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Dieses Thema hat 259 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 3.031

12.12.2011 18:25
#91 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Das ist auch wirklich die einzige Vogeler-Episode, bei der ich diesem Lob uneingeschränkt zustimmen kann. Besonderer Pluspunkt sind Helmuth Ashleys sanfte Regie und der tolle Soundtrack von Peter Thomas. Macht Spaß!

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

05.01.2012 13:51
#92 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Aus der Serie

Die tote Hand

Mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Wolfgang Zerlett, Jacques Breuer, Bruno Dallansky, Johanna Elbauer, Werner Pochath, Michael Maien, Käte Jaenicke, Rudolf Schündler, Paul Dahlke, Eleonore Weisgerber, Maria Stadler, Ute Willing, Gaby Herbst, Peter Capell, Isolde Zimmermann, Heidi Kiunka, Josef Thalmeier, Hans Bergmann, Willi Röbke uva.
Buch & Regie: Alfred Vohrer
Erstausstrahlung: 11.04.1980

Enthält leichte Spoiler!

Alfred Vohrer hat sich in seiner überschaubaren Karriere als Drehbuchautor nicht mit Ruhm bekleckert. Mit Schaudern denkt man an den "Gorilla von Soho" - und auch die drei "Alte"-Episoden "Bumerang", "Morddrohung" und "Teufelsbrut" gehören zu den schwächsten Vertretern der Köster-Ära. Mit seinem letzten verfilmten Buch "Die tote Hand" verhält es sich anders; es ist mit großem Abstand die beste Schreibarbeit Vohrers. Kundige Wallace-Fans erfreuen sich an kleinen Anspielungen, wobei die offensichtlichste bereits im Titel enthalten ist; ein Destillat aus "Die toten Augen von London" und "Die blaue Hand". Als Tarnung der dubiosen Geschäfte des schmierigen Sir Henry (eindrucksvoll verkörpert vom ewigen Ringelmann-Ganoven Werner Pochath) dient ein Billard-Club (wie in "Der Mann mit dem Glasauge"); zudem spricht jener Sir Henry im Zusammenhang mit bildschönen Frauengesichtern von "hübschen Larven" - genau wie Friedel Schuster in Vohrers letztem Wallace. Für den Ausgangspunkt der Folge wählt Vohrer eine ähnliche Situation wie in "Blow Up". Der Pensionär und Hobbyfotograf Alois Bettler (Rudolf Schündler) erscheint im Polizeipräsidium und präsentiert Kommissar Köster ein Bild, das er in einem Waldstück bei München aufgenommen hat. Auf den ersten Blick ist nichts zu erkennen, doch unter Zuhilfenahme einer Lupe offenbart die Fotografie ein grausiges Detail: die Hand eines Menschen, die aus dem Laub herausragt. Tatsächlich wird an der entsprechenden Stelle die Leiche eines gewissen Kulek gefunden - erschossen. Schnell ermitteln die Beamten, dass Kulek in der Unterwelt kein Unbekannter war. Im bereits erwähnten Club "Sir Henry" verkehrte er regelmäßig. Zudem stieß er einst seine Freundin Ilse Staiger (Johanna Elbauer) eine Treppe hinunter; seitdem ist die junge Frau an den Rollstuhl gefesselt, wie Köster bei der Befragung ihres Vaters (Bruno Dallansky) erfährt. Auffällig verhält sich der junge Rocker Horst Bieler (Jacques Breuer), der nicht nur ein ehemaliger Nachbar Kuleks ist, sondern auch im Umfeld des "Sir Henry" und der Familie Staiger bemerkenswert häufig auftaucht. Eine entscheidende Wendung nimmt der Fall, als Köster von seinem alten Kollegen Franz Burger (schlitzohrig: Paul Dahlke) kontaktiert wird. Burger lebt im selben Seniorenstift wie Bettler - und hat dort eine interessante Beobachtung gemacht.

Speziell in der Figurenzeichnung und der Schauspielführung überzeugt "Die tote Hand" - Vohrer verzichtet überwiegend auf den immer wieder gerne zitierten Popanz - obwohl sich dieser aufgrund des Milieus durchaus angeboten hätte. Nur in einer Mordszene geht der alte Wallace-Regisseur mit ihm durch. Ansonsten ist die Folge überraschend ruhig inszeniert. Der Humor kommt nicht zu kurz - dafür sorgen schon Paul Dahlke und eine hübsche Szene in der Polizeikantine (Köster (brüllt durch den Raum): "Schnitzel ist kalt", Heymann (leise): "Und der Kartoffelsalat warm..."), aber dennoch bleibt "Die tote Hand" final als bitteres Verliererporträt im Gedächtnis. Der Mörder, der Köster schließlich gegenüber sitzt, ist das sprichwörtliche "arme Schwein". Köster, dessen empathische Fähigkeiten unbegrenzt erscheinen, kostet seinen Fahndungserfolg nicht aus. "Ich kann Sie nicht gehen lassen, ich muss Sie verhaften. Es wird Ihnen kein Trost sein, aber ich möchte Ihnen sagen, dass es mir leid tut." Unvergesslich ist darüber hinaus der Auftritt von Rudolf Schündler - anhand seiner schauspielerischen Leistung in der Schlussszene erscheint es kaum mehr verwunderlich, dass der "Knörzerich" einst von Fritz Lang für "Das Testament des Dr. Mabuse", von Friedkin für "Der Exorzist", von Argento für "Suspiria" und von Wim Wenders für "Im Lauf der Zeit" und "Der amerikanische Freund" verpflichtet wurde. Selten habe ich jemanden Reue und Verzweiflung derart glaubwürdig und mitleiderregend spielen sehen. Vohrer friert das Bild des kurz vor den Tränen stehenden Schündlers ein und lässt darüber die Abspanntitel laufen. Das perfekte Ende einer überzeugenden Folge.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

05.01.2012 21:58
#93 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer

... und auch die drei "Alte"-Episoden "Bumerang", "Morddrohung" und "Teufelsbrut" gehören zu den schwächsten Vertretern der Köster-Ära.



Hier hat sich der berüchtigte Fehlerteufel eingeschlichen. Nicht die Folge "Morddrohung", sondern die Folge "Mordanschlag" stammt aus Vohrers Feder.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

19.02.2012 20:04
#94 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Jack Braun" (Folge 2)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Peter Pasetti, Peter Bollag, Henning Schlüter, Karl Renar, Günther Maria Halmer, Ursula Grabley, Xenia Pörtner, Jan Hendriks, Udo Thomer u.a. Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei, Peter Berneis, Regie: Wolfgang Becker

Ein Mann kommt mit einer Linienmaschine aus New York. Zwei Männer holen ihn ab. Kurze Zeit später entwenden sie in einer Tiefgarage den Wagen des Gynäkologen Dr. Margolis und überfahren damit absichtlich einen Rentner. Dann stellen sie das Auto an seinen Platz zurück, wohlwissend, dass man den Arzt für den tödlichen Unfall verantwortlich machen wird. Was bezwecken sie damit? Wofür will sich der Kopf des Trios, ein Mann namens Jack Braun, an Dr. Margolis rächen?



"In die Riege der bundesdeutschen Fernsehermittler reihte sich Kommissar Erwin Köster mit einer Charakterisierung jenseits des glatten Bildes deutscher Kriminalbeamter ein. Griesgrämig-muffig, leicht verschmitzt, hemdsärmelig und kantig [...], ist er kein "Übermensch", sondern operierte anfangs auch mit nicht legalen Mitteln." (Der deutsche Fernsehkrimi, J.B. Metzler-Verlag, Seite 181-183)

Erwin Köster sieht man in dieser Folge zum ersten Mal in der Polizeikantine, wo er ganz in eine Schachaufgabe versunken ist, als ihn sein Freund, ein Wachtmeister der Unfallpolizei, um Mithilfe bittet. Er wirkt zu Beginn ein wenig abwesend, doch sobald der Fall sein Interesse gewonnen hat, packt er ihn an und ermittelt auf eigene Faust, ohne seinen Assistenten Gerd Heymann. Dafür bespricht er die Mordsache mit seiner Bekannten, bei der er sich ausruht und mit der er gerne mal eine Partie Schach spielt. Um Beweise für seine Theorie zu bekommen und die Klärung des Falles voranzutreiben, schaltet er sich durch eine fingierte Erpressung in den Kreis der Täter ein, was sich bald als lebensbedrohlich erweisen wird. Sieht es zunächst nach einem Racheakt an Dr. Margolis aus, so werden die dahinterliegenden Motive nach und nach aufgedeckt, wobei die größte Überraschung erst in den letzten Minuten erfolgt. Je weiter der Kommissar mit seinen Kombinationen ist, desto riskanter werden seine Alleingänge. Zudem scheinen ihm die Verhandlungen mit den Gangstern nicht nur den Weg zu einer Festnahme zu ebnen, sondern ihm vor allem großen Spaß zu bereiten. Endlich kann er selbständig handeln, ohne die mahnende Stimme seines Vorgesetzten oder die stillen Bedenken seines Assistenten.
Siegfried Lowitz beweist Freude an der Rolle und ist zunächst nicht leicht einzuordnen. Der Gaststar der Folge ist zweifellos Peter Pasetti. Wann immer dieser Mime auftritt, umgibt ihn eine Atmosphäre der nüchternen Eleganz und der unnahbaren Zurückhaltung. Er ist nicht zu durchschauen und gerade deshalb stets ein Mann, der in Verdacht gerät, obwohl - oder gerade weil - er den besten gesellschaftlichen Kreisen angehört. Sein Gegenspieler ist Peter Bollag, dessen markantes Gesicht ausnahmsweise nicht aus der Reihe "Der Kommissar" bekannt ist. Präzise und emotionslos verfolgt er seinen Plan, der ihn zu einer Lebensgefahr nicht nur für Köster werden lässt. Die Szenen in der Schneelandschaft des Starnberger Sees zählen zu den wichtigsten der Episode. Es ist ohnehin immer ein Genuss, aus München rauszukommen. Die S-Bahn-Linie 6 fährt von Starnberg in die Innenstadt und bereitet dem Zuseher einige spannende Minuten, in denen der Mörder jederzeit aus seiner Waffe feuern könnte. Die Anspannung hält sich bis zum Schluss und darüber hinaus: Ohne psychologische Standpauke von Kommissar Keller bleibt ein Mörder eben uneinsichtig und schwört auf weitere Rache. Man lässt ihn gewähren. Kommissar Köster ist kein Weltverbesserer; seine Aufgabe ist es, einen Täter zu überführen.

Fazit: Vielversprechender Auftakt meiner "Der Alte"-Sause (Copyright: Blap) mit einem wie immer tadellosen Peter Pasetti und einem geheimnisvollen Peter Bollag. Siegfried Lowitz pfiffig und unkonventionell, Ande und Hendriks noch im Hintergrund. Stimmige Schauplätze und dezenter Musikeinsatz. 5 von 5 Punkten.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

11.03.2012 12:38
#95 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Derrick bekommt Gesellschaft! Die "Mega-Der-Alte-Sause" startet!


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 1 - Die Dienstreise (Deutschland 1977)

Ein kantiger Ermittler stellt sich vor

Geiselnahme in einer Bank! Der unbekannte Täter hat drei Menschen in seiner Gewalt, die Situation droht zu eskalieren. Kommissar Köster (Siegfried Lowitz) begibt sich in die Hände des Ganoven, im Gegenzug werden die Geiseln freigelassen. Nach anfänglich Hektik gelingt es Köster die Lage zu entspannen, der inzwischen demaskierte Klaus Rott (Hans Brenner) zeigt zunehmend menschliche Züge. Der Kriminalbeamte entwickelt einen äussert riskanten Plan, in dessen Zentrum keinesfalls der überforderte Rott steht. Köster will einen weitaus grösseren Fisch aus dem Teich ziehen...

