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Dieses Thema hat 647 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

15.11.2010 17:15
#151 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

DIE KLEINE SCHUBELIK

Ein bitteres Drama aus dem Kleine-Leute-Milieu Münchens der frühen 70er-Jahre um Alkoholsucht, Familienzerrüttung, Missbrauch und häusliche Gewalt. Georg Tressler kleidet Reineckers gelungene Moritat in z.T. erdrückend realistische Bilder und lässt die Hoffnungslosigkeit der in den Mordfall verstrickten Menschen zwischen Schrebergartensiedlung, Bierwirtschaft, Werkstatt und den ärmlichen Behausungen fühlbar werden.

Der alkoholkranke Schubelik wird mit einem Kissen erstickt in seinem Bett gefunden. Wie üblich hat er in der Nacht vorher seinen Wochenlohn mit einigen Kumpanen versoffen. Doch diesmal muss noch etwas anders vorgefallen sein. Nur mühsam gelingt es dem Kommissar und seinen Leuten, die verhängnisvollen Ereignisse des Abends zu rekonstruieren. In den Mittelpunkt des Interesses rückt die 17jährige Tochter des Toten, Inge.

Die Schauspieler agieren durch die Bank glaubhaft: Erni Mangold wird als getrennt lebende Ehefrau, vor Familie und Verwahrlosung in ein vermeintlich besseres Leben als Kellnerin geflüchtet, von der Vergangenheit eingeholt, die Saufkumpane Peter Kuiper, ein dumpfer, brutaler und doch bauernschlau-verschlagener Macho und Josef Fröhlich, ein schmieriger Handwerker, der feige vor der Verantwortung flüchtet, Margarethe von Trotta löst als unterdrücke Ehefrau mit ihrer Auflehnung aus der Gleichgültigkeit eine Tragödie aus; Sigfrit Steiner und Tommi Piper als Nachbarn des Toten, letzterer die typische häufig wiederkehrende Reinecker-Figur des vorlauten, immer ins Wort fallenden jungen Mannes. Susanne Schaefer spielt die verstörte „kleine Schubelik“, die in einem älteren Tschechen, dem sanftmütigen Joseph Vinklar, einen Vaterersatz sucht. Die Ermittlerarbeit ist gerecht verteilt, Walter darf sogar mal kurz handgreiflich werden, ihre Abschiedsvorstellung gibt Emely Reuer als Sekretärin Helga(lein) Lauer, allerdings ohne nochmal besonders in den Mittelpunkt zu rücken.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

16.11.2010 22:06
#152 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

DER TOTE VON ZIMMER 17

Hotelgast Bubach wird im Bad seines Zimmers erstochen aufgefunden. Schnell gerät der eifersüchtige italienische Etagenkellner Colani in Verdacht, der sich mit Bubach um die Gunst des attraktiven Zimmermädchens Andrea gestritten hat. Doch Kommissar Keller führt seine Spürnase bald auf die Spur einiger zwielichtiger Herrschaften, Geschäftsfreunde des Toten, die ebenfalls im Hotel abgestiegen sind.

Leider krankt Reineckers Drehbuch an einer zu vorhersehbaren und wenig raffinierten Geschichte, nicht nur der Kommissar scheint nach zehn Minuten zu wissen, wie der Hase läuft, auch der Zuschauer befindet sich schnell auf der richtigen Spur – und zwar weniger seines kriminalistischen Talents wegen, sondern weil die Story kaum andere Schlüsse zulässt. Und Wolfgang Beckers Regie gelingt es nicht, durch Winkelzüge oder Kniffe die wenig überraschenden Szenenabläufe etwas aufzubrechen. Ungenutzt bleibt auch die Chance, den einzigen Schauplatz des Geschehens wirkungsvoller einzubinden und eine unheimliche oder klaustrophobische Stimmung zu schaffen. Eher konventionell werden die Handlungsorte - von der einfachen Dachkammer, in der die Kellner untergebracht sind bis zur mondänen, verrauchten Lounge, in der Livemusik gespielt wird - präsentiert.

Immerhin vermögen die Darsteller zu überzeugen: Peter Pasetti liefert wieder eine Galavorstellung als kühler, arroganter Geschäftsmann – als Beispiel sei die Szene genannt, in der er dem Kommissar einen vermeintlichen Angriff des Kellners auf das Opfer schildert, Joseph Offenbach als mysteriöser Zimmernachbar des Toten schießt in der Darstellung des unschuldig unwissend Ängstlichen gelegentlich etwas übers Ziel hinaus, Hannelore Elsner eine Augenweide als umworbenes Zimmermädchen, Hans Quest als wichtigtuerischer Hoteldirektor, anbiedernd bei Gästen und Kriminalisten, von oben herab bei den Bediensteten, die bei Reinecker unvermeidlichen sozialkritischen Töne liefert in dieser Folge der köstliche Hans Schweikart als alternder Kellner. Unterstützt wird der Kommissar diesmal hauptsächlich von Walter, Harry macht als Undercover-Etagenkellner allerdings auch eine gute Figur. Rehbeinchen wird zwar im Abspann aufgeführt, taucht jedoch ebenso wenig auf wie das Büro oder Außenaufnahmen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

06.03.2011 19:58
#153 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

BEWERTET: Mykonos" (Folge 53/ Erstausstrahlung am 24. November 1972)
mit: Maresa Hörbiger, Bernd Herzsprung, Karl John, Ullrich Haupt, Fred Haltiner, Ruth Hausmeister, Isabel Goslar u.a.

"Eines Tages drehten wir an einer Kapelle, wunderbar gelegen im Alpenvorland zwischen Bad Tölz und München. Es ging um die Anfangseinstellung einer Folge, und Bernd Herzsprung spielte einen von Rauschgifthändlern aufgeschlitzten Dealer. Er lag wie ein gekreuzigter Jesus an der Kapellenmauer. Das war ein sehr eindrucksvolles Bild." (Günther Schramm in "Der Kommissar" von Gerald Grote, Schwarzkopf und Schwarzkopf Vlg., Auflage 1999, Seite 63)

