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  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Meine Wertungen sind raus.

  • L'amour toujours bei WallaceDatum15.04.2018 20:15
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    "Der Fluch der gelben Schlange" (1962/63): Clifford Lynn und Joan Bray

    Die Verbindung zwischen dem fünfunddreißigjährigen Joachim Fuchsberger und der siebenundzwanzigjährigen Brigitte Grothum ist arrangiert. Der Erbe eines großen Vermögens kommt im Auftrag seines Stiefvaters nach London, um die Tochter von dessen Vetter zu ehelichen. Die zweiunddreißigjährige Doris Kirchner denkt jedoch nicht daran, eine Heirat mit einem Fremden einzugehen, nur weil sie ihren Vater vor dem finanziellen Ruin rettet. Der neununddreißigjährige Pinkas Braun umwirbt Brigitte Grothum aus taktischen Gründen: er sieht in ihr ein Druckmittel, um ihren Onkel zu erpressen.



    Bei so einer Ausgangssituation scheint es zunächst fraglich, ob der Film mit einem Liebespaar aufwarten können wird. Die Zwietracht innerhalb der Familien, die zudem alle kein klassisches Modell repräsentieren (so fehlt z.B. die Mutter in jedem der drei Fälle), schwelt schon länger und während Mabel Narth die Rolle der Hausvorsteherin übernommen hat und mit ihrem Vater Stephen im Duktus einer Ehefrau spricht, ist ihre Cousine Joan noch ein Backfisch, der keine Fehler machen und ihren Onkel, der sie nach dem Tod der Mutter aufgenommen hat, zufriedenstellen will. Während Joan also leicht formbar zu sein scheint, leistet Mabel mehr Widerstand gegen die Pläne ihres Vaters. Dieser gibt ihr unmissverständlich zu verstehen, dass sie keine achtzehn mehr wäre und somit ihre Chancen auf eine Heirat ohnehin rückläufig seien. Ihre Eigenständigkeit und mangelnde Anpassungsfähigkeit (Stephen Narth bezeichnet sie als Arroganz) würden ihre Aussicht auf eine Ehe ohnehin schmälern. Im Schatten der jungen, aber nicht ganz so naiven Joan, wirkt die kühle und unnahbare Mabel geheimnisvoll, weil man wenig über sie erfährt. Zwischen den Zeilen hört man Verbitterung heraus; eine Unzufriedenheit, die mit der bevorstehenden Heirat ihrer Cousine zunimmt. Sie, die kluge und realitätsbewusste Frau wird abgelehnt - wegen einer jüngeren und unerfahreneren. Mabels Tod aufgrund einer Verwechslung ist deshalb im doppelten Sinn tragisch. Sie stirbt im Brautkleid der Konkurrentin, unbeweint und einsam.

    Joan Bray findet den unrasierten und ungezwungen auftretenden Clifford Lynn gleich sympathisch und er mag die junge Frau ebenso, weil sie unverdorben und frei von Hintergedanken ist. In seinem näheren Umfeld ist er psychisch und physisch von Schlangen umgeben, von denen eine unheilvolle Wirkung ausgeht. Kein Wunder, dass er sich bei Joan mental von jenen Sorgen erholen und frei heraus reden kann. Was zunächst wie eine gleichgültige Erfüllung des Wunsches seines Stiefvaters aussieht, wird Cliff zunehmend zur Herzensangelegenheit. Der Sinneswandel vollzieht sich auf natürliche und unkomplizierte Weise, eine Charaktereigenschaft, die der Schauspieler Fuchsberger so überzeugend verkörpert. Bei ihm fühlt sich fast jede Frau gut aufgehoben, weil er sie mit einer Mischung aus Respekt, freundlicher Heiterkeit und ehrlicher Anteilnahme behandelt. Im Gegensatz zu ihm achtet der stets reserviert wirkende Pinkas Braun sehr auf Formen, lässt es im Umgang aber an menschlicher Wärme missen. Seine Handlungen entspringen eiskalter Planung, die bei unerwarteten Zwischenfällen in grausame Rache umschlagen. Sein Symbol, der Dolch mit der Nachbildung der "freudigen Hände", trifft in der Bibliothek ausgerechnet das Buch "China und die Liebe". Seine Herkunft grenzt ihn sowohl von der väterlichen, als auch von der mütterlichen Seite ab, obwohl er sich dem asiatischen Hintergrund mehr verpflichtet fühlt. Durch die Wiederherstellung der alten kaiserlichen Ordnung will er sich selbst über andere erheben und sie regieren.

    Fazit: 4 von 5

  • Grand PrixDatum15.04.2018 14:38
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich muss sagen, dass 2018 ein recht durchwachsener Jahrgang ist. Neben kuriosen Beiträgen, bei denen man sich fragt, was der Künstler aussagen will, vielen bärtigen Männern und exzessiv angemalten Frauen gibt es wenige Rosinen, die man aus dem Kuchen picken kann. Dennoch sind ein paar sehr starke Beiträge dabei und wenn man die Wettquoten einmal außer Acht lässt - die ausgerechnet den überdrehtesten Israel-Beitrag der letzten Jahre goutieren - kann man einem Wettbewerb entgegen sehen, der Abwechslung genug bietet.

    Meine TOP 12:

    1. Estland
    2. Frankreich
    3. Belgien
    4. Weißrussland
    5. Montenegro
    6. Litauen
    7. Irland
    8. Aserbaidschan
    9. Rumänien
    10. Lettland
    11. Island
    12. Tschechien
    Ich bin hin und weg von Elena Nechayeva und ihrem Operngesang, der eleganten Performance und dem perfekten Staging. Die Franzosen haben endlich wieder einen starken Beitrag und Sennek wünsche ich, dass ihre Nerven nicht wie jene von Blanche flattern.

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum15.04.2018 13:50
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Tödliches Blau"
    mit: O.E. Hasse, Willy Semmelrogge, Evelyn Opela, Friedrich Schoenfelder, Rainer Rudolph | Drehbuch: Alfred Weidenmann nach einer Geschichte von Jack Sharkey | Regie: Alfred Weidenmann

    Lord Sherwood hat eine weitaus jüngere Frau geheiratet, deren Ausritte mit ihrem Freund er heimlich beobachtet. Aus gekränktem Stolz beschließt er, sie zu ermorden. Er weiß natürlich, dass bei einem Mordfall im kleinen Kreis der Ehemann als Hauptverdächtiger gilt. So überlegt er, wen er dazu bringen könnte, Lady Sherwood zu töten. Sein scharfer Blick fällt auf seinen treuen Diener, den er mit der Androhung, ihn zu entlassen, unter Druck setzt....

    O.E. Hasse als Schlossherr trägt die Episode mit seinen präzisen Überlegungen, die seiner verletzten Männerehre und dem Hang nach Rache entspringen. Wohlwissend, dass Anita und er eine platonische Lebensgemeinschaft führen würden, hat er die gutaussehende Frau geheiratet, um seinem Anwesen neuen Glanz zu verleihen und sich mit ihrem Charisma und ihrer Vitalität zu schmücken. Während der greise Gatte den jungen Leuten nachstellt, entlarvt er seinen Egoismus und ein Misstrauen, das gleich mehreren Menschen zum Verhängnis werden wird. Als Patriarch der alten Schule nutzt er die Abhängigkeit aus, in der sein Umfeld zu ihm steht und berechnet eiskalt den Radius, in dem er sich bewegen darf, ohne Verdacht zu erregen. Das Vertrauen in seine Angestellten resultiert aus deren jahrzehntelanger Pflichterfüllung und dem Wissen, dass sie in ihrem Alter kaum eine adäquate Stellung finden würden. Erneut spielt Lord Sherwood die Karte der Loyalität aus, die er von seiner Umgebung erwartet, geht diesmal jedoch ein nicht zu kalkulierendes Risiko ein. Hasse, dessen Autorität sich mit den Jahren zu unerbittlicher Härte versteifte und dessen Worte keinen Widerspruch dulden, verleiht dem knorrigen Adeligen ein Flair der spleenigen Grausamkeit.

    Die Farbe Blau wird in der Literatur gern mit Unglück und Tod in Verbindung gebracht, man denke nur an bekannte Spukhäuser, in denen sich die Geistererscheinungen im blauen Salon bzw. Schlafzimmer in besonderer Intensität zeigen. Agatha Christie hat in ihrer Erzählung "Die blaue Geranie" unheimliche Spannung erzeugt, indem Blumen an der Tapete sich plötzlich blau verfärbten. Im Lebensmittelbereich hat Blau die Bedeutung von Gift, in der Charaktertypisierung von Menschen steht die Farbe für Perfektionismus, analytisches Denken und ein unzugängliches, überkritisches Wesen. Evelyn Opela bewegt sich in Haus und Natur mit einer ungezwungenen Heiterkeit, sie ahnt nichts von den destruktiven Plänen ihres Mannes. Ihre Fröhlichkeit und der angenehme Umgang mit ihren Partnern lassen die Verschwörung, die im Hintergrund abläuft, umso bösartiger erscheinen, weil sie das Klima vergiftet und Rückschritten das Wort redet, während Lady Sherwood für Erneuerung steht. Das Schloss bildet dabei den stilvollen Rahmen für die Handlung und erweist sich als großes Plus. Während Anita Sherwood an Kornblumen denkt, streift ihr Gatte durch braunes Herbstlaub und tritt mit seinen schweren Stiefeln auf Zeugen der Fäulnis. Das Ambiente unterstützt die Story nach Kräften und bügelt die eine oder andere Unglaubwürdigkeit aus.

    Ein Mordkomplott hinter hohen Schlossmauern mit einem dominant aufspielenden O.E. Hasse, dem seine Rolle teuflischen Spaß bereitet, erfreut auch den Zuseher, der das Potential eines ausführlicheren Fernsehspiels im Stil von "Das Geheimnis von Lismore Castle" erkennt. Gerne hätte man der Geschichte mehrere Kapitel zugebilligt; Darsteller, Drehorte und Plot bieten sich förmlich für eine längere Laufzeit an. 4,5 von 5 Punkten

  • SWR-Mitschnittdienst wird eingestelltDatum09.04.2018 13:26
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ein Archiv muss doch auch gepflegt werden und es fallen Instandhaltungskosten an. Wäre es da nicht wirtschaftlich angebrachter, das Geld der - zugegebenermaßen wenigen - Kopieranfragen zu nutzen, um diese Spesen zu decken? Ansonsten kann man die vorhandenen Bänder gleich vernichten, um Stauraum und Klimatisierung etc. zu sparen. Aber wer weiß? Vielleicht werden alte Serien und Filme nun auch klammheimlich aussortiert.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum08.04.2018 19:30
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    @Uli1972: Nimm bitte Schwarzsehers pessimistischen Kommentar (nomen est omen) nicht allzu ernst. Es ist bei weitem noch nicht alles gesagt worden, auch nicht zu den Edgar-Wallace-Filmen. Es ist wünschenswert, wenn neue Mitglieder zur alteingesessenen Forumsgemeinde stoßen und auch neue Impulse mitbringen. Warum sollte nicht nach der Logik gefragt werden? Ist das nicht angebracht unter Erwachsenen? Wollen wir alles verklären, unkritisch sein bis zur Verleugnung kontroverser Denkweisen? Solche Mitglieder hatten wir schon einmal hier, mit dem Ergebnis, dass jede kritische Anmerkung zu den enthusiastisch verehrten Filmen bzw. Schauspielern unterblieb, aus Angst, man könnte jemanden kränken oder seinen (in jenem Fall: ihren) Zorn herausfordern. Ein Forum lebt von der Diskussion und wir freuen uns über jeden Kommentar, der beweist, dass die Beschäftigung mit der Materie immer noch lohnenswert und ertragreich ist.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Nachdem ich am Nachmittag die Beantwortung der Rätselfrage vorgenommen habe, die nur auf den ersten Blick sonnenklar ist, habe ich gerade meine Wertung für die erste Runde abgegeben. Was die Cliffhanger anbelangt, muss gesagt werden, dass selbst etablierte Mehrteiler mitunter Schwierigkeiten haben, an der richtigen Stelle das Schnittmesser in die Tiefe sausen zu lassen, um die Spannung zu steigern.

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum08.04.2018 13:35
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Der zweite Napoleon"
    mit: Peer Schmidt, Wolfgang Wahl, Christiane Rücker, Rainer Basedow | Drehbuch: Alfred Weidenmann nach einer Erzählung von Robert Bloch | Regie: Alfred Weidenmann

    Napoléon Bonaparte fährt in Berlin mit dem Bus. Seine Siege über Russland und Österreich stärken ihm den Rücken, als er sich zu Charles de Talleyrand begibt, seinem Feind, der liquidiert werden muss, wenn der Kaiser der Franzosen siegreich bleiben will. In Wahrheit spielen sich Triumph und Untergang nur vor dem geistigen Auge Herrn Braumüllers ab, der seit geraumer Zeit beim Facharzt für Psychiatrie Dr. Gordon in Behandlung ist. Überall lauern imaginäre Feinde und im Gespräch gesteht Braumüller, dass er seine Gattin ermordet hat....

    Der Name Robert Bloch ist untrennbar mit seinem größten Erfolg verbunden: "Psycho". Seine gebrochenen Charaktere kommen auf Papier bei weitem nicht so geschmeidig daher wie ein Anthony Perkins auf der Leinwand und sicher gibt auch Peer Schmidt seiner Figur erhabenere Seiten als das literarische Vorbild bereithält. Wer im Publikum nicht ein ausgesprochenes Faible für den kleinen Korsen hegt, wird sich rasch langweilen, obwohl dies wirklich nicht am engagierten Spiel Schmidts liegt. Selbst Wolfgang Wahl sinkt müde in seinen Stuhl zurück und verzieht keine Miene, als sein Patient zum hundertsten Mal über die Intrigen spricht, die gegen ihn gesponnen werden und Austerlitz, St. Helena und Waterloo aufs Tapet bringt. Das graue Berlin vor dem Fenster liefert wenig Erbauliches und unterstützt die Routine, mit der Dr. Gordon seinem zahlenden Patienten zuhört, obwohl er ihn weder kurieren, noch irgendetwas tun kann, um ihm Linderung zu verschaffen. Die Zweifel über die Sinnhaftigkeit solcher Sitzungen wird einmal mehr bestätigt, weil der Patient nur die einseitige Möglichkeit erhält, sich erneut zu exponieren und im eigenen Wahn zu baden. Wieder und wieder wird er dadurch in seiner eigenen Einmaligkeit bestätigt und nutzt jede Minute, um andere für sein Scheitern verantwortlich zu machen.

    Peer Schmidt ist aufgrund seiner Körpergröße und Physiognomie überzeugend und liefert einen Schwall von Worten, die wie Pistolenkugeln durch sein Gegenüber gehen. Die Selbstüberhöhung des Usurpators, der "von seinem Glücke geblendet ist und nur sich selbst und sein persönliches Interesse kennt", wie die preußische Königin Luise 1808 in einem Brief vermerkte, erfasst Schmidt ganz und gar und drängt Wolfgang Wahl zunehmend in die Ecke, wo er wort- und anscheinend auch teilnahmslos verharrt. Christiane Rücker hält einstweilen im Vorzimmer die Stellung am Telefon und letztendlich ist sie es, die diesem Spuk ein Ende bereitet, indem sie Hilfe holt, wo ihr Chef versagt. Die Passivität, mit der sich der Psychiater berieseln lässt, stehen für das Versagen seiner Zunft, die desinteressiert merkwürdige, verzweifelte und ungehörige Erzählungen aus dem Leben ihrer Klientel anhört und dabei zum Abladeplatz oder wahlweise der Müllhalde der Emotionen wird. Die Klimax entlarvt das Prozedere im Sprechzimmer des Arztes als Farce. Unwillkürlich fragt sich der Zuschauer, welche Lehren er nun aus der Geschichte ziehen soll und es bleibt ihm nur die Erkenntnis, dass der Zugriff des Gesetzes oft zu spät kommt und nur mehr die Scherben eines Lebens zusammengekehrt werden können.

    Wer gern die wesentlichen Lebensstationen des Kaisers der Franzosen erfahren möchte, schlägt lieber in einem Geschichtsbuch nach. Wer jedoch kurzweilige Unterhaltung sucht, schaut sich die anderen drei Episoden der Reihe "Sanfter Schrecken" an. Peer Schmidts Größenwahn füllt zwar die zwanzig Minuten spielend, die Frage nach der Sinnhaftigkeit bleibt jedoch im Raum. Schade, dass der geschilderte Mord nicht genutzt wurde, um Suspense aufzubauen. 2,5 von 5 Punkten

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum02.04.2018 13:10
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Spezialität des Hauses"
    mit: Klaus Schwarzkopf, Detlev Eckstein, Ferdy Mayne u.a. | Drehbuch: Alfred Weidenmann nach einer Erzählung von Stanley Ellin | Regie: Alfred Weidenmann

