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Dieses Thema hat 259 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.03.2012 14:28
#106 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Verena und Annabelle" (Folge 9)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Krista Keller-Di Cerami, Heinz Drache, Paul Hoffmann, Werner Pochath, Günther Tabor, Max Strecker, Thomas Braut, Enzi Fuchs
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei - Regie: Alfred Vohrer

Verena Moldau fühlt sich nach drei missglückten Mordanschlägen bedroht. Zuerst trinkt sie einen vergifteten Likör; dann erleidet ihre Putzfrau einen Schock, als die Brause im Bad unter Strom steht und abschließend verursacht Verena einen Unfall, weil das Lenkrad in ihrem Auto blockiert ist. Im Krankenhaus stellt sich bald heraus, dass die Literaturkritikerin ihre seit acht Jahren verschollene Zwillingsschwester Annabelle verdächtigt, da ein Erbe bevorsteht. Köster befragt zunächst Annabelles ehemaligen Liebhaber, der einmal mit Verena verlobt war. Wird er Hinweise zum Verbleib der lebenslustigen Frau geben können?



"Verena und Annabelle" ist als One-Woman-Show konzipiert und lässt wenig Spielraum für polizeiliche Ermittlungen. Krista Keller drückt auf alle Knöpfe, um die beiden Schwestern in den Blickpunkt zu rücken. Köster sieht sich vor allem mit Ängsten, hysterischen Ausbrüchen und vagen Vermutungen konfontiert. Zu wenig, um darauf zu bauen. Er ist deshalb auf die Aussagen der Bekannten von Annabelle angewiesen und trifft dabei auf deren Ex-Liebhaber Werner Preuß, der von Heinz Drache mit herablassender Gestik und Mimik gespielt wird. Noch immer hält er sich für unwiderstehlich und kann das Posieren selbst in der Kirche nicht unterlassen. Was als Inspektor Wesby in "Der Hexer" noch weltmännisch und nonchalant wirkte, macht sich neben seinem Ex-Kollegen Inspektor Warren gar nicht gut. Es gibt keinen Grund für Preuß, so unhöflich zu dem Ermittler zu sein. Es ist, als wolle er Köster "Platz da!" zurufen und dessen Schreibtisch in Besitz nehmen. Mit lüsternem Blick giert er nach Krista Keller, was dem Mittfünfziger einen Hauch Verderbtheit verleiht und die Oberflächlichkeit der Figur Annabelle nur noch betont. Als interessante Randfiguren bleiben allenfalls der machtlose Paul Hoffmann als Onkel Yves und der aufgedrehte Werner Pochath in Erinnerung. Zäh und ermüdend wird die Geschichte der zwei Schwestern abgewickelt, obwohl Vohrer immer wieder versucht, aus diesem Psycho-Teufelskreis auszubrechen und sein Lieblingsutensil - das Skelett - geschmackvoll im Keller plaziert. Der greifbare Wahnsinn ist allgegenwärtig, sodass man sich rückblickend nicht wundert, Alf Marholm übersehen zu haben, der im Abspann angeführt wird.
Fazit: Eine sehr schwache Episode, die von Alfred Vohrer wie in Trance inszeniert worden ist - 2 von 5 Punkten.

Als Bonus zu dieser Folge gibt es ein Gedicht, das den Wirrwarr der Geschichte ein wenig veranschaulichen soll:

Peregrina (aus: Maler Nolten) von Eduard Mörike

[...] Ein Irrsal kam in die Mondscheingärten
Einer einst heiligen Liebe.
Schaudernd entdeckt ich verjährten Betrug.
Und mit weinendem Blick, doch grausam,
Hieß ich das schlanke,
Zauberhafte Mädchen
Ferne gehen von mir.
Ach, ihre hohe Stirn,
War gesenkt, denn sie liebte mich;
Aber sie zog mit Schweigen
Fort in die graue
Welt hinaus.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.03.2012 15:04
#107 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Erkältung im Sommer" (Folge 10)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Anaid Iplicjian, Helmuth Lohner, Christian Quadflieg, Charlotte Kerr, Werner Schnitzer, Peter und Hanni Neubeck, Johanna Baumann u.a.
Drehbuch: Oliver Storz - Regie: Alfred Vohrer

Renate und Rolf Assenau sind seit zwanzig Jahren verheiratet und leiten zusammen eine erfolgreiche Tanzschule. Überall genießen sie Bewunderung und Ansehen. Sie scheinen das perfekte Paar zu sein. In jüngster Zeit erhält Rolf Drohanrufe von einem Unbekannten und es wird sogar auf ihn geschossen. Als Renate eines Abends einen blinden Passagier in ihrem Auto findet, glaubt sie, ihren Ohren nicht zu trauen: Ihr Mann soll einen Killer auf sie angesetzt haben.....



