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Dieses Thema hat 424 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Ray Offline



Beiträge: 1.098

07.07.2016 16:43
#346 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

@Gubanov: Auch wenn ich die Columbo-Folge ziemlich sicher mal gesehen habe, habe ich insoweit kein Bild von Ameche mehr vor Augen. Dennoch ist "Columbo" natürlich fürs Forum wesentlich relevanter. Trotzdem gehört "Die Glücksritter" neben "Beverly Hills Cop", "Nur 48 Stunden" oder "Der Prinz aus Zamunda" zu den Murphy-Filmen, für die man sich definitiv nicht zu schämen braucht. In "Der Prinz aus Zamunda" hat Ameche im Übrigen nochmals einen Gast-Auftritt in seiner Rolle aus "Die Glücksritter".

Vielen Dank für den Hinweis über die Veröffentlichung von "Kennwort 777". Das Einzige, was mich etwas irritiert, ist die FSK 0-Einstufung. Das ist doch ziemlich ungewöhnlich...

@kaeuflin: Sicher denkbar, zumal bei "Die Maske runter" auch kurz nach Veröffentlichung der DVD eine Blu-Ray erschien.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

09.07.2016 10:57
#347 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Das verlorene Wochenende (The Lost Weekend) (USA 1945)

Regie: Billy Wilder

Darsteller: Ray Milland, Jane Wyman, Philip Terry, Doris Dowling u.a.



Film Noir Nummer 72:


Don Birnam (Ray Milland) ist seit zehn Tagen abstinent. Dies verdankt er der Behütung durch Bruder und Lebensgefährtin. Als sich sein Bruder und er zu einem gemeinsamen Wochenende aufmachen wollen, schickt er ihn zusammen mit der Lebensgefährtin unter einem Vorwand weg und gibt sich wieder dem Alkohol hin. Werden die beiden ihn aus dem Tief befreien können?

"Das verlorene Wochenende" entstand ein Jahr nach Wilders "Frau ohne Gewissen", dessen Drehbuch Wilder gemeinsam mit Raymond Chandler geschrieben hat. Der Legende nach soll Wilder mit dem vorliegenden Film die turbulente Arbeit mit Chandler, der einem Tropfen wohl auch nie abgeneigt war, verarbeitet haben.

Begreift man den Noir als Stilrichtung, so kann man "Das verlorene Wochenende" leicht darunter fassen. Eine abgewrackte Hauptfigur - diese ist exemplarisch, wie Eingangs - und Schlussequenz, in der zu Anfang von der Skyline New Yorks in Birnams Wohnung und am Ende aus der Wohnung in die Skyline zurück geblendet wird, zeigen - Low-Key-Ausleuchtung von Spezialist John F. Seitz und die passende musikalische Untermalung von Miklós Rózsa untermauern diese allgemeine Einordnung. Jemand, der mit Noir auch immer eine Kriminalgeschichte verbindet, der wird hier enttäuscht. Es handelt sich um ein klassisches (Trinker-)Drama, wobei dies für die damalige Zeit in dieser ungeschönten Form durchaus bemerkendwert war. Und ja, Ray Milland spielt brillant, sein Spiel geht dem Zuschauer an die Nieren. Wenn er in Bars um einen weiteren Whiskey winselt, auf der Straße seine Schreibmaschine verkaufen will (Er plant seit Jahren im Geiste einen Roman, dieses "novel" soll übrigens passenderweise "Bottle" heißen.), fühlt der Zuschauer mit. Nur drehen sich die Geschehnisse - in gewisser Weise parallel zu Birnams Gemütszustand - im Kreis und gehen scheinbar alternativlos auf das tragische Ende zu, das dann - für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich - ausbleibt. Diese Inkonsequenz raubt dem Film aus heutiger Sicht ein gutes Stück seiner Strahlkraft, damals wurde der Film freilich von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiert und mit vier Oscars ausgezeichnet. Wer Dramen dieser Art wie etwa "Flight" mit Denzel Washington mag, sollte sich den Film ruhig anschauen. Krimifreunde werden woanders sicher besser bedient.


"Das verlorene Wochenende" punktet durch seinen brillanten Hauptdarsteller Ray Milland, krankt aber an einem inkosequnten Ende. Krimifreunde werden zudem eine kriminalistisch geprägte Handlung vermissen. 3 von 5 Punkten.

c.n.-tonfilm Offline




Beiträge: 133

12.07.2016 08:27
#348 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #344
DVD-Neuigkeiten bezüglich Noir gibt es von Pidax: Dort ist für den 16. September eine Neuausgabe von "Kennwort 777" (OT: Call Northside 777, 1948, Regie: Henry Hathaway) angekündigt, nachdem die Universum-Film-DVD schon seit einiger Zeit vergriffen ist. "Kennwort 777" ist einer der ganz wenigen Noirs mit Jimmy Stewart.


In diesem Fall ist von Pidax untypischer Weise einmal Bonusmaterial angekündigt:
- Booklet mit vielen Bildern und Infos (Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne)
- Kinotrailer & deutscher alternativer Vorspann
http://www.pidax-film.de/Film-Klassi...d4ctregniq2nl7

Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne und deutscher alternativer Vorspann - bedeutet das, dass hier im Gegensatz zur Universum-Erstauflage, die nur die TV-Synchro von 1969 enthielt, jetzt endlich die Kinosynchro von 1949 mit Hans Nielsen für James Stewart und Curt Ackermann für Richard Conte zum Vorschein gebracht wird?

--------------------------------------------------

Filme im falschen Bildformat sind wie ein Gemälde, aus dem ein Dieb den Teil herausgeschnitten hat, der ihm am wichtigsten erschien, weil das Bild als Ganzes nicht durchs Fenster passte.

Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".

Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

Ray Offline



Beiträge: 1.098

27.07.2016 22:38
#349 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Dein Schicksal in meiner Hand (Sweet Smell Of Success) (USA 1957)

Regie: Alexander Mackendrick

Darsteller: Burt Lancaster, Tony Curtis, Susan Harrison u.a.



Film Noir Nummer 73:


Der karrieregeile Presseagent Falco (Curtis) tut alles, um in der Gunst seines Chefs (Lancaster) zu steigen. Dieser ist ein mächtiger Zeitungkolumnist und weiß um seinen Einfluss - auch auf Falco. Als sich seine Schwester in einen einfachen Jazzmusiker verguckt, weist er Falco an, die beiden zu entzweien...

"Dein Schicksal in meiner Hand" wartet mit zwei wahrhaften Hollywood-Legenden auf, nämlich Burt Lancaster und Tony Curtis. Beide treten hier in vergleichsweise ungewohnten Rollen auf. Es ist absolut faszinierend, Burt Lancaster bei der Darstellung des eifersüchtigen und selbstverliebten Bruders zuzusehen. Gerade im Film Noir sonst eher auf tragische Helden mit melancholischem Blick gebucht ("Gewagtes Alibi", "Die Killer"), ist sein Ausdruck im vorliegenden Werk derart kühl und gefühllos, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Demgegenüber steht Tony Curtis, der häufig auf seine komödiantischen Parts reduziert wird, als der in weiten des Films unwesentlich sympathischere der beiden Hauptfiguren. Auch ihm gelingt eine fabelhafte Performance. Die Erzählung gerät unheimlich Dicht, Spannungen lauern an jeder Ecke. Eingerahmt wird das Ganze von bestechender Schwarzweiß-Fotografie und opulentem Big Band-Sound. Relativ viele nächtliche Außenaufnahmen tragen zudem wunderbar zu der sterilen Atmosphäre des Films bei. Eine kleine Perle der Endphase des klassischen Film Noir!


"Dein Schicksal in meiner Hand" vereint ein glänzend aufgelegtes Star-Duo Lancaster/Curtis und punktet des Weiteren durch erzählerische Dichte sowie hinreißend schöne Schwarzweiß-Fotografie. 5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

03.08.2016 13:05
#350 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Die fünfte Kolonne (Foreign Intrigue) (USA 1956)

Regie: Sheldon Reynolds

Darsteller: Robert Mitchum, Geneviève Page, Ingrid Thulin u.a.



Film Noir Nummer 74:


Nach dem plötzlichen Tod eines an der französischen Riviera ansässigen Lebemannes macht sich dessen Sekretär (Mitchum) auf nach Wien, nachdem ein dortiger Rechtsanwalt ihm telefonisch mitgeteilt hatte, er benötige ein Zertifikat über die Todesursache. Es stellt sich heraus, dass der Tote mehrmals jährlich nach Wien gereist war, um sich dort in einer heruntergekommenen Absteige mit anderen Leuten zu treffen. Was steckt dahinter? Weshalb das Zertifikat? Und warum wird der Sekretär beharrlich von allen Seiten gefragt, ob sein Arbeitgeber kurz vor seinem Tode noch etwas gesagt habe?

Bunte Bilder, verschiedenste europäische Schauplätze - das klingt nicht gerade nach einem Noir in Reinform. Das ist "Die fünfte Kolonne" auch nicht. Dennoch bekommt der Zuschauer einen edlen, gut gespielten und spannenden Film geboten, der schließlich mit einem interessanten historischen Hintergrund aufwarten kann. Robert Mitchum füllt die Hauptrolle in gewohnter Manier aus, wobei mich sein Spiel in diesem Film durchaus überzeugt. ("Goldenes Gift" hat mir jedoch nach einer zweiten Sichtung auch wesentlich besser gefallen...) Ein weiterer Pluspunkt ist die regelmäßig einsetzende, minimalistische Musik, die vergleichbar mit dem Ticken einer Uhr enorm spannungssteigernde Wirkung hat. Dank der vielen unterschiedlichen Schauplätze und der charmanten Darsteller(innen) - hervorgehoben sei insbesondere Ingrid Thulin - kommt nie Langeweile auf. Kleinen Anlass zur Kritik bietet das doch sehr offene Ende, welches den Zuschauer ein wenig allein in Wien zurücklässt. Trotzdem eine - in Anbetracht der doch sehr zurückhaltenden Beurteilungen, die man verbreitet findet - äußerst positive Überraschung.


"Die fünfte Kolonne" entpuppt sich als Wohlfühl-Noir mit historisch reizvollem Hintergrund. Die wunderbar minimalistische Musik und die zahlreichen Schauplätze sorgen für spannende knapp 95 Minuten. 4,5 von 5 Punkten.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

07.08.2016 12:25
#351 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Neulich über eine deutsche DVD von Blonder Lockvogel / Decoy (1946) den ich hier :
Sammelthread "Film Noir" (9) besprochen hatte - und das nicht so wohlwollend ;-)

Erschienen in der Filmclub Edition bei Media Target unter dem Banner Big Ben Film Limitiert mit original Kino Sychro von 1953
Jetzt hatte ich die Gelegenheit einen Genaueren Blick drauf zu werfen :
mhhh Hatte nicht den Direkten vergleich aber das Bild sah schwächer aus als auf der
US Disc leichte Unschärfen sobald die Kamera schwenkt und ein Pulsieren aber immer noch im Ramen wobei für über 20 Euro ... naja.
Die Sychro selbst ist solide angenehme Sprecher etwas abgemilderte Dialoge - das was man von einer deutschen Kino Fassung aus den 50er halt erwarten kann.
Die Tonqualität allerdings und das muss einem Bewusst sein ist einfach mau... Verrauscht kleinerer dropouts schwer verständlich...

Einerseit Toll für Fans das sowas ausgegraben wird andererseits denke ich da - gut jetzt weiß ich warum sich bisher noch niemand dran getraut hat,
denn das gebotene ist einfach nur Begrenzt DVD tauglich

Ehrliche Meinung trotz aller Mühe die ich durchaus respektiere sowas möglich zu machen - Wer English kann und nicht ein absoluter riesen Fan des
Films ist braucht die Disk nicht ... Zu teuer zu wenig wird für das Geld geboten - nicht zum ersten mal in dieser Edition ....

