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Dieses Thema hat 976 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Blap Offline




Beiträge: 1.128

29.07.2012 13:53
#406 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 9 (Folgen 121-135)

Folge 128 - Das tödliche Schweigen (Deutschland 1985)

Gutes Betriebsklima

Stephan und Harry möchten den Feierabend geniessen, ein gepflegtes Bier in den Hals schütten. Kaum hat das dynamische Duo die heiligen Privathallen des Oberinspektors betreten, erreicht Derrick der Anruf einer offenbar extrem ängstlichen Frau. Helga Södern (Irina Wanka) nennt ihren Namen samt Adresse, sofort machen sich die Ermittler auf den Weg. Dort angekommen öffnet Udo Hassler (Jacques Breuer) den Beamten, die ebenfalls anwesende Helga wirkt noch immer verstört. Hassler lässt Helga kaum zu Wort kommen, die gemeldete Bedrohung war angeblich ein Hirngespinst. Am nächsten Morgen müssen sich Derrick und Klein mit einem Mordfall beschäftigen. Harry denkt sofort an die junge Frau vom Vorabend, bei der Toten handelt es sich jedoch um Maria Simka, die ältere Dame kam vermutlich gewaltsam zu Tode. Ludwig Simka (Arthur Brauss) entdeckte seine tote Mutter in deren Wohnung, nebenbei fragt Derrick den Sohn des Opfers nach Helga Södern. Tatsächlich kannten sich die Frauen, beide arbeiteten bei einer inzwischen in Konkurs gegangenen Chemiefirma. Interessanterweise hatte Maria Simka Besuch von zwei Personen, Helga berichtete am vorherigen Abend von zwei bedrohlichen Gestalten, fühlte sich von zwei Männern verfolgt...

Irina Wanka sehe ich immer gern, spontan kommt mir die starke Folge "Ein Fall für Harry" (94) in den Sinn, in der sich Irina dem geifernden Ekel Karl Lieffen stellen musste, sehr zum Ärgernis des fürsorglichen Harry. Erneut spricht Irina Wanka den Beschützerinstinkt des Zuschauers an. Glaubwürdig bringt sie die ängstliche, hilflose und anmutige Prinzessin rüber, jeder edle Ritter möchte sofort das Schwert aus der Scheide ziehen, lasst eure schmierigen Pranken von meinem Engel! Ja, die Figur Helga Södern ist Klischee pur. Na und, ich fahre drauf ab. Jacques Breuer darf mit Ausdauer an den Nerven der Ermittler nagen, Reinecker klatscht dem unsympathischen Udo Hassler den Stempel Student auf die Stirn. Unter Breuers Knute mutet Wanka wie eine unglückliche und gepeinigte Marionette an, die "Nichtchemie" zwischen den Charakteren entzündet eine kalte Flamme. Arthur Brauss zeichnet einen blassen kleinen Mann ohne grosse Ambitionen, gestraft mit einer gierigen Ehefrau, dargestellt von Ilse Neuabauer. Hans-Helmut Dickow poltert über das Gelände der ehemaligen Fabrik, Henry van Lyck gibt den Januskopf, Ernst Fritz Fürbringer glänzt mit einer herrlich schrulligen Vorstellung. Sklave Willy "Berger" Schäfer darf das Telefon bedienen und sich um den Kaffee kümmern, als dauerhafte Randnotiz lebt es sich nicht allzu schlecht.

Neben den gewohnt ansprechenden Leistungen der Schauspieler, hat mich vor allem die trostlose Optik des stillgelegten Industriegeländes begeistert. Schnell ist klar, die Fäden müssen im Dunstkreis des Betriebes zusammenlaufen, spärlich sickern Informationen aus den Mündern der Beteiligten. Die Auflösung spannt eine Brücke zum ökologischen Zeitgeist, Mitte der achtziger Jahre war das Thema Umweltschutz/Umweltverschmutzung endgültig in alle Winkel der Republik vorgedrungen. Näher kann ich nicht darauf nicht eingehen, die Gefahr fieser Spoiler wird zu gross. Weiterhin wuchert diese Folge mit starken Dialogen und einer Prise Humor, dazu zeigt sich Horst Tappert in Bestform, herrlich! Theodor Grädler inszeniert gewohnt solide, kann auf sein Ensemble und Autor Herbert Reinecker bauen, ein durch und durch tragfähiges Fundament. Auf den ersten Blick kein Höhepunkt im Derrick-Kosmos, bei genauer Betrachtung eine gute und unterhaltsame Folge. Gier taugt immer zum Krimi, so sind sie, die kleinen und grossen Menschlein.

7/10 (gut)

***

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

29.07.2012 14:31
#407 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Dem Mörder eine Kerze" (Folge 77)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Horst Frank, Sven Erik Bechtolf, Sascha Hehn, Käte Jaenicke, Katja Bienert, Eva Ingeborg Scholz, Rolf Castell, Saskia Drungowski, Josef Fröhlich, Willy Schäfer u.a. - Regie: Dietrich Haugk

Um 1 Uhr nachts klingelt an Mann im Widum von St. Anna. Pfarrer Scholz wird von seiner Häuserin Frau Hessler gewarnt, so spät noch zu öffnen. Der Unbekannte will, dass der katholische Geistliche die Kirche aufsperrt - er möchte beichten. Pfarrer Scholz kommt diesem Wunsch nach und erfährt von dem Mord am Fotografen Dembert, der in seinem Büro erschossen wurde. Als Scholz am nächsten Morgen am Tatort erscheint, stellt Derrick einen Zusammenhang zwischen der letzten Nachricht des Toten und der Anwesenheit des Pfarrers her. Alle Indizien weisen auf die Schule hin, in der Scholz gelegentlich Religionsunterricht erteilt....

Der unheimliche Auftakt der Episode erinnert natürlich an "Der Kommissar: Tödlicher Irrtum" (1970), wenngleich sich Dieter Kirchlechner als Pfarrer damals in keiner konkreten Lebensgefahr befand. Weitaus beklemmender erscheint die Atmosphäre in der "Derrick"-Folge, die aus dem Zusammenspiel von Horst Frank und Käte Jaenicke resultiert. Frank, den man oft und gerne als Bösewicht besetzte, überzeugt mit einer unantastbaren Würde und Ruhe. Seine Antworten erfolgen nie leichtfertig, sondern "nach reiflicher Überlegung". Wieder einmal wird die Frage aufgeworfen, ob die Freiheit auf Religionsausübung über das Gesetz gestellt werden darf. Schließlich leben wir in keinem Gottes-, sondern in einem Rechtsstaat und jeder andere Bürger würde von der Polizei belangt, wenn er einen Mörder deckte. Über dieses "Recht auf Zeugnisverweigerung" echauffiert sich Harry Klein über alle Maßen und nimmt in einer emotional aufgeladenen Szene trotzig auf dem Rücksitz Platz.
Es stellt sich die Frage, inwiefern Pfarrer Scholz Schuld auf sich lädt, indem er durch sein Recht auf Aussageverweigerung einen weiteren Mord nicht verhindern kann. Im Gegensatz zur "Kommissar"-Folge berichtet er auch nicht, dass er dem Mörder geraten habe, sich zu stellen. Im Gegenteil: Wer den verächtlichen Blick auf Horst Gronau gesehen hat, erkennt, dass der Pfarrer in gewisser Weise sogar Verständnis für die Tat hat. Diese Anteilnahme macht ihn menschlich und erhebt ihn als Autorität über seinen Berufskollegen Krüger, der sich verletzlich und resigniert zeigt. Schon allein die bangen Minuten nach der Beichte, als der Zuschauer fürchtet, der Täter könnte auch den Pfarrer getötet haben, stehen für die dunkle Seite, die "Dem Mörder eine Kerze" thematisiert.
Bereits nach wenigen Minuten war mir der gesamte Tathergang klar; die bloße Abwesenheit einer Schülerin sagte mir alles. Sven Erik Bechtolf als Albert Hess ist wie der Schüler Palacha in "Der Kommissar: Auf dem Stundenplan: Mord" (1969) der Anführer seiner Klasse, die moralische Instanz der Gruppe. Seine Freundschaft zu Vera Essling hat ihn angreifbar gemacht, er sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass er seine Liebe nicht schützen konnte, dass er das Verbrechen nicht verhindern konnte. Die Nutznießer des Pornogeschäfts werden beiläufig in all ihrer Unscheinbarkeit gezeigt, negierend, dass das Milliardengeschäft nur durch die große Nachfrage am Laufen gehalten werden kann. Sascha Hehn glänzt in der Rolle des selbstverliebten Schönlings, der seine Wohnung mit Bildern von sich tapeziert hat und nach "Ein unheimliches Haus" erneut spektakulär zu Grunde geht.
Fazit: Dietrich Haugks Aktien steigen in der Tat - die volle Punktezahl ist ihm diesmal sicher.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

05.08.2012 13:45
#408 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Eine Rechnung geht nicht auf" (Folge 78)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Wolfgang Müller, Alice Treff, Arthur Brauss, Lisa Kreuzer, Tommy Piper, Holger Petzold, Jutta Kammann, Michael Boettge, Heike Goosmann u.a. - Regie: Helmuth Ashley

Achim Moldau, ein arbeitsloser Schweißer, erhält von seinem Freund Josef Schenk das Angebot, bei einem Einbruch mitzumachen. Der Anführer der Gruppe, ein gewisser Recke, hat ob der Weichheit des Neuen seine Bedenken, überträgt die Verantwortung für ihn jedoch Josef Schenk.
Auf dem Heimweg missachtet Moldau die Vorfahrt und drängt einen anderen PKW an den Straßenrand, sodass dieser an einen Baum prallt und die beiden Insassen, Gudrun und Hans Hofstetter, getötet bzw. verletzt werden. Um zu verhindern, dass der leichtverletzte Herr Hofstetter die Polizei ruft, überfährt ihn Recke mit seinem Wagen. Achim Moldau ist entsetzt und die Tatsache, dass drei minderjährige Kinder durch seine Schuld ihre Eltern verloren haben, lässt ihm keine Ruhe mehr....

Die Geschichte ist vorhersehbar, enthält aber einige interessante Aspekte. Wolfgang Müller kennen wir bereits als leicht zu entmutigenden, unentschlossenen Mann, der sich das Leben selbst schwer macht und der besonders bei älteren Damen einen Mutterinstinkt weckt. So ist es auch diesmal und Alice Treff passt hervorragend in die Rolle der engagierten, aufgrund der Beschränkungen, die Alter und nachlassende Körperkraft einem Menschen setzen, jedoch weniger zupackenden Großtante der jungen Hofstetters. Als guter Kamerad und einfühlsamer Nachbar erweist sich Oberinspektor Derrick, dem es obliegt, den Kindern die traurige Nachricht vom Tod ihrer Eltern zu überbringen. Er hat das Format und den nötigen Takt, unangenehme Themen behutsam anzuschneiden und dabei ohne vieler Worte Anteilnahme und Hilfsbereitschaft auszudrücken. So wacht er selbst die ganze Nacht im Hause Hofstetter und stellt am Morgen gleich eine Rot-Kreuz-Schwester für die Kinder ein.
Auf der Gegenseite sehen wir mit Arthur Brauss einen alten Bekannten, dessen unverkennbare Physiognomie Eiseskälte und Brutalität verkörpern soll, der aber auch als loyaler Kumpel überzeugt, wie ich kürzlich in "Titanic - Nachspiel einer Katastrophe" (1984) sehen konnte. Tommy Piper wurde mit Haargel und Lederhose auf gefährlich getrimmt, zeigt jedoch vor allem im Finale, dass er für Reckes Branche zu wenig Härte mitbringt.
Der Unfallhergang wurde von Ashley dynamisch inszeniert, wobei der schnelle Wechsel der Perspektiven auf drohendes Unheil hinweist. Das Tempo verlangsamt sich im Mittelteil und die Zeit scheint im Haus der Hofstetters gar stehenzubleiben, entspricht aber dem Temperament von Achim Moldau, dessen Schuldgefühle und Mitleid in der sanften Umgebung der verwaisten Familie einen friedlichen Hafen finden. Lisa Kreuzer (diesmal mit üppigen Locken) als Müllers Ehefrau darf an der Gefühlswelt ihres Mannes nicht teilhaben und wird außen vor gelassen. Zurück bleibt ein Trümmerfeld, das die Leben mehrerer Familien für lange Zeit belasten wird.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

05.08.2012 15:06
#409 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Der Kanal" (Folge 79)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Bernd Herzsprung, Claudia Rieschel, Volker Eckstein, Helga Anders, Hubert Suschka, Wolfgang Wahl, Monika Baumgartner, Max Griesser, Marlies Schoenau, Fritz Korn u.a. - Regie: Helmuth Ashley

Herbert Junker und Elisabeth Röder treffen sich mehrmals im Monat in einem abgelegenen Gasthaus zu einem Liebesstelldichein. Ihre Ehepartner dürfen nichts von ihrem Verhältnis erfahren; Kinder und Schwiegereltern sollen im Glauben an die heile Familie gelassen werden. Doch anscheinend hat doch jemand mitbekommen, dass Herr Junker und Frau Röder eine intime Beziehung miteinander unterhalten: ein anonymer Anrufer erkundigt sich im Gasthaus, ob der Mann eingetroffen sei. Wenig später wird der herrenlose Wagen des lebenslustigen Mannes auf der Straße neben dem Isarkanal gefunden und kurze Zeit darauf fischt man die Leiche von Junker aus dem Wasser....

Der Spätherbst als Vorbote des Todes, die Welknis des allgegenwärtigen Laubes, das auf Verfall und Fäulnis hindeutet - die gedämpfte Atmosphäre, die sich um das "Gasthaus Zur Mühle" am Isarkanal entfaltet, steht sinnbildlich für Herbert Reineckers Ansicht, dass die Strafe auf dem Fuß folgen soll und moralische Verfehlungen den Weg ins Verderben ebnen. Bernd Herzsprung lässt keinen Zweifel darüber, dass es ihm nur auf sein (sexuelles) Vergnügen ankommt; ungeniert schäkert er kurz vor der Ankunft seiner wohlerzogenen Geliebten Claudia Rieschel mit der ländlichen Monika Baumgartner. Der Suspense ergibt sich aus dem prickelnden Gefühl, das die Vermengung von verbotener Leidenschaft und unbekannter Bedrohung hervorruft. Nicht nur der Zuseher beobachtet argwöhnisch die Gäste in der Stube der Schenke, auch Herbert Junker sieht die Gefahr aus dem Hinterhalt als zusätzliche Bestätigung seines Erfolgs.
Die Familienangehörigen lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die schwachen, ängstlichen und still leidenden Ehepartner und die zornigen, in ihrer Ehre und ihrem Weltbild beleidigten Schwiegerväter. Helga Anders dient hier entgegen ihrem Image als Projektionsfläche für Demütigung und Resignation. Ihr Leidensgenosse wird von Volker Eckstein gespielt, der innerhalb der "Derrick"-Reihe eine erstaunliche Wandlung durchläuft. Haben wir ihn als abstoßenden Rabauken kennengelernt, dessen offensive Lebensgier nach Geld und Frauen große kriminelle Energie freisetzt, so erinnert er in "Der Kanal" nicht nur optisch, sondern auch in Sprache und Höflichkeit an Hans Clarin ("Das indische Tuch"). Er hat bewiesen, dass er sich weiterentwickeln kann und ringt dem anfangs skeptischen Zuschauer zunehmenden Respekt ab.
Um keinen Deut besser geworden ist hingegen Hubert Suschka. Der Felix Hepburn aus "Melissa" (1966) schnaubt noch immer vor Zorn, wenn seine Pläne durchkreuzt werden, bevormundet seine Ehefrau und läuft puterrot an, wenn man ihn reizt. Die Fähigkeit, in vollkommen konträre Charaktere zu schlüpfen wie sein Kollege Wolfgang Wahl, ist bei Suschka begrenzt. Der Rätselfaktor ist hoch, mehrmals überwirft man seine Kombinationen. Das unsichtbare Band, das die Hinterbliebenen verbindet, sorgt für gleichbleibende Spannung. Eine runde Geschichte, bei der das Ambiente den ungewöhnlichen Mord noch verstärkt und die Episode somit über den Durchschnitt hebt.

tilomagnet Offline



Beiträge: 585

07.08.2012 09:49
#410 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Mal was zur Erheiterung:


Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.514

07.08.2012 10:30
#411 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Sehr schön. Aber dieser Sketch aus RTL Samstag Nacht bleibt mein Favorit unter den Derrick-Parodien:

Blap Offline




Beiträge: 1.128

07.08.2012 22:39
#412 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 9 (Folgen 121-135)

Folge 129 - Ein unheimlicher Abgang (Deutschland 1985)

Wer mit wem?

Finanzjongleur Rudolf Diebolz (Dirk Galuba) steckt in Schwierigkeiten. Offenbar drückt der Lackschuh gewaltig, Diebolz hinterlässt seiner Gattin Liane (Christiane Krüger) einen knappen Abschiedsbrief und fährt mit seinem Boot hinaus auf den See. Wenig später wird die Nacht von einer gewaltigen Explosion erschüttert. Liane und ihr Sohn Klaus (Christoph Eichhorn) sind fassungslos, Rudolf hat seine Selbstmordabsicht tatsächlich in die Tat umgesetzt. Immerhin droht der Witwe keine allzu schmerzhafte Trauerphase, schliesslich unterhält sie seit einiger Zeit eine intime Beziehung zu Bernhard Kolewski (Peter Bongartz). Seinerseits war auch der Verstorbene kein Kind von Traurigkeit, er vergnügte sich gern mit seiner Sekretärin Frau Meissner (Lisa Kreuzer). Als die Leiche endlich aus dem Gewässer geborgen wird, stellt die Gerichtsmedizin ein interessantes Detail fest. Diebolz wurde eindeutig vor der Explosion des Bootes der Schädel eingeschlagen, von Suizid kann nicht mehr die Rede sein. Derrick und Klein bestellen die engsten Familienmitglieder und Mitarbeiter des Herrn Diebolz zwecks Identifikation ins Leichenschauhaus, alle Befragten bestätigen einwandfrei, auf der Bahre liegt der tote und entstellte Körper von Rudolf Diebolz.

Der von Dirk Galuba dargestellte Rudolf Diebolz steht zwar im Zentrum der Ermittlungen, dennoch fällt Galuba nur eine Nebenrolle zu. Wie üblich zeigt sich Charakterkopf Galuba von einer wenig liebenswerten Seite, bestätigt sein Abonnement auf unangenehme Zeitgenossen. Christiane Krüger und Lisa Kreuzer sind ebenfalls alte Bekannte, Kreuzer gehört zu den häufigsten Gästen der Reihe. Freilich sind sich die Damen hier nicht die besten Freundinnen, feines Knistern ist gewissermaßen unvermeidbar. Gabriele Fischer sehen wir als hübsches und gleichzeitg etwas unscheinbares Hausmädchen. Klaus Höhne spielt als psychisch angeschlagener Prokurist großartig auf, der schrullige Oberbuchhalter am Rande des Nervenzusammenbruchs. So richtig ins Herz schliessen mag man keinen der agierenden Akteure, Peter Bongartz und Christoph Eichhorn machen da keine Ausnahme. Bongartz gefällt mir ausgesprochen gut, pendelt er doch souverän zwischen beschwichtigend und aufbrausend umher, garniert mit kleinen Ausflügen in zynische Gefilde. Alles wie gehabt, gute bis hervorragende Leistungen der Schauspieler, ich verneige mich vor dem tollen Ensemble.

Derrick und Klein haben eine harte Nuss zu knacken, Stephan stellt -einmal mehr- unter Beweis, warum Harry nur die zweite Geige spielt. Gern schreibe ich es immer wieder und wieder, Horst Tappert und Fritz Wepper sind großartig! Der Fall punktet nicht nur mit einem packenden Beziehungsgeflecht der Charaktere, die Krönung kommt in Form der cleveren Auflösung daher, Autor Herbert Reinecker hat ganze Arbeit geleistet. Die elektronische Musik von Eberhard Schoener schmeichelt meinen Ohren. Wer z. B. Tangerine Dream und Klaus Schulze verehrt, der wird auch mit diesen Kompositionen von Schoener viel Freude haben. Regisseur Jürgen Goslar durfte "Ein unheimlicher Abgang" in einem durch den Winter geprägten Umfeld inszenieren, eine vortreffliche Ergänzung zur kalt berechnenden Vorgehensweise des einen oder anderen Beteiligten (stilvoll von Eberhard Schoener untermalt, gern weise ich erneut darauf hin). Winter in München, die Boote explodieren! Gute Unterhaltung für Freunde gepflegter TV-Krimis, gekonnter und perfekt platzierter Twist inklusive.

7,5/10 (gut bis sehr gut)

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Vom Ursprung her verdorben

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

08.08.2012 18:23
#413 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Am Abgrund

Episode 80 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Helmuth Ashley. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Klaus Behrendt (Jakob Hesse), Ilse Neubauer (Ursula Hesse), Lotte Ledl (Hanni Krotte), Dirk Dautzenberg (Walter Raspe), Rainer Hunold (Willi Raspe), Anton Diffring (Alfred Bandera), Thomas Schücke (Arthur Bandera), Rebecca Winter u.a. Erstsendung: 30. Januar 1981, ZDF.

Zitat von Derrick: Am Abgrund
Jakob Hesse kann nicht warten, bis er wieder Geld aufgetrieben hat. Der chronische Säufer hat heute noch nichts getrunken und wandelt entsprechend unsicher durch die einschlägigen Kneipen der Bayernmetropole. Keiner der Wirte will ihm vorstrecken. Da ist es direkt sein eigenes Glück, dass er einen Mord beobachtet. Der Wirt Raspe aus der „Nachteule“ behandelt ihn fortan äußerst zuvorkommend. Derricks Neugier ist natürlich entbrannt: Was hat der Kneipier zu verbergen?


Reineckers Kreuzzüge gegen die Laster der Gesellschaft geraten entweder zu den ganz großen Folgen der Serie oder, was leider häufiger der Fall ist, versinken in moralinsauren Abgründen, die über Mittelmäßigkeit nicht herauskommen. Ähnlich seinem gestelzten Anti-Drogen-Plädoyer in „Der Tod sucht Abonnenten“ griff Herbert Reinecker im Drehbuch zu „Am Abgrund“ (allein was für ein Titel!) die Phänomene Prostitution und Alkoholmissbrauch auf die plakativstmöglich vorstellbare Weise auf. Indizien finden sich nicht nur in der Tatsache, dass Hesse eine ganz und gar gebrochene Persönlichkeit darstellt, sondern auch in seinem früheren Beruf. Bekanntlicherweise hatte Reinecker ganz gehörig etwas gegen den Job des Lehrers. Hesse zu einem Trinker zu degradieren, weil er als Pädagoge nicht mit einem Fehler fertig wurde, machte Reinecker sichtlich Spaß, schadet aber dem durchschaubaren Plot nur umso mehr.

Doch selbst abseits von Hure und Säufer treffen wir nur auf verkommene Kreaturen. Welches Mitglied der eingeschworenen Viererclique aus der „Nachteule“ letztendlich den Mord an dem Callgirl Ina begangen hat, erscheint ebenso irrelevant wie die Frage, warum es überhaupt zu dem Mord kam. Ist nämlich erst einmal die Identität des Mörders geklärt, fragt man sich, welches Motiv er überhaupt für seine Tat gehabt haben soll. „Vergessen, nachzudenken“ ist das Einzige, was mir einfallen würde. Das haben die Raspes und Banderas aber nicht nur während, sondern auch nach dem Mord. Ihre Taktik, den Trinker Hesse mit Alkohol ruhig zu stellen, wenn er doch durch Hochprozentiges überhaupt erst lebendig und gesprächig wird, ist wohl so ziemlich das Dümmste, was man sich vorstellen kann. Als Wirt und anscheinend langer Bekannter Hesses hätte Raspe es besser wissen und sich des Mitwissers entledigen müssen. Eine solche Tat hätte vielleicht auch den Spannungsbogen noch einmal ein wenig nach oben tendieren und für Derrick mehr als ein reines Sammeln von Zeugenaussagen übrig gelassen.

Für Kneipenfans hält die Episode einige Schätzchen bereit; wer aber Folgen bevorzugt, die tagsüber und / oder in einigermaßen vorzeigbaren Verhältnissen angesiedelt sind, muss sich diesmal bei so gut wie jedem der Schauplätze abwenden. Es erinnert fast ein wenig an Brynych, wie Ashley sich genüsslich in einer schnapsgeschwängerten, nur aus schmutzigen Brauntönen zusammengesetzten Welt suhlt, lässt dabei aber den Pfiff und die besondere Rasse Brynychs vermissen. Das macht auch nicht Klaus Behrendt wett, der zwar überzeugend, aber ganz gewiss nicht mitleiderregend agiert.

Gewollt wirkende Zeigefinger-Episode mit abstoßenden Figuren und uninteressanten Settings. Durch die Langatmigkeit der Ashley-Regie bleibt nur festzustellen, dass sich „Am Abgrund“ in meinen Augen als eine der schwächsten bisherigen „Derrick“-Folgen qualifiziert. 2 von 5 Punkten.



Spezialuntersuchung, Fall 2: Regisseur Helmuth Ashley

Helmuth Ashley, geboren im September 1919 in Wien, gehörte noch zur „jungen Garde“, als er 1960 nach anfänglicher Beschäftigung als Kameramann seinen ersten Spielfilm „Das schwarze Schaf“ nach Gilbert Keith Chesterton inszenierte. Die Krimiverfilmung geriet aber so spannend, amüsant und erfolgreich, dass Ashley in Folge zu einem gefragten Regisseur des Genres aufstieg. Auch seine folgenden Beiträge, „Mörderspiel“ und „Das Rätsel der roten Orchidee“ von 1961/2, überzeugen auf ganzer Linie.

Manchmal wundere ich mich, dass Ashley diese Kreativität und Spritzigkeit für seine Fernseharbeiten gerade bei „Derrick“ meist nicht bewahren konnte. Unter den Regisseuren der Serie zählt er eher zu denen, die sich nicht richtig gegen Reineckers Übermacht zu behaupten wussten, d.h. seinen Stoffen eine unverkennbare eigene Note verliehen. Bei vielen Spielleitern weiß man instinktiv: Dieser oder jener Name wird im Abspann erscheinen, ohne vorab die Crewangaben konsultiert zu haben. Bei Ashley gestalten sich derartige Versuche schwieriger, weil er sich unscheinbarer und weniger extrovertiert an die Umsetzung machte.

Das heißt nicht, dass Ashley nur schwache Episoden zuwege brachte. Titel wie „Der Tag nach dem Mord“, „Inkasso“, „Abendfrieden“, „Ute und Manuela“, „Der L-Faktor“ oder „Unstillbarer Hunger“ haben die „Derrick“-Serie wesentlich bereichert, auch wenn sie in meinen Augen nicht zu den größten Highlights zählen, die die Box-Sets 1 bis 5 enthalten. Ashley war folglich immer dann eine gute Wahl, wenn es galt, Stoffe grundsolide, handwerklich geschickt und mit Detailverliebtheit umzusetzen.