Anaid Iplicjian (* 1935), deren Eltern aus Armenien stammen, ist eine versierte Theaterschauspielerin, die auch immer wieder im Fernsehen zu sehen ist. Ihre aparte Erscheinung, die kultivierte Aura und die Wärme, die sie ausstrahlt, erfreuen das Publikum auch neben dem Wiener Helmuth Lohner, mit dem sie leider nicht auf der Tanzfläche zu sehen ist. Darauf wartet man zu Beginn die ganze Zeit, schließlich betreiben die beiden eine Tanzschule. Dafür reiten sie im Trab durch waldiges Gelände, wo es auch prompt zu einem Schuss aus dem Hinterhalt kommt. Einen eigenen Charme verströmt die allererste Szene im Fernsehstudio, in dem Charlotte Kerr, ebenfalls eine meiner Favoritinnen unter den starken Frauen, Fragen zur Beziehung stellen darf. Mit dem finsteren Christian Quadflieg kommt das Böse ins Spiel, wobei die Enthüllung des Mordkomplotts zunächst schockierend, dann jedoch umso tückischer wirkt. Von Anfang an scheint er Plan B im Kopf gehabt und auf Rachegefühle und Enttäuschung der hintergangenen Ehefrau gehofft zu haben. Es kommt nun einzig und allein darauf an, wie Renate Assenau die Geschichte weiterführt. Hauptkommissar Köster ist erstaunlich schnell bereit, das Unmögliche zu Ende zu denken und die richtigen Kombinationen anzustellen. Die verhängnisvolle Zweckgemeinschaft ist nicht nur von außen, sondern vor allem von innen gefährdet und deshalb dem Tode geweiht. Das halboffene Ende ist eine Reverenz an die kluge Frau und stört weder den Zuseher, noch Köster. Wieder einmal geht Iplicjian als Siegerin hervor, ein Umstand, der ihr sehr gut zu Gesichte steht.
Fazit: Die "Erkältung im Sommer", die sich erfrischenderweise im regenfeuchten Biergarten, auf der Pferdekoppel, in der Tanzschule und in abgelegenen Naherholungsgebieten abspielt, wartet mit einem verschnupfen Köster und einer distinguierten Mordgeschichte auf, deren Umsetzung von Alfred Vohrer diesmal mit weitaus mehr Gespür in Angriff genommen wurde als in Folge 9. Für die Episode (und die Frau) mit Format gibt es deshalb 5 von 5 Punkten.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

26.03.2012 18:36
#108 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Aus der Serie

Mord nach Plan

Mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Cornelia Froboess, Bruni Löbel, Charles Regnier, Bernd Herzsprung, Gustl Weishappel, Eva-Ingeborg Scholz, Elmar Wepper, Wolfried Lier, Wolfgang Müller, Barbara Weinzierl, Karl-Heinz Thomas, Peter Lindecke uva.
Buch: Bruno Hampel
Regie: Theodor Grädler
Erstausstrahlung: 06.06.1980

Es ist noch früh am Morgen, als Kommissar Köster an einen Tatort gerufen wird. Der 62-jährige Karl Hirschauer (Charles Regnier) ist tot in seiner Badewanne aufgefunden worden; der Polizeiarzt schließt einen Unfall aus. Ausführlich befragt Köster die Entdecker der Leiche – Frau Pohl (Eva Ingeborg Scholz), die in der Wohnung unter Hirschauer residiert, die Hausmeisterin Frau Scholz (Bruni Löbel) und den Zeitungsjungen Bansen (Wolfgang Müller). Speziell Frau Scholz erweist sich als redselig – fungierte sie doch als Putzfrau in Hirschauers Wohnung. Köster erfährt, dass der Ermordete einst Besitzer eines Skihotels in den Alpen war, dessen Leitung er aber kürzlich – gegen Zahlung einer großzügigen, lebenslangen Rente – in die Hände seiner Mitarbeiterin Anke Klaasen (Cornelia Froboess) übergeben hat. Sein Neffe Dieter (Bernd Herzsprung), im Hotel als Skilehrer beschäftigt, soll Hirschauer regelmäßig um Geld angehauen haben. Köster fackelt nicht lange – mit Heymann und Brenner im Gepäck geht es vom Schauplatz des Verbrechens in rasanter Fahrt per Auto und Kabinenlift direkt zum Skihotel.

Zu insgesamt 15 „Alten“ mit Siegfried Lowitz hat Bruno Hampel – u.a. Erfinder und alleiniger Autor von „Kommissar Freytag“ – das Drehbuch verfasst. „Mord nach Plan“ gehört dabei zu den absolut herausragenden Werken aus seiner Feder. Glanzpunkte setzt Hampel dabei in puncto Dramaturgie und Setting. Nahezu die komplette erste Hälfte der Folge spielt im Wohnhaus des Ermordeten. Die Nachbarn/Zeugen dienen Hampel dabei nicht als bloße Stichwortgeber, sondern haben auch selber eine kleine Geschichte zu erzählen, so etwa die Hausmeisterin (eine Paraderolle für Bruni Löbel), die nur an Arbeit und Dienstwohnung gekommen ist, weil sie die Vorstrafe ihres Mannes bei der Bewerbung verschwiegen hat. Im zweiten Teil geht es dann hinauf in alpine Gefilde. Kameramann Rolf Kästel ergötzt sich an schneeweißen Bergpanoramen, sodass man sofort Lust auf den nächsten Skiurlaub bekommt. Auch Heymann und Brenner lassen sich anstecken, vertilgen erst einmal mit Genuss eine Bockwurst, bevor es ans weitere Ermitteln geht. Es sind derlei kleine, aber feine Szenen, welche die Klasse von „Mord nach Plan“ ausmachen. Habe ich in diesem Zusammenhang schon Theodor Grädler erwähnt? Der leistet erneut tadellose Arbeit, hat seine exzellent gecasteten Schauspieler jederzeit im Griff – und erlaubt sich sogar einige hübsche Einfälle – so filmt er eine minutenlange Sequenz, während Köster und Konsorten mit der Gondel den Berg hinauf fahren, ohne einen einzigen Schnitt. Trotz des ruhigen Erzähltempos hat „Mord nach Plan“ keine Längen. Ein Musterbeispiel des Ringelmannschen 60-Minüters – auch dank eines einmal mehr bestens aufgelegten Lowitz.

Georg Offline




Beiträge: 3.031

26.03.2012 20:32
#109 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer
Zu insgesamt 15 „Alten“ mit Siegfried Lowitz hat Bruno Hampel – u.a. Erfinder und alleiniger Autor von „Kommissar Freytag“ – das Drehbuch verfasst. „Mord nach Plan“ gehört dabei zu den absolut herausragenden Werken aus seiner Feder.