    Der Geschäftsmann Laffler ist Junggeselle und sein einziges Vergnügen besteht für ihn darin, gut zu speisen. Eines Abends bleibt er wie so oft länger in der Firma und trifft beim Verlassen seines Büros auf seinen Angestellten Costain, einen ehrgeizigen jungen Mann, der an diesem Abend ebenfalls noch nichts vor hat. Laffler schlägt ihm vor, ihn zu Sbirro zu begleiten, einem befreundeten Restaurantbesitzer, der in seinem Gourmet-Tempel wahre Köstlichkeiten auftischt. Zu besonderen Gelegenheiten wird Lamm Ämirstan serviert, das zarteste Fleisch, das ein Gaumen je gekostet hat. Bald schon wird es Costain zur Gewohnheit, jeden Abend mit seinem Chef bei Sbirro einzukehren. Doch Lafflers sehnlichster Wunsch, einmal die Küche des Hauses betreten zu dürfen, wird stets abgelehnt. Vorerst jedenfalls....

    Die Besuche bei Sbirro sind wie das Eintauchen in eine Welt, in der die Zeit still steht. Das ausschließlich männliche Publikum bildet den Rahmen für die Genüsse, die in einer feierlichen Zeremonie von emsigen Dienern kredenzt werden. Für einige Stunden wird die Illusion einer friedlichen Oase aufrechterhalten, zu der die Beladenen und Sorgengeplagten ebenso pilgern wie die Einsamen der hektischen Welt draußen vor der Tür. Das geheimnisumwobene Restaurant ist ein Geheimtipp, den Laffler wie ein Vermächtnis an seinen Mitarbeiter weitergibt. Er teilt das Wissen um das versteckte Kleinod aus purem Eigensinn, weil er nach zehn Jahren, in denen er allabendlich allein am Tisch saß, einen Gesprächspartner sucht. In schwärmerischen Worten vermittelt er seinem jungen Gast die sublimen Momente, in denen Sbirros Gerichte seine Geschmacksknospen kitzeln und jede Art von Stimulanzien und Narkotika überflüssig machen. Der Vorgang des Essens wird zur Kunst erhoben und jeder Bissen mit dankbarer Bewunderung gewürdigt. Klaus Schwarzkopf ist freilich der richtige Mann für die Rolle des begeisterungsfähigen Einzelgängers, dessen feine Antennen jede Nuance eines kulturellen Genusses auskosten und der in der Lage ist, diesen in elegante Worte zu kleiden, die jedes Detail angemessen berücksichtigen.

    Zitat von DER SPIEGEL vom 21. März 1962
    "Die zehn "ruchlosen Geschichten" des 45jährigen amerikanischen Kriminalschriftstellers gehören jenem angelsächsischen Typus der Mystery-Story an, der seit Edgar Allan Poe mit dem Entsetzen des Lesers subtilen Spott treibt. Der prominente Mystery-Autor Ellin verwendet geschickt schwarzen Humor, um seine Grusel-Fabeln zu würzen - so bei der Enthüllung, wie ein exklusives Restaurant die "Spezialität des Hauses" gewinnt.... Übersetzer Arno Schmidt traf trotz eigensinniger Sprach-Usancen den hinterhältigen Plauderton des Originals."


    Detlev Eckstein, Schauspieler am Wiener Burgtheater, harmoniert aufs Angenehmste mit seinem älteren Kollegen und erweist sich als gelehriger Schüler in Sachen Essenskultur. Seine kultivierten Umgangsformen und die Offenheit für neue Erfahrungen weisen ihn als rechtmäßigen Nachfolger seines Vorgesetzten aus. Das Unbehagen, das den Zuseher schon sehr bald beschleicht, richtet sich gegen die heile Welt der Exklusion, die ihren Gästen keine Wahlmöglichkeit lässt und sie wie Marionetten an den unsichtbaren Fäden des geschmeidigen Sbirro baumeln lässt. Ferdy Mayne, der in Physiognomie und Auftreten einem Untoten aus Transsilvanien ähnelt und seine Gäste im Auge behält wie eine Spinne, die ein klebriges Netz webt, besticht durch eine Präsenz, die gleichzeitig einschüchternd und beruhigend wirkt. Die heiteren Momente am Tisch sind vergänglich wie das Leben selbst und im Seufzer des Gastgebers liegt Wehmut und die Erkenntnis, dass die Fassade der Schönheit jederzeit einstürzen kann und sich dahinter ein hässlicher, klaffender Spalt auftut, den das Schweigen und die Loyalität bisher kitten konnten. Kein Wunder, dass Alfred Hitchcock mit seinem Sinn für schwarzen Humor und das Makabre die 1948 veröffentlichte Kurzgeschichte von Ellin innerhalb seiner Fernsehreihe "Alfred Hitchcock presents" umsetzte. Sie entspricht seinem Credo, dass das Grauen im Kopf des Zuschauers stattfindet.

    Klaus Schwarzkopf entführt Detlev Eckstein und den Zuschauer in eine Welt von gestern, in der stilvolle lukullische Genüsse ein Bollwerk gegen die Vergänglichkeit des Lebens bilden und man in jedem Bissen die Sehnsucht nach Perfektion schmeckt. Während sich die Gewissheit einer unglaublichen Wahrheit nach und nach des Zusehers bemächtigt und ihn das Gefühl beschleicht, eine kalte Hand greife nach ihm, besticht das Fernsehspiel mit gelassener Anteilnahme an den Träumen eines Mannes, der nach der Höchstform der Zufriedenheit strebt. 5 von 5 Punkten

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum01.04.2018 20:40
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Am 15. Januar 1970 fand im Verlagshaus der Axel Springer GmbH in Berlin die fünfte Verleihung der "Goldenen Kamera" der Fernsehzeitschrift "HörZu" statt. Zu den Preisträgern des Jahrgangs 1969 zählte unter anderem Vicco von Bülow (Loriot). Während er seine Rede hielt, schwenkte die Kamera ins Publikum und zeigte für ein paar Sekunden das Ehepaar Paul Hubschmid und Eva Renzi, das im Gegensatz zu den anderen Gästen nicht über die Bemerkungen des wegen seiner Sendereihe "Cartoon" geehrten Feingeistes lachte. Besonders Eva Renzi betrachtete die Szene kritisch und legte den Kopf schief, ihr Mann machte ein sogenanntes "poker face". Das Paar hatte am 7. August 1967 in Las Vegas geheiratet.



    Die beiden Bilder stammen von der Jubiläums-DVD "Das Beste aus 46 Jahren - Die Goldene Kamera von Hörzu - Weltstars, TV-Helden, große Emotionen".

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum01.04.2018 14:42
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Der Tag der Hinrichtung"
    mit: Wolf Roth, Rudolf Platte, Johanna von Koczian, Uwe Friedrichsen, Karl Lange u.a. | Drehbuch: Alfred Weidenmann nach einer Erzählung von Henry Slezar | Regie: Alfred Weidenmann

    Staatsanwalt Curtelin kann zufrieden sein: Roger Calfan wurde wegen Mordes an seiner Frau zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Curtelins flammendes Plädoyer ließ die Geschworenen die Höchststrafe akzeptieren. Die Gratulation des Generalstaatsanwalts nimmt der ehrgeizige Mann mit Genugtuung entgegen. Da meldet sich am Tag vor der Vollstreckung des Urteils ein alter Mann bei Curtelin: er sei der wahre Mörder und wolle nicht, dass ein Unschuldiger an seiner Stelle stürbe....

    Das Dilemma des Staatsanwalts ist, dass er will, dass Calfan der Täter ist, weil er es bewiesen hat. Der Karrieremacher hält sein Hemd blütenweiß, seine Fassade tadellos und brachte seine stoisch unbeeindruckte innere Haltung zur Perfektion. Nur das Blitzen seiner Augen verrät seinen Genuss am Sieg über die Umstände, die öffentliche Meinung und die erbärmliche Kreatur im allgemeinen. Der strukturierte Ablauf einer Gerichtsverhandlung kommt seinem Bedürfnis nach Berechenbarkeit zugute; dem Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen und sich über das gemeine Volk zu erheben. Verfehlungen stören seine Ansicht von Disziplin und Zielstrebigkeit, sie sind lästige Flecken auf der Weste des Lebens und deuten auf einen schwachen, verachtenswerten Charakter hin. Der alte Mann stiehlt ihm seine Zeit, er stoppt Curtelins glorreiche Fahrt über die Chaussee des Erfolgs und zerrt Dinge ans Licht, die der Staatsanwalt als sinnfreies Geschwätz eines gesellschaftlich Gescheiterten abtut. Seinen Triumph will er sich unter keinen Umständen nehmen lassen, schon gar nicht von einem Mann, auf den er mit Abscheu und Unbehagen herabblickt. Wolf Roth, der der Arroganz stets seinen kühlen Blick zu leihen bereit ist und sich ungern auf andere einstellt, wirkt im Zusammenspiel mit dem fahrigen Rudolf Platte zunehmend nervöser und gereizter.

    Es scheint so, als habe der ungepflegte Mann mit dem flehenden Gesicht den Schlüssel zur Klärung der wahren Hintergründe des Mordfalls in der Hand und das passt dem Staatsanwalt ganz und gar nicht. Nach und nach beschleichen ihn Zweifel und verfolgen ihn bis ins Private, wo er von seiner eleganten Frau darin bestärkt wird, dass sie allein für seinen beruflichen Aufstieg verantwortlich ist. Er weiß, wie schnell er in der Pariser Gesellschaft erledigt ist, sollte sein Leumund durch einen Skandal befleckt werden. Johanna von Koczian zeigt einmal mehr die Rolle der kühlen Vertreterin des Bildungsbürgertums, die diskrete, aber nachdrückliche Anteilnahme an den Interessen von Politik, Wirtschaft und öffentlicher Meinung und deren Auswirkungen auf ihr persönliches Leben. Sie spiegelt sich im Erfolg ihres Gatten, den sie gefördert hat und hält ein Druckmittel in der Hinterhand, das ihn zu Dank und Loyalität verpflichtet. Das Verlieren der Contenance sind für sie erste Anzeichen, dass ihr Mann sich auf fragilem Boden bewegt und sie wird in dieser Ansicht letztendlich bestätigt werden. Unüberlegtes Handeln, der Verlust der Nerven und ein Überstrapazieren von Gefühlsregungen negativer Art führen bei Curtelin zum Scheitern und berauben ihn seiner rationalen Distanz zum Verhandlungsobjekt.

    Die Saat des Zweifels geht auf: Nicht nur Staatsanwalt Curtelin, sondern auch der Zuschauer fragt sich, ob hier wirklich ein irreversibler Justizirrtum vorliegt. Rudolf Plattes Spiel kippt gen Ende leider, der schmale Grad zwischen Beharrlichkeit und Renitenz wird überschritten, eine Eigenart, die Platte mehrfach in seiner Karriere überstrapazierte. Wolf Roths Spiel ist so akkurat wie seine Garderobe und besticht erneut durch seine Präzision. Die doppelte Tragik wird so nüchtern serviert wie die Kommentare der Kollegen Lange und Friedrichsen. 4 von 5 Punkten

  • Sanfter Schrecken (1977, TV)Datum25.03.2018 14:25



    "Sanfter Schrecken - Unheimliche Geschichten am Kamin" (Deutschland 1977)
    mit: O. E. Hasse, Klaus Schwarzkopf, Wolf Roth und Peer Schmidt | Drehbuch: Alfred Weidenmann nach Geschichten von Robert Bloch, Stanley Ellin, Jack Sharkey und Henry Slezar | Regie: Alfred Weidenmann

