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Giacco Offline



Beiträge: 2.532

17.02.2019 10:06
#181 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

"Ist es wirklich unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein? Der Anschein spricht dafür, wenn man wie in diesem Fall in München wochentags schon zur Mittagszeit das Filmtheater fast ausverkauft findet! Was hat dieser "Schwarze Abt" den Krimifreunden eigentlich zu bieten? Grusel-Spannung und Unterhaltung, effektvolle Fotografie und temperamentvolle Musik, schauspielerische Qualität in Maßen, ein paar Dialogspäße von Eddi Arent und die gehörige Anzahl Leichen. Der Zuschauer wird keineswegs gelangweilt - im Gegenteil. Er hat die Möglichkeit, sich an einer nicht alltäglichen Schatzsuche in einer verwirrenden Dekoration zu beteiligen. Er trifft einen sehr zahlreichen Personenkreis in dieser Dekoration an: alles mehr oder weniger schurkische, betrügerische, brutale, teilweise auch verrückte - auf jeden Fall aber undurchschaubare, vom Autor nur flüchtig entworfene Charaktere. Lediglich der Kommissar tut mit lässiger Arroganz so, als ob er alles und jeden haarscharf durchschaue. Und erst zum Schluß merkt man, dass auch er sich vom Strom der bewegten, aber konfusen Geschichte treiben ließ, bis endlich eine Kette von Zufällen alles aufklärt." (Film-Echo, Juli 1963)

Film-Echo-Note: 2,4 (75) / Erstnote: 2,0

In Frankreich kam der "Abt" am 8.7.1964 in die Kinos - also fast genau ein Jahr später. Dort wurden 187.481 Besucher verzeichnet, davon 20.639 in der Startwoche in Paris.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

17.02.2019 10:51
#182 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Mein Fazit : wie oben schon jemand schrieb.....ein wenig "härter" jenseits der FSK 12 hätte gut getan um den Abt bedrohlicher werden zu lassen.Ansonsten hat wohl jeder ein bischen Recht mit seinen Bewertungen,bloß jeweils aus seiner Sicht. Fuchsberger wird zB. von Anbeginn als selbstloser Vetter aufgebaut und jeder merkt das er den übergeschnappten Lord schützen will.Sogar seine Angebetete tastet er selbstlos nicht an.
Sein Gesicht enthüllen in der Kutte kommt eher wie gelungener Showauftritt mit Finale rüber.Tatata....ich bins nur.
(Anders zB. im Felmy/Henker ....da ist man eher "schockiert" )
Was ich sagen will.....Fuchsberger bleibt auch hier seiner Sache treu.
Fledermäuse ........geschenkt.
Humor (?)......auch hier wäre weniger mehr gewesen .

unter dem Strich.....einer meiner Lieblings Wallace ,prägent für viele Jahre.

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 107

17.02.2019 11:11
#183 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Ich brauche nicht unbedingt einen Whodunit, wenn der Film ansonsten gut gemacht ist.
Beim schwarzen Abt komme ich jedoch überhaupt nicht mit der verworrenen Story klar:

- Warum verkleidet sich Kinski überhaupt als Abt, macht er dies auf eigene Rechnung oder gehört dies zum Auftrag von Gilder?
- Warum mimt Fuchsberger ebenfalls den Abt? Was hat er davon?
- Was ist überhaupt der Sinn dieser Verkleidung? Angst jagt er ja nun keinem Schatzsucher ein, jedenfalls nicht so viel, um alle abzuschrecken.
- Warum wird dem armen Lord erzählt, seine Mutter wäre gestorben und warum wird sie von ihm komplett isoliert?
- Warum erkennt sie ihren eigenen Sohn nicht - ist sie so krank?
- Woher hat Mary Wenner eigentlich den Zugang zum Schatz? Jahrhundertelang liegt er herum - und keiner konnte ihn finden.
- Hätte man die schlecht verdeckte Falltüre nicht vorher finden können? Gerade Lord Chelford mit seiner unermüdlichen Suche?
- Woher hat Gine denn erfahren, wo die Falltür ist?
- Welche Daseinsberechtigung hat Leslie Gine? Nur damit eine "Jungfrau in Nöten" eingearbeitet wird?
- Wie kommt ein Inspector eigentlich dazu, sich samt Assistenten einfach in einem Schloss einzuquartieren - noch dazu ohne erkennbare Ermittlungstätigkeit?

