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Dieses Thema hat 591 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

07.04.2018 15:50
#586 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten



Der Kommissar: Der Mord an Frau Klett

Zitat von Der Kommissar: Der Mord an Frau Klett
Man hat sie weggeworfen wie eine alte Puppe: Die arbeits- und antriebslose Frau Klett, die zur Untermiete bei Nachtklubkellner Wachsner wohnte, wurde zunächst mit mehreren Messerstichen getötet und dann in einem Abfallcontainer entsorgt. Es zeigt sich, dass Wachsner und seine andere Mieterin, Frau Schilp, nach Frau Kletts Tod nun eine Heidenangst haben und falsche Angaben machen. Was ist ihr Geheimnis? Ein zweiter Weg zum Mörder führt über die Familie von Frau Klett, die sich in den letzten Jahren völlig auseinandergelebt hatte. Während ihr Mann sich mit dem Nachahmen von Tierstimmen über Wasser hält, sinnt ihr Sohn nach Rache für den Tod seiner Mutter ...


Es wird dem Zuschauer dieser Folge schwer gemacht, Mitleid für die Personen des gezeigten schäbigen Milieus zu entwickeln, da diese ihren Platz am unteren Ende der Gesellschaft nicht zu Unrecht einnehmen. Ihnen ist kein höheres Unrecht widerfahren; es ist ihre eigene Kraft- und Charakterlosigkeit, die sie in einem Ellenbogensystem nach unten „durchrutschen“ lässt. Frau Klett, ihr Mann und ihr Sohn gehören zu jenen Menschen, die bass erstaunt sind, wenn man ihnen die Frage stellt, warum sie eigentlich nicht arbeiten – weil sie auf diese Idee aus reiner Bequemlichkeit nie gekommen wären. So schlagen sie sich eher schlecht als recht durchs Leben und finden ihre „Endstation“ entweder auf dem Parkplatz des Tierparks Hellabrunn, unter der Wittelsbacher Brücke oder in der Wohnung von Kellner Wachsner, den Alfred Balthoff derart schmierig-wehleidig und dabei zugleich hinterhältig-verschlagen porträtiert, dass man ihm noch 40 weitere Leidensjahre als Kellner an den Hals wünscht.

Die tristen Lebensumstände werden leider in einer etwas provokanten Art vor die Kamera gehalten, sodass sie wie gewolltes Beiwerk wirken, was vor allem in den langen Monologen deutlich wird, die Balthoff auf dem Revier vor der Pensionsempfängerin in spe Rehbein hält. Sie bringen weder den Fall voran, noch tragen sie auf positive Weise zum Ausbau bestimmter Figuren bei. Was hingegen gut gelungen ist, ist die Verdeutlichung der Angst, die sich nach Frau Kletts Tod bei Herrn Wachsner und Frau Schilp bemerkbar macht. Schon das dreimalige Klingeln an der Tür – ein untrügliches Zeichen dafür, dass jemand zu Frau Klett will – versetzt sie in Aufruhr. Die Fragen der Polizei beantworten sie fahrig und ausweichend, greifen zu offensichtlichen Lügen und Verschleierungen. Hier wird ein solides Mysterium aufgebaut, das allerdings letztlich in eine Thematik mündet, die man beim „Kommissar“ zu häufig gesehen hat und die hier – auch dank schwacher Hintermänner – wenig beeindruckend wirkt.

Ebenso wie in „Das Ende des Humoristen“ spielt neben Balthoff auch hier bereits Hanns-Ernst Jäger eine tragisch-abgewrackte Rolle, die der des depressiven Komikers nicht unähnlich ist. Auch diesmal schreckt Jäger vor totaler Selbsterniedrigung nicht zurück und reist schon in seiner ersten Szene weit den Mund auf, um das Schreien eines Esels nachzumachen. Filmsohn Vadim Glowna spult eher unmotiviert das typische Sohn-will-Tod-des-Verwandten-rächen-Programm ab; seine Glanzstunde früher „Kommissar“-Tage ist eindeutig eher in „Auf dem Stundenplan: Mord“ zu verankern. Im Vergleich dazu prägt sich Mordopfer Ursula Klett, gespielt von Else Knott, deutlich mehr ein, weil ihre Fotografie immer wieder gezeigt wird und sie auch ein paar herbe, nicht wirklich vorteilhafte Kurzauftritte in Rückblenden hat.

