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  • Finale in Berlin (1966)Datum29.01.2018 11:48


    FINALE IN BERLIN

    ● FUNERAL IN BERLIN / FINALE IN BERLIN (GB|US|CH|1966)
    mit Michael Caine, Eva Renzi, Paul Hubschmid, Oskar Homolka, Guy Doleman, Heinz Schubert, Wolfgang Völz,
    Thomas Holtzmann, Günter Meisner, Herbert Fux, Rainer Brandt, Ursula Heyer, Ira Hagen, John Abineri, u.a.
    eine Produktion der Lowndes Productions Limited | Paramount Pictures | Jovera | im Paramount Filmverleih
    ein Film von Guy Hamilton




    »Der Kommunismus war meine Jugendliebe«


    Harry Palmer (Michael Caine), ehemaliger Unteroffizier der Armee, wird vor ein Ultimatum gestellt. Entweder erklärt er sich bereit, als Spion in den Dienst ihrer Majestät zu treten, oder er würde für längere Zeit ins Gefängnis gehen müssen. Ohne eine richtige Wahl zu haben, lässt er sich in das geteilte Berlin abstellen, um dort seinen geheimen Auftrag zu erledigen. Der russische Geheimdienstoberst Stok (Oskar Homolka) hegt Pläne, die Fronten endgültig zu wechseln, und Palmer soll sein Überlaufen mittels einer vorgetäuschten Beerdigung sicher arrangieren. Sein alter Geheimdienst-Kollege Johnny Vulkan (Paul Hubschmid) organisiert die Operation und ein Treffen mit Oberst Stok, außerdem lernt Palmer unter anderem die geheimnisvolle Samantha Steel (Eva Renzi) kennen, die seinen Auftrag kreuzt. Die gesamte Angelegenheit scheint jedoch nicht so einfach vonstatten zu gehen wie gedacht, und es stellt sich die Frage, wen der Agent des britischen Geheimdienstes tatsächlich als Gegenspieler hat...

    Guy Hamiltons "Finale in Berlin" bildet neben "Ipcress – streng geheim" von 1965 und "Das Milliarden-Dollar-Gehirn" von 1967 den zweiten Teil der Trilogie rund um den britischen Agenten Harry Palmer, der jeweils von Michael Caine dargestellt wird. Gedacht als realistischere Alternative zur erfolgreich laufenden James-Bond-Reihe, bekommt man Spionage-Thriller der edleren Sorte geboten, und "Finale in Berlin" präsentiert sich in vielerlei Hinsicht auf sehr hohem Niveau. Zunächst lässt sich einmal feststellen, dass bemerkenswert viel Lokalkolorit geboten wird. In diesem Zusammenhang geht somit eine sehr bildgewaltige, sowie originelle Präsentation des Kamera-Spezialisten Otto Heller einher, die auch lange nach dem Anschauen noch in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte verfolgt eine eher ruhige Strategie und punktet durch einen sehr gut strukturierten, hin und wieder intelligenten Aufbau, der weniger reißerische Tendenzen zutage bringt, die man in einem solchen Beitrag vielleicht erwarten würde. Der unaufdringliche Verlauf, die symmetrischen Bilder, auffällig stichhaltige darstellerische Leistungen und der trockene britische Humor ergeben ein rundes Gesamtbild, sodass es für den Zuschauer ein Leichtes ist, sich darauf einzulassen. Permanent werden bekannte Locations in West-Berlin gezeigt, die zusammen mir der noch recht jungen Berliner Mauer zu Dreh- und Angelpunkten für die Operationen der verschiedenen Geheimdienste werden, die mit ihren sehr unterschiedlichen Strategien und Handlangern für das lückenlose Zusammenführen dieses Puzzle-Spiels sorgen werden. Zu jedem Zeitpunkt ist erkennbar, dass die Regie einen sehr hohen Anspruch an diesen Film gestellt hat, damit es bei dieser beinahe ausschließlichen Konzentration darauf immer wieder zu kürzeren Phasen des eigenen Ausbremsens kommt. Steigerungen des Tempos sorgen für Aufmerksamkeit, die Action-Anteile hingegen bleiben eher gewollt rar gesät.

    Im schauspielerischen Bereich ist ein interessant zusammengestelltes Aufgebot an internationalen Stars zu begutachten, sowie bekannten deutschen Interpreten. Der Brite Michael Caine prägt das Geschehen wie kein zweiter und stattet seine Rolle mit kühler Eleganz aus. Häufig fällt Palmer durch seine trockenen Kommentare auf und man begleitet letztlich einen Analytiker, der dem Empfinden nach nie den Überblick über die Situation verliert. Auch in prekären Phasen des Verlaufs geht eine spürbare Überlegenheit von seiner Person aus und Caine stattet seine Aktionen insgesamt mit einem guten Schliff aus. Anstelle der ursprünglich eingeplanten amerikanischen Schauspielerin Anjanette Comer, die hier allerdings krankheitsbedingt passen musste, oder wie auch zu hören ist, ausbezahlt wurde, sieht man Eva Renzi erstmalig auf internationalem Parkett, in ihrem erst zweiten Spielfilm. Als Samantha Steel wird sie zunächst als Blickfang integriert, bevor sie langsam aber sicher die Hüllen - im Sinne ihrer eigentlichen Identität - fallen lässt, womit der Verlauf aber nicht lange hinterm Berg hält. Oskar Homolka skizziert das hohe Tier des russischen Geheimdienstes überaus präzise, genau wie es bei Paul Hubschmid der Fall ist. Die Hauptpersonen schüren insgesamt etliche Zweifel, die für eine ordentliche Grundspannung und eine hohe Aufmerksamkeit sorgen. Abrundend füllen deutsche Stars wie Wolfgang Völz, Heinz Schubert oder Herbert Fux den Verlauf sehr ansprechend aus, sodass man von einem globalen Besetzungs-Coup sprechen darf. Trotz der Hochwertigkeit in nahezu allen Bereichen bleibt das unbestimmte Gefühl zurück, dass dem Film eine irgend eine wichtige Komponente zu fehlen scheint, wenngleich man das Kind nur schwer beim Namen nennen kann. Sind es die Vergleiche zu anderen, wesentlich reißerischer angelegten Produktionen, oder hätte man sich insgesamt doch ein bisschen mehr Spektakel gewünscht? Diese Frage bleibt auch nach mehrmaligem Anschauen weitgehend offen, fällt aber keineswegs schwer ins Gewicht. "Finale in Berlin" bleibt unterm Strich ein gut durchdachter und anspruchsvoller Vertreter seiner Gattung, der vor allem im visuellen Bereich beachtliche Ausrufezeichen setzen kann.

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Gubanov im Beitrag #58
    Nach jahrelangen Rechteproblemen mit der TKKG-TV-Serie des ZDF kommt sie nun endlich von Pidax-Film auf DVD:

    Das nenne ich mal eine tolle Nachricht! Auf die Serie warte ich schon ewig und bin sehr gespannt darauf, weil ich mich an kaum noch etwas erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass ich sie als Kind unheimlich gerne gesehen habe. Super!

  • Die Zeit der Kirschen ist vorbei (1967)Datum26.01.2018 19:04
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Vielen Dank für diesen schönen Beitrag und die damit verbundenen Eindrücke, Percy Lister!

    Über den deutschen Titel des Films habe ich mir auch schon häufiger Gedanken gemacht und es gibt wohl mehrere Möglichkeiten, ihn zu deuten. Ich bin mir nach wie vor nicht ganz sicher, ob ich den Titel für durch und durch gelungen halte, oder nicht, denn ganz direkt unterstreicht er den Verlauf kaum, oder führt sogar ein wenig auf eine falsche Fährte. Jedenfalls hatte ich damals etwas vollkommen Anderes erwartet. Andererseits geht aber ein bisschen Geheimnis von ihm aus und er wirkt daher anziehend und vielversprechend. Auf meinem Satz Aushangfotos ist der jeweilige Titel übrigens nur mit der Beschriftung "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" überklebt worden. Ursprünglich aufgedruckt ist der ziemlich nichtssagende Titel "Das Fotogirl von St. Tropez". Insofern rechnet sich die Alternative schon einmal deutlich.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum21.01.2018 18:02
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Mr Keeney im Beitrag #230
    doch was Krista Keller in ungeahnter Waghalsigkeit bei gleichzeitig geradezu exaltierter Nuanciertheit daraus macht ist für das dafür empfängliche Publikum atemberaubend...

    Diese Formulierung finde ich genauso atemberaubend wie Krista Kellers Darbietung. Sehr schön auf den Punkt gebracht!

  • Die Zeit der Kirschen ist vorbei (1967)Datum21.01.2018 13:47


    DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI

    ● LE GRAND DADAIS / DIE ZEIT DER KIRSCHEN IST VORBEI (F|D|1967)
    mit Eva Renzi, Jacques Perrin, Danièle Gaubert, Yvonne Clech, Yves Renier, André Falcon, Max Vialle, Pierre Gatineau, Heinz Spitzner und Harald Leipnitz
    eine Produktion der C.I.C.C. | Les Films de la Licorne | Rialto Film Preben Philipsen | im Constantin Filmverleih
    ein Film von Pierre Granier-Deferre




    »Wenn man lieben will, dann muss man dafür leiden können!«


    Der 20-jährige Alain (Jacques Perrin) hat genug von seinem bisherigen Leben. Da er noch gemeinsam mit seiner Mutter (Yvonne Clech) lebt, die ihn bevormundet und stets weiß, was am besten für ihn ist, außerdem permanent von seiner Freundin Emmanuelle (Danièle Gaubert) abgewiesen wird, möchte er hinaus aus seinem bürgerlichen Käfig und alles scheint sich zu ändern, als er das deutsche Fotomodell Patricia (Eva Renzi) kennenlernt. Sie zeigt ihm ganz selbstverständlich, wie das Leben sein kann und offensichtlich ist es mit ihr genauso, wie er es sich vorgestellt hat. Alain verliebt sich in die schöne Frau, doch schnell beginnt das Dasein auf der Überholspur mehrere Hürden aufzuweisen. Um Patricia etwas bieten zu können, erpresst er einen ihrer temporär abgelegten Liebhaber, den reichen Makler Poloni (Harald Leipnitz). Noch ahnt Alain nicht, dass dies nur der Anfang einer Reihe von Fehlentscheidungen sein wird, die ihn geradezu in eine Katastrophe manövrieren...

    Ja, es gibt sie. Filme, von denen man quasi wusste, dass man immer nur auf sie gewartet hat. Pierre Granier-Deferres "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" ist ein solches Exemplar, das alle erdenklichen Komponenten vereint, die nach persönlichem Ermessen essentiell für die größten Film-Momente sind. Seinerzeit wurde diese Produktion mit dem Prädikat »wertvoll« ausgezeichnet und entstanden ist eine der vielen einfachen Geschichten, die möglicherweise nur unter französischer Flagge fabriziert werden konnten. Interessant ist die Tatsache, dass die Berliner Rialto Film an dieser Gemeinschaftsproduktion beteiligt war, agierte sie doch auch zu dieser Zeit noch immer, beziehungsweise vor allem am Edgar-Wallace-Fließband. Für deutsche, oder zumindest deutsch-beteiligte Verhältnisse, des Weiteren für diejenigen der Produktionsfirma, ist definitiv ein Beitrag entstanden, der strukturell und inszenatorisch einen hoch qualifizierten Eindruck macht. Außerdem dokumentiert er, dass solche Ausreißer möglich waren, und dass man für den heimischen Markt möglicherweise zu eintönig inszenierte. Aus diesem Grund schwingt auch heute noch eine zeitlose Eleganz und anhaltende Gültigkeit mit, die das Anschauen zu einem puren Erlebnis werden lässt. Das Thema, das offensichtlich unvergänglich ist, stellt einmal mehr die Liebe dar. So fachmännisch seziert, dass das Warten auf die befürchtete Kettenreaktion oft kaum auszuhalten ist. So immer wiederkehrend, dass man es schon fast nicht mehr hören will, aber dennoch so berauschend, dass man einfach nicht anders kann, den beteiligten Personen mit einer besonderen Faszination zu begegnen. Granier-Deferre gestaltete nach Motiven von Bertrand Poirot Delpech, dessen Buch "Der große Tunichtgut" - das hier als Vorlage diente - bereits 1958 veröffentlicht wurde. Die Regie inszeniert in der damaligen Gegenwart, sozusagen mit einem gestochen scharfen Blick zurück nach vorn, und wie gesagt ist dieser Beitrag auch heute noch voller Vitalität und lebensnaher Dramatik.

    Das alles geschieht, ohne zu sentimentale Anwandlungen zu transportieren. Höchstens kann man angesichts gewisser Schlüsselmomente sagen, dass es zu ehrlich, vielleicht sogar zu pragmatisch zugeht. Aber das Thema Liebe war in unzähligen Filmen alles, von Elixier bis Randerscheinung, und bildet hier den anfänglichen Treibstoff, später dann den Zündstoff für die komplette Angelegenheit. Doch bevor auch nur eine Ahnung davon vermittelt wird, wohin Pierre Granier-Deferre den Zuseher führen will, liefert er gleich von der ersten Sekunde an auffällige Kontraste. Die Kamera schwenkt über eine malerische Landschaft, untermalt mit der Titelmelodie des französischen Chansonniers Sacha Distel. Zu "Ces mots stupides" tastet die Kamera jede Einzelheit eines brennenden Sportwagens ab, sodass diese ungewöhnliche Kombination gleich einen wegweisenden Charakter annehmen wird. Vergänglichkeit und Zerstörungswut stehen als vage Skizzen im Raum, der schwarze Rauch erzählt das Ende einer vermutlich tragischen Geschichte, bis man sich unmittelbar danach in einem kühlen, sterilen Gerichtssaal wiederfindet, in dem sich der junge Protagonist dieses Szenarios auf der Anklagebank zu verantworten hat. Die Verhöre und die Anschuldigungen nehmen unbehagliche Formen an, vor allem die zynischen Untertöne der Staatsanwaltschaft irritieren nachhaltig. »Die heutige Jugend hat alles, was sie sich wünscht, und deshalb leidet sie«, ist nur eine der Spitzen, die in Richtung Alain abgefeuert werden, der merklich Probleme hat, sich mental zusammenzunehmen. Seine fahrigen Antworten dokumentieren, dass er die Lage, in der er sich nun befindet, noch gar nicht so recht begriffen zu haben scheint. Die Regie setzt auf Intervalle, die aus der gegenwärtigen Situation und ausgiebigen Rückblenden bestehen, die das Puzzle zusammenfügen werden. Dabei gelingt es vorbildlich, die Spannung und das fehlende Fragment bis zur letzten Sekunde vorzuenthalten, sodass man sich auf einen hoch interessanten Aufbau freuen darf.

    Französisches Flair entfaltet sich, oder vielleicht ist der Kern der Sache besser getroffen, es als Lebensgefühl und dazu gehörige Einstellungen zu bezeichnen. Das Hauptaugenmerk wird auf die heutige (also damalige) Jugend gelegt, jedoch nicht ohne einen zusätzlich kritischen Blick auf die Vorgänger-Generation zu werfen. Weswegen alles so ist, wie es ist, wird nicht geklärt, beziehungsweise nicht tiefenpsychologisch aufgeschlüsselt. Der Zuschauer erhält daher genügend Raum, um sich mit seinen eigenen Gedanken zu beschäftigen und dem hier angebotenen Thema, der - wie man so schön sagt - eigentlich schönsten Sache der Welt. Ein Exkurs für die Liebe also? Ja, in diesem Fall darf es tatsächlich nicht anders sein. Zunächst kann einmal betont werden, wie unheimlich zielsicher Granier-Deferre einen Transfer für den Interessenten herstellt, der sich in vielen Situationen wiederfinden wird, ohne dabei die Präzision zur Hilfe nehmen zu müssen. Es geschieht en passant, gleicht quasi vergessenen Bildern, Bruchstücken, die plötzlich wieder lebhaft an einem vorbeirauschen. Wo also findet man sich selbst? Beispielsweise in Situationen des Glücks, der Impulsivität, des Zweifelns und der Suche. Man erinnert sich möglicherweise wie aus dem Nichts an Dinge, die man vielleicht besser nie gesagt oder getan hätte, oder solche, die man leider verschwiegen hat. Es ist eigentlich kaum, oder nur schwer zu beschreiben, was in "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" im filmübergreifenden Sinn geschieht. Gerade deswegen ist es beinahe nicht möglich, unberührt zurückzubleiben. Sicherlich bietet der Verlauf überdies einige andere Komponenten, die einen letztlich ansprechen werden, doch unterm Strich bleibt das große Drama rund um diese drei Worte, die vielleicht gerade im Film sinnbildlich für Überdruss und Verlogenheit stehen. Aufgrund der so simpel herausgearbeiteten Berührungspunkte, geschieht dies hier glücklicherweise nicht. »Wenn man lieben will, dann muss man dafür leiden können!« - die Protagonisten der Geschichte liefern in dieser Beziehung eine Expertise ab.

    In diesem Zusammenhang ist natürlich die strahlende Schönheit und die unverwechselbare Ausstrahlung einer Eva Renzi zu nennen, die in jeder erdenklichen Hinsicht instrumentalisiert wird. Eine notwendige Grundvoraussetzung für das Funktionieren dieser intelligenten Konstruktion. Erneut sieht man die Berlinerin nicht nur in ihrem Element, sondern vor allem als personifizierten Prototypen der Frau. Sie vereint und stellt gleichzeitig alles dar, was das Thema Vereinnahmung herzugeben weiß. Im Grunde genommen wird man euphorischer Zeuge einer Neuauflage ihrer Rolle aus dem ein Jahr zuvor entstandenen Film "Playgirl", da es etliche Parallelen gibt. Erstaunlicherweise darf aber auch gesagt werden, dass sie ihre eigene Leistung aus diesem ultimativen Renzi-Film nicht nur aufsehenerregend verfeinert, sondern ihn darüber hinaus spektakulär in die Tasche steckt. Zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Fotomodell Pat kommt es in einer gut besuchten Diskothek. Sie tanzt auf der Spitze des Vulkans, für dessen Eruption sie verantwortlich scheint, ist in tiefrotes Licht getaucht, was die ohnehin attraktive Frau nur noch mehr zum Epizentrum der Versuchung werden lässt. Die Augen des männlichen Protagonisten Alain verschmelzen in dieser Strecke von verführerischen Bildern mit denen eines jeden Zuschauers. Wie gebannt schaut man auf dieses makellose Geschöpf, für das man sofort gerne 100 neue Komplimente erfinden möchte. Um sie herum entsteht eine Weite, da sie alles andere zur Nebensächlichkeit abqualifiziert. Ganz resolut und natürlich. Pat ist sich ihrer Wirkung bewusst, denn sie ist die Blicke, die Anfragen und das kleine Rampenlicht gewöhnt. Ein immerwährendes Spiel verlangt seine hohen Einsätze, denn trotz empfundener Leichtfertigkeit und einer so auffallend unkomplizierten Attitüde, scheint der Gewinn prinzipiell in weiter Ferne zu sein. Zumindest für die meisten, da eine solche Frau das Selbstbewusstsein und Urteilsvermögen eines jeden Mannes naturgemäß erschüttern kann. Was bleibt, ist eine Performance, die zu Superlativen animiert.

    Die interessante Frage stellt sich unmittelbar im Anschluss dieser Show, nämlich wie es Alain überhaupt schaffen kann, in ihren Radius zu gelangen. Überraschenderweise funktioniert es - wer hätte das gedacht - ganz einfach. Germain, ein guter Freund von Alain, fragt ganz direkt bei ihr an, ob Interesse besteht. Ohne Zwänge und konventionelle Barrikaden lässt sich der mittlerweile vom Tanzen erschöpfte Star des Clubs von ihm nach Hause chauffieren, und im Wagen kommt es zu schnellen Charakterisierungen der beiden Hauptpersonen. Patricia entschärft die sprachlichen Klippen und unterschwelligen Zwänge mit ungenierter Direktheit, Alain hingegen imponiert aufgrund seiner Unsicherheit, die er zu übertünchen versucht, deswegen ziemlich redselig wird. Ist das Fundament für eine Kettenreaktion also hiermit bereits gelegt worden? Der frühe Verlauf schmückt sich mit trügerischer Diskretion und behält eine nun abweichende, reibungslose Strategie im Auge, zumindest bis die drei berüchtigtsten Worte der Welt endlich gefallen sind. Alain hat sich klassisch blenden, vielleicht sogar erlegen lassen, vergisst alles und jeden um sich herum, auch seine hübsche Freundin Emmanuelle. Für diese Rolle taucht ein weiteres der schönsten Gesichter des französischen Kinos auf, nämlich jenes der begehrenswert wirkenden Danièle Gaubert. Im Gegensatz zum neuen Objekt der Begierde, steht sie für verkappte Moralvorstellungen und fühlt sich in der Defensive wohl, möchte darüber hinaus die Einzige für ihn sein. In einer Szene vergleicht der junge Mann sie mit seiner eigenen Mutter, übrigens ausgezeichnet dargestellt von der bekannten französischen Interpretin Yvonne Clech, die ihn bevormundet, dabei immer noch gerne wie ein Kind behandelt, wahlweise sogar wie ihren längst verstorbenen Ehemann. In vielen solcher Einzelheiten begründet sich Alains Angriffslust, oppositionelles Verhalten, aber auch die Resignation, und er selbst bringt sein korsettartiges Dilemma vielleicht sehr treffend mit folgendem Satz auf den Punkt: »Gutherzigkeit macht einen verrückt!«

    Man kann eben doch nicht heraus aus seiner Haut und ist viel mehr von Zwängen abhängig, als einem lieb ist. Und genau dies spiegelt sich auch in der Beziehung zwischen Patricia und Alain wider. Doch zuvor sorgt der Regisseur für viele herrliche Momente der Zweisamkeit, die häufig mit der Titelmelodie von Sacha Distel unterlegt sind, sodass nicht nur ein beneidenswertes Flair, sondern sogar Edel-Romantik der sowohl klassischen, aber auch progressiven Sorte aufkommen will. Allerdings ist diese nur dazu gemacht, um wenig später in Stücke zu zerfallen, denn die Konstellation scheitert am gegenseitigen Widerstand und vor allem an einem unterschiedlichen Weltbild. Die offensichtliche Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit kann keine sinnvolle Allianz mit der Ernsthaftigkeit eingehen, und das Konstrukt lebt nur von temporären Impulsen. Wie weit der männliche Protagonist getrieben wurde, wird von der Tatsache dokumentiert, dass er sich vor Gericht befindet, denn es steht ein nicht benannter Toter oder möglicherweise eine Tote im Raum. Die Regie hält diese Spannung bis zum letzten Moment des Verlaufs aufrecht und bedient sich eines sehr originellen Ausschlussverfahrens, denn die potentiellen Opfer treten hintereinander als Zeugen im Gerichtssaal auf. Wer bleibt also übrig, fragt man sich, oder gibt es eine komplett andere Wendung? Das Bemerkenswerte an "Die Zeit der Kirschen ist vorbei" ist der geradlinige und vollkommen klare Aufbau. Ohne Hektik oder zeitgenössisches Spektakel steuern die Hauptpersonen auf eine Katastrophe zu, bei der jeder von ihnen selbst Regie geführt hat. Obwohl Hintergründe sehr gut durchleuchtet und viele Details dokumentiert werden, kommt man als Zuschauer nicht umhin, gegenzudenken und über die rhetorische Frage zu philosophieren, ob das alles hätte sein müssen, wenn das Glück doch in greifbarer Nähe gelegen hat. Aber ganz im Stil großer französischer Beiträge, sind es vor allem Emotionen und Temperament, die den Verlauf diktieren, daher auch unmissverständlich prägen.

    Die Darsteller leisten hierbei eine hervorragende Arbeit und vor allem die Hauptrollen von Jacques Perrin und Eva Renzi steuern, wie bereits erwähnt, den Löwenanteil dazu bei, dass es zu einer so bemerkenswerten Atmosphäre kommt. Als Film mit deutscher Beteiligung sind außer Heinz Spitzner und Harald Leipnitz keine weiteren Landsmänner im Szenario zu finden. Auch der Stab hinter den Kulissen wird so gut wie ausschließlich von französischer Seite dominiert, lediglich Horst Wendlandts Rialto-Film steht als Partner zu Buche. Interessant ist die Fußnote, dass Harald Leipnitz - hier genau wie Eva Renzi auch - eine ähnliche Rolle wie in "Playgirl" zum Besten gibt. Auch Heinz Spitzner interpretiert einen beinahe identischen Auftritt wie in dem Edgar-Wallace-Film "Die blaue Hand", der kurz zuvor im gleichen Produktionsjahr entstanden ist. Insgesamt werden im Rahmen männlich-weiblicher Konstellationen noch weitgehend klassische Rollenverteilungen gezeichnet, lediglich Patricia weicht diese bestehenden Gesetze offensiv auf. Alain versucht diesen Zwängen verzweifelt zu entkommen, manövriert sich jedoch gegen seinen Willen immer mehr in diese für ihn unerträglichen Strukturen hinein, weil sie trotz aller Abscheu Sicherheit geben und im Grunde genommen auch seiner Einstellung entsprechen. Offensive - Defensive, Risiko - Verstand, Glück - Schicksal; ein breites Spektrum der Gegensätzlichkeiten wird in Pierre Granier-Deferres atemberaubenden Liebes-Drama unter Berücksichtigung aller Gesetzmäßigkeiten glaubhaft vor- und dargestellt. Wenn die Luft brennt, die Konstellationen in Stücke zerfallen, wenn alles so zum greifen nah erscheint dass tatsächlich Emotionen beim Zuschauer fabriziert werden können, dann kann man nur zu einem Ergebnis kommen, nämlich dass es sich um einen Beitrag handelt, der leider zu Unrecht nicht den Bekanntheitsgrad genießt und den Respekt bekommt, den er verdient. Als Fazit wird aufgezeigt, dass das höchste Gefühle einfach einmal wieder nicht genug gewesen ist und von der Regie als immer wiederkehrende Parabel auf den Punkt gebracht wird. Nach persönlichem Ermessen handelt es sich bei diesem Film um die beeindruckendste Entdeckung der letzten zehn Jahre. Mindestens!

  • Maria PerschyDatum14.01.2018 15:35
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● MARIA PERSCHY als ANN BARRY in
    DER HENKER VON LONDON (D|1963)



    Der Österreicher Edwin Zbonek inszenierte mit "Der Henker von London" einen atmosphärisch dichten Grusel-Krimi, in dem seine Landsfrau Maria Perschy die einzige relevante Frauenrolle übernehmen sollte. Obwohl in der Parallel-Handlung des Films ein Frauenmörder sein Unwesen treibt, sieht man von anderen Damen beinahe weit und breit keine Spur, es sei denn als Leichen, oder in Auftritten, die höchstens einige Sekunden andauern. Dies hört sich schon einmal nach freier Bahn an, obendrein ohne vorhandene Konkurrenz für Maria Perschy, jedoch muss man sich ihren Weg hier nicht so einfach vorstellen, wie vielleicht angenommen. Dies liegt definitiv an der recht schwierigen Anlegung ihrer Rolle, bei der viel Präzision abgerufen werden musste. Was hinzu kommt, ist ein Aufgebot an teilweise großartig aufspielenden Stars, sodass die Anforderung sicherlich die doppelte Konzentration erforderlich machte. Solche Eindrücke entstehen schnell, wenn die vom Drehbuch günstiger beleuchteten Charaktere augenscheinlich einen Vorteil bekommen, und sie bei sehr guten darstellerischen Kompetenzen andere in die zweite Reihe verdrängen. Maria Perschys Ann ist zumindest potentiell gesehen solch eine Anforderung gewesen, da die Dramaturgie von ihr eine auffällige Beherrschung und Ruhe verlangt. Andere Darbietungen rücken somit in den Fokus und es entsteht sogar hin und wieder der Eindruck von regelrechten Selbstinszenierungen, hier allerdings im positiven Sinne. Die attraktive Schauspielerin konnte im Verlauf ihrer Karriere so gut wie immer unter Beweis stellen, dass sie sich jeder Anforderung flexibel zu beugen wusste, was ganz besonders auch auf ihren Umgang mit männlichen Partnern zutrifft. Beugen deswegen, da sie sich dem Empfinden nach häufiger unterordnen musste, als es vielleicht bei vielen ihrer Kolleginnen der Fall war. Häufig war neben ihr sogar eine ebenbürtige weibliche Konkurrenz ohne Probleme zu etablieren.

    Diese Tatsache lässt schnell darauf schließen, dass sie über die Jahre gesehen viele unterschiedliche Charaktere zu interpretieren hatte, die jede Seite bedienten. Zieht man seine Schlüsse alleine daraus, ist es mehr als bemerkenswert, dass Maria Perschy keine klassische Schauspielerin mit einem Abonnement für Schablonen und Schubladen gewesen ist, obwohl sie viele Genres unterstützte, die zeitbezogen gerade en vogue waren. So auch hier nicht, denn sie entspricht den damals gängigen Wallace- und Epigonen-Schönheiten nicht übereinstimmend, denn es lassen sich eher mehrere Abweichungen herausfiltern, als dass man Gemeinsamkeiten benennen möchte. Ann Barry entstammt einem sehr gut situierten, sicheren Umfeld, wenngleich sie die Gesichter von Gewalt und Verbrechen kennt, da ihr Vater, Sir Francis, einst Richter war. Außerdem ist sie mit Inspektor Hillier befreundet. Ann kommt also nicht wie üblich in die missliche Lage, die viele andere bedrohte Schönheiten auszuhalten hatten. Es schwebt beispielsweise keine potentielle Millionen-Erbschaft über dem Szenario, auch wird der Held der Geschichte nicht damit erpresst, dass seiner Herzensdame etwas passieren könnte, nein, sie bringt sich selbst in Gefahren, die es eigentlich nicht gegeben hätte. Ann bietet sich als Lockvogel für den Frauenmörder an, aber nicht etwa, weil sie die tödliche Gefahr dieser Operation unterschätzt, sondern weil sie mit ihren mentalen Kapazitäten am Ende zu sein scheint. Der Mann, den sie liebt, jagt nur noch einem Phantom hinterher, verliert dabei den Sinn für das Wesentliche, aber vor allem das Auge für sie. Dieser Schritt kann daher quasi als Ausdruck der eigenen Verzweiflung und Hilflosigkeit erkannt werden. Die Mischung Eigennutz und Intervention als Prävention ist sehr interessant, und gibt daher günstige Voraussetzungen her, um die doch mit Tiefe angelegte Rolle genau mit einer solchen auszustatten.

    Charakterisiert man Ann, so drängt sich ihre auffällig zurückhaltende Körpersprache auf. Maria Perschy zeichnet erneut eine überaus kultivierte Frau, die mit ihren gesellschaftlichen und privaten Aufgaben hinlänglich vertraut ist. Ihre Stärken heißen Unaufdringlichkeit und Diskretion, allerdings winden sich diese Eigenschaften auch durch die Zweisamkeit. Ihr behutsamer und nahezu vorsichtiger Umgang mit John, der in erster Linie als Ermittler in der Geschichte zurückbleiben wird, kann keine Berge mehr versetzen. Also schlägt sich die junge Frau über den Beruf auf seine Seite und demonstriert bedingungslose Loyalität. Wie es tatsächlich in Ann aussieht, bleibt dem Zuschauer dank Maria Perschys subtilem Schauspiel weitgehend verborgen. In aller Seelenruhe gerät sie so in gefährliche, aber vor allem ausweglose Situationen, die eben nur das Schicksal schreiben und lösen kann. Generell sieht man mit Maria Perschys Art zu Interpretieren und den dazugehörigen Anlegungen ihrer Rollen ein mögliches Happy-End oder glatte Verläufe weitgehend gefährdet, was ihr allerdings auch einen leichten Touch von Unberechenbarkeit verleiht. Auch hier bleibt die beinahe emotionslos wirkende Frau dem Zuschauer mit voller Absicht fern, sodass es sich naturgemäß um eine Rolle handelt, die man gerne unterschätzt, sei es wegen der herkömmlichen Vergleiche zu anderen Kriminalfilmen, oder des unscheinbaren Verhaltens, das man in diesem Genre auch nicht gerade alltäglich nennen sollte. Im Sinne des Gesamtbildes, oder der Konstruktion von "Der Henker von London", handelt es sich unterm Strich trotz des Bekanntheitsgrades von Maria Perschy um eine mutige Besetzung, die auch ebenso von ihr interpretiert wurde. So kann vielleicht abschließend gesagt werden, dass man Ann Barry wirken lassen muss, damit die Wertschätzung auf den zweiten Blick auch eintreffen kann. Bei mir persönlich war dies jedenfalls lange Zeit nicht der Fall.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum14.01.2018 14:54
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● Folge 9: VERENA UND ANNABELLE (D|1977)
    mit Siegfried Lowitz, Michael Ande
    Gäste: Krista Keller-Di Cerami, Paul Hoffmann, Heinz Drache, Werner Pochath, Thomas Braut, u.a.
    eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
    Regie: Alfred Vohrer




    Die Literaturkritikerin Verena Moldau lebt in panischer Angst, da bereits drei Mordanschläge auf sie verübt wurden. Zuerst wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, da sie einen vergifteten Likör getrunken hatte, wenige Tage später war ihre Dusche mit elektrischem Strom präpariert und anschließend wurde auch noch an ihrem Wagen manipuliert, so dass sie einen Unfall verursachte. Kommissar Köster untersucht diesen rätselhaften Fall ohne greifbare Ansatzpunkte und er kann das Vertrauen des potentiellen Mordopfers gewinnen. Sie berichtet ihm schließlich von ihrem schwerwiegenden Verdacht, der ihre Zwillingsschwester Annabelle belastet, doch diese ist bereits seit fast zehn Jahren untergetaucht. Da eine große Erbschaft bevorsteht und ihre Schwester sie angeblich hasst, scheint für Verena kein anderes Motiv in Frage zu kommen...