"Der Alte" startet mit einem Beitrag in Spielfilmlänge. Zwar sind bereits weitere Akteure der zukünftigen Stammbesetzung zu sehen, doch Siegfried Lowitz steht eindeutig und übermächtig im Mittelpunkt. Zu Beginn der Serie bekommen wir es mit einem kernigen Alten zu tun, Erwin Köster ist ein zynischer, unbequemer Typ, ein Querkopf der sich mit Vorgesetzten angelegt, der Unterwelt kräftig in den Hintern tritt, schmutzige Tricks gehören zum Handwerk des Alten. Für mich ein sehr interessantes Erlebnis, denn ich habe Lowitz vor einer gefühlten Ewigkeit letztmalig in seiner Paraderolle gesehen, Erwin Köster nicht als derartig bissigen Burschen in Erinnerung. Die Kanten wurden später abgeschliffen, ich bin auf die nächsten Folgen gespannt. Neben Siegfried Lowitz darf Hans Brenner sein Können präsentieren, der sich vom maskierten Gewaltmonster zu einer mehr und mehr tragischen Person entwickelt. Eine starke Leistung Brenners! Michael Ande bleibt während der Auftaktfolge eine Randfigur, als "ewige Nummer 2" ist er noch immer ein fester Bestandteil der Serie, auf ihn werde ich mit Sicherheit zufünftig näher eingehen. Auch Henning Schlüter ist schon zu sehen, er muss sich in der Rolle des Kriminalrates Franz Millinger mit dem knarzigen Kommissar Köster rumplagen. Ferner sehen wir Wolfgang Wahl als Einsatzleiter, Ralf Wolter turnt als geifernder Reporter durchs Bild. Wolfgang Reichmann ist als eiskalter "Oberbösewicht" am Start, er umgibt sich mit den Charakterköpfen Gert Haucke und Dan van Husen. Ohne Damen geht es nicht, Susanne Uhlen gerät in Bedrängnis, Iris Berben kassiert Prügel. Zwar sind noch andere bekannte Gesichter an Bord, doch die bisher genannten Darsteller sollten bereits genug Anreiz für Freunde gepflegter TV-Krimiunterhaltung bieten.

Johannes Schaaf nutzt die zur Verfügung stehende Spielzeit um dem Hauptcharakter der neuen Serie Substanz zu verleihen. Rou­ti­ni­er Löwitz lässt sich nicht lumpen, zeichnet eine Art Gegenentwurf zu seinen Kollegen aus der anderen in München angesiedelten Serie. Derrick, die edle Deutsche Dogge, gelassen und bei Bedarf blitzschnell zupackend. An seiner Seite Harry Klein, der nach einigen Jahren vom Wadenbeisser zum Hütehund reifte. Hingegen agiert Siegfried Lowitz mit dem spröden Charme einer Bulldogge, verbeisst sich ohne Gnade und Rücksicht auf das eigene Leben in den Fall (man möge mir die Vergleiche mit Hunden verzeihen). Ein erheblicher Teil der Handlung spielt sich in unterschiedlichen Fluchtwagen ab, Löwitz chauffiert Brenner durch das in tristes Grau gehüllte Umland Münchens. Konsequent steuert das Drehbuch auf ein dramatisches Finale zu. Wie bitter es tatsächlich ausfällt? Kauft euch die erste Box zur Serie! Löwitz spielte Köster bis 1985, nach 100 Folgen verliess er die Bühne, Rolf Schimpf übernahm als "neuer Alter" das Ruder. Bis zur Folge 100 erwartet mich noch jede Menge guter Unterhaltung, ich freue mich auf schöne Stunden.

Guter Auftakt mit einem überragendem Siegfried Löwitz = 7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

11.03.2012 22:47
#96 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Aus der Serie

Das letzte Wort hat die Tote

Mit Siegfried Lowitz, Michael Ande, Wolfgang Zerlett, Henning Schlüter, Udo Vioff, Barbara Rütting, Andreas Seyferth, Ute Christensen, Dieter Schidor, Karl Walter Diess, Karin Baal, Dieter Groest, Günther Ziegler, Josef Thalmeier, Toni Ertl, Jürgen Schilling uva.
Buch: Detlef Müller
Regie: Theodor Grädler
Erstausstrahlung: 09.05.1980

Brigitte Moland (Barbara Rütting) hat die junge Freundin ihres Mannes Hanno (Udo Vioff) zur Aussprache in ihr Haus eingeladen. Doch das Treffen mit Jutta Klasen (Ute Christensen) endet für die Hausherrin tödlich. Moland erhält von ihrer Rivalin einen Stoß und stürzt unglücklich mit dem Kopf auf eine Tischkante. In Panik kontaktiert Klasen ihren Geliebten, der einen folgenschweren Plan entwickelt. Die beiden setzen die tote Brigitte ans Steuer ihres Wagens und lassen das Auto in einen abgelegenen Steinbruch stürzen. Anschließend meldet Moland seine Frau als vermisst. Doch im Steinbruch hat sich der entflohene Sträfling Rudi Gunkel (Dieter Schidor) in einer kleinen Arbeiterhütte versteckt. Zuerst nimmt Gunkel der Toten nur den Schmuck ab, aber als er in der Zeitung die Vermisstenmeldung liest, beschließt er mit Hilfe seines Gaunerkollegen Winzer (Karl Walter Diess) eine Entführung vorzutäuschen.

