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Dieses Thema hat 241 Antworten
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Count Villain Offline




Beiträge: 4.580

26.08.2017 15:28
#166 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #164
Naja, aber ganz ausschließen würde ich Fuchsberger nicht. Schließlich gehören Fortuna und Smooth ja zusammen.



Auch wenn man zusammengehört, kann man sich umbringen. Erwähnt Inspektor Puddler nicht Gilder gegenüber die Theorie, dass Fortun Smooth umgebracht haben könnte, woraufhin Gilder erwidert, dass er auch nicht wisse, was die beiden miteinander hatten? Entweder war das nur eine Schutzbehauptung von Gilder und er hat Fortuna zu dem Mord angestiftet oder Fortuna hat es auf eigene Rechnung getan. Das bleibt dann dem Zuschauer überlassen.

Georg Offline




Beiträge: 3.228

27.08.2017 12:02
#167 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

SPOILER. Ehrlich gesagt: ich habe beim "Abt", den ich für eine der schwächsten Verfilmungen halte, auch bei der diesmaligen Sichtung bei der ORF-III-Ausstrahlung, nicht ganz verstanden, wer denn nun der wirkliche Abt ist. Das ist doch ziemlich verwirrend. Und wenn es Kinski war, dann wurde er ja schon eine halbe Stunde vor Schluss demaskiert. Das ist dramaturgisch wirklich das Schlimmste, was man in einem Krimi machen kann.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.580

27.08.2017 12:22
#168 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

Dass es ein dramaturgischer Fehlgriff war, Kinski ebenfalls in Abt-Kutte zu stecken, nur damit der Titelcharakter auch mordet (und da dann auch nur einer unter vielen ist), ist jetzt allerdings auch keine wirkliche Neuigkeit mehr.

Was mir lange zeit unklar war, war der Mörder von Mary Wenner. Ich hatte mir nie vorstellen könne, dass Arthur Gine tatsächlich so mir nichts dir nichts da einfach herumballert. Und dann auch noch auf Miss Wenner. Er hätte mehr Gründe gehabt, stattdessen auf den erpresserischen Gilder zu schießen.

Lord Low Offline




Beiträge: 724

27.08.2017 15:58
#169 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #167
SPOILER. Ehrlich gesagt: ich habe beim "Abt", den ich für eine der schwächsten Verfilmungen halte, auch bei der diesmaligen Sichtung bei der ORF-III-Ausstrahlung, nicht ganz verstanden, wer denn nun der wirkliche Abt ist. Das ist doch ziemlich verwirrend. Und wenn es Kinski war, dann wurde er ja schon eine halbe Stunde vor Schluss demaskiert. Das ist dramaturgisch wirklich das Schlimmste, was man in einem Krimi machen kann.


Für mich gehört der "Abt" auch klar zu den schwächsten der gesamten Reihe.

Ray Offline



Beiträge: 1.879

27.08.2017 16:20
#170 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

Ich gehöre ja eher der Fraktion an, die die offensichtlichen Macken wegen des großartigen Charles Regnier als abgebrühtem Inspektor Puddler, der geisterbahn-gruseligen Atmosphäre und der tollen Bildsprache gerne (weitgehend) verzeihen. Aber es ist in der Tat immer wieder aufs Neue eine Knobel-Aufgabe, die einzelnen Morde den jeweiligen verschiedenen Tätern zuzuordnen. Dass es dann auch noch zwei bzw. - wenn man Arents Schlussgag mitzählt - drei Äbte gibt, macht die Verwirrung natürlich komplett.

patrick Offline




Beiträge: 3.244

27.08.2017 21:50
#171 RE: Bewertet: "Der schwarze Abt" (13) Zitat · Antworten

Ich mache mir darüber ehrlich gesagt keine großen Gedanken. Der Abt hat eine wunderbare Atmosphäre und einen exzellenten Unterhaltungswert. Er ist daher einer meiner Lieblingswallace und auch einer von denen, die ich mir am öftesten angesehen habe. Das ist doch Wallace-Atmosphäre pur und das Kino-Publikum der 60er dürfte es auch so gesehen haben, wenn man die wohlverdienten Besucherzahlen betrachtet. Dass Wallace nicht unbedingt das streng logischste Genre ist wissen wir ja. Und damit kann ich auch leben bei einem handwerklich derart gelungenen Werk.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2019 09:35
#172 Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der schwarze Abt (Le crapaud masqué)

Franz Josef Gottliebs erste Verpflichtung für die Rialto-Reihe erwies sich insofern als wegweisend, als hiermit der Prototyp des Wallace-Kuttenkrimis entstand. „Der schwarze Abt“ schickt den effektvoll vermummten Mörder durch mondbeschienene Schlossgärten, Ruinenanlagen und umliegende Wälder und wird dennoch traditionell eher nicht zu den Titeln mit wirklich unheimlicher Gruselspannung gezählt. Ein Widerspruch?