Das sehe ich genauso. Auch Theodor Grädler leister hier anständige Arbeit. Charles Regnier und Elmar Wepper finde ich immer hervorragend in dieser Episode. Dennoch kommt mit "Der Tod des Apothekers" (#98, eine Art Remake von "Kommissar Freytag: Damals in Leverkusen") erst die in meinen Augen beste Köster-Folge von Bruno Hampel.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.329

27.03.2012 09:24
#110 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Da muss ich auch voll zustimmen, schlagen doch meine Vorredner Marmstorfer und Georg in eine meiner „Lieblingskerben“.
Ich finde diese ruhigen Episoden, die aber Milieu und Atmosphäre ohne Ende ausdampfen und extrahieren absolut genial. Gerade so um 1980 haben die Folgen mit Kommissar Köster aus der Reihe „Der Alte“ diesbezüglich einen absoluten Zenit erreicht (siehe auch u. a. „Sportpalastwalzer“, „Pensionstod“…). Diesen Parnass der perfekten Bannung bestimmter Lebens- und der damit verbundenen Gefühlszustände auf den Fernsehschirm hat nach meinem Empfinden sonst keine Krimireihe derart mustergültig, betulich, doch spannend und fintenreich und nachhaltig wie die Köster-Folgen dieser Ära erreicht.
Kleiner Griff zur Untermauerung meiner (höchst streitbaren) Wertung in meinen subjekt-/retrospekt-iven Wahrnehmungsschatz: die minutenlange, von Marmstorfer völlig zu recht hervorgehobene Gondelsequenz ist auch mir in bester Erinnerung geblieben, aber nicht zuletzt gerade deswegen, weil sie während des Sehens gleichzeitig (beinahe wie beim richtigen „leben“ eben) überschattet bzw. umflort wurde: die strahlend-schöne Helligkeit des Panoramas wird kontrastiert von den noch nachdrücklich innere Beschäftigung und Anteilnahme heischenden kraftvoll-tristen Eindrücken der jäh unterbrochenen allmorgendlichen Überlebensroutine eines Rentners mitsamt der ganzen das Individuum (und letztlich alle Menschen) umgebenden und umfassenden (und im steten Wechsel ja letztlich überdauernden), durch latent scheinbare Zurückhaltung und Rückzug erst richtig ergreifenden Momentaufnahmen eines oftmals überraschungsarmen stumpfen Lebensumfelds (das Wohnhaus, die Nachbarn).
Diese Doppelbödigkeit, die diese Folge beim Schauen in mir evoziert, gelingt aufgrund der vielen kleinen, aber feinen Szenen, verbunden mit einer ruhigen Erzählweise, die den (grandiosen!) Akteuren viel Luft zur Charakterdarstellung lässt und dem Zuschauer eine faire Chance lässt, Lebenszustände inständig zu vergegenwärtigen.
Denn Momentaufnahmen eines Lebensumfeldes sind nun mal meist keine Schnappschüsse!

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

30.03.2012 14:09
#111 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Aus der Serie

Sportpalastwalzer

Mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Klaus Löwitsch, Elisabeth Wiedemann, Susanne Beck, Holger Petzold, Herbert Fux, Henry van Lyck, Otto Friebel, Michael Gempart, Toni Netzle, Michael Gahr, Klaus Fuchs, Peter Moland, Adim Rimpapa, Tito Waldenhofer, Reinhard Welshofer uva.
Buch: Detlef Müller
Regie: Zbynek Brynych
Erstausstrahlung: 04.07.1980

Erich Neubauer (Klaus Löwitsch) betreibt gemeinsam mit seiner Frau Liesel (Elisabeth Wiedemann) eine Kneipe, in der ehemalige Radprofis samt Entourage mit Vorliebe von den vielbeschworenen „guten alten Zeiten“ schwärmen. Das Bier fließt in Strömen – und wenn dann auch noch der „Sportpalastwalzer“ aus der Musikbox ertönt, gibt es kein Halten mehr. Erich schlägt kein Glas aus, schäkert und tanzt ungeniert mit Kellnerin Petra (Susanne Beck). Argwöhnisch beobachtet die auf einen Krückstock angewiesene Liesel das Geschehen. Schließlich hat sie genug, dreht der Musik den Saft ab und schickt die Gäste nach Hause. Wenig später entbrennt zwischen den Eheleuten ein heftiger Streit. Am nächsten Morgen ist Liesel verschwunden; Petra und ihr Gatte Manfred (Holger Petzold), der den Streit aus seiner in unmittelbarer Nähe der Kneipe liegenden Wohnung mitangehört hat, entdecken Blutflecken im Lokal. Manfred Seiffert wittert seine Chance den ungeliebten Nebenbuhler loszuwerden. Er schwärzt Neubauer bei der Kriminalpolizei an. Doch dieser behauptet gegenüber Kommissar Köster an, dass er sich an besagte Nacht nicht erinnern könne – tatsächlich wurde er in verkatertem Zustand von einer Funkstreife in seinem Auto sitzend aufgegriffen. Und von Liesels Leiche fehlt jede Spur.

Ich hatte mich an anderer Stelle in diesem Thread bereits zur Folge geäußert:

Zitat von Marmstorfer
"Sportpalastwalzer" ist eines jener 60-minütigen ZDF-Krimi-Kleinode, wie es sie heutzutage nicht mehr gibt. Wenn die alten Recken in der Kneipe über bereits Jahrzehnte zurückliegende Radsportveranstaltungen schwadronieren (auf denen man tatsächlich noch den "Sportpalastwalzer" spielte), dann vermag man die stickige Melange aus Rauch, Bier und Schweiß auch im heimischen Wohnzimmer wahrzunehmen. Der finale Widerhaken der Geschichte fügt sich bestens in den Gesamteindruck ein. Die Schlusssequenz kann man sich zehnmal hintereinander angucken; so brillant ist sie inszeniert. Der plötzliche Einsatz des "Wiener Praterleben" und die Art und Weise, wie hier sogar dem eigentlich obligatorischen Einblenden der Abspanntitel eine wesentliche dramaturgische Funktion zugestanden wird - einfach herausragend gut.



Auch nach erneuter Ansicht bleibe ich dabei: „Sportpalastwalzer“ ist ein Meisterwerk und gehört nach meinem Dafürhalten zu den besten fünf Köster-Episoden überhaupt. Das ist Brynych pur (für nicht wenige stellt dieser Hinweis natürlich eine Warnung dar); erinnert stilistisch frappierend an dessen Derrick-Erstling „Alarm auf Revier 12“. Brynych labt sich an der Darstellung des exzessiven Rauschs; lässt das titelgebende Musikstück ähnlich oft und penetrant ertönen wie weiland den Vicky-Leandos-Gassenhauer. Klaus Löwitsch – dauerbesoffen und -verschwitzt – trägt dick auf, aber vermag dennoch vollends zu überzeugen. Ich oute mich als Löwitsch-Fan.

Aber - „Sportpalastwalzer“ lebt nicht nur von Atmosphäre, sondern hat darüber hinaus ein clever konstruiertes Drehbuch von Detlef Müller zur Grundlage. Das bemerkenswerte Ende bleibt im Gedächtnis, lässt die Folge noch stärker aus dem Krimi-Einerlei herausstechen, als sie es durch den individuellen Brynych-Stil ohnehin schon tut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Praterleben

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

01.04.2012 15:09
#112 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Nachtmusik" (Folge 11)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Hellmut Lange, Maria Sebaldt, Andreas Seyferth, Alexander Kerst, Kornelia Boje, Horst Naumann, Emely Reuer, Katerina Jacob, Michael Lenz, Walter Gross, Jean-Pierre Zola, Manfred Seipold u.a.
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld - Regie: Helmuth Ashley

Die Einladungen zu den Musikabenden im Hause Kerner sind bei der Münchner Geschäftswelt sehr begehrt. Bankier Kerner fördert junge Talente und genießt es, bei erlesener Kammermusik mit anschließendem Büfett Kontakte zu vertiefen und seinen Status innerhalb der Branche zu zeigen. Wie so oft, fällt der Apfel weit vom Stamm. Sein Sohn Arno ist wegen der Drogensucht seiner Freundin Bea in Geldnöten und nutzt die Anwesenheit der Gäste für Einbrüche in den betreffenden Häusern. Er leiht sich die Schlüssel der wohlhabenden Besucher aus und raubt zusammen mit Bea Bargeld und wertvolle Einzelstücke. Als er eines Abends einen weiteren Eindringling mit einer Pfeffermühle niederschlägt, beginnen für ihn und seinen Vater schwere Zeiten.....



Hellmut Lange, der als Hausherr und Vater eines unzufriedenstellenden Sohnes im Mittelpunkt des Geschehens steht, ist Opfer und Täter zugleich. Der ehemalige Wallace-Star hat sich besser gehalten als sein gleichaltriger Kollege aus Episode 9, dem man die Spuren des Lebens deutlich ansieht.
Lange verkörpert wieder einmal ein Mitglied der besseren Gesellschaft, dessen beruflicher Erfolg durch Defizite in seinem Privatleben getrübt wird. Andreas Seyferth ist für die Rolle des verzweifelten Sohnes in Schwierigkeiten der richtige Mann. Seine Freundschaft zur von Drogen umnebelten Katerina Jacob, die glaubt, man könne durch ständige Ausblendung der Realität dem schnöden Alltag entfliehen, zieht ihn hinunter und macht ihn zur Zielscheibe von Profi-Gangstern. In amüsanter Alleinregie beweist Hauptkommissar Köster seinem Vorgesetzten, dass er ungewöhnliche Gedankengänge anstrengen muss, um einen Fall zu lösen. Die illustre Abendgesellschaft wirkt ebenso anheimelnd wie das Antiquariat, in dem das Geschäft mit der großen Gewinnspanne abgewickelt wird; einer Spanne, von der normale Buchhändler nur träumen können. Mit anderen Margen rechnen die Räuber um Manfred Seipold, die allerdings vorwiegend zu brachialer Gewalt greifen, um ihr Ziel zu erreichen. Hier kann Köster ansetzen, um den Fall restlos aufzuklären. Die Enthüllung der Tatumstände macht den Bankier demütig und verleitet ihn zu einer großen Geste gegenüber dem ruhig und zurückhaltend agierenden Alexander Kerst. In kleineren Rollen sieht man Naumann und Reuer als Ehepaar, wobei ich Emely Reuer optisch zunächst mit Witta Pohl verwechselt habe, doch ihre unverkennbar aparte Stimme belehrte mich rasch eines besseren. 4,5 von 5 Punkten

Blap Offline




Beiträge: 1.128

01.04.2012 22:45
#113 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 2 - Jack Braun (Deutschland 1977)

Ungebetener Besuch

Aus einer Tiefgarage wird der Daimler des Gynäkologen Dr. Margolis (Peter Pasetti) entwedet. Peter Engel (Günther Maria Halmer) und Jack Braun (Peter Bollag) überfahren mit dem Gefährt einen älteren Herrn, der kurz zuvor von ihrem Komplizen Hans Kraus (Karl Renar) auf die Strasse geschubst wurde, das Opfer ist sofort tot. Den PKW bringen die Kriminellen unerkannt zurück auf den üblichen Stellplatz. Margolis erweist sich bei einer ersten Befragung als nicht sonderlich zugänglich, ebenso mangelt es dem Mediziner an einem schlüssigen Alibi. Kommissar Köster beschleichen recht schnell Zweifel an der Schuld des Arztes, die Angaben diverser Gestalten wecken das Interesse des cleveren Ermittlers. Zwecks Überführung der Verdächtigen lässt sich Köster auf ein lebensgefährliches Spiel ein...

