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 Film- und Fernsehklassiker national
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Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

02.05.2011 17:10
#61 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

TOD EINES PIRATEN
(Folge 112 / 16. Jänner 1987)

Die Folge ist eine dieser für den „Alten“ lange typischen Vogeler/Brynych-Krimivergewaltigungen, die mir oft die Freude am kriminalisten Spiel vergällt haben. Die Geschichte um den Mord an einem Videopiraten (heute würde man ihn als Raubkopierer bezeichnen) ist viel zu überladen, um interessant zu sein, einige Handlungsfäden verlaufen schließlich sogar im Sand. Die Aktivitäten internationaler Videopiratenbanden werden mit Undercover-Ermittlungen, privaten Motiven und einem Anschlag auf Henry verquickt, skurrile Typen und (un)freiwillig komische Situationen wechseln sich ab (der Ausschnitt aus dem raubkopierten Kinofilm ist derart dilettantisch, dass er unmöglich ernst gemeint sein kann, immerhin bietet er ein Wiedersehen mit Ringelmann-Sohn Tobias). Das mag eine Zeit lang unterhaltsam und amüsant sein, auf die Dauer nerven mich diese Art absurden (Anti)-Krimis jedoch, man verliert das Interesse an Handlung, Motiv und Täter. Der Vollständigkeit halber angeschaut kann die Folge jetzt wieder lange im Schrank verstauben.

Die Darsteller schlagen sich z.T. ganz gut (Christine Wodetzky als geheimnisvolle Dame, Werner Schnitzer als Kollege, Alf Marholm als Portier), treten z.T. nur als Karikaturen ihrer Rollen auf und outrieren grauenhaft (Undercover-Agent Claude Oliver Rudolph hüpft wie ein nervöser Clown durch die Szenerie, Christoph Eichhorn nervt als gespreitztes Stiefsöhnchen), am glaubwürdigsten sind noch die Ermittler um Kommissar Kress.



FLOSSFAHRT INS JENSEITS
(Folge 110 / 14. November 1986)

Eine recht raffinierte Geschichte von Bruno Hampel, die in Dietrich Haugks turbulenter, etwas zu wüst-lauter Inszenierung flotte Krimiunterhaltung bietet und deren ablenkende Regiekniffe mich ziemlich lange aufs Glatteis führten. Raffinierte Geschichten sind gern auch überkonstruiert, das gilt in diesem Fall nur bedingt.

Zunächst erleben wir einige samstägliche Szenen einer Ehe, auf der einen Seite Rainer Basedow als wilder, cholerischer, biersaufender Taxiunternehmer, der dauernd in der Badewanne sitzt und seine Frau (die hübsche, temperamentvolle Eva Kryll) ärgert, auf der anderen Seite Uwe Friedrichsen als dessen Angestellter, seine Frau zieht gerade mit viel Tam-Tam aus der gemeinsamen Wohnung aus. Am nächsten Tag nehmen Basedow und seine Gemahlin an einer Floßfahrt auf der Isar teil. Und da kommt es zu einem hässlichen Zwischenfall. Der betrunkene Taxiunternehmer stürzt nach einer Streiterei mit einem der Teilnehmer ins Wasser und geht sofort unter ... Mehr von der Handlung will ich lieber nicht ausplaudern.

Die Darsteller sind alle mit viel Spielfreude und Temperament dabei, ohne zu sehr zu übertreiben, neben Hans Brenner mit breitem bayerischem Dialekt und Fritz Strassner als Angler und Zeugen spielt auch Haugk selber mit, sinnigerweise den Regisseur einer Laienspielaufführung von „Der Widerspenstigen Zähmung“, in der auch Uwe Friedrichsen mitspielt. Diese Szenen hätte man – trotz der Zwischenschnitte – allerdings etwas straffen müssen. Der Alte und seine Mannen treten relativ spät auf den Plan, es bleibt unklar, warum sie überhaupt zu dem ländlichen Fall hinzugezogen werden. Seltsam ländlich auch das Büro, in welchem Henry den Anruf entgegennimmt, der die Ermittlungen auslöst.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

05.05.2011 16:12
#62 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

DER MORD AUF ZIMMER 49
(Folge 103 / 21. März 1986)

Solide Krimiarbeit von den Routiniers Bruno Hampel und Günter Gräwert, die gut unterhält, ohne allzu sehr nachzuwirken. Dazu ist Hampels Drehbuch insgesamt doch etwas zu glatt und vorhersehbar konstruiert. Simon Kröger, wegen Vergewaltigung eingesperrt, verbringt die erste Nacht nach seiner Freilassung in einem Bahnhofshotel, um nicht in eine zuhause stattfindende Firmenfeier zu platzen. Plötzlich ruft aus seinem Zimmer eine Frau um Hilfe – der herbeigeeilte Portier und zwei Gäste finden eines der Zimmermädchen erdrosselt auf dem Bett. Ist Simon Kröger rückfällig geworden? Kommissar Kress bleibt skeptisch …

