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Dieses Thema hat 259 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Blap Offline




Beiträge: 1.128

06.05.2012 12:57
#121 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 7 - Konkurs (Deutschland 1977)

Der Ban­k­rot­teur und der Schwiegervater des Grauens

Beim Essen in einem guten Restaurant kommt Walter Müller (Dirk Galuba) mit einer unangenehmen Nachricht aus der Kiste. Der Geschäftsmann teilt seiner Ehefrau Eva (Christiane Krüger) die schmerzhafte Wahrheit mit, er hat seine Firma in den Ruin manövriert, steht unmittelbar vor dem Konkurs. Eva stammt aus reichem Hause, Walter gibt seine Frau frei, doch die Gattin will ihren Mann nicht verlassen. Wenig später meldet sich Walter Müller bei der Polizei, Eva ist spurlos verschwunden! Per Brief teilen die Entführer ihre Wünsche mit, sie fordern drei Millionen Mark von Walter Müller. Zähneknirschend sucht der Pleitegeier den ungeliebten Schwiegervater auf, Konsul Otto Karst (O. E. Hasse) hat vor allem Geringschätzung und Verachtung für den Mann seiner Tocher übrig. Bevor der alte Griesgram das ersehnte Lösegeld rausrückt, nötigt er seinen Schwiegersohn zu einer äusserst unangenehmen Unterschrift. Vor der Geldübergabe lässt Kommissar Köster das Fahrzeug Müllers mit Funk ausrüsten, die Entführer verschwinden unerkannt mit zwei schweren Koffern voller Geld. Die genaue Untersuchung des Übergabeortes wirft Fragen auf, derweil bleibt die Entführte zunächst verschwunden...

Charakterkopf Dirk Galuba fällt meist die Rolle des Bösewichts zu, in diesem Fall ist sein Part vielschichtiger angelegt, Galuba meistert die Aufgabe ohne Schwierigkeiten. O. E. Hasse darf herrlich vom Leder ziehen, mit Ausdauer beleidigt der alte Bonze seinen verhassten Schwiegersohn, schreckt nicht davor zurück den leitenden Ermittler zu bedrohen: "Sie werde ich auch vernichten!". Nebeibei offenbart Konsul Karst eine übertriebene Zuneigung zu seiner Tochter, scheint sie als persönlichen Besitz zu betrachten. Vielleicht eine etwas überzogenen angelegte Rolle (aus meiner Sicht eine sehr unterhaltsame Ausrichtung), fraglos großartig von Otto Eduard Hasse gespielt! Leider sollte der Schauspieler bereits 1978 für immer abtreten, Hasse verstarb im Alter von 75 Jahren in Berlin. Zwischen Galuba und Hasse bleibt nicht viel Raum für Christiane Krüger, die trotzdem mit einer Mixtur aus naives Weibchen und mondänes Miststück erfreut. Neben diesen drei Gaststars steht selbstverständlich Kommissar Köster im Mittelpunkt, seine Helferlein Heymann (Michael Ande) und Brenner (Jan Hendriks) sind... Helferlein, mehr nicht. Sky Dumont taucht in einer kleinen Nebenrolle auf, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ergraut, daher umso aalglatter wirkend (mehr als eine oberflächliche Betrachtung scheint mir unangemessen, gibt die Rolle nicht her).

Der Alte kümmert sich um jede Schweinerei, notfalls auch um die Aufklärung von Entführungsfällen (es ist nicht schwer zu erraten, freilich passiert hier mehr als die Verschleppung einer Ehefrau). Kommissar Köster lässt sich nicht aus der Fassung bringen, an ihm prallen sogar die Attacken des zornigen Konsul Geldsack ab, bei Bedarf wird souverän gekontert. Lowitz und Hasse könnte ich stundenlang zuschauen, grosses Schauspiel auf der Bühne einheimischer TV-Unterhaltung! Das Drehbuch zu "Konkurs" verläuft in vorhersehbaren Bahnen, die Inszenierung von Alfred Weidenmann kommt ohne Schnörkel daher, verlässt sich auf die hohe Qualität der Darsteller, Klaus Doldinger sorgt für die angemessene musikalische Untermalung. Auch "Konkurs" kann nicht ganz an die grandiose Qualität der Folgen 1-5 anknüpfen, gefällt mir eine Spur besser als "Blütenträume" (6). Gute Unterhaltung für Freunde hochwertiger TV-Krimis aus Deutschland.

