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Dieses Thema hat 599 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Jan Offline




Beiträge: 1.306

17.09.2008 21:06
#76 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Mein Fazit fällt deutlich nüchterner aus!

Als ich die Folge am Sonntag abend wieder sah, wurde mir erneut bewusst, warum es sich um eine nicht allzu oft bei mir abgespielte Folge handelt. Das Geschehen erinnert eher an eine späte "Derrick"-Folge und ähnelt in ihrem Wesen mehr dem von mir nicht sonderlich geschätzten Kammerspiel. Reinecker hat die Geschichte in abgewandelter Form diverse Male verarbeitet. Ein Beispiel, wie es ihm deutlich gelungener aus der Feder floss, ist z.B. Ashleys "Sein letzter Coup".

Reincke passt sehr gut in seine Rolle, ebenso der viel zu selten auf der Mattscheibe vertretene Peter Eschberg ("Wie ein Blitz"). Maria Sebald halte ich hier wie überall anders für unpassend.

Regie führte Wolfgang Becker, was mich dann letztendlich doch wieder überrascht hat. Sein Regiestil ist normalerweise nicht derart nichtsagend und belanglos, wie in dieser Folge. Er setzt normalerweise sehr sorgsam Musik ein, hat ein sehr gutes Händchen für die Auswahl des korrekten Soundtracks. Davon ist hier leider nichts zu spüren. Die Folge ist schlicht heruntergekurbelt. Recht lieblos sogar. Da ich nicht mehr genau wusste, dass Becker Regie führte, tippte ich währenddessen das Geschehen ablief eher auf Grädler. Die Folge entspricht eigentlich mehr seinem Stil!

Fazit: 2,5 von 5 Punkten

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

17.09.2008 21:28
#77 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Diesen Anmerkungen muss ich vehement widersprechen, besonders was die Regie angeht. Für mich ist die Inszenierung dieser Folge eine der angenehmsten der gesamten Serie. Wolfgang Becker verstand es hier wie in allen seiner mir bisher bekannten Episoden, den Kriminalfall in der Inszenierung in den Mittelpunkt zu stellen und ihn nicht wie Brynych oder Haugk durch unnötigen Firlefanz zu verwässern. Zumindest mir geht es nämlich um die Geschichte, wohingegen du eher auf künstlerische Aspekte wert legst. Allerdings kann ich deine ständige Kritik an Grädler nicht völlig nachvollziehen. Zwar lieferte er mit "Ein Mädchen meldet sich nicht mehr" eine schlichtweg langweilige und tatsächlich eher kleinkarierte Folge ab, aber "Auf dem Stundenplan: Mord" empfand ich als DEN Kracher der Serie bis zum jetzigen Zeitpunkt.

PS: "Das Geschehen erinnert eher an eine späte "Derrick"-Folge" - Das kann der Folge nun aber wirklich nicht angelastet werden. Eher wird andersherum ein Schuh draus.

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Jan Offline




Beiträge: 1.306

18.09.2008 09:32
#78 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Zitat von Gubanov

Für mich ist die Inszenierung dieser Folge eine der angenehmsten der gesamten Serie.


Warte erstmal die gesamte Serie ab! Unter'm Strich betrachtet fällt diese Folge gegenüber Beckers sonstigen Beiträgen recht deutlich ab. Besonders auffällig wird es, wenn man auch über den Tellerrand des "Kommissars" hinaus blickt und mit anderen Serien vergleicht. In Relation zu "Der Alte: Toccata und Fuge" z.B., die ich als Meisterwerk betrachte, ist "In letzter Minute" m.E. kein wirklicher Lichtblick!

Zitat von Gubanov

Zumindest mir geht es nämlich um die Geschichte, wohingegen du eher auf künstlerische Aspekte wert legst.


