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Dieses Thema hat 292 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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schwarzseher Offline



Beiträge: 557

13.01.2018 12:34
#226 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Nach den Folgen "Lohngeld" und "Verena und Annabelle " bin ich leider immer noch irgendwie sprachlos.Ich habe die Folgen so lange nicht mehr gesehen und mich auf Köster/Lowitz gefreut ....und Kommissar Köster finde ich in seiner Art auch heute noch gut,aber......die Storys sind doch irgendwie krude und "bemüht"( hat glaube ich schon jemand hier geschrieben)Drache und Lowitz in einer Folge lässt Wallage Fans natürlich aufhorchen aber im Grunde werden alle nur in schlechten Stories verheizt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

14.01.2018 14:54
#227 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten





● Folge 9: VERENA UND ANNABELLE (D|1977)
mit Siegfried Lowitz, Michael Ande
Gäste: Krista Keller-Di Cerami, Paul Hoffmann, Heinz Drache, Werner Pochath, Thomas Braut, u.a.
eine Produktion der Neue Münchner Fernsehproduktion | im Auftrag von ZDF | ORF | SRG
Regie: Alfred Vohrer




Die Literaturkritikerin Verena Moldau lebt in panischer Angst, da bereits drei Mordanschläge auf sie verübt wurden. Zuerst wurde sie ins Krankenhaus eingeliefert, da sie einen vergifteten Likör getrunken hatte, wenige Tage später war ihre Dusche mit elektrischem Strom präpariert und anschließend wurde auch noch an ihrem Wagen manipuliert, so dass sie einen Unfall verursachte. Kommissar Köster untersucht diesen rätselhaften Fall ohne greifbare Ansatzpunkte und er kann das Vertrauen des potentiellen Mordopfers gewinnen. Sie berichtet ihm schließlich von ihrem schwerwiegenden Verdacht, der ihre Zwillingsschwester Annabelle belastet, doch diese ist bereits seit fast zehn Jahren untergetaucht. Da eine große Erbschaft bevorsteht und ihre Schwester sie angeblich hasst, scheint für Verena kein anderes Motiv in Frage zu kommen...

Gerade Folge 9 der noch jungen Serie ruft die unterschiedlichsten Reaktionen hervor, was zunächst daran liegen mag, dass Alfred Vohrer den Zuschauer mit einer auffälligen Unruhe und Hysterie zu provozieren versucht. Mit etwas Fantasie könnte man diese Episode sogar als Giallo dieser Serie bezeichnen, da sich diesbezüglich ungewöhnlich viele genretypische Parallelen finden lassen, wenn auch nur im erweiterten Sinn. Vohrer setzt hier auf Verwirrung und Täuschung, und auch wenn Zufall und Realität hier mehr als unwahrscheinlich konstruiert wurden, geht eine Faszination von der Geschichte aus, die immer nur zu dem gleichen Punkt führen wird, und zwar zu der nahezu halsbrecherisch agierenden Krista Keller-Di Cerami, eine der zweifellos unbändigsten Damen der deutschen Krimi-Landschaft. Praktischerweise mit einer Doppelrolle betraut, legt sie ihr Können in einem bemerkenswert breiten Spektrum dar, das manche vielleicht ganz simpel nur Overacting nennen würden, aber bei den richtigen Antennen für Furore sorgen wird. Der Einstieg wird durch einen Mordanschlag geebnet, der in seiner Darbietung verstören wirkt. Ein unbestimmtes Gefühl zwischen Mitleid und Besorgnis, aber gleichzeitig auch Skepsis und gewolltem Sicherheitsabstand kommt beim Betrachten der halben Titelrolle auf, doch man weiß nicht genau warum. Direkt kocht eine nervöse Spannung hoch, die Folge 9 genau wie die vermiedene Struktur sehr stark prägen wird, alles scheint möglich, aber nichts wirkt wahrscheinlich. Köster, der letztlich noch jeden Fall bändigen konnte, sieht sich eigentlich nicht mit der Gefahr konfrontiert, es hier nicht auch schaffen zu können, eher gestaltet sich seine Ermittlungsarbeit als holprig, da er die Frau(en) nicht in den Griff bekommt. Nach zahlreichen unberechenbaren Kapriolen der eigentümlichen Protagonisten glaubt man als Zuschauer schließlich selbst, dass man sich lediglich in einer massiven Wahnvorstellung der stimmungslabil, und äußerst angeschlagen wirkenden Verena befindet, bis es schließlich zu einer großen Überraschung kommt.