7/10 (gut)

***



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Gubanov Offline




Beiträge: 16.042

28.05.2012 11:00
#122 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Nachdem "Der Alte" eine Weile bei mir geruht hat, habe ich heute "Mordanschlag" gesehen. Die Folge hat mir ziemlich gut gefallen und war bestens für meinen Wiedereinstieg in die Serie geeignet.

Georg Offline




Beiträge: 3.031

28.05.2012 11:58
#123 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Mordanschlag ist sicherlich eine der besten Folgen der frühen Phase, wenngleich keine der Vohrer-Buch-Folgen wirklich schlecht ist. Zur Höchstform läuft Vohrer bei Die tote Hand auf. ... und Gott sei Dank hat er Henning Schlüter immer stark eingebunden, der mich in seiner Figurenanlage immer an Sir John erinnert, der womöglich auch grundsätzlich als Vorlage für den autoritären aber nicht sehr effizient arbeitenden Chef galt. Leider wurde bei manchen Autoren Schlüter auf wenige Sekunden im Auftritt reduziert bzw. wurden seine Szenen heraus geschnitten, um auf die Länge von 59 Minuten pro Folge zu kommen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

28.05.2012 20:47
#124 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Ein Koffer" (Folge 12)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Uschi Glas, Liselotte Pulver, Harald Leipnitz, Werner Pochath, Hans Söhnker, Peter Gebhart, Klaus Krüger u.a.
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei - Regie: Michael Braun



Roland Bär und seine Freundin Karin Runge kehren nach einem Urlaub in Jugoslawien nach München zurück. Kurz vor der Grenzkontrolle in Salzburg überredet ein junger Mann Bär, mit ihm den Koffer zu tauschen und gibt ihm dafür 8000 DM. Trotz der massiven Bedenken seiner Freundin stimmt Bär dem Geschäft zu, da er bereits vorhat, die "heiße Ware" für sich zu behalten. Er nennt seinem Gegenüber eine falsche Anschrift und verwahrt den Koffer in einem Schließfach am Hauptbahnhof. Bärs Ehefrau ist ob der Geheimniskrämerei ihres Mannes misstrauisch. Als Bär von Drogenschmuggler Pohlmann ermordet wird, will sie davon profitieren....

Das Quartett Glas/Leipnitz/Pulver/Pochath dominiert die Folge und zeigt, wie menschliche Verstrickungen über Wohl und Wehe der Beteiligten entscheiden. Die schicksalshafte Begegnung im "Tauern-Orient-Marmara-Express" von Istanbul nach München wird zwei Leben auslöschen und zwei weitere Personen ins Gefängnis bringen. Uschi Glas gibt die heimliche Geliebte von Harald Leipnitz und frönt dem bairischen Dialekt, den sie sich für ihre Begegnung beim "Unheimlichen Mönch" mühsam abtrainiert hat, in für das Publikum amüsanter Weise. Als ihr Leipnitz die Tüten mit dem geschmuggelten Heroin zeigt, fragt sie "Wos is'n des fir a Glump?" (= Was ist denn das für ein unnützes Zeug?) Mit weichen Wellen, die ihre Schultern umspielen und einer gehörigen Portion Naivität versucht sie, ihren listigen Freund von den gefährlichen Geschäften abzuhalten, die ihm nicht 1 Million, sondern den Tod bringen werden. Werner Pochath erfüllt seinen Zweck mit bewährtem kriminellen Potential, ohne dabei für einen Moment zu wanken. Doch eine Frau täuscht alle: Liselotte Pulver. In elegante Trauerkleidung gehüllt, bringt sie nicht nur Hauptkommissar Köster so aus der Fassung, dass er nach Feierabend einen Schnaps nach dem anderen trinken muss, sondern überlistet sogar Pohlmann.
Die Enthüllungen am Ende lassen selbst Köster schockiert und ratlos zurück.