Jein. Passend ist es immer dann, wenn Geschichte und Kunst (bezeichnen wir es mal so) im Einklang stehen. Muss ich aber entscheiden, ob staubtrocken und bierernst erzählte Geschichte ohne Besonderheiten oder abgedrehter Irrsinn, so entscheide ich mich für letzteres. Diese Beiträge lockern die gesamte Serie auf und bringen Farbkleckse in die schwarzweiße Welt. Wie eine Serie zugrunde geht, wenn solche Farbkleckse fehlen, sieht man an "Derrick" spätestens ab Beginn der 90er Jahre.

Zitat von Gubanov

Allerdings kann ich deine ständige Kritik an Grädler nicht völlig nachvollziehen.


Grädler ist sicher ein guter Handwerker gewesen. Er wurde auffällig oft dann eingesetzt, wenn es galt, einen Haufen Stars zu koordinieren. Leider sind seine Episoden oft ohne Spannungskurve, ohne Höhepunkte, ohne jegliche Auffälligkeit. Da wird eine Geschichte stumpf abgespult. Das war\\'s. Einige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Z.B. "Spur von kleinen Füßen".

Zitat von Gubanov

PS: "Das Geschehen erinnert eher an eine späte "Derrick"-Folge" - Das kann der Folge nun aber wirklich nicht angelastet werden. Eher wird andersherum ein Schuh draus.


Sicher kann man "In letzter Minute" nicht vorwerfen, es sei ein Plagiat. Dass jedoch eine Kammerspielatmosphäre vorliegt, wie sie in späten "Derrick"-Folgen zum Standard zählte, kann schon angelastet werden.

Gruß
Jan
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

21.09.2008 13:00
#79 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

In dieser Folge beschäftigt sich Kommissar Keller nicht mit einem aktuellen Mordfall,
sondern mit einer Tat, die bereits sechs Jahre zurück liegt.
Anlässlich der vorzeitigen Entlassung Albert Kossitz` aus dem Gefängnis in Landsberg
holt er die Akten über den Fall aus dem Polizeiarchiv und studiert sie erneut.
Das Umfeld des verurteilten Mörders reagiert panisch, als Kossitz wieder in München
ist. Eine alte Rechnung ist noch zu begleichen und Zweifel an der Schuld des
Haftentlassenen treten immer deutlicher auf. Die zentrale Frage dieser Folge ist deshalb
nicht, ob Kossitz zu Unrecht im Gefängnis war, sondern, ob er den wahren Mörder
richten wird. Die Angst seiner ehemaligen Freunde wächst zunehmend und es wird
beschlossen, Kossitz noch einmal aus dem Weg zu räumen - diesmal endgültig.

Heinz Reincke ist der richtige Mann für diese Rolle, er ist ein zweispältiger Charakter,
kann Gut und Böse gleichzeitig verkörpern und der Zuseher kann ihn nicht sofort in
einer Schublade ablegen. Umgeben ist er von misstrauischen Personen, angefangen
bei Peter Eschberg und Gisela Uhlen, die sofort verdächtig erscheinen, da sie
permanent unter Angst stehen. Maria Sebaldt hält sich als Ehefrau von Kossitz in
der zweiten Reihe auf, ebenso Eric Pohlmann und Gerd Vespermann.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist das Lokal des ermordeten Lenk, das wir
bereits in der erstgedrehten Episode der Reihe "Das Messer im Geldschrank" gesehen
haben und in dem teilweise die gleiche Musik gespielt wird.
Allerdings bekommen wir zuviele Stilrichtungen zu hören, weniger wäre hier mehr
gewesen. Die Serie ist bekannt dafür, Künstler als Gaststars zu präsentieren
( z.B. die Les Humphries Singers ), hier ist es der Tänzer Lester Wilson und seine
zwei Kolleginnen.
Ein großes Plus dieser Episode ist das winterliche München. Der Schnee mildert
die rauhe Atmosphäre etwas ab, er dämpft sozusagen die schmutzigen Tricks,
die angewendet werden, um Kossitz fertigzumachen. Gleichzeitig symbolisiert
er jedoch - wie Gubanov bereits richtig angemerkt hat - die Kälte, die zwischen
den handelnden Personen herrscht.
Natürlich wird ein solcher Kriminalfall ernst und ohne humorvolle Akzente
inszeniert, obwohl ich die einleitende Szene mit Frau Rehbein und dem verlegten
Fahrplan sehr sympathisch finde.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

