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  • L'amour toujours bei WallaceDatum01.07.2018 14:25
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    "Der Zinker" (1963): Beryl Stedman und Frank Sutton

    Der vierzigjährige Heinz Drache, der achtunddreißigjährige Günter Pfitzmann, die achtunddreißigjährige Inge Langen und die fünfunddreißigjährige Barbara Rütting heben sich allein durch ihr Alter von den Backfischromanzen früherer Filme ab. Der Zuschauer bekommt es hier nicht mit einer Berufsanfängerin bzw. Schulabgängerin und einem frisch von der Polizeiausbildung kommenden Beamten zu tun, sondern mit Personen, denen das Leben bereits die eine oder andere Lektion erteilt hat und deren Sinn für Romantik deshalb einem nüchternen Zynismus gewichen ist. "Die Männer- und Frauenrollen in den Edgar-Wallace-Filmen sind eingebunden zwischen Normalität, Intrigen und Wahnsinn." Professor Jens Thiele zieht dieses Fazit in "Deutsche Trivialität" im vierten Band der "Fischer Filmgeschichte". Inwiefern entspricht die Kriminalschriftstellerin Beryl Stedman dem Bild der hübschen Erbin, die bedroht wird? Zunächst einmal muss man feststellen, dass die Aussicht auf das Mulford-Erbe kaum eine Rolle spielt. Zudem ist eine physische Bedrohung nicht gegeben. Die Psyche allerdings wird herausgefordert und erhält den einen oder anderen Schock, als sich Erwartungen zerschlagen und Verbündete ihr wahres Gesicht zeigen.



    Mit Beryl Stedman in der Verkörperung durch die patente Barbara Rütting bekommt der Zuschauer hier kein Mädchen geboten, das sich laut schluchzend an die Brust des Inspektors wirft, sondern eine ernüchterte Frau, die aus der Lektion ihre Lehren zieht. Unkontrollierbare Gefühlsausbrüche nimmt man Barbara Rütting auch nicht ab, schon gar nicht, wenn es sich bei ihrem Gegenüber um Heinz Drache handelt, der so viel Empathie ausstrahlt wie ein Staubsaugervertreter. Hier liegt die Crux der Geschichte, denn mit ihm gelingt es nicht, das Bild einer ewigen Liebe zu zeichnen; das entspricht nicht seinem Charakter und sollte auch gar nicht von ihm verlangt werden. Wie schwierig der Einsatz von Heinz Drache auf dem dünnen Eis der Romanzen war, beweist die Tatsache, dass seine Partnerin in jedem Film eine andere war. Es scheint fast so, als hätte man ausprobiert, welche der Schauspielerinnen zu ihm passt und mit Barbara Rütting hatte man jene gefunden, die durch ihren Sinn für Humor Draches Selbstverliebtheit noch am ehesten parieren konnte. In ihren Dialogen begegnen sich zwei Menschen, die den Beruf des anderen prinzipiell nicht ganz ernst nehmen und das eigene Tun für die wahre Berufung halten. Man schätzt das verbale Kräftemessen, um sich selbst zu beweisen, wie Recht man hat.

    Frank Sutton genießt als Geschäftsführer der Tierhandlung Mulford das Vertrauen der Familie, was eine Annäherung zwischen ihm und Beryl begünstigt. Beide legen Wert auf strukturiertes Arbeiten und gehen ihrer Arbeit auch außerhalb der üblichen Bürozeiten nach. Komfort wird geschätzt, was sich im Auftreten und auf den Bankkonten zeigt. Die Allianz zwischen Frank und Beryl steht repräsentativ für die Kombination von Vernunft und Gefühl, wobei Emotionen in sachliche Bahnen kanalisiert werden. Einzelne Gesten der Zuneigung stehen für eine freundschaftliche Anhänglichkeit, so z.B. die geschlossene Front durch das Händchenhalten bei der Ankunft von Sergeant Leslie oder Beryl, die beim drohenden Angriff durch den Zinker ihre Hand auf Suttons Arm legt. Ihre Angst um den Partner ist echt, weil sie die Gefahr durch den unheimlichen Mörder richtig einschätzt und nicht möchte, dass ihr eigenes Umfeld in diese Geschichte mit hineingezogen wird. Trotz ihrer Vorliebe für literarische Massaker pflegt sie einen beschaulichen Lebensstil und lässt ihre Romanfiguren jene Abenteuer ausleben, für die ihr noch die letzte Konsequenz fehlt. Der Faktor Sicherheit konkurriert mit ihrer Unangepasstheit; die Rebellion beschränkt sich auf Wortduelle mit Institutionen, die Tradition und Gehorsam verkörpern.

    Dennoch verletzt sie nie die Grenzen des guten Geschmacks und scheint den kühnen Mut ihrer Tante Nancy für zu direkt zu halten. Der Schliff, den sie in den Schulen für höhere Töchter erhielt, wirkt nach, wenn Beryl sich an der Offenheit der schrulligen Hausherrin stößt. Die Schriftstellerei als Zeichen des Aufbegehrens ist in Zeiten der Massenauflagen von Sensationsblättern längst salonfähig geworden. Sie ermöglicht es Beryl, sich auszudrücken und ihre Ideen zu entwickeln, ohne dass sie auf den Verkauf der Bücher angewiesen ist, um die monatliche Miete zu bezahlen. Sie unterscheidet sich von ihren Vorgängerinnen durch die Unabhängigkeit ihrer Lebensführung, die weder auf eine günstige Heirat, noch auf eine lukrative Arbeitsstellung abzielt. Hier zeigt sich ein gravierender Unterschied zu Rivalin Milly Trent, die emotional und finanziell abhängig ist und ihren Frust darüber immer wieder hochkommen lässt. Die Unzufriedenheit schlägt in Hass um und sorgt dafür, dass sie sich immer öfter zu Bemerkungen hinreißen lässt, die ihr schaden. Das Aufdecken von Identitäten ist bei Edgar Wallace immer ein Risiko, das mit Zerstörung und Tod verbunden ist. Beryl Stedman bleibt in dieser Hinsicht lange im guten Glauben und verkennt die Warnungen, die wie die Flammenschrift bei Belsazar die aufziehende Tragödie ankündigen.

    Fazit: 3 von 5

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Bildformat 4:3

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum30.06.2018 14:39
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Immer auf der Suche nach unbekannten Film- oder Fernsehauftritten von Eva Renzi, begegnete mir dieser Tage im Internet ein Auszug aus dem Buch "Lexikon der Fernsehspiele Bd.3". Unter dem Namen der Schauspielerin findet man u.a. folgenden Eintrag:

    Thriller: "Die Zielscheibe" (1981)

    Erfreut, aber dennoch skeptisch recherchierte ich weiter und fand die Antwort, dass es sich bei "Die Zielscheibe" um "Taste of Excitement" von 1969 handelt, der im Jahr 1981 im Nachtprogramm des ZDF ausgestrahlt wurde....

  • Kai FischerDatum24.06.2018 13:53
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Kai Fischer zählt zu den schillerndsten Gästen der Serie "Hafenpolizei", die zwischen 1963 und 1966 gedreht wurde. Ihre Erscheinung bringt Glamour in die Episode und frischen Wind in die Reihe der Anzug- und Trenchcoat-Träger. In "Juwelen nach Maß", die als Folge 35 am 14. März 1966 zum ersten Mal gesendet wurde, spielt die Schauspielerin, die am Anfang ihrer Karriere ein gut beschäftigtes Mannequin war, eine Rolle, die ihr nach der Serie "Die Karte mit dem Luchskopf" (1965) gut zu Gesicht stand.

    Das Kriminalteam um Kommissar Peters (Til Kiwe) beschäftigt sich mit einem Trickbetrüger-Paar (Kai Fischer und Harry Riebauer), dem es gelingt, renommierte Juweliere in der Hamburger Innenstadt um wertvolle Ringe zu erleichtern. Dabei tritt die Frau als Interessentin für Brillantringe auf und lässt sich einige schöne Stücke zeigen. Sobald der Juwelier für einen Augenblick abgelenkt ist, tauscht sie den echten Schmuck gegen Similiringe aus, damit der Händler nicht merkt, dass etwas fehlt. Der Betrug fliegt erst auf, als die Solitäre beim nächsten Kunden wieder vorgelegt werden.

    Kai Fischer agiert mit der selben Spielfreude wie als Detektivin ihrer Agentur "Luchs", nur dass sie diesmal auf der anderen Seite des Gesetzes steht. Sie ist die treibende Kraft des Gaunerduos, stupst ihren Komplizen mit sanftem Nachdruck zu weiteren Aktionen an und hat eine buchstäblich diebische Freude, die ihrer Meinung nach verkalkten Trottel in den Juwelierläden reinzulegen. Da es sich dabei meistens um Herren im Kukident-Alter handelt, lassen sie sich leichter vom eleganten Charme der offensichtlich betuchten Kundin blenden und verwerfen jedes beruflich erworbene Misstrauen angesichts von so viel Stil und Haltung. Mit den Insignien des Reichtums ausstaffiert, begibt sich Kai Fischer betont gelangweilt an den Verkaufstisch, um sich ein paar Ringe zeigen zu lassen, die sie im Schaufenster angelacht haben. Begeisterung lösen die glitzernden Objekte bei einer Frau, die bereits alles hat, kaum noch aus. Der Chauffeur wartet mit den Einkäufen aus anderen Läden diskret im Hintergrund. Man merkt, wie sehr es Fischer genießt, sich in die Rolle der oberen Zehntausend einzufühlen und deren herablassende Nonchalance zu praktizieren. Ihr Auftreten suggeriert Selbstsicherheit en masse und sorgt für beflissene Gefälligkeit in ihrer Umgebung. Immer schneller und waghalsiger erfolgen ihre unkonventionellen Einkaufsbummel, während die Polizei ihr bereits auf der Spur ist. Die heimliche Bewunderung des Zuschauers für die geschickte, attraktive Diebin erfährt im Büro der Kriminalpolizei eine ungewöhnliche Wendung, mit der man angesichts der gerissenen Tatkraft der Dame nicht gerechnet hat. Fazit: Kai Fischer als diebische Elster ist nicht nur optisch überaus ansprechend, sondern überzeugt vor allem durch augenzwinkerndes Charisma, das neben dem trockenen Harry Riebauer noch stärker leuchtet.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Der Unterschied zwischen der dritten und der vierten Box ist schon enorm. Mich stört besonders der Doppelfolgen-Charakter, der mit den ersten Episoden von "Die unsterblichen Methoden des Franz Josef Wanninger" Einzug erhielt. Einige Folgen sind kriminaltechnisch wirklich unteres Niveau und gerade weil man die Originalität der "Seltsamen Methoden" so schätzte, macht sich der Qualitätsabfall eindeutig bemerkbar. Zudem muss man feststellen, dass viele Gaststars aus der dritten Reihe stammen und das Kriminalteam (mit Ausnahme des erstaunlich erholten Beppo Brem) schlecht gealtert ist. Es braucht seine Zeit, bis man mit Claus Biederstaedt als Kommissar warm wird.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich möchte ebenfalls eine Lanze für "Der Papierblumenmörder" und die renitente und erfrischend unkonventionelle Christiane Schröder brechen. Ihr aggressives Spiel hält nicht nur dem falschen Biedermann Herbert Tiede den Spiegel vor, nein, sie zertrümmert ihn auch verbal auf seinem Kopf. Sie reizt die Menschen ihrer Umgebung bis aufs Blut und testet aus, wie weit sie gehen kann. Dadurch ist sie ein klassisches Kind ihrer Zeit, das alles infrage stellt, die Realitäten negiert und sich wie eine Hippie-Pippi-Langstrumpf die Welt so macht, wie sie ihr gefällt. Sie ist sich dabei jede Minute ihrer Machtlosigkeit bewusst, was ihre Aktionen noch befeuert, weil sie merkt, dass die Welt der Erwachsenen sie nicht ernst nimmt - oder erst, wenn sie einen respektablen Beruf oder einen gesellschaftlich anerkannten Status vorweisen kann. Ich sehe in Brynychs Regie sehr viel Poesie; es gibt immer wieder Momente der Stille, des Verharrens in Emotionen und Melancholie, die kurz davor steht, sich zu einer lähmenden Trauer auszuwachsen. Bonny ist der Katalysator; es spricht Bände, wie die Personen auf sie reagieren und sagt auch viel über ihre Kritiker aus. Jedenfalls scheint sie niemanden kalt zu lassen, weswegen sie ihr wichtigstes Ziel bereits erreicht hat.

  • Belinda Lee - Filme & KarriereDatum17.06.2018 20:00
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Belinda Lee als Krankenschwester Mary Louise in "Kronzeuge gesucht"

    "A profile for the British Film Institute said, "of all the Rank Organisation's starlets, Belinda Lee stands out as the most notorious, yet paradoxically anonymous, British actress of the 1950s." Dieser Eintrag in der Enzyklopädie Wikipedia verdeutlicht, wie gefragt die englische Schauspielerin Belinda Lee bereits in ihren ersten Jahren als Darstellerin mit besonderer Aura war. Obwohl Muriel Pavlow die Hauptrolle in "Kronzeuge gesucht" spielt, ist es Belinda Lee, welche die eigentliche leading lady verkörpert. Für die Rolle der Krankenschwester brachte sie bereits Erfahrung mit, hatte sie doch in "The Feminine Touch" (US-Titel: "A Lamp is Heavy") ebenfalls eine Schwester gespielt. Während jener Film im Vereinigten Königreich am 27. März 1956 uraufgeführt wurde, zeigte man "Kronzeuge gesucht" erstmals am 14. August 1956. Da ihre Kollegin Muriel Pavlow den größten Teil der Handlung mit Kopfbandage im Krankenhausbett verbringt, fällt der Blick bald auf die großgewachsene Blondine, die von Kamera und Beleuchtung immer wieder in den zentralen Blickpunkt gerückt wird und sich durch ihr klassisch schönes Gesicht von ihrer profanen Umgebung abhebt. Im Licht der Schreibtischlampe, das sie geheimnisvoll von unten anstrahlt, zeigt sie ihr hintergründiges Lächeln, das so vielen ihrer Rollen Tiefe verlieh. Mehrfach sieht man ihr inneres Leuchten, das so viele faszinierte und die Fähigkeit, ihre Mimik so zu variieren, dass sich plötzlich Schatten auf ihr Gesicht legen. Die Kamera rückt ihr Profil und ihre großen Augen immer wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit, wobei sich das Drehbuch glücklicherweise nicht damit begnügt, in ihr nur den ausführenden Arm des Stationsarztes zu zeigen.

    Schwester Mary Louise erweist sich nicht nur abgehärtet gegen die Launen ihrer Patienten, deren Klagen und persönliche Angriffe sie sicher schon hundertfach gehört hat, sie beweist auch gelassene Ruhe im Abwägen von Aussagen und Fakten. Anfangs wirkt sie sehr kühl und unbeteiligt; ihr Beruf ist Routine und erfordert stetig gleichbleibenden professionellen Einsatz ohne Aufkeimen von Emotionen. Abneigungen, Widerwillen oder Kontroversen müssen außen vor bleiben und Provokationen ausgewichen werden. Der Zuschauer fragt sich, woher die junge Krankenschwester ihren Gleichmut nimmt und wie sie sich gegen die Anforderungen ihres Berufs wappnet. Ein amerikanischer Soldat erweist sich als heimlicher Verlobter, der ihr Gesicht in Bewegung bringt. Ihr Strahlen wirkt, als hätte sie eine Lampe angeknipst und zum ersten Mal fällt die Anspannung von ihr ab, als sie gemeinsame Pläne besprechen. Wieder einmal sieht man das einnehmende, breite Lächeln, das Belinda Lee so viel Charisma verleiht. Doch erneut hütet sich das Drehbuch, sie auf eine Facette festzulegen und führt eine Wendung herbei, die eine neue Herausforderung darstellt. Die Unberechenbarkeit des von Donald Sinden gespielten Bösewichts garantiert nicht einmal der heimlichen Hauptdarstellerin Schutz, obwohl die Hauptfiguren im Allgemeinen von einer ungeschriebenen Garantie für ihr Leben ausgehen können. Belinda Lee meistert ihre Rolle mit dem ihr eigenen Bewusstsein für den persönlichen Selbstwert und garniert ihre attraktive Erscheinung mit Stolz und Haltung. Sie nutzt die feinen Nuancen der Vorlage, um ihre Figur vielschichtiger zu zeigen als es normalerweise üblich ist, wenn eine Schauspielerin in der zweiten Reihe agiert und schafft es mühelos, dass die Aufmerksamkeit an ihr hängen bleibt und man mit ihrem Schicksal mindestens ebenso mitfiebert wie mit jenem von Lucy Church.

  • Maria MarlowDatum17.06.2018 19:37
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Kann man noch zurückverfolgen, wo und wann die Information zum ersten Mal aufgetreten ist? Es gibt ja Leute, die solche Angaben ungeprüft übernehmen und weiterverbreiten, aber in Datenbanken wie z.B. Wikipedia erwartet man sich im Prinzip kompetente Schreiber, die tatsächlich eine "Enzyklopädie des Volkes" erstellen wollen und demzufolge seriös recherchieren sollten.

  • Kronzeuge gesucht (1956)Datum17.06.2018 15:30

    BEWERTET: "Kronzeuge gesucht" (Original: Eyewitness) (Großbritannien 1956)
    mit: Muriel Pavlow, Donald Sinden, Belinda Lee, Michael Craig, Nigel Stock, David Knight, Avice Landone, Ada Reeve, Gillian Harrison, Leslie Dwyer, Susan Beaumont, Nicholas Parsons u.a. | Drehbuch: Janet Green | Regie: Muriel Box

    Das Ehepaar Lucy und Jack Church gerät über einen auf Raten gekauften Fernsehapparat in Streit, woraufhin Lucy wütend das Haus verlässt. Sie begibt sich in ein naheliegendes Kino, doch die Auseinandersetzung mit ihrem Mann lässt ihr keine Ruhe. Als sie beschließt, ihn anzurufen, beobachtet sie, wie im Büro des Managers der Tresor leergeräumt und der Direktor getötet wird. Sie läuft um ihr Leben, da ihr die beiden Räuber folgen, um die Augenzeugin in ihre Gewalt zu bringen. In ihrer Panik stürzt sie vor einen anfahrenden Bus und wird ins Krankenhaus gebracht. Doch auch dort ist sie nicht sicher; der Mörder ist fest entschlossen, sie für immer zum Schweigen zu bringen....



    Muriel Box (1905-1991) war eine der wenigen britischen Frauen im Regiesessel. Für ein von ihr verfasstes Originaldrehbuch bekam sie den "Oscar"; insgesamt führte sie fünfzehn Mal Regie, wobei die Arbeit an "Kronzeuge gesucht" ihre fünfte Spielleitung darstellt. Im Verleih der J. Arthur Rank Film entstand 1956 der Kriminalfilm um eine junge Frau, deren Zeugnis zwei Räuber zu Fall bringen könnte - sobald sie nach einem Unfall wieder aussagefähig ist. Für die weibliche Titelrolle wählte man Muriel Pavlow, die fünf Jahre später in "Murder She Said" (besser bekannt als "16 Uhr 50 ab Paddington") an der Seite der unverwüstlichen Margaret Rutherford spielte. Der Suspense rührt daher, dass sie sich wegen ihrer Gehirnerschütterung und der teilweisen Bewusstlosigkeit kaum verständlich machen kann, während die beiden Räuber auf dem Gelände des Krankenhauses darauf lauern, sie unschädlich zu machen. Parallel sucht Michael Craig, der den Ehemann von Lucy spielt, verzweifelt nach seiner Frau, die bei ihrer Einlieferung in die Klinik keine Papiere bei sich hatte. Die Handlung beginnt temporeich mit dem häuslichen Streit, an den sich bald der Raubüberfall im Kino anschließt, der in die Flucht vor den Tätern mündet. Donald Sinden und Nigel Stock sind das ungleiche Gangstergespann, wobei sich Sinden als der weitaus gefährlichere Part herausstellt. Kaltblütig und nur auf den eigenen Vorteil bedacht, geht er buchstäblich über Leichen und nutzt die Ergebenheit seines gutmütigen, hörgeschädigten Komplizen für seine finsteren Zwecke aus. Die permanente Bedrohung, welche er für Lucy Church darstellt, wird konsequent verfolgt. Sein zielstrebiges Handeln, die mehrmaligen Versuche, die Augenzeugin mit einem Kissen zu ersticken und die latente Bedrohung auch des Krankenhauspersonals sorgen für gleichbleibende Spannung, während nebenbei auch die Sorgen und Freuden der Krankenschwester Mary Louise gezeigt werden. Mehr Gewicht erhält auch die Rolle der Patientin Mrs. Hudson, deren Schlaflosigkeit die Station auf Trab hält und deren Beobachtungen die Täter mehrfach vom finalen Schritt abhalten können. Nicholas Parsons spielt den Arzt, der später in "Mörder ahoi!" ebenfalls als Doktor tätig ist. Das britische Flair der typischen Straßen samt am Rande aufgestellter Telefonkabinen ist unverkennbar und sorgt für eine Mischung aus gemütlicher Herbstlaubstimmung und düsterer Bedrohung aus dem Hinterhalt.

    Guter alter Kriminalfilm aus der zweiten Hälfte der Fünfziger Jahre mit einem attraktiven und authentischen Cast, sowie einem stringenten Drehbuch und einer straffen Regieführung. Gefühl, Humor, Rache und Verzweiflung finden ausgewogen ihre Ventile und lassen den Zuschauer zum jeweils Dritten im Bunde werden. 4 von 5 Punkten

  • Ellen SchwiersDatum16.06.2018 15:40
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    Innerhalb der Reihe "Hafenpolizei" geben sich viele bekannte Gaststars die Klinke in die Hand. Die Serie entstand nach Unterlagen der Hamburger Wasserschutzpolizei in den Jahren 1963 bis 1966. Zum Stammpersonal zählen Jochen Blume, Til Kiwe und Joseph Dahmen. In der Folge 26 mit dem Titel "Aufgelaufen" sieht man die Schauspielerin Ellen Schwiers als Frau Straatmann. Sie ist die Ehefrau des Kapitäns, der von Jochen Brockmann gespielt wird. Ausgestrahlt wurde die Episode erstmals am 3. Januar 1966.

    Zwei Gauner (Hans Quest und Norbert Kappen) müssen die Insel Helgoland verlassen und fahren auf dem Kutter "Aenne" nach Cuxhaven. Walter Becher (Quest) hat seinen Jungen dabei, der stark erkältet ist. Während Karl Bandel (Kappen) den Kapitän zwingen will, den Kurs Richtung Hamburg zu ändern, verschlimmert sich der Zustand des Jungen, der kaum noch Luft bekommt und hohes Fieber hat. Doch Bandel bleibt unerbittlich und will das Funkgerät zerstören, nachdem das Schiff auf eine Sandbank gelaufen ist. Ohne die Möglichkeit, Hilfe herbeizurufen, bleibt dem kranken Jungen nicht mehr viel Zeit. Hier rückt das Drehbuch vor allem Frau Straatmann (Schwiers) in den Mittelpunkt, der das Kind leid tut und deren Widerwillen gegen den Fahrgast durch dessen unverantwortliches Handeln dadurch noch wächst.

    Anfangs sieht man Ellen Schwiers auf dem beengten Boot in ihrer Kombüse hantieren. Mit praktischer Schürze, Rollkragenpullover und einem ins Haar gebundenen Tuch signalisiert sie, dass sie an Bord ist, um anzupacken und für einen reibungslosen Ablauf im Hintergrund zu sorgen. Sie kocht Kaffee für die Besatzung und die Fahrgäste, wobei sich Karl Bandel immer wieder nach unten begibt, um ihr recht plump den Hof zu machen. Instinktiv spürt sie, dass dieser Mann nichts Gutes im Schilde führt, was sich bald bestätigen wird. Da ihr Mann und der Komplize Bandels nach oben an Deck verbannt werden, bleibt sie mit dem fiebrigen Kind und dem bewaffneten Gangster allein. Man merkt, wie sie nach einer Lösung sinnt, um den Mann zur Aufgabe zu zwingen. Sie zeigt sich dabei keineswegs eingeschüchtert, sondern wütend und entschlossen. Einerseits will sie kein Risiko eingehen, weil damit auch das Leben der anderen gefährdet wird, andererseits kann sie auch nicht tatenlos zusehen, wie das Kind stirbt. Für die Schauspielerin ist die Rolle eine Fingerübung, weil sie nicht nur einen sehr begrenzten Raum zur Verfügung hat, in dem sie sich bewegen kann, sondern auch wegen der Einschränkung durch die plakative Zeichnung des dominanten Bösewichts. In ihren wenigen Großaufnahmen sieht man Schwiers' ernstes Gesicht, die fest zusammengepressten Lippen und den unruhigen Blick, der mühsam seine Anspannung zu verbergen sucht. Sie zeigt sich beherrscht, ohne hysterische Anwandlungen und entspricht damit dem Bild der kühlen Frau, die erst nachdenkt und dann handelt und sich auf ihre gesunde Urteilsfähigkeit verlässt. Sie wird damit zum unberechenbaren Risikofaktor auf dem Unterdeck und damit zur Stolperfalle des Gangsters.

  • Das Grauen kam aus dem Nebel (1970)Datum07.06.2018 14:00
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Eine Nachricht von der literarischen Front erreichte mich bei der Durchsicht der neuen Verlagsvorschau des Hauses Folio, Wien - Bozen. Den Autor der Vorlage kennen wahrscheinlich die wenigsten, aber die Verfilmung sollte jedem Giallo-Fan bekannt sein: "La morte risale a ieri sera" (Das Grauen kam aus dem Nebel). Nun erleben die Bücher von Giorgio Scerbanenco ein Comeback in der deutschen Übersetzung von Christiane Rhein. Vier Titel werden im Sommer / Herbst 2018 bzw. im Frühjahr / Herbst 2019 erscheinen. "Ein pflichtbewusster Mörder" (Original: I milanesi ammazzano al sabato) wird im Herbst 2019 veröffentlicht (EAN 978-3-85256-757-0). Falls also jemand Interesse an der Lektüre der Vorlage zu dem bekannten Film von Duccio Tessari hat, kann er dies im nächsten Jahr tun.

    "Das Kino verdankt Scerbanenco viel. Heute bleibt von jener Hyperrealität an Morden und Blutvergießen deren realistische Seite in Erinnerung: die Mailänder Orte der Siebzigerjahre, die Scerbanenco in ihrer ganzen Grausamkeit beschrieben und das Objektiv festgehalten hat." (Matteo Lunardini von "Il Fatto Quotidiano")

  • Bewertung – Rolf Olsen-FilmeDatum06.06.2018 14:00
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Das Label Subkultur Entertainment hat heute angekündigt, dass in Kürze innerhalb der Reihe "Edition Deutsche Vita" endlich "Das Rasthaus der grausamen Puppen" erscheinen soll. Auf der Homepage findet man zwar noch keine Details, aber es ist davon auszugehen, dass es sich um die definitive Veröffentlichung handeln wird, die endlich auch jene Szenen ungekürzt enthält, welche bisher fehlten. Besonders augenfällig war dies z.B. in der Bürosequenz im Frauengefängnis, als Karin Field der toughen Ellen Schwiers vorgeführt wird.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse" (Deutschland 1961)
    mit: Gert Fröbe, Lex Barker, Daliah Lavi, Fausto Tozzi, Rudolf Fernau, Werner Peters, Rudolf Forster, Ady Berber, Joachim Mock, Laura Solari, Albert Bessler, Alexander Engel, Zeev Berlinsky, Henry Cobet, Jean-Roger Caussimon, Lou Seitz, Wolfgang Preiss u.a. | Drehbuch: Ladislas Fodor und Marc Behm nach den Motiven von Norbert Jacques | Regie: Harald Reinl

    Oberst Hark von der Interpol, der wichtiges Beweismaterial bei sich führt, wird im Zug ermordet. Kommissar Lohmann, der gerade im Begriff ist, einen Angelurlaub anzutreten, soll den Fall übernehmen. In Kürze wird die Verbindungsfrau des Chicagoer Verbrecher-Syndikats in der Stadt erwartet, doch Mrs. Pizarro stirbt auf offener Straße durch einen Flammenwerfer. In ihrer Handtasche findet Lohmann das Buch "Anatomie des Teufels" von Pfarrer Briefenstein. Ein Kapitel handelt vom Dr. Mabuse-Mythos, was die Alarmglocken des Kommissars schrillen lässt. Er sucht den Geistlichen auf, doch selbst in der Kirche lauern Gefahr und Tod....



    Nachdem Fritz Lang den unseligen Doktor im Jahr 1960 reanimiert hatte, erteilte die CCC dem Routinier Harald Reinl den Auftrag, einen populären Reißer zu inszenieren, der den unheimlichen Verbrecher zum legendären Schrecken der Kinos werden ließ. Das bewährte Team Fröbe/Peters/Preiss/Bessler stand erneut zur Verfügung, wohingegen man mit Lex Barker einen neuen Mann holte, der die Reihe mit seinem amerikanischen Flair noch nachhaltig prägen sollte. Fausto Tozzi übernahm die Öffentlichkeitsarbeit für den im Verborgenen agierenden Wolfgang Preiss, den es nach seinem Sturz in die Fluten offiziell nicht mehr geben durfte. Bei der weiblichen Hauptfigur setzte man nach der Engländerin Dawn Addams auf die Israelitin Daliah Lavi, die noch am Anfang ihrer Karriere stand. Mit Laura Solari als enigmatischer Mrs. Pizarro, Ady Berber als ferngesteuerter Tötungsmaschine und Rudolf Forster als kauzigem Wissenschaftler versammelte man ebenso wichtige Originale im Dunstkreis Mabuses wie mit Jean-Roger Caussimon als finsterem Küster und Henry Coubet als blindem Zeugen. Es sind gerade diese akzentuierten Darstellungen, die stellenweise ohne Text auskommen, die das Besondere des zweiten Mabuse-Films ausmachen. Bereits der Vorspann kündet in dramatischer Tonlage von der Bedrohung, die in den nächsten anderthalb Stunden die Kinoleinwand bzw. den Bildschirm überschatten wird. Die Musik von Peter Sandloff unterstreicht jede visuelle Nuance gekonnt und dramatisiert das Geschehen auf wohlig-gruselige Weise. Selten hat man einen Kriminalkommissar bei Mabuse so ausgelassen und jovial gesehen wie Lohmann beim Kofferpacken im Kreis seiner Familie. Das Idyll kontrastiert bewusst mit den Aufgaben, die er bald lösen muss und deren Wirkungskreis wie aus einem Alptraum zu kommen scheint.

    Morde in aller Öffentlichkeit, wobei die physische Vernichtung der Leichen durch Feuer oder Schwefelsäure die Entschlossenheit der unbekannten Macht noch betonen, sowie eine Organisation internationalen Ausmaßes, deren Gier nach Kontrolle des Einzelnen und Lenkung der Massen an historische Führerfiguren erinnert. Der Wunsch nach Herrschaft bleibt, die Methoden mögen andere sein. Das Gefängnis als Brutstätte weiterer Verbrechen, als Ort der Radikalisierung und als Bollwerk gegen Recht und Ordnung erfüllt einmal mehr seinen Ruf als Parallelwelt, in der Hass und Rache gezüchtet werden statt kriminelle Elemente zu resozialisieren. Zweifellos üben Direktor Wolf und sein Abteilungsleiter Böhmler eine morbide Faszination aus, stehen sie doch unbestreitbar in den Diensten Mabuses, während man sich bei Briefenstein oder Professor Sabrehm nicht sicher sein kann. Ebenso verfolgt das Drehbuch die Strategie, den neuen Mann aus den USA unter gleich drei Identitäten einzuführen, um Kommissar Lohmann noch mehr zu isolieren. Selbst sein Assistent Voss wird in die Nähe eines Verdachts gerückt. Praktisch in jeder Minute und an allen Schauplätzen lauert der Tod auf sein nächstes Opfer, wobei in der Wahl der Tötungsinstrumente Fantasie bewiesen wird. Während sich die "1000 Augen" der Manipulation durch falsche Bilder und Gefühle bedienten, greift Mabuse im "Stahlnetz" zu Drogen, um seine Opfer zu lenken. Die Gangart ist härter und ungeduldiger; auch Verbrecher von Format leiden unter Zeitdruck und dem aus den Vereinigten Staaten importierten Stress. Dennoch scheinen die angestrebte Kooperation mit den Partnern aus der Gangster-Metropole Chicago riskant; agieren dort vorzugsweise mafiöse Banden, so ist Mabuse doch durch und durch ein bundesdeutscher Einzelgänger, dem der Mafia-Ehrenkodex ebenso fremd wäre wie Spaghetti einer Currywurst.

    Dr. Reinl zeigt seine Stärken in den Actionszenen, die er stets auf die selbe Weise umsetzen lässt. So sind es gerade die Schlägerei zwischen Fröbe, Berber und Barker und der Kampf zwischen Fröbe und dem Maskierten am Ende, die dem Film zusätzliche Härte verleihen und neben der lange Zeit im Unklaren bleibenden Intention von Mabuse für Spannung sorgen. Die Wahl der Schauplätze um den Berliner S-Bahnhof Savignyplatz, die Taborkirche in Kreuzberg und die Alexandrinenstraße sind von einer authentischen Bedrohlichkeit. Auffallend sind die vielen Nachtszenen, welche die Handlung zusätzlich mit den Repräsentanten der Finsternis, dem bereits literarisch-analytisch erwähnten Teufel in Verbindung bringen. Freitag, der 13. ist der Stichtag für Mabuses Beweis der Macht, er könnte aber auch der Tag des jüngsten Gerichts werden. Unachtsamkeit, gewährte Freiheiten und Eile brechen das stählerne Netz des Superverbrechers auf und lassen sein Macht-Gefüge wie ein Kartenhaus einstürzen. Kein Wunder, wenn er sich auf dumpfe Gestalten verlässt, die rein aus einem hypnotischen Zwang heraus für ihn marschieren. Solange er andere Druckmittel in der Hand hatte - wie bei Professor Sabrehm - funktionierte seine Organisation besser. Lobenswert, dass entgegen der Gewohnheit, in Reinls Filmen dessen Ehefrau Karin Dor zu besetzen, diesmal auf Daliah Lavi zurückgegriffen wurde. Sie bringt eine gute Mischung aus unnahbarer Schönheit, mitfühlender Sympathie und Pferde-stehl-Faktor mit, wobei sie sich inmitten der Männer erst einmal behaupten will, weil sie bereits bei ihrem ersten Auftritt von Kommissar Lohmann an den familiären Herd abkommandiert wird, was sie ohne mit der Wimper zu zucken ablehnt - diesem Klischee musste sie sicher schon oft ausweichen.

    Die elektrisierende Faszination von Dr. Mabuse hat auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren und vereinnahmt den Zuschauer durch einen flüssigen Handlungsstrang und markante Darstellerleistungen, wobei Fröbe, Tozzi und Co. längst Kultstatus erlangt haben. 5 von 5 Punkten

  • Das Gesicht auf der Wand (1983, TV)Datum02.06.2018 15:15
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Prismas Hinweis ist es zu verdanken, dass ich auf diese bereits im April 2018 auf DVD erschienene Produktion aufmerksam wurde. Danke für Deinen ausführlichen Bericht, dessen Intention ich nachvollziehen kann, weil man es in der Tat mit einem zwiespältigen Ergebnis zu tun bekommt.



    BEWERTET: "Das Gesicht auf der Wand" (Deutschland 1983)
    mit: Manfred Günther, Siegfried Wischnewski, Antje Weisgerber, Ivan Desny, Mady Rahl, Rudolf Schündler, Ursula Diestel, Sona MacDonald, Klaus Miedel, Lothar Köster, Edith Robbers, Gabor Bencze u.a. | Drehbuch: Dieter Finnern nach einer Geschichte von E.V. Lucas | Regie: Dieter Finnern

    Drei Personen sitzen in einem Weinlokal um einen Tisch, der von einer wuchtigen roten Kerze beleuchtet wird. Sie erzählen sich Geistergeschichten von Edgar Allan Poe und hinterfragen kritisch, ob das Gehörte wohl authentisch ist. Am Nebentisch lugt ein Fremder hinter einer Zeitung hervor und lauscht dem Gespräch der Freunde. Bald schon wird er fragen, ob er sich zu ihnen gesellen darf, um ihnen eine Geschichte zu erzählen, die ihm selbst widerfahren ist und die noch unglaublicher ist als das, was er gerade von ihnen gehört hat....

    "Man denkt zu viel und dann setzt die Fantasie ein."



    Der Berliner Schauspieler Manfred Günther (1935-1989) spielte in mehreren "Tatort"-Folgen, sowie in den Serien "Schwarzwaldklinik" und "Molle mit Korn". In seiner Rolle als Erzähler und Hauptdarsteller der seltsamen Begebenheit mit dem sich verändernden Wasserfleck an seiner Schlafzimmerwand schafft er es, sich so zu präsentieren, dass man ihn weder sympathisch noch unsympathisch findet. Man reiht ihn in keine Kategorie ein, sondern wartet ab, was sich in den vier Wänden tut, die er mehr schlecht als recht bewohnt. Seine Umgebung ist trostlos und es stellt sich die Frage, ob er sich ihr angepasst hat oder ob der Verfall symbolisch für seinen Abstieg steht. Man erfährt, dass er gerade erst eine Phase der Krankheit bewältigt hat, die zudem seine Nerven und seine Energie geschwächt hat, weswegen er überempfindlich auf visuelle und akustische Reize reagiert. Seine Depression hat ihn misstrauisch gemacht, es liegt etwas Destruktives in seinem Wesen. Es ist, als suche und fürchte er zugleich, dass der Schimmelfleck an der Wand tatsächlich das Gesicht eines Menschen wiedergäbe. Wie ein Besessener sucht er in den Straßen nach dem Mann mit der Brille, befragt nicht nur einen Psychologen, sondern konsultiert auch die Stadtbibliothek und eine Antiquitätenhandlung. Der Zuschauer heftet sich in Ermangelung einer Alternative an seine Fersen und schaut ihm über die Schulter, wenn er im "Lexikon der Parapsychologie" blättert oder sich Gemälde ansieht, auf denen die Porträts Toter verewigt sind. Mit einem Selbstverständnis, das den konventionellen Geistergeschichten widerspricht, glaubt der Mann, er müsse dem Bild an der Wand in der Realität begegnen, was allein durch die Tatsache, dass er sich in der Millionenstadt Berlin aufhält, absurd erscheint. Die üblichen Recherchen, die in solchen Fällen gewöhnlich angestellt werden (Baugeschichte des Hauses, frühere Bewohner etc.) werden nicht getätigt.

    Der Bekanntheitsgrad der Mitwirkenden ist für ein Fernsehspiel von 58 Minuten recht hoch: Im Foyer der Handlung sitzen mit Wischnewski, Weisgerber und Desny drei Mimen, die dem Publikum durch ihre Erzählungen den Weg zum Unheimlichen bereiten wollen, sozusagen die Ouvertüre bilden. Während Weisgerber pragmatisch die Schilderungen Wischnewskis als unglaubwürdig abtut, fördert auch Desny eine Anekdote zutage, bis sich dann Günther in die Unterhaltung einschaltet, als habe er nur auf sein Stichwort gewartet. Mit Mady Rahl und Rudolf Schündler präsentieren sich zwei weitere Edgar-Wallace-Schauspieler, wobei man sie verstärkt auf eine einzelne Facette ihres Repertoires festgelegt hat. Bei Rahl ist es das Verruchte, welches sie bereits in "Der Hund von Blackwood Castle" und in "Der Kommissar - Ein Funken in der Kälte" mit ihrer charakteristischen rauchigen Stimme interpretierte. Die Mischung aus Selbstbewusstsein und Angst macht sie zur unfreiwilligen Augenzeugin für die unerklärlichen Ereignisse in dem alten Haus. Bei Rudolf Schündler blitzt ebenfalls seine Aura des auf alles Gefassten durch; seine sanfte Stimme widmet sich erneut der Faszination des Todes wie in "Der unheimliche Mönch". Die Etappen des Wahn(sinn)s, die den Protagonisten ereilen, manifestieren sich in immer verzweifelter werdenden Aktionen, die entgegen der Erwartung des Zuschauers sogar ein Ergebnis liefern, das jedoch keine befriedigende Lösung bietet. Echte Momente der Angst bleiben aus; hier liegt es vor allem an der aufdringlichen Beharrlichkeit des Hauptdarstellers, dass aus dem Vorhandenen nicht mehr werden konnte. Dabei sind die Handlungsplätze durchaus stimmig und man begleitet den Mann sogar auf den Waldfriedhof Heerstraße mit seinem Sausuhlensee. Überhaupt benötigt das Fernsehspiel die herbstliche Frischluft-Atmosphäre dringend, weil viele Innendekors grau und trostlos wirken und die Produktion des Senders Freies Berlin (heute rbb) hier auf Schäbigkeit statt auf Patina setzte.

    Ambitioniertes Projekt, um dem Thema Parapsychologie einen publikumswirksamen Platz einzuräumen, das leider durch die fehlende Geradlinigkeit der Hauptfigur teilweise verschenkt wird. Dennoch zeigen sich viele gute Ansätze, die der Geschichte eine eigentümliche Faszination verleihen und den Zuschauer am Ball bleiben lassen. Ein paar Requisiten aus der Gruselkiste - in optischer und akustischer Art - hätten hier für eine greifbarere Atmosphäre gesorgt. 4 von 5 Punkten

    Die Covergestaltung bzw. die ausgewählten Bilder auf der Rückseite tragen leider nicht dazu bei, der Produktion eine unheimliche Note zu verleihen. Der Käufer denkt höchstens, es handele sich um einen Höhlenforscher, der hier zu Werk geht, nicht um eine Geistergeschichte. Dafür hat Georgs Text dazu beigetragen, mich auf die Produktion neugierig zu machen.

  • Der Mörder (1963)Datum02.06.2018 13:05
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Michael Strauven polarisiert, für Anekdoten ist er jedoch immer gut, auch wenn die Einschätzung von Gert Fröbes Rollen nicht immer mit der Meinung des breiten Publikums konform geht:

    "Der Mörder" im gleichnamigen Film ist Gert Fröbe. Er lässt die "Schwarte knacken", wie er sagen würde. Die Heftigkeit, mit der er in diesem Film den nicht ganz zurechnungsfähigen Täter spielt, das kann man nur absurd finden oder ganz groß. Die Franzosen tendieren zu Letzterem. Dieser Mann schreckt vor nichts zurück, man ist beeindruckt, auch schon beim Dreh. Der Co-Star (im Film der Polizeikommissar) und spätere Regisseur von Fröbe, Robert Hossein, berichtet: "Er hatte eine sehr reiche Persönlichkeit, er konnte sich in alles sofort hineinfühlen, er verwandelte sich vor meinen Augen in die Rolle." Und Fröbe habe trotz seiner eher mäßigen Französischkenntnisse mit seinem Temperament alle fast überrannt.

    aus: "Jedermanns Lieblingsschurke - Gert Fröbe. Eine Biographie" (Rotbuch Verlag Berlin 2012, Seite 119/120)

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ist jemandem eigentlich aufgefallen, dass im Buch der Reihe "Der klassische Kriminalfilm - Band 1 - Dr. Mabuse" von Peter Osteried und Thomas Wehlmann auf Seite 90 ein Fehler enthalten ist? Das sechste Bild (dritte Zeile rechts) stammt ganz offensichtlich nicht aus "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse". Allerdings ist es mit dem typischen Schriftzug und dem Logo der FSK-Prüfung versehen. Keine der abgebildeten Personen spielt im Film mit, es kann sich also nicht um eine geschnittene Szene handeln.

  • Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    BEWERTET: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (Deutschland 1960)
    mit: Wolfgang Preiss, Gert Fröbe, Peter van Eyck, Dawn Addams, Werner Peters, Andrea Checchi, Albert Bessler, Howard Vernon, Reinhard Kolldehoff, David Cameron, Nico Pepe, Marielouise Nagel, Wolfgang Völz, Manfred Grothe, Linda Sini, Hans W. Hamacher, Renate Küster, Lotti Alberti u.a. | Drehbuch: Fritz Lang und Heinz Oskar Wuttig nach Motiven von Norbert Jacques | Regie: Fritz Lang

    Der Fernsehreporter Peter Barter ist unterwegs zu seinem Sender. Er hat den Knüller des Jahres im Gepäck, eine Enthüllung, die offenbar aus seinem jüngsten Besuch im "Hotel Luxor" resultiert. Doch Barter kann die Öffentlichkeit nicht mehr informieren, er wird am Steuer seines Wagens hinterrücks erschossen. Kriminalkommissar Jochen Kras erhält zeitgleich einen Anruf von Peter Cornelius, einem Hellseher, der der Polizei schon öfter wichtige Hinweise geben konnte. Er behauptet, Barter wäre das Opfer eines Mordes geworden, während die Polizei zunächst annimmt, es handele sich um einen Herzschlag. Bald darauf kommt es im "Hotel Luxor" erneut zu einer aufsehenerregenden Begebenheit: Frau Menil, ein Hotelgast, will sich durch einen Sprung in die Tiefe das Leben nehmen....