Der "Tauern-Orient-Marmara-Express" wurde übrigens des öfteren Schauplatz von Schmuggel, Überfällen und sogar Mord. Gastarbeiter, die ohne Arbeitserlaubnis nach Deutschland reisten, versuchten, durch Schmuggel an Geld zu gelangen; Rauschgift, aber auch Waffen wurden immer wieder von der Bahnpolizei gefunden.
Zudem waren die Garnituren oftmals veraltet; weniger gewinnbringende, dafür aber prestigeträchtigere Verkehrsleistungen wie der "Trans-Europ-Express" waren weitaus moderner ausgestattet. Durch die widrigen Wetterverhältnisse am Balkan kam es immer wieder zu Verspätungen aufgrund heftiger Schneefälle; Zusammenstöße mit anderen Zügen oder technisches Versagen waren ebenfalls keine Seltenheit.
Die Idee zur Route des Express' hatte ein Stuttgarter Pastor, der eine Fahrtstrecke Richtung Südosten vorschlug. Es handelte sich um die kürzeste Verbindung zwischen München und Jugoslawien; als Flügel des "Simplon-Orient" wurde der "Tauern-Express" Anfang der Fünfziger Jahre eingeführt und konnte bereits einige Jahre später als selbständiger Zug um eine weitere Strecke verlängert werden. 1967 unterteilte man den Zug in den "Athènes-Express" für den griechischen und den "Marmara-Express" für den türkischen Flügel. (Weitere interessante Informationen findet man im Buch "Orient-Express" von Werner Sölch, Alba-Vlg.)

Fazit: Eine durchgehend spannende Folge, in der die Polizei erst relativ spät in Aktion treten muss. Launige Performance von Siegfried Lowitz, der den Diven Glas und Pulver kaum Paroli bieten kann und im treuen Ande seinen Tröster findet. 5 von 5 Punkten

Georg Offline




Beiträge: 3.031

28.05.2012 21:08
#125 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister
Fazit: Eine durchgehend spannende Folge, in der die Polizei erst relativ spät in Aktion treten muss. Launige Performance von Siegfried Lowitz, der den Diven Glas und Pulver kaum Paroli bieten kann und im treuen Ande seinen Tröster findet. 5 von 5 Punkten

In der Tat eine Topfolge (und auch eine meiner Lieblingsepisoden) und leider die einzige von Regisseur Michael Braun, der als tuntiger Barmann einen Cameoauftritt hat und wohl mit Lowitz nicht so gut zurecht kam.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

28.05.2012 21:14
#126 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ach, der Transvestit war Michael Braun? Es ist doch immer wieder verblüffend, wieviel Spaß Regisseure an originellen Cameo-Auftritten haben!

Georg Offline




Beiträge: 3.031

28.05.2012 21:34
#127 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Braun spielte immer wieder mal in seinen Inszenierungen mit. In der Polizeiinspektion 1-Folge "Ein Autogramm bitte" spielt er einen Regisseur, der gerade mit Erik Ode (der in dieser Folge sich selbst beim Dreh des Kommissars spielt) eine Kommissar-Folge dreht ;-).

Blap Offline




Beiträge: 1.128

29.05.2012 23:12
#128 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 8 - Lohngeld (Deutschland 1977)

Ein tragischer Trottel

Seit einigen Jahren ist Helmut Staufen (Sigmar Solbach) ein zuverlässiger Büroangestellter des Bauunternehmers August Ströbel (Karl Lieffen). Staufen hofft auf den Posten des bald in Rente gehenden Prokuristen, ferner hat der junge Mann ein Auge auf Eva Ströbel (Brigitta Furgler) geworfen, immerhin die Tochter des Chefs. Um seine Chancen in der Firma und bei Eva zu verbessern, hat der eifrige Möchtegernaufsteiger einen haarsträubenden Plan ausgeheckt. Staufen holt wie üblich das Lohngeld für die Arbeiter ab, während des Rückwegs ins Büro täuscht er auf einer ruhigen Nebenstrecke einen Überfall vor. Er gibt gegenüber den zuständigen Kriminalbeamten an den Täter in die Flucht geschlagen zu haben, die Herren von der Polizei zweifeln jedoch an der Aussage des angeblich Überfallenen, handfeste Beweise zur Aufdeckung der Lügengesichte fehlen allerdings. Zwar hält Ströbel seinen ins Zwielicht geratenen Mitarbeiter nach wie vor für seriös, stellt als Prokuristen aber trotzdem eine neue Kraft ein, den kantigen Prock (Klaus Dierig). Derweil sieht sich Helmut Staufen dem Spott einiger Bauarbeiter ausgesetzt, immerhin kann er sich durch seine Kampfsportfähigkeiten etwas Respekt verschaffen. Wenige Wochen später muss Staufen wegen eines Personalengpasses das Lohngeld erneut ohne Begleitung transportieren. Der ebenfalls für Stöbel arbeitende Klaus Popp (Frithjof Vierock) startet einen waghalsigen Überfall auf den Geldboten, es kommt zu einem Schusswechsel mit tödlichem Ausgang. Kommissar Köster lässt den Ablauf der Tat penibel nachstellen...

Sigmar Solbach verstrickt sich immer tiefer in wahnwitzige Aktionen, die Rolle des leicht schleimig wirkenden Bürschleins wurde mit Solbach nahezu perfekt besetzt. Karl Lieffen umgibt stets ein unangenehme Aura, so verbreitet er auch in der harmlosen Rolle des Firmenchefs ein Art unterschwelliges Unwohlsein. Klaus Dierig und Sigmar Solbach beharken sich recht auf recht plumpe Art, unverhohlen wirft der rattenartige Neuling ein Auge auf die Tochter des Bosses, Konfliktpotential köchelt ohne Unterlass auf mittelgrosser Flamme. Für Frithjof Vierock bleibt der Part der fiesen Fratze, Brigitta Furgler spielt als Töchterlein des Firmeninhabers gern mit dessen Angestellten, lässt aber keinen der Herren allzu nah an sich heran. Statt Furgler hätte ich mir eine attraktivere Dame gewünscht, vielleicht ein kleines Biest wie z. B. Helga Anders. Horst Sachtleben taucht als Ermittler des Raubdezernats auf, er kann ein paar kleine Glanzlichter setzen. Kösters Sklaven Michael Ande und Jan Hendriks stehen weiterhin brav im übermächtigen Schatten von Siegfried Lowitz, Henning "Millinger" Schlüter muss mal wieder ein paar flotte Sprüche und Seitenhiebe seines besten Ermittlers einstecken. Lowitz kann man nicht genug loben, wundervoll seine Diskussion mit Xenia Pörtner über die korrekte Zubereitung und Namensgebung von Reibekuchen.

"Lohngeld" nimmt sich Zeit den zunehmend tragischen Charakter Helmut Staufen vorzustellen, Siegfried Lowitz taucht daher erst nach über 25 Minuten auf, beherrscht von diesem Moment an souverän das Szenario. Köster brennt ein wahres Feuerwerk ab, mit spitzer Zunge und rasiermesserscharfem Verstand kontert er alle Gegenspieler und Mitstreiter aus. Nur in der Küche stösst der clever-kernige Kommissar an seine Grenzen (sein "Küchenunfall" liefert Stoff für einen großartigen Running Gag, ich habe mehrfach fast Tränen gelacht). Regisseur Dietrich Haugk kann auf ein gutes Ensemble bauen, lässt Siegfried Lowitz immer wieder von der Leine. Lediglich die Kameraarbeit von Lothar E. Stickelbrucks ist mir (lediglich während des Auftakts) eine Spur zu unruhig geraten, Hermann Thiemes Musik tönt sehr stimmungsvoll aus den Lautsprechern. Die Auflösung mag nicht die ganz grosse Überraschung ans Tageslicht befördern, geht aber fraglos als gut gelungen durch. Die Tragik des Finales kommt mir eine Spur zu dick aufgetragen vor, wirklichen Anlass zur Kritik bietet dies aus meiner Sicht nicht. Humor, Tragödie und eine kleine Dosis Krawall, die Reihe präsentiert sich weiterhin in toller Form!

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

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Georg Offline




Beiträge: 3.031

13.06.2012 15:36
#129 Bewertet: "Der Alte", Folge 98: Der Tod des Apothekers Zitat · Antworten

Der Alte (98): Die Angst des Apothekers
Remake des halben Remakes des Remakes des Originals

Bruno Hampel und der berühmte Paragraph
Mit Die Angst des Apothekers legt Bruno Hampel die letzte Folge für Kommissar Köster vor und gleichzeitig eine der besten der gesamten Reihe (heute zum x-ten Mal gesehen und zum x-ten Mal mit Spannung dabei gewesen!). Der Inhalt ist bekannt: ein Apotheker wird von einem Mann erpresst, mit dem er scheinbar gemeinsam eine Straftat begangen hat. Wenig später ist der Erpresser tot. In Bruno Hampels Geschichte kommt Kommissar Köster zwar vor, Hauptermittler ist jedoch Gerd Heymann. Die Geschichte macht das dramaturgisch notwendig, um die Handlung auf 59 Minuten aufzublasen. So kommt Köster nach kurzen Gastspielen am Beginn erst wieder bei Minute 44 vor. Nie wieder hatte der ewige Assistent Michael Ande so selbständig und korrekt ermitteln dürfen, auch jetzt, 27 Jahre später und beim vierten "Alten" angelangt, bleibt er leider ewig der zweite Mann. Dabei zeigt er hier, welches Potential in ihm steckt!
Günter Gräwert, einer der begabtesten Krimiregisseure, setzt die Folge gekonnt und locker in Szene, lockert die Spannung durch Humor auf (Erni Singerl samt Hund "Xaverl") und untermalt die Szenen stimmig mit Martin Böttchers Soft-Musik, die hier vorzüglich passt. Böttcher durfte dank Gräwert und Ashley in den 80ern noch häufiger bei "Derrick" und "Der Alte" arbeiten, während es Peter Thomas nur selten zum "Alten" zurückzog und er einzig in der 96. Folge "Wiederholungstäter" eine schrullige Langversion seines tollen Der Alte-Titelthemas ablieferte. Die Assistenten sind hier noch Brenner und Meyer Zwo, der es zwar noch in die Kress-Ära schaffte, alsbald aber durch Riedmann ersetzt wurde, während Brenner nur bis Folge 101 blieb.
Das Interessanteste an der Folge ist aber, dass die Geschichte nicht neu ist. Bruno Hampel hat die Geschichte schon zweieinhalb Mal vorher verwendet (ein halbes Mal nur unter der Verwendung des ominösen Paragraphen in einem Fernsehfilm): teilweise sind die Textpassagen in allen drei Filmen gleich lautend. Es geht um einen Paragraphen, der besagt, dass von der Verfolgung eines Verbrechens abgesehen werden kann, wenn man damit erpresst wird. War in "Kommissar Freytag" und "Polizeifunk ruft" das noch der §154c der Strafprozessordnung, so ist es nun bei Köster §534c. Was jedoch nichts an den absoluten Handlungsparallelen, ja Dialogübernahmen in allen drei Filmen, ändert. Konkret ist die Handlung identisch in:

Kommissar Freytag (16): Damals in Leverkusen (11.09.1964, Regie: Michael Braun)
Polizeifunk ruft (50): Vor der Verjährung (25.02.1970, Regie: Hermann Leitner)
(Auftrag Mord (Fernsehfilm, 25.09.1970, Regie: Dieter Lemmel, nur Erwähnung des Paragraphen))
Der Alte (98): Die Angst des Apothekers (06.12.1985, Regie: Günter Gräwert).

Die Personnamen und deren Vergehen, warum sie erpresst werden, variieren zwar, bei Kommissar Freytag ist der Erpresste ein Autohändler, bei Polizeifunk ruft ein angehender Apotheker und bei Der Alte ein Apotheker; der Grund für die Erpressung war ursprünglich die Reparatur gestohlener Wägen nach dem Krieg, danach die Weitergabe von Morphium an einen Süchtigen und schließlich das Überfahren eines Jungen auf einer Luftmatratze mit einem Boot. Wie erwähnt bleiben aber die Handlung, ja die Ausführung der Tat und die Aufklärung sowie manche Verhörszenen in allen Folgen gleich.
Konkret:


Ermittler Opfer Erpresser Grund der Epressung
Freytag Konrad Georg, Willy Krüger Hans Elwenspoek Willy Semmelrogge Reperatur gestohlener Autos
Polizeifunk Karl-Heinz Hess, Eckart Dux Christian Wolff Malte Petzel Weitergabe von Morphium
Alte Siegfried Lowitz, M. Ande Wolf Roth Gerd Böckmann Tötung eines Jungen

Selten aber doch: das Remake des Remake des Originals gefällt sehr gut. Die Originalfolge mit Konrad Georg, deren Besonderheiten ich vor kurzem erst in einem anderen Thread ("Kommissar Freytag" (39 Folgen, 1963-1966, mit Konrad Georg) (4)) besprochen habe, hat ihr eigenes, tolles Flair, lediglich die Variante in Polizeifunk ruft kommt etwas blass daher, auch wenn da die Schauspieler sympathisch sind.
P. S.: Es ist übrigens nichts Ungewöhnliches, dass Autoren bei sich selber abschreiben, Karl-Heinz Willschrei zum Beispiel hat aus manchen Haferkamp-Tatorten neue Wolffs Revier-Folgen gemacht, Herbert Reinecker hatte gewisse Themen (der Behinderte, dem der Mord in die Schuhe geschoben wird) auch zig Mal wiederholt und Volker Vogeler lieferte ab einem gewissen Zeitpunkt sowieso immer nur mehr das gleiche Drehbuch mit anderen Figurennamen ab ;-).
Apropos serienübergreifend: die Szene, die im Polizeirevier spielt, wurde in der Dekoration der Polizeiinspektion 1, ebenfalls eine erfolgreiche Ringelmann-Produktion, gedreht.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

16.06.2012 23:56
#130 Bewertet: "Der Alte", Folge 9: Verena und Annabelle Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 9 - Verena und Annabelle (Deutschland 1977)

Geschwisterliebe?

Verena Moldau (Krista Keller) bricht nach dem Genuß eines Likörs in ihrer Wohnung zusammen, glücklicherweise kann sie per Telefon den Rettungsdienst rufen. Nach der Laboruntersuchung des Getränks gibt es keine Zweifel mehr, jemand hat dem Fusel Gift beigemischt! Kommissar Köster befragt Verena im Krankenhaus. Diese vermutet ihre seit acht Jahren verschwundene Zwilliingsschwester Annabelle steckt hinter dem Giftanschlag, immerhin trennten sich die Geschwister im Streit. Weiterhin ist in naher Zukunft mit einem üppigen Erbe zu rechnen, Yves Moldau (Paul Hoffmann), ein wohlhabender Onkel der Schwestern, leidet unter einer schweren Krankheit. Lange lässt der nächste Mordversuch nicht auf sich warten, in Verena Moldaus Badezimmer wurde eine Armatur unter Strom gesetzt. Diesmal kommt Verena mit dem Schrecken davon, ihre Putzfrau fängt sich den schmerzhaften Schlag ein. Köster forscht im Umfeld nach Spuren. Welche Rolle spielt der glatte Walter Preus (Heinz Drache), der einst mit Verena verlobt war und offenbar auch Annabelle zugeneigt war...???

Krista Keller durchlebt ein Wechselbad der Gefühle, ihr gelingt überzeugend die Darstellung zahlreicher Stimmungen und Facetten eines tragischen Charakters. Für die übrigen Figuren bleibt nicht viel Raum, lediglich Heinz Drache, Paul Hoffmann und Werner Pochath können sich ansatzweise aus dem Schatten der Hauptfigur befreien (abgesehen von Siegfried Lowitz, zu Kommissar Köster später ein paar Worte). Heinz Drache ist in erster Linie durch seine Auftritte in den legendären Edgar-Wallace-Filmen in Erinnerung geblieben. Er wirkte dort stets ein wenig hüftsteif und limitiert. In dieser TV-Serienepisode zeigt er als wenig sympathischer "Möchtegernlebemann mit Hang zur Arroganz" eine sehr ansprechende Leistung. Mir gefällt Drache in dieser Rolle richtig gut, den strahlenden Wallace-Helden mochte ich ihm sowieso noch nie ganz abnehmen. Paul Hoffmann nutzt den begrenzten Raum solide, Werner Pochath ist als schleimig-widerwärtiger Schurke eine sichere Bank. Spätestens seit dem kleinen Italo-Reisser "Horror-Sex im Nachtpress" (La ragazza del vagone letto, 1979) habe ich Pochath ins Herz geschlossen, geniesst das Wiener Ekel jede Menge Kredit bei mir. Leider verstarb Werner Pochath bereits 1993, er wurde lediglich 53 Jahre jung. Siegfried Lowitz agiert eine Spur zurückhaltender, in den vorherigen Folgen hatte er mehr Biss, für ein paar kleine Spitzen reicht es trotzdem.