Inmitten der Trostlosigkeit sucht das Team um Kommissar Keller nach Zerstreuung und Aufheiterung, nachdem ihnen die übel zugerichtete Leiche im Müllcontainer auf den Magen geschlagen ist. Vielleicht etwas zu verspielt, machen sie aus der Wahrheitsfindung diesmal einen Wettbewerb, in dem der Senior gegen seine Assistenten um den schnellsten Weg zur Lösung antritt. Stellenweise wähnen sich Walter, Robert und Harry uneinholbar weit im Vorsprung – Harry versteigt sich sogar zur Aussage „Es sieht ganz so aus, als sitzt der Chef auf dem falschen Dampfer“, was von Rehbein mit dem Kommentar „Das wäre das erste Mal“ abgebügelt wird. Am Ende müssen die jungen Büßer reuig feststellen, dass die Weisheit ihres Chefs wie üblich keine Grenzen kennt und viele Wege zur gleichen Zeit nach Rom – oder vielmehr in den Nachtklub „Remise“ – führen.

Die Geschichte einer Verliererin, die ihr Leben verwirkte, als sie an das große Geld kam, wird von Dietrich Haugk erstaunlich unrund präsentiert. Zwar liefert er am Ende ein temporeiches Finale, doch die Folge erweckt in Gänze wenig Anteilnahme oder Mitfiebern. Ein möglicher Grund hierfür ist der eher höhepunktslose Cast, dessen einzelne Mitwirkende man in anderen Folgen eindrucksvoller sah. Die markanten Klänge aus Peter-Thomas-Feder reichen nicht, um dem drögen Plot genug Leben einzuhauchen.

(3 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Kriminalhauptmeister Harry Klein, der ob der Kaltblütigkeit des Mörders Trost bei Rehbein und einem großen Bier sucht
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 73: Episode 25 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Dietrich Haugk. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Alfred Balthoff, Hanns-Ernst Jäger, Vadim Glowna, Else Knott, Hilde Volk, Laurence Bien, Siegfried Kretschmer, Ursula Barlen u.a. Erstsendung: 9. Oktober 1970.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

07.04.2018 20:35
#587 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten



Der Kommissar-Countdown: Zwischenwertung Box 2

Ich kann nur ein wenig entgeistert auf die Zahlen blicken, wenn ich bedenke, dass ich geschlagene dreieinhalb Jahre gebraucht habe, um mich durch die „Kommissar-Kollektion 2“ durchzuackern (Beginn im September 2014). Mehrfach hatte ich die Serie über lange Zeiträume aus der Hand gelegt, um sie dann wieder mit positiver Überraschung zur Hand zu nehmen. Das, was Ringelmann und Reinecker präsentieren, ist nämlich fast durchweg gute Krimi-Unterhaltung mit einigen absoluten Highlights („Der Moormörder“, „Traum eines Wahnsinnigen“), wobei sich in dieser Kollektion stärker als in ihren Vorgängern auch einige wenige wirklich schwache Folgen bemerkbar machen. Meine Rangliste bildet folglich das komplette Spektrum ab – jede mögliche Punktzahl habe ich in den 25 letzten „Kommissar“-Ermittlungen mindestens einmal vergeben. Meine zeitliche Prognose bezüglich eines möglichen „Kommissar“-Grandprix – vom Juni 2013! – muss ich allerdings selbst ob des Vorhabens, mir mit Kollektion 1 nicht so viel Zeit zu lassen, deutlich nach hinten korrigieren:

Zitat von Gubanov im Beitrag #416
Mit 97 Folgen? Ein Grandprix-Marathon wäre das. Und bitte erst, wenn ich mit der Serie durch bin. Dürfte so in zirka eins, zwei Jahren der Fall sein.