Jede Menge bekannte Gesichter tummeln sich in dieser Folge. Peter Pasetti agiert mit kühler Arroganz, eine großartige Vorstellung! Günther Maria Halmer und Karl Renar sind der Situation nicht gewachsen, die Motive des aus den USA angereisten Jack Braun sind ihnen nicht bekannt. Peter Bollag wirkt zunächst recht blass, dies ist jedoch der Rolle geschuldet, sein großer Auftritt steht erst zum Finale an. Für Udo Thomer bleibt eine sympathische Nebenrolle, der bayerische Volksschauspieler mimt einen Polizeibeamten der auf Kösters Unterstützung baut. Michael Ande und Jan Hendricks müssen sich mit wenigen Szenen begnügen, in dieser frühen Phase der Reihe bleibt kaum Platz für Erwin Kösters Helferlein. Henning Schlüter schaut als Chef Millinger kurz rein, von den Methoden seines besten Pferdes im Stall möchte er lieber nichts wissen, Hauptsache der Fall wird irgendwie aufgeklärt.

"Jack Braun" hat viele schmackhafte Krimizutaten im Gepäck, ein kleines Füllhorn von Straftaten und Motiven. Kaltblütiger Mord, Erpressung und Diebstahl, Familendrama, Hass und Rachegelüste. Dazu ein Ermittler der sein Leben ohne zu zögern aufs Spiel setzt, freilich mit reichlich Routine und Selbstbewusstsein ausgerüstet. Siegfried Lowitz kann man nicht genug loben, sein Erwin Köster ist ein kantig-kerniger Kauz, abgebrüht, mit bissiger Ironie und messerscharfem Verstand gesegnet. Das winterliche München präsentiert sich als hübsche Bühne für den Alten, inklusive Ausflug vor die Tore der Stadt. Folge 2 glänzt mit einem starken Ensemble, stimmungsvollen Schauplätzen und einem interessanten Kriminalfall. "Realismusfanatiker" werden eventuell den nahezu übermütigen Eifer des Herrn Köster anprangern, der sich offenbar mit geradezu diebischer Freude in die Lösung des Falls verbeisst. Was gibt es noch zu berichten? Der mit hohem Wiedererkenungswert gesegnete Vorspann ist nun zu sehen, die griffige Titelmusik des bewährten Peter Thomas erfreut meine Ohren. "Der Alte" ergänzt "Derrick" vortrefflich, ich freue mich auf die kommenden Folgen (schrieb ich bereits im Kurzkommentar zum Auftakt, es kann nicht oft genug gesagt werden).

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

10.04.2012 21:59
#114 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 3 - Der Alte schlägt zweimal zu (Deutschland 1977)

Der Tropf und die importierte Femme Fatale

Eric Finberg (Michel Rubin), ein reichlich unansehnlicher Spediteur, ist der attraktiven Vanessa (Loumi Jacobesco) hemmunglos verfallen, doch seine Gattin (Eleonore Noelle) verweigert die Scheidung mit kratzbürtiger Hartnäckigkeit. Sehr unangehm für den liebeskranken Burschen, denn seine Geliebte stammt aus Polen, ihre Aufenthaltserlaubnis läuft bald aus. Nachdem Frau Finberg ankündigt ihre Mutter (Brigitte Horney) für ein paar Tage zu besuchen, erklärt sich Eric Finberg bereit seine Gattin zu fahren, schliesslich habe er sowieso eine Fuhre in der Nähe abzuholen. Als die Tochter nicht zum vereinbarten Zeitpunkt auftaucht, zeigt die verzweifelte Mutter ihren Schwiegersohn bei der Polizei an. Die alte Dame ist sich absolut sicher, ihre Tochter wurde von Eric Finberg ermordert! Kommissar Köster fühlt dem Transporteur auf den Zahn, der Verdächtige gibt an seine Gattin habe das Fahrzeug im Streit verlassen, seither habe sie sich nicht mehr bei ihm gemeldet. Eine Rekonstruktion der Tour bestätigt die Zeitangaben Finbergs. Dennoch ist Köster von der Schuld des untreuen Ehemanns überzeugt, er setzt seinen Mitarbeiter Heymann auf die Liebschaft des Spediteurs an...

Michel Rubin verhält sich nicht nur wie ein Trottel, er sieht zu allem Überfluß auch wie ein Depp aus. So mutet seine Darbietung überwiegend unfreiwillig (?) albern an, dem Unterhaltungswert ist diese Tatsache keinesfalls abträglich. Die rassige Loumi Jacobesco passt vortrefflich in die Rolle der ruchlosen Verführerin, das Drehbuch degradiert sie zum abgegriffenen Klischee, eine dreiste und gleichzeitig herrliche Maßnahme. Eleonore Noelle kommt als zänkische Ehefrau sehr abstossend daher, treibt den Zuschauer geradezu in die wolllüstigen Arme der anziehenden Loumi Jacobesco. Brigitte Horney wird leider verschwendet, einer echten Dame sollte man mehr zugestehen, hier bleibt sie auf ein Nervenbündel beschränkt, welches man am liebsten gemeinsam mit ihrer Filmtochter entsorgen möchte. Darüber hinaus kommen Jan Hendricks und Michael Ande zum Zuge, stehen nicht lediglich wie biegsame Eckfähnchen auf dem Spielfeld ihres knarzigen Chefs herum. Vor allem Ande bekommt ein feines Plätzchen zur Entfaltung eingeräumt, er darf sich mit Loumi Jacobesco in den feuchten Nahkampf begegben.