"Verena und Annabelle" kommt mit einem interessanten Ansatz daher (der zwar nicht neu, für eine TV-Serie fraglos nicht alltäglich erscheint). Es erfordert nicht allzu viel Phantasie und/oder Ermittlungskunst seitens des Zuschauers, um dem traurigen Hintergrund auf die Schliche zu kommen (wodurch die Auflösung an Kraft verliert). Die Musik zu dieser Episode gefällt mir sehr gut, schöne Elektronik trifft auf klassische Instrumentierung, vor allem die Auftaktszene punktet in dieser Hinsicht. 1977 war Regisseur Alfred Vohrer bereits deutlich "seriöser" als in den Jahren zuvor unterwegs, die von mir geschätzten Ausritte in diverse Flegeleien wären hier vermutlich Fehl am Platze gewesen (obschon mich Popanz und Krawall mit Sicherheit erfreut hätten). Fazit: Eine kraftvolle Geschichte, die sich im Gewand der TV-Serie nicht vollständig zu entfalten vermag, darüber hinaus wird Siegfried Lowitz an der kurzen Leine gehalten. Bisher die schwächste Folge aus der frühen Phase der Reihe, dessen ungeachtet ordentliche Arbeit und für Fans sehr sehenswert.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)

***



Vom Ursprung her verdorben

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

08.07.2012 20:14
#131 Bewertet: "Der Alte", Folge 15: Zeugenaussagen Zitat · Antworten

BEWERTET: "Zeugenaussagen" (Folge 15)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Maria Singer, Hannes Stein, Maria Stadler, Walter Sedlmayr, Bruno Hübner, Hans Stadtmüller, Werner Asam, Volker Eckstein, Karl Obermayr, Willy Schultes, Ralf Wolter, Willy Harlander u.a. - Drehbuch: Herbert Rosendorfer, Regie: Theodor Grädler

Maria Schöttl ist bereits seit einigen Tagen nicht mehr aus dem Haus gegangen. Sie war weder bei der Kolonialwarenhändlerin um die Ecke, noch hat sie ihre Katze abends ins Haus gelassen. Die aufmerksamen Bewohner des Münchner Stadtteils Gern schöpfen Verdacht und rufen die Polizei, welche die alte Frau erwürgt in ihrem Haus auffindet. Zunächst glaubt die Kriminalpolizei an einen Raubmord und verhaftet einen Mann, der in der Nähe des Tatorts gesehen wurde, doch dann ergeben sich aufgrund des Testaments neue Verdachtsmomente....



Die Besetzungsliste liest sich wie ein Who's who der bayerischen Volksbühne. Alles, was am Bauerntheater oder in typisch bayerischen Serien wie "Funkstreife Isar 12", "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger" oder "Königlich-bayrisches Amtsgericht" Rang und Namen hat, gibt sich die Ehre. Der gebürtige Südtiroler Herbert Rosendorfer hat den Leuten "aufs Maul gschaut" und zeichnet ein groteskes Abbild einer autarken Gemeinschaft, die sich gegen moderne Einflüsse oder Belehrungen von außen abgeschottet hat. Die unverheirateten Schwestern Schöttl lassen sich trotz vorgerückten Alters noch mit "Fräulein" ansprechen, leben vom Erbteil ihres Vaters ohne je berufstätig gewesen zu sein; im Tante-Emma-Laden gibt es Milch, Butter, Käse und Eier, aber keine Zigarren (was Erwin Köster sehr bedauert) und ein pensionierter Senatspräsident beobachtet seine Nachbarinnen mit dem Feldstecher beim abendlichen Schaumbad. Von allen Zeugen wird Hauptkommissar Köster beharrlich mit Inspektor angesprochen; ein Lapsus, den sein Kollege Stephan Derrick korrigieren würde - Köster ist es "Wurscht".
Der Fall kommt gemütlich und durchaus bissig daher; Rosendorfer versteht sein Handwerk und legt den Protagonisten Sätze voller Missgunst, Kleinbürgerlichkeit und Spott in den Mund. Der Pfarrer hält sich mit einem Schnapserl bei Laune; die Tante befiehlt dem Schulkind, nicht zu sprechen, solange der Inspektor redet und die beiden Schwestern Schöttl haben seit fünfzig Jahren kein Wort mehr miteinander gesprochen. Da braucht es auch keinen Millinger, der Köster zur Ordnung ruft - bei so viel gutgemeinten Ratschlägen und Besserwisserei auf Seiten der Zeugen bleibt selbst dem schlagfertigen Kriminaler zunächst die Spucke weg.
Unheimliche Momente bietet die Folge nicht nur für alle Anhänger von Volker Eckstein (der Gute ist mit tätowierter Hand, grünlackierten Fingernägeln und Wuschelkopf in einer durchaus anrührenden Szene zu sehen), sondern auch im klassischen Sinn. Der Unbekannte, der nachts das Mordhaus heimsucht und es mit seiner Taschenlampe von innen ausleuchtet, sorgt für Grusel und spannende Minuten. Ein paar kleine Fehler wurden zu Beginn begangen. Man hätte gern einen kurzen Blick auf die Leiche werfen mögen; irgendwie hat man das Gefühl, dass etwas fehlt. Dafür gibt es immer wieder Hinweise auf die Geschichte des Hauses und seines Viertels, z.B. der alte Luftschutzkeller oder die Briefe an die Stadt München unter den jeweiligen Regierungen. Eine Schneiderpuppe sorgt sogar für einen ordentlichen Schrecken, bevor der Zuseher sich in schimmernden Juwelen verlieren darf. - 4,5 von 5 Punkten