Gräwerts Regie sorgt für eine angenehm realistische Atmosphäre, die Stimmung im Bahnhofshotel wirkt fast klaustrophobisch, auch für kleinere Szenen (Weinkeller, Dienstreise nach Frankfurt) wurden keine Mühen gescheut. Darstellerisch gibt es an der Folge nichts auszusetzen: leise und zurückhaltend Manfred Zapatka, der unvermutet in einen Albtraum gerät, schade, dass er später in der Folge (z.B. in der Konfrontation mit seinem „Gegenspieler“) keinen Auftritt mehr erhielt, Bruno Dietrich freundlich und charmant, Inge Birkmann eine starke Persönlichkeit wie meist, auch im Hotel begegnet uns altbekanntes Personal: Per Augustinski als flotter Hotelchef, Edwin Marian als Portier, Til Erwig als Stammgast. Schade auch, dass der erotische Auftritt von Zimmermädchen Ute Christensen so kurz geriet, witzig Käte Jaenicke als trinkfeste Geschäftsfrau i.R.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

09.05.2011 16:52
#63 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

DER TRUGSCHLUSS
(Folge 104 / 18. April 1986)

Vogelers Geschichte ist insgesamt zu verworren und konstruiert, um für wirklich interessante Krimiunterhaltung zu sorgen. Während es an Verdächtigen mangelt, wird der Zuschauer mit einem Überfluss an Motiven und kriminalistischen Versatzstücken konfrontiert: Schmuggel und Erpressung, Eifersucht und Liebe, ein alter, unaufgeklärter Bankraub mit Geiselnahme, zwei vollendete und ein versuchter Mord. Aus dieser Überladung entwickelt sich jedoch nicht mehr Abwechslung und Spannung, die Folge zieht sich dahin und sorgt im zweiten Teil eher für gepflegte Langeweile. Vielleicht wäre es klüger gewesen, den Handlungsstrang um die Machenschaften der Schmugglermafia und der Spediteure auszubauen und dafür auf den unglaubwürdige Bankraub/Geiselnahme-Teil zu verzichten. Grädlers Regie uneinheitlich, einerseits langatmig, dann wieder recht stimmungsvoll (Rasthaus, lebendig fotografierte Szenen auf dem Münchner Großmarkt, Autofahrten, manche Großaufnahmen). Eberhard Schoeners Musik (Hausmeisterin-Motiv) klug dosiert.

Wie üblich ein Wort zu den Darstellern: Jutta Speidel frisch und offen, immer sehenswert, der junge Hannes Jaenicke als ihr eigenbrötlerischer, geheimnisvoller Bruder, in kleineren Rollen altbekannte Leute: Maria Singer und der kauzige Dirk Dautzenberg sorgen auf dem Großmarkt für Abwechslung, für zwielichtige Augenblicke zuständig: Siegurd Fitzek als Mordopfer und Hans-Georg Panczak als Ex-Knacki. Witzig die Keppeleien zwischen den Ermittlern und der zum Bürodienst verdonnerte Henry im Schmollwinkerl.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

13.05.2011 17:05
#64 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

TERZETT IN GOLD
(Folge 105 / 23. Mai 1986)

Ein Textilvertreter verheimlicht der Familie, dass er nach Auflösung seiner Schweizerischen Firma arbeitslos geworden ist und schmuggelt fortan als Kurier Goldbarren von Zürich nach München. Beim Treffen mit seiner weiblichen Verbindungsperson im Bahnhofsrestaurant, bei dem er die Übergabe des Goldes verweigert und einen höheren Anteil fordert, überrascht ihn seine Frau. Sie deutet die Situation völlig falsch … Am nächsten Morgen finden Jogger den Mann tot im Englischen Garten, gestorben an inneren Blutungen nach einem Bauchschuss …

Auch diese Geschichte hat Bruno Hampel für den „Alten“ beigesteuert, kurzweilig und mit einigen Überraschungen, allerdings – wie es bei Hampel häufiger vorkommt – im weiteren Verlauf zu glatt gebügelt und durchsichtig. Während einige Wendungen etwas konstruiert anmuten, hätte der Ausbau mancher Handlungsteile – Familie, falsche Goldbarren, Freund des Sohnes – der kriminalistischen Verwirrung wegen vielleicht nicht geschadet. Das halb offene Ende lässt einen überlegen, wie das Gericht die Geschehnisse beurteilen bzw. bestrafen wird.

Wolfgang Beckers Handschrift begegnet einem auf Schritt und Tritt, beginnend bei der nächtlichen Zugreise über die tiefwinterlichen Motive in und um München bis zu den authentisch gefilmten Innenszenen, nostalgisch der Ausflug in die Computertechnik der Mitt-80er-Jahre. Franz Rudnicks Versuch, die Arbeitslosigkeit mit kriminellen Tätigkeiten zu ersetzen, endet verhängnisvoll, Jochen Horst erinnert als rebellischer und doch verletzlicher Sohn an typische Reinecker-Figuren, Rosel Zechs Verbitterung und Verzweiflung verbirgt sich hinter einen kühlen Fassade. Das kriminelle Juweliersehepaar wird vom kaltschnäuzigen, selbstbewussten Rolf Becker und der nervös-attraktiven Constanze Engelbrecht dargestellt. Während Rainer Hunold als ihr Handlager ebenfalls im Verbrecher-Sumpf watet, darf Uli Kinalzik diesmal für Recht und Ordnung sorgen. Eva Maria Bauer als aufdringliche Zugnachbarin und Heini Goebel als Kress-Kollege sorgen für amüsante Zwischenschnitte.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

06.06.2011 17:36
#65 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

TOD VOR SCHALTERSCHLUSS
(Folge 115 / 27. März 1987)

Ein vermummter Bankräuber, der seit einigen Monaten München unsicher macht, erschießt bei einem seiner Überfälle eine zufällig anwesende Bankkundin, die Verlegerehefrau Marlies Mender … So offensichtlich sich der Fall zunächst präsentiert, so schnell machen sich Zweifel am wirklichen Tatgeschehen breit, spricht plötzlich einiges für einen Trittbrettfahrer. Kommissar Kress stellt eine gewagte Theorie auf …

Als Autor dieser Folge begegnet uns Max Pierre Schaeffer, dessen Kriminalromane in den 60ern Vorlage für die Filme „Mörderspiel“ und „4 Schlüssel“ waren. Ganz ausgereift ist sein Drehbuch nicht, der kriminalistische Twist zwar relativ raffiniert, allerdings in Details zu wenig ausgefeilt und ausgeführt, sodass die Geschichte letztendlich konstruierter wirkt, als sie in Wirklichkeit ist. Auch die Charakterisierung der involvierten Personen bleibt insgesamt zu sehr an der Oberfläche, man mag gar nicht glauben, dass hinter den kühlen, kontrollierten Fassaden Liebe, Hass und Mordlust brodeln. Und Gräwerts Regie ist zu zahm, um diese Drehbuch-Unebenheiten zu überdecken. Insgesamt trotz guter Krimiunterhaltung eine Folge der vertanen Chancen.

Die Darsteller holen aus ihren verhaltenen Rollen noch das Beste heraus (was vielleicht auch ein Verdienst Gräwerts ist), besonders Evelyn Opela, damals häufig Gaststar in den Krimis ihres Ehemannes, als Frau in den besten Jahren, elegant, attraktiv und selbständig, in gewisser Weise unnahbar und Stefan Wigger als gefasster Verleger, den der Tod der Frau unberührt zurücklässt. Schoeners Musik während der Folge unauffällig, im Abspann eher unpassend.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

07.06.2011 11:14
#66 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

Folge 28: Pensionstod (1979)

Passend zum Serientitel widmet sich diese Folge dem Thema Alter und Ruhestand. Und tatsächlich ist man von der ersten Minute an gefangen genommen von diesem Film, der mir sehr sorgsam konzipiert und für Brynych-Verhältnisse (wiederum sehr passend!) zurückhaltend inszeniert erscheint.
Der pensionierte Fernsehtechniker ROMIN - so ungewiß es ist, ob wirklich alle Wege nach Rom führen, so führen sie doch leider mit tödlicher Sicherheit alle ins Alter - äugt durch das eingeschränkte Blickfeld seines Fernglases von seinem angemieteten Alterssitz aus über die Dächer von München. In die Röhre will er wohl eher nicht schaun, verständlicherweise nicht allzu weit in den/die Fern(e)sehn, auch wenn er den Fernsehempfang wohl sein Leben lang verfügbar gemacht hat, für andere die Antennen eingestellt hat. So wenig kann er nun seine eigenen Antenne auf den Ruhestand mit seiner Frau einstellen.
Denn siehe da, das Gute liegt so nah, sogar direkt gegenüber, über der in den tristen Mietblocks und Hochhäusern gefangener Lebenszeit und Wohnhölle erhebt sich die ehemalige Firma des Herrn Romin über die Untat der Langeweile, die Firma firmiert als MORGENROTH , der Verheißung eines neuen tätigen Werktages unter Gottes gnädigem Auge, eines zweiten Arbeitsfrühlings, selbst wenn es nur in der Werkstatt, und nicht direkt unter dem Himmel ist, himmlisch wäre es allemal. Kein Wunder, dass man da der Essecke mit der wiederum so symbolischen als MAUER gestalteten Tapete (übrigens 1979, war (zufällig?) auch das Jahr von Pink Floyd`s The Wall, another brick in der in dieser Folge so treffsicher und sorgfältig verarbeiteten Ingredentiensuppe menschlicher Verlorenheit, vom Schüler bis zum Rentner) den Rücken zeigt, selbst wenn die geliebte Frau dort sehnsüchtig sitzt. An die Wand gefahren scheint jedenfalls ein ganzes Leben. Und was ganz zu Anfang der Folge die Tasse und den Teller zu Fall bringt, das fällt und bringt letzten Endes auch den Nachfolger von Herrn Romin um, die Wut über die Unfähigkeit Romins, sein Leben zu genießen, und die Unmöglichkeit, ihm wirklich helfen zu können.
Die Zeiten ändern sich, Morgenroth sen. wurde durch Morgenroth jun. abgelöst, Herr Romin bleibt der Gleiche, so wenig wie er sich wohl einst um die menschlichen Belange und Empfindungen seines jetzigen Nachfolgers und ehemaligen Lehrjungen kümmerte, so wenig ist er nun für seine Gattin da und respektiert sie.
Wolfried Lier und Erni Singerl agieren grandios als verkümmertes Rentnerpärchen, in einem Fall, der angesichts der Wucht der so metaphorisch bilderreich eingefangenen Thematik zur Nebensache wird. Die Bilder bleiben in Erinnerung. Dennoch auch Pluspunkte für die realistische und gelungene Auflösung.
HÖCHSTLEISTUNG/VOLLTREFFER: besser kann ein 60-Minüter einfach nicht mehr werden.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

09.06.2011 17:38
#67 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

DIE ABRECHNUNG
(Folge 114 / 13. März 1987)

Ein weiteres Werk aus der Hexenküche Vogeler/Brynych, dessen Grundidee einfallsreich und ungewöhnlich, dessen Umsetzung allerdings nur für Fans der beiden ist: Ein deutscher Staatsbürger wird in Malaysia wegen Drogenhandels zum Tode verurteilt und hingerichtet. Den wirklich Schuldigen, seinen Kumpel, findet man am Morgen nach der Urteilsvollstreckung bestialisch ermordet in seiner Münchner Wohnung. Ein Racheakt oder ein Verbrechen im Rauschgiftmilieu?

Auch in dieser Folge gelingt es Vogeler nicht wirklich, Menschen aus Fleisch und Blut zu erschaffen, alle Protagonisten agieren wie in einem Vakuum, wirken eindimensional und unsympathisch, werden zusätzlich noch durch Brynychs hysterischer Regie entweder total überzeichnet oder albern, sodass manche Darstellungen (Rauschgiftsucht, Dieter Schidor) eher in den Bereich Schmierentheater abgleiten. Die nervtötende Musik tut ein Übriges.

Neben Meyer zwo gibt’s in dieser Folge ein Wiedersehen mit Bettina Redlich als Leo Kress’ vorlauter Tochter Sabine – schade, dass ihre Figur bald aus der Serie verschwand. Ida Krottendorfs Part als Wäschereibedienstete scheint eigentlich überflüssig, vielleicht ist ihr Auftritt Brynych zu verdanken, mit dem sie im Münchner Freitagskrimi fast ausschließlich zusammengearbeitet hat. Tommi Piper poltert mit breitem bayr. Dialekt durch die Szenerie, Klaus Höhne mildert die Übertreibungen seiner Rolle mit seiner darstellerischen Kunst.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

09.06.2011 20:06
#68 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

Zitat
Auch in dieser Folge gelingt es Vogeler nicht wirklich, Menschen aus Fleisch und Blut zu erschaffen, alle Protagonisten agieren wie in einem Vakuum, wirken eindimensional und unsympathisch, werden zusätzlich noch durch Brynychs hysterischer Regie entweder total überzeichnet oder albern, sodass manche Darstellungen (Rauschgiftsucht, Dieter Schidor) eher in den Bereich Schmierentheater abgleiten. Die nervtötende Musik tut ein Übriges.



