Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 161 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.491

13.05.2018 13:35
Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

BEWERTET: "Die zornigen jungen Männer" (Deutschland 1960)
mit: Hansjörg Felmy, Horst Frank, Joachim Fuchsberger, Dawn Addams, Hans Nielsen, Gisela Tantau, Hans Quest, Armin Dahlen, Wolfgang Jansen u.a. | Drehbuch: Will Berthold nach dem gleichnamigen Roman in der Münchener Illustrierten | Regie: Wolf Rilla

Das medizinische Forschungsinstitut Drigena bietet der Magdalenen-Klinik, in welcher der engagierte Dr. Schneider als Oberarzt tätig ist, eine teure Herz-Lungen-Maschine, wenn diese ihren Mitarbeiter entlässt. Der junge Arzt ist dem Medizinkonzern ein Dorn im Auge, weil er an einer Publikum zum Thema Lebensmittelergänzungen schreibt, die für etliche Krankheits- und Todesfälle verantwortlich sind. Fred Plötz, der in der Werbeabteilung der Drigena arbeitet, wird von Generaldirektor Pflüger beauftragt, den unliebsamen Arzt unter Anwendung unlauterer Mittel auszuschalten. Doch Dr. Gerd Schneider ist ein alter Kriegskamerad von Plötz und dieser steht somit vor einem inneren Konflikt....



Wirtschaftliches Denken wird auch in der Humanmedizin immer wichtiger, wenn ein Krankenhaus wie ein Unternehmen geführt wird und die Forschung für den Millionenetat Ergebnisse liefern muss. Grätscht dann ein Kritiker, in diesem Fall ein Mann mit fundierten Kenntnissen und Beweisen für gesundheitsschädliche Praktiken, in die Erfolgsspur der Konzerne, so erregt dies nicht nur das Missfallen der Leitung, sondern provoziert den Gedanken, wie man sich am besten eines solchen Störenfrieds entledigt. Horst Frank als Dr. Gerd Schneider kristallisiert sich bereits nach wenigen Minuten als unbequemer Gegenspieler jener heraus, bei denen der Profit an erster Stelle rangiert. Seine Ernsthaftigkeit und der Antrieb, in seinem Beruf alles zu geben, unterscheiden ihn von dem von Hansjörg Felmy gespielten Fred Plötz, der sich in seinem Arbeitsumfeld bequem eingerichtet hat und dem es nicht um Ethos, sondern um Eros geht. Plötz kommt aus der Werbebranche; ein Beruf, der mit Oberflächlichkeit assoziiert wird und dem Anpreisen von Vorzügen. Sein Metier ist die Übertreibung und Täuschung des Konsumenten durch falsche Versprechungen und die Verheißung großer Emotionen. Ebenso geht er in seinem Privatleben vor, in dem die Studentin Kirsten eine Abwechslung von seinen bisherigen Bekanntschaften bietet. Gisela Tantau zeichnet ihre Figur zunächst unscheinbar und wird deshalb auch vom Publikum erst mal kaum beachtet, doch die dramatischen Wendungen überraschen und ihr Abgang ringt dem Zuschauer Respekt ab. Joachim Fuchsberger behält als einziger Protagonist die souveräne Übersicht. Der Krieg und das Jurastudium haben seinen Verstand geschärft und ihn gegen die Fallstricke des Lebens gewappnet. Er schlägt seine Gegner mit deren eigenen Waffen und weiß, wie man mit spärlichen Mitteln Wirkung erzeugt. Weder Behörden und Exekutivdiener des Staates, noch auf Verführung programmierte Frauen können ihn beeindrucken, weil sein Urteilsvermögen nicht an den Insignien der Einschüchterung scheitert. Einen vernunftfreien Ort bildet die Party bei Plötz, weil die Werbebranche von verordneter guter Laune lebt und jeden Zweifel ausblendet.

Ursprünglich erhielt der Film eine Freigabe ab 18 Jahren, was sicher am Kolportagecharakter liegt und weniger an tatsächlich gezeigten Freizügigkeiten. Die Illustrierten-Herkunft kann die Drehbuchvorlage nicht abschütteln und so bewegt sich der Film zwischen ambitionierter Gesellschaftskritik, Seelendrama und Kriminalhandlung. Während ein Pfarrer (überzeugend: Hans Quest) auf der Amüsiermeile Reeperbahn jene zu erreichen versucht, die noch nie eine Kirche von innen gesehen haben, stören die Musiker der Nachtlokale die Versammlung. Die Gegensätze prallen auf wenigen Quadratkilometern aufeinander und jeder sucht nach seinem eigenen Vorteil. Umso fragwürdiger treffen die Kehrtwendungen einzelner Figuren auf den ungläubig den Kopf schüttelnden Zuschauer. Hansjörg Felmy, dessen "Zorn" sich in einem sarkastischen Egoismus ausdrückt, der das Leben als Selbstbedienungsladen sieht und keine Verbindlichkeiten wünscht, wandelt sich urplötzlich zum guten Menschen, was man ihm schwerlich abnimmt. Die Berg- und Talfahrt der Emotionen wirbelt gehörig Staub auf und wieder einmal denkt man, dass aus dem Film mehr werden hätte können. Viele gute Ansätze werden durch unglaubwürdige Kehrtwendungen aufgehoben, die Schauspieler werden vor die schwierige Aufgabe gestellt, ihre einmal geformten Charaktere nach den Launen des Drehbuchs zu variieren, was der Stringenz einen Abbruch tut und letztendlich an der Glaubwürdigkeit nagt. Sehr oft merkt man, dass das Zeitschriften-Niveau die Überhand erhält und auf Effekte im Stil von Skandal-Schlagzeilen setzt. Das zeigt sich beispielsweise auch am Ende, als die drei "zornigen jungen Männer" sich verbünden, um den Konzernleiter in die Knie zu zwingen. Zu leicht, zu reibungslos gestaltet sich die alles entscheidende Aussprache. Das mit Pauken und Trompeten angekündigte Finale versandet in einem lauen Kleinbeigeben, zu einfach und rasch wird der Fall ad acta gelegt, um dann noch schnell Plötz' Angelegenheiten abzuhandeln, die wenigstens nicht jenen Weg einschlagen, den man aufgrund des konstruierten Verlaufs erwartet hatte. Hier zeigt das Drehbuch den Mut, den man sich vorher gewünscht hätte, einen harten Realismus.

Der Plot, der an sich vielversprechend ist, übernimmt sich im Ausbalancieren der verschiedenen Handlungsstränge, was für die Schauspieler nicht leicht ist. Klare Profile, wie sie Hans Nielsen und Joachim Fuchsberger zeigen, stärken die Ausdruckskraft der Mimen, weil sie ihr volles Potential ausspielen können. Da, wo das Drehbuch windige Kurven fährt, schwächt es seine Darsteller. Deshalb trotz guter Leistungen der Schauspieler nur 3,5 von 5 Punkten

Prisma Offline




Beiträge: 7.514

13.05.2018 14:06
#2 RE: Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

Vielen Dank für die Vorstellung, die Geschichte klingt sehr interessant.
Ich werde es zum Anlass nehmen und mir den Film endlich mal anschauen.
Alleine die Besetzung ist ja schon verlockend genug.

Giacco Offline



Beiträge: 1.543

14.05.2018 15:02
#3 RE: Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

Bei der vom "Union"-Verleih ausgerichteten Premierenfeier im 1190 Plätze fassenden Duisburger Europa-Palast war neben Joachim Fuchsberger, Horst Frank und Dawn Addams auch Produzent Franz Seitz anwesend. Der Film kam hier beim Publikum und z.T. auch bei der Presse gut an. Insgesamt war das geschäftliche Ergebnis aber nur durchschnittlich. Film-Echo-Endnote: 4,2 bei 35 Meldungen.

Die zeitgenössische Kritik stammt diesmal aus der "FILMWOCHE" (vom 7.5.1960):

"Der Film "Die zornigen jungen Männer", der so kess und anspruchsvoll mit dem Superlativ "der interessanteste Film des Jahres" wirbt, hat in der Tat allerhand zu bieten. Leider fehlt diesem Film, der so aggressiv und zutreffend Sozial- und Gesellschaftskritik übt, der Mut zur letzten Konsequenz. So benutzt der junge Rechtsanwalt seine Vorladung zur "Wehrerfassung" lediglich zu einem effektvollen Auftritt. Über seine Entscheidung erfährt man nichts. Und auch im Fall des skrupellosen Generaldirektors bevorzugen die "zornigen jungen Männer" den Kompromiss. Das Handwerk wird ihm durchaus nicht gelegt.
Sieht man von kleinen Schwächen ab, bleibt ein handwerklich gut gemachter Film. Originelle Kameraarbeit, saubere Schnitt-Technik, einprägsame Musik (Rolf Wilhelm) und ein von dem begabten britischen Regisseur Wolf Rilla sehr sicher geführtes Darsteller-Ensemble, aus dem besonders Horst Frank, Joachim Fuchsberger, Hans Nielsen und Gisela Tantau herausragen. Dawn Addams war mir als "Sirene" zu wenig betörend und Hansjörg Felmy brachte wieder einmal nicht viel mehr als Hansjörg Felmy auf die Leinwand. - Thema und Besetzung müssten das Geschäft günstig beeinflussen."

Georg Offline




Beiträge: 2.885

14.05.2018 15:41
#4 RE: Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

Ein Film, der ob der Besetzung natürlich große Erwartungen schürt. Ich habe ihn eher gut bis mittelmäßig in Erinnerung, Percys Beschreibung trifft es recht gut.

TV-1967 Offline



Beiträge: 411

19.05.2018 18:36
#5 RE: Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

Und wo gibt es diesen Film? "Barras heute" (1962) ist auch so ein Phantom...

guenter19650 Offline



Beiträge: 29

19.05.2018 20:11
#6 RE: Die zornigen jungen Männer (1960) Zitat · antworten

Hallo. Würde mich auch interessieren, da ich beide Filme (Die zornigen jungen Männer und Barras heute) gerne sehen würde. Sie werden halt in irgendwelchen Archiven lagern. Hoffe, daß im Zuge zahlreicher Veröffentlichungen österr. und dt. Filmguts diese auch einmal einbezogen werden.

 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen