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Dieses Thema hat 259 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

27.07.2012 13:29
#136 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Kauftipp: Die Komplettbox mit allen 100 Lowitz-Folgen auf 39 DVDs gibt es zur Zeit bei Amazon für konkurrenzlos günstige 64,97 €. Zuschlagen!

Georg Offline




Beiträge: 3.030

31.07.2012 12:10
#137 RE: Bewertet: "Der Alte" (20): Die Rache Zitat · Antworten

Der Alte (20): Die Rache
Erstsendung: 3.11.1978, Buch: Detlef Müller, Regie: Dietrich Haugk

Zum Inhalt: Kurt und Thea Bernhard haben sich mit ihrem Wohnmobil auf Urlaubsfahrt in den Süden gemacht. Ihre Tochter Andrea verbringt ihre Ferien bei ihrem Großvater, der eine Tankstelle betreibt. Am Abend dringen zwei maskierte Männer in die Wohnung des alten Mannes ein, Schüsse fallen, der Großvater wird tödlich verletzt, Andrea mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht. Herr und Frau Bernhard werden per Autonotruf verständigt und kehren sofort nach München zurück. Kommissar Köster fällt die schwere Aufgabe zu, den beiden das Geschehene zu erklären – offensichtlich ein brutaler Raubmord, im Keller ist der Tresor, der die Tageslosung enthielt, aufgebrochen worden. Kurt Bernhard dringt darauf, dass Köster alles Menschenmögliche veranlasst, damit die Täter gefasst werden. Von Walter Nagel, dem Angestellten der Tankstelle, kommt der Hinweis auf zwei junge Männer in einem blauen VW-Passat, die er in den letzten Tagen mehrmals in der Nähe der Tankstelle beobachtet hat. Weitere Ermittlungen führen zu Dietmar Schenk und Michael Lohse, beide vorbestraft, die den Sommer über in einem Bootshaus jobben. Der ehemalige Besitzer dieses Bootshauses, Karl Wondrich, gibt den beiden allerdings ein Alibi. Aus dem Krankenhaus kommt die Nachricht, dass Andrea an den schweren Verletzungen gestorben ist. Außer sich vor Wut und Trauer macht Herr Bernhard Köster schwere Vorwürfe. Der Gedanke an Rache wird zur fixen Idee für den verzweifelten Mann. Zufällig stößt er in Kösters Büro auf die Namen der beiden Verdächtigen.

Detlef Müllers Einstand
Kein anderer Drehbuchautor - abgesehen von Volker Vogeler - hat die Köster-Ära so geprägt wie der begabte Detlef Müller (hier im Abspann noch fälschlicherweise als Detlev Müller bezeichnet). 24 der 100 Folgen, also fast genau ein Viertel, gehen auf sein Konto. Mit "Die Rache" gab er seinen Einstand beim Münchner Kommissar Köster und das mit einer Geschichte, die nicht unbedingt typisch für ihn ist. Normalerweise erkennt man seine Geschichten - aufgrund ihrer Qualität aber auch wegen der Dramaturgie - schon recht schnell. In dem Racheepos "Die Rache" hingegen sind wenige seiner typischen Zutaten vorhanden. Ich würde fast sagen: Detlef Müller meets Volker Vogeler. Die Geschichte rund um den Vater, der sich an den Gangstern rächt und Selbstjustiz übt, passt nämlich viel mehr zum Hauptautor der Reihe, als zu dem betulichen Detlef Müller, der eher für gut gestrickte Whodunits oder mysteriöse Kriminalstorys verantwortlich war. Insgesamt sicherlich nicht die beste Geschichte, aber auch kein Beinbruch. Regie führt Dietrich Haugk, der aufgrund seiner Lehrtätigkeit auch den Spitznamen "El Profesor" bzw. "Il professore" hatte und das mit der ihm eigenen Sanftheit, die es für dieses Drama braucht. Immer wieder setzt er - und da war er für die 70er revolutionär - die Handkamera bewusst als Stilmittel ein (z. B. auch in "Der Mann aus Portofino"). Die Besetzung mit dem unsympathisch wirkenden Norbert Kappen ist gelungen, ebenso wie Irene Clarin für das junge Mädchen passt. Max Mairich ist in einer seiner typischen Rollen zu sehen und Henning Schlüter als Millinger hat eine Zahnbehandlung, isst aber trotzdem Salzstangen und Weißwurst (mit Messer und Gabel!!). Die Musik stammt von Haugks Stammkomponisten Hermann Thieme und passt sich dem Geschehen ganz gut an. Trotzalledem ist "Die Rache" für mich kein unbedingtes Highlight. Nichts gegen Inszenierung und Darsteller, aber an der Geschichte stört mich irgend etwas.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.329

02.08.2012 10:51
#138 RE: Bewertet: "Der Alte" (20): Die Rache Zitat · Antworten

Hmm, naja „Die Rache“ ist sicher kein absolutes Highlight, aber ich finde den Beginn der Folge einfach nur ungeheuer gelungen und atmosphärisch, solcherart, dass die Folge davon locker getragen wird. Aber vielleicht ist ja gerade das Unbestimmte, welches Dich an dieser Folge stört, dass was mir zu gefallen weiß.
Meiner Meinung nach haben wir es hier schon mit einem „relativen“ Highlight zu tun, denn im Vergleich mit den unmittelbaren Nachbarfolgen sticht diese für mich schon heraus, auch wenn „Die Rache“ natürlich nicht in den „Folgen-Olymp“ gehört.
Aber in meiner Wahrnehmung geriet die Serie in den Folgen 16-23 (ausdrücklich ausnehmen möchte ich die saustarke Episode „Die Sträflingsfrau“) nach den saustarken Auftaktfolgen und vor der „Reifephase“ in eine erste kleine Krise, ich finde die Serie in dieser Phase irgendwie am „Reinecker-Epigonigsten“ (wobei da durchaus eher negative Auswüchse des genannten Autors gemeint sind).

Von daher passt meine Wahrnehmung der Folge auch gut, dass mit dieser Folge frischer Wind in Form eines neuen Autors eingebracht wurde. Auch sein nächster Beitrag „Lippmann wird vermisst“(Nr. 24) ist ja dann auch wieder recht gelungen.

Georg Offline




Beiträge: 3.030

02.08.2012 12:02
#139 RE: Bewertet: "Der Alte" (20): Die Rache Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney
den Beginn der Folge einfach nur ungeheuer gelungen und atmosphärisch

Da bin ich 100% bei Dir. Es ging mir nur um die gesamte Dramaturgie, die eher Müller-untypisch ist.

Zitat von Mr. Kenney
Aber in meiner Wahrnehmung geriet die Serie in den Folgen 16-23 [...] nach den saustarken Auftaktfolgen und vor der „Reifephase“ in eine erste kleine Krise

Ja, das sehe ich ähnlich, wobei hier auch Folgen gezeigt wurden, die man z. B. lange zurück gehalten hatte (wie "Der Pelikan", der schon als 3. Folge produziert, aber erst als 16. gesendet wurde). "Der schöne Alex" und "Die Kolonne" fand ich allerdings nicht so schwach. In dieser Phase hatte Ringelmann ja auch bei jeder Folge einen anderen Autor: Maria Matray, Bruno Hampel, Volker Vogeler, Oliver Storz, Leopold Ahlsen. Gerade Vogelers ersten Beitrag "Der Spieler" fand ich immer auch sehr schlimm.

Zitat von Mr Keeney
Auch sein nächster Beitrag „Lippmann wird vermisst“(Nr. 24) ist ja dann auch wieder recht gelungen.

Da stimme ich Dir auch völlig zu. Überhaupt gab's bei Müller keinen wirklich schlechten Beitrag. Für mich sind eigentlich all seine Bücher sehr gelungen (mal vom Sonderfall "Rache" abgesehen.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

02.08.2012 12:12
#140 RE: Bewertet: "Der Alte" (20): Die Rache Zitat · Antworten

Hui, eine interessante Interpretation, Mr. Keeney, der ich umgehend widersprechen möchte. Obwohl - ganz von der Hand zu weisen ist eine "Mini-Krise" sicherlich nicht. Diese betrifft allerdings die Folgen 14 und 16. Vohrers peinlicher "Bumerang" mit merkwürdigen "Gorilla von Soho"-Anleihen stellt für mich den Tiefpunkt der ersten Box dar. Und über "Der Pelikan" muss man auch nicht viele Worte verlieren: überambitioniert, abstrus, hanebüchen, wenngleich noch einen Tacken interessanter als "Bumerang". Ansonsten sind die Folgen 17 bis 23 gespickt mit Highlights, zu denen ich auch unbedingt "Die Rache" zähle. Norbert Kappen spielt den "Rächer" einfach grandios; seine Darstellung umkurvt souverän allzu bekannte Genreklischees. Müller hat den Plot konsequent als Tragödie angelegt, die Regie von Dietrich Haugk unterstützt diesen Ansatz und führt ihn dementsprechend zuende. Die Schlussszene, Lowitz' Gesicht nach dem Absturz des Autos, die Kamerafahrt über das alpine Gelände während des Abspanns - das ist unvergessen und gehört für mich zu den eindringlichsten Sequenzen der ganzen Serie. Für mich ist "Die Rache" ein klarer "Fünf-Punkte-Kandidat", wie auch der mustergültige Whodunnit "Die Kolonne", sowie die dramatische Psychostudie "Der Abgrund", die allesamt in die von dir beschriebene "Krisenzeit" fallen. Auch die Vogeler/Brynych-Kooperation "Der Spieler" finde ich ungeheuer gelungen, auch wenn Georg aufgrund dieser Ansicht sicherlich im Dreieck springen wird.

"Die Sträflingsfrau" halte ich für eine gute, wenngleich nicht überragende Folge, "Der schöne Alex" stellt solides Mittelmaß dar, einzig für "Marholms Erben" kann ich mich nicht so recht erwärmen.

Georg Offline




Beiträge: 3.030

02.08.2012 12:20
#141 RE: Bewertet: "Der Alte" (20): Die Rache Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer
Norbert Kappen spielt den "Rächer" einfach grandios; seine Darstellung umkurvt souverän allzu bekannte Genreklischees.

Da stimme ich Dir auch zu. Es ging mir bei dieser Folge eigentlich viel mehr darum, dass sie von Detlef Müller ist und sie überhaupt nicht in sein Schema passt. Anders gesagt: als Müller-Fan ist man von der Episode enttäuscht. Das konnte ich vorgestern nicht in Worte fassen, aber ich denke nun, dass es genau das ist, was mich stört. Auch die Kamerafahrt am Ende ist eines jener Dinge, die mir sehr stark im Gedächtnis geblieben sind.

Zitat von Marmstorfer
Auch die Vogeler/Brynych-Kooperation "Der Spieler" finde ich ungeheuer gelungen, auch wenn Georg aufgrund dieser Ansicht sicherlich im Dreieck springen wird.

Nein, das tue ich nicht ;-). Den "Spieler" fand ich beim letzten Wiedersehen auch nicht so schlimm wie die anderen Male. Hier kommt nur leider zusammen, dass ich weder Vogeler-Fan bin, noch dass ich der eigentümlichen Art, wie Zbyněk Brynych inszenierte, etwas abgewinnen kann. Ich weiß, dass gerade dieser Regiestil ihm eine irrsinnig große Fangemeinde beschert hat und kenne nur wenige, die damit nichts anfangen können. Es gibt aber auch Brynych-Folgen, die ich ganz gut finde. Die immer zitierten Klassiker ("Tod einer Zeugin", "Parkplatzhyänen") halte ich jedoch für jenseits von gut und böse.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

05.08.2012 13:26
#142 Bewertet: "Der Alte" (10): Erkältung im Sommer Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 10 - Erkältung im Sommer (Deutschland 1978)

MILF-Power

Renate (Anaid Iplicjian) und Rolf Assenau (Helmuth Lohner) leiten gemeinsam eine bekannte Tanzschule, die Eheleute gelten als glückliches und harmonisches Paar. Doch hinter der schönen Fassade wüten Zorn und Eifersucht im Schädel und Herzen des Gatten, der sich wie das unscheinbare Anhängsel seiner starken und zielstrebigen Frau vorkommt. Seit einigen Tagen wird Rolf telefonisch bedroht, bei einem gemeinsamen Ausritt fallen Schüsse, Schüsse die ihr Ziel nur knapp verfehlen. Kommissar Köster trifft sich mit den Eheleuten, er ordnet eine Fangschaltung an, postiert einen Beamten vor dem Haus des Assenaus. Unerwartet hat Renate eine unheimliche und gleichzeitig sehr aufschlussreiche Begegnung. Der unbekannte Anrufer (Christian Quadflieg) lauert ihr in ihrem Auto auf, berichtet der zunächst erschrockenen Frau von einem teuflischen Plan. Renate soll im Auftrag ihres Ehemannes getötet werden, der angeheuerte Killer kann die Tanzlehrerin mit einem eindeutigen Beweis überzeugen. Nach einer mehrwöchigen Pause ohne Terroranrufe soll auf Rolf geschossen werden, "versehentlich" werden die Kugeln jedoch Renate treffen, so stellt sich Rolf die Lösung seiner Eheprobleme vor. Wochen vergehen, nach einer Veranstaltung in der Tanzschule verlässt das Ehepaar den Saal durch den Hinterausgang. Tatsächlich wartet der angeheuerte Killer in der Dunkelheit...

