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Dieses Thema hat 424 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Peter Offline




Beiträge: 2.818

01.09.2016 21:26
#361 RE: Post Noir Perlen Zitat · antworten

Zitat von Stroheim im Beitrag #360
Das Risiko, dass der Streifen hier nicht einer breiten Mehrheit gefällt,
stufe ich in diesem Fall als äußerst gering ein....
http://der-film-noir.de/v1/node/33
http://offscreen.com/view/blast-of-silence

Ich hab´s riskiert - und Blast of Silence bestellt....

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

10.09.2016 20:28
#362 RE: Post Noir Perlen Zitat · antworten

Schwaches Alibi / Naked Alibi 1954

Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1955
Drehbuch: Lawrence Roman, J. Robert Bren, Gladys Atwater
Kamera: Russell Metty
Schnitt: Al Clark
Musik: Joseph Gershenson, Herman Stein (Songs)
Länge: ca. 82 Minuten
Regie: Jerry Hopper
Cast: Sterling Hayden, Gloria Grahame, Gene Barry, Marcia Henderson, Max Showalter, Billy Chapin
Chuck Connors, Don Haggerty, Stuart Randall, Don Garrett, Richard Beach, Tol Avery,
Paul Levitt, Fay Roope, Joseph Mell, John Daheim


Manchmal Lustig - ein Total verriss kann einen Film durchaus interessant genug machen, dass man sich auf die verzweifelte suche
nach einer DVD macht, und letztenendes in Italien fündig wird.

Auf der film Noir wird dieses stolzer Werk immerhin mit den Worten "unfassbar Schlecht" beworben - dem gegenüber
steht eine 6.5 in der IMDb also eine gut durchschnittliche Wertung aus über 400 stimmen.
Scheint also leicht zu Polarisieren ...


Story :

In einer Nacht in der ein Überfall verübt wurde wird der Bäckereibesitzer Al Willis wegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit
aufgegriffen und auf dem Revier befragt um seine Identität festzustellen.
Der Hitzköpfige Al kommt mit der Ruppigen Behandlung durch die Beamten nicht klar und fängt eine Schlägerei an -
währendessen sich die Identitätsfrage geklärt und da gegen Willis nichts vorliegt wird er auf freien Fuß gesetzt -
noch in der gleichen Nacht wird einer der an der Befragung beteiligen Beamten in der nähe Willis Wohnung von hinten erschoss.
2 weiterer sterben bei einen feigen Sprengstoff Anschlag.Für deren Chef Joe Conroy ist klar Willis ist der Täter doch es
fehlen die Beweise - er lässt Willis gegen den willen seiner Vorgesezten beschatten was ihn seinen Job kostet Willis allerdings
so sehr aus der ruhe bringt das er Frau und Kind zurücklässt und in eine Kleinstadt nahe der Mexikanischen Grenze flieht
wobei ihm Conroy auf den Fersen bleibt. Doch Willis ist Keinenfalls ein unbekannter in dieser Gegend...


Kommentar :

Jerry Hoppers Film versucht sich an einer ähnlichen Zweiteilung wie Nicolas Ray "On Dangerous Ground (1952)" ohne allerdings
in diese Klasse mitspielen zu können - Die Story ist leicht Holprig - erscheint Al Willis zunächst als liebevoller zurückhaltender
Familienvater mit Maus Grauer Ehefrau so kann er diese Tarnung sobald er nur minimal gereitzt wird nie aufrecht erhalten -
ich möchte nicht soweit gehen wie bei der Film Noir und sagen das ist alles Schwachsinn, den das würde dem Film unrecht tun, denn
reimt man sich ein wenig im Film fehlender Charakter Background zusammen ergeben die Handlungen durchaus einen Sinn! -
nur ist das leider in Film Form viel zu Kompakt zusammengestrichen.