Die Tatverdächtige taucht auf und steht plötzlich vor der Tür eines ihrer abgelegten Liebhaber, der gleichzeitig auch der ehemalige Verlobte ihrer Schwester war, alias Heinz Drache, der den Begriff abgelegt in vielerlei Hinsicht neu definieren wird. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist Annabelle selbstbewusst, frech bis auffordernd und direkt in ihren Kommentaren, außerdem mondän im Auftreten. Geschickt spielt sie mit der uralten Angriffsfläche Eitelkeit, und packt ihr Gegenüber in Windeseile, um postwendend an Informationen zu gelangen. Heinz Drache schimmert auch hier ganz in seinem obligatorischen Stil, Arroganz und Herablassung, die sich zuvor im Gespräch mit Köster auf dem Tenniscourt zeigten, wirken unsympathisch und auch hier ungebrochen, was es einem zusätzlich nicht gerade leicht macht, ihm den schweren Fauxpas zu verzeihen, als er als Schiedsrichter »30:30 - Einstand« gezählt hatte. In der Zwischenzeit bekommt man noch den reichen Onkel der Zwillingsschwestern vorgestellt, bei dem Verena weitere Verschwörungstheorien ausbreitet und die Irritation komplett macht. Kommissar Köster versucht zu deuten, zu ordnen, allerdings scheint es so, als jage er lediglich Schimären nach. Dass man es mit keinem normalen Fall zu tun haben kann, oder besser gesagt haben darf, wird bei "Verena & Annabelle" von der ersten Minute an geebnet. Diese erfrischende Strategie birgt selbstverständlich auch die Gefahr, dass die Episode aufgrund ihrer vollkommen konträr angelegten Strategie einfach nicht punkten kann. Alfred Vohrer war es offenbar gleich, und es bleibt ein Unikat der Serie zurück, dass für seine Verhältnisse üblich verspielt, aber gleichzeitig selbstbewusst genug wirkt, um sicher bestehen zu können. Über all dem steht jedoch die atemberaubende Krista Keller-Di Cerami in zweifacher Potenz, die mit einer von Nähe und Distanz geprägten Selbstinszenierung in die Irre leitet, die für "Der Alte" so gut wie beispiellos geblieben ist. Der kleine Giallo, oder vielmehr kleine der Psycho-Thriller unter den Folgen der Lowitz-Ära, kann mit den richtigen Antennen schon sehr viel Freude bereiten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.586

14.01.2018 20:33
#228 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich habe die Episode bereits 2012 besprochen und sie mir aufgrund Prismas Bericht heute erneut angesehen. Wer über den wahren Sachverhalt informiert ist, beobachtet genauer und sieht in Krista Kellers Gesicht viele Hinweise, die bei der Erstsichtung ohne Verständnis bleiben. Man merkt das Lauernde, sieht den misstrauischen Blick und ihr zaghaftes Lächeln, das Unsicherheit kaschieren soll. Die Eifersucht der Verena Moldau auf die beliebte Schwester, die selbst nach acht Jahren Abwesenheit "kommt, sieht und siegt". Schwer wiegt die Bürde dieser Vor- und Verstellung; die Leere und das Feuer wechseln sich mit dem Figurentausch ab und zeichnen ein Bild, welches das Gemälde "Der Tod und das Mädchen" (direkt neben dem Regal mit den vergifteten Likörfläschchen) so diskret einläutete. Alfred Vohrer hinterlässt seine Visitenkarte.

schwarzseher Offline



Beiträge: 557

15.01.2018 19:58
#229 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich finde das schon toll wie ihr diese Folge hier beschreibt/bewertet .Und wenn ich die Folge nicht schon gesehen hätte wäre ich sehr gespannt und sicher auch mit etwas Vorfreude....Respekt.
Leider empfinde ich es ganz anders.Frau Keller mit ihrem klischeehaften Jekyll und Hyde Getue erstickt jegliche Spannung im Ansatz.Dann noch schnell ein irres mit den Augen rollen in den Armen des Kommissars ....und fertig ist der Hitchcock äh...Alte.
So einfach ist es dann doch nicht ,nicht jeder ist ein Norman Bates .