    Sherwood Castle wird von einem heftigen Gewitter heimgesucht. Wohl dem, der am wärmenden Kaminfeuer in einem der bequemen Ledersessel Platz nehmen und einen belebenden Weinbrand genießen kann. Während draußen die Blitze zucken und der Hausdiener Mühe hat, die sich aufplusternden Vorhänge in Zaum zu halten, wartet der Hausherr auf seine Gäste. Ein Herrenquartett zweifellos, so wie Tausende andere auch. Oder doch nicht? Nachdem sich endlich auch der Vierte im Bunde eingefunden hat, ergreift der Älteste das Wort und bestätigt das, was längst schon wie ein Hauch über der Runde liegt: Die distinguierten Herren der Gesellschaft sind tot. Sie liegen seit geraumer Zeit auf dem Friedhof und haben ihre Ruhestatt für die kurze Zeitspanne zwischen Abend und Morgen verlassen, um über die Umstände ihres Todes zu berichten. Melancholie liegt in bescheidenem Maße in der Luft, Bedauern und Wehmut versuchen sich ihren Weg zu bahnen, doch der resolute Schlossherr duldet weder Gefühlsduselei, noch Ablenkungen, welche die kostbare Zeit beschneiden könnten.



    Jeder der Anwesenden starb eines ungewöhnlichen Todes, das steht außer Zweifel und nun ist es an den Männern, ihr Schicksal mit Würde und Fassung zu tragen, während einer nach dem anderen erzählt. Die edlen Tropfen rinnen durch die Kehlen und wärmen von innen, das behagliche Feuer flackert im Kamin und alle lauschen betroffen, amüsiert oder schockiert den gefassten Worten des jeweiligen Erzählers. Die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen, sein Handeln zu entschuldigen oder eine Erklärung abzugeben, gibt es nicht. Das Geschehene kann nicht rückgängig gemacht werden; die abgeklärte Haltung des Hausherrn resultiert aus pragmatischer Selbstbeherrschung, schließlich sei der Weg von der Familiengruft zum weitläufigen Ansitz seiner Vorfahren nicht weit. Temperamentsausbrüche könne sich ein Toter nicht mehr erlauben, er muss sich mit den spärlichen Annehmlichkeiten einer standesgemäßen Grabstätte begnügen und sich in Bescheidenheit üben. Umso mehr erfreut es die Persönlichkeiten im Salon, für eine kurze Zeit der Reminiszenz ihren Namen, ihre Geschichte und ihr Leben zurückzubekommen und sei es auch nur, um die Anwesenden betroffen zu machen. Nacheinander sollen ihre Schicksale erzählt werden, die eines gemeinsam haben: das Element der Tragik und die Empfindung, dass das Ende vermieden werden hätte können, wenn die Betreffenden klüger, besonnener und weitsichtiger gehandelt hätten.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Heute melde ich mich endlich auch offiziell an. Bin schon gespannt, was sich Gubanov und Georg ausgedacht haben. Besonders interessant finde ich, dass wir diesmal nicht nur abstimmen, sondern auch unser Wissen überprüft wird, eine verlockende Kombination!

  • Das ohnmächtige Pferd (1975, TV)Datum20.03.2018 14:10
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Die TV-Umsetzung mit Eva Renzi, Paul Hubschmid und Christian Wolff aus dem Jahr 1975 reiht sich in die Serie prominent besetzter Bühnenaufführungen nach Francoise Sagans Komödie "Das ohnmächtige Pferd" (Le Cheval Evanou). So agierte beispielsweise Victor "Slim" de Kowa 1968 als Hauptdarsteller und Regisseur, während das Boulevard-Theater in Düsseldorf in der Spielsaison 1969/70 mit Hans Söhnker, Christine Wodetzky, Alfons Höckmann, Lore Schubert und Claudia Butenuth aufwartete. Die Rolle der Coralie (auch: Cora Lee) ist jedenfalls eine willkommene Gelegenheit für Eva Renzi für ein hintergründiges Verwirrspiel zu sorgen und gleich mehrfach bei den Männern abkassieren zu wollen: Hubert, Bertram und Henry bilden das Kleeblatt ihrer Gunst und sollen durch Heirat bezwungen werden. Vielen Dank @Prisma für die Vorstellung dieses Klassikers!

  • Bewertet TV: "Wie ein Blitz" (1970, 9)Datum18.03.2018 20:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Nachbetrachtungen zu "Wie ein Blitz"

    * Darsteller: INGMAR ZEISBERG, die "blonde Stimme" aus "Der Würger von Schloss Blackmoor", wird hier schwer geprüft und muss sich fragen, ob sich plötzlich die ganze Welt gegen sie verschworen hat oder es nur an dem teuflischen Wiener PETER ESCHBERG liegt, dessen Physiognomie bereits auf einen Opportunisten schließen lässt, der wenn nötig seine eigene Großmutter verkaufen würde. Sein Manierismus im Umgang mit seinem Vorgesetzten lässt auf eine nervöse Natur schließen. Das Paar ist sich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, wobei Zeisberg als Halbopfer die Sympathien des Publikums zufallen, weil sie sich vermutlich in blindem Vertrauen von Eschberg zu dem Mordplan überreden ließ. ALBERT LIEVEN, altersstarr und ungeduldig, wird erfreulicherweise nur in memoriam mit der zarten CHRISTINE KAUFMANN in Verbindung gebracht, Alters- und Temperamentsunterschiede wiegen doch schwer. PAUL HUBSCHMID als Bonvivant und Stütze auf Abruf ersehnt den Moment, in dem er in Jaguar und Motoryacht springen und Vollgas geben darf. HORST BOLLMANN mit verschmitztem Blick und scharfem Verstand soll aufgrund seiner Körpergröße nicht unterschätzt werden, ich fand ihn wesentlich überzeugender und tatkräftiger als seinen Kollegen in "Das Messer". EVA PFLUG spinnt ihr Image aus "Das Halstuch" weiter und gibt sich "mild in der Art, hart in der Tat", um ihrem verwöhnten Gatten KARL HEINZ VOSGERAU jeden Wunsch zu erfüllen. Die beiden scheinen sich gesucht und gefunden zu haben. GISELA TROWE ist von Katzenhaaren und Papageienfedern umgeben und der Zuseher hält unwillkürlich den Atem an, wenn Szenen in der Tierhandlung gezeigt werden. Die rothaarige Mimin passt als Werkzeug des großen Unbekannten gut ins Konzept, weil sie über ein geöltes Mundwerk und einen gerissenen Verstand verfügt. HERBERT TIEDE darf das Testament leider nicht dramatisch vor den beiden Rivalinnen öffnen und fungiert deshalb als Informant der Polizei. GRETE WURM hat im Haushalt Stewart vermutlich schon einige Szenen einer Ehe miterlebt und bekommt hoffentlich eine hübsche Abfindung, um sich davon zu erholen.

    * Drehbuch: Der Plot ist sehr traditionell, wartet aber durch die moderne Umsetzung mit Elementen auf, die für eine hohe Identifikation sorgen. Die dichte Atmosphäre lässt den Zuschauer in bisher unübertroffener Weise an den Gedanken, Zweifeln und Ängsten der Täter teilhaben und sorgt für Anspannung und Nervenkitzel.

    * Kamera: Für Intimität sorgt das Auge der Kamera diesmal in besonderem Maße. Großaufnahmen der Hauptpersonen lassen keinen Zweifel an ihren Emotionen und rücken jede noch so kleine Gefühlsregung plakativ in den Vordergrund. Als die Kamera später "von der Leine gelassen wird", weidet sie sich an der Landschaft und fängt die Weite, in der die Personen verloren und vogelfrei wirken, gekonnt ein.

    * Kostüme: Dela Duhm Fredrich kann sich in "Wie ein Blitz" nun auch farbtechnisch austoben. Wie ein Frühlingswind fegen die Kostüme von Eva Pflug durch die Szenerie, während Ingmar Zeisberg in actiontauglicher Kleidung mit Sportwagen rasen, von Yachten springen und Leichen identifizieren muss. Gelungen und zeitgemäß gefallen die Kreationen auch heute noch.

    * Szenenbild: Ein ganz großes Plus sind die Schauplätze, die gerade im Innenbereich Originalität und Stil aufweisen. Das alte Herrenhaus mit seinen weitläufigen Hallen, in denen die ungehörten Todesschreie von Generationen widerhallen, das urgemütliche Wohnzimmer der Stewarts und die luftigen Räume der Valesco drücken dem Dreiteiler einen authentischen Stempel auf.

    * Musik: Die eingängige Titelmelodie lässt Western-Atmosphäre aufkommen und verspricht Action und Esprit nach dem Motto "Sieh dich vor, damit du nicht unter die Räder kommst!"

    * Regie: Rolf von Sydow gelingt es in "Wie ein Blitz" besser als in "Das Messer", traditionelle Rätselelemente durchgängig spannend mit starker Personenführung zu verknüpfen. Er achtet mehr darauf, dass sich kein Charakter zurückzieht und somit alle gleich gefordert werden. Die Kombination aus Publikumserwartungen und dem Geist klassischer Durbridge-Themen funktioniert perfekt.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Vielen Dank @DanielL für diese Einschätzung! "Slim Callaghan greift ein" ist schon lange eine meiner liebsten Kurzkrimi-Reihen, weil Victor de Kowa den kanadischen Detektiv mit Attributen ausstattet, die Auge und Ohr verwöhnen. Wie sein bayerischer Kollege Franz Josef Wanninger besitzt Callaghan die Fähigkeit, sich punktgenau auf sein Gegenüber einzustellen, Nuancen herauszufiltern und für sich nutzbar zu machen. Je nach Situation gurrt er, zwitschert er, schmeichelt oder droht er und schnabuliert nach getaner Arbeit, wobei vor allem ein guter Tropfen essentiell ist. Man weiß nie so genau, ob er sich über sich selbst, seine Umgebung oder die Welt im Allgemeinen lustig macht oder ob die betonte Leichtigkeit nur Tarnung ist. Man lacht nicht über ihn, sondern mit ihm und verzeiht ihm seine selbstverliebte Attitüde mit großzügigem Schmunzeln. Hundertmal schon hat man sich gewünscht, man würde auch so wortgewandt und schlagfertig auf unfreundliche und unwahre Bemerkungen antworten können. Den Schalk im Nacken, die (Lach-)Träne im Knopfloch und den scharfen Blick eines Menschenkenners trägt Slim Callaghan stets mit sich und man bedauert es jedes Mal aufs Neue, dass der Mime nach nur acht Folgen das Handtuch warf.