Treffender kann man diese absolut überflüssige Psychofolge nicht beschreiben. Unglaublich, welch gute Schauspieler da in einer üblichen Brynych-Vogeler-Orgie verheizt wurden.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

12.06.2011 20:12
#69 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

DER SANFTE TOD
(Folge 113 / 20. Februar 1987)

Günter Gräwert drückt dieser Episode in einer Art Personalunion als Regisseur, Autor (nach einer Idee von Adolf Schröder) und (Klein)-Darsteller seinen Stempel auf, findet eine gelungene Balance zwischen leisem Beziehungsdrama und hektischer Verfolgungsjagd, die gut durchkomponierte Story hält den Spannungsbogen bis zum Schluss. Am Beginn steht der Tod eines jungen Mannes, dessen vermeintlicher Selbstmord mit Schlaftabletten und Alkohol sich schnell als verschleierter Mord entpuppt. Der bisexuelle Peter Bertram lebte in einer Art Dreiecksgeschichte, war gefühlsmäßig hin- und hergerissen zwischen seiner schwangeren Freundin Barbara und seinem Freund Jens. Das ungewöhnliche Verhältnis sorgte auch bei den nicht unmittelbar Beteiligten – Barbaras Bruder und Peter Bertrams Vater – für Unverständnis, Ablehnung und Hass …

Für die Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit solcher Kriminalgeschichten ist neben einer punktgenauen Regie und Schauplatzwahl immer auch eine ausgewogene, kluge Besetzung unablässig: Eva Kryll als selbstbewusste, kämpferische junge Frau, verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg, nicht nur aus ihrem Gefühlschaos, auch aus der Bevormundung durch ihren Bruder Edgar Selge, Rolf Henniger mit eisgrauem Haar und einer ausgesprochen intensiven Darstellerleistung, strenge Prinzipien und die Angst um den guten Ruf haben zum Bruch mit seinem Sohn geführt. Ein kleines Nebenrollen-Kabinettstückerl liefert Enzi Fuchs als neugierige, verkniffene Nachbarin. Frank Duvals Musik untermalt das Drama, an dessen Ende nur Verlierer stehen, mit bittersüßen, insgesamt etwas zu exzessiv eingesetzten Klängen.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

20.06.2011 10:10
#70 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

Folge 71: Liebe hat ihren Preis (1983)

Eine Folge, die mir doch recht deutlich und blaupausenmäßig zu Bewußtsein führt, dass diese Krimireihe auch innerhalb der goldenen Ära der 100-Köster-Folgen, bereits ansatzweise dabei war, mit andauernder Laufzeit 60-Minuten-Stangenware aus dem 08/15-Baukasten zu werten. In diesem Fall mit allen positiven und negativen Nebeneffekten, die das so mit sich bringt. Das routinierte Drehbuch und die gediegene Regie beschäftigen in erster Linie und im Grunde durch die Bank hochklassige Akteure (vielleicht das noch ein Unterschied zum aktuellen Freitagabend), beschäftigt den Zuschauer mit einigem Rätselpotential und beschäftigt sich selbst mit mancherlei leicht moralischen Nebengedanken. Der Titel, der ebenfalls zunächt belanglos und floskelhalt wirkt, wirkt in diesem Zusammenhang allerdings ungeheuer treffsicher und nachgerade irre zynisch.
Also sind alle soweit gut beschäftigt und versorgt, alles köchelt so vor sich hin, doch das Urwüchsige, die knapp und doch markant skizzierten Milieus und die mit leichtem Strich und in markanten Szenen mustergültig eingefangenen Charakterzeichnungen aus der Frühzeit dieser (und auch vieler anderer früher Fernsehserienkrimis) vermisse ich bei dieser Folge etwas. Man wird unterhalten, aber nicht berührt, ohne Beigeschmack und größere Nebenwirkungen (in Form von dauerhafter Erinnerungen an gewisse Bilder z. B.) Für Fernsehkrimiverhältnisse überdurchschnittlich intensiv und überzeugend festgehalten sind hier m. E. lediglich die Paarszenen zwischen Horst Buchholz und seiner Geliebten, teilweise auch vor landschaftlich Reizvollem.
Gute Unterhaltung, mit Luft nach oben und viel Stauraum nach unten.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

27.06.2011 11:51
#71 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

Folge 86: Der Klassenkamerad (1984)

Trotz Wallace-Prominenz (der großartige und im Jahr 1985 viel zu früh verstorbene Wolfgang Kieling ist hier in einer seiner letzten, mithin titeltragenden Rollen zu sehen und hat wieder mal viel Ärger wegen seines Bruders am Hals) und ladenhütenden entlassungsbedrohten gereiften Kommissar-Girlies (die großartige und im Jahr 1986 noch vielfacher zu früh verstorbene Helga Anders ist hier in einer kleineren Rolle nochmals zu bewundern) wird diese Episode (m. E. zu recht) nicht sonderlich geschätzt.

