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Dieses Thema hat 171 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Giacco Offline



Beiträge: 2.293

03.03.2022 14:26
#166 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

1972: Festivals & Filmpreise

CANNES 1972:
Beim Festival in Cannes war die BRD diesmal mit 3 Wettbewerbsbeiträgen vertreten:

Das Unheil - Peter Fleisdchmann - Halleluja-Film - Besonders wertvoll - Un. Art
D: Reinhard Kolldehoff, Vitus Zeplichal, Ingmar Zeisberg
"...eigenwilliger, innovativer, seine Zeit scharfsinnig aufspießender Film ..."

Trotta - Johannes Schaaf - Schaaf/Independent-Film - Besonders wertvoll - Constantin
Romanvorlage: Die Kapuzinergruft von Josef Roth
D: Andras Balint, Rosemarie Fendel, Doris Kunstmann, Heinrich Schweiger
"Im Deutschen Kino der Siebziger eine Literatur-Adaption von Rang."

Herzbube(D/USA) - Jerzy Skolimowski - Maran-Film - Constantin
Literarische Vorlage: Vladimir Nabokov
D: David Niven, Gina Lollobrigida, John Moulder-Brown, Mario Adorf, Christine Schuberth, Barbara Valentin
"Die Komödie einer ungewöhnlichen Verführung."

"Das Unheil" wurde mit dem "Prix Luis Bunuel" ausgezeichnet, die beiden anderen Filme gingen leer aus.

Filmfestspiele Berlin
Deutscher Beitrag:

Die bitteren Tränen der Petra von Kant - R.W.Fassbinder - Tango-Film - Bes.wertvoll - Filmverlag
D: Margit Carstensen, Hanna Schygulla, Irm Hermann, Eva Mattes, Katrin Schaake

Der"Goldene Bär" ging an den italienischen Beitrag "Pasolinis tolldreiste Geschichten" von P.P. Pasolini

Der deutsche Filmpreis:

"Trotta" (J.Schaaf) - Filmband in Gold / Prämie 400.000 DM
"Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König"(Syberberg) Filmband in Gold/Prämie 400.000 DM
"Händler der vier Jahreszeiten" (Fassbinder) - Filmband in Gold / Prämie 250.000 DM
"Eins" (U.Schamoni) - Filmband in Silber / Prämie 150.000 DM

Beste Einzelleistungen:

Johannes Schaaf: Regie (Trotta)
Bernhard Wicki: Regie (Das falsche Gewicht)
Hans Jürgen Syberberg: Drehbuch (Ludwig)
Rosemarie Fendel: Darstellerin (Trotta)
Irm Hermann: Darstellerin (Händler der vier Jahreszeiten)
Hans Hirschmüller:Darsteller (Händler der vier Jahreszeiten)
Helmut Qualtinger: Darsteller (Das falsche Gewicht)
Claus Theo Gärtner: Nachwuchsdarsteller (Zoff)
Malte Thorsten: Nachwuchsdarsteller (Liebe ist nur ein Wort)
Igor Luther: Kamera (Eins)
Dagmar Hirtz: Schnitt (Trotta)

Jan Offline




Beiträge: 1.738

03.03.2022 15:48
#167 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #166
1972: Festivals & Filmpreise


Vielen Dank für die Auflistung. Ich finde die Zusammenstellung tatsächlich insofern bemerkenswert, als dass man einmal die Besucherzahlen des Jahres 1972 daneben legen könnte, um festzustellen, wie weit sich die Festivalveranstalter und Filmpreisverleiher von der Realität bereits entfernt hatten. Ohne diese Gegenüberstellung vorgenommen zu haben, wage ich zu behaupten, dass die ausgezeichneten Filme des Jahres 1972 - "Liebe ist nur ein Wort" einmal ausgenommen - überwiegend kaum Publikumsresonanz gehabt haben werden.

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 2.293

03.03.2022 18:39
#168 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Mit Deiner Einschätzung liegst Du in etwa richtig.
Eigentlich kann man nur noch "Trotta" den "normalen" Publikumsfilmen zuordnen. Der Constantin-Verleih hatte gute Promotion-Arbeit geleistet und beim Großstadt-Publikum fand der Film positive Aufnahme. Dort lief er gut bis ausgezeichnet. (München-6 Wochen Laufzeit / Stuttgart, Nürnberg und Köln - 4 Wochen / Bremen und Bonn - 3 Wochen) Am Ende reichte es dann aber nur zu der Film-Echo-Note 3,9 (18 Meldungen)

Schamonis "Eins" (Verleih: nobis) brachte es zu einer Note von 4,2 (12 Meldungen)
"Zoff" lief immerhin im Ruhrgebiet ordentlich, hatte aber keine 10 Meldungen.
Wickis "Das falsche Gewicht" war ursprünglich eine TV-Produktion für das ZDF und wurde nach kurzem Kino-Einsatz (Scotia) im Fernsehen ausgestrahlt. Syberbergs "Ludwig" lief bereits 1972 im ZDF und Fassbinders "Händler der vier Jahreszeiten" fand keinen Verleih und wurde 1973 im Eigenverleih in die Kinos gebracht, dürfte aber mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelaufen sein.

In Anbetracht der Tatsache, dass es damals außer vielleicht den Simmel-Verfilmungen wenig preiswürdiges aus deutschen Landen gab, kann man die Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Mit Fassbinder hat man immerhin den richtigen Mann gefördert, wobei sein Erfolg erst dann kam, als er Filme für das Publikum drehte.

Giacco Offline



Beiträge: 2.293

21.04.2022 12:11
#169 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Ende April 1972 meldete das Film-Echo:

25 Jahre Ultra - 25 Jahre Synchronqualität

Alfred Vohrer und Josef "Juppi" Wolf gründeten am 1.Mai 1947 in München die Produktions- und Synchronfirma "Ultra-Film". 1952 verlegte man den Hauptsitz nach Berlin. Am Anfang stand der enge Kontakt zur Verleihfirma "United Artists". Darüberhinaus ergab sich auch eine rege Zusammenarbeit mit "Columbia" und "Warner Bros."
Synchronisiert wurden vor allem amerikanische Filme, darunter Leinwanderfolge wie "Die Brücke am Kwai", "Die Faust im Nacken", "My Fair Lady" oder "Lawrence von Arabien", um nur einige zu nennen. Außerdem sämtliche James-Bond-Filme und viele Billy-Wilder-Streifen. Ende der 1950er Jahre produzierte die Ultra mit "Schmutziger Engel", "Verbrechen nach Schulschluss" und "Mit 17 weint man nicht" auch drei Spielfilme, bei denen Gesellschafter Alfred Vohrer die Regie übernahm.
Die Ultra bemüht sich bei der Synchronisation immer, originalgetreu und dennoch schöpferisch zu sein und die mittlerweile übliche Fabrikation von Eindeutschungen zu umgehen. Um dem eigenen Qualitätsanspruch gerecht zu werden, werden höchstens 60 Filme pro Jahr angenommen. In Berlin-Lankwitz und München Geiselgasteig steht dafür ein hervorragender Mitarbeiterstab zur Verfügung.
Juppi Wolf ist seit 1970 auch als Geschäftsführer der "Artemis-Film-GmbH" in Berlin tätig, die sich an europäischen Coproduktionen beteiligt."