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.330

15.01.2018 22:16
#230 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Und gerade weil Krista Keller nicht Norman Bates war oder ist und mithin eben nicht die ganz große Kinobühne mit ihren Breitwandmöglichkeiten auch in Bezug auf Spielzeit und Budget zur Verfügung hatte, zolle ich ihrer Leistung umso mehr Tribut. Es ist letztendlich ein herrliches Kabinettstückchen, ein irrwitziger Drahtseilakt bei der augenscheinlich nicht ganz so tiefen Fallhöhe des Freitagabendkrimis und somit ein grandioses Ausspielen aller und sei es auch nur der angedeutetsten Möglichkeiten auf definitiv eng begrenztem und abgestecktem Raum! Die Grundidee mag krude und konstruiert wirken, doch was Krista Keller in ungeahnter Waghalsigkeit bei gleichzeitig geradezu exaltierter Nuanciertheit daraus macht ist für das dafür empfängliche Publikum atemberaubend...schade, dass es offenbar viele nicht goutieren können und noch viel trauriger, dass es solche Experimente zumindest innerhalb der heutigen 60-Minüter wohl kaum noch gibt...
Ich kann mich den treffenden lobenden Kritiken nur anschließen!

Gubanov Offline




Beiträge: 16.314

16.01.2018 14:05
#231 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich habe null Erinnerung mehr an die besagte Folge. Nur noch, dass ich sie als oberes Mittelfeld, aber "damals" (gesichtet 2013) schon als leicht vergessenswürdig eingeschätzt hatte. Dass sie dermaßen polarisiert und insbesondere zu großen Lobeshymnen verleitet, wundert mich.

Prisma Offline




Beiträge: 7.549

21.01.2018 18:02
#232 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #230
doch was Krista Keller in ungeahnter Waghalsigkeit bei gleichzeitig geradezu exaltierter Nuanciertheit daraus macht ist für das dafür empfängliche Publikum atemberaubend...

Diese Formulierung finde ich genauso atemberaubend wie Krista Kellers Darbietung. Sehr schön auf den Punkt gebracht!

Jan Offline




Beiträge: 1.453

15.02.2018 23:22
#233 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Tja, auch ich gehöre bei dieser Episode zu den wenig begeisterten Kritikern. Dass die Folge polarisiert, kann ich gut nachvollziehen, denn zwischen den Zeilen gibt es hier eigentlich kaum etwas geboten. Alfred Vohrer lässt seine Hauptdarstellerin gewähren, und sie zieht wahrlich alle Register. Leider kann ich nicht vergessen - auch dann nicht, wenn ich mich noch so sehr anstenge -, dass Krista Keller dabei derart penetrant hyperventiliert, dass der Kern der Epsidoe beinahe zur Farce verkommt. Wie auch in Vohrers "Marholms Erben" grimassiert Frau Keller sich durch die Szenerie und vergisst leider immer wieder, dass da eine TV-Kamera steht und kein 400 Köpfe starkes Publikum auf den Theatersesseln hockt. Dass es gerade Alfred Vohrer ist, der dieses Vorgehen nicht unterbindet, verwundert wenig - sein Hang zum Theatralischen ist weithin bekannt. Eigentlich merkwürdig, dass die kaum weniger penetrante Inge Birkmann nie bei Vohrer gespielt hat. Aus dieser Kombination hätten vergleichbar erschütternde Momente entstehen können.

Gruß
Jan

Bongo Offline



Beiträge: 3

07.03.2018 13:02
#234 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Interessante Diskussion. Ich finde, Jan trifft es schon sehr gut. Krista Keller "grimassiert" und "hyperventiliert" wirklich. Die Folge selbst habe ich nur deshalb nicht mit meiner Bestnote versehen, weil ihr Spiel mich nervt, auch noch bei der zweiten Durchsicht. Komischerweise habe ich jedoch Inge Birkmann immer für alles gefeiert, während ich bei Krista Keller automatisch eine Ablehnungshaltung einnehme.
Wenn ich mal woanders ansetzen darf: Mir war aufgefallen, dass hier bei den Kress-Folgen die Bewertungen irgendwann weniger werden und dann ganz verstummen. Schaue sie gerade chronologisch durch, bin bei ca. Folge 135 und einigermaßen ernüchtert. Ich hatte von Derrick schon in Erinnerung, dass die Phase um 1987 eine große Durststrecke mit wirklich unterdurchschnittlichen Folgen bereit hielt. Nun ist die selbe Zeitspanne bei Kress kaum besser. Ich habe bisher nicht ein Mal die Bestnote vergeben, und manche Motive sind wahlweise unlogisch oder schwachsinnig. Außerdem krankt es bisher m.E. daran, dass Kress einfach oft sehr unsympathisch dargestellt wird. Sogar der ach so schwierige Lowitz hat es hinbekommen, dass man seinen Köster mochte und gern gesehen hat. Schimpf hat weniger Charisma, macht nichts, aber spielt seinen (frühen) Kress so, dass man ihm seine mit Intuition gerechtfertigte, aber oft völlig grundlose Ungenießbarkeit ab einem gewissen Punkt verübelt, ja ihm sogar mal eine Niederlage an den Hals wünscht. Überhaupt ist auch ein weiteres Problem die schon mal hier erwähnte Überzeichnung der Charaktere ins Negative, so dass man weder mit einem der Verdächtigen, noch mit Kress sympathisieren kann. Wenn einem egal gemacht wird, was herauskommt, so kostet das Unterhaltung.
Bin zwar sicher, dass es nur eine Phase ist, und ich labe mich weiterhin am turmhohen Nostalgie-Faktor und kultigen Darstellern, aber musste das dann doch mal loswerden.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

01.05.2018 14:58
#235 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Habe inzwischen auch die Collector's Box Vol. 2 durchgesehen.

Insgesamt habe ich die Box etwas schwächer empfunden als die erste, deren Folgen ich im Schnitt experimentierfreudiger und spannender konstruiert fand. Nicht zuletzt ist die Dichte an Stars aus der "guten alten Zeit" nicht mehr ganz so hoch, auch wenn es hier sicher erfreuliche Auftritte verdienter Akteure (Marianne Hoppe, Charles Regnier, Horst Frank z.B.) gibt. Generell bin ich mit der Serie aber immerhin so warm geworden, dass ich die Folgen recht zügig durchgesehen habe. Positiv ist, dass die Rolle von Jan Hendriks zumindest zwischendurch etwas größer wurde, nachdem er zu Anfang zu einem besseren Statisten degradiert worden ist. Mit Keller habe ich hier und da schon mal so meine Probleme, aber das war/ist mit Vorgänger Keller ähnlich. Absolutes Highligt der Box war für mich "Eine große Familie" mit Gaststar Horst Frank. Die Episode hat eine erhabene Atmosphäre, ist stilsicher inszeniert und hat nicht zuletzt durch die Sache mit den Schriftzeichen das gewisse Etwas.

Im Einzelnen würde ich den Episoden folgende Reihenfolge zuweisen:


01. Eine große Familie (5/5)
02. Neue Sachlichkeit (4,5/5)
03. Mord nach Plan (4,5/5)
04. Ein Parasit (4/5)
05. Bruderliebe (4/5)
06. Vertrauensstellung (4/5)
07. Sportpalastwalzer (4/5)
08. Illusionen über einen Mord (4/5)
09. Das letzte Wort hat die Tote (4/5)
10. Die Lüge (4/5)
11. Teufelsbrut (3,5/5)
12. Der Irrtum (3,5/5)
13. Magdalena (3,5/5)
14. Mordanschlag (3,5/5)
15. Der Auftraggeber (3/5)
16. Alte Kameraden (3/5)
17. Morddrohung (3/5)
18. Die tote Hand (3/5)
19. Lippmann wird vermisst (3/5)
20. Nach Kanada (3/5)
21. Der Abgrund (3/5)
22. Der Detektiv (2,5/5)
23. Pensionstod (2,5/5)
24. Der Neue (2,5/5)
25. Der Freund (2/5)

Jan Offline




Beiträge: 1.453

01.05.2018 16:22
#236 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Mit dem "Sportpalastwalzer" ist in dieser Box wieder eine Epside enthalten, die Brynych-Freunde wie -Feinde gleichermaßen entzücken dürfte. Die Freunde werden vor Wonne in die Hände klatschen, weil dem Regisseur hier einerseits mal wieder Gelegenheit gegeben ist, ein Musikstück bis zum Erbrechen abzududeln und andererseits mit Klaus Löwitsch und Elisabeth Wiedeamnn zwei Akteure an Bord sind, die dem Regisseur in puncto Extraversion in nichts nachstehen. Die Feinde werden alle ihre Vorurteile fein befriedigt sehen und sich daran laben, es eh vorher gewusst zu haben. "Sportpalastwalzer" ist aus meiner Sicht die stärkste Episode dieser Box, die durchaus konventionellere Episode "Neue Sachlichkeit" ordne ich ebenfalls sehr hoch ein. Hier passen Buch, Stimmung, darstellerische Leistung und ein famoser Soundtrack gut überein. "Die tote Hand" würde ich erheblich stärker einstufen. Von allen Vohrer-Büchern für "Der Alte" m.E. das beste. Für mich sind diese drei Episoden klar die besten aus dieser Box.

Gruß
Jan

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.453

01.05.2018 17:11
#237 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

„Sportpalastwalzer“ ist auch für mich die stärkste Folge der Box, womöglich sogar die beste Episode überhaupt. Ich habe aber auch ein ausgesprochenes Faible für „Mord nach Plan“, ebenfalls eine Folge bei der absolut alles stimmt. Jeweils volle Punktzahl! Aber generell finde ich das Niveau der zweiten Box bärenstark. Habe nochmal in meine Rangliste hineingeschaut (aus dem August 2012) - immerhin sieben Folgen verfehlen die Höchstwertung nur um 0,5 Punkte, darunter natürlich die hier hochgelobten „Eine große Familie“, „Neue Sachlichkeit“ (Wussow war bei Köster immer ein Garant für Top-Qualität) und „Die tote Hand“, aber auch die eher experimentellen (und deswegen polarisierenden) „Der Abgrund“ und „Der Freund“ ordne ich auf diesem Niveau ein. Das sind Episoden, an die man sich auch Jahre später noch genau erinnert. Wenn ich nur an das Ende von „Der Freund“ denke - die Szene im Zug - der desillusionierte Köster wird vom Schaffner gefragt, ob denn noch jemand zugestiegen sei, worauf hin dieser antwortet: „Niemand.“ Und in diesem einen Wort klingt so viel Enttäuschung, aber auch Melancholie mit - da kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut (der Duval-Score tut sein übriges dazu). Der beste Beweis, dass Brynych keinesfalls nur „laut“ inszenieren könnte, sondern auch ein Gespür für die feinen Zwischentöne besaß.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

06.08.2018 22:19
#238 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Collector's Box Vol. 3 ist durchgesehen und anders als nach den ersten fünf Folgen zu vermuten hat man es summa summarum doch wieder mit einer gelungenen Box zu tun, in der die Ausreißer nach oben jene nach unten überwiegen. Gefühlt hat Box 3 im Schnitt gegenüber Box 2 die Nase vorn. Obwohl diesmal ein herausstechendes Highlight fehlt, gibt es eine Spitzengruppe von fünf Folgen, die alle sehr gute Krimi-Unterhaltung liefern und vor allem durch starke und wendungsreiche Storys punkten. Ein paar besonders gelungene Auftritte hat zudem abermals Henning Schlüter als Vorgesetzter Millinger.

Als Gaststars sind diesmal u.a. mit von der Partie: Martin Held, Brigitte Horney, Herbert Fleischmann, Christiane Krüger, Christine Wodetzky, Iris Berben, Alf Marholm (gleich 3x !), Brigitte Grothum, Claus Biederstaedt, Kristina Nel, Arthur Brauss (auch 3x), Dieter Eppler, Ulrich Beiger, Susanne Uhlen, Brigitte Mira, Konrad Georg, Karl Heinz Vosgerau, Reinhard Kolldehoff, Gert Haucke, Rudolf Schündler, Rudolf Platte, Alexander Kerst, Günther Ungeheuer.

Ein bisschen schade finde ich es im Übrigen, dass man neben Köster auf einmal (relativ unbekannte) Gastdarsteller auf das Cover der Box packt. Warum nicht mal Ande, Hendriks oder Schlüter?


Im Einzelnen würde ich die Episoden in folgende Reihenfolge bringen:


01. Die Beute 4,5/5
02. Tote Lumpen jagt man nicht 4,5/5
03. Eine Frau ist verschwunden 4,5/5
04. Die Unbekannte 4,5/5
05. Hass 4,5/5
06. Tod eines Aussteigers 4/5
07. Der Gärtner 4/5
08. Freispruch 4/5
09. Der rote Faden 3,5/5
10. Urlaub aus dem Knast 3,5/5
11. Schwarzer Montag 3/5
12. Ich werde dich töten 3/5
13. Bis dass der Tod uns scheidet 3/5
14. Die Ratte 3/5
15. Teufelsküche 2,5/5
16. Der Zigeuner 2/5
17. Tod am Sonntag 2/5

Gubanov Offline




Beiträge: 16.314

08.08.2018 09:45
#239 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Ich finde es toll, dass du so eifrig die Serien schaust. Mit deinen Zusammenfassungen zum "Alten" wirfst du ein milderes Licht auf die Serie als in meinen Erinnerungen. Wenn ich an Box 3 denke, ist es zunächst "Der Zigeuner", der alles überschattet und der mit zum Übelsten gehört, was ich an deutschen Fernsehkrimis bis dato gesehen habe. Auch weiß ich nicht, ob es unbedingt für die Box spricht, dass man darin Arthur Brauss gleich dreimal begegnet. Aber der allgemeine Tenor ist ja immer wieder positiv. Wenn ich mit "Kommissar" und "Derrick" fertig bin, werde ich also wohl nicht darum herumkommen, beim "Alten" nochmal einen Neustart mit ausführlichen Besprechungen zu wagen.

Schade finde ich nur generell bei diesen Serien-Box-Reviews, dass du dich nicht zu einzelnen Folgen äußerst. Ein paar Sätze zu jedem Fall wären nochmal eine ganze Runde aufschlussreicher als die bloße Rangliste.

Ray Offline



Beiträge: 1.489

10.08.2018 19:40
#240 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · Antworten

Das wäre schön, wenn du deine Sichtungen zur Lowitz-Ära beim "Alten" irgendwann komplettieren könntest, habe deine Besprechungen bei mancher Folge schmerzlich vermisst. An dieser Stelle mal ein großes Dankeschön, dass du dir immer die Mühe machst, zu jeder Folge von "Derrick" & Co eine ausführliche Besprechung zu schreiben!

Dass ich persönlich auf Bewertungen zu den einzelnen Folgen verzichtet habe, liegt vor allem daran, dass ich befürchte, dass mir bei den beiden Dauerbrennern ein bisschen die Zeit davon läuft. Bin ja verspätet eingestiegen und ich denke es dauert nicht mehr allzu lange, bis die ein oder andere Box abverkauft sein wird. Da ich mich ungern "großzügig" im Voraus eindecke ohne zu wissen, ob ich bei einer Serie bis zum Schluss durchhalte (gilt vor allem für "Derrick"), bleibt mir nichts anderes übrig, als ein möglichst zügiges Tempo an den Tag zu legen. Bei dem hohen Tempo ist es mir aber kaum möglich, zu den einzelnen Folgen ausführlichere Kommentare zu schreiben. Außerdem dachte ich mir, dass ich, wenn ich beim ersten Durchlauf auf Reviews verzichte, vielleicht einen Anreiz für mich selbst schaffe, mir die Boxen in den nächsten Jahren nochmal vorzunehmen, um dann in aller Ruhe und Ausführlichkeit vorgehen zu können. Als Kompromiss habe ich mich dann auf die Box-Reviews verlegt, die ja in den einschlägigen Threads auch durchaus üblich sind und zu den "Highlight-Folgen" ein paar Sätze zu schreiben. Das bin ich zugegebenermaßen diesmal schuldig geblieben, was ich hiermit nachholen möchte. Außerdem werde ich darüber nachdenken, deiner Anregung nachzukommen und eventuell ab Box 4 vom "Alten" und von "Derrick" jeweils Kurz-Kommentare zu den einzelnen Folgen zu schreiben. Wo du schon so in Vorleistung getreten bist, kann man das schließlich kaum ablehnen.

Hier also noch ein paar Worte zu den "Highlight"-Folgen von Box 3:

1. Die Beute (4,5/5)

In dieser Folge kehrt Christiane Krüger nach langer Pause beim "Alten" endlich zurück und spielt eine junge Frau, deren Ehe am Ende ist und die in den Überfall bei ihrem Arbeitgeber, einem Juwelen-Depot, verwickelt zu sein scheint. Alexander Kerst gibt ihren Vorgesetzten, Christian Quadflieg den gescholtenen Ehemann. Helmuth Ashley inszenierte gekonnt diese einerseits von den Gaststars, andererseits von der wendungsreichen Story lebende Episode.

2. Tote Lumpen jagt man nicht (4,5/5)

Herbert Fleischmann mimt einen windigen Anlegeberater, der sich mit seiner Geliebten (Iris Berben) aus dem Staub machen und ein neues Leben beginnen will. Doch während eines Zwischenaufenthalts in einem Wellness-Ressort verschwindet er (scheinbar ?). Wiederum eine wendungsreiche, mit Tempo ausgestattete Folge mit tollen Gaststars. Regie: Günter Gräwert.

3. Eine Frau ist verschwunden (4,5/5)

Eine junge Bibliothekarin verschwindet scheinbar. Kurz zuvor hatte sie einen Geschäftsmann kennen gelernt, dessen Ehefrau zum gleichen Zeitpunkt wie die junge Bibliothekarin auf mysteriöse Weise verunglückt ist... Diese Folge lebt allein von der starken Story, denn besondere Gaststars gibt es keine. Man rätselt mit Wonne, ob der Geschäftsmann, der zweifelsohne "Dreck am Stecken" hat, mit seiner Geliebten, der Bibliothekarin, gemeinsame Sache gemacht hat oder mit seiner Ehefrau. Denn wie sich dem Zuschauer durch einen Telefonanruf bald eröffnet, ist eine der beiden noch am Leben...

4. Die Unbekannte (4,5/5)

"Loooooove - what's your face" wird dem Betrachter dieser Episode von Zbynek Brynych vor allem in den ersten Minuten in unnachahmlicher Penetranz auf die Ohren gedrückt, was der Folge einen ähnlich soapigen Anstrich verleiht wie bisweilen "Bis dass der Tod uns scheidet". "Die Unbekannte" hat das Glück, einerseits Christine Wodetzky auf der Besetzungsliste zu wissen, welche der "Unbekannten" trotz ihres Handelns gewisse Sympathiepunkte einheimst, und andererseits ohne Dieter Schidor auszukommen, der "Bis dass der Tod uns scheidet" mit seiner wie so oft unglaubwürdigen Performance entscheidend abwertet.

5. Hass (4,5/5)

Die Eheleute Brinkmars haben nach vielen Ehejahren nicht sonderlich viel füreinander übrig. Vor allem die Gattin gönnt ihrem Ehemann seine Liebschaft nicht mehr, nachdem ihr eigener Geliebter bei einem Unfall ums Leben gekommen ist...

Der charismatische Ernst Schröder als Herr Brinkmar und sein Zusammenspiel mit Lowitz' Köster machen den Reiz dieser auch sonst durchaus spannenden Episode aus.

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