Zu überzogen wirkt hier der Plot, irgendwie nehme ich Köster und Nolle die alten Kameraden nicht so recht ab (obgleich ich beide Schauspieler überaus schätze), und noch merkwürdiger scheint die Idee der Gangster, den Klassenkamerad auf Köster „anzusetzen“. Schade eigentlich, denn gerade beim Alten präsentierten sich ansonsten die Folgen, in denen Köster mit Personen aus seiner Vergangenheit konfrontiert wird, als ausgesprochene Highlights. Ich beziehe mich hier auf die herausragende und ähnlich betitelte Episode „Alte Kameraden“ von 1979 und die grandiose Brynych-Folge „Der Freund“ (1980) mit Walter Sedlmayer. Während diese sich Zeit nehmen, um den Verlauf des Psycho-Duells der beiden Hauptpersonen nachzuzeichnen und die verschiedenen Stadien schwankender Vertrautheit zu illustrieren, wirkt bei dieser Folge die beteuerte ehemalige Kameradschaft aufgesetzt, plakativ und wie das blockierende Stützrädchen an einem ohnehin eher schwachen Plot. Die große Konfrontation zwischen Köster und seinem Schulfreund findet statt, als beide gefesselt im Verlies liegen und von den Drogenbossen abgehört werden. Da bleibt wenig Raum für Zwischentöne.
Die Szenen in Nolles Laden erinnnern mich irgendwie immer ein wenig an den von mir ebenfalls eher ungeliebten Haferkamp-Tatort „Zwei Leben“.
Auch die „Action-Sequenzen“ zum recht verheißungsvollen Beginn verlaufen im wahrsten Sinne des Wortes recht schnell im Sande. Dass ausgerechnet die Bundeswehr mit Panzern die Leichen entdeckt und die Gangster bei ihrem Überfall stört, passt da ins Zerrbild und lässt mich doch merkwürdig kalt. Auch die kleinen Kabbeleien und Scherze rund um die Hierarchien und Animositäten innerhalb der Gangsterbande wirken recht aufgesetzt und unauthentisch.
Sehr authentisch wirkt dagegen Heymanns (sehr frei nach Edward Bond) „Trauer zu früh“ um den Ziehvater Köster und sein wiederholtes (und bisweilen Unmut unter den Kollegen hervorrufendes) Heraufbeschwören des Kösterschen Genies im Vergleich zur eigenen Ratlosigkeit. Dessen ungeachtet geht dann aber doch alles, ruck zuck, und fix sehr gut aus. Streng nach Bobby Dylan: Take the rag away from your face, now ain't the time for your tears.
Bewertung: langweilig, müde, konstruiert und überzogen.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

28.06.2011 12:22
#72 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

Folge 87: Die Tote im Schlosspark (1984)


Forderte ich in meiner letzten Derrick-Rezension (Fall „Risiko“) noch mehr Bildschirmzeit für Günther Ungeheuer, so kommt diese Folge aus der Reihe „Der Alte“ dem prompt nach. Doch genach, genach, neben Ungeheuer dürfen sich auch manch andere, vor allem und in erster Linie auch Martin Semmelrogge reichlich austoben. Und eins muss man ihm lassen, solche jugendlich-rebellisch und doch letztlich harmlose „unbedachte“ Charaktere wie hier Philipp Hammelt nimmt man ihm auch zu der Zeit Mitte der 80er noch ungeprüft gerne ab.

Überhaupt ist diese Episode irgendwie ausgewogen, versöhnlich. Regisseur Jürgen Goslar, der meiner Meinung nach vor allem mit seinen Beiträgen zu der Kriminalfilmreihe „Der Kommissar“ immer wieder für gebührend frischen Wind gesorgt hat und so ein durchaus sehenswertes Scherflein zum fortdauernden Prosperieren dieser Reihe beigetragen hat (aber auch sonst unbestritten seine Meriten im Krimibereich hat), wirkt auch hier segensreich und leistet hier ein schönes Quantum zur Qualitätserhaltung in der meiner Meinung nach zuweilen etwas kriselndes und lustlosen Köster-Spätphase noch einmal. Zwar wirkt dieser Fall längst nicht innovativ, und Goslar (der gleichzeitig auch als Drehbuchautor fungiert) scheint sich auch der Schwächen und Löcher seiner Geschichte bewusst zu sein und konzentriert sich statt dessen auf die Stärken: es entwickelt sich eine augenzwinkernd-nostalgische Folge, die nicht mehr sein will als sie ist, aber gerade deshalb Spaß macht. Es ging sicherlich nicht darum eine absolute Perle zu schaffen, dies mag zu seinen Kommissararbeiten noch eher der Fall gewesen zu sein, es ging Goslar wohl einfach um ehrliche und grundsolide Krimi-Unterhaltung. Und dies wird geliefert.
Denn wo liegen die Stärken des Drehbuches? Diese liegen in den atmosphärischen Schauplätzen, der anfänglichen mysteriösen Szenen am Flughafen, Hotel und vor allem im nächtlichen Schlosspark. Und diese sind so sorgfältig, betulich und liebevoll inszeniert, dass es gar nicht mehr schlimm ist, dass danach gar nicht mehr so viel passiert, dramaturgisch. Im Dezember 1984 erstmals ausgestrahlt, wird diese Folge den Erwartungen, die der Titel verheißt, an schönen Bildern zum Schwelgen in wohlig-moderatem Grusel vollauf gerecht, und mag auch damals schon sehr nostalgisch gewirkt haben.