KXL556 Offline



Beiträge: 8

01.10.2022 23:46
#170 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Nachdem ich immer wieder mal interessiert den Thread durchgelesen oder überflogen habe möchte ich auch einige kleine Statistiken beitragen. Dazu habe ich die Schätzungen der Besucherzahlen von insidekino (https://www.insidekino.com/DBO.htm) mit der abgespeckten Version der imdb-Datenbank (https://datasets.imdbws.com/) verknüpft. In dieser imdb-Datenbank sind in der Regel 4 Schauspieler, Regisseur und Autoren angegeben (manchmal noch Komponisten und Produzenten). Die 4 Schauspieler sind meist Hauptdarsteller und wichtigste Nebendarsteller, doch gibt es auch Ungereimtheiten: So wird Gert Fröbe beim Bogenschützen nicht genannt, andererseits Hubert von Meyerinck beim Banne des Unheimlichen dagegen als 2. Schauspieler. Bei insidekino können die frühen Schätzungen nach eigenen Angaben zum Teil auch mal 20 % oder 30 % oder sogar noch mehr daneben liegen. Außerdem liegen die Schätzungen zu knapp der Hälfte aller Uraufführungen vor (den erfolgreichen Filmen; die andere Hälfte wird wohl im Schnitt weniger als 100.000 Besucher je Film haben). Mit diesen Einschränkungen sind die nachfolgenden Tabellen zumindest als gute Richtwerte zu sehen.

Zunächst die Top 25 der Schauspielerinnen der 1960er Jahre nach Besucherzahlen ihrer Filme (wohlgemerkt nur die 4 wichtigsten Rollen je Film):


Dass Karin Dor mit so deutlichen Vorsprung vorne liegt, hat mich schon überrascht. Dabei ist nach mal ihre Rolle im James Bond-Film Man lebt nur zweimal enthalten (da bei imdb nur 6. Rolle). Bemerkenswert ist ferner Uschi Glas auf Platz 8, obwohl sie nur in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre aktiv war.

Bei den Top 25 der Schauspielern dominieren wiederkehrende Rollen (Old Shatterhand, Winnetou, James Bond), wobei Lex Barker dank zusätzlicher Rollen (u.a. Dr. Mabuse) deutlich vorne liegt:

Bei den Männern sind nur noch 3 der Top 25 am Leben: Peter Weck, Mario Adorf und Freddy Quinn. Mit Joachim Fuchsberger (Platz 7), Heinz Drache (Platz 9), Adrian Hoven (Platz 12), Harald Leipnitz (Platz 16) und Stewart Granger (Platz 23) sind gleich fünf Edgar Wallace-Ermittler in der Rangliste.

Die Top 25 der Regisseure (mit Zeichentrickfilmen!):

Das Trio Reinl-Jacobs-Vohrer hat sich deutlich vom restlichen Feld abgesetzt. Wolfgang Reitherman verdankt seinen 5. Platz dem Dschungelbuch. Rudolf Zehetgruber (Platz 37 mit 10.475.000 Besuchern in seinen Filmen) ist der bestplatzierte noch lebende Regisseur. (Zu Alexis Neve auf Platz 36 habe ich keine Lebensdaten gefunden.)

Die Top 25 der Autoren, wobei auch die Autoren der Vorlagen aufgeführt wurden:

Demnach liegt Karl May knapp vor Edgar Wallace. Die 37 Edgar Wallace-Filme ergeben sich aus 28 Rialto-Filmen der 1960er + 2 Sanders + 4 sonstige (Rächer, Fluch, Dreieck, Pagode) + 3 der 4 Merton Park Filme (der 4. Film schaffte es nicht auf die Rangliste von insidekino). Unter den Ideengebern sind außerdem noch Ian Fleming und Rudyard Kipling zu nennen. Mit Harald G. Petersson und Herbert Reinecker sind zwei vielbeschäftigte Drehbuchautoren der Edgar Wallace-Filme in der Spitzengruppe. Johanna Harwood lebt als einzige der Top 25 noch.

Abschließend habe ich noch eine Top 25 der Schauspielerinnen und Schauspieler der Jahre 1967 bis 1971 erstellt (also die 5 letzten vollständig bearbeiteten Jahre der historischen Daten bei insidekino):

Im Vergleich zu den 1960er Jahren hat sich die Rangliste stark gewandelt. Uschi Glas führt die Tabelle mit großem Vorsprung vor Hans(i) Kraus an und erreicht etwa den gleichen Jahresmittelwert wie Lex Barker in den 1960er Jahren. Mit Bud Spencer und Terence Hill (Plätze 7 und 8) begeben sich die Besuchermagneten der 1970er Jahren in Position. Ansonsten viel Personal der Lümmel-Filme und verwandten Komödien. Rena Bergen auf Platz 23 ist ausschließlich durch 4 Filme des Jahres 1971 vertreten (3 Report-Filme und Blutjunge Verführerinnen).