Jürgen Goslar führt Regie und inszeniert die Folge gewohnt flott und stimmig. Die Lebenseinstellung dreier Welten wird in Konstrast zueinander gestellt. Da ist einmal Robert Kerk, der Einser-Abiturient, der vor zwei Jahren mit seinem Volkswagen -einem Geschenk seines Vaters- auf und davon fuhr. Begleitet wird er von Benny, einem ernsten Mädchen, das vor allem einen ruhigen Hafen sucht und ihn auf der weißen Insel Mykonos findet. Die beiden verkörpern die ziellose junge Generation, die sich treiben lässt und nicht an das Morgen denkt, solange die Sonne scheint und man genug Geld für eine Mahlzeit in der Tasche hat. In der Mitte stehen die Eltern von Robert Kerk, zwei redliche und rechtschaffene Durchschnittsbürger, die gearbeitet und gespart haben und ihren Sohn ziehen lassen mussten. Auf der anderen Seite stehen die Rauschgifthändler, die global tätig sind und ihr Geschäft so betreiben, als sei es nichts Ungewöhnliches. In ihrem Streben nach goldenen Klinken und neuen Möbeln sind sie ebenso spießbürgerlich wie Roberts Eltern, nur eine Spur geltungssüchtiger. Manni Geckow, der ungekrönte König der Branche, wird als freundlicher Gastgeber gezeigt, der Wert auf einen gemähten Rasen und gute Umgangsformen legt. Aus der Reihe tanzen nur die schillernden Figuren der Geschichte: Jochen "Paul" Heymann, der von Fred Haltiner mit der ihm eigenen Mischung aus Verletzlichkeit und Nonkonformismus gespielt wird und das Mädchen, das an der Nadel hängt. Händler und Kundin - beide zum Scheitern verurteilt. Die Episode, die in unaufdringlicher Weise alle Mitarbeiter des Büros beschäftigt (in einer kleinen Nebenrolle sieht man Otto Stern als Beamten des Rauschgiftdezernats), weist auf die Suchtproblematik hin, ohne jedoch das Thema bis zur Erschöpfung auszureizen wie etwa in "Grauroter Morgen". Im Vordergrund stehen die Ermittlungen, die Kommissar Keller diesmal betont distanziert angeht, stehen doch vor allem Walter und Robert im Fokus. Der Erstgenannte in seiner nonchalanten Pfeife-schmauchenden-Gesprächsart, der Zweite als Bewacher der Kronzeugin. Und Harry? Der Jüngste im Team hat Mitleid mit dem 13jährigen Mädchen, das sich das Gift in die Venen jagt und damit zum Reichtum von Männern wie Manni Geckow beiträgt.
Fazit: Wieder einmal gelingt es Kommissar Keller den Täter dingfest zu machen, aber kann er damit auch das Übel aus der Welt schaffen? Die Handlung spielt zwar in den "ungekämmten" Siebziger Jahren, ist jedoch nach wie vor aktuell. Denn nicht nur Hippies kiffen und spritzen, der Konsum von Suchtmitteln hat alle Gesellschaftsschichten erreicht. Abhängigkeiten aller Art ziehen sich wie ein roter Faden durch die menschliche Gemeinschaft. Und ein Mann wie Geckow wird deshalb niemals arbeitslos. Ein Mann wie Keller übrigens auch nicht.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

19.03.2011 15:00
#154 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

BEWERTET: "Mord nach der Uhr" (Folge 94/ Erstausstrahlung am 21. November 1975)
mit: Maria Becker, Bruno Dietrich, Detlev Eckstein, Alexandra Marischka, Renate Schroeter, Angelika Zielcke, Thomas Fritsch, Herbert Fleischmann

In gewisser Hinsicht bietet diese Episode für die treuen "Kommissar"-Anhänger die Möglichkeit, bereits bekannte Figuren in einer möglicherweise zufälligen -vielleicht aber auch gewollten- Weiterentwicklung zu erleben.
Folge 31 ("Ende eines Tanzvergnügens") zeigt uns Alexandra Marischka und Detlev Eckstein als Paar ohne Bindung, wobei der Mann an der Frau scheitert, da er weder ihren kühlen, nur auf sich selbst gerichteten Charakter durchschaut, noch mit ihrem rabiaten, auf Wahrung von Nimbus und zu erlangendem Status fixierten Umfeld gerechnet hat. Der Mann wird ermordet und die Frau dafür (moralisch) verantwortlich gemacht.
Mittlerweile sind vier Jahre vergangen, der wunderschöne Schmetterling hat das triste Milieu seines Elternhauses verlassen und ist in eine abgelegene Villa gezogen. Die junge Frau hat einen vermögenden Ehemann gefunden, der nicht nur ihr ergeben ist, sondern vor allem seiner Mutter und der Familientradition. Doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Noch immer genießt sie es, von anderen Männern bewundert zu werden. Sie hat ihren narzisstischen Charakter weiterentwickelt und fordert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geld. Eine Auszahlung von einer Million, die die Firma ruiniert hätte. Man beschließt, sich ihrer auf kostengünstigere Weise zu entledigen. Minutiös wird ein raffinierter Mordplan ausgearbeitet, der Kommissar Keller und sein Team vor die Frage stellt, ob man den Mörder mit seinen eigenen Waffen schlagen kann. Wie in Folge 90 ("Noch zehn Minuten zu leben") hat es die Mordkommission mit Herrschaften aus der sogenannten besseren Gesellschaft zu tun, die dank ihrer Intelligenz, Kaltblütigkeit und des ihnen entgegengebrachten Vertrauens in arroganter Selbstüberschätzung glauben, die polizeilichen Ermittlungen ins Leere laufen lassen zu können. Der Zuseher fiebert mit, wenn Kommissar Keller allein im Büro sitzt und nachgrübelt, wie er den Täter doch noch belangen könnte. Es ist für ihn eine Frage der Ehre und der Selbstachtung, dem frechen Mörder Paroli zu bieten und das auf Schweigen und Vertuschen aufgebaute Matriarchat zum Einsturz zu bringen. Es ist mehr als ironisch, dass am Ende die Braven und die Schwachen die Stellung halten und sich um die Fortführung der Geschäfte sorgen müssen. Hier zeigt sich, dass die auf Abschirmung bedachte Methode der klassischen Machtverteilung scheitert, wenn Unehrlichkeit und unsaubere Praktiken Einzug erhalten.
Alfred Weidenmann hat eine spannende Episode inszeniert, die sich an den bewährten Mustern der Kriminalpioniere orientiert.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

20.03.2011 14:49
#155 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten


#93 .................. 1975 .......... "Ein Playboy segnet das Zeitliche"

