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 Edgar-Wallace-Forum
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Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

12.05.2015 19:51
#256 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Peter im Beitrag #254
Warum sollte eine solche Story nicht funktionieren? Und das ist, wie wir wissen, ein noch vergleichsweise schwacher Wallace-Stoff..... Und keine Angst vor der Versetzung in die heutige Zeit. Was "Sherlock" kann, kann der im Grunde immer schon modernere Wallace allemal.

Diese Sherlock-Geschichte finde ich allerdings keineswegs vorbildlich. Das kann man machen, weil Doyle einfach schon hundertfach vergleichsweise originalgetreu verfilmt wurde. Die allermeisten Wallace-Romane wurden aber noch nie vernünftig verfilmt. Das ist eine ganze andere Ausgangssituation bei den beiden Autoren. Wozu bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Wallace-Verfilmungen? Dann kann man doch gleich einen eigenen Stoff umsetzen. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Zumal ich diesen selbstparodistischen, ultra-coolen Stil von Sherlock für eine Wallace-Neuverfilmung mehr als ungünstig finde. Das driftet dann ja doch alles in den Klamauk ab, den du bei der Rialto-Reihe beklagst. Dann doch lieber gleich noch einen Wixxer-Teil hinterherschieben.
Zitat von Count Villain im Beitrag #255
Das hängt ganz von der Erwartungshaltung jedes Einzelnen ab. Ich bin der Meinung, dass Kriminalplots grundsätzlich so universell sind, dass sie beinahe beliebig übertragbar sind. Und die richtige Wallace-Stimmung und -Atmosphäre zu erzeugen, wäre dann hauptsächlich Sache der Inszenierung. Allerdings kann ich auch verstehen, wenn dem ein oder anderen so eine Herangehensweise zu reduziert daherkommt.

In der Tat. Aber Wallace-Atmosphäre muss nicht nur im Iszenatorischen, sondern auch auf dem Papier vorhanden sein. Ich kann mir das praktisch in der Gegenwart einfach nicht vorstellen. Mit welchen Romanen soll das nur funktionieren? Du schreibst, dass Krimi-Plots universell wären: Man nehme nur einmal den Roman Das Geheimnis der Stecknadel. Dieser Stecknadel-Trick haut heute keinen mehr vom Hocker und würde die Polizei kaum mehr vor große Rätsel stellen. Alles in dem Roman kreist jedoch mehr oder minder um dieses Rätsel. Wie will man das für die Gegenwart vernünftig umsetzen? Gleiches gilt für den Bogenschützen. Da schleicht also ein maskierter Mörder umher, der ein paar Finsterlinge umlegt und den ein hochmoderner Polizeiapparat im digitalen Zeitalter nicht schnappen kann und am Ende gibt es eine Dreifachhochzeit. Da ist für mich einfach nicht stimmig. Und wenn man es immer mehr anpasst, dann geht der Original-Wallace immer mehr verloren. Dann hat man am Ende vielleicht einen halbwegs glaubhaften Täter mit Schussinstrument und ultramoderner Ausrüstung, der Jagd auf Gangster macht und mit einer Art Batman-Mobil vor der Polizei flieht oder so, aber Wallace ist mehr oder minder komplett auf der Strecke geblieben. Da sehe ich eine große Gefahr. Wie erwähnt, kann ich mir persönlich nur ganz wenige Stoffe in der Jetztzeit vorstellen. Ein paar habe ich hier schon erwähnt. Wenn man schon in den saueren Apfel beißen müsste, sollte dann aber wenigstens der Grundplot mit den wichtigsten Charakteren vorhanden bleiben. Aber macht doch mal Vorschläge: Wie ist diesem Problem zu begegnen? Welche Vorlagen kann man dafür zur Hand nehmen?

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

12.05.2015 20:45
#257 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Ich kann mich nur zu 100 Prozent @Mr. Igle anschließen. Zeitversetzte Verfilmungen wären eine einzige vergebene Chance, die Romane würdig und originalgetreu zu verfilmen. Ich hatte auch schon einmal darauf hingewiesen, warum eine radikale Aktualisierung wie bei "Sherlock" für Wallace völlig unangebracht wäre, und folgte darin einer ganz ähnlichen Argumentationsweise:

Zitat von Gubanov im Beitrag #193
Dass man "Sherlock" gut findet, führt doch nicht zwingend zu dem Schluss, dass man sich die gleiche Praxis für Edgar-Wallace-Verfilmungen wünscht. Die Situationen bezüglich Verfilmungen der beiden Autoren / Figuren sind grundverschieden und deshalb nicht aufeinander übertragbar: Bei Sherlock Holmes gibt es unzählige Adaptionen der Geschichten in originalgetreuem Gewand (Wilmer, Cushing, Baker, Brett, Liwanow, Roxburgh sowie einen kompletten Hörspiel-Kanon von Merrison / Williams), sodass "nur ein weiteres" Umsetzen der Buchdialoge nicht sinnvoll ist - wenn es nicht als Komplettserie angesetzt wird, was aber wiederum aus wirtschaftlichen Gründen mehr oder minder ausgeschlossen ist.
Bei Edgar Wallace fehlt dieser Unterbau. Die berühmtesten Filme, seien es in Deutschland die Rialto-Krimis oder in England die Merton-Park-Produktionen, basieren großteils nur lose auf den Romanen und versetzten sie in allen Fällen in die Gegenwart. Einzig einige wenige der Vorkriegsverfilmungen könnten als "echt originalgetreu" durchgehen, doch die sind - wie der Achtzigerjahreanlauf der BBC - kaum verbreitet.

Schlussfolgerung: Wer jetzt schon wieder einen freien Umgang mit Wallace favorisiert, will sich offenbar bewusst vom Original entfernen. Ist der Autor denn so schlecht und unzeitgemäß, dass man sich beim besten Willen nicht an die Bücher halten kann? Dass man keine Plots, zeitlichen Hintergründe, Personen und Erzählweisen einfach von ihm übernehmen kann, ohne zu ändern, mischen und aktualisieren?

Damit ist jeder Vorschlag, der die Romane zeitversetzen will, für mich per se indiskutabel.
Zitat von Peter im Beitrag #254
Rialto-Wallace war erfolgreich weil modern. Man muss also auch heute modern sein. Ahmt man alte Erfolgsfilme nach, ist man dagegen selbst nur altbacken.

Die Dualität "wenn nicht so wie Rialto, dann unbedingt im Heute" geht deshalb nicht auf, weil sie die wichtigste Option vernachlässigt. Ich rufe in Erinnerung: Edgar Wallace war ein Buchautor, hauptsächlich in den 1920er Jahren. Warum nicht an dieser Perspektive, an seinen Büchern, so wie sie sind, orientieren? Warum immer wieder die Filme wichtiger schätzen als die Bücher? Warum überhaupt immer wieder auf die Rialtos hinweisen? Gerade bei dieser Thematik ist das der Sargnagel für jeden Vorschlag.
Zitat von Peter im Beitrag #254
Aber Vorsicht: Beinahe allen BBC-Literaturverfilmungen gemeinsam ist die große Werktreue, man sollte sich also an dieser Stelle nicht zuviele Gedanken über moderne Ideen machen, die viele Wallace-Stoffe nun einmal nötig hätten. Zumindest wage ich an einen Modernisierungsaufwand wie für "Sherlock" nicht zu glauben. Es dürften also - wenn´s denn klappt - sehr reizvolle Ergebnisse mit 20er-Jahre-Zeitkolorