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Dieses Thema hat 37 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Sir 100 ASA Offline



Beiträge: 241

31.05.2016 19:52
#31 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten

Danke für dieses interessante Thema und an die Autoren für ihre gut geschriebenen Beiträge.

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Ein Photo bitte, Madam? *blitz*

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

26.06.2016 15:06
#32 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten



"Das macht Freude!" - Zwischenbilanz der Reihe ''L'amour toujours"

Wenn Frösche, Galgenhände, unheimliche Geldfälscher und selbsternannte Rächer für Grusel sorgen, braucht das Publikum etwas, woran es sich halten kann. Inmitten von Chaos, Bedrohung und Schrecken sucht es nach Sicherheit, die sich meist im soliden Scotland-Yard-Ermittler ausdrückt, der seinen Beruf gewissenhaft ausübt und ganz nebenbei hübsche Damen kennenlernt, denen seine Zuneigung und Fürsorge zuteil wird. Aus der anfänglich beruflich bedingten Aufmerksamkeit wird bald echtes Interesse und meist finden sich zwei Menschen, die einsam im Leben stehen und bisher keine Zeit oder keine Gelegenheit hatten, sich ein Privatleben zu schaffen. Ebenso wie der Polizeibeamte stammt die weibliche Heldin aus kleinen Verhältnissen, ist oft elternlos und hat auch keine Freundinnen, die ihr hilfreich zur Seite stehen. So ergibt es sich ganz zwangsläufig, dass sie die Unterstützung des Inspektors gern annimmt und über einen Ratgeber und Vertrauten froh ist. Natürlich gibt es auch Unterschiede zwischen den Ermittlertypen und den weiblichen Heldinnen. Während Eva Anthes, Karin Dor oder Brigitte Grothum in ihren ersten EW-Auftritten konservative Figuren zeigen, treten Renate Ewert, Karin Baal und Marisa Mell eigenständig und selbstbewusst auf. Bei den Herren ist es vor allem Klausjürgen Wussow, der aus der Reihe tanzt und keinen Schutz im herkömmlichen Sinn bietet. Ausnahmen stellen weiters die Ermittler der älteren Generation dar, die allenfalls väterliche Züge tragen und keine romantische Verbindung zur weiblichen Hauptfigur pflegen. Die Frühphase der Edgar-Wallace-Reihe weist noch ein relativ klares Muster auf. Junge Menschen finden sich bei Gefahr, verlieben sich und bleiben nach Abschluss der Ermittlungen zusammen. Später wird diese Kontinuität unterbrochen, indem die am Fall beteiligten Personen getrennte Wege gehen und sich keine näheren Kontakte ergeben. Die Herausforderung für die Autoren dieser Beitragsreihe ergibt sich im Wandel der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander, die ebenso spannend bleibt wie die Kriminalfälle und ihre mysteriösen Hintergründe.

Prisma Offline




Beiträge: 7.459

26.06.2016 20:45
#33 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten



Nach zehn vorgestellten Filmen kristallisiert sich überraschenderweise eindeutig heraus, dass sich das Liebeskarussell mitunter in hohen Umdrehungen bewegt hat, und es ist Zeit für eine kleine Zwischenmeldung. Doch wie sollte diese aussehen? Ein vorläufiges Fazit ziehen, eine bisherige Rangliste erstellen, Vergleiche anstellen oder das Für und Wider abwägen? Vielleicht ist es zunächst nicht zu viel gesagt, dass sich dieser kleine Exkurs, bei dem es im Vorfeld völlig unklar gewesen ist, ob sich überhaupt etwas Sinnvolles herausholen lässt, doch im Endeffekt wesentlich ergiebiger erscheint, als angenommen. Für den langjährigen Wallace-Anhänger ergeben sich zahlreiche neue Facetten und Blickwinkel hinsichtlich eines Themas, welches sicherlich nicht gerade als Hauptattraktion zu beschreiben ist, aber dennoch in seinem vollen Umfang vorhanden ist. Wieso kam es also in bislang jedem Film zur Nebenhandlung Liebe und Zwischenmenschlichkeit, wenn auch in unterschiedlichem Rahmen? Sicherlich kann man dieses sich Zeit nehmen für die schönen Dinge des Lebens als Gegengewicht ansehen, vor allem in Zeiten und Szenen die von Mord und Verbrechen dominiert werden. Dem Zuschauer wird unter dieser Voraussetzung einfach zugebilligt, sich Atempausen zu verschaffen und nicht ausschließlich mit Wallace-Prosa konfrontiert zu werden. Sicherlich muss man diese Tatsache auch relativ sehen, denn bislang musste man in den wenigsten Beiträgen Nerven aus Drahtseilen haben, allerdings hat sich dieser nützliche Verstärker vollends etabliert, sodass auch die Findung und Zuneigung selbst im sterilen Krimi als salonfähig bewährt hat. Zehn Filme bedienen sich der gleichen Voraussetzung, aber man sieht eigentlich meistens sehr unterschiedliche Ansätze bei der Herangehensweise und vor allem im Rahmen des Umfangs sowie der Raffinesse der jeweiligen amourösen Nebenhandlung.

So legt das Debüt "Der Frosch mit der Maske" einen gelungenen Grundstein für das Funktionieren der Serie an sich, aber auch für die Zielrichtung des besprochenen Themas und man darf von einer recht hohen Messlatte sprechen, sowohl thematisch gesehen, als auch besetzungstechnisch. Insbesondere bei den Hauptrollen sah man somit zahlreiche, immer wiederkehrende Darsteller, die für Wiedererkennungswerte sorgen konnten, jedoch war das Rollenprofil nicht immer identisch, sodass erst gar keine Eintönigkeit aufkommen sollte. Als Mann der ersten Stunde ist Joachim Fuchsberger bereits nach zehn Filmen quasi alleiniges Aushängeschild der Reihe geworden und ungeachtet aller persönlichen Präferenzen muss betont werden, dass es die Konkurrenz nicht leicht hatte, sich durchzusetzen. Im Rahmen der Beschützer- und Ermittler-Rollen lassen sich deutliche Tops und leichtere Flops ausfindig machen, allerdings zeigt sich diese Tendenz weniger bei den weiblichen Hauptrollen. Im Wallace-Orbit nimmt man insgesamt Mischungen zwischen klassischen Rollenverteilungen und konventionellen Themen wahr, aber auch Kehrtwendungen und willkommene Neuerungen. Den größten positiven Ausreißer im originellen Sinne stellt somit "Das Geheimnis der gelben Narzissen" dar, in dem nicht nur die männlich-weibliche Konstellation vollkommen konträr zu bisherigen Inszenierungen dargestellt ist, sondern auch die Besetzung durch Sabina Sesselmann stellt sich rückblickend und vorausschauend als waschechter Überraschungs-Coup heraus. Derartige Versuche sollte es ja immer wieder geben, und im weniger gelungenen Ausmaß können hier sicherlich Adrian Hoven und Marisa Mell, aber auch Heinz Drache und Ina Duscha genannt werden, deren Darbietungen aus verschiedenen Gründen leider nur schleppend funktionieren wollten, beziehungsweise konnten.

Zu den ganz großen Ausfällen kam es glücklicherweise bislang noch nicht, zu groß war die Orientierung an der jeweiligen Masse, und das Phänomen der kompletten Umkehr, oder besser gesagt Abkehr von gewohnten Elementen, sollte erst später Einkehr finden. Bei der intensiven Betrachtung stellt sich unterm Strich nun tatsächlich die Frage, ob man l'amour im Allgemeinen denn eigentlich wirklich toujours als festen Bestandteil in Krimis benötigt, oder ob sogar Vorteile auftauchten, falls man diese Komponente komplett streichen würde? Sicherlich käme ein härterer, steriler, oder gar ein wesentlich realistischer Charakter dabei heraus, aber schließlich griff man gerne auf diverse Ausgleichsmöglichkeiten zurück. Hier ist beispielsweise der immer wieder auftauchende, und teilweise sehr dick aufgetragene Humor zu erwähnen, der im Vergleich zur schönsten Sache der Welt sicherlich häufiger eine Läuterung verdient gehabt hätte. Im Endeffekt entsteht der Charme aber aus der Vielseitigkeit, der Bandbreite der Beiträge, sodass jede Spielerei irgendwie genug Rechtfertigung in sich selbst darstellt. Spannend bei der Edgar-Wallace-Reihe wird angesichts einer Zeit im Wandel definitiv der weitere Verlauf bei Liebe, Findung, Leidenschaft und Enttäuschung werden, auch neue Besen hinter und vor der Kamera werden dem Sprichwort nach ganz bestimmt gut kehren, aber ebenso auf Bewährungs- und Zerreißproben gestellt, die dem kritischen Auge des Zuschauers standhalten werden müssen. Als Zwischenfazit soll unterm Strich vielleicht einfach nur betont sein, dass sich das behandelte Thema in den Filmen besser macht, als ihm manchmal zugebilligt wird und funktionell wesentlich wichtiger ist, als zunächst angenommen. Im Endeffekt kommt es aber auf die Bearbeitung und die richtigen Leute an, um das Thema mit interessanten Impulsen auszustatten und dass es eben nicht nur akzeptiert, sondern vielmehr eingefordert wird.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

25.09.2016 13:55
#34 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten

"Die Tür mit den 7 Schlössern" (1962): Richard Martin und Sybil Lansdown

Auf der Suche nach einem bestimmten Wappen begegnet der neununddreißigjährige Heinz Drache als Inspektor Martin der fünfundzwanzigjährigen Sabina Sesselmann als Bibliothekarin Sybil Lansdown zum ersten Mal. In den wenigen Minuten ihrer Unterhaltung kristallisieren sich bereits jene Facetten heraus, die charakteristisch für die beiden Darsteller sind. Der selbstbewusste Ermittler, dem es ein Genuss ist, andere mit seinen Aktionen und Kombinationen zu beeindrucken und die unzugängliche Schönheit, deren Handlungen den Wunsch nach Eigenständigkeit ohne männliche Protektion verraten. Mit einem süffisanten Lächeln nutzt der Polizeibeamte gleich den ersten dienstlichen Kontakt, um aus der sachlichen Auskunft eine private Verabredung herauszuholen. Die unverblümte Dreistigkeit seiner Anmache bringt die Frau nicht aus der Fassung, weil sie wegen ihres guten Aussehens sicher öfters von Männern angesprochen und eingeladen wurde. Sie wundert sich höchstens, dass selbst ein Beamter von Scotland Yard gleich zur Sache kommt - und das während der Ausübung einer Ermittlungsarbeit.



Sybil Lansdown äußert ihre Verwunderung über sein Verhalten, indem sie ihm mitteilt, dass sie sich einen Inspektor von Scotland Yard ganz anders vorgestellt hätte. Erst nachdem ihr der Anwalt Haveloc dringend geraten hat, dem Ermittler einen Drohbrief zu zeigen, gibt sie diesen an Richard Martin weiter. Dessen heftige Reaktion begründet sich auch auf dem Verlangen, über alle Schritte und Fakten, die Sybil betreffen, informiert zu sein. Er geht deshalb in seinem Diensteifer über das Berufliche hinaus, was die Frau verwundert zur Kenntnis nimmt. Ihre Gefangenschaft in Selford Manor, wo sie den Quälereien von Mrs. Cody und Dr. Staletti ausgesetzt ist, erschüttern ihr Selbstvertrauen und zeigen sie in fassungsloser Verzweiflung über die Grausamkeit, die mit der Gier nach einem großen Vermögen einhergeht. Die schmuddelige Atmosphäre ihrer Dachkammer und das ebenso widerliche Labor des angeblichen Arztes lassen sie auf baldige Rettung hoffen, die jedoch nicht zwangsläufig durch Inspektor Martin persönlich erfolgen muss. Auch Tom Cawler böte sich als Verbündeter an.

Abschließend kann man festhalten, dass das Ambiente, in dem sich die angebliche Liebesbeziehung zwischen Ermittler und Erbin abspielt, jenem in "Das Rätsel der roten Orchidee" ähnelt. Der Kriminalbeamte, der seine Nachforschungen im Umfeld einer selbständigen Frau durchführt, sich mit dieser verbal über Sinn und Erfolg seiner Methoden auseinandersetzt und ihr dabei mehr oder weniger halbherzig den Hof macht, um sich seiner Männlichkeit zu bestätigen. So werden sich nach dem Verlassen der Gruft und der Zuteilung des Schatzes an die Erbin auch die Wege von Miss Lansdown und Inspektor Martin trennen. Während sie sich den neuen Anforderungen stellen wird, werden Routine- und Ausnahmefälle den Alltag des Polizeibeamten bestimmen und seine Anwesenheit an anderen Orten und bei anderen Menschen erfordern. Er wird weiterhin nach Bestätigung suchen, sei es nun bei schönen Frauen oder schwierigen Kriminalfällen. Er braucht das Gefühl, unwiderstehlich und unbesiegbar zu sein - sowohl im Flirt, als auch in der Konfrontation mit den Verbrechern. Seine Treue gilt nicht einer Frau, sondern sich selbst. Eine Beziehung im klassischen Sinn ist deshalb von vornherein nicht vorgesehen.

2 von 5

Prisma Offline




Beiträge: 7.459

25.09.2016 15:02
#35 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten



DIE TÜR MIT DEN 7 SCHLÖSSERN

In Alfred Vohrers zweitem Wallace sieht man nach dem Ausreißmanöver des Vorgängerfilms wieder wesentlich typischeres Fahrwasser, wenn auch nicht unbedingt beim hier unter die Lupe genommenen Thema. Als Protagonisten der Inszenierung agieren Heinz Drache und Sabina Sesselmann, jeweils in ihrem zweiten Wallace-Film und es bleibt abzuwarten, inwiefern das Zwischenmenschliche reproduziert, oder bestenfalls neu erfunden werden kann. Schaut man auf den männlichen Part dieser Konstellation, so erscheint die klassische Findung so gut wie ausgeschlossen, da Drache nicht unbedingt berüchtigt für seinen Charme oder Fingerspitzengefühl beim schwachen Geschlecht gewesen ist. Gut, es kommt natürlich sehr stark auf das Diktat des Drehbuches und den zweiten Teil dieser neuen Kombination an, der mit Sabina Sesselmann vielleicht eher in spröder Erinnerung aus "Das Geheimnis der gelben Narzissen" geblieben ist, wenngleich sie an einer der interessantesten Variationen mitgearbeitet hat. Um es auf den Punkt zu bringen, Heinz Drache und Sabina Sesselmann kommen nicht ansatzweise in den Radius der Glaubwürdigkeit und man schaut auf recht gezwungene Strukturen, die den Zuschauer insgesamt eher kalt lassen. Hierfür ist in erster Linie Inspektor Martin verantwortlich, der es nicht schafft, wenigstens eine Ahnung von ehrlichem Interesse für die attraktive und darüber hinaus potentielle Frau an seiner Seite zu fabrizieren. Zu verbunden mit seinem Beruf und zu sehr interessiert an sich selbst, läuft Sybil Lansdown ihm zwar über den Weg und er richtet seinen Fokus auf die Millionenerbin in spe, aber letztlich laufen beide nur nebeneinander her, ohne dass das große Prickeln entstehen will. Der Verlauf sieht wenige gemeinsame Szenen vor, wenn sie aber stattfinden wirken diese recht prägnant und angesichts des Liebesthemas sogar bezeichnend. Schnell wird ersichtlich, dass Inspektor Martin diese Frau nicht auf Händen tragen wird und umgekehrt erweckt Sybil auch nicht den Eindruck, dass sie einen aussichtslosen Kraftakt veranstalten möchte.

Man könnte denken dass es ernüchternde Voraussetzungen im Rahmen des Titel-Themas sind, aber rückblickend gesehen kommt es der Inszenierung zugute, dass dieser obligatorische Inhalt eher stiefmütterlich abgehandelt wurde. Heinz Draches spröde Umgangsformen wirken zurückweisend, vielleicht sogar gut kalkuliert, da man unter diesen Umständen wenigstens behaupten könnte, selbst über das Schicksal entschieden zu haben. Eine Frau wie Sybil zieht naturgemäß interessierte Blicke der Männerwelt auf sich und es kann beruhigt davon ausgegangen werden, dass ihr die bessere Partie noch bevorsteht. Die sterile Atmosphäre zieht sich im Rahmen der Zwischenmenschlichkeit wie ein roter Faden durch den Verlauf und wie üblich wird das mutmaßliche Glück der Hauptpersonen durch Verbrecherhand bedroht. Geht man strikt nach seinem eigenen Gefühl, könnte hierbei gar nicht so viel zerstört werden, aber dennoch fiebert der Zuschauer natürlich mit den hier angebotenen Schablonen mit. Um es nicht falsch zu verstehen, Drache und Sesselmann machen ihre Sache isoliert gesehen recht ordentlich, versagen als mögliches Liebespaar aber auf ganzer Linie, was einfach an der empfundenen und gegenseitigen Interessenlosigkeit liegt. Zunächst sieht man ein erstes Treffen, aufgeladen mit ironischen Spitzen und kleineren Überraschungsmomenten für die jeweilige Gegenseite, doch Inspektor Martin überlässt ein nächstes Treffen niemand anderem als dem Zufall. Wie dieser es schließlich will, bekommt das potentielle Paar erneut die Möglichkeit, sich anzunähern, doch man sieht zu viel unmotiviertes Handeln seinerseits, und einen beinahe natürlichen Sicherheitsabstand ihrerseits. Die zum Klassiker des Films hochstilisierte Paternoster-Szene der beiden dokumentiert nichts anderes als den vorgefertigten Willen des Drehbuches, an Marschrichtungen der Vorgänger anzuknüpfen, aber man hat die Rechnung ganz offensichtlich ohne Inspektor Martin gemacht.

Was sich wie Kritik anhört, kann auch als logischer Bruch in einer Serie interpretiert werden, die beim Thema Zuneigung der Protagonisten bislang kaum variiert wurde. Unter den Gegebenheiten in "Die Tür mit den sieben Schlössern" ist es allerdings der neu aufkommende Vergleich, der belegt, dass die Liebes-Thematik gar kein so unwichtiges Element für die Verläufe ist, man sie folglich bei Misslingen oder Aussparen sogar vermissen könnte. Unbequeme Gegner machen den Hauptpersonen auch hier das Leben schwer und in diesem Zusammenhang ist ein besonderes Paar zu nennen, für welches Liebe oder Zuneigung offensichtlich unbekannte Vokabeln darstellen. Gisela Uhlen und Werner Peters präsentieren sich als Ehepaar Cody in überragender Schauspiellaune und es scheint, als wollten sie jeglichen Anflug von Glück der anderen im Keim ersticken. Hinzu kommt die Rolle von Jan Hendriks, dem man es eher abnehmen möchte, dass er sich zu Sybil Lansdown hingezogen fühlt, weil er sich situationsbedingt einfach mehr ins Zeug legt und dementsprechend den größeren Gefahren ausgesetzt ist. Fairerweise muss man betonen, dass es sich hier auch nur um ein imaginäres Szenario handelt, welches man als Zuschauer aber eher, beziehungsweise lieber in Betracht zieht, als eine gemeinsame Zukunft mit einem emotionsstarren Heinz Drache. Insgesamt gesehen gibt es daher wenige Lichtblicke in amourösen Belangen, was nach zehn Filmen aber als gelungene Abwechslung angesehen werden darf. Als Fazit kann beim gezielten Blick auf Heinz Drache wohl erwähnt werden, dass er im cineastischen Sinne nicht wie ein Experte in Liebesdingen wirkt und es ihm offenbar lieber war, angebetet zu werden, als andere anzubeten. Bei Sabina Sesselmann neigt man sogar scherzhaft dazu, die im Film gesuchten sieben Schlüssel kurzerhand zu verdoppeln, da man genau die gleiche Menge für ihren imaginären Keuschheitsgürtel hätte finden müssen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.342

08.01.2017 20:52
#36 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten

"Das Gasthaus an der Themse" (1962): Inspektor Wade und Leila Smith

Im "Mekka", der von zwielichtigen Gästen besuchten Schenke an der Themse, treffen sich der fünfunddreißigjährige Joachim Fuchsberger und die siebenundzwanzigjährige Brigitte Grothum zum ersten Mal. In Ausübung seiner Arbeit bei der Wasserpolizei sucht Inspektor Wade nach Schmugglern, Hehlern und Dieben; sein neuester Fall jedoch betrifft mehrere ungeklärte Morde durch ein Phantom namens "Hai". Leila Smith ist die minderjährige Nichte von Nelly Oaks, der das Gasthaus gehört. Das Mädchen bedient die Gäste, wäscht Gläser und kümmert sich um die Vorräte im Weinkeller. Der raue Umgangston, der im Lokal herrscht und das dominante Wesen ihrer Tante haben Leila eingeschüchtert. So wundert es nicht, dass sie zunächst wenig Vertrauen zu dem jungen Polizeibeamten hat, der sie um ihre Hilfe bittet. Ohne einen Verbündeten an ihrer Seite, muss sie sich an das halten, was Nelly Oaks erzählt, obwohl sie insgeheim spürt, dass ihre Tante es nicht unbedingt gut mit ihr meint. Inspektor Wade ist der erste Mensch, der sich für ihre Meinung interessiert. Bisher blieb ihr nur der lose Kontakt mit ihrem väterlichen Freund Kapitän Brown, der vom einundfünfzigjährigen Heinz Engelmann gespielt wird. Dieser nutzt ihre Schwärmerei jedoch für finstere Zukunftspläne aus.



Wade, den Mrs. Oaks zunächst spöttisch mit "Onkel Inspektor" tituliert, unterscheidet sich von den anderen Männern im Umfeld des "Mekka" durch seine Redlichkeit und die guten Absichten. Er weiß, dass Leila in Gefahr ist, muss jedoch die Grenzen akzeptieren, die den Verbleib des Mädchens bei seiner Erziehungsberechtigten festlegen. Seine Sorge um die junge Frau wächst, als er erfährt, dass es sich bei ihr um die Erbin der Lords of Pattison handelt. Die Verkörperung von Inspektor Wade durch den sympathischen Joachim Fuchsberger verhindert, dass der Verdacht aufkeimt, er könne es wie die Gegenseite nur auf das Millionenerbe der Waise abgesehen haben. Er hätte ihr ebenso geholfen und sie beschützt, wenn sie die Tochter des Hausmeisterehepaars gewesen wäre. Die Zuneigung des Mädchens erwächst aus dem Vertrauen, das sie in den Polizisten setzt, muss aber nicht zwangsläufig über eine herzliche Freundschaft hinausgehen. Leila kennt die Liebe nicht, da sie zeitlebens herumgeschubst wurde und man sie herablassend behandelte; der gutaussehende, wohlmeinende Mann kann ihr Herz deshalb leicht gewinnen. Die Tatsache, bei ihrer Volljährigkeit über ein immenses Vermögen verfügen zu können, wird Pflichten und Aufgaben mit sich bringen, die Leila vor große Herausforderungen stellen werden. Der Verlust ihrer Naivität und unbekümmerten Fröhlichkeit und die Wandlung vom Mädchen zur Frau wird eine schwere Probe für die Freundschaft zwischen Inspektor Wade und seiner lieben Leila. Behutsamkeit und Verständnis sind hier wichtige Pfeiler.

Brigitte Grothum meistert ihre Rolle als achtzehnjähriges Mädchen sehr überzeugend, da es ihr gelingt, ihre Natürlichkeit noch mehr als sonst in den Vordergrund zu stellen und einen Beschützerinstinkt im Publikum zu wecken. Ihre Niedlichkeit wird durch mehrere Szenen unterstrichen; sei es, dass sie ihre "Babydolls" auf der Wäscheleine aufhängt oder ihre Haare zu Zöpfen geflochten hat. Die Harmonie zwischen den Hauptdarstellern stimmt - beruflich und privat - und das spürt der Zuschauer in jeder Szene. Das Paar lässt sich nicht von persönlichen Eitelkeiten oder Geltungsdrang leiten, sondern zeigt echte Anteilnahme am Schicksal des anderen. So muss der Polizeibeamte zwar einen Erfolg in der Jagd nach dem Juwelenräuber und Mörder vorlegen, vernachlässigt aber nie seine Sorge um Leila. Ihm geht es nicht in erster Linie um die Wiederbeschaffung des Diebesguts - während Sir John begehrlich auf ein wertvolles Schmuckstück schaut - sondern um das Verhindern weiterer Morde. Inwiefern das beherzte Einstehen für die junge Freundin in eine heiratsfähige Liebe umschlagen wird, liegt im persönlichen Ermessen des Zusehers. Anbetracht der Jugend der unerwartet gesellschaftlich aufgestiegenen Frau, resümiere ich eine herzliche Freundschaft, bei der Geduld und gemeinsame Interessen den Ausschlag geben werden. Das klassische Liebespaar ist langsam auf dem Rückzug, wie die weiteren Filme bestätigen werden und sucht nach einer neuen Ausdrucksform, die nicht weniger reizvoll für das Publikum ist und ihm neben dem Mörderrätsel auch eine andere Möglichkeit zum Kombinieren gibt.

Fazit: 3,5 von 5

Prisma Offline




Beiträge: 7.459

08.01.2017 21:14
#37 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten



DAS GASTHAUS AN DER THEMSE

Betrachtet man die bundesdeutschen Besucherzahlen aller Edgar-Wallace-Filme, so lieferte Alfred Vohrer mit "Das Gasthaus an der Themse" den zahlenmäßig erfolgreichsten Film mit etwa 3.600.000 Zuschauern ab. Falls diese Geschichte im Sinne des hier behandelten Themas also geglückt ist, stellen Brigitte Grothum und Joachim Fuchsberger schon einmal eines der bekanntesten Wallace-Paare der Reihe dar, allerdings muss hierbei auch betont werden, dass sich insbesondere eine andere Konstellation in vielen Köpfen etablieren konnte. Nach mehr oder weniger komplett selbstständigen Frauenfiguren, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen und durch Launen des Schicksals unfreiwillig in Bedrohung, Verbrechen und Mord verwickelt wurden, bekommt man hier erneut eine Variation angeboten, die zusätzliche Ansatzpunkte zeigt. Variiert wurde nicht in dem Sinne, dass die Findung unter anderen Voraussetzungen stattfindet, oder dass die Beteiligten wie in den meisten Fällen direkt von Amor höchstpersönlich getroffen wurden, sondern den merklichen Unterschied liefert hier Brigitte Grothum, die in Unterdrückung durch ihre dominante Tante und unbezahlter Arbeit in einem zweifelhaften Gasthaus steht. Leila wird trotz der Tatsache, dass sie im "Mekka" mit allerlei lichtscheuem Gesindel, sowie mit Hehlern und Kriminellen konfrontiert ist, als vollkommen unschuldig wirkendes Geschöpf in die Handlung integriert, was naturgemäß den Beschützer-Instinkt eines jeden Ermittlers wecken würde. Joachim Fuchsberger als Inspektor Wade kommt genau in diese Lage und die Rahmenbedingungen lassen seinen anfänglichen Impuls, dass sich unbedingt etwas ändern müsste, Gestalt annehmen. Dem Empfinden nach handelt es sich dieses Mal vielleicht nicht um die berüchtigte Liebe auf den ersten Blick, denn es ist deutlich zu erkennen, dass sich diese Konstellation und die damit verbundenen Emotionen erst formen müssen.

Vielleicht basiert dieser Eindruck auch auf Joachim Fuchsbergers Alter, denn Leila wirkt so viel jünger als er, was in den Dialogen auch noch häufig Erwähnung findet. Zwar relativiert sich dies wieder durch den an ihr interessierten Nebenbuhler Mr. Brown, alias Heinz Engelmann, der etwa 25 Jahre mehr Erfahrungswerte zu bieten hat, als sein - in dieser Beziehung - naiv wirkendes Objekt der Begierde, aber vollends will die angebotene Allianz hier nicht zünden, obwohl Zusammenspiel und Chemie stimmen. Vielleicht kommt hier das unbestimmte Gefühl auf, dass es die ungleichen Voraussetzungen sind, die diese potentielle Beziehung nicht uneingeschränkt in Glanz und Gloria strahlen lassen würden, wie es der Zuschauer in der Serie schon so oft gewöhnt war. Eher neigt man dazu, gedanklich einen Schritt weiter zu gehen, wenn der "Hai" zur Strecke gebracht und die Findung abgeschlossen ist. Die Erfahrung des Mannes lässt im Gegensatz zur Unerfahrenheit der Frau ein sich unterschwellig zeigendes Ungleichgewicht aufkommen. Verstärkt wird das alles durch die temperamentvolle und vehemente Art Joachim Fuchsbergers, der unter dem Nimbus, dass er es ja schließlich nur gut mit seiner Angebeteten meine, häufig über das Ziel hinaus schießt und wenig Feingefühl anbietet. Die beruflichen Ambitionen stehen wie im Vorgängerfilm eher im Vordergrund, wobei Vohrer wieder mehr auf eine klassische Abhandlung des amourösen Nebenthemas setzte. Wie so häufig wird die Liebe durch andere Personen des Szenarios bedroht, es tauchen dabei die unterschiedlichsten Gründe für das Unterwandern dieser Konstellation auf. Leilas halbseidene Tante Nelly Oaks sieht beispielsweise ihre Geschäfte in Gefahr, wenn permanent ein Polizist um sie herumschleicht, was sich darüber hinaus auch gegen ihre Ganovenehre richtet. Viele Dialoge lassen den Eindruck entstehen, dass auch Mrs. Oaks eine Vergangenheit im romantischen Sinne vorzuweisen hat.

Dies ist in Gesprächen zwischen ihr und Captain Brown herauszufiltern, die offenkundig »von einst im Mai« sind. Nun ist der Mann in den besten Jahren eher an dem jüngeren, attraktiven Modell interessiert. Leila vergöttert ihn bedingungslos wie einen Vater, der mit ihr wiederum andere Gedanken hegt. Im Sinne des Themas wird die Gefahr, dass die beiden Protagonisten sich nicht finden werden, um ein Vielfaches gesteigert, da der Zuschauer die arme, unschuldige Leila nicht in den Händen eines einschlägig bekannten Hehlers sehen will. Inspektor Wade selbstverständlich auch nicht. Wenn sich der Verlauf zuspitzt, wird es naturgemäß auch der Haupttäter der Story sein, der die junge Frau nötigt, denn schließlich hatten die meisten dieser Spezies ihre eigenen Pläne mit den weiblichen Protagonisten, ob aus finanziellen, oder alternativen Gründen. Joachim Fuchsberger und Brigitte Grothum bilden letztlich ein Paar, welches zunächst in optischer Hinsicht und Fragen der Interaktion überzeugen kann und dies auch tut, schließlich sollte man auf diese Konstellation noch ein weiteres Mal zurückgreifen. Dass sich hier ein paar kleinere Ungereimtheiten offenbaren, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der interessierte Zuschauer mit den beiden mitfiebert und die weniger subtil angelegten Signale dennoch als passend, wenn nicht sogar angenehm erfrischend empfindet. Dies liegt nicht nur an der eingängigen Kopplung zwischen Routine und Variation, die von Joachim Fuchsberger ausgeht, sondern auch an der sympathisch und vor allem glaubhaft wirkenden Darbietung von Brigitte Grothum, die in "Das Gasthaus an der Themse" eine gelungene Wallace-Fortsetzung feiern konnte. Letztlich bekommt der Zuschauer in Alfred Vohrers drittem Beitrag zur Reihe wesentlich mehr Angenehmes auf der Habenseite geboten, sodass gewisse Kleinigkeiten, die in einigen Vorgängern runder gelöst wurden, im Endeffekt nicht schwer ins Gewicht fallen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 317

09.01.2017 18:52
#38 RE: L'amour toujours bei Wallace Zitat · antworten

Ich glaube eher das da sehr viel "Kopfkino" des jeweiligen Betrachters bei ist.Damals durften quasi drei "Sachen" nicht fehlen ....der Auftritt mit Gesang in einer Bar ,der humorvolle Witzbold und natürlich die bedrohte Schönheit mit Retter.Im laufe der jahre ( ok..der Gesang war damals schon ätzend )fand ich diese Versatzstücke oft sehr überflüssig.Später war man für jeden Film dankbar der von diesem Muster keinen oder nur wenig gebrauch machte ( zB. der Henker von London )Würde mich mal interessieren wie der "Hauptleidtragende" J. Fuchsberger darüber gedacht hat ?Ob ihm das nicht in jedem Film wiederkehrende Muster ( egal in welcher Variation ) nicht auf den Nerv ging ?

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