Dies ist meine persönliche Hitliste für die Fälle der zweiten Kollektion (Hut ab, Herr Becker!):

Platz 01 | ★★★★★ | Folge 43 | Traum eines Wahnsinnigen (Becker)
Platz 02 | ★★★★★ | Folge 29 | Der Moormörder (Becker)
Platz 03 | ★★★★★ | Folge 34 | Der Tote von Zimmer 17 (Becker)

Platz 04 | ★★★★☆ | Folge 32 | Die Anhalterin (Staudte)
Platz 05 | ★★★★☆ | Folge 49 | Ein Amoklauf (Becker)
Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 40 | Der Tod des Herrn Kurusch (Grädler)
Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 45 | Schwester Ignatia (Haugk)

Platz 08 | ★★★★★ | Folge 26 | Die kleine Schubelik (Tressler)
Platz 09 | ★★★★★ | Folge 42 | Ein rätselhafter Mord (Staudte)
Platz 10 | ★★★★★ | Folge 27 | Anonymer Anruf (Käutner)
Platz 11 | ★★★★★ | Folge 39 | Als die Blumen Trauer trugen (Haugk)
Platz 12 | ★★★★★ | Folge 46 | Überlegungen eines Mörders (Haugk)

Platz 13 | ★★★☆★ | Folge 35 | Lisa Bassenges Mörder (Staudte)
Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 30 | Besuch bei Alberti (Staudte)
Platz 15 | ★★★☆★ | Folge 28 | Drei Tote reisen nach Wien (Haugk)
Platz 16 | ★★★☆★ | Folge 41 | Kellner Windeck (Ode)

Platz 17 | ★★★★★ | Folge 44 | Die Tote im Park (Staudte)
Platz 18 | ★★★★★ | Folge 25 | Der Mord an Frau Klett (Haugk)
Platz 19 | ★★★★★ | Folge 33 | Lagankes Verwandte (Becker)
Platz 20 | ★★★★★ | Folge 47 | Tod eines Schulmädchens (Grädler)

Platz 21 | ★★☆★★ | Folge 36 | Tod eines Ladenbesitzers (Staudte)
Platz 22 | ★★☆★★ | Folge 48 | Toter gesucht (Grädler)

Platz 23 | ★★★★★ | Folge 38 | Grau-roter Morgen (Grädler)

Platz 24 | ★☆★★★ | Folge 31 | Ende eines Tanzvergnügens (Staudte)

Platz 25 | ★★★★ | Folge 37 | Die andere Seite der Straße (Grädler)

Jan Offline




Beiträge: 1.270

09.04.2018 22:52
#588 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Dieser Gesamtschau auf die zweite Box kann ich ziemlich zustimmen. Nur wenige Episoden stufe ich anders ein. Hierzu zählen "Drei Tote reisen nach Wien" und "Der Tod des Herrn Kurusch" ebenso wie "Das Ende eines Tanzvergnügens".

So sieht meine Liste aus:

Platz 01 Traum eines Wahnsinnigen (Becker)
Platz 02 Ein Amoklauf (Becker)
Platz 03 Der Moormörder (Becker)
Platz 04 Der Tote von Zimmer 17 (Becker)
Platz 05 Drei Tote reisen nach Wien (Haugk)
Platz 06 Die Anhalterin (Staudte)
Platz 07 Schwester Ignatia (Haugk)
Platz 08 Die kleine Schubelik (Tressler)
Platz 09 Anonymer Anruf (Käutner)
Platz 10 Ende eines Tanzvergnügens (Staudte)
Platz 11 Ein rätselhafter Mord (Staudte)
Platz 12 Kellner Windeck (Ode)
Platz 13 Die Tote im Park (Staudte)
Platz 14 Lisa Bassenges Mörder (Staudte)
Platz 15 Besuch bei Alberti (Staudte)
Platz 16 Überlegungen eines Mörders (Haugk)
Platz 17 Der Mord an Frau Klett (Haugk)
Platz 18 Lagankes Verwandte (Becker)
Platz 19 Tod eines Schulmädchens (Grädler)
Platz 20 Der Tod des Herrn Kurusch (Grädler)
Platz 21 Tod eines Ladenbesitzers (Staudte)
Platz 22 Als die Blumen Trauer trugen (Haugk)
Platz 23 Toter gesucht (Grädler)
Platz 24 Die andere Seite der Straße (Grädler)
Platz 25 Grau-roter Morgen (Grädler)

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

10.04.2018 19:08
#589 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Hey, da sind wir ja wirklich ziemlich d'accord - mit Ausnahme der wenigen genannten Folgen und vielleicht auch "Als die Blumen Trauer trugen". Ganz klar ist hier Wolfgang Beckers Stärke und eine vergleichsweise schwache Phase für Theodor Grädler.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

21.04.2018 15:15
#590 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten



Der Kommissar: Eine Kugel für den Kommissar

Zitat von Der Kommissar: Eine Kugel für den Kommissar
Schüsse peitschen über die abendliche Straße mitten in den Vorgarten des Ehepaars Keller hinein. In der Schusslinie: der Kommissar selbst. Mit einer leichten Verletzung am Arm geht die Sache für den Kriminaler glimpflich aus, aber auf das missglückte Attentat folgt bald ein einschüchternder Anruf, der einen weiteren, diesmal tödlichen Anschlag ankündigt. Weil die Polizei zunächst ratlos scheint, sucht die Kommissarsgattin rasch Unterstützung beim hilfsbereiten Spitzel Diebach. Diebach merkt, dass mit den Gaunern, die die Kugel für den Kommissar abfeuerten, nicht zu spaßen ist – doch da gibt es für ihn und Franziska Keller schon keinen Weg mehr zurück ...


Dass es Schurken gibt, die es aus Rache auf das Leben von Kommissar Keller abgesehen haben, ist bei dessen autoritärer, bisweilen selbstgerechter Art wenig verwunderlich. Wie schnell es in „Eine Kugel für den Kommissar“ jedoch ans Eingemachte geht, kommt schon überraschend, denn das Attentat erfolgt noch vor der Titeleinblendung der Folge. Dadurch dass die Unbekannten ihre Schießübungen unmittelbar vor Kellers Haustür durchführen, gerät der Fall von Anfang an sehr persönlich. Die erste Lagebesprechung findet prompt im heimischen Wohnzimmer statt und der Verletzte fürchtet in Anbetracht des Ansturms seiner Bürokollegen, anbauen zu müssen. Bemerkenswert in dieser Szene ist, dass die vier geschulten Ermittler alle nicht auf die Idee kommen, die Rolläden zu schließen, worauf erst Helga die Herren hinweisen muss. Auch später legt Herbert Keller eine wagemutige, ja selbstmörderische Gleichgültigkeit gegenüber den Schützen an den Tag, als er sich am helllichten Tage allein auf offener Straße bewegt. Bestünde die Bande um die Rosse-Brüder nicht aus elenden Dilettanten, wäre nach 24 Folgen „Kommissar“ wohl Schluss gewesen ...