Anaid Iplicjian dominiert diese Folge, fungiert als Dreh- und Angelpunkt, steuert die Ereignisse nach ihren Vorstellungen. Eine starke und attraktive Frau, für die anwesenden Männer faszinierend und anziehend, gleichzeitig zeigen sich die Herren der Schöpfung überfordert, sind der klugen Frau nicht ansatzweise gewachsen. Unter Druck -teils unter Lebensgefahr stehend- läuft Renate Assenau zur Höchstform auf, Anaid Iplicjian liefert eine großartige Vorstellung ab. Helmuth Lohner verfängt sich in der von ihm aufgestellten Falle, Rolf Assenau versteht es nicht die Vorteile einer starken Frau zu geniessen. Interessanterweise legt Assenau eine erstaunliche Kaltblütigkeit an den Tag, mich packte es zeitweise eiskalt im Genick. Der von Christian Quadflieg dargestellte Michael Bannert beobachtet sein potentielles Opfer vor der Tat in aller Ausführlichkeit. Für den Auftraggeber denkbar ungünstig, Rolf Assenau unterschätzt die Qualitäten seiner Gattin. Diese Konstellation lässt kaum Raum für weitere Charaktere, neben dem "flotten Dreier" kann sich lediglich Kommissar Köster behaupten.

Der Titel "Erkältung im Sommer" nimmt vordergründig Bezug auf den zu Beginn unter einem grippalen Infekt leidenden Köster, lässt sich aber ohne Schwierigkeiten auf den Zustand der Ehe Assenau übertragen, darüber hinaus auf das kühle und überlegene Vorgehen der Renate Assenau. Auch Kommissar Köster stösst an Grenzen, erkennt zunächst nicht die Tragweite der bevorstehenden Ereignisse (seine Erkältung mag als kleine "Entschuldigung" dienen). Dem Drehbuch gelingt es auf clevere Art den Über-Ermittler Köster (noch) menschlicher zu zeichnen, es verzichtet aber angehmerweise auf eine Demontage des Serienhelden. Pünktlich zum Finale treffen sich Kommissar und Witwe auf Augenhöhe, ich würde gern mehr dazu schreiben, muss aber wegen akuter Spoilergefahr schweigen. Gern hätte ich mehr erotisches Knistern zwischen Anaid Iplicjian und Christian Quadflieg gesehen, vor allem wenn der Regisseur auf den klangvollen Namen Alfred Vohrer hört. Meine primitiven Gelüste scheinen bei genauer Betrachtung unangemessen, denn Iplicjian wickelt ihre Herren auch ohne vorgetäuschte Lust um den Finger (obwohl mir eine entsprechende Ausrichtung zusagen würde, gern stelle ich mir Thomas Fritsch in der Rolle des Michael Bannert vor). Starke und erfrischende Folge, Anaid Iplicjian und Siegfried Lowitz überragend!

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***



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Blap Offline




Beiträge: 1.128

13.08.2012 23:46
#143 RE: Bewertet: "Der Alte" (10): Erkältung im Sommer Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 11 - Nachtmusik (Deutschland 1978)

Zwischen Einbruch und Schädelbruch

Bankier Gregor Kerner (Hellmut Lange) und seine Gattin Eleonore (Maria Sebaldt) fördern junge Talente, regelmäßig veranstaltet das Ehepaar Kammermusikabende in den eigenen vier Wänden. In der feinen Gesellschaft haben diese Abende einen hohen Stellenwert. Söhnchen Arno Kerner (Andreas Seyferth) wird finanziell an der kurzen Leine gehalten, dem Vater passt das Lotterleben des Sprößlings nicht in den Kram. Während die noblen Herrschaften feinen Klängen lauschen, greift Arno regelmäßig die Hausschlüssel ausgewählter Gäste aus deren Mänteln. Flugs verschafft er sich Zutritt zu diversen Anwesen, entwendet kleine Kostbarkeiten und Bargeld. Die Beute nutzt der junge Mann zum Erwerb harter Drogen, seine Freundin Bea (Katerina Jacob) hängt an der Nadel. Unglücklicherweise dringt das Paar eines Nachts in eine Villa ein, die sich ein professioneller Einbrecher ebenfalls auf den Speiseplan gesetzt hat. Arno schlägt den Unbekannten nieder und ergreift mit Bea die Flucht. Leider gehörte der Gauner zu einer Einbrecherbande, hinter dem Rücken seiner Kollegen wollte er sich auf eigene Faust ein Zubrot beschaffen. Die erstaunten Panzerknacker notieren das Kennzeichen von Arnos Karre, "eigentlich" waren die Herren vor allem auf die Beobachtung und Abstrafung des abtrünnigen Kollegen eingestellt. Es soll jedoch noch schlimmer kommen, denn Arno wurde von Fritz Huckner (Alexander Kerst) beim Griff in eine Tasche beobachtet. Huckner befindet sich momentan in finanziellen Schwierigkeiten, nutzt sein unbequemes Wissen als Druckmittel...

Hellmut Lange und Maria Sebaldt funktionieren zuverlässig als altes Ehepaar, besorgt um den guten Ruf des eigenen Hauses, besorgt um die Zukunft des eigenen Sohnes. Freilich ist der erfolgreiche Vater nicht glücklich über den bisherigen Werdegang seines Sohnes, er ist dennoch nicht bereit seine Brut in den Abgrund gleiten zu lassen. Das Drehbuch bricht das Klischee vom vernachlässigten "armen reichen Kind" teils auf. Die Eltern entsprechen nicht üblichen gleichgültigen oder gar kaltherzigen Charakteren, eine Diskussion über die Erziehung des Nachwuchses fühlt sich sehr glaubwürdig an. Andreas Seyferth nimmt man den zunehmend unter Druck geratenden Jungspund jederzeit ab, überfordert mit der Sucht der Lebensgefährtin, den Drohungen der ruppigen Verbrecher vermag er nichts entgegenzusetzen, hat er doch das eigene Leben nicht annährend im Griff. Katerina Jacob taumelt berauscht und aus der Welt fallend durch das Szenario, sie bringt die gebrochene Bea gekonnt auf den Bildschirm. Alexander Kerst beschreitet zerknirscht einen unangehmen Weg, für Kornelia Boje bleibt lediglich die Rolle der hübschen "Beistell-Ehefrau". Manfred Seipold führt die Einbrecher an, mit kalter Präzision verfolgt Gangster Prago seine Pläne. Kleinere Rollen sorgen für Schmunzler. Robert Naegele fühlt sich dazu berufen die Kripo über einen von ihm gehegten Verdacht zu informieren. Antrieb ist in erster Line die Enttäuschung über den eigenen gesellschaftlichen Abstieg, vorgeschoben wird Pflichtbewusstsein und Treue zu Gesetz und Ordnung. Herrlich Walter Gross und Jean-Pierre Zola als schrullige Buchhändler, großartig!

Drogensucht, Einbruch, Erpressung und Mord, während der Nachtmusik hagelt es Straftaten der schlimmen und schlimmeren Sorte. Mit dieser stattlichen Anzahl grosser und kleiner Vergehen ließe sich ohne Schwierigkeiten ein abendfüllender Spielfilm bestücken, die überwiegend interessant angelegten Charaktere schreien geradezu nach mehr Spielzeit. Tatsächlich weckt manche Szene den Wunsch nach mehr Tiefgang, doch trotz des vorgegebenen Rahmens wurde keine Figur zum Abziehbild degradiert. Erfreulich die ambivalente Anlage wichtiger Charaktere, lediglich die fiesen Einbrecher müssen sich mit dem Stempel "Bösewicht" begnügen (können aber in diesem Rahmen dennoch eine gewisse Griffigkeit entwickeln). Helmuth Ashley inszeniert angenehm unhektisch, es bleibt sogar Raum für die liebevollen Sticheleien zwischen Kommissar Köster und Millinger, Siegfried Lowitz und Henning Schlüter sind köstlich! Michael Ande bleibt das brave Helferlein des Alten, Jan Hendriks bedient die dritte Geige. Frank Duval schielt auf damals aktuelle Discoklänge, ein durchaus reizvoller Kontrast zur stilvoll vorgetragenen Kammermusik. Erneut muss ich meiner Begeisterung für Siegfried Lowitz Ausdruck verleihen. Besser hätte man Köster nicht besetzen können! Wunderbar kantig, kernig und scharfsinnig behält der Alte den Überblick, entzaubert grosse und kleine Schurken!

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

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Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.444

19.08.2012 14:27
#144 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Einige Kurzrezensionen stehen zwar noch aus; dennoch veröffentliche ich hier schon einmal meine Rangliste zur alles in allem hervorragenden (und umfangreichen) Collector's Box 2.


01. Sportpalastwalzer (B: Müller/R: Brynych) - 5 von 5 Punkten
02. Mord nach Plan (Hampel/Grädler) - 5 von 5 Punkten
03. Der Abgrund (Ahlsen/Grädler) - 5 von 5 Punkten
04. Der Freund (Vogeler/Brynych) - 4,5 von 5 Punkten
05. Die tote Hand (Vohrer/Vohrer) - 4,5 von 5 Punkten
06. Pensionstod (Hampel/Brynych) - 4,5 von 5 Punkten
07. Neue Sachlichkeit (Willschrei/Ashley) - 4,5 von 5 Punkten
08. Eine große Familie (Rosendorfer/Weidenmann) - 4,5 von 5 Punkten
09. Magdalena (Müller/Brynych) - 4,5 von 5 Punkten)
10. Alte Kameraden (Vogeler/Grädler) - 4 von 5 Punkten
11. Der Irrtum (Storz/Grädler) - 4 von 5 Punkten
12. Ein Parasit (Hampel/Ashley) - 4 von 5 Punkten
13. Das letzte Wort hat die Tote (Müller/Grädler) - 4 von 5 Punkten
14. Der Neue (Vogeler/Gräwert) - 4 von 5 Punkten
15. Vertrauensstellung (Müller/Ashley) - 4 von 5 Punkten
16. Morddrohung (Müller/Brynych) - 3,5 von 5 Punkten
17. Der Detektiv (Vogeler/Haugk) - 3,5 von 5 Punkten
18. Lippmann wird vermisst (Müller/Gräwert) - 3,5 von 5 Punkten
19. Nach Kanada (Ahlsen/Grädler) - 3,5 von 5 Punkten
20. Bruderliebe (Hampel/Ashley) - 3,5 von 5 Punkten
21. Illusionen über einen Mord (Müller/Ashley) - 3,5 von 5 Punkten
22. Der Auftraggeber (Müller/Grädler) - 3,5 von 5 Punkten
23. Teufelsbrut (Vohrer/Vohrer) - 3 von 5 Punkten
24. Mordanschlag (Vohrer/Vohrer) - 3 von 5 Punkten
25. Die Lüge (Vogeler/Grädler) - 2,5 von 5 Punkten

Blap Offline




Beiträge: 1.128

20.08.2012 14:03
#145 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 12 - Ein Koffer (Deutschland 1978)

Tödliche Selbstüberschätzung

Rolf Bär (Harald Leipnitz) und seine Geliebte Karin Runge (Uschi Glas) haben gemeinsam einen Urlaub in Jugoslawien verbracht. Während der Zugfahrt nach München kommt das Liebespaar mit einem jungen Burschen namens Hasso Pohlmann (Werner Pochath) ins Gespräch. Plötzlich wird Pohlmann von Hektik ergriffen, offenbar bereitet ihm die bevorstehende Zollkontrolle grosse Angst. Bär soll seinen Koffer gegen Pohlmanns tauschen, der Schmuggler drückt Rolf Bär 8000 D-Mark in die Hand, verspricht für den erneuten Austausch der Gepäckstücke noch mehr Geld. Tatsächlich gelingt die Täuschung, der Zoll kann Pohlmann nichts nachweisen, Rolf Bär und Karin Runge reisen unbehelligt weiter. Karin ist nicht angetan von derartigen Geschäften, doch Rolf hat längst die Gier gepackt, vorsorglich nannte er dem Besitzer des brisanten Koffers einen falschen Namen samt falscher Adresse. Ein Blick in den Koffer lässt Rolf Bär von einer wundervollen Zukunft mit Karin Runge träumen, er findet Heroin im Wert von über einer Million D-Mark vor. Jetzt nur noch Kontakte knüpfen und den Stoff verkaufen, die lästige Ehefrau Ursula (Liselotte Pulver) verlassen und mit Karin durchbrennen. Bär glaubt die Situation unter Kontrolle zu haben, derweil hat Pohlmann längst die Suche aufgenommen. In Rolf Bärs Garage kommt es zu einem tödlichen Wiedersehen...

Der brave Durchschnittsbürger wittert das grosse Geld, begibt sich ohne ernsthafte Bedenken auf unbekanntes und gefährliches Terrain. In Verbindung mit der Überschätzung eigener Möglichkeiten und der Unterschätzung seiner Gegenspieler, läuft der Versicherungsvertreter mit hohem Tempo ins eigene Verderben. Harald Leipnitz bringt Rolf Bär gekonnt auf den Bildschirm, kann der ersten Hälfte der Folge seinen Stempel aufdrücken. Uschi Glas, deren grösster Fan ich bekanntlich nicht bin, gelingt eine kaum minder überzeugende Vorstellung, das ängstliche Mäuschen steht ihr erstaunlich gut. Richtig stark auch Liselotte Pulver, hinter der kühl-biederen Fassade der betrogenen Ehefrau/frischen Witwe brodelt es bedrohlich, brennt ein alles verzehrendes Höllenfeuer. Werner Pochath zeigt sich von einer verschlagenen Seite, verzichtet weitgehend auf hysterische Ausbrüche. Auf Pochath ist Verlass, einer der besten Fieslinge vom Dienst, leider viel zu jung verstorben.

"Ein Koffer" geht durchaus als Warnung an alle vorbildlichen Staatsbürger durch, lasst euch nicht zu Schweinereien hinreissen, werdet nicht zu gierig! Vielleicht ein etwas plump angelegter Gängelungsversuch (der meiner Meinung nach ohne Schwierigkeiten ausblendbar ist). Bei aller Moralpredigerei muten einige Momente aus heutiger Sicht unfassbar an. So haut sich Kommissar Köster in einer verrauchten Kneipe einen Schnaps nach dem anderen rein, spricht von der bewusstseinserweiternden Wirkung des Sprits, nebenbei zieht er mit Freude an seinem Lungenbrötchen. Man stelle sich heutige Serienermittler dieser Gangart vor, ein Aufschrei würde durch den Blätterwald stürmen. Ja, der Herr Lowitz hat es einfach drauf, Köster ist ein liebenswerter, kantiger, kerniger und manchmal verschrobener Bursche, ein echter Knuffel! Zurück zum Kriminalfall, dessen Charaktere in ein tödliches Geflecht verstrickt sind. Nach dem Tod Rolf Bärs wird es richtig bitter, hier zeigt das Drehbuch eine angenehme Dosis Mut, teilt Tiefschläge aus und lässt den Zuschauer berührt und bedrückt zurück, sehr respektabel! An Michael Brauns Inszenierung gibt es nichts zu bemängeln, die Musik von Klaus Doldinger gefällt. Starker Stoff aus dem Koffer des Todes, mehr davon!

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

27.08.2012 21:22
#146 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 13 - Ein unkomplizierter Fall (Deutschland 1978)

Vulkanausbruch in der Eiszeit

Hanna (Sylvia Lukan) und Karl Markolm (Klaus-Jürgen Wussow) habe ihre kleine Tochter zu Grabe getragen, das Kind des Ehepaares wurde Opfer eines tragischen Unfalls. Schon vor diesem fürchterlichen Ereignis herrschte seit Jahren Eiszeit zwischen den Eheleuten, nach der Beerdigung kommt es zum Streit, Karl Markolm fährt überfordert in seinem Auto davon. In einer Spelunke lässt er sich stark angetrunken von der Prostituierten Daisy (Lisa Kreuzer) anmachen und abschleppen. Wenig später wird Daisy ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden, dank diverser Spuren kann Karl Markolm ohne Schwierigkeiten als ihr vermutlich letzter Kunde ermittelt werden. Vieles deutet auf die Täterschäft Markolms hin. Kommissar Köster trifft bei der ersten Befragung auf einen zerknirschten Mann, der Befragte leugnet nicht den Kontakt mit dem Opfer, kann sich aber nicht an einen gewalttätigen Übergriff erinnern. Auf der Suche nach einem Motiv befragt Köster auch Hanna Markolm, den eifrigen Kollegen Heymann schickt er derweil zwecks Nachforschungen auf eine andere Spur...

Köster und die Eheleute Markolm stehen im Mittelpunkt. "Ein unkomplizierter Fall" zeichnet eindringlich das Bild eines ehelichen Trümmerfeldes, Sylvia Lukan und Klaus-Jürgen Wussow laufen zur Höchstform auf. Der Ehekrieg ergeht sich nicht in hysterischem Gekeife und fliegendem Geschirr, spielt sich auf einer deutlich tiefergehenden Ebene ab. Worte und Blicke schneiden wie Skalpelle durch Herzen, Hass und Verachtung prallen mit voller Wucht auf die Seelen der Protagonisten. Hanna idealisiert ihren verstorbenen Vater, leidet massiv unter diesem selbstauferlegten Joch. In einem kurzen Moment bricht ihr verzweifelter Zorn auch gegen ein Foto des Vaters hervor, ein Augenblick schmerzhafter Erkenntnis. Sylvia Lukan zeigt uns Hanna als verletzten und zerstörten Menschen. Hinter der attraktiven Fassade wütet depressive Hoffnungslosigkeit, neben der zur Schau gestellen Kaltherzigkeit nagt übermäßiger Alkoholkonsum an der Substanz. Klaus-Jürgen Wussow habe ich noch nie so eindrucksvoll aufspielen gesehen. Karl Markolm zerbricht an der Kälte seiner Gattin, wird nicht mit dem grausamen Verlust der Tochter fertig. Beide benötigen dringend Halt, verstricken sich jedoch in Vorwürfen und Hassattacken. Erstaunlich tief taucht das Drehbuch in das Ehekonstrukt Markolm ein. Die starke Frau und der unterlegene Mann? Nein, da ist noch viel mehr! Köster löst den Fall mit Feingefühl und Behaarlichkeit. Die übrigen Darsteller bleiben Randnotizen, Lisa Kreuzer kann dennoch einmal mehr ihre erstaunliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Diana Körner taucht kurz auf, Dagny und Mary Schüler sorgen für einen Hauch von "verschrobener Auflockerung".

Bietet diese Folge einen besonders clever erdachten Krimiplot, wird der Ermittlungsdrang des Zuschauers angeregt und gefördert? Nein, denn "Ein unkomplizierter Fall" wurde auf ein anderes Fundament gestellt. Auf die hervorragenden Darbietungen der Hauptdarsteller bin ich bereis kurz eingegangen, damit ist aber längst nicht alles gesagt. Kamera (Josef Vilsmeier, Klaus Moderegger) und Schnitt (Werner Preuss) sind absolute Höhepunkte deutscher TV-Unterhaltung und deckeln so manchen Kinofilm. Dazu glänzt Regisseur Dietrick Haugk mit seinem Gepür für eindringliche Atmosphäre und entlockt seinen Akteuren Höchstleistungen. Als zusätzlicher Glückgriff erweist sich das winterliche Umfeld, die Musik von Klaus Doldinger untermalt das Geschehen nicht nur stimmungsvoll, sie wird mehr und mehr zu einem unverzichtbaren Bestandteil. Ganz ohne kleine Humorinseln geht es nicht, Köster trifft auf seinen Vorgesetzten Millinger (Henning Schlüter), dem fleischgewordenen Running Gag der Reihe. Gehilfe Heymann erhält nebenbei eine Lehrstunde, wie war das noch mit den Lehrjahren und Herrenjahren? Folge 13 klingt leise und behutsam aus, bietet einen blassen Hoffnungsschimmer als Schlusspunkt. "Ein unkomplizierter Fall" lässt mich beeindruckt und berührt zurück, stilvoller und punktgenauer kann ein TV-Krimi kaum gestrickt sein! Für mich neben "Toccata und Fuge" (4) der bisher stärkste Beitrag zur Reihe! "Der Alte" zeigt sich vortrefflichler Verfassung, ich freue mich auf die bevorstehende Sichung der nächsten Folgen!

8,5/10 (sehr gut bis überragend)

***

Vom Ursprung her verdorben

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

16.09.2012 13:34
#147 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Der schöne Alex" (Folge 19)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Thekla Carola Wied, Götz George, Christine Wodetzky, Kristina Nel, Gerd Baltus, Lola Müthel, Elfriede Kuzmany, Barbara Gallauner, Xenia Pörtner, Margot Mahler, Colly Petersenn, Vera Rheingold u.a. - Drehbuch: Maria Matray, Regie: Theodor Grädler

Alex Bergemann wird von vielen Frauen umschwärmt. Ehrensache, dass er auf diese Weise keinem gewöhnlichen Broterwerb nachgehen muss, sondern durch die eine oder andere vermögende Gönnerin recht bequem leben kann. So hetzt er manchmal von Rendezvous zu Rendezvous; die jeweilige Geliebte bleibt mit einem Seufzer und der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen zurück. Als er eines Tages bei Alice Sellow, seiner Verlobten, einkehrt, nascht er vom Konfekt, das griffbereit auf dem Wohnzimmertisch steht. Kurze Zeit später purzelt er die Treppe hinunter und bleibt tot liegen: Vergiftung durch ein Schädlingsbekämpfungsmittel.
Kommissar Köster obliegt die Aufgabe, die drei hauptverdächtigen Frauen zu verhören - und muss sich dabei die Frage stellen: War Alex vielleicht das falsche Mordopfer?



Anders als der Titel vermuten lässt, steht nicht "der schöne Alex", sondern die Frauen in seinem Leben im Mittelpunkt der Geschichte. Götz George zieht alle Register und gibt den Macho überzeugend und mit leichter Hand. Die Rolle entspricht ganz und gar seinem Image und wird später in "Tatort" noch weiter ausgebaut.
Die verschiedenen Entwicklungsstadien einer Beziehung zu ihm werden durch die vier involvierten Frauen verkörpert. Kristina Nel, jung und selbstbewusst, steht am Anfang ihres Verhältnisses zu Alex und macht ihm klar, dass sie ihn nicht bedienen wird, sondern ein eigenes Leben hat. Lola Müthel, reif und unabhängig, kennt als heimliche Ehefrau die Marotten ihres Mannes und ist über den Kummer, den er ihr sicher bereitet hat, hinweg. Thekla Carola Wied steckt hingegen mitten in der verhängnisvollen Beziehung und leidet seelische Qualen, wenn Alex sie wieder einmal versetzt, vertröstet oder über den Verbleib des von ihr geliehenen Geldes belügt. Ihre Figur ist deshalb hektisch, fahrig und zutiefst aufgewühlt, was in Hauptkommissar Köster väterliches Verständnis auslöst.

Über den Wandel des knarzigen Lowitz vom Rebellen im Amt zu einer besänftigenden Vertrauensperson hat Horst Tappert in seinem Buch "Derrick und ich - Meine zwei Leben" folgendes geschrieben:
"Anfangs spielte er den Köster mit Blick auf seinen eigenen Charakter: als bärbeißigen Kriminalbeamten, der auch mal hart durchgreift und sich nicht scheut, einen Bösewicht an die Heizung zu ketten. Das ist dem Lowitz durchaus zuzutrauen. Aber es gab einen allgemeinen Aufschrei: Das ist brutal und ein schlechtes Vorbild, schädlich fürs Image der Polizei und so weiter. Die Schweizer Koproduzenten wollten sogar aus der Serie aussteigen. Lowitz musste sich zum weisen "Alten" wandeln. Ich habe bedauert, dass ihm seine Stärken wegretuschiert wurden, dass er nicht mehr zupacken, nur noch väterlich-mahnende Sprüche verkünden durfte. Derrick, der Psychotherapeut der Nation, bekam als Präsidiums-Kollegen den Oberlehrer der Nation." (Seite 83)

Christine Wodetzky ist die stille Beobachterin im Hintergrund und im Frauen-Kleeblatt die interessanteste Figur. Sie macht sich keine Hoffnungen mehr, dass Alex zu ihr zurückkehren könnte, sondern weiß, dass sie nur eine Station auf seiner Fahrt durch die Betten brünetter Schönheiten war. Seltsamerweise hinkt sie, was nicht näher erklärt wird. Ebenso geheimnisvoll kommt der introvertierte Gerd Baltus daher, der seine Cousine stalkt, als es diesen Begriff noch gar nicht gab.
Maria Matray hat ein ausgewogenes Drehbuch verfasst, das Köster auch Zeit für seine Freundin lässt, mit der er flugs den "Treffpunkt der einsamen Herzen" aufsucht, um dort auf das nächste "Opfer" von Alex zu warten. Spannungsmomente wechseln sich mit amüsanten Szenen ab, für die diesmal vor allem Ande und Hendriks verantwortlich zeichnen. Eine vergnügliche Episode, die aus der Sicht einer Frau verfasst wurde und die wunden Punkte in einer einseitigen Beziehung anspricht, ohne dabei wehleidig zu klingen. 5 von 5 Punkten

Kleine Notiz am Rande: Götz George rollt bei seinem Sturz direkt vor die Wohnungstür von Barbara Gallauner, die in "Der Hochzeiter", Folge 42 der Serie "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger", die fesche Bäuerin Moidl spielt - eine meiner persönlichen Top-Ten-Episoden.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

16.09.2012 15:04
#148 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #154
BEWERTET: "Der schöne Alex" (Folge 19)
Christine Wodetzky ist die stille Beobachterin im Hintergrund und im Frauen-Kleeblatt die interessanteste Figur. Sie macht sich keine Hoffnungen mehr, dass Alex zu ihr zurückkehren könnte, sondern weiß, dass sie nur eine Station auf seiner Fahrt durch die Betten brünetter Schönheiten war. Seltsamerweise hinkt sie, was nicht näher erklärt wird.

Christine Wodetzky ist auch für mich eine Art Garantin für interessante Charaktere und tiefgründigere Rollen gewesen. Die Frage, warum sie hier hinkt habe ich mir auch gestellt. Da es nicht erläutert wird, ist der Zuschauer gezwungen zu spekulieren. Christine Wodetzky wurde in dieser Episode zunächst im optischen Sinne eher negativ in den Fokus gerückt. Sehr intelligent und nicht unattraktiv, aber wenn man so sagen kann, mit Waffen versehen, die noch nicht geladen sind weil sie keine Ahnung hat wie es funktioniert. Im Gegensatz zu anderen Kontrahentinnen erscheint sie doch zu bieder, beziehungsweise für das Objekt der Begierde zu uninteressant zu sein. Obendrein muss sie einen Makel mit sich herumtragen. Es gibt diverse Gründe, wie sie beim schönen Alex landen konnte und es ist davon auszugehen, dass hauptsächlich er seine Vorteile aus dieser Verbindung schlagen konnte. Das Hinken symbolisiert die starken Komplexe einer scheinbar desillusionierten Frau, die sich im Griff haben muss, die sich in jeder Lage zusammennehmen kann, die sich anvertraut hat und dafür eine Gegenleistung erwartet; ihr Makel verkörpert schließlich indirekt ihre vollkommene Unterlegenheit. Gegen Oberflächlichkeit findet sie kein Mittel, ihre Unempfindlichkeit ist nichts als Resignation. Im Zusammensein mit ihrer Freundin kommt eine merkwürdige, schon mitleidige Atmosphäre auf. Obwohl Christine Wodetzky hier Thekla Carola Wied zur Seite stehen soll, scheint es hauptsächlich umgekehrt zu sein. Der Zuschauer wird im Endeffekt direkt angesprochen und transportiert mitleidige Gedanken bis zum Finale hin. Körperliche Schwächen sind daher als Stilmittel immer gerne verwendet worden, als universelle Erklärung oder Rechtfertigung für bestimmte Verhaltensweisen oder Taten.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

26.09.2012 00:23
#149 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)


Folge 14 - Bumerang (Deutschland 1978)

Breitensport Ehebruch? Alfred verliert den roten Faden. Sehr angenehm!

Laura Mattis (Eva Berthold) wird in ihrem Badezimmer erschossen. Kommissar Köster sucht den Vermieter des Opfer auf, offensichtlich verband Dr. Werner Berger (Hans Caninenberg) eine intime Beziehung mit Laura Mattis. Pikant, denn am Abend des Mordes besuchte Dr. Berger seine Geliebte in deren Wohnung. Berger bekennt sich gegenüber Köster ohne grössere Umschweife zu seiner Affaire. Freilich soll die betrogene Ehefrau Vera (Alwy Becker) nach Möglichkeit nichts von den Ausschweifungen erfahren. Doch die wohlhabende Dame weiss bereits viel mehr als ihr Gatte zunächst ahnt, nebenbei spuckt Vera nicht in die Suppe, mit ihrem Bekannten Bernd Hartog (Joachim Ansorge) fröhnt sich nicht nur der Reiterei auf gesattelten Vierbeinern. Bei der Obduktion des Mordopfers stellt die Gerichtsmedizin eine Schwangerschaft fest, wollte Dr. Berger sich eventuell seiner lästig gewordenen Stossdame entledigen? Laura verdiente ihre Brötchen als Übersetzerin, für ihren Auftraggeber Dr. Kargus (Richard Münch) sollte sie vertrauliche Unterlagen bearbeiten. Nun sind diese Schriftstücke verschwunden, ein gewisser Carlo Girotti (Michael Maien) bietet Dr. Kargus die Dokumente an, selbstverständlich gegen eine kleine finanzielle Entschädigung. Für Köster wird Girotti zunehmend interessant, in Lauras Wohnung finden sich eindeutige Hinweise auf eine Bekanntschaft zwischen dem Gauner und der Toten ...

Hans Caninenberg fiel mir bereits in einigen Derrick Folgen positiv auf. Oft verkörpert er überzeugend brave Bürger aus den oberen Schichten unserer Gesellschaft, hinter der biederen Fassade toben Ängste und Begierden, erneut gelingt Caninenberg eine solide Vorstellung. Alwy Becker gefällt als attraktive, starke und abgeklärte Frau, Joachim Ansorge setzt ihr als unliebsam gewordener Lustbubi zu. Roland Renner soll als Sohn/Stiefsohn der Eheleute Becker für Spannung sorgen, an Verdächtigen mangelt es hier nicht, gleichwohl bleibt Renners Darbietung eher beliebig. Es macht wenig Sinn alle Nebendarsteller aufzuzählen, da einigen Beteiligten sowieso kaum Raum zu Entfaltung bleibt, überdies ihre Beiträge zur Story unerheblich anmuten. Mir sei an dieser Stelle der Hinweis auf Xenia Pörtner gestattet, die Freundin des Alten ist immer eine Bereichung, verleiht der Reihe zusätzlichen Wiedererkennungswert und einen Hauch herzlich-humoriger Wärme.

Alfred Vohrer zeichnet nicht nur für die Regie verantwortlich, das Drehbuch zu "Bumerang" geht ebenfalls auf seine Kappe. Der Mord an einer hübschen Geliebten ist sicher kein schlechter Aufhänger, leicht lassen sich diverse Verdächtige in die Handlung einbauen. Vohrer will in dieser Hinsicht zu viel, wir bekommen es mit einem Wust aus Motiven und Verdächtigen zu tun. Im Wettkampf der Vertuschungen, Erpressungen und Psychosen, taumelt das überambitionierte Baby des Herrn Vohrer zwischen Oberflächlichkeiten und bewegenden Momenten umher. Gewinnendes Versagen und großartiges Handwerk gehen Hand in Hand! Während der Plot die Gemeinde -aus nachvollziehbaren Gründen- nicht durch die Bank zu Jubelstürmen veranlasst, trifft das Treiben auf den Spielfeldern Atmosphäre, Kulissen und Humor nahezu perfekt das Zentrum der Freude. Zunächst darf ich mich an der Wohnung des Opfers erfreuen, was für ein prächtig-geschmackloser Tempel der Lust, siebziger Jahre pur, ich liebe es! Während der Außenaufnahmen zeigt uns Vohrer den weißgrauen Winter in und um München, meine Jahreszeit, meine heisskalte Liebe. Wohlgefühl mit Lowitz, Ande und Pörtner, der Alte feiert mit Sklave und Freundin Geburtstag. Hoch die Tassen, zumindest bis das Telefon schrill auf sich aufmerksam macht, die Pflicht ruft immer und überall. Klar, Cheftrottel/Trottelchef Millinger darf nicht fehlen. Geschätzte 135 Kilo geballte Ignoranz prallen mit Ausdauer auf den Alten, locker lässt Köster den Klops abprallen, stellt ihm bei Bedarf schlemisch grinsend ein Bein. Für die Musik sorgte Frank Duval, für meine Ohren eine seiner besseren Arbeiten. "Bumerang" zeigt uns den "Popanz-Vohrer" im Gewand des späten "Seriös-Vohrer", manche Fontäne entpuppt sich als flaues Fürzchen, viel gewollt und einiges in den Sand gesetzt. Wie eine gewaltige Zielscheibe bietet "Bumerang" für Kritik jeder Art eine üppige Angriffsfläche, aus meiner Sicht federt der ungeheuer grosse Unterhaltungswert sämtliche Einschläge ab.

7,5/10 (gut bis sehr gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Blap Offline




Beiträge: 1.128

01.10.2012 23:17
#150 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Der-Alte-Sause"


Der Alte - Collector's Box Vol. 1 (Folge 1-22)



Folge 15 - Zeugenaussagen (Deutschland 1978)

Schrullen, Spanner & Säufer

Maria Schöttl wurde in ihrem Haus getötet, die alte und wohlhabende Frau lebte allein. Kommissar Köster befragt die Nachbarschaft, leider erweisen sich die Angaben der Damen und Herren als nicht besonders hilfreich. Ermittlungen zeichnen das Bild einer recht zurückgezogen lebenden Person. Kontakte zum direkten Umfeld blieben oberflächlich, mit ihrer ganz in der Nähe wohnenden Schwester Amalia Schöttl (Maria Stadler) hatte das Mordopfer seit meheren Jahrzehnten kein Wort mehr gewechselt. Köster stösst auf befremdliche Angewohnheiten, so beobachtet ein pensionierter Richter (Hannes Stein) mit leidenschaftlicher Ausdauer die Ereignisse hinter den Fenstern seiner Nachbarn, selbstverständlich mit einem geeigneten Fernglas. Freilich ist der werte Herr kein Voyeur, der Senatspräsident a. D. geht lediglich seinem Interesse an "menschlichen Beobachtungen" nach. Auch der zuständige Geistliche (Bruno Hübner) trägt sein Kreuz, Herr Pfarrer spricht allzu gern dem Alkohol zu. Endlich bleibt ein Verdächtiger im Netz hängen, der mehrfach vorbestrafte Bursche Erwin Scheufele (Volker Eckstein) scheint in den Fall verwickelt zu sein ...

Siegfried Lowitz darf sich mit herrlich verschrobenen Gestalten in den verbalen Nahkampf begeben, Kommissar Köster quittiert die befremdlichen Angewohnheiten und Sichtweisen seiner Zeugen mit trockenem Humor. Werfen wir einen Blick auf die besonders auffälligen Herrschaften. Grandios Hann(e)s Stein als Richter im Ruhestand, der seine voyeuristischen Gelüste mit abenteuerlichen Begründungen rechtfertigt. Bruno Hübner gibt den versoffenen Pfaffen, sondert dabei liebenswerten Unfug ab. Maria Stadler macht uns die verbitterte Jungfer, ein biestiges Weibstück des Schreckens, Fräulein Schöttl wird irgendwann ungeöffnet in der Kiste verschwinden. Maria Singer keift gern umher, die Dame aus dem Tante-Emma-Laden des Schreckens. Nein, die Dame aus dem Kolonialwarenladen, so viel Zeit muss sein. Willy Schultes erwartet Gegenleistungen für seine Aussage, Ralf Wolter sondert als Reporter prachtvollen Schwachsinn ab, Volker Eckstein orgelt als Gammelgauner durchs Szenario. Fast hätte ich Walter Sedlmayr unterschlagen, nicht zu vergessen Hans Stadtmüller in der Rolle des pflichtbewussten Stromablesers. Weitere bekannte Gesichter sind in teils kleinen Nebenrollen zu sehen, ein wahres Füllhorn gestandener Schauspieler!

Im Rahmen dieses (teils nahezu grotesken) Schaulaufens liebevoll überzeichneter Charaktere, gerät der Mord an der alten Dame zu einer Art "nebensächlichen Hauptsache". Letztlich wird der Fall ohne Krawall und recht unspektakulär gelöst, die vorherige Suhle im gutbürgerlichen Irrsinn macht sowieso mehr Freude. Autor Herbert Rosendorfer hat dem Volk aufs Maul geschaut, für meinen Geschmack hätte diese Folge gern auf Spielfilmdauer ausgedehnt werden dürfen. Erneut muss ich mich tief vor Siegfried Lowitz verneigen, der Mann ist die perfekte Besetzung für die Rolle des cleveren Kommissar Köster. Wie Lowitz ab und an Dialekte imitiert, die Zeugen und sonstiges Gezücht auf die Schippe nimmt, besser geht es nicht, ich habe mehrfach Tränen gelacht! Der auch im Derrick-Kosmos aktive Regisseur Theodor Grädler hat leichtes Spiel, mit diesem göttlichen Ensemble vor der Kamera kann man nur auf der Siegerstrasse unterwegs sein, daran ändert auch der mittelprächtige aufregende Kriminalfall nichts. Hölle, schon wieder huscht mir eine feistes Grinsen über die Fratze, mir tönt in Gedanken Kösters Aussprache des Namens "Scheufele" im Ohr, ich falle gleich vor Lachen vom Stuhl (auf der DVD bei 40:37 Minuten zu finden, zieht es euch rein)! Hach, das Leben ist schön, ich kann jetzt nicht mehr tippen, huahahaaaaahrrrrgh ...

Gewissermaßen extrem fette 8/10 (sehr gut)! Sozusagen addiere ich in Gedanken unzähliche Wohlfühlpunkte, dieses Stück deutscher Fersehgeschichte ist ein echter Superknuffel der Extraklasse! ... und Köster würde ich jederzeit meinen Hochsitz einräumen! Waaahahaharrrhhaaarrhhh!

***

Vom Ursprung her verdorben

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