Besonders schön: das Unwetter welches an die Fenster des Kommissariats peitscht, wo Köster und Heymann anfangs traut beisammen Dienst und ne ruhige Kugel schieben, um schließlich zum Mord gerufen zu werden.

Und da die Auflösung hier wirklich nicht sehr spektakulär ist, füge ich noch bei, dass Orgelmusik, vor allem in Schlössern und Parks (Mönche und Äbte, ich hör euch schleichen), und noch dazu, wenn diese vom Band kommt (kommt euch das auch alles etwas indisch vor, gerade?) ja doch einen schönen Wallace-Bezug darstellen. Dem Lowitz nehm ich den Kommissar aber trotzdem hier einmal wieder sehr gerne und dankbar ab.
Nach oben ist aber aufgrund der recht dünnen Story zwar noch genügend Spielraum, aber dennoch bleibt dies für mich eine leicht überdurchschnittliche Folge, die gerade innerhalb der späten Köster-Ära ein wahres Vergnügen für (nostalgische) Krimifans darstellt.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

14.07.2011 16:39
#73 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

DAS ATTENTAT
(Folge 102 / 7. März 1986)

Man merkt dieser frühen Kress-Folge deutlich die Bemühungen an, den neuen Kommissar einzuführen und vorstellen, ihm Ecken und Kanten, einen Hintergrund, Privatleben und eine Vergangenheit anzudichten. Das gelingt – auch durch die verschmitzt-freundlich lächelnde und einzelgängerische Art Rolf Schimpfs – insgesamt nachvollziehbar und glaubwürdig, wenn vielleicht etwas zu inflationär. Der Umgang mit seinen Assistenten – mit dem anhimmelnden Henry, den Kress aus Augsburg mitgebracht hat und dem zunächst skeptisch reservierten Gerd – will ebenfalls erst erprobt sein. Und der Fall schließlich, in den Kress so spektakulär gerissen wird, konfrontiert ihn auch mit „alten Kunden“ und den Schatten der Vergangenheit.

Als Fazit bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück – die Geschichte ist geschickt aufgebaut und enthüllt erst nach und nach ihre Geheimnisse, gleichzeitig schafft es Vogeler nicht durchgehend, die Spannung zu halten, macht sich sein Manko bemerkbar, lebensechte Charaktere zu erschaffen. Und Brynychs Regie, die dieses Fehlen auszugleichen versucht, schießt dabei immer wieder übers Ziel hinaus, sodass die durchaus gelungenen Abschnitte – Kameraführung, Selbstmordversuch, Explosion - immer wieder von Szenen gepflegter Langeweile und von nervtötenden Übertreibungen (Volker Eckstein) unterbrochen werden. Die talentierteren Darsteller holen das Mögliche aus ihren Rollen heraus, Herbert Stass und Sigfrit Steiner als alternde Kleinkriminelle am Abgrund, Peter Kuiper als wortkarger Attentäter, Enzi Fuchs als überrumpelte Zimmerwirtin, Jörg Hube als schlecht gelaunter Taxifahrer. Und Krimi-Kollege Wilfried Klaus darf schon mal für die Leitung einer SOKO üben.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

22.07.2011 17:12
#74 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten

SCHWEIGEN FÜR IMMER
(Folge 125, 12. Februar 1988)

Walter Renneisen holt Henry van Lyck, Zeuge des Staatsanwalts, vom Zug ab, gibt sich als zu seinem Schutz abgestellter Beamter aus. Man ahnt Schlimmes … So der Auftakt zu einer typischen Bruno Hampel-Geschichte, deren raffinierte Konstruktion die einstündige Laufzeit nicht ganz trägt – Leerlauf und Wiederholungen lassen sich nicht vermeiden, auch der finale Überraschungseffekt kündigt sich schon frühzeitig an, würde aber – unter anderen Vorzeichen – wohl auch im Handyzeitalter noch funktionieren. Hampels Dialoge glänzen durch eine feine Sprache, wenn er auch in dieser Hinsicht seinem Zunftkollegen Detlef Müller nicht ganz das Wasser reichen kann.

Leider bleibt Theodor Grädlers Regie insgesamt wieder zu phantasielos und hölzern, beschränkt sich mehr oder weniger aufs Abfilmen des Buches, ohne Akzente zu setzen, was die gelegentliche Langatmigkeit und Ausdehnung noch verstärkt. Atmosphärische Bilder entstehen in den spätherbstlichen Isarauen und in und um den schäbigen, abgewirtschafteten Gebrauchtwagenhandel, wenn auch sonst provinzielle Spät-80er-Jahre-Muffigkeit wirkliche Atmosphäre ersetzt.