Sicher, der Kriminalfall ist kein meisterliches Konstrukt, dazu verläuft die Geschichte viel zu vorhersehbar. Die Stärken von "Der Alte schlägt zweimal zu" sind von anderer Natur, die klischeeüberladenen Charaktere sorgen beim geneigten Zuschauer für jede Menge Schenkelklopfer. Der Alte nimmt seinen Hauptverdächtigen mit nahezu sadistischer Lust auseinander, treibt ihn mit diebischer Freude mehr und mehr in die Enge. Auch wenn der "Umweg" über die Geliebte genommen werden muss, Köster spielt ausdauernd mit seinem "Opfer" Finberg, wiegt es kurzzeitig in Sicherheit, nur um zwei Fliegen mit einer knallharten Klatsche zu plattieren. Spinne Köster frisst auch kleine, dumme und unterlegene Fliegen. Und erst die Darbietung von Loumi Jacobesco! Wenn sie sich dem lechzenden Ande anbietet, ihm ihre High Heels fast ins Gesicht drückt, möchte ich vor Freude fast vom Sofa hüpfen. Während Köster seinen Sieg geniesst, scheint sein Zuarbeiter Heymann ein schlechtes Gewissen zu plagen, Michael Ande bringt diesen Zwiespalt überzeugend rüber. Inmitten der Suhle aus Klischees und Fliegenfängerei tischt uns Regisseur José Giovanni flotte Szenen im LKW auf, mit Vollgas rumpelt der klapprige Kasten durch das bayerische Hinterland. Dazu zum Schluss der symbolträchtige Blick vorbei an einer verhafteten Person, durch das Gitter der Polizeikutsche sehen wir Köster, Heymann und Brenner entspannt in den Feierabend spazieren, über dem Abspann ertönt der angenehmer Easy Listening Sound aus der Feder von Peter Thomas.

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Georg Offline




Beiträge: 3.031

14.04.2012 16:49
#115 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Und hier noch drei Berichte aus der Funkuhr (Mai 1977) zum Serienstart bzw. zu Der Alte schlägt zweimal zu:


... und weil die Auflösung die zulässige Auflösung im Forum überschreitet hier der Link zu den Scans:
http://www.bilder-hochladen.net/files/big/j3wh-1q-7f39.jpg
http://www.bilder-hochladen.net/files/big/j3wh-1r-44f6.jpg

Blap Offline




Beiträge: 1.128

15.04.2012 23:06
#116 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Episode 4: Toccata und Fuge (Deutschland 1977)

Im Haifischbecken der Dekadenz

Vor rund einem Jahr wurde Anna Colucci während einer Zugfahrt nach München ermordet. Kommissar Köster stellt den bisher ungelösten Fall in einer Fernsehsendung vor, hofft auf diese Art hilfreiche Hinweise zu erlangen. Tatsächlich kommt nun wieder Bewegung in die festgefahrenen Ermittlungen, eine neue Zeugin meldet sich und kann interessante Details zu Protokoll geben. Noch überraschender ist der Besuch von Sylvia Dressler (Eva Christian) auf dem Polizeirevier, die dem damaligen Hauptverdächtigen Francesco Colucci (Michael Maien), Ehemann des Mordopfers, zu einem Alibi verholfen hatte. Plötzlich ist sich die junge Frau nicht mehr sicher, gibt vor mit ihrem Gewissen zu ringen. Köster fühlt Francesco Colucci und dessen neuer Gattin Tina (Heidelinde Weis) auf den Zahn, regelrecht empört weist Tina jegliche Verdächtigung zurück. Weitere Ermittlungen im Bekanntenkreis Francesco Coluccis lassen das Alibi mehr und mehr bröckeln. Angeblich hielt sich Colucci zum Tatzeitpunkt auf einer Party auf, erstaunlicherweise sind die Erinnerungen der anderen Gäste zunehmend lückenhaft, lassen die Damen und Herren ihren "guten Freund" fallen?

Mächtig orgelt uns Toccata und Fuge in die Ohren, die nächste Szene führt uns in einen nächtlichen Zug. Eine junge Frau wird auf der Zugtoilette gemeuchelt, zuvor gewährt uns die Kamera einen Blick auf die schwarzen Handschuhe des Killers. Nach der Tat wirft der Schlächter sein Opfer wie ein Stück Müll aus dem fahrenden Zug, wir sehen die tote Schönheit blutig im Gleisbett liegen. Was ist hier los, bin ich in einem Giallo gelandet, ich habe die DVD doch der oben abgebildeten Box entnommen!? Alles nur Fake, lediglich ein Kurzfilm aus einer TV-Sendung (XY lässt schön grüssen), Köster stellt uns den Fall vor (Lowitz bringt Kösters "Fernsehauftritt" grandios rüber!). Während ich mich noch über die gialloesken Momente freue und mich auf eine weitere gute Folge "Der Alte" einstelle, tauche ich erneut in einen Giallo ein! Affektierte Gestalten aus der Oberschicht suhlen sich lustvoll frustvoll in dekadenter Ekelhaftigkeit, eingebettet ein Kulissen die in jedem Giallo bestens aufgehoben wären. Klatsch, Schnitt ins das triste Büro Köster & Helferlein, humorig kommentieren die Zuarbeiter des Meisters den TV-Auftritt ihres Chefs. In diesem Stil geht es weiter, "Toccata und Fuge" pendelt fröhlich zwischen solide inszenierter TV-Krimiunterhaltung und deutlicher Schlagseite italienisches Genrekino umher, moderiert von einem herrlich aufspielenden Siegfried Lowitz. Meine Begeisterung bringt die übliche Reihenfolge meiner Folgenkommentare durcheinander, die Würdigung der Schauspieler soll aber nicht unter den Tisch fallen.

