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 Film- und Fernsehklassiker national
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Giacco Offline



Beiträge: 2.321

02.10.2012 12:53
#256 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Dazu mal eine Zuschauerkritik, die damals in einer TV-Zeitschrift
unter dem Titel "Karnevals-Kommissar" abgedruckt wurde.

"Wer nahm wen auf den Arm?
Herbert Reinecker das Fernsehpublikum oder die Schauspieler sich selbst?
Meine Familie und ich sind uns nicht einig, ob das eine Faschingssendung
sein sollte, eine Persiflage auf die eigene Sendung oder ob sie nur
schlicht und einfach so schlecht war.
Sollte das deutsche Fernsehpublikum wirklich so kritiklos sein,
dass es nicht merkt, wie diese anfangs so ausgezeichnete Serie
in allerletzter Zeit von Mal zu Mal schlechter wird? "

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

02.10.2012 17:34
#257 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Eine wunderbare Kritik zu "Tod einer Zeugin", der ich mich nur anschließen kann und die alles sagt. Gott sei Dank wurden die Folgen danach wieder besser. Auch dem in der ausführlichen Besprechung getätigten Aussagen über diese Folge kann ich mich anschließen.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

02.10.2012 20:46
#258 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #256
Dazu mal eine Zuschauerkritik [...] "Wer nahm wen auf den Arm? Herbert Reinecker das Fernsehpublikum oder die Schauspieler sich selbst? Meine Familie und ich sind uns nicht einig, ob das eine Faschingssendung sein sollte, eine Persiflage auf die eigene Sendung oder ob sie nur schlicht und einfach so schlecht war.
Diese Kritik trifft in meinen Augen den Nagel auf den Kopf. Als Persiflage ist die Folge ja sicherlich wunderbar, als ernstzunehmender Beitrag allerdings wirklich nicht. Das wird den Brynych-Fans aber sicherlich auch keinen Abbruch tun und ich gönne ihnen natürlich auch die Freude an seinen Arbeiten ...

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

02.10.2012 22:40
#259 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Georg, wirklich eine sehr gelungene und gute Analyse zu der Folge "Tod einer Zeugin", die ich auch erst vor wenigen Tagen über mich habe ergehen lassen. Bei einer Serie wie "Der Kommissar" sucht man als Zuschauer ja nach Logik und stichhaltigen Zusammenhängen, so bleibt es auch bei einer derartigen Episode nicht aus, dass man das gleiche versucht. Die Gewissheit, dass man es nahezu mit vollkommen sinnlosem Material zu tun bekommt, ist schon sehr erstaunlich. Ich jedenfalls habe es kaum hinbekommen, dieses hysterische Experiment mit der notwendigen Gelassenheit zu sehen und habe mich nicht annähernd einigermaßen unterhalten gefühlt, ganz im Gegenteil. Fast kann ich von einer gewissen Verärgerung sprechen;)

Georg Offline




Beiträge: 3.228

03.10.2012 09:23
#260 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Prisma
Die Serie startet mit einer Folge, die ich wesentlich schwächer in Erinnerung hatte. "Toter Herr im Regen" behandelt unter der eingängigen Regie von Wolfgang Becker einen vielleicht herkömmlichen, und eigentlich wenig außergewöhnlichen Kriminalfall

Mir ging es ebenso. Ich hatte diesen ersten Beitrag wesentlich langweiliger in Erinnerung.

Folge 1: Toter Herr im Regen
Regie: Wolfgang Becker, mit Alwy Becker, Dorothea Wieck, Friedrich Karl Grund, Ralph Persson, Rainer Penkert u. a.

