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 Film- und Fernsehklassiker national
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Georg Offline




Beiträge: 3.224

03.08.2012 19:43
#196 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 22: Tod eines Klavierspielers
Regie: Michael Kehlmann, mit Günther Ungeheuer, Ingrid Andrée, Lambert Hamel u. v. a.

Eine Folge, die nach der ersten halben Stunde nochmals ganz gut in Schwung kommt. Günther Ungeheuer ist prädestiniert für die Rolle des Gentlemanganoven, der sogar in Situationen, in denen es für ihn brenzlig wird, die Contenance behält und stets höflich bleibt. In weiteren kleineren Rollen sind u. a. Wolfgang Zerlett, späterer Meyer Zwo aus Der Alte zu sehen, der ungefähr zur gleichen Zeit auch den Schwulenmörder in einer Aktzenzeichen XY-Folge spielte. Ganz toll auch der wunderbare Lambert Hamel als Wirt. Hamel ist ein Schauspieler, den Ringelmann bis zuletzt immer wieder beschäftigte und der immer wieder seine Vielfalt unter Beweis stellte (ganz toll und mein Lieblingspart ist Herr Kordes in der Derrick-Episode Herr Kordes braucht eine Million). Ingrid Andrée ist ebenso gut besetzt. Regie führt der renommierte österreichische Regisseur Michael Kehlmann, der jedoch mit dem "herrischen" Ringelmann nicht zurecht kam bzw. sich nicht gerne rein reden ließ weshalb Tod eines Klavierspielers zum einmaligen Gastspiel avancierte. Die Inszenierung sitzt nicht schlecht, allerdings ist die Folge mit 65 Minuten doch etwas zu lang. Trotz der im Abspann gelisteten Musik von Peter Thomas fehlt diese jedoch in den entscheidenden Szenen (Rückblende, Mord etc). Insgesamt hat mich Tod eines Klavierspielers diesmal mehr überzeugt als sonst, sicherlich eine ganz gute, wenn auch keine Toppfolge.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

04.08.2012 11:17
#197 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 54: Blinde Spiele
Regie: Theodor Grädler, mit Anaid Iplicjan, Johanna von Koczian, Ruth-Maria Kubitschek, Hellmut Lange, Pierre Franckh, Heinz Moog u. a.

Blinde Spiele dürfte eine jener Folgen gewesen sein, die Erik Ode in der Sommerpause nutzte, um Urlaub zu machen. Die erste halbe Stunde ermitteln nämlich Walter und Robert alleine, der Kommissar wird nur kurz per Telefon aus dem Büro zugeschaltet. Auch später hat er nur einen Außendreh, was tatsächlich vermuten lässt, dass Reinecker - wie später bei Tappert auch fast jährlich üblich - das Buch dramaturgisch so anlegte, dass der Hauptdarsteller mal nur eine Woche am Set verbringen musste. Im Übrigens sind Alkohol- und Nikotinkonsum in dieser Folge gleich null, was ob der sonstigen "Sauforgien" schon ungewöhnlich ist. Keller raucht erst bei Minute 38 die erste (und ich glaube auch die einzige) Zigarette.
Da ist sie also wieder, die seltsame Reinecker-Welt, in der es den Ehepartnern nichts ausmacht, wenn sie betrogen werden (seltsam, aber Volker Vogeler hatte später in gefühlten 200 Folgen des Alten auch immer die Konstelation zweier Ehepaare, die sich miteinander betrügen - hat er sich da etwa bei Reinecker orientiert?). Die Geschichte wird von Grädler dahinplätschernd erzählt, etwas mehr Pepp hätte da nicht geschadet. Die Folge beginnt spannend, hat jedoch dann in der Mitte einen Durchhänger, was aber auch dem Buch angelastet werden kann.
Die Besetzung der drei weiblichen Hauptrollen ist gut durchdacht, Anaid Iplicjan und Johanna von Koczian ähneln sich im Aussehen nicht zufällig, sie lieben schließlich den gleichen Mann und dieser anscheinend den gleichen Frauentyp. Pierre Franckh spielt wie so oft den Außenseiter, Heinz Moog als Klavierlehrer, der nun als Gärtner arbeiten muss, ist wunderbar unsympathisch und schlecht gelaunt. Dieser große Schauspieler wurde leider auch viel zu selten eingesetzt.
Reinecker baut hier doch relativ viele Verdächtige auf, was natürlich für einen Krimi nicht übel ist: insgesamt sieben Personen können den Ehemann erschossen haben.
Insgesamt ist Blinde Spiele sicherlich kein Highlight der Serie, aber doch ansehbar.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