Was haltet ihr von den Abenteuern von Chelford Manor – und würdet ihr gern mit Harry Chelford, Arthur Gine, Fabian Gilder oder Mary Wenner auf Schatzsuche gehen?

Links:

Platzierung im Edgar-Wallace-Filmgrandprix 2014: Platz 13 von 36 (76,82 %)

Stephan Offline



Beiträge: 114

16.02.2019 10:11
#173 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Gong:
*1/2(mäßig):“Fließbandkrimi(…)Für Wallace-Fans.“

Pauer:
„Geschmälert wird der Genuss an dem Geschehen durch die unbefriedigende Lösung bei der Demaskierung des Abtes und der unausgewogenen dramaturgischen Placierung der einzelnen Rollen.(…)Auch alle übrigen Darsteller(…)gestalteten den Film zu einem angenehmen Gruselerlebnis…““

Kramp:
„Trotzdem handelte es sich am Ende nur um einen Durchschnitts-Wallace…Franz Josef Gottlieb(…)inszenierte gar zu tempolos.“

Tses:
„Ein schwaches Buch, um daraus einen guten Krimi zu machen. Die zwei Äbte stiften eher Verwirrung als Spannung. Alles ist so harmlos wie eine Fahrt durch die Geisterbahn. Musik und Kamera sind brillant.(…)Die Eröffnungsszene, in der Kurd Pieritz vom schwarzen Abt ermordet wird, gehört zu den beeindruckendsten der gesamten Serie.“

Hohmann:
„Die Kombination aus der gewollt zahmen Freigabe und der – in dieser Kombination unglücklichen – Fokussierung auf die Horrorelemente ist sicherlich mit ein Grund dafür, dass der schwarze Abt eher zu den mittelmäßigen Werken innerhalb der Reihe gehörte.(…) Durch die faszinierende Kulisse(…)und dem wunderbaren Score von Martin Böttcher entwickelte sich der schwarze Abt zeitweilig zu einem atmosphärischen, wenngleich auch harmlosen Gruselfilm, der passabel unterhielt, jedoch nie wirklich spannend oder packend geriet. Zu halbherzig in der Umsetzung, zu lahm und ideenlos von Gottlieb inszeniert, als das mehr als solider Durchschnitt dabei heraus kommen konnte.“

Meine Meinung:
Der Abt hat einige Highlights zu bieten: die Musik von Martin Böttcher, die in ihrem gesamten Stil (nicht nur beim Abt) oftmals pompöser und musikalisch vollkommener wirkt als die von Peter Thomas; der trefflich so nachsynchronisierte Schrei des sterbenden Kurd Pieritz, der lange in dieser Intensität im Gedächtnis bleibt; und auch Charles Regnier als Puddler in einer unnachahmlich kodderschnäuzigen Art, mit der er allen Beteiligten über das Maul fährt, dass sich die Balken biegen.
Ansonsten haben wir eine, wie üblich, tolle Darstellerriege mit einem brillanten Dieter Borsche, dem faszinierenden Werner Peters und auch dem Wüsten-Harry, der immer wieder für ein herrlich verruchtes Flair sorgt.
Ansonsten ist es tatsächlich so, dass der letzte Funke nicht überspringt. Es bleibt teils horrormäßig zu harmlos, durch die zwei Äbte zu verworren und wirkt insgesamt irgendwie bieder.
Ich sehe den Film etwas stärker als diejenigen, denen ich 3 Punkte gegeben habe, aber doch noch etwas schwächer als die „Tür“ (3,5)…insofern müsste ich 3,25 von 5 Punkten geben ; mit Tendenz zur 3,5 aufgrund der o.g. Stärken, denn alleine Regnier und die Kampfhähne Peters und Wüstenhagen machen den Streifen schon sehenswert.

patrick Offline




Beiträge: 3.244

16.02.2019 18:43
#174 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Der schwarze Abt (1963)



Regie: Franz Josef Gottlieb

Drehzeit: 17.04.1963 - 28.05.1963

Mit: Joachim Fuchsberger, Grit Boettcher, Dieter Borsche, Charles Regnier, Eddi Arent, Klaus Kinski, Eva-Ingeborg Scholz, Werner Peters, Alice Treff, Harry Wüstenhagen, Friedrich Schoenfelder, Kurd Pieritz


Handlung:

In der Gegend um Chelford Manor treibt ein geheimnisvoll vermummter Abt sein Unwesen, der auch Mord auf sein Konto nimmt. Das Schloss selbst wird von dem seelisch labilen Harry Chelford und dessen Vetter Dick bewohnt. Harry lebt für die fixe Idee, den legendären Chelford-Schatz zu finden, der irgendwo in den alten Gemäuern der Abtei von Fossaway versteckt sein sollte. Allerdings haben auch zwielichtige Charaktere Wind von der Sache bekommen und gieren nach dem sagenumwobenen Vermögen. Ein Netz von Erpressung und Intrigen spinnt sich langsam um Chelford Manor und neben dem Abt wandelt nun auch die eigentlich verstorbene Lady Chelford um die Gemäuer herum...


Anmerkungen:

Franz Josef Gottlieb darf als Regisseur gewiss mit einer gewissen Vorsicht genossen werden, hat er doch immer wieder Filme in den Sand gesetzte. Besonders hervorzuheben ist diesbezüglich seine qualitativ (nicht aber kommerziell) verunglückter Wallace-Beitrag "Der Fluch der gelben Schlange". Dennoch täte man ihm Unrecht, ihn kathegorisch zu verteufeln, denn mit dem "Schwarzen Abt" lieferte er ein kleines Meisterwerk ab, das sich ohne Weiteres unter die Top-Filme der Wallace-Serie reihen darf. Gottlieb ist hier nämlich der Volltreffer gelungen, einen besonders schönen Geisterbahn-Wallace exzellent in Szene zu setzen. Die von Nebel umgebenen alten Gemäuer und die obligatorischen Käuzchen-Rufe bieten eine Gothic-Atmosphäre vom Allerfeinsten, die den zeitgleich florierenden britischen Hammer-Filmen alle Ehre gemacht hätte. Womöglich hat der Regisseur sich dabei auch ein bisschen an dem Alfred-Vorher-Film "Die Tür mit den sieben Schlössern" orientiert, hatte man sich dort bereits um eine ähnliche Atmosphäre bemüht. Allerdings kommt man im Abt diesbezüglich wesentlich mehr auf seine Kosten, ist es doch zweifellos jener Wallace-Film mit den reizvollsten und zugleich auch heimeligsten Schauplätzen der Reihe. Diverse Gestalten, die sich im Zwielicht der Abtei herumdrücken, sind dabei auch besonders wirkungsvoll ausgeleuchtet. Für Kamera und Settings würde der Film glatt einen kleinen Oscar verdienen. Zu meiner großen Freude darf Martin Böttcher wieder den Taktstock schwingen, was einen Garant für die perfekte musikalische Untermalung bietet.

Was jedoch etwas kurz kommt ist der kriminalistische Aspekt - und genau hier dürfte der Fallstrick liegen, der ähnlich wie beim "Bogenschützen" und der "Blauen Hand" vielen Krimifreunden den Film madig macht. Die Identität des titelgebenden Abts wird ja bereits in der Mitte des Films preisgegeben, was jeglichen Whodunit zunichte macht. Auch hat der Kuttenträger einen bösartigen Doppelgänger, der ebenfalls vorzeitig demaskiert wird und dabei auch gleich das Zeitliche segnet. Allerdings darf eine Reihe von Charakteren mit zweifelhafter Moral erpresserisch auf den Plan treten und gegeneinander intrigieren was das Zeug hält. Dabei ist es nicht immer einfach, so richtig den Durchblick zu bewahren. Dafür bleibt natürlich auch noch das Motiv um die Schatzsuche, welches schön spannend und düster inszeniert ist.

