadik wünschenswert gewesen.

    Ich bin gespannt, welche Eindrücke dieser Thread hier wiedergeben wird. Die nächste Feiertagsabfolge kommt bestimmt, und Kabel 1 wird sich da wieder als dankbarer Lieferant von de-Funès-Filmen erweisen.

    Gruß
    Jan

  • Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15)Datum23.12.2017 11:51
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    McFergusons ulkiger Stuhl mit den Flecken, die stets dazu animierten zu überlegen, was das wohl sein soll, taucht ja auch noch in gleich mehreren Produktionen auf. Ob auch in Zimmer 13, weiß ich aber gerade nicht.

    Gruß
    Jan

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum23.12.2017 11:48
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Peter im Beitrag #38

    --> Für alle West-Berlin-Atmosphäriker darf man weiterhin "Liebling Kreuzberg" wärmstens empfehlen...!


    Die Serie habe ich auch noch auf dem Radar, konnte mich bislang ob des Protagonisten nicht recht durchringen. Manfred Krug war nie so recht mein "Liebling".

    Zitat von Marmstorfer im Beitrag #39

    Stimmt natürlich - wobei ich das für Tukur nicht gelten lasse - da war wirklich jede Folge grandios und einfallsreich. Aber schwache und starke "Tatorte" gab es damals wie heute, was ja für eine beinahe fünfzigjährige Reihe mit über 1000 Folgen auch wenig verwunderlich ist. Ich würde mich bloß davor hüten in die "Früher-war-alles-besser-Kerbe" zu schlagen.


    Volle Zustimmung! Der nostalgische Blick verklärt da bisweilen die (auch meine) Sicht etwas. Nüchtern betrachtet war das Verhältnis zwischen geglückt, durchschnittlich und missraten sicher stets einigermaßen identisch. Neben den Finke-Tatorten, die ich alle für rundherum gelungen halte, verwundert es so auch nicht, dass ich etwas Vergleichbares nur noch von einem aktuellen Ermittler sagen kann, nämlich in der Tat von Ulrich Tukur. Indes muss man sicher eine gewisse Ader mitbringen, um Tukur uneingeschränkt weiterempfehlen zu können. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Ich bin davon aber zumindest jedes Mal auf's Neue angetan.

    Gruß
    Jan

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum22.12.2017 20:00
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #29
    Außerdem ist es auch einfach um mich geschehen, wenn die wunderbare West-Berlin-Insel-Atmo zu spüren ist.


    Ist ja interessant - da bin ich glattweg nicht der einzige, der sich den Hals nach dieser typischen Westberlin-Aura verdreht. Immerhin habe ich mir die komplette "Drei-Damen-vom-Grill-Box" nicht zuletzt deswegen angetan.

    Zitat von Jan im Beitrag #26
    ... zumal ich mir gerade nicht recht erklären kann, was Herbert Lichtenfeld direkt mit Draches Tatorten zu schaffen gehabt haben könnte. M.W. hat er ja kein einziges seiner Bücher geschrieben.

    Er hat nicht, aber er sollte und wurde von Drache rundheraus abgelehnt. 1988 sollte zunächst eine Bülow-Folge "Der Tod hat hitzefrei" nach einem Drehbuch von Irene Rodrian entstehen, das Drache aber nicht gut genug war. Als Ersatz präsentierte ihm der SFB "Die unbekannte Größe" von Herbert Lichtenfeld. Auch hier ging Draches Daumen nach unten und die besagte Schmutzwäsche wurde zwischen ihm und dem gekränkten Lichtenfeld öffentlich gewaschen. [/quote]
    Danke für die Info. War mir nicht bekannt. Ich kenne zwar "Die unbekannte Größe" nicht, halte Herbert Lichtenfeld jedoch für einen hervorragenden Krimi-Autoren. Warum Drache, wenn er denn so ein Mitspracherecht hatte, die übrigen Bücher dann akzeptierte, bleibt wohl ein allgemeines Geheimnis.