23.09.2008 21:29
#80 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
„Messer im Rücken“ (BRD 1970, TV)

- Darsteller
Diese am 24.04.1970 erstausgestrahlte Folge verfügt über drei schauspielerische Zugpferde: Helmut Käutner, bekannt vor allem als Regisseur so bekannter Filme wie „Kleider machen Leute“ (1940), „Monpti“ (1956), „Das Haus von Montevideo“ (1963) oder „Lausbubengeschichten“ (1964), in der Rolle eines leicht philosophisch veranlagten Säufers (was hatten „die“ damals noch für einen Stil!), Herbert Bötticher, den der „Kommissar“-Zuschauer bereits aus der zuallererst gedrehten Folge „Messer im Geldschrank“ kennt (ich hätte ihn im Leben nicht wiedererkannt), und Christiane Krüger, ein Name aus den Wallace-Filmen „Der Mann mit dem Glasauge“ und „Das Gesicht im Dunkeln“. Ebenfalls Wallace-Bezug hat der den fürchterlichen Proll spielende Jörg Pleva. Im Europa-Hörspiel „Der Zinker“ übernahm er die Rolle des John Leslie. Warum der allenfalls eine nebengeordnete Rolle spielenden Ursula Lingen eine so prominente Kreditierung zuteil wurde (abgesehen von ihrem ebenso prominenten Vater), ist mir ein Rätsel.
Im Grunde genommen überzeugen alle Darsteller im Rahmen ihrer Rolle, wobei die klischeehaften (?) Unterschiede zwischen den Villenbewohnern in Grünwald und dem Kneipenklientel der Gollierstraße hier besonders stark hervortreten und somit vor allem die Person der Maria Heynold (Krüger) ein Stück weit unglaubhaft erscheinen lassen. Dies ist jedoch hauptsächlich dem Drehbuch anzulasten.

- Regie / Inszenierung
Wolfgang Staudte, ebenso wie Helmut Käutner ein großer Name im Regiefach, zeichnet für „Messer im Rücken“ verantwortlich. Seine Regie ist in weiten Teilen nüchtern und distanziert und lässt oft, besonders in den ersten zwei Dritteln, jedwede persönliche Note vermissen. Dies ist bei dem Unterfangen, die hier wie in den meisten anderen Folgen der Serie präsente Verschiedenheit der Personenstände realistisch zu vermitteln, nicht unbedingt negativ, bedingt aber die Schlussfolgerung, dass diese Folge nicht zu den absoluten Highlights der Serie zählen kann. Der erneute Dreh in der Gereutvilla (dass diese bei der Lebensgefahr, der ihre Bewohner ausgesetzt sind, überhaupt noch Käufer findet, scheint ein Wunder) vermittelt ein vertrautes Gefühl und lässt die Frage aufkommen, ob es in München nicht noch ein zweites Gebäude ähnlicher Art gibt, das man zur Abwechslung hätte einsetzen können...
Überaus angenehm hingegen ist die Schlussphase des Films, für die der Kommissar alle Verdächtigen glücklicherweise nicht schon wieder in der eben erwähnten Villa, sondern in der Gollierstraße zusammenkommen lässt. Besonders der eindringliche Schluss – die Rekonstruktion des Tatgeschehens, verbunden mit dem Geständnis des Täters – bleibt hängen und veranlasst mich, ein positives Gesamtbild der Episode in Erinnerung zu behalten.