Joachim Fuchsberger ist ausnahmsweise mal nicht der Ermittler, sondern darf sich ein bisschen verdächtig machen. Allzu weit geht man jedoch nicht damit, ihn in einem anderen Licht zu präsentieren, bleibt er doch schlussendlich seinem Image als moralisch untadeliger Held treu. Als trockener Inspektor Puddler gibt Charles Regnier eine passable Figur ab und wird von Eddi Arent als Assistent Smith unterstützt, der es mit dem platten Humor leider wieder einmal völlig übertreibt. Gerade sein Schlusswort "Wenn man vom schwarzen Abt nicht gesehen werden will, darf man selbst nichts sehen" entbehrt jeglicher Sinnhaftigkeit und ist gelinde gesagt einfach nur peinlich. Nichts gegen guten Humor, aber wenn sämtliche Versuche witzig zu sein über ein solches Niveau nicht hinauszuwachsen vermögen, spart man die "Lustigkeit" doch besser aus.

Nachdem Dieter Borsche sich in den "Augen" ausgezeichnet als diabolischer Bösewicht profilierte, bleibt er seinem neuen Image treu und darf als so langsam dem Wahnsinn verfallender Harry Chelford fleißig Grimassen schneiden und im Finale dann auch ein bisschen Amok laufen. Etwas zu offensichtlich ist der kaum vorhandene Altersunterschied zwischen ihm und seiner Film-Mutter. Schade ist übrigens, dass man als Zuseher nicht Zeuge des Mordes an Werner Peters sein darf. Die Konfrontation Borsche-Peters hätte schon etwas für sich gehabt.

Fazit:

Gegner des Abts werden gewiss eine große Angriffsfläche vorfinden, wenn es darum geht, den Film zu verreißen. Neben dem völlig verunglückten Whodunit und dem stark an den Bogenschützen erinnernden Verwirrspiel mit zwei Äbten ist es auch sonst, zumindest bei der ersten Sichtung, schwierig den Überblick zu wahren. Ferner kann man den Motiven für das Auftreten des "guten Abts" durchaus Naivität vorwerfen. Eigentlich ist der vorliegende Film weniger ein Krimi, als ein ausgesprochen unterhaltsames Gothic-Abenteuer um diverse "Jäger des verlorenen Schatzes". Ist man allerdings bereit, dies zu goutieren, seine Krimi-Ansprüche runterzuschrauben und dabei einen exzellenten "Old-School-Grusel-Kracher" zu genießen, wird man von diesem Wallace wie von keinem Zweiten verwöhnt, denn der Streifen bietet gerade Gothic-Freunden einen wahren Augenschmaus. Das Publikum von 1963 dürfte es ähnlich gesehen haben und hat den Abt mit einem tollen Einspielergebnis belohnt. Ich bin daher erneut bereit, für einen hier im Forum viel zu wenig geschätzten Film eine Lanze zu brechen und ohne zu zögern klare 5 von 5 Punkten springen zu lassen. Der Abt gehört zu jenen Wallace-Filmen, die mir persönlich am meisten Freude machen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2019 21:15
#175 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten



Edgar Wallace: Der schwarze Abt (Le crapaud masqué)

Kriminalfilm, BRD / FR 1963. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Johannes Kai, Franz Josef Gottlieb (Romanvorlage „The Black Abbot“, 1926: Edgar Wallace). Mit: Joachim Fuchsberger (Dick Alford), Grit Böttcher (Leslie Gine), Dieter Borsche (Lord Harry Chelford), Charles Regnier (Inspektor Puddler), Eva-Ingeborg Scholz (Mary Wenner), Werner Peters (Fabian Gilder), Harry Wüstenhagen (Arthur Gine), Eddi Arent (Kriminalassistent Horatio W. Smith), Klaus Kinski (Butler Thomas Fortuna), Alice Treff (Lady Chelford), Friedrich Schoenfelder (Dr. Loxon), Kurd Pieritz (Mr. Smooth) u.a. Uraufführung (BRD): 5. Juli 1963. Eine Produktion der Rialto-Film Preben Philipsen Berlin und der Les Films Jacques Leitienne Paris im Constantin-Filmverleih München.

Zitat von Der schwarze Abt
Schon seit Langem erzählt man sich, dass in der Abtei von Fossaway ein Geist in Gestalt eines schwarz vermummten Abtes sein Unwesen treiben soll. Das Messer, das dort den Jagdhausbesitzer Smooth tötete, wurde aber eindeutig von menschlicher Hand geführt! Während sich Lord Harry Chelford von dem unangenehmen Zwischenfall nicht von seiner manischen Suche nach dem sagenumwobenen Schatz in der Abtei abhalten lässt, bezahlen einige seiner Konkurrenten, die sich das verborgene Gold lieber selbst unter den Nagel reißen wollen, ihre Habgier mit ihrem Leben. Harrys Vetter Dick Alford hat alle Hände voll damit zu tun, die aus dem Ruder gelaufene Situation vor der Polizei ins rechte Licht zu rücken und gleichzeitig zu verhindern, dass Leslie Gine, die ihm sehr nahe steht, sich mit einer Heirat mit dem wahnsinnigen Lord ins Unglück stürzt ...


„Chelford Manor hat einiges zu bieten: seit Monaten ein Gespenst und jetzt auch noch eine Leiche.“

Zum ersten Mal seit dem „grünen Bogenschützen“ nahmen sich die Verantwortlichen der Rialto-Film wieder eines Wallace-Romans an, in dessen Mittelpunkt eine „übernatürliche“ und beinah märchenhaft verkleidete Gestalt steht. Hatte die Filmreihe bis dato zwar zahlreiche Variationen des facettenreichen Detektivkrimis ausprobiert, sich dabei im Wesentlichen aber hart, modern und thrillig präsentiert, so markiert der „Abt“ mit seinem schwarzgewandeten mittelalterlichen Kapuzenschurken eine Abkehr von dieser geradlinigen Machart hin zum klamottigen Klischee, was in den Folgejahren immer stärker an Präsenz gewinnen würde. Im Zusammenhang mit der Produktion wird folglich oft das Wort „Geisterbahn“ verwendet, was etwas abfällig wirkt, in Anbetracht der formelhaften Spannungselemente (ein Mörder, der wie ein angebliches Gespenst auftritt, ein verborgener Schatz, Familienwahnsinn und eine Tote, die niemals gestorben ist) durchaus über Berechtigung verfügt. Tatsächlich hätte aus dem „schwarzen Abt“ auch unter einer derartigen Prämisse ein gelungener Film werden können, sofern man einen im Horror-Bereich versierteren Regisseur gewählt und seitens der Rialto keine FSK-12-Freigabe als Richtwert für die Produktion vorgegeben hätte. Mit Franz Josef Gottlieb im Regiestuhl und einem Drehbuch, das tunlichst davor zurückschreckt, sein eigenes Potenzial auszukosten, wirkt der Film jedoch ausgesprochen harmlos und trotz fachkundiger Aufmachung einigermaßen hausbacken. Es genügt eben nicht, einen lauen Film mit optisch atemberaubenden Scope-Bildern aus ungewöhnlichen Perspektiven anzureichern und allein davon auf einen guten Gesamteindruck zu schlussfolgern.

Gottliebs Kardinalfehler ist es, trotz der eigentlich perfekt dafür ausgelegten Rahmenbedingungen keinerlei wirklich unheimliche Momente zu schaffen. Allein schon die Auftaktsequenz des gleichnamigen Kinderhörspiels (!) von Europa ist gruseliger als jede Szene in der „schwarzer Abt“-Verfilmung. Zudem timte der Spielleiter wichtige Szenen einfach nicht richtig, sodass sie zwar attraktiv aussehen, aber zur Hälfte ihren Reiz für den Zuschauer verlieren. Szenen wie Mary Wenners Suche nach dem Schatz an der Seite wechselnder Begleiter oder auch die abschließende Jagd nach dem irre gewordenen Lord Chelford ziehen sich teilweise wie Kaugummi, weil die oberste Devise offenbar nicht war, stofflich straff zu agieren, sondern möglichst viel von den Abteiruinen und dem Höhlenlabyrinth zu zeigen. Obwohl „Der schwarze Abt“ nur knappe 85 Minuten läuft, kommt es deshalb durchgängig immer wieder zu Längen, die sich auch aus der insgesamt zu geringen Anzahl der handelnden Charaktere ergeben. Das isolierte Landschloss-Setting bringt den Zuschauer um typische Wallace’sche Verbrechergestalten, wie sie sonst so gern eingesetzt wurden, und lässt einige Figuren (vor allem den vorwitzigen Kriminalassistenten) deplatziert wirken. Um einen Ausgleich zu schaffen, legte man die Fuchsberger-Figur angenehm doppelbödig an – eine willkommene Herausforderung für den bereits oft beanspruchten Hauptdarsteller, der hier mit großer Bravour eine andere, undurchsichtige Seite zeigen darf. Dick Alford belügt die Polizei, vertuscht Spuren, agiert im Verborgenen und die Szene, in der er sich als Abt die Kapuze vom Kopf zieht, dürfte dem damaligen Kinopublikum und noch jedem Erstseher des Films den Atem stocken gelassen haben. Allein die Enthüllung, dass Fuchsberger unter der Kostümierung steckt, ist den Aufwand wert, zwei Äbte durch die Szenerie geistern zu lassen, zumal die (erst später präzisierte) Unterscheidung zwischen einem guten und einem bösen Abt hier für den Zuschauer mehr Sinn ergibt als im „grünen Bogenschützen“. Auch die Enttarnung der jeweiligen Kapuzenträger erfolgt genau zu den richtigen Zeitpunkten im Film: die erste als Aha-Moment, um den gestreckten Mittelteil etwas goutierbarer zu gestalten, und die zweite gerade rechtzeitig, um anschließend auf den bei Lord Chelford durchgebrochenen Wahnsinn als Leitmotiv für den Rest des Films umzuschwenken. Dieser und der Familienschatz stellen im Endeffekt interessantere Motive dar als eine lapidare Whodunit-Frage, sodass dem Drehbuch zumindest in dieser Hinsicht nicht das Geringste vorzuwerfen ist.

Ähnlich wie für die meisten Wallace-Filme gilt: „Der schwarze Abt“ lebt ganz immens von seinen hervorragenden Darstellerleistungen. Stärker noch als in manch anderem Film fällt die Besetzung auf absolut überzeugende Weise mit den Eigenschaften der Charaktere zusammen. Fuchsberger als selbstsicherer, etwas schnodderiger Anführer, Kinski als krimineller Butler, Peters als schmieriger Betrüger und Wüstenhagen als verbrecherischer Anwalt in Nöten sind ein erprobtes Quartett, das sich wahrlich sehen lassen kann. Ergänzt wird es durch hervorragende Gastleistungen von Dieter Borsche, Eva-Ingeborg Scholz und Charles Regnier. Letzterer steigerte sich gegenüber seiner hölzernen Darstellung in „Der Fluch der gelben Schlange“ merklich und verdient damit seinen Inspektor-Parr-ähnlichen Ruhm als Einmal-Ermittler. Auf der kritischeren Seite fügen Grit Böttcher und Eddi Arent keine Gründe hinzu, sich den „schwarzen Abt“ ihretwegen anzusehen. Die Hauptdarstellerin verschuldet ihre schwache Leistung zwar nur bedingt selbst, weil ihre Rolle bereits hoffnungslos naiv angelegt ist, setzt dem mit ihrer Art des Spiels aber auch nichts Eigenständiges entgegen. Und dass Arent unter Gottlieb keine guten Momente hatte, bestätigt sich in allen drei fraglichen Filmen – wobei seine Rolle im vorliegenden Film vermutlich noch der am wenigsten fürchterliche der drei misslungenen Auftritte ist.

Während man dem „Abt“ im darstellerischen sowie im Kamera- und selbst im Musik-Bereich wenige Vorwürfe machen kann, künden die Kulissen des Films bereits von der neuen Berliner Sparsamkeit des neuen Architektenduos Wilhelm Vorwerg und Walter Kutz, die von hier an bis ins Jahr 1968 allen Wallace-Filmen ihren gleichförmigen, teilweise grotesken, teilweise poppigen, teilweise billigen Stil aufprägten. Rückschritte in der Qualität der Ausstattung ergeben sich nicht nur hinsichtlich der eher spärlich eingerichteten Innenräume von Chelford Manor, sondern vor allem in Bezug auf die Abteiruinen, deren Künstlichkeit nur schwer verborgen werden kann. Ihr gewollt ruinöser Zustand bei gleichzeitigem Vorhandensein einer dünnen, hellen Kiesschicht auf tellerflacher pflanzenfreier Unterlage verrät eine eher suboptimale Ausgestaltung dieses zentralen Schauplatzes. Zusammen mit den liegengelassenen Chancen für echte Schreckmomente wirft dieses Versäumnis ein eher bedauerliches Licht auf den Film.

