Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.341 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Seiten 1 | 2
Prisma Offline




Beiträge: 7.514

13.05.2018 14:02
#16 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten





● EVA RENZI als MONICA RANIERI in
DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (D|I|1969)



Durch den Protagonisten Sam Dalmas bekommt der Zuschauer das aktuelle Verbrechen im Panoramablick geboten: fern, nah, unmittelbar am Ort des Geschehens. Mit ihm ist man über des gesamten Verlaufs einer Meinung, dass genau in dieser Situation der Schlüssel zur Aufklärung zu finden ist. Doch wie mag dieser aussehen? Es bleibt nur das diffuse Gefühl, dass tatsächlich etwas Signifikantes übersehen worden sein muss, dass etwas nicht in das Gefüge gepasst hat, doch man kann es nicht beim Namen nennen. Mit diesem Verwirrung stiftenden Element spielt Dario Argento über die komplette Distanz und entgegengesetzt zu der Kürze ihrer Rolle ist es Eva Renzi, die diesbezüglich zur Projektionsfläche wird, somit eine der wichtigsten Charaktere in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" formen konnte. Nicht nur, dass ihr erstes Auftreten gleich zu Beginn die Erinnerung beschäftigen wird; es ist auch bemerkenswert in welchem Umfeld sich diese Szenen abspielen. Argentos Set scheint bis ins kleinste Detail durchdacht zu sein, es wird eine auffällige Struktur innerhalb dieser Szenerie vermittelt, die als visuelles Ablenkungsmanöver gesehen werden kann. Zwischen den imposanten und geradezu vereinnahmenden Skulpturen findet sich das schöne Opfer des Frauenmörders, welcher Rom seit geraumer Zeit unsicher macht. Zu Eva Renzi lässt sich schließlich sagen, dass sie wie ein Teil dieses Sets erscheint und dass sie ebenso präzise durchdacht wirkt. Ihre weiße, mit Blut überströmte Kleidung stellt die Verletzung in den Vordergrund, die kurze Entfernung zu Sam Dalmas wird aufgrund der Tatsache, dass eine Glasscheibe sie trennt und wegen des langen Kampfes der Monica Ranieri, zur unüberwindbaren Distanz, da sie nur Zentimeter für Zentimeter zurücklegen kann. Alles wirkt abgestimmt, alles ist zu Ende gedacht worden worden, sodass gesagt werden darf, dass eine derart lückenlos aufgebaute Assoziationskette nicht alle Tage zu finden ist, die rückblickend in ihrem Aufbau derartig raffiniert gestaltet wurde. Erleichtert nimmt man schließlich zur Kenntnis, dass sich der empfundene Todeskampf der Monica Ranieri als nicht lebensgefährlich herausstellt.

Diese eindrucksvolle erste Etappe ihrer Rolle wird für den Moment stillgelegt, doch beschäftigt die Erinnerung des Protagonisten und Zuschauers sehr nachhaltig und effektiv. Das nächste Aufeinandertreffen erfolgt erneut am Ort des Verbrechens, an dem das Opfer sich beinahe gehemmt bei ihrem Retter bedanken wird. Verheißungsvoll gibt sie die Erklärung ab, dass sie auch weiterhin in Angst lebe und man wird hellhörig, da Monica Ranieri dem Empfinden nach weiterhin in Gefahr ist. Eva Renzi stattet diese kurze Szene mit allen erforderlichen Mitteln aus, die zur Glaubwürdigkeit führen und es ist erstaunlich, dass sie hier komplett entgegengesetzt zu ihren üblichen Rollenstrukturen eingesetzt wurde. Sie erscheint wie eine unterdrückte Frau, die sofort handelt, wenn ihr unsympathisch wirkender Mann ruft. Angst und Besorgnis trieben bei ihr normalerweise andere Blüten und das im Sinne einer völlig anderen dramaturgischen Ausgangsposition. Erneut wird es wieder länger ruhig um Monica, um die letzten Etappen ihres Auftritts zu bahnen. Über allem steht der bemerkenswerte Aufbau des Films, also auch dieser Rolle. Eva Renzi als Teil dieses Verwirrspiels und Bestandteil eines Dekors, ist eine wichtige Komponente einer Konstruktion, die einfach nur als brillant zu bezeichnen ist. Monica Ranieri erscheint unergründlich, obwohl die Dramaturgie sie als vermeintlich transparente Erscheinung in den Ring schickt. Insbesondere ihre anschließenden Sequenzen bleiben in nachhaltiger Erinnerung und es ist bemerkenswert, wie Eva Renzi diese recht komplexe Anforderung wieder einmal spielend lösen konnte. Die Mischung aus dosiertem, ebenso spontanem Schauspiel, bis hin zu ihrem impulsivem Darbietungsstil manifestiert den Begriff Idealbesetzung. Betrachtet man ihre eigenen Aussagen zu gerade dieser Rolle, die immerhin eine ihrer bekanntesten darstellt, ist es tatsächlich kaum zu verstehen, warum die Interpretin sie selbst so zynisch beurteilte, denn im Kontrast steht eine hochklassige Leistung mit Modellcharakter, der fortan in diversen Gialli sozusagen als "Monica-Ranieri-Effekt" Verwendung finden sollte, aber in dieser Qualität nicht mehr häufig reproduziert werden konnte.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.491

13.05.2018 14:42
#17 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Ich fand es ebenfalls bemerkenswert, wie Eva Renzi mit der Rolle rückblickend umgegangen ist. Sie sieht darin nur einen fahlen Scherenschnitt ohne Profil und unterschätzt ihre eigene Ausstrahlung. Mag sein, dass sie nicht gerne Opfer darstellte, doch der Verlauf zeigt, wie unkonventionell ihre Befreiung aus den Fesseln der Ohnmacht ist. Renzi richtet den Blick zurück nur auf die plakative Wirkung, negiert aber die Hintergründe und die visuelle Aussagekraft der Monica Ranieri.

Seiten 1 | 2
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen