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Dieses Thema hat 475 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Georg Online




Beiträge: 3.044

29.10.2018 20:50
#421 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Sehr interessant, der Film ist auch bei Youtube in der tschechischen Version zu finden, allerdings in schwacher Qualität. Habe mal reingeschaut, beginnt sehr spannend.
Wo ist die DVD, von der Du sprichst, denn zu bestellen? Habe nichts gefunden.

Stroheim Offline




Beiträge: 164

30.10.2018 18:49
#422 'Hra Bez Pravidel' - Neo-Noir aus Tschechien 1967 Zitat · Antworten

´
Hab meine DVD vor zehn Tagen über Ebay von einem Verkäufer in Tschechien bezogen.
Derselbe Händler bietet augenscheinlich auch noch ein zweites Exemplar an - ebenfalls Neuware:

https://www.ebay.de/itm/A-Game-Without-R...872.m2749.l2649


Eine bis dato nicht im Handel erhätliche deutsche Fernsehfassung unter dem Titel 'Juwelenräuber werden gejagt' existiert offensichtlich auch:

https://www.der-film-noir.de/v1/node/1375

........


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Ray Offline



Beiträge: 1.299

30.10.2018 21:20
#423 RE: 'Hra Bez Pravidel' - Neo-Noir aus Tschechien 1967 Zitat · Antworten

Das Labyrinth/Menschen ohne Seele (Union Station) (USA 1950)

Regie: Rudolf Maté

Darsteller: William Holden, Nancy Olson, Barry Fitzgerald, Lyle Bettger, Jan Sterling u.a.



Film Noir Nummer 92:


Die kürzlich erblindete Tochter eines verwitweten Unternehmers wird entführt. Auf den Fall und die Täter aufmerksam wird die Polizei über Umwege durch die Chefsekretärin des Unternehmers, die im Anschluss an eine gemeinsame Autofahrt mit dem späteren Entführungsopfer verdächtige Beobachtungen gemacht hatte...

Eins vorweg: "Das Labyrinth" erreicht bei weitem nicht die Qualität des von Rudolf Maté unmittelbar zuvor inszenierten Noirs "D.O.A. - Opfer der Unterwelt". Dafür sorgt schon die ziemlich überschaubare Story und die im Kontrast zur idealtypischen Vorstellung eines Film Noir vorhandene Schwarz-Weiß-Unterscheidung zwischen "gut" und "böse". Es handelt sich eher um einen klassischen Polizeifilm und gehört in die Nische jener Noir-Beiträge, welche sich der detaillierten Schilderung der Polizeiarbeit im semi-dokumentarischen Stil verschrieben haben. Ähnlich wie Jules Dassins "Stadt ohne Maske" besticht "Das Labyrinth" durch ein authentisches Porträt einer amerikanischen Großstadt. Neben innerstädtischen Bildern gibt es ausgiebige Zug-, Bahnhofs und U-Bahntunnel-Aufnahmen, die dem Film viel Atmosphäre verleihen. Diese hat der Film indes auch durchaus nötig. In dem Versuch, die gelungene Chemie zwischen Holden und Olson aus dem zuvor abgedrehten Wilder-Film "Sunset Boulevard" in die vorliegende Produktion zu übertragen, übertrieb man es leider ein wenig und gab Olson im Laufe der Ermittlungen übermäßig viel Raum, vorhersehbares Happy End inklusive. Alles in allem eine nicht unsympathische Wohlfühl-Produktion mit ausdrucksstarken Bildern auf der einen, aber überschauberer inhaltlicher Tiefe auf der anderen Seite.

Großes Lob an Arte, dass der Sender diesen zuvor nicht im deutschen Fernsehen gesendeten und im deutschsprachigen Raum auch nicht auf DVD veröffentlichten Kriminalfilm in guter Qualität zu arbeitnehmerfreundlicher Sendezeit ausgestrahlt hat.


Optisch ansprechender, inhaltlich für einen Noir aber recht schwarz-weiß malerischer Polizeifilm im semi-dokumentarischen Stil von Rudolf Maté ("D.O.A.") mit William Holden und Nancy Olson ("Sunset Boulevard"). 3,5 von 5 Punkten.

Tarzan Offline



Beiträge: 941

01.11.2018 12:04
#424 RE: 'Hra Bez Pravidel' - Neo-Noir aus Tschechien 1967 Zitat · Antworten

Es wird zwar noch ein bisschen dauern, aber neuer Lesestoff zum Film Noir in einem faszinierenden Land kommt:

https://muehlbeyer-verlag.de/vorschaudet...-in-mexiko.html

Ray Offline



Beiträge: 1.299

08.11.2018 19:23
#425 RE: 'Hra Bez Pravidel' - Neo-Noir aus Tschechien 1967 Zitat · Antworten

In der Reihe "Krimi Classics" erscheinen am 07.12. zwei interessante Noir-Krimis.

Einmal Rudolf Matés "Mörder ohne Maske" mit Robert Mitchum und Linda Darnell, der im Kino in einer 3D-Fassung ausgestrahlt wurde. Die DVD enthält indes nur die 2D-Fassung.

https://www.amazon.de/M%C3%B6rder-ohne-M...rder+ohne+maske


Außerdem "Von Agenten gejagt" mit dem aus "Der dritte Mann" bekannten Gespann Joseph Cotten/Orson Welles.

https://www.amazon.de/Von-Agenten-gejagt...CPW1QEPQ0Z7TSGN

https://der-film-noir.de/v1/node/1091


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Ray Offline



Beiträge: 1.299

15.12.2018 15:47
#426 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Mörder ohne Maske (Second Chance) (USA 1953)

Regie: Rudolf Maté

Darsteller: Robert Mitchum, Linda Darnell, Jack Palance u.a.


Film Noir Nummer 93:


Clare (Linda darnell) ist auf der Flucht vor ihrem Ex-Freund, einem Gangsterboss. In Mexiko, wo sie sich vor ihm versteckt, wird sie von dem Killer Cappy, einem Handlanger des Ex-Geliebten, aufgesucht. Dieser will sie nur am Leben lassen, wenn sie mit ihm weiterzieht. Doch Clare hat keinerlei Gefühle für Cappy und hat sich obendrein frisch in den Boxer Russ (Robert Mitchum) verliebt. Doch Cappy lässt sich nicht so leicht abwimmeln...

Diese RKO-Produktion aus dem Jahre 1953 wurde seinerzeit sogar in 3D in die Lichtspielhäuser gebracht. Und das sicher nicht zu Unrecht, denn Schauwerte hat "Mörder ohne Maske" (der deutsche Verleihtitel erschließt sich dem Betrachter nicht) reichlich zu bieten. Der Film wurde an Originalschauplätzen in Mexiko gedreht. Fulminant sind die Bilder im Gebirge, welches Mitchum und Darnell mit einer alten Seilbahn bereisen. Hier steigt auch der beeindruckende Showdown, in dem sich die Seilbahn verhakt und die Insassen, unter ihnen neben den frisch verliebten Clare und Russ auch der uneinsichtige Cappy, auf ein "Wunder" angewiesen sind, um ein Unglück zu vermeiden. Denn die Rettungswagen haben nicht genug Platz, um alle zu retten. Es muss also entschieden werden, wer zurückgelassen wird. Das psychologische Potential, das in dieser Konstellation steckt, wird nur teilweise genutzt. Es war sicher nicht die beste Idee des Drehbuchverfassers, einem Jungen eine Binde um die Augen zu legen und durch Fingerzeig entscheiden zu lassen, wer überleben darf. Natürlich wurden die Nahaufnahmen in der Kabine im Studio mit Rückprojektionen, einige waghalsige Aktionen wurden allerdings mit dem nötigen Stunt-Personal vor Ort gedreht. Jene Aufnahmen wissen auch 65 Jahre nach Erscheinen des Films zu fesseln und sorgen dafür, dass der kurzweilige Streifen in Erinnerung bleiben wird. Inhaltlich gibt der Film indes nicht viel her. Der Gangsterboss, von dem Clare flieht, existiert nur in den Dialogen und tritt im Film selbst nicht auf. Ansonsten wird sie vor Ort in Mexiko von zwei Männern umworben, wobei schnell klar wird, dass nur Mitchum ihr Herz wird gewinnen können und Palance nur rohe Gewalt übrig bleibt. Jack Palance spielt den aufdringlichen Cappy durchaus überzeugend, Mitchum und Darnell, Letztere bekannt aus dem Otto Preminger-Noir "Fallen Angel", liefern grundsolide Leistungen ab. Rudolf Maté, im Genre ebenfalls kein Unbekannter (insbesondere "D.O.A.") inszeniert straff und effektvoll, sodass "Mörder ohne Maske" ohne Längen gut unterhält.

Die DVD von Cargo Records aus der Reihe "Krimi Classics" präsentiert den Film mit deutschem Vorspann. Das Bild kommt allerdings über weite Strecken in sehr blassen, um nicht zu sagen ausgewaschenen Farben daher.


Kurzweiliges Spannungskino mit eindrucksvollen Bildern an Originalschauplätzen in Mexiko und guter Besetzung. 4 von 5 Punkten.

Tarzan Offline



Beiträge: 941

15.12.2018 16:15
#427 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Alles Wissenswerte zu diesem (und einigen anderen) Film Noirs gibt es bald auch hier:
https://muehlbeyer-verlag.de/vorschaudet...-in-mexiko.html

Ray Offline



Beiträge: 1.299

03.01.2019 23:47
#428 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Lebensgier (Human Desire, USA 1954)

Regie: Fritz Lang

Darsteller: Glenn Ford, Gloria Grahame, Broderick Crawford u.a.



Film Noir Nummer 94:


Carl Buckley, einem Lokführer, droht die Kündigung. Er bittet seine Ehefrau Vicky, mit seinem Chef zu sprechen, da er weiß, dass diese ihn von früher kennt und einen guten Draht zu ihm hat. Als sie länger wegbleibt als von Carl angenommen, wird er misstrauisch. Auf Nachfragen weicht Vicky aus. Von Eifersucht getrieben, lässt er Vicky einen Brief an den Chef schreiben, um ein weiteres Treffen zu vereinbaren. Chef Owens geht darauf ein und wird bei dem vermeintlichen nächsten Date mit Vicky von Carl erstochen. Vicky, die dabei war, ist geschockt. Kurz nach dem Mord lernt sie Carls Kollegen Jeff kennen, der frisch aus dem Koreakrieg zurückgekehrt ist. Vicky beginnt eine Affäre mit Jeff in der Hoffnung, dass dieser sie von ihrem Ehemann befreien möge...

Ein Jahr nach dem ausgezeichneten Film Noir "Heißes Eisen" ging Fritz Lang kein großes Risiko ein und inszenierte einen Film des gleichen Genres mit denselben Hauptdarstellern. Nach etwas gemütlicher, aber nicht unsympathischer Exposition nimmt der Thriller mit der Eifersuchtsszene Carl Buckleys rasch Fahrt auf. Im zweiten Drittel glaubt der erfahrene Noir-Seher, dem üblichen Verlauf einer typischen Dreiecksgeschichte entgegenzublicken, in dem Jeff Vickys Ehemann aus dem Weg räumen wird. Doch das letzte Drittel belehrt den Betrachter eines Besseren und wartet mit netten Wendungen auf. Fritz Langs Inszenierung bewegt sich auf gewohnt hohem Niveau, im Verbund mit Kameramann Burnett Guffey macht er sich das Breitbildformat zunutze und liefert einige gelungene Einstellungen. "Lebensgier" kommt ohne Längen aus und hat mit Gloria Grahame ein echtes Genre-Schwergewicht als Faustpfand. Obschon sie nicht ganz so brilliert wie in "Ein einsamer Ort", liefert sie einmalmehr eine eindrückliche Performance ab und bringt eine gehörige Portion Intensität ins Spiel. Filmpartner Glenn Ford kann da nicht ganz mithalten, gibt aber ebenfalls eine solide Vorstellung. Auch Grahames Film-Ehemann Broderick Crawford haucht dem eifersüchtigen Ehemann Leben ein. Alles in allem ein überdurchschnittlicher Vertreter der Schwarzen Serie, den sich Genre-Fans und Anhänger Fritz Langs nicht entgehen lassen sollten.


Sauberer Noir-Thriller von Fritz Lang im Widescreen-Format mit einer gewohnt starken Gloria Grahame. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

08.01.2019 23:42
#429 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Reporter des Satans (Ace in Hole/The Big Carnival, USA 1951)

Regie: Billy Wilder

Darsteller: Kirk Douglas, Jan Sterling, Robert Arthur u.a.


Film Noir Nummer 95:


Chuck Tatum ist ein ehrgeiziger und intelligenter Reporter, eckt jedoch gerne an und hat sich so einstweilen seine große Karriere verbaut. In letzter Not heuert er bei einer kleinen Zeitung an. Auf dem Weg zu einer Außenreportage kommt er zufällig an einer Höhle vorbei, in der ein Mann namens Leo Minosa, der auf der Suche nach indianischen Artefakten war, eingeschlossen ist. Noch ist die breite Öffentlichkeit von dem Vorfall nicht informiert. Tatum erkennt das Potential für eine große Story...

Dieser letzte Film Noir Billy Wilders mit dem arg plakativen deutschen Titel "Reporter des Satans" war seinerzeit kein großer Erfolg. Es handelt sich auch eher weniger um einen klassischen Kriminalfilm als vielmehr um das Porträt eines Besessenen, der auf dem Weg zum Ruhm ohne Rücksicht auf Verluste agiert. Der Film ist voll und ganz auf Kirk Douglas zugeschnitten, der die Rolle des Reporters mit allem was er hat zum Leben erweckt. Seine Darstellung strotzt nur so vor Energie. Gleichzeitig rechnet der Film durch satirische Überzeichnung mit der Sensationsgier der Menschen ab. Vor der Höhle sammeln sich im Laufe der Zeit nicht nur ein Haufen von Reportern und Schaulustigen, das Drumherum gleicht alsbald einem Jahrmarkt: Musik, Buden, Heiterkeit. Doch die größte Attraktion ist natürlich der eingeschlossene Minosa. Tatum klettert mehrfach in die Höhle hinab und gewinnt so das Vertrauen des Mannes. Just dieses Vertrauen nutzt er schamlos fürs eigene Fortkommen aus. Er weist die Retter an, eine langsamere Methode anzuwenden, um seine Story größer aufziehen zu können. Dies hat fatale Folgen: Minosa bekommt eine Lungenentzündung und blickt immer näher dem Ende entgegen. Ob er gerettet werden kann und ob der Plan Tatums, das große Comeback zu starten, aufgeht, sei hier nicht verraten. Erwähnt sei allerdings, dass der Film trotz seiner interessanten Story, des starken Spiels von Douglas und den klaren Botschaften von Regisseur Wilder Längen aufweist, die dem Film ein Stück weit seiner Dramatik berauben. Jan Sterling bleibt in der Rolle der opportunistischen Gattin Monosas, die sich Tatum alsbald an den Hals wirft und auf ein behaglicheres Leben mit dem ambitionierten Reporter hofft, von diesem ebenso wie der Gatte aber nur ausgenutzt wird, eher blass.

Die DVD von Cargo Records präsentiert den Film in sehr guter Bildqualität. Allerdings enthält sie entgegen den Angaben auf der Rückseite des Covers nur die deutsche Tonspur, auf Originalton muss der Käufer verzichten.


Bitteres Porträt eines egozentrischen Reporters, das zugleich die Sensationsgier der Menschen an den Pranger stellt. Aufgrund einiger Längen gelingt es dem Film jedoch nicht, die Aufmerksamkeit des Publikums konstant hoch zu halten. 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

21.01.2019 22:32
#430 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Der Todeskuß (Kiss of Death, USA 1947)

Regie: Henry Hathaway

Darsteller: Victor Mature, Richard Widmark, Brian Donlevy, Coleen Gray, Karl Malden u.a.