Obwohl unter den ersten 75 Episoden ganze elf Folgen von Helmuth Ashley inszeniert wurden, gleichen sich die Wertungen von Percy Lister und mir aufs Haar aus. 3,7 Punkte verteilen wir beide im Durchschnitt, wenn der Name des ausgebildeten Fotografen in den Credits auftaucht. Das ist umso erstaunlicher, als wir uns bislang nur bei zwei Folgen („Der Fotograf“ und „Der L-Faktor“) über die Punktzahl exakt einig waren. Sechs weitere Episoden bewertete ich besser als Percy Lister und vier umgekehrt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

12.08.2012 14:22
#414 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Am Abgrund" (Folge 80)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Klaus Behrendt, Lotte Ledl, Ilse Neubauer, Dirk Dautzenberg, Anton Diffring, Rebecca Winter, Rainer Hunold, Thomas Schücke, Joachim Wichmann u.a. - Regie: Helmuth Ashley

Jakob Hesse, ehemaliger Lehrer und nunmehr Alkoholiker, streunt allabendlich um Münchens Kneipen herum. Da er meistens kein Geld hat, wird er überall hinausgeworfen, so auch in der "Nachteule". Als er plötzlich einen Streit im Lokal hört, sieht er genauer hin und wird Zeuge des Mordes an einer ihm bekannten jungen Frau, die sich als Prostituierte verdingt. Vor der Polizei schweigt er jedoch darüber, da der Wirt Raspe ihn mit Schnäpsen ruhigstellen will....

Der Vergleich mit "Ein Funken in der Kälte" ("Der Kommissar", Folge 62/1973) drängt sich förmlich auf und wirft einen düsteren Schatten voraus. Wieder einmal sieht man Klaus Behrendt heruntergekommen und "fern der Heimat". Er hat das bürgerliche Milieu seines beruflichen Umfelds verlassen und ist bei einer Bekannten untergekrochen (die resche Lotte Ledl, die ich immer gerne sehe, überzeugt hier ebenso wie der knarzige Konrad Georg als entrüsteter Mieter).
Interessant erscheint in dieser recht dünnen Folge allenfalls Derricks Suche nach dem Zeugen Hesse; sein Auftreten bei dessen Ehefrau wirkt wie das Überbringen einer Todesnachricht und das seltsame Unverständnis der Polizeibeamten für die Unfähigkeit der Frau, mit einem Alkoholiker den Alltag zu teilen, wirkt überaus naiv.
Die unsympathische Gruppe, die das Gasthaus bevölkert, setzt sich aus den üblichen Verdächtigen zusammen und bietet mit dem unterkühlten Zyniker Anton Diffring, dem noch unbedeutenden Rainer Hunold und dem abgeklärten Dirk Dautzenberg den Hintergrund für ein Laisser-faire, das typisch für diese Spelunken ist.
Neueinsteiger bei "Derrick" ist Thomas Schücke, der mit seiner Rolle in der Familienserie "Diese Drombuschs" zum Buhmann der Nation werden sollte, als er in angetrunkenem Zustand Marion Kracht über den Haufen fuhr und sie dabei ihr ungeborenes Kind verlor.
Was bleibt Derrick anderes zu tun, als sich an Hesses Fersen zu haften und ihn durch seine Stammlokale zu begleiten? Im Gegensatz zu seinem Kollegen Keller, der Flüssigem und Rauchförmigem selbst nicht abgeneigt war, sorgt der Oberinspektor jedoch für Abstinenz und treibt den Augenzeugen damit in die Höhle des Löwen, wo der Tathergang für Kopfschütteln sorgt. Ganz beiläufig wird hier ein Mensch erstochen, den man doch eigentlich beschützen wollte, aber, so ist es nun mal, wenn man gerade hinter einem Herd steht und eine Schürze umgebunden hat. Keine Emotionen, kein Ausrasten. Ein sauberer Mord nach Reineckers Lehrbuch. Aber eben wie ein Lehrbuch aus den Achtziger Jahren: verstaubt, fade, ohne Schmiss. Und so distanziert, dass man sich nach dem Abspann nur mehr an den überzeugend aufspielenden Behrendt erinnert.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

12.08.2012 14:40
#415 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

BEWERTET: "Kein Garten Eden" (Folge 81)
mit: Horst Tappert, Fritz Wepper, Markus Boysen, Ellen Schwiers, Thomas Holtzmann, Rita Russek, Michael Degen, Holger Petzold, Ulli Chival, Willy Schäfer - Regie: Günter Gräwert

Ingo Rolfs, der Stiefsohn eines Modekaufmanns in Rente, meldet sich bei der Kriminalpolizei, um von zwei Morddrohungen zu berichten, die der verhasste Stiefvater per Post erhalten hat. Als der junge Mann von Harry Klein nach Hause gebracht wird, finden sie dort die Leiche von Rudolf Voss, der erschossen im Wohnzimmer liegt. In seiner erst vor kurzem geschlossenen Ehe mit der Mutter von Ingo kriselte es bereits, da er ein Verhältnis mit seiner Nachbarin hatte. Als Mörder kommen somit ein eifersüchtiger Ehemann, eine hintergangene Ehefrau und ein feindseliger Stiefsohn in Frage. Und was ist mit Vater Rolfs, einem Musiker, der nach der Scheidung noch tiefer in seine Drogenabhängigkeit rutschte?

Nach dem Abstecher in die muffige Atmosphäre der Bahnhofslokale in Folge 80 führt uns Günter Gräwert bei seinem "Derrick"-Debüt in das vornehme Ambiente der gehobenen Mittelschicht, wo alles gepflegter und distinguierter wirkt, auch, wenn sich unter der polierten Oberfläche Langeweile breitmacht.
Wenigstens gibt es wieder ein paar neue Eindrücke über Derricks Gepflogenheiten. So erfahren wir, dass er das Büro mit der Nummer 311 im dritten Stock des Polizeikomplexes bewohnt und sehen mit Belustigung, dass sich Berger, Klein und Derrick nach ihrem Abschied vor einer halben Stunde beim Eintreffen am Tatort mit Händedruck begrüßen. Dafür erleben wir mit Thomas Holtzmann in der Rolle des Mordopfers die erste Enttäuschung der Episode. Wenn man ihn zwischen hektischen Modells und Stoffbahnen erlebt, wenn man sieht, wie er ein Kleid zu Boden fallen lässt und es -immerhin seine Handelsware- nachlässig über eine Stange wirft, so bekommt man einen Vorgeschmack auf seinen Charakter. Sein Alter ego findet er deshalb nicht in der tüchtigen Direktrice des Hauses, sondern in der nicht berufstätigen Ehefrau seines Nachbarn. Die Unruhe, die ihn beherrscht, die unbändige Gier nach Lust, die seinem zerfurchten Gesicht eine Note der Verkommenheit verleiht, erinnert an die Figur des Werner Preuß in "Der Alte: Verena und Annabelle". Sein Gegenspieler ist der gebürtige Chemnitzer Michael Degen, der aufgrund seiner Anfänge beim Theater und der Zusammenarbeit mit bekannten Regisseuren wie Ingmar Bergman und Claude Chabrol eine unaufdringliche Weltgewandtheit verkörpert. Er gibt in "Kein Garten Eden" seinen "Derrick"-Einstand und ich freue mich auf weitere Auftritte mit ihm. Ebenfalls zum ersten Mal tritt Rita Russek auf, die ausgeruht und leger wirkt, verbringt sie ihre Tage doch beschaulich bei Musik und Zigaretten. Das Fazit, das Derrick am Ende zieht (die Suche nach Liebe) ist mehr als deplaziert und wirkt wie eine unbeholfene Entschuldigung für das seichte Drehbuch, das Gräwert gegen Ende komplett an die Wand fährt. Die Figur, die Holger Petzold zu zeichnen versucht, wirkt wie eine Karikatur und selbst Boysen windet sich vor Scham. Ellen Schwiers spielt tapfer gegen die Vorlage an und bildet das Rückgrat der Folge; man wundert sich immer wieder, mit welchen Männern sich selbständige Frauen umgeben.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