Detlef Müller hat sich einen raffinierten Plot ausgedacht, der ständig mit neuen Wendungen überrascht. Nur die finale Pointe, der die Folge auch ihren Namen verdankt, ist dann des Guten etwas zu viel. Hier bedient Müller Krimi-Klischees, die er zuvor erfolgreich zu umwandern vermochte. In den Händen von Theodor Grädler ist „Das letzte Wort hat die Tote“ bestens aufgehoben. Dessen sachlicher Inszenierungsstil kommt der Episode zugute, die sich so stark über ihre „Masse an Handlung“ definiert, wie kaum ein anderer Beitrag der Serie. Grädler stand erneut ein exzellentes Ensemble zur Verfügung. Barbara Rütting beeindruckt in ihrem fünfminütigen Auftritt als verbitterte Frau, die – sämtlicher Illusionen beraubt – überhaupt nichts von jenem Selbstvertrauen ausstrahlt, welches ihre Wallace-Rollen stets auszeichnete. Auch Karin Baal ist dabei, wie auch die Ringelmann-Stammgäste Vioff, Schidor, Diess und Andreas Seyferth. Alles in allem erneut eine überzeugende Folge, die von den beiden nachfolgenden Episoden allerdings noch deutlich getoppt wird. Aber dazu später mehr.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

11.03.2012 23:13
#97 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · Antworten

... und als Nachklapp noch einmal die Rangliste zur ersten Collector's Box - diesmal inklusive Punktevergabe:

01. Toccata und Fuge - 5 von 5 Punkten
02. Jack Braun - 5 von 5 Punkten
03. Die Kolonne - 5 von 5 Punkten
04. Ein unkomplizierter Fall - 5 von 5 Punkten
05. Die Rache - 5 von 5 Punkten
06. Die Dienstreise - 4,5 von 5 Punkten
07. Lohngeld - 4,5 von 5 Punkten
08. Der Spieler - 4,5 von 5 Punkten
09. Konkurs - 4,5 von 5 Punkten
10. Erkältung im Sommer - 4 von 5 Punkten
11. Der Alte schlägt zweimal zu - 4 von 5 Punkten
12. Ein Koffer - 4 von 5 Punkten
13. Zeugenaussagen - 4 von 5 Punkten
14. Die Sträflingsfrau - 4 von 5 Punkten
15. Nachtmusik - 3,5 von 5 Punkten
16. Der schöne Alex - 3,5 von 5 Punkten
17. Verena und Annabelle - 3,5 von 5 Punkten
18. Blütenträume - 3,5 von 5 Punkten
19. Marholms Erben - 3 von 5 Punkten
20. Zwei Mörder - 3 von 5 Punkten
21. Der Pelikan - 2,5 von 5 Punkten
22. Bumerang - 2 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.03.2012 13:48
#98 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Die Dienstreise" (Folge 1)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Henning Schlüter, Hans Brenner, Katharina Seyferth, Wolfgang Reichmann, Susanne Uhlen, Iris Berben, Uwe Dallmeier, Maria Singer, Gert Hauke, Veit Relin, Constanze Engelbrecht u.a.
Drehbuch: Oliver Storz, Jochen Wedegärtner - Regie: Johannes Schaaf

Klaus Rott hat sich nach einem Banküberfall in dem Geldinstitut verschanzt und die Angestellten als Geiseln genommen. Kommissar Köster, der die Chance wittert, an die Hintermänner der Aktion zu gelangen, lässt sich als Geisel austauschen und tritt zusammen mit Rott die Flucht in einem Polizeiwagen an. Unterwegs erleben sie einige Zwischenfälle, die nicht nur Köster in beträchtliche Schwierigkeiten bringen. Wird es gelingen, den Räuber zu verhaften? Was führt er im Schilde? Und wer ist Gala Teretti, vor dem die gesamte Unterwelt zittert?

"Siegfried Lowitz war als Köster nicht so eindeutig der 'Übermensch', sondern ein Beamter mit den Verbrechern, die er jagte nicht ganz unähnlichen Vorlieben, Vorurteilen und Fehlern. Mit anderen Worten: nicht mehr 'so märchenhaft unantastbar'. [...] War zuletzt Erik Odes Kommissar Keller von Kritikern als 'Vaterfigur mit Law-and-Order-Tendenz' bezeichnet worden, so ist ein Charakteristikum des "Alten" seine Neigung zu eigenwilligen Methoden und Tricks..." (Der deutsche Fernsehkrimi, Verlag J.B. Metzler, S. 184)



Nach einem aufregenden Einstieg konzentriert sich die Episode wohltuenderweise auf die Flucht des ungleichen Duos. Durch die anfangs skrupellose Rücksichtslosigkeit des Bankräubers, die Kommissar Köster immer erst in letzter Minute abmildern kann, erhält Klaus Rott einen Gefährlichkeitsvorschuss, der ihn mit dem später in Erscheinung tretenden Gangsterboss Teretti auf eine Stufe stellen soll. Freilich spielen beide trotz ihrer Gewaltbereitschaft in verschiedenen Ligen. Der Tiroler Hans Brenner (1938-1998) wirkt bei weitem nicht so abgebrüht wie sein aufgeschwemmter Kollege Wolfgang Reichmann, der mit fremdländischem Akzent und der Einschüchterung von Frauen seine Macht demonstriert und sich dabei eines schleimigen Lächelns und einiger Gorillas (u.a. Gert Hauke) bedient.
Das Klappergestell Iris Berben zählt ebenso zu seinen Opfern wie die knuffige Susanne Uhlen, wobei man sich immer wieder wundert, in welche Abhängigkeit sich manche Menschen begeben. Katharina Seyferth erhält eine zentrale Rolle als Anhalterin, die unvermittelt unter die "Fürsorge" des Bankräubers Rott gestellt wird und sich in einer Mischung aus Naivität und Abgebrühtheit mit dem Flüchtenden fraternisiert. Die Szene im Gasthaus zählt zu den stärksten der Folge und die fünf Portionen Rehbraten mit Preiselbeeren bleiben jahrelang im Gedächtnis des Zusehers. Viele interessante Schauplätze werden auf der Flucht gestreift, u.a. das Olympische Dorf nördlich des Georg-Brauchle-Rings, das mit seinen hässlichen Betonbauten ein Negativbeispiel für eine schnell hochgezogene Siedlung darstellt.
Leider kippt die Folge -vermutlich auch aufgrund ihrer Länge- gegen Ende um. Wurden die cleveren Tricks von Köster zunächst spannend und vorausschauend umgesetzt, erschöpft sich die Handlung im Finale in einer Schießerei, die nicht nur Köster verärgert und enttäuscht zurücklässt.
Fazit: Die Spielfilmlänge schadet der Folge, was sich vor allem in der letzten Phase zeigt, in der die Drehbuchautoren bereits all ihr (Schieß)pulver verschossen hatten und deshalb zu schnöden Pistolen greifen mussten. Starke Hauptdarsteller, die sich nicht leicht in die Karten blicken lassen. Zudem gibt es einen Cameo-Auftritt des Regisseurs, der aus dem Aufzug in Susanne Uhlens Wohnhaus kommt. Knappe 4 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