Es war spät nachts, als mein Team und ich zum Tatort, einer modernen Münchner Villa, gerufen wurden. Ein Mann namens Mandy Schulz war getötet worden. Zwei Schüsse in Brust und Magen durch das Fenster; drei Menschen waren zum Tatzeitpunkt im Haus: Frau Eber, die Hausdame; Erich Miele, Berufsboxer und Beschützer von Mandy Schulz und Vera Schimmel, eine junge Frau, die der Ermordete am gleichen Abend in der Nachtbar "Eule" kennengelernt hatte. Um 1 Uhr hatte ein Unbekannter dort angerufen und dem Mann erneut gedroht, ihn zu töten - ihn in dieser Nacht noch zu töten. Nach 2 Uhr trafen Mandy Schulz und seine Begleiter in der Villa ein und als der Mann ins Badezimmer ging, wurde er durch die Fensterscheibe erschossen. Wir waren wir nicht die einzige Institution, die Frau Eber angerufen hatte. Mehrere Reporter der zahlreichen Lokalblätter fanden sich im Hause ein, um die letzte Pose des Mandy Schulz fotografisch festzuhalten, wenn sie auch das Ereignis des Jahres -die Erschießung des stadtbekannten Playboys- verpasst hatten. Wie immer in solchen Fällen, mache ich mir Gedanken, welchem von meinen Inspektoren der Mordfall liegen könnte. Robert Heines ziehe ich in Betracht, wenn es sich um besonders hartgesottene Burschen handelt; ein Fall entweder in der Unterschicht mit ihren Abgründen aus Alkoholismus und Geldmangel angesiedelt ist, oder die Verdächtigen eine Autorität brauchen, die sie zum Reden bringt. Er fackelt nicht lange, ist geradeheraus, ehrlich und zielstrebig. Walter Grabert hingegen nehme ich gerne, wenn es sich bei dem Mordopfer um eine Frau handelt. Er ist einfühlsamer als Robert Heines und hat durch Anwendung von Charme und Taktgefühl Zugang zu den vornehmen Kreisen. Im Fall Mandy Schulz wollte ich mein gesamtes Team miteinbeziehen, da mir -dem Kriminalkommissar im gewissen Alter- die Sphäre, in der Mandy Schulz verkehrte, fremd war und ich zunächst kein Motiv für die Tat ausmachen konnte. Die Reaktionen meiner Mitarbeiter entsprachen wie erwartet meiner Einschätzung ihres Charakters: Robert Heines kritisierte den Lebenswandel von Schulz, der aufgrund einer Erbschaft nie gearbeitet hatte und Tag und Nacht feierte, mit einer oberflächlichen Clique herumzog und die Frauen wie seine Seidenhemden wechselte. Walter Grabert bemerkte beim Lokaltermin in der Mordvilla, bei dem auch der Onkel des Verstorbenen anwesend war, dass mit dem Tod des Lebemanns auch der Glanz entwichen sei. Zusammen mit Erwin Klein suchte ich die Reporterin Almut Hauenschild auf, die Mandy Schulz sehr gut gekannt hatte und uns erstmals auf Elisabeth Krugmann aufmerksam machte; jenes Mädchen, das vor zwei Wochen Selbstmord begangen hatte. Wir ließen uns Bilder aus der Zeit ihrer Beziehung zu Schulz zeigen; befragten Willy Schmidt, der sie mit Mandy bekannt gemacht hatte und lauschten der emotionslosen Schilderung von Frau Eber, die den Rauswurf aus der Villa durchführen musste, da Mandy selbst dafür zu feige war. Schließlich trafen wir in der ehemaligen Wohnung von Elisabeth Krugmann auf ihren Bruder Albert, der nach München gekommen war, um den Nachlass seiner Schwester zu ordnen und die Wohnung aufzulösen. Er erzählte, wie Elisabeth sich hinter den Auspuff von Mandys Sportwagen gelegt hatte, weil sie nicht damit fertig wurde, dass der Mann sie am Ende genauso behandelte wie seine früheren Freundinnen. Albert Krugmann beeindruckte mich sehr, obwohl ich mir als Kriminalkommissar eigentlich keine Gefühle leisten sollte. Aber wenn ich mir nicht immer wieder vor Augen halten würde, dass ich es mit (fehlbaren) Menschen zu tun habe, könnte ich einen Fall nie lösen.
Weitere Gespräche mit Willy Schmidt, Frau Eber und dem Onkel von Mandy Schulz ergaben das Bild eines im Grunde sehr unsicheren Mannes, der voller Ängste und Komplexe war, dem das Erbe seiner Familie zwar finanzielle Unabhängigkeit verschaffte, der sich seinen Platz in der Gesellschaft jedoch nur dadurch erkämpfte, dass er exzessiv lebte, ohne etwas Neues hervorzubringen. Er tat das, was alle Müßiggänger tun, wenn sie im Kreise ihrer sogenannten Freunde auffallen wollen.
Obwohl alle Hinweise darauf deuteten, dass Mandy Schulz wegen seines Verhaltens in Bezug auf Elisabeth Krugmann getötet wurde, recherchierten wir weiter. Bald erhielten wir die Meldung, dass 50 000 DM aus dem Tresor des Opfers entwendet worden waren. Auch die Frage, wer eine Schusswaffe besessen hatte, musste geklärt werden. So konnten wir am Ende den Täter überführen, der nach einem Fluchtversuch festgenommen wurde. Er zeigte keine Reue.

(mit: Helmuth Lohner, Peter Fricke, Barbara Rütting, Donata Höffer, Dieter Prochnow, Andreas Seyferth, Evelyne Krafft, Veronika Fitz, Karl Lange, Kai Fischer u.a.
Regie: Wolfgang Becker)

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

31.03.2011 15:49
#156 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

BEWERTET: "Kellner Windeck" (Folge 41/ Erstausstrahlung am 26. November 1971)
mit: Michael Verhoeven (Johannes Windeck), Claus Biederstaedt (Herr Millinger), Inge Langen (Maria Gruber), Hans Korte (Herr Gruber), Angela Salloker (Frau Lorenz), Edith Heerdegen (Frau Göbel), Rose-Marie Kirstein (Franziska Millinger), Wolfgang Giese (Harald Gruber), Thomas Frey (Erich Lorenz), Iris Berben (Model) u.a.

Inhalt: Ein Fotograf will am frühen Morgen mit seinen zwei Modellen Aufnahmen an einem Brunnen machen. Als eine der Frauen zufällig hineinsieht, entdeckt sie die Leiche eines jungen Mannes. Johannes Windeck ist erwürgt und anschließend in den Brunnen geworfen worden. Seine Schuhe hat ihm jemand ausgezogen und ordentlich an den Rand gestellt. Kommissar Keller ermittelt im privaten und beruflichen Umfeld des Opfers und muss erkennen, dass der junge Mann besonders bei den Frauen beliebt war, die sich durch seine Anteilnahme und sein mitfühlendes Wesen verstanden fühlten.

