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  • Das blaue Palais (1974-76, TV)Datum14.01.2018 20:45
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Das blaue Palais" - Folge 2 "Der Verräter" (Deutschland 1974)
    mit: Werner Rundshagen, Luomi Iacobesco, Silvano Tranquilli, Andras Fricsay, Dieter Laser, Peter Fricke, Herbert Steinmetz, Lyne Chardonnet, Georg Marischka, Tsai Lien Wang u.a. | Buch und Regie: Rainer Erler

    Dr. Klöpfer arbeitet an einer Versuchsreihe mit Laserstrahlen und fordert vom "Blauen Palais" nicht nur einen großen Teil des Forschungsetats, sondern verschanzt sich auch im Obergeschoss und zelebriert eine Geheimniskrämerei, die seine Kollegen misstrauisch macht. Als es in seinem Labor zu einer Explosion kommt und immer noch keine nennenswerten Ergebnisse vorliegen, weist Professor Palm seinen Mitarbeiter darauf hin, dass keine weiteren Gelder in das Projekt fließen werden. Daraufhin sucht sich Klöpfer private Unterstützer und ebnet sich damit den Weg in ein risikoreiches Unterfangen, aus dem er nicht mehr herauskommt....



    "Nur wirtschaftlich sinnvolle Methoden haben eine Chance auf dem Markt." Die Argumente Für oder Wider stehen immer im Raum, wenn über neue Forschungen abgestimmt wird, die nicht nur Zeit und Energie, sondern auch Unsummen von Geld benötigen. Erneut ist es ein Querkopf, der seine Ideen gegen alle Anfeindungen seiner skeptischen Umgebung durchsetzen will. Werner Rundshagen gibt dem Physiker ein kantiges Gesicht und stattet ihn mit Eigensinn, Renitenz und List aus. Wenn er in eine Dampfwolke gehüllt mit Herbert Steinmetz seine Versuche durchführt, schaut die Entschlossenheit aus seinem unruhigen Blick. Der Druck, unter allen Umständen erfolgreich zu sein, wird durch die Ablehnung seiner Kollegen noch befeuert. "In diesem Haus gab es noch nie Geheimversuche." Die Einwände aus den Reihen der "Palais"-Angestellten werden immer heftiger und steigern die anfangs eintönige Atmosphäre zum spannenden Kampf eines Einzelgängers gegen den Rest der Welt. Die peitschenden Argumente seines Kollegen Dieter Laser treiben die Handlung voran und lassen den Showdown im Innenhof des Gebäudes zu einem stimmigen Ereignis werden. Während der Schnee kontinuierlich und leise herabfällt, lauern Georg Marischka und sein Gehilfe am Eisentor. Der schwerfällige Österreicher mit der Bauernschläue verheißt nichts Gutes, da seine Aktionen eiskalt und berechnend ablaufen. Er fängt seine Opfer mit charmanten Komplimenten und real erscheinenden Versprechungen ein und überlässt die Schmutzarbeit seinen gekauften Gefolgsleuten. Wieder wird Luomi Iacobesco als Sibilla auf die Fährte des abtrünnigen Wissenschaftlers angesetzt und muss sich in der fremden Kultur ebenso behaupten, wie sie abwägen muss, ob sie dem freundlichen Herrn aus dem selben Sprachkreis vertrauen kann oder nicht.

    Das Potential der Wissenserweiterung stellt einen wichtigen Faktor der fünfteiligen Reihe dar, wird man doch in die "Aufgabe, der Natur ihre Geheimnisse zu entreißen" ebenso eingeweiht wie in die internen Querelen und Zweifel der Forscher, die unterschiedlich emotional in die einzelnen Fälle hineingezogen werden. Peter Fricke bleibt diesmal im Hintergrund, er ist der Beobachter und überlässt es seinem sanguinischen Kollegen Polazzo lautstark vor den Gefahren und Risiken der Stickstoffoxidation zu warnen. Der Weg führt wieder nach Asien, diesmal nach Hongkong, wo selbst ein architektonisch offen gestaltetes Gebäude zur Falle werden kann. Die subtile Bedrohung lässt den Bewegungsradius von Werner Rundshagen immer kleiner werden und macht ihn zum Gefangenen seiner eigenen Aufmüpfigkeit. Wo er Freiheit erwartete und offene Karten, präsentiert man ihm strikte Kontrolle und Einengung seiner Tätigkeit. Der Zuseher beobachtet ihn durch die Augen von Luomi Iacobesco, die dem Strudel der Ereignisse knapp entgehen kann, weil sie diesmal weniger aus menschlichen Gründen, denn aus wissenschaftlichen Motiven handelt. Die Überraschung spiegelt sich seltener auf ihrem Gesicht und sie nimmt viele Wendungen mit Fassung, während ein Lächeln ihre Lippen umspielt und sie über den Lauf der Dinge ironisch zu staunen scheint. Der abschließende Exkurs nach Alaska als Antwort auf alle Fragen wirkt hier fast schon philosophisch und unterstreicht den Fatalismus, der zu Beginn jeder Folge anklingt, gesprochen von Professor Palm. Zweifellos bleibt der Zuschauer erneut nachdenklich zurück, weil das Institut um einen klugen Kopf ärmer, dafür jedoch um eine kuriose Erfahrung reicher geworden ist.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum14.01.2018 20:33
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich habe die Episode bereits 2012 besprochen und sie mir aufgrund Prismas Bericht heute erneut angesehen. Wer über den wahren Sachverhalt informiert ist, beobachtet genauer und sieht in Krista Kellers Gesicht viele Hinweise, die bei der Erstsichtung ohne Verständnis bleiben. Man merkt das Lauernde, sieht den misstrauischen Blick und ihr zaghaftes Lächeln, das Unsicherheit kaschieren soll. Die Eifersucht der Verena Moldau auf die beliebte Schwester, die selbst nach acht Jahren Abwesenheit "kommt, sieht und siegt". Schwer wiegt die Bürde dieser Vor- und Verstellung; die Leere und das Feuer wechseln sich mit dem Figurentausch ab und zeichnen ein Bild, welches das Gemälde "Der Tod und das Mädchen" (direkt neben dem Regal mit den vergifteten Likörfläschchen) so diskret einläutete. Alfred Vohrer hinterlässt seine Visitenkarte.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Schloss Hohenstein" - Folge 2 "Die Intrige" (Deutschland 1992)
    mit: Sophie von Kessel, Mathieu Carrière, Albert Fortell, Gudrun Gabriel, Ruth Maria Kubitschek, Marita Marschall, Marina Berti, Claudio Gora, Tina Ruland, Anouschka Renzi, Wolfgang Weiser, Eva Christian, Raidar Müller-Elmau, Franz Hanfstingl u.a. | Drehbuch: Christiane Sadlo | Regie: Georg Tressler

    Christine Berger hat sich nach den Anfeindungen durch die Baronesse Elsa vom Schloss zurückgezogen, doch Graf Gregor holt sie wieder nach Hohenstein. Auf der Rückfahrt gesteht ihm Christine ihre Gefühle. Der Ball, der anlässlich des Geburtstags der Gräfin Leonore gegeben wird, sieht Christine und Gregor gelöst auf der Tanzfläche, doch wird das Fest durch eine Todesnachricht aus dem Krankenhaus gestört....



    Christine Berger ist weniger eine Pflegerin als eine Gesellschafterin und Vertraute der Gräfin und nimmt an allen Aktivitäten der Familie teil. Es wäre fast zu viel der Harmonie und Glückseligkeit, wenn nicht Baronesse Elsa aus dem Hinterhalt intrigieren würde. Zunächst versanden ihre Giftpfeile in der Erde, doch bald schon bietet sich die Gelegenheit, sich dauerhaft auf dem Schloss einzunisten, um einen Keil zwischen Graf Gregor und die ihr verhasste Rivalin zu treiben. Ahnungslos und gutmütig sieht Gräfin Leonore in ihrer jungen Angestellten eine Vertraute des Herzens und bedenkt sie nicht nur mit Geschenken, sondern auch mit Informationen über ihr Leben. Wenn der Wind in den Baumkronen rauscht und die Kamera eine Panoramafahrt über den Park unternimmt, glaubt man, Rosamunde Pilchers Geist wahrzunehmen, der die Welt des Landadels romantisch aufbereitet. Während Mathieu Carrière wie ein Wolf wirkt, der zu viel Kreide gefressen hat und man unwillkürlich darauf wartet, dass er explodiert und die einfältigen Lämmer in seiner Umgebung verspeist, exponiert sich Albert Fortell in alle Richtungen als risikobereiter Vabanque-Spieler. Durch die Co-Produktion mit der italienischen RAI begibt man sich bereits in der zweiten Folge zum Gardasee nach Norditalien, wo Marina Berti, die "Schmerzensmutter" ihre Trauer mit wenigen, feierlichen Gesten zelebriert. Der schwermütige Familienzweig der italienischen Seitenlinie kontrastiert in seiner würdevollen Gefasstheit mit der ichbezogenen, rachsüchtigen "Hohenstein"- Repräsentantin in Gestalt von Marita Marschall. Deren Gedanken kreisen nur um ihr eigenes Wohl und ihre Handlungen lösen brandgefährliche Reaktionen aus. Das Festhalten an Traditionen und an der Vergangenheit fesseln die Personen an früheres Unglück, bewahren sie aber auch vor Leichtsinn und unbedachtem Verhalten. Hier stehen sich die starken Frauen Kubitschek und Berti und die flatterhaften Fortell und Marschall gegenüber, was für Zündstoff sorgt und Unruhe in das feste Gefüge bringen wird. Man darf also gespannt sein, welche Abgründe sich hier noch auftun werden.

    Während Christine Berger immer enger an die Familie heranrückt, bedrohen zwei Mitglieder des Clans den inneren Frieden: Spekulation und Erpressung sorgen für eine explosive Mischung, die bald hochgehen wird: Wen wird sie wohl vernichten?

  • Grand PrixDatum14.01.2018 13:15
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Am 7. Januar 2018 starb France Gall, die im Jahr 1965 in Neapel den "Grand Prix Eurovison de la Chanson Européenne" für Luxemburg gewann, im Alter von 70 Jahren. Ihr Lied "Poupée de cire, poupée de son" bekam von der Jury 32 Punkte und brachte der Achtzehnjährigen mit der Kindertrompete ("Die Zeit") den Sieg. Die Tatsache, dass die Sängerin für Luxemburg antrat, obwohl sowohl sie als auch der Urheber des Liedes Franzosen waren, sorgte damals für Polemik. Ihr Auftritt - so wie in jenen Jahren üblich stilecht von einem Orchester untermalt - ist eine Mischung aus trotzigem Aufbegehren, artigem Singen vor Erwachsenen und lebensfrohem Trällern einer spitzbübischen Botschaft. Sobald sich das Lied ins Ohr geschlichen hat, wird man es nie wieder vergessen. Einer der bekanntesten Beiträge des nunmehrigen "Eurovision Song Contest".

  • BEWERTET: "Schloss Hohenstein" - Folge 1 "Die Entscheidung" (Deutschland 1992)
    mit: Sophie von Kessel, Mathieu Carrière, Ruth Maria Kubitschek, Albert Fortell, Marita Marschall, Gudrun Gabriel, Anouschka Renzi, Wolfgang Weiser, Tina Ruland, Eva Christian u.a. | Drehbuch: Christiane Sadlo | Regie: Georg Tressler

    Nach dem Unfalltod ihrer Mutter nimmt die Medizinstudentin Christine Berger eine Stellung als Krankenpflegerin bei der herzkranken Gräfin Leonore von Hohenstein an. Bis auf Baronesse Elsa fliegen der jungen Frau bald alle Sympathien auf dem Anwesen zu und sie muss sich vor ihren eigenen Gefühlen in Acht nehmen, die mehr und mehr von Graf Gregor beherrscht werden. Doch bald schon gerät sie in den Strudel von Intrigen und Geheimnissen....



    Als Edelschmonzette reinen Wassers versucht die dreizehnteilige Serie ihre Seelenverwandtschaft mit Erfolgsproduktionen wie "Das Erbe der Guldenburgs" gar nicht erst zu verleugnen: Gräfliches Blut, ausgedehnte Ländereien und dunkle Familiengeheimnisse sorgen für kurzweilige Unterhaltung und präsentieren ein Ensemble populärer Mimen. Das "Aschenputtel" erweist sich in Gestalt von Sophie von Kessel jedoch weniger scheu als es normalerweise in solchen Dramen der Fall ist. Mit ihrer einnehmenden Art und ihrer jugendlichen Vorurteilsfreiheit betritt sie das Schloss ebenso sicher wie die Pferdekoppel und pariert spitze Bemerkungen mit einem sanften Lächeln. Mathieu Carrière, im allgemeinen immer für finstere Egomanen zu haben, verkörpert den Grafen mit Milde und Weitsicht. Den schwarzen Peter hat diesmal Albert Fortell erwischt, der den verantwortungslosen Luftikus Arno mit Sonnenbrille und Sportwagen ausstattet und auf dem Weg zum Gut eben mal den Seitenspiegel von Anouschka Renzis Citroën-Ente abreißt. Die Rolle des Biestes kommt Marita Marschall zu, während im Elfenbeinturm keine Prinzessin, sondern die unglückliche, blutleere Gräfin Leonore wohnt - der Weg zu Graf Gregor scheint für Christine also frei zu sein. Doch so einfach wird es der jungen Heldin doch nicht gemacht: Finstere Wolken in Gestalt so mancher Leichen (im Keller) und Hexen (ohne Besen) bedrohen ihre romantischen Träume....

    Der "Adel exklusiv"-erprobte Zuschauer ahnt einiges und weiß so manches, dennoch harrt er gespannt weiterer Episoden, auch, weil so mancher Schauspieler entgegen seines Images ein neues Gesicht zeigt - wird man ihm bzw. ihr trauen können?

  • Ellen SchwiersDatum07.01.2018 20:35
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Die erfolgreiche Kriminalserie "Derrick" lebt von ihren Gastdarstellern, die mannigfaltig, illuster, zuweilen exzentrisch, aber immer bereichernd für das Ermittlerduo Harry und Stephan sind und den Episoden ihren Stempel aufdrücken. In Folge 73, die am 19. September 1980 ausgestrahlt wurde, fällt ein Schatten des Zweifels auf Horst Buchholz. "Auf einem Gutshof" lebt aber ebenso von den Ängsten seiner Frau Marlene, die von Ellen Schwiers überwiegend passiv dargestellt wird. Sie nimmt sich von Anfang an zurück, hat sich in ihrem Kokon gemütlich eingerichtet und überlässt Organisation und Ausführung den anderen. Sie ist die weiche, die verletzliche von zwei Schwestern und meidet Konfrontationen. Als während eines Sturms durch das Fenster auf sie geschossen wird, erschüttert sie dies im Innersten, weil sie glaubt, in dem Schützen ihren Ehemann Richard zu erkennen. Ihre bedächtige Ruhe - von ihrer Rivalin wird sie als "Milchkuh" bezeichnet - weicht einer panischen Angst; ein Verdacht keimt in ihr auf und liefert sie schutzlos den Sticheleien ihrer gerissenen Schwester aus, die mit ihrer Abneigung gegen den Schwager anscheinend Recht gehabt hat. Kraftlos windet sie sich in den Umarmungen von Waltraud, der Schrecken verzerrt ihr Gesicht und macht sie zur ohnmächtigen Zeugin von Ereignissen, die ihre heile Welt auf den Kopf stellen. Nach der halben Laufzeit der Episode verschwindet sie aus dem Blickfeld von Richard und somit auch aus dem des Publikums. Ihre Abwesenheit ist wie ein Vorwurf, eine Flucht vor der Realität und sich selbst. Obwohl äußerlich unversehrt, schmerzen die Wunden des missglückten Anschlags und zeigen die sonst so starke Darstellerin hier von ihrer nachdenklichen, sensiblen Seite.

  • Höchste Eisenbahn (1987, TV)Datum07.01.2018 14:34
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    aus der Reihe: "Höchste Eisenbahn - Geschichten rund um die Bahn" Episode "Auf der Strecke" (Österreich 1987) mit: Johanna von Koczian, Heinz Drache, Harald Serafin, Kurt Jaggberg, Harald Hofbauer | Buch: Felix Dvorak | Regie: Herbert Grunsky

    Eine elegante Dame, die auf dem Weg nach Salzburg ist, sucht im Speisewagen nach einem freien Tisch. Kaum hat sie Platz genommen, nähert sich ihr ein Herr, der sich als Kosmopolit vorstellt. Er sei Konsul und lebe in Nizza, reise von Berufs wegen viel und habe schon die spannendsten Geschichten erlebt. Gebannt lauscht die Frau seinen Schilderungen von Schmuckdiebstählen in der Transsibirischen Eisenbahn und merkt dabei gar nicht, wie er sie nach und nach ihrer zahlreichen Pretiosen erleichtert. In Linz steigt er plötzlich aus, sein Platz wird aber umgehend von einem distinguiert wirkenden Herrn eingenommen, der sich als Inspecteur Valblanc von der französischen Kriminalpolizei vorstellt und die sprachlose Dame darauf aufmerksam macht, dass ihr Schmuck gestohlen wurde. Er persönlich wolle sich darum kümmern, dass der Verbrecher gefasst werde....



    Anlässlich des 150. Jubiläums der Österreichischen Bundesbahnen wurden mehrere Kurzgeschichten inszeniert, Ereignisse im Zug oder am Bahnhof, die vor allem die Garnituren und die schöne Landschaft der Alpenrepublik ins Licht eines breiten Publikums rücken sollten. Prominente Namen wie Grit Boettcher, Eddi Arent, Heinz Drache, Karl Schönböck oder Johanna von Koczian konnten für die Episoden gewonnen werden. Nach einer langen Fahrt im Führerstand steuert der Zug einen Bahnhof an, es ist jener von Salzburg, dem Ziel der Folge "Auf der Strecke". Die Koczian betritt den Waggon wie eine Diva, ganz in Creme gekleidet, mit Goldschmuck behängt und wie immer top frisiert. Mit ein paar Worten weist sie den Ober in seine Schranken, als er sie - die alleinreisende Frau - zu einer anderen Passagierin an einen kleinen Tisch setzen will. Sie möchte einen besseren Platz an einem großen Tisch und bekommt ihn auch durch die ihr eigene natürliche Autorität. Doch bald verlässt sie ihr gutes Urteilsvermögen und sie verfällt dem Charme eines Betrügers, der sie mit französischem Cognac und schönen Worten einlullt. Fast unbemerkt betritt dann jener Mann den Speisewagen, den man wegen seiner Auftritte in der berühmten Edgar-Wallace-Reihe als gewieften, aber stets den eigenen Vorteil im Auge behaltenden Ermittler kennt: Heinz Drache. Auch er kleidet sich in die Farben des Großbürgertums, eines Mannes, der den Schlendrian der eigenen Unabhängigkeit genießt und nicht nur den "Figaro" studiert, sondern auch nur kurz am zuvor bestellten Getränk nippt, bevor er sich dann wieder aufmacht, um jene Aufgaben zu erledigen, die er aufgrund der Bürde seines Amtes selbstverständlich ausführt - wie man am Ende sieht, wieder in egoistischer Absicht. Die Insignien seines Lebensstils - Zigaretten und ein nonchalanter Blick über seine Goldrandbrille - trägt er mit aufgesetzter Höflichkeit vor sich her, um dann doch ordinär zu werden ("die alte Ziege"), wenn er glaubt, sein wahres Gesicht zeigen zu können. Eine hübsche kleine Episode, leider zu kurz, leider zu harmlos, leider ein wenig zu schnell abgehakt - Kurt Jaggbergs Triumph geht im Lärm der Bahnsteigkante unter.

  • Ellen SchwiersDatum07.01.2018 14:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Die Arztserie "Landarzt Dr. Brock" entstand in den Jahren 1967 bis 1968 und wartete abseits des Stammpersonals immer wieder mit Gaststars auf, die das beschauliche Wingenfeld gehörig durcheinander wirbelten und frischen Wind in die manchmal doch recht störrisch wirkende Gemeinde brachten. In Folge 18 "Hubertusjagd" begegnen wir der Schwester des Tierarztes, der von Viktor Staal dargestellt wird. Vera Brinkmann wird von Ellen Schwiers gespielt, die hier die Paraderolle der selbstbewussten Frau gibt, welche ihre Ziele mit Beharrlichkeit und Charme erreicht. Dr. Peter Brock (Rudolf Prack) ist gar nicht begeistert, als man ihn für die Aufgabe des Jagdarztes vorschlägt, da er Pferde zwar wunderschön findet, jedoch noch nie geritten ist. Selbstredend ist Vera Brinkmann eine vorzügliche Reiterin und nimmt in den vordersten Reihen am prestigeträchtigen Ereignis der Gemeinde statt. Dank der Überredungskünste von Frau Brinkmann begleitet Dr. Brock die Jagd letztendlich doch als Arzt im offenen Wagen.

    Als Vera beim Überspringen eines Hindernisses vom Pferd stürzt, eilt ihr Dr. Brock zur Hilfe, was bei der misstrauischen Helene und der jungen Apothekerin für Spekulationen sorgt. Selbst mit Armbinde scheint die rassige Reiterin noch verführerisch genug zu sein, um Dr. Brock zu becircen. Doch wieder einmal schießen die Preußen zu schnell und es kommt zu Missverständnissen....

    Ellen Schwiers ist nicht nur in den Augen des Barockengels aus dem Vorzimmer (Erna Sellmer) eine Gefahr für den gutmütigen Landarzt. Selbst die vorurteilsfreie Apothekerin Erika Wallner (Gardy Granass) beginnt zu zweifeln, als sie die Patientin in den Armen von Dr. Brock sieht. Mit strengem Knoten und Reiterdress macht Schwiers eine glänzende Figur und befindet sich in bester Spiellaune, während sie mit List dem Wunsch ihres Bruders nachkommt, den Landarzt zur Teilnahme an der Hubertusjagd zu überreden. Durch das Gerede von Helene wird sie von Beginn an als gefährliche Konkurrentin zu Fräulein Dr. Wallner aufgebaut und das Publikum verfolgt gespannt, ob diese berechtigten Grund zur Eifersucht haben wird oder nicht. Eine ähnlich gefährliche Konstellation gehen Ellen Schwiers und Rudolf Prack in "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes" (1959) ein, wo der Arzt aus verschmähter Zuneigung beschuldigt wird, die Frau sexuell belästigt zu haben. Es kommt zum Gerichtsprozess. Wie weitaus harmloser präsentiert sich diese Serienfolge.

  • Das blaue Palais (1974-76, TV)Datum06.01.2018 13:45
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Das blaue Palais" - Folge 1 "Das Genie" (Deutschland 1974)
    mit: Rolf Henniger, Luomi Iacobesco, Peter Fricke, Silvano Tranquilli, Werner Rundshagen, Andras Fricsay, Dieter Laser, Herbert Steinmetz, Lyne Chardonnet, Tsai Lien Wang, Kenzo Nishimura u.a. | Buch und Regie: Rainer Erler

    Felix van Reijn, ein Genie aus dem Nichts, gibt dem Forscherteam um Professor Palm Rätsel auf: Exakte Wiedergabe von Klavierimprovisationen eines toten Künstlers, präzise gesetzte Züge auf dem Schachbrett einer Simultanveranstaltung und genaue Kenntnisse der Biochemie - woher hat der Mann, der bisher nicht an die Öffentlichkeit getreten war, dieses Wissen? Parallel zum Erfolg von Felix van Reijn geschehen mehrere Morde, die alle eines gemeinsam haben: den Leichen wurde das Gehirn entnommen. Zunächst wird ein schwedischer Weltklassepianist getötet, dann ein bulgarischer Schachmeister. Die Mitarbeiter des "blauen Palais" vermuten, dass van Reijn das in die Praxis umgesetzt hat, was sie bisher an Ratten erforscht haben: die Übertragung von Intelligenz und Fähigkeiten durch Injektionen von Gehirnflüssigkeit Hochbegabter....



    Die Fälle, welche die internationalen Wissenschaftler untersuchen, nehmen Zukunftsentwicklungen vorweg, weil sie im Grenzgebiet verschiedener Zweige wie der Biochemie, Kybernetik, Parapsychologie oder der Genetik tätig sind. Ungewöhnliche Ereignisse und Menschen erregen ihre Aufmerksamkeit, weil sie immer wieder nach Bestätigung ihrer Arbeit suchen und die Theorie in der Praxis beweisen möchten. Der enigmatische Belgier van Reijn steht im Mittelpunkt der ersten Episode dieser Reihe, deren Laufzeit von neunzig Minuten pro Folge es gestattet, dass sich ein Thema entwickeln und zu einer komplexen Ausführung eines Sachgebiets reifen kann. Rolf Henniger ("Der Kommissar: Der Liebespaarmörder" [1974]) stattet seine Figur mit einer Gelassenheit aus, die teils aus Verschrobenheit, teils aus entrückter Überheblichkeit resultiert. Er philosophiert über die Grenzen der menschlichen Gehirnleistung und beweist durch Intuition, Geduld und Entschlossenheit, dass seine Gefährlichkeit im Streben nach Maximierung und Perfektionierung seiner Fähigkeiten liegt. Man nimmt Henniger den Mann ohne moralische Skrupel ab, weil er einen unbändigen Egoismus ausstrahlt, der jede Einschränkung durch das Gesetz oder dessen Vertreter überholt und kleinlich erscheinen lässt. Der Name Dr. Mabuse fällt bereits in den ersten Minuten und so erinnern die Isolation des Gehirns und die daraus erhofften Erkenntnisse frappierend an die Grundgeschichte in Werner Klinglers "Testament", wo das Gehirn des genialen Verbrechers in Formalin schwimmt. Die Konservierung des Gedankenguts erscheint dabei wichtiger zu sein als den Tod zu bezwingen, weil hier der Schlüssel zur Klärung der offenen Fragen liegt.

    Die Darsteller um Rolf Henniger, besonders Luomi Iacobesco, agieren konzentriert und engagiert zugleich. Vor allem im Fall der rothaarigen Mimin kommt es zu vielen Momenten des Suspense, weil sie eine ähnliche Entwicklung durchläuft wie in Hitchcocks "Notorious", allerdings weiß man bei ihr nicht, wie weit ihre Verbindung von Solidarität, Sympathie oder wissenschaftlichem Interesse beeinflusst ist. Die Frage, ob sie unter dem unheilvollen Einfluss van Reijns steht, ihr Gefahr droht oder sie als Einzige die Lösung finden wird, verleiht der Handlung neben den opulenten Schauplätzen in Japan und Venedig eine nicht nur optisch reizvolle Komponente. Der Kontrast zwischen der Arbeit im "blauen Palais", das wegen der Fördergelder auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben muss und seine Ergebnisse erläutern und hinterfragen muss und der Ruhe im abgeschiedenen Palast in Japan stellen eine Herausforderung an die Frau, die zunehmend mehr ins Zentrum rückt und als Symbol der Zerrissenheit nicht nur van Reijns Pläne durchkreuzt. Die Episode lässt Erinnerungen an die "Merkwürdigen Geschichten" und ihren Nachfolger "Unheimliche Geschichten" wach werden und entstand als Co-Produktion der Bavaria mit dem französischen ORTF. Schauspieler wie Peter Fricke und Silvano Tranquilli können in "Das Genie" bereits Akzente setzen und man ist gespannt, wie sich die weiteren Fälle gestalten werden. Die hochwertige Art der Inszenierung, gerade an den Schauplätzen Japan und Venedig, beweist, dass die Ambitionen, sich ernsthaft einem umstrittenen Thema zu widmen, hoch sind. Gespannt darf man die weiteren Fälle erwarten, die sicher ebenso zum Nach- und Mitdenken anregen wie die Auftaktfolge.

  • Der Mann nebenan (1991)Datum01.01.2018 15:05



    BEWERTET: "Der Mann nebenan" (A Demon in my View) (Großbritannien / Deutschland 1991)
    mit: Anthony Perkins, Uwe Bohm, Sophie Ward, Stratford Johns, Brian Bovey, Deborah Lacey, James Aubrey, Carole Hayman, Hans Peter Hallwachs, Choy-Ling Man, Terence Hardiman u.a. | Drehbuch: Petra Haffter, basierend auf dem Roman von Ruth Rendell | Regie: Petra Haffter

    Arthur Johnson wohnt seit zwanzig Jahren in der obersten Etage eines Mietshauses in der Trinity Road in London. Als der deutsche Student Anton Johnson einzieht, bangt der pedantische Mann um seine Privatsphäre, da er Verwechslungen aufgrund der Namensgleichheit fürchtet. Bald schon gerät ein Brief, der an den Studenten adressiert war, in die Hände des Buchhalters. Da es sich um ein amtliches Schreiben handelt, gibt er ihn umgehend zurück. Doch dann trifft ein Brief von Antons Freundin Helen aus Hamburg ein...

    "Ich bin fast vor Enttäuschung und Einsamkeit gestorben."

    Das Erste, das man von London sieht, sind Müllsäcke am Straßenrand. Wie viele Großstädte profitiert die britische Hauptstadt von ihrer Vergangenheit, von ihrer Diversifikation, aber nicht von der guten Verwaltung. Die Bürger der Metropolen scheinen Missstände gleichgültig zu ertragen, leben sie doch in einer Stadt, die das Traumziel vieler Menschen ist. Nicht jedoch Arthur Johnson. Der Buchhalter legt größten Wert auf Ordnung, Sauberkeit und korrektes Verhalten, weswegen er in seiner Umgebung wie ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen wirkt. Die lockeren, unverbindlichen Beziehungen, die seine Nachbarn pflegen, missfallen ihm ebenso wie die Beliebtheit, derer sich der neue Mieter bald im Haus erfreut. Anton Johnson gelingt es rasch, sich einzuleben. Sein Kommen und Gehen wird von seinem Namensvetter argwöhnisch betrachtet. Aufgrund seines Studienfachs interessiert sich Anton auch für die sogenannten Kenbourne Morde, denen vor vielen Jahren zwei Frauen zum Opfer gefallen sind - der Täter wurde nie gefasst. Die Ankunft des jungen Mannes treibt Arthur in die Defensive. Seine Geheimnisse drohen enthüllt zu werden oder - noch schlimmer - der Profanität preisgegeben zu werden. Das kleine Glück im Keller, in dem eine Schaufensterpuppe Projektionsfläche für Arthurs Träume ist, wird buchstäblich ans Licht gezerrt, während ihn immer öfter Kindheitserinnerungen einholen und seelisch belasten. Der Übergang ist dabei fließend und symbolisiert die Bürde, die der Mann seit Jahren mit sich herumträgt. Dabei handelt es sich nicht einmal um typische Grausamkeiten, die viele Kinder autoritärer Eltern ertragen mussten, sondern um Momentaufnahmen häuslicher Enge, die der sensible Junge alleine meistern musste.



    Der Name Anthony Perkins eröffnet den Film. Er steht sinnbildlich für unheimlichen Schrecken, und wenn dann auch noch von ungeklärten Frauenmorden die Rede ist, scheint die Sache klar zu sein. Wie in "Psycho" zieht er einer leblosen Frau Kleider an, verleiht ihr frische Farbe und drapiert den Körper im Keller. Dort besucht er sie, doch naturgemäß bleibt es ein einseitiger Kontakt. Die Nähe, die er erhofft, schlägt in Hass um und seine Hände verüben den Tötungsakt wie es das Publikum von ihm erwartet. Die Musik unterstreicht solche Szenen mit dezenten Variationen der berühmten kreischenden Geigen und bedeutet dem Zuseher, auf der richtigen Spur zu sein. Der amerikanische Schauspieler war seit seiner Darstellung des Serienmörders Norman Bates auf krankhafte Neurotiker festgelegt und da er im Original von 1960 nur schemenhaft in Aktion zu sehen ist, weideten sich die späteren Filme geradezu in Mordszenen mit dem schmerzverzerrten Gesicht des Täters. In den nebelverhangenen Straßen springt Arthur vom Doppeldeckerbus und verfolgt sein nächstes Opfer. Der Film taucht hier tief in die Welt eines Jack the Ripper ein und schüttelt alle modernen Einflüsse ab, ebenso wie die beiden Morde aus der Vergangenheit Arthur immer wieder heimsuchen und ihn aus der selbst konstruierten Sicherheit aufschrecken. Eine überzeugende Erklärung für die Taten des Mannes bleibt aus und so nähren sich seine Mordphantasien aus einer diffusen Angst vor einem ungeordneten Alltag und einer Leere, die er mit bürokratischer Genauigkeit in allen Dingen auszufüllen sucht. Er thront in der obersten Etage über den anderen Mietparteien und fühlt sich als die inoffizielle Autorität des Hauses. Die Zeiten haben sich jedoch geändert und sein Wort findet kein Gehör.

    Die Liebesgeschichte zwischen Anton und Helen zieht sich durch den gesamten Film und trägt viel zur Spannung bei. Die Schwierigkeiten, die das Paar durch die räumliche Trennung und die Ehe der Frau bewältigen muss, rücken nach und nach ins Blickfeld des "Mannes von nebenan". Sein Eingreifen ist nur eine Frage der Zeit und gibt ihm Macht über das Schicksal zweier Menschen. Er rächt sich damit für die Entweihung seines Kellergeheimnisses und gibt dem Optimismus des jungen Mannes einen Dämpfer. Das Wechselbad der Gefühle, das er durch die Ungewissheit erlebt, ragt als eigenständiger Plot aus dem dominanten Mordthema heraus und wird in klaren, berührenden Sequenzen umgesetzt. Uwe Bohm und Sophie Ward agieren natürlich und in empathischer Weise und es gelingt ihnen, eine Beziehung zu gestalten, deren Fortbestand durch mehrere Faktoren bedroht ist. Der deutsche Schauspieler wird als Sympathieträger ins Feld geschickt und bildet den Gegenpol zum zurückhaltenden Perkins. Man wünscht ihm Glück, doch sein jugendlicher Charme kann nicht verhindern, dass man eine heimliche Anteilnahme mit dem lebenslangen Norman Bates empfindet. Gerade jene Szenen, in denen er nach dem missglückten Überfall in seinem Büro Schutz sucht und sich wie ein verwundetes Tier unter dem Schreibtisch verkriecht, erzeugen Mitleid. Sophie Ward wirkt fast durchsichtig und geistert noch lange nach ihrem Abschied in Hamburg durch die Gedanken von Uwe Bohm. Ihre Präsenz manifestiert sich auf Briefbögen, als Schwarzweißfotografie und in den Reaktionen ihres Partners am Telefon. Als sie am Ende selbst nach London kommt, werden all die Spinnweben mit einem Schlage weggewischt und man erfreut sich an dem zerbrechlichen Glück der beiden positiven Figuren.

    Anthony Perkins - ein Name, der alles verrät und keine Inhaltsangabe benötigt. Sein letzter Film ist eine Hommage an die Rolle seines Lebens, der er nie wieder entfliehen konnte. Der Schatten von Norman Bates war ein übergroßer Begleiter seines Lebens. Dennoch gelingt es Regisseurin Petra Haffter eigene Akzente zu setzen und eine bittersüße Liebesgeschichte zu erzählen, die zwischen den Klippen des Lebens navigiert und dabei mehrfach Gefahr läuft, auf einen kantigen Felsen aufzulaufen. 4 von 5 Punkten

  • Die Hinrichtung (1976)Datum31.12.2017 14:20

    BEWERTET: "Die Hinrichtung" (Né pour l'enfer / Naked Massacre) (D / F / IT / CAN 1976)
    mit: Mathieu Carrière, Debbie Berger, Christine Boisson, Miriam Boyer, Leonora Fani, Ely de Galeani, Carol Laure, Eva Mattes, Andree Pelletier, Eva Brumby, Paul Edwin Roth, Gerda Gmelin, Karl-Heinz Kreienbaum, Emi Bessel u.a. | Drehbuch: F.G. Ranger mit Denis Heroux und Clenn Wood | Regie: Denis Heroux

    Belfast, Nordirland. Glockengeläut wechselt sich mit Maschinengewehrsalven ab, Kinder spielen im Park Exekutionen nach, bei den Passkontrollen an den Straßensperren fragen die Beamten nach der Religionszugehörigkeit. Die IRA ist auf dem Höhepunkt ihrer Bedeutung als Kämpferin für den Anschluss an Irland, nachdem Großbritannien Truppenverbände schickte, um die bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zu bekämpfen. Cain Adamson, Amerikaner, kehrt nach Jahren aus Vietnam zurück und wartet auf die Überfahrt in seine Heimat. Doch ohne Geld keine Schiffspassage und so landet er im Obdachlosenasyl. Bald wird er auf acht fröhliche Krankenschwestern aufmerksam, die gegenüber seinem Stammlokal wohnen und eines Nachts steigt er in ihr Haus ein....



    "For these nine young women, opening the door that night meant ending their lives!" Das Filmplakat verkündet gewohnt dramatisch, was den Zuschauer erwartet, wenn er sich auf die Geschichte des Kriegsheimkehrers Cain Adamson einlässt. Desillusioniert, einsam und abgestumpft streicht Mathieu Carrière durch die Straßen, er ist zwar dem Dschungel Südvietnams entkommen, erlebt nun jedoch im Norden Europas ebenfalls Gewalt und Tod. Die Hoffnungslosigkeit seiner Situation zeigt sich im kalten Licht der Hafenstadt, die ihn zwar aufnimmt, jedoch nicht beheimatet. Um einen Moment auszuruhen, wohnt er einer heiligen Messe bei, gerät allerdings auch dort in die Nähe von Verwundung und Tod, was ihn in seiner Abgebrühtheit nicht mehr erschreckt, sondern nur all das zu bestätigen zu scheint, was er schon längst über die menschliche Natur weiß. Sein Wunsch, nach Amerika zurückzukehren, resultiert mehr aus einer logischen Kombination, weniger aus echtem Bedürfnis, sein altes Leben wieder aufzunehmen. Seine traurigen, suchenden Blicke fallen auf eine Parallelwelt, in der das Leben noch in Ordnung zu sein scheint. Die Neugier weicht bald dem Einfall, sich als ungebetener Gast dort einzuschleichen. Während in der Kneipe sarkastische Sprüche fallen und sich jeder selbst der Nächste ist, kümmern sich die jungen Krankenschwestern um einander und planen Geburtstage und Treffen mit ihren Angehörigen. Die Bedrohung, welche von Adamson ausgeht, schleicht sich unwillkürlich ein, als seine verstohlenen Blicke zum ersten Mal auf das Heim der Krankenschwestern fallen. Hier wird eine intakte kleine Welt ins Visier genommen, von jemandem, der Begriffe wie Moral oder Gut und Böse längst über Bord geworfen hat und wie ein Vogelfreier niemandem mehr Rechenschaft schuldig ist - nicht einmal sich selbst.

    Mathieu Carrière ist freilich der richtige Mann, um die Introvertiertheit des Außenseiters darzustellen. Sein kalter Blick, die Unberechenbarkeit seiner Launen und die fast kindliche Freude über das Gelingen eines Scherzes, der alle vor den Kopf stößt, machen ihn zum glaubhaften Repräsentanten dieses nach einer wahren Geschichte verfilmten Mehrfachmörders. Anspannung und Entspannung wechseln sich bei ihm in Sekundenbruchteilen ab und seine Pläne sind selten vorauszusehen. Geht es seinem Filmcharakter primär um die Beschaffung der nötigen Geldsumme, um seine Überfahrt nach Amerika zu finanzieren, passt er sich bald den Gegebenheiten des Schwesternwohnhauses an und findet Gefallen daran, seine Opfer an ihrem wunden Punkt zu treffen. Er kostet die Stunden bis zu seinem Aufbruch am nächsten Tag aus, indem er sich Zeit lässt, die Schwachstellen der Frauen auszuloten und sie durch Angst und Schrecken zu erniedrigen. Seine Motive sind dabei unterschiedlich; das erste Opfer erinnert ihn an seine Frau, die ihn mit seinem Freund betrog. Er hasst sie, liebt sie und verwünscht sie zugleich. Das ungewohnt brutale Vorgehen setzt sich in zwei Freundinnen fort, deren Regisseur er sein will und sich wütend dafür rächt, dass die Frauen seinen Anweisungen nicht wie mechanische Puppen Folge leisten. Der Tanz als Ausdruck von Leidenschaft und Körperbeherrschung begleitet mehrfach Szenen, in denen Cain Adamson über das weitere Vorgehen nachzudenken scheint. Indem andere nach seiner Mundharmonika tanzen, hält er sie unter Kontrolle und verschafft sich Momente der Genugtuung. Die Worte der Offenbarung seines Hintergrunds lähmen seine Opfer ebenso wie seine Handlungen, weil sie im Zeitraffer Traumata seines Lebens skizzieren.



    Die deutsche Fassung wurde an einigen Stellen gekürzt, dementsprechend wurden die Szenen in der französischen Tonspur und mit deutschen Untertiteln angefügt. Mathieu Carrière zeigt eine bissige Raserei, er verausgabt sich in Gehässigkeiten und findet nur dann zu einem Lächeln zurück, wenn er überrascht wird. Dies gelingt einem der Mädchen, als es die Nerven verliert und über einen der Morde in Gelächter ausbricht. Wie bei einem gemeinsamen Schabernack kichern Cain und das Mädchen, während sie in der Küche einen Schokokuchen verdrücken, als die Situation dann plötzlich kippt und tödlich endet. Der Zuschauer als Dritter im Bunde folgt dem Geschehen mit faszinierter Irritation, weil er zwar einiges vorausahnt, ihn die Umsetzung aber doch immer wieder eiskalt erwischt. Aus diesem Grauen scheint es für niemanden einen Ausweg zu geben und wiederum wartet der Film mit einer Wendung auf, die man so nicht vorausgesehen hat. Der nüchterne Charakter der Polizeidokumentation gibt den ausgeuferten Taten im Schwesternwohnheim einen Rahmen, liefert aber keinerlei Erklärung, die der Zuschauer nicht bereits kennen würde. Einmal mehr hat Carrière gezeigt, dass er schwierige Charaktere mit besonderer Überzeugungskraft inszenieren und mit spärlichen Mitteln Angst verbreiten kann. Der Reiz, seine Grenzen auszuloten, andere zu schockieren und sich nonkonformistisch zu verhalten, schlägt sich in seiner Darstellungskunst nieder. Er hinterlässt in den Seelen seiner Mitmenschen eine verbrannte Erde und ist sich dessen bei jeder seiner Handlungen bewusst. Allein seine Anwesenheit provoziert, weil er auch ohne Worte spricht; er ist einer jener Schauspieler, die nicht viel Text benötigen, um sich ausdrücken zu können.

    Nichts für zartbesaitete Zuseher, die einen konventionellen Kriminalfilm erwarten, aber ein nachhaltiges Erlebnis für jene, die Mathieu Carrière und seine psychologischen Stolperfallen schätzen. Die Kamera von Heinz Hölscher fängt die Bilder der Zerstörung fast poetisch ein und dokumentiert das Geschehen mit routinierter Präzision. 5 von 5 Punkten

  • Der Hammermörder (1990, TV)Datum26.12.2017 15:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Der Hammermörder" (Deutschland 1990)
    mit: Christian Redl, Ulrike Kriener, Silvan Oesterle, Timmy Vetter, Ulrich Pleitgen, Oliver Stritzel, Walter Kreye, Verena Plangger, Christoph Hofrichter, Peter Rühring u.a. | Drehbuch: Fred Breinersdorfer | Regie: Bernd Schadewald

    Mit einem großen Vorschlaghammer zertrümmert ein maskierter Räuber das Sicherheitsglas des Kassenschalters einer schwäbischen Volksbankfiliale. Der Unbekannte erbeutet mehrere Tausend DM, weitaus schlimmer ist jedoch die Entdeckung, die die Polizei wenig später auf einem Waldparkplatz macht: ein Autofahrer ist durch einen Schuss ins Gesicht getötet worden, sein Wagen wurde für den Überfall verwendet. Ein halbes Jahr später das gleiche Szenario: Mord an einem Autobesitzer, Banküberfall mit einer diesmal recht stattlichen Beute von fast 80.000 DM. Die Polizei bildet die "Sonderkommission Hammer" und vermutet bald aufgrund der verwendeten Munition, dass der Täter aus ihren Reihen kommen muss. Der Frau von Polizeiobermeister Erich Rohloff überkommt ein schrecklicher Verdacht....

    "....wo wir uns finden, wohl unter Linden, zur Abendzeit."

    Vogelgezwitscher eröffnet den Fernsehfilm, der die harten Fakten noch vor dem Vorspann präsentiert und gar keinen Zweifel daran lässt, dass man es hier mit einer semidokumentarischen Umsetzung und nicht mit einem Whodoneit zu tun hat. Anleihen bei "Immer Ärger mit Harry" unterstreichen nur die Tragik der Umstände; ein spielendes Kind begegnet dem Tod, ebenso wird am Ende ein anderes Kind dem Tod ins Auge sehen, diesmal untermalt von den Stimmen kreischender Möwen. Die Kaltblütigkeit, mit der die Taten verübt werden und die vielen unnötigen Spuren, die der Täter hinterlässt, schließen auf einen Mann, der zwar einerseits nach einem vorgefertigten Muster arbeitet, es andererseits aber an durchdachten Konsequenzen fehlen lässt. Die Angst und das Misstrauen sind seine ständigen Begleiter. Der Schutz, den ihm die Zugehörigkeit zur Polizei gewährt, wird zum Fallstrick; seine Schulden und die damit verbundenen Forderungen seiner Gläubiger schwächen seine Glaubwürdigkeit zusätzlich. Emotional engagiert ist er nur, wenn es um seine Kinder und die Wahrung der bürgerlichen Fassade geht. Ansonsten bleibt er einsilbig und teilnahmslos und versteckt sich hinter einer autoritären Haushaltsführung. Christian Redl beeindruckt durch seinen stechenden wasserblauen Blick, der seine Umgebung feindselig mustert und aus einer Mischung von Selbsthass und Todessehnsucht handelt. Seit dem Tod der dreijährigen Tochter hat sich seine negative Perspektive auf das Leben verdichtet. Die Tilgung des für seine Einkommensverhältnisse ungewöhnlich hohen Kredits liegt in weiter Ferne, das Glück konnte der Hausbau nicht festhalten. Die gefühlte Beklemmung wird durch neue Möbel nicht kompensiert, Selbstvorwürfe und Beschuldigungen bleiben nicht aus. Die Äußerungen Rohloffs zur Todesstrafe sagen viel über ihn selbst aus; wenn er gerichtet werden soll, dann schonungslos radikal und endgültig. Immer wieder bäumt er sich gegen seine Überführung auf, träumt von einem Neubeginn und einem sicheren Hafen in der heilen Welt seiner Erinnerung.



    Ulrike Kriener fällt als Ehefrau des Mörders und Räubers die Rolle der Beobachterin zu. Anfangs zeigt sie reges Interesse an der Überfallserie, grenzt das Geschehen draußen zu dem ruhigen Leben drinnen ab und lenkt sich damit von den eigenen Sorgen ab. Doch nach und nach bemerkt sie, dass die abstrakte Figur des "Hammermörders" kein gesichtsloses Monster ist, sondern in jenen Kreisen zu finden ist, denen ihr Mann angehört. Als sich Phasen der finanziellen Not mit Zeiten des Überflusses abwechseln und ihr Mann keine Erklärung dafür abgeben kann, schleicht sich der Verdacht ein, Erich könnte mit den Überfällen zu tun haben. Die volle Wahrheit kann und will sie sich nicht eingestehen, wenn sie nicht den Verstand verlieren will, doch die Unruhe zermürbt sie. Mit tiefen Schatten unter den Augen, fahrig, nervös und in ihren Befürchtungen allein gelassen, zeigt Kriener eine Frau am Abgrund, deren Heim wie ein Gefängnis wirkt und deren Hoffnung auf einen Ausweg jeden Tag kleiner wird. Die tristen Farben der Wohnungseinrichtung, das kalte Licht, in dem die Personen die meiste Zeit verharren und der ungeschminkte Realismus des Zusammenlebens zweier sich entfremdeter Menschen betont die Ratlosigkeit, mit der sie dem Alltag begegnen. Statt die Polizeiarbeit zu zeigen, konzentriert sich der Film (zu) sehr auf die Perspektive des Täters. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der persönlichen Tragödie des straffällig gewordenen Polizisten. Seine Opfer bleiben gesichtslos und verschwinden ebenso wie die Ermittler im Hintergrund. Das Sensationelle soll nicht im Splittern des Glases oder im Knallen der Schüsse gefunden werden, sondern in der Teilhabe am Leben des Mannes, der diesen Schrecken erzeugt. Hier liegt das Verstörende des Films, an das ich mich Jahre nach der Erstsichtung noch erinnern konnte, nun aber eine Ausgewogenheit im Ringen um die Aufklärung der Taten vermisse. Gerade der Beruf des Täters hätte es angeboten, die Schlinge um den Mann früher enger ziehen zu lassen und hier ein spannendes Gegengewicht zu schaffen. Fred Breinersdorfer legt sein Augenmerk jedoch auf die menschliche Tragödie der Familie, der er nachhaltig Raum gibt.

    "Der Hammermörder" weckt Assoziationen an die eigene Kindheit mit den schaurigen Warnungen der Erwachsenen vor der Welt des Bösen, die sich in Form von "Aktenzeichen Xy.... ungelöst"- Folgen ausdrückte. Lag der Fokus dort allerdings auf der Ergreifung des Täters mithilfe von gesammelten Indizien, öffnet diese Produktion die Tür zur Privatsphäre des Täters und schöpft ihren Schrecken aus der Psychologie eines seelisch gebrochenen Mannes, der sich schon lange auf einem Weg befindet, von dem es kein Zurück mehr gibt. 4 von 5 Punkten

  • Fröhliche Weihnachten (1970, TV)Datum25.12.2017 21:00



    BEWERTET: "Fröhliche Weihnachten" (Deutschland 1970)
    mit: Karl Michael Vogler, Sonja Ziemann, Dina Nowka, Leander Hollweg, Katharina Brauren, Hans Timerding, Gerda Gmelin, Horst Fleck, Karl-Friedrich Gerster, Lothar Grützner, Peter Petran, Karl-Dieter Rinn | Drehbuch: Robert Stromberger | Regie: Wolf Dietrich

    Werbekaufmann Peter Eckert wartet auf seine Weihnachtsgratifikation, um seiner Frau Sonja und den Kindern Helga und Claus Geschenke kaufen zu können. Als sein Wagen den Geist aufgibt und er sich dazu überreden lässt, einen neuen zu kaufen, teilt ihm sein Vorgesetzter mit, dass das zusätzliche Gehalt aufgrund finanzieller Engpässe der Firma erst im nächsten Jahr ausbezahlt wird. Die Bank gibt Peter keinen Kredit mehr und seiner Frau gegenüber will er nicht zugeben, sich übernommen zu haben. Nun ist guter Rat teuer....

    Der Lichterglanz der Einkaufsstraßen läutet die Fernsehproduktion des NDR ein, wobei das Thema Weihnachten innerhalb der Familie Eckert zu einer reinen Geldfrage verkommen ist. Geschenke werden noch rasch besorgt, obwohl parallel darüber geschimpft wird, dass "Weihnachten mit dem Portemonnaie erledigt wird" und "mit unserer Christbaumsentimentalität" Geschäftemacherei betrieben wird. Karl Michael Vogler gibt den gereizten Familienvater, der sich verpflichtet fühlt, seinen Kindern einen finanziellen Zuschuss für ihre Geschenke zu geben, seiner Frau ein teures Präsent zu bieten und gleichzeitig ein neues Auto für seine Arbeit zu erwerben. In der Rolle des genervten Mannes überzeugt er durch die ihm eigene leicht arrogante und aufbrausende Art; nur als Verfechter der wahren Weihnacht kann er Sonja Ziemann, die seine Frau spielt, nicht ausstechen. Das Dilemma, in dem Peter Eckert steckt, ließe sich lösen, wenn er nicht längst im Hamsterrad des Gebens und Angebens gefangen wäre. Seine beiden Kinder haben die Philosophie ihrer Eltern längst verinnerlicht und streben nach mühelosem Profit, indem sie betrügen und schwindeln und wenig Eigeninitiative zeigen. Die Sehnsucht der Sonja Eckert nach einem Weihnachten der alten Schule äußert sich immer stärker und die Ehe droht in eine ernsthafte Krise zu schlittern. Die Heimlichkeiten von Peter, der in den letzten Tagen vor dem Fest immer erst spät nach Hause kommt, geben dem gemeinsamen Feiern am Heiligen Abend fast den Todesstoß. Lustlos, sich in ihr Schicksal ergebend, schreitet Sonja die Treppe herab, um vor den Kindern den Schein zu wahren und wird dann doch noch positiv überrascht.



    Wer klassische Weihnachtsatmosphäre in einer heilen Familie erwartet, muss sich sehr gedulden. Nach dem stimmigen Einstieg mit überfüllten Kaufhäusern und Menschen, die sich an den prächtig geschmückten Schaufenstern die Nasen platt drücken, folgt die Ernüchterung, weil Familie Eckert eben ganz und gar nicht in feierlicher Vorfreude verharrt. Die Kinder sind weder niedlich, noch artig und der Faktor Geld dominiert jedes Gespräch. Anfangs wirken die Belehrungen von Karl Michael Vogler noch gestelzt und die Handlung kommt holprig in Gange. Als die Situation jedoch kippt, weil die Bank wegen der Hypotheken weitere Zahlungen verweigert und die Fassade einzustürzen droht, erhält der Film endlich ein wenig Tiefe. Ideen und kreative Lösungen sind gefragt und locken selbst die sonst nur mit sich selbst beschäftigten Kinder aus der Reserve. Die Enge der mit geschmacklosen Tapeten zugekleisterten Wohnung wird gegen den Werkraum im Dachgeschoss eingetauscht, die netten Großeltern leihen ihren Angehörigen das Ohr und geben Rückhalt. Das Gefühl, selbst etwas tun zu können, um aus der Abhängigkeit von der Geldbörse auszubrechen, bricht die bisher teilweise konstruiert wirkende Atmosphäre auf und versorgt sie mit einer Prise Frischluft. Vogler und Ziemann überzeugen als Ehepaar, das diesmal nicht aus dem Bilderbuch stammt, sondern durchaus Probleme und Meinungsverschiedenheiten bewältigen muss. Man bestaunt einige typische Siebzigerjahre-Accessoires wie Schmuck aus Pfeifenreinigern, Milch in dreieckigen Papiertüten und gemusterte Tapeten. In Schwarzweiß hätte die Produktion nur halb so viel Spaß gemacht und wäre durch ihren Realismus auch nicht klassischer geworden.

    Spanholzbretter statt Mahagoniplatten, Gewürzschränkchen statt Wildledermantel und Selbermachen statt Kaufen lauten die Schlagworte für diesen Fernsehfilm, der mit spärlichen Mitteln den Weihnachtsalltag einer Durchschnittsfamilie erzählt und seinem Publikum viele Anreize zum Nachdenken liefert. 3,5 von 5 Punkten

  • Eure DVDsDatum25.12.2017 16:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Alles selbst gekauft:

    "Penny Serenade - Akkorde der Liebe" (USA 1941 mit Cary Grant und Irene Dunn) (FILMJUWELEN)

    "Britannic - Das Schicksal des Schwesterschiffes der Titanic" (GB/USA 2000 mit Edward Atterton und Jacqueline Bisset) (SCHRÖDER MEDIA)

    "Schwarzer Kies" (Deutschland 1961 mit Ingmar Zeisberg und Helmut Wildt) (CONCORDE HOME ENTERTAINMENT)

    "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" (Frankreich 1982 mit Romy Schneider und Michel Piccoli) (UNIVERSUM)

    "Fröhliche Weihnachten" (Deutschland 1970 mit Karl-Michael Vogler und Sonja Ziemann) (STUDIO HAMBURG)

  • Eure FilmbücherDatum25.12.2017 15:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Der brandenburgische Weihnachtsmann schnürte diesmal ein schweres Paket, das ein Buch enthielt, welches ich mir wohl nicht selbst gekauft hätte, weil man mit Joachim Kramps "Hallo"-Buch, dem Edgar-Wallace-Lexikon und Christos Tses "Hexer"-Abhandlung schon gut eingedeckt ist. Der dicke Wälzer ist die definitive Luxusausgabe für alle Edgar-Wallace-Anhänger und braucht ruhige Mußestunden, um richtig genossen zu werden:

    "Das große Album der Edgar-Wallace-Filme"- Herausgegeben von Joachim Kramp und Gerd Naumann, Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf

  • Bewertet: "Goldfinger" (3)Datum17.12.2017 14:45
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Shirley Eaton war mit "Goldlackierung" gemeint - nicht der schicke Wagen von Goldfinger.

  • Bewertet: "Goldfinger" (3)Datum17.12.2017 14:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Goldfinger" (Goldfinger) (Großbritannien 1964)
    mit: Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Harold Sakata, Shirley Eaton, Tania Mallet, Bernard Lee, Cec Linder, Martin Benson, Austin Willis, Lois Maxwell, Bill Nagy, Michael Mellinger, Burt Kwouk, Desmond Llewelyn, Mai Ling u.a. | Drehbuch: Richard Maibaum und Paul Dehn nach dem Roman von Ian Fleming | Regie: Guy Hamilton

    James Bond wird auf den englischen Geschäftsmann Auric Goldfinger angesetzt, der laut Informationen der britischen Regierung unlautere Edelmetallspekulationen betreibt. Nachdem ihm Geheimagent 007 zweimal eine Lektion erteilt hat, reist der cholerische Mann in die Schweiz, wo er einen Firmensitz unterhält. Dort ereilt Bond fast der Tod, einzig ein Bluff rettet sein Leben und Goldfinger nimmt ihn als Gast mit in die USA. Er soll Zeuge eines ausgeklügelten Verbrechens werden, eines Bankraubes mit verheerenden Nachwirkungen. Goldfinger will das Goldreserven-Depot der Vereinigten Staaten knacken und radioaktiv verseuchen....

    "Goldfinger" ist sicher der bekannteste Film der Reihe, wartet er doch mit allen Zutaten auf, welche die Serie so erfolgreich gemacht haben. Sean Connery ist bester Spiellaune, balanciert elegant zwischen seinen waghalsigen Unternehmungen und den Momenten der Entspannung und bewahrt auch in tödlicher Gefahr Contenance und seinen trockenen Humor. Mit Gert Fröbe wird ihm ein Gegner präsentiert, der ein teuflisches Katz- und Mausspiel mit dem Geheimagenten betreibt und in ihm nicht nur eine Bedrohung seiner Geschäftsunternehmungen, sondern einen Konkurrenten bei der Gunst der Damen sieht. Rothaarig, korpulent und grob ist er sich sehr wohl bewusst, dass sein Umfeld ihn entweder fürchtet oder verabscheut. So resultiert seine Rache an Bond nicht nur aus dem Ärger über vermasselte Geldgeschäfte, sondern auch aus dem Neid auf dessen gutes Aussehen und den Erfolg bei den Frauen seiner Umgebung. Man täte ihm jedoch Unrecht, wenn man außer Acht lassen würde, dass sich Goldfinger mit seinen intelligenten Plänen durchaus mit Bond messen kann und er diesem Respekt abnötigt. Diese Tatsache ist umso bedeutender, da der Schurke sich auf einem bestimmten intellektuellen Niveau bewegen muss, um wirklich beeindrucken zu können. In Kombination mit dem Handlanger Oddjob gelingt es hier, Schrecken zu verbreiten, der markante Gesichter trägt und sich nicht nur aus einer Armee gleichförmiger Namenloser formt. Der Zweikampf zwischen Fröbe und Connery gestaltet sich zu einem besonderen Vergnügen, weil sich hier zwei Gegner aneinander messen, die eine Vergangenheit greifbar machen und nicht wie Abziehbilder wirken. Dieser Meinung waren die Produzenten nicht ohne Grund, sonst hätte man den Sachsen, der kaum Englisch sprach, nicht verpflichtet.



    Die Ikone der Bond-Reihe wartet mit geflügelten Worten auf, mit Sprüchen, die legendär geworden sind und mit Bildern, die bei jeder Filmretrospektive gezeigt werden. Der Unterhaltungswert ist hoch, was daraus resultiert, dass es viel Abwechslung gibt und das Auge viele bunte Postkartenbilder zu sehen bekommt. Auch wenn es Momente gibt, in denen die Hauptfigur kurz Gefühle zeigt und über das Schicksal einer anderen Person betroffen ist (Tod von Tilly Masterson), so weichen diese Augenblicke rasch dem kontinuierlichen Fluss der Handlung, der alles mitreißt und keine Zeit für Sentimentalitäten lässt. Wie ein unheilvolles Gewitter brauen sich die Ereignisse zusammen, sobald Bond das Terrain seines Gegners betritt. Technische Spielereien sind dabei nicht das Vorrecht des Geheimagenten, auch Goldfinger schüttelt einiges aus dem Ärmel (Treffpunkt seiner Helfer aus Mafia-Kreisen) und demonstriert damit, dass er weit mehr kann als beim Kartenspiel zu betrügen. Das Finanzielle stellt gar nicht einmal die Hauptmotivation dar, primär geht es ihm darum, zu beweisen, dass mit ihm zu rechnen ist. Die vornehmen Kreise der englischen Oberschicht ignorieren ihn, nun sorgt er dafür, dass ihr Gesichtsausdruck mehr hergibt als ein gleichgültiges Hochziehen der Augenbrauen. Es ist ein Spiel, das er gewinnen will und muss, am Ende bleibt nur der Weg ins Exil - bezeichnenderweise in ein Land, das von der Weltmacht USA (und somit auch von Großbritannien) als Feind betrachtet wird. Auch hier liegt die Botschaft des Films: politisch unkorrektes Verhalten muss mit dem Tod (oder wenigstens lebenslanger Haft) bestraft werden. James Bond jedoch bleibt bescheiden, ein Dry Martini und ein Augenzwinkern reichen ihm vollkommen, um sein Lebensmotto zu unterstreichen.

    "Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles": Vom Nazigold über Goldlackierung und verseuchte Goldbarren bis zur goldenen Harfe ist alles dabei, was einen spannenden und temporeich unterhaltsamen Film ausmacht. 5 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Nude... si muore) (Italien 1967)
    mit: Mark Damon, Eleonora Brown, Sally Smith, Patrizia Valturri, Ludmila Lvova, Michael Rennie, Alan Collins, Franco Derosa, Vivienne Stapleton, Esther Masing, Aldo de Carellis, John Hawkwood, Valentino Macchi, Alberto Papiri, Sylvia Dionisio u.a. | Drehbuch: Antonio Margheriti und Franco Bottari | Regie: Anthony Dawson

    Sommerferien im noblen Mädcheninternat St. Hilda. Die Ankunft der neuen Lehrerin Mrs. Clay wird begleitet vom Verschwinden einer Schülerin, die im Keller nach ihrem Koffer suchte und dabei von einem Unbekannten erwürgt wurde. Da ihre Leiche unauffindbar ist, erhalten die Schülerinnen Ausgangsverbot, was besonders die hübsche Lucille stört, da sie verabredet hat, mit ihrem Freund, dem Reitlehrer des College, das Internat heimlich zu verlassen. Als ein weiteres Mädchen ermordet wird, deutet alles darauf hin, dass Lucille das eigentliche Opfer sein sollte. Ihre Eltern sind vor kurzem tödlich verunglückt und haben ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen....

    Die heitere Atmosphäre der pastellfarbenen Collegewelt signalisiert bereits in den ersten Minuten, dass wir uns in den exklusiven Kreisen höherer Töchter bewegen. Das Internat mutet wie ein Luxusressort an, in dem es primär um Entspannung geht. Man kann sich schwer vorstellen, dass in diesen Mauern gelehrt wird, auch, wenn der Lehrkörper konservativ und minimalistisch daherkommt. Die Direktorin strahlt Strenge und Disziplin aus, weiß jedoch, dass die Schulgelder von privater Hand finanziert werden und lässt ihre Klientel deshalb an der langen Leine. Von Intrigen oder Gehässigkeiten unter den Schülerinnen ist wenig zu spüren, abgesehen von ein paar Eifersüchteleien. Im Großen und Ganzen präsentiert sich der Schauplatz freundlich und klinisch sauber, womit es das Drehbuch schwer hat, eine entsprechend düstere Gruselatmosphäre zu schaffen. Der Badezimmermord der Prätitelsequenz wirft natürlich einen Schatten auf das sommerliche Ambiente, befeuert aber nur die grauen Zellen des Zusehers, der innerhalb weniger Minuten die richtige Lösung kombiniert und nun mit Vergnügen verfolgt, wie der Täter sich verraten wird. Vergleiche mit "Das Versteck" oder "Der Mönch mit der Peitsche" liegen auf der Hand, betonen aber nur die Charakteristik der Konkurrenzproduktionen. Obwohl der Täter auch in "Sieben Jungfrauen für den Teufel" eiskalt zuschlägt, kriecht die Angst hier selten aus einer dunklen Ecke. Dafür sorgen vor allem die patenten Mädchen des Internats, die mit dem Auftauchen eines geheimnisvollen Phantoms auf Trab gehalten werden. Vor allem die pfiffige Jill sieht ihre detektivischen Fähigkeiten herausgefordert und engagiert sich noch bevor die Polizei offiziell ihre Untersuchungen aufnimmt.



    Das Produktionsjahr bestätigt, dass es sich bei dem Film mehr um einen Thriller als um einen waschechten Giallo handelt. Man kann sogar behaupten, wer "Der schöne Körper der Deborah" mag, wird auch "Sieben Jungfrauen für den Teufel" schätzen. Die Abgeschiedenheit des Schauplatzes, die Überschaubarkeit der in Frage kommenden Täter und die schmeichelnden Außen- und Innendekors sorgen für angenehme Unterhaltung. Sonnendurchflutete Aufnahmen des Parks kontrastieren mit finsteren Szenen im Insektenhaus; die Möglichkeiten, welche die Sets bieten, werden ausgeschöpft und dienen zusammen mit der treffenden Musik einer gleichbleibenden Spannung. Mark Damon als männlicher Hauptdarsteller trägt keine blütenweiße Weste, sondern bleibt im Zwielicht. Er lässt sich nicht in die Karten blicken und die Frage, ob er wirklich der ist, als der er sich ausgibt, sorgt für Nervenkitzel bis zum Schluss. Obwohl er zur Gruppe der Lehrer gehört, beweist er seine Sonderstellung bereits durch separates Wohnen in der Dépendance der Schule und seinen Unterricht als Reitlehrer, der ihn raus aus den Gebäuden führt und ihm somit mehr Freiheit gewährt. Die Bedrohung resultiert nicht nur aus dem anwesenden Mörder, sondern auch aus der Ungewissheit, die Lucille plagt. Trotz der prosperierenden Fassade gibt es eine emotionale Leere; eine Einsamkeit, die entweder humorvoll überspielt wird wie im Fall der redegewandten Jill oder einen Ausweg sucht wie bei Lucille. Die Sympathien liegen bei den Mädchen und verstärken die Loyalität, welche das Publikum den Internatsbewohnerinnen entgegenbringt. Gleichzeitig beobachtet man den Täter und versucht, seine Beweggründe zu erfahren - das Finale löst dies sehr gelungen auf.

    "Feel good"-Thriller in elegantem Ambiente mit Anleihen an den Giallo der Siebziger Jahre. Überzeugende Darstellerleistungen eines weitgehend unbekannten Ensembles unterstreichen die Ambitionen des Regisseurs, eine packende Geschichte ohne großes Blutvergießen zu erzählen. 4 von 5 Punkten

  • Der Stahlnetz-GrandprixDatum10.12.2017 14:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "In jeder Stadt..."
    (Erstausstrahlung innerhalb der "Stahlnetz"-Reihe als 15. Folge am 6. April 1962)


    mit: Heinz Engelmann, Karl-Heinz Gerdesmann, Ruth Hausmeister, Edgar Wenzel, Peter Ahrweiler, Heinz Peter Scholz, Gisela Fackeldey, Christa Siems, Hela Gruel, Silvia Frank, Lore Schulz, Brigitte Gerloff, Peter Striebeck, Rolf Wanka, Wolfgang Stumpf, Wolfgang Völz u.a. | Drehbuch: Wolfgang Menge | Regie: Jürgen Roland

    Eine Holzkiste wird aus dem Hamburger Hafen gezogen, sie enthält die Leiche der siebzehnjährigen Gisela Brahms. Ihre Freundin erinnert sich, dass Gisela in letzter Zeit von einem Fotografen angesprochen worden war, der sie beim Film unterbringen wollte. Kommissar Bade entschließt sich, den Fall zusammen mit seiner Kollegin Frau Schuster von der weiblichen Kriminalpolizei zu bearbeiten, während sein Mitarbeiter nach einem bestimmten Packpapier sucht, in das die Tote eingewickelt war. Währenddessen wirbt der Metallhändler Schaffner als angeblicher Filmproduzent neue Talente an....

    Der Traum von der glamourösen Welt der Filmstars ist der Köder, mit dem wenig glamouröse Männer ihren Lebensunterhalt finanzieren, indem sie zahlungskräftigen Geschlechtsgenossen den Traum ewiger Jugend ermöglichen. Eines der mit falschen Versprechungen geköderten Mädchen ist Gisela Brahms, das zwar achtzehn Paar Schuhe im Regal stehen hat, diese jedoch nicht mehr benötigt, da es auf offener See seine letzte Reise angetreten hat. Das morsche Holz der Kiste gab die sterblichen Überreste früher frei als geplant, was der Polizei nun ermöglicht, härter durchzugreifen. "Unbescholtene Bundesbürger, die regelmäßig ihre Steuern zahlen und nicht zu knapp", geraten in den Fokus der Ermittlungen, ebenso wie der Kommissar sich hart am Riemen reißen muss, um die naiven und leichtgläubigen Mädchen nicht persönlich übers Knie zu legen, um ihnen die Grillen von der Filmkarriere aus dem Kopf zu treiben. Hier macht sich die Zusammenarbeit mit der weiblichen Beamtin bezahlt, die solche Fälle zur Genüge kennt und tagtäglich mit der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit konfrontiert ist, an der manche junge Frau zerbricht. Das Gespann Engelmann-Hausmeister erweist sich als kluge Kombination, um die einzelnen Aspekte des Falls zu durchleuchten, wobei die begrenzten Möglichkeiten, der Dummheit und Naivität in der Welt Herr zu werden, schonungslos offengelegt werden. Der Elan eines Heinz Engelmann wird durch die mangelnde gesetzliche Handhabe gegen die Mädchenfänger eingebremst und das Publikum muss auf die Versicherung verzichten, dass sich Recht und Ordnung am Ende doch durchsetzen werden. Deutlicher als sonst wird dem Zuschauer der Spiegel der eigenen Verantwortung vorgehalten, die ihm diesmal eben kein Kommissar abnehmen kann. Die Folge bietet wenig Momente der Auflockerung, abgesehen vom Ermittlungs-Parcours des Kriminalsekretärs, der mit seinem Stück gestreiften Wäschereipackpapier ähnlich viele Klinken putzen darf wie sein Kollege in "Die blaue Mütze". Hier macht sich der Charme der Reihe bemerkbar, der gerade in dieser Episode mit beachtlich vielen Schauplatzwechseln überzeugt. Markante Lieblingsgesichter des Regisseurs (Völz, Gruel, Siems) sind ebenso vertreten wie neue Schurken (Ahrweiler) und sorgen für eine gute Durchmischung des Casts.

    Hatte ich die Episode als trocken und uninspiriert in Erinnerung, konnte sie mich nun bei neuerlicher Sichtung mehr überzeugen. Die perfiden Maschen der Gauner, das stimmige Lokalkolorit und die Kontinuität durch Veteranen wie Engelmann und Hausmeister zeichnen zwar kein optimistisches Bild der Polizeiarbeit, warten dafür jedoch mit einer Spannung auf, die aus dem ungewissen Ausgang resultiert und an die alte Ära Zimmermann erinnert. 3,5 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Man lebt nur zweimal" (5)Datum26.11.2017 12:45
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Man lebt nur zweimal" (You only live twice) (Großbritannien 1967)
    mit: Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Tetsuro Tamba, Mie Hama, Teru Shimada, Karin Dor, Donald Pleasence, Bernard Lee, Lois Maxwell, Charles Gray, Desmond Llewelyn, Ronald Rich, Tsai Chin, David Bauer u.a. | Drehbuch: Roald Dahl nach dem Roman von Ian Fleming | Regie: Lewis Gilbert

    Die USA und die Sowjetunion kämpfen jeweils um die Vorherrschaft im Weltraum und schicken benannte Raumschiffe ins All, um ihre Stärke zu untermauern. Als ein unbekanntes Raumfahrzeug zunächst eine amerikanische und dann eine russische Raumkapsel entführt, beschuldigen sich die Großmächte gegenseitig der Täterschaft. Offensichtlich zieht jemand im Hintergrund die Fäden, um einen atomaren Konflikt zu provozieren. Die Briten glauben, dass die Operation von Japan aus gelenkt wird und schicken deshalb ihren Geheimagenten 007 dorthin, wo er mit dem Chef des japanischen Geheimdienstes, Tiger Tanaka, Kontakt aufnimmt. Osato, der Chef eines Chemiekonzerns, scheint in den Diensten der mysteriösen Verbrecherorganisation zu stehen, weshalb sich Bond dort gründlich umsieht. Mehr als einmal läuft er dabei Gefahr, liquidiert zu werden, besonders von Nr. 11, einer attraktiven Mitarbeiterin von SPECTRE....

    James Bond, der unverwundbare Geheimagent Ihrer Majestät (in der Realität wohnte Königin Elizabeth II. höchstpersönlich der Filmpremiere in London bei) navigiert erfolgreich zwischen den Welten, diesmal reicht sein potentielles Einsatzgebiet sogar bis in die unendlichen Weiten des Universums. Sein britisches Understatement würzt er mit einem Charme, den er lässig aus den Ärmeln seiner Maßanzüge schüttelt, wobei er sich über nichts mehr zu amüsieren scheint als über die unglaubliche Berechenbarkeit seiner Umgebung. Frauen finden ihn anziehend, Männer geraten bei seinem Anblick in Rage - sei es aus Neid oder wegen seiner gefährlichen Entschlossenheit, seinen Auftrag um jeden Preis auszuführen. Der Weg zu dem großen Unbekannten führt über mehrere Helfer der mittleren Führungsebene, deren Beweggründe selten erläutert werden. Ob die Solidarität und Loyalität zum Boss nun aus finanziellen oder ideologischen Gründen erfolgt, ist einerlei. Gerade die weiblichen Mitglieder der Organisation finden oft ein grausames und abschreckendes Ende, wobei man sich nicht lange mit Bedauern aufhält. Die nahtlose Aneinanderreihung von Spionagearbeit, tödlichen Kämpfen und erotischen Intermezzi unterstreicht die Wendigkeit von Bond, der mit wenig Worten auskommt, weil seine Taten für ihn sprechen. Im Grunde ist er ein Angestellter, der einen Auftrag ausführt - nur in einem weitaus glamouröseren und abwechslungsreicheren Umfeld als jenem des Durchschnittsbürgers. Ein modernes Märchen für Erwachsene, die Bond um seine technischen Spielzeuge beneiden, selbst jedoch kaum einen Nagel in die Wand bekommen. Jedes Mal wartet man gespannt darauf, welche Superautos und versteckten Waffen 007 diesmal benutzen wird. Ob zu Land, auf See oder in der Luft - die Kombination aus schnellen und schnittigen Verkehrsmitteln lässt das Herz höher schlagen als die spärlichen zwischenmenschlichen Kontakte, die sich meist auf Tarnen und Töten beschränken. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. So wie die kollegiale Partnerschaft mit Tanaka, der über den selben trockenen Humor verfügt wie sein europäischer Gast.



    Sean Connery verkörpert den Agenten routiniert, wobei sich alle Personen oft den Weiten der Landschaft und den utopischen Kulissen beugen müssen. Der beeindruckende Weltraumbahnhof im Schlund eines erloschenen Vulkans lässt die handelnden Personen winzig wirken und wie Marionetten einer im Verborgenen lauernden Spinne agieren. Donald Pleasence schmückt sich mit den Attributen des Exzentrikers, wobei es klug ist, ihn über lange Zeit nur in seinem Sessel sitzend zu zeigen. Er erlangt dadurch eine unheimliche Aura, die ein Hüne wie Gert Fröbe als "Goldfinger" allein durch seine Präsenz besitzt - man denke an den Schreckensmoment, als er im Präsidenten-Jet den Vorhang zur Seite reißt und sich dem verblüfften Bond präsentiert. Neben den beiden einheimischen Bondgirls gibt es mit der Deutschen Karin Dor einen Gaststar, der keine halbe Stunde anwesend ist. Ihre roten Haare wirken zunächst ungewohnt, sind aber dem Umstand geschuldet, sie optisch von ihren Kolleginnen abzuheben und sie innerhalb der Organisation zu isolieren. Welche Motive brachten sie zu SPECTRE? Wie kommt eine (Ost-?)Deutsche in den Dunstkreis eines Gangsters, der zusammen mit den Chinesen die Weltherrschaft an sich reißen will? Karin Dor gibt sich unterkühlt und unnahbar. Sie zeigt, dass sie die Rolle hochkonzentriert und korrekt meistern und dabei keinen Fehler machen möchte. Vielleicht liegt gerade hier das Manko ihres Auftritts: ihre Persönlichkeit bleibt auf der Strecke. Besonders treffend lassen sich die Szenen mit Sean Connery mit jenen vergleichen, die sie in "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" mit Lex Barker absolvierte. Der rasche Wechsel zwischen charmanter Umgarnung und skrupelloser Täuschung gelingt ihr bei Bond nicht: sie bleibt immer angespannt und man hat das Gefühl, dass aus ihrem großen internationalen Auftritt bei weitem nicht alles herausgeholt wurde. Die Synchronstimme von Ute Marin verleiht ihr Härte und betont die Fremdheit, die das Publikum verspürt. Man möchte gern mehr über Helga Brandt erfahren, doch sie ist nur ein Rädchen im Getriebe und Werkzeug eines Mannes ohne Skrupel, der weder Abfertigungen, noch Renten ausbezahlt.

    Ins Ohr des deutschen Publikums dringen mit den Stimmen von Gert Günther Hoffmann, Maria Körber, Wolfgang Büttner, Beate Hasenau, Hans Hinrich, Siegfried Schürenberg, Werner Peters, Claus Biederstaedt und Friedrich Schoenfelder vertraute Klänge. Um die Traditionen Japans zu würdigen, zeigt man dem Zuschauer nicht nur die kampfstarken Ninjas, sondern auch Zeremonien in Landestracht. Die Exotik drängt den Geheimagenten stellenweise in den Hintergrund, wobei anzumerken ist, dass ihm die Verkleidung als Asiate nicht besonders überzeugend zu Gesicht steht. In gewohntem Fahrwasser verläuft die Handlung in den Verfolgungsszenen mit den klassischen Utensilien wie Sportwagen und Fluggeräten. Die Weltraumatmosphäre empfinde ich als reizvoll, gerade auch in den Momenten der Unfähigkeit bzw. Hilflosigkeit des obersten Militärs, das tatenlos zusehen muss, wie seine Astronauten im wahrsten Sinne des Wortes verschluckt werden. Es sind die Augenblicke der größenwahnsinnigen Ideen, die den Bondfilmen ihre Faszination verleihen. Das Unmögliche wagen, das Establishment herausfordern, nach todbringender Macht greifen und die Menschheit an den Rande der Zerstörung zu bringen - diese Ziele seiner Gegner treiben James Bond zu Höchstleistungen an und sorgen für kurzweilige Unterhaltung.

    Der kalte Krieg zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion liefert einmal mehr den Hintergrund für finstere Intrigen und ein Vabanquespiel eines unsichtbaren Dritten. James Bond übt sich im Land des Lächelns zeitweise in Zurückhaltung, weil er der Tarnung verpflichtet ist, was seine Figur in den Hintergrund treten lässt und die Handlung unnötig dehnt. Im furiosen Finale kann Bond dann wieder auf gewohntem Terrain agieren und seine Talente unter Beweis stellen. 4 von 5 Punkten

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