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Dieses Thema hat 487 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Ray Offline



Beiträge: 1.306

11.02.2016 21:27
#286 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Die Maske runter! (Deadline - U.S.A.) (USA 1952)

Regie: Richard Brooks

Darsteller: Humphrey Bogart, Ethel Barrymore, Kim Hunter u.a.



Film noir Nummer 41:


Die renommierte Tageszeitung "The Day" soll verkauft werden. Der Eigentümer ist gestorben und seine Töchter sind nur auf Geld aus. Käufer ist ein Konkurrent, der den Betrieb nach dem Kauf sofort einstellen will. Gegen den Verkauf wendet sich nur die Witwe, unterstützt wird sie u.a. von Chefredakteur Hutchinson (Bogart). Während der Rechtsstreit um die Zuläsigkeit des Verkaufs läuft, deckt "The Day" einen großen Skandal auf und liefert damit weitere Nahrung für ihre Daseinsberechtigung...

Einmal mehr ein Film, der die Grenzen des Genres inhaltlich auslotet. Keine verruchten Nachtclubs, keine Femme Fatales, keine abgehalfterten Detektive oder Polizisten. Der Zuschauer bekommt hier ein für die damalige Zeit ausnehmend engagiertes Plädoyer für die freie Presse geboten. Geschickt werden der drohende Verkauf der Zeitung, der sich anbahnende Skandal um den Mord an einer jungen Frau und ihre Verbindungen zu einflussreichen Persönlichkeiten sowie private Probleme der Hauptfigur zu einem recht stimmigen Ganzen verwoben, wenngleich der Film ein wenig Zeit braucht, um in Fahrt zu kommen. Bogart spielt engagiert wie eh und je. Zu honorieren ist im Übrigen, dass der Film die Melodramatik in erträglichen Bahnen hält, insbesondere in der Schlüsselszene, als Bogart im Prozess eine flammende Rede hält, behält der Film durch das im Anschluss gefällte Urteil seine Glaubwürdigkeit.

Soweit mir bekannt, handelt es sich um die bisher einzige Noir-Veröffentlichung von Pidax. Die Blu-Ray verfügt über eine überragende Bildqualität, sollte also der DVD vorgezogen werden, zumal bei amazon der Preis identisch ist. Daher die Aufforderung an Pidax, weitere Filme der Schwarzen Serie zu veröffentlichen. Unveröffentlichte Filme gibt es genug und das Veröffentlichungstempo von Koch ist ja auch nicht gerade atemberaubend. Rein qualitativ würde es das Programm von Pidax schließlich ebenfalls aufwerten.


Engagiertes Plädoyer für die Pressefreiheit. 4,5/5 Punkten.

Gubanov Online




Beiträge: 16.101

11.02.2016 21:51
#287 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Zitat von Ray im Beitrag #286
Soweit mir bekannt, handelt es sich um die bisher einzige Noir-Veröffentlichung von Pidax.

Da wären noch "Die fünfte Kolonne" und "23 Schritte zum Abgrund" zu nennen, wobei beide Filme sicher keine Noir-Kernstücke sind (beide in Farbe). Dem Wunsch nach der Veröffentlichung richtiger Noirs kann ich mich bei jedem Label, das Qualitätsarbeit leistet, nur anschließen - allerdings mit der expliziten Bitte nach DVD-Format.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

11.02.2016 22:02
#288 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Danke für den Hinweis und die entsprechenden Links. Zumindest "23 Schritte am Abgrund" hört sich für mich recht interessant an. Werde ihn mir mal vormerken.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

27.02.2016 15:02
#289 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

BEWERTET: "The Red House" (USA 1947)
mit: Edward G. Robinson, Judith Anderson, Allene Roberts, Lon McCallister, Rory Calhoun, Julie London, Ona Munson, Harry Shannon, Arthur Space u.a. | Drehbuch: Delmer Daves, Albert Maltz nach dem Buch von George Agnew Chamberlain | Regie: Delmer Daves



Der Farmer Pete Morgan und seine Schwester Ellen haben die Waise Meg adoptiert, nachdem deren Eltern ums Leben gekommen sind. Nun, da das Mädchen fast volljährig ist, sorgt sich Pete um ihr Seelenheil. Sie hat die Bekanntschaft mit dem jungen Nath Storm gemacht, der unbedingt ergründen möchte, warum Pete Meg verboten hat, die Wälder von Oxhead zu betreten. Als er eines Nachts eine Abkürzung durch den Wald nimmt, ergreift ihn angesichts der unheimlichen Atmosphäre die Panik und er läuft zur Farm zurück. Dort macht ihm Pete schwere Vorwürfe und warnt ihn vor dem Unheil, das in den Wäldern lauert....

Die freundliche ländliche Atmosphäre, die das einfache Leben der Farmer umrahmt, kann nur kurz darüber hinwegtäuschen, dass ein furchtbares Geheimnis im Schoß der Familie schlummert. Einer Familie, die als Zweckgemeinschaft gegründet und angesichts einer neuen Verbindung mittelfristig vor der Auflösung steht. Ein Wandel, der mit großen Emotionen einhergeht und Verlust- und Bindungsängste wachwerden lässt. Verzicht, Opfer und Misstrauen gegenüber dem Neuen begegnen in der jungen Generation Zuversicht, Neugier und dem Wunsch nach einem erfüllten Leben.



Die Vorahnungen einer unangenehmen Wahrheit, die erfahrungsgemäß auf den "Sünden der Väter" basiert, sorgen für eine zunehmend beklemmende Atmosphäre. Die Wildnis der Natur soll begangene Verbrechen decken und erfährt in der Entdeckungslust von Nath und Meg ein unangenehmes Erwachen. Die Kameraeinstellungen der drei jungen Leute zwischen den Felsen finden ihr unheilvolles Déjà-vu am Hanging Rock in Peter Weirs "Picknick am Valentinstag" (1975). Die Spaltung der Gruppe hier und dort in zwei Lager markiert den Scheideweg, der zum Scheitern oder zum Sieg über die Vergangenheit führt. Die Darsteller spielen mit natürlichem Engagement und zeichnen ihre Charaktere in kräftigen Farben. Vor allem Edward G. Robinson und Allene Roberts als ungleiches Gespann, das als gegenseitiges Mahnmal fungiert, dessen Seelenverbindung durch das Aufbrechen alter Wunden gesprengt wird, überzeugen in dem düsteren Drama.

Die größten Schrecken leben in den Köpfen der Menschen. So bezieht der Country Noir sein Angstpotenzial aus der Pein, die sich die handelnden Personen durch Sturheit, Eigensinn und dem Wunsch nach Vertuschen der Wahrheit bereiten. Das verwunschene Haus im Wald als Projektion von Mord und Totschlag zieht nicht nur das junge Paar magisch in seinen Bann. 4,5 von 5 Punkten

Ray Offline



Beiträge: 1.306

04.03.2016 22:22
#290 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Tote schlafen fest (The Big Sleep) (USA 1946)

Regie: Howard Hawks

Darsteller: Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Martha Vickers u.a.



Film Noir Nummer 42:


Privatdetektiv Marlowe (Bogart) erhält den Auftrag, ein Auge auf eine sich auf fragwürdigen Pfaden bewegende junge Frau zu werfen und dringt bei seinen Ermittlungen immer tiefer in die Unterwelt ein...

Der Film hat eine eine für Noir-Verhältnisse weit überdurchschnittliche Lauflänge von 110 Minuten, ein Umstand, der z.T. einigen nachgedrehten Szenen geschuldet ist, welche die Chemie zwischen Bogart und Bacall noch deutlicher hervorheben sollten. "Tote schlafen fest" beginnt denn auch mit einem sehr stimmungsvollen Vorspann, in dem die Schatten der beiden Protagonisten zu sehen sind, wie sie eine Zigarette rauchen und am Ende in einen Aschenbecher legen. Die Story ist anerkanntermaßen ziemlich verworren, man hätte wohl ohne Weiteres genug streichen können, um wieder auf eine "normale" Lauflänge zu kommen.

Es handelt sich einmal mehr um ein recht typisches Bogart-Vehikel. So sehr es Freude bereitet, dem charismatischen Mimen bei den Scharmützeln mit den "schweren Jungs" zuzusehen, umso mehr wird man andersherum das Gefühl nicht los, dass der Film mehr Balance und tiefere Charakterzeichnungen hätte vertragen können. Trumpf des Films ist vor allem das mit cleveren Dialogen ausgestattete Skript. Auffallend sind auch die vielen kleinen interessanten weiblichen Figuren, hervorgehoben seien etwa die Buchhändlerin oder die Taxifahrerin.