Für den spärlichen Humor in dieser Folge sorgt Käthe Rehbein, die beim Anblick der Fotografie des Mordopfers den Kopf schüttelt: "Um einen Mann weinen? Niemals!"
Sie lebt äußerst zufrieden in ihrer kleinen gemütlichen Wohnung, die sie selten sieht, da sie meistens im Büro ist, um Berichte abzutippen oder für die Herren Kaffee zu kochen. Selig diejenigen, die nichts erwarten, denn sie können nicht enttäuscht werden.
Anders liegt der Fall freilich im Gasthof Millinger. Der routinierte Alltag wurde durch die Anwesenheit des freundlichen Kellners positiv verändert; gleich drei Frauen fühlten sich von Windecks Art angesprochen. Wie immer, hat auch diese Medaille eine Kehrseite: Herr Millinger, Herr Gruber und Herr Lorenz sahen es nicht gern, wenn ihre Frauen bzw. ihre Mutter mehr an Johannes Windeck hingen, als an ihnen. Die Ursache dafür übergingen sie geflissentlich. Männlicher Stolz war verletzt worden, eine Schmach, die mehr schmerzte als der Verlust der (bereits seit langer Zeit) ungeliebten Gattin. Nur einer hat den Mord begangen, gebilligt wurde er jedoch von allen.
Der Schauspieler und Regisseur Michael Verhoeven glänzt einmal mehr als sensibler junger Mann, der so ganz anders ist als seine Vätergeneration. Ihm gegenüber stellt man Claus Biederstaedt, der sich vom charmanten Liebhaber der Fünfziger Jahre zum harten, sarkastischen Mann "in den besten Jahren" gewandelt hat. Seine Auftritte innerhalb der "Kommissar"-Reihe sind allesamt negativ besetzt. Stets sieht man ihn ungehalten und beleidigend. Erik Ode, der bei dieser Episode Regie führt, ist es gelungen, die Geschichte so zu erzählen, dass sie nachvollziehbar bleibt. Die Beweggründe der Personen werden realistisch geschildert und es gibt viele Momente, die berühren. In keinem Augenblick verurteilt man die Handlungen einer Maria Gruber, obwohl die Reihe ansonsten recht hart über "Ehebrecher" urteilt. Die urige Gastwirtschaft, die unvermeidliche Gereutvilla und die nächtlichen Straßen inklusive des plätschernden Brunnens lassen die Büroatmosphäre in den Hintergrund treten.
Es ist einer der wenigen Mordfälle, bei denen geweint und getrauert wird. Eine ähnliche Stimmung konnte ich nur in der Episode "Als die Blumen Trauer trugen" ausmachen, allerdings beklagt man dort den Tod eines jungen Mädchens, das an den Folgen einer Abtreibung gestorben ist. Umso engagierter geht Kommissar Keller zu Werk, um die listigen Verbrecher ans Licht zu zerren. Es ist seine Sache, weshalb sich Robert, Walter und Harry ein wenig im Hintergrund halten. Wäre er ein paar Jahre jünger, so packte er sicher den Mörder ebenso hart an, wie sein Kollege Stefan Derrick in "Mitternachtsbus"......

Georg Online




Beiträge: 3.222

03.04.2011 11:19
#157 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

83. Das goldene Pflaster
Ein toter Mann aus der Türkei wird in einer Baugrube aufgefunden. Robert, Walter und Erwin ermitteln vor Ort, der Kommissar ist zur Rehabilitation in Wien. Die erste Spur führt in ein nahegelegenes Haus, in dem türkische Gastarbeiter wohnen. Eine nette alte Dame (Rose-Renée Roth) versteckt ca. 20 illegale Einwanderer in ihrer Wohnung. Dann wird immer sicherer: die Spur führt nach Wien, wo sich Keller gerade befindet.

Nachdem ich diese Folge nun wieder mal gesehen habe, muss ich sagen, dass sie eine der besten der ganzen Serie ist. In wenigen Fällen prangert Reinecker eine Situation dermaßen an, wie hier den "Alltag" türkischer Gastarbeiter. Er zeigt, auf welche unmenschliche Weise diese Menschen, die auf Arbeit- und Glückssuche sind, nach Deutschland gebracht werden und über welche kriminellen Wege das geht. Dass dann ausgerechnet der Mitarbeiter der türkischen Botschaft in Wien der Drahtzieher ist, ist vielleicht etwas provokant, dass deshalb die Folge bis heute gesperrt ist, allerdings lächerlich. Jedermann weiß, dass "Der Kommissar" Fiktion ist. Wo waren die Aufschreie der Bankdirektoren, Buchhändler, Jugendlichen, frustrierten Hausfrauen, als diese im "Kommissar" zum Täter wurden? Sie hatten wahrscheinlich nur nicht so eine große Lobby hinter sich, wie hier die Botschafter :D.
Dramaturgisch gesehen bleibt als Täter auch nur der Botschafter übrig, denn sonst gibt es keinen Verdächtigen.
Wolfgang Beckers Regie enttäuscht auch hier wieder nicht, die Musik ist genial eingesetzt, das Einstreuen humoristischer Einlagen gekonnt: Walter Sedlmayr als grantelnder U-Bahnkontrolleur ("Letzte Woch war einer da, der hat gsagt, er is vom Geheimdienst!!") und Herbert Prikopa als Wiener Taxifahrer, der für tausend Schilling bei Stau schon mal auf dem Gehweg fährt ("Sehens eh, die Straßen is blockiert!") sind genial. Ebenso genial wie unheimlich und kalt ist Traugott Buhre als Geldbote, der dann spektakulär am Eingang des Wiener Kaffeehaus von Maschinengewehrsalven niedergestreckt wird (sehr gut von Becker inszeniert).
Richtig unheimlich ist die abgelegene Bar am alten Wiener Hafen, die nachts in gruseligem schwarz-weiß Lichtspiel als Versteck der Illegalen entlarvt wird.
Bei all dem Lob, muss ich auch ein paar Punkte kritisieren:
1. Das Wienbild, das Becker zeichnet, ist allzu klischeehaft. Kommissar Keller wohnt natürlich in einem Hotel mit Blick auf den Stephansdom und der Geldbote telefoniert ausgerechnet aus einer Telefonzelle hinter dem Riesenrad. Das Granteln der Wiener Personen (Muliar, Tilden) wirkt teilweise etwas überzogen.
2. Die Assistenten fahren mit dem Nachtzug von München nach Wien. Robert nimmt ein Schlafabteil. Der Zug kommt laut Anzeigentafel in Wien um 9.50 an. Die Strecke wird heute in gut 5 Stunden erledigt. Da frage ich mich, welche Strecke der Zug gefahren ist? Über Berlin? Über Prag? Oder gar über Venedig? Anders ist eine Zugfahrt von errechneten 12 Stunden nicht zu erklären. Oder ganz einfach: ein lästiger Regiefehler!
Bleibt zu erwähnen, dass "Das goldene Pflaster" die einzige Kommissar-Folge ist, in der Bezug auf eine vorhergehende genommen wird. In Folge 82 "Traumbilder" wird Kommissar Keller schwer verletzt. Deshalb befindet er sich nun, in Folge 83, zur Kur in Wien. In einer Einstellung gibt's sogar eine Rückblende auf Folge 82, in der er angeschossen wird. Das war beim "Kommissar" wie gesagt einmalig und kam später nur nochmal bei "Derrick" - auch hier einzigartig - vor, als der Oberinspektor in "Attentat auf Derrick" lebensgefährlich verletzt wurde und Harry deshalb in der darauffolgenden Episode "Die Schrecken der Nacht" nochmals allein ermitteln musste.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

03.04.2011 13:11
#158 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Laut dem aktuell gültigen Fahrplan der ÖBB könnte Robert den Zug am Münchner Hauptbahnhof um 23.55 Uhr bestiegen haben. Der Zug fährt bis Regensburg und hat dort circa drei Stunden Aufenthalt. Um 9.04 Uhr rollt die Bahn dann am Wiener Hauptbahnhof ein (Dauer der Fahrtzeit: 9 Stunden und 9 Minuten). Ansonsten wird die Strecke bei Tag ohne Umsteigen in 4 bis 5 Stunden bewältigt.

Schön, dass Dir diese gesperrte Episode vorliegt. Ich finde es besonders interessant, dass Bezug auf die vorhergehende Folge genommen wird. In Folge 84 ("Am Rande der Ereignisse") klagt Keller noch über Schmerzen beim Treppensteigen.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

11.04.2011 16:22
#159 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

Bewertet: "Traumbilder" (Folge 82/ Erstausstrahlung am 27. Dezember 1974)
mit: Sabine von Maydell (Martina Linnhoff), Harry Meyen (Dr. Wieland), Paul Hubschmid (Hans-Joachim Kremer), Alexander Golling (Herr Schambers), Inge Langen (Frau Linnhoff), Peter Chatel (Andreas Herkel), Irene Marhold (Frau Korbmacher), Wolfrier Lier (Herr Korbmacher), Frank Forster (Hans-Werner Schreck) u.a. - Regie: Helmuth Ashley

Episode 82 blieb viele Jahre im sogenannten "Giftschrank" des ZDF, weil sich ein Münchner Restaurant-Besitzer durch eine Dialogpassage auf den Schlips getreten fühlte. Er erreichte eine Sendesperre für "Traumbilder", da seit der Ausstrahlung der Folge angeblich die Gäste ausbleiben würden. Der Grund für die Beanstandung: Heines und Grabert tarnen sich bei dem Weinhändler Schambers als potenzielle Kunden, die am Rotkreuzplatz ein französisches Restaurant aufmachen wollen. Schambers rät ihnen ab, weil der Rotkreuzplatz angeblich keine gute Gegend für französische Küche sei.
Mittlerweile darf die Episode seit Jahren wieder gezeigt werden, im Gegensatz zu Folge 83, die bis heute im Archiv verstaubt.

Inhalt: München, Prinzregentenstraße. Kommissar Keller ist gerade auf dem Weg nach Hause, als er im Auto einen Anruf seiner Sekretärin erhält. Ein junger Mann habe im Büro angerufen, da er sich in Lebensgefahr befinde. Als Keller den Wagen bei der Telefonzelle stoppt, kann er gerade noch in Deckung gehen, als eine Maschinengewehrsalve auf ihn und den Anrufer losgeht. Der junge Mann -Andreas Herkel- ist tot, Kommissar Keller wird mit einem Steckschuss im Bein ins Krankenhaus eingeliefert.

Geld und Macht, Liebe und Begehren: Auf diesen vier Säulen sind die meisten Kriminalfälle gebaut. Der Mensch wird zum Großteil aus einem dieser Gründe straffällig; manchmal auch aus einer Kombination von allen vieren. Im vorliegenden Fall haben wir es mit eiskalten Verbrechern zu tun, denen ein Menschenleben nichts, materieller Gewinn jedoch alles bedeuten. Die Ermittlungen werden diesmal vor allem von Robert Heines und Walter Grabert geführt; Kommissar Keller liegt zwar darnieder, empfängt aber an seinem Krankenbett den Mann, den er für den Drahtzieher des Verbrechens hält.
Die guten darstellerischen Leistungen untermalen eine Episode mit Tiefgang. Peter Chatel hat eine kleine Rolle als erstes Mordopfer. Seine vier Auftritte innerhalb der Serie bleiben durch sein ernsthaftes Spiel und die tragische Komponente seiner Figuren im Gedächtnis. Sabine von Maydell gibt ihr Gastspiel als traumatisierte junge Frau, die zwei Todesfälle in ihrem Freundeskreis verkraften muss und die sich der Realität durch den Verlust ihrer Erinnerungen entzieht. Von beklemmender Nachhaltigkeit ist die Darstellung von Inge Langen, die eine resignierte, von den Ereignissen der letzten Monate gebrochene Frau zeigt. Ihr Gefühlszustand wird von Hans Hammerschmids Musik treffend unterstrichen, ihr verlorener Blick hallt noch lange nach. Auf der anderen Seite sehen wir die kraftvolle Erscheinung des Hünen Paul Hubschmid. Ein Bonvivant, dreimal geschieden, Luxuswagen für 80.000 DM, eine Segelyacht am Starnberger See - kurzum: Ein Mann, dessen Lebensstil erst einmal finanziert werden muss. Und das gewiss nicht durch harte Arbeit. Wie in den meisten solcher Fälle, stehen hinter dem strahlenden Aushängeschild der Organisation Hintermänner, die fürs Grobe zuständig sind und kleine Handlanger, die man durch Einschüchterung mürbe gemacht hat. Menschliches Versagen ist ein Risikofaktor, der in Verbrecherkreisen doppelt schwer wiegt. Alexander Golling zeichnet den Weinhändler Schambers als alten Mann ohne Hoffnung, als Träumer. Er giert noch immer nach jungem Blut, weiß jedoch, dass sich freiwillig niemand mehr mit ihm abgibt. Er verkauft seine Seele (seine traditionsreiche Weinhandlung) an den Teufel (Schreck) und erhält als Gegenleistung durch LSD gefügig gemachte Mädchen zugeführt. Schambers ist das schwache Glied in der Kette, das die Organisation zu Fall bringen wird. Wäre man nur beim Drogenschmuggel geblieben! So hat die Suche nach der verlorenen Zeit nicht nur den Weinhändler aufs Abstellgleis geführt, sondern auch den flotten Herrn Kremer.
Fazit: Eine düstere "Kommissar"-Folge, in der Helmuth Ashley noch einmal zeigen kann, was er bei "Das Rätsel der roten Orchidee" draufhatte. Vernünftigerweise werden die Machenschaften von Schreck und Schambers nicht in Rückblenden erzählt, die den Fall nur gedehnt hätten. So bleibt das Grauen im Kopf des Zusehers; die kalte Angst und die Bedrohung aus dem Nichts ständig greifbar.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