Man bekommt ja nie mit ob der Gute Al nicht vielleicht auch
zuhause gelegentlich austickt und das einfach in den eigenen 4 Wänden bleibt - wir reden ja Schließlich über die 50er...
Eine Tarnidentität jedenfalls macht aus mehrerlei hinsicht Sinn - zum einen um unauffällig Geschäfte tätigen zu können ist ein
eigenes Geschäft mit Transportwagen sicher nicht falsch, zum anderen laufen da in der Kleinstadt ja Ermittlungen zu dem
Verbrechersyndikat.
Und manchmal kann ein scheinbar nichtiger Grund ausreichen einen menschen der schon in eine irrationale psychopatische
Richtung tendiert ganz über diese Grenze zu stoßen - dumm muss er deshalb auf keinen Fall sein

Bevor aber jemand denkt ich will denn Film nun in den Himmel loben - nein das war nicht meine Absicht den er krankt an mehreren stellen :
Zuerst wäre eben durch die recht Kurze Laufzeit fehlender Charakterhintergrund - zudem taugt Gene Barrys Darstellung maximal für den Handlanger
einer solchen Organisation aber nie für das Gehirn dahinter - er wirkt Plump gewalttätig aber selten clever.
An der grenze zum Nerven ist die Filmmusik die extrem aufdringlich die Szenen zu unterstützen versucht ... wohingegen sich der
von Gloria Grahame dargebotene Song gut einfügt.


Sterling Hayden gibt den Cop von der rauen Sorte durchaus treffend - ein Symphatieträger ist er dabei sicher nicht, seine Methoden
bestehen aus Vorurteilen, Intuition, Zufall und im Notfall Gewalt. Herausstechen tut so oft Gloria Grahame in eine tragischen
Rolle die sie wie üblich klasse meistert - obwohl sie erst nach ca 30 min auftritt beherrscht sie von dort an den Film und
gibt ihm eine gewisse klasse.

Die Inszenierung ist recht schwungvoll es gibt einige optisch schöne Szenen und auch die Kammeraarbeit ist im überdurchschnittlichen Bereich
Und trotz aller Fehler die dieser Film hat habe ich mich nie gelangweilt oder das Interesse verloren

Wohlwollende 3,5 von 5 die vielleicht ein wenig Hochgegriffen sind wenn man bedenkt, dass der Film mit etwas
mehr zeit für seine Charaktäre um einiges Flüssiger sein könnte ... aber ich hab nen Herz für viel Kritisierte
Filme und Gloria Grahame ist grandios wie immer

Anmerkung zu DVD : Anatomia di un delitto von RARE Movies Collection in Italien - das Bild ist Top , der englische Ton minimal asynchon

Happiness IS the road ! (Marillion)

Ray Offline



Beiträge: 1.098

13.09.2016 21:06
#363 RE: Post Noir Perlen Zitat · antworten

Die Nacht des Jägers (The Night of the Hunter) (USA 1955)

Regie: Charles Laughton

Darsteller: Robert Mitchum, Shelley Winters, Billy Chapin u.a.



Film Noir Nummer 79:


Ein falscher Wanderprediger (Robert Mitchum) bereichert sich an einsamen Witwen. Als er von einem zum Tode verurteilten Zellengenossen erfährt, dass dieser 10.000 Dollar erbeutet und bei sich zu Hause versteckt hat, hat der Wanderprediger ein neues Opfer gefunden. Doch er hat die Rechnung ohne die Kinder der Witwe gemacht...

"Die Nacht des Jägers" ist die einzige Regiearbeit von Charles Laughton ("Zeugin der Anklage") und war seinerzeit ein kommerzieller Flop. Heute hingegen genießt er gemeinhin einen (sehr) guten Ruf. Man kann Laughton jedenfalls bescheinigen, ein ambitioniertes Werk vorgelegt zu haben. Ein Mann, der "das Wort Gottes" für verbrecherische Zwecke einsetzt - das war anno 1955 sicher ein recht heißes Eisen. In einigen Szenen spielt er zudem geschickt mit Licht und Schatten und sorgt so für einige Schockmomente (z.B. wenn der Schatten des "Predigers" im Zimmer der Kinder der Witwe erscheint). Mitunter trägt er allerdings etwas dick auf ("Predigt" der Witwe) und verliert im letzten Drittel ein wenig den Faden. Überhaupt wirkt die Mischung aus (biblischem) Horrormärchen, Film Noir und Melodram etwas unausgegoren. Wer jedoch offen für Neues ist, kann ruhig einen Blick riskieren, denn die Schauspieler machen ihre Sache gut. Gerade Robert Mitchum liefert eine achtbare Darbietung ab. Auch die Kinder schlagen sich wacker.


Ambitionierte, aber nicht ganz ausgegorene Mischung aus Horrormärchen, Noir und Melodram. 3,5 von 5 Punkten.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

14.09.2016 18:17
#364 Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

Reite auf dem Rosa Pferd / Ride The Pink Horse 1947

Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1947
Drehbuch: Charles Lederer, Joan Harrison (screenplay) Dorothy B. Hughes (novel)
Kamera: Russell Metty
Schnitt: Ralph Dawson
Musik: David Tamkin
Länge: ca. 101 Minuten
Regie: Robert Montgomery
Cast: Robert Montgomery, Thomas Gomez, Wanda Hendrix, Art Smith, Rita Conde, Iris Flores, Grandon Rhodes,
Tito Renaldo, Richard Gaines, Andrea King, Martin Garralaga, Edward Earle, Harold Goodwin,
Maria Cortez, Fred Clark


Zuerst einmal ein Dank in Richtung Stroheim
der mich darauf aufmerksam gemacht hat das dieser Film in den USA inzwischen in einer wunderbaren Edition erschienen ist wahlweise als DVD oder BlueRay

Ride The Pink Horse - nun das war zuerst ein Titel für ein Film Noir der so absurd klang das ich dacht den MUSS ich sehen - später bot sich mir die Gelegenheit,
eine sehr miese Online Kopie anzusehen, nach der ich mich aber nicht getraute den Film fair zu beurteilen - die allerdings die Hoffnung auf eine
offizielle DVD deutlich vergrößert hatte

Zuerst einmal fällt aus das dies Robert Montgomerys Film ist - nicht nur das er Regie führt nein, er ist beinahe in jeder
Szene des Films zu sehen er trägt in sozusagen - stellt sich die Frage schaft er das. Robert Montgomery ist zumindest dem heutigen
Publikum kaum mehr ein Begriff sein Noir Die Dame im See verzichtete über weite strecken darauf ihn selbst in Szene zu setzten,
überzeugt - oder nein eher fasziniert am ehesten durch die eigenwillige Erzählweise aber nicht durch Schauspiel,
Schauspieler Führung oder das Gespür seine Geschichte erzählen zu wollen ... aber zurück zum Thema


Inhalt :

San Pablo eine Kleinstadt an der Grenze in Mexiko bereitet sich auf die Jährliche Große Fiesta vor als Lucky Gargin aus Washington dort eintrift.
Noch an der Fernbus Station nimmt er sich ein Schließfach deponiert etwas darin und versteckt den Schlüssel dazu hinter einer Karte der
Region die dort an der Wand hängt mit Hilfe eines Kaugummis.
Mit dem Koffer in der Hand macht er sich auf die Suche nach dem Hotel La Fonda - unterwegs
trifft er 2 Junge Damen, die ihm eine ungefähre Wegbeschreibung liefern nach kurzer Unterhaltung Mischt sich die Junge Pila ein und bietet an ihn
zum Hotel zu führen - Unterwegs allerdings verhält sie sich höchst seltsam redet von Tod und Gefahr und drängt Gargin eine Puppe als Glücksbringer auf.

Das Hotel ist wegen der Fiesta ausgebucht so lässt Gargin nur seine Koffer deponieren und schreibt eine nachricht an einen Gewissen Mr. Hugo
der im Hotel abgestiegen ist - aufmerksam beobachtet er dabei den Herrn am Empfang um zu sehen in
welches Fach der Brief verschwindet - doch Gargin wird
selbst Beobachtet von einem Älteren Herren der sich Retz nennt.


Kommentar :

Man Muss es einfach neidlos anerkennen, Robert Montgomery kann - er kann sowohl eine Hauptrolle, die sicher nicht zu den leichtesten im Film Noir gehört
absolut überzeugen spielen - er kann es auch noch selbst inszenieren, ohne das man das Gefühl hat da hockt niemand auf dem Stuhl der den Blick
für das Ganze aus der Distanz hat.

Aber der Reihe nach zuerst einmal ist die Storry in sich schlüssig , die Figuren wirken real und das sich die Handlung sehr auf Gargin konzentriert
und nicht abschwenkt tut sowohl der Spannung als auch der Atmosphäre gut - ist es doch von vorherein klar das das mit Lucky
nicht wirklich gut gehen kann.
Die Dialoge zum teil beinahe Heiter sarkastisch sind herrlich und doch nehmen sie dem Film nie die Bedrohung - das kleine Staubige Städtchen in
Mexiko wird schön in Szene gesetzt und bietet den durch die Fiesta aufgesetzt falschen fröhlichen Backdropp der genau die Einsamkeit und
Traurigkeit durchscheinen lässt - eine Staubige Falle am Ende der Welt.

Wie schon angedeutet meistert Robert Montgomery seine Hauptrolle ausgezeichnet - obwohl er alles andere als ein Symphatieträger ist ...
Thomas Gomez gibt den Klischee Mexikaner mit Herz und sorg für gelegentliches schmunzeln wird dabei aber nicht albern.
Fred Clark gibt einen schön ekligen Mr. Hugo ,
ein Kabinett Stückchen gelingt Art Smith als Retz -

Bleibt Pila Darstellerin Wanda Hendrix und die ewige Diskussion warum man keine Mexikanische Darstellerin
für die rolle gecastet hat - am Rum lags wohl nicht den Wanda Hendrix stand noch am Anfang ihrer Kariere und das mal dazu
gesagt sie macht ihre Sache ausgezeichnet zwischen naiv und bestimmt
unschuldig und stolz.
Ohne das man mir jetzt bitte was unterstellt etwas allgemein zu dieser Diskussion was meiner
Meinung nach zu oft vergessen wird - Es keine Grösserer Leistung für eine Schauspieler wie überzeugend das zu verkörpern was er eben nicht ist ....
das wird vorlauter Politisch Korrekt gerne mal vergessen ....

Was Bleibt am Ende - nun der vielleicht etwas zu Optimistische Schluss ansonsten Top Noir unbedingt ansehen 4,5 von 5 von mir

@ray - hoffe du hast dir Nacht des Jägers im Orginal angeschaut - die deutsche Bearbeitung killt den Film für mich ...

Happiness IS the road ! (Marillion)

Tarzan Offline



Beiträge: 901

14.09.2016 18:38
#365 RE: Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

Ja, ein absoluter Geheimtipp. Ein weiterer Film Noir zum Thema "In einer Bar in Mexiko", obwohl überhaupt nicht im echten Mexiko gedreht wurde ("nur" in New Mexico)...

Ray Offline



Beiträge: 1.098

14.09.2016 20:54
#366 RE: Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

Zitat von kaeuflin im Beitrag #364

@ray - hoffe du hast dir Nacht des Jägers im Orginal angeschaut - die deutsche Bearbeitung killt den Film für mich ...




Nein, habe ihn in der deutschen Fassung gesehen. Die Synchronstimme von Robert Mitchum ist sicher nicht ideal und die deutschen Gesänge wirkten auch ein wenig komisch - ich will nicht ausschließen, dass das dazu beigetragen hat, dass ich nicht rundum begeistert war.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

14.09.2016 20:59
#367 RE: Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

vielleicht bin ich auch voreingenommen ich sah in zuerst auf Englisch hab dann die deutsche Version
gekauft und nach nem drittel vom film entnervt auf Englisch zurück geschalten...

aber würde ihm nach ner weile nochmal ne Chance im O Ton geben - Robert Mitchum wirkt dann tatsächlich bedrohlich
und nicht wie aus Grimms Märchen

Happiness IS the road ! (Marillion)

Ray Offline



Beiträge: 1.098

17.09.2016 10:48
#368 RE: Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

Ist glaube ich wirklich eine Gewöhnungsfrage. Egal, ob man erst die deutsche oder die Originalfassung sieht. Ist ja ähnlich, wenn ein Schauspieler auf einmal eine andere Synchronstimme hat. Das wirkt dann eher fremd. Und wenn dann wie hier die deutsche Bearbeitung nicht ideal ist, steigert das den Effekt natürlich noch.

Schlecht fand ich den Film wie gesagt nicht. Daher ist es gut möglich, dass ich ihn mir irgendwann nochmal in der Originalfassung anschaue.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

20.09.2016 21:52
#369 RE: Von Pinken Pferden... Zitat · antworten

Kennwort 777 (Call Northside 777) (USA 1948)

Regie: Henry Hathaway

Darsteller: James Stewart, Richard Conte, Lee J. Cobb u.a.



Film Noir Nummer 80:


Eine alte Frau schaltet ein Zeitungsinserat, in dem sie demjenigen 5.000 Dollar bietet, der Informationen über einen zwölf Jahre zurückliegenden Mordfall in Erfahrung bringt. Ihr Sohn wurde zu 99 Jahren Haft verurteilt, doch die Mutter ist sich der Unschuld ihres Sohnes sicher. Zunächst sträubt sich der von seinem Chef mit dem Fall beauftragte Journalist McNeal (Stewart), sich der Sache anzunehmen. Doch mehr und mehr kommen auch ihm Zweifel an der Schuld des Inhaftierten...

Film Noirs im dokumentarischen Stil konnten mich bis dato nicht überzeugen, insbesondere "Geheimagent T" fand ich äußerst schwach. Vielleicht liegt die Sache bei "Kennwort 777" anders, weil die dokumentarischen Elemente sparsam eingesetzt werden und der Film zwischenzeitlich wie ein "normaler" Spielfilm inszeniert ist. Möglicherweise liegt es auch an den Darstellern, allen voran James Stewart und Richard Conte. Stewart agiert sympathisch wie immer, man schaut ihm schlichtweg gerne zu, egal, ob er nun auf Beweissuche ist oder zu Hause mit seiner Frau ein Puzzle macht. Richard Conte ist ohnehin einer der profiliertesten Akteure im Bereich Film Noir ("Gardenia", "Frau am Abgrund", "Geheimring 99"). Einmal mehr gelingt ihm eine höchst intensive Darstellung. Leider taucht er im entscheidenden Drittel kaum mehr auf, vielmehr nur ganz am Schluss. Dies macht die Sache hinten raus ein wenig einseitig.

Unter Nostalgie-Gesichtspunkten fallen vor allem die technischen Hilfsmittel auf (Faxgerät, Lügendetektor z.B.). Die Kameraarbeit ist sehr gelungen. Mit architektonischer Präzision gelingen faszinierende Außen- und Innenaufnahmen, die dem Zuschauer ein Gefühl von Enge vermitteln. Dankenswerterweise werden die melodramatischen Aspekte auf ein erträgliches Mindestmaß reduziert.

Die brandneue DVD von Pidax kommt mit sehr guter Bildqualität und einem informativen Booklet daher. Dazu gibt es noch den Kinotrailer sowie einen alternativen Vorspann. Insgesamt ein rundum empfehlenswertes Produkt.



"Kennwort 777" punktet durch zwei sympathische Hauptdarsteller, tolle Kameraarbeit und nostalgischen Charme. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

20.09.2016 22:37
#370 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Wenn du die neue Pidax-DVD gesehen hast, möchte ich die Frage von c.n.-Tonfilm nochmal nach vorn holen:

Zitat von c.n.-tonfilm im Beitrag #348
bedeutet das, dass hier im Gegensatz zur Universum-Erstauflage, die nur die TV-Synchro von 1969 enthielt, jetzt endlich die Kinosynchro von 1949 mit Hans Nielsen für James Stewart und Curt Ackermann für Richard Conte zum Vorschein gebracht wird?

Eine Auswahl zwischen beiden Synchros wäre ein echtes Kaufargument!

Ray Offline



Beiträge: 1.098

21.09.2016 18:14
#371 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Nein, es gibt keine Auswahl, sondern nur die Synchronisation mit Eckart Dux. Da ich die andere nicht kenne und den Film erstmals sah, hat es mich nicht sonderlich gestört. Aber bei "Vertigo" gab es ja glaube ich ein ähnliches Problem.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

27.09.2016 22:30
#372 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Blinde Wut (Fury) (USA 1936)

Regie: Fritz Lang

Darsteller: Spencer Tracy, Sylvia Sidney, Walter Abel u.a.



Film Noir Nummer 81:


Auf dem Weg zu seiner Verlobten wird Joe Wilson angehalten und mit auf die örtliche Wache genommen. Ehe er sich versieht, befindet er sich auch schon hinter Gittern. Der Vorwurf: Kidnapping. Doch bevor der Verdacht sich erhärten kann, nehmen die ansässigen Bürger angeführt von ein paar Hetzrednern das Gesetz selbst in die Hand und brennen das Gefängnis nieder. Unbemerkt entkommt Joe und sinnt auf Rache...

"Gehetzt" wird in diesem ersten amerikanischen Film Fritz Langs nicht Henry Fonda, sondern Spencer Tracy. Zunächst von dem Mob, der geradezu animalisch sein Opfer verfolgt, später von den eigenen Dämonen. Ohne seiner Verlobten sein Überleben mitzuteilen, setzt er mithilfe seiner zwei Brüder alle Hebel in Bewegung, um die Meute, die ihn töten wollte, wegen Lynchjustiz "büßen" zu lassen.

Spencer Tracy meistert die Wandlung vom einfachen Tankstellenbesitzer, der dabei ist, sich ein kleines bescheidenes Leben mit seiner Verlobten aufzubauen, zum verbitterten Rächer mit Bravour. Obschon das "Happy End", welches Lang vom Studio aufgezwungen wurde, nicht ganz konsequent erscheint, so bleibt die Menge an Empfindungen, die der Regisseur in knapp 90 Minuten von der Leinwand auf das Publikum transportiert, gleichwohl im Gedächtnis. Nach dem vielleicht etwas kitschigen Beginn, der dennoch anrührend daherkommt, spürt der Zuschauer sehr schnell Verwunderung, bald Unverständnis, dann blankes Entsetzen. Lang spielt mit den Gefühlen der Zuschauer, indem er den Helden ab Mitte des Films zum Anti-Helden werden lässt. Sylvia Sidney ist es, deren aufrechte Figur dem Zuschauer bei dem ganzen Auf und Ab halt gibt.

Lang führt jedoch nicht nur die Eigendynamik vor, welche durch eine solche "Meute" hervorgerufen werden kann, wohlwissend, was zu dieser Zeit in Deutschland vor sich ging, sondern erlaubt sich auch Spitzen gegenüber der Politik, die selbst solch tragischen Ereignissen nur mit Kalkül gegenübertritt. Dass er hier und da ein wenig dick aufträgt, ist nichts Neues. Auffällig ist, dass Lang ähnlich wie bei "Mabuse" und "Scarlet Street" das Innenleben seiner Figuren durch imaginäre Stimmen und Bilder veranschaulicht.

Insgesamt das wohl stärkste unter den (Noir-)Frühwerken Fritz Langs in Hollywood.


Die titelgebende "blinde Wut" packt den Zuseher mitunter auch bei der Sichtung des Werkes von Fritz Lang, dem es gelingt, verschiedenste Stimmungen beim Publikum hervorzurufen. Ein beachtliches Holywood-Debüt. 4,5 von 5 Punkten.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

13.10.2016 10:38
#373 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Roadblock

Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1951
Drehbuch: Steve Fisher, George Bricker(screenplay),
Richard H. Landau, Daniel Mainwaring (story)
Kamera: Nicholas Musuraca
Schnitt: Robert Golden
Musik: C. Bakaleinikoff
Länge: ca.73 Minuten
Regie: Harold Daniels
Cast: Charles McGraw, Joan Dixon, Lowell Gilmore, Louis Jean Heydt, Milburn Stone, Joseph Crehan


Noir Anfang der 50er mit Charles McGraw in der Hauptrolle , Steve Fisher, dem Drehbuchautor von "I Wake Up Screaming",
"Dead Reckoning" und "Das Lied des dünnen Mannes" dazu
Kamera Nicholas Musuraca ( "Cat People", "Out Of The Past" das sollte doch was sein

Inhalt:

Es ist Nacht ein Auto kommt angefahren. Ein Mann tritt aus dem Schatten - es fällt ein Schuss. Der Fahrer des Wagens wird als
unerwünschter Zeuge als Geisel genommen, versichert dem Schützen allerdings nicht zur Polizei gehen zu können da er selbst ein
Verbrecher auf der Flucht sei der viel Geld gestohlen hat.

Der Bewaffnete biete an ihn Gegen dieses Geld zu verschone und so fahren die Beide zum Versteck doch, Überraschung,
der vermeintlich Erschossene ist gar nicht tot, sondern der Partner des Manns mit der Waffe - beide sind Versicherungsdedektive
auf der Suche nach dem versteckten Geld.

Auf dem Rückflug nach Lernt Joe Peters, Kopf des Duos Diane kenne die zwar mit ihm flirtet, ihm aber auch Unmissverständlich klar macht,
dass er nicht in ihrer Gehaltsklasse spielt. Bei den Ermittlungen zu einen Betrugsfall begegnet er Diane wieder,
die scheinbar mit der Lokalen Unterweltgröße Kendall Webb einen Reichen freund gefunden hat.

Peters kann Diane nicht vergessen und so beschließt er sein Insiderwissen über Geldtransporte zu nutzen, um mit Hilfe Webbs reich genug
zu werden um Diane den Hof machen zu können. Zuerst scheint alles gut zu gehen doch doch ausgerechnet sein Partner Harry Miller lässt sich
nicht von der richtigen Spur abbringen.



Kommentar :

Eigentlich sind alle Zutaten da - Ein Drehbuch das den Hauptcharakter Blind in sein verderben rennen lässt,
eine Femme Fatal, Verrat unter Freunden und ein
Schmieriger Strippenzieher von dem jeder weiß das er ein Verbrecher ist und dem doch niemand etwas nachweisen kann.
Dazu Ordentliche Schauspieler Leistungen - Charles McGraw ungewohnt als Blind verliebter Man auf Abwegen mit einer starken Leistung ,
Joan Dixon als kalte Femme Fatal sehr passend allerdings ist ihre Wandlung nicht 100% überzeugend,
Lowell Gilmore der eine Claude Rains Gedächtnis Performance hinlegt - ja das Original ist besser aber Gilmore überzeugt durchaus,
Louis Jean Heydt als unbestechlicher Partner - das Passt alles.

Und doch hinterlässt der Film bei mir den Eindruck ich hätte eine Folge einer Beliebigen TV Serie gesehen...
Mit Nicholas Musuraca ist doch ein Mann hinter der Kamera der es kann ... und doch gelingt nach der Eröffnungsszene
kein Stimmungsvoller shot mehr wirkt alles hell ,
viel zu sehr nach TV , dazu kommt das Harold Daniels einfach die Geschichte abfilmen lässt - das ist professionell,
aber da kommt keine Spannung kein Tempo auf,
da fehlt jedes Gespür für Kino ...

Schade, Chance verpasst viel Talent vor und hinter der Kamera und dennoch nicht viel mehr als eine sehr konsequent
Geschrieben TV Episode einer beliebigen Serie

Was dem Film auch nicht weiter hilft war allerdings das Bild meiner DVD - Die in Spanien in der "EL Cine Negro De La RKO"
erschienene Disc bietet zwar
den Film komplett und gut verständlich allerdings wirkt schwarz mehr Olivegrün was auf die Dauer doch ein wenig stört....

Ich vergebe mal 3 / 5 - Das Konsequente Ende das man so in den 50ern nicht erwarten
konnte und die Darsteller retten den Film
schlussendlich aber hier war viel mehr drin

Happiness IS the road ! (Marillion)

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

16.10.2016 22:50
#374 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Nacht Im Hafen / Moontide

Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1942
Drehbuch: John O'Hara nach dem Buch von Willard Robertson
Kamera : Charles G. Clarke, Lucien Ballard
Schnitt: William Reynolds
Musik: David Buttolph,Cyril J. Mockridge
Länge: ca.94 Minuten
Regie: Archie Mayo, Fritz Lang
Cast: Jean Gabin, Ida Lupino, Thomas Mitchell, Claude Rains, Jerome Cowan, Helene Reynolds
Ralph Byrd, William Halligan, Victor Sen Yung, Chester Gan, Robin Raymond, Arthur Aylesworth, Arthur Hohl ...
John Kelly, Ralph Dunn, Tully Marshall, Tom Dugan




Moontide von Lang auf Wunsch Garbin begonnen und auf Grund eines Streits zwischen dein Beiden von Archie Mayo mit anderem Kammeramann beendet,
wirkt heute ein wenig wie aus jeder Zeit gefallen - dazu aber später mehr



Inhalt :

Bobo ist Gelegenheitsarbeiter aus Frankreich, zuhause ist er nirgends die Jobs um das nötigste zum Leben zu haben besorgt sein alter Freund Tiny,
der zwar ein Talent hat arbeit aufzutreiben, der Tätigkeit selbst allerdings aus dem weg zu gehen.

Auch diesmal hat Tiny etwas neues für Bobo gefunden und sucht seinen Freund im "The Red Dot" dort unterbricht er den Barkeeper und seinen Bekannten Nutsy in einem
Gespräch mit dem alten Seebären Pop Kelly, der mit Tiny daraufhin in streit gerät. Als Bobo scglieslich eintrift drängt Tiny ihn die Stadt zu verlassen,
doch der bereits angetrunkene Franzose hockt sich mit Seesack und Hund lieber in "The Red Dot" und trinkt Whiskey wie andere Leute Wasser.

Nach einer Weile fällt sein Auge auf Mildred eine der Damen die im "The Red Dot" für einen bessern Umsatz sorgen sollen,
doch Bobos werben geht ihrem Freund einen Schritt zu weit und es kommt zu einem Handfesten Streit - viele viele Whiskey später verlässt Bobo mit
Nachtwächter Nutsy die Bar. Auf dem Weg zu seinem Hausboot entdecken die beiden eine junge Frau die eben dabei ist, sich in die Futen zu werfen.
Bobo rette die Dame gegen ihren Willen und gibt gegenüber dem Hinzugeeilten Polizist an, es würde sich um seine Freundin handel und alles sei ein Unfall gewesen...