12.08.2012 17:30
#416 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Kein Garten Eden

Episode 81 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Günter Gräwert. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Markus Boysen (Ingo Rolfs), Ellen Schwiers (Nadine Voss), Thomas Holtzmann (Rudolf Voss), Rita Russek (Ute Reber), Michael Degen (Ullrich Reber), Holger Petzold, Ulli Chival, Eva Röder u.a. Erstsendung: 13. März 1981, ZDF.

Zitat von Derrick: Kein Garten Eden
Die Suche nach Liebe und Zuneigung geht merkwürdige Wege. Manchmal provoziert sie sogar einen Mord – wie in dem Fall Rudolf Voss, der erschossen in seiner Wohnung aufgefunden wird. Als Verdächtiger meint Ingo Rolfs, sich bereits im Vornherein ausgeschlossen zu haben, denn von den Drohbriefen, die sein gehasster Stiefvater erhielt, hat er der Polizei ja erzählt. Trotzdem gerät er in den Fokus der Ermittlungen, die mehrere Beziehungensdramen aufdecken und selbst Derrick an die Nieren gehen.


Mit Günter Gräwert einen neuen Regisseur in der „Derrick“-Riege begrüßen zu dürfen, erfreut vor allem in der Hinsicht, dass sich nur etwa ein halbes Dutzend Spielleiter ständig gegenseitig die Klinke zum Polizeipräsidium in die Hand geben. Frischer Wind tut da immer gut, zumal Gräwert sich bereits seit 1978 in der Bruder-Serie „Der Alte“ bewährt und auch einige andere interessante Referenzen, so zum Beispiel zwölf Folgen aus der Frühphase von „Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger“, auf dem Konto hatte. Gräwerts Regie überzeugt auch in seinem „Derrick“-Debüt. Nicht etwa, weil er der Folge eine nagelbeißende Spannung verlieh. Die sucht man in „Kein Garten Eden“ vergebens – nicht jeder „Derrick“ ist ein Sensationsreißer. Sondern weil ihm besonders an einem hohen Grad an Realitätsnähe gelegen war, die manche anderen Folgen, die sich nur auf Reinecker-Fantasien beschränken, vermissen lassen. Kleine Kniffe sind es, die mich für „Kein Garten Eden“ einnehmen: Derrick stolpert über die Schuhe von Ute Reber, beim Heiratsantrag fällt das Kleid vom Bügel, Nadine Voss greift versehentlich nach der falschen Handtasche. Die Liste könnte fortgeführt werden, schafft aber bereits einen guten Überblick über den Detailreichtum, der einen hier erwartet.

Wie bereits erwähnt, ergibt sich die fesselnde Aura der Folge nicht aus ihrem Spannungsbogen. Präsentiert wird vielmehr ein recht typisches Familiendrama, das sich nach und nach familienübergreifend in einem ganzen Mehrparteienhaus ausbreitet, immer wieder Rückblenden nötig macht und mit diesen ausgereifte, wenngleich nicht unbedingt liebenswerte Charaktere zeichnet. Derrick stellt am Ende in einer ausgefallen wirkenden Rede fest, dass alle Protagonisten in gewisser Weise Opfer darstellen. Ähnlich könnte man argumentieren, dass sie ebenfalls Täter sind, die ihre eigenen Gelüste über ein fruchtbares Zusammenleben stellen. Percy Lister hat in diesem Zusammenhang die Rolle, die Thomas Holtzmann spielt, treffend analysiert. Täter sehe ich aber auch woanders, z.B. im Part von Ellen Schwiers. Im Gegensatz zu Folge 80 war der (erste) Mann von Nadine Voss eben noch kein Wrack im Drogensumpf, den sie verlassen musste, um sich nicht mit seinen Lastern abgeben zu müssen. Es wird eindeutig gesagt, dass sie sich nur ihrem Chef zuwendet, weil ihr ihr erster Mann als Musiker nicht genug bieten konnte (wahrscheinlich hat sie ihn wegen seines künstlerischen Berufs geheiratet und dann festgestellt, dass das eine brotlose Kunst ist) und sie sich von ihrem Arbeitgeber mehr versprach. Nach Liebe sah das zu keinem Zeitpunkt aus, sondern nach purer Berechnung. Mit diesem Schritt aber trieb Nadine Voss Herrn Rolfs erst in den Zustand, in dem er sich in der Folge – ein wenig überdeutlich gezeigt – befindet.

Die Konstellation Holtzmann – Boysen erinnert stark an „Steins Tochter“, wobei ich nicht weiß, welche der beiden Folgen ich als die stärkere ansehen soll. Beide sind auf einem ähnlichen Niveau angesiedelt und halten für die beiden Darsteller ähnliche Rollen bereit. Boysen tritt hier zwar augenscheinlich etwas unsicherer auf, vertritt aber unter der Oberfläche ebenso feste, bei genauerer Betrachtung sogar noch sturere Vorstellungen als in Folge 44. Deshalb finde ich die Szene unlogisch, in der er Stephan und Harry beim Suchen der Drohbriefe hilft, obschon er gleich beim ersten Blick auf die Briefe bemerkt haben musste, dass sein Vater diese geschrieben hatte.

Die Liebesgeschichte lässt Raum für Spekulationen, formuliert nicht alle zwischenmenschlichen Beziehungen und Streben deutlich aus. Sie setzt auch nicht auf kriminalistischen Suspense oder gar auf Folgerichtigkeit bei der Enttarnung des Täters, obwohl sie zu großen Teilen aus Verdächtigenbefragungen besteht. Meinen Geschmack hat sie dennoch getroffen, daher 4 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

12.08.2012 20:03
#417 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Ganz so brotlos kann die Kunst von Herrn Rolfs nicht gewesen sein, hat er doch mehrere Schallplatten veröffentlicht.