18.03.2012 14:45
#99 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Der Alte schlägt zweimal zu" (Folge 3)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Loumi Jacobesco, Michel Robin, Eleonore Noelle, Brigitte Horney, Uli Steigberg, Harald von Köppele, Bert Laurin, Evelyn Palek, Michel Jacot, Peter Montis, Claudius Seth - Buch und Regie: Jose Giovanni

Eric Finberg hat seit einiger Zeit eine polnische Geliebte, die er unbedingt heiraten will, um ihre Aufenthaltserlaubnis zu sichern. Seine Frau willigt jedoch unter keinen Umständen in die Scheidung ein. Dafür will sie für ein paar Tage zu ihrer Mutter fahren. Ihr Mann bietet ihr an, sie mit seinem Firmenlastwagen hinzubringen.
Zwei Tage später meldet sich Frau Finbergs Mutter bei Kommissar Köster im Büro: Ihre Tochter sei nie bei ihr eingetroffen. Auf das Verschwinden seiner Frau angesprochen, antwortet Eric Finberg, seine Frau sei unterwegs ausgestiegen. Nach Überprüfung der Verhältnisse glaubt Köster jedoch an einen Mord, aber wie will er ihn beweisen - ohne Leiche?



"Die Folge "Der Alte schlägt zweimal zu" löste 1977 entsprechende Proteste aus. Ein leitender Oberstaatsanwalt und ein Polizeipräsident schrieben:
Es wurde ein unqualifiziertes Zerrbild der Kriminalpolizei gezeichnet. Kein deutscher Kriminalbeamter wird anordnen oder dulden, dass Beschuldigte in einer so miesen Weise hereingelegt werden. Das gilt für das angeordnete Eindringen in die Intimsphäre der Täterin, das heimliche Anfertigen von Intimfotos ebenso wie für die zielgerichteten Täuschungen über den Umfang des Tätergeständnisses und seine Entlassung aus der Haft. Erst recht aber wird kein deutscher Kriminalbeamter sich dazu hergeben, eine Tonbandaufzeichnung zu verfälschen, um damit die vermeintliche Täterin zu überführen." (Der deutsche Fernsehkrimi, Verlag J.B. Metzler, S. 181)

Ich bin geneigt, dieser Aussage zum Teil zuzustimmen. So wirkt das Anbiedern Heymanns an die verdächtige Vanessa unangemessen, da man ihm anmerkt, dass er in Gegenwart der schönen Polin befangen ist und ihren Reizen nicht nur auf Kommando erliegt. Loumi Jacobesco, die unter verschiedenen Namen aufgetreten ist, hat u.a. in "Die Lederstrumpferzählungen" (1969) und "Das blaue Palais" (1974) mitgewirkt. Ein Tribut an die internationale Vermarktung der Serie ist auch der Franzose Michel Robin, der in der männlichen Hauptrolle bereits in den ersten Filmsekunden sehr abstoßend daherkommt, was nicht nur seinem behaarten Rücken, sondern auch seinem unterwürfigen Klammern zuzuschreiben ist (beides erinnert an einen Affen). Er erniedrigt sich nicht nur vor seiner Ehefrau, sondern auch vor seiner Geliebten. Die unglückliche Synchronisation hilft ihm auch nicht weiter. Ein Lichtblick zu Beginn ist die damenhafte Brigitte Horney, die leider nur einen kurzen Auftritt hat. So konzentriert sich der Zuseher vor allem auf die professionelle Rekonstruierung der Todesfahrt, die durch schattige Wälder und offene Landstraßen führt und den Kern der Folge bildet. Jan Hendriks macht bei der Klärung des Falls bei weitem die bessere Figur als sein Kollege Heymann, der Vanessa mit treuem Hundeblick mustert. In dankenswerter Weise wird auch die Vorgeschichte des Verbrechens aufgerollt, die als Basis für das Zusammenleben der modischen Polin mit dem langweiligen Fuhrunternehmer gilt.
Wie eine frische Prise wirkt der Miniauftritt der blonden Nichte von Köster, deren Gesicht mir aus dem "Intercontinental-Express" (Zugsekretärin) bekannt vorkommt.
Nach Sichtung der Episode bleibt ein schaler Beigeschmack, der teils auf die Besetzung, teils auf das Verlassen der neutralen Beobachterposition durch den Beamten Heymann zurückzuführen ist.
Fazit: "Der Alte" spielt mit seinen Möglichkeiten und setzt auf unkonventionelle Ideen, um ein neues Publikum anzusprechen. Für die Generation der "befreiten Hippies" ist der gesetzte Lowitz jedoch kein überzeugender Repräsentant, weswegen er sich bald wieder in klassischeren Bahnen bewegen muss. 3,5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

19.03.2012 20:11
#100 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Toccata und Fuge" (Folge 4)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Heidelinde Weis, Harry Meyen, Peter Fricke, Michael Maien, Gracia-Maria Kaus, Hanne Wieder, Wolfgang Gasser, Eva Christian, Curt Bois, Klaus Bantzer, Xenia Pörtner
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei, Peter Berneis - Regie: Wolfgang Becker

Die junge Italienerin Anna Colucci wird in einem Zug der Deutschen Bundesbahn auf der Fahrt von Triest nach München erwürgt. In der Nähe von Bad Aibling wird ihre Leiche von einem Landarbeiter gefunden. Tatverdächtiger Nummer Eins ist ihr Ehemann Francesco, der kurz nach ihrem Tod eine Deutsche heiratet. Da ihm fünf Personen ein Alibi geben, wird er nicht angeklagt. Etwa ein Jahr später - Ehefrau Tina hat sich mittlerweile einem anderen Mann zugewandt - widerrufen die Zeugen von damals ihre Aussage. Köster wird stutzig. Soll ein bisher unbekannter Täter geschützt werden? Und warum lässt sich ein Mitglied der Clique zu teuren Geschenken hinreißen?