    Gerade Folge 9 der noch jungen Serie ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, was zunächst daran liegen mag, dass Alfred Vohrer den Zuschauer mit einer auffälligen Unruhe und Hysterie zu provozieren versucht. Mit etwas Fantasie könnte man diese Episode sogar als Giallo dieser Serie bezeichnen, da sich diesbezüglich ungewöhnlich viele genretypische Parallelen finden lassen, wenn auch nur im erweiterten Sinn. Vohrer setzt hier auf Verwirrung und Täuschung, und auch wenn Zufall und Realität hier mehr als unwahrscheinlich konstruiert wurden, geht eine Faszination von der Geschichte aus, die immer nur zu dem gleichen Punkt führen wird, und zwar zu der nahezu halsbrecherisch agierenden Krista Keller-Di Cerami, eine der zweifellos unbändigsten Damen der deutschen Krimi-Landschaft. Praktischerweise mit einer Doppelrolle betraut, legt sie ihr Können in einem bemerkenswert breiten Spektrum dar, das manche vielleicht ganz simpel nur Overacting nennen würden, aber bei den richtigen Antennen für Furore sorgen wird. Der Einstieg wird durch einen Mordanschlag geebnet, der in seiner Darbietung verstören wirkt. Ein unbestimmtes Gefühl zwischen Mitleid und Besorgnis, aber gleichzeitig auch Skepsis und gewolltem Sicherheitsabstand kommt beim Betrachten der halben Titelrolle auf, doch man weiß nicht genau warum. Direkt kocht eine nervöse Spannung hoch, die Folge 9 genau wie die vermiedene Struktur sehr stark prägen wird, alles scheint möglich, aber nichts wirkt wahrscheinlich. Köster, der letztlich noch jeden Fall bändigen konnte, sieht sich eigentlich nicht mit der Gefahr konfrontiert, es hier nicht auch schaffen zu können, eher gestaltet sich seine Ermittlungsarbeit als holprig, da er die Frau(en) nicht in den Griff bekommt. Nach zahlreichen unberechenbaren Kapriolen der eigentümlichen Protagonisten glaubt man als Zuschauer schließlich selbst, dass man sich lediglich in einer massiven Wahnvorstellung der stimmungslabil, und äußerst angeschlagen wirkenden Verena befindet, bis es schließlich zu einer großen Überraschung kommt.

    Die Tatverdächtige taucht auf und steht plötzlich vor der Tür eines ihrer abgelegten Liebhaber, der gleichzeitig auch der ehemalige Verlobte ihrer Schwester war, alias Heinz Drache, der den Begriff abgelegt in vielerlei Hinsicht neu definieren wird. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist Annabelle selbstbewusst, frech bis auffordernd und direkt in ihren Kommentaren, außerdem mondän im Auftreten. Geschickt spielt sie mit der uralten Angriffsfläche Eitelkeit, und packt ihr Gegenüber in Windeseile, um postwendend an Informationen zu gelangen. Heinz Drache schimmert auch hier ganz in seinem obligatorischen Stil, Arroganz und Herablassung, die sich zuvor im Gespräch mit Köster auf dem Tenniscourt zeigten, wirken unsympathisch und auch hier ungebrochen, was es einem zusätzlich nicht gerade leicht macht, ihm den schweren Fauxpas zu verzeihen, als er als Schiedsrichter »30:30 - Einstand« gezählt hatte. In der Zwischenzeit bekommt man noch den reichen Onkel der Zwillingsschwestern vorgestellt, bei dem Verena weitere Verschwörungstheorien ausbreitet und die Irritation komplett macht. Kommissar Köster versucht zu deuten, zu ordnen, allerdings scheint es so, als jage er lediglich Schimären nach. Dass man es mit keinem normalen Fall zu tun haben kann, oder besser gesagt haben darf, wird bei "Verena & Annabelle" von der ersten Minute an geebnet. Diese erfrischende Strategie birgt selbstverständlich auch die Gefahr, dass die Episode aufgrund ihrer vollkommen konträr angelegten Strategie einfach nicht punkten kann. Alfred Vohrer war es offenbar gleich, und es bleibt ein Unikat der Serie zurück, dass für seine Verhältnisse üblich verspielt, aber gleichzeitig selbstbewusst genug wirkt, um sicher bestehen zu können. Über all dem steht jedoch die atemberaubende Krista Keller-Di Cerami in zweifacher Potenz, die mit einer von Nähe und Distanz geprägten Selbstinszenierung in die Irre leitet, die für "Der Alte" so gut wie beispiellos geblieben ist. Der kleine Giallo, oder vielmehr kleine der Psycho-Thriller unter den Folgen der Lowitz-Ära, kann mit den richtigen Antennen schon sehr viel Freude bereiten.

  • Camp der Verdammten (1961)Datum14.01.2018 14:26


    CAMP DER VERDAMMTEN

    ● CAMP DER VERDAMMTEN (D|1961)
    mit Christiane Nielsen, Hellmut Lange, Hermann Nehlsen, Thomas Alder, Peter Kirsten sowie Ellen Schwiers
    eine Ernst Ritter von Theumer Filmproduktion | im Nora Filmverleih
    ein Film von Ernst Ritter von Theumer




    »Eine Bewegung und wir sind alle in der Hölle!«


    Toni (Thomas Alder) ist Leiter eines Ölcamps in Anatolien. Eines Tages wird er von seinem Freund Harald Birk (Hellmut Lange) aufgesucht, einem ehemaligen Fremdenlegionär, aber nicht über die gute alte Zeit zu plaudern. Die beiden Männer besitzen einen Lageplan von einem verborgenen Königsgrab im Olympus, der die Eintrittskarte für den persönlichen Reichtum und Unabhängigkeit darstellen soll. Zusammen mit den beiden Frauen Kerima (Ellen Schwiers) und Ingrid (Christiane Nielsen), sowie dem sogenannten Professor, dem Archäologen namens George (Hermann Nehlsen), und einigen anderen Eingeweihten, brechen sie gemeinsam auf, um den sagenumwobenen Schatz ausfindig zu machen. Eines wurde dabei allerdings nicht einkalkuliert: die verschiedenen Interessengemeinschaften versuchen sich gegenseitig kaltzustellen...

    Ernst Ritter von Theumers Filmbeiträge genießen weitgehend einen berüchtigten Status und bereits zur Entstehungszeit dieses Films stand sein Name für reißerisch aufgezogene B-Filmfreuden, die ganz offenkundig keinen künstlerischen Anspruch verfolgten, dafür aber vornehmlich die reine Unterhaltung im Visier hatten. "Camp der Verdammten" kann eindeutig als Abenteuerfilm klassifiziert werden, dem man zunächst bescheinigen darf, dass er über sehr atmosphärische Aufnahmen und Schauplätze verfügt, außerdem über eine an die damalige Zeit angepasste Populär-Besetzung, die in anderen Beiträgen oftmals jedoch nur in der zweiten Reihe agierte. Bereits der frühe Verlauf gibt unmissverständlich zu verstehen, dass sich das möglicherweise bevorstehende Spektakel ziemlich derb präsentieren will, was sich zunächst in den flapsigen Dialogen durchschlägt, deren Echo bemüht umgangssprachlicher Natur sind. Die Suche nach einem sagenumwobenen Schatz stellte schon für so manchen Film einen ergiebigen Nährboden dar, und auch hier wird der Zuschauer langsam darauf vorbereitet, dass man einer gefährlichen Mission gegenübersteht. Kostproben von Action und leichtem Tempo, sowie charakteristischem anatolischen Flair machen einen angemessenen Eindruck, wenngleich sich dann doch Tendenzen von gepflegtem Leerlauf einschleichen, sodass die Geschichte nach einiger Zeit etwas zu sehr gestreckt wirkt, um ausgleichend auf die dünne Story einzuwirken. Bestückt mit bekannten Gesichtern des damaligen Kinos, sieht man gut eingefasste Rollen, die in erster Linie vielleicht nicht gerade sinnbildlich für die ganz große Prominenz stehen werden, aber dem Verlauf ihre Stempel aufdrücken können. Interessant ist die Tatsache, dass man der attraktiven Würzburgerin Christiane Nielsen die Hauptrolle des Films anvertraute.

    Kurz zuvor in dem Edgar-Wallace-Krimi "Das Rätsel der roten Orchidee" zu sehen, konzipiert sie ihre Rolle hier offensiv-verführerisch, nahezu lasziv, schlagfertig und waghalsig, sodass sie ihren Platz in der von Männern dominierten Umgebung nicht nur beanspruchen, sondern auch behaupten kann. Hellmut Lange hatte kurz zuvor ebenfalls einen Einsatz bei Wallace, woraus man bei den Hauptrollen schon klar die Strategie ableiten kann, dass man auf einer Erfolgswelle mitschwimmen wollte, auch wenn es sich um ein vollkommen anderes Genre handelt. In diesem Zusammenhang ist auch noch Thomas Alder zu nennen, der ebenfalls einen einmaligen Auftritt in der erfolgreichen Serie absolviert hatte. Christiane Nielsen und Hellmut Lange machen jedenfalls mehr als solide Eindrücke, genau wie Ellen Schwiers, die jede Produktion, außerdem jede noch so unterschiedliche Anforderung, meistern und deutlich aufwerten kann. Die allgemeine Stimmung wird plötzlich durch einige Schlager-Einlagen von Peter Kirsten auf recht dünnes Eis geführt und leider fängt das Ganze ohnehin an, deutlich vor sich hinzuplätschern, da zu lange auf wahrnehmbares Spektakel gewartet werden muss. Zwar ist positiv anzumerken, dass die Stimmung keinesfalls kippt, aber dennoch handelt es sich im Endeffekt um einen zu konventionell aufgezogenen und recht lieblos aneinander gereihten Abenteuer-Krimi, der nur wenige Ausrufezeichen setzen kann. Die größten Ausrufezeichen setzen in diesem Zusammenhang schließlich viele der gerne gesehenen Darsteller und vor allem die atemberaubend schönen Schauplätze. Letztlich handelt es sich bei "Camp der Verdammten" nicht gerade um eine vergessene Perle des Geschäfts, denn dafür wurden einfach zu viele Möglichkeiten liegen gelassen. Freunde des Genres werden jedoch sicherlich Inhalte finden, die zufriedenstellend sind.

  • Das Erbe der Guldenburgs (1987-90, TV)Datum14.01.2018 13:54



    DAS ERBE DER GULDENBURGS



    ● DAS ERBE DER GULDENBURGS (D|1987-1990)
    in den Hauptrollen: Christiane Hörbiger, Brigitte Horney, Ruth Maria Kubitschek, Wilfried Baasner, Iris Berben, Katharina Böhm,
    Sigmar Solbach, Susanne Uhlen, Wolf Roth, Jürgen Goslar, Jochen Horst, Monika Peitsch, Alexander Wussow und Sydne Rome
    hergestellt durch die Neue Deutsche Filmgesellschaft | im Auftrag des ZDF
    eine Serie von Gero Eckhardt und Jürgen Goslar




    Martin Graf von Guldenburg (Karl-Heinz Vosgerau) kommt nach seinem 60. Geburtstag bei einem Autounfall ums Leben und der schleswig-holsteinischen Adelsfamilie wird durch sein plötzliches Ableben der Boden unter den Füßen weggezogen. Da Graf Guldenburg die Geschäfte selbst leitete, zu denen die Verwaltung des Stammsitzes, das dazu gehörige Gestüt mit Pferdezucht und eine private Bierbrauerei, sowie Mehrheitsanteile an einer Privatbank gehören, muss nun ein Nachfolger gefunden werden. Seine Frau, Christine Gräfin von Guldenburg (Christiane Hörbiger), will sich der schweren Aufgabe annehmen, doch als sie sich einen Überblick über die Geschäftslage verschafft, stellt sich heraus, dass man kurz vor dem Ruin steht und ihr Mann zu allem Überfluss eine Geliebte hatte. Die Familie, bestehend aus Gräfin Herta (Brigitte Horney), der Mutter des Verstorbenen, Thomas (Wolf Roth) und Evelyn (Iris Berben), den Kindern aus erster Ehe, und Alexander (Jochen Horst) und Susanne (Katharina Böhm), den gemeinsamen Kindern mit Christine, muss nun zusammenhalten und nach Lösungen suchen. Die Sanierung des Geschäfts stellt sich jedoch als sehr schwierig heraus, zumal die Konkurrenz nicht schläft und bereits ihre gierigen Krallen nach dem Hab und Gut der Familie Guldenburg ausstreckt. Die sogenannte Hamburger Bierkönigin, Margot Balbeck (Ruth Maria Kubitschek), will ihren Konzern durch die Guldenburg'sche Brauerei erweitern, außerdem zusätzlich Schlossherrin des Stammsitzes werden. Ein erbitterter Machtkampf entfacht sich und droht zu eskalieren, sodass alles auf eine Katastrophe hinausläuft...

    Die von 1986 bis 1989 gedrehte Familiensaga "Das Erbe der Guldenburgs" gilt als einer der letzten deutsch produzierten Straßenfeger, der zu seinen Glanzzeiten einen Marktanteil bis zu fast 50% vorzuweisen hatte und vor 30 Jahren, am 29. Januar 1987, erstmalig im ZDF ausgestrahlt wurde. Wo sich andere Serien beispielsweise mit Öl oder Wein beschäftigten, waren die Dreh- und Angelpunkte für Intrigen sowie unsaubere Geschäfte hier fiktive, norddeutsche Bierbrauereien. Interessant ist die Fußnote, dass Jever aufgrund des Serienerfolgs tatsächlich ein Bier unter dem Namen "Guldenburg Premium" auf den Markt brachte und die Bavaria-St. Pauli-Brauerei, die als Kulisse für die Firma Balbeck diente, nahm geistreicherweise die Marke "Balbeck Pilsener" in ihr Sortiment auf. Die große Stärke der 38-teiligen Serie in drei Staffeln waren eindeutig die schillernden Charaktere, die den verschiedenen Handlungssträngen Feuer, Dramatik und eine breite Palette an Emotionen mitzugeben wussten. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu erwähnen, dass sich bei "Das Erbe der Guldenburgs" das Who's Who deutscher Interpreten versammelte, die im Rahmen neuer Rollen immer wieder tatkräftige Unterstützung von hochkarätigen, teils internationalen Gästen bekamen. Die Karriere von UFA-Star Brigitte Horney endete übrigens hier, da sie wenige Tage vor Beendigung der zweiten Staffel verstarb. Der persönliche Rückblick stattet die Serie mit einer guten Portion Nostalgie und lebhaften Erinnerungen aus, die genau wie andere erfolgreiche Serien regelmäßig im Kreise der Familie geschaut wurde, und in der Tat handelt es sich hierbei sicherlich um eine der besseren deutschen Serien.

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Ich fühle mich dabei auch ein bisschen an "Das Erbe der Guldenburgs" erinnert, und die Serie fand ich ja immer großartig. Außerdem ist die Besetzung absolut verlockend, daher werde ich sicherlich schon bald auch einmal in "Schloss Hohenstein" vorbeischauen. Danke jedenfalls für die Vorstellung!

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Jan im Beitrag #56
    Wie immer, wenn Frau Keller auftrat, nervte sie auch mich. Schauderhaft.

    Wie unterschiedlich sie doch wahrgenommen wird. Ich habe mir wegen Krista Keller extra alles Mögliche zugelegt, was ich nur bekommen konnte, weil ich ihr überaus gerne dabei zusehe, wie sie es auf die Spitze treibt, und was andere vielleicht Overacting nennen. Für mich eine besonders ausdrucksstarke Interpretin, die die manchmal eher gepflegte Serien-Etikette zumindest provozieren konnte.


    Zitat von Ray im Beitrag #55
    Fall Nr.6: Treffpunkt Friedhof (Tatort-Folge 56, BRD 1975)

    Die Folge kenne ich noch nicht, habe sie mir aber mal rausgelegt, um sie in den nächsten Tagen anzusehen. Krista Keller spielt ja mit... Ich hoffe, dass ich mich auf was gefasst machen kann.

  • Uta LevkaDatum13.01.2018 15:21
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● UTA LEVKA als GLADYS GARDNER in
    DER BUCKLIGE VON SOHO (D|1966)



    Nach ihrem in Erinnerung gebliebenen Auftritt in Harald Reinls "Der unheimliche Mönch" kam es zu einer weiteren, unmittelbar darauf folgenden Verpflichtung innerhalb der Wallace-Reihe, dieses Mal allerdings unter Regisseur Alfred Vohrer. Da sich "Der Bucklige von Soho" unter Anderem ebenfalls mit dem populären Thema Mädchenhandel beschäftigt, konnte Uta Levka vom Prinzip her in eine identische Rolle schlüpfen, und bei diesem Auftritt war bereits eine etwas längere Auftrittsdauer vorgesehen. Die Schauspielerin scheint demnach wie geschaffen dafür, als eine Art Bindeglied in einer Reihe zu fungieren, die gerade auf Hochtouren dabei war, ihre klassischen Elemente mit mehr Zeitgeist zu vermischen. Levka stellt in diesem Zusammenhang quasi ein Äquivalent dar, schließlich war sie zuvor bereits mit aufgaben vertraut, die weit über herkömmliche Sehgewohnheiten hinausgehen sollten. Eine gute Grundvoraussetzung für diesen Film, da er doch augenscheinlich, wenn auch dezent, mit den Schicksalen gefallener Mädchen jongliert. Als Gladys erstmalig im Szenario auftaucht, ist sie bereits in einer Pose zu sehen, die unmissverständlich klarmachen will, dass man es mit einer jungen Dame zu tun hat, die sich ihrer Ausstrahlung und Wirkung durchaus bewusst ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach durch und durch mit krimineller Energie durchzogen, stellt sie eine der vielen Schachfiguren im tödlichen Spiel um Entführung, Erpressung und Mord dar. Es ist anzunehmen, dass sie durch eine harte Schule gehen musste, schließlich war sie einst selbst Insassin im Mädchenheim, unter der eisernen Hand der perfiden Oberin Hilde Sessak, doch sie hat einen Weg hinaus finden können, und zwar über jenen Mann, mit dem ihr Schicksal stehen und fallen wird. Derartige Andeutungen über den Lebenswandel der attraktiven Doppelgängerin der Millionenerbin Wanda Merville unterstreichen eine Rücksichtslosigkeit und klares Kalkül, aber auch eine gewisse Abhängigkeit.

    Uta Levka wirkt im Szenario stets perfekt positioniert, ihre Rolle erstaunlich gut strukturiert und choreografiert, außerdem kommt man als Zuschauer in den Genuss einer Idealbesetzung im Bereich Nähe und Distanz. In mehreren Zusammenhängen gelingt es Uta Levka in diesem Kriminalfilm, oder vielmehr Unterhaltungsfilm, für einen Hauch von Tragik zu sorgen, schließlich verbrennt sie sich an jenem Feuer, mit dem sie selbst einst mit Wonne spielte. Mit "Der Bucklige von Soho" schickte die Rialto-Film ihren ersten Farbfilm der Edgar-Wallace-Reihe ins Rennen, und angesichts der wirklich bunten Herangehensweise der Regie lässt sich auch eine Uta Levka ausmachen, die schon alleine wegen ihrer farbenfrohen und modernen bis mondänen Ensembles ins Auge fällt, von ihrer Spiellaune ganz zu schweigen. Mit beinahe singendem Stolz, auffälligem Hochmut und der Überheblichkeit einer Person, die es sich einfach leisten kann, stellt sie sich als Teil einer verbrecherischen Maschinerie vor, wenngleich man sie nicht als Aggressor identifiziert; liegt sie doch in unterwürfiger Manier einem Mann zu Füßen, der sie zur Hure machte, sie aber gleichermaßen davor bewahrt hat. Uta Levkas unsentimentales Spiel weiß zu jeder Sekunde zu überzeugen. Sie zeigt etliche Kostproben ihrer Schlagfertigkeit, um Ausreden ist sie ohnehin nie verlegen, und die Männer ihres Umfeldes sind in Windeseile um den Finger gewickelt. Neben Hauptdarstellerin Monika Peitsch und ihrer Kollegin Suzanne Roquette bekommt Uta Levka sozusagen den Luxus einer dramaturgischen Sonderstellung eingeräumt, die sie nicht nur flexibel und überzeugend anzunehmen weiß, sondern auch mit einigen denkwürdigen Finessen ausstattet. Für den Film - selbstverständlich auch die komplette Reihe - stellt die aparte Erscheinung in jeder Hinsicht eine Bereicherung dar, sodass erneut festgestellt werden darf, dass die in Cottbus geborene Interpretin aus dieser ansehnlichen Nebenrolle eine wichtige machen konnte.

  • Margaret LeeDatum13.01.2018 10:31
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● MARGARET LEE als HELEN ALEXANDER in
    DAS GESICHT IM DUNKELN (D|I|1969)



    Riccardo Fredas Edgar-Wallace-Beitrag "Das Gesicht im Dunkeln" wartet mit einer Reihe von unterschiedlich angelegten Frauenrollen auf, von denen allerdings auf ihre bestimmte Art und Weise jeweils eine Bedrohung für den Protagonisten der Geschichte ausgeht. Wie jede ihrer Kolleginnen, hat auch Margaret Lee eine sehr kurze Erscheinungsdauer, doch kommt gerade ihr das Privileg der Dramaturgie zu, die Geschichte aus dem Off zu dominieren. Helen Alexander kam ganz offensichtlich bei einem fingierten Autounfall ums Leben, doch gewisse Anzeichen deuten darauf hin, dass sie möglicherweise noch am Leben ist. So sieht ihr Ehemann John sie beispielsweise in einem Pornofilm, der nach ihrem tödlichen Crash gedreht worden sein muss. Von handwerklicher Seite wurden somit etliche von Helens Markenzeichen mit in die Szenerie integriert, die beim Zuschauer ebenfalls Zweifel aufkommen lassen. Die Strategie, eine totgeglaubte Person quasi wie einen dunklen, aber stets präsenten Schatten über dem Szenario schweben zu lassen, hat sich so gut wie immer als effektives Stilmittel herausstellen können, und die Suche nach dem Phantom kann beginnen, somit wie hier das Elixier eines Films bilden. Helen Alexander wird trotz ihrer wenigen Szenen schnell und nachhaltig integriert und charakterisiert, zu diesem Zweck kommt es der Produktion zugute, eine überzeugende Expertin wie Margaret Lee mit an Bord zu haben. Nach dem 1966 entstandenen "Das Rätsel des silbernen Dreieck", in dem sie ebenfalls eine kürzere Rolle hatte, sieht man interessiert bei ihrem Wallace-Ausstand zu, den sie perfekt löst, da die Rolle optimal skizziert wurde. Ihre erste Szene ist wegweisend und bezeichnend für das unterkühlte Verhältnis zu ihrem Mann, denn die attraktive Millionärin lässt sich in der Badewanne von ihrer Freundin Liz verwöhnen und man spricht ganz offen darüber, dass die Trennung unmittelbar bevorsteht.

    Schnell wird der Zuschauer mit weiteren Informationen durch Helens Stiefvater versorgt, der ihren Egoismus, ihre Wesenskälte und Eigenwilligkeit hervorhebt, und im Endeffekt nicht gerade schmeichelhaft von ihr spricht. Dass man auch über die Vermögensverhältnisse aufgeklärt wird, liefert gleichzeitig ein Blanko-Motiv für den später folgenden tödlichen Unfall, der ganz nach Wallace-Manier mörderische Hintergründe hat. Trotz weniger Szenen Margaret Lees kann man von einer gut skizzierten Rolle sprechen, die ihre Schlüsselmomente gebündelt und flüssig hervorbringt. Ein Gespräch zwischen Helen und John beim Pferderennen charakterisiert die momentane Ehe-Situation sehr gut, man spricht offen über ihre Freundin und sein Verhältnis zu seiner Sekretärin, aber auch darüber, dass es zu einem Schlussstrich kommen wird. Vor allem hier zeigen sich die Kompetenzen der Margaret Lee sehr gut. In ihrem Verhalten zeigt sich ein Ausdruck von Rücksichtslosigkeit und Kälte, beinahe sachlich und emotionslos erklärt sie ihrem Mann die neuen Voraussetzungen und nennt bei dieser Gelegenheit Liebe und Finanzen gleichzeitig in einem Atemzug. Im Grunde genommen wird eine ganz klassische Schablone des Krimis, beziehungsweise eine Form der Opferrolle bedient, denn Verbrecher und Verbrechen werden förmlich vom potentiellen Opfer selbst herausgefordert. Der Kreis der Verdächtigen hält die Erinnerung an die jeweilige Person schließlich am Leben, und hier ist es sogar Helen selbst, da sie trotz ihres Verschwindens omnipräsent bleibt. So ist letztlich zu sagen, dass Margaret Lee ihre feine Schlüsselrolle sehr nachhaltig und überzeugend prägt, weil sich das anvisierte verwirrende Element über Helen entfalten kann. Übrigens sollte hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass man Margaret Lee in "Das Gesicht im Dunkeln" in einer geheimnisvollen Schönheit zu sehen bekommt, die vielleicht kein zweites Mal in dieser Auffälligkeit wahrzunehmen war. Zweifellos einer ihrer interessantesten Auftritte!

  • Eure Louis-Weinert-Wilton-RanglisteDatum12.01.2018 12:20
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    01: Das Geheimnis der schwarzen Witwe
    02: Die weiße Spinne
    03: Der Teppich des Grauens
    04: Das Geheimnis der chinesischen Nelke

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auch ich wollte zwischendurch einfach nur mal loswerden, dass ich die Vorstellungen mit großem Interesse verfolgt habe. Ein ganz großer Fan des Genres bin ich zwar auch nicht gerade, aber mein Auswahlkriterium bei den Italowestern ist meistens die Besetzungsliste gewesen, also habe ich hauptsächlich diejenigen mit deutscher Beteiligung gesehen. Das waren zwar schon einige, aber manche der beschrieben Filme sagten mir bislang noch gar nichts. Deswegen habe ich mir die mal notiert, falls irgendwann wieder ein Italowestern-Anflug kommen sollte. Lange Rede, kurzer Sinn - Danke für deine Mühe und die schön aufgebauten Berichte, Giacco!

  • Ellen SchwiersDatum11.01.2018 21:58
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Ray im Beitrag #4
    und hätte sie lieber noch regelmäßiger in für dieses Forum relevanten Filmen gesehen

    Dieser Meinung bin ich auch, obwohl sie gerade bei der Betrachtung der weiblichen Wallace-Charaktere eher schwer unterzubringen ist, wenn man mal ein bisschen gedanklich spielt. Zumindest eigentlich. Ellen Schwiers wäre aber vor allem in Sachen Ausstrahlung und Strukturierung der jeweiligen Rolle ein enormer Gewinn und daher prädestiniert für besondere, beziehungsweise große Rollen gewesen. Aber im Endeffekt hat sie das Kino kontinuerlich bedient, genau wie unterschiedliche Genres, daher gibt es sehr viele hoch interessante Rollen zu entdecken.

    Zitat von Georg im Beitrag #5
    Die in meinen Augen beste Rolle spielte Ellen Schwiers als diabolische, perfide Frau mit dem roten Schal im gleichnamigen Plüschkrimidreiteiler Der rote Schal.

    Diese Rolle habe ich auch in lebhafter Erinnerung behalten, obwohl ich diesen Dreiteiler vor Jahren nur einmal gesehen habe. Leider liegen mir die sogenannten Plüschkrimis nicht so sehr, aber schon alleine wegen Ellen Schwiers könnte ich dem Spektakel noch einmal eine Chance einräumen. Ich erinnere mich ja an beinahe gespenstische Szenen mit ihr.

    Zitat von Mr Keeney im Beitrag #6
    "Ein Toter sucht seinen Mörder"

    Den mag ich sehr gerne, denn Freddie Francis hat seinen Beitrag solide inszeniert und er ist vor allem hervorragend besetzt. Gerade bei diesem Film finde ich die Rolle von Ellen Schwiers sehr interessant, oder vielmehr unorthodox, da sie vollkommen gegen ihr bestehendes Image besetzt wurde und dementsprechend konträr agiert, obwohl sie gängige weibliche Schablonen des damaligen Kriminalfilms bedient.

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #2
    "Landarzt Dr. Brock"

    Diese Serie kenne ich bislang noch nicht, sie klingt aber ganz interessant im Sinne einer kurzweiligen Unterhaltung mit gerne gesehenen Gast-Stars. Ich nehme es mal als Tipp und werde irgendwann bestimmt auch zugreifen. Daher Danke für die Vorstellung!

  • Ellen SchwiersDatum07.01.2018 15:17
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● ELLEN SCHWIERS als URSULA CALLWAY in
    AUS DEM TAGEBUCH EINES FRAUENARZTES (D|1959)



    »Aber doch nicht jetzt!« Sichtlich brüskiert macht die extravagante Bühnenbildnerin Ursula Callway ihrem Objekt der Begierde, dem Gynäkologen Dr. Brückner, eine temperamentvolle Szene und der mit Erotik aufgeheizte Abend findet sein jähes Ende, da er wegen eines dringenden Falles in die Klinik gerufen wird. Die resoluten Verführungskünste werden somit kurz vor ihrer Erfüllung abgewürgt, schließlich hatte sie sich schon etwas luftiger, sprich bettfertig angezogen. Ellen Schwiers war zu jener Zeit quasi eine Spezialistin für exponierte Rollen in sogenannten Problemfilmen oder solchen, die einen erotischen Aufhänger nötig gehabt haben, und in diesem Zusammenhang stellt sie ihre ganze Raffinesse auch in "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" zur Verfügung. Die ehemalige Patientin von Brückner hat sich nun einen Arzt auserkoren, zumindest ist dies momentan so, denn es ist zu erahnen, dass die hartnäckige, in Phasen sogar aufdringliche junge Dame lediglich auf der Jagd nach zusätzlichen Trophäen ist, um ihr starkes Geltungsbedürfnis zu befriedigen. Als sich aller Ärger der Zurückgewiesenen gelegt hat, kann man ihr in der modern eingerichteten Wohnung quasi beim Denken zusehen, denn sie sucht nach Wegen, wieder in den Radius Dr. Brückners zu kommen, und das auf medizinischem Weg. Sie bemüht sich daher kurzerhand um einen stationären Aufenthalt in seiner Klinik. Als Zuschauer ahnt man Katastrophales, denn eine Frau wie Ursula Callway lässt sich nur einmal abweisen. Man kalkuliert daher umgehend ein, dass die gekränkte Frau nichts Gutes im Schilde führen kann. Ganz in Manier einer wild gewordenen Furie beschwört sie schließlich einen medienwirksamen Skandal herauf, der die Reputation und Existenz ihres Opfers gefährden wird. Ellen Schwiers wird von der Regie als eine Art schwarze Witwe charakterisiert, die offensichtlich nur noch aggressiver wird, falls es im Vorfeld nicht zum üblichen Akt kam.

    Mit der Hilfe eines Bekannten, der ihr augenscheinlich hörig und bereits verfallen ist, lenkt sie die Situation, die sich ohne Schützenhilfe nicht stemmen lässt, in kalkulierte Bahnen. Mutwillig wird eigenes Ansehen und gesellschaftlicher Stand in die Waagschale geworfen, doch es scheint so, als könne der Ruf von Frau Callway erst gar nicht mehr ruiniert werden, da er es im moralischen Sinn der End-60er schon längst ist. Bleibt man beim Thema Ruf, oder hier beim Image der Darstellerin, ist eine zu dieser Zeit sehr häufig abgerufene Leistung der attraktiven Interpretin zu sehen, die sich regelrecht in eine Selbstinszenierung hineinsteigert. Ellen Schwiers' hohe Glaubwürdigkeit entsteht durch das variable Färben der unterschiedlichen Intervalle ihres Auftritts, in denen sie sich als Verführung, Furie und Ebenbild der modernen Frau präsentiert, jeweils in personifizierter Form. Auch wenn sich diese Anforderung ausschließlich im damals festgelegten Schwiers'schen Klischee abspielt, muss doch betont werden, dass die aus Stettin gebürtige Schauspielerin gerade bei diesen Gelegenheiten einige ihrer bemerkenswertesten Skizzierungen in Rollen abrufen konnte, die dem Anschein nach nur für sie gemacht waren. Ihr überschäumendes Temperament impliziert eine absolute Unempfindlichkeit gegenüber anderen Personen ihres Umfeldes und egoistische Motive treiben sie daher zum Äußersten. Auch hier bekommt der Zuschauer einen charakterlichen Feinschliff geboten, der die Atmosphäre und den Verlauf nachhaltig prägen und den Zuschauer in einen Bann ziehen wird, obwohl (oder weil) sie eine Art Verworfene spielt. Gerade solche Darbietungen sind es aber, die vielleicht weniger Sympathie hervorrufen, aber umso mehr Faszination um eine Person, der man eigentlich lieber nicht begegnen möchte und gleichzeitig nur allzu gerne. In "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" verbindet Schwiers Obligatorisches mit Aufsehenerregendem wieder einmal bemerkenswert.

  • Ellen SchwiersDatum07.01.2018 14:00
    Thema von Prisma im Forum Schauspieler/-innen



    ELLEN SCHWIERS





    Zitat von Das Lexikon der deutschen Filmstars
    Tochter eines Schauspielers. Schon als Kind mit einer Wanderbühne quer durch Deutschland unterwegs, während der Kriegsjahre mit der Familie auf der Flucht, für die sie nach Kriegsende den Lebensunterhalt verdient. Die Unrast ihrer jungen Jahre endet, als ihr Vater in Marburg den »Schauspielring« gründet, dort kommt sie als Schauspielschülerin unter. Erstes Schauspiel-Engagement in Koblenz, danach in München und Frankfurt a.M. und in Göttingen. Zahlreiche Tourneen und Festwochen-Gastspiele schließen sich an. 1949 entdeckt sie Kurt Hoffmann für "Heimliches Rendezvous", eigentlicher Filmkarrierestart ist jedoch erst 1955. Seitdem erhält sie pausenlos Rollen in Film und Fernsehen, spielt aber weiter Theater und inszeniert dort auch (»Was ihr wollt«, 1972-73 Jagsthausen, in eigener Bearbeitung). Sie ist mit dem Kulturfilmproduzenten Peter Jacob verheiratet und hat zwei Kinder, die ebenfalls schauspielern (Sohn Daniel Jacob starb 1985). Sie lebt in Leoni am Starnberger See. Typ: Durch ihren dunklen, leidenschaftlichen Typ verkörperte sie oft die schwerblütige Frau, die in eigene Sinnlichkeit oder äußere Verhängnisse verstrickt ist. Ob als Lysistrata, Medea oder Lady Macbeth am Theater, ob als Nju und Katharina von Medici im Film, immer ist sie die absichtsvolle Frau mit Vergangenheit, die in die veränderungswürdige Gegenwart mit der Glut ihres ganzen Wesens einbricht und Verwirrung, nicht selten Tragik, stiftet.



    Bei der am 11. Juni 1930 in Stettin geborenen Schauspielerin Ellen Schwiers handelt es sich wohl um eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Nachkriegskinos, nicht nur, weil sie in so zahlreichen Filmrollen zu sehen war, sondern auch aufgrund ihrer so auffälligen Erscheinung. In diesem Zusammenhang sind ihre ungewöhnlich markanten Gesichtszüge zu nennen und eine Art Aura, die sie für Rollen der Femme fatale prädestinierte. Dem Empfinden nach gab Ellen Schwiers dem Zuschauer selten die Gelegenheit, einen leichten Weg mit ihr zu gehen, da genügend Abgründe, oder nicht selten sogar niedere Charakterzüge offeriert wurden. Somit ist sie als Interpretin der progressiveren Rollen zu verstehen, die es durchaus verstand, selbst innerhalb von Schablonen einen Hauch des Außergewöhnlichen und Extravaganten zu transportieren. Schwiers' Rollenprofil gibt weder das exakte, noch diffuse Frauenbild insbesondere der 50er und 60er-Jahre wieder, sodass naturgemäß einiges an Identifikationsmöglichkeiten fehlte und gewisse Einsatzgebiete einschränkte, gleichzeitig aber alternative Möglichkeiten mit sich brachte. So war Ellen Schwiers an die zwei Jahrzehnte vornehmlich in Auftritten zu sehen, die in vielerlei Hinsicht provozieren konnten und die gewissermaßen stellvertretend als Projektionsfläche für Eigenschaften und Attribute stehen, die im Kino ihrer Zeit meistens nur dezent angedeutet wurden. Die personifizierte Verführung stand ihr sehr gut zu Gesicht, da eine natürliche Glaubwürdigkeit mitschwingen konnte, die nicht alle Tage zu finden ist. Oftmals wurde in dieser Hinsicht ein nicht einwandfreier, beziehungsweise nicht anerkannter Lebenswandel thematisiert und die Interpretin deckte trotz eines eindeutigen Images und diversen Festlegungen innerhalb solcher Rollen ein umfangreiches Spektrum ab, das seine Schwerpunkte gerne in den Bereichen Tragik und Leidenschaft fand.

    Viele Geschichten rückten sie eindeutig in den Fokus, zahlreiche beteiligte Charaktere nahmen sie ins Visier und sie darf auf eine Karriere zurückblicken, die zwischen besonderen Würfen und kleineren Sinnesfreuden alles zu bieten hatte. Ellen Schwiers kann als eine der Viel-Spielerinnen bezeichnet werden, die ab Mitte der 50er-Jahre ohne Unterlass drehte. Ihre unterschiedlichen Einsätze bestätigen die Nachfrage von Film und Publikum, viele Kino- und TV-Rollen weisen sie auch auch heute noch als einen der gefragtesten deutschen Stars aus. Rückblickend gesehen, ist in dieser über 60 Jahre andauernden Karriere vielleicht nicht unbedingt der ganz große Klassiker zu finden, den beispielsweise eine Nadja Tiller oder Marianne Koch landen konnten, aber maßgeblich ist hier einfach diese nahezu beispiellose Kontinuität, die insbesondere die nationale Filmlandschaft bedient und ungemein bereichert hat, wo hingegen nur wenige Ausflüge auf internationales Parkett zu Buche stehen. Kommt man nochmals auf ihre Ausstrahlung zurück, so kann gesagt weren, dass sie neben der natürlichen Interpretationsgabe ihr Markenzeichen geblieben ist. Ellen Schwiers stellte gleichermaßen Ursache und Wirkung, Verführung und Verderben, Freundin und Feindin oder Täter und Opfer, somit Ebenbild der Kontraste dar. Ob verschlagen oder kultiviert wirkend, sie konnte sowohl ihren männlichen Kollegen die Stirn bieten, als auch ihre weiblichen Kontrahentinnen in Schach halten. Letztlich bleibt also zu sagen, dass Ellen Schwiers so gut wie immer überzeugend gewirkt hat und den Zuschauer mitnehmen konnte, egal in welchen Rollen sie jeweils gerade anzutreffen war. Der Blick auf diese Ausnahme-Karriere bestätigt also, dass für jeden Zuschauer etwas dabei sein müsste. Ob im TV-Bereich, in bekannten Serien, Haupt-, Nebenrollen oder Gastauftritten, man darf sich stets auf die besondere Art der Unterhaltung gefasst machen.


    Filmauswahl:

    ● 08/15 - Zweiter Teil (1955)
    ● Anastasia - Die letzte Zarentochter (1956)
    ● Die Teufelin (1959)
    ● Das Erbe von Björndal (1960)
    ● Der letzte Zeuge (1960)
    ● Gestatten - Mein Name ist Cox (1961-1965) [TV]
    ● Camp der Verdammten (1962)
    ● Ein Toter sucht seinen Mörder (1962)
    ● Tim Frazer jagt den geheimnisvollen Mr. X (1964)
    ● Der Satan mit den roten Haaren (1964)
    ● 4 Schlüssel (1966)
    ● Der Würger vom Tower (1966)
    ● Das Rasthaus der grausamen Puppen (1967)
    ● Der rote Schal (1973) [TV]
    ● 1900 (1976)
    ● Fedora (1978)
    ● Derrick - Auf einem Gutshof (1980) [TV]
    ● Ärztinnen (1983)
    ● Der Bulle von Tölz - Tod am Altar (1996) [TV]
    ● Tatort - Ein mörderisches Märchen (2001) [TV]
    ● SOKO München - Amok (2009) [TV]
    ● 3096 Tage (2013)


  • AUS DEM TAGEBUCH EINES FRAUENARZTES

    ● AUS DEM TAGEBUCH EINES FRAUENARZTES (D|1959)
    mit Rudolf Prack, Marianne Hold, Ellen Schwiers, Richard Häussler, Dorothea Wieck, Angelika Meissner, Albert Bessler, Ilse Fürstenberg, u.a.
    eine Alfa Film-Produktion | im Neue Filmverleih
    ein Film von Werner Klingler






    Dr. Brückner (Rudolf Prack), der Chefarzt einer Frauenklinik, übt seinen Beruf mit voller Hingabe aus, doch dabei kommt das Privatleben eindeutig zu kurz. Als er von Ursula Callway (Ellen Schwiers), einer ehemaligen Patientin, eindeutige Avancen gemacht bekommt und mit ihr daraufhin einen gemeinsamen Abend verbringt, kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Aufgrund eines Notfalls wird der Arzt in die Klinik gerufen und weist Ursula ab, die auf eine Romanze aus war. Noch ahnt Dr. Brückner nicht, dass die brüskierte Dame zu außerordentlichen Mitteln greifen wird. Sie beschuldigt ihn des sexuellen Missbrauchs und Brückner kommt in Untersuchungshaft. Dr. Eva Hansen (Marianne Hold) bietet sich an, seine Verteidigung zu übernehmen, da der Frauenarzt ihrer Schwester Erika (Angelika Meissner) einmal das Leben retten konnte. In einem spektakulären Prozess scheint alles darauf hinauszulaufen, dass die Hauptbelastungszeugin den Chefarzt ins Zuchthaus bringen wird...

    Bereits für die Saison 1957, beziehungsweise 1958, kündigte Prisma-Film einen Beitrag unter dem Titel "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" mit dem Ankündigungstext: »Ein Einblick in die Praxis eines Frauenarztes« an. Als Regisseur war Richard Häussler angedacht und zu den Darstellern sollten unter Anderem Erich Winn, May-Britt Nilsson oder Barbara Rütting zählen, doch das Projekt wurde in dieser Form nicht realisiert. Im Jahr 1959 kam schließlich Wolfgang Schleifs gleichnamiges Justiz-Drama in die Kinos, das in die Sparte der sogenannten Problemfilme eingereiht werden kann, und sich neben ausgiebigen Szenen am Gericht auch der Kolportage bedient, was dem Film wohlgemerkt aber recht gut stehen will. Der Aufbau dieses im Großen und Ganzen recht überzeugenden Verlaufs hält sich an bestehende Gesetze derartiger Produktionen, die einem Paket aus Gegenwart, Rückblenden und dem verhaltenen Blick in die Zukunft gleichen, sich dabei jedoch gleichzeitig dem Unterhaltungssektor anpassen. Daher sieht man unter der Bearbeitung von Wolfgang Schleif höchstens Andeutungen diskreter Zwischentöne und vornehmlich einen präzise angepassten Beitrag an das bestehende Zeitfenster, versehen mit einigen pikanten Momenten, für die Prototyp Ellen Schwiers vor die Kamera geholt wurde. Trotz vorprogrammierten Verlaufs, bietet "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" eine sehr flüssig erzählte Geschichte mit einigen Komplikationen und Nebensächlichkeiten, die geschickt mit dem eigentlichen Hauptthema verstrickt werden, doch ein Affront gegen erzkonservative Moralvorstellungen wurde letztlich nicht fabriziert, vielmehr ein Unterhaltungsfilm reinster Seele, die gerne auch etwas schwärzer hätte sein dürfen. Was dem Umgang mit dem § 174 angeht, mit dem der Film auch beworben wurde, sieht man schlussendlich eher das Prinzip: »wachse oder weiche«, wobei die Tendenz eher in Richtung zu Letzterem geht.

    Wie erwähnt, bietet das Thema in diesem Zusammenhang zu wenig Reibungsflächen, oder vielmehr Überraschungsmomente, die sich gegen den zu reibungslosen Verlauf hätten stellen können. Mitverantwortlich hierbei zeigen sich tatsächlich die Hauptdarsteller Rudolf Prack und Marianne Hold, die es fernab ihres sicheren Terrains stets schwer hatten, sich nachhaltig zu profilieren. Bei Rudolf Prack schwingt einfach zu viel Großmutters Kino mit, als dass er als die tragische Figur identifiziert werden könnte, die er eigentlich darzustellen versucht. Gerade im Fall Prack sind es daher sehr persönliche Eindrücke, die ihn in launisches Fahrwasser treiben lassen können, denn rein praktisch gesehen, passt der Wiener Schauspieler sehr gut zu dieser Rolle. Kultiviert und unaufgeregt im Auftreten, verbunden mit einer manchmal sogar weltmännischen Attitüde, vermag er es eigentlich mit Leichtigkeit, den Frauenarzt Dr. Brückner klassisch zu zeichnen. Dieser Eindruck wird allerdings durch das Ausreizen gewohnter Strickmuster und dem in Anspruch genommenen Sicherheitsabstand zur Provokation getrübt. Rudolf Prack selbst traut sich kaum aktiv an den im Film heraufbeschworenen Skandal heran und die Regie lässt diese Möglichkeit zugunsten eines sentimentalen Tenors vollkommen verstreichen. Diese Variante hilft einem Film mit anvisierter Problematik der außergewöhnlichen Sorte leider nicht im Geringsten weiter, sodass der Österreicher lediglich das bietet, was man stets von ihm angeboten bekam, wenngleich man wohlwollend betonen muss, dass er diese Rolle vollkommen ohne falsche Eitelkeit über die Ziellinie bringt. Hier springt allerdings die Dramaturgie ein, weil sie quasi jede Dame des Szenarios potentiell an seine Seite zwingt und den alten Traum der hartgesottenen Fangemeinde wieder Wirklichkeit werden lässt, somit gleichzeitig zu neuem Glanz verhilft.

    Trotz aller Kritikpunkte kann man Prack dennoch nicht viel vorwerfen, er wurde eben leider nur falsch angepackt. Marianne Hold macht hier möglicherweise im Vergleich die bessere Figur, bemüht sie sich doch nach Leibeskräften, sich in ein anderes Image zu manövrieren. Als Juristin Dr. Eva Hansen wird sie den schwer beschuldigten Gynäkologen auf der Anklagebank verteidigen und fällt dabei ungewohnt angriffslustig und schlagfertig auf. Ihre beinahe kasuistischen Fragen erzielen leider nie eine Torpedowirkung, eher wird »Fräulein Doktor« hin und wieder eiskalt erwischt, aber sie spielt ihre Trümpfe zum passenden Zeitpunkt aus, da sie mit dem Zufall auf einen verlässlichen Verbündeten blicken kann. Ellen Schwiers öffnet die Büchse der Pandora und beschwört Probleme herauf, die nur die Welt einer Frau wie Ursula Callway bewegen können. Gut für die Geschichte ist, dass alle Beteiligten die Spannung aufrecht erhalten und erst zum Ende hin triumphieren, oder umfallen. Solide Interpreten wie Richard Häussler, Günter Meissner oder Albert Bessler runden das Geschehen sehr adäquat ab und im Endeffekt hat man es mit einer in Teilen eigentümlichen, aber insgesamt tatkräftigen Entourage zu tun. Die Thematik des sexuellen Missbrauchs wird trotz der Verhandlung vor Gericht zu sehr unter Verschluss gehalten und diese Tatsache darf wahrscheinlich mit dem Produktionsjahr, der Regie oder gleich beidem in Verbindung gebracht werden. Greifbar eingefangen wurde hingegen die öffentliche Meinung, die sich bei etlichen Konsorten dreht wie der Wind, außerdem das vage Durchleuchten der Freunde und Verbündeten des Angeklagten, die im Zweifelsfall nicht einmal mehr Bekannte sein möchten. Hoch atmosphärische Szenen im Gerichtssaal, das Angebot vieler unterschiedlicher Charaktere und Stimmen, sowie ein Hauch von Tragik oder Schicksalslaunen, verhelfen "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" zu durchaus bleibenden Eindrücken und einem insgesamt nostalgischen Filmvergnügen.

  • Die Hinrichtung (1976)Datum31.12.2017 14:59
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema



    DIE HINRICHTUNG

    ● DIE HINRICHTUNG / NÉ POUR L'ENFER / E LA NOTTE SI TINSE DI SANGUE / BORN FOR HELL (D|F|I|CDN|1976)
    mit Mathieu Carrière, Debbie Berger, Leonora Fani, Christine Boisson, Eva Mattes, Myriam Boyer, Eva Brumby,
    Carole Laure, Ely de Galliani, Andrée Pelletier, Paul Edwin Roth, Illa Hedergott, Karl-Heinz Kreienbaum, u.a.
    eine Produktion der Studio Film | TIT Film | Filmel | Compagnia Cinematografica Champion | Cinévidéoim |
    Les Productions Mutuelles Ltée | im Nobis Filmverleih
    ein Film von Denis Héroux




    »Die Armee hat festgestellt, ich sei völlig normal!«


    Der Amerikaner Cain Adamson (Mathieu Carrière) kehrt aus dem Vietnamkrieg zurück. Auf dem Weg nach Hause gehen ihm die finanziellen Mittel aus, so dass er einen zwangsläufigen Zwischenstopp in Belfast einlegen muss. Ziellos schleicht er in der von Gewalt geprägten Stadt umher, bis ihm ein Schwesternwohnheim ins Auge fällt. Von einer der dort untergebrachten jungen Frauen bekommt er etwas Verpflegung und einige nette Worte, doch bei dem vom Krieg gezeichneten Mann löst dieses Aufeinandertreffen eine nicht vorauszusehende Kurzschlussreaktion aus. Bei Nacht kehrt er in das Wohnheim zurück und nimmt die jungen Frauen als Geiseln. Doch damit nicht genug, denn Cain manövriert sich in einen regelrechten Rausch und richtet ein entsetzliches Massaker an, das die Stadt erschüttern wird...

    Betrachtet man die internationalen Verleihtitel dieses absolut packenden Psycho-Dramas, so stellt sich ungewöhnlicherweise heraus, dass jeder einzelne diesen Beitrag doch unmissverständlich charakterisieren wird. Entstanden unter der Regie des kanadischen Regisseurs Denis Héroux, sieht man einen Verlauf, der sich einer schonungslosen Bildsprache bedient, die überdies das Potential besitzt, den Zuschauer nachhaltig schockieren zu können. Interessanterweise wird der vollkommen real wirkende Transfer über die Stadt Belfast hergestellt, die durch die Aktivitäten der IRA einem trostlosen Kessel aus Gewalt gleicht. Für die tragische Hauptfigur spielt es also keine Rolle, wo er sich gerade befindet, wohin er gerade flüchtet, denn Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bestehen aus Gewalt, Verderben und Tod, oder es wird mit aller Wahrscheinlichkeit immer wider darauf hinauslaufen. Erwähnenswert ist die Tatsache, dass sich hier doch einige gedankliche Querverbindungen zu dem kurz zuvor entstandenen "Parapsycho - Spektrum der Angst" herstellen lassen, die sich nicht nur in den Bereichen Stab oder Besetzung finden lassen, sondern vor allem in der kalten, sterilen und unkonventionellen Machart. In beiden Produktionen sah man beispielsweise Debbie Berger und Mathieu Carrière agieren, oder die deutsche TIT war als Produktionsgesellschaft beteiligt, manche Szenen, beziehungsweise Selbstinszenierungen wirken nahezu identisch. Der Einstieg in den Film geschieht schnell und unmissverständlich, man begleitet die Hauptperson in Form eines erneut absolut beunruhigenden Mathieu Carrière und man lässt sich voller Skepsis und Widerstand an die Hand nehmen. Ihm zu folgen ist nicht gerade einfach, denn es wird in immer extremer werdenden Handlungen zu Szenen kommen, die auf ihre Art und Weise rücksichtslos sein werden und jeglichen Hoffnungsschimmer ausschließen.

    Mathieu Carrière, sozusagen der Coup einer jeden Besetzungsliste, kann erneut demonstrieren, wie man die Zuschauer nachhaltig das Fürchten lehrt. Dieser Effekt geht zunächst auch vollkommen ohne drastische Szenen auf, denn man sieht ihm einfach ganz deutlich an, dass es sich um eine gescheiterte Existenz handelt, sei es von Grund auf, oder durch bestehende Rahmenbedingungen. Was man sieht, wirkt eher erschreckend als bemitleidenswert, denn die Prognose liegt ungeschönt auf der Hand. Ein junger Mann der innerlich vollkommen ziellos, verwirrt und apathisch zu sein scheint. Was darf man angesichts der verschiedenen, aber eindeutig klingenden Titel des Films also schon anderes erwarten, als eine Odyssee ins Verderben? Klingt dieser Umstand noch schwer nach einer möglichen Vorhersehbarkeit, so erteilt die Regie in diesem Zusammenhang eine deutliche Abfuhr, denn hier wird nicht das Ziel von entscheidender Bedeutung sein, sondern der brutale Weg, der sich Gewaltspitzen und eine sozusagen psychologische Schraubzwinge nicht aufspart. Cain kommt also in einem Pulverfass an, welches die Stadt Belfast repräsentiert. Im Umkehrschluss kann man ihn aber genau mit diesem unruhigen, nervösen und gewaltbereiten Umfeld gleichsetzen, in vielen Situationen sieht man eine Unempfindlichkeit, eine Emotionslosigkeit und fehlende Anteilnahme, die verstörend ist. Cain agiert mit Ruhe und sogar empfundener Höflichkeit. Nur in Situationen, in denen er sich unbeobachtet fühlt, mit jemandem alleine ist, kommen seine angestauten Aggressionen ungeniert zum Vorschein. Er wirkt schmerzunempfindlich, kann folglich den Schmerz von anderen nicht mehr einschätzen, er erniedrigt seine Opfer und zwingt sie schließlich, ihm sogar schmeichelhafte Dinge zu sagen. Die Mischung zwischen Verletzbarkeit und Dominanz wirkt widerwärtig und abstoßend, eine großartige Leistung des Mannes mit den vielen Gesichtern.

    Die Situation im Schwesternwohnheim gleicht nach kurzer Zeit immer mehr einem unerträglichen Vakuum, oder vielmehr dem letzten Gang von verängstigtem Schlachtvieh. Die Perversion in dieser Falle entsteht gleichermaßen durch den Peiniger, als auch durch die Mädchen, denn von der Situation scheint zunächst nicht die tödliche Gefahr auszugehen, die dort lauert. Das vorsichtige Agieren und die höflichen Kommentare Cains, das Versprechen, dass - wenn sie sich ruhig verhalten - nichts passieren wird, der Kontrast zwischen Unschuld und Zerstörung wirkt niederschmetternd. Glaubhafte, und gleichzeitig auch zauberhafte Gesichter bekommt man von diversen Schauspielerinnen verschiedener Nationalitäten geboten, über die harte Schocks gesetzt werden, weil der Tod im Endeffekt nicht genug ist. Die Regie spart sich eine derbe Veranschaulichung nicht auf, zusätzlich wird die Tragödie noch sexualisiert und gewinnt durch den überaus spekulativen Charakter weiterhin an Hoffnungslosigkeit. Stilistisch gesehen, geht Regisseur Denis Héroux vielleicht hin und wieder ein paar Schritte zu weit und spielt zu empfindlich mit den Nerven des Zuschauers, allerdings ist die drastische Marschrichtung für das stimmige Gesamtbild durchaus erforderlich gewesen. Im Rahmen der Charakterzeichnungen ist es nicht nur die Dramaturgie, die für besonders dichte Gesamtbilder sorgt, sondern es ist vor allem jeder einzelne der Darstellerinnen und Darsteller zu nennen, die die außergewöhnlich schwere Anforderung perfekt und glaubhaft meistern. Allen voran steht Mathieu Carrière, der sich hier wieder einmal selbst übertroffen hat. Insgesamt ist "Die Hinrichtung" auf allen Ebenen gelungen, im übertragenen Sinne sogar ernstzunehmen, da das brisante Thema nichts an Aktualität verloren hat. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem »Warum?« bleibt mit voller Absicht weitgehend ungeklärt, da es sich ohnehin so gut wie immer um eine rhetorische Frage handelt. Ein vielschichtiger, irgendwie bewegender, trostloser aber auch fordernder Film, der Genie und Wahnsinn ineinander vereint.

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