Die erstgesendete aber erst an dritter Stelle in der Produktionsreihenfolge gedrehte Folge wurde der in meinen Augen auch als Pilot durchaus geigneten Episode Das Messer im Geldschrank wohl vorgezogen, weil deren Beginn unheimlicher und krimimäßiger inszeniert wurde. Die unheimlichen nächtlichen Bilder, der Regen, das Gewitter und der wohlsituierte tote Herr im Rinnstein machen sofort Lust auf einen spannenden Krimiabend. Kommissar Keller wird uns hier auch zu Hause präsentiert, wie er fast widerwillig in die kalte Nacht hinaus geht, ohne den Rat seiner "dummen aber lieben" (Zitat: Kommissar Keller) Ehefrau Franziska zu befolgen und die Galoschen anzuziehen. Kommissar Keller ist in dieser Episode auch viel mehr im Zentrum, als in der erstgedrehten Geschichte Das Messer im Geldschrank, bei der er anfangs krank im Bett liegt und nur von zu Hause aus deligiert. Außerdem überlässt er hier einen beachtlichen Teil der Ermittlungen dem unerfahrenen Harry, der in Toter Herr im Regen eher in den Hintergrund rückt und kaum wahrnehmbar ist.
Mit großer Wahrscheinlichkeit waren das die Gründe, warum die Geschichte um den ermordeten Dr. Steiner als Eröffnung der langlebigen Serie gewählt wurde. Inhalts- und spannungsmäßig steht ihr nämlich die erstgedrehte Folge in nichts nach. Die Redaktion in Mainz muss von der Geschichte und der Inszenierung aber so angetan gewesen sein, dass sie es riskierte, die wesentlich prominenteren und zu jener Zeit als Serienstars geltenden Wolfgang Völz und Lukas Ammann hintanzustellen und den Platz für Alwy Becker, Dorothea Wieck, Friedrich Karl Grund und Rainer Penkert frei zu machen, die zu jener Zeit wesentlich unpopulärer (d. h. unbekannter) waren, als die genannten Titelhelden aus Graf Yoster gibt sich die Ehre.
Herbert Reinecker erzählt in Toter Herr im Regen einen recht unkonventionellen Kriminalfall, der sich auf das Begleiten des Kommissars bei seinen Ermittlungen beschränkt und allerlei skurrile Figuren als Verdächtige präsentiert, allen voran den Stiefsohn, der gar glücklich über den Tod Dr. Steiners und hoch erfreut über die geerbte Gereut-Villa ist. Dieser Mann wird von Friedrich Karl Grund glaubhaft dargestellt, einem langjährigen Wegbegleiter Helmut Ringelmanns, der nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Aufnahmeleiter und nach dem Tode Volker Vogelers (leider nur vier Folgen lang) als begabter Drehbuchautor bei Der Alte fungierte. Auch die üblichen Rollen sind sehr gut besetzt, Alwy Becker und Dorothea Wieck sind wunderbar, was man natürlich auch von der gewohnt guten Regie Wolfgang Beckers sagen kann.
Insgesamt sicherlich ein nicht schwacher Auftakt samt Versammlung aller Verdächtigen am Ende, die wahren Perlen der Reihe sollten aber freilich noch (zahlreich) kommen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

03.10.2012 12:42
#261 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



DER TOD FÄHRT 1. KLASSE (Folge 8)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Franz Schafheitlin, Martin Lüttge, Hans Jaray, Nikolaus Paryla, Wolfried Lier, Harry Engel, Leo Bardischewski u.a.



Ein Nachtschnellzug kommt in München an. Der Schaffner fordert eine junge Frau, deren Gesicht hinter ihrem Mantel verborgen ist, auf auzusteigen, doch sie reagiert nicht. Bei genauerem Hinsehen stellt sich das Entsetzliche heraus, die Frau ist tot und offensichtlich ermordet worden. Wenig später wird ein junger Mann auf dem Bahnhofsgelände gefasst und die Überraschung ist groß, als er umgehend gesteht, der Mörder zu sein. Der vermeintlich eindeutige Fall bring schnell einige Ungereimtheiten zu Tage, denn im selben Zug kam es schon zu mehreren Mordanschlägen. Hat man es tatsächlich mit einem Serientäter zu tun..?

Ambiente Zug, Ereignisse rund um den Dreh-und Angelpunkt Bahnhof oder Verfolgungsjagden über Abstellgleise, vorbeirauschende Züge. Diese sehenswerte Variante hat schon immer sehr viele Anhänger gehabt und einen großen Reiz besessen, da grade die Zugabteile ein gefährliches Vakuum repräsentieren, aus dem es, wenn sich ein Mörder herumtreibt, kaum ein Entkommen gibt. Die Spannung wird gebündelt, da die Gefahr in jedem Abteil lauern könnte und der Mörder ein eher diffuses Profil besitzt. Inszenatorisch sind also einige gute Grundvoraussetzungen für gute Krimi-Unterhaltung gegeben, und unter der Regie von Wolfgang Becker ist eine streckenweise richtig packende Folge entstanden, die mir gar nicht so gelungen in Erinnerung war. Auch in Folge 8 sind einige neue Kniffe zu entdecken, wie beispielsweise Eigenmächtigkeiten der Mitarbeiter von Kommissar Keller, oder dass sich ein Mörder der Kripo förmlich anbiedert, ein Hauch mehr glaubhafte Tragik um einige Personen, damit bleibt die zu diesem Zeitpunkt noch junge Serie aktuell und interessant. Ich hatte eine sehr stumpfe Besetzung in Erinnerung, doch die Leistungen sind in der Tat überzeugend. Dennoch halte ich Folge 8 für die erste der Reihe, bei der die Besetzungsliste am wenigsten prominent ausgefallen war.

Mir persönlich hat es immer sehr gut gefallen, wenn man Emely Reuer ein wenig mehr in den Fokus rückte, das heißt, dass sie eben nicht nur fürs Diktat zuständig war, und sie ihr Talent als hilfreiche Mitarbeiterin und gute Darstellerin unter Beweis stellen konnte. Hier kann man sie in einem sehr interessanten und für die Story sehr wichtigen Part sehen, der die Spannung zum Ende hin auf die Spitze treibt. Franz Schafheitlin als Kriminalrat hebt indirekt die Kompetenzen und die Tugenden von Kommissar Keller hervor, er wirbt quasi für seine undifferenzierten Ansichten und ist der Meinung, wer schon gesteht ein Mörder zu sein, muss auch tatsächlich einer sein. Schafheitlin hätte man ruhig öfters als unbequemen Gegenpol in manche Fälle einbauen können. Martin Lüttge als Kellner der Zugabteile wirkt sehr überzeugend, da er auch nicht richtig einzuschätzen ist, was aber für das komplette Zugpersonal gilt. Hans Jaray und Nikolaus Paryla als Vater-Sohngespann agieren in schauspielerischer Hinsicht sehr glaubhaft, jedoch ist es der Hintergrund, der das Handeln erklären soll weniger. Die ganz große Stärke von "Der Tod fährt 1. Klasse" ist schließlich in der hervorragenden Gestaltung der Inszenierung zu finden. Tempo durch von Innen und Außen gefilmten Zugfahrten, Spannung durch Verfolgungen mit atmosphärischen winterlichen Außenaufnahmen die teils gespenstisch wirken,eine Falle und ein fataler Denkfehler zum Schluss, welcher Lebensgefahr mit sich bringt, und eine waghalsige Aktion in Eigenregie, bei der man den Sekundenzeiger fast ticken hört. Nicht nur der Tod, sondern auch der Zuschauer fährt mit Wolfgang Beckers Gespür hier erste Klasse.

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

03.10.2012 13:28
#262 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #255
Brynych wäre ideal für Werbefilme gewesen!

Hier kann ich nur zustimmen, aber mir kam bei seinen Inszenierungen sogar noch ein anderer Gedanke, allerdings nur vom Prinzip seiner überspitzten Herangehensweise wegen. Ich dachte mir, dass er geeignet für die Inszenierungen von eventuell Erotikfilmen und Sexklamauk dieser Zeit gewesen wäre. Da hätte vieles zusammen gepasst und er hätte seine Ideen weniger schmerzhaft für den Zuschauer unterbringen können, sich quasi mal so richtig austoben können.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

04.10.2012 10:31
#263 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 21: ... wie die Wölfe
Regie: Wolfgang Staudte, mit Horst Tappert, Grete Mosheim, Wolfgang Weiser, Heinz Meier, Pierre Franckh, Volkert Kraeft u. v. a.

Wolfgang Staudte setzt hier eine recht eigenwillige, wenn auch einprägsame Inszenierung an. Seltsame bzw. ungewöhnliche Kameraeinstellungen aus der Hundeperspektive (man sieht erstmals und einmalig (?!) die Decke in Kellers Büro) und eine fast ständige Musikuntermalung von Peter Thomas sorgen für eine nicht alltägliche Kommissar-Folge unter inszenatorischem Aspekt. Die Musikuntermalung erinnert - damals völlig ungewöhnlich - an den Einsatz in heutigen Krimiserien, wo sie nicht nur zur Überbrückung sondern auch zur Unterstreichung von Spielszenen verwendet wird.
Die Geschichte von Herbert Reinecker ist ebenso tragisch wie konventionell: eine alte Frau, die im Lotto gewinnt (läppische 3000 Mark!), wird von den gesamten Bewohnern des verkommenen Altbaublocks, der metaphorisch auch für die Heruntergekommenheit seiner Bewohner steht, wegen des Gewinns belagert. "Wie die Wölfe" reißen sie sich um die alte Dame, jeder will seinen Teil davon abbekommen. Im Zentrum stehen dabei zwei Figuren: eine wird von Horst Tappert (mit furchtbarem Toupet!) glaubhaft dargestellt: ein Alkoholiker, ein bemitleidenswerter Mensch, der sich selbst nicht daran erinnern kann, was geschehen ist oder ob er gar der Mörder ist. Die andere zentrale Figur wird von Stummfilmstar Grete Mosheim glaubhaft und wunderbar unsympathisch dargestellt. Auch die Übrigen "Wölfe", wie sie der Titel nennt, sind sehr gut besetzt: der großartige Heinz Meier, Wolfgang Engels und vor allem Volkert Kraeft und Ringelmann-Dauergast Pierre Franckh, die hier sehr gut passen.
Kommissar Keller gibt sich menschlich und scheint dem armen Alkoholiker zu glauben, er versucht ihm z. B. mit drastischen Mitteln wie dem Vorhalten des Bildes der Ermordeten aus seinem Dilemma zu befreien.
Was bleibt, ist eine recht ungewöhnliche Folge, die man sich sicherlich mit Spannung ansehen kann. Die Titeländerung von Tote Augen in ... wie die Wölfe ist zudem zu begrüßen, da dieser Titel die Gier der Bewohner wunderbar widerspiegelt.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

06.10.2012 10:43
#264 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 37: Die andere Seite der Straße
Regie: Theodor Grädler, mit Bruno Hübner, Kurt Beck, Klaus Höhne, Hans Brenner, Alois Maria Giani u. v. a.

Um es gleich am Beginn und ohne Umschweife zu sagen: Die andere Seite der Straße ist eine der langweiligsten Episoden der gesamten Serie. Hier wurde eine prinzipiell gute und originelle Idee verpulvert. Die Geschichte rund um die Bewohner eines Hauses, die genau gesehen haben, was auf der anderen Seite der Straße passiert ist, aus Angst aber schweigen, verliert sich in langatmige Verhöre und Gespräche. In der gesamten Episode gibt es außer dem Kommissars-Team, dem diesmal Harry fehlt, keinen einzigen Sympathieträger. Das ist möglicherweise gewollt, für eine Geschichte aber nicht unbedingt von Vorteil. Die einzelnen Rollen und Charaktere sind dabei nicht uninteressant besetzt: Kurt Beck, meines Erachtens viel zu wenig im Kriminalfilm eingesetzt, spielt wieder mal sehr klischeehaft eine zwielichtige Gestalt, Hans Brenner ist als undurchsichtiger Kellner zu sehen, Klaus Höhne als nervöser Nachbar, Bruno Hübner als alter Hausmeister. Was die Episode zudem so schwach macht sind die fürchterlichen Reinecker-typischen-Dialoge. Ich habe schon mal angekreidet, dass der ansonsten begabte Vielschreiber bei seinen Dialogen nicht unterscheiden konnte, ob ein Universitätsprofessor oder ob ein Bettler spricht. Dass es hier unter soziolinguistischem Aspekt starke Unterschiede gibt, scheint Herrn Reinecker niemals aufgefallen zu sein. Schließlich gibt es hier vor allem in der ersten Szene, in der Klaus Höhne verhört wird, beinah parodistische Dialoge à la "(Ehemann:) Sie hat nichts gesehen - (zur Frau:) Du hast doch nichts gesehen? - (Frau:) Nein, ich habe nichts gesehen - (Ehemann:) Sie sagt, dass Sie nichts gesehen hat!".
Theodor Grädler nimmt sich mal Wolfgang Becker zum Vorbild und baut viel zeitgenössische Musik u. a. von den Rolling Stones ein, konnte aber das schwache Buch nicht retten...

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

06.10.2012 15:01
#265 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



GELD VON TOTEN KASSIEREN (Folge 9)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Emely Reuer, Helma Seitz, Rosemarie Fendel
Gäste: Siegfried Lowitz, Eva Brumby, Götz Burger, Monika Zinnenberg, Hartmut Reck, Kurt Jaggberg, u.a.



Eine Einbruchserie gibt viele Rätsel auf. Einem maskierten Dieb gelingt es immer wieder aufs Neue, kleinere Bankfilialen auszurauben, und dabei wird immer nach dem gleichen Strickmuster vorgegangen. Auffällig ist auch stets, dass der maskierte Einbrecher, der seine Opfer mit vorgehaltener Pistole bedroht, genauere Kenntnisse über die dortigen Gegebenheiten haben musste. Schnell wird ein Verdächtiger ausgemacht, ein gewisser Kranz, der vor kurzem aus der Haft entlassen wurde. Alles passt zusammen, doch dann geschieht ein Mord bei einem der Überfälle, was keineswegs zum Profil des Ex-Sträflings passt. Hat er sich hinter den Gefängnismauern etwa umorientiert..?

Folge 9 behandelt einen klassischen Kriminalfall und ist darüber hinaus auch noch am leichten Anreißen einer Milieustudie interessiert. So gestaltet sich zumindest der erste Eindruck. Im Verlauf wird allerdings klar, dass der Mord gar nicht so sehr im Vordergrund stehen wird, sondern die Verwicklungen der Personen untereinander, und ob Kranz tatsächlich in den Fall involviert ist. Dieses Konzept funktioniert recht gut, denn man hat es mit einem straffen Erzähltempo zu tun, aber vor allem Siegfried Lowitz möbelt diese Episode mit seinem Charisma auf. Die Schauplätze sind aussagekräftig und markant, sie charakterisieren das Umfeld, in dem angeblich Verbrecher und gescheiterte Existenzen fabriziert werden sehr ordentlich. Interessant bei "Geld von toten kassieren" ist das dargestellte Vakuum in einer Familie, die es lernen musste, sich alleine durchzuschlagen, und nun plötzlich vor dem neuen, alten Problem steht. Was damals die Schwierigkeit war, als er ins Gefängnis musste, taucht jetzt wieder auf, nur umgekehrt. Mittlerweile ist es tatsächlich ein Problem, dass Kranz wieder da ist. Seine Frau geht damit um wie sie es mit dem ganzen Leben tut. Sie nimmt hin und sie hat resigniert, was von Eva Brumby überzeugend interpretiert wird. Die Kinder müssen ab sofort mit einem Fremden unter einem Dach leben, Spannungen sind vorprogrammiert, vor allem weil Kranz sich immer noch in der Rolle des Hausherrn sieht.

Die passende Interpretation dazu liefert ein hervorragend aufgelegter Siegfried Lowitz, der wie es scheint wirklich in jedem Metier zu Hause war. So wirklich traut man dem unruhigen und impulsiv wirkenden Mann keinen Mord zu, aber vor dem durchleuchteten Familienhintergrund sieht man eine wahrscheinliche Verwicklung deutlich vor Augen. Er möchte wieder gutmachen, er will der Frau und den Kindern etwas bieten können, doch kann er bis zur letzten Konsequenz auch Vorbild sein? Das alles wird hier sehr nett erörtert und aufgerollt. Einige zusätzliche Personen wie Hartmut Reck oder Kurt Jaggberg symbolisieren die dunkle Vergangenheit des Herrn Kranz und halten sie über den kompletten Verlauf auch aktuell, außerdem sorgen sie für Verwirrung beim Zuschauer. Ein Puzzle fügt sich nach und nach zusammen, bei dem es einige interessante Überraschungen geben wird. Empfundene Vorhersehbarkeit mündet schließlich in einem originell ausgearbeiteten Finale, und der Weg dort hin ist immer wieder mit einigen Kehrtwendungen ausgestattet worden, so dass "Geld von toten kassieren" eine solide Kommissar-Folge darstellt, die unter der Regie von Georg Tressler einen überzeugenden Schliff bekam. Die Schauspieler taten ihr übriges dazu und man kann von sehenswerter Unterhaltung sprechen, die mich vor allem durch ihren klaren Aufbau überzeugen konnte.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

07.10.2012 14:59
#266 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 18: Dr. Meinhardts trauriges Ende
Regie: Michael Verhoeven, mit Luise Ullrich, Karl John, Richard Münch, Ilona Grübel, Monika Lundi, Michael Verhoeven u. a.

Der einzige Regiebeitrag Michael Verhoevens zur langlebigen Kommissar-Reihe fällt recht dynamisch aus und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: es wird sehr viel Handkamera eingesetzt, was wohl dem jugendlichen Alter des Spielleiters und seiner Absicht einer modernen Inszenierung zu verdanken ist. Die Geschichte Herbert Reineckers hingegen ist konventionell, nett ist, dass Frau Keller mal mehr eingebaut wird. Der Kommissar hingegen ist beim Hochzeitstags-Essen gänzlich abwesend, denkt nur an seinen Fall und zieht schließlich den Schluss: „Ich glaube, ich weiß, wer’s war“. Sehr klassisch versammelt er die Verdächtigen in der Villa Dr. Meinhardts und klärt den Fall auf. Außerdem erfahren wir, dass die Kellers seit mindestens 11 Jahren miteinander verheiratet sind.
Positiv fällt in der Folge der moderne Soundtrack von Improved Sound Limited auf, negativ die Apostrophierung beim Genitiv in der Titeleinblendung (auch wenn diese unter Umständen auch heute noch möglich, aber im Falle Dr. Meinhardt(‘)s nicht nötig gewesen wäre). Störend wirkt auch der erneute Einsatz der Gereut-Villa, hier hätte man sich doch auch mal eine andere Location gewünscht.
Harry ist in der 14. produzierten Folge (Arbeitstitel: Mord und Totschlag) nicht dabei, die Besetzung mit Richard Münch, Karl John und den Augenweiden Monika Lundi und Ilona Grübel ist jedoch sehr passend.
Insgesamt eine nicht uninteressante Folge.

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

07.10.2012 19:50
#267 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



SCHREI VOR DEM FENSTER (Folge 10)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper
Gäste: Maria Schell, Eva Ingeborg Scholz, Veit Relin, Doris Kiesow, Gunther Beth, Stella Mooney, u.a.



In der Wohnung der bekannten Schauspielerin Irene Pauli spielt sich etwas verdächtiges ab. Der Hausmeister geht der Sache nach, denn er will einen Schuss gehört haben. Und tatsächlich ertappt er einen jungen Mann auf frischer Tat mit einer Waffe in der Hand. Es ist der Sohn der Schauspielerin der sich Hals über Kopf auf die Flucht begibt. In böser Vorahnung entdeckt der Hausmeister den Ehemann der Pauli, er wurde erschossen. Eine Großfahndung nach dem vermeintlichen Mörder beginnt und der Fall scheint klar zu sein. Braucht Kommissar Keller nur noch zuzuschnappen oder handelt es sich um ein Komplott..?

Maria Stuart verlässt die Bühne und somit das Schafott, die Garderobiere ist ihr behilflich, das Kostüm und die Accessoires abzulegen, und hinter dieser Fassade erscheint Weltstar Maria Schell, die diese zehnte Folge eindrucksvoll dominieren wird. Diese denkwürdige Anfangssequenz steckt bereits voller Symbolik, die diese zehnte Folge insgesamt charakterisieren wird. Mir persönlich gefällt das Konzept Schauspieler spielt Schauspieler im Film immer besonders gut, da es die Aufmerksamkeit anregt und wie hier die Interpretationsgabe der jeweiligen Akteure nochmals hervorhebt. Maria Schell spielt sich hier also selbst? Eher kann man sagen, dass sie eine hervorragende Schauspielerin spielt. Der "Schrei vor dem Fenster" ertönt, und lässt den Zuschauer für einen Moment lang den Atem anhalten. Verzweifelt und hilflos ruft der Sohn der Pauli in ergreifender Weise "Mutter, Mutter!". Ist es der Hilferuf eines Mörders oder eines Gejagten? Der Beschützerinstinkt einer sich sorgenden Mutter ist jedenfalls erwacht, und sie wird alle sich bietenden Mittel ergreifen, um ihren Sohn, den angeblichen Mörder seines Stiefvaters, zu entlasten. Sie manipuliert, diskreditiert, befiehlt, befragt und vielleicht lügt sie sogar, ja, spielt sie eine Rolle oder nicht? Das ist in dieser Folge die bei weitem interessanteste Frage. Das Mordmotiv an sich liegt beim Durchleuchten des Ermordeten schnell auf der Hand. Es hat einen Tyrannen und moralisch verkommenen erwischt, der sich obendrein in zweifelhaften Kreisen bewegt haben soll, und um den es, wie einige Personen bestätigen, nicht gerade sehr schade sei. Wie Kommissar Keller richtig anmerkt, ist von dem Toten nach kürzester Zeit überhaupt keine Rede mehr, was die Zweifel des Zuschauers schürt. So ist bei diesem recht simplen Kriminalfall diese permanente Misstrauensfrage an die involvierten Personen ganz originell und irgendwie belebend, denn man fühlt sich, als sei man selbst an den Ermittlungen beteiligt. Das ist für mich die große Stärke dieser Folge, dass die Regie eine hohe Zuschauergewalt verteilte. Die Geschehnisse und die Vorgänge sind eher leicht herzuleiten und vermitteln ein Gefühl von eigener Kombinationsgabe. Eine Schmeichelfolge, zumindest in dieser Beziehung.

Maria Schell spielt ihr ganzes Repertoire zwischen Unempfindlichkeit und Hysterie beeindruckend aus. Ihr Mann ist tot, so ist es halt; ihr Kind wird verfolgt, sie wird zur Furie. Ihre extremen Gefühlsschwankungen kommen nicht nur Kommissar Keller und seinen Kollegen spanisch vor, sondern auch dem verblüfften Zuschauer. Nicht nur, dass sie zu Beginn Befragungen, beispielsweise beim Hausmeister, durchführt, und damit eindeutig ihre Kompetenzen mehrmals überschreitet, sie bietet auch permanent spekulative Tathergänge an, die Keller sichtlich Nerven kosten. Eva Ingeborg Scholz spielt ihre Schwester, und der Eindruck, dass sie darstellerisch total neben Maria Schell untergeht, überträgt sich 1:1 auf das Verhältnis der Schwestern zueinander. Veit Relin würzt die Folge mit herbem Zynismus und schmerzhaftem Realismus, fast alle Personen fallen schlussendlich sehr unangenehm auf und könnten mit dem Mord einen Schlussstrich unter die Misere gezogen haben. Die Treibjagd durch die Polizei wurde sehr eingängig in Szene gesetzt und es kommt zu einigen spannenden Sequenzen, die jedoch immer wieder durch die Selbstinszenierungen der Pauli unterbrochen werden. Eine lustige Szene zur Auflockerung sieht man, als der gehetzte Berthold, übrigens sehr gut gespielt von Gunther Beth ("Sieben Tage Frist"), in ein getarntes Bordell flüchtet und eine Reihe von aufgebrachten Prostituierten aufschreckt. Immer wieder kommt es zur Veranschaulichung der Vorverurteilung durch die Massen, was sich insbesondere zum Finale hin zuspitzen wird, und auch die charismatischen Schauplätze passen hervorragend in das Gesamtbild. Kommissar Kellers Resumée ist ebenso einfach wie beeindruckend, so dass die Folge "Schrei vor dem Fenster" insgesamt nur zu einer verhaltenen Wertung kommt. Es hätte tatsächlich ein perfekter Mord werden können, wenn da nicht erneut diese fatale Verkettung von Zufällen gewesen wäre. Mein Geschmack wurde bei dieser hervorragenden Folge, die von Dietrich Haugk inszeniert wurde, und der ihre Theatralik angemessen steht, unbedingt getroffen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.573