  • Friedenspolka (1987, TV)Datum18.03.2018 12:40
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Vielen Dank @Prisma für die Vorstellung dieser Rarität! In gewohnt präziser Weise analysierst Du den Film einer Schauspielfavoritin, die Dich durch Attribute fesselt, die schwer in eine einzige Schublade passen und die in jedem ihrer Filme aufs Neue fasziniert. Die öffentliche Rede war Frauen seit der Antike vorenthalten; Griechen und Römer sahen darin Ungemach und versuchten das weibliche Geschlecht in überlieferten Schriften zu diffamieren. Allein die Stimmlage wäre ein Grund für Ärgernis, nur der wohlklingende tiefe Ton der Männer sei Ausdruck der Ratio. In ähnlicher Form präsentiert sich offensichtlich "Friedenspolka", wo zwei männliche Kontrahenten trotz unterschiedlichem kulturellen, sprachlichen und ideologischen Hintergrund ein Bündnis gegen die Einmischung der Frau schmieden; eine Verbrüderung gegen das Aufbegehren der eigentlichen Vermittlerin des Gesprächs. Eine Moderatorin sollte durch Fragen führen. Sie muss das Gespräch lenken, dafür sorgen, dass jede Seite ausgewogen zu Wort kommt und Eskalationen vermieden werden. Eva Renzi ließ sich ungern auf die Rolle der verbalen Platzanweiserin reduzieren. Sie war der Überzeugung, Unwahrheiten und Ungerechtigkeiten anprangern zu müssen, wenn sie ihren Weg kreuzten. Durch die plastische Darstellung der drei Positionen in diesem Fernsehspiel, macht Prisma auf diese vergessene Sternstunde der Gesprächskultur neugierig und unterstreicht das charakteristische Spiel der bekannten Schauspieler.

  • Grand PrixDatum17.03.2018 15:50
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich freue mich, dass Du wieder mit dem ESC-Zug unterwegs bist, nachdem der Lokomotivführer wegen der portugiesischen Umtriebe von 2017 desertiert ist. Wie es aussieht, werden wir die ESC-Berichterstattung in diesem Jahr allein stemmen müssen.

  • Siegfried Rauch ist gestorben Datum13.03.2018 13:50
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Im April 2018 erscheint ein neues Buch des Schauspielers. Wie mir der Verlagsvertreter gestern erzählte, waren in den kommenden Wochen mehrere Lesungen mit Siegfried Rauch geplant und nach dem überraschenden Tod des Stars muss nun umdisponiert werden.

    "Siegfried Rauch - Mein Leben - Unterhaltsame Geschichten des bekannten Schauspielers" (Lebensraum Verlag Bramberg) EAN 978-3-903034-90-7

  • Grenzfälle (1980, TV)Datum11.03.2018 14:15
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Eva Renzi als Anna Stein in "Grenzfälle - Die verbotene Pflicht"

    "Eva Renzi hat die Angriffslust und die funkelnden Augen einer unberechenbaren Pantherkatze. Immer zum Sprung bereit." Das "Hamburger Abendblatt" berichtet in seiner Ausgabe vom 30. Juni 1979 über das Projekt "Grenzfälle" und schildert unter dem Titel "Die schöne Eva tritt wieder ins Scheinwerferlicht", warum die Schauspielerin die Rolle der Anna angenommen hat. Die Produktion wurde von den (Sand-)Stürmen der Zeit fast völlig begraben und taucht in der Filmbiografie von Eva Renzi nicht auf. Dank meiner intensiven Recherche bin ich unter dem Verweis auf jüdische Literatur in Westfalen auf die von der Hamburger Sator Film produzierte Lehrstunde in Sachen DDR & Recht aufmerksam geworden. "Wenn's um ihr soziales Engagement, um Emanzipation, Umweltschutz oder Giftmüll geht, wettert sie, dass die Fetzen fliegen." Drei Jahre nach den kontroversen Diskussionen im "Blauen Palais" vertritt Eva Renzi als Journalistin Anna leidenschaftlich und dennoch sachlich argumentierend ihren Standpunkt. Man merkt sofort, dass ein Leben in der DDR für die freiheitsliebende, unangepasste Frau der absolute Alptraum wäre. Umso nachdrücklicher und glaubwürdiger ist ihr Einsatz für jene, die keine Wahl haben und sich täglich mit den Gegebenheiten in Honeckers "Arbeiter- und Bauernparadies" auseinandersetzen müssen. Erschöpft lässt sie sich nach ihrer Rückkehr aufs Sofa fallen, tauscht den Rock gegen eine Hose aus, entledigt sich des Jacketts und krempelt die Ärmel ihrer Bluse hoch.

    Bequem muss es sein, ein Glas Wein hilft gegen die trockene Kehle und das aufmerksame Ohr ihres Gegenübers Klaus Schwarzkopf lässt sie unumwunden loslegen. Das offene Gesicht mit den klaren, dunklen Augen blickt seinen Gesprächspartner fragend an; ein bitteres Lächeln umspielt für Sekundenbruchteile die entschlossenen Lippen und der Blick fällt ins Leere. Die Gedanken schweifen zurück zu dem gerade Erlebten, rekonstruieren Dialoge und Beobachtungen und analysieren parallel die Auswirkungen, die ihr Verhalten und vor allem jenes des Bruders auf die Zukunft haben wird. Immer wieder sucht die Kamera das schöne Gesicht der Berlinerin, zeigt Großaufnahmen ihrer Gefühls- und vor allem Gedankenregungen und macht sie zur Fürsprecherin ihres Bruders und Vertreterin der freien Welt. Die Rolle fordert sie und gibt ihr viel Raum, ihre Intellektualität unter Beweis zu stellen. Die Fassungslosigkeit über die Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit, mit der viele Bundesbürger ihrem Nachbarland begegnen, steht der Schauspielerin im Gesicht geschrieben. Halbherziges Übertünchen von Problemen (wie z.B. beim Besuch von Kanzler Helmut Schmidt in Güstrow, Mecklenburg am 13. Dezember 1981, als Häuserfassaden hastig frisch gestrichen wurden und die Besucher des Weihnachtsmarkts von der Stasi und Angehörigen des Militärs gestellt wurden) ist nicht ihre Sache. Eva Renzi bevorzugt Klartext. Der kultivierte Umgangston, den sie und Schwarzkopf pflegen, verhindert, dass die Tigerin in ihr geweckt wird, wie es in "Friedenspolka"(1987) der Fall sein wird, als Braun und Westphal sie provozieren.

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