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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

16.10.2016 15:06
#571 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



Trotz aller Behaglichkeit, die der Konsum einer Erfolgsreihe wie "Der Kommissar" beim heutigen Publikum auslöst, darf nicht vergessen werden, dass die Serie damals Neuland beschritt. Action und Spannung kamen in den Sechziger Jahren aus Amerika oder England, eine durch und durch deutsche Kriminalreihe hatte es noch nicht gegeben. Umso bemerkenswerter, dass die Serie dem breiten Fernsehpublikum immer wieder Nüsse zu knacken gab, welche die bundesbürgerliche Normalität ad absurdum führten und spleenige Außenseiter zu den Sehnsuchtsgestalten der Episoden machten. In 97 Folgen begegnet man regelmäßig Charakteren, die kauzig, rebellisch, merkwürdig und faszinierend erscheinen und so gar nicht dem Durchschnitt entsprechen. War es ein Zeichen der Auflehnung gegen die Erwartungen des Publikums, die Herbert Reinecker veranlasste, solche Figuren in seine Drehbücher zu schreiben? Wollte er provozieren oder schockieren? Warum umgibt gerade diese Rollen ein besonderer Zauber, der auch heute noch wirkt und wie ein Traumbild im Alltagsgrau erscheint? Denkt man an die Serie "Der Kommissar", so fallen einem unwillkürlich immer auch die bizarren Typen ein, die dort auftauchen und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Sei es nun der Hippie "Teekanne" (15/1969 "Der Papierblumenmörder"), der kein einziges Wort spricht, dessen anrührende Präsenz jedoch wie der Schuss am Ende lange nachhallt. Oder die schöne Ilo Kusche (31/1971 "Ende eines Tanzvergnügens"), die Unheil über alle Männer bringt und dabei scheinbar ungerührt bleibt. Ulrike Durich (33/1971 "Lagankes Verwandte") sieht mit großen Augen in die Kamera und gibt ebenso Rätsel auf wie Herta Panse (11/1969 "Die Schrecklichen"), die gleichfalls nach einem Ausweg aus der Enge des Elternhauses sucht. Natürlich gibt es vor allem in den von Zbynek Brynych inszenierten Episoden "sonderbare" Menschen, aber auch andere Regisseure zeigen ungewöhnliche Figuren "am Rande der Ereignisse".

Mabuse Offline




Beiträge: 381

18.10.2016 21:20
#572 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Nur zur Info: Bei amazon wird die Kommissar Komplettbox mit allen bisher erschienen DVDs für 49,97 Euro angeboten. Aktionspreis zu den 7 Tage DVD Tiefpreise - billiger geht's nimmer. Ich hab dann mal zugeschlagen

https://www.amazon.de/Kommissar-Komplett...sar+komplettbox

Jan Offline




Beiträge: 1.753

18.10.2016 21:41
#573 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Wer da nicht zugreift, dem ist kaum zu helfen. Leider habe ich schon lange die Einzelboxen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch in der Gesamtbox die drei Episoden "Anonymer Anruf" (27, Käutner), "Das goldene Pflaster (83, Becker) und "Der Mord an Dr. Winter" (87, Schaaf) weiterhin nicht enthalten sind. Zumindest "Anonymer Anruf" und "Der Mord an Dr. Winter" sind wohl schon einmal wiederholt worden bei 3Sat - es gibt aber wohl zur DVD-Veröffentlichung Rechteprobleme mit den Nachfahren beteiligter Schauspieler.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

18.10.2016 22:06
#574 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Das sind ja alles keine besonderen Neuigkeiten; auch 50 Euro für die Komplettbox gab's schon häufiger. Es scheint sich mittlerweile um eine Neuauflage zu handeln: Amazon listet als Erscheinungstermin den 02.09.2015; die originäre Komplettbox kam schon am 07.10.2011. Mich würde da interessieren, inwiefern sie ggü. der Erstauflage abgespeckt wurde. Sind die DVDs nach wie vor in Digipaks untergebracht? Gibt's die Booklets noch? etc.

Peter Ross Offline



Beiträge: 2.000

19.10.2016 21:25
#575 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Die "alte" Kommissar-Box war hochwertiger und hatte 4 Bonus DVD on top mit drin (insgesamt nicht 24 sondern 28 DVD). Die neue Box ist einfacher gehalten.