Insgesamt ein recht kurzweiliger Film, dem es für die oberen Plätze im Genre allerdings an Kreativität, einem breiter angelegten und ausbalancierten Ensemble und einer geradlinigen Story fehlt. 3,5/5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

06.03.2016 14:55
#291 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

BEWERTET: "Das unbekannte Gesicht" / "Die schwarze Natter" (Dark Passage) (USA 1947)
mit: Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Agnes Moorehead, Bruce Bennett, Clifton Young, Tom D'Andrea, Rory Mallison u.a. | Drehbuch und Regie: Delmer Daves



Vincent Parry flieht aus der Strafanstalt St. Quentin, wo er unschuldig wegen Mordes einsaß. Unterwegs wird ihm von Irene Janson, der Tochter eines ebenfalls unschuldigen Häftlings geholfen. Sie ist davon überzeugt, dass die Falschaussage einer Bekannten von Parrys Frau zu dessen Verurteilung führte. Um unerkannt zu bleiben, unterzieht sich Parry einer Gesichtsoperation. Doch damit sind seine Probleme noch nicht gelöst....

Die subjektive Kamera, die das erste Drittel des Films dominiert, wurde erstmals in Orson Welles' "Citizen Kane" (1941) verwendet. Laut der "Chronik des Films" "stand das Publikum dieser Technik allerdings distanziert gegenüber, weil es seine Stars auf der Leinwand sehen will." Dennoch kommen Anhänger von Bogart nicht zu kurz. Der Suspense wird durch die Erwartungshaltung seiner Partnerin Lauren Bacall genährt, die nicht nur wissen will, wie der Mann nach seiner Operation aussehen, sondern auch, ob ihr Bündnis mit dem Lüften der Verbände erlöschen wird. Wie Puzzleteile greifen die Stationen seiner Flucht ineinander und jede neue Bekanntschaft bringt den Protagonisten näher an die Klärung des Falles heran. In gewohnt bedächtiger Art und ohne ein Wort zu viel geht er seinen Weg, der ihn mehrmals scharf die Klippen des Gesetzes umschiffen lässt. Der Schauspieler Bogart "hat es sich zum Grundsatz gemacht, niemals etwas zu überstürzen. Ein Lastzug, so meint er, hat viel seltener Zusammenstöße als ein Express." [1]



Der Überraschungsmoment zu Beginn, der zunächst als unwahrscheinlicher Twist eines Hollywoodfilms interpretiert werden könnte, wird nach und nach schlüssig aufgedröselt. Die Informationen über die Beweggründe der patenten Heldin verleihen der Handlung Tiefe und führen zunächst von der im Filmtrailer transportierten romantischen Storyline fort. Bacall gelingt es trotz ihrer Jugend immer wieder als weitsichtig, vernünftig und zielstrebig wahrgenommen zu werden; Eigenschaften, die sie auch im Privaten auszeichneten. Die Bereitschaft, an einen Menschen zu glauben, auch wenn er von höchster Stelle abgeurteilt wurde, ist eine indirekte Auflehnung gegen die Gesellschaft und zieht die eigene Isolation nach sich. Solche Grillen können sich nur Menschen leisten, die nichts mehr zu verlieren haben oder die aufgrund finanzieller Mittel unabhängig vom Wohlwollen ihrer Umgebung sind. Die Ausgestoßenen, denen der Weg zurück versperrt bleibt - ein beliebtes Motiv des film noir. Das Glück in der Ferne - das Anklänge an ein berühmtes Refugium aus Bogarts Paraderolle als Rick Blaine nimmt - ist die letzte Trumpfkarte und muss in jedem Fall stechen.

Der Einsatz der subjektiven Kamera sorgt dafür, dass der Zuschauer bei Parry und seinen Gegenübern der Dritte im Bunde und somit Komplize bei all seinen Handlungen ist. Dies ändert sich auch später nicht, als die Geschichte sich in elegante Distanz zurückzieht. 5 von 5 Punkten

[1] "Unsere Filmlieblinge - Ein Bilderbuch", herausgegeben von Friederike Mat, Verlag Bernhard Reiff, 1956

Ray Offline



Beiträge: 1.306

07.03.2016 19:44
#292 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Feind im Dunkel (The Dark Corner) (USA 1946)

Regie: Henry Hathaway

Darsteller: Mark Stevens, Lucille Ball, Clifton Webb, William Bendix u.a.



Film Noir Nummer 43:


Bradford Galt, der soeben ein neues Büro als Privatdetektiv eröffnet hat, wird von einem Mann in einem weißen Anzug verfolgt, der vorgibt, im Auftrag von Galts altem Partner zu handeln. Dieser wiederum hat eine Affäre mit der Frau eines Kunsthändlers. Ob der Kunsthändler von der Affäre weiß? Im Laufe der Handlung werden diese beiden Handlungsfäden miteinander verweben...

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. "Feind im Dunkel" weist für einen Noir eine überdurchschnittlich komplexe Story auf, der kriminalistische Aspekt nimmt eine vergleichsweise große Rolle ein und ist durchaus interessant und spannend geraten. Man findet hier nicht die typische Dreieckskonstellation vor, sondern fast schon eine Viereckskonstellation, wenn man so will. Optisch ist das Ganze hervorragend gelungen. Ob die starken Schwarzweiß-Kontraste und Schattenspiele in den Büroszenen, die erfrischenden Außenaufnahmen oder die Szenen in der Kunstgalerie, alles vom Feinsten. Überhaupt handelt es sich eindeutig um einen "Wohlfühl-Noir". Natürlich gibt es menschliche Abgründe, im Gegenzug jedoch Hochglanzoptik und eine Liebesgeschichte wie aus dem Bilderbuch - Happy End inklusive.

Auf Seiten der Darsteller ist Clifton Webb, bekannt aus "Laura" hervorzuheben, der höchst passend von Siegfried Schürenberg synchronisiert wurde und nicht nur handlungstechnisch alle Fäden in der Hand hält. Mark Stevens in der Hauptrolle hingegen wirkt etwas blass.


Wohlfühl-Noir mit starker Kameraarbeit und ambitionierter Story. Mit einem etwas charismatischeren Hauptdarsteller hätte es vielleicht zur Höchstwertung gereicht. Trotzdem sehr gute 4,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

08.03.2016 21:47
#293 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Desert Fury - Liebe gewinnt (USA 1947)

Regie: Lewis Allen

Darsteller: Lizabeth Scott, John Hodiak, Burt Lancaster, Mary Astor, Wendell Corey u.a.



Film Noir Nummer 44:


Eine von ihrer Mutter unterdrückte junge Frau verliebt sich in einen Spieler mit dunkler Vergangenheit. Ob der junge Hilfssheriff, den die Mutter als zukünftigen Ehemann für ihre Tochter favorisiert, sie retten kann?

Unter den 43 von mir besichtigten klassischen Noirs befand sich nur einer, welcher in Farbe gedreht wurde, "Niagara". Dieser gehört nach wie vor zu meinen Favoriten, also war es mal wieder an der Zeit, einen Noir in bunten Bildern zu begutachten.

Lizabeth Scott ("Die seltsame Liebe der Martha Ivers"), Burt Lancaster ("Gewagtes Alibi"), Mary Astor ("Die Spur des Falken") können alle von sich behaupten, jeweils in einem der ganz großen Genre-Klassiker mitgewirkt zu haben. Im vorliegenden Film weiß nur Astor mit ihrer beherrschenden, unnahbaren Art zu gefallen. Lancaster, in seinem ersten Film, erwischte eine wenig interessante Rolle, Scott spielte mit einer Aufdringlichkeit, welche im Film sonst nur von den quietschten Farben ausgeht. Gefühlt alle paar Minuten wechselt ihr Gemütszustand von "himmelhochjauchzend" zu "tieftraurig". Ein Umstand, der auf Dauer Anstrengung beim Zuschauer auslöst.

Inhaltlich ist das Ganze wenig aufregend, etwas von kriminalistischem Wert tritt so richtig erst in den letzten Minuten zu Tage. So verbleiben aus der Sicht Vieler noch jene Dinge, die angedeutet oder gar nicht thematisiert werden, aus denen dann homosexuelle Beziehungen gestrickt werden. Sei es wie es sei. Anno 2016 dürfte das allein kaum jemanden elektrisieren. Was daher wirklich übrig bleibt, ist leidlich unterhaltsamer Hochglanzkitsch.


Knallbunter Kitsch. Wer´s mag... 2,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

13.03.2016 19:44
#294 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Im Zeichen des Bösen (Touch Of Evil) (USA 1958)

Regie: Orson Welles

Darsteller: Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Marlene Dietrich u.a.



Film Noir Nummer 45:


An der Grenze zwischen USA und Mexiko explodiert ein Auto durch einen Sprengsatz, zwei Menschen werden dabei getötet. Die Ermittlungen werden zum einen durch einen ortsansässigen Polizisten (Welles), zum anderen seitens eines mexikanischen Chefermittlers des Drogendezernats Vargas (Heston) geführt. Die beiden können sich nicht ausstehen. Vargas merkt schnell, dass bei den Ermittlungen nicht alles mit rechten Dingen zugeht und sich um ihn und seine frisch getraute Frau (Leigh) ein Komplott geschmiedet hat...

Üblicherweise wird "Die Spur des Falken" aus dem Jahre 1941 als Ausgangs- und "Im Zeichen des Bösen" (1958) als Endpunkt des klassischen Film Noir angesehen. Insofern kommt beiden Filmen erhöhte Aufmerksamkeit zu, sie gelten jeweils als Sternstunden dieser Stilrichtung. Wie beim Erstling darf dies jedoch auch beim Schlusspunkt durchaus in Zweifel gezogen werden.

So unbefriedigend es für Welles gewesen sein mag, ein Stück weit kann man die Produzenten schon verstehen, dass sie seinerzeit den Film nicht so veröffentlichten, wie es Welles wollte und wie er inzwischen dem interessierten Zuschauer vorliegt. Die "Überlänge" von knapp 30 Minuten lässt sich schlicht und ergreifend nicht hinreichend rechtfertigen, bisweilen weist der Film einige Längen auf. Darüber hinaus sind die Figuren von Janet Leigh und mehr noch des Nachtpoitiers zu klamaukig geraten. Schließlich trägt Charlton Heston in der Rolle eines Mexikaners in der Retrospektive nicht gerade zur Glaubwürdigkeit des Streifens bei. Da hilft auch das viele Make-Up nichts.

Davon abgesehen reißt der Film einige interessante Thematiken an, wie z.B. das Thema rassistischer Vorurteile, wobei man genau diese selber zum Ausdruck bringt, wenn man offenbar der Meinung war, kein mexikanischer Schauspieler sei in der Lage, die Rolle von Charlton Heston zu spielen. Orson Welles, aufgrund seines deutlich angestiegenen Gewichts im Vergleich zu seinen ersten Noir-Filmen in den 1940ern kaum wiederzuerkennen, liefert eine starke Vorstellung ab. Die Ermordung seiner Frau nie richtig verarbeitet, lässt er seine Dämonen an der Umwelt aus. Ignorant, rücksichtslos, eiskalt.


Überschätzter Abschluss des klassischen Noir mit einem überzeugenden Orson Welles auf der einen und einem weniger überzeugenden Charlton Heston auf der anderen Seite. 3/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

20.03.2016 00:13
#295 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

23 Schritte zum Abgrund (23 Paces to Baker Street) (USA 1956)

Regie: Henry Hathaway

Darsteller: Van Johnson, Vera Miles, Cecil Parker u.a.



Film Noir Nummer 46:


Schriftsteller Phillip Hannon ist infolge eines Unfalls erblindet und führt ein zurückgezogenes Leben in London. Eines Tages bekommt er in einer Kneipe ein Gespräch zweier Leute mit, die allem Anschein nach ein Verbrechen planen. Da ihn zum einen die Polizei nicht ernst nimmt und er sich zum anderen ganz auf sein Gehör verlassen muss, bedient er sich unkonventioneller Methoden, um dem Geheimnis um das Verbrechen und deren Hintermänner näher zu kommen...

Dario Argento hat bekanntlich eine Vorliebe für den Film Noir. Gut möglich daher, dass für "Die neunschwänzige Katze" nicht nur Robert Siodmaks "Die Wendeltreppe", sondern auch der vorliegende Film Pate stand, denn die Figur des Hannon erinnert doch ein wenig an jene, welche in Argentos Film von Karl Malden verkörpert wurde.

Die Geschichte ist alles in allem nicht sonderlich realistisch, der Film lebt vielmehr von dem starken Spiel Johnsons, der gelungenen Kameraarbeit und dem spektakulären Showdown samt überraschender Auflösung. Die Figur eines mysteriösen Hintermanns namens Evans, von der der Zuschauer bis zum Ende lediglich den Schatten zu sehen bekommt, bedient zudem die Vorlieben der Freunde des "Whodunits". Geschichte und Inszenierung erinnern tendenziell eher an Hitchcock, insbesondere an "Fenster zum Hof". Wer also die Filme des Meisters der Suspense mag, wird auch an diesem Film seine Freude haben.

Klassische Noir-Elemente muss man hingegen schon etwas genauer suchen. Schattenspiele sind aber trotz bunter Bilder in den Szenen um den mysteriösen Evans und im Finale vorhanden. Die Hauptfigur und ihre Mitstreiter haben hingegen zu wenig Laster, um "noir" in Reinform zu sein. Aber das ist letzten Endes zweitrangig, bekommt man doch einen sehenswerten Film geboten. Kleine Randnotiz in Sachen Wallace: Cecil Parker, der Hannons Butler spielt, war in "Das Rätsel des silbernen Dreieck" zu sehen. Daneben wirkte er als Gaststar in "Simon Templar" und "Mit Schirm, Charme und Melone" mit.


"23 Schritte zum Abgrund" offeriert einen niveauvollen Kriminalfilm, dessen Story zwar nicht realistisch, aber durchaus kurzweilig geraten ist. Der Film ist von der Inszenierung her zwar mehr Hitchcock denn klassischer Noir, was einerseits an den bunten Bildern, andererseits an der positiv ausgestalteten Hauptfigur liegt, der Qualität des Films tut dies jedoch keinen Abbruch. 4,5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

22.03.2016 21:06
#296 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Gefährliche Leidenschaft (Gun Crazy/Deadly Is The Female) (USA 1950)

Regie: Joseph H. Lewis

Darsteller: Peggy Cummins, John Dall, Berry Kroeger u.a.



Film Noir Nummer 47:


Barton Tare (Dall) hat von Kindesbeinen an eine Obsession für Waffen. Mit 14 Jahren klaut er eine Waffe aus einem Laden und wird dabei erwischt. Ein Gericht verurteilt ihn zu einigen Jahren im Internat fernab von seiner Heimat. Als er zurückkehrt, lernt er auf einem Jahrmarkt die Schützin Annie kennen, die er bei einem Wettschießen besiegt und daraufhin ein Angebot bekommt, sich der Show anzuschließen. Die beiden werden ein Paar, alsbald gefeuert und beginnen, sich mit Überfällen den Lebensunterhalt zu verdienen...

"Bonnie und Clyde" lässt grüßen. Wer das Schlüsselwerk des "New Hollywood" aus dem Jahre 1967 mit Faye Dunaway und Warren Beatty schätzt, wird auch an diesem Film seine Freude haben. Abermals fällt auf, wie es den Vertretern des Noirs gelang, mithilfe weniger Szenen die Handlung rasch voranzutrieben. So bedarf es keiner Worte, bis der kleine Barton beim Klau erwischt ist. Fenster eingeschlagen, Waffe herausgegriffen, auf der nassen Straße gestolpert, hingefallen, vom Polizisten entdeckt - Cut. Ähnlich rasch geht gelingt Lewis der Übergang von Bartons Engagement bei der Show über die Entlassung von ihm und Laurie, die Verpartnerung bis hin zum Entschluss, von Überfällen zu leben. Der Film weist für die damalige Zeit ein hohes Tempo auf. Gleichfalls bemerkenswert sind die vielen Außendrehs, viele Noir-Streifen wurden schließlich weit überwiegend im Studio gedreht. Die Überfälle samt Verfolgungsjagden endlich sind äußerst dynamisch inszeniert. Diese Aspekte machen den Film zu einem ungemein kurzweiligen Vergnügen.

John Dall dürfte der ein oder andere aus Hitchcocks "Cocktail für eine Leiche" kennen. Nicht minder überzeugend fällt seine Darstellung im vorliegenden Film aus. Ihm gelingt es, das emotionale Auf und Ab seiner Figur realistisch auf die Leinwand zu bringen.


"Gefährliche Leidenschaft" bietet eine simple, aber fesselnde Story, ist temporeich inszeniert und wartet mit einem exzellenten Hauptdarsteller auf. Äußerst empfehlenswert. 5/5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 1.306

25.03.2016 19:12
#297 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Schweigegeld für Liebesbriefe (The Reckless Moment) (USA 1949)

Regie: Max Ophüls

Darsteller: Joan Bennett, James Mason u.a.



Film Noir Nummer 48:


Lucia Harper (Bennett) erfährt von der Affäre ihrer Tochter mit einem Mann, der Kontakte zur Unterwelt pflegt. Ein Treffen Lucias mit diesem, in dem sie ihm erklärt, dass sie diese Beziehung nicht dulde, bleibt erfolglos, denn ihre Tochter trifft sich ein weiteres Mal mit ihm in einem Bootshaus. Lucia findet die Leiche des Mannes am nächsten Morgen bei einem Spaziergang am Strand und glaubt, ihre Tochter habe ihn getötet. Aus diesem Grunde lässt sie die Leiche verschwinden. Kurz darauf steht ein Unbekannter (Mason) auf der Matte, der von der Beziehung im Bilde ist, und bietet im Auftrag eines anderen Liebesbriefe von Lucias Tochter an den Verstorbenen zum Kauf an...

Max Ophüls war einer derjenigen, die 1933 Deutschland fluchtartig verließen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere war er überwiegend in Frankreich tätig, einige Filme drehte er jedoch auch in Holllywood, darunter den vorliegenden Noir aus dem Jahre 1949.

Inhaltlich erinnert der Film eher an Hitchcock. Die Hauptperson, Lucia Harper, verkörpert von Joan Bennett, ist im Ausgangspunkt eine Vorzeigehausfrau, die das alleinige Familienoberhaupt bildet, da der Ehemann in Berlin weilt. In dieses Idyll bricht der Liebhaber Lucias Tochter ein, mit allen schlimmen Folgen, die Lucia in arge Bedrängnis bringen. Dennoch, "verdorben" ist ihre Lucia keineswegs, sie tut vielmehr alles, um ihre Familie zu schützen. Die von James Mason verkörperte Figur ist auch nur auf den ersten Blick typisch "Noir", denn der Charakter macht im Laufe des Films eine Wandlung durch, die die Glaubwürdigkeit des Streifens ein wenig ins Wanken bringt.

Trotzdem ist Ophüls ein grundsolider Wohlfühlkriminalfilm gelungen, der 80 Minuten gute Unterhaltung bereithält.


Wohlfühl-Noir mit kleinen Schwächen. 4/5 Punkten.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

28.03.2016 00:15
#298 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Nach vielen Hochklassigen Noirs die hier in letzter Zeit besprochen wurden, begebe ich mich mit meiner
Rückkehr nach einem Jahr Pause in die Niederungen der zu Recht vergessenen B-Filme,
Um genauer zu sein in The Forgotten Noir Collector´s Set - Series Two von VCL

Unser heutiges Opfer nennt sich zu schlecht deutsch "Cowboy-Gangster"

Cowboy-Gangster Ot : Tough Assignment (USA 1949)
Laufzeit 64 min
Eine Produktion der Lippert Pictures Inc.
Regie : William Beaudine
Cast : Don 'Red' Barry, Marjorie Steele, Steve Brodie, Marc Lawrence, Ben Welden
Sid Melton, John L. Cason, Frank Richards, Fred Kohler Jr., Michael Whalen, Edit Angold, Leander De Cordova
Kammera : Benjamin H. Kline
Music : Albert Glasser

Das Ehepaar Reilly bildet ein erfolgreiches Journalisten Team - Während Ehemann Dan (Don 'Red' Barry) für die Artikel
zuständig ist liefert die hübsche Margie ( Marjorie Steele) die Passenden Bilder - sowohl als Fotograf als
auch als Model wenn das Motiv mal nicht aufregend genug erscheint.
Durch Zufall geraten die beiden in einen Zwischenfall bei dem ein Metzger bedroht und zusammengeschlagen wird.
Nachdem sich die bösen Buben des Films bemächtigt Haben und niemand bereit ist gegen das Fleisch Syndikat
auszusagen, gehen unsere tapferen Reporter undercover und schleusen sich in die Verbrecherbande ein,
was sich als besonders riskant erweist, da der große Chef bereits die elimenierung der Störenfriede in Auftrag gegeben hat.



Regiesseur William Beaudine war ein Veteran - jemand der als Kleindarsteller in Stummfilme auftrat,
ins Regie Fach wechselte und und noch zur Stummfilm zeit seinen wohl bedeutendsten
Film ablieferte "Spatzen - Sparrows" 1926 mit Mary Pickford der auch heute,
90 Jahre später noch sehenswert ist.
Doch Beaudine konnte an diesen Erfolg nicht anknüpfen schnell landete er in Fließband Mystery Serien
wie "Torchy Blane" oder den Späten "Charlie Chans" mit Roland Winters noch später inszenierte er Folgen für "Lassie" (1954)

Hauptdarsteller Don 'Red' Barry trat überwiegend in Western auf, spielte seit den 30er in über 150 Filme mit
ohne je den Großen Durchbruch zu schaffen