Georg Offline




Beiträge: 3.031

09.07.2012 15:31
#132 RE: Bewertet: "Der Alte", Folge 15: Zeugenaussagen Zitat · Antworten

Wie schon vor einigen Jahren hier am Beginn des Threads von mir erwähnt, ist Zeugenaussagen sicherlich eine der stärksten Folgen der frühen Phase. Das ist vor allem auf das gelungene Drehbuch von Herbert Rosendorfer zurückzuführen, der es wie kein andere verstand, sich in die Welt der "echten" Münchner einzufühlen und so sehr glaubwürdige Dialoge schrieb (siehe diesbezüglich auch seine Beiträge zum Tatort (etwa Veigls Fall Blauweiße Turnschuhe) oder zur Polizeiinspektion 1 (etwa Rosenmontag, Die Herrenkommode oder die Startfolge Und keine Kopeke weniger)). Abgerundet wird die Folge von einem tollen Soundtrack von Raimund Rosenberger. Kösters Vorgehen ist hier äußerst unkonventionell und sympathisch. Und er ist natürlich katholisch, wie wir erfahren. Wunderbar das Stelldichein eines Großteils der bayerischen Schauspieler. Ich stimme mit Deiner Bewertung vollkommen überein, Percy Lister!
Rosendorfer kam dann nochmals bei Eine große Familie zum Einsatz (Regie: Alfred Weidenmann), eine nicht üble Episode, aber kein Vergleich zum genialen Münchner Milieu in Zeugenaussagen.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.329

09.07.2012 16:38
#133 RE: Bewertet: "Der Alte", Folge 15: Zeugenaussagen Zitat · Antworten

Ja, richtig!
Ich muss sagen, ich finde sowohl "Eine große Familie" als auch "Zeugenaussagen" sind weit überdurchschnittlich, selbst noch bei dem generell hohen Niveau meines Lieblingsfreitagabendsermittlers Köster.
Ich persönliche finde die große Familie allerdings sogar noch besser, womit ich aber ziemlich alleine auf weiter Flur dastehen dürfte... Aber wie auch immer, diese Folge hats mir irgendwie angetan.
Es ist eine der Folgen, die ich seit der Erstsichtung nie wieder vergessen habe und die auch beim Wiedersehen überhaupt kein winziges bißchen enttäuschte! Großes Lob dafür nicht zuletzt auch an Regisseur Alfred Weidenmann!

Gubanov Offline




Beiträge: 16.042

18.07.2012 21:21
#134 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Mittlerweile bin ich bei "Schwarzer Montag" angekommen. Die Folge war ja doch sehr trocken. Man hätte mehr aus ihr machen können, wenn das Drehbuch besser gewesen wäre.

Georg Offline




Beiträge: 3.031

18.07.2012 21:50
#135 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov
... wenn das Drehbuch besser gewesen wäre.


Buch: Volker Vogeler - das sagt alles. Vogelers Geschichten waren bei seinen Gangsterdramen immer noch ein wenig besser, als wenn es um ein Whodunit mit Mord ging, denn diese Storys waren bereits ab einer gewissen Phase bei Köster bis zum 151. und letzten Beitrag immer dieselben mit anderen Personennamen. Auch das Thema "Rassismus" wird bei ihm immer etwas pseudomäßig abgehandelt. Gerade am Beginn der Kress-Ära, als Henry Johnson im Kommissariat Martin Brenner als 2. Assistenten ersetzt, thematisiert Vogeler auch immer wieder die Probleme mit seiner Hautfarbe.
Insgesamt ist aber "Schwarzer Montag" sicherlich noch eine der besseren Beiträge von Volker Vogeler, auch wenn die Story wie Du es richtig schilderst, unausgegoren ist.

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