Es kann nicht oft genug gesagt werden, Siegfried Lowitz ist die Rolle des kernig-kantigen Kommissar Köster perfekt auf den Leib geschneidert. Gegen diese Dominanz vermögen Michael Ande und Jan Hendriks nicht viel auszurichten, bleiben in dieser Folge weitgehend austauschbar. Zurück zu meinem Lieblingsthema Giallo, auf das von mir verehrte Genre weist auch die Wahl der weiblichen Besetzung hin, so viel Schönheit bekommt man selten in deutschen Produktionen zu Gesicht! Heidelinde Weis macht mich sowieso sehr an, hier darf ich sie als ruchloses und überspanntes Miststück geniessen, ich bin verliebt, unsterblich verliebt! Setzt bereits Heidelinde Weis mein Blut im Überfluss unter Starkstrom, hämmert mir zusätzlich die rassige Gracia-Maria Kaus aufs Auge, ruchloses Miststück Nr. 2 in einer Folge, fast zu viel für mein altes Herz! Die durchaus nicht unattraktive Eva Christian verblasst nahezu, abseits meiner primitiven Gelüste sorgt Xenia Pörtner für gute Laune, die kluge Lebensgefährtin des Alten nimmt ihren Liebsten genüsslich und liebevoll auf die Schippe. Die Herren sollen nicht unterschlagen werden, Harry Meyen gefällt in der Rolle des arroganten Besessenen, Peter Fricke überzeugt als schleimiger Erpresser. Noch einmal zurück zu den Damen, Hanne Wieder sorgt mit ihren Auftritten als lesbischer Paradiesvogel für Schmunzler.

Bin ich im Himmel? Der Alte goes Giallo ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben? Gerade kommt mir wieder Heidelinde Weis in den Sinn, du kokettes Biest, wie soll ich in der kommenden Nacht schlafen ohne von dir zu träumen? Ich sehe Gracia-Maria Kaus mit ihrem ständig besoffenen Kerl am Pool über den sonnigen Süden sinnieren: "Scotch gibts überall", da liegt der schlechte Mann richtig, bringt es gewissermaßen auf den Punkt. Was für eine Wundertüte! Mord und Totschlag, prachtvolle Kulissen und überschäumende Dekadenz, verdorbene Charaktere und schöne (verdorbene) Frauen, Besessenheit bis zum (h)eiskalten Wahnsinn! Mehr gefällig? Erpressung, Homosexualität, Bach, brüllend irre Dialoge und über allem Herr Lowitz als durchblickender Moderator, der zum Finale genau die richtigen Knöpfe drückt, konsequent und (fast) die Grenzen regulärer Polizeiarbeit überschreitend! Selten wurde die Orgel im deutschen Fernsehen faszinierender bespielt, meine Synapsen explodieren vor Freude! Ich beende meine wirren Ausführungen an dieser Stelle, der Verlust jeglicher Contenance steht unmittelbar bevor. ...es gäbe noch soooo unendlich viel über die Folge zu schreiben. Zum Teufel, überzeugt euch selbst davon!

Feiste 8,5/10 (sehr gut bis überragend)

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Vom Ursprung her verdorben

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

15.04.2012 23:16
#117 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich bin ganz bei dir, Blap! "Toccata und Fuge" ist - trotz enorm starker Konkurrenz - meine absolute Lieblingsfolge auf der ersten Köster-Box.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

16.04.2012 10:40
#118 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Noch immer eine schöne Frau, ich bin verliebt!



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Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

22.04.2012 22:33
#119 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 5 - Zwei Mörder (Deutschland 1977)

Falsch eingeparkt

Gustav Peukert (Vadim Glowna) gesteht Kommissar Köster aufgelöst den Mord an einer jungen Frau, offenbar war der Geständige dem Opfer hoffnungslos verfallen. Wenig später wird ein Bürschlein namens Peter Sartorius (Christian Reiner) vorgeführt, erstaunlicherweise gesteht er ebenfalls den Mord an der jungen Frau. Während der vorbestrafte Peukert in Untersuchungshaft landet, wird Peter Sartorius wenig später in eine Klinik gehobener Güteklasse eingeliefert, sein Vater Dr. Sartorius (Hans Caninenberg) ist ein einflussreicher Geschäftsmann mit weitreichenden Beziehungen. Köster gedenkt nun herauszufinden welcher der beiden "Mörder" lügt, weitere Vernehmungen von Peter Sartorius gestalten sich jedoch schwierig, er wird in der Klinik abgeschirmt.

Der leider kürzlich verstorbene Vadim Glowna glänzt in der Rolle des verzweifelten Liebhabers, der tragische Charakter Peukert rührt den Zuschauer an. Auch Christian Reiner macht seinen Job sehr ordentlich, überdies passt sein Erscheinungsbild prächtig zum Klischee des armen reichen Söhnchens. Hans Caninenberg spielt einen äusserst erfolgreichen Geschäftsmann, so sicher er sich auf diesem Parkett bewegt, so blind ist Dr. Sartorius bezüglich seines Privatlebens. Interessanterweise wird Dr. Sartorius nicht als kaltherziger Tyrann gezeichnet, vielmehr mutet der Privatmann Sartorius naiv und überfordert an. Judy Winter gibt die elegante Dame, Christine Wodetzky die geschiedene Ehefrau des Mordverdächtigen Peukert, die auf ihre Art ebenso verzweifelt einer hoffnungslosen Liebe nachhängt. Feiner Humor zieht sich durch die gesamte Folge, vor allem sorgt Siegfried "Der Alte" Lowitz immer wieder für Schmunzler, Günther Ungeheuer taucht in einer herrlichen Nebenrolle auf.