Blap Offline




Beiträge: 1.128

13.08.2012 09:41
#418 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"


Derrick - Collector's Box 9 (Folgen 121-135)

Folge 130 - Schwester Hilde (Deutschland 1985)

Besuch aus Hamburg

Anita Henk (Susanne Uhlen) arbeitet in Parfümerie, die junge Frau ist vor einiger Zeit aus Hamburg geflüchtet, hat in München ein neues Leben angefangen. Plötzlich steht ihr ehemaliger Zuhälter Kusich (András Fricsay) vor ihr, er will sie zurück an die Elbe holen. Sofort setzt sich Anita mit Laienschwester Hilde (Inge Meysel) in Verbindung, mit deren Hilfe sie aus der Zwangsprostitution entkommen konnte. Schwester Hilde fliegt am umgehend nach München, sie will Kusich zur Rede stellen. Freilich denkt der Zuhälter gar nicht daran seine Beute aus den Krallen zu lassen, Anita suchte ihn bereits im Hotel auf und hat Prügel bezogen. Derweil setzt die verzweifelte Anita die Familie ihres Freundes Kurt Born (Ekkehardt Belle) in Kenntnis, Verleger Born (Klaus Abramowski) und seine Gattin (Lis Verhoeven) kommen mit dem überraschenden Geständnis nicht klar. Am nächsten Morgen finden Reinigungskräfte den toten Kusich in seinem Zimmer, der am vorherigen Abend zunächst Besuch von Anita und später von Schwester Hilde hatte...

Inge Meysel überzeugt als mutige und zielstrebige Schwester, ohne Angst bietet sie dem abgebrühten Kriminellen die Stirn. Dennoch zeichnet das Drehbuch keinen makellosen Engel, Hilde entwickelt Muttergefühle für Anita, versucht ihren Schützling zu steuern. Offenbar benötigt Anita Henk einen entsprechenden Richtungsweiser, ohne fremde Hilfe kann sie ihrem Peiniger Kusich nichts entgegensetzen. Susanne Uhlen schaut hilflos aus ihren traurigen Rehaugen, mutet wie die ideale Besetzung für eine passive Opferrolle an. András Fricsay zieht in der ihm zur Verfügung stehen Spielzeit alle Register, ekelhafter kann man die Rolle des Zuhälters kaum interpretieren. Bereits die geschmacklose Kleidung samt groteskter Frisur drängt den Zuschauer in Richtung Abscheu. Die erschreckend kalt-brutale Mißhandlung der wehrlosen Anita, garniert mit zynischen Bemerkungen seitens des Sadisten, lässt Kusich endgültig zum perversen Monstrum werden. Familie Born -offensichtlich eine Sippe aus der sozialen Oberschicht- lässt Anita ohne Not fallen, mit einer Prostituierten kann man sich nicht abgeben, als zukünftige Schwiegertochter ist Anita untragbar geworden. Klaus Abramowski zeigt als Familienoberhaupt eine ähnliche Kälte wie der Zuhälter, Lis Verhoeven bleibt im Hintergrund, Ekkehardt Belle ringt mit seinen Gefühlen.

Sämtliche Charaktere bedienen Klischees. Das hilflose und mißhandelte Mäuschen, die resolute Laienschwester, der abstossende Lude. Obendrauf die braven Bürger aus gutem Hause, gefangen in spiessiger Engstirnigkeit. Frischen Wind hat "Schwester Hilde" nicht zu bieten, darüber hinaus ist die Lösung des Falles eher unkreativ. Die Folge lebt von den überzeugend agierenden Schauspielern, treffender als hier kann man entsprechende Charaktere nicht besetzen. Inge Meysel und der aufrechte Gang, ein Plädoyer für Courage und Beharrlichkeit! Horst Tappert und Fritz Wepper erledigen ihren Job mit Routine, Inge Meysel sorgt für die nötigen Ecken und Kanten. Regie führte der bewährte Theodor Grädler, weniger überzeugend tönt die Musik von Max Greger junior, der den Abspann mit völlig unpassenden Klängen zukleistert. Sicher keine allzu packende Geschiche, Autor Herbert Reinecker bestellt den Acker weitgehend ohne Risiko, dank der hochklassigen Besetzung bewegt sich der Unterhaltungswert in höheren Sphären.

7/10 (gut)

***

Vom Ursprung her verdorben

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

14.08.2012 13:20
#419 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten



Derrick: Eine ganz alte Geschichte

Episode 82 der TV-Kriminalserie, BRD 1981. Regie: Zbynek Brynych. Drehbuch: Herbert Reinecker. Mit: Horst Tappert, Fritz Wepper sowie: Mathieu Carriere (Arne Reuter), Elisabeth Wiedemann (Andrea Answald), Herbert Fleischmann (Alfred Answald), Verena Peter (Almuth Answald), Sascha Hehn (Erwin Answald), Gisela Fischer (Jane Robbins), Hans-Dieter Asner (Oberstaatsanwalt) u.a. Erstsendung: 27. März 1981, ZDF.

Zitat von Derrick: Eine ganz alte Geschichte
Unvermittelt sehen sich Stephan und Harry mit einer ganz alten Geschichte konfrontiert: Ein Mann namens Arne Reuter besteht auf der Wiederaufnahme eines Mordfalls, der sich 1946 an seinem Onkel auf der Flucht von der sowjetischen in die amerikanische Besatzungszone ereignete. Reuter verdächtigt den Fluchthelfer Alfred Answald, seinen Onkel erschlagen zu haben, um sich in den Besitz des Familienschmucks zu bringen. Mit einer perfiden Taktik setzt er Answald zu.


Die Besprechung enthält leichte Spoiler.

Über Mathieu Carriere habe ich sicher schon einiges Abfälliges geschrieben. In Anbetracht der Performance, die er in diesem 82. „Derrick“ hinlegt, bin ich mir unsicher, ob ich das Gesagte revidieren oder vollauf bestätigt sehen soll. Er spielt seine abstoßende Rolle nämlich mit großer darstellerischer Brillanz, ganz auf den Punkt und sicher so, wie Herbert Reinecker sich den jungen Arne Reuter vorgestellt hat: Die Figur ist ein Gerechtigkeitsfanatiker, der das Prinzip von Gerechtigkeit noch nicht ganz verstanden hat. Er glaubt, sie müsse ihm selbst dienen und nicht dem Allgemeinwohl; er erkennt keine Autoritäten an, setzt sich mehrfach über Derricks Anordnungen hinweg und entpuppt sich, je weiter die Episode voranschreitet, umso mehr als selbstgerechter Intrigant und böse gesinnter Racheengel.