Nachdem die erste Wut verraucht ist, beginnt Anna sich zaghaft für Bobo zu interessieren , will ihm ihre Geschichte erzählen doch der lehnt ab,
bietet ihr aber eine art Freundschaft an.
Das wiederum passt Tiny überhaupt nicht und zudem schallt es am Morgen durch San Pablo das Pop Kelly ermordet worden sei....




Kommentar:

Die Produktion stand von Anfang an unter keinem Guten Stern - statt wie geplant in Kalifornien an Orginalschauplätzen Außenaufnahmen drehen zu können,
musst man aufgrund des Beginns den 2. Weltkriegs komplett auf Studio Sets ausweichen - Diese wirken wohl auch auf Grund des Zeitdrucks wie aus den 30er Jahren.
Irgenwie Stilisiert und doch, oder gerade deswegen geben sie dem Film eine Beinahe Traumartige Atmosphäre.

Kurz nach Drehbeginn musste Archie Mayo die Regie von Fritz Lag übernehmen, weil jener sich Gerüchte Weise mit Gabin über Marlene Dietrich gestritten hatte
(ich hab mich mehrfach Gefragt wie der Film unter Lang wohl gewirkt hätte - was ihn an diesem Räumlich doch sehr begrenzten,
fast Theatherhaften Stoff gereizt haben könnte -
Nun ich denke man Muss nur "Todeshaus am Fluss" ansehen ;-) )

Mayo hatte bereits mit "Der Versteinerte Wald" bewiesen das im Dialoglastige Dramen liegen und enttäuscht auch hier nicht - Dabei wird sehr bald klar,
dass dieser Film weniger Thriller den Drama sein will - Der Mord scheint eher wie eine Bedrohung im Hintergrund zu schweben, doch eine Ermittlung in dem Fall
bekommt der Zuschauer nicht mit.
Ebenso werden diverse Geschhenisse aus der Vergangenheit nur angedeutet. Die Leute haben einen Strich darunter gezogen, sich arrangiert und sprechen nicht darüber.
Sie hoffen vielmehr darauf das die Vergangenheit sie noch nicht einholt. Auf "Der Film Noir" wird gesagt die Figuren wären nicht Komplex - dem will ich widersprechen.
Die Figuren verdrängen Bewusst und man spielt so auch mit der Erwartung der Zuschauer das da noch was kommen könnte....

Der Film Fokussiert sich einfach auf die Wirkung eines äusseren Einflusses ( Anna) auf einen Langjähriges Team von 2 Männern,
in dem die Rollen stets klar verteilt waren - alles was Passiert resultiert aus der Angst vor Veränderung.

Wer einen Spannenden dreckigen Realistischen Film Noir sucht ist hier völlig Falsch - Dieser Film spielt in einer eigenen kleinen Welt,
zeigt wie seine Rädchen ineinander greifen und betont diese Andersartigkeit durch die wenigen Schauplätze, das 0 an Action und die Studio Sets noch zusätzlich.

Die Darsteller sind durchweg stark, neben den Stars Gabin und Lupino möchte ich besonders Thomas Mitchell als Tiny hervorheben ganz starke Leistung.
Die Kamera arbeit wurde sogar mit einem Oskar nominiert - ein Großer Erfolg sollte der Film Trotzdem nicht werden und Gabin kehrt bald schon Hollywood den Rücken




Ich vergebe 4,5 /5
Mir hat der Film richtig gut gefallen, die DVD von Fox in der Noir Collection für den US Markt ist auch gut gelungen,
bei uns ist der Film leider bisher noch nicht erschienen

Wer allerdings einen Handfesten Thriller erwartet wird gut und gerne 2/3 Punkte weniger vergeben - soviel als Warnung

Happiness IS the road ! (Marillion)

Stroheim Offline




Beiträge: 163

26.10.2016 11:33
#375 Film Noir: 'Edge of Doom' & 'House by the River' Zitat · antworten

´
Einer meiner Lieblings-Noirs von Fritz Lang: 'House by the River' (1950)

Hier der Original-Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=TuPY_tWzS9g


Eine weitere Empfehlung: 'Edge of Doom' von Mark Robson, der ebenfalls 1950 in die Kinos kam.

Dazu eine Besprechung von Glenn Erickson: http://trailersfromhell.com/edge-of-doom/#.WBBzwOWLTcs


Unten im Bildanhang beide Streifen auf DVD - plus zwei weitere Genrewerke: 'Odds Against Tomorrow' (1959) von Robert Wise und 'The Lineup' von Don Siegel (1958).

.................

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