09.08.2012 18:41
#198 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 56: Tod eines Hippiemädchens
Regie: Theodor Grädler, mit Herbert Mensching, Brigitte Horney, Kornelia Boje, Werner Pochath, Stefan Behrens u. a.

Wer meine letzten Beiträge in diesem Thread liest, dem fällt auf, dass ich mit einer Ausnahme nur Folgen von Theodor Grädler wiedersehe. Das hat auch einen Grund: die hier in letzter Zeit besprochenen Episoden hatte ich als äußerst langatmig in Erinnerung und sie daher immer wieder bei meinen Kommissar-Revivals ausgelassen. War ich zumindest bei einigen Folgen diesmal positiver überrascht, so bestätigt Tod eines Hippiemädchens meine Vorurteile gegen Theodor Grädler: hatte er ein schwaches Reinecker-Buch (und deren gab es ja auch eine ganze Menge), so konnte er durch seine Inszenierung kein Tempo mehr hinein pumpen (während andere Regisseure hier wesentlich begabter waren und das Schlimmste vermieden). Bei der Vielzahl, die Theodor Grädler für Ringelmann inszeniert hat, ist es kein Wunder, dass es auch viele Folgen gibt, die weniger gelungen sind (dem gegenüber stehen aber auch eine beachtliche Anzahl an spannenden Filmen, das möchte ich gar nicht leugnen). Tod eines Hippiemädchens plätschert jedoch langweilig vor sich hin, die Dialoge sind typisches Reinecker-Gequatsche, die Handlung als Krimi fast nicht realisierbar. Eine langatmige Szene reiht sich an die Nächste, selbst die vorzüglichen Darsteller scheinen sich zu fadisieren. Dass Reinecker mit der Hippie-Gesellschaft wenig anfangen konnte, hat er in vielen seiner Bücher bewiesen - der alte, intellektuelle Herr und die freizügige Gesellschaft, das passte nicht. Auch ich bin kein Fan von Hippies in Reinecker-Filmen, aber hier zeichnet der Autor schon ein sehr klischeehaftes Bild dieser "Lebensart". Selbst dass der Täter am Ende ein anderer war, als ich in Erinnerung hatte, konnte mich von dieser Episode nicht überzeugen. Auch das Tatmotiv ist lächerlich. Nochmal: schauspielerisch ist die Folge sehr gut, aber der Rest ist zu vergessen. Auch der Schauplatz - zum x-ten Male die Gereutvilla - ist schon sehr abgenutzt.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

10.08.2012 12:07
#199 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 27: Anonymer Anruf
Regie: Helmut Käutner, mit Martin Lüttge, Jürgen Goslar, Dunja Rajter, Friedrich Joloff, Paul Edwin Roth u. a.

Helmut Käutner hat für sein Kommissar-Gastspiel auf dem Regiestuhl einen ganz typischen klassischen Kriminalfall erhalten: einem Unschuldigen soll der Mord in die Schuhe geschoben werden, er eilt zum Tatort, greift auch noch die Pistole an, während der richtige Täter entkommt. Auch die Auflösung, in der Kommissar Keller sämtliche Verdächtige in der Villa Stein versammelt und die Ermittlungsergebnisse rekapituliert um einen nach dem anderen als Täter auszuschließen ist mehr als klassisch. Käutners Inszenierung und die Darsteller, die er zu Verfügung hat, sind durchaus akzeptabel, Martin Lüttge als Hauptverdächtiger sicher keine schlechte Wahl, Paul Edwin Roth als Geschäftsmann, der sich eine Frau für gewisse Stunden kauft, glaubwürdig. Friedrich Joloff und Jürgen Goslar als Verdächtige tun das ihrige, um verdächtig zu werden. Insgesamt ist diese Folge sicherlich nicht der beste Beitrag, aber sie rangiert unter den frühen Folgen doch im oberen Bereich und ich sehe sie mir immer wieder gerne an. Passt!

brutus Offline




Beiträge: 13.025

10.08.2012 22:57
#200 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Um so bedauerlicher, das gerade diese Folge nicht in der DVD-Sammlung enthalten ist. Gerade Martin Lüttge agiert hier sehr stark.

Viele Grüße
Brutus

Georg Offline




Beiträge: 3.224

11.08.2012 10:11
#201 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Dass die Folge fehlt, nervt in der Tat. Ich habe sie mir als zusätzliche DVD in die Box gelegt.

Folge 32: Die Anhalterin
Regie: Wolfgang Staudte, mit Karin Baal, Peer Schmidt, Max Mairich, F. G. Beckhaus, K. M. Rehberg, Werner Pochath, Lambert Hamel u. v. a.

Der Einstieg in diese Kommissar-Folge ist einer der temporeichsten und spannendsten. Wolfgang Staudte erzeugt durch die vielen schnellen Schnitte und die Musik ungeheure Spannung und macht sofort Lust auf die Folge (überhaupt die Szenen mit dem Zug und dem Unbekannten, der das Opfer im Wald trägt). Überhaupt ist "Die Anhalterin" frei von typischen Reinecker-Dialogen und -Psychologie, was zu einem "reinen" Kriminalfilm führt. Inspieriert wurde der Autor wohl auch durch die häufig in "Aktenzeichen XY" gezeigten unheimlichen Anhalterinnenmorde.
Die erste halbe Stunde führt hier kurioserweise aber nicht die Münchner Mordkommission die Ermittlungen, sondern Karin Baal als Schwester des Mordopfers, die sich als Köder auf gefährliche Nachforschungen begibt. Die Verdächtigen aus der Spedition sind wunderbar bestetzt, Pochath, Hamel, Rehberg und Beckhaus als LKW-Fahrer waren ebenso eine gute Wahl wie Peer Schmidt und Max Mairich, die ja später noch in 13 Folgen von "Der kleine Doktor" gemeinsam vor der Kamera stehen sollten.
Wolfgang Staudte hatte hier ein überaus gutes Händchen für die Musik, die die Bilder passend untermalt und dem Film zusätzliches Tempo verleiht. Von Anfang an eine vorzügliche Episode, die bis zur Auflösung nicht an Spannung und Tempo verliert. Ich hätte mir mehr solche kriminalistischen Episoden anstatt der typischen Reineckerschen Familiendramen gewünscht.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

11.08.2012 19:02
#202 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 20: Messer im Rücken
Regie: Wolfgang Staudte, mit Helmut Käutner, Ursula Lingen, Werner Kreindl, Christiane Krüger, Jörg Pleva u. v. a.

Wolfgang Staudtes erster Beitrag ist durchaus gelungen, was wohl auch an Reineckers Drehbuch liegt, in dem er genügend Verdächtige schafft und in das er klassische kriminalistische Elemente mit aufnimmt: das Foto vom Tatort mit einem Detail, das am Ende bei der Überführung des Täters hilft und natürlich die absolut klassische Versammlung aller Verdächtigen in einem Raum, um den Fall abzuschließen. Interessant an der Inszenierung ist außerdem, dass der Film mit der gleichen Szene endet, mit der er beginnt. Sehr gut ist natürlich Helmut Käutner als Säufer Blasek und in einem klassischen deutschen Krimi darf selbstverständlich auch die Gereut-Villa nicht fehlen. Insgesamt unterhält "Messer im Rücken" ganz gut.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

25.08.2012 10:52
#203 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 6: Die Pistole im Park
Regie: Wolfgang Becker, mit Marianne Koch, Peter van Eyck, Rose-Renée Roth, Hermann Lenschau

Achtung - enthält leichte Spoiler!
Herbert Reinecker konstruiert hier eine reine Kriminalgeschichte ohne Familiendrama oder sonstigem Schnick-Schnack. Zweifellos ist die Story geschickt konstruiert, auch wenn man natürlich als Krimifan schnell den Verdacht hat, wie der Hase richtig läuft. Interessant ist, dass Reinecker am Beginn der Serie die einzelnen Assistenten mehr in den Vordergrund rückte und in jeder Episode einer von ihnen mit dem Fall betraut war. Hier ist es Heines, dessen Rollenanlage des korrekten, typisch "deutschen" Beamten besonders gut zum tragen kommt. Kommissar Keller hingegen sehen wir (ich glaube einmalig) am Stammtisch beim Kartenspielen, wie er ganz nebenbei einen Verdächtigen verhört.
Das Besondere an dieser Episode ist natürlich die Besetzung. Peter van Eyck als perfider Georg Wegener, der seine Hausangestellte unterdrückt und eine Beziehung zu seiner Sekretärin hat, ist großartig. Viel zu schade um diesen tollen Schauspieler, der sicherlich später noch viele vorzügliche Rollen in Krimis gespielt hätte. Toll auch Rose-Renée Roth als unterdrückte Frau Hicks, die schließlich bemerkt, dass sie, die ewig Getretene, ihren "Peiniger" in der Hand hat und gegen ihn rebelliert.
Wolfgang Becker inszeniert gewohnt gut, etwas Musik hätte der Folge vor allem in jener Szene, in der sich alle versammeln und in der Frau Hicks getötet werden soll, nicht geschadet.
Unter den frühen Folgen ist "Die Pistole im Park" sicherlich eine der Besten, wenngleich die absoluten Highlights der Serie erst später kamen.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

25.08.2012 11:40
#204 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #203
Folge 6: Das Messer im Park



Hübscher Titelmischmasch ,
und die Pistole liegt im Geldschrank, oder?

Nix für ungut.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

25.08.2012 11:44
#205 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

;-) Ja natürlich: Die Pistole im Park ;-), wird gleich von mir korrigiert.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

26.08.2012 16:40
#206 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 35: Lisa Bassenges Mörder
Regie: Wolfgang Staudte, mit Boy Gobert, Klausjürgen Wussow, Diana Körner, Peter Ehrlich, Gert Haucke u.a.

Vorsicht - Spoiler.
Herbert Reinecker konstruiert hier wieder mal einen Typen und eine Geschichte, die doch recht unglaubwürdig sind. Boy Gobert als behinderter Bruder des Lovers von Lisa Bassenge (Diana Körner) spielt zwar sehr gut, dass aber jemand derart reagiert und einen Mord begeht, weil ein Mädchen seinen Bruder nicht heiraten will, ist doch recht abstrus (auch wenn er, wie laut Rollenlegende, "sich nicht für Mädchen interessiert"). Wer den Autor kennt, weiß von Anfang an, dass es nur der gehbehinderte Mann gewesen sein kann. Die Folge selbst hatte ich wesentlich besser in Erinnerung. Positiv fallen hier nur die zahlreich gut besetzten Rollen auf: Peter Ehrlich, Klausjürgen Wussow bis hin zu Gert Haucke. Gegen die Inszenierung W. Staudtes ist nichts einzuwenden, bei Reinecker waren die reinen Kriminalgeschichten jedoch immer viel besser, als die "Dramen".

Georg Offline




Beiträge: 3.224

29.08.2012 22:16
#207 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 15: Der Papierblumenmörder
Regie: Zbyněk Brynych, mit Christiane Krüger, Thomas Fritsch, Herbert Tiede u. v. a.

Was man sich nicht alles antut :-). Zbyněk Brynychs Papierblumenmörder habe ich mir in den letzten Jahren bewusst immer wieder erspart. Und siehe da, gar so schlimm habe ich diese Episode heute gar nicht empfunden. Ganz offensichtlich ist es ein typischer Brynych: die Kameraeinstellungen, das Verhalten der Personen (Gelächter, Kommissar Keller tanzt sogar Ansatzweise) und der Einsatz der Musik machen das deutlich. Die Geschichte Reineckers spielt im Hippiemilieu, eine Umgebung, die mir nicht zusagt und die meines Erachtens im Kommissar immer etwas überstrapaziert wurde zumal hier auch nur Reineckers stereotypischen Vorstellungen davon immer wieder auf gleiche Art wiedergegeben werden. Insgesamt ist diese Folge viel mehr ein bisschen Milieustudie mit seltsamen Charakteren als ein handfester Kriminalfilm. Weder Autor noch Regisseur bemühen sich sonderlich, Spannung oder Verdächtige aufzubauen, sie wollen eher das Licht auf eine gewisse Welt werfen. Und da war Brynych wohl der richtige Regisseur, denn er liebte solche Orte wie Hinterhöfe, schmuddelige Kneipen oder auch Autofriedhöfe wie hier.
Christiane Schröder, deren großartigen Vater Ernst ich immer besonders schätzte, ist hier in einer ihrer typischen Rollen zu sehen. Die etwas durchgeknallte träumerische junge Frau musste sie ja öfter geben. Was Thomas Fritsch betrifft (bemerkenswert: er spricht kein einziges Wort!), so weiß ich nicht, ob er mir in dieser Rolle gefallen soll oder nicht (ich denke eher nicht). Dieser Schauspieler hatte bei weitem bessere Auftritte und war ja auch neben Elmar Wepper als Nachfolger von Harry beim Kommissar im Wettbewerb (es wurden sogar Probeaufnahmen gemacht), doch bekannter Weise wurde dann nicht er verpflichtet. Herbert Tiede als älterer Mann, der sich die jungen Mädchen ins Bett holt (Kommissar Keller fragt ihn diesbezüglich sogar, ob er "geil" auf eines von ihnen war (wohl eine Brynychsche Idee)) und der sich das Schweigen mit Geld erkaufen will, ist jedoch eine gute Wahl gewesen.
Schließlich bleibt noch die dilettantische Überklebung von Kommissar Kellers Fernseher mit einem Papierstreifen zu bemerken, damit sich darin die Scheinwerfer nicht spiegeln.
Auch wenn ich die Folge vielleicht etwas positiver sehe, als ich sie in Erinnerung hatte, wandert die DVD für die nächsten 15 Jahre wieder zurück ins Regal. Der Kommissar hat viel viel Besseres zu bieten, als diese abstrusen Hippiegeschichten.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

30.08.2012 10:32
#208 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 2: Das Messer im Geldschrank
Regie: Wolfgang Becker, mit Ann Smyrner, Lukas Ammann, Wolfgang Völz, Michael Maien, Herbert Bötticher u. a.