"Die Toccata besteht aus drei größeren Abschnitten, deren mittlerer und längster als Fuge konzipiert ist. Besonders charakteristisch ist das einleitende Siebentonmotiv. Genau dieses Motiv bestimmt auch das Profil des Fugenthemas. Die Fuge selbst entwickelt sich in wenig strenger und konzentrierter Durchführung und wird von verschiedenen episodenhaften Passagen durchsetzt. Der dritte Abschnitt nimmt seinen Ausgangspunkt in der Trugschlusskadenz am Ende der Fuge. In virtuos-rezitativischer Manier gestaltet der Komponist dann ein kurzes Finale, das in eine ebenso merkwürdige wie eindrucksvolle plagale Mollkadenz mündet." (Christoph Wolff im Booklet zu "Johann Sebastian Bach: Toccata & Fugue in D minor", Polydor International, 1984)

Die Worte von Professor Wolff lassen sich zum Teil auch auf Folge 4 aus der Reihe "Der Alte" anwenden. So bekommt der Zuseher den Eindruck, dass die Handlung nach einem sehr starken Auftakt in ruhigere Fahrwasser abgleitet und Impressionen aus dem Album der Reichen und Schönen gezeigt werden. Die Geschichte erweckt Erinnerungen an elegante Klassiker der Filmgeschichte; die blasierte und gelangweilte Gesellschaft um die verwöhnte Daisy Buchanan aus "Der große Gatsby", das makellose Weiß der Familie Finzi Contini ("Il giardino dei Finzi Contini") und den Hass, den eine Frau wie Linnet Ridgeway ("Tod auf dem Nil") hervorruft.
Doch man muss nicht in die Ferne schweifen, um einen Vergleich zu ziehen. Allein die Anwesenheit von Peter Fricke lässt sofort an "Der Tennisplatz" denken, eine "Kommissar"-Folge aus dem Jahr 1972. Die dekadente Runde, die sich in selbstverliebten Posen am Pool, auf dem Sofa und im Reitclub gefällt, betrachtet Mord als Gesellschaftsspiel mit hohem Einsatz. Wer es gewinnt, sichert sich den Respekt der anderen und bestimmt die Marschrichtung. Wer ausscheidet, riskiert zunächst Stellung und Freiheit und am Ende gar sein Leben. Als besonders risikobereit entpuppt sich der Homo/Metrosexuelle Rolf Meisel, den der smarte Peter Fricke mit der ihm eigenen Lust am Luxus spielt. Die Damen Weis und Kaus buhlen mit wallenden Gewändern und wechselnden Frisuren um die optische Gunst des Publikums, wobei auch Eva Christian einen Blick wert ist. Im Gegensatz zu den ausgeruhten Neureichen wirkt die Goldschmiedin und Juwelierin Hanne Wieder geradezu kraftvoll männlich und sorgt mit festem Händedruck, wichtigen Informationen und trockenen Kommentaren für Originalität. Harry Meyen und sein Kollege Michael Maien bilden die Antipode im Leben der feingliedrigen Heidelinde Weis, der die Kamera in vielen Großaufnahmen Reverenzen erweist und ihre zarte Schönheit mit besonderer Beachtung belohnt. Der Ältere übt sich in bösartiger Lebensphilosophie und umspielt die Spuren seines Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs mit trägem Lächeln, während der Jüngere zu keiner Zeit verdächtig erscheint und in seinem Spiel stark an Jürgen Draeger in "Die Reifenspur" (aus: "Das Kriminalmuseum") erinnert.
Manchmal glaubt man, den Geist von Zbynek Brynych zu spüren, vor allem, wenn es um den Organisten geht, dessen Ähnlichkeit mit Frank Zappa in krassem Gegensatz zur gestylten Gruppe um Tina Colucci steht. Hauptkommissar Köster behält zu jeder Zeit den Überblick und lässt sich von den falschen Spuren und den Lügen, mit denen er konfrontiert wird, nicht aus der Ruhe bringen. Die stimmige Inszenierung des ersten Mordes im Zug findet ihr Pendant im Finale in der Kirche. Quasi unter den Augen Gottes richtet der Täter sein Gewehr auf die Galerie, wo der Organist übt. Doch wie in "Das Gesicht im Dunkeln" endet der Plan nicht so, wie ursprünglich vorgesehen.
Fazit: Mit ein wenig Phantasie könnte man diese Folge als Traum deuten. Die Rahmenhandlung mit den "geerdeten Schauplätzen" Eisenbahn und Gotteshaus spielt im Hier und Jetzt, während der Mittelteil Wünsche, Gedanken und Begierden transportiert, deren Ursprung keinen Anfang und kein Ende kennt.
Wolfgang Becker auf ungewohnten Pfaden - 4 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

20.03.2012 14:56
#101 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Zwei Mörder" (Folge 5)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Henning Schlüter, Vadim Glowna, Christian Reiner, Hans Caninenberg, Judy Winter, Christine Wodetzky, Renate Grosser u.a.
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei - Regie: Alfred Vohrer

Als Hauptkommissar Köster während seines Nachtdiensts zu einem Mordschauplatz gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass er es mit zwei geständigen Mördern zu tun bekommen wird. Der vorbestrafte Gustav Peukert behauptet, die junge Frau mit drei Schüssen getötet zu haben, weil sie Katz und Maus mit ihm gespielt habe. Peter Sartorius, Sohn aus reichem Haus, nimmt die Schuld ebenfalls auf sich, schweigt sich aber über die Hintergründe aus. Welcher der beiden unterschiedlichen Männer ist der Täter? Und - was noch wichtiger ist - warum lügt der andere?



Wenn Vadim Glowna an einem Kriminalschauplatz auftaucht, kann man davon ausgehen, dass er sich in Schwierigkeiten bringen wird. Er scheint zu den Leuten zu gehören, die sich allein durch ihr Auftreten verdächtig machen. Unsicher, verängstigt, wahlweise aufbrausend tritt er der Polizei unter die Augen. Aus einem ganz anderen Holz ist Hans Caninenberg geschnitzt, der in vornehmen Villen und förmlichen Büros zuhause ist. Seine Filmsöhne machen ihm -dem korrekten Ehrenmann- meistens Kummer, sei es nun Mathieu Carriere oder Christian Reiner. Dieser stellt das Gegenstück zum Proletarier Glowna dar: behütet, beherrscht und bevorzugt behandelt.
Mit diesen Hindernissen muss sich Köster herumschlagen. Nicht nur sein Vorgesetzter Millinger droht ihm mit Konsequenzen -die "Der Alte" stets gelassen pariert- sondern er spürt die Grenzen der Polizei, die einflussreiche Mitglieder der Gesellschaft den Obrigkeiten aufzeigen. Sein Verdacht pendelt zwischen den ungleichen Männern hin und her, wobei sich das Mordopfer als ruchlos und geldgierig herausstellt. Günther Ungeheuer darf als Gaststar seine ältere Ehefrau, die er nur wegen ihres Vermögens geheiratet hat, als quiekendes Schwein bezeichnen. Die Deutlichkeit seiner Aussage steht für die Offenheit, mit der die Serie unterhalten will.
Freilich wird sie nicht gezeigt, denn welche Schauspielerin würde sich wohl mit solch unfeinen Worten titulieren lassen?
Exquisite Schauplätze unterstreichen das betuliche Ambiente der Familie Sartorius und lassen selbst das Sanatorium zu einem Ort werden, an dem man gerne verweilen möchte. Die weitläufige Schneelandschaft unterstreicht die gedämpfte Atmosphäre und lässt erahnen, dass unter der Oberfläche ein Geheimnis lauert.
Die Beweggründe, die den falschen Mörder zu seinem Geständnis geführt haben, erscheinen zwar etwas vage, müssen aber wohl seinem Charakter zugeschrieben werden.
Christine Wodetzky ist diesmal nicht als Dame der Gesellschaft zu sehen, sondern muss arbeiten (und das auch noch an einem Fließband). Der jugoslawische Akzent nimmt ihr einiges an Entschlossenheit. Xenia Pörtner ergänzt den wortkargen Köster im Privaten perfekt und fordert ihn immer wieder heraus.
Fazit: Eine gepflegte Episode von Alfred Vohrer, dessen Vorliebe für "den wilden Wust" (O-Ton Blap) sich diesmal auf die Tonbandaufnahme beschränkt. Stilvoll, von erhabenen Klängen untermalt, läuft der Fall vor den Augen des Zusehers ab. 5 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

23.03.2012 13:12
#102 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Blütenträume" (Folge 6)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Henning Schlüter, Luitgard Im, Thomas Astan, Günter Ungeheuer, Wolfried Lier, Walter Ladengast, Helen Vita
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei - Regie: Alfred Vohrer

Hasso Sandtner kommt nach Monaten der Abwesenheit in den Blumenladen seiner Frau. Er hat jede Menge Banknoten dabei und will mit seiner Frau anstoßen. Diese schickt ihn fort. Am nächsten Morgen wird er erschlagen unter einer Brücke aufgefunden. Er hatte die Nacht mit einigen Stadtstreichern durchzecht und sich dabei spendabel gezeigt. Leider sind alle Geldscheine falsch. Woher hatte Sandtner das Geld? Und was verschweigt seine Frau?



Wie es der Zufall will, habe ich am gleichen Tag die Folge "Blüten aus den Isarauen" (1965) aus der Reihe "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger" gesehen, der ebenfalls ein Drehbuch von Karl Heinz Willschrei (mit Georg Althammer) zugrunde liegt. Auch in dieser Episode geht es um einen Graphiker/Kupferstecher, der von Falschmünzern zum Fälschen von Banknoten angeheuert wird. Er spendiert seinen Kumpanen aus dem Landstreicher-Milieu Whisky (statt des Wermuts, den sie sonst trinken) und seine Leichtsinnigkeit wird von den Hintermännern als Gefahr empfunden. Zwölf Jahre später hat Willschrei die Geschichte erweitert und um das weibliche Element angereichert. Luitgard Im, eine Dame wie aus dem Lehrbuch, führt den pittoresken Blumenladen "Fleur du mal" und macht mit dem eleganten Thomas Astan -nie sah er besser aus!- gute Geschäfte. Günther Ungeheuer als leutseliger Säufer mit treuherzigem Blick, darf sich unter die Penner mischen und dort die Flasche rumgehen lassen. Inmitten der fröhlichen Trunkenbolde findet sich auch der knarzige Wolfried Lier, dem es aufgrund seiner Neugier ebenfalls an den Kragen geht.
Köster lässt sich, wie so oft, von den Meinungen seines Chefs und der Kollegen aus anderen Dezernaten nicht aufhalten und geht geradewegs auf die Witwe zu, die, wie er richtig vermutet, einiges zu verbergen hat. Sein Sturz in den Heusilo ist für sein Alter ganz schön gewagt und zeigt, dass man auch mit dem Senior unter den Ermittlern nicht zimperlich umgeht. Die Begründung für den dritten Mord erscheint mir jedoch sehr fadenscheinig, denn die große Liebe war meinem Gespür nach nicht greifbar. Dafür allerdings ein Koffer mit 800 000 DM.
Fazit: Eine sehr unterhaltsame Episode mit schönen Schauplätzen und einem ungewöhnlichen Komplizen-Duo. 5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

23.03.2012 19:39
#103 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Konkurs" (Folge 7)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, O.E. Hasse, Dirk Galuba, Christiane Krüger, Karl-Heinz Thomas, Simone Rethel, Sky Dumont, Max Griesser, Gerhart Lippert, Otto Stern u.a.
Drehbuch: Karl Heinz Willschrei - Regie: Alfred Weidenmann

Der Bankrotteur Walter Müller und seine Frau Eva überlegen, wie ihre Zukunft nach dem Konkurs seiner Firma aussehen soll. Konsul Karst, der Vater von Eva, kann seinen Schwiegersohn nicht ausstehen und ist deshalb nicht bereit, dem Ehepaar zu helfen. Als Eva Müller entführt wird und Lösegeldforderungen von 3 Millionen Mark im Raum stehen, zwingt der Konsul seinen Schwiegersohn einen Schuldschein zu unterschreiben. Als bei der Geldübergabe Ungereimtheiten auftauchen, befallen Hauptkommissar Köster Zweifel am Wahrheitsgehalt der Entführungsgeschichte....