Happiness IS the road ! (Marillion)

Ray Offline



Beiträge: 1.098

12.08.2016 18:27
#352 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Polizeirevier 21 (Detective Story)

Regie: William Wyler

Darsteller: Kirk Douglas, Eleanor Parker, William Bendix u.a.



Detective McLeod ist ein "harter Hund". Sein aktuelles Opfer: der Abtreibungsarzt Dr. Schneider. Was McLeod nicht ahnt: eine ehemalige Kundin des Arztes steht ihm persönlich sehr nahe...

Harte Polizistenfiguren, die das Gesetz "selbst in die Hand nehmen", quasi als "Richter und Henker" fungieren, hat es immer wieder gegeben. Ein prominentes Beispiel ist etwa "Dirty Harry". Die Figur des Detective McLeod, die von Kirk Douglas überzeugend verkörpert wird, ist da noch eine Stufe härter. Von Beweiserhebung vor Gericht hält er nichts, vielmehr sieht er "seine Empfindungen" als maßgeblich an. Wenn dann auch noch jemand, den er für schuldig hält, "aus Mangeln an Beweisen" freigesprochen wird, bringt ihn das auf die Palme. So geschehen beim Abtreibungsartzt Dr. Schneider, der in der Folge die ganze Härte von McLeods Weltanschauung und Methoden zu spüren bekommt.

Das Hauptproblem des Films, dessen Handlung sich abgesehen von wenigen Ausnahmen nur im titelgebenden "Polizeirevier 21" abspielt, ist die mangelnde Präsenz eines echten Sympathieträgers. So beeindruckend die Darstellung seitens Herrn Douglas auch ist, ebenso ermüdend wirken seine streitbaren Anschauungen, die mit "Rechtsstaat" (Stichwort: Gewaltenteilung) nicht im Mindesten in Einklang zu bringen sind. Seine Frau, die sich im Laufe des Films von ihm als "Dirne" beschimpfen lassen muss, ist kaum präsent. Und unter den vielen Verhafteten oder denjenigen, die zum Verhör vorbeischauen, findet sich ebenfalls keine Figur, die den Zuschauer wirklich bei der Stange hält. Aus diesem Grund trudelt der Film auf sein deprimierendes Ende zu und lässt den Zuschauer ein wenig unbefriedigt zurück. Zu sehr "von gestern" kommt das Ganze daher. Die Tragik der Geschichte lässt einen daher überraschend kalt, eben weil man keinen Zugang zu den betreffenden Figuren bekommt.

Damals kam der Film freilich gut an und von der-film-noir.de wird er noch heute in höchsten Tönen gelobt. Im Zweifel sich also selbst ein Bild machen.


"Polizeirevier 21" ist ein äußerst düsteres Kriminaldrama, das leider an einem Mangel an Figuren leidet, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann. Insbesondere die Hauptfigur sorgt mit seinen fragwürdigen Äußerungen und Verhaltensweisen auf Dauer eher für Ermüdung, so dass das tragische Ende kaum Wirkung entfaltet. 2,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

13.08.2016 09:50
#353 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Polizei greift ein (Pickup on South Street) (USA 1953)

Regie: Samuel Fuller

Darsteller: Richard Widmark, Jean Peters, Thelma Ritter u.a.



Film Noir Nummer 76:


Der vorbestrafte Taschendieb Skip entwendet einer jungen Dame in einer New Yorker U-Bahn die Handtasche. Was er nicht weiß: er wird dabei von zwei FBI-Männern beschattet, denn die Handtasche enthält einen politisch hoch brisanten Mikrofilm...

Meine Besprechung bezieht sich auf die Originalfassung. In der deutschen Fassung wurde aus dem Mikrofilm nämlich ein Drogenrezept (!). Einst waren die Kritiken eher schwach, weil dem Film aus der einen Ecke Antikommunsismus und aus der anderen ein zu geringes Bekenntnis gegen den Kommunismus vorgeworfen wurde. Hundertprozentig lässt sich dies m.E. nicht ausmachen, jedenfalls genießt der Film inzwischen - zurecht - einen guten Ruf. Der ungemein kurzweilige Film Noir Samuel Fullers überzeugt in erster Linie durch die famos agierenden Hauptdarsteller Richard Widmark und Jean Peters. Widmark wirkt quicklebendig, voller Spielfreude. Es macht großen Spaß, diesem Außenseiter dabei zuzusehen, wie er Polizeibehörden und andere Verfolger auf Trab hält. Nicht minder beeindruckend die Darbietung Jean Peters`, die man aus dem zuvor abgedrehten "Niagara" überhaupt nicht mehr wiedererkennt. Aus dem braven Ehefrauchen wird hier eine Prostituierte, die kaugummikauend durch die Straßen läuft oder mit einer Zigarette im Mund in der Wanne liegt. Auch sie geht in ihrer Rolle voll auf, eine ganz famose Leistung. Im Übrigen fällt der Film durch seine enorme Intensität, die bisweilen von ihm ausgeht, auf. Zu nennen wäre etwa eine äußerst rüde Rauferei zwischen Peters und einem anderen Mann, der hinter dem Mikrofilm her ist, den sie als gutgläubige Botin von A nach B bringen sollte. Jene Szene ist über Sekunden ungeschnitten. Man sieht, wie Peters geschlagen und herumgeschleudert wird, wobei die Kamera sich immer weiter von der Szenerie entfernt. Eine solche Weiteinstellung findet sich dann nochmal im Finale, in dem sich Widmark mit einigen Verfolgern wüst auf den Schienen der New Yorker U-Bahn prügelt.


"Polizei greift ein" überzeugt durch ein grandioses Darstellerduo (Richard Widmark/Jean Peters) und eine mitunter enorme Intensität. 4,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

14.08.2016 22:20
#354 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Angelockt (Lured) (USA 1947)

Regie: Douglas Sirk

Darsteller: George Sanders, Lucille Ball, Charles Coburn



Film Noir Nummer 77:


Ein Frauenmörder geht in London um. Die Polizei bedient sich eines Lockvogels, um diesen zu entlarven...

In den ersten Minuten wirkt "angelockt" ein wenig wie eine Vorwegnahme der Krimiwelle, die zwölf Jahre später in Deutschland, der Heimat des Regisseurs Douglas Sirk, losbrechen sollte. Piccadilly Circus, Doppeldeckerbusse, verruchte Bars, finstere Gestalten (vor allem Boris Karloff). Auch eine gewisse humoristische Note gehörte bei Edgar Wallace & Co genauso zum guten Ton wie eine Mordserie.

Der Film ist edel inszeniert, bisweilen setzt jedoch eine gepflegte Langeweile ein, wirkliche Hochspannung will sich nur noch im Finale einstellen. "Angelockt" ist sicher kein Film Noir par excellence, aber ein netter Krimi für zwischendurch, den man sich ruhig einmal ansehen kann.

Weitere Besprechungen finden sich hier:
Sammelthread: Die Filme des Douglas Sirk


"Angelockt" besticht durch eine gelungene Atmosphäre, die an mancher Stelle an Wallace & Co erinnert. Kein Vorzeige-Noir, aber ein annehmbarer Kriminalfilm. 3,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

18.08.2016 21:12
#355 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Tokio-Story (House of Bamboo) (USA 1955)

Regie: Samuel Fuller

Darsteller: Robert Stack, Robert Ryan, Shirley Yamaguchi



Film Noir Nummer 78:

Nachdem ein bewachter Munitionszug nahe Tokio überfallen und dabei ein Sergeant der US-Armee getötet wurde, wird ein amerikanischer Ermittler in eine Bande eingeschleust, die im Verdacht steht, für den Überfall verantwortlich zu sein...

Etwas mehr als zehn Jahre, bevor Robert Stack unter der Ägide Artur Brauners "Die Hölle von Macao" erleben sollte, führte ihn die vorliegende amerikanische Produktion nach Tokio. Und auch bei "Tokio-Story" handelt es sich um ein Trivialabenteuer, die Noir-Elemente sind sehr überschaubar. Allerdings gelingen Regisseur Fuller ausgenommen stimmungsvolle Bilder von der japanischen Metropole, wozu das Breitbildformat sicher einen gewissen Beitrag hat. Vor allem der Showdown auf einer Kirmes-Attraktion, einem sich drehenden Globus, ist ein echter Höhepunkt und entschädigt für kleinere Durchhänger und inhaltliche Schwächen. Stack ist im Noir-Fach sicher nicht erste Liga, füllt seine recht simple Rolle aber einigermaßen zufriedenstellend aus. Den reizvolleren Part bekam sicherlich Robert Ryan, der in Konsequenz den besseren Eindruck hinterlässt.


Optisch reizvoller Farb-Noir, der trotz inhaltlicher Schwächen ordentlich unterhält. 4 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.098

22.08.2016 22:52
#356 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Weitgehend unbemerkt ist heute eine Neuauflage von "Gewagtes Alibi" von Robert Siodmak mit Burt Lancaster in der Hauptrolle erschienen, den ich nach der Erstsichtung spontan als besten Vertreter der Schwarzen Serie ausgemacht habe. Die VÖ erfolgt durch "WME Home-Entertainment", einem mir unbekannten Label. Eine tolle Nachricht, zumal die alte VÖ von "Carol Entertainment" vergriffen war, wobei diese nun auf einmal aiuch wieder billig angeboten wird... Egal, Hauptsache diesen großartigen Film gibt es wieder zu einem erschwinglichen Preis zu haben.

http://www.schnittberichte.com/svds.php?...assung&ID=97214

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

31.08.2016 19:44
#357 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · antworten

Die Nacht vor dem Galgen ( Count The Hours ) 1953


Originaltitel: Count The Hours
Alternativtitel: Every Minute Counts
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1953
Drehbuch: Doane R. Hoag, Karen DeWolf

Kamera: John Alton
Musik: Louis Forbes, Howard Jackson
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Don Siegel
Cast: Teresa Wright, Macdonald Carey, Dolores Moran, Adele Mara,
Edgar Barrier, John Craven, Jack Elam, Ralph Sanford



Späterer A - Regieseur und alte Noir Helden in einem B Film für RKO

Nachdem Don Siegel mit The Verdict und "Die rote Schlinge" 1949 (The Big Steal) bereits Noir Erfahrung sammeln Konnte -
besonders "Die rote Schlinge" Provitiert dabei von der rasanten Inszenierung die die eher austauschbare Story nie langweilig werden lässt,
durfte er für die angelschlagene RKO mit dem ehemaligen A - Star Teresa Wright und dem heute von Noir Fans teilweise Kultisch verehrten
John Alton an der Kamera erneut sich beweisen.


Story :
Mitten in der Nacht wird ein Rancher und seine Frau in ihrem Haus Erschossen - mein Hört schreien nach einem Gewissen George Braden,
seinem Angestellten der mit seiner Frau Ellen in einer Hütte auf dem Anwesen lebt.
Für die Polizei ist das Ehepaar sofort verdächtig und wird in getrennten Verhören stundenlang unter druck gesetzt.
Ellen die in Panik nachdem sie von den Morden hörte Georges Waffe im See versenkt hat ist schwanger und kommt mit dem Druck nicht klar.
Um seine Frau und das Baby zu schützen gesteht George die Tat.
Der Fall landet bei Doug Madison (Macdonald Carey) der Bradens Pflichtverteidigung übernehmen soll doch der klare Fall entpuppt
sich als verzwickter als gedacht, den Braden bestreitet die Morde begangen zu haben und mit Hilfe seiner Frau schafft
er es den zuerst desinteressiert Madison zu überzeugen.
Obwohl die Geschworenen auf schuldig pledieren, Kämpft Madison weiter und riskiert dafür auch seine Beziehung.





Dieser Film der in Ersterlinie von seinen Haupdarstellern lebt ist in einigen Punkten genau nicht das, das man erwartet
Don Siegel stand für mich für eine Spannungsgeladene schwungvolle inszenierung ... sei es nun The Big Steal ,
der für seine Zeit wegweisende "Die Dämonischen" (1956) (Invasion of the Body Snatchers )
oder Später Dirty Harry oder Flucht von Alcatraz
Hier hingegen überlässt Siegel das Feld komplett Teresa Wright und Macdonald Carey und in der zweiten Filmhälfte,
in der Wright Drehbuchbedingt ein wenig abtaucht,
Dolores Moran, Adele Mara und Jack Elam.

Sie alle machen ihren Job allerdings ausgesprochen gut Leidet man zuerst mit der armen Teresa Wright , fiebert man bald mit dem
an Robert Mitchum erinnernden leicht lakonisch agierenden Macdonald Carey mit der sich sowohl Privat als auch
beruflich durchsetzten muss.

Doch nicht nur Siegel wirkt irgenwie gebremst - der grosse John Alton drückt dem Film optisch kaum seinen Stempel auf -
das ist Profesionel keine frage aber wirklich memomrable Szenen finden sich kaum - Schade wenn man bedenkt,
was er bei eher durchwachsenen Filmen wie "Geheimagent T" , "The Amazing Mr X." oder "Das Schwarze Buch"
für Stimmung erzeugt hat - dort oft mal mehr wie alles andere am jeweiligen Film ...


Die Story gibt leider nicht allzuviel her und hätte ruhig noch die eine oder andere Überraschung hervorbringen dürfen,
doch ist für eine B-Noir durchaus tauglich.

Irgenwie hat der Film meine Erwartungen unterlaufen und doch für Noir Fan und insbesondere für Fans von Teresa Wright durchaus sehenswert
Ich tue mich ein wenig schwer mit der Bewertung und vergebe 3,5 Punkte

Erhältlich in durchaus brauchbarer Bildqualität in Spanien unter den Titel "Quenta Las Horas"

Happiness IS the road ! (Marillion)

Stroheim Offline




Beiträge: 163

01.09.2016 10:19
#358 Film Noir & Post Noir Zitat · antworten

`
Ein empfehlenswerter Post-Noir aus dem Jahr 1961: 'Blast of Silence' vom damals wenig bekannten Regie-Frischling Allen Baron, der hier zudem als Drehbuchautor und Hauptdarsteller mitwirkte.

Für mich nicht nur die DVD der Woche, sondern die Filmentdeckung des Monats....

http://www.newyorker.com/culture/richard...last-of-silence


In der renommierten US-Criterion Collection erhältlich und nicht ganz billig - in meinen Augen aber jeden Cent wert:

https://www.criterion.com/films/538-blast-of-silence
´

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

01.09.2016 17:21
#359 RE: Film Noir & Post Noir Zitat · antworten

Zitat von Stroheim im Beitrag #358
`


In der renommierten US-Criterion Collection erhältlich und nicht ganz billig - in meinen Augen aber jeden Cent wert:

https://www.criterion.com/films/538-blast-of-silence
´



Die stand schon mehrfach kurz davor gekauft zu werden und hab dann doch jedesmal anders entschieden - vielleicht auch weil ich mit den meisten
Post Noir den ich bisher gesehen habe nicht so 100% warm geworden bin ...

Auch die älterer deutsche DVD war ja nie wirklich günstig zu bekommen

Happiness IS the road ! (Marillion)

Stroheim Offline




Beiträge: 163

01.09.2016 18:52
#360 Post Noir Perlen Zitat · antworten

´
Das Risiko, dass der Streifen hier nicht einer breiten Mehrheit gefällt,
stufe ich in diesem Fall als äußerst gering ein....

http://der-film-noir.de/v1/node/33

http://offscreen.com/view/blast-of-silence

...................

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