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 Film- und Fernsehklassiker national
Prisma Offline




Beiträge: 7.549

16.06.2018 15:43
Beiß mich Liebling! (1970) Zitat · Antworten


BEIẞ MICH LIEBLING!

● BEIẞ MICH LIEBLING! / BEIẞ MICH, LIEBLING! (D|1970)
mit Eva Renzi, Amadeus August, Patrick Jordan, Brigitte Skay, Wera Frydtberg, Herbert Fux, Barbara Valentin, Dieter Augustin, Gudrun Herms,
Rainer Basedow, Frederick Pressel, Toni Treutler, Katharina de Bruyn, Marianne Sock, Franz Esser, Folker Bohnert, Stefan Menz und Ralf Wolter
eine Produktion der New Art | im Verleih der Cinerama
ein Film von Helmut Förnbacher




»Es ist jetzt das zweite Mal, dass wir von ihm Abschied nehmen müssen!«


Briefträger Engelmann (Herbert Fux) wird wegen eines Unfalls arbeitsunfähig und durch seinen Kollegen Peter Busch (Amadeus August) ersetzt. Der junge Mann hat allerdings noch ganz andere Qualitäten als das Zustellen von Briefen, denn schon nach kürzester Zeit avanciert er zum Renner in den Betten sogenannter grüner Witwen. Dem Sexualtherapeuten und Eheberater Hartlieb von der Wies (Patrick Jordan) läuft durch diese neue Situation die komplette weibliche Kundschaft davon, denn die nun rundum glücklichen Damen haben ab sofort nichts mehr auf seiner Couch zu berichten. Kurzerhand beschließt von der Wies also, den geschäftsschädigenden Briefträger ins Jenseits zu befördern, zumal dieser auch noch seine Nichte Sabrina (Eva Renzi) heiraten will. Doch alle Anschläge schlagen fehl, bis er schließlich selber ins Gras beißen muss. Damit hat die Farce allerdings kein Ende, denn der Verblichene steigt aus seinem Grab und macht die Gegend als blutdürstiger Vampir unsicher...

In einem Film von Helmut Förnbacher wird erfahrungsgemäß allerhand geboten, nur eben nicht das, was uns der Titel verzweifelt zu versprechen versucht. Seinerzeit wurde der Schweizer als hoffnungsvolles Nachwuchstalent gehandelt, doch nach einem Flop wie "Beiß mich Liebling!" wurde der Regiestuhl wieder schnell durch schauspielerische Aktivitäten ersetzt, bei denen Förnbacher eindeutig die bessere Figur machen konnte. In dieser Produktion fungierte er nicht nur als Regisseur, sondern gleichzeitig als Produzent und Drehbuchautor, was dieser Angelegenheit jedoch in unmissverständlicher Art und Weise nicht zugute kommen möchte. Der Filmdienst lästerte: »Wie schnell doch Jungregisseure für Opas Kino heranaltern.«, und diese Einschätzung ist nach diesem Flick gar nicht so weit hergeholt, denn so weit das Auge reicht ist nur hemmungsloser Abklatsch und abgedroschener Klamauk wahrzunehmen, der schon in vielen anderen Filmen keinen Grund mehr zum Lachen darstellen konnte. Entstanden ist schließlich ein mäßig interessanter Versuch, diffusen Erotik-Klamauk in andere Gewänder zu zwängen und dabei noch darauf zu spekulieren, dass es aufgrund des beigemischten Vampir-Themas keinem Menschen auffällt, welches übrigens erst nach einer geschlagenen Stunde prominent in Erscheinung tritt. Was man dem Film bestimmt zugute halten darf, ist, dass er sich am Zeitgeist orientiert und vielleicht mehr typisches Kind dieser beginnenden Dekade ist, als einem lieb ist. Offenbarungen bleiben hinlänglich aus, so viel kann bereits im Vorfeld gesagt werden. Der Verlauf nimmt teilweise zu uniforme Tendenzen an, die einiges an Langeweile transportieren. Da können auch ein paar Lacher nicht für die anvisierte Atmosphäre sorgen, die sich aufdringlich und phasenweise in peinlicher Art und Weise aufbäumen wird.

Die Geschichte fängt mit dem Ausfall des hiesigen Briefträgers an, um schleunigst seinen potenten Nachfolger zu integrieren, der ab sofort die Damen aller Couleur beglücken darf, außerdem frustrierte grüne Witwen. Dieses Beischlaf-Karussell dreht sich beinahe eine geschlagene Stunde lang, um anschließend zur eigentlichen Sache zu kommen, die der Titel immerhin angekündigt hatte. Albernheiten und Zweideutigkeiten dominieren diesen Beitrag zusehends erdrückend, sodass eine gute Ausdauer des Zuschauers zur Grundvoraussetzung wird. Sicherlich entstehen insbesondere mit Brigitte Skay oder Barbara Valentin auch ein paar wirklich gelungene Szenen im Rahmen der Situationskomik, jedoch kann sich insgesamt kein ausgewogener Eindruck aufdrängen, da die Stimmung immer wieder umkippt. Helmut Förnbacher ist daher anzukreiden, dass er dem Film eine zu kopflastige Richtung mitgegeben hat und dabei keine Entscheidung trifft, die Parallelhandlungen prägnant und zufriedenstellend abzuhandeln. Im Bezug auf die sicherlich nicht zu verachtende Schauspieler-Riege kündigt der deutsche Kino-Trailer überdies noch Folgendes an: »Mit Deutschlands Komikerelite.« Der schnelle Blick auf die Hauptrollen stiftet in diesem Zusammenhang eine spürbare Verwirrung, denn für etliche Interpreten stellte die Komödie keineswegs eine Domäne dar, aber dennoch bleibt erst einmal abzuwarten, wie sie sich letztlich hier präsentieren werden, und ob tatsächlich komödiantisches Blut ihn ihnen fließt. Zu einer bemüht heiteren musikalischen Untermalung ist wie erwähnt ein Stelldichein nach dem anderen zu begutachten, wofür sich selbst eine renommierte Interpretin wie Wera Frydtberg nicht zu schade war. Anhand etlicher Beispiele ist deutlich zu erkennen, dass Förnbacher gewisse Schauspieler gezielt auf unbekanntes - um nicht zu sagen - schlüpfriges Terrain führt.

Das Treiben wird von keiner Geringeren als Eva Renzi angeführt, um Unterstützung von einem bunt durchgemischten Ensemble zu erhalten, das vor allem nach Leibeskräften agiert. Als ihren Onkel sieht man den Engländer Patrick Jordan, der weder internationales Flair in die Szenerie bringen kann, noch durch eine besondere Schauspiellaune auffallen will. Seine Gebärden und die damit verbundenen Dialoge fahren unausweichlich in eine Einbahnstraße, sodass es zu keinem besonders großen Vergnügen wird, ihn auszuhalten, was übrigens genauso für Ralf Wolter gilt, der die unbequeme Verpflichtung auferlegt bekommen hat, wirklich jeden Vogel abschießen zu müssen. Amadeus August hingegen wirkt gelassen und flexibel genug, um dem Verlauf einen deutlichen Stempel aufzudrücken, wenngleich man aber fairerweise sagen muss, dass ihm von der Geschichte her nicht besonders viel abverlangt wird. Dennoch bleiben gerade seine Szenen in Erinnerung, in denen er sich in diversen Betten verlustiert, denn hierbei handelt es sich immerhin um den Löwenanteil seiner Auftrittsdauer. Zusätzlich geben er und Eva Renzi ein nett anzusehendes Paar ab, dem anzusehen ist, dass schon ein bisschen Spaß beim Dreh geherrscht haben wird. Natürlich übersteigt dieser Eindruck quasi die eigene Vorstellungskraft, immerhin blickt man auf Förnbachers fertiges Produkt. Trotzdem versprühen beide ein wenig natürlichen Spaß, der ansonsten nur schwer zu finden ist, oder aufgesetzt wirkt. Szenen zum Schmunzeln und Lachen (hinter vorgehaltener Hand) liefern Brigitte Skay und Barbara Valentin, die sich buchstäblich in ihren eigenen Klischees suhlen, oder doch eher räkeln. Beide reihen sich in die Riege der sehr nett anzuschauenden Interpretinnen des Verlaufs ein, genauso wie Hansi Linder oder Gudrun Herms. Mit Vera Frydtberg ist eine Schauspiel-Veteranin in den Anfängen ihres Schwanengesangs zu beobachten, doch selbst dieser Abstecher in ungewohnte Gefilde demonstriert genügend Routine und Souveränität.

In Helmut Förnbachers "Beiß mich Liebling!" gibt es letztlich allerhand Schattenseiten, die positive Aspekte immer wieder stark überlagern. Im Grunde genommen ist die Geschichte nicht ganz so schlecht, wie es das Ergebnis suggeriert, aber das Endergebnis hätte bei einer etwas mehr strukturierten Bearbeitung deutlich besser aussehen können. Zu Spät wird das eigentliche Vampir-Thema integriert, und zwar dann, wenn der strapazierte Zuschauer bereits kurz vorm Einschlafen ist. Im letzten Drittel darf schließlich noch etwas gebissen werden, doch diese Sequenzen reichen nicht mehr aus, um das Lenkrad noch herumzureißen. Dass es an vielen Stellen einfach zu albern und herkömmlich wird, kann man einem Film nicht anlasten, der eigentlich nichts anderes sein will, als ein Unterhaltungsvertreter seiner Zeit. Trotzdem neigt man schnell dazu, mit diesem Vehikel schwerer als üblich ins Gericht zu gehen, da Förnbacher ein unausgewogenes Mischmasch abgeliefert hat, das sich im Endeffekt nicht gerade entscheidungsfreudig präsentiert. Der Film ist seit seiner Kino-Aufführung im August 1970 und der Veröffentlichung auf VHS verständlicherweise komplett in der Versenkung verschwunden, denn selbst der hartgesottene und geneigte Zuschauer bekommt nicht viel Neues vom Schweizer Jungregisseur geboten; außer, dass er einem seine augenscheinlichen Ambitionen ergebnislos auftischt und dass etliche gerne gesehene Darsteller als Zirkuspferde in die Manege gepeitscht werden. Insgesamt gesehen, kann man sich diesen Erotik-Klamauk mit wohlgemerkt äußerst abgespecktem Vampir-Thema anschauen, ohne dabei den Glauben an die Qualität der deutschen Filmindustrie jener Zeit zu verlieren, aber Aha-Effekte oder zufriedenstellende Ergebnisse bleiben definitiv und wahrscheinlich sogar weitgehend aus. Daher: für Fans, Komplettisten und auch Optimisten.

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