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  • Mord ohne Mörder (1955)Datum18.11.2018 15:06

    "Mord ohne Mörder" (Three Cases of Murder) (Großbritannien 1955)

    Obwohl die DVD-Edition unter dem Namen von Edgar Wallace vermarktet wird, was einige Puristen dazu bringt, die Veröffentlichung zu boykottieren, sollte dieser Etikettenschwindel keinen Grund darstellen, von einem Kauf abzusehen.

    Die drei britischen Krimi- und Suspense-Perlen aus dem Jahr 1955 wurden erstmals 1963 im deutschen Fernsehen gezeigt und bedienen sich so namhafter Synchronsprecher wie Eckart Dux, der u.a. Norman Bates in "Psycho" seine Stimme lieh. Eingerahmt werden die Episoden von einer stimmigen Einleitung und Kommentaren von Eamonn Andrews. In gestochenem Schwarzweiß zollen die Geschichten der Welt des regennassen Film Noir Tribut bzw. tauchen tief in die Fieberwahnwelt eines Edgar Allan Poe ab. Namhafte Darsteller wie André Morell oder Orson Welles sprechen für die Güte der Produktion, die ihrem Publikum Einblicke in jene Alpträume gibt, die Alfred Hitchcock zum gleichen Zeitraum innerhalb seiner Fernsehreihe "Alfred Hitchcock presents" mit schwarzem Humor zum bitteren Ende führte.



    "In the Picture"
    mit: Alan Badel, Hugh Pryse, Leueen Mac Grath, Eddie Byrne, Ann Hanslip | Drehbuch: Ian Dalrymple nach einer Erzählung von Roderick Wilkinson | Regie: Wendy Toye

    Der Museumsangestellte Jarvis schätzt ein Gemälde mehr als alle anderen: es zeigt ein einsames Landhaus, zu dem ein in Nebel eingehüllter Weg führt. Das Bild stammt von einem unbekannten Künstler und wird durch eine Glasscheibe geschützt, die immer wieder aus ungeklärten Gründen zersplittert. Eines Tages begegnet Jarvis vor dem Gemälde einem elegant gekleideten Mann, der ihn um Feuer bittet. Der Fremde erklärt, das Bild wäre unvollkommen, da es der Maler versäumt hätte, das Fenster ganz links zu beleuchten. Er bittet Jarvis, näher heranzutreten und sich selbst davon zu überzeugen....

    Der Wunsch, hinter die Dinge sehen zu können und Traumbilder Wirklichkeit werden zu lassen, wird oft als ungehörig bestraft. Nicht umsonst suggeriert das schlechte Gewissen dem männlichen Protagonisten, er wäre dem Teufel in die Hände gefallen und zur Verdammnis verurteilt. Dabei ist es nur eine Parallelwelt, die seine Neugier weckt, als er sich von der Faszination einer geisterhaften Landschaft in den Sog des geheimnisvollen Gemäldes ziehen lässt. Alan Badel, der übrigens in allen drei Geschichten einen Auftritt hat, verströmt einen dandyhaften Charme, der es dem von Hugh Pryse gespielten Museumsführer schwer macht, den Bann zu durchbrechen und das unheilvolle Territorium zu verlassen. Die groteske Welt der Einsiedler wird ironisch und unsentimental geschildert und zieht die Schlinge immer enger um Jarvis' Hals. Regisseurin Wendy Toye inszeniert mit leichter Hand und bringt eine gehörige Prise britischen Humors in die Geschichte, die das Grauen zu etwas ganz Alltäglichem werden lässt und die Zutaten des klassischen Gothic-Horrors mit einer energischen Handbewegung wegwischt. Die Oscar-nominierte Spielleiterin unterstreicht auf augenzwinkernde Weise, dass es zum Gelingen solcher nasty little stories eine grundsätzliche Empfänglichkeit braucht.



    "You killed Elizabeth"
    mit: John Gregson, Emrys Jones, Elizabeth Sellars, Philip Dale, Maurice Kaufmann, Alan Badel, Christina Forrest u.a. | Drehbuch: Donald Wilson nach einer Erzählung von Brett Halliday | Regie: David Eady

    Die Freunde Edgar und George kennen sich seit ihrer Kindheit. Immer schon hatte Edgar die Nase vorn, er war erfolgreicher, beliebter und tüchtiger. Sein einziges Manko: übermäßiger Konsum von Alkohol sorgt bei ihm für stundenlange Amnesien, die ihn schon oft in Schwierigkeiten gebracht haben. Während er auf Geschäftsreise ist, lernt George die hübsche Elizabeth kennen. Als er sie seinem Freund vorstellt, passiert das, was er insgeheim bereits befürchtet hat: Elizabeth wendet sich Edgar zu. Rasend vor Eifersucht schlägt George auf Edgar ein. Stunden später betritt dieser die gemeinsame Wohnung, mit Blut an den Händen und am Mantelrevers. Kurz darauf melden die Morgenzeitungen den Mord an einer jungen Frau....

    Das große Plus von Geschichten dieser Art ist das Wechselspiel der Sympathien, mit dem der Zuschauer entgegen seiner Erwartungen konfrontiert wird. Sobald ein Charakter in einer bestimmten Schublade abgelegt worden ist, reißt das Drehbuch diese wieder auf, um ihn mit einem unsanften Griff in eine völlig konträre Ablage zu katapultieren. George und Edgar tauschen innerhalb der knapp 33 Minuten mehrmals die Rollenvorgaben und halten dadurch die Messlatte der Spannung und des Überraschungstwists hoch. Dem stringenten Buch gelingt es, einen runden Mordfall zu schildern, bei dem die Vorgeschichte ebenso erzählt wird, wie die Ausflüchte der betreffenden Personen eine Dynamik entwickeln, die bald eskaliert und hinterhältige Wendungen bereithält. Emrys Jones als George darf sich vom schüchternen, bescheidenen Freund zum rücksichtslosen und rachsüchtigen Gegner Edgars entwickeln und straft jene Lügen, die ihn aufgrund der klaren Figurenzeichnung unterschätzt haben. Die straffe Regie von David Eady vermeidet Längen und wickelt den Kriminalfall temporeich und schlüssig ab. Der klassische Fall bedient sich der Analyse von Indizien, Zeiten und Alibis und steuert schnurgerade auf die vermeintlich glatte Lösung hin, die erneut einen Pferdefuß bereithält.



    "Lord Mountdrago"
    mit: Orson Welles, Helen Cherry, Alan Badel, André Morell, Peter Burton, Evelyn Hall, David Horne, Arthur Wontner u.a. | Drehbuch: Sidney Carroll nach einer Geschichte von William Somerset Maughan | Regie: George More O'Ferrall

    Lord Mountdrago brüskiert den Oppositionellen Owen vor den versammelten Abgeordneten und ruiniert damit dessen Karriere. Owen schwört Rache und kündigt an, Mountdrago ebenfalls bloßstellen zu wollen. Der selbstbewusste Mann lacht zunächst über die Drohung seines Gegners, doch er immer häufiger von Alpträumen heimgesucht wird, sucht er Rat bei einem Psychiater, dem er berichtet, dass Owen den Inhalt seiner Träume zu kennen scheint. Lord Mountdrago beschließt, ein für alle Mal im Traum mit Owen abzurechnen und als dieser bei der nächsten Parlamentssitzung abwesend ist, scheint sein Plan aufgegangen zu sein....

    Die Angst des Mannes der Öffentlichkeit, sich lächerlich zu machen, sein Gesicht zu verlieren und die damit verbundene Berechtigung, seine politischen Vorschläge durchzusetzen, erhält vor der Kulisse des ehrwürdigen Parlaments doppeltes Gewicht. Der Verlust seiner Souveränität bringt den unerschütterlichen Glauben an seine politische Mission zwar nicht ins Wanken, zehrt aber an seinen Nerven und seiner Nachtruhe. Der Traum als Ausdruck unverarbeiteter Erlebnisse, gleicht mehr und mehr einem Schlachtfeld. Zwischen Lord Mountdrago und Mr. Owen entwickelt sich eine unheimliche Symbiose von Ursache und Wirkung, wobei es darauf ankommt, wer den längeren Atem hat. Der Kontrast zwischen der Würde und dem Ernst des House of Lords und den peinlichen Situationen, in die Mountdrago in seinen Traumerlebnissen gerät, befeuert das Missverhältnis der beiden politischen Kontrahenten, ohne sich in der Realität große Kämpfe zu leisten. Die subtile Grausamkeit der üblen Nachrede oder der schlechten Wünsche überschattet das Leben eines Mannes, der bisher unangreifbar wie eine Eiche seinen Standpunkt halten und den eigenen Einfluss ausbauen konnte. Owen scheint das personifizierte und bisher verdrängte schlechte Gewissen in Mountdragos Leben geworden zu sein, ein fataler Faktor, wie sich herausstellen wird.

    Orson Welles stand im Laufe seiner Karriere immer wieder vor finanziellen Engpässen und wirkte deshalb in vielen Produktionen anderer Regisseure mit, um seine eigenen Filmprojekte zu finanzieren. Man denke nur an die Rolle des Harry Lime in "Der dritte Mann", die ihn unter der Regie eines Kollegen zum weltbekannten Leinwandstar werden ließ. Sein Lord Mountdrago ist ein Gewinn für die Kriminalgeschichte aus der Feder des für seine exzellenten Gesellschaftsromane bekannten W. Somerset Maughan. Welles schafft es, einen komplexen Charakter zu entwerfen, dessen Präsenz manchmal fast die Leinwand zu sprengen droht. Kraftvoll, wortgewandt, zynisch, arrogant und zugleich zweifelnd, irritiert und paralysiert tritt er seinem Publikum entgegen, wobei er niemals endgültig in einem Gefühlszustand verharrt, sondern stets im Wandel begriffen ist. Immer wieder bäumt er sich gegen seinen Widersacher auf, überrascht durch ausgelassene Heiterkeit, verharrt dann wieder schweigend in Gedanken und zeigt Genugtuung über seinen vermeintlichen Sieg. "Lord Mountdrago" ist großes Drama und inszeniert seinen prominenten Hauptdarsteller wie in Shakespeares Stücken, die er mit so viel Leidenschaft zu gestalten wusste. Ein Kabinettstück aus dem vielseitigen Œuvre des talentierten Künstlers.