Ein gutes Buch benötigt eine Prämisse, und genau das fehlt in diesem Film für mich.

greaves Offline




Beiträge: 583

17.02.2019 12:26
#184 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Der schwarze Abt

den Film habe ich damals vor bald 30 Jahren im TV nicht gesehen und nicht gewusst,dass es diesen Film überhaupt gibt..


Die Schauspieler wie Fuchsberger,Arent,Peters,Kinski,Wüstenhagen,Borsche,Pieritz usw. sind gut Besetzt.Fuchsberger und Arent gefallen mir hier in diesem Film am besten.
Mit den Damen habe ich einwenig mühe.Besonders mit Grit Böttcher.Hier ist sie einfach blass und püppchenmässig..
Allgemein kann ich mit dem schwarzen Abt nicht viel anfangen.In meinen Augen hat man hier viel verbockt.Besonders das mit den zuvielen Kuttenträgern.Da hätte man vieles besser machen können.. Wirre Story und es dreht sich viel nur um den Schatz ..

Was mir gefällt ist der erste Mord am Anfang,die farbigen Titelcredits und die 4 Wallace-Einschüsse die das ENDE ankündigen.

Drehorte sind teils bekannt,teils noch nicht...Vorallem die Abtei.Studio oder Orginal?
Meine Vermutung/Meinung ist Studio. (ähnlich wie im Fluch,die Anfangsequenz mit der aufgebrochenen Pagode)hat irgendwie auch ähnlichkeit wies für mich scheint...

Sonst kennt man ja vieles wie teile vom Park Glienicke und CCC Studios aussen/innen.

Der schwarze Abt hängt bei mir ziemlich hinten bei meinen Favoriten.

ich gebe 2 von 5 Punkten

patrick Offline




Beiträge: 3.245

17.02.2019 18:50
#185 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Warum verkleidet sich Kinski überhaupt als Abt, macht er dies auf eigene Rechnung oder gehört dies zum Auftrag von Gilder?

Um die Legende aufrecht zu erhalten und lästige Leute wie Smooth fernzuhalten.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Warum mimt Fuchsberger ebenfalls den Abt? Was hat er davon?

Er will seiner verwirrten Tante helfen, die an das Lebenselexier des Abts glaubt.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Warum wird dem armen Lord erzählt, seine Mutter wäre gestorben und warum wird sie von ihm komplett isoliert?

Weil man ihm ersparen will, von deren schweren Geisteskrankheit zu erfahren, die ja erblich ist.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Warum erkennt sie ihren eigenen Sohn nicht - ist sie so krank?

Ja
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Woher hat Mary Wenner eigentlich den Zugang zum Schatz? Jahrhundertelang liegt er herum - und keiner konnte ihn finden.

Sie befand sich ja in Harrys Umfeld, hat dort sicher herumgeschnüffelt und war wohl schlauer als er.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Hätte man die schlecht verdeckte Falltüre nicht vorher finden können? Gerade Lord Chelford mit seiner unermüdlichen Suche?

Hat schlicht und einfach dramaturgische Gründe.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Woher hat Gine denn erfahren, wo die Falltür ist?

War eben auch ein Pfiffikus.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Welche Daseinsberechtigung hat Leslie Gine? Nur damit eine "Jungfrau in Nöten" eingearbeitet wird?

Ein weiblicher Aufputz war eben üblich.
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #12
- Wie kommt ein Inspector eigentlich dazu, sich samt Assistenten einfach in einem Schloss einzuquartieren - noch dazu ohne erkennbare Ermittlungstätigkeit?