Zunächst darf sich der Zuschauer sich Kopf zerbrechen, mit dem Auftauchen einer Nebenfigur werden die Gedankenspiele jedoch recht deutlich in eine bestimmte Richtung gelenkt. Alfred Vohrer befand sich während der Dreharbeiten in seiner Übergangsphase vom Wüstling zum seriösen Handwerker, dank der großartigen Vorstellung von Siegfried Lowitz haut "Zwei Mörder" dennoch auf die Pauke, mal subtil, mal kernig. Kurz nach der ersten Szene (Köster am Telefon) bietet die Folge eine erstaunliche Kamerafahrt an, Wohlgefühl im Stil von Großmeister Dario Argento. "Der Alte" bleibt in Hochform, obschon die überschäumde Lust von "Toccata und Fuge" nicht erreicht wird (zugegeben, der Vergleich ist unfair). Mir wird (neben Lowitz) sicher die (vordergründig) unscheinbare Rolle von Hans Caninenberg in Erinnerung bleiben, dessen Dr. Sartorius auf einer anderen Ebene versagt als der übliche "Klischee-Bonze".

7,5/10 (gut bis sehr gut)

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Blap Offline




Beiträge: 1.128

29.04.2012 23:14
#120 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 6 - Blütenträume (Deutschland 1977)

Zu tief ins Glas geschaut

Unerwarteter Besuch im Laden von Marie Sandtner (Luitgard Im). Plötzlich taucht ihr Mann Hasso (Günther Ungeheuer) auf, möchte mit ihr trinken und ins Bett steigen, wirft mit Geldscheinen um sich. Unverrichteter Dinge zieht Hasso davon, mit etlichen Flaschen Fusel bewaffnet sucht er alte Kumpel auf, gibt sich gemeinsam mit den Obdachlosen dem Suff hin. Inzwischen hat Marie einen gewissen Toni Wiener (Thomas Astan) telefonisch über ihren Besucher unterrichtet, abends betrachtet der Verständigte das haltlose Saufgelage, Hasso reagiert ungehalten auf den Anblick des Bekannten. Am nächsten Morgen wird unter der Brücke eine Leiche gefunden, Hasso Sandtner wurde mit einer Flasche der Schädel eingeschlagen. Kommissar Köster kann sich auf die Unterstützung der Streifenpolizei verlassen, die unter dem Bauwerk hausende Stammbesetzung ist bekannt, problemlos können die Herren (und eine Dame) in einer einschlägigen Kneipe aufgelesen werden. Zunächst sind die Angaben der Trinker nicht sonderlich hilfreich, doch Köster hat längst die Fährte aufgenommen und einen cleveren Plan ausgeheckt. Der Fall hat eindeutig mit Falschgeld guter Qualität zu tun, das künstlerisch sehr begabte Opfer arbeitete vermutlich für eine Fälscherbande. Da die Obdachlosen den rätselhaften "Besucher" ihrer Gelages identifizieren könnten, sucht man bekannte Umschlagplätze für Blüten auf, darunter auch die Pferderennbahn. Tatsächlich erkennt Schorschi (Wolfrid Lier) den Gesuchten, setzt sich jedoch unbemerkt ab und startet auf eigene Faust einen Erpressungsversuch. Wenig später wird eine weiteres Mordopfer gefunden...

Günther Ungeheuer bleibt nur wenig Zeit den Charakter des Trinkers Hasso Sandtner zu zeichnen, trotz des knappen Rahmens gelingt ihm dies sehr ansprechend. Kurzzeitig wirkt Hasso Sandter bedrohlich, dieses Bild kippt jedoch flugs in eine völlig andere Richtung. Luitgard Im wird kaum später zur teilweisen Enttarnung ihrer Marie Sandtner gezwungen, wie tief ihre Verstrickungen sind wird an dieser Stelle nicht verraten. Thomas Astan bleibt aalglatt und abgebrüht, das Drehbuch gesteht Luitgard Im mehr Raum zu. Aus meiner Sicht eine gute Entscheidung, denn um auch Astans Ganoven Toni Wiener mit Tiefgang auszustatten fehlt die Zeit, er dient gewissermaßen als Triebfeder für die Handlungen Marie Sandtners nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes. Aus der Obdachlosentruppe ragt Wolfrid Lier hervor, allerdings bleibt nur Raum für übliche Klischees (die aber durchaus ansprechend mit Leben aufgefüllt werden). Michael Ande muss vor seinem Chef das eigene Versagen eingestehen, Köster reagiert erstaunlich verständnisvoll. Henning "Chef Millinger" Schlüter wird von Köster auf die Schippe genommen, Xenia Pörtner steht ihrem Lebensgefährten Köster einmal mit intelligenten Ausführungen zur Seite. Köster, Köster, Köster, auf Herrn Lowitz ist immer Verlass!

Was für ein Auftakt! Die Folgen 1-5 trumpften mit vier sehr starken Beiträgen und einem grandiosen Überflieger auf. Folge 6 kann diese Klasse nicht halten, taucht auf solidem Niveau in den Alltag deutscher TV-Krimiunterhaltung ein. Siegfried Lowitz und das übrige Ensemble spielen routiniert, Alfred Vohrer inszeniert ebenso abgeklärt (auch wenn ich es immer wieder schreibe, Vohrer kommt als Wildsau am gewaltigsten. Leider bleibt der Wühlknubbel diesmal im Gehege). Mein Ohren reagierten sofort erfreut auf die proglastige Musik von The Old Man and the Sea (für den Notizblock: dringend nach CDs der Band suchen). Ganz ohne Krawall geht es dann doch nicht, Köster lässt die Härte seines Schädels prüfen, ein mieser Fieser stirbt blutig (Alfred, ich liebe dich). Falschgeld, Suff und tragische Liebe, guter Stoff. Mit ein wenig mehr Bissigkeit hätte auch "Blütenträume" ein echter Knüller werden können, in der vorhandenen Form ansprechende Unterhaltung.

6,5/10 (oberste Mittelklasse) ...vielleicht 7/10, ich bin noch heftig von den vorherigen Folgen berauscht...

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Vom Ursprung her verdorben

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