  • Eine Frau sucht Liebe (1969)Datum13.11.2018 14:03
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Meine Anfrage bei der ehemaligen Agentur des Schauspielers Frithjof Vierock, der ebenfalls in "Eine Frau sucht Liebe" mitspielte, führte zu einem Telefongespräch, bei dem mir Herr Vierock erzählte, dass er nur 1 Drehtag hatte und in seinen Szenen zusammen mit Horst Janson agierte. Am Set herrschte eine normale, positive Atmosphäre, aber da er nur einen Arbeitstag hatte, konnte er sonst wenig sagen. Er selbst hat den Film nicht gesehen und fragte mich, ob dieser denn überhaupt gezeigt worden ist. Die Werbekampagne bzw. die Resonanz auf die Kinovorführungen muss also nicht sehr groß gewesen sein, wenn die Produktion selbst an einem Mitwirkenden unbeachtet vorbeiging.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum13.11.2018 13:53
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Sportpalastwalzer" (Folge 42)
    mit: Siegfried Lowitz, Jan Hendriks, Michael Ande, Henning Schlüter, Klaus Löwitsch, Susanne Beck, Elisabeth Wiedemann, Holger Petzold, Herbert Fux, Henry van Lyck, Otto Friebel, Michael Gempart, Michael Gahr, Toni Netzle, Klaus Fuchs, Peter Moland u.a. | Drehbuch: Bruno Hampel | Regie: Zbynek Brynych

    Erich und Liesel Neubauer betreiben eine Eckkneipe, in der sich vor allem ehemalige Radrennfahrer treffen, um in Erinnerungen zu schwelgen und gemeinsam die glorreiche Zeit ihrer Siege hochleben zu lassen. Zwischen den Eheleuten herrscht schon länger Eiszeit, seitdem Erich seine Frau in betrunkenem Zustand über den Haufen gefahren und zum Krüppel gemacht hat. Mit finstere Miene beobachtet Liesel seit einiger Zeit, dass Erich ein Verhältnis mit der Kellnerin begonnen hat. Eines Abend eskaliert der Streit und Erich greift seine Frau tätlich an, während sie mit ihrer Krücke Gegenwehr leistet. Am nächsten Morgen ist Liesel verschwunden und überall finden sich Blutspuren....



    Der Kultstatus, den die Folge genießt, weckt natürlich hohe Erwartungen an eine Episode, die für alle "Kommissar"-Freunde ein Déjà-vu-Erlebnis bildet und zwar zur Folge ".... wie die Wölfe" (1970), in der Ode bei Horst Tappert die gleichen Methoden der geistigen Rekonvaleszenz anwendet wie Kollege Lowitz beim verdächtigen Klaus Löwitsch. Das Haus, in dem sich das Lokal befindet, ist das gleiche wie in besagter "Kommissar"-Folge. Während das Herz des Zuschauers ob solcher vertrauten Interieurs frohlockt, bleibt der Verstand unterversorgt. Die für Brynych-Verhältnisse recht bieder inszenierte Episode verzichtet darauf, Spannungsmomente in dem Maße auszureizen, wie es anhand der Ausgangssituation möglich gewesen wäre. Die emotional aufgeheizte Stimmung in der Kneipe kehrt aus Elisabeth Wiedemann jene Larmoyanz heraus, die sie üblicherweise durch kräftigen Humor kaschiert, während Raubein Klaus Löwitsch dumpf vor sich hinbrütet und die Bitterkeit und den Hass, der ihm entgegengebracht wird, wie abgestandenes Bier an sich abperlen lässt. Die Frage nach dem Verbleib der Wirtin zieht auch Susanne Beck und ihren restriktiven Gatten Holger Petzold in den Strudel von Ungewissheit, Morbidezza und Misstrauen hinein, während Kommissar Köster sich als Therapeut versucht und sein Opfer ungewohnt präzise vor seinen Karren spannt. Unkonventionell allerdings das Ende, das die Karten kurz vor Schluss neu mischt und dunkle Vorahnungen zwar bestätigt, jedoch dramaturgisch den einfachen Weg geht. Der "Sportpalastwalzer" als Triumphzug der Gestrauchelten? Wenn Herbert Fux das Aushängeschild der Normalität gibt, darf man sich darüber nicht wundern.

    Solide Folge mit einer geifernden Elisabeth Wiedemann und einem Klaus Löwitsch, der das Bild des schmierigen Säufers aus dem linken Ärmel schüttelt, bei der Regisseur Brynych leider mehrfach die Spannungsbremse gezogen und sich nur auf das überzeugende Spiel seiner Darsteller verlassen hat. 3 von 5 Punkten

  • Der Jugendrichter (1960)Datum11.11.2018 20:59

    BEWERTET: "Der Jugendrichter" (Deutschland 1959/60)
    mit: Heinz Rühmann, Karin Baal, Lola Müthel, Hans Nielsen, Rainer Brandt, Peter Thom, Michael Verhoeven, Lore Schulz, Hans Epskamp, Jan Hendriks, Gerd Frickhöffer, Erich Fiedler, Willi Rose, Monika John, Kunibert Gensichen, Hilde Volk, Harry Engel u.a. | Drehbuch: Hans Jacoby und Istvan Bekeffi | Regie: Paul Verhoeven

    Inge Schumann muss sich vor dem Jugendgericht verantworten, da sie mit einem älteren, verheirateten Mann in den Wald gefahren war, wo ihr Freund Kurt und zwei Kumpels den Mann erpressen und um DM 300 erleichtern wollten. Dr. Ferdinand Bluhme führt bei der Verhandlung den Vorsitz und setzt sich für die junge Frau ein. Er beschafft ihr eine Stellung als Hausmädchen in der Pension von Frau Winkler, wo er auch selbst wohnt. Bald jedoch nimmt sie wieder Kontakt mit Kurt und seinen Freunden auf, die Inge für weitere kriminelle Aktivitäten einsetzen wollen....



    "Nur keine Vanille!"

    Der Ufa-Klassiker ist ganz auf Heinz Rühmann zugeschnitten, obwohl es eine Person gibt, die ihm die Schau stiehlt: Karin Baal. Die junge Berlinerin steht im Mittelpunkt des Interesses und verkörpert eine Rolle, die sie in den Anfangsjahren ihrer beruflichen Laufbahn oft spielte, nämlich jene des vom sozialen Abstieg bedrohten Mädchens, das durch seine einfache Herkunft in schlechte Gesellschaft gerät und leichte Beute für männliche Skrupellosigkeit wird. Ihre Schlagfertigkeit hilft ihr aus so mancher Verlegenheit und so ist Karin Baal oft die ideale Besetzung für Mädchen, die unbehütet aufwachsen mussten und sich ihren Platz im Leben selbst aussuchen wollen. So erwartet den Zuschauer stets Widerspruch gegen bürgerliche Lebensphilosophien und die Erwartungshaltung ihrer Umgebung, deren Pläne für eine junge Frau meist anders aussehen. Die Kluft zwischen den Generationen wurde mit dem Ende der Fünfziger Jahre und den wegweisenden Sechziger Jahren größer. Die Jugendlichen rebellieren gegen das Leistungssystem. Die Wirtschaftswunderjahre weckten Begehrlichkeiten und so dient auch der Gruppe um Inge Schumann die Teilhabe am Wohlstand als Ausrede für ihre (Un-)Taten, wobei die Sinnsuche als Motivation für Einbruch, Diebstahl und Erpressung dem moralisierenden Proklamieren von Tugenden der Gesellschaft gegenübergestellt wird. Der Staat müsse die Einhaltung der Gesetze zum Schutze des Bürgers garantieren und die Jugend vor ihrer eigenen Verantwortungslosigkeit bewahren. In exemplarischen Gerichtsszenen wird nicht nur Dr. Bluhmes gute Menschenkenntnis betont, sondern auch die Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung der Elterngeneration an ihre Kinder und dem Wunsch nach neuen Wegen auf nicht ausgetretenen Pfaden auf Seiten der Jugend.

    Zwei vehemente Gegner von Dr. Bluhmes philanthropischer Lebensanschauung sind Hans Nielsen als Berufskollege und Lola Müthel als Zimmerwirtin. Die energischen, wortgewandten Verfechter ihrer nüchternen Sicht auf die Dinge machen sich über die Schwächen der Menschen keine Illusionen und lassen Heinz Rühmann wie einen hoffnungslosen Romantiker dastehen, der weltfremd und wider besseren Wissens an die Besserungsfähigkeit der jungen Straftäter glaubt. Ohnehin hatte der früh verstorbene Hans Nielsen ein Abonnement auf Juristenrollen; Staatsanwälte, Richter oder Verteidiger profitierten von seiner kraftvollen, sonoren Stimme, die er gezielt einzusetzen wusste und auf deren überzeugende Wirkung er vertrauen konnte. Lola Müthel als resolute Vertreterin von Anstand und Ordnung setzt alles daran, ihre Umgebung kontrollieren und lenken zu können. Heinz Rühmann - zwischen Verehrung und Furcht - fügt sich den häuslichen Regeln, so wie er seinerseits andere dazu anhält, die Gesetze des Staates zu befolgen. Vordergründig gibt er sich bescheiden, kultiviert aber seine geheimen Laster. Dadurch will er beim Publikum punkten und durch die mit einem verschmitzten Lächeln offengelegten Schwächen von seinem oftmals belehrenden und moralisierenden Verhalten ablenken. Ein gutes Beispiel sind hier die Pfeife oder die Kriminalromane in den "Pater Brown"-Filmen. Das Drehbuch kostet die Ungewissheit aus, ob Inge Schumann ihr Versprechen halten und sich bewähren wird. Angesichts der Tatsache, dass das kriminelle Potenzial in Richtung männliche Jugendbande verschoben wird, liegen die Verhältnisse bald klar auf der Hand und die Sympathie des Richters für die junge Frau wird nicht enttäuscht.

    Rebellische Jugend trifft auf menschenfreundlichen Richter - Heinz Rühmann bemüht sich um eine ausgewogene Darstellung zwischen Milde und Strenge, wobei es an Karin Baal liegt, ob "Der Jugendrichter" verharmlosend oder zeitkritisch wirkt. Die Anlage ihrer Rolle ist der Entstehungszeit geschuldet, weswegen der gute Kern des Mädchens kaum ernsthaft in Zweifel gezogen wird. Insgesamt gute Unterhaltung mit vielen bekannten Gesichtern. 4 von 5 Punkten

  • Die goldene Brücke (1956)Datum11.11.2018 14:48

    BEWERTET: "Die goldene Brücke" (Deutschland 1956)
    mit: Curt Jürgens, Ruth Leuwerik, Paul Hubschmid, Jester Naefe, Rudolf Vogel, Armin Dahlen, Adrienne Gessner, Alexander Golling, Paul Verhoeven u.a. | Drehbuch: Juliane Kay und Werner B. Zibaso nach einem Roman von Lajos Zilahy | Regie: Paul Verhoeven

    Die Sängerin Tima Sombor unterhält seit zwei Jahren ihren Mann, den Rennfahrer Stefan, der seit seinem Unfall nicht mehr am Steuer eines Wagens saß. Als der reiche Henrik Balder einen Empfang gibt, springt Tima für eine erkrankte Kollegin ein und bittet ihn bei dem anschließenden Gespräch, etwas für ihren Mann zu tun. Balder arbeitet an der Entwicklung eines neuen Turbomotors und Tima hofft auf eine neue Chance für Stefan. Allerdings kümmert sich Balder lieber um Timas Karriere und finanziert einen Spielfilm, um ihr die Möglichkeit einer Schauspielkarriere zu geben. Stefan beobachtet mit Argwohn, dass Tima und Balder mehr und mehr Zeit miteinander verbringen....



    Ruth Leuwerik debütierte in "Dreizehn unter einem Hut" (1950) und punktete rasch mit ihrer Natürlichkeit. Sie wurde gern für Rollen besetzt, in denen sie eigenständige Charaktere verkörperte, die allerdings selten wirklich gegen das damalige Gesellschaftsbild rebellierten. Dafür war sie zu sehr Dame und setzte lieber auf Diplomatie statt auf Aktionen, die ihr Publikum vor den Kopf stoßen konnten. "Die goldene Brücke" ist ein typischer Vertreter seiner Zeit, harmlos und unterhaltsam, wobei Curt Jürgens seine Paraderolle des blasierten und in seinem Wohlstand gelangweilten Mannes von Welt spielt, während Ruth Leuwerik als tugendhafte und redliche Schauspielnovizin in einen Gewissenskonflikt gerät. Der Schweizer Paul Hubschmid darf freier und kantiger agieren und zeigt einen gefallenen Helden, der zunächst gegen das Wohlwollen seines Mäzens aufbegehrt, sich dann jedoch mit diesem misst, um seine Männlichkeit zu beweisen. Tima Sombor ist manchmal unerträglich edelmütig, besonders in ihren Anfangsszenen im Filmatelier, wo Regisseur Paul Verhoeven sich selbst spielt und den Berufszweig wie so oft in einem von Neid und Missgunst bestimmten Ambiente ansiedelt. Allüren und Intrigen bestimmen den Arbeitstag, wobei das Verhalten Leuweriks die Aufregung ihrer Figur spiegeln soll, was gerade im Zusammenspiel mit Jürgens oft zu unglaubwürdigem Melodrama führt. Während man ihm die flammende Liebe nicht abnimmt, sondern auf den gekränkten Stolz wartet, den er so überzeugend an den Tag legen konnte, punktet Hubschmid mit seiner Bodenhaftung und dem noch recht konventionellen Beruf des Rennfahrers ohne Glamour in der Boxengasse. Gegen das Schauspielgewerbe wirkt seine Profession wie ein Handwerksberuf, bei dem das Können das Kennen schlägt.

    Jester Naefe (1924-1967) repräsentiert als Ann den Typ "Nadja Tiller", wobei es eine wunderbare Abwechslung ist, einmal nicht die künftige Rolf-Thiele-Rosemarie zu sehen, sondern eine Darstellerin, die optisch sehr gut jene Faktoren wiedergibt, die eine Dame an der Seite von Curt Jürgens generell mitbringt. Leider war der Schauspielerin nur eine kurze Karriere vergönnt: Jester Naefe drehte nach "Die goldene Brücke" noch zwei Filme und zog sich - nachdem 1959 die Rückenmarkskrankheit Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert wurde - aus dem Filmgeschäft zurück. Rudolf Vogel (mit sehr dosiertem Humor) harmoniert mit Adrienne Gessner und bildet das unaufgeregte Gegenstück zu den großen Leidenschaften des Trios Leuwerik/Jürgens/Hubschmid. Armin Dahlen und Alexander Golling müssen sich Jürgens gefällig erweisen, wollen sie mit ihm kooperieren, was ihnen wenig Platz für Eigenständigkeit lässt und immer eine undankbare Ausgangsbasis darstellt. Die Handlung zieht sich gerade im Mittelteil arg in die Länge und bedient konventionelle Erwartungen, vor allem, wenn Leuwerik und Jürgens als verhindertes Traumpaar etabliert werden sollen. Der sentimentale Ton der Produktion traf zu seiner Zeit sicher die Wünsche des Publikums an eine optisch ansprechende Unterhaltung, das sich anderthalb Stunden gut aufgehoben wusste und mit Ruth Leuwerik eine patente Hauptdarstellerin bekam, die stets ein solides Spiel zeigte. Generell lässt sich jedoch sagen, dass die großen Rollen für die Schauspielerin erst noch kommen sollten und sie dort jene Eigenschaften einbringen konnte, die sie so ausdrucksstark und nachhaltig wirken lassen: Reife, Souveränität, Besonnenheit und Glaubwürdigkeit.

  • Edgar-Wallace-Lyrik Datum11.11.2018 13:03
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Herbststimmung im Park von Schloss Farnsworth

    Das welke Laub löst sich von den Zweigen der Bäume im Park, wo alles begann,
    nun rascheln die Igel auf ihrem Weg durch die gelben und braunen Teppiche der Natur,
    im Frühjahr sah man ihn dort zum ersten Mal, den jungen Mann,
    er kam mit seinem Diener im Sportwagen, um aufzunehmen des Frosches Spur.

    Mittlerweile ist die Bande zerschlagen und der Verbrecher tot,
    die Polizei widmet sich neuen Fällen,
    Diskretion ist das höchste Gebot.
    Wo einst der Frosch quakte, hört man nun einen Hund bellen.

    Nostalgie liegt in den Erzählungen der Bewohner der Stadt,
    trotz Diebstahl, Raub und Mord umweht den maskierten Gangster ein Hauch Romantik.
    Nur Inspektor Elk hat die verklärenden Geschichten satt,
    doch Kriminalgeschichten sind eben schick.

    Und wo ist der junge Mann geblieben, der den Frosch zur Strecke brachte mit Elan?
    Längst decken Erde und Herbstblätter die Grabstatt seines Widersachers,
    Richard Gordon fühlt nicht nur Wertpapieren und Gutsverwaltern auf den Zahn.
    Nein, er bleibt in der Rolle des Sträflingsmachers.

    Percy Lister

  • Die Farben der Nacht (1972)Datum04.11.2018 15:07
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Die Farben der Nacht" (Tutti i colori del buio) (Italien / Spanien 1972)

    mit: Edwige Fenech, George Hilton, Ivan Rassimov, Julián Ugarte, Nieves Navarro, Marina Malfatti, Georges Rigaud, Maria Cumani Quasimodo, Luciano Pigozzi, Dominique Boschero u.a. | Drehbuch: Ernesto Gastaldi | Regie: Sergio Martino

    Jane Harrison leidet seit geraumer Zeit an Alpträumen, die sie auch untertags quälen. Ein Mann mit einem Stilett lauert ihr überall auf und fixiert sie mit seinem durchdringenden Blick. Hilfe sucht Jane bei dem Psychiater, für den ihre Schwester Barbara arbeitet, doch als sie ihre neue Nachbarin Mary kennenlernt, empfiehlt ihr diese eine obskure Sekte, die ihre Mitglieder in exzessiven Riten an sich bindet. Richard Steele, der Jane liebt und ihre Ängste sorgenvoll beobachtet, hegt einen Verdacht bezüglich der Teufelssekte, wartet aber noch auf Beweise. In der Zwischenzeit kann Jane Traum und Wirklichkeit nicht mehr voneinander unterscheiden und wähnt sich schuldig an einem Mord....

    Edwige Fenech und George Hilton sind immer eine sichere Bank, wenn es um die Besetzung für einen Giallo geht. So scheinen auch hier alle Voraussetzungen gegeben, einen spannenden Thriller mit sympathischen Darstellern sehen zu können. Dem deutschen Ohr missfällt leider bald der unpassende Synchronton, der den Schauspielern Stimmen verleiht, die weder zu ihren Charakteren, noch zu ihrer Ausstrahlung passen. Besonders Edwige Fenech leidet unter der viel zu mädchenhaften Stimme, die wohl ihre Angst unterstreicht, insgesamt aber besser zu einem Teenager gepasst hätte. Ihre emotionale Unsicherheit und ihre Hilflosigkeit werfen beunruhigende Schatten voraus, ahnt man doch, dass sie damit wieder zum Spielball finsterer Männer und ihrer bösen Absichten werden wird. Die Anwesenheit eines Ivan Rassimov und eines noch weitaus beunruhigenderen Julián Ugarte verheißen uneingeschränkte Brutalität. Unmotivierte Angriffe aus dem Nichts lassen die Grenze zwischen Janes Visionen und der Realität verschwimmen, wobei es für die grotesken Ereignisse keine Erklärung gibt als jene des "Schreckens um des Schreckens willen". Jane macht es ihren Widersachern leicht, begibt sie sich doch leichtfertig in die Hände von Scharlatanen, die nur den eigenen Vorteil sehen und die totale Unterwerfung fordern. Lange Zeit bleibt unklar, ob es ein rationales Motiv für die Vorgänge gibt und George Hilton, der Mann, der sonst stets Rätsel über die Redlichkeit seines Handelns aufgibt, bleibt vorwiegend dezent im Hintergrund. Obwohl er natürlich zum Kreis der Verdächtigen zählt, merkt man schnell, dass er die einzige Figur ist, der man vertrauen kann und die sich nicht im Dunstkreis der Satanisten oder Verschwörer bewegt.



    Edwige Fenech wird gezielt als Blickfang aufgebaut, der einen hohen Empathiefaktor zugewiesen erhält. Dieser leidet allerdings im Laufe der Handlung darunter, dass sie immer wieder die gleichen Fehler begeht und durch ihre Naivität und Leichtgläubigkeit Scharlatanen und Sadisten in die Hände spielt. Statt von den schrecklichen Bildern ihrer Träume Abstand zu nehmen, kehrt sie freiwillig dorthin zurück, wo sie Angst und Unbehagen erfuhr. Man ist geneigt, den Filmtitel in "Des Menschen Hörigkeit" umzuändern, obwohl die Optik durch die Farben des Herbstes tatsächlich sehr malerisch ist. Die Kamera ist sichtlich bemüht, Frau Fenech ins beste Licht zu rücken, obwohl Nieves Navarro mit ihrer hintergründigen Rolle mehr Chancen hat, ein variierendes Spiel zu zeigen. An ihrer Unbescholtenheit muss man von Beginn an zweifeln, was ihr mehr Möglichkeiten gibt, sich auszudrücken als Fenechs Rollenvorgabe der eingeschüchterten Frau. Marina Malfatti ist wie ein Hauch im Abendlicht - undurchsichtig, aber von einer physischen Zerbrechlichkeit, die sie zu einem weiteren Opfer macht, das umso perfider handelt, als es dem Leiden nur dadurch entgeht, indem es andere seinen Platz einnehmen lässt. Die tragische, fast schon poetische Figur verblasst jedoch durch die grobe Präsenz der beiden Teufelsbrüder Rassimov und Ugarte. Ihre weltlichen Absichten werden leider erst viel zu spät als rationaler Faktor ins Spiel gebracht, Testament und Brief gehen in der turbulenten Jagd fast unter. Die Bedeutung, welche die obskure Gruppe dadurch erhält, schwächt den Krimiplot und überhöht die Praktiken der Sekte, welche sicher jene Zuschauer erfreuen, die nur nach Sleaze und Schauwerten gieren, wobei die augenrollenden Satansjünger doch unfreiwillig komisch wirken.

    Schneewittchen Edwige und der böse Wolf aus dem Schloss des Schreckens ringen miteinander um ihre Seele - so schaut es vordergründig aus. Tatsächlich stehen pekuniäre Motive auf dem Plan, welche jedoch zu beiläufig und damit plotschwächend umgesetzt werden. George Hilton als Fels in der Brandung erhält wenig Gelegenheit zum Agieren, man wünscht sich, er hätte die Satans-Mischpoke viel früher ins Abseits befördert. Knappe 3 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Auftrag: Mord" (Deutschland 1970)
    mit: Walter Wilz, Friedrich G. Beckhaus, Hannelore Schroth, Reinhard Kolldehoff, Fritz Suppan, Frank Straass, Werner Schumacher, Susanne Beck, Manfred Reddemann, Renate Schubert, Heinz Rippert, Anke Kröning u.a. | Drehbuch: Bruno Hampel | Regie: Dieter Lemmel

    Otto Grolbek hat vor ein paar Monaten das Lokal von Vera Zinn übernommen, die nach Portugal ausgewandert ist. Dafür soll der junge Mann ihr monatlich DM 3000 auf Leibrente bezahlen. Mittlerweile bereut er die Vereinbarung, weil er unterm Strich draufzahlen wird, wenn Frau Zinn ein hohes Alter erreichen sollte. Grolbek wendet sich an seinen alten Bekannten Janos Klewe, den er schon einmal in einer Strafsache gedeckt hat. Nun soll er für ihn Vera Zinn ermorden und ihren Tod wie einen Selbstmord aussehen lassen. Klewe reist nach Portugal und sucht die Frau in ihrem Haus auf. Doch dann kommt es zu einer Wendung, mit der Otto Grolbek nicht gerechnet hat....



    Walter Wilz steht im Mittelpunkt des Fernsehkrimis, der eine seiner letzten Arbeiten als Schauspieler war. Zur ZDF-Ausstrahlung im September 1970 berichtete das "Hamburger Abendblatt", dass Wilz im Mai 1970 eine eigene Fernseh- und Theaterproduktionsfirma namens "Zero" in München gegründet hatte und eine siebenteilige Dokumentarfilmserie über Afrika drehte. Der Schauspieler war also dabei, sich ein zweites Standbein zu schaffen und verlagerte seine Arbeit hinter die Kamera. "Auftrag: Mord" sollte ursprünglich der Pilotfilm zu einer ganzen Serie werden, ermittelnder Beamter war Reinhard Kolldehoff als Kommissar Mungowski. Der TV-Sender wollte seinem Erfolgsformat "Der Kommissar" mit Erik Ode wohl nicht Konkurrenz machen und setzte deshalb die bereits vorhandenen Bücher von Autor Bruno Hampel nicht um. Dabei handelt es sich bei dem vorliegenden knapp neunzig Minuten langen Kriminalfilm um eine spannende, schnörkellose Mordgeschichte, die neue Facetten der Darsteller zeigt, die hier gegen ihr Image besetzt worden sind. Sympathieträger Walter Wilz zeigt einen eiskalt berechnenden Charakter ohne Skrupel, der sich finanziell verspekuliert hat und nun nach einem eleganten Ausweg sucht. Geschickt schafft es das Drehbuch, Otto Grolbek zur Identifikationsfigur aufzubauen, wobei auch die Kameraführung nicht unwesentlichen Anteil hat. Walter Wilz' Gesicht wird häufig in Nahaufnahme gezeigt, sein Profil ist kantiger und männlicher geworden ist. Die düstere Rolle steht ihm gut und entlockt seinem Repertoire morbide Akzente, die ihn reifer und überlegener wirken lassen. Sein Otto Grolbek ist ein Mann, der unnahbar und unbequem agiert und keine Freundschaften, sondern Zweckbündnisse schließt.

    Eröffnet der Krimi noch unter den Vorzeichen von Rebellion und Vandalismus, so zeichnet sich bald ab, dass der Geschädigte dabei ist, den Spieß umzudrehen und seinerseits jemandem zu schaden. Das Drehbuch hält mehrere solcher ausgeklügelter Schachzüge bereit und hält das Publikum mit einigen überraschenden Wendungen bei Laune. Die Konzentration auf das Vertuschen und Spurenverwischen macht den Zuschauer zum Komplizen, der sich recht bald mit dem männlichen Hauptdarsteller identifiziert. Reinhard Kolldehoff hat es zunächst schwer, sich gegen den charismatischen Täter zu profilieren, überzeugt dann aber durch hartnäckiges Hinterfragen jedes Details und elegantes Auslegen von listigen rhetorischen Fallen. Gab es im Mittelteil einen kleinen Durchhänger, der vor allem der Ratlosigkeit nach dem missglückten Anschlag geschuldet war, so messen sich Wilz und Kolldehoff bald offen miteinander und zeigen dabei ein Katz- und Mausspiel, wie man es sich für ein intelligentes Verhör wünscht. Hannelore Schroth inszeniert ihre Vera Zinn als kurzfristig verunsicherte Frau, die gern glauben würde, dass alles ins Lot kommt, aufgrund schlechter Erfahrungswerte jedoch misstrauisch und vorsichtig geworden ist. Dennoch kommt sie weitgehend den Vorgaben ihrer Umgebung nach, weil sie keine Fehler machen und vor allem nicht auffallen will. Susanne Beck hat eine kleine Rolle als schusselige Autofahrerin, deren zufällige Beobachtung später ein wichtiges Indiz liefert. Die Stimmung ist vergleichbar mit "Der Kommissar" und "Das Kriminalmuseum", wobei die Aufnahmen in Portugal für einen abstrakten Gegenpol sorgen, der das potenzielle Mordopfer noch mehr isoliert und der Anonymität aussetzt.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Vor ein paar Tagen wieder gesehen und festgestellt, dass die Geschichte auch bei ihrer Zweitsichtung nichts von ihrem Reiz eingebüßt hat. Besonders intensives Spiel von Jutta Speidel und Monika Peitsch, wobei ihre Charaktere unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier das blühende Leben in elegantem Blau, mit scharfem Verstand und präziser Beobachtungsgabe und dort die nervöse, unsichere Dame in Brünett, deren Angst sie labil und fremdbestimmt agieren lässt. Bei den Herren punkten Michael Degen als berechnender Vabanquespieler und Udo Vioff als Ermittler in eigener Sache. Franz Rudnick bleibt als Inspektor nicht viel mehr zu tun, als den Dingen ihren Lauf zu lassen und auf die Eigendynamik der konkurrierenden Personen zu vertrauen. Stilvoll, ausdrucksstark und überraschend, eine klare Empfehlung auch für jene, welche die klassischen Durbridge-Fernsehspiele für verstaubt und bieder halten!

  • Eine Frau sucht Liebe (1969)Datum03.11.2018 20:41
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Die Bauten für den Film stammten vom Filmarchitekten Robert Stratil (1919-1976), der seine berufliche Laufbahn bei der Bavaria begonnen hatte und sein Betätigungsfeld in den späten Sechziger Jahren vom Film zum Fernsehen verlagerte. Er arbeitete dort u.a. für die Kriminalserien "Kommissar Freytag", "Pater Brown" und "Der Kommissar". Vor seinem Engagement für "Eine Frau sucht Liebe" hatte er die Set-Dekorationen für namhafte Unterhaltungsfilme wie z.B. "Der Arzt von Stalingrad", "Das schwarze Schaf" oder "Eins, zwei, drei" entworfen.

  • Bewertet: "Der Alte"Datum03.11.2018 14:48
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Hass" (Folge 59)
    mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Wolfgang Zerlett, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Ernst Schröder, Ursula Lingen, Rudolf Schündler, Gila von Weitershausen, Holger Petzold, Ullrich Haupt, Alf Marholm, Sky Dumont, Eva Kinsky, Kunibert Gensichen u.a. | Drehbuch: Volker Vogeler | Regie: Zbynek Brynych

    Der Unternehmer Ludger Brinkmar und seine Frau Marianne haben sich nichts mehr zu sagen. Nach Jahren der Loyalität ist das Paar an einem Punkt angelangt, an dem es sich gegenseitig beschatten lässt, sogar das Wort Mord ist bereits gefallen. Kommissar Köster geht einer Anzeige von Frau Brinkmar nach, die ihren Mann beschuldigt, sie töten lassen zu wollen. Kurz darauf schießt ein Unbekannter vom Dach eines Hotels auf Marianne Brinkmar, sie erleidet jedoch nur einen Streifschuss im Arm. Als sie mitten in der Nacht aus dem Krankenhaus entführt wird und die Erpresser Brinkmars gesamtes Vermögen fordern, hegt Köster einen unglaublichen Verdacht....



    Stand Regisseur Brynych in den ausgehenden Sechziger bzw. den Siebziger Jahren oftmals für krude Experimente mit urplötzlichen Gefühlsausbrüchen (z.B. "Der Kommissar"), so setzte er in seinen späteren Inszenierungen für "Derrick" und "Der Alte" gebündelte Akzente, die statt eines aggressiven roten Fadens nur seine blassblaue Handschrift zeigen. Feinfühlig, fast wie betäubt verharren die Protagonisten in gefrorenen Emotionen. Brynych zeigt die vornehmen Kreise mit gebührlicher Distanz und fokussiert ihre schockerstarrten Gefühle wie unter einer Glasglocke. Der melancholische Unterton einer vergangenen Zuneigung; die brach liegenden Talente einer unterschätzten Frau, die ihre letzte Trumpfkarte ausspielt und die Tragik des Dieners, der in Livree und mit ergebener Geistes- und Körperhaltung eine Philosophie vorlebt, die alles zu entschuldigen versucht und das Individuum jeglicher persönlichen Regung beraubt. Ernst Schröder zeichnet einen Mann, der Erklärungen für das Verhalten seiner Frau gibt und damit im Gegensatz zu den aufbrausenden Charakteren, die er sonst gern verkörpert, über den Dingen steht und mit dem Kommissar sogar ein wertschätzendes Zweckbündnis eingeht. Ursula Lingen gibt das entschlossene und furchtlose Opfer, das die Karten zu seinen Gunsten neu mischt und zur Reizfigur der Folge wird. Die psychologisch ausgefeilte Umsetzung ihres Machtkampfes mit Ernst Schröder, der mit kaltem Lächeln bis ins Detail geplant ist, lässt auch Köster zum resignierten Zuschauer werden. Gila von Weitershausen spielt die undankbare Rolle der Geliebten, die kaum drei Sätze zu sagen hat, während der von Sky Dumont entworfene Scharfschütze ansprechend geheimnisvoll mit Trenchcoat und Zigarre zum Inbegriff der Heimtücke wird.

    Elegant in Szene gesetzt, profitiert die Episode vom stilsicheren Spiel seiner Akteure, die bis in die Nebenrollen überzeugen. Die Themen Rache, Verlust und Niederlage werden fast poetisch umgesetzt, ohne dabei den Kriminalfall aus den Augen zu verlieren. 5 von 5 Punkten

  • Marisa Mell - Filme & KarriereDatum03.11.2018 13:16
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Heute Abend, 3. November 2018 wird innerhalb der Werkschau "Der Kameramann Wolf Wirth - die coolsten Bilder des Wirtschaftswunders - kuratiert von Jan Gympel" der Rolf-Thiele-Film "Venusberg" gezeigt.

    Beginn: 21 Uhr, Zeughauskino Berlin Stadtmitte Unter den Linden 2

  • Hass ohne Gnade (1962)Datum28.10.2018 14:42

    BEWERTET: "Hass ohne Gnade" (Deutschland 1962)
    mit: Maria Perschy, Horst Frank, Dorothee Parker, Dietmar Schönherr, Otto Storr, Danilo Bezlay, Dimitrij Bitenc u.a. | Drehbuch: Franz Höllering, Leo Lania | Regie: Ralph Lothar

    Der exzentrische Dirigent Saran ist ein besessener Musikfanatiker, dem die Zwillingsschwestern Martina und Claudia, zwei talentierte Pianistinnen, nacheinander verfallen. Als Martina sieht, dass Saran Claudia bevorzugt, erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und wird in einem Sanatorium untergebracht. Währenddessen probt Saran mit Claudia und der jungen Sibyl für ihr erstes großes Konzert. Als Claudia ihre Schwester Martina in der Nervenklinik besucht, gelingt es Martina, den Schlüssel zum Gartentor an sich zu nehmen und flieht. Claudia läuft ihr bis zu einem Steinbruch nach, wo es zu einem tödlichen Zwischenfall kommt. Nur eine der beiden Schwestern wird zu Saran zurückkehren....



    "Sie kennen mich nicht? Seien Sie froh."

    Wegen seines für die damalige Zeit gewagten Themas ("Popular-Psychologie, Künstler-Dämonie und Krüppel-Komplex", Hamburger Abendblatt vom 28. Juli 1962) erhielt der im Jahr 1961 in der slowenischen Stadt Laibach gedrehte Film eine Freigabe ab 18. Freilich finden die wirklich pikanten bzw. kriminalistisch relevanten Szenen größtenteils im Off und in der Vorstellung des Zuschauers statt, was den Film allerdings nicht weniger reizvoll macht. Die Voraussetzungen für ein verhängnisvolles Dreieckskarussell in wechselnden Varianten sind gegeben und nehmen immer wieder an Fahrt auf. Die Atmosphäre ist aufgeladen mit Emotionen unterschiedlicher Couleur und zeichnet sich durch das eiskalte Spiel Horst Franks und das diametrale Agieren seiner Kollegin Maria Perschy aus, deren Charaktere wie Feuer und Wasser sind. Ihre Hochbegabung drückt sich in übersteigertem Egoismus, demonstrativer Verachtung und überreizten Nerven aus, was die beiden gegeneinander ausspielt, jedoch nicht verhindert, dass es immer wieder zu hitzigen Konfrontationen und kühlem Abservieren des anderen kommt. Das Kräftemessen zwischen der totalen Konzentration auf die Musik und der Ablenkung durch den menschlichen Faktor, führt zu einem Verlust der Balance, was letztendlich in gefährliche Ausnahmesituationen mündet. Der Kontrollverlust ist bereits eingetreten, als der Vorspann einsetzt und so dominiert das ungute Gefühl, dass es auf diesem Weg kein Zurück in die Normalität gibt, die Vorahnung des Zuschauers. Der seltsame Kontrast zwischen dem barschen Umgangston während der Proben und der privaten Beziehung, die immer nur dann gestattet ist, wenn es Horst Frank als Saran erlaubt, macht das Dilemma sichtbar, in dem Maria Perschy in ihrer Doppelrolle als Claudia und Martina gefangen ist. Mit Dorothee Parker als zweiter Pianistin und dem hartnäckigen Dietmar Schönherr als Arzt, erhält das Trio furioso in der Verkörperung durch Frank/Perschy einen bürgerlichen Rahmen, der den Wahnsinn der Hauptfiguren betont und unterstreicht. Vom ersten Augenblick an wird der Zuschauer Zeuge eines zerstörerischen Kampfes um Vorherrschaft und Selbstbehauptung.

    Wer Maria Perschy vornehmlich als kühle Blondine in "Der Henker von London" (1963) kennt, wird überrascht sein, wie entfesselt sie in "Hass ohne Gnade" agiert. In der anspruchsvollen Rolle der braven Claudia und der sanguinischen Martina ficht sie eine Partie gegen alles und jeden und vor allem auch gegen sich selbst. Anfangs noch um die Wahrung eines förmlich-korrekten Erscheinungsbildes bemüht, bricht das mühsam konstruierte Gerüst nach und nach zusammen und die Fassade kann schon bald nicht mehr aufrecht erhalten werden. Obwohl nie ausgesprochen wird, was außerhalb der Sanatoriumsmauern geschah, kombiniert der Zuschauer den wahren Sachverhalt anhand der untrüglichen Beweise, die das von Hektik, Ungeduld und Bosheit dominierte Spiel Perschys liefert. Leider gibt es kaum Großaufnahmen ihres Gesichts, was man Kameramann Georg Krause anlasten muss. Dramaturgisch hätte es die Intensität von Perschys Aktionen um ein Vielfaches gesteigert, hätte Krause die Schauspielerin öfter exklusiv in den Fokus gerückt und ihr damit die Möglichkeit gegeben, die Nuancen ihrer Mimik nachhaltiger zu inszenieren. Im allgemeinen muss man also feststellen, dass der Schwerpunkt auf ihren Aktionen liegt und weniger auf ihrem Fühlen. Die "Hölle der Erfahrungen" zu vermitteln, wie es z.B. Kollegin Romy Schneider mit einem Ausdruck in ihren Augen oder einem Zucken um ihren Mund gelingt, bleibt Maria Perschy durch die ungünstigen Kamerapositionen teilweise verwehrt und man fragt sich, wer dafür verantwortlich ist. Lag es an Vorgaben des Produzenten Wolf C. Hartwig, der seine Lebensgefährtin Dorothee Parker gern prominent und gefällig in Szene setzen wollte (Parker hat in der Tat sehr viele Nahaufnahmen)? Oder lag es an Regisseur Lothar, der den Wahnsinn der Martina durch die Spiegelung in Saran bändigen und ihm seine Alleinstellung nehmen wollte? Maria Perschy reduziert ihre Rolle nicht auf hysterische Ausbrüche, sondern lenkt ihre bohrenden Gedanken und abgewürgten Emotionen in Taten, die ihr helfen, einen Ausweg zu finden und sich dabei an jenen Personen zu rächen, die sie für ihre Situation verantwortlich macht.

    Allen voran der Egomane Saran, dessen Beweggründe Horst Frank mit eleganter Gleichgültigkeit verschleiert, welche jedoch durch Dr. Elmer aufgedeckt und offen angesprochen werden. Während sich Frank leidenschaftlich für seine Passion, die Musik, engagiert, liegen dem Humanisten Schönherr die Probleme der Menschen näher und er avanciert zu einem entschiedenen Gegner der Lebenseinstellung Sarans. Saran kultiviert eine distinguierte Aura der Unnahbarkeit, obwohl er die Grenzen zu anderen immer dann überschreitet, wenn dies unerwünscht ist und nur seinem eigenen Bedarf an Machtausübung dient. Horst Frank agiert mit präziser Distanz und passgenauem Einsatz, während sich Dietmar Schönherr unermüdlich um Menschlichkeit bemüht und emotionale Schadensbegrenzung bei den weiblichen Figuren betreibt. Dorothee Parker bleibt streckenweise unbeteiligt und taut erst im Verlauf der Handlung langsam auf, steht sie doch im Schatten des exaltierten Duos Frank/Perschy und müht sich, Akzente zu setzen und sich mit eigener Duftnote profilieren zu können. Die Karriere der Darstellerin erfuhr nach der Trennung von Hartwig eine neue Wendung, als sie sich vom Filmgeschäft abwendete und in Hamburg eine renommierte Modelagentur aufbaute. Zuvor hatte sie u.a. in den Filmen "Der Satan lockt mit Liebe", "Endstation Rote Laterne" und "Das Mädchen mit den schmalen Hüften" mitgewirkt. Durch die Konzentration auf eine Handvoll Darsteller erhält die Produktion atmosphärische Dichte, die durch die Musik von Tschaikowsky und Chopin intensiviert wird. Ein Ausbrechen aus der klaustrophobisch anmutenden Lage ist unmöglich, weil es den Sturz in ein Vakuum bereithält, weswegen letztendlich nur eine radikale Lösung ein Minimum an Befreiung bedeuten kann. Freilich täuscht sich der Betreffende damit selbst, weil die Verzweiflung bereits so weit vorangeschritten ist, dass sie nur durch Sedierung kurzzeitig eingedämmt werden kann. Am Ende schließt sich der Kreis, wobei die Kamera in der Umklammerung der Restriktion verharrt und nur jene aus ihrem Blickfeld entlässt, die sich nichts zuschulden kommen lassen haben.

  • Die junge Sünderin (1960)Datum26.10.2018 13:18
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Die junge Sünderin" (Deutschland 1960)
    mit: Karin Baal, Rudolf Prack, Vera Tschechowa, Paul Hubschmid, Grethe Weiser, Peter Thom, Inge Egger, Rainer Brandt, Lore Hartling, Ruth Nimbach, Georg Lehn, Peter Vogel, Bum Krüger, Hans Richter, Albert Bessler u.a. | Drehbuch: Maria von der Osten-Sacken und Peter Berneis | Regie: Rudolf Jugert

    Eva Reck und Carola Ortmann kennen sich seit ihrer Kindheit. Die beiden Mädchen wurden am gleichen Tag geboren, doch während Carola die Tochter des vermögenden Werner Ortmann ist, wuchs Eva ohne ihren im Krieg gefallenen Vater in einfachen Verhältnissen auf. Als Eva kurz vor dem Abitur wegen einer Intrige von der Schule abgeht, trennen sich die Wege der Freundinnen. Während Carola bei ihrem Vater in einer feudalen Villa wohnt und sich heimlich mit einem Astronomen verlobt, arbeitet Eva in einem Büro, bis sie auch dort kündigt, weil ihr der Vorsteher ein unmoralisches Angebot macht. Sie sucht wieder den Kontakt zu Carola und wird zu deren Geburtstagsparty eingeladen. Werner Ortmann ist inzwischen Witwer und findet Gefallen an dem hübschen Mädchen Eva. Doch die Vorstellungen der beiden gehen auseinander und der nächste Konflikt scheint programmiert....



    Der Titel impliziert beim Publikum die Vorstellung, es hier mit einem gefallenen Mädchen zu tun zu haben, das durch den Namen Eva mit Paradies und Sünde assoziiert wird und in Karin Baal aus den "Halbstarken" die passende Verkörperung gefunden zu haben scheint. Darum vergisst der Zuschauer, dass sowohl "Die Sünderin", als auch "Die Halbstarken" bereits ein paar Jahre zurückliegen und der Verleih gern auf reißerische und zugkräftige Titel zurückgreift, wenn damit Kasse zu machen ist. Dabei hat es die Produktion gar nicht nötig, sich mit falschen Vorstellungen zu schmücken, ist die Thematik doch ansprechend genug. Die weibliche Hauptfigur hat die Kraft, den kompletten Film auf ihren Schultern zu tragen und schafft es, dass die meisten Männer neben ihr furchtbar alt - in Körper und Geist - oder unverbesserlich chauvinistisch wirken. Das Charisma von Karin Baal ist unwiderstehlich, ihr Scharfsinn und ihre Schlagfertigkeit sind es nicht weniger. Ihre jugendliche Begeisterungsfähigkeit bremst den klaren Verstand nur zwischenzeitlich aus, wenn sie sich von ihren Träumen mitreißen lässt und Wünsche antizipiert, die von ihrem Ehrgeiz, einmal reich zu sein, herrühren. Die Enttäuschung darüber, dass ihre Prognosen über die Natur des Menschen auch auf Personen zutreffen, die ihr nahe stehen, lässt sie fortan ernüchtert aus Kalkül handeln, um größeren Schaden abzuwenden. Der Film zeigt die Entwicklung der Figur Eva vom kleinen Mädchen, das sich fragt, warum es sich immer bedanken muss bis zu der kritischen jungen Frau, die Ungerechtigkeiten aufgrund Herkunft oder Geschlecht nicht ausstehen kann und impulsiv dagegen aufbegehrt. Sie spricht demütigende Situationen mit klaren Worten an, was durch Karin Baal eine doppelte Wirkung erhält, entspricht sie doch dem Typ Frau, der gelernt hat, sich zu wehren statt in Demut auf wohlwollende Güte zu hoffen. Vera Tschechowa verkörpert einen weitaus konservativeren Typ, muss sich allerdings auch nichts erkämpfen oder erarbeiten, da ihr Leben Voraussetzungen mitbringt, die es ihr leicht machen, sich darin bequem einzurichten und auf ihre Ausstrahlung zu vertrauen. So bleiben ihre Fähigkeiten weitgehend ungenutzt.

    Der Film ist sehr schön fotografiert, das elegante Schwarzweiß betont die urbane Architektur und zeigt Berlin als makelloses Beispiel moderner Bauten. Eine Stadt, die ebenso nach vorne schaut wie seine vitale Hauptdarstellerin. Die hochfliegenden Pläne drücken sich in der Bildsymbolik der Stahlbrücken, Wolkenkratzer und Denkmäler aus, die buchstäblich Gräben überwinden oder nach oben streben. Der Krieg liegt weit zurück, wobei die Familie Ortmann die physischen und psychischen Trümmer weitaus erfolgreicher wegräumen konnte als Familie Reck. Werner Ortmann errichtete darauf die Basis für seinen heutigen Wohlstand, während Eva Reck noch dabei ist, den Staub abzuschütteln und zu beweisen, dass sie es aus eigener Kraft schaffen kann, ohne Anbiederung an die Väter-(und Täter)Generation. Diese findet in Albert Bessler, Bum Krüger und Hans Richter fordernde und lüsterne Vertreter, die darauf vertrauen, dass Versprechungen oder wahlweise Drohungen die erwünschten Ergebnisse liefern werden. Der alltägliche Sexismus wartet auf Eva Reck an Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte ebenso wie ihr zweideutige Angebote gemacht werden, sobald sie das gesellschaftliche Parkett betritt. Paul Hubschmid in Gestalt eines misstrauischen Millionärs hat als männlicher Gegenpart ähnliche Erfahrungen gemacht, da er primär Zielscheibe von Frauen wurde, die nach finanzieller Absicherung strebten. Er ist deshalb der einzige Mann, der Verständnis für Evas zwiespältige Lage mitbringt und ihre Bedenken in Bezug auf die Ehrlichkeit von Bekanntschaften teilt. So vielversprechend die Ausgangslage ist, so hastig scheint die Herbeiführung einer Lösung im Sinne der bürgerlichen Ordnung für alle Beteiligten zu sein. Bedenken, Neuorientierungen und Alleingänge werden mit energischer Vernunft vom Tisch gefegt, als hätte es sie nie gegeben. Die Harmonie siegt über die letzten Zweifel und zementiert die heile Welt, in der nun auch Eva Reck ihren Platz gefunden hat. Es scheint so, als hätte Rudolf Jugert der Mut verlassen, den eingeschlagenen Pfad konsequent zu Ende zu gehen und sich gegen die Erwartungen der Masse zu stemmen. Ein anderes Finale hätte die Luft gereinigt und mehr Glaubwürdigkeit vermittelt.

    Ästhetische Unterhaltung mit einer erfrischenden Karin Baal und soliden Leistungen von Prack, Tschechowa und Brandt, die gegen Ende mehr Konsequenz und Mut zum Grundthema des Films vertragen hätte. 4 von 5 Punkten

  • Eine Frau sucht Liebe (1969)Datum25.10.2018 13:55
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Anbei die komplette Kritik aus dem "Filmdienst" Band 22 / Jahrgang 1969:

    "Eine Frau sucht Liebe" - Meinung der Kritikerin mit der Signatur "PL"

    Eine Szene des Films spielt in einem Spiegelkabinett, in dem sich die Zu- und Ausgänge in einen Irrgarten verwandeln. George, die einzige Figur in der Geschichte des Films, die mit normalem Sinn und Sinnesgenuß neben verquerten Typen vorkommt, wird dort von zwei Unbekannten ohne ersichtlichen Grund angefallen und aufs Kreuz gelegt. Zweifellos lag es in der Absicht der Hersteller, Leinwandverwirrung zu stiften. Denn Jane, eine hübsche junge Angestellte im Buchantiquariat von Mr. Terkins, kann Wirklichkeit und Wahn nicht unterscheiden. Sie räkelt sich durch erlebte und geträumte Sexuallust oder quält sich ebenso ergiebig zwischen Angstsituation und Zwangsvorstellungen (Eva Renzi, wie immer, ausdrucksstark). Das Mißverständnis des Films beruht darauf, daß auch der Zuschauer in diesem konfusen Labyrinth von Täuschungen und teils unappetitlichen, teils makabren Bildern, 115 lange Minuten vergeblich herumirren muß, ohne sich ganz zurechtzufinden. Stattdessen darf er sich wundern, daß mit einem so ansehnlichen Aufgebot von Namen (Regie, Besetzung, Kamera, Schnitt) ein solcher Qualitätsreinfall zu bewerkstelligen ist. Der Film verweist im einleitenden Rolltext auf den hohen Prozentsatz seelisch Kranker, und der Besucher stellt sich auf innere Konfliktsituationen ein, die durchleuchtet werden. Aber er wird vornehmlich mit exaltiertem oder zelebriertem Sex konfrontiert, der eine Schlagseite Crime hat. Hier liegt sicher kein Mißverständnis, sondern spekulative Absicht vor. Janes offenkundige Zwangsneurose entwickelt sich aus einem "Zwischenfall" während einer heftigen Liebesbegegnung mit George. Aber weil sie nicht auf der gesuchten Psychiater-Couch landet, sondern irrtümlich bei einem Tierpräparator (Hans Clarins komisches Talent wird dabei auf ein als Kleiderständer benütztes menschliches Skelett abgedrängt!), bleibt ihr Schock ungeheilt. Dagegen gibt es für ihren abartigen Arbeitgeber Terkins eine "Endlösung". Ehe ihn Jane ersticht, spukt er als Unhold durch Wände von Büchern, übt sich als Messerwerfer und wehrt lästige Rivalen ab, die die sexuelle Hörigkeit von Jane stören könnten oder zur Eifersucht gegenüber ihrer Kollegin Helen aufreizen. Helens Neigungen sind lesbischer Natur. Sie kann das Verhältnis mit ihrer Partnerin mehrmals so eingehend demonstrieren, als gälte es, daraus eine Aufklärungsstunde zu machen! Als photogene Entspannungsübung führt George seine Freundin Jane auf das Münchener Oktoberfest. Doch der Besuch bei einer Wahrsagerin verdüstert Jane in neue Orakel. Auch ein Hilferuf an die Polizei zur Aufklärung des Zwischenfalls bringt nichts ein als die zweideutige Auslegung des Slogans "Die Polizei - dein Freund und Helfer". Am Schluß des Films wird die Ausgangssituation am Tatort rekonstruiert, aber es wiederholen sich die gleichen Bilder. Die psychologische und kriminalistische Preisfrage - Einbildung oder Wirklichkeit - bleibt offen. Kein Anlaß also, den Film bis zum Ende durchzustehen, wozu sich eine Reihe von Kinobesuchern auch gar nicht erst entschließen.

    Abschließend steht als Fazit:

    Gutachten der Kommission: Erlebnisse eines jungen Mädchens, bei dem sich eine sexuelle Zwangsneurose entwickelt. Das Geflecht von Wirklichkeit und Einbildung bleibt bis zum Ende konfus und entgleitet besonders im Umfeld in peinliches Sexualverhalten, das von der Thematik nicht gedeckt wird. - Wir raten ab.

    Auffallend ist der Widerspruch über die Laufzeit. Während der Film in den einleitenden Stabangaben zur Kritik mit 82 Minuten angegeben wird, berichtet Frau PL von 115 Minuten und man fragt sich, wie sie zu dieser Behauptung kommt. Interessant ist auch die Feststellung, dass mehrere Kinobesucher die Vorstellung vorzeitig verließen.

  • Parapsycho - Spektrum der Angst Datum20.10.2018 20:11
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Nachbetrachtung zu "Parapsycho - Episode III - Telepathie - Hypnose"

    Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Alexandra Drewes-Marischka und Mathieu Carrière ist beachtlich. Ihr Spiel benötigt gar nicht vieler Worte, was im Falle von Drewes-Marischka ohnehin nicht gegeben ist. Schon die erste Kontaktaufnahme vor dem Spiegel, als Carrière das Bild berührt, über Auge und Wange streicht und die Frau seine Bewegung synchron ausführt, verheißt eine Verbindung, die verhängnisvoll und faszinierend zugleich ist. Über sich selbst und die Macht, welche sie ruft, erschrocken, starrt Barbara entgeistert vor sich hin. Sie scheint sich für ihre namenlosen Gefühle zu schämen, weil sie keine Erklärung dafür findet. Wie entwurzelt macht sie sich auf den Weg ins Ungewisse, liefert sich einem Mann aus, von dem sie nichts weiß und der ihr Denken völlig in Besitz genommen hat. Quälende Unruhe plagt sie durch Marios völlige Beherrschung ihrer Gedanken. Verunsicherung macht sich breit, als er sie mit Aufmerksamkeitsentzug bestraft. Der Mann benötigt die absolute Kontrolle über seine Lebensbereiche, wobei die Bewegung von mechanischen Dingen Gefahr signalisiert. Sie werden durch Mario angestoßen, der auch hier Dauer und Geschwindigkeit bestimmt. Der Spiegel als Unheilbringer deutet auf den Vorsatz der Täuschung hin. Jede Geste, jeder Blick wird aufgefangen und zurückgeworfen, doch der Betrachter nimmt sich und sein Umfeld nur spiegelverkehrt wahr. Die unheimliche Tatsache, sich selbst betrachten zu können, als ob jemand vor einem stünde, der reagiert, zuhört und antwortet, ist ebenso alt wie das Bedürfnis, die Zeit zu messen. Uhren und Spiegel sind deshalb Gegenstände, die Mario gezielt einsetzt, um seine Macht zu demonstrieren.

    Die beklemmende Stimmung findet ihren Widerhall in der melancholischen Musik, die immer wiederkehrende Phasen der Traurigkeit untermalt und Mario und Barbara in Momenten der Unsicherheit ertappt. Gleichzeitig deutet die Musik den radikalen Bruch mit positiven Tendenzen an, den spärlichen Funken der Hoffnung, die sich in den Ruhephasen zwischen den Suggestivszenen ergeben. Die geballte Kraft der Rache ergießt sich über Barbara, die bereits wieder ahnungslos geworden war und zu vergessen suchte im Angesicht ihres ebenso arglosen Gatten. Die Spiegelung der Fensterscheibe ruft sie wieder in Marios Welt zurück, die zu verlassen ihr Todesurteil bedeutet. Für Mario bedeutet es in mehrfacher Hinsicht Ende und Neubeginn zugleich. Seine Macht zu brechen, ist unerhört und kann nur durch eine noch stärkere Machtdemonstration korrigiert werden. Der Tod durch eigene Hand, der in Wahrheit ferngesteuert ist und einen völligen Bruch mit der Autonomie der Person bedeutet, bekommt durch den Sturz in die Tiefe eine doppelte Bedeutung. Die Frau, welche nicht bereit war, sich mit Leib und Seele fallen zu lassen, wird nun von Mario gezwungen, sich aufzugeben und abzutreten. So wie er sie vorher psychisch & physisch hinuntergezogen hat, so zieht er sie nun allein mithilfe seiner telepathischen Befehle herunter. Er zerstört die Frau und verwischt somit jede Spur, gleichzeitig umgeht er die Demütigung, von jemandem vergessen zu werden, den er unter seine totale Kontrolle bringen wollte. Er beginnt wieder bei Null, mit einer neuen Zielperson, deren Gedanken er in seine Richtung kanalisieren wird und deren Reaktionen er wie ein Meistervirtuose fein abstimmen und zur Vollendung führen möchte. Der Zuschauer ahnt, dass hier ein Perpetuum mobile angestoßen wird, dessen Ende bis auf Weiteres nicht abzusehen ist.

    Auf meine Anfrage hin erzählte mir Mathieu Carrière unter anderem, dass er und Alexandra Drewes-Marischka großen Spaß beim Drehen hatten, vor allem bei Alexandras telepathisch ausgelöstem Orgasmus. Carrière, der auch in Peter Patzaks Film "Zerschossene Träume" (1976) mitspielte, bezeichnet "Parapsycho - Spektrum der Angst" als im deutschsprachigen Raum untypisches B-Movie-Trash-Produkt, eine "Hommage" an die Filme der Sechziger Jahre. Das Wien von Peter Patzak war nach Aussage des männlichen Hauptdarstellers dieses Juwels eine Gegen-Unter-Welt, die der Regisseur mit großer Leidenschaft gefüttert hat.

  • Mit 17 weint man nicht (1960)Datum07.10.2018 14:30

    BEWERTET: "Mit 17 weint man nicht" (Deutschland 1960)
    mit: Heinz Drache, Barbara Frey, Matthias Fuchs, Gisela Uhlen, Michael Verhoeven, Ann Smyrner, Georg Kostya, Claus Wilcke, Erica Beer, Hans Epskamp, Fritz Schmiedel, Joseph Offenbach, Jochen Busse, Dorit Oliver | Drehbuch: Janne Furch und Joachim Wedekind | Regie: Alfred Vohrer

    Der Abiturient Horst Döring und die Apothekengehilfin Karin haben vor wenigen Monaten geheiratet. Von Karins kleinem Gehalt können sie sich keine eigene Wohnung leisten und so leben sie bei Horst' Eltern. Dessen Mutter ist in zweiter Ehe mit dem Rechtsanwalt Dr. Kurt Wegener verheiratet, den Horst nicht leiden kann. Es gibt deswegen immer wieder Spannungen, erst recht, als der 18-jährige kurz vor dem Abitur hinwirft und auf eigenen Füßen stehen will. Eine Reise nach Oberammergau endet damit, dass dem Ehepaar das Auto gestohlen wird und Dr. Wegener sie abholen muss. Doch Karin fährt allein mit ihrem Schwiegervater zurück. Während eines Zwischenstopps knistert es zwischen den beiden und man gesteht sich Gefühle ein....



    Viele Filme aus der damaligen Zeit entstanden nach populären Zeitschriftenromanen oder Tatsachenberichten, um aktuelle Stoffe zeitnah umsetzen zu können und den Geschmack des Publikums zu treffen. "Mit 17 weint man nicht" wurde in der Illustrierten "Frau im Spiegel" nach einem Roman von Heinz Gärtner veröffentlicht. Die Besetzung mit etablierten Schauspielern und jungen Talenten unterstreicht die Ambition, hier eine glaubwürdige, packende Geschichte zu erzählen, die den Nerv der Zeit traf. Alfred Vohrer inszenierte den Film, der in Österreich unter dem Verleihtitel "Tagebuch einer Verführten" in den Kinos lief, mit den Edgar-Wallace-Darstellern Drache, Uhlen, Beer und Epskamp, die sich stimmig in die Riege der Jungschauspieler fügten, die den maßgeblichen Beitrag am Gelingen der Produktion lieferten. Barbara Frey, deren Porträts junger Frauen in schwierigen Situationen stets gelungen und überzeugend sind ("Ich kann nicht länger schweigen", "Geständnis einer Sechzehnjährigen"), schafft es, ihrer Zerrissenheit Ausdruck zu verleihen und transportiert ihre Emotionen mit gleichbleibender Intensität, die sich fast bis zur Selbstzerstörung steigert. Matthias Fuchs hat es schwer, über sich hinauszuwachsen und verharrt lange in der Rolle des Schuljungen, der mit seinem Leben hadert und unüberlegte Schritte unternimmt. Ein erfahrener Mann wie Heinz Drache hat es hier leicht, den Platz des verständnisvollen Zuhörers einzunehmen, der die richtigen Worte findet und der jungen Frau dort Unterstützung zusagt, wo ihr Ehemann scheitert. Einmal mehr kann sich Drache als überlegen und weltmännisch in Szene setzen, selbst Formulierungen wie "liebes Kind" - an die Adresse der jungen Frau gerichtet - fehlen nicht. Die gefährliche Mesalliance lässt keinen Zweifel, dass er sich am Ende zurückziehen wird, um seinen Status nicht zu gefährden, während Barbara Frey vergebens darauf hofft, er könnte es ernst meinen. Dennoch ist er noch nicht so abgebrüht wie in seinen Rollen als Edgar-Wallace-Ermittler und spürt den Druck durch Erpressung einerseits und Schuldgefühlen andererseits noch sehr präsent. Seine Performance ist deshalb durchaus für positive Überraschungen gut.

    Gisela Uhlen wird von den Entwicklungen innerhalb der Familie jeweils überrascht, weil falsche Rücksichtnahme und Scham ihr viele Neuigkeiten erst spät zuteil werden lassen. Dabei wahrt sie wie immer ihre Contenance und demonstriert ihre unbeugsame Würde. Sie überlegt still und entscheidet schnell, alle Konsequenzen in Kauf nehmend. Ein strafender Blick von ihr bringt selbst einen Heinz Drache zum Schweigen und ihre Autorität setzt sich am Ende immer durch. In ihrer Rolle als Mutter und Schwiegermutter bleibt sie auf Distanz, obwohl sie Emotionen bewegen. Sie weiß, dass ihre Erwartungen nicht immer erfüllt werden, lässt es sich jedoch nicht nehmen, ihre Missbilligung auszudrücken. Michael Verhoeven fällt die Aufgabe zu, als Bindeglied zwischen den beiden Seiten zu fungieren. Er entwickelt sich zur wichtigen Schlüsselfigur, die den kriminalistischen Gehalt der Geschichte offenlegt und Abläufe vorantreibt, die dazu führen, dass plötzlich alles in Frage gestellt wird. Ann Smyrner spielt die verschlagene Intrigantin, deren Ränkespiele den naiven Matthias Fuchs an neue Chancen glauben lassen, wobei er erneut an eine sorgenfreie Zukunft ohne Einhaltung des Familiencodex glaubt. Erica Beer stellt die mütterliche Anlaufstelle in der Apotheke dar und ersetzt Barbara Frey die fehlende Ratgeberin innerhalb der Familie. Sie strahlt Vertrauen aus, ein Aspekt, welcher der verzweifelten Karin verlorengegangen ist und der sie zu angstmotivierten Handlungen treibt. Die Spannungs- und Temposchraube wird noch einmal ordentlich angezogen und setzt Energie frei, die Alfred Vohrer gekonnt in Bahnen lenkt, bevor er dann wie von einer unsichtbaren Bremse zur Ordnung gerufen wird. Auf der Zielgeraden scheint die FSK Pate gestanden zu haben, um den anklingenden Kolportagecharakter noch rasch abzuwenden. Deshalb wirkt das Ende ein wenig arg konstruiert und die erläuternden Worte vor Gericht doch sehr gestelzt, was den sonst guten Gesamteindruck ein wenig schmälert. Der Film liegt in einer um vier Minuten gekürzten Fernsehfassung vor, die Kinoauswertung erhielt eine Freigabe ab 16 Jahren.

    Familiendrama mit hochkarätig besetztem Ensemble, das seinen Illustriertencharakter nicht immer verleugnen kann, durch eine straffe Regieführung und engagierte Darsteller jedoch überdurchschnittlich unterhaltsam ist. 4 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Der Alte"Datum07.10.2018 13:57
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Perfektes Geständnis" (Folge 78)
    mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Wolfgang Zerlett, Henning Schlüter, Diana Körner, Christian Quadflieg, Mathieu Carrière, Peter Neusser, Rainer Basedow, Willy Schultes | Drehbuch: Detlef Müller | Regie: Jürgen Goslar

    Edgar Wollank kommt am Samstag aus der Strafanstalt nach Hause und freut sich darauf, seine Frau zu sehen. Er findet die Wohnung leer vor und alles deutet darauf hin, dass Karin nicht allein war. Zornig und enttäuscht sucht er sie an ihrem Arbeitsplatz auf und macht ihr eine Szene. Er ahnt nicht, dass sein Nebenbuhler nur ein Büro weiter sitzt. Als kurz darauf der Geldtransporter mit den Tageseinnahmen überfallen und der Fahrer dabei erschossen wird, steht für Karin fest: das kann nur ihr Mann gewesen sein!



    Die Enttäuschung als Triebfeder für kriminelle Machenschaften lässt den Strafgefangenen Edgar Wollank wieder in Teufels Küche geraten. Vor zwei Jahren hat er im Streit einen Arbeitskollegen erschlagen, nun dichtet man ihm an, er habe einen Geldtransporter um zwei Millionen erleichtert und einen der Fahrer erschossen. Wollanks Frau Karin hat die Einsamkeit in die Arme von Jochen Holmer getrieben, Filialleiter der Firma, in der sie als Büroangestellte tätig ist. Diana Körner gibt der zweigleisig fahrenden Ehefrau ein bürgerliches Gesicht, das von Zweifeln und Schuldgefühlen gezeichnet ist. Zu viele ungesagte Worte und Monate der Abwesenheit haben ihre Ehe brüchig werden lassen. Christian Quadflieg richtet seine Hoffnung auf 48 Stunden im Monat, in denen er zuhause sein darf und alles nachholen will, was er an den anderen Tagen schmerzlich vermisst. Die Lücke, die im Laufe der Jahre immer weiter aufklaffte, füllte Mathieu Carrière, dessen behutsames Vorgehen bei der einsamen Frau den richtigen Punkt traf. Die Abläufe beinhalten mehrere unerwartete Wendungen, da sich die Schwerpunkte verschieben und aus Gemeinschaften Zweckbündnisse werden und alte Allianzen erneuert werden. Freilich sind die Fäden, die im Hintergrund geknüpft werden, leicht zu entwirren, da man von Beginn an vermutet, wer für das Komplott verantwortlich ist. Dennoch bleibt es spannend bis zum Schluss, da die Opfer nicht ganz so hilflos im klebrigen Netz zappeln, sondern mutig Alleingänge wagen und sich nach Kräften wehren. Die Polizei wird diesmal ausgewogen eingebunden und Köster und sein Team können in mehrfachen Aktionen beweisen, dass ihre Arbeit nicht nur am Schreibtisch abläuft.

    In sechzig Minuten gelingt es Jürgen Goslar und Detlef Müller eine runde Geschichte zu erzählen, die nicht nur die Schattenseiten einer Ehe im Strafvollzug aufzeigt, sondern auch die Möglichkeiten, daraus Kapital für kriminelle Zwecke zu schlagen. Das Gespann Körner/Quadflieg/Carrière überzeugt durch engagiertes und wandlungsfähiges Spiel, wobei jede Figur positive wie negative Seiten aufweist. 5 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Der Alte"Datum06.10.2018 15:08
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Der Überfall" (Folge 60)
    mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Wolfgang Zerlett, Sascha Hehn, Konrad Georg, Edda Seipel, Ute Willing, Arthur Brauss, Alwy Becker, Rainer Hunold, Hannes Kaetner, Erica Schramm, Walter Gnilka, Beatrice Norden u.a. | Drehbuch: Volker Vogeler | Regie: Alfred Weidenmann

    Warenhaus in der Münchner Innenstadt, Mitte Dezember, kurz nach Ladenschluss. Ein unmaskierter Räuber verschafft sich Zutritt zum Kassenraum, wo die Mitarbeiter gerade dabei sind, die Tageseinnahmen zu zählen. Durch die Androhung, er habe im Kaufhaus eine Bombe versteckt, erbeutet er DM 1.200.000, die er sich in einen Koffer packen lässt. Als er das Büro verlässt, wird er vom Hausdetektiv Frank Gart gestellt und mit fünf Schüssen niedergestreckt. Als Kommissar Köster am Tatort eintrifft, ist der Geldkoffer verschwunden und Frank Gart beteuert, in Notwehr gehandelt zu haben. Dennoch zweifelt Köster daran, dass der Hausdetektiv nur seine Pflicht getan hat....



    Die Subtilität des Bösen zeigt sich in dieser Folge in dem, was nach dem Überfall passiert. Die Leiche des Räubers liegt schon längst in der Gerichtsmedizin, da offenbart sich in Gestalt der 'harmlosen' Berta Erdmann das ganze Ausmaß einer Gefahr, die weitere Straftaten ins Rollen bringt und am Ende weder sich, noch anderen einen Dienst erwiesen hat. Edda Seipel spielt eine Frau, deren Mann im Zweiten Weltkrieg gefallen ist und die seitdem nicht mehr in der Kirche war. Sie glaubt, zu kurz gekommen zu sein und wittert nun eine Möglichkeit, doch noch ihren Anteil am Leben zu erhalten. Sie wendet dabei jene Methoden an, die in Kriegszeiten populär waren. Sie bespitzelt, erpresst und denunziert, um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen. Der lauernde Blick, die listigen Augen hinter den dicken Brillengläsern und der grausame Zug um den Mund lassen sie wie eine Spinne wirken, die darauf wartet, ihr Opfer einzuwickeln. Missgunst, Neid und Neugier vereinen sich zu einer bösartigen Lebenshaltung, die gerade unauffälligen Menschen so oft innewohnt, ohne dass sie zur Kenntnis genommen wird. Sascha Hehn hingegen stattet seinen Frank Gart mit einer sensiblen Seite aus, die es dem Zuschauer erlaubt, mit ihm zu sympathisieren, während Köster ihm ganz offen sagt, dass er ihm nicht glaubt. Der gutaussehende junge Mann wirkt angreifbar und verunsichert, obwohl er doch einen Beruf gewählt hat, der Stärke erfordert. Das Geheimnis hinter seiner Fassade hält die Geschichte lebendig; seine Gefühle drückt Frank Duvals "Face to Face" wieder einmal unüberhörbar aus. Wie der Charakter langsam aufgerollt wird, zeigt sich auch in der raffinierten Bildsprache, von denen das Schlussbild mit der Gitterfassade der Hochhäuser als Synonym für die Zukunft abseits des Weihnachtsmarkts steht.

    Alfred Weidenmann inszeniert Sascha Hehn als introvertierten Mann am Abzug, der den Raubüberfall mit seinen Schüssen nicht verhindern kann, dafür jedoch andere Entwicklungen lostritt, die lauernde Aasgeier auf den Plan rufen und die Vergangenheit nicht ungeschehen machen können. 4,5 von 5 Punkten

  • Der Fall X 701 (1964)Datum06.10.2018 13:35
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Wikipedia schreibt, dass es sich nicht um eine deutsch-britische Co-Produktion handelt, sondern "nur um eine Zusammenarbeit mit der extra für diesen Film gegründeten Creole Filmproduktion (Berlin + London), die keinen weiteren Film gedreht hat".

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