Die langen Szenen im Haus der Kellers sowie die offensichtlich konstruierten Telefonanrufe mit diversen verräterischen Geräuschen im Hintergrund tragen nach dem fixen Intro leider nur wenig zur Spannungssteigerung bei. Auch Franziska Kellers erste Kontakte zum Spitzel Diebach ziehen sich ein wenig. Es wird sich gegenseitig beschnüffelt und soziale Unterschiede gewinnen die Oberhand gegenüber dem eigentlichen Anliegen der Hobbydetektivin. Das wird später ausgebügelt, weil sowohl die Szenen im Billardraum der verdächtigen Kneipe als auch beim Einbruch in die Wohnung des Unterweltlers Leppich sehr stimmige Momente der Bedrohung kreieren. Alles in allem gestalten sich Plot und Inszenierung dennoch nur durchschnittlich, weil sowohl Realitätssinn als auch starke Verbrecherfiguren weitgehend fehlen. Löwitsch darf als prolliges Alphatier zwar sein Revier am Billardtisch markieren, die Rückbezüge zum „Fall Helga König“ wirken aber pflichtschuldig und wenig überzeugend, sodass die Rosses und ihr Komplize Leppich letztlich wenig Substanz aufweisen. Den eigentlichen Schützen sieht man sogar erst in der letzten Szene – seine stumme Rolle, die sich darauf beschränkt, eine Pistole in Händen zu halten und am Ende tot aus dem Fenster zu baumeln, übernahm pragmatischerweise Aufnahmeleiter Harald Vohwinkel (der Kenner fühlt sich an ähnliche in Mörderkostüme gesteckte Crewmitglieder bei den Edgar-Wallace-Filmen erinnert).

Für Rosemarie Fendel bedeutete „Eine Kugel für den Kommissar“ den Abschied aus der Serie. In sieben anderen Folgen war sie als eher unauffällig-untertänige Ehefrau des paternalistischen Ermittlers zu sehen – für „Eine Kugel für den Kommissar“ gestattete ihr der ähnlich traditionell gesinnte Herbert Reinecker einen etwas umfangreicheren, selbstbestimmten Schwanengesang. Während Fendel im Gespräch mit ihrem Gatten aufdringlich naiv wirkt, entfaltet sie im Zusammenspiel mit Harald Juhnke im Laufe ihrer gemeinsamen Szenen eine gewisse komödiantische Chemie, die sich nicht zuletzt aus der Unglaubwürdigkeit der Situation und beider Rollen speist. Für die Serienlogik war das plötzliche Ausscheiden und Verleugnen der Fendel-Rolle vielleicht ein empfindlicher Schnitzer (man hätte sie wenigstens hier und da erwähnen können); aus rein erzähldramaturgischer Sicht heraus muss man Franziska Keller hingegen keine Tränen nachweinen.

Action und Emotionen gehen in „Eine Kugel für den Kommissar“ vor Logik und Wahrscheinlichkeit. Die Episode hält schöne Rollen für alle regulären Teammitglieder bereit, vergisst darüber aber stellenweise die stringente Entwicklung der Handlung, die letztlich als etwas lapidar enttäuscht, wenngleich Spannung und fiese Typen, Angst- und Trinkanlässe reichlich vorhanden sind.

(3,5 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Kommissar Herbert Keller behandelt seine überengagierte Frau wie Luft
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 74: Episode 24 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Erik Ode. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel. Unter Verdacht: Harald Juhnke, Klaus Löwitsch, Horst Michael Neutze, Gerd Günter Hoffmann, Angelika Zielke, Helga Endler, Johannes Buzalski, Harald Vohwinkel u.a. Erstsendung: 18. September 1970.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

23.04.2018 18:00
#591 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten



Der Kommissar: Tödlicher Irrtum

Zitat von Der Kommissar: Tödlicher Irrtum
Mitten in der Nacht will ein Mann bei Pfarrer Krüger beichten: Er habe einen Mord auf dem Gewissen – den an der Unternehmerin Maria Dönhoff. Der Haken: Frau Dönhoff lebt, aber ihre Näherin wurde erwürgt ... ein tödlicher Irrtum! Da der Pfarrer zum Schweigen verpflichtet ist, bleibt die Aufgabe, den Mörder zu finden, an Kommissar Keller hängen. Er und sein Team begegnen den Schmarotzern, die Frau Dönhoff um sich schart, mit äußerstem Misstrauen. Einer von ihnen ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der gesuchte Killer. Und er könnte seine Tat wiederholen ...