Das gleiche haben wir ja auch bei Margarethe Rutherfords Miss-Marple-Filmen.

Wie schon erwähnt, zählen bei mir Unterhaltungswert und Atmosphäre. Entweder gefällt mir der Film oder auch nicht. Wenn nicht, fallen mir natürlich reihenweise Gründe ein, woran es liegt. Schlussendlich ist es aber immer einfach der Geschmack. Große Fragen stelle ich mir daher auch nicht. Die Wallace-Filme sind einfach Märchen, die vor Unlogik nur so strotzen. Nach dem Motto "Alltag raus, Wallace rein" ist das aber auch ganz ok.

patrick Offline




Beiträge: 3.245

17.02.2019 18:54
#186 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #5
Und analog zum Affenfinale aus der "Tür" noch die Gretchenfrage an die Hobbybiologen zum "Abt": Sind die Fledermäuse echt?


Die Fledermäuse bei Hammer sahen auch immer so aus. Wirkt tatsächlich etwas lächerlich - aber was soll's.

patrick Offline




Beiträge: 3.245

17.02.2019 19:02
#187 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #9

Und sofort wird klar, warum diese Filme bei den meisten hier im Forum so schlecht abschneiden, wobei das für mich kein Kriterium für einen guten Film ist... Ich lege großen Wert auf Unterhaltung und schaue mir Top10 Filme gerne immer wieder an, das fällt mir bei diesen Filmen am leichtesten, denn sie benötigen kein WhoDoneit um herausragend zu sein.


So ist es. Ich habe sehr gern atmosphärische Grusel- und Gothic-Filme und kann deshalb wunderbar damit leben, wenn der Film eben kein richtiger Krimi ist, solange er auch andere Elemente bedient, für die ich offen bin. Ein guter Wallace-Film mit seinen typischen Klischees ist für mich einfach ein kleines Kunstwerk, das ich auch bei wiederholten Sichtungen immer wieder genieße.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.616

19.02.2019 10:32
#188 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #6
(...) die empörte Bemerkung von Lord Chelford (und sein Verwalter heißt wirklich Alford? ) (...)


Sie heißen beide Alford. Chelford ist nur der Titel. Harry Alford, 18. Earl of Chelford wäre der komplette Name. Und im Roman sind es auch Halbbrüder.

Dr.Mangrove Offline




Beiträge: 107

19.02.2019 21:55
#189 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #17
Zitat von Dr.Mangrove im Beitrag #6
(...) die empörte Bemerkung von Lord Chelford (und sein Verwalter heißt wirklich Alford? ) (...)


Sie heißen beide Alford. Chelford ist nur der Titel. Harry Alford, 18. Earl of Chelford wäre der komplette Name. Und im Roman sind es auch Halbbrüder.


Ja, stimmt, habe ich im Buch gesehen. Trotzdem seltsam, dass Lord Chelford ausgerechnet Alford heißt...

Uli1972 Offline



Beiträge: 48

21.02.2019 18:59
#190 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

"Der schwarze Abt" war der erste Wallace, den ich als Kind im ZDF gesehen habe. Damals hatte er für mich schon einen ziemlichen Gruselfaktor. Allein der erste Mord in der Eingangssequenz. Heute sehe ich ihn als einen soliden Wallace, dem teilweise ein wenig die Spannung fehlt. Da ist leider ein wenig zu früh die Luft raus. Wenn es um eine Art "Märchenverfilmung" geht, über die im Zusammenhang mit den Wallace-Filmen öfter gesprochen wird, finde ich ihn sehr gelungen. Als Krimi weniger. Gothic - naja.
3 von 5 Punkten.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 645