Der große "Alte" O.E. Hasse, der 1978 in Berlin starb, kann auf eine beachtliche Karriere in bedeutenden europäischen und amerikanischen Produktionen zurückblicken. Die prestigeträchtigste Zusammenarbeit war wohl jene mit Alfred Hitchcock. Hier sitzt er Siegfried Lowitz gegenüber, der allein ihm Paroli bieten kann. Das vermögen bzw. dürfen weder seine Angestellten, noch sein Schwiegersohn. Dirk Galuba hat sich jedoch unbewusst einige Eigenschaften des Familienpatriarchen angeeignet; man merkt dies nicht nur am Umgangston mit den Beamten der Funkstreife, sondern auch in seiner Vorgehensweise. Christiane Krüger erhält einen kurzen Auftritt als Erbin eines überaus reichen Vaters, dessen Lebensstil aufzugeben, nicht nur einen gesellschaftlichen, sondern auch einen persönlichen Herabstieg bedeuten würde.
Der klassische Ablauf der Ermittlungsarbeit im Falle einer Entführung wird im Büro Köster zuverlässig abgewickelt und führt das Team hinaus in den Wald und an die zugefrorenen Osterseen südlich von Seeshaupt. Die unerwartete Wendung, die der Fall im letzten Akt nimmt, trübt den Gesamteindruck ein wenig und lässt nicht nur den gebrochenen Konsul ratlos zurück. Das Geld verliert in dem Moment seine Wirkung, in dem der Besitzer aus persönlichen Gründen keinen Verwendungszweck mehr hat; sei es, weil er niemanden hat, mit dem er die Freude daran teilen kann, oder, weil er sieht, dass die Macht des Geldes unvorhergesehene Schicksalsschläge wie Tod oder Krankheit nicht abwenden kann.
Ein besonderes Schmankerl gibt es für alle Eisenbahnfreunde: Christiane Krüger begleitet ihren Mann zum Münchner Hauptbahnhof, wo er mit dem Zug nach Frankfurt reisen will. Bei der am Gleis wartenden Zuggarnitur muss es sich um den Trans-Europ-Express "Mediolanum" handeln, der von Mailand nach München verkehrte. Man sieht an der Seite deutlich das Emblem der FS (Italienische Staatsbahnen). Da es keine direkte TEE-Verbindung München-Frankfurt gab und der "Rembrandt" von München über Mannheim nach Amsterdam verkehrte, nahm man eben den bereitstehenden "Mediolanum".
Fazit: Eine angenehme Folge in gepflegter Atmosphäre, die jedoch in den letzten Minuten ein wenig enttäuscht. 4 von 5 Punkten.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

24.03.2012 14:53
#104 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Wenn euch die ersten Folgen von der Alte, die ich in der Retrospektive aller 100 Folgen mit Lowitz immer als eher schwächer im Vergleich zu den Folgen von Bruno Hampel und Detlef Müller finde, dann erwartet euch ja noch jede Menge Spannung! "Toccata und Fuge" und "Zwei Mörder" sind zwar zweifellos gelungene Folgen, aber das Beste kommt erst!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

25.03.2012 14:07
#105 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Lohngeld" (Folge 8)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Sigmar Solbach, Brigitta Furgler, Karl Lieffen, Klaus Dierig, Frithjof Vierock, Horst Sachtleben, Xenia Pörtner, u.a.
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld - Regie: Dietrich Haugk

Helmut Staufen, Angestellter der Baufirma Ströbel, macht sich Hoffnung auf eine Beförderung. Allerdings wird die Stelle mit einem Fremden besetzt, der nicht nur im Büro den Ton angibt, sondern auch noch ein Auge auf die Tochter des Chefs geworfen hat, die auch Helmut schon lange heimlich verehrt. Nach einem fingierten Raubüberfall auf sich selbst ist Helmut der Held des Tages und Eva Ströbel geht mit ihm tanzen. Die Polizei hegt jedoch den Verdacht, dass der vereitelte Lohngeldraub eine Finte war und sagt dies auch Helmuts Chef. Eines Morgens steht tatsächlich ein maskierter Räuber auf der Straße und schießt auf Helmut Staufen....



Sigmar Solbach steht im Mittelpunkt dieser Folge und strahlt in der Pre-Jan-Balbeck-Ära ("Das Erbe der Guldenburgs") einen unverdorbenen Charme aus. Seine Versuche, sich beliebt zu machen, scheitern nach und nach und lassen ihn deshalb sympathisch wirken. Bei Brigitta Furgler musste ich ständig an Mascha Gonska denken, die eine ähnliche Rolle neben Günther Strack in "Tod am Bahngleis" ("Derrick") innehatte. Die Rivalitäten um Frau und Posten, die Machtkämpfe zwischen Arbeitskollegen und die Anlehnung an "Peter und der Wolf" versprechen eine solide Folge, die dem Kommissar durch die Vorarbeit von Ermittler Horst Sachtleben in fast trockenen Tüchern präsentiert wird. Der zweite Überfall ist sehr raffiniert und die Lösung überrascht sogar ein wenig, wobei die Musik im Abspann und der alte Turm auf dem Hügel für Suspense und Betrübnis sorgen.
Fazit: Eine interessante Folge mit einem kleinen Durchhänger im Mittelteil. Solbach spielt überzeugend auf, trotzdem nur 3,5 von 5 Punkten.

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