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Dieses Thema hat 18 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Prisma Offline




Beiträge: 7.529

16.08.2015 13:17
Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten



| | | | EVA RENZI | | | |



»Ich bin grenzenlos
«


FILMAUSWAHL:

● Playgirl (1966)
● Finale in Berlin (1966)
● Die Zeit der Kirschen ist vorbei (1967)
● Negresco (1967) [als Gast]
● Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1969)
● Beiß mich, Liebling (1970)
● Das Grauen kam aus dem Nebel (1970)
● Taste of Excitement (1970)
● Das Messer (1971) [TV]
● Das blaue Palais (1976) [TV]
● Ein kleines Luder (1981)
● Das Erbe der Guldenburgs (1989-1990) [TV]




Was fällt einem eigentlich spontan ein, wenn man über die Schauspielerin Eva Renzi nachdenkt? Kommt einem ihre klassische Schönheit in den Sinn, ihr erhaben wirkendes Wesen, die eigenwillige Art zu interpretieren? Hat man die berüchtigte Opportunistin vor Augen, die oftmals mehr mit privaten Schlagzeilen für Aufsehen sorgte, als dass sie es mit ihrem filmischen Schaffen vermochte, lässt man ihre Karriere Revue passieren, die sie selbst so kritisch, manchmal sogar zynisch beurteilte, eine Karriere aus der eigentlich hätte mehr werden müssen? Eva Renzi wirft so oder so Fragen auf und fasziniert mich persönlich seit jeher immer und immer wieder aufs Neue. In Berlin wurde sie am 03. November 1944 als Evelyn Hildegard Renziehausen geboren, ihr Vater war ein dänischer Mayonnaise-Fabrikant, die Mutter Französin. Die Scheidung der Eltern erfolgte als das Kind drei Jahre alt war, was zur Folge hatte, dass sie in Internaten und Klosterschulen aufwachsen musste. Ihren filmischen Werdegang ebnete sie mit Arbeiten als Telefonistin, Hostess, Platzanweiserin und Model, bis sie schließlich parallel Schauspielunterricht bei Else Bongers nahm und später zu ihrem ersten Theater-Engagement an der Freien Volksbühne in Berlin kam, damals im Alter von 20 Jahren. Für den Film wurde sie 1965 von Will Tremper entdeckt (der auch den Künstlernamen Eva Renzi erfunden haben soll), und sie wurde gleich mit der Hauptrolle in dessen Film "Playgirl" besetzt, der ihr Image prägte und nach dem sie fortan als »Mischung aus Julie Christie und Ingrid Bergman« gefeiert wurde. Von nun an nahm Eva Renzis Karriere schlagartig an Fahrt auf, so dass sie schnell den Sprung in internationale Produktionen schaffte, dann schließlich nach Hollywood.

Im Jahre 1967 heiratete sie ihren Schweizer Schauspiel-Kollegen Paul Hubschmid (*1917) in Las Vegas, ihre Tochter Anouschka (*1964), die ebenfalls Schauspielerin wurde, brachte sie in die Ehe mit, die 1980 geschieden wurde. Von Beginn an erfuhr Eva Renzi also ein sehr großes Medieninteresse, welches sie auch oft bediente. 1973 absolvierte sie beispielsweise eine einjährige Indienreise, und als sie ihre Erfahrungsberichte bei der Bhagwan-Sekte Ende der 70er-Jahre veröffentlichte, dabei äußerst schwere Vorwürfe und Anschuldigungen erhob, und sich anschließend weitgehend aus dem Beruf zurückzog, sorgte sie für großes Aufsehen. Oder bei den Bad Hersfelder Festspielen 1983 provozierte sie einen riesigen Eklat, als sie den Schirmherren und damaligen Bundespräsidenten Carstens öffentlich beleidigt haben soll. In Interviews stellte sich eigentlich generell heraus, dass Renzi sich selbst stets als Medienopfer angesehen hat, was vermutlich ihre unbändige Gegenwehr provozierte. Dies alles hört sich im Endeffekt nach einer sehr turbulenten Karriere an, die es allem Anschein nach auch gewesen sein wird, doch leider sind ihre Auftritte in Film und Fernsehen vergleichsweise sehr rar gesät. Betrachtet man Eva Renzis Wesen, so sollte man vielleicht nicht voreilig davon sprechen, dass ziemlich viel in diesem filmischen Werdegang verschenkt wurde, eher sollte man reflektieren, dass die Rahmenbedingungen meistens nicht gestimmt haben, und sie definitiv ihren eigenen Lebensplan hatte. Ein Angebot bei "James Bond" soll dem Vernehmen nach ohne groß zu zögern abgelehnt worden sein und auch über tatsächliche Partizipationen gab es von ihr selbst äußerst kritische, und unangepasste Stimmen. Es bleiben glücklicherweise ihre Auftritte in Film- und Fernsehproduktionen, an die man sich gerne erinnert.

Zitat von Das Lexikon der deutschen Filmstars
Als »Playgirl« auf den Typ der modernen, jungen Frau festgelegt, die sich holt, was sie braucht. Diesem Nimbus entsprechend, füllte sie auch die Spalten der Regenbogenpresse. Im internationalen Kino dagegen konnte sie als Partnerin von James Garner oder Michel Piccoli ihre anspruchsvollen Rollencharaktere mit reifem Spiel und feiner Psychologie vertiefen.


Das erste bewusste Wahrnehmen der Eva Renzi erfolgte bei mir in Dario Argentos "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", eine Kreation, die ich persönlich von Anfang an als kleine Sensation gefeiert habe. Nicht nur wegen des Aufbaus dieser packenden Schlüsselrolle entstand ein solcher Eindruck, sondern vor allem wegen ihrer Erscheinung, und der damit verbundenen, magischen Anziehungskraft. Die hochgewachsene, oftmals zaghaft agierende, und nahezu traurig wirkende Eva Renzi hat sich dem Empfinden nach stets dagegen aufgelehnt, in Rollen-Schubladen zu verschwinden, wenngleich diese Tendenz doch zu Beginn ihres Schaffens geebnet wurde. Gefragt auf internationalem Parket, und manchmal berüchtigt auf nationaler Ebene, scheute sie sich im letzten Drittel ihrer Karriere nicht, zurück zu den Wurzeln zu kehren. Starke, moderne und selbstbewusste Frauen sollten ihre Domäne werden, es lassen sich häufig etwas oppositionelle Tendenzen in ihrer Art herausfiltern, die Sprache ihrer tiefen Augen kann als inoffizielles Markenzeichen empfunden werden, genau wie die Färbung ihrer unverwechselbaren, sanften Stimme. Es sollten einige Filme und TV-Auftritte mit ihr folgen, und grundsätzlich lässt sich sagen, dass Eva Renzi immer auf gleich hohem Niveau interpretieren konnte, egal ob die jeweilige Produktion hochwertig oder belanglos war. So schaut man auf eine Frau mit Verve, die sich nie nur auf ihrer Schönheit ausruhen wollte, sondern die Berlinerin wollte den Zuschauer auf anderen, vielleicht sogar höheren Ebenen erreichen. Eva Renzi wirkt als Schauspielerin und als Frau unberechenbar, manchmal sogar gebieterisch, ihr Temperament wirkt oft sparsam und gut dosiert, um mögliche Ausbrüche noch intensiver erscheinen zu lassen, so dass sie den Zuschauer in voller Absicht nicht tief blicken lässt. Eva Renzi ist und bleibt eine der Ausnahmeerscheinungen und Lichtgestalten des internationalen Kino und behauptet ihren festen Platz im persönlichen Olymp der aufregendsten Schauspielerinnen, die mit spontanem Darbietungsstil und Intuition stets eine perfekte Mischung offeriert hat.

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

16.08.2015 14:12
#2 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten



● EVA RENZI
ZUM ZEHNTEN TODESTAG




Erstaunlich, wie schnell doch die Zeit vergeht! Heute vor genau zehn Jahren, am 16. August 2005, verstarb die Schauspielerin Eva Renzi im Alter von nur 60 Jahren an ihrer Krebserkrankung. Komischerweise handelt es sich dabei um einen Tag, der mir persönlich eben genau wegen dieser Meldung sehr gut in Erinnerung geblieben ist, erstaunlich auch deswegen, da ich bei Daten und Zahlen sicherlich kein Elefantengedächtnis zur Verfügung habe. Dennoch ist ein lückenloser Gedankensprung zurück ziemlich gut möglich, vielleicht auch deswegen, weil ich an diesem Tag mit etlichen Leuten über die Schauspielerin gesprochen hatte. Die Meldung ihres Todes war recht ausgiebig in den Medien verbreitet und wurde zur Kenntnis genommen, sogar kleinere Lokalzeitungen nahmen davon Notiz, allerdings war ihre Vita auf die gängigsten Informationen beschränkt, und dass eine konventionelle ärztliche Behandlung angeblich von ihr selbst verweigert wurde. Auch in den hiesigen Lokalzeitungen war ihr Tod allemal eine Randnotiz wert, vor allem griff man Eva Renzis turbulentes Privatleben kurz auf. Versehen mit einem relativ aktuellen Foto, das offensichtlich von einem öffentlichen Auftritt stammte, konnte sich nahezu jeder der von mir befragten Zeitzeugen zumindest sofort an den Namen Eva Renzi erinnern.

Bei ihrem Filmschaffen war das allerdings so gut wie nicht der Fall, was bei der schmalen Filmografie und den weitgehend unbekannten Produktionen ja auch kein Wunder war. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir jedenfalls fast genau so, damals waren mir lediglich 2 Spielfilme und eine TV-Serie bekannt, die Eva Renzi auf ihre sehr eigene Art prägen konnte. Seltsamerweise nehme ich häufig erst solche traurigen Meldungen zum Anlass, die jeweilige Filmografie und alles was dazu gehört bedeutend zu erweitern. Bei Eva Renzi ist dies im Rahmen dieser Initialzündung (zumindest damals) allerdings recht schwer gewesen, erstreckt sich ihre Liste der Auftritte doch kaum über 30 Filme. Rückwirkend ist es jedenfalls nicht mehr präzise zu rekonstruieren, ob der heute unumstößlich positive Eindruck, ja, oder die Begeisterung, auch schon vor diesem Zeitpunkt vorhanden war, oder ob sich das erst mit der gezielteren Auseinandersetzung ergeben hat. Wie dem auch sei, heute gehört Eva Renzi jedenfalls zu meinen beliebtesten Schauspielerinnen, deren Wirken ich gerne in vielerlei Hinsicht beispiellos nenne und die in ihrem Wesen einen seltenen, besonders faszinierenden und eigentlich gleichermaßen verwirrenden Kern transportiert hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine erinnerungswürdige Schauspielerin, die leider in Vergessenheit geraten ist!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.508

16.08.2015 14:43
#3 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Anlässlich des heutigen zehnten Todestags der Schauspielerin Eva Renzi (1944-2005) möchte ich schildern, wie die Suche nach ihrer Grabstätte im Oktober 2014 verlief. Die Darstellerin aus den forumsrelevanten Klassikern "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" und "Das Messer" wurde auf dem Luisenfriedhof III in Berlin-Charlottenburg beigesetzt, der zu den sogenannten Friedhöfen am Fürstenbrunner Weg gehört, zu dem auch der nebenan gelegene Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof zählt. Er wurde im Jahr 1891 eröffnet. Ich gehe immer sehr gern auf Friedhöfe, weil mich die dortige Ruhe, der alte Baumbestand und die kunstvollen Grabskulpturen erfreuen. Hier jedoch merkte ich gleich, dass die Atmosphäre weitaus weniger einladend war als bei anderen Friedhöfen. Von der Bushaltestelle kommend ging ich durch den Haupteingang und am Verwaltungsgebäude vorbei. Mitten auf dem Weg lag ein großer Sandhaufen, da gerade Sanierungsarbeiten vorgenommen wurden. Bald kam ich an einem Grab vorbei, bei dem eine Tafel darauf hinwies, dass es videoüberwacht sei. Allerdings konnte man in den Bäumen keine Kamera entdecken. Seltsam, dachte ich. Ganz schön exzentrisch. Kurz darauf fragte mich eine Frau, ob ich jemanden suche. Irgendwie schien es so, als wäre man hier nicht willkommen. Parallel zu dem Renzi-Grab suchte ich nach Brigitte Mira, die zentral in der Nähe der Kapelle liegt. Leider hatte ich versäumt, mir vorab die Fotos der beiden Gräber aus dem Netz zu fischen (knerger.de ist hier immer eine Fundgrube). Brigitte Mira fand ich bald darauf, aber nach Frau Renzi suchte ich noch eine Weile umsonst. Schade, dachte ich mir. Aber manchmal hat man eben beim ersten Besuch kein Glück. Und bei manchen Toten habe ich oft das Gefühl, dass sie nicht von Besuchern gefunden werden wollen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die eigenwillige Darstellerin zu dieser Kategorie gehört.

Peter Offline




Beiträge: 2.817

16.08.2015 14:45
#4 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Mein erster und bleibendster Eindruck von Eva Renzi stammt auch aus "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe".
Erst im vergangenen Jahr habe ich erstmals "Playgirl" gesehen und fand Eva Renzi auch dort faszinierend, zumal die Rolle ungleich größer war; kein Wunder, dass damit ein Image geprägt wurde (wobei man die 'Christie-Bergman-Mischung' vielleicht nochmal hätte überdenken können; es muss ja nicht immer ein Vergleich her...).
Ich erinnere mich auch an einen Talkshow-Auftritt gemeinsam mit Tochter Anouschka. Eva machte einen exaltierten - aber keineswegs unsympathischen Eindruck. Anouschka schien´s gewohnt zu sein und nahm es betont gelassen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.361

16.08.2015 14:58
#5 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #1
... lässt man ihre Karriere Revue passieren, die sie selbst so kritisch, manchmal sogar zynisch beurteilte, eine Karriere aus der eigentlich hätte mehr werden müssen?

Und dass Renzis Karriere in der Rückschau zweitklassig blieb, schrieb die gute Frau ja gern ihrer Rolle in den "schwarzen Handschuhen" zu. "They ruined my career!", krakeelt Renzi im Interview der Blue-Underground-DVD. Ein vortreffliches Beispiel für verquere Selbstwahrnehmung. Das Publikum quittiert's, z.B. in amerikanischen Reviews der DVD, mit einer Mischung aus Unverständnis und Amüsement: "I've never seen such a bitter actress in a DVD feature" (DVDActive), "the late Eva Renzi [...] doesn't exactly conduct herself in a very flattering manner" (DVDVerdict).

Aber ein gewisser Sockenschuss hat bei Schauspielern immerhin nicht zwangsläufig etwas mit der Qualität von Rolleninterpretationen zu tun; man denke nur an Kinski als prominentesten Vertreter dieser Gattung.

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

16.08.2015 19:52
#6 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich mich über die Antworten und Reaktionen hier sehr freue! Ich habe immer wieder gemerkt, dass es bei Einschätzungen zu ihrer Person sehr häufig eher extreme Haltungen gibt, dazwischen lässt sich in der Regel nicht besonders viel finden. Das macht die Sache allerdings besonders interessant, dass sie eben doch ein kleines bisschen das Potential besitzt, zu polarisieren.

Zitat von Percy Lister im Beitrag #3
Und bei manchen Toten habe ich oft das Gefühl, dass sie nicht von Besuchern gefunden werden wollen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die eigenwillige Darstellerin zu dieser Kategorie gehört.

Schön, dass Du die gesammelten Eindrücke mit uns geteilt hast. Deine Beschreibungen nehmen einen ja quasi mit an die Hand zu einem Rundgang über den Friedhof, man kann die Stimmung unter Deiner Führung dort gut nachempfinden. Gerade bei dem letzten Satz, aber auch wegen der angesprochenen Exzentrik, musste ich schmunzeln, weil ich beim Lesen genau das selbe gedacht habe, frei nach dem Motto, dass sie sich ja dann dort sicherlich recht wohl fühlen müsste. Auch wenn das Ziel mit dem Auffinden des Grabes nicht erreicht wurde, so ist es schön zu hören, dass es manchmal eben auch der Weg sein kann, den man als ebenso interessant empfindet.

Zitat von Peter im Beitrag #4
Ich erinnere mich auch an einen Talkshow-Auftritt gemeinsam mit Tochter Anouschka. Eva machte einen exaltierten - aber keineswegs unsympathischen Eindruck.

Sehe ich ganz genau so. Ob hier oder im bereits erwähnten Interview zu "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", Eva Renzi habe ich stets als eloquente, aber auch fordernde Gesprächspartnerin empfunden, unkonventionell und trotz vieler Reibungspunkte auch sympathisch. Frauen wird ein solches Verhalten, Du hast es exaltiert genannt, womöglich nicht so schnell nachgesehen wie ihren männlichen Kollegen, wer weiß? In "Playgirl" finde ich sie auch ganz bemerkenswert, aber es gibt auch noch viele andere Rollen, die von ihr einen Feinschliff bekamen.

Zitat von Gubanov im Beitrag #5
Und dass Renzis Karriere in der Rückschau zweitklassig blieb, schrieb die gute Frau ja gern ihrer Rolle in den "schwarzen Handschuhen" zu.

Erstklassige Leistungen innerhalb einer meinetwegen zweitklassigen Karriere, die zweitklassige Karriere einer erstklassigen Frau; schön, dass jeder selbst entscheiden kann, wo die Berührungspunkte liegen oder auch nicht, die selbst Kritik und Kontroverse mit einschließen. Wir hatten das Thema mit dem besagten Interview schon einmal kurz, ist aber schon ein paar Jahre her. Da habe ich ja beichten müssen, dass ich es mit dem Bonusmaterial nicht so habe. Schließlich habe ich es dann doch geschafft mir das Interview anzusehen... in diesem Jahr.

Was Ursache und Wirkung angeht, teile ich die landläufig negativen und platten Ansichten über Eva Renzi überhaupt nicht, ich finde man kann hier und da viel zwischen den Zeilen raushören. Aber zu "Eva's Talking" werde ich zu gegebener Zeit noch kommen und die Selbst-, oder besser gesagt Eigenwahrnehmung mal genauer unter die Lupe nehmen, naja, und die Fremdwahrnehmung am besten gleich mit.

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

30.08.2015 13:55
#7 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten





● EVA RENZI als GAST in
NEGRESCO - EINE TÖDLICHE AFFÄRE (D|1968)




In Klaus Lemkes "Negresco - Eine tödliche Affäre" findet man ein kleineres Rätsel, das sich bereits im international ausgerichteten Vorspann ankündigt. Gäste, invités, particip. o. o., guests: unter anderem steht dort der Name Eva Renzi. Beim Betrachten mit einer normalen Aufmerksamkeit ist es wahrscheinlich, dass man die Berlinerin im Szenario erst gar nicht ausfindig machen wird, selbst beim intensiveren Anschauen erweist sich die Suche als nicht gerade einfach, denn Eva Renzi partizipiert sozusagen klammheimlich als Gast in einer Szene, die die Aufmerksamkeit auf Nebensächlichkeiten zieht, sprich nicht besonders relevant ist. Bei mir hatte es damals jedenfalls einige Sichtungen erfordert, bis es plötzlich zu einem Aha-Effekt gekommen ist. Da Renzis damaliger Ehemann Paul Hubschmid eine der Hauptrollen im Film übernommen hatte, sieht es tatsächlich so aus, als sei seine Frau nur zu Besuch am Set gewesen, und man sie kurzerhand für eine kurze Szene einladen konnte. Der Bildaufbau ist in den wenigen Sekunden immer gleich, man hört eine Stimme aus dem Off, die Personen bewegen sich, jedoch fällt der Blick des Zuschauers zunächst in die Mitte des Raumes, beziehungsweise auf eine Frau, von der lediglich die Beine zu sehen sind, und als typischer Blickfang fungieren. Der Kontrast zu Eva Renzi ist groß, da sie sehr unscheinbar, ja, beinahe maskulin gekleidet ist. Man raucht eine Zigarette und dann ist das Ende der Szene auch schon gekommen. Unterm Strich bleibt somit ein recht eigenartiger Kurz-Ausflug in den deutschen Krimi, der lediglich wie eine kleinere Fingerübung aussieht. Für Eva Renzi war es erst der fünfte Auftritt in einem Spielfilm in ihrer noch jungen Karriere, und eben dieser steht vollkommen diametral zu den vorhergegangenen Großproduktionen, jedoch sollten sich solche eigentümlichen Ausflüge (vor allem im Sinne völlig konträr ausgewählter Rollen) von Zeit zu Zeit wiederholen. Zu "Negresco" selbst lässt sich abschließend sagen, dass die Schauspielerin in keiner Beziehung für die Handlung oder Sonstiges in diesem ziemlich sehenswerten und kurzweiligen Film relevant ist, aber wer möchte schon die Wiedersehensfreude unterschätzen, wenn sie hier auch zugegebenermaßen ultrakurz ausgefallen war.

Jan Offline




Beiträge: 1.315

02.09.2015 14:10
#8 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #7

Zu "Negresco" selbst lässt sich abschließend sagen, dass die Schauspielerin in keiner Beziehung für die Handlung oder Sonstiges in diesem ziemlich sehenswerten und kurzweiligen Film relevant ist, aber wer möchte schon die Wiedersehensfreude unterschätzen, wenn sie hier auch zugegebenermaßen ultrakurz ausgefallen war.

Der Film ist eh recht kurios! Es war Lemkes Versuch, einen international gängigen Kassenknüller zu inszenieren und irgendwoher konnte er sich die Mittel dafür organisieren (bzw. der dicke Peter Berling, der das alles finanzierte). Meines Wissens war der Film ein geschäftlicher Mega-Flop, trotz großer Namen wie Paul Hubschmid bzw. Ira von Fürstenberg und einer - vor allem für die Verhältnisse eines Klaus Lemke - massentauglichen Inszenierung. Kurzweilig und unterhaltsam ist der Film aber allemal. Jedoch nicht vergleichbar mit nahezu allem anderen, was Klaus Lemke sonst so inszeniert hat.

Gruß
Jan

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

18.10.2015 14:47
#9 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten


Jane Birkin   Michel Piccoli   in
EIN KLEINES LUDER

LA FILLE PRODIGUE / EIN KLEINES LUDER (F|1981)
mit Natasha Parry, René Féret, Audrey Matson und Eva Renzi
eine Produktion der Les Productions de la Guéville | Gaumont
ein Film von Jacques Doillon





»Nimm deine Medikamente!«


Anne (Jane Birkin) flüchtet nach einem Streit mit ihrem Mann (René Féret) zu ihren Eltern (Michel Piccoli und Natasha Parry) ans Meer, um Abstand zu gewinnen. Annes Gemütszustand ist schwer angeschlagen und ihre Eltern stehen ihrer schlechten Konstitution und der kompletten Situation hilflos gegenüber. Als sie auch noch davon erfährt, dass sich ihr Vater in eine ehemalige Tänzerin (Eva Renzi) verliebt hat, und ihre Mutter verlassen will, bricht Anne innerlich komplett zusammen. Fortan bettelt sie förmlich um Liebe und Anerkennung und versucht ihrem Vater mit allen Mitteln näher zu kommen, doch dieser hält die emotionalen Kapriolen seiner Tochter nicht mehr lange aus...

Jacques Doillon inszenierte im Jahr 1979 den Film "La drôlesse", der in Deutschland unter dem Namen "Ein kleines Luder" vermarktet wurde, daher kommt es zu einigen Irritationen, da dieser Beitrag von 1981, ebenfalls inszeniert von Doillon, kurzerhand den gleichen Titel verpasst bekam. Betrachtet man die französischen Originaltitel, so handelt es sich um weitgehend freie Übersetzungen, die höchstens den Themen nahekommen, möglicherweise wollte man mit der identischen Namensgebung ein paar zusätzliche Zuschauer anlocken. Was die erneute Titelgebung betrifft, wurde die Sache zumindest im Kern getroffen, denn Jane Birkin leistet in dieser Beziehung sozusagen tatkräftige Unterstützung, die allerdings zwischen Überzeugung, sowie einer Art Gratwanderung hin- und herpendelt. Interessant ist, dass es der Film in der Bundesrepublik anscheinend zu keiner Kino-Auswertung gebracht hat, aber man muss es sagen wie es ist, dass der überaus schwermütige Tenor, und die lethargische Umsetzung der Geschichte nicht gerade massentauglich wirken, was allerdings nicht heißen soll, dass man es gleichzeitig mit einem vollkommen uninteressanten Beitrag zu tun bekommt. Das französische Kino muss man mit all seinen Reibungsflächen und Finessen global, oder vielleicht sogar bedingungslos zu schätzen wissen, um sich auch mit einem derart schwerfälligen Vehikel anzufreunden, denn wie erwähnt wird es phasenweise nämlich äußerst zäh und sogar anstrengend, insbesondere wenn die Dialoglastigkeit mal wieder abenteuerliche Formen annimmt. Wie könnte es anders sein, diese Eindrücke auch noch mit befremdlichen Handlungsweisen und Bildern auszuschmücken und schließlich festigt sich der Eindruck, dass sich die Geschichte in sich selbst verfängt. Nichtsdestotrotz ist der Einstieg und der anfängliche Verlauf sehr anschaulich und man kann dem Geschehen interessiert folgen. Feine zynische Spitzen sorgen für die nötigen Momente, bis Jane Birkin alles daran setzen wird, das sichere Terrain des dramatischen Kinos mutwillig in Stücke zu spielen.

»Die bösen Dämonen sind alle unterwegs. Sie feiern ein Fest in meinem Kopf. Den Gedanken akzeptieren, dass ich verrückt bin, verwirrt, erschöpft von meiner eigenen Nichtigkeit.« Derartige Monologe und Dialoge wird man zuhauf um die Ohren gehauen bekommen und alle Wege führen in diesem Verlauf zu der diffusen psychischen Erkrankung, die alle Beteiligten, so auch den Zuschauer, im Würgegriff halten wird. Die Regie ist weniger an Thematisierung und Aufklärung, als an großspurig klingenden Worthülsen interessiert, die nach dem ersten Drittel plötzlich und ungehindert auftreten. Es wird schwer. Es wird ungemütlich. Es könnte unerträglich werden. Das Verhältnis zwischen Tochter und Vater wird hier zum Mittelpunkt hochstilisiert und Dank Jane Birkin fragt man sich etwa nach einer halben Stunde permanent, mit was für einem zutiefst zerrütteten Geschöpf man es denn eigentlich zu tun hat. Doillon, der zu dieser Zeit mit seiner Hauptdarstellerin liiert war, spielt zwar gezielt mit Befremdlichkeiten, dies allerdings vollkommen verzerrt und schließlich verhältnislos, in Verbindung mit Michel Piccoli entstehen Vater-Tochter-Sequenzen, die auf ihrer verschachtelten bis unterschwellig sexualisierten Basis weniger erschrecken und zum Nachdenken anregen, als dass sie einfach nur vollkommen widerwärtig sind. »Dass einem zwei Brüste wachsen geschieht nur, um die Väter abzustoßen.« Als Zuschauer sollte man sich besser weitere Fragen ersparen um zu versuchen, den Film nicht voreilig komplett abzuschreiben. Ein Vater erlebt seinen, naja, dritten Frühling, seine Frau reagiert mit hinnehmender Zurückhaltung und die Tochter konspiriert im Hintergrund, indem sie ihre Erkrankung als perfide Waffe einsetzt. In diesem Zusammenhang fallen einem die Allüren der angriffslustigen Protagonistin äußerst negativ auf, ihre unberechenbaren Kehrtwendungen entwaffnen sogar eine sonst so über die Maßen schlagfertige Eva Renzi. Die Regie und die Hauptdarstellerin arbeiten mit Hochdruck daran, den Zuschauer empfindlich zu treffen, doch leider geschieht dies nicht im Sinne von konstruktivem Fordern, sondern in Form eines unüberwindbaren Distanzaufbaus, der den Film schlussendlich zu dem degradiert, was er eigentlich ist: ein über weite Strecken überdramatisierter und überstilisierter Versuch, Alternativen zu bündeln, Schockmomente in der menschlichen Psyche zu präsentieren und verkrampft anders auszusehen, als es normalerweise üblich ist. So helfen auch die idyllischen Bilder und das pittoreske, beinahe familiär wirkende Setting nicht über die Querelen der verlorenen, um Aufmerksamkeit buhlenden Tochter hinweg. Ganz im Stil großer französischer Beiträge bleibt also nur folgender Alternativtitel im Sinne einer vielleicht nicht ganz korrekten Wortspielerei: "Les téléspectateurs perdus".

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

18.10.2015 20:20
#10 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten





● EVA RENZI als DIE VERLOBTE in
EIN KLEINES LUDER (F|1981)




Bei "La fille prodigue" handelt es sich um den letzten Auftritt Eva Renzis in ihrer kurzen französischen Phase, die eine co-produzierte deutsche, und eine französische Serie, sowie diesen Film von 1981 umfasst. Wie so oft in ihrer Karriere war danach erst einmal wieder Sendepause, zumindest was Rollen in Kino und Fernsehen betrifft, ihr nächster Film steht erst im Jahr 1986 zu Buche. Diese langgezogenen Intervalle der schauspielerischen Abstinenz sind sowohl verwunderlich, als auch sehr schade, da sie gerade in diesem Zeitfenster sehr interessante Charakterzeichnungen geliefert hat. In "Ein kleines Luder" interpretierte Eva Renzi eine, für ihre Verhältnisse recht ungewöhnliche Rolle, da sie einen weitgehend untergeordneten Part übernimmt, vor allem im Sinne von auffälliger Besonnenheit, Rücksichtnahme und Verständnis. Man lässt sie mit Jane Birkin in den Ring steigen, einer melancholisch-lethargischen jungen Frau, die ihre letzte Kraft offensichtlich dafür zusammenrafft, um die Personen ihres unmittelbaren Umfeldes anzugreifen. Eva Renzi ist in diesem Film quasi die Namenlose. Von Birkin wird sie wahlweise nur »Die Verlobte« oder »Die Tänzerin« genannt. Beide Umschreibungen spiegeln Verachtung wieder, gleichzeitig beschreiben sie aber auch die empfundene Unberechenbarkeit dieser Person, die den Familienfrieden und altbekannte Strukturen bedroht. Die erste Begegnung mit Eva Renzi findet angenehmerweise auf einem Off-Tennisplatz statt. Wohlwollend dürfen die Tennisspieler unter den Zuschauern zur Kenntnis nehmen, dass die Schauspielerin ganz offensichtlich nicht nur ein Racket in die Hand gedrückt bekommen hatte, um ein paar Ballwechsel zu simulieren, was in Filmen ja allzu häufig schlecht nachgestellt wurde, nein, anhand ihrer Bewegungsabläufe lässt sich vermuten, dass sie nicht zum ersten Mal einen Schläger in der Hand hatte. Als die unruhige Tochter auf dem Court auftaucht, weil ihr Vater gerne beim Tennis zuschaut, und sie die Neue einmal sehen möchte, wird man sofort Zeuge, wie sie die Krallen ausfahren kann.

»Die Tänzerin«, die privaten Unterricht gibt, wird von ihr zum Abendessen eingeladen, oder vielmehr genötigt zu kommen. Bei Tisch nimmt man ein unangenehmes Vakuum wahr, in dem sich die Beteiligten inklusive Zuschauer sehr peinlich berührt fühlen, da Torpedos im Umlauf sind, die versteckt unter die Gürtellinie abzielen. »Gehen Sie noch nicht gleich, sonst erwürge ich sie. Ich bin ein krankes Kind, das ist mein Abend, Sie müssen mir gehorchen!« Verwirrt schaut Eva Renzi drein, was man sicherlich nicht alle Tage zu sehen bekommen hat, sie wird vollkommen in die passive Rolle gedrängt und ihr Blick verrät Mitleid mit diesem von komplexen zerfressenen Geschöpf, welches den diffusen Angriff gewählt hat, um eventuell zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Als sie sich verabschieden möchte, bekommt sie noch einige abfällige Bemerkungen mit auf den Nachhauseweg: »Ihr Körper ist schön, sehr schön sogar. Ich werde vielleicht einen Gymnastik-Kurs bei Ihnen machen. Entschuldigen Sie, ich meine natürlich Tanz, was für mich das selbe ist!« Die sanfte Miene der Renzi verdunkelt sich in Windeseile, sie kneift ihre Augen leicht zusammen, doch sie erspart es ihrem Gegenüber, die Steilvorlage aufzugreifen und sie in der Luft zu zerreißen. Eine ungewohnte Position bezüglich der Rollenverteilungen bei der Schauspielerin, die man dadurch allerdings umso interessierter beobachtet, wobei man die typischen Merkmale wie Bodenständigkeit und moderne Auffassungen stets wahrnehmen kann. Zusätzlich typisch wirkt, dass sich die brüskierte »Verlobte« das letzte Wort nicht nehmen lässt und damit endet der gelungene Auftritt, und der gleichzeitige angedeutete Clash auch schon. Insgesamt sieht man eine facettenreiche, gut durchdachte und präzise aufgebaute Nebenrolle, die viel mehr hergibt, als der erste Blick vielleicht zeigen mag. Übrigens übernahm Eva Renzi hier die Synchronisation ins Deutsche erfreulicherweise selbst, sie wirkt in vielerlei Hinsicht gereift und nochmals interessanter, als es ohnehin schon der Fall war, schön, dass ihr breites Repertoire auch in "Ein kleines Luder" ganz deutlich zum Vorschein kommt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.529

03.01.2016 13:58
#11 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten



DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL

● DAS GRAUEN KAM AUS DEM NEBEL / LA MORTE RISALE A IERI SERA (D|I|1970)
mit Frank Wolff, Raf Vallone, Gabriele Tinti, Helga Marlo, Gillian Bray, Beryl Cunningham, Gigi Rizzi, Wilma Casagrande,
Marco Mariani, Checco Rissone, Stefano Oppedisano, Nicky Zuccola, Riccardo De Stefanis, Giorgio Dolfin und Eva Renzi
es singt Mina
eine Produktion der | CCC Filmkunst | Filmes Cinematografica | Lombard Films | im Verleih der Cinerama
ein Film von Duccio Tessari





»Ich hoffe nicht, dass ihr vorhabt mich moralisch umzukrempeln!«


Nach dem Tod seiner Frau lebt Amanzio Berzaghi (Raf Vallone) alleine mit seiner Tochter Donatella (Gill Bray), die bereits 25 Jahre alt ist. Der Alltag der beiden ist nicht immer leicht, da Berzaghis Tochter oligophren ist, und dementsprechend viel Zeit in Anspruch nimmt. Als er eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, ist Donatella spurlos verschwunden und niemand aus der Nachbarschaft will etwas gesehen haben. Verzweifelt wendet sich der Vater an Kommissar Lamberti (Frank Wolff), der sich gemeinsam mit seinem Assistenten Mascaranti (Gabriele Tinti) des rätselhaften Falles annimmt. Nach kürzester Zeit wird allerdings klar, dass man gegen viele Widerstände zu kämpfen hat, und die Angelegenheit bleibt nebulös. Um weiter zu kommen, nimmt sich das Duo den einschlägig bekannten Zuhälter Salvatore (Gigi Rizzi) vor, der sich in kriminellen Kreisen auskennt. Der grausame Verdacht bestätigt sich, dass das Verschwinden von Donatella mit einem Mädchenhändlerring zusammenhängen muss...

Hüllt man um den unsäglichen deutschen Titel so schnell wie möglich den Nebel des Schweigens, bekommt man mit Duccio Tessaris Beitrag eines der ganz großen, zeitgenössischen Filmerlebnisse geboten. Der weitreichende, oder vielmehr genreübergreifende Charakter von "Das Grauen kam aus dem Nebel" lässt sich nur schwer beschreiben, doch es ist, als haben viele Verschmelzungen von Teilbereichen stattgefunden, die allerdings auch autonom voneinander funktionieren. Umso besser, kann man sich daher als Zuschauer sagen, denn man bekommt etliche geschliffene Inhalte geboten, die das Wahrnehmen auf mehreren Ebenen ermöglicht. Die Thematik orientiert sich an scheinbar ganz gewöhnlichen Begebenheiten, doch erstaunlicherweise gibt der Film auch sein volles tragisches Potential preis. Reißerische Tendenzen schließen in diesem Verlauf zahlreiche bewegende Momente nicht aus, Szenen, Sorgen und Emotionen des alltäglichen Lebens lassen das naturgemäß weit entfernte Thema greifbar erscheinen, sodass der Weg nicht nur gleichzeitig das Ziel, sondern auch der Erfolg sein wird. Tessari legt angesichts der ausgiebig vertretenen Filmkonkurrenz großen Wert auf feine Unterschiede in der Strategie seiner Inszenierung. Ein lautes Thema mit Diskretion versehen, Abstoßendes durch Stil und feinfühlige Untertöne entschärfen, die Nervosität niemals in Hysterie umschlagen zu lassen, es ist schon erstaunlich, welch seriöses Gewand der Schock hier tragen darf. Pionierarbeit leisten dabei die sorgsam integrierten Personen unter denen regelrechte Allianzen zu Stande kommen, wobei es paradoxerweise die empfunden weite Entfernung zueinander sein wird, die wirklich interessant wirkt. Ein Verlauf, in dem derartig dichte Charakterzeichnungen zu Stande kommen, sollte nicht unbedingt als selbstverständlich angesehen werden, und in diesem Zusammenhang sind insbesondere die Leistungen von Frank Wolff, Eva Renzi und Raf Vallone hervorzuheben.

Der Aufbau geschieht verblüffenderweise über das große Thema Arbeit, die sich hier wie ein roter Faden durch das Geschehen zieht und bei der mehrere Seiten durchleuchtet werden. Berzaghi war zum Zeitpunkt der Entführung seiner Tochter am arbeiten, die Verbrecher nennen ihre Tätigkeiten sicherlich auch Arbeit, und genau eine solche soll die zurückgebliebene Donatella nun auch bei ihrer solventen und perversen Kundschaft übernehmen. Kommissar Lambertis Betätigung scheint sein Leben zu sein, obwohl er die hässlichen Seiten und die abscheulichen Beteiligten dieses, sich täglich wiederholenden Zustandes kaum noch ertragen kann. Seine Frau bildet in dieser Kategorie einen herben Kontrast, da sie sich entfalten, jeden Moment und jeden Fingergriff rechtfertigen kann und die volle Überzeugung vertritt, dass sie etwas bewirkt. Die Rückschläge und Enttäuschungen kommen bei anderen vor. Das Umfeld Berzaghis ist durch die arbeitende Klasse geprägt, hier werden für die Lösung des Falles möglicherweise noch wichtige Mosaiksteinchen zu finden sein. Sieht man die Privatpersonen an, so wird das tägliche Geschäft mit in den Feierabend getragen. Frank Wolff und Eva Renzi diskutieren lange darüber, anscheinend permanent, da sich diese Auseinandersetzung sogar bis in die nähere Zweisamkeit mit hineinzieht, aber sie reden aneinander vorbei. Er nimmt ihr Wirken nicht besonders ernst, sie verabscheut seinen Umgang mit Mördern, Zuhältern und Nutten, den er zwangsläufig haben muss. Donatellas Vater Arbeit scheint ebenfalls nie aufzuhören. Nach Feierabend geht sie weiter, da er sich um seine Tochter kümmern muss und der sich anbahnende, eigentlich bereits trostlose Gesamteindruck wird schließlich durch eine abscheuliche Tat und ein grausames Verbrechen verschärft. Interessant gestaltet wurden auch die männlich-weiblichen Rollenverteilungen.

In diesem Szenario sind es hauptsächlich die Männer, die emotionalere, impulsivere, tragischere und vielleicht greifbarere Züge bekommen, als es bei den Damen den Anschein hat. Sie wirken wesentlich mehr angreifbar, werden aus diesem Grund im Gegenzug aber auch massiver angreifen. Lediglich Eva Renzi bedient beide Seiten ganz großartig und es sieht so aus, als habe sie eine Rolle gefunden, die vollkommen ihren Ansprüchen genügt, und ihrer persönlichen Auffassung einer Frauenrolle entspricht. Im Zusammenspiel mit Frank Wolff entstehen sehr subtile Momente, die den Zuschauer sehr tief blicken lassen können. Er prägt das Szenario ganz bemerkenswert, da es zu öffentlichen und privaten Intervallen kommt. Im Beruf fühlt er sich dem Empfinden nach sicherer, er weiß genau, was zu tun ist, wie sein Klientel anzupacken ist, wo die potentiellen Enttäuschungen liegen könnten. Aus dieser Unberechenbarkeit entsteht für ihn sozusagen die Berechenbarkeit, die er im Privatleben nicht auf dem Silbertablett serviert bekommt. Zu diesem Zweck bekommt man eines der schönsten Gesichter von Eva Renzi offenbart, die rückblickend, und aus persönlichem Empfinden, als die größte verpasste Chance des italienischen Kinos zu benennen ist. Tolle Momente entstehen überdies in der Zusammenarbeit von Kommissar Lamberti und seinem ungehobelt wirkenden, aber gerade heraus agierenden Assistenten Mascaranti. Ein eingespieltes Team, eine Einheit in guten, wie in schlechten Zeiten. Doch meistens überwiegen eben die schlechten Zeiten, da die Stadt ganz offensichtlich einem Sumpf aus Verbrechen, Nötigung, Prostitution und Erpressung gleicht. Weitere interessante Darbietungen sieht man beispielsweise von Gigi Rizzi, Beryl Cunningham und der Deutschen Helga Marlo, die hier unter ihrem Pseudonym Elga Machaty zu sehen ist. Schließlich muss noch Raf Vallone erwähnt werden, welcher der im Grundtenor traurigen Geschichte am meisten Emotion und Temperament geben wird, das nur auf den richtigen Zeitpunkt wartet, auszubrechen.

Durch die Darstellung der Filmtochter Gillian Bray, bewegt man sich hin und wieder auf recht dünnem Eis, doch die Regie liefert niemals den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Im Vordergrund steht der besorgte, sich aufopfernde Vater, der durch eine bewegende Performance von Raf Vallone Gestalt annimmt, obwohl er im Mittelteil des Films so gut wie gar nicht zu sehen ist. Er nimmt die Dinge des Lebens so an, wie sie eben sind. Das Funktionieren ist selten leicht, aber im Endeffekt erfüllend. Plötzlich wird ihm der Mittelpunkt seines Leben genommen, sodass das Dasein für ihn eigentlich keinen Sinn mehr hätte, wenn da nicht sein eigenes Verlangen nach Aufklärung, Genugtuung und möglicherweise Rache wäre. So gut wie alle offerierten Psychogramme der Haupt- und Nebendarsteller siedeln sich im überdurchschnittlichen Bereich an, viele gehen sogar einige Schritte weiter und präsentieren beinahe ungeahnte Sphären. Einfach überragend! Die Kombination Schauspielerfilm und packende Story, im Sinne einer in allen Bereichen hochklassigen Produktion, lässt "Das Grauen kam aus dem Nebel" zu einem nicht nur sehenswerten, sondern vor allem auch fordernden Genre-Polygamisten werden, der stilistisch und inszenatorisch einwandfrei ist. Die Bildsprache ist ernüchternd, wenige Lichtblicke werden geschildert, so dass man eigentlich schnell weiß, wohin der eingeschlagene Weg gehen wird. Lediglich das Ziel, sprich das Warten auf ein angemessenes Finale, lässt eine zusätzliche Spannung aufkommen, die trotz fehlender Hysterie und bestehender Lethargie durch und durch wahrzunehmen ist. Im Übrigen handelt es sich um eine der besseren Assoziationsketten des damaligen Kinos. Duccio Tessaris Werk ist als eine, in allen Bereichen funktionierende Allianz zu beschreiben, bei der beispielsweise die musikalische Untermalung mit den wohlklingenden Stücken der italienischen Sängerin Mina, oder die sehr gute Montage zu nennen ist, die verständnisfördernd Rückblenden einleitet. Mit Tessaris Film war es keine Liebe auf den ersten Blick, auch nicht auf den zweiten, so dass es seine Zeit gedauert hat, diesen Beitrag besonders schätzen zu lernen, der einem Intention und Wirkung nicht lieblos vor die Füße wirft.

Percy Lister Offline



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03.01.2016 14:41
#12 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

BEWERTET: "Das Grauen kam aus dem Nebel" (La morte risale a ieri sera) (Italien/Deutschland 1970) mit: Raf Vallone, Frank Wolff, Eva Renzi, Gabriele Tinti, Elga Machaty, Gill Bray, Gigi Rizzi, Beryl Cunningham, Heidrun Hankammer, Checco Rissone u.a. | Drehbuch: Biagio Proietti unter Mitarbeit von Artur Brauner nach einem Roman von G. Scerbanenco | Regie: Duccio Tessari



Der Witwer Bersaghi macht sich große Sorgen um seine seit drei Monaten verschwundene Tochter Donatella. Die fünfundzwanzigjährige Frau ist geistig zurückgeblieben und hat den Verstand einer Dreijährigen. Sie ist wie ein Hündchen, das zutraulich mit jedem mitgeht, weshalb Bersaghi befürchtet, dass man Donatella in ein Bordell verschleppt haben könnte. Kriminalkommissar Lamberti nimmt sich des Falles an, weil ihm der Mann leid tut, nicht, weil er große Hoffnungen hegt, das Mädchen zu finden. Mithilfe eines ehemaligen Zuhälters macht er sich auf die Suche und sticht damit in ein Wespennest....

Die Hilflosigkeit von Hinterbliebenen eines Verbrechens ist ein Faktor, der üblicherweise in einem Kriminalfilm wenig Beachtung findet. Vermisstenfälle sind unschöne Fußangeln in den Annalen der Polizeistatistiken. Wo keine Leiche, da kein Anhaltspunkt. Die Bearbeitung eines solchen Falles ist schwierig und bringt in der Regel wenig Meriten mit sich. Die menschliche Komponente macht dem erfahrenen Ermittler zu schaffen, weil er sich trotz seiner Berufsroutine immer noch Einfühlsamkeit und einen Sinn für Gerechtigkeit abseits der steifen Buchstaben des Gesetzes bewahrt hat. Durch seine kritische Ehefrau, deren Beruf sie täglich mit den Unzulänglichkeiten dieser Welt konfrontiert, hinterfragt er seine Fälle im privaten Gespräch und erhält hier moralische Unterstützung.



Die künstliche Welt der organisierten Lust wird in Momentaufnahmen als zynisch und gleichgültig entlarvt. Jeder, der sich in diesem Dunstkreis bewegt, pflegt einen Egoismus, der je nach Charakter zur Selbstzerstörung, Resignation oder Ignoranz führt. Die Ware Mensch unterliegt keinen festen Preisen und kann sehr schnell keinen Pfifferling mehr wert sein. In diesem Umfeld zu ermitteln, bringt selten Erfolge, weil sich Opfer und Täter unbewusst solidarisieren, wenn es um die Konfrontation mit der staatlichen Gewalt geht. Dies weiß auch der Zuschauer, weshalb seine Geduld mehrfach strapaziert wird, wenn er mit den Ausflüchten, Lügen und Vertuschungsmaßnahmen der Beteiligten in Berührung kommt. Es ist deshalb umso wichtiger, dass "Das Grauen kam aus dem Nebel" mit einem integren Ermittler aufwartet, der einen Weg aus dem Sumpf aufzeigt.

Eva Renzi darf gleich in ihrer ersten Szene zeigen, dass sie mehr auf dem Kasten hat als die durchschnittliche Polizistenehefrau. Statt zuhause auf ihn zu warten, besteigt sie einen schnittigen Sportwagen und saust damit durch die Mailänder Innenstadt, um einen wichtigen Zeugen für die Polizei zu gewinnen. Ihr Beruf als Journalistin und Buchautorin verweist auf einen offenen, kritischen Geist und gibt ihren Unterhaltungen mit dem Kommissar immer wieder neue Nahrung. Sie bleibt in Bewegung und läuft nicht neben ihm her, sondern mit ihm - wenn auch nicht immer, da sie durchaus Alleingänge verfolgt, um sich dann zum Resümee wieder in der gemeinsamen Wohnung zu treffen. Diese Ehe kontrastiert mit den temporären Zweckgemeinschaften, denen Lamberti bei seinen Recherchen in den Etablissements begegnet. Eva Renzi stellt einen modernen, patenten Typ dar, der immer wieder frisch und überraschend wirkt und den man in jedem Film erst wieder neu entdecken muss.

Der Twist, den der englische Titel verrät, steht ebenso wenig symptomatisch für den Giallo wie sein deutscher Verleihtitel, bei dem man mit ein wenig Phantasie den Nebel gegen den Smog einer Industriestadt tauschen könnte. Der schmale Grat zwischen Duldsamkeit und rasender Wut erlebt ein fulminantes Finale, das nichts für zartbesaitete Menschen ist und wieder einmal unterstreicht, wie gefährlich ein freier Tag sein kann. 3,75 von 5 Punkten

NB: Die Sache mit dem Zweitschlüssel hätte den Fall viel früher klären müssen.

Percy Lister Offline



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10.04.2016 14:36
#13 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

BEWERTET: "Taste of Excitement" (Großbritannien 1970)
mit: Eva Renzi, David Buck, Peter Vaughan, Paul Hubschmid, Kay Walsh, Francis Matthews, Sophie Hardy, George Pravda, Peter Bowles, Alan Rowe, Alan Barry, Tom Kempinski, Yves Brainville, Catherine Berg u.a. | Drehbuch: Brian Carton und Don Sharp nach dem Roman "Waiting for a Tiger" von Ben Healey | Regie: Don Sharp



Die Engländerin Jane Kerrell verbringt ihren Urlaub an der französischen Riviera. Als sie mit ihrem Mini Cooper die Haarnadelkurven oberhalb von Nizza bewältigt, versucht sie ein Unbekannter von der Straße abzudrängen und sie kann gerade noch rechtzeitig ausweichen. Die Polizei kann ihr aufgrund der dürftigen Angaben nicht helfen. Der Psychiater Dr. Forla, der ihre Schilderungen auf der Polizeistation mit angehört hat, glaubt, ihr einen Rat geben zu müssen. Nach einem unheimlichen Telefonanruf und einem Mordanschlag auf ihrem Hotelbalkon ist Jane erleichtert, dass ihr der Maler Paul Hedley seine tatkräftige Hilfe anbietet. Einer seiner Kunden, ein Geschäftsmann namens Hans Beiber, zeigt ein auffallendes Interesse an einer Kontaktaufnahme mit Jane. Angeblich will er ihr einen Job anbieten, doch im Hintergrund schmieden er und seine Helfer finstere Pläne....

Das spektakuläre Panorama der Küstenlandschaft Südfrankreichs bildet mit den erlesenen Bauten oberhalb Beaulieu sur mer den perfekten Rahmen für die Jagd nach den Männern, die Böses im Schilde führen und eine harmlose Touristin bedrohen. Geht die weibliche Hauptfigur zunächst davon aus, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss, wird ihr durch mehrere Mordanschläge und zwei Morde bewiesen, dass dem nicht so ist. Die Interessen mehrerer Personen stehen auf dem Spiel und ziehen die Schlinge um Jane und ihren Freund Paul immer enger. Die kleinen Chargen der Organisation bedienen das psychologische Mürbemachen ihrer Zielscheibe, auf die nicht nur mit Backpflaumen geschossen wird. Wo handfeste Attacken nichts nutzen, wird mit Engelszungen geredet oder unterschwellige Drohungen ausgesprochen. Szenen beschaulicher Entspannung stehen im schnellen Wechsel mit aufreibenden Angriffen.



Eva Renzi liefert eine sehr sympathische Vorstellung ab. Ihre Natürlichkeit besticht vor allem in den Anfangsszenen, wenn sie ungeschminkt im praktischen Reisekostüm über steile Bergstraßen fährt. Ihre Direktheit unterbindet oberflächliches Geplauder ebenso wie sie ihr hilft, ihren neuen Bekannten von der Dringlichkeit und dem Wahrheitsgehalt ihrer Berichte zu überzeugen. Die charmante optische Wandlung, die sie zum Zweck der Tarnung vornimmt, gibt auch ihren Sinn für Humor und Wortwitz frei, mit dem sie ihren Partner neckt und in Verlegenheit bringt. Ihr frisches, modernes Spiel hat sich eine unverbrauchte Aktualität bewahrt, während einige andere weibliche Rollen der damaligen Jahre mittlerweile antiquiert und puppenhaft wirken. So ist Kollegin Sophie Hardy nur als hübsches Beiwerk besetzt und geht aufgrund der Kürze ihrer Auftritte neben all den finsteren Schurken unter. Besser ergeht es da Kay Walsh als listiger Sekretärin. Ihre Verschlagenheit und Tücke befördern die Figur der unauffälligen Schreibkraft zur heimlichen Bedrohung für ihren Chef.

Vor der prachtvollen Kulisse aus blauem Meer, grünen Hainen und eleganten Villen entwickelt sich ein spannendes Katz-und Mausspiel zwischen Gut und Böse, wobei besonders Eva Renzi und David Buck die Handlung vorantreiben. Das bedächtige Spiel von Hubschmid, das forsche Auftreten von Matthews und der energische Zorn von Vaughan runden die Spiellaune des Ensembles gekonnt ab. 5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.508

01.04.2018 20:40
#14 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten



Am 15. Januar 1970 fand im Verlagshaus der Axel Springer GmbH in Berlin die fünfte Verleihung der "Goldenen Kamera" der Fernsehzeitschrift "HörZu" statt. Zu den Preisträgern des Jahrgangs 1969 zählte unter anderem Vicco von Bülow (Loriot). Während er seine Rede hielt, schwenkte die Kamera ins Publikum und zeigte für ein paar Sekunden das Ehepaar Paul Hubschmid und Eva Renzi, das im Gegensatz zu den anderen Gästen nicht über die Bemerkungen des wegen seiner Sendereihe "Cartoon" geehrten Feingeistes lachte. Besonders Eva Renzi betrachtete die Szene kritisch und legte den Kopf schief, ihr Mann machte ein sogenanntes "poker face". Das Paar hatte am 7. August 1967 in Las Vegas geheiratet.



Die beiden Bilder stammen von der Jubiläums-DVD "Das Beste aus 46 Jahren - Die Goldene Kamera von Hörzu - Weltstars, TV-Helden, große Emotionen".

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.508

07.05.2018 13:40
#15 RE: Eva Renzi - Filme & Karriere Zitat · antworten

Monica Ranieri in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe"

Eva Renzi hatte für ihre Rolle in Dario Argentos Parade-Giallo nur die Bezeichnung this Killer übrig und sah sie als Sperrriegel auf dem Weg nach oben; als Lückenbüßer für abgesagte, weitaus bessere Angebote aus Hollywood. Grund genug, sich einmal näher mit der rothaarigen Frau zu befassen, die zusammen mit ihrem Mann eine Kunstgalerie in Rom führt und dort eines Abends mit einem Messer verletzt wird. Der Anblick ihres schmerzverzerrten Gesichts mit dem überraschten Ausdruck ist als Ikone des Films in die Geschichte des Giallos eingegangen. Das rote Blut, das zwischen ihren Fingern herausströmt, während sie sich den Bauch hält und sich mühsam am Fußboden windet, befleckt ihren weißen Hosenanzug und steht für die brutale Gewalt, die durch Unbekannt in die privilegierte Welt der Frau hereingebrochen ist. Ein ungehöriger Vorgang, der sie entsetzt und stumm macht. Sie robbt über den Boden, wobei ihre Bewegungen ins Leere greifen. Im weiteren Verlauf des Films bleibt sie Opfer, Zeugin und Mysterium zugleich; in den wenigen Worten, die der männliche Held des Films mit ihr wechselt, scheint mehr mitzuschwingen als man heraushört. Es ist, als suche sie - die Gefangene im goldenen Käfig - nach einem Schlupfloch ins Freie, nach einem Vertrauten und Freund. Ihr Mann schirmt sie vor Fragen und neugierigen Blicken ab und unwillkürlich fragt man sich, ob er sie nur beschützen oder ihr die Möglichkeit nehmen will, etwas zu erzählen, was ihm unangenehm werden oder ihm sogar schaden könnte. Der Angriff von Außen ist offenbar etwas, das ungesagte Dinge herausfordert und an Geheimnisse rührt, die das gutsituierte Ehepaar lange unter Verschluss gehalten hat. Durch die Konfrontation mit den polizeilichen Ermittlungen mehr verschreckt als eigentlich nötig, zeigt Monica Ranieri die Fragilität des geschützten Raumes, in dem sie sich bewegt und es stellt sich die Frage, ob das, was sie zu verbergen sucht, nicht noch weitaus furchtbarer ist als die Messerattacke in der Kunstgalerie. Eva Renzi agiert in einer Mischung aus betäubter Agonie und intuitiver Abwehr, ihre großen Augen halten ihre Umgebung fixiert, die Angst flackert auf und sucht nach einem Ventil, der Atem leidet unter der großen Anspannung.

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