- Drehbuch / Kriminalfall
Ein ungewöhnlicher Fall (zumindest für mich als relativ reinecker-unerfahrenen Fernsehzuschauer...) wird hier erzählt. Dementsprechend interessant gestalten sich auch die Ermittlungen, in deren Verlauf es für den Kommissar und, in wie immer begrenzterem Maße, für sein Team einige deduktive Schlüsse zu ziehen gibt, die sich „Messer im Rücken“ auf jeden Fall auf die Fahnen schreiben kann. Was Kombinationen der Ermittler angeht, liegt die Folge also wieder sehr weit vorn, nachdem letzte Woche vor allem Bein- und Mundarbeit gefragt waren.
Bereits angesprochen habe ich den Punkt, dass die Handlung teilweise darunter leidet, dass die Figuren zu überspitzt dargestellt sind. Hierbei denke ich vor allem an Vater und Sohn Blasek, die von Zeit zu Zeit, sagen wir es so, ein wenig kurios bzw. abstoßend wirken.

- Gesamtwirkung
Solide und über weite Strecken ohne Höhepunkte gearbeitete Folge, die sich jedoch insgesamt gesehen auf recht hohem Niveau bewegt und wiederum mit schönen München-Aufnahmen und einer guten Kameraführung punkten kann.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

28.09.2008 13:37
#81 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Die Folge beginnt und endet aus der Blickperspektive des Ermordeten, der gerade eine tödliche
Verletzung durch ein Messer erhalten hat. Er verläßt den Tatort und steigt in ein Taxi ein,
während er immer schwächer wird und schließlich auf dem Rücksitz stirbt.
Keller und sein Team vermuten aufgrund der Länge des Weges, den ein Verwundeter noch
zurücklegen kann, sofort, dass der Mord in der Gaststätte "Alfred Kurre" am Gollierplatz
passiert sein muss. Dies schließt den Kreis der Verdächtigen ein. Der Mörder ist also entweder
im nahen Umfeld ( der Familie ) des Toten oder innerhalb der wenigen ständig anwesenden
Männer der Kneipe zu suchen.
Helmut Käutner spielt den resignierten Trinker mit nervöser Aufgeregtheit, ähnlich seiner
Interpretation des Arztes in "Babeck". Er ist dabei immer so überzeugend, dass man kaum
glauben kann, dass der selbe Mann ein Regisseur von Weltformat ist.
Werner Kreindl ist stets dann im Einsatz, wenn man einen mürrischen Charakter benötigt.
Die Rolle des Kneipenwirts steht ihm gut zu Gesicht.
Im vornehmen Münchner Stadtteil Grünwald leben indes Herbert Bötticher und Ursula Lingen,
die sich mehr und mehr in die Niederungen der Atmosphäre am Gollierplatz begeben müssen,
um ihren guten Namen und das Vermögen ihrer Firma zu retten. Das Bindeglied zwischen
den beiden Milieus bildet Christiane Krüger, die "nicht nur ihren Mann, sondern auch ihr
soziales Umfeld verlassen hat", wie Kommissar Keller treffend feststellt.
Hier liegt der Schlüssel für die Aufklärung der Tat. Statt der nüchternen Umgebung des
Büros Keller sieht man in dieser Folge das elegante Arbeitszimmer der Traufers, die
vertraute Noblesse der Gereutvilla und die karge Wohnung eines Trinkers, der nur das
Nötigste in seinen Räumen aufbewahrt; sein Zuhause ist ja sein Stehplatz in der Kneipe.
Durch das Verwerten von Pressefotografien sieht man Keller wieder einmal bei klassischer
Deduktionsarbeit, was der Episode mehr Glaubwürdigkeit verleiht, als das reine Verhören
eines Verdächtigen. Die Mitarbeiter von Keller werden in "Messer im Rücken"
wieder mehr in die Ermittlungen miteinbezogen, nachdem der Kommissar in "In letzter
Minute" im Alleingang unterwegs war.
Eine spannende Folge im winterlichen München, die zeigt, wie schnell ein entschlossener
Mörder für seinen Plan einen Vollstrecker findet, wenn Geld und Lebenseinstellung
stimmen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