Reinecker entwarf mit „Tödlicher Irrtum“ eine Blaupause für diverse später folgende Krimi-Episoden ähnlicher Färbung, in denen Mördersuche und Beichtgeheimnis gegeneinander ausgespielt werden. Seine Inspiration dazu dürfte aus dem Alfred-Hitchcock-Universum mit dessen Film „I Confess“ von 1953 entlehnt sein. Im Gegensatz zu Hitchcocks Drama gelang es Reinecker und Regisseur Wolfgang Becker jedoch, den Fall trotz anfänglich gezeigter Nachtbeichte als Whodunit aufzubauen, was der Auftaktszene einiges an Kamera- und Beleuchtungsraffinesse abforderte. Die düsteren Bilder, die Rolf Kästel durch geschlossene Fensterläden und Beichtstuhlvorhänge schoss, schaffen eine faszinierende Stimmung, die im Hause Dönhoff leider nicht ganz lückenlos aufrechterhalten werden kann. Dort, in Agnes Finks Refugium, herrschen Misstrauen und Anspannung, aber es machen sich eben auch einige Längen bemerkbar. Unter den frühen Wolfgang-Becker-Inszenierungen muss „Tödlicher Irrtum“ deshalb schlussendlich als eine der durchschnittlicheren Folgen gelten.

Agnes Fink schafft es, einigen Leerlauf in der Folge allein mit ihrer nonchalanten Art, eine Zigarettenspitze zwischen den Zähnen zu balancieren, auszugleichen. Ihr Charakter Maria Dönhoff wird von anderen als eine Frau mit herber Ausstrahlung und unterkühlten Umgangsformen beschrieben – die Vorurteile altvorderer Besserwisser gegenüber arbeitenden Frauen brechen sich in einigen Bemerkungen, die Reinecker den Figuren in den Mund legte, Bahn. Aber gerade in dieser Hinsicht ist der gescheiterte Mord ein willkommener Anlass zur Offenheit: Die Beteiligten legen das Arrangement mit dem Alltag und die routinierte Höflichkeit einander gegenüber ab und beginnen in dem gleichen Maße, in dem Maria Dönhoffs Angst steigt, Tacheles zu reden. Gerade weil die Herren, welche die Todgeweihte umgeben, wenig eigene Lebensleistung vorzuweisen haben, wirken ihre Trotzreaktionen im Wesentlichen unsympathisch und tragen folglich bestens dazu bei, Verdachtsmomente zu nähren. Dabei bringen sich vor allem Anton Diffring und Thomas Astan auf zwielichtige Weise ein, während Konrad Georgs Figur eher Füllcharakter besitzt und es in Ermangelung eines fahrbaren Untersatzes nächtens kaum bis zu Pfarrer Krügers abgelegener Dorfkirche geschafft hätte. Tony Stahls interessanter Hausbursche steht leider nicht auf Augenhöhe mit den anderen Bewohnern. Das absolut herausragendste Kabinettstück wird im Gegenzug von Kurt Ehrhardt präsentiert, der den greisen und schwerhörigen, aber absolut listigen Steuerberater, der von allen unterschätzt wird, mit verschmitzter Verachtung spielt. Kurioserweise nistet sich so gerade eine weitere Person, die als potenzieller Täter sehr unwahrscheinlich gilt, besonders nachhaltig in den Hinterkopf der Zuschauer ein.

Das Kommissar-Team braucht diesmal seine eigenen Köpfe nicht sonderlich zum Rauchen zu bringen, weil es einfach immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Durch die Konstruktion mit der vorgelagerten Beichte sind Walter und Robert sogar schon beim Leichenfund persönlich anwesend – eine interessante Abwechslung. Die beiden scheinen zudem einen Clown gefrühstückt zu haben, ziehen sie Harry doch äußerst genüsslich mit dessen verspätetem Erscheinen im Büro auf. Wenig logisch kombinieren die Ermittler dagegen, als es um die Wiederholung des Attentats auf Frau Dönhoff geht: Obwohl der Pfarrer ausführlich von aufrichtiger Reue und Ekel vor der eigenen Schandtat beim Mörder berichtet, zweifeln die Polizisten keine Sekunde daran, dass er noch einmal zuschlagen wird – das passt nicht ganz zusammen und passiert am Ende ja auch nicht. Dadurch dass es dennoch ein rasantes Finale gibt, bleibt ein insgesamt positiver Eindruck zurück, in dem glücklicherweise untergeht, dass das Tatmotiv des Würgers gelinde gesagt hanebüchen ist.

Unter den vielen Beicht-Krimis von Herbert Reinecker nimmt „Tödlicher Irrtum“ die vielleicht nicht inhaltlich stärkste, aber wohl atmosphärisch am meisten an Hitchcocks „I Confess“ erinnernde Position ein. Das schwarzweiße Gewand steht der Folge ausgesprochen gut. Die Besetzung ist zwar nicht übermäßig prominent, bleibt aber als passend und stimmungsfördernd markant in Erinnerung, was über manche Länge und Unebenheit hinwegblicken lässt.

(4 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Robert Heines – er durchsucht nicht, er orientiert sich nur
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 75: Episode 23 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Wolfgang Becker. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Agnes Fink, Anton Diffring, Ullrich Haupt, Kurt Ehrhardt, Konrad Georg, Dieter Kirchlechner, Thomas Astan, Tony Stahl u.a. Erstsendung: 26. Juni 1970.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.214

Gestern 20:15
#592 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten



Der Kommissar: Tod eines Klavierspielers

Zitat von Der Kommissar: Tod eines Klavierspielers
In panischer Aufregung rennt Werner Fellner auf sein Pensionszimmer, um die Polizei anzurufen. Damit scheint sein Verfolger ganz und gar nicht einverstanden zu sein – durch die geschlossene Tür hindurch erschießt er Fellner. Obwohl der Pensionswirt angibt, niemanden gesehen zu haben, führt die Spur über eine andere Mieterin, die Kellnerin im Nachtlokal Pacific ist, in eben jene Spelunke, in der sich auch der Berufsverbrecher Harro Bosche aufhält. Hat Fellner vor seinem Tod gemeinsame Sache mit Bosche gemacht? Und was führt der nonchalante Schurke jetzt im Schilde?


Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

Michael Kehlmanns einziger „Kommissar“ beginnt mit großem Paukenschlag mit einer der einprägsamsten Prä-Titelsequenzen, in der der verfolgte Werner Fellner durch Münchens geschäftige Straßen rennt und auf sein Pensionszimmer flüchtet. Man wähnt ihn in Sicherheit, sobald er die Tür hinter sich zugeschlossen hat; doch gerade diese trügerische Erleichterung macht die Schüsse, die dann urplötzlich durch das Holz hindurchgefeuert werden, umso dramatischer. In einer hinreißend geschickten Aufnahme zeigt Kehlmann zunächst die unversehrte Tür, an die Fellner seinen Kopf legt, und dann – ohne Schnitt! – das Absacken des leblosen Körpers mit plötzlich aufgetauchter Wunde an der Schläfe und Schusslöchern im Furnier. Auch in späteren Szenen demonstriert Kehlmann Kunstfertigkeit, wenngleich er sich andererseits leider nicht als Spannungsregisseur empfiehlt. Im Gegenteil: Nach dem dynamischen Auftakt driftet das Geschehen sehr bald in einen unambitionierten Dämmerschlaf ab, was vor allem dem wenig einfallsreichen Script von Herbert Reinecker anzulasten ist. Alles, was dem Autor zum Fall des toten Klavierspielers einfiel, sind stereotype Halbwelt-Charaktere, die man anderweitig überzeugender präsentiert bekam.