07.10.2012 23:48
#268 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



DIE SCHRECKLICHEN (Folge 11)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer
Gäste: Helga Anders, Anita Höfer, Hans Schweikart, Karl Walter Diess, Dirk Dautzenberg, u.a.



Im Englischen Garten wird eine Leiche gefunden. Es scheint, dass der Mann, der völlig betrunken gewesen war, dort in den Bach gestürzt, und ertrunken ist. Bei der Suche nach der Kneipe, in der sich der Mann volllaufen ließ, stößt Kommissar Keller auf merkwürdige Personen die sich durch fadenscheinige und gegensätzliche Aussagen verdächtig machen, zu denen auch einige Rentner gehören, die sich auffällig verhalten. Für den Kommissar ist nach dem Sammeln von Indizien schnell klar, dass es sich um keinen Unfall handeln kann. Er ist überzeugt, dass der Mann ertränkt, und anschließend beraubt wurde. Beim Überwachen der Verdächtigen kommt es zu erstaunlichen Erkenntnissen...

Nach nun zehn mehr oder weniger charakteristischen, aber wenigstens überwiegend zufriedenstellenden Kriminalfällen innerhalb der Reihe, versuchte es Regisseur Zbyněk Brynych mit einer Art Kulturrevolution, die jedoch in einem Kulturschock gipfelt. Eine Einstiegsfolge lässt Neuerungen und etliche brauchbare Qualitätsmerkmale vermuten, doch der Versuch, alles und vor allem das Rad neu zu erfinden, ist eine heikle Angelegenheit. Dass es der Zuschauer mit einer der launischsten und im Endeffekt misslungensten Folgen der fast hundertteiligen Serie zu tun bekommt, kristallisiert sich hier im Eiltempo heraus. "Die Schrecklichen", das klingt wie eine außergewöhnliche, vielversprechende Ankündigung, entpuppt sich jedoch als Anfang einer ungemütlichen, oder eher noch unglaubwürdigen (für mich sogar unerträglichen) Strapaze. Die elfte Folge erweist sich als grundlegend diffus und lässt auch den letzten das Vertrauen in das Zufallsprinzip, das ja häufiger Verwendung fand, verlieren. Vollgestopft mit fadenscheiniger Theatralik, falscher (womöglich noch gesellschaftskritisch angelegter) Untertöne und abverlangender Hysterie, versuchte man diese gar nicht einmal so schlecht ins Bild eingefangene Episode als etwas Extravagantes und Originelles zu servieren. Sicher mögen das viele auch so auffassen, ich kann mir denken, dass diese Experimente des berüchtigten Regisseurs als richtige Farbtupfer angesehen werden, doch mir persönlich passierte genau das, was es meiner Ansicht nach bei TV und Film nicht geben sollte und viel fataler als Langeweile ist. Man merkt, dass Ausdauer und Geduld rapide schwinden.