Aufgefallen ist mir bei dieser Folge neuerlich Grädlers Talent für Schauspielerführung und die bis in kleine Rollen punktgenaue, typgerechte Besetzung, was neben der kriminalistischen Grundidee das große Plus dieser Kress-Episode darstellt: Walter Renneisen als kleiner Handlanger, der mit einer hektischen Unruhe versucht, die Turbulenzen in den Griff und seine alte Mutter Trude Breitschopf aus dem Weg zu bekommen, dabei jedoch immer tiefer in den kriminellen Sumpf gerät, Günter Mack als eloquenter Staatsanwalt, der gegen Windmühlen kämpft, besonders der großartige Wolfgang Wahl als etablierter Baulöwe, den die Sünden der Vergangenheit einholen. Leider taucht er erst sehr spät in der Handlung auf, in seinen wenigen Szenen spielt er seine Partner mit Leichtigkeit an die Wand.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 380

24.07.2011 11:36
#75 RE: "Der Alte" - Die ersten 22 Folgen 1977/1978 Zitat · antworten



VERWISCHTE SPUREN
(Folge 117, 29. Mai 1987)

Autor und Regisseur Günther Gräwert wandelt bei der Gestaltung dieser Folge auf den Spuren der Columbo-Reihe, als Fazit muss ich feststellen, dass ihm diese „Nachahmung“, wenn sie denn überhaupt eine beabsichtigte war, recht gut von der Hand ging. Demzufolge geht es auch nicht um das „Wer“ und nur begrenzt um das „Warum“, die Episode bezieht ihre Spannung einerseits aus den vielen ausgeklügelten Aktivitäten der Täterin mit dem Ziel, ihren Neffen in Verdacht zu bringen und andererseits aus der Frage, wie und ob es Kress und seinem Team gelingt, die Wahrheit zu enthüllen und einen Unschuldigen reinzuwaschen. Dass dabei eine Kleinigkeit sowie damals mehr oder weniger moderne technische Apparate den raffinierten Plan zum Scheitern bringen, ist ebenfalls eine sehr treffende Columbo-Reminiszenz.

Als Idealbesetzung erweist sich Rosel Zech, die einen glaubwürdigen Spagat aus kaltblütig und berechnend, hilfsbereit und zuvorkommend schafft, ihre elegante, kühle und immer tadellose Erscheinung zeigt auch am Ende keine Risse, was überraschenderweise ihre Motivation noch logischer erscheinen lässt. Spärlich sind die Angaben über ihr Leben, das sich scheinbar vorrangig um den Gedanken „Rache“ gedreht hat. Ebenso überzeugend Sven Eric Bechtolf, der unvermutet in einen Albtraum gerät, bis er schließlich resigniert. Gräwert gelingen gerade in seinem Zusammenhang einige inszenatorischen Glanzstücke, leise Szenen voller Aussagekraft. Duvals kraftvolle Musik wird passend dosiert.


ULTIMO
(Folge 118 / 26.06.1987)

Eher zufällig bin ich noch in diese Vogeler/Brynych-Folge geraten, die ich bereits von einer früheren Sichtung her gelinde gesagt als grausam in Erinnerung hatte – das hat sich leider beim Wiedersehen schmerzhaft bestätigt. Die Hauptschuld muss ich Vogeler zuschieben, dem es, wenn schon seine Charaktere meist eindimensional und total unsympathisch sind, sodass man sich mit jedweder Identifizierung schwer tut, oft gelang, zumindest eine raffinierte oder wenigstens spezielle Geschichte zu ersinnen, die ihren Reiz hatte. Das fehlt diesmal komplett, man wird mit einem quälend unspannenden, von vornherein glasklaren Firmen-Familien-Psychodrama um einen Mordanschlag konfrontiert, dem auch die guten Darsteller machtlos gegenüberstehen. Georg hat es an anderer Stelle schon treffend bemerkt: „eine Vergeudung von Talent“. Diesmal besonders jenem von Ulrich Haupt als Firmenpatriarchen und Christian Kohlund als seinen schwachen, hilflosen Sohn. Susanne Uhlen ist nett anzuschauen, übertreibt aber viel zu sehr, eine weitere typische Vogeler/Brynch-Karikatur ist der verklemmte Gerd Baltus als schwuler Buchhalter, der in einem seltsamen britischen Club verkehrt. In kleineren Rollen „Rehbeinchen“ Helma Seitz mit feuerrotem Haar als Zeugin und Christiane Hammacher als verhärmte Bürodame.

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