Bisher lag der tiefste Preis am 17.05.16 bei 59 Euro, daher ist das aktuelle Angebot schon sehr gut.
Die "alte" Kommissar-Box mit 28 DVD gab es am 18.11.2013 direkt bei Amazon für 54,97 Euro, das war der jemals billigste Preis.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

19.10.2016 21:57
#576 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Also noch lighter als vermutet, diese Variante. Naja, wer nicht schnell zugreift, den bestraft manchmal das Leben. - Deine Preisargumentation mag für Amazon und seine im DVD-Bereich selten wettbewerbsfähigen Preise gelten, aber Georg hatte z.B. schon am 17. Oktober 2013 bei Weltbild das gleiche Angebot gemeldet. Die Aufmachung damals scheint ja ähnlich zu dem zu sein, was man heute auch geboten bekommt.

Jan Offline




Beiträge: 1.753

19.10.2016 23:41
#577 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Frühere Preise hin, Bonusmaterial her: 50 Euro für 94 Episoden dieser hochkarätigen Reihe sind ja ein Witz. Ehrlich gesagt bin ich einigermaßen überrascht, dass bei den Einzelboxen derart viel Bonusmaterial dabei ist. Wenn überhaupt, dann habe ich das vor Jahren mal auszugsweise angesehen und dann wieder vergessen. Viel wichtiger fänd' ich mal, dass die drei noch ausstehenden Episoden veröffentlicht würden. Zwar gibt's mindestens die Käutner-Episode auch bei youtube, jedoch lässt da die Qualität selbst für meine Ansprüche recht deutlich zu wünschen übrig.

Gruß
Jan

Peter Ross Offline



Beiträge: 2.000

20.10.2016 07:57
#578 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #576
Also noch lighter als vermutet, diese Variante. Naja, wer nicht schnell zugreift, den bestraft manchmal das Leben. - Deine Preisargumentation mag für Amazon und seine im DVD-Bereich selten wettbewerbsfähigen Preise gelten, aber Georg hatte z.B. schon am 17. Oktober 2013 bei Weltbild das gleiche Angebot gemeldet. Die Aufmachung damals scheint ja ähnlich zu dem zu sein, was man heute auch geboten bekommt.

Weltbild hatte die Box teilweise unter 50 Euro im Angebot, aber auch diese Box ist nicht die 28 DVD Version. Hierbei handelte es sich um eine Weltbild-Edition, die ebenfalls einfacher verarbeitet war. Hin oder her, ich bin mit meiner 28 Version ganz zufrieden und habe mir die 3 fehlenden Folgen für mich selber auf DVD gebrannt und dazu gelegt.

Ray Offline



Beiträge: 1.933

10.06.2017 13:36
#579 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Mabuse im Beitrag #572
Nur zur Info: Bei amazon wird die Kommissar Komplettbox mit allen bisher erschienen DVDs für 49,97 Euro angeboten. Aktionspreis zu den 7 Tage DVD Tiefpreise - billiger geht's nimmer.
https://www.amazon.de/Kommissar-Komplett...sar+komplettbox


Geht es wohl, aktuell unter 40 €...


https://www.amazon.de/Kommissar-Komplett...s=der+kommissar

Fräulein Janine Offline




Beiträge: 130

10.06.2017 23:38
#580 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Das ist mal ein toller Tipp, danke

Havi17 Offline




Beiträge: 3.768

11.06.2017 19:30
#581 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Weiß jemand was es mit den Folgen 83 und 87 auf sich hat?

Gruss
Havi17

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

12.06.2017 20:42
#582 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 83 liegt im Giftschrank des ZDF, nachdem es nach der Erstsendung wegen des Inhalts der Folge Verwicklungen mit türkischen Diplomaten gab. Folge 87 ist wegen ungeklärter Urheberrechtsfragen ebenso wie Folge 27 nicht in der "Komplett"-Box enthalten (Probleme mit den Nachkommen der Regisseure).

Havi17 Offline




Beiträge: 3.768

13.06.2017 19:20
#583 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Danke Dir!

Gruss
Havi17

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

06.04.2018 17:15
#584 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Meine Güte, ist mein letzter „Kommissar“ schon lang her! Höchste Zeit, wieder einmal in die Ettstraße der frühen Siebziger zu äugen. Rehbein bietet diesmal sogar eine Wolldecke für Übernachtungen im Präsidium an ...