Die erstproduzierte und erstgeschriebene Folge der beliebten Krimiserie (Arbeitstitel: Trag nicht rot, Marion) wäre in meinen Augen als Eröffnung der Sendereihe viel besser geeignet gewesen, als Toter Herr im Regen. Das liegt zunächst in der Dramaturgie bedingt und natürlich in der Vorstellung der Personen. Kommissar Keller sehen wir zuerst am Krankenbett und wir merken sogleich, dass dieser Ermittler hartnäckig ist. Gegen den Willen seiner Frau erkundigt er sich, was gerade los ist, lässt sich Tatortfotos schicken und telefoniert. Ein Kriminalist, der ganz für seinen Beruf lebt. Am nächsten Tag ist er bereits wieder im Büro, obwohl er, wie er sagt, Angst vor seiner Frau hat. Er macht die Nacht durch, um aus dem Barmädchen Marion etwas herauszukriegen. Vor allem Harry lernen wir in dieser Folge als noch etwas unerfahrenen Anfänger kennen, der noch Fehler macht und um den sich der Chef besonders kümmert und sorgt ("Mach keinen Fehler, Kleiner!"). Robert tritt bereits etwas forsch als typisch deutscher Beamter auf, Fräulein Rehbein darf dem Chef Wein einschenken (und Keller trinkt in dieser Folge nicht nur das, sondern noch jede Menge anderer alkoholischer Getränke).
Unter den ersten sechs produzierten Folgen (und mehr waren ja in der ersten Phase nicht geplant) ist diese Episode sicherlich die Beste. Nicht umsonst hatte man sie als erste Geschichte ursprünglich auserkoren und nicht umsonst hat Produzent Helmut Ringelmann die zu jener Zeit wohl beliebtesten Krimiserienstars - Lukas Ammann und Wolfgang Völz aus Graf Yoster gibt sich die Ehre - verpflichtet (beide in grandiosen Rollen!). Ann Smyrner als Marion ist eine geeignete und wunderbare Besetzung, ebenso wie Herbert Bötticher als zwielichter Pianist.
Reinecker verwendet hier wieder mal die berühmte Geschichte mit den versteckten Aufnahmen von Stelldicheins reicher Männer mit jungen Mädchen, die danach zur Erpressung genutzt werden. Eines seiner Lieblingsthemen, das er in Derrick zig mal wiederholte (zuletzt im vorletzten Film #280 Mama Kaputtke) und auch in der erstproduzierten und zweitgesendeten (man beachte die Parallele zum Kommissar!) Siska-Folge Frau Malowas Töchter).
Keller präsentiert sich in dieser ersten Folge als cleverer Fuchs, als Mann, der alles schnell durchblickt und als jemand, der auch aus etwas Nichtgesagtem etwas herauslesen kann. Es gelingt ihm immer wieder, auch seine Mitarbeiter zu verblüffen (wie in jener Szene, wo er die Namen der Erpressten Herren nennt). Schließlich versammelt er in guter alter Krimimanier alle Verdächtigen am Ende in der Bar von Mirko Brandić und entlarvt den Täter im letzten Augenblick. Auch deshalb rangiert diese Episode für mich weit oben unter den frühen Produktionen der Serie.

Georg Offline




Beiträge: 3.224

30.08.2012 22:39
#209 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 23: Tödlicher Irrtum
Regie: Wolfgang Becker, mit Agnes Finck, Anton Diffring, Konrad Georg, Ulrich Haupt, Dieter Kirchlechner, Kurt Ehrhardt, Thomas Astan, Tony Stahl u. v. a.

Wolfgang Becker setzt den Beginn der Folge gekonnt gut und unheimlich in Szene (die Bildqualität auf der DVD ist allerdings ziemlich schlecht!). Das Thema "Mörder beichtet bei Priester" und ähnliche Starts hatten wir bei Reinecker später ja noch öfter, man denke z. B. an Derrick: Dem Mörder eine Kerze oder Derrick: Anruf in der Nacht. Danach konzentriert sich alles auf das Haus und die Protagonistin, die von Agnes Finck dargestellt wird. Um sie wird ein Kreis von Männern konstruiert, die alle ein Motiv gehabt hätten, ihr nach dem Leben zu trachten. Konrad Georg ist da in einer für ihn typischen aber guten Rolle zu sehen, Anton Diffring ("Anthony" im Abspann) fungiert als ihr Liebhaber und Ulrich Haupt als ihr etwas zerbrechlicher Mann (auch sehr gut!). Als Pfarrer ist Dieter Kirchlechner zu sehen, der auf diese Rolle abonniert gewesen zu sein scheint, spielt er sie doch öfters, nicht nur später dann noch mal in zwei Folgen bei Die unsterblichen Methoden des Franz Josef Wanninger, sondern bei Ringelmann bis zuletzt auch in einer späten Siska-Folge. Ein anderer, der danach noch als Spätberufener im richtigen Leben tatsächlich Pfarrer wurde, ist in der Rolle des undurchsichtigen Sohnes zu sehen: Thomas Astan, der hier in einer für ihn typischen Rolle agiert und von Ringelmann gerne besetzt wurde. Insgesamt konstruiert Wolfgang Becker eine recht spannende Folge mit vielen Verdächtigen und ebenso sehr gut spielenden Darstellern. Der variierte Abspann ist originell und abwechslungsreich und wurde so oder so ähnlich dann nur noch mal von Dietrich Haugk in Drei Tote reisen nach Wien wiederholt. Trotz alledem hatte ich diesen schon öfters gesehenen Beitrag besser in Erinnerung.

Georg Offline




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31.08.2012 10:12
#210 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Folge 87: Der Mord an Dr. Winter
Regie: Johannes Schaaf, mit Rudolf Platte, Marianne Hoppe, Andrea l'Arronge, Werner Schnitzer, Sascha Hehn, Heinz Meier, Xenia Pörtner u. a.

Mit Der Mord an Dr. Winter präsentiert Herbert Reinecker erneut eine Geschichte, die im Schulmilieu angesiedelt ist. Ein Ambiente, das dem Vielschreiber offensichtlich zusagte und in dem er stets seltsam agierende Personen ansiedelte. Viele seiner Lehrpersonen waren schwach, hatten ein unkorrektes Verhältnis zu Schülern und Autorität und agierten atypisch für ihren Beruf. So ist auch die Figur des aus Ostpreußen stammenden Dr. Winter - grandios verkörpert von Rudolf Platte - eine unterdrückte, stets getretene Gestalt ohne Selbstbewusstsein. Ein einsamer Mann ohne Bezug zur Realität. Ein hochgradig Intellektueller, der es nicht fertig bringt, den Stoff zu vermitteln. Auf der anderen Seite sind die, die das ausnützen (wollen), allen voran ein Schüler (Sascha Hehn), der über die Attraktivität und Liebenswürdigkeit einer Mitschülerin (wunderbar: Andrea l'Arronge) an die Abiturthemen kommen will. Die Erlebnisse des Pädagogen am Gymnasium werden uns in Rückblenden geschildert, mal durch die Studienrätin Echte (Marianne Hoppe, glaubwürdig als konservative alte Lehrerin, fast ein wenig alte Jungfer), den Pfarrer (ebenfalls toll: Werner Schnitzer) oder durch das junge Mädchen.
Johannes Schaaf schildert und bebildert glaubhaft das Drama, das sich rund um den Tod eines Lehrers abspielte, will offensichtlich nie einen Kriminalfilm, sondern eine Charakterstudie der Personen, die in den Vorfall involviert sind, drehen. Ein nicht unbegabter Regisseur, den Ringelmann hier zweifellos als Spielleiter für den Start seiner längst geplanten Reihe Der Alte testete. Schade, dass die Zusammenarbeit bei besagter Serie dann aber schon nach zwei Folgen im Clinch endete (auch wenn Der Alte: Der Pelikan sicherlich eine skurrile Episode war, handwerklich war sie absolut in Ordnung). Xenia Pörtner agiert in Der Mord an Dr. Winter in der Rolle der Mutter und es würde mich nicht wundern, wenn es Schaafs Vorschlag war, sie später auch als Kommissar Kösters Lebensgefährtin zu besetzen. Schließlich muss ich noch mal auf Werner Schnitzer zurück kommen, der hier glaubhaft einen Gottesmann gibt, der in die Geschehnisse verwickelt wird. Ringelmann hat die Qualitäten dieses Schauspielers Gott sei Dank erkannt und ihn später noch zig Male für Der Alte, Derrick und Der Mann ohne Schatten verpflichtet (manchmal sogar als Mörder!), ehe er ihn als Glücksgriff für die Rolle des launigen, aber dann doch humorvollen und wunderbar sympathischen Hauptkommissars Jacob Hahne in allen 91 Siska-Folgen holte. In dieser Rolle gibt er einen herrlichen Ermittler und ist damit immer noch eine meiner absoluten Lieblingsfiguren unter allen TV-Fahndern.
Doch zurück zu Der Mord an Dr. Winter: wer einen Kriminalfilm erwartet, wird sicherlich enttäuscht, wer sich auf das grandiose Zusammenspiel der tollen Darsteller und eine dramatische Milieustudie einlassen will, dem wird diese Episode gefallen.

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