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Dieses Thema hat 18 Antworten
und wurde 1.469 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
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Prisma Offline




Beiträge: 7.529

13.05.2018 14:02
#16 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten





● EVA RENZI als MONICA RANIERI in
DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (D|I|1969)



Durch den Protagonisten Sam Dalmas bekommt der Zuschauer das aktuelle Verbrechen im Panoramablick geboten: fern, nah, unmittelbar am Ort des Geschehens. Mit ihm ist man über des gesamten Verlaufs einer Meinung, dass genau in dieser Situation der Schlüssel zur Aufklärung zu finden ist. Doch wie mag dieser aussehen? Es bleibt nur das diffuse Gefühl, dass tatsächlich etwas Signifikantes übersehen worden sein muss, dass etwas nicht in das Gefüge gepasst hat, doch man kann es nicht beim Namen nennen. Mit diesem Verwirrung stiftenden Element spielt Dario Argento über die komplette Distanz und entgegengesetzt zu der Kürze ihrer Rolle ist es Eva Renzi, die diesbezüglich zur Projektionsfläche wird, somit eine der wichtigsten Charaktere in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" formen konnte. Nicht nur, dass ihr erstes Auftreten gleich zu Beginn die Erinnerung beschäftigen wird; es ist auch bemerkenswert in welchem Umfeld sich diese Szenen abspielen. Argentos Set scheint bis ins kleinste Detail durchdacht zu sein, es wird eine auffällige Struktur innerhalb dieser Szenerie vermittelt, die als visuelles Ablenkungsmanöver gesehen werden kann. Zwischen den imposanten und geradezu vereinnahmenden Skulpturen findet sich das schöne Opfer des Frauenmörders, welcher Rom seit geraumer Zeit unsicher macht. Zu Eva Renzi lässt sich schließlich sagen, dass sie wie ein Teil dieses Sets erscheint und dass sie ebenso präzise durchdacht wirkt. Ihre weiße, mit Blut überströmte Kleidung stellt die Verletzung in den Vordergrund, die kurze Entfernung zu Sam Dalmas wird aufgrund der Tatsache, dass eine Glasscheibe sie trennt und wegen des langen Kampfes der Monica Ranieri, zur unüberwindbaren Distanz, da sie nur Zentimeter für Zentimeter zurücklegen kann. Alles wirkt abgestimmt, alles ist zu Ende gedacht worden worden, sodass gesagt werden darf, dass eine derart lückenlos aufgebaute Assoziationskette nicht alle Tage zu finden ist, die rückblickend in ihrem Aufbau derartig raffiniert gestaltet wurde. Erleichtert nimmt man schließlich zur Kenntnis, dass sich der empfundene Todeskampf der Monica Ranieri als nicht lebensgefährlich herausstellt.

Diese eindrucksvolle erste Etappe ihrer Rolle wird für den Moment stillgelegt, doch beschäftigt die Erinnerung des Protagonisten und Zuschauers sehr nachhaltig und effektiv. Das nächste Aufeinandertreffen erfolgt erneut am Ort des Verbrechens, an dem das Opfer sich beinahe gehemmt bei ihrem Retter bedanken wird. Verheißungsvoll gibt sie die Erklärung ab, dass sie auch weiterhin in Angst lebe und man wird hellhörig, da Monica Ranieri dem Empfinden nach weiterhin in Gefahr ist. Eva Renzi stattet diese kurze Szene mit allen erforderlichen Mitteln aus, die zur Glaubwürdigkeit führen und es ist erstaunlich, dass sie hier komplett entgegengesetzt zu ihren üblichen Rollenstrukturen eingesetzt wurde. Sie erscheint wie eine unterdrückte Frau, die sofort handelt, wenn ihr unsympathisch wirkender Mann ruft. Angst und Besorgnis trieben bei ihr normalerweise andere Blüten und das im Sinne einer völlig anderen dramaturgischen Ausgangsposition. Erneut wird es wieder länger ruhig um Monica, um die letzten Etappen ihres Auftritts zu bahnen. Über allem steht der bemerkenswerte Aufbau des Films, also auch dieser Rolle. Eva Renzi als Teil dieses Verwirrspiels und Bestandteil eines Dekors, ist eine wichtige Komponente einer Konstruktion, die einfach nur als brillant zu bezeichnen ist. Monica Ranieri erscheint unergründlich, obwohl die Dramaturgie sie als vermeintlich transparente Erscheinung in den Ring schickt. Insbesondere ihre anschließenden Sequenzen bleiben in nachhaltiger Erinnerung und es ist bemerkenswert, wie Eva Renzi diese recht komplexe Anforderung wieder einmal spielend lösen konnte. Die Mischung aus dosiertem, ebenso spontanem Schauspiel, bis hin zu ihrem impulsivem Darbietungsstil manifestiert den Begriff Idealbesetzung. Betrachtet man ihre eigenen Aussagen zu gerade dieser Rolle, die immerhin eine ihrer bekanntesten darstellt, ist es tatsächlich kaum zu verstehen, warum die Interpretin sie selbst so zynisch beurteilte, denn im Kontrast steht eine hochklassige Leistung mit Modellcharakter, der fortan in diversen Gialli sozusagen als "Monica-Ranieri-Effekt" Verwendung finden sollte, aber in dieser Qualität nicht mehr häufig reproduziert werden konnte.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.508

13.05.2018 14:42
#17 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Ich fand es ebenfalls bemerkenswert, wie Eva Renzi mit der Rolle rückblickend umgegangen ist. Sie sieht darin nur einen fahlen Scherenschnitt ohne Profil und unterschätzt ihre eigene Ausstrahlung. Mag sein, dass sie nicht gerne Opfer darstellte, doch der Verlauf zeigt, wie unkonventionell ihre Befreiung aus den Fesseln der Ohnmacht ist. Renzi richtet den Blick zurück nur auf die plakative Wirkung, negiert aber die Hintergründe und die visuelle Aussagekraft der Monica Ranieri.

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

16.06.2018 16:00
#18 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten





● EVA RENZI als SABRINA VON DER WIES in
BEIẞ MICH LIEBLING! (D|1970)



Der Legende nach ist in nahezu jeder Filmografie von Darsteller_innen ein Ausrutscher zu finden, oftmals sind es sogar mehrere schwarze Kapitel. Eva Renzi selbst gab ihrem eigenen Schaffenstiefpunkt den Namen "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", ohne dabei zu betrachten, dass persönliche Ressentiments die bestehenden Tatsachen hinsichtlich einer einwandfreien Leistung nicht ausräumen können. Wenn die gesamte Renzi'sche Filmografie so gut wie bekannt ist, kann es gar nicht anders kommen, dass man Helmut Förnbachers Erotik-Komödie in diesem Zusammenhang ins Visier nimmt, was jedoch hauptsächlich auf den Film und nicht auf Eva Renzis Leistung bezogen ist. Auch hier gilt ihr selbst erwähntes Prinzip, dass es die persönlichen Möglichkeiten stets zugelassen haben, gut oder zumindest der Anforderung entsprechend zufriedenstellend zu sein. Als Sabrina von der Wies macht Renzi zumindest einen mehr als soliden Eindruck und weiß sich erneut prominent in Szene zu setzen, was unterm Strich vom inszenatorischen und dramaturgischen Diktat verwässert wird. Weiß man um Eva Renzis kritischen Blick auf Frauenrollen bestimmter Anlegung, liegt es nahe, dass es sich hierbei um eine von jenen handeln müsste, die sie unter normalen Umständen mit Genuss in der Luft zerrissen hätte. Aber wer weiß das schon? Ein Blick auf die bestehenden Tatsachen zeigt eine - für den zeitgenössischen deutschen Genrefilm - ungewöhnlich stark instrumentalisierte Eva Renzi, deren Mehrfachanforderung beinahe ausschließlich darin besteht, den Klamauk zu dosieren, unter anderem für Erotik zu sorgen und dabei natürlich blendend auszusehen. Strecken von Großaufnahmen ihres hier frisch und ausdrucksstark wirkenden Gesichts tun ihr Übriges dazu.

Bei der Darstellung der Sabrina ist vor allem interessant, dass es sich um eine Dame handelt, die vergleichsweise weniger in das klassische Beuteschema der Eva Renzi fällt. Nur zu oft hat man selbstbewusste, schlagfertige, aber auch oppositionelle Charaktere von ihr sehen können, doch hier findet eine merkliche Abkehr zu diesem Schema statt, denn Sabrina steckt in einem Korsett, das von Männern ihres Umfeldes maßgeschneidert wurde. Zwar genießt die schöne Frau zahlreiche Freiheiten, von denen andere in diesem Zeitfenster nur hätten träumen können, aber innerhalb des ambitioniert modernen Anstrichs zeigen sich für Renzis Verhältnisse fast konservative Züge, die so rückschrittig sind, dass einem keine ähnlich gearteten Darbietungen ihrerseits einfallen. Sabrina lebt in uneindeutigen Verhältnissen mit ihrem Onkel zusammen und wirkt dabei wie eine bessere Hausangestellte, die sich zwar kritische Kommentare erlauben darf, die obendrein immer wieder Zweifel schüren, aber dennoch effektlos im Ganzen untergehen. Es ist mehr als offensichtlich, dass Renzi die Dramaturgie immer wieder mit ihrer persönlichen Note durchbricht, allerdings nicht viel gegen die Marschrichtung der Produktion ausrichten kann, da immerhin alle Darsteller vor die gleiche Karre gespannt werden. Im Fokus liegen schließlich männlich-weibliche Beziehungen, sodass nur auf das Auftauchen des neuen Briefträgers gewartet werden muss, um vollkommen weich zu werden: »Ich glaub ich bin verliebt! Ich hab ihn einfach angeschaut...« Beinahe ungläubig hört man Eva Renzi zu, als sie ihrem Onkel von Amors Treffsicherheit berichten muss und buchstäblich dahin schmilzt. Etwas Vergleichbares ist in ihrer Karriere kaum zu finden. Aber es läuft hier wie es eben laufen muss; auch wenn es unter diesen quasi umgekehrten Voraussetzungen geschieht.

Auch wenn "Beiß mich Liebling" gewiss das Schlusslicht in Eva Renzis Filmografie darstellt, bekommt der geneigte Zuschauer eine Rolle geboten, die in dieser Form auch nicht alle Tage zu finden war. Zunächst lässt sich der Eindruck nicht wegdiskutieren, dass die Berlinerin trotz der Rahmenbedingungen - die mit Schraubzwingen in Kontur gebracht sind - gelöster als sonst wirkt; ein paradoxer Eindruck, denn schließlich wird Eva Renzi hier deutlich an der kurzen Leine gehalten und es bietet sich so gut wie keine Gelegenheit, wie üblich aus bestehenden Mustern auszubrechen. Daher sieht man dem Empfinden nach weniger Eigeninterpretation und Selbstinszenierung, als eine klassische Abhandlung des Geforderten. Dies soll zwar keineswegs heißen, dass die Schauspielerin sonst immer das tat, worauf sie gerade Lust hatte, aber dennoch ist in fast allen ihrer anderen Auftritte nicht nur die ausführende Interpretin zu beobachten, sondern auch die teils auflehnerisch wirkende Person Eva Renzi. Nichtsdestotrotz beugt sie sich hier wie kein zweites Mal dem aufdringlichen Diktat der Regie und hat den Mann an ihrer Seite anzuhimmeln und schöne Staffage zu sein, was man ketzerisch vielleicht schon eher als Verschwendung ansehen sollte. Mit ihrem Partner Amadeus August entstehen viele Sequenzen der Erotik und Intimität. Daraus resultiert eine auffällige Körperbetontheit der Schauspielerin, die sich vom fordernden Auge der Kamera zu dem Objekt degradieren lässt, welches sie auch nach eigenen Angaben nie sein wollte. Abschließend zu dieser im Endeffekt nicht uninteressanten Rolle soll ein Auszug aus der Zeitschrift "Praline" aus dem Jahr 1969 als unkommentierte Anmerkung Licht ins Dunkel bringen: »Eva: "Ich ziehe mich nur aus, wenn der Film künstlerisch wertvoll ist." Die Filmleute: "Aber woher wissen Sie vorher das Filmprädikat?" Eva: "Das entscheide ich."«

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.508

30.06.2018 14:39
#19 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Immer auf der Suche nach unbekannten Film- oder Fernsehauftritten von Eva Renzi, begegnete mir dieser Tage im Internet ein Auszug aus dem Buch "Lexikon der Fernsehspiele Bd.3". Unter dem Namen der Schauspielerin findet man u.a. folgenden Eintrag:

Thriller: "Die Zielscheibe" (1981)

Erfreut, aber dennoch skeptisch recherchierte ich weiter und fand die Antwort, dass es sich bei "Die Zielscheibe" um "Taste of Excitement" von 1969 handelt, der im Jahr 1981 im Nachtprogramm des ZDF ausgestrahlt wurde....

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