    Gruß
    Jan

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum22.12.2017 01:02
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Georg im Beitrag #24
    Nicht zuletzt gab es ja auch einen öffentlichen - nicht sehr freundlichen - Briefwechsel zwischen Drache und Herbert Lichtenfeld, die sich gegenseitig Unfreundlichkeiten ausrichteten und die letztlich Draches Ausstieg mit bewirkten. Irgendwo habe ich diesen, müsste aber mal suchen.


    Das wäre natürlich einmal sehr interessant, zumal ich mir gerade nicht recht erklären kann, was Herbert Lichtenfeld direkt mit Draches Tatorten zu schaffen gehabt haben könnte. M.W. hat er ja kein einziges seiner Bücher geschrieben.

    Wenn man sich Heinz Draches übersichtliche Filmografie ab dem Ausstieg bei Wallace näher betrachtet, fällt ohnehin auf, dass er auch abseits des Tatorts wenig Glück mit den Büchern hatte. Irgendwie scheint es ja Wallace-Veteran Vohrer noch zweimal gelungen zu sein, Drache bei Ringelmann unterzubringen. Leider hatte er auch da irgendwie Pech und geriet an Bücher, die durchschnittlich geraten waren und in denen er meiner Erinnerung nach beide Male einen recht ähnlich angelegten Typus des alternden Snobs zu verkörpern hatte.

    Gruß
    Jan

  • Heinz Drache im "Tatort" BerlinDatum21.12.2017 19:25
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #20

    Auf meinem Weihnachts-Wunschzettel steht erstmal die Haferkamp-Box, deren Folgen mir auch noch unbekannt sind.

    Ich würde auch eher empfehlen, die Episoden bei nächstbester Gelegenheit aufzuzeichnen. Dieses Veröffentlichungsgebaren im Zusammenhang mit dem Tatort ist für mich schon recht nervig, und die Haferkamps werden wirklich turnusmäßig wiederholt. Neben den Finke-Episoden, die mindestens ebenso empfehlenswert sind (alle!), dürften kaum Seventies-Tatorte häufiger wiederholt worden sein als die Felmy-Tatorte.

    Was den Heinz Drache im Tatort anbelangt, bin ich recht zwiegespalten. Sicher ist es schön, Drache in die 1980er versetzt zu sehen, wenn man ihn im Wesentlichen nur aus den 1960ern kennt. Auch hat der Schauplatz Berlin für mich einen außerordentlichen Reiz. Darüber hinaus jedoch konnte ich an den Episoden nie sonderlichen Gefallen finden. Selbst wenn ich nicht an Finke oder Haferkamp messe, sondern die Messlatte tiefer hänge, sind die Geschichten recht eindimensional in meiner Erinnerung geblieben. Zudem wirkte Draches Auftritt auf mich stets wie der sture Versuch, eine Figur der 1960er Jahre in die 1980er zu hieven. Als Kontrastmittel zu Schimanski mag das seinerzeit seine Berechtigung gehabt haben, aus dem heutigen Betrachtungswinkel heraus wirkt es auf mich allerdings mal mehr, mal weniger aufgesetzt, blasiert oder steif. Da mir die Bücher darüber hinaus als wenig kreativ in Erinnerung geblieben sind, liegt meine letzte Begegnung mit Heinz Drache im Tatort schon ein Weilchen zurück. Letztlich wäre Regisseur Rolf von Sydow noch einmal ein Argument, einen Blick zu riskieren. Werde ich bei Gelegenheit mal wieder tun.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Meine persönliche Liste auf Basis der mir bekannten Filme sieht wie folgt aus:

    1. Der Stoff aus dem die Träume sind (5/5)
    Vohrers nahezu monumentales Meisterwerk. Bei aller Publikumsorientierung dennoch vielschichtig und ambitioniert.