30.09.2008 19:16
#82 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
„... wie die Wölfe“ (BRD 1970, TV)

- Darsteller
Hervorstechend aus der Darstellerriege sind vor allem Grete Mosheim als böser guter Hausgeist, der mit den Ohren überall ist, sowie Volker Kraeft in der Rolle des über den Dingen stehenden Jurastudenten Wandeleben. Die übrigen Darsteller erfüllen ihre Parts, ohne dabei sonderlich positiv oder negativ aufzufallen, lediglich die Rolle des Mörders bleibt etwas blass, was dem Ende einiges von seiner Wirkung nimmt. Horst Tappert als Trunkenbold ist sicher Geschmackssache, doch er verhilft der Folge wenigstens zu den spannenden Szenen der letzten Viertelstunde.

- Regie / Inszenierung
Der Regisseur hielt sich in „... wie die Wölfe“ vornehm zurück und ließ sich, trotz der recht elenden Umgebung des Hauses, nicht auf unnötige Ablenkungen ein. So wirkt alles konzentriert und abermals, wie bereits bei Staudtes erster Kommissar-Regiearbeit „Messer im Rücken“, recht steril.

- Drehbuch / Kriminalfall
Obwohl der Kommissar und sein Team hier nicht wirklich die Köpfe rauchen lassen müssen, liegt ein sehr interessanter Fall vor. Neben der Grundidee des Lottogewinns, den die alte Frau nicht mehr verwenden konnte, zeichnet sich vor allem die Auflösung, was denn nun aus dem Geld wurde, im Stile von „Mord im Orientexpress“ als exzellent aus. Der melodramatische Schluss, der wohl das Schicksal des Mörders, der somit um einen Großteil des Mordmotivs gebracht wurde, verdeutlichen sollte, wirkt allerdings recht fehlplatziert und unmotiviert. Das hätte man sich sparen können.

- Gesamtwirkung
Der „kluge“ und dennoch so simple Fall trägt eine recht spannende Episode mit einigen schönen Darstellerleistungen.

Meine Wertung: 4 von 5 Punkten

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

05.10.2008 14:14
#83 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Anstatt die Verdächtigen einzeln ins Büro zu bestellen, setzt Kommissar Keller
in "...wie die Wölfe" auf die Macht der Erinnerung und die Kraft eines Schauplatzes.
Horst Tappert spielt den Alkoholiker Gassner, der ein wichtiger Zeuge ist und
sich Schritt für Schritt an den Ablauf der Tat erinnert. Keller rekonstruiert mit
seiner Hilfe, was an dem Abend geschah, als Frau Kluge ihres gewonnenen
Geldes wegen mit einem Hammer erschlagen wurde.
Während die Mitarbeiter von Keller von Tür zu Tür gehen und die Hausbewohner
befragen, folgt ihnen Frau Beilke, die Verkörperung der schwatzhaften alten
Nachbarin. Jeder kommt für den Mord infrage, da jeder das Geld benötigte
und aus dieser Tatsache kein Geheimnis machte.
Wolfgang Staudte inszenierte diese Episode ohne laute Effekte, sondern richtete
den Blick sachlich und ohne Pathos auf die Schwächen der sozialen Unterschicht.
Die Tatsache, dass sich der Schuldige am Ende seiner Verhaftung durch Selbst-
mord entzieht, zeigt, wie nüchtern man an diese Geschichte herangegangen ist.
Während drinnen die Tote liegt, wird draußen bereits ihr Geld unter den Anwesenden
verteilt. Man schweigt, fühlt sich mitschuldig und deckt auf diese Weise den Täter.
Deshalb macht es am Schluss keinen Unterschied, wer von den Hausbewohnern
zugeschlagen hat, da nicht der Mörder, sondern seine Nachbarn vom Lottogewinn
des Opfers profitieren.
Eine interessante Episode, in der Kommissar Keller sogar zweimal laut werden
und eine aufdringliche Zeugin in ihre Schranken verweisen darf.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

07.10.2008 17:50
#84 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
„Tod eines Klavierspielers“ (BRD 1970, TV)

- Darsteller
Dieses Mal sind die Aufgaben im Kommissar-Team wieder optimal verteilt – für jeden gibt es genug zu tun. Sogar Helga wird aktiv in die Ermittlungen einbezogen und hat eine größere Rolle, in der man sogar ihre Musikalität bewundern darf, während Robert als harter Mann nach einem Kampf auf Leben und Tod erst einmal ein Bier trinken geht. Abermals nach der Einschlaffolge „Ein Mädchen meldet sich nicht mehr“ hat Günther Ungeheuer wieder einen Gastauftritt. Abermals spielt er einen schleimigen, überdurchschnittlich intelligenten Ganoven – nicht besonders einfallsreich, aber recht routiniert. Wesentlich angenehmer ist da schon die Begegnung mit Ingrid Andree und vor allem mit Berta Drews („Es geschah am helllichten Tag“), die auch in ihrer Einszenenrolle nachhaltig als geschwätzige, leicht aufgeregte Mutter in Erinnerung bleibt. Wallace-Fans dürfen sich über Georg Lehn („Der grüne Bogenschütze“) freuen, der sehr glaubhaft einen eingeschüchterten Pensionsbesitzer spielt.

- Regie / Inszenierung
Für Regisseur Michael Kehlmann war diese Folge die einzige Arbeit für die „Kommissar“-Reihe. Schade, denn besonders das wirkungsvolle Zusammenspiel von Kamera und Schnitt verhelfen der Inszenierung zu einem überdurchschnittlich gutem Ergebnis. Einen Stein im Brett hatte diese Folge für mich schon in der ersten Szene: Wie zum Teufel kommen die Schusslöcher plötzlich in die Tür? Toll gemacht! Auch die Zeitschnitte, als Bosche sich in der Bahnhofstoilette umzieht und als der Kommissar auf die Schließung des „Pacific“ wartet, zeugen von handwerklicher Qualität.
Wesentlich nüchterner muss ich allerdings Spannung und Unterhaltungsfaktor dieser Episode bewerten. Sie wirkt ziemlich langgezogen und kann nicht mit den vorherigen Folgen mithalten.

- Drehbuch / Kriminalfall
Der Fall gestaltet sich dieses Mal sehr einfach und auch die Auflösung ist nicht sonderlich schwer zu erraten. Es ist wohl auch dem Drehbuch anzulasten, dass die Folge recht schnell spannungstechnisch einknickt und sich nicht wieder wirklich erholt. Hatte man in den letzten Folgen wohl hauptsächlich ungewollte Bezüge zu Schauderkrimis und Amerikanismen (man denke an die mit westernartiger Musik unterlegten Naheinstellungen von Tapperts Augen bei der Befragung im Polizeibüro in „... wie die Wölfe“), so macht man hier keinen Hehl daraus. Es beginnt bei der Schießerei durch die verschlossene Tür und wird fortgeführt in Roberts Ermittlungen in der Münchener Kanalisation, was überaus reißerisch und unwahrscheinlich und somit in einer realistisch, wenn nicht gar naturalistisch getünchten Serie wie dem „Kommissar“ reichlich deplatziert wirkt.
Zum wiederholten Mal vermisse ich wirkliche Beweise. Gäbe es am Ende kein Geständnis, so könnten Keller und Konsorten wohl unter einige Fälle ein großes Fragezeichen setzen. Auch wenn dieses Mal die Motivation zum Geständnis verständlicher ist, so dürste ich doch einmal nach einer kriminalistischen Abwechslung...

- Gesamtwirkung
Insgesamt gut, aber ganz bestimmt nicht sehr gut und, wie befürchtet, nicht am Fall der letzten Woche zu messen.

Meine Wertung: 3 von 5 Punkten

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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

08.10.2008 20:02
#85 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Ein sprunghafter Klavierspieler, der hauptberuflich eigentlich Feinmechaniker ist, steht
im Mittelpunkt dieser Folge. Wir sehen ihn zwar nur in den ersten Minuten der Episode,
doch er beherrscht die Gedanken und Erzählungen der Anwesenden.

Darsteller :

Die beiden Pfeiler, die diese Geschichte tragen, sind Ingrid Andree und Günther Ungeheuer.
Andree spielt Sabine Körner, Kellnerin im "Pacific" und Geliebte des Mordopfers. Sie ist
eine Frau, die das Ermittlerteam reizt - natürlich nicht auf die Weise, die der Kommissar
anmerkt ( "reizvolle Frau" ) - sondern durch ihre ungeschönten Kommentare und ihre
ausweichenden Antworten. Ungeheuer stellt erneut den Gentleman-Ganoven dar, der ihm
auf den Leib geschneidert scheint. Seine besonnene Art verzögert die Aufdeckung des
Verbrechens "so lange es geht", wie er selbst sagt.
Erfreulicherweise ist diese "Kommissar"-Folge das Zusammenspiel aller Büro-Mitarbeiter.
Hervorzuheben sei hier vor allem der Alleingang von Robert Heines, der ausreichend
Platz erhält, seine zielstrebige Art zu zeigen.

Kriminalfall :

Die beiden Schüsse durch die geschlossene Hotelzimmertür, mit vorangegangener
Verfolgungsjagd durch die Innenstadt könnten aus einem amerikanischen Thriller
stammen und wecken sofort das Interesse des Zuschauers. Es gelingt der Folge,
die Spannung bis zur letzten Minute zu halten. Dies wird vor allem durch die
Aufdeckung eines zweiten Verbrechens erreicht, das unweigerlich die Klärung
der Hintergründe für den Mord nach sich ziehen muss.

Regie & Drehbucheinfälle :

Die Episode wechselt sich im Tempo laufend ab. Zu Beginn rennen die Beteiligten
durch die Straßen, ein Telefongespräch fordert zum schnellen Handeln auf.
Dann wiederum sitzen die Bekannten des Ermordeten in einer Kneipe herum,
als hätten sie alle Zeit der Welt. Im letzten Teil kommt wieder Schwung auf,
da man noch eine Aufgabe zu erledigen hat, bevor man sich mithilfe eines
Flugzeugs schnell ins Ausland absetzen möchte.
Dazwischen nächtliche Büroszenen und Szenen voller Witz ( "Wollen Sie dreckige
Wäsche sehen ?" - Bertha Drews ).

Gesamturteil :

"Tod eines Klavierspielers" ist eine vielschichtige Folge, die man sich immer wieder
ansehen kann, da sie genügend Motive aufweist, die jedes Mal von neuem fesseln
( die Schilderungen der Arzttochter, die seltsame Freundschaft zw. Fellner und Bosche,
die resignierte Kellnerin ).

Jan Offline




Beiträge: 1.306

08.10.2008 20:14
#86 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Eine der wenigen Folgen, die ich noch nie sah. Wie schon angedeutet, ist die Inszenierung überdurchschnittlich kreativ (Löcher in der Tür). Das gefällt. Leider hat Kehlmann dennoch viele Vorlagen ungenutzt gelassen. Die Drehorte hätten z.T. mehr hergegeben. In der Kneipe fehlt es an einem zeitgenössischen Chartstürmer, der im Hintergrund läuft. Das ganz offensichtlich von Peter Thomas komponierte Klaviersolo hätte prägnanter eingesetzt werden können. Generell ging Kehlmann mit Musik viel zu spärlich um.