Hier kann man wohl teilweise sagen: die Besetzung lockt, bevor sie schockt. Das beste Beispiel ist die von mir immer gerne gesehene und hochverehrte Helga Anders, der man hier leider anmerkt, dass sie oftmals ziellos durch die abstruse Konstruktion stolpert, oder eben wahlweise tanzt. Es scheint, als könne sie nicht das Geringste aus diesem sinnlosen Theater herausholen. Einige mögen etwa sagen, dass sie genau der Anforderung entsprechend spiele, damit die subtile Anlegung der Rolle aufgehe. Ich meine, eher nicht, ihre eingeschüchterte Figur (die man vielerorts besser gesehen hat) wirkt im Geschehen überaus kontrakt und deplatziert, da die Geschichte insgesamt nicht gut mit ihren Charakteren abgestimmt ist, oder auch umgekehrt. Verschenkt! Die paraphrasierenden Dialoge sind kaum zu fassen und es ist daher erstaunlich, dass Kommissar Keller diesen Fall als Zuhörer schließlich lösen kann. Sehr positiv fällt sein Zusammenspiel mit Anita Höfer auf, die eine der wenigen ist, die eine gelungene Dosierung glaubhaft transportieren kann. Dirk Dautzenberg und Karl Walter Diess schließen sich zumindest in Sachen der glaubhaften Interpretation an. Dann wäre da noch die Clique der alten Herren, deren Darstellung in Richtung lächerlicher Karikaturen abdriftet. Ihr Gehabe ist nicht nur albern, sondern auch unmotiviert und ärgerlich zugleich. Spannung geht der Folge hauptsächlich ab und entsteht leider nur, weil die Protagonisten dazu gezwungen sind, die Luft sehr lange anzuhalten. Erstaunlicherweise kommt es, wenn man von der misslungenen Rahmenhandlung, und der nervtötenden Musik mal absehen kann, zu einem atmosphärisch überzeugendem Finale, das sogar für einen kurzen Moment nachdenklich stimmt. Doch schnell merkt man wieder, in welcher Farce man sich eigentlich befindet, und freut sich über den Abspann, der ein baldiges Ende garantiert. Grabert sagte anfangs in der Folge etwas, das mir zu denken gab. Irgend jemand soll "Lalle gewesen" sein; die Frage ist schlussendlich wer. Ich bin selbst erstaunt darüber, dass ich mir hier nicht mehr wie üblich die Mühe mache, auch die andere Seite der Medaille wohlwollend zu beleuchten, da ich allem, was ich mir anschaue, auch etwas gutes abgewinnen kann. "Die Schrecklichen" versagt diesbezüglich auf ganzer Linie, und meine Gesamteinschätzung für die Folge 11 kommt daher dem Titel verdächtig nahe, obwohl "schrecklich" eigentlich schon eine Auszeichnung wäre.

Giacco Offline



Beiträge: 2.321

08.10.2012 11:44
#269 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Die Folge erhielt damals eine gute Kritik in der TV-Zeitschrift "Bild und Funk":
Mini-Hitchcock
Der Titel der neuen Kommissar-Folge - "Die Schrecklichen" - erweckte Gruselgefühle
und vor allem hoffnungsvolle Erinnerungen an Hitchcocks klassischen Schocker
"Die Teuflischen". Diese Hoffnungen wurden beinahe erfüllt. Zwar war das Mordmotiv,
wie so oft in dieser Krimi-Serie, der schwächste Punkt. Aber die treffende
Schilderung eines zwielichtigen Milieus und die sorgfältige Zeichnung interessanter
Typen erzeugten beim Zuschauer echte Spannung.
(4 von 5 Sternchen)

Georg Offline




Beiträge: 3.228

08.10.2012 16:01
#270 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Diesen Brynych-Beitrag mit Hitchcock zu vergleichen ist ja wohl das Letzte ! Der Titel evoziert so viele Vorstellungen, von denen keine Erfüllt hat. Prisma analysiert die Folge sehr gut, kann das fast bedenkenlos unterschreiben. Reinecker mag ja vielleicht eine Anspielung an "Die Teuflischen" im Kopf gehabt haben, damit das aber auch so rüber kommt, hätte Wolfgang Becker oder Dietrich Haugk im Regiesessel sitzen müssen.


Folge 3: Ratten der Großstadt
Regie: Theodor Grädler, mit Hilde Volk, Ilona Grübel, Horst Frank, Klaus Schwarzkopf, Werner Pochath, Fred Haltiner, Gerd Baltus u. v. a.

Manchmal fragt man sich wirklich, ob Herr Reinecker wirklich glaubte, dass Figuren(konstellationen), wie sie in dieser Folge vorkommen, wirklich existieren. Ratten der Großstadt bietet eine überaus skurrile Personenkonstellation in einer langweiligen Inszenierung, die das Ende herbei sehnen lässt. Einzig und allein die Schauspieler - darunter Horst Frank, Fred Haltiner, Gerd Baltus, Klaus Schwarzkopf und vor allem Werner Pochath - sind vorzüglich. Neben Erik Ode darf seine Ehefrau Hilde Volk als egoistische Frau Matusek agieren. Das war's aber auch schon. Die Story rund um Walter, der in diese seltsame Bande eingeschleust wird, nützt sich schnell ab, wie auch das Thema, das sich quer durch das Reineckersche Oeuvre wie ein Leitmotiv zieht. Ein etwas minderbemittelter Mann soll auf Grund seiner "Beeinträchtigung" als Täter präsentiert werden. Das konnte Reinecker viel besser, einzig das Machtspiel Horst Frank - Werner Pochath ist nicht uninteressant, ebenso wie das Ende mit der brutalen Schlägerei zwischen Walter Grabert und "Bimbo".
Insgesamt sicherlich die schwächste unter den frühen Folgen.

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