Der Kommissar: Anonymer Anruf

Zitat von Der Kommissar: Anonymer Anruf
An einem einzigen Abend ändert sich das Leben von Kurt Gersdorf von Grund auf. Zuerst erhält er einen anonymen Anruf, der seine Frau der Untreue bezichtigt. Gersdorf rast zum Haus seines Onkels, der der Liebhaber sein soll, nur um dort in dessen Ermordung verwickelt zu werden. Jemand hat ihm eine ganz geschickte Falle gestellt. Alle Indizien weisen auf Gersdorf, sogar die verwendete Pistole gehört ihm selbst. Dem Kommissar ist der Fall zu offensichtlich. Der Tote, Gregor Stein, hatte schließlich eine ganze Reihe von Feinden. Gut möglich, dass einer von ihnen auf die Idee kam, Stein aus der Welt zu schaffen und Gersdorf als Sündenbock herhalten zu lassen ...


Wie zufällig lässt Helmut Käutner die Kamera über das schummrige Münchner Häusermeer gleiten, bevor sie sich ein Dachfenster aussucht und hinter diesem den Auftakt eines soliden Krimirätsels in Szene setzt. Die erste Szene etabliert einen jener Kriminalfälle, in denen der Zuschauer der Polizei insofern voraus ist, als er die unwahrscheinliche Aussage des Hauptverdächtigen aus eigener Anschauung heraus bestätigen kann, was ihn zu einem Verbündeten gegen die Ermittler macht. Kurioserweise wird aus dieser Ausgangslage jedoch wenig Profit geschlagen, da Kommissar Keller – obwohl sich Kurt Gersdorfs Geschichte wahrlich abenteuerlich anhört – sofort bereit ist, dem wenig vertrauenswürdigen Martin Lüttge zu glauben. Dieser weist mit langen Haaren und studentischem Arbeits- und Geldmangel diverse Insignien eines unzuverlässigen Tunichtguts auf, erscheint aber durch die perfide Falle, in die er gelockt wurde, in einem durchaus positiven Licht. Lüttge spielt sich in den Szenen, in denen er merkt, dass es ihm an den Kragen zu gehen droht, regelrecht in Rage und scheut nicht die offene Auseinandersetzung mit Kontrahenten, noch bevor diese ihrer Gegnerschaft überhaupt in Worte fassen können.

Ein wenig bedauerlich ist, dass man sich ob des Drehorts der Villa Ahlsen als wenig kreativ erwies, obwohl diese im Komplott gegen Kurt Gersdorf gewissermaßen eine heimliche Hauptrolle spielt. Man sieht ausgiebige Aufnahmen des mittlerweile abgerissenen Gebäudes in der Thalkirchner Heilmannstraße 23, die auch bereits der Folge 23, „Tödlicher Irrtum“, ihr prägnantes Flair verlieh. Auch anderweitig demonstrieren weder Reinecker noch Käutner besonderen Erfindungsreichtum, sondern stützen sich auf erprobte Kniffe des Genres, z.B. einen hohen Anteil an Befragungsarbeit, das Einbeziehen typischer Verdächtigenfiguren und Motive sowie eine Aufklärungsszene, in der Kommissar Keller alle Beteiligten am Tatort versammelt und nacheinander mögliche Schuldszenarien andeutet. Das ist stimmungsvoll, aber auch ein bisschen trocken und wirkt stellenweise bemüht – gerade dort, wo sich kleinere Stolperfallen auftun, wie etwa beim erst im letzten Moment aus dem Hut gezauberten wahren Grund für den Mord an Gregor Stein.

Neben Lüttge drücken vor allem Gerlinde Locker mit dem stillen Porträt einer ungewöhnlich „aufopferungsvollen“ Gattin sowie Friedrich Joloff als amüsierter Erzfeind Steins und Hanne Hiob in der Rolle einer zunächst sehr verhuschten und später dann verdächtig selbstsicheren Haushälterin der Folge ihren Stempel auf. Gern hätte man auch Szenen mit einem noch lebenden Gregor Stein gesehen, um selbst überprüfen zu können, ob dieser so ekelhaft war, wie die Beschreibungen der Verdächtigen es vermuten lassen. Auch das Ehepaar Busse, dargestellt von Jürgen Goslar und einer von Rose-Marie Kirstein nachsynchronisierten Dunja Rajter, hätte etwas mehr Fleisch auf die Rippen gehängt bekommen können, um nicht ganz so offensichtlich als Hüter einer eher mittelmäßig versteckten Wahrheit aus dem Gesamtbild zu ragen. Bleibt Paul Edwin Roth, der als geschäftsreisender Lüstling alte „Kommissar“-Klischees bedient und in der Ausstrahlungsreihenfolge Zuschauer schon einmal auf die erotischen Ausflügler der kommenden Folge vorbereitete.