Film Noir Nummer 96:

An Heiligabend raubt Nick Bianco gemeinsam mit drei Komplizen einen Juwelierladen in der obersten Etage eines New Yorker Hochhauses aus. Doch Bianco wird gefasst, da es dem Ladeninhaber gelingt, den Alarm auszulösen, bevor die Diebe entkommen. Bianco wird zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, da er sich gegenüber dem Staatsanwalt weigert, die Namen seiner Komplizen preiszugeben. Den Dienst an seinen Komplizen muss er teuer bezahlen: seine Frau, mit der er zwei kleine Töchter hat, begeht Selbstmord, einer der Komplizen trägt Schuld an diesem Unglück. Bevor Bianco vom Staatsanwalt auf Ehrenwort entlassen wird und mit der Tagesmutter seiner Kinder ein neues Leben beginnen kann, hat sein Anwalt einen wahnsinnigen Killer auf Biancos Komplizen zwecks Vergeltung für den Tod der Ehefrau angesetzt. Doch der schießt übers Ziel hinaus und stellt Bianco vor weitere Herausforderungen...

Henry Hathaway ("Kennwort 777", "Niagara") inszenierte diesen gelungenen Vertreter der Schwarzen Serie, der (melo-)dramatische Aspekte mit Spannungsmomenten geschickt kombiniert und dazu mit einer erstklassigen Besetzung aufwartet. Richard Wirdmark brilliert in seinem Filmdebüt als wahnsinniger Killer Udo, eine Rolle, die ihm eine große Karriere in Hollywood bescheren sollte. Die Szene, in der er statt Biancos Komplizen dessen Mutter tötet, indem er sie mit dem Rollstuhl die Treppe hinunterstürzt, schockt den Zuschauer. Für seine Leistung wurde er mit einem Golden Globe als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Seine diabolische Ausstrahlung und seine blitzartigen Stimmungsschwankungen bleiben hängen. Für die Hauptrolle wurde Victor Mature ausgewählt, der zuvor an der Seite von Gene Tierney in dem weniger gelungenen Noir "Abrechnung in Shanghai" zu sehen gewesen war. Im Folgejahr drehte er mit Robert Siodmak "Schrei der Großstadt". Die wichtige Rolle des Staatsanwalts bekleidet Brian Donlevy, bekannt aus "Der gläserne Schlüssel" oder Fritz Langs "Auch Henker sterben". Bemerkenswert ist, dass die Filmhandlung nicht wie im Genre häufig anzutreffen durch einen Ich-Erzähler, sondern einen Er-Erzähler, Coleen Gray, die die Tagesmutter der Kinder und Biancos spätere Partnerin spielt, geschildert wird. Ansonsten wechseln sich Tragik und Hoffnung in schöner Regelmäßigkeit ab, Hathaway lässt zudem semi-dokumentarische Elemente einfließen. Alles in allem ein überdurchschnittlicher Vertreter seiner Gattung, den sich Freunde der Schwarzen Serie ohne Bedenken ansehen können.


"Der Todeskuß" präsentiert eine geschickt aus Drama- und Spannungselementen zusammengesetzte Story mit einem starken Cast, aus dem der junge Richard Widmark in seiner ersten Filmrolle heraussticht, zu einem stimmigen Gesamtprodukt. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

02.02.2019 13:32
#431 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Endlich habe ich auch diesen Noir-Klassiker erstmals gesichtet...


Mord, mein Liebling/Leb wohl, mein Liebling (Murder, My Sweet/Farewell, My Lovely, USA 1944)

Regie: Edward Dmytryk

Darsteller: Dick Powell, Claire Trevor, Anne Shirley u.a.



Film Noir Nummer 97:

Detektiv Philip Marlowe erhält von einem grobschlächtigen Mann den Auftrag, seine verschwundene Freundin aufzuspüren. Kurz darauf wird er von einem anderen Mann namens Marriott damit beauftragt, ihn beim Rückkauf von gestohlenem Schmuck zu begleiten. Bei der Übergabe wird Marlowe niedergeschlagen und sein Klient ermordet. Kurz darauf erscheint eine junge Frau im Büro des Detektivs, die nach einem wertvollen Jade-Halsband fragt. Dieses war ihrer Stiefmutter gestohlen worden. Wie sich herausstellt, hatte Marlowes zweiter Auftraggeber sich bereit erklärt, das Halsband zurückzukaufen. Marlowe soll nun das Halsband zurückbringen und den Mörder Marriotts finden...

"Murder, My Sweet" basiert auf einem Roman Raymond Chandlers und war der erste Film, der dessen Detektivfigur Philip Marlowe auf die große Leinwand brachte. Die Story ist zwar etwas verworren, dankenswerterweise aber längst nicht in derart extremer Form wie beim zwei Jahre später erschienenen "Tote schlafen fest" mit Humphrey Bogart in der Titelrolle. Am Ende klärt sich alles weitgehend auf, insbesondere stelt sich heraus, dass zwischen Marlowes ertem und zweitem Auftrag eine Verbindung besteht, die zunächst für den Zuschauer in Frage steht.

Das Werk Edward Dmytryks gilt als Musterbeispiel des Film Noir, schließlich wurde eben jener Begriff vom französischen Kritiker Nino Frank auf Grundlage u.a. dieses Films geprägt. Und in der Tat finden sich viele Charakteristika dieser Stilrichtung in diesem Film. Zu Beginn sieht man Marlowe mit verbundenen Augen bein einem Polizeiverhör sitzen. Ein sicherlich ungewöhnliches Bild, das sich aber ebenso am Ende aufklären wird. Der Detektiv schildert nun in Rückblenden die Geschichte. Dick Powell, später u.a. an der Seite Lizabeth Scotts in "Pitfall" zu sehen, vollzog mit dem vorliegenden Film einen Imagewechsel, zuvor war er vor allem mit Musicalfilmen bekannt geworden. Er schlägt sich jedoch ausgesprochen wacker, spielt den Hard-Boiled-Detektiv in jeder Phase glaubwürdig und muss sich keinesfalls vor der Interpretation Humphrey Bogarts verstecken. Neben ihm gibt es ein interessantes Damen-Doppel: Claire Trevor ("Gangster in Key Largo") als Besitzerin des vermissten Halsbands mimt die Femme Fatale, die Marlowe um den Finger zu wickeln versucht. Anne Shirley spielt ihre Stieftochter und gibt den Gegenpol. Sie zog sich leider bereits nach diesem Film aus dem Filmgeschäft zurück.

Edward Dmytryk ("Die 27. Etage") zeigt sich handwerklich absolut auf der Höhe, setzt auf die im Genre charakteristische Low-key-Beleuchtung und greift in einer Halluzinationsszene sogar auf den deutschen Expressionismus zurück. Generell ist "Murder, My Sweet" ein Film, der bei einer zweiten Sichtung gewiss weiter wachsen wird. Denn wenn man einmal weiß, wie alles zusammenhängt und dass man es nicht mit einer Aneinanderreihung von Epiosden zu tun hat, wie am Anfang zu befürchten steht, kann man sich noch mehr auf die gelungene Atmospähäre dieses klassischen Detektiv-Krimis und die gut herausgearbeiteten Figuren einlassen. Generell schaut man Powell einfach gerne zu, wie er sich als Stehaufmännchen durch die Handlung boxt.


Klassischer Detektiv-Thriller mit zunächst etwas verwirrender Story, aber stimmiger Stilistik und interessanten Figuren. Dick Powells Interpretation des bekannten Detektivs Marlowe braucht sich vor derjenigen Humphrey Bogarts nicht zu verstecken. Aufgrund des Potentials, das ich in "Murder, My Sweet" für Folgesichtungen erblicke, vergebe ich noch 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

09.02.2019 00:41
#432 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Im Kreuzfeuer (Crossfire, USA 1947)

Regie: Edward Dmytryk

Darsteller: Robert Young, Robert Ryan, Robert Mitchum, Gloria Grahame, Lex Barker u.a.



Film Noir Nummer 98:


Ein Mann namens Samuels wird von zwei Männern in seiner Wohnung erschlagen. Zuvor hatte er sich mit mehreren Soldaten in einer Bar angeregt unterhalten. Samuels war mit den Soldaten anschließend in seine Wohnung gegangen. Der Verdacht fällt schnell auf Mitchell, da dieser nach Aussage seines Kollegen Montgomery die Wohnung abrupt verlassen habe und nicht wieder gekommen sei. Der mit dem Fall betraute Captain Finlay (Young) rätselt vor allem über das Motiv des Täters...

Ein in vielerlei Hinsicht ungewöhnlicher Noir mit im Ausgangspunkt gewöhnlichem Krimi-Plot ist Edward Dmytryks "Im Kreuzfeuer". Zu einem Film der Schwarzen Serie wird das Werk vor allem durch die konsequente Low Key-Ausleuchtung sowie die Erzählung in Rückblenden. Denn nachdem der Zuschauer in der Eingangsszene nur anhand von Schatten an der Wand sieht, wie Samuels von zwei Männern erschlagen wird, rekonstruiert der Film den Abend nach und nach durch die Schilderungen von Zeugen. Eine bemerkenswerte Darstellung liefert Robert Young, der den Cast um die drei Roberts - neben ihm tragen auch Ryan und Mitchum diesen Vornamen - anführt, ab. Optisch ist sein Captain Finlay mit Hut und Pfeife, mit Blick auf seine Persönlichkeit mit Geduld und klarer Haltung ausgestattet. Nachdem sich zu Beginn des letzten Drittels Antisemitismus als Motiv für die Tat herauskristallisiert, erhält Young vom Drehbuch eine beeindruckende Szene, in der er die Sinnlosigkeit jeden Hasses herausstellen darf. In der Folge stellt der Ermittler dem Täter, der inzwischen noch einen zweiten Mord begangen hat, eine Falle und erschießt diesen, als er zu entkommen versucht, aus einem Fenster heraus hinterrücks. Robert Mitchum spielt einen Vertrauten des Hauptverdächtigen Mitchell, der Finlay bei den Ermittlungen hilft und seinem Freund beim Ausräumen des Verdachts unter die Arme greift. Einen vor allem körperlich markanten Auftritt legt Robert Ryan als Soldat Montgomery hin. Im hiesigen Kontext interessant ist sicherlich ferner die Präsenz Lex Barkers, der jedch nur eine kleine Nebenrolle spielt und rasch aus der Handlung verschwindet. Den sehenswerten Cast rundet Gloria Grahame in der Rolle einer Prostituierten ab. Grahame macht aus der kleinen und letztlich weniger bedeutenden Rolle eine kleine Attraktion und wurde dafür mit einer Oscar-Nominierung belohnt.

Das Thema Antisemitismus war nicht nur in Deutschland, wo der Film erst gar nicht den Weg in die Lichtspieltheater fand, Ende der 1940er ein heißes Eisen, sondern auch in den USA. Zwar wurde der Film fünffach für den Oscar nominiert (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch, Ryan und Grahme als beste Nebendarsteller), er brachte Regisseur Dmytryk aber auch einen Eintrag auf der schwarzen Liste des Komitees für unamerikanische Umtriebe ein. Wegen mangelnder Kooperation wurde Dmytryk sogar kurzzeitig inhaftiert. Der Regisseur setzte seine Karriere einstweilen in Großbritannien fort. Dort drehte er u.a. den bereits zuvor besprochenen "Der Wahnsinn des Dr. Clive".


Das im Bereich Film Noir selten anzutreffende Thema des Antisemitismus gibt dem Film Edward Dmytryks einen engagierten Anstrich. Die markante Inszenierung und sehr gut aufgelegte Cast sorgen für das Gelingen des Spagats zwischen Kriminalfilm und Drama. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

10.02.2019 22:54
#433 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Die Macht des Bösen (Force Of Evil, USA 1948)

Regie: Abraham Polonsky

Darsteller: John Garfield, Beatrice Pearson, Thomas Gomez u.a.



Film Noir Nummer 99:


Joe Morse, Anwalt in New York, zählt Gangster Ben Tucker zu seinen Klienten. Tucker möchte im Bereich der Lotterie ein Monopol schaffen. Dazu will er die Lotterie manipulieren, damit alle illegalen Lotteriebüros der Stadt Bankrott gehen und er sie an sich reißen kann. Ein solches Lotteriebüro betreibt auch Morse Bruder Leo, zu dem er kein besonders gutes Verhältnis hat. Trotzdem wendet sich Morse an Leo, um ihn zu warnen, damit er heil aus der Sache heraus kommt. Er bietet ihm an, ihn zu beteiligen. Als der weniger materialistisch veranlagte Leo kategorisch ablehnt, gerät Morse zwischen die Fronten...

"Die Macht des Bösen" ist der Debütfilm Abraham Polonskys, einem überzeugten Kommunisten, der wie Kollege Dmytryk (s. vorherige Besprechung) wenig später auf der "Schwarzen Liste" des Komitees für unamerikanische Umtriebe landete. Die Story wirkt mit Blick auf ihren konkreten Inhalt antiquiert, funktioniert auf abstrakterer Ebene als Kain und Abel-Fabel aber noch heute. Angesichts der politischen Einstellung des Regisseurs überrascht auch die Kapitalismuskritik, die im Film immer wieder durchschimmert, nicht. Festmachen lässt sie sich vor allem an der Figur des Anwalts Morse, exzellent verkörpert von Hauptdarsteller John Garfield ("Im Netz der Leidenschaften"). Sein Streben nach materiellen Vorteilen ist so immens, dass er, immerhin Anwalt und Partner einer New Yorker Kanzlei, sich von einem Gangster instrumentalisieren lässt und damit sogar seinen Bruder in höchste Gefahr bringt. Nahezu aussichtslos erscheint daher der Versuch von Doris, einer Angestellten Leos, dessen Bruder Halt zu geben. Neben der Performance Garfields werden die beeindruckenden Außenaufnahmen von New York hängen bleiben (Wall Street, George-Washington-Brücke). Aber auch im Bereich der Innendekors kreiert die Kamera wunderbare Kontraste aus Licht und Schatten. Im Finale, in dem es in einem dunklen Büroraum zu einer tödlichen Auseinandersetzung zwischen Morse, seinem Kanzleipartner und einem Konkurrenten des Gangsters Tucker kommt, sorgen stimmungsvolle Schattenbilder für atmosphärische Spannung. Erst nach Fallen des letzten Schusses erfährt der Zuschauer endgültig, wen von den dreien es nun "erwischt" und wer überlebt hat. Als typischer Vertreter seiner Gattung zeigt sich "Force Of Evil" zuletzt durch die Ich-Erzählung der Hauptfigur.


"Force Of Evil" gilt verbreitet als unterschätzte Perle der Schwarzen Serie und das sicher nicht zu Unrecht, dafür sorgen schon die atmosphärischen New York-Bilder und die beeindruckende Vorstellung des früh verstorbenen John Garfield. Ich sehe für weitere Sichtungen durchaus noch Potential nach oben und vergebe vorerst 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.299

12.02.2019 22:34
#434 RE: Sammelthread Film Noir Zitat · Antworten

Steckbrief 7-73 (He Ran All The Way, USA 1951)

Regie: John Berry

Darsteller: John Garfield, Shelley Winters, Wallace Ford u.a.



Film Noir Nummer 100:


Ein Raub an einem Geldkurier bleibt für den Kleinkriminellen Nick Robey nicht ohne Folgen: Auf der Flucht erschießt er einen Polizisten, der zuvor seinen Komplizen mit einer tödlichen Kugel versehen hat. Zufällig lernt er unmittelbar danach die Bäckereisangestellte Peggy kennen. Er bringt sie nach Huase, um in ihrer Wohnung Unterschlupf zu finden...

"Steckbrief 7-73" - die Motivation hinter diesem deutschen Verleihtitel erschließt sich dem Betrachter nicht - war der letzte Film John Garfields, der im jungen Alter von 39 starb. Seine letzte Rolle verlangt diesem großartigen Schauspieler noch einmal alles ab. Sein Nick Robey fristet ein tristes Dasein als Kleinkrimineller und lebt noch bei seiner Mutter. Der Coup gibt ihm eine Perspektive, er ist seine große Chance. Spätestens nach dem Vorfall im Zuge der Durchführung des Raubes schrillen bei ihm jedoch alle Alarmglocken. Robey ist extrem nervös und misstrauisch. Diese Eigenschaften stehen ihm nicht nur bei der ersten Kontaktaufnahme mit Peggy, gespielt von Shelley Winters, sondern auch im weiteren Verlauf ihrer Beziehung im Wege. Peggy ist zwar offensichtlich geschmeichelt von Nicks Avancen und lässt ihn sogar mit in die Wohnung, in der sie mit Eltern und ihrem kleinen Bruder lebt. Da Nick indes allzu schnell seine Tarnung aufgibt und Peggy sowie ihre Familie mit einer Waffe bedroht, kippt die Stimmung rasch. Nichtsdestoweniger hat Nick ganz offenbar eine anziehende Wirkung auf Peggy. Jedenfalls gelingt es ihm, die junge Frau wieder auf seine Seite zu ziehen und ihm bei weiteren Fluchtvorbereitungen zu helfen. Wäre da nicht sein großes Misstrauen und Peggys Vater, der sich seinen Hausfrieden nicht so einfach nehmen lässt. Der Film lebt von der energetischen Performance John Garfields und der sauberen Figurenzeichnung von Nick und Peggy. Die Schwankungen in der Beziehung zwischen beiden machen den Film unvorhersehbar. Der Überfall zu Anfang ist darüber hinaus äußerst dynamisch und für damalige Verhältnisse alles andere als zimperlich inszeniert. Im Anschluss gibt es atmosphärische Bilder in einem öffentlichen Schwimmbad, die eine interessante Umgebung für das zufällige Kennenlernen von Nick und Peggy bilden und den Zuschauer beruhigen. Sobald sich das Geschehen in Peggys Wohnung verlagert, werden die optischen Schmankerl naturgemäß weniger. Von da an lebt der Film von seiner Dichte und der offensichtlich bevorstehenden Zuspitzung des Konflikts. Das Ende erscheint konsequent und wartet aus Sicht der Haupfigur mit einer bitterbösen Schlusspointe auf. Alles in allem kurze und knackige Noir-Unterhaltung.


John Garfield läuft in seiner letzten Rolle als Kleinganove Nick Robey noch einmal zu großer Form auf und sorgt in Kombination mit der sauberen Figurenzeichnung für kurzweilige Noir-Unterhaltung. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 16.093

15.02.2019 18:00
#435 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Gratulation zur runden Summe von 100 Noir-Besprechungen, @Ray! Das ging echt flott bei dir und animiert mich, mir auch wieder einmal etwas aus dem Genre anzusehen:



Der blonde Tiger (Too Late for Tears)

Thriller, USA 1949. Regie: Byron Haskin. Drehbuch: Roy Huggins (Vorlage: Roy Huggins). Mit: Lizabeth Scott (Jane Palmer), Don DeFore (Don Blake), Dan Duryea (Danny Fuller), Arthur Kennedy (Alan Palmer), Kristine Miller (Kathy Palmer), Barry Kelley (Lt. Breach), Harry J. Vejar (Lt. Rivera), Forbes Murray (Dr. Adams), David Clarke (Jack Sharber), Billy Halop (Bootsverleiher) u.a. Uraufführung (USA): 17. Juli 1949. Uraufführung (BRD): 28. November 1950. Eine Produktion von Hunt Stromberg Productions für United Artists.

Zitat von Der blonde Tiger
Auf einer einsamen Landstraße fällt ein Koffer voller Geld aus einem unbekannten Auto geradewegs in die Arme von Jane und Alan Palmer. Weil das Ehepaar unmittelbar darauf von einem zweiten Wagen verfolgt wird, ahnt es schnell, dass mit dem unverhofften Geldsegen etwas nicht recht stimmen kann. Während Alan Skrupel hat und die Dollars am liebsten bei der Polizei abliefern würde, kämpft Jane wie ein Tiger um das Geld. Sie lässt sich auch vom Ganoven Danny nicht einschüchtern, der sie in ihrem Apartment aufsucht. Gemeinsam stehen Jane und Danny dann auch bald vor einer schwierigen Aufgabe: Sie müssen die Leiche des allzu rechtschaffenen Alan loswerden ...

Zitat von „Der blonde Tiger“ bei Der-Film-Noir.de, Quelle
Wer unter den wenig zimperlichen und verschlagenen femmes fatales im Film Noir bislang Barbara Stanwyck (in „Double Indemnity“), Jane Greer („Out of the Past“) oder Jean Simmons („Angel Face“) als Maß der Dinge eingestuft hat, wird nach Betrachtung dieses Streifens sein Böse-Frauen-Ranking womöglich aktualisieren[, denn] vor allem Lizabeth Scott bleibt [in „Too Late for Tears“] nachhaltig in Erinnerung und liefert eine höchst eindringliche Charakterstudie in Sachen Gier und Skrupellosigkeit ab.


Lizabeth Scott hatte in der unmittelbaren Nachkriegszeit zunächst durch Rollen in sehr gefühlsbetonten Noirs („Die seltsame Liebe der Martha Ivers“, „Desert Fury“) auf sich aufmerksam gemacht, landete aber 1949 mit „Der blonde Tiger“ ein Meisterstück, das sich tatsächlich mit Barbara Stanwycks Abgebrühtheit in „Frau ohne Gewissen“ vergleichen lässt. Als Jane Palmer stellt sie eine Frau dar, die mit ihren Mittelklasse-Lebensverhältnissen unzufrieden und zugleich wenig empfänglich für die gutmütigen Beschwichtigungen ihres treuherzigen Gatten ist. Mit dem dringlichen Wunsch, das ihr in den Schoß gefallene Geld unter allen Umständen und gegen alle Einflüsse zu verteidigen, um sich damit ein erfüllteres Leben zu finanzieren, verfolgt Jane einen pervertierten American Dream, der den Selfmade-Gedanken sowie alle Formen der Rücksichtnahme kategorisch ausschließt und durch und durch materiell motiviert ist. Wenn es nötig ist, den bedenkenträgerischen Ehemann zu erschießen, um das Geld zu behalten, dann geht Jane Palmer diesen Deal ein. Auch andere Figuren sind nicht vor ihr sicher – die Anzahl an Mordversuchen, die Jane im Laufe der Filmhandlung gegen die übrigen Charakere unternimmt, spricht von beachtlicher Kaltblütigkeit. Zugleich wickelt Lizabeth Scott das Publikum aber auch um ihren Finger und zeigt damit die verführerische und moralisch verwerfliche Seite des Verbrechertums auf.



Tatsächlich elektrifiziert die kühle Blondine das Publikum derart, dass man eher mit ihr als mit ihren Gegenspielern mitfiebert. Das ist nicht verwunderlich, denn Don DeFore und Kristiane Miller bilden ein derart rechtschaffenes Ermittlerpärchen, dass auch DeFores kesse Sprüche wenig Sympathiepunkte bei abgebrühten Noir-Zuschauern einsammeln können. Seine Rolle bietet aber einen interessanten doppelten Boden, der am Ende noch einmal die Vielschichtigkeit der zunächst simpel erscheinenden Erzählung vor Augen führt. In einer Zangenposition steht außerdem Dan Duryea, der seine übliche Genrerolle als schmieriger Kleinganove auf interessante Weise variiert und ob seiner Versuche, mit Lizabeth Scott und ihrer Entschlossenheit mitzuhalten, von Anfang an ein verlorener Mann ist. Sein Danny Fuller behauptet sich zunächst noch durch das Androhen roher Gewalt; es wird aber schnell klar, dass ihm das Köpfchen fehlt, um sich mit Jane Palmer messen zu können. Fuller könnte daher schnell ad acta gelegt werden, wenn ihn Duryea nicht mit einem so fein nuancierten, stellenweise zynischen Spiel aufwerten würde.

Über die Qualitäten eines guten Gangsters und einer handfesten femme fatale hinaus bekommen Noir-Freunde mit „Der blonde Tiger“ auch einen dauerhaft hochspannenden Film zu Gesicht, der sich durch vertraute Plotelemente (einen Geldkoffer als Macguffin, eine Leiche am Boden eines Sees, einen verstorbenen früheren Ehemann, Giftkapseln, eine verschwindende und wieder auftauchende Armeepistole und eine Rache aus der Vergangenheit) auszeichnet. Dadurch, dass alle Ereignisse spontan eintreten und vor allem von Jane eine schnelle Reaktionsgabe abfordern, fiebert man quasi in Echtzeit mit. Auch Regisseur Byron Haskins Kunstfertigkeit im Umgang mit Kameraeinstellungen und Lichteffekten sowie die stilsichere Ausstattung und Kostümierung wissen zu beeindrucken. Man beachte zum Beispiel nur die antithetisch helle Kleidung von Jane (die ihre Gefährlichkeit damit vor der Außenwelt verbirgt) und die dunkle von Kathy. Obwohl es sich bei „Der blonde Tiger“ mitnichten um eine Großproduktion handelt, spielt der Film ästhetisch also in einer hohen Liga. Wegen seines Status in der Public Domain war er allerdings kurz davor, nur noch in minderwertigen Drittkopien vertrieben zu werden – ein Schicksal, das das UCLA Film & Television Archive und die Film Noir Foundation im letzten Moment verhinderten.

Was tut man mit einem unverhofften Geldsegen, der offenkundig an ein Verbrechen geknüpft ist? Die klare Antwort für einen unterhaltsamen Filmabend: Alle Bedenken über Bord werfen und für die Scheine über Leichen gehen. Lizabeth Scott brilliert als „blonder Tiger“ in einer schamlos geldgierigen, aber gleichzeitig wunderbar gewitzten Rolle und trifft auf spielfreudige Gegner im Kampf um 60’000 Dollar. 5 von 5 Punkten.

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