    "Fritz Langs Versuch, seinen künstlerischen Erfolg mit demselben Stoff aus den Dreißiger Jahren zu wiederholen, geht gründlich schief. Kritiker in Frankreich erkennen darin hohe Kunst." Zweifellos war zu erwarten, dass Fernsehregisseur Michael Strauven in seiner Gert-Fröbe-Biografie "Jedermanns Lieblingsschurke" (Rotbuch Verlag 2012) die komplette Mabuse-Reihe als "uninteressant" abqualifiziert. Zum Glück differenziert der geneigte Filmzuschauer und bildet sich ein eigenes Urteil. Längst ist die sechs Filme umfassende Kriminalserie aus den Sechziger Jahren Kult geworden, wobei sich natürlich Stärken und Schwächen zeigen, wie immer, wenn aus einer Figur, die zum Selbstläufer geworden ist, der letzte Tropfen Gewinn herausgepresst wird. Den Auftakt bildet mit der Rückkehr Fritz Langs auf deutschem Regiestuhl "1000 Augen des Dr. Mabuse", eine moderne und temporeiche Hommage an die Klassiker der Weimarer Republik. Mittlerweile ist der "braune Spuk" vorbei, obwohl in den dunklen Ecken immer noch Überbleibsel wie Spinnweben hängen und der Schauplatz des Verbrechens von seinen Anfängen in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs überschattet bleibt. Bereits der Vorspann suggeriert eine Gefahr, die nicht greifbar ist. Das Gefühl, beobachtet zu werden, steht sinnbildlich für das zeitliche Umfeld, in dem der Film entstanden ist. Der technische Fortschritt, der eine totale Überwachung möglich macht und das Individuum im Atomzeitalter zu einer jederzeit angreifbaren Zielscheibe werden lässt, spielt natürlich auch dem Vorreiter des Verbrechens in die Hände. Dr. Mabuse ist kein Nostalgiker; er bediente sich zu jeder Zeit der neuesten wissenschaftlichen Errungenschaften und nutzte jede noch so futuristisch scheinende Erfindung für seine finsteren Zwecke.

    In schneller Abfolge werden Ereignisse abgewickelt, die wie Zahnräder ineinandergreifen, auf den ersten Blick jedoch wenig miteinander zu tun zu haben scheinen. In perfekter Choreografie wird das Publikum in einen Strudel von Eindrücken hineingezogen, der das Interesse bereits in der ersten Filmminute weckt und sich nicht lange mit Porträts der handelnden Personen aufhält. Der unheimlich wirkende Hellseher, der joviale Versicherungsvertreter, die paralysierte Schöne auf dem Fenstersims, der zupackende Kommissar und der kühle Geschäftsmann aus den USA bilden ein Gespann, das sich zu einer authentischen Gemeinschaft fügt, wo jede und jeder seinen Platz einnimmt und unverwechselbar und glaubhaft agiert. Die elegante und weitgehend sterile Atmosphäre des Hotelkomplexes bildet den perfekten Rahmen für die Fäden, welche die Spinne Dr. Mabuse webt und an denen seine Figuren wie Marionetten hängen. Noch ist der Verbrecher in verschiedenen Verkleidungen präsent, noch zeigt er sich in einer seiner vielen Masken dem Publikum. Leider wird dieser Aktionismus mit jedem weiteren Film weniger, bis er nur mehr als Schatten an der Wand präsent ist und sein Geist still und leise entschwindet. Dabei ist es für das Gelingen des Filmes unablässig, dass die Anwesenheit des teuflischen Misanthropen immer wieder betont wird. Ein ebenbürtiger Gegner ist das Mindeste, was einer starken Ermittlerfigur wie Kommissar Kras oder Kommissar Lohmann zusteht. Nicht umsonst dominiert die Polizei in ihrer mannigfaltigen Erscheinung (Kriminalpolizei, Bundeskriminalamt, Interpol) den Film ebenso wie der titelgebende Kapitalverbrecher. Noch stimmt die Balance zwischen Gut und Böse, noch stehen sich ebenbürtige Männer gegenüber, deren Methoden unkonventionell und deren Erscheinungsbild charismatisch ist.

    Zu den unbestrittenen Stärken der Produktion gehört in erster Linie die Besetzung. Das Who's who der deutschen Schauspielgarde geht eine Symbiose mit internationalen Darstellern ein, wobei nicht einmal der Fakt, dass einige Personen synchronisiert worden sind, störend ist. Im Gegenteil: Harry Wüstenhagen gibt dem Hoteldetektiv Berg erst seine schmeichelnde Unverbindlichkeit. Die Wahl für die Rolle des dominanten Kriminalkommissars fiel mit Gert Fröbe auf einen Schauspieler, der überzeugend sowohl Sünder als auch Pfarrer und sowohl Mörder als auch Polizeibeamte spielen konnte. Wenn man ihn bei seiner Suche nach dem Phantom hinter der dunklen Wolke beobachtet, hat man nicht das Gefühl, einem Darsteller zuzusehen, der seinen Text auswendig gelernt hat, sondern einen Mann zu begleiten, für den es nichts Wichtigeres gibt als den hinterhältigen Dr. Mabuse dingfest zu machen. Seine wuchtige Erscheinung, die unverstellte Mimik und sein deutlich hörbarer sächsischer Akzent, der ihn neben den kultivierten Preiss und van Eyck noch volkstümlicher wirken lässt, runden das Bild eines Kriminalers ab, dem man zutraut, sich mit dem Teufel höchstpersönlich zu messen. Werner Peters kann seine Stärken ebenfalls deutlich ausspielen und zieht alle Register seiner Kunst. Die Unverfrorenheit seines Auftretens, sein ausgeprägtes Selbstbewusstheit, seine Bauernschläue und die gekonnte Balance zwischen Sympathie und Aufdringlichkeit machen ihn zur wichtigen Schachfigur im Spiel um den König. Dieser begegnet uns in Wolfgang Preiss mit nordischer Distanz, präziser Kalkulation und willensstarker Fokussierung auf sein Ziel: die Ergreifung der Macht durch totale Kontrolle und Unterwerfung seiner Umgebung. Dawn Addams fungiert als elegante, jedoch gefühlsmäßig zutiefst verunsicherte Frau, deren Leben vom Wohlwollen der Männer abhängt, was im Kontrast zu ihrer souveränen, erhabenen Erscheinung steht.

    Mabuse, der Großstadtmythos: Wieder einmal zeigt sich, dass ein Erbe sogar noch überzeugender agieren kann als der Erblasser. In Wolfgang Preiss hat Artur Brauner einen Mann gefunden, der Rudolf Klein-Rogge in Entschlossenheit und Überzeugungskraft übertrifft. Ebenso fungieren Gert Fröbe und Werner Peters ab sofort als kraftvolle Gegenspieler der unheimlichen Macht, wobei das Drehbuch präzise Abläufe und ein gelungenes Wechselspiel aus Deduktion und Action bietet. 4,5 von 5 Punkten

  • Maria MarlowDatum23.05.2018 14:00
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich denke, dass die dominante Frisur (vermutlich eine Perücke) hier größtenteils den Blick aufs Gesicht verstellt. Der trotzige Ausdruck und die Angewohnheit, den Kopf über eine gedachte Linie zu heben, zeigen durchaus Ähnlichkeit mit der stolzen "Kriemhild". Meiner Meinung nach sieht sie in "69 Liebesspiele" jünger aus als in "Kriemhilds Rache", doch um den Realvergleich zu haben, müsste man die laufenden Bilder sehen und gegeneinander abwägen.

  • Die Jerry-Cotton-FilmreiheDatum20.05.2018 14:20
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema



    BEWERTET: "Schüsse aus dem Geigenkasten" (Deutschland 1965)
    mit: George Nader, Heinz Weiss, Sylvia Pascal, Helmut Förnbacher, Franz Rudnick, Helga Schlack, Philippe Guegan, Richard Münch, Helmut Peine, Hans E. Schons, Hans Waldherr, Heidi Leupolt, Robert Rathke u.a. | Drehbuch: Georg Hurdalek nach dem gleichnamigen "G-Man Jerry Cotton"- Roman | Regie: Fritz Umgelter

    Jerry Cotton und sein Kollege Phil Decker werden zur Aufklärung einer Raubmordserie abberufen. Nachdem eine sechsköpfige Bande zunächst durch Gewaltanwendung in den Besitz von Goldbarren gelangt ist, wird ein Farmerehepaar tot aufgefunden. In der Scheune findet die Polizei das Versteck der Beute. Bald darauf erhält FBI-Chef High einen anonymen Anruf, in dem eine Frau Angaben zu einem gefährlichen Gangster macht, der mit ihrer Schwester untergetaucht ist. Kurz danach wird die Anruferin von einem Wagen überfahren....



    Mit Maschinengewehrsalven, die in schneller Reihenfolge vier Menschen töten, wird der Film auf gewohnt turbulente Art eingeläutet, um dem deutschen Zuschauer vor Augen zu führen, wie rücksichtslos amerikanische Gangster vorgehen, um das zu bekommen, was sie wollen. Da wird nicht lange gefackelt und niemand kann sich ihnen ungestraft in den Weg stellen - bis auf das FBI, das mit Jerry Cotton seinen besten Mann schickt. Im ersten Film der Reihe lernt man den G-Man als besonnenen und gewitzten Angestellten seiner Behörde kennen, der sich einiges einfallen lassen muss, um an die Bande heranzukommen, dabei jedoch aus seinen antrainierten Kapazitäten schöpft, ohne sich besonderer technischer Kniffe oder überdurchschnittlicher Kenntnisse zu bedienen wie beispielsweise sein berühmter Kollege vom Geheimdienst Ihrer Majestät. Die Groschenromanhefte dienten als Vorlage für den lässigen Duft der weiten Welt - und mit weiter Welt war das Traumland der Deutschen schlechthin gemeint: Amerika. George Nader in der Titelrolle verkörpert einen Mann, der seine Aufträge pflichtbewusst erfüllt, zeitlos im Auftreten und anonym, was das Private anbelangt. Er ist kein volkstümlicher Charakter, über den man alles erfährt, sondern drückt sich ausschließlich in seinen Fällen aus. Der Ballast, den eine Rahmenhandlung ihm auferlegen würde, entfällt und macht ihn allzeit bereit für den Einsatz an den Schauplätzen des Verbrechens. Auf diese Weise können beliebig viele Abenteuer erzählt werden, ohne dass die Figur einer chronologischen Einbettung unterworfen wird. Einzig die Freundschaft zu Phil Decker, der ebenfalls im Dienst des FBI steht, sorgt für ein Minimum an Vertrautheit, allerdings wieder vordergründig als Rückhalt bei gefährlichen Aktionen im Rahmen der Dienstausübung. Heinz Weiss, der genügend Ernst und Verbissenheit mitbringt, um Projekte bis zum Ende durchzuziehen, erweist sich als verlässlicher Partner für Nader, ebenso wie Richard Münch mit seiner kühlen Präsenz, die Unerbittlichkeit ebenso ausstrahlt wie Disziplin und Strenge. Angreifbar wird er diesmal jedoch direkt und indirekt durch sein Vertrauen zu einem alten Freund, der in seinem Haus zu Gast ist und auf den ein Verdacht fällt, der ihm selbst, dem FBI-Chef, das Genick brechen könnte.

    "Ein Film ist immer so gut wie sein Schurke". Diese Feststellung ist essentiell für einen Kriminalfilm, bei dem der Hauptermittler sich mit Verbrechern messen muss, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen und deren Skrupellosigkeit nicht nur Einzelpersonen bedroht, sondern ganzen Stadtteilen Verderben bringen kann. Eine brillante Organisation, furchtbare Waffen und natürlich ein Drahtzieher, der entweder über Charisma oder über eine morbide Faszination verfügt, stehen für den Erfolg eines Jerry-Cotton-Abenteuers. Mit Helmut Förnbacher und Franz Rudnick bietet der Film zwei bekannte Gesichter auf, wobei man gerade Rudnick seine strukturierte Gangsterrolle augenblicklich abnimmt, weil er stets korrekte und pflichtbewusste Charaktere darzustellen pflegt. Im Gegensatz dazu steht der unstete Helmut Förnbacher, dessen flackerndem Blick man misstraut, weil er auf ein wenig vertrauenswürdiges Wesen schließen lässt. Mit ein paar gewaltbereiten Männern fürs Grobe fügt sich die Bande zu einem aktiven Gegenspieler für den FBI-Agenten, doch den ganz großen Coup kann sie trotz angekündigter Pläne durch eine Zeugin nicht landen. Der Gedanke, eine Schule in die Luft zu sprengen und dabei das Leben von Dutzenden Menschen zu vernichten, hätte zu einem atemberaubenden Clou ausgebaut werden können, doch irgendwie schafft es die Ankündigung nicht, denselben Nervenkitzel auszulösen wie beispielsweise die Aussicht auf die Sprengstoff- Katastrophe in "Um Null Uhr schnappt die Falle zu" (1965). Es ist schwierig, festzustellen, woran es liegt. Vermutlich hätte die Zeit, die dem Team im Nacken sitzt, größer betont werden müssen oder die Evakuierung der Schule geschah zu problemlos. Jedenfalls ist das nur ein Beispiel, wo Potential liegengelassen wurde. Spannender gestaltet sich hier die Verfolgungsjagd am Ende, wo es mit den brennenden Ölfässern und dem parallel gezeigten Verdacht auf die von Helmut Peine stoisch gespielte Figur endlich zur Sache geht. Ausweglose Situationen sind die Stärke der Cotton-Plots und hier gilt es, den Fokus zu setzen. Erpressbar zu werden, seinen eigenen Untergang einzukalkulieren und sich selbstlos um die Rettung Bedrohter zu kümmern sind die Zutaten, die ein Jerry Cotton zum Gelingen einer Aktion braucht.

    Der erste Film der Reihe ist solide und wartet mit einem Agenten auf, der sich nicht sehr von Otto Normalverbraucher abhebt, wenn man einmal außer Acht lässt, dass jenem seltener Pistolenkugeln um die Ohren fliegen. Das Lokalkolorit sorgt für eine ungewöhnliche Atmosphäre, die nachträglich als nostalgisch amerikanisch gesehen wird und in der sich die deutschen Darsteller dennoch passgenau einfinden. Die pfiffige Musik von Peter Thomas signalisiert allerdings eine Sorglosigkeit, welche den harten Szenen ihren Schrecken nimmt und den Film somit gleich eine komplette FSK-Stufe herunterschraubt. 3,5 von 5 Punkten

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum13.05.2018 14:42
    Foren-Beitrag von Percy Lister im Thema

    Ich fand es ebenfalls bemerkenswert, wie Eva Renzi mit der Rolle rückblickend umgegangen ist. Sie sieht darin nur einen fahlen Scherenschnitt ohne Profil und unterschätzt ihre eigene Ausstrahlung. Mag sein, dass sie nicht gerne Opfer darstellte, doch der Verlauf zeigt, wie unkonventionell ihre Befreiung aus den Fesseln der Ohnmacht ist. Renzi richtet den Blick zurück nur auf die plakative Wirkung, negiert aber die Hintergründe und die visuelle Aussagekraft der Monica Ranieri.

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