Abschließend ein Blick zurück auf den Titel: Der „anonyme Anruf“ baut eine sehr interessante Stimmung auf, wenngleich findige Stimmkenner das Telefonat freilich als Spoiler bezüglich der Täteridentität empfinden werden. Wer nicht gar so stimmaffin ist, dem wird der Anrufer nicht sofort bekannt sein, zumal zwischen dem anfänglichen Gespräch und dem ersten „richtigen“ Auftritt der entsprechenden Figur ausreichend Zeit ins Land geht. Dadurch bewahrt sich die Folge ihren Rätselfaktor, von dem sie als klassischer Whodunit ohne wirklich mutige Besonderheiten auch großteils lebt.

Heutzutage hätte die Nummernanzeige seines Telefons Kurt Gersdorf gewarnt: Bei einer unbekannten Rufnummer kann am anderen Ende der Leitung nur ein Werbetreibender oder ein heimtückischer Mörder lauern. Martin Lüttge lernt die Lektion auf hartem Wege, während die Ermittler um Kommissar Keller ihre Routine im Umgang mit einem süffisanten Joloff, einer geflissentlichen Hiob und einer offenkundig lügenden Rajter demonstrieren.

(4 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Robert Heines bleibt einen Moment am Apparat (ganz un-anonym, versteht sich)
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 71: Episode 27 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Helmut Käutner. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz. Unter Verdacht: Martin Lüttge, Gerlinde Locker, Jürgen Goslar, Dunja Rajter, Hanne Hiob, Friedrich Joloff, Paul Edwin Roth u.a. Erstsendung: 20. November 1970.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

06.04.2018 20:30
#585 RE: "Der Kommissar" (1969-1976), Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



Der Kommissar: Die kleine Schubelik

Zitat von Der Kommissar: Die kleine Schubelik
Leichenfund im Schrebergarten: Der als unverbesserlicher Trinker und Schläger bekannte Schubelik wurde mit einem Kissen erstickt, während er seinen Rausch ausschlief. Kommissar Keller und seine Assistenten verhören sowohl die schon lange fortgelaufene Frau Schubelik als auch deren siebzehnjährige Tochter Inge, die offiziell noch immer beim Vater wohnte. In letzter Zeit schlief sie jedoch oft bei einem tschechischen Gastarbeiter. Auch Schubeliks Trinkkumpanen bringen sich in Verdacht, doch ihre Handschrift trägt der Mord nicht. Wissen sie, was in der tödlichen Nacht geschah?


Durch die Augen von Georg Tressler erzählt „Die kleine Schubelik“ ein Familiendrama der proletarischen Sorte, das jedoch keineswegs belanglos ausfällt. Obwohl die Trostlosigkeit der Gartenhütte und ihrer Bewohner jederzeit greifbar ist, steigt man diesmal nicht ungern in biergeschwängerte, testosterongesteuerte, frauenfeindliche Gefilde herab, denn sie ergeben ein schonungsloses Zeitbild, das nur zu Beginn an übereifrigem Zeigefingereinsatz krankt. Hätte Kommissar Keller Herrn Schubelik schon gekannt, hätte er sich den belehrenden Kommentar, man möge einen Menschen doch nicht nach seiner Wohnung beurteilen, gleich gespart. Der Tote war schließlich genauso heruntergekommen wie seine Bleibe – ein Kerl, um den es nicht wirklich schade ist. Über den Mord wird gesagt: „Was war denn?“„Nichts!“ Und so erwächst das Interesse an den Ermittlungen im Wesentlichen aus den Reaktionen des Schubelik’schen Umfelds auf dessen Kapriolen und weniger aus der Motiv- oder Täterfrage.

Obwohl Reinecker die Tochter des Toten, die zweifellos am meisten unter der Situation zu leiden hatte, zur Titelfigur machte, räumte er ihr praktisch keinen Raum ein, ihre Erfahrungen mit dem Publikum zu teilen. Dies ist vielleicht schade, bewahrt die Folge aber auch vor kitschigen Sentimentalitäten, da sie sich nicht auf berichtetes Leid stützt, sondern die Geschichte eher naturalistisch anpackt. Die junge Inge Schubelik ist von Ereignissen der Mordnacht, die über weite Strecken im Halbdunkel liegen, traumatisiert. Deshalb wird von verschiedenen Personen für sie gesprochen, anstatt sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Einen kleinen Schnitzer beging Reinecker in dem Unterfangen, der pragmatischen Mutter den schwarzen Peter für die familiären Entwicklungen zustecken zu wollen. Die Geschichte von der die alleinige Verantwortung fürs Häusliche tragenden Frau, die sich schuldig aus dem Staub macht, geht im Kontext der Schubelik-Laube nicht auf – die Frau kann von Glück reden, da herausgekommen zu sein, wenngleich sich die Frage stellt, warum sie sich nicht etwas besser um ihre Tochter kümmerte. Erni Mangold liefert eine gute Leistung ab, während Filmtochter Susanne Schaefer (die am Ausstrahlungstag mit dem „Kommissar“ gegen einen TV-Film ihrer echten Mutter Eva Brumby antrat) eher blass bleibt.

Großes Kino hingegen bietet Ur-Bösewicht Peter Kuiper, der sein Können regelmäßig als ausgewachsener homme terrible in diversen Ringelmann-Produktionen unter Beweis stellte (man denke z.B. auch an „Das Kriminalmuseum: Die Mütze“ oder seine „Derrick“-Auftritte in „Tod am Bahngleis“ oder „Der Untermieter“). In diesem Fall verleiht Kuiper einem prolligen Saufkumpanen ein glaubhaftes Gesicht, der nicht nur ein wichtiger Tatverdächtiger, sondern auch durch und durch notgeil, misogyn und geltungsbedürftig ist. Eine perfekte Mischung – Kuiper wie auf den übergroßen Leib geschrieben, die der Vollblutschauspieler auch prompt mit Ekel erregender Inbrunst (einschließlich gieriger Blicke und Schweißflecken unter den Achseln) umsetzte. Sowohl die häuslichen Szenen der Klenzes mit Margarete von Trotta als gequältem Arbeitstier mit Ehering als auch die Befragung, in der der Schwerenöter der offensiven Helga Lauer beinah auf den Schoß springt, verfehlen ihre Wirkung nicht.

Apropos Helga Lauer: Für Emely Reuer war „Die kleine Schubelik“ der letzte Auftritt als Bestandteil des „Kommissar“-Teams, das von da an außer Faktotum Rehbein in gänzlich männlicher Hand war, nachdem sich nur zwei Folgen vorher auch „Frau Keller“ Rosemarie Fendel aus der Serie verabschiedet hatte. Dieser Umbau bei den Regulars sowie der hier zum letzten Mal aufscheinende Hinweis auf das Fernsehstudio München im Abspann und das Ende der Zusammenarbeit mit Regisseur Georg Tressler legen nahe, dass „Die kleine Schubelik“ produktionshistorisch gewissermaßen das Ende der frühen „Kommissar“-Phase markiert. Was dieser Abschlussfolge an Grandezza fehlt, macht sie durch Offenheit und auch durch Coolness (Walters Kampfkunsttrick, Applaus für Kuipers Nagel-Vorführung, Rehbeins 1945-Spruch, Keller und Klein als Law and Order-Männer im Ausländerwohnheim) wieder wett.

Als Krimi ist „Die kleine Schubelik“ zwar kein großer Wurf; Flair und erstklassige Gastrollen hat sie aber zur Genüge. Leider gestaltet sich der Ablauf bisweilen etwas tempoarm, sodass man auf die kuriosen Siebzigerjahreeinfälle sowie die engagierten Darsteller zählen muss. Diese liefern aber so zuverlässig wie der Bierfahrer, der die Leiche findet.

(4 von 5 Schnapsgläsern)


Der überzeugendste Ermittler: Inspektor Walter Grabert als muskelprotz-umlegender Frauenversteher
||||| ||||| ||||| ||||| Kommissar Herbert Keller (Erik Ode)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Walter Grabert (Günther Schramm)
||||| ||||| ||||| ||||| Inspektor Robert Heines (Reinhard Glemnitz)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Harry Klein (Fritz Wepper)
||||| ||||| ||||| ||||| Kriminalhauptmeister Erwin Klein (Elmar Wepper)

Besprechung 72: Episode 26 der TV-Kriminalserie, BRD 1970. Regie: Georg Tressler. Drehbuch: Herbert Reinecker. Auf der Seite des Gesetzes: Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz. Unter Verdacht: Erni Mangold, Susanne Schaefer, Peter Kuiper, Margarethe von Trotta, Josef Fröhlich, Joseph Vinklar, Sigfrit Steiner, Tommi Piper u.a. Erstsendung: 30. Oktober 1970.

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