Schnell als besonders nervig entpuppt sich Dauer-Schmollerin Ingrid Andree, deren Kellnerin Sabine Körner sich so offenkundig deprimiert gibt, dass ihre Weigerung, Auskunft über ihre Beziehung zu Fellner zu geben, wie ein aufgesetztes Kokettieren wirkt. Andree war meist sehr speziell und überspannt den Bogen des guten Geschmacks auch hier wieder ein bisschen zu sehr, sodass man sich gedanklich schon ein wenig aus dem Reigen der übertriebenen Gefühle verabschiedet hat, bevor der große Zampano Günther Ungeheuer nach über 20 Minuten überhaupt die Bühne betritt. Wenn Ungeheuer eines bis zur Perfektion gebracht hat, dann halbseidene Oberschurken – aber sein Harro Bosche trägt (abseits seines kuriosen Namens) kaum Merkmale, die ihn von anderen Unterweltkönigen beliebiger ZDF-Serienfolgen abgrenzen. Aus eben jenem Grund erscheint auch seine menschelnde Anwandlung in der Auflösungsszene, in der er sich für jemand anderen in die Bresche wirft, unglaubwürdig. Ein typischer Fall flacher und uninteressanter Charakterisierung, in dem auch die agatha-christie-ähnliche Täterkonstruktion (nicht der von Anfang an schuldig geglaubte Verfolger war der Mörder) sang- und klanglos untergeht.

Da auch Sujet und Settings der Folge weitgehend unspektakulär sind, liegt es an den Nebenrollen, für gelegentliche Abwechslung und Erheiterung zu sorgen. Dies schaffen vor allem Georg Lehn als „Angsthase vom Dienst“ und Berta Drews als energische Mutter eines Verdächtigen. Auch Helgas kurze Intermezzi am Klavier sollten erwähnt werden. Nachdem diese Elemente aber nur einen Bruchteil der Spielhandlung einnehmen, bleibt „Tod eines Klavierspielers“ unterm Strich einer der besonders harm- und reizlosen „Kommissar“-Ausflüge. Da hilft auch die nächtliche „Unterwelt“-Verfolgung nicht, die Robert in der Kanalisation und einem auf mysteriöse Weise damit verbundenen Fabrikgebäude aufnimmt. Umso verwunderlicher erscheint es, dass Reinecker für die Verschriftlichung einiger Folgen des 1970er-Jahrgangs im Rahmen von fünf Fortsetzungsromanen für die Zeitschrift „TV Hören und Sehen“ unter anderem „Tod eines Klavierspielers“ auswählte.

Ein blutleerer Fall mit wenig interessanten Verdächtigen. Harro Bosche bleibt trotz „ungeheu(r)er“ Besetzung ein reines Abziehbild anderer Gangsterfiguren. Der Nachtklub Pacific und die Pension in der Goethestraße taugen nicht als Hintergrund für große Dramen, sodass Ingrid Andrees Darstellung überkandidelt wirkt und eher auf die Nerven fällt. Man muss hier nach den kleinen Alternativbefriedigungen suchen und hätte Michael Kehlmann deshalb gern einen zweiten Versuch mit besserer Drehbuchgrundlage gewünscht.

(2,5 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Robert Heines auf Einbrecherjagd in dunklen Treppenhäusern
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 76: Episode 22 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Michael Kehlmann. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz. Unter Verdacht: Ingrid Andree, Günther Ungeheuer, Berta Drews, Karin Heym, Manfred Spies, Wolfgang Zerlett, Felix Franchy, Georg Lehn u.a. Erstsendung: 5. Juni 1970.

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