22.02.2019 14:19
#191 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Der Roman Der schwarze Abt macht es einem Regisseur nicht ganz so einfach. Die titelgebende Figur ist kein Oberhaupt einer Verbrecherbande und auch kein von Rache getriebener Serientäter, sondern nur eine legendäre Gestalt, die einen halbwahnsinnigen Lord erschrecken soll, ansonsten aber keine kriminellen Aktionen auf dem Gewissen hat. Tatsächlich gibt es auch „nur“ zwei Tote – einmal den dahingemeuchelten „falschen“ Schwarzen Abt, den verkleideten Butler Thomas, und zum anderen den vom Goldschatz erschlagenen Harry Chelford. Beides wurde ja irgendwie mit in den Film hinübergerettet. Da der Drehbuchschreiber darauf verzichtet hat, den Kuttenträger als massenmordenden Banditen umzumünzen, aber trotzdem eine respektable Zahl von Leichen vorweisen wollte, musste er das Drehbuch halt dahingehend auslegen, dass sich die beteiligten Schatzsucher zum großen Teil gegenseitig umbringen. Das bietet viel Verwirrung in der Handlung und oft wenig Sinnhaftigkeit. Irgendwie unverständlich, dass die zeitgenössische Kritik dem Film eine „große Werktreue“ bescheinigte, obwohl tatsächlich doch sehr viel aus dem Roman in die Dramaturgie des Filmes eingeflossen ist.
Trotzdem, dem Film fehlt es an Grusel, Tempo und Zusammenhang. Immer, wenn Spannung erzeugt werden soll, laufen die Protagonisten in der Nacht um das Schloss herum, belauern sich gegenseitig und ab und zu tritt auch mal der legendäre Schwarze Abt auf. Die hervorragende Musik von Martin Boettcher müht sich nach Kräften, dem Geschehen Dramatik einzuhauchen, aber muss letztlich auch scheitern.
Die Darsteller sind wieder mal beste Güte. Joachim Fuchsberger als Nichtermittler ist zwar für mich persönlich schwer genießbar. Ein Eddi oder eine Karin als Mörder/in, das ist schon okay, aber Blacky ist doch eine Konstante, da fällt das Umdenken schwer. Die weibliche Heldin, Grit Böttcher, ist eine der letzten noch lebenden Wallace-Damen, obwohl man ja unberechtigterweise selten an sie denkt, wenn man von dieser Personengruppe spricht. Dabei hat sie durchaus eine nicht zu unterschätzende Attraktivität vorzuweisen. Eddi Arents Spiel hätte wirklich eingebremst werden sollen, doch er hat auch sinnvolle Auftritte. Werner Peters und Harry Wüstenhagen als zwielichtige Zeitgenossen machen ihre Sache richtig gut, Charles Regnier als Inspektor sieht nicht so furchtbar aus wie im Buch, allerdings fragt man sich wirklich, woher er all seine Ermittlungsergebnisse hat, da er doch nur rauchend herumsitzt und mal zwischendurch nach London fährt, um auf mysteriöse Weise den Mörder von Smooth festzustellen.
Dieser Smooth muss übrigens ein blutleerer Geselle gewesen sein, denn eine so blinkende saubere Mordwaffe wie den Dolch, mit dem ihm angeblich das Lebenslicht ausgeblasen wurde, gibt es selten in Krimis. Da sind wir wieder beim leidigen Logik-Thema, aber warum Gilder seinen Strohmann Smooth von dem verräterischen Butler Thomas hat umbringen lassen, ist vollkommen unklar, ebenso, wieso er ihn überhaupt zum Rumschnüffeln gebraucht hat, wo doch der Butler viel näher am Geschehen war und ausgereicht hätte. Arthur Gine hat Mary Wenner erschossen, um seinen Konkurrenten Gilder in Verdacht zu bringen ? Hm, umständlicher geht es auch kaum noch. Und dann das ständige Bezeichnen von Pistolen als „Revolvern“, das sollte gestandenen Kriminalisten nicht passieren. Letzten Endes feuert der Inspektor seine Pistole in dem engen unterirdischen Gang ab, dass es eine rechte Lust ist, doch sollten sich da nicht seine und Dick Alfords Trommelfelle in die ewigen Jagdgründe verabschiedet haben ?
Für mich bleibt eigentlich immer unklar, wer nun welches Pergament wo gefunden oder seine sonstigen Kenntnisse über die Lage des Schatzes her hat. Ist ja auch egal. Auch der Sinn, dass Harry Alfords (oder doch Chelfords ?) angeblich gestorbene Mutter jahrelang ganz in der Nähe lebt und dann genau zu dem Zeitpunkt ihrem Sohn in die Arme läuft, als die Polizei grad Untersuchungen anstellt, sollte nicht zu genau hinterfragt werden. Dieses Element der noch lebenden Mutter wurde auch zusätzlich mit in die Handlung genommen, doch man hätte es auch bleiben lassen können.
Der Gothic-Faktor ist beim Schwarzen Abt natürlich nicht zu unterschätzen, doch so tragend ist er nicht unbedingt, wie er hätte sein können. Der dunkelgewandete Geselle tritt einfach zu wenig auf.
Meiner Ansicht nach wurde hier viel verschenkt, doch für die Wallace-Welle der frühen Sechziger bietet das Buch eben auch wenig geeigneten Stoff, der Versuch, eine werknahe Umsetzung mit vielen Leichen zu produzieren, konnte sicher nicht allzu gut gehen. Lobenswert ist trotzdem die Kameraarbeit mit einigen skurrilen Einstellungen.

Ich finde den Film einfach zu schleppend und verworren, um ihn zu mögen, trotz guter Darsteller und schöner musikalischer Bearbeitung.

Persönliche Wertung: 2 von 5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 1.933

22.02.2019 22:22
#192 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Was dem "Zinker" noch fehlte - interessante Nebenfiguren auf Gaunerseite - hat "Der schwarze Abt" wieder in vorbildlicher Weise zu bieten und performt in dieser Hinsicht so ziemlich auf gleichem Level wie "Die toten Augen von London" und "Die Tür mit den sieben Schlössern". Hervorzuheben ist hier Werner Peters, dem hier vielleicht der beste seiner vielen denkwürdigen Auftritte im Krimi-Genre gelang. Wie er in seiner ersten Szene blitzschnell vom unterwürfigen Bürovorsteher zum gewieften Erpresser mutiert, ist große Klasse. Auch seine zum Scheitern verurteilte Anmache gegenüber Leslie inklusive anschließenden Scharmützels mit Dick Alford sorgen immer wieder aufs Neue für Amüsement. Harry Wüstenhagen sieht man erstmals nicht in der Rolle des liebenswerten Ganoven. Sein Arthur Gine schreckt zwecks Begleichung von Wettschulden weder vor rechtlichen noch moralischen Verfehlungen zurück. Eva-Ingeborg Scholz als nach dem Adelstitel strebende Mary Wenner gibt ebenfalls eine gute Figur ab. Klaus Kinski agiert solide, kann der Produktion aber weniger seinen Stempel aufdrücken als in anderen Filmen. Dieter Borsche gibt den zunächst nur verschrobenen, später dann doch einigermaßen verrückten Schlossbesitzer Chelford mit Hingabe. Zwischen den Fronten befindet sich ausnahmsweise Joachim Fuchsberger. (Dass etwas anders ist mit ihm, sieht man schon im Rahmen seines ersten Auftritts, bei dem er ungewohnt mit Hut die Szenerie betritt.) Dick Alford ist die wohl vielschichtigste Figur, die er im Wallace-Universum verkörpern sollte. Wenn man bedenkt, dass er seinerzeit eigentlich schon ziemlich auf sein Rollenklischee festgelegt war, schlägt er sich doch recht achtbar. Bei der Besetzung des Inspektor Puddler gelang den Produzenten scheinbar von ihnen selbst unbemerkt ein echter Coup. Charles Regnier liefert eine neue, ungemein charismatische Interpretation eines Yard-Ermittlers. Sein Puddler strotzt nur so vor natürlicher Abgebrühtheit. Wenn die Kamera ihn mit hoch gelegten Beinen oder im Stuhl hinter der Treppe sitzend einfängt und dabei der Rauch seiner Pfeife durch die Luft weht, glaubt man einen ikonischen Kino-Detektiv bei der Arbeit zu sehen. Sein Zusammenspiel mit Eddi Arent ist vorzüglich, weil zwischen ihnen ein natürlicher Kontrast besteht, der bei Arent und Fuchsberger stets erst speziell betont werden musste und seine Zurechtweisungen weniger aufgesetzt und von oben herab erscheinen als bei Drache. Jammerschade, dass man Regnier nicht häufiger in der Rolle des Ermittlers zu sehen bekam. Sein einmaliger Auftritt in dieser Rolle machen den Film zu etwas besonderem in der Reihe und lassen über manche Schwäche hinwegsehen. Dazu zählt auf Seiten der Darsteller Grit Boettcher, deren Darbietung äußerst dürftig ausfällt.

Regisseur Gottlieb wandert einmalmehr inszenatorisch auf den Pfaden von Kollege Vohrer, was sich vor allem an impossible shots (Kaminfeuer, Uhr, Gemälde) und dem Einsatz von Zooms zeigt. Ein kleines eigenständiges Highlight stellt die gelungene Sequenz dar, in der die Kamera Arents Yoga-Perspektive einnimmt und sich einmal überschlägt. Im Gespann mit Richard Angst gelingen Gottlieb im Übrigen im Schloss und drumherum ausgenommen stimmungsvolle Bilder, die jenes Geisterbahn-Feeling verströmen, von dem die Wallace-Filme ein gutes Stück leben. Verstärkt wird die Atmosphäre der Bilder durch das Ultrascope-Format und die gelungene Musik-Komposition Martin Böttchers.

Inhaltlich ist die Dopplung des Abtes gewöhnungsbedürftig. Zudem tut das Dialogbuch an entscheidenden Stellen sein Übriges, um den Betrachter gänzlich zu verwirren. Davon abgesehen ist die Motivation hinter dem "guten" Abt arg konstruiert. Entsprechend undankbar fällt der Part Alice Treffs aus.


Trotz der inhaltlichen Schwächen ein Wallace-Beitrag, den man immer wieder gerne über sich ergehen lässt. 4,5 von 5 Punkten.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 241

24.02.2019 09:36
#193 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Ein Film mit einer schönen Wallace Atmosphäre und auch durchaus gut besetzt. D. Borsche gefällt mir erneut gut, obwohl ich seinen Auftritt in den Augen noch besser fand.Fuchsberger mal nicht als Inspektor ist eine erfrischende Abwechslung. W. Peters in einer für ihn typischen Rolle. Die Mordszene zur Eröffnung des Films ist schön gruselig und stimmt erwartungsfroh. Leider kann der Film die Erwartung bei mir nicht erfüllen. Der Film gerät zu spannung und tempoarm und langweilt teilweise.
Fazit : 2,5 von 5 Punkten.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.616

25.02.2019 20:34
#194 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Ich habe hier ja immer noch die Notizen von meiner "Abt"-Sichtung letzte Woche herumliegen. Wird Zeit, das mal abzutippen...

Der Abt gefällt mir wieder besser als der Zinker. Und obwohl er doch noch ziemlich viel Roman-Atmosphäre versprüht und sich in gewisser Weise auch an den Grusel-Klassiker "Tür" anlehnt, steht dieser erste Kuttenfilm aus meiner Sicht ähnlich wie bereits die "Orchidee" ziemlich abseits der eigentlichen Reihe. Haben wir es bei den anderen Filmen doch hauptsächlich mit Krimi-Thrillern zu tun, so ist die "Orchidee" eine Gangstersause und der Abt, nun ja, eher eine Art abenteuerlicher Jugendkrimi. Alles wirkt irgendwie viel harmloser als sonst und es fehlt die Stringenz, aber Hauptsache, es passiert immer irgendetwas interessantes. Ja, ich denke, so könnte ich meinen Gesamteindruck des Films zusammenfassen. Ohne das jetzt irgendwie wertend zu meinen. Denn dieser Eindruck weist für mich sowohl positive als auch negative Aspekte auf.