Auf dem Papier muss „Der schwarze Abt“ wie ein perfekter Wallace-Film ausgesehen haben: Die spektakuläre Mörder-Gestalt, zur Abwechslung willkommene Gothic-Elemente in einer sonst eher thrillergeprägten Reihe und eine erlesene, typgerechte Besetzung sprechen für die Professionalität der Rialto. Doch dann gingen Regie und Kulissenbauer zu lasch zu Werke und zogen aus einer großen Chance nur geringen Nutzen. Zwar zeigt sich der „Abt“ somit in einzelnen Momenten gelungen, bleibt aber im Gesamteindruck weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

16.02.2019 21:43
#176 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Und analog zum Affenfinale aus der "Tür" noch die Gretchenfrage an die Hobbybiologen zum "Abt": Sind die Fledermäuse echt?

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 106

16.02.2019 23:22
#177 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Die Musik von Martin Böttcher ist vielleicht das Beste am ganzen Film. Immer etwas mehr Easy Listening als bei Peter Thomas, möglicherweise auch recht ähnlich zu seinen anderen Werken - aber auf jeden Fall von hohem Wiedererkennungswert und ebensolcher Qualität.

Der Rest des Filmes erinnert von der Inszenierung an die gelbe Schlange: holprig und hölzern. Die Überleitungen sind dramaturgisch schlecht umgesetzt, teilweise verwirren Personen, die plötzlich auftauchen und alle ihr eigenes Süppchen kochen.
Zu viele Nebenszenen, kein roter Faden.

Es reicht auch nicht nur ein lächerlich aussehender Abt (der dazu oft einfach nur blöd herumsteht) - nein, ähnlich wie beim Bogenschützen müssen es zwei Figuren sein - alleine der Sinn und Zweck erschließt sich mir nicht.

Überhaupt hat man den Eindruck, Gottlieb ließ die Darsteller irgendwie alleine - und die konnten dann sehen, was sie daraus machen. Fuchsberger spielt für mich ausgesprochen lustlos und blass, Arent übertreibt mal wieder, Eva-Ingeborg Scholz ist überhaupt die größte Fehlbesetzung: Ihr überrtriebenes Gekreische beim Anblick der albernen Fledermäuse ist zum Fremdschämen und passt überhaupt nicht zum vorher demonstrativ zur Schau gestellten Coolness. Gerade in der Kombi mit Peters hätte eine Gisela Uhlen sehr viel besser gepasst. Immerhin funktionert das Zusammenspiel von Peters und Wüstenhagen sehr gut, besonders in der Szene, in der Peters seine zahlreichen Aliasse als Buchmacher preisgibt.

Seltsam auch die Rolle von Inspector Puddler - die empörte Bemerkung von Lord Chelford (und sein Verwalter heißt wirklich Alford? ), der Inspector mache wohl eher Urlaub auf dem Schloss, ist gar nicht so falsch. Ich habe noch nie einen so untätigen Ermittler erlebt. Die meiste Zeit sitzt er nur herum und raucht. Wenn er doch so viel weiß, hätte er alles gleich am Anfang lösen können, aber er bekommt nicht wirklich viel gebacken.

Das Ende zieht sich, die unterirdischen Gänge sind nicht gerade so spannend - und auch wenn Dieter Borsche gewohnt gut spielt, sind seine Einlagen manchmal doch am Rande einer Parodie. Überhaupt wirkt der Film gegen Ende immer mehr, als ob ihn keiner so recht ernst genommen hätte - obwohl Gottlieb ja nun nicht gerade für seinen Humor bekannt war... das klamaukige Ende ist dann nur das i-Tüpfelchen.

Der Humor funktioniert nicht, die Spannung fehlt, gruselig ist auch nichts an diesem Film.