15.04.2011 16:54
#160 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

DAS MESSER IM GELDSCHRANK

Auch beim diesmaligen Wiedersehen konnte mich diese Folge aus der Frühphase der Serie nicht wirklich überzeugen. Bin nicht sicher, woran es im Endeffekt liegt, vielleicht an der zum Teil etwas reißbrettartigen und oberflächlichen Charakterisierung der in den Fall verwickelten Menschen oder an der altmodisch-verstaubten und wenig zeitgenössisches Flair versprühenden Studioatmosphäre vieler Szenen. Man wähnt sich eher in einem statischen Kriminalstück der frühen sechziger Jahre denn in einem für die Kommissar-Reihe eigentlich typischen, mit knallhartem Zeitgeist angereicherten authentischen Kriminaldrama. Und auch die Story um den Mord an einem Animiermädchen in einer Nachtbar ist so originell nicht,
dass sie diese Unzulänglichkeiten übertünchen könnte - wenn auch die Auflösung die eine oder andere Überraschung birgt und sich Regisseur Becker mit manchen Szenen und Kameraeinstellungen Mühe gab.

Dass die Folge doch unterhält, ist vor allem ein Verdienst des quirligen Erik Ode, der mit viel Freude aufspielt und einige schöne Szenen zu bestreiten hat. Ein neuer Fall scheint die beste Medizin für den durch eine Grippe ans Bett gefesselten Kommissar, denn es dauert nicht lange, bis er gesundet in die Ermittlungen eingreift und mit einer z.T. hellseherischen Begabung das Verbrechen aufklärt. Seinen Assistenten bleibt da nur die Statistenrolle, einzig Harry darf – mit Seitenscheitel und Sherlock Holmes-Pfeife – für seinen erkrankten Chef erste Ermittlungen führen. Auch die Damen haben nicht viel Spielraum: zunächst umsorgt Frau Keller noch ihren kranken Mann, dann aber schläft er lieber wieder im Büro und lässt sich von Rehbein (zu starken) Kaffee und Rotwein servieren.

Bei den Gaststars überzeugt vor allem Ann Smyrner als ausgebrannte Kollegin der Toten, lässt Verzweiflung und Zerbrechlichkeit erkennbar werden (nur in den Schlussszenen wirkt sie etwas unglaubhaft), Lukas Ammann, Herbert Bötticher und Wolfgang Völz gefielen mir in ähnlicher Konstellation im 1967-Kriminalmuseum „Kaliber 9“ besser, Trude Breitschopf als Putzfrau hat in ihrem Leben wahrscheinlich Schlimmeres gesehen als ein totes Mädchen.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

19.04.2011 15:54
#161 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

IN LETZTER MINUTE

Albert Kossitz, vor sechs Jahren wegen Totschlags verurteilt, kommt vorzeitig aus dem Zuchthaus frei. Das löst nicht nur unter den damals in den Fall verwickelten Personen Nervosität aus, auch der Kommissar muss sich fragen, was damals wirklich geschah und ob Kossitz auf Rache sinnt …

Um die endgültige Aufklärung eines zurückliegenden und die Verhinderung eines neuen Verbrechens geht es in dieser Folge aus dem Jahr 1970. Das klingt viel versprechend, allerdings bleibt das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück – zu vorhersehbar entwickelt sich die Story, zu unspektakulär plätschern die Ereignisse dahin, zu wenig geht man bei der Zeichnung der Figuren in die Tiefe. Nach zehn Minuten ist mehr oder weniger offensichtlich, warum und durch wen das Komplott geschmiedet wurde, das einen Unschuldigen hinter Gittern brachte. Danach läuft die Sache relativ spannungslos auf ihr wenig überraschendes Ende zu – und Reinecker verabsäumt es, der Geschichte mit einem Überraschungseffekt oder einem unkonventionellen Schluss noch auf die Sprünge zu helfen. Beckers Regie lässt auf intensive, fast schmutzige Art die prallen 70er-Jahre lebendig werden und versteht es nicht ungeschickt zu verschleiern, dass es sich bei der Nachtbar, die im Mittelpunkt der Handlung steht, nur um Studiokulissen handelt.

Die Besetzung ist bis in die Nebenrollen prominent, kann aber aus den Stereotypen des Drehbuchs nicht immer das Optimale herausholen. Am besten schlagen sich Heinz Reincke als abgeklärter und auf Vergeltung sinnender Kossitz und Eva Kinsky, die sich als Tochter des damaligen Opfers plötzlich mit einer ungewöhnlichen neuen Situation konfrontiert sieht. Maria Sebaldt kommt erst zum Ende hin richtig ins Spiel, zeigt überzeugend Angst, Verzweiflung und schließlich Resignation. Peter Eschberg (die Verpflichtung des Durbridge-Stars bei der ZDF-Konkurrenzserie wirbelte damals wohl ein bissl Staub auf) und Gisela Uhlen bleiben unterfordert und demzufolge auch nicht wirklich im Gedächtnis. Eric Pohlmann erinnert mich als zwielichtiger Nachtclub- und Spielhöllenbesitzer ein wenig an Sidney Greenstreet. Erik Odes Kommissar bleibt auch in dieser Folge eine glaubwürdige, engagierte, zutiefst menschliche Figur – erst in wahrhaft „letzter Minute“ gelingt es ihm, Schlimmeres zu verhindern.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

20.04.2011 17:15
#162 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

… WIE DIE WÖLFE

Schauplatz dieser düsteren und kammerspielartigen Folge ist ein heruntergekommenes altes Mietshaus, das von einer Gruppe vom Leben enttäuschter und am Leben gescheiterter Existenzen bewohnt wird: einem Uhrmacher, der an chronischen Kopfschmerzen leidet und keinen Lärm verträgt (Wolfgang Engels), einem altklugen Studenten, für den Menschen nur Studienobjekte sind (Volkert Kraeft in seiner Paraderolle), einem verschlossenen Obsthändler, der mit einem mobilen Verkaufsstand Tag für Tag die Stadt abklappert, während seine Frau krank im Bett liegt (Heinz Meier und Ann Höling), der neugierigen, schwatzhaften, im Grunde verzweifelt einsamen Frau Beilke, die ihre Nachbarn kontrolliert, an Türen lauscht und Abend für Abend in einer Tanzbar ein bisschen Glück sucht (Grete Mosheim), einer jungen Kellnerin, für die das Haus nur Durchgangsstation in ein besseres Leben sein soll (Hilde Brand), einem alkoholkranken Fotografen, der seine Kameras verpfändet hat, um seine Sucht finanzieren zu können (Horst Tappert mit stierem Blick und unrasiertem Kinn). Und dem bedauernswerten Opfer, der alten Frau Kluge, der das vermeintliche Glück, ein Lottogewinn von 3000,- Mark, zum tödlichen Verhängnis wird. Auch sie ist einsam und vergessen, steht jedoch plötzlich im Mittelpunkt, den jeder der Hausbewohner und ihr nichtsnutziger Neffe (Pierre Franckh) gieren wie hungrige Wölfe nach dem Gewinn, um sich damit einen Ausweg aus ihrem ausweglosen Leben erkaufen zu können.

Herbert Reineckers Drehbuch ist mehr als ein klassisches Whodunit-Krimirätsel, gelingt es ihm doch auch, die alltäglichen Schicksale, menschlichen Abgründe und die Hoffnungslosigkeit hinter den Wohnungstüren lebendig und greifbar werden zu lassen - wenn auch, wie fast immer bei Geschichten dieser Art, die Komprimierung etwas konstruiert wirkt. Das Drama spielt sich fast ausschließlich in und um das Mietshaus ab, dabei teilt sich die Folge in zwei Hälften, wird nur von einer geschickt ausgeleuchteten und fotografierten Szene im Büro des Kommissars unterbrochen, im ersten Teil werden Ermittlungen, erste Befragungen und Kontaktaufnahmen gezeigt, in zweiten Teil sieht man die minutiöse Rekonstruktion des Mordabends, die schließlich zur Entlarvung des Täters führt. Das Ende kommt etwas zu abrupt, ein paar Erklärungen oder abschließende Worte hätten mich nicht gestört.

Aus der durchwegs gut aufspielenden Darstellertruppe ragen Grete Mosheim (bereits in den 20er und 30er-Jahren eine bekannte Schauspielerin) als aufdringliche Nachbarin und Horst Tappert als abgehalfterter Säufer heraus. Erik Ode nimmt sich in seiner Darstellung etwas zurück, lässt den Gaststars Raum und Auftritt, sympathisch sein Versprecher im Stiegenhaus. Wolfgang Staudtes phantasievolle Inszenierung wird von interessanten Kamerapositionen und einer eindrucksvollen Schwarzweiß-Fotografie getragen, Peter Thomas’ Musik wirkt etwas ungewöhnlich, passt aber gerade deshalb.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

02.05.2011 14:15
#163 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

BEWERTET "Ein Mädchen nachts auf der Straße" (Folge 64/ Erstausstrahlung am 5. Oktober 1973)
mit: Curd Jürgens (Harald Bergmann), Uschi Glas (Inge Sobach), Inge Birkmann (Elvira Bergmann), Amadeus August (Rolf Bergmann), Eva Berthold (Hannelore Bergmann), Dieter Eppler (Fluglehrer), Erni Singerl (Wirtin), Hans Elwenspoek (Hausmeister Koberke) u.a.
Regie: Theodor Grädler

Hausmeister Koberke erhält einen anonymen Anruf. Er soll nachsehen, ob bei Inge Sobach alles in Ordnung ist. Als er die Wohnung der Studentin betritt, findet er sie tot auf ihrem Bett vor; sie ist erwürgt worden. Die Wohnung war ihr vom Unternehmer Bergmann gekauft worden. Er hat die junge Frau finanziell und beruflich gefördert, da sie so ganz anders war als seine steife, gefühlsarme Familie.

Uschi Glas ist ein Glücksfall für diese "Kommissar"-Folge. Ihre herzliche Ausstrahlung, die ungekünstelte und kraftvolle Weise, in der sie die Studentin voller Zukunftspläne darstellt, bringt frischen Wind in die Serie und verleiht dieser Episode Optimismus. Curd Jürgens, dessen Zusage für zwei "Kommissar"- Folgen beim ZDF für Überraschung sorgte, gab sich nicht nur als Mentor Harald Bergmann spendabel: "Während der Dreharbeiten zu der Folge EIN MÄDCHEN NACHTS AUF DER STRASSE hatte Curd Jürgens die wunderbare Uschi Glas in ein Prominentenlokal in der Brienner Straße eingeladen und ich sollte ein paar schöne Fotos machen. Da haben wir dann den Kaviar mit Löffeln gegessen. Ach, dem berühmten Schauspieler war völlig egal, wie teuer das alles wird. Der Mann war wirklich sehr großzügig." (Fotograf Maximillian Marhoffer in "Der Kommissar" von Gerald Grote, Schwarzkopf & Schwarzkopf, Seite 69)
Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Dieses Sprichwort bewahrheitet sich in der Familie des reichen Herrn Bergmann, dessen Frau und Tochter sich ihren Wohlstand nie erarbeiten mussten und keinerlei Ambitionen zeigen, außer jene, den Ehemann und Vater von Inge Sobach abzubringen. Die junge Frau, geistig und körperlich aktiv, versprüht eine Lebensfreude, wie es sie in der von Formalitäten dominierten Villa Bergmann schon lange nicht mehr gibt. Der Sohn Rolf fügt sich zwar, um den Schein nicht zu gefährden, schlägt im Charakter jedoch seinem Vater nach, weshalb auch er der Faszination der Studentin erliegt. Der Kommissar vermutet Eifersucht als Mordmotiv, kann den Täter allerdings nicht sogleich ausmachen, da zwischen Vater und Sohn eine gewisse Rivalität um Inge bestand. Dass es am Ende doch noch einen überraschenden Twist gibt, verleiht dem Tod der Studentin doppelte Tragik. In einer kleinen Nebenrolle sieht man Dieter Eppler auf dem Flugplatz, während Erni Singerl in ihrer misstrauischen Art Curd Jürgens unlauterer Motive verdächtigen darf.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

26.06.2011 13:12
#164 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

BEWERTET: "Der Mord an Dr. Winter" - Erstsendung am 25. April 1975 als 87. Folge der Serie
mit Rudolf Platte, Marianne Hoppe, Werner Schnitzer, Andrea L'Arronge, Sascha Hehn, Xenia Pörtner, Elisabeth von Molo, Helmut Stange u.a., Regie: Johannes Schaaf

Die Schule als Schauplatz eines Verbrechens oder als Stätte der Begegnung zwischen jugendlichem Elan und festgefahrenen Akademikermeinungen war schon immer ein beliebtes Thema der "Kommissar"- Serie.
Ein Mann liegt im Straßengraben mit einer Kugel im Herzen. Es handelt sich um den Studienrat Dr. Winter, der an einem Gymnasium tätig war und sehr zurückgezogen lebte. Der erste Weg der Polizei führt natürlich an seinen Arbeitsplatz, um Kollegen und Schüler zu befragen. Bald stellt sich heraus, dass der Tote kein geselliger Mann war, eine Eigenschaft, die ihn beim Lehrerkollegium und den Schülern zum Aussenseiter werden ließ. Nur Frau Studienrätin Echte hielt zu ihm. Sie verteidigte ihn, half im Haushalt und wollte ihm seinen Alltag ein wenig erleichtern. Vielleicht wäre es ihr auch gelungen, ihn aus seinem Tief herauszuholen, wenn dies alles früher geschehen wäre. Doch die letzten dreißig Jahre als Witwer haben den Mann geprägt. Er hat seine Frau und seine Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Gleichgültigkeit und Geldgier eines Unbekannten verloren. Deren sinnloser Tod hat ihn gebrochen und ihm das Vertrauen zu den Menschen geraubt. Marianne Hoppe gelingt es, eine starke, unabhängige Frau zu skizzieren. Eine Frau, die selbst ein ruhiges, monotones Leben führt - die sich aber nie aufgegeben hat, teils aus Selbstachtung, teils aus einem großen Gerechtigkeitssinn heraus. Ganz anders Rudolf Platte. Er strahlt Angst aus, Misstrauen und Zögerlichkeit. Seine hagere Figur wird durch die Lebensenergie der Schüler an den Rand gedrängt; sie bestätigt ihn nur in seiner Annahme, dass die Literatur und die Welt des Wissens die einzige Zuflucht für einen Mann wie ihn sein kann. Paradoxerweise wird gerade dieses (angebliche) Vorurteil durch die Entwicklung der Geschichte bestätigt. Der Pfarrer erzählt von der Scheu seines Freundes, von den Selbstzweifeln und der Unsicherheit des Lehrers. Doch rückblickend erkennen wir, dass die Einsamkeit einen Selbstschutz für den empfindsamen Mann darstellte. Das Brechen mit diesem Prinzip bedeutete seinen Tod.
In den Rollen der Jugendlichen stechen vor allem der smarte, hier noch ein wenig ungehobelte Sascha Hehn (bereits mit Föhnfrisur) und die zielstrebige Andrea L'Arronge heraus; beide haben nur den eigenen Vorteil vor Augen und negieren bewusst den Platz, der anderen Menschen zusteht. In Ausübung seines Amtes weitsichtiger ist hier der Pfarrer, der als Mann des Glaubens und persönlicher Freund des Toten den Überblick behält und das Finale zu einem ruhigen -zwar durch Rückblenden untermalten- Stück Geschichte gestaltet. Im Gegensatz dazu steht die Tanznummer "Never can say Goodbye" von Gloria Gaynor, die Übermut und Lebenskraft der jungen Generation verkörpert.
Eine Folge mit Tiefgang, die den Zuseher länger beschäftigt und deshalb mehr als ein klassischer Rätselkrimi ist.

Cora Ann Milton Offline



Beiträge: 5.110

27.09.2011 20:43
#165 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · Antworten

"Die Schrecklichen" ist eine meiner absoluten Lieblingsfolgen der Serie mit viel Atmosphäre (vor allem in der rauchgeschängerten Kneipe). "Corinna, Corinna" ist eine Eigenkomposition von Peter Thomas für diese Episode und hat mit dem Schlager von Ray Peterson, den Peter Beil später auf deutsch interpretierte nichts zu tun. Ich bin jedoch ziemlich sicher, dass Peter Beil die Kompostion von Peter Thomas gesungen hat. Erik Ode hat wunderbbare Momente mit Anita Höfer, die ihm unter anderem ganz kess über die Nase fahren darf und sich erkundigt, ob er auch von der Polizei sei. "Das frage ich mich täglich!" gibt er lässig zurück. Seinen für mich schönsten Moment in dieser Folge hat Erik Ode, als sein Kommissar Keller - erschöpft von einem Verhör mit vier Verdächtigen nachts gegen elf Uhr - sich müde gegen die Musikbox lehnt, sich "Corinna, Corinna" als Instrumentalversion anhört und raucht. Zunächst zeichnet sein Gesicht nichts als Erschöpfung, dann zieht ein leises Lächeln des Triumphs in seine Augen, und als er sich wieder den Anderen zuwendet, weiß er, wie er der Täter mit einer List doch noch habhaft werden kann. Ähnlich schöne Momente gibt der Regisseur Zbynek Brynych Erik Ode noch in zwei seiner weiteren Episoden. In "Der Papierblumenmörder" tanzt Kommissar Keller in einem Lokal ganz mit sich allein zu wunderbar leichtfüßig klingender Musik einen langsamen Walzer, ehe er sich zur Ordnung ruft, weil er schließlich ein Verbrechen aufklären muß. In "Parkplatz-Hyänen" schiebt ihm Marianne Hoppe in einem Lokal eine Zigarette zwischen die Lippen, was er mit einem Lächeln quittiert und fixiert unentwegt wie in einem Western (dazu läuft aus der Musixbox passenderweise "Ghostriders in the sky" von Johnny Cash) Günther Neutze (den verdächtigen Wirt) bis er ihn schließlich verhaftet.

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