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Dieses Thema hat 288 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

07.10.2018 13:57
#286 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · antworten

BEWERTET: "Perfektes Geständnis" (Folge 78)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Wolfgang Zerlett, Henning Schlüter, Diana Körner, Christian Quadflieg, Mathieu Carrière, Peter Neusser, Rainer Basedow, Willy Schultes | Drehbuch: Detlef Müller | Regie: Jürgen Goslar

Edgar Wollank kommt am Samstag aus der Strafanstalt nach Hause und freut sich darauf, seine Frau zu sehen. Er findet die Wohnung leer vor und alles deutet darauf hin, dass Karin nicht allein war. Zornig und enttäuscht sucht er sie an ihrem Arbeitsplatz auf und macht ihr eine Szene. Er ahnt nicht, dass sein Nebenbuhler nur ein Büro weiter sitzt. Als kurz darauf der Geldtransporter mit den Tageseinnahmen überfallen und der Fahrer dabei erschossen wird, steht für Karin fest: das kann nur ihr Mann gewesen sein!



Die Enttäuschung als Triebfeder für kriminelle Machenschaften lässt den Strafgefangenen Edgar Wollank wieder in Teufels Küche geraten. Vor zwei Jahren hat er im Streit einen Arbeitskollegen erschlagen, nun dichtet man ihm an, er habe einen Geldtransporter um zwei Millionen erleichtert und einen der Fahrer erschossen. Wollanks Frau Karin hat die Einsamkeit in die Arme von Jochen Holmer getrieben, Filialleiter der Firma, in der sie als Büroangestellte tätig ist. Diana Körner gibt der zweigleisig fahrenden Ehefrau ein bürgerliches Gesicht, das von Zweifeln und Schuldgefühlen gezeichnet ist. Zu viele ungesagte Worte und Monate der Abwesenheit haben ihre Ehe brüchig werden lassen. Christian Quadflieg richtet seine Hoffnung auf 48 Stunden im Monat, in denen er zuhause sein darf und alles nachholen will, was er an den anderen Tagen schmerzlich vermisst. Die Lücke, die im Laufe der Jahre immer weiter aufklaffte, füllte Mathieu Carrière, dessen behutsames Vorgehen bei der einsamen Frau den richtigen Punkt traf. Die Abläufe beinhalten mehrere unerwartete Wendungen, da sich die Schwerpunkte verschieben und aus Gemeinschaften Zweckbündnisse werden und alte Allianzen erneuert werden. Freilich sind die Fäden, die im Hintergrund geknüpft werden, leicht zu entwirren, da man von Beginn an vermutet, wer für das Komplott verantwortlich ist. Dennoch bleibt es spannend bis zum Schluss, da die Opfer nicht ganz so hilflos im klebrigen Netz zappeln, sondern mutig Alleingänge wagen und sich nach Kräften wehren. Die Polizei wird diesmal ausgewogen eingebunden und Köster und sein Team können in mehrfachen Aktionen beweisen, dass ihre Arbeit nicht nur am Schreibtisch abläuft.

In sechzig Minuten gelingt es Jürgen Goslar und Detlef Müller eine runde Geschichte zu erzählen, die nicht nur die Schattenseiten einer Ehe im Strafvollzug aufzeigt, sondern auch die Möglichkeiten, daraus Kapital für kriminelle Zwecke zu schlagen. Das Gespann Körner/Quadflieg/Carrière überzeugt durch engagiertes und wandlungsfähiges Spiel, wobei jede Figur positive wie negative Seiten aufweist. 5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

03.11.2018 14:48
#287 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · antworten

BEWERTET: "Hass" (Folge 59)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Wolfgang Zerlett, Jan Hendriks, Henning Schlüter, Ernst Schröder, Ursula Lingen, Rudolf Schündler, Gila von Weitershausen, Holger Petzold, Ullrich Haupt, Alf Marholm, Sky Dumont, Eva Kinsky, Kunibert Gensichen u.a. | Drehbuch: Volker Vogeler | Regie: Zbynek Brynych

Der Unternehmer Ludger Brinkmar und seine Frau Marianne haben sich nichts mehr zu sagen. Nach Jahren der Loyalität ist das Paar an einem Punkt angelangt, an dem es sich gegenseitig beschatten lässt, sogar das Wort Mord ist bereits gefallen. Kommissar Köster geht einer Anzeige von Frau Brinkmar nach, die ihren Mann beschuldigt, sie töten lassen zu wollen. Kurz darauf schießt ein Unbekannter vom Dach eines Hotels auf Marianne Brinkmar, sie erleidet jedoch nur einen Streifschuss im Arm. Als sie mitten in der Nacht aus dem Krankenhaus entführt wird und die Erpresser Brinkmars gesamtes Vermögen fordern, hegt Köster einen unglaublichen Verdacht....