Es ist mir komplett schleierhaft, wie man diesem Beitrag zur Wallace-Serie die volle Punktzahl geben kann.
2,5 / 5 mit viel Wohlwollen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

17.02.2019 00:12
#178 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Den "Abt" hatte ich auch fragwürdig in Erinnerung, um es freundlich zu formulieren. Und trotz einer vergleichsweise positiven Überraschung bei der gestrigen Sichtung liegt es nahe, dass ich einigen deiner Kritikpunkte nach wie vor zustimme. Energischen Widerspruch muss ich diesmal jedoch gegen die Fuchsberger-Kritik einlegen: Seine Rolle im "Abt" ist wirklich etwas ganz Besonderes und eigentlich ein echtes Fest für Blacky-Fans. Aus drei Gründen:

1. Er spielt am Anfang ganz stark als zwielichtige Person auf. Seine ersten Szenen mit Dieter Borsche und Klaus Kinski sind echtes Gold. Völlig ungewohnt, aber richtig gut! Er zeigt sich kaltschnäuzig, hintertrieben und wie jemand, der schon in alle Geheimnisse eingeweiht ist - für den sonst so korrekten Ermittler eine ungewöhnliche Ausgangslage, aus der er viel macht.

2. Ungefähr zur Mitte des Films kommt dann der große Moment, als Fuchsberger sich nach dem Kampf mit Arent die Abt-Maske vom Gesicht zieht. Da zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt ist, dass es zwei Äbte gibt, musste das Publikum damals im Kino und seitdem auch jeder Erstseher vermuten, dass Fuchsberger diesmal einen Mörder spielt. Das ist so ein krasser Moment; für mich eindeutig die Szene des Films. Ich kann mich noch an meinen Schock während meiner ersten Sichtung erinnern.

3. Einen weiteren hervorragenden Moment hat Fuchsberger im Finale, als Dieter Borsche - wie Patrick so schön geschrieben hat - Amok läuft. Fuchsberger und Borsche spielen miteinander verwandte Charaktere. Dick Alford stellt sich also unbewaffnet vor seinen mit Gewehr ausgerüsteten wahnsinnigen Vetter, nimmt die Hände hoch und versucht, ihn unter Einsatz seines Lebens zu beruhigen. Auch das ist ungeheuer intensiv.

Klar, zwischendurch gibt es drehbuchbedingt einige eher laue Momente, z.B. mit Grit Böttcher. Aber die halten sich eigentlich in Grenzen, wenn man bedenkt, dass das Drehbuch von Johannes Kai stammt, dem Autor des schwülstigen Liebesdramas, das wir "Fälscher von London" nennen.

Tarzan Offline



Beiträge: 1.007

17.02.2019 00:46
#179 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Gottlieb hat den Film versaut, Böttcher ihn verschönert. Einer der Wallace-Filme, die mir die Liebe zu den Krimi-Märchen brachte. Egal, wie verworren die Handlung ist - Blacky, Regnier, Kinski, Wüstenhagen, Arent, Grit Böttcher (oder besser ihr Busen) - eine Symphonie in Schwarzweiß. In Fossaway spuckt's...!!!

Havi17 Offline




Beiträge: 3.700

17.02.2019 01:18
#180 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von patrick im Beitrag #3
Der schwarze Abt (1963)

Eigentlich ist der vorliegende Film weniger ein Krimi, als ein ausgesprochen unterhaltsames Gothic-Abenteuer um diverse "Jäger des verlorenen Schatzes". ... wird man von diesem Wallace wie von keinem Zweiten verwöhnt, denn der Streifen bietet gerade Gothic-Freunden einen wahren Augenschmaus. Ich bin daher erneut bereit, für einen hier im Forum viel zu wenig geschätzten Film eine Lanze zu brechen und ohne zu zögern klare 5 von 5 Punkten springen zu lassen. Der Abt gehört zu jenen Wallace-Filmen, die mir persönlich am meisten Freude machen.


Ich kann dem nur voll zustimmen, auch passen die Parallelen zum Bogenschützen. Punkto kein WhoDoneIt gehört auch das Verrätertor dazu. Und sofort wird klar, warum diese Filme bei den meisten hier im Forum so schlecht abschneiden, wobei das für mich kein Kriterium für einen guten Film ist, das hast Du gut erkannt. Ich lege großen Wert auf Unterhaltung und schaue mir Top10 Filme gerne immer wieder an, das fällt mir bei diesen Filmen am leichtesten, denn sie benötigen kein WhoDoneit um herausragend zu sein.

Gruss
Havi17

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