Kein Wunder also, dass man in seinem Gegenspieler Herbert Fleischmann, erneut den Sympathen der Folge sieht und sich damit sogar sicher ist, auf der Seite des Mörders zu stehen. Fleischmann zieht ebenfalls alle Register und liefert eine eindrucksvolle Verfallsstudie. Horst Tappert hält sich angesichts der großen Gastdarstellerleistungen, zu denen auch Elisabeth Wiedemann ihren Teil beiträgt, galant-genervt im Hintergrund. Er besticht aber doch durch Mimik und Gestik im Umgang mit Reuter und seinen Kollegen sowie durch die beherrschte Bestimmtheit, die er gegenüber dem unverschämten Laienermittler an den Tag legt.

Auch wenn „Eine ganz alte Geschichte“ mit einer für „Derrick“ äußerst ungewöhnlichen Fallkonstruktion aufwartet (eine Leiche gibt es zwar, sie ist aber nicht zu sehen und befindet sich auch nicht in Derricks Reichweite, selbst die Identität des Täters kann nicht geklärt werden), so definiert die Folge doch zwei gewohnte Motive aus Reineckers Ideologiekatalog in breiter Ausführlichkeit:

Zitat von G. Walt: „Derrick und seine Fälle: Folge 82 – Eine ganz alte Geschichte“, Zauberspiegel-Online.de
Ein schönes Strickmuster von Reinecker, zu zeigen, wie ganz normale Menschen mit hohem Ansehen plötzlich in eine Lebenskrise geraten, die sie nicht mehr unter Kontrolle bringen können. Der junge Mann namens Reuter [...] betreibt einen richtigen Psychoterror, der letztlich in einer Katastrophe endet. Er wolle die Welt von Mord und Gewalt befreien, sagt er in einem Nebensatz. Ein typischer Reinecker-Satz. Ein Satz mit dem er Figuren sogar selbst zu Mördern werden lässt, weil sie in einer Welt leben, die sie mit ihrem eigenen Anschauungen nicht vereinbaren können. Es tritt ein psychologischer Konflikt auf, der sie selbst zu Mördern werden lässt. Sie befreien die Welt vom Bösen.


Interessant fallen auch einige Andeutungen im Derrick-Forum aus, die verlautbaren, es gebe am Anfang eine Rückblende in Schwarzweiß. Sollte diese etwa das Verbrechen im Jahre 46 gezeigt haben? Im DVD-Set von more ist von einer solchen Szene nichts zu finden. Der Beginn im Polizeipräsidium mutet auch tatsächlich ein wenig holprig an. Ist die Folge also, wie auch der Pilot „Waldweg“, cut?

Regisseur Zbynek Brynych leistete sich in „Eine ganz alte Geschichte“ keinen einzigen Patzer. Am ehesten erinnert die Inszenierung noch an „Tandem“, in dem Brynych erstaunlich viele Zwischentöne anbot. Konzentriert und mit der nötigen Ernsthaftigkeit leitete er die Dreharbeiten diesmal sogar so, dass eine Folge entstand, der man abgesehen von zwei – ausnahmsweise passenden – Gelächterszenen gar nicht anmerkt, dass sie nicht von Theodor Grädler stammt. In anderen Worten: „Eine ganz alte Geschichte“ liegt voll und ganz auf meiner Linie.

Von „kalter Energie“ spricht Derrick und umschreibt die Folge damit perfekt. Die Überheblichkeit, mit der Arne Reuter sich an die Entlarvung der wahren Umstände um den Tod seines Onkels macht, führt vor Augen, welches Glück das deutsche Publikum hatte, als Reinecker den besonnen-zurückhaltenden und nur still für sich selbst wertenden Stephan Derrick erschuf. Die 5 von 5 Punkten ergeben sich wie von selbst, wenn man das düstere Finale gesehen hat.



Spezialuntersuchung, Fall 3: Regisseur Zbynek Brynych

Schlechter hätte ein erster Eindruck nicht ausfallen können. Was Zbynek Brynych in seiner wilden Zeit für die Serie „Der Kommissar“ zusammendrehte, ist nur für eingefleischte Fans auszuhalten. Dem Geschwurbel aus „Der Papierblumenmörder“ (1970) folgte eine Warnung von Percy Lister, um Himmels Willen bloß auf die anderen Brynych-Folgen der Serie zu verzichten. Nur allzu gern habe ich sie befolgt.

Als ich dann erfuhr, dass Brynych, der vor dem „Kommissar“ fast ausschließlich in seinem Heimatland Tschechien arbeitete und damit keine Erfahrung auf dem Niveau hiesiger Produktionsstandards hatte, auch ein dauerhafter Bestandteil der „Derrick“-Serie war, ja sogar ganze 37 Folgen quer durch alle Jahrzehnte inszenierte, befanden sich meine Erwartungen in sehr, sehr niedrigen Regionen. Doch auch wenn er seinem Gusto vom Schmoddermilieu, der kuriosen Darstellerführung und einem, nennen wir es: nachdrücklichen, Musikeinsatz zunächst treu blieb, so hatten selbst seine ersten Anläufe für den neuen ZDF-Ermittler den großen Vorteil, dass man sie immerhin schon als handfest umgesetzte und in sich stimmige Arbeiten betrachten konnte. Übung – eingeschlossen den großen Filmerfolg „Die Weibchen“ von 1970 – macht dann eben doch den Meister.

Dass die von Brynych inszenierten Episoden unseren Geschmack zum Leidwesen von Blap oder Marmstorfer oft verfehlten, erklärt auch die niedrigen Punktzahlen, die Percy Lister und ich für die „süß-saure Karlsbader Schnitte des deutschen Fernsehens“ im Durchschnitt verteilt haben. 3,5 bzw. 3,2 Punkte und damit ein Platz gen unteres Ende der Regisseur-Liste sind im Großen und Ganzen nach 5 Boxen das Zwischenfazit.

Dieses verhindert jedoch nicht, dass Brynych auch Glanzlichter setzen konnte. Immer dann, wenn er seine exaltierte, markige Art zurückfuhr und sich auf ein starkes Drehbuch konzentrierte, gelangen ihm Folgen, die einen Fünfpunkter mehr als rechtfertigen. „Eine ganz alte Geschichte“ zählt als jüngstes Beispiel für die Entwicklung, die Percy Lister beinahe poetisch wie folgt formulierte: „Brynych mausert sich langsam vom überdrehten Jungen, der im Schlamm wühlt, zum ernsthaften Mann mit Tiefgang, der Abgründe in den Seelen seiner Figuren sucht und diese wuchtig nach oben hievt.“ – Für Brynych spricht eben, dass er sich nicht scheut, in jeder Hinsicht deutlich zu werden.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.514

14.08.2012 17:52
#420 RE: "Derrick" oder: das andere Konzept Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #419
Dass die von Brynych inszenierten Episoden unseren Geschmack zum Leidwesen von Blap oder Marmstorfer oft verfehlten, erklärt auch die niedrigen Punktzahlen, die Percy Lister und ich für die „süß-saure Karlsbader Schnitte des deutschen Fernsehens“ im Durchschnitt verteilt haben.

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