Soweit also diese kleine statistische Spielerei,

Edgar007 Online




Beiträge: 2.550

02.10.2022 10:25
#171 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Zitat von KXL556 im Beitrag #170
Dass Karin Dor mit so deutlichen Vorsprung vorne liegt, hat mich schon überrascht.

Na ja, sie ist aber auch mit den meisten Filmen vertreten. Wenn man den Durchschnitt der Zuschauer aller Filme nimmt, läge sie auch nur im Mittelfeld der TOP25. Auch hier läge Uschi Glas dann vor ihr...

KXL556 Offline



Beiträge: 8

05.10.2022 22:29
#172 RE: Vor 50 Jahren - Die deutsche Film- und Kinoszene Zitat · Antworten

Zitat von Edgar007 im Beitrag #171
Zitat von KXL556 im Beitrag #170
Dass Karin Dor mit so deutlichen Vorsprung vorne liegt, hat mich schon überrascht.

Na ja, sie ist aber auch mit den meisten Filmen vertreten. Wenn man den Durchschnitt der Zuschauer aller Filme nimmt, läge sie auch nur im Mittelfeld der TOP25. Auch hier läge Uschi Glas dann vor ihr...


Durchschnittswerte pro Film habe ich bewusst nicht angegeben, da ich für jeden Darsteller, Regisseur, Autor noch hätte ermitteln müssen wie viele Flops (= Filme, die es nicht in die Jahresrangliste von insidekino geschafft haben) es gab. Uschi Glas und Karin Dor hatten in den 1960er Jahren in dem Sinne keine Flops (Karin Dors einziger 1960er Film ohne Besucherzahlen, The Bellboy and the Playgirls von 1962, lief wohl nicht in deutschen Kinos und enthält anscheinend nur Archivaufnahmen von ihr).
Karin Dors Durchschnittswert wurde durch die letzten vier Jahre (1966-1969) heruntergezogen. Nach dem unheimlichen Mönch hatte in den 1960er Jahren kein Film mit ihr in einer wichtigen Rolle eine Million Besucher oder mehr. Wertet man nur ihre Filme der Jahre 1960-1965 hätte sie trotzdem die 1960er Rangliste angeführt mit 43.497.000 Besuchern in 18 Filmen.

Betrachtet man die 1960er Jahre chronologisch so wurden sie zunächst noch Liselotte Pulver dominiert und anschließend gab es erst mal keine alle anderen überragende Schauspielerin. Karin Dor gehörte länger als andere der Spitzengruppe an und ihre Hauptkonkurrentinnen waren zunächst Vivi Bach und Senta Berger, dann Marie Versini und schließlich Michèle Mercier. Nach einer kurzen Phase von Julie Christie (dank Doktor Schwigo) folgt eine Jahre lange Dominanz von Uschi Glas bis in die 1970er Jahre, in der sie ihre Konkurrenz (Hannelore Elsner, Gila von Weitershausen, Clauia Cardinale) weit hinter sich ließ. Sprich: zu Beginn und Ende der 1960er Jahre "marktbeherrschende" Darstellerinnen und dazwischen eine umkämpfte Phase.

Bei den Männern ist es gerade anders: hier liegt in der Mitte der 1960er Jahre eine mehrjährige Dominanzphase des Duos Lex Barker und Pierre Brice (mit weitem Vorsprung auf den ebenso langjährigen drittplatzierten Sean Connery) während Beginn und Ende des Jahrzehnts umkämpft waren: zu Beginn (bzw. Ende 1950er Jahre) Hansjörg Felmy, Peter Alexander und Gunther Philipp, zum Ende (bzw. Anfang 1970er Jahre) Omar Sharif, Hans Kraus und Charles Bronson.

In dem Zusammenhang ist vielleicht auch dieser Thread interessant: Die Ära der Stars lief ab Mitte der 70er-Jahre aus.

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