Fazit: 3 von 5 Punkten passt schon! Brynych hätte aus der Vorlage ein Meisterwerk gemacht!

Gruß
Jan

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

08.10.2008 20:20
#87 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Zitat von Jan
Löcher in der Tür

Aber wie??? Ich werde nicht ruhig schlafen können, bis ich weiß, wie diese Löcher in die Tür kommen...


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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.502

08.10.2008 20:30
#88 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Entweder handelte es sich bei der Tür um eine sehr dünne Spanplatte, die leicht mit
einem Bohrer durchlöchert werden konnte, oder es waren tatsächlich Pistolenkugeln.
Es könnte doch sein, dass es schnelle Schnitte zwischen der Großaufnahme des
Gesichts von Fellner und der Aufnahme der Tür gab.

Da der Name des Toten im Abspann und auch im "Kommissar"-Buch von Grote nicht genannt
wird : Könnte es sich um Paul Frielinghaus handeln ?

Gubanov Offline




Beiträge: 15.309

08.10.2008 20:34
#89 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten

Einen Schnitt habe ich aber nicht bemerken können. In der gleichen Einstellung kann man vorher die Tür ohne Löcher bewundern...

Paul Frielinghaus dürfte eher nicht das Opfer gewesen sein. Zum Zeitpunkt des Entstehens der Folge war er 11 Jahre alt.


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maurizio merli Offline



Beiträge: 9

08.10.2008 23:54
#90 RE: "Der Kommissar" ( 1969 - 1976 ) Kommentare zu den Folgen Zitat · antworten
Zitat von Jan

Das Musikstück habe ich vor geraumer Zeit im Internet zum Download gefunden. Müsste nochmal nachsehen, wo ich das her habe.

War meines Wissens in einem alten Erik Ode/Kommissar-Forum, wenn ich mich recht entsinne. Das Ganze gibt's allerdings auch auf CD und zwar auf dem Album "The final foreword" von IMPROVED SOUND LIMITED, auf dem einige ihrer Film- und TV-Musiken versammelt sind (DER BETTENSTUDENT, HOPPE HOPPE REITER, DER KOMMISSAR), frühe Single-Tracks und einiges mehr. Eine hervorragende CD mit einmalig schönem Booklet in Deutsch und Englisch, vielen alten Fotos und ausführlichen Infos zur Band.

http://www.amazon.de/Final-Foreword-Impr...23500190&sr=8-2

Der KOMMISSAR-Abspanntrack ist Stück 14. [Dies noch als kleiner Hinweis, auch wenn die Folge schon vor einiger Zeit gesendet wurde und die Diskussion hier schon einige Folgen weiter ist]

Zu den Brynych-Schmähungen nur soviel: Wenn der Mann in Form war, dann war er ein Ausnahmekönner. TOD EINER ZEUGIN oder PARKPLATZ-HYÄNEN sind großartige Verstöße gegen den "konfektionierten Krimi-Käse" (Siegfried Lowitz). Mit diesem hatte Brynych auch mal eine DER ALTE-Folge gedreht, in der es um die versteckte Beute eines Überfalls geht. Schöne Verhörszenen zwischen Lowitz und Bernd Herzsprung, dazu die stimmungsvoll gefilmte Observation eines flüchtigen Kriminellen in der Münchner Innenstadt, begleitet von Leonard Cohens "Suzanne". Das hatte wieder ganz andere Atmosphäre als etwa "Tod einer Zeugin". Für mich ist Brynych eine der interessantesten Gestalten des europäischen Film- und TV-Schaffens, aber darüber muß man nicht streiten. Wenn ihn jemand nicht mag, geht das schon in Ordnung. Mir ist eigentlich nur der Begriff "hassen" in diesem Zusammenhang etwas sauer aufgestoßen, das ist schon ein sehr starkes Wort und müßte nicht sein.

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