So ist der Film nämlich zum einen kurzweilig und temporeich, zum anderen aber auch sehr oberflächlich. Der Tod bedeutet in diesem Film jenseits eines überraschenden Effekts nichts. Und manchmal wird selbst der einem vorenthalten (Gilders Tod). Jegliche Dramaturgie darüber hinaus? Fehlanzeige. Der Fund von Mary Wenners Leiche wird zwar noch erwähnt, aber bereits Gine ist nach seinem Tod völlig aus dem Film verschwunden. Durch die mangelnde Reflektion werden die Morde belanglos, harmlos.

Weitere Pros und Cons des Films

+ Fuchsbergers beste, weil vielschichtigste Rolle in einem Wallace
- Borsche zu alt und kraftvoll für seine Rolle, auch wenn an seinem Spiel nichts auszusetzen ist (ein paar Jahre weiter und Eddi Arent hätte Lord Chelford spielen können, dann vielleicht anfangs etwas liebenswürdig-versponnener als bei Borsche)
- Grit Böttcher bleibt blass, ihr fehlt noch eine gewisse schauspielerische Reife, die sie im Peitschenmönch dann hat
+ Werner Peters war nie abstoßender als in diesem Film, grandios aufgespielt!
+ generell sind die zwielichtigen Charaktere und ihre Darstellungen ein großes Plus des Films
- die Polizisten als Mittelding zwischen Super- und Hampelmännern, nur durch die Darsteller teilweise gerettet
- zu viele überflüssige Morde (Anfangsmord inbegriffen) und zu viele unterschiedliche Mörder
- Thomas verübt - aus welchem Grund überhaupt? - ohne Kutte einen Mordanschlag auf Gine, nur um kurze Zeit später mit Kutte Lord Chelford zu verfolgen, (nicht nur) das entbehrt jeglicher Logik
- versemmelte Einführung des Charakters Dr. Loxon, sein Auftauchen als unbekannter Mann aus dem Gewölbe wirkt eher verwirrend als sonstwas
- jegliche (!) Ergänzung des Drehbuchs zum Roman erweist sich letztendlich als schädlich für den Spannungsaufbau, dass Krimis auch mit später Leiche und wenig Toten funktionieren können, haben zuvor schließlich schon Fälscher und Gräfin bewiesen
+ in Bluray-Qualität war der Film optisch und atmosphärisch ein Traum
+ Böttcher komponierte einen der besten Scores
+ der Beginn baut mysteriöse Spannung auf
- die Vögel der Außengeräusche klangen für mich nach Brixans Keilriemen aus dem Rächer, ich dachte die ganze Zeit, da kommt gleich Heinz Drache angefahren, nervig

Fazit
Gottlieb ist ein guter Regisseur, aber ein schlechter Dramaturg. Der Abt ist zu jeder Zeit kurzweilig und atmosphärisch, aber zu keiner Zeit spannend. Lustigerweise ist der Film damit sowohl eine der größten vertanen Chancen der Reihe als auch eine erfrischende Abwechslung zu den anderen Filmen.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

26.02.2019 00:51
#195 RE: Wallace der Woche (15): Der schwarze Abt (1963) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #23
- Borsche zu alt und kraftvoll für seine Rolle, auch wenn an seinem Spiel nichts auszusetzen ist (ein paar Jahre weiter und Eddi Arent hätte Lord Chelford spielen können, dann vielleicht anfangs etwas liebenswürdig-versponnener als bei Borsche)

Für den Harry aus dem Buch passt Borsche wirklich nur mit größerer Fantasie. Hier wäre jemand wie Hannes Messemer eine originalgetreuere Besetzung gewesen. Arent sehe ich zu keinem Zeitpunkt in der Rolle (die auch keineswegs liebenswürdig-versponnen angelegt ist); er hätte auch nicht die darstellerische Kapazität dafür gehabt.

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