    2. Lieb Vaterland, magst ruhig sein (5/5)
    Ungeschönt und ungeschminkt, mit herausragenden schauspielerischen Leistungen (Marischka, Pfitzmann)

    3. Liebe ist nur ein Wort (4,5/5)
    Modern und ohne falsche Töne, ein krasser Bruch mit bundesdeutscher Betulichkeit, bravourös gespielt (Fleischmann, Höfer, Diess)

    4. Und Jimmy ging zum Regenbogen (4,5/5)
    Auftakt nach Maß, gekonnte Verquickung von aktuellen bzw. zeitgenössischen Themen in Verbindung mit modernem Unterhaltungskino

    5. Alle Menschen werden Brüder (4/5)
    Gegenüber den Vorgängern etwas schlichter gestricktes, solide inszeniertes Unterhaltungskino mit einem fabelhaft hemmungslosen Harald Leipnitz

    6. Gott schützt die Liebenden (3,5/5)
    Internationales Unterhaltungskino, weniger ambitioniert, eher mit Fokus auf den Export, dennoch sehr unterhaltsam

    7. Die Antwort kennt nur der Wind (3,5/5)
    Beachtliches internationales Star-Aufgebot, letztlich zu inhaltsleer und actionorientiert, fraglos gekonnt inszeniert

    8. Bis zur bitteren Neige (2,5/5)
    Säufer-Drama mit viel Product-Placement, letztlich nicht viel mehr als Oswalds Versuch, einen Alfred-Vohrer-Film zu machen

    Zudem gehören natürlich noch weitere Beiträge zum filmischen "Simmelsurium":

    Mein Schulfreund (1960) mit Heinz Rühmann
    Mit Himbeergeist geht alles besser (1960)
    Affäre Nina B. (1961)
    Es muss nicht immer Kaviar sein bzw. Dieses Mal muss es Kaviar sein ( beide 1961) von Artur Brauner produziert

    sowie

    Die wilden Fünfziger (1983) von Peter Zadek
    Bitte lasst die Blumen leben (1986)

    Diese kenne ich entweder nicht bzw. ich habe sie vor Ewigkeiten mal gesehen.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Ich meine, dass die Reihe mit den beiden guten Erstlingen dann mit "Der Stoff aus dem die Träume sind" einen wahren Höhepunkt erfuhr, ehe sie wieder einen gewissen Sinkflug einnahm. Zwar ist der Brüder-Film in meinen Augen auch sehr gelungen, danach aber wurde es mir dann zu elitär-kitschig. "Bis zur bitteren Neige" ist in meinen Augen eine verunglückte Vohrer-Kopie ohne eigene Idee und ohne eigenen Esprit. Den hätte man sich getrost schenken können. So oder so: Ich würde, wenn man schon bei den ersten Filmen ein gewisses Zweifeln hat, auch nicht dazu raten, die Einzelfilme anzuschaffen. Das ist im Zweifelsfall dann rausgeschmissenes Geld.

    Empfehlen würde ich in jedem Fall aber, bei "Lieb Vaterland magst ruhig sein" noch einmal einen Blick zu riskieren. Der ist von der Machart her zwar noch "schmutziger und dreckiger" als der Träume-Film, hat aber eine ungeheure Wirkung, wie ich finde. In Summe ist Roland Klicks Film neben Alfred Vohrers "Der Stoff aus dem die Träume sind" für mich der beste Simmel-Film, auch wenn er mit einem völlig anderen Team entstand.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #101

    Auszeichnen können sich bei dem ganzen Treiben nur wenige der Darsteller. Hervorzuheben wäre hier Paul Neuhaus, der angenehm unverbraucht daherkommt und sich rasch Sympathien erspielt. Auch Herbert Fleischmann macht abermals eine gute Figur. Doch auch ihre Darbietungen rechtfertigen kaum die Sichtung eines deutlich über zweistündigen Films. Mit einer "rigoroseren" Adaption wäre wohl deutlich mehr drin gewesen.


    Das sehe ich de facto dann doch etwas anders. Ich gestehe, dass ich den Film beim ersten Ansehen nicht vollends verstanden habe. Deine Forderung nach Streichung des Frl. Luise nährt meinen Eindruck, dass es Dir evtl. ähnlich ergangen sein mag.