Stand Regisseur Brynych in den ausgehenden Sechziger bzw. den Siebziger Jahren oftmals für krude Experimente mit urplötzlichen Gefühlsausbrüchen (z.B. "Der Kommissar"), so setzte er in seinen späteren Inszenierungen für "Derrick" und "Der Alte" gebündelte Akzente, die statt eines aggressiven roten Fadens nur seine blassblaue Handschrift zeigen. Feinfühlig, fast wie betäubt verharren die Protagonisten in gefrorenen Emotionen. Brynych zeigt die vornehmen Kreise mit gebührlicher Distanz und fokussiert ihre schockerstarrten Gefühle wie unter einer Glasglocke. Der melancholische Unterton einer vergangenen Zuneigung; die brach liegenden Talente einer unterschätzten Frau, die ihre letzte Trumpfkarte ausspielt und die Tragik des Dieners, der in Livree und mit ergebener Geistes- und Körperhaltung eine Philosophie vorlebt, die alles zu entschuldigen versucht und das Individuum jeglicher persönlichen Regung beraubt. Ernst Schröder zeichnet einen Mann, der Erklärungen für das Verhalten seiner Frau gibt und damit im Gegensatz zu den aufbrausenden Charakteren, die er sonst gern verkörpert, über den Dingen steht und mit dem Kommissar sogar ein wertschätzendes Zweckbündnis eingeht. Ursula Lingen gibt das entschlossene und furchtlose Opfer, das die Karten zu seinen Gunsten neu mischt und zur Reizfigur der Folge wird. Die psychologisch ausgefeilte Umsetzung ihres Machtkampfes mit Ernst Schröder, der mit kaltem Lächeln bis ins Detail geplant ist, lässt auch Köster zum resignierten Zuschauer werden. Gila von Weitershausen spielt die undankbare Rolle der Geliebten, die kaum drei Sätze zu sagen hat, während der von Sky Dumont entworfene Scharfschütze ansprechend geheimnisvoll mit Trenchcoat und Zigarre zum Inbegriff der Heimtücke wird.

Elegant in Szene gesetzt, profitiert die Episode vom stilsicheren Spiel seiner Akteure, die bis in die Nebenrollen überzeugen. Die Themen Rache, Verlust und Niederlage werden fast poetisch umgesetzt, ohne dabei den Kriminalfall aus den Augen zu verlieren. 5 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

13.11.2018 13:53
#288 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · antworten

BEWERTET: "Sportpalastwalzer" (Folge 42)
mit: Siegfried Lowitz, Jan Hendriks, Michael Ande, Henning Schlüter, Klaus Löwitsch, Susanne Beck, Elisabeth Wiedemann, Holger Petzold, Herbert Fux, Henry van Lyck, Otto Friebel, Michael Gempart, Michael Gahr, Toni Netzle, Klaus Fuchs, Peter Moland u.a. | Drehbuch: Bruno Hampel | Regie: Zbynek Brynych

Erich und Liesel Neubauer betreiben eine Eckkneipe, in der sich vor allem ehemalige Radrennfahrer treffen, um in Erinnerungen zu schwelgen und gemeinsam die glorreiche Zeit ihrer Siege hochleben zu lassen. Zwischen den Eheleuten herrscht schon länger Eiszeit, seitdem Erich seine Frau in betrunkenem Zustand über den Haufen gefahren und zum Krüppel gemacht hat. Mit finstere Miene beobachtet Liesel seit einiger Zeit, dass Erich ein Verhältnis mit der Kellnerin begonnen hat. Eines Abend eskaliert der Streit und Erich greift seine Frau tätlich an, während sie mit ihrer Krücke Gegenwehr leistet. Am nächsten Morgen ist Liesel verschwunden und überall finden sich Blutspuren....



Der Kultstatus, den die Folge genießt, weckt natürlich hohe Erwartungen an eine Episode, die für alle "Kommissar"-Freunde ein Déjà-vu-Erlebnis bildet und zwar zur Folge ".... wie die Wölfe" (1970), in der Ode bei Horst Tappert die gleichen Methoden der geistigen Rekonvaleszenz anwendet wie Kollege Lowitz beim verdächtigen Klaus Löwitsch. Das Haus, in dem sich das Lokal befindet, ist das gleiche wie in besagter "Kommissar"-Folge. Während das Herz des Zuschauers ob solcher vertrauten Interieurs frohlockt, bleibt der Verstand unterversorgt. Die für Brynych-Verhältnisse recht bieder inszenierte Episode verzichtet darauf, Spannungsmomente in dem Maße auszureizen, wie es anhand der Ausgangssituation möglich gewesen wäre. Die emotional aufgeheizte Stimmung in der Kneipe kehrt aus Elisabeth Wiedemann jene Larmoyanz heraus, die sie üblicherweise durch kräftigen Humor kaschiert, während Raubein Klaus Löwitsch dumpf vor sich hinbrütet und die Bitterkeit und den Hass, der ihm entgegengebracht wird, wie abgestandenes Bier an sich abperlen lässt. Die Frage nach dem Verbleib der Wirtin zieht auch Susanne Beck und ihren restriktiven Gatten Holger Petzold in den Strudel von Ungewissheit, Morbidezza und Misstrauen hinein, während Kommissar Köster sich als Therapeut versucht und sein Opfer ungewohnt präzise vor seinen Karren spannt. Unkonventionell allerdings das Ende, das die Karten kurz vor Schluss neu mischt und dunkle Vorahnungen zwar bestätigt, jedoch dramaturgisch den einfachen Weg geht. Der "Sportpalastwalzer" als Triumphzug der Gestrauchelten? Wenn Herbert Fux das Aushängeschild der Normalität gibt, darf man sich darüber nicht wundern.

Solide Folge mit einer geifernden Elisabeth Wiedemann und einem Klaus Löwitsch, der das Bild des schmierigen Säufers aus dem linken Ärmel schüttelt, bei der Regisseur Brynych leider mehrfach die Spannungsbremse gezogen und sich nur auf das überzeugende Spiel seiner Darsteller verlassen hat. 3 von 5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.574

22.11.2018 13:56
#289 RE: Bewertet: "Der Alte" Zitat · antworten

BEWERTET: "Liebe hat ihren Preis" (Folge 71)
mit: Siegfried Lowitz, Michael Ande, Jan Hendriks, Horst Buchholz, Ute Christensen, Lotte Ledl, Alwy Becker, Paul Hoffmann, Peter Dirschauer u.a. | Drehbuch: Detlef Müller | Regie: Helmuth Ashley

Wolf Daniel, der eine Kunstdruckerei besitzt, ist finanziell von seiner Frau Herta und deren Vater Dr. Krone abhängig, der an der Firma Anteile besitzt. Die Ehe besteht seit langem nur mehr auf dem Papier und während sich Herta mit dem Erwerb von Kunstobjekten tröstet, unterhält Wolf ein Verhältnis mit seiner Sekretärin Doris Kühn. Dr. Krone, der seinen Schwiegersohn nie leiden konnte, kündigt an, sein Geld aus der Druckerei abzuziehen. Bevor es dazu kommt, wird Herta in ihrem Haus mit mehreren Schüssen getötet. Die Auktionatorin Barbara Wertham bietet Wolf Daniel finanzielle Unterstützung an, erhofft sich dadurch jedoch eine private Beziehung zu dem attraktiven Mann....



Horst Buchholz befindet sich diesmal als Objekt der Begierde im Zentrum von Mordermittlungen, bei denen kein langes Federlesen um das Opfer gemacht wird, denn fast unmerklich zieht sich die Schlinge um Buchholz' Kopf zu und lässt ihn vom Wohlwollen zweier Damen abhängig werden, was eine ungewöhnliche Ausgangsposition für den Weltstar ist. Paul Hoffmann ist freilich nicht so verbittert wie ein O.E. Hasse aus "Konkurs" (Folge 7) und Alwy Becker nicht so aufregend wie Christiane Krüger. Dennoch ist es erstaunlich, mit welcher Akribie das Drehbuch die unglücklichen Verknüpfungen der Personen untereinander emotional berührend aufzeigt - doch ein Helmuth Ashley auf dem Regiestuhl ist immer ein Garant für intensives Zwischenmenschliches. Der Stimmungswandel zeichnet sich sehr subtil ab und überzeugt durch die feinen Töne, welche der Fall nach dem unerwarteten Todesfall anschlägt. Ute Christensen gewinnt im Laufe der Handlung an Tiefe und verkörpert die enttäuschte Frau sehr überzeugend, während Lotte Ledl ihre Figur behutsam und energisch zugleich zeichnet und ihr "Opfer" mit Sympathie und Zielstrebigkeit einzufangen sucht. Die angenehme Atmosphäre der Schauplätze befördert die Episode in die Kategorie der "Großbürgertums-Folgen", wobei sich Kommissar Köster vor allem am Nutznießer dieses Wohlstandes festbeißt, jedoch keine auffallenden Akzente setzen kann oder will. Die Spannung ergibt sich aus der stillen Vereinnahmung, die Wolf Daniel widerfährt, aus dem hartnäckigen Werben um seine Person, die ihn mehr als einmal in Erklärungsnot bringt und die Aufklärung des Falles schon fast zur Nebensache, aber auch trotz überschaubarer Verdächtiger, überraschenden Lösung macht.

Horst Buchholz wertet die gemütliche Episode durch seine Präsenz erheblich auf, findet sich aber bald in die Defensive gedrängt, wenn die Damen Ansprüche auf ihn anmelden. Trotz moderater Aktionen kann die Spannung gehalten werden, was das Verdienst der Darsteller und ihres Spielleiters ist. 4,5 von 5 Punkten

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