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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 3.257

28.10.2012 09:40
#316 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 36: Tod eines Ladenbesitzers
Regie: Wolfgang Staudte, mit Curt Bois, Hans Herrmann Schaufuss, Fritz Rasp, Werner Kreindl, Sigurd Fitzek, Margarethe von Trotta, Karl Obermayr, Lisa Helwig, Max Grießer u. v. a.

Herbert Reinecker zeichnet hier ein äußerst tragisches Bild einer Gesellschaftsgruppe, die ihr Leben lang gearbeitet hat und im Alter von nirgends und niemandem mehr Respekt erhält. Alte Leute, die behandelt werden wie der letzte Dreck, eingesperrt wie in einem Gefängnis, gedemüdigt von einem Direktor, der auf jedes Abweichen von der Regel mit einer Strafe reagiert. Diese Demütigung zieht sich weiter hin zu einem Ladenbesitzer und sogar zu einem Wirt, der die alten Männer nicht in seinem Lokal haben will, weil sie - ganz gegen seine Geschäftsinteressen - gar nichts oder wenig konsumieren. Ganz nebenbei wird auch die Problematik des Abgeschobenwerdens beleuchtet, wenn eine junge Frau, gespielt von Margarethe von Trotta, einen alten Mann ins Altersheim abschiebt, dieser aber nur untertänigst auf alles mit "Ja" antwortet, aber genau weiß, dass er sich hier in einer Endstation befindet.
Die Besetzung des Films ist überdurchschnittlich gut gelungen: Curt Bois präliert in der Rolle des Wortführers Ohlers und beweist, welch toller Schauspieler er war, seine "Mitinsassen" werden herrlich von Hans Herrmann Schaufuss (in leicht infantil-fröhlicher Art) und von Fritz Rasp (leider ein bisschen wenig am Wort) dargestellt. Eine Glanzleistung an der Darstellung eines unsympathischen Zeitgenossen liefert Werner Kreindl ab, der als Direktor des Altenheims allmählich kapiert, in welcher Gefahr er sich befindet und dessen skrupelloses und wohl profitorientiertes Verhalten die Taten letztlich provoziert.
Regisseur Wolfgang Staudte liefert eine beeindruckende Inszenierung ab, die durch bewusst konträre Musikuntermalung unterstützt wird und deshalb umso tragischer wirkt.
Ein harter, bewegender und an die Nieren gehender Fall für Kommissar Keller, der am Ende wenig Mitleid für das zweite Opfer empfindet, aber umso mehr Sympathie für die Täter.

Prisma Offline




Beiträge: 7.591

28.10.2012 13:23
#317 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



TOD EINER ZEUGIN (Folge 16)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Emely Reuer, Helma Seitz
Gäste: Götz George, Werner Bruhns, Joseph Vinklar, Wolfgang Spier, Renate Roland, Klaus Dahlen, u.a.



In einem Mietshaus ist ein Mord an einer jungen Frau verübt worden. Ein Freund der Toten namens Karass und der Hausmeister haben die zwei Schüsse aus ihrer Wohnung gehört und alarmieren die Mordkommission. Schnell stellt sich heraus, dass die junge Dame einen breiten Kundenstamm hatte, was den Kreis der Verdächtigen ziemlich ausweitet, und auch auf ihrem Konto befindet sich bereits eine beträchtliche Summe. Liegt hier das Motiv? Die ersten Ermittlungen lassen anhand des Notizbuches der Ermordeten auf Erpressung schließen, doch es tauchen immer neue Erkenntnisse auf...

Um es direkt kurz und schmerzlos auf den Punkt zu bringen: die dritte Kommissar-Arbeit von Regisseur Zbyněk Brynych stellt den unwirschen Tiefpunkt einer kompletten Serie dar, bei dem wirklich alle Schüsse nach hinten losgehen werden. "Tod einer Zeugin" ist bis ins kleinste Detail abstrus und derartig verworren, in Verbindung mit den eigenartigen Ideen einer impulsiven, und daher rücksichtslosen Regie sogar - um meinen persönlichen Eindruck zu schildern - unerträglich. Man kann diese Experimente so oder so sehen. Wer sagt, sie seien originell oder extravagant, dem muss ich erwidern, dass sich hier nichts als totale Unsicherheit (nicht zu verwechseln mit Inkompetenz), verschleiert durch ein Angriffsprinzip einer diffusen Regie widerspiegelt, die beinahe manische Gedankensprünge transportiert. Diese Tatsache weist für mich nicht im Geringsten eine Spur von einigermaßen gelungener Unterhaltung auf, weil eine seriale Selbstinszenierung alles überschattet, vor allem aber leider den eigentlichen Kriminalfall. Wieder einmal ist diese Episode gerammelt voll mit übertriebenem Verhalten, überspitzten Reaktionen, nervenaufreibenden Stilmitteln und grotesken Inhalten. So fällt Günther Schramm beispielsweise mit seinem unsachlichen Ermittlungsstil auf, im Duell mit Götz George würde nur noch das Ziehen seines Colts fehlen, um das lächerliche Django-Gehabe perfekt zu machen, Werner Bruhns ist als bescheidenes "Fenster zum Hof"-Plagiat zu sehen, und eine Hure die permanent diesen nervtötenden Schlager im Lotterbett laufen ließe, würde schnellstens am Bettelstab gehen müssen. Ein sinnloses, und daher über die Maßen verärgerndes, da groß angelegtes Kasperle-Theater.

Götz George spielt wahlweise Götz George, und nebenbei noch den Lebemann Manfred Karass. Ihn sehe ich ja eigentlich immer recht gerne, doch in diesem Fall ist es für mich kaum zu beantworten wie ich ihn hier überhaupt sehe. Daher trifft es wohl eher zu, dass er im Rahmen des Geforderten sehr sicher wirkt, angesichts einer im üblichen Sinne überzeugenden Darbietung jedoch versagt. Man muss allerdings wohl auch betonen, dass er sich hier dem Konzept der Regie gut angepasst hat, und diese Seite vermutlich vollends zufrieden stellen konnte (wie auch der Rest der Crew). Insgesamt sehe ich nur bei Werner Bruhns eine zufriedenstellende Interpretation, falls man es denn schafft, die Frage nach der Bedeutung gewisser Charaktere bei Seite zu schieben, der Rest ist tatsächlich Schweigen. Überflüssig ist so zum Beispiel die blutleere Renate Roland, Klaus Dahlen ist wirklich kaum auszuhalten und Joseph Vinklars Partizipation ist nun spätestens seit Georgs Erläuterungen restlos nachzuvollziehen. Was soll ich es also noch schön reden? Diese Folge hat in fataler Weise mit einer lausigen, durch die Regie zum unteren Durchschnitt verurteilten Besetzung zu kämpfen, da die Charakterzeichnungen nicht überzeugen und deren Wirkung nicht ausgeblendet werden kann. "Tod einer Zeugin" wirkt über die gesamte Spieldauer schrecklich unruhig und ziellos, die unangebrachte Hysterie nimmt schließlich den letzten Funken Ernsthaftigkeit, das alles ist wirklich nicht mit Originalität oder gar Progressivität zu verwechseln. Der Serie einen neuen Schub geben, das ist ja generell eine lohnende Aufgabe, jedoch nicht mit aller Gewalt im Prinzip eines globalen Rundumschlages, und schon gar nicht durch eine unbeholfene Reizüberflutungsstrategie. So charakterisiert der Schlager letztlich diese sechzehnte Folge und vor allem die Arbeit der Regie bis ins Detail: eine Platte mit Sprung. Um dieses ermüdende Musikstück in Endlosschleife schlussendlich zu rechtfertigen, wurde noch eine maßgeblich zur Auflösung beitragende Idee mit eingebastelt, die aber genau wie die meisten Inhalte keinen logischen Sinn ergibt. Ein positiver Nebeneffekt dieser unliebsamen Folge sei noch angemerkt, denn sie wertet "Die Schrecklichen" und "Der Papierblumenmörder" um ein vielfaches auf. Mein Fazit lautet daher: Kaum zu ertragen und mich hat dieser Verlauf um ehrlich zu sein schon beinahe aggressiv gemacht. Im Endeffekt viel zu viel Emotion für derartig sinnloses Material!

Georg Offline




Beiträge: 3.257

28.10.2012 14:17
#318 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Auch Deinen Erläuterungen zur wohl am heißest diskutierten Folge bei Der Kommissar kann ich durchaus zustimmen, Prisma.


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Folge 44: Die Tote im Park
Regie: Wolfgang Staudte, mit Martin Held, Heidelinde Weis, Siegfried Lowitz, Siegfried Wischnewski, Ethel Reschke, Willy Semmelrogge, Manfred Spies u. v. a.

Diese Folge muss für den Produzenten Helmut Ringelmann eine ganz besondere gewesen sein, spielte doch sein Lehrer und großes Idol Martin Held darin die männliche Hauptrolle. Selten genug holte der Münchner Produzent den großen Charakterschauspieler vor die Krimikamera, seine Auftritte bei der NMF lassen sich auf einer Hand abzählen, auch wenn er sicherlich öfter auch für die eine oder andere Besetzung geplant war, wie als Herr Weingarten im Krimi-Klassiker Babeck, der dann von Siegfried Lowitz gespielt wird. Letzterer gibt sich auch in Die Tote im Park die Ehre und hat hier eine besonders herausfordernde Rolle, spielt er doch 90% seines Auftritts in einem Sessel sitzend. Die Geschichte rund um die junge Frau Halonde, die gemeinsam mit ihrer Schwester (gute Wahl: Heidelinde Weis) auf den Strich geht, ist sicherlich nichts Neues und so oder so ähnlich später bei Reinecker noch mehrfach vorgekommen, die Ermittlungen des Kommissars im Umfeld der Toten gestalten sich aber doch recht spannend und es werden einige Verdächtige präsentiert, die alle ein Motiv gehabt hätten. Siegfried Wischnewski als Nachtclubbesitzer ist mal was Neues, für mich spielt dieser tolle Darsteller fast ein bisschen zu wenig verrucht, dafür ist seine verlebte Frau wunderbar dargestellt von Ethel Reschke. Helds ruhige Performance lässt in vielen Szenen wenig Platz für weitere Darsteller und bleibt einprägend. Die Inszenierung ist passabel, die Auflösung samt Rückblende gelungen. Eine recht interessante Folge.

Georg Offline




Beiträge: 3.257

29.10.2012 16:03
#319 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 42: Ein rätselhafter Mord
Regie: Wolfgang Staudte, mit Maria Wimmer, Herbert Fleischmann, Dieter Borsche, Thomas Astan, Eva-Ingeborg Scholz, Manfred Seipold u. v. a.

Diese Episode präsentiert eine Reihe von Verdächtigen und wird von Herbert Reinecker dazu gut genutzt, das private Umfeld und die Neigungen der einzelnen Verdächtigen zu präsentieren (und zu hinterfragen) (etwa die 15jährige, die raucht und sich in der Wohnung allein mit einem Freund "vergnügt") oder sicherlich damals real existierende Missstände aufzuzeigen, wie den Mann, der sich als großer Samariter darstellt, weil er zwölf armen Arbeitern aus Anatolien in einem Zimmer mit Fenster zum Hof Unterschlupf gewährt, weil sie ja "anständige Leute sind".
Kommissar Keller löst den rätselhaften Mord an einem einzigen Abend und muss folglich an diesem Tag erstmals und einmalig auf die Hilfe von Robert verzichten, der diesmal nicht mit dabei ist. Harry (mit selten dämlicher Frisur!) begleitet den Kommissar zwischendurch in einen Beatschuppen, der natürlich in einer typischen" Kommissar-Folge nicht fehlen darf.
Die schauspielerischen Leistungen sind sehr gut. Besonders stechen natürlich Herbert Fleischmann als "Wohltäter" und Maria Wimmer als "mutterhafte Glucke" hervor. Das Motiv des Täters ist hingegen recht unglaubwürdig. Wie psychisch labil und krank muss jemand sein, der deshalb einen Mord begeht? Naja, Herr Reinecker, da hatten wir aber schon weitaus bessere und glaubwürdige Motive. Die tadellose Inszenierung Wolfgang Staudtes lässt aber darüber hinweg sehen. Eine ganz gute Folge der Serie.

Prisma Offline




Beiträge: 7.591

29.10.2012 17:05
#320 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten



PARKPLATZ-HYÄNEN (Folge 17)

mit Erik Ode, Günther Schramm, Reinhard Glemnitz, Fritz Wepper, Helma Seitz
Gäste: Marianne Hoppe, Werner Pochath, Ida Krottendorf, Johannes Heesters, Fred Haltiner, Günther Neutze, Eva Mattes, u.a



Auf einem abgelegenen Autobahn-Parkplatz wird ein Mann von maskierten Ganoven beraubt und plötzlich niedergeschossen. Als die Kriminalpolizei am Tatort eintrifft, kann der schwer verletzte Mann vor seinem Tod noch Auskünfte über den Wagen, mit dem die Täter flüchteten, und über das Kennzeichen des Fahrzeuges geben. So führt die Spur in eine allgemein bekannte Wohngegend und direkt zu einer Familie namens Boszilke. Kommissar Keller staunt nicht schlecht, als alle seine Verhörtaktiken an der renitenten Sippe abprallen und zweifelhafte Alibis auftauchen...

Wie muss man - so frage ich mich ernsthaft - die klassischen Brynych-Folgen mit all ihren zahlreichen, grotesken Ideen eigentlich betrachten, um positive Schlüsse ziehen zu können? Logik kann man gleich ausschließen, so viel ist klar, aber sollen diese Elemente tatsächlich als versteckte Hinweise funktionieren oder sogar Ablenkungsmanöver darstellen? Eine trübe Angelegenheit. "Parkplatz-Hyänen" startet jedenfalls ungewöhnlicherweise als sehr greifbarer Fall, der mit seinen ungeschönten Schauplätzen und der teils düsteren Atmosphäre bei der Stange halten kann. Die Regie übt sich hier in Zurückhaltung, das heißt, sie trägt nur halb so dick auf (was vergleichsweise wohl trotzdem eine dreifache Potenz gegenüber anderen darstellt), was letztlich die Aufmerksamkeit positiv begünstigt. Die Hypothese, ob eigentlich etwas übrig bliebe, wenn man den Inszenierungen die ganzen Spielereien einmal abziehen würde, ist daher recht spannend. Bliebe eine solide oder eine durchschnittliche Kriminalgeschichte? Ich persönlich tendiere zu Letzterem. Die schwer überladenen Inszenierungen deuten auf die verdächtige Methode hin, dass man sich mit allen verfügbaren Mitteln abgrenzen wollte, koste es was es wolle. In dieser Strategie sehe ich eine mangelhafte Flexibilität und einen einseitigen, sehr stark begrenzten (in diesem Fall tatsächlich schnellstens ausgeschöpften) Ideenreichtum. Daher ist die Brynych-Trickkiste allerhöchstens auf den ersten Blick relativ interessant, wobei sich aber umgehend herausstellt, dass diese Empfindungen nicht lange aufrecht erhalten werden können. Dafür fehlt einfach gänzlich die Fähigkeit, eine inszenatorische Mehrfachanforderung (mit gleich hohem Niveau in allen Bereichen) glaubhaft zu gestalten. Der Verlauf der "Parkplatz-Hyänen" kippt leider wieder um, und man bekommt schnipselartig zusammengefügte Inhalte aufgetischt, die auf Dauer nur folgendes beweisen, nämlich dass der Geduldsfaden wirklich kein Drahtseil ist.

Im Zentrum der Story steht wieder einmal nicht der Kriminalfall an sich, sondern eine bestimmte Person, hier in Form von Marianne Hoppe als Übermutter der kompletten Bagage. Frau Boszilke fährt immer schwerere Geschütze auf und ihr Verteidigungsprinzip ist der diffuse Angriff, der sich gegen alle externen Beteiligten richtet. Gerade in diesem Charakter erkennt man frappante Parallelen zur Regie. So haben ihre teils grellen Ablenkungsmanöver sogar noch Erfolg, was man besonders im Zusammenspiel mit einer genervten und später gekränkten Fräulein Rehbein deutlich erkennen kann. Marianne Hoppe interpretiert die durch und durch gewöhnliche, oder sogar einfältige Frau, die im Endeffekt ein von Grund auf gutmütiger Mensch zu sein scheint, recht überzeugend, wenn man von der entsprechenden Anforderung ausgeht. Ansonsten ist ihre Masche oft weniger nachvollziehbar und ihr Handeln und das Hau-drauf-Gehabe wird für den Zuschauer anstrengend. Persönlich habe ich sie schon dutzendfach besser gesehen. Johannes Heesters spielt nur eine unauffällige Nebenrolle. Es ist erstaunlich, wie durch die universelle Konzentration auf nur einen Charakter immer wieder so viel Potenzial liegen gelassen wurde, was sehr schade ist. Werner Pochath und Fred Haltiner runden die Sippschaft mit ihren einheitlichen Charakteren zufriedenstellend ab, ja und der Rest der Crew musste sich offenbar auch dem Willen der Regie beugen. Glücklicherweise hat die ganze Geschichte noch ein paar nette Wendungen zu bieten, stellt insgesamt zwar lange noch nicht zufrieden, aber verlangt auch nicht so viel Geduld ab wie der Vorgänger. In der Integration des beispielsweise vollkommen überflüssigen Gitarrenspielers sehe ich übrigens einen plumpen Versuch der Regie, an die höheren kognitiven Fähigkeiten des Zuschauers zu appellieren, nämlich im Dschungel der Störfaktoren das Wesentliche herausfiltern zu können. Aufmerksamkeit kann man allerdings auch professioneller und vor allem nachhaltiger bahnen und auf sich ziehen. "Parkplatz-Hyänen" wird insgesamt, wenn auch nur bedingt, durch seine Darsteller aufgewertet, der eigentlich herkömmliche Kriminalfall wird eher zur Milieustudie getrimmt und die Unterhaltung hielt sich daher auch wieder einmal deutlich in Grenzen.

Giacco Offline



Beiträge: 2.488

29.10.2012 19:31
#321 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Und so beurteilte die TV-Kritik (Bild und Funk) diese Folge:
Gut wie immer
Gut fotografiert, hervorragend gespielt, phantastisch besetzt.
"Der Kommissar" wird von Folge zu Folge besser.
Marianne Hoppes ausdrucksvolle Eine-Frau-Show war allein das Zuschauen wert.
Bei solchem Aufgebot bester Schauspieler kann nichts schiefgehen.
Ein Vergnügen für den Krimifan und den Theaterfreund.

brutus Offline




Beiträge: 13.029

29.10.2012 22:14
#322 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Interessante Kombination: Krimifan und Theaterfreund.
Auch der TV-Kritiker hat erkannt, Marianne Hoppe degradiert den Rest des Casts fast schon zu Stichwortgebern.
Die dann allerdings auf hohem Niveau agieren.
Offensichtlich war der zuständige Redakteur ein Brynych-Fan.

Viele Grüße
Brutus

Georg Offline




Beiträge: 3.257

30.10.2012 09:36
#323 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Die gewaltige Dominanz Marianne Hoppes habe ich ja auch schon in meinem Kommentar bemerkt, dagegen kommen die anderen Schauspieler gar nicht an...

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Folge 70: Die Nacht mit Lansky
Regie: Erik Ode, mit René Deltgen, Heli Finkenzeller, Eckart Dux, Ruth Hausmeister u. v. a.

Die Folge Die Nacht mit Lansky ist eine der beeindruckendsten und einprägsamsten der gesamten Serie. Nicht nur, weil die Dramaturgie eine gänzlich andere ist - man könnte fast sagen, man sucht nicht den Täter, sondern das Opfer -, sondern weil das Zusammenspiel der beiden Protagonisten René Deltgen (in seinem einzigen Ringelmann-Auftritt!) und Erik Ode so ungeheuer gut funktioniert. Eine Folge zuvor, wurde nach den Dreharbeiten zu Episode 69 Ein Anteil am Leben ein großes Fest zu Erik Odes 63. Geburtstag gegeben, das Ullrich Haupt, Odes alter WG-Genosse von vor dem Krieg, diese Folge inszenierte, war ein Geburtstagsgeschenk Ringelmanns (der das ja öfter machte, etwa bei der Der Alte-Episode Alte Kameraden, wo er für Siegfried Lowitz Bernhard Wicki in die Episode holte). Ein weiteres Geschenk dürfte die Inszenierung dieser Folge und die Besetzung des Gegenparts mit dem großen René Deltgen gewesen sein. Paul Temples sonorige Stimme spielt einen Mann, der durch Pech im Alter seinen Job an einen Jüngeren verliert (ein heute noch um so brisanteres und leider aktuelles Thema!) und der keine Anstellung mehr findet, aus Scham aber nach außen weiterhin den Vertreter gibt und aus Wut vom rechten Weg abkommt. Diese "Ablenkung" mündet schließlich in einem Mord. Die Verhörszenen zwischen Herbert Keller und Heinz Lansky sind ein großes Vergnügen für die Zuseher und gestalten sich zu einem spannenden Nervenduell. Genial, wie Keller dem nervösen Nachbarn Robert Heines' ein Detail nach dem anderen entlockt. Die großartige Darstellung der beiden Hauptakteure lässt auch noch Platz für einige gut besetzte Nebenrollen, etwa die sympathische Heli Finkenzeller als Frau Lansky oder den tollen Polizeifunk ruft- bzw. Hamburg Transit-Ermittler Eckart Dux.
Fazit: eine immer wieder sehenswerte Episode und eine der besten Folgen der gesamten Serie!

Georg Offline




Beiträge: 3.257

31.10.2012 09:24
#324 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 77: Ohne auf Wiedersehen zu sagen
Regie: Jürgen Goslar, mit Heinz Reincke, Wolfgang Wahl, Bernd Herberger, Katharina Seyferth u. a.

Kriminalistisch bietet diese Folge nicht wirklich ein Highlight der Reineckerschen Ideenvielfalt. Der Autor nutzt die Kriminalhandlung vielmehr dazu, das Porträt eines Vaters zu zeichnen, der verzweifelt auf der Suche nach seiner Tochter ist. Heinz Reincke charakterisiert diesen Typen sehr gut, allerdings gestaltet sich die Kneipentour durch Schwabing nicht gerade spannend und zügig, was weniger der Regie, als der Geschichte anzulasten ist. Überhaupt ist es mehr als seltsam, dass der junge Mann, der mit der verschwundenen Tochter befreundet war, sein Wissen erst nach einer Dreiviertelstunde preisgibt und das Mädchen somit – obwohl er sie liebt und weiß, wo sie ist – in Gefahr lässt. Wolfgang Wahl, ein hervorragender Darsteller, gibt glaubwürdig den skrupellosen Zuhälter, eine Paraderolle für den sympathischen Schauspieler. Ansonsten hat Regisseur Jürgen Goslar hier eher unbekanntere Schauspieler versammelt, was dem Kommissar-Besetzungsspektrum aber auch nicht schlecht tut, denn die unverbrauchten Gesichter bringen mit sich, dass die Typen nicht vorbelastet sind. Goslar, der immer Lust auf Neues hatte, immer Willen zu Veränderung, zeigt uns dafür einige Facetten, die wir so noch nie und dann auch nie wieder in der Serie gesehen haben. Da ist etwa erst- und einmalig die Tür hinter dem Kellerschen Schreibtisch geöffnet und zeigt uns, wie es ungefähr dahinter aussieht, später darf Robert sogar – auch einmalig – durch diese Tür ins Büro seines Chefs kommen. Dann erleben wir Herrn Keller durch das Aquarium fotografiert, wie er bei selbigen den Wasserzufluss regelt und sich die Fische betrachtet und es gibt noch eine besondere Kameraeinstellung: Jürgen Goslar filmt von draußen, praktisch aus der bodenfreien Perspektive ins Kommissar- und in der gleichen langen Einstellung ins Assistenten-Büro durch die Fenster. Diese Einstellungen bringen interessante Nuancen in die Folge und in die Serie, zeigen die wohlbekannten Arbeitsräume einmal anders. Jürgen Goslar hat mir darauf angesprochen damals erzählt: „Ich war da der erste, der mal die Fenster aufgemacht. Am liebsten hätte ich die Möbel ja umgestellt, aber das durfte man nicht“. Auch andere – oft in einem durchgedrehten Einstellungen – sind originell, wie jene vor dem pathologischen Institut.
Insgesamt ist Ohne auf Wiedersehen zu sagen auf Grund der Story eine eher mittelmäßige Angelegenheit, die originelle Inszenierung macht die Folge dennoch sehenswert.

Georg Offline




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01.11.2012 10:08
#325 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 33: Lagankes Verwandte
Regie: Wolfgang Becker, mit Josef Meinrad, Ralf Schermuly, Susanne Uhlen, Konrad Georg, Hannes Kaetner u. v. a.

Wolfgang Becker zeigt auch hier wieder sehr viel Gespür für eine spannende Krimieröffnung. Die Bildgestaltung, die Musikuntermalung, die Aneinanderreihung der Szenen machen Lust auf ein spannendes Vergnügen. Seltsamerweise sind die ersten 10-12 Minuten vollkommen synchronisiert worden, was leider ein Störfaktor ist. Die Besetzung Josef Meinrads als Lagankes Bruder ist sicherlich gelungen, ebenso erfreuen Ralf Schermuly, Susanne Uhlen und Konrad Georg als "stolzer" Nachbar, der den Einbruch entdeckt, in den weiteren Parts. Trotz einer sehr guten Inszenierung und moderner Musikuntermalung (erneut zeigt sich hier das Beckersche Feingefühl), gelingt es der Episode dann aber nicht, mit der tollen Eröffnung mitzuhalten. Die Geschichte rund um den Mord und die gegenseitigen Beschuldigungen beginnt sich dann doch etwas zu ziehen. Auch wenn diese Episode - wie die meisten Becker-Folgen - nur 55 Minuten dauert, hat sie zwischendurch ihre Durchhänger, was wohl den teilweise drögen und sich wiederholenden Reinecker-Dialogen anzulasten ist.
Übrig bleibt eine Episode, die aufgrund ihrer Inszenierung und Musikuntermalung vor Modernität strotzt und sich daher natürlich von konventionellen Folgen etwas abhebt, andererseits aber nicht gerade mit der besten Geschichte aufwartet.



Folge 96: Der Held des Tages
Regie: Dietrich Haugk, mit Claus Biederstaedt, Sonja Sutter, Johannes Schaaf, Hans Helmut Dickow, Gottfried John u. v. a.

Dietrich Haugk, der immer für besonders spannende und treffende Inszenierungen verantwortlich zeichnete, liefert mit seinem letzten Beitrag einen Film ab, bei dem man leider immer wieder vergisst, dass es sich hierbei um eine Folge aus der Reihe Der Kommissar handelt. Das ist weniger dem Regisseur, als wohl mehr dem Autor anzulasten. Herbert Reinecker interessiert sich hier mal für eine ungewöhnliche Perspektive, begleitet den Jungen, der Zeuge der Tat geworden ist, einerseits und andererseits die Täter, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Johannes Schaaf gibt einen interessanten infantilen Charakter ab und Hans Helmut Dickow ist immer eine Bereicherung. Ansonsten verliert sich die Episode eher in einer Geschichte, die auch als Jugendfilm durchgehen hätte können. Die wie von Kinderhand gespielte klassische Klaviermusik Herrmann Thiemes, Haugks Stammkomponisten, unterstreicht das noch. Erst am Ende wird es nochmals richtig spannend. Insgesamt eine Folge, die als Kommissar-Beitrag eher daneben gegangen ist, als Film - frei von Genrewertung - aber sicherlich überzeugen kann.

Georg Offline




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01.11.2012 21:48
#326 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 48: Toter gesucht
Regie: Theodor Grädler, mit Bernhard Wicki, Christoph Bantzer, Eleonore Weisgerber, Rose-Renée Roth u. a.

In dieser in der Produktionsreihenfolge als 50. produzierten und nur auf wenige Personen zugeschnittenen Episode dreht Herbert Reinecker erstmals den Spieß um: nicht der Mörder wird gesucht, sondern der Tote. Ein interessantes Szenario, das sich ganz auf ein Duell zwischen dem präpotenten und selbstischeren Sohn (wunderbar eklig gespielt von Christoph Bantzer) und Kommissar Keller zuspitzt, der ohne jegliche Befugnis privat ermittelt und nicht von dem Fall loskommt, weil er nur durch Andeutungen und Verhaltensweisen weiß: dieser junge Mann hat einen Mord begangen! Hinzu gesellt sich ein Vater-Sohn-Konflikt, wobei sich letztlich die Frage stellt, warum Vater Berneis seinen Filius ständig denunziert, ihn am Ende aber dann doch verteidigt. Bernhard Wicki gehörte nie zu meinen Lieblingsschauspielern und so nervt er mich auch (samt Hut) in dieser Episode mehr als er mich erfreut. Eleonore Weisgerber ist immerhin eine Augenweide, die auch über schauspielerisches Talent verfügt und Rose-Renée Roth spielt ihre Paraderolle als naive ältliche Dame. Das Psychoduell zwischen Kommissar (der sogar das Tanzbein schwingt) und Berneis junior gestaltet sich durchaus sehenswert, die Spannung entsteht letztlich aus der Frage, wie es dem Kommissar gelingen wird, den selbstsicheren Berneis zu überführen. Etwas mehr Schwung hätte der Folge aber an mancher Stelle nicht schaden können.

Georg Offline




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02.11.2012 10:26
#327 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 69: Ein Anteil am Leben
Regie: Ullrich Haupt, mit Käthe Gold, Kurt Meisel, Dieter Schidor, Hans Baur, Wolfgang Schwarz, Maxl Graf u. v. a.

Diese Episode wurde rund um den 63. Geburtstag von Erik Ode gedreht und der Regisseur war ein Geschenk an den Hauptdarsteller: Ullrich Haupt hatte mit Erik Ode länger zusammen gelebt (siehe beigefügter Scan über die Dreharbeiten samt Geburtstagsfeier im Hofbräuhaus, (dank Jack_the_Ripper, Quelle: Gong 47/24.-30.11.1973)). Erzählt wird eine Geschichte, die der Autor Herbert Reinecker so ähnlich noch mehrfach gebraucht hat: eine arme Putzfrau, die nicht einmal ein Dach über dem Kopf hat, wird vom Mörder bezahlt und genießt eine Reihe von schönen Tagen (Käthe Gold spielte übrigens gemeinsam mit Hans Caninenberg rund 16 Jahre später nochmals eine sehr ähnliche Rolle in einer sehr ähnlichen Handlung in Wolfgang Beckers tollem Derrick-Beitrag Eine Reihe von schönen Tagen). Der Kommissar sieht lange zu, weiß aber auch, dass die Frau früher oder später das Schweigen brechen wird. Die im Hofbräuhaus angesiedelte Episode besteht abwechselnd aus Verhören der nicht geringen Anzahl an Verdächtigen (darunter der große Kurt Meisel, Hans Baur und Sky DuMont) und Szenen aus dem nunmehrigen Glanzleben der einfachen Putzfrau, die glaubhaft von Käthe Gold dargestellt wird. Regisseur Ullrich Haupt setzt bei den Rückblenden auf die damals vor allem bei Aktenzeichen XY verwendeten effektiven Wischblenden und auf seine starken Schauspieler. Das Ergebnis ist eine nicht uninteressante Folge, bei der sich - auch das ist wunderbar inszeniert - aus der (nur zeitweiligen) reichen Dame im Abspann wieder die Putzfrau wird, die einsam in der Nacht verschwindet.

Angefügte Bilder:
Kopie vonGong 47 24.-30.11.1973.jpg  
Georg Offline




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02.11.2012 15:36
#328 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 66: Herr und Frau Brandes
Regie: Leopold Lindtberg, mit Bernhard Wicki, Agnes Finck, Hilde Volk, Andreas Seyferth, Paul Hoffmann, Gisela Stein

Diese Episode muss wie ein großes Familienfest für die Beteiligten gewesen sein. An der Seite von Erik Ode spielt seine Frau Hilde Volk (übrigens sehr gut!) eine Haushälterin, Bernhard Wicki ist mit seiner Ehefrau Agnes Fink mit dabei, Regie führt deren väterlicher Freund Leopold Lindtberg und auch Theatergröße Paul Hoffmann spielt mit. Insgesamt wird eine Geschichte präsentiert, die auch als Theaterstück durchgegangen wäre, weil man sich im Wesentlichen auf einen Schauplatz (das Haus der Brandes, das außen auf dem Land, innen aber gut getarnt die Gereut-Villa ist) und auf ganz wenige Charaktere beschränkt. Die Kriminalhandlung bietet nicht viel Spannung, man bleibt viel mehr wegen der Darstellung und der interessanten Charaktere mit dabei, wenn man für diese Geschichten zu haben ist. Wer einen tollen Whodunit-Krimi erwartet, wird enttäuscht, allerdings ist die Auflösung dann doch wenigstens ein klein wenig überraschend. Wer ein Freund von vielen (Reinecker-)Dialogen und Familiendramen ist, kommt hier jedoch voll auf seine Kosten (Zusatz: dafür muss man aber Bernhard Wicki mögen ...).

Angefügte Bilder:
Brandes Farb.jpg  
Georg Offline




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02.11.2012 20:36
#329 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 67: Tod eines Buchhändlers
Regie: Theodor Grädler, mit Judy Winter, Werner Bruhns, Peter Carsten, Pierre Franckh, Eva Brumby, Renate Grosser u. a.

Tod eines Buchhändlers ist eine der schwächeren, ja langweiligen Folgen. Zwar punktet die Episode mit einer starken Besetzung (einer sehr hübschen und gut spielenden Judy Winter und einem schlagenden Ehemann, der von Werner Bruhns verkörpert wird), allerdings kann in keiner Minute von Spannung die Rede sein. Bruhns spielt ganz gut einen Mann, der seine Frau schlägt und Pierre Franckh (hier in einer Paraderolle) den jungen Lehrburschen, der in Ehefrau verliebt ist. Damit ist er von Anfang an der Hauptverdächtige. Für das Opfer lässt Reinecker keinen Moment Mitleid aufkommen, eher für den Mörder, der das Monster endlich beseitigt hat. In Nebenrollen gefallen Renate Grosser und Eva Brumby, Peter Carsten wirkt in seinem einzigen Kommissar-Auftritt eher deplaziert. Theodor Grädler kann dem langatmigen Drehbuch kein Tempo mehr entlocken. Manchmal werden Folgen ja beim Wiedersehen besser, man gewinnt neue Einblicke und sieht neue Perspektiven, bei dieser Geschichte bleibt nach dem x-ten Wiedersehen am Ende aber nur eines: gähnende Langeweile ...

Georg Offline




Beiträge: 3.257

03.11.2012 07:48
#330 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 64: Ein Mädchen nachts auf der Straße
Regie: Theodor Grädler, mit Curd Jürgens, Uschi Glas, Inge Birkmann, Amadeus August, Hans Elwenspoek, Erni Singerl u. v. a.

Diese Episode zerfällt in zwei Teile: die Rückblenden, in denen die Beziehungsgeschichte zwischen Inge Sobach und Herrn Bergmann erzählt werden und in die Ermittlungen. Die ersten 25 Minuten wird überhaupt kein Verdächtiger präsentiert, sie bestehen hauptsächlich aus den Schilderungen von Herrn Bergmann (natürlich einprägsam gespielt von Curd Jürgens) über die Begegung mit dem Mädchen nachts auf der Straße, das hinreißend gut von Uschi Glas dargestellt wird. Während die Szenen mit Curd Jürgens und Uschi Glas sehr gut gelungen sind und es eine Freude ist, den beiden zuzusehen, sind die Verhörszenen eher Mittelmaß, ja geradezu langweilig. Inge Birkmann - eine vielbeschäftigte Actrice bei Ringelmann - ist in ihrer Rolle als Ehefrau, die ihren Mann anschwärzt und belastet unsympathisch und nervt, das ganze Ambiente und die gespannte Atmosphäre beim familiären Teetrinken wirkt langweilig. Hätten nicht Jürgens/ Glas die beiden Titelrollen gespielt, wäre diese Episode eher in der Versenkung und Belanglosigkeit verschwunden, denn Reinecker zeigt wenig Interesse an einem spannenden Krimi als vielmehr an einem Familiendrama, dass durch die anfängliche väterliche Beziehung zu einem jungen Mädchen ausgelöst wird. In ähnlicher Weise hat Herbert Reinecker das später auch noch mal so erzählt. Ein Mädchen nachts auf der Straße hat mit Curd Jürgens und Uschi Glas also zwei ganz große Pluspunkte, die die Folge davor retten, ein langatmiges Filmchen über eine zerrüttete reiche Familie zu werden. In Nebenrollen erfreuen immerhin zusätzlich Erni Singerl als Wirtin und Amadeus August als Sohn.
Fazit: nicht mehr als eine durchschnittliche Episode.

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