Cowboy-Gangster war wohl jedem der beteiligten klar das zu viel Einsatz reine Energie Verschwendung gewesen wäre
zu sehr auf zufallen beruht das Drehbuch, zu unspektakulär ist die Geschichte.
Alles schreit nach TV Episode - niemand fällt hier negativ auf allerdings gibt es auch keine ausreißer nach oben -
Solides Handwerk ohne Ambition, ohne Inspiration mit einem Selten schlechten Drehbuch,
dass seine unrealistische Geschichte die nur funktionieren kann,
weil alle Gangster keine Augen im Kopf haben viel zu erst nimmt.
Dazu kommt Sid Melton als einer der Gangster der wohl für lustige Momente sorgen soll und völlig deplatziert wirkt.

Ein Film den man am besten schnell wieder vergisst 1,5 /5

Die Bild und Ton Qualität der VCI DVD ist für diesen eher obscuren möchtegern Noir überraschend gut der
Film teilt sich die Disc mit FBI Girl

Happiness IS the road ! (Marillion)

Ray Offline



Beiträge: 1.306

28.03.2016 19:58
#299 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

Die Nacht hat tausend Augen (Night Has A Thousand Eyes) (USA 1948)

Regie: John Farrow

Darsteller: Edward G. Robinson, Gail Russell, John Lund u.a.



Film Noir Nummer 49:


John Triton verdiente einst mit Wahrsagerei-Shows zusammen mit seiner Verlobten und einem gemeinsamen Freund, Whitney, die ihn bei den "übernatürlichen" Kunststücken tatkräftig unterstützten, seinen Unterhalt. Eines Tages beginnt er, durch Visionen zukünftige Ereignisse tatsächlich vorherzusehen. Er gibt seine Shows auf, verlässt seine Verlobte und führt von da an ein zurückgezogenes Leben. Johns Verlobte bekommt ein Kind von Whitney, Jean, und verstirbt kurz nach der Geburt. Zwanzig Jahre später sucht John die Nähe zu Jean, weil er in Bezug auf sie und ihren Vater schreckliche Visionen hat...

Der Verriss dieses Films auf der geschätzten Seite der-film-noir.de http://der-film-noir.de/v1/node/832 hatte mich zunächst davon abgehalten, diesen Film zu erwerben. Dank eines anderweitigen Anstoßes habe ich mir den Film doch zugelegt. Nach der Sichtung kann ich nur sagen, dass es sich regelmäßig lohnt, sich ein eigenes Bild zu verschaffen.

"Die Nacht hat tausend Augen" hat sich für mich als ein unerwartetes Juwel herausgestellt. Eine zwar mit Unwahrscheinlichkeiten versehene, aber stets interessante und fesselnde Geschichte wird durch die hervorragende Performance von Edward G. Robinson und die erstklassige Kameraarbeit von John F. Seitz zur Vollendung geführt. Robinson umgibt eine zutiefst berührende Aura, wenn er mit seinen traurigen Augen in die Ferne blickt und seine Visionen oder seinen Gemütszustand offenbart. Gail Russell, die damals als schönste Frau Hollywoods galt und leider mit Mitte Dreißig an übermäßigem Alkoholkonsum verstarb, macht ihre Sache als weibliche Unschuld á la Karin Dor ganz ausgezeichnet. Schließlich gelingt es, durch die Figur des Lieutenants ein passendes Gegengewicht zu etablieren, welches durch spöttische Kommentare der Skepsis des Zuschauers Nahrung liefert. Der Film ist sehr kurzweilig und offeriert im letzten Drittel sogar einige Spannungselemente eines Gruselkrimis sowie ein in gewisser Weise tragisches, gleichwohl stimmiges Ende.


Hochwertiger Gruselthriller mit einem hervorragenden Edward G. Robinson in der Hauptrolle, der wunderschönen Gail Russell an seiner Seite und einer erstklassigen Kameraarbeit. Ein stimmungsvolles Juwel der Schwarzen Serie. Geheimtipp! 5/5 Punkten.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

28.03.2016 21:07
#300 RE: Sammelthread "Film Noir" Zitat · Antworten

@ Ray dem kann ich nur zustimmen - Strak unterschätz der Film

Ich Schätze http://der-film-noir.de auch eher für die Infos wie unbedingt die Bewertung der Filme
Man ist da meiner Meinung nach gelegentlich zu Voreingenommen und Engstirnig

Happiness IS the road ! (Marillion)

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