    Der Film muss drei Zeitebenen miteinander verknüpfen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

    Frl. Luise steht dabei für die Zukunft. Was Simmel im Roman vermutlich locker beschreiben konnte, beschied den Filmemachern sicher schlaflose Nächte. Rückblenden waren im Film Gang und Gäbe, entweder in s/w gefilmt oder schlicht anhand der zeitlichen Gegebenheiten zu erkennen (siehe z.B. den Jimmy-Film). Eine Vorausblende indes wollte überlegt inszeniert werden. Frl. Luise hat nämlich die Gabe, das Geschehen vorauszusehen. Die Überblende in die Zukunft unterlegte Vohrer mit den "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi und hielt kurz vor dem Zeitsprung das Gegenwartsbild kurz an; er hielt also quasi die Zeit an, um dann den Sprung nach vorne zu wagen. Frl. Luise nun wegzustreichen, hätte bedeutet, den Film vollends zu banalisieren.

    Die Gegenwart spielt rings um Roland und Bertie. Das, was Du als kurios bezeichnest, sollte wohl genau das auch sein. Währenddessen in Prag die Panzer den Aufstand plattwalzen, Kinder bei der Flucht in die Freiheit zu Tode kommen, diskutiert der degenerierte Westen über die Marktchancen von nackten Titten, springen Kerle (wer will's Vohrer verdenken?) durch einen Zirkusring und präsentiert man ein Cover "mit Streifband über der Antenne". Vohrer hat das schon reichlich plakativ aneinander geschnitten. Dass da zunächst der Wohlfühlfaktor etwas leidet, verwundert nicht. Ähnlich gegenwartskritisch präsentiert sich ansonsten nur noch "Lieb Vaterland magst ruhig sein" von Roland Klick. Den übrigen Simmel-Verfilmungen geht das mehrheitlich ab - da hatte sich der Autor eher mit der NS-Zeit (auch "Alle Menschen werden Brüder") auseinander gesetzt.

    Was bleibt, ist die Vergangenheit. Zugegebenerweise vom Umfang her deutlich kürzer geraten als die anderen beiden Ebenen. Prinzipiell wäre der Seitenarm um das imaginäre Lager mitsamt seiner Vergangenheit als NS-Einrichtung und auch der Part von Malte Thorsten letztlich am ehesten entbehrlich gewesen. Das tut zwar nicht wirklich weh, weil es unterstreicht, dass Frl. Luise "Bekannte" aus der Vergangenheit in der Zukunft wieder trifft, indes hätte man das auch anders regeln können. Ohne die Vergangenheit selbst jedoch wäre der Film auch nicht rund gewesen. Das Grundanliegen heißt, Geschichte wiederholt sich, währenddessen die, die selbstzufrieden wegsehen wollen, wegsehen und sich mit sich selbst beschäftigen.

    Dass es Alfred Vohrer gelang, diese Botschaft in Form einer ungemein unterhaltsamen Mixtur aus Thriller, Liebesgeschichte und Spionagekrimi publikumswirksam zu verpacken, einen enormen Publikumserfolg einzufahren und sich in den ganzen 140 Minuten Spielzeit m.E. nicht einen einzigen handwerklichen Schnitzer erlaubt hat, ist mithin einer der maßgeblichen Gründe, waswegen ich diesen Regisseur derart schätze bzw. gar verehre. Mir fallen spontan nur wenige Filme ein, die vergleichsweise ambitioniert und unterhaltsam daherkamen.

    Gruß
    Jan

  • Eure Louis-Weinert-Wilton-RanglisteDatum10.12.2017 19:14
    Foren-Beitrag von Jan im Thema

    LWW zerfällt in meinen Augen in zwei glasklar von einander abtrennbare Kategorien.

    Kategorie I: Überdurchschnittlicher Krimi, spannend, anspruchsvoll besetzt und/oder inszeniert
    "Die weiße Spinne"
    "Das Geheimnis der schwarzen Witwe"

    Kategorie II: Unterdurchschnittliches bzw. Schrott
    "Der Teppich des Grauens"
    "Das Geheimnis der chinesischen Nelke"

    Welchen der beiden Filme ich in der jeweiligen Kategorie zuerst nennen würde und welchen als zweites, würde von einer Auffrischung abhängen. Ich habe die Filme länger nicht mehr gesehen. Ein Wechsel zwischen den Kategorien ist aber völlig ausgeschlossen.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Es gab kurioserweise zu diesem Film, dem ich von allen Simmel-Verfilmungen am ehesten zugetraut hätte, landauf landab verrissen zu werden, eine ganze Reihe positiver Rezensionen. Abseits derer, die einen Film von Alfred Vohrer schon deswegen verreißen mussten, weil ihre linksintellektuelle Leserschaft das so haben wollte, schrieb beispielsweise Dieter Strunx in der BZ vom 11.11.1971: "Regisseur Vohrer wäre der letzte, der vorgeben würde, es ginge ihm um hohe Kunst oder tiefe Gegenwartsbewältigung. Er liefert einfach adrette Unterhaltung, und er tut es ein bißchen besser als mancher anderer durch eine immer originelle, überzeugende Besetzung. Mit Neuentdeckungen [...] und zuverlässigen Theaterleuten [...] hält er das Niveau hoch. Und macht einen Stoff wie 'Liebe ist nur ein Wort' über den Anlaß hinaus sehenswert. Solche solide Machart hat der deutsche Film bitter nötig, um ein durch Sex und Quatsch verprelltes Publikum erst einmal zurückzugewinnen. Ein echter Snob, wer das nicht anerkennen mag."

    Der Tradepress gab Vohrer im November 1971 überdies ein Interview. "Für Alfred Vohrer ist der Umgang mit neuen und unbekannten Schauspielern nicht nur ein prickelndes Hobby; es ist der ständige Selbstbeweis seiner Behauptung, daß Deutschland ebenso viele ausgezeichnete Schauspieler aufzuweisen habe wie zum Beispiel die klassischen Filmländer Frankreich oder Italien, und daß es keinen hinreichenden Grund gibt, bei Besetzungsschwierigkeiten jenseits der Grenzen zu suchen. 'Nur suchen muß man halt', meint Vohrer, 'mit dem Gespür eines Geigerzählers, der schon beim Hauch einer Begabung zu knistern beginnt'.

    Letztlich nimmt "Liebe ist nur ein Wort" dennoch eine Sonderstellung in Vohrers Simmel-Schaffen ein. Er ist in Summe auf die ungleiche Liebesbeziehung zwischen Malte Thorsten und Judy Winter abgestellt und erwähnt übrige Handlungsstränge nur noch am Rande. Der Nachfolger "Der Stoff aus dem die Träume sind" - m.E. der beste Simmel-Film, einer der besten (wenn nicht der beste) Alfred-Vohrer-Filme und ganz gewiss eine der gelungensten deutschen Produktionen der 1970er Jahre - wird wieder gaz anders sein. Auch hier vertraut Vohrer die Hauptrolle dem vergleichweise unbekannten Paul Neuhaus an und garniert ringsum ein fulminantes Darsteller-Ensemble auf 142 Minuten Laufzeit.


    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #95

    Hast du die zugrunde liegenden Romane auch alle gelesen? Wurden sie stark bearbeitet?


    Gott behüte! Das sind alles enorme Wälzer. Manfred Purzer straffte reichlich bei allen Vorlagen. Simmel selbst war grundstzlich voll des Lobes über Purzers Arbeit. Angesprochen auf die Frage, warum der durchaus auch als Drehbuchautor zu einigen Lorbeeren gekommene Simmel denn das Skript für den Jimmy-Film nicht selbst geschrieben habe, antwortete der Autor dem Spandauer Volksblatt (Ausgabe v. 18.04.1971) wie folgt: "'Zwar bin ich ein Mann des Films, der schon 36 Drehbücher verfaßt hat, doch hier fehlt mir der nötige Abstand. Ich hatte eine Scheißangst, ich könnte mich für die Bearbeitung für den Film in der komplizierten Rückblenden-Chronologie meines Romans verirrt. Da verzichte ich lieber...'".

    Zitat von Ray im Beitrag #95

    P.S.: Für gleich liegt "Liebe ist nur ein Wort" bereit.

    Da bin ich gespannt. Der ist ganz anders angelegt. Ich erinnere mich indes, dass in der Vorlage Simmels analog zu Jimmy das Schnee-Thema enthalten war. Da der Film im Sommer gedreht wurde, ersetzte man Schnee gegen strömenden Regen.

    Gruß
    Jan

  • Foren-Beitrag von Jan im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #93

    Vohrer zeigt sich höchst verspielt und detailverliebt und macht an sich simple Szenen durch ungewöhnliche Kameraperspektiven zu echten optischen Leckerbissen.


    Das ist in der Tat so. Der Film zerfällt ja in zwei Zeitebenen. Um dies dem Zuschauer auch optisch näher zu bringen und die Unterschiede auch unterbewusst zu transportieren, unterscheidet sich die Kameraarbeit dieser beiden Zeitebenen vollständig von einander. Während alles, was in der NS-Zeit spielt, in nahezu starre Bilder mit Stativaufnahmen oder allenfalls einigen wenigen Kamerafahrten auf der Schiene verpackt wird, werden die in der damaligen Ist-Zeit spielenden Szenen fast ausschließlich beweglich (mit der Handkamera) aufgenommen. Charly Steinberger vollbrachte dabei wahre Kunststücke, die umso mehr beachtlich sind, weil die Kameras damals ja durchaus ein gewisses Gewicht hatten. Den Gipfel der beweglichen Bilder hatten Vohrer und Steinberger bei "Und Jimmy ging zum Regenbogen" allerdings noch lange nicht erreicht. Vor allem bei "Liebe ist nur ein Wort" sollte es hierzu noch Steigerungspotential geben.

    Worauf ich leider bis heute noch nicht gekommen bin, ist eine Erklärung dafür, warum Vohrer die Auftaktszenen auf dem Flughafen in Weitwinkel drehen ließ. Das war sicher nicht nur teuer, sondern auch aufwändig. Möglicherweise sollte dies eine Art Verbindung zwischen den beiden Zeitebenen sein. Ganz sicher bin ich da aber noch nicht.

    Zitat von Ray im Beitrag #93

    So schadet die bemüht eingebaute Love-Story mehr als sie nutzt, erst recht wenn sie dem Zuschauer in "Last Christmas"-Optik aufgedrängt wird. In diesen Momenten liefert Vohrer Steilvorlagen für nicht umgesetzte Parodien.

    Diese Last-Christmas-Optik indes hatte einen Grund. In der Romanvorlage hatte Simmel bewusst eine für ihn sehr typische Verquickung zwischen dem Tod auf dem Friedhof und starkem Schneetreiben in überaus epischer Form beschrieben. Das rote Blut in Verbindung mit dem weißen Schnee war den zahlreichen Lesern des Romans damals auf zig Seiten nähergebracht worden und es stand auch als Charakteristika in Purzers Drehbuch. Da es aber nicht in erforderlichem Ausmaß schneien wollte und bestenfalls noch etwas Schnee lag, entschied sich Vohrer dazu, die Bilder einzumilchen. Das war eher ein dem vorhandenen Budget gezollter Tribut als eine Wunschvorstellung. Diese Verquickung jedoch ganz wegzulassen, hätte die damaligen Kinogänger evtl. ähnlich irritiert wie fehlender Nebel zehn Jahre zuvor die Wallace-Zuschauer. Aus heutiger Sicht wirkt das allerdings in der Tat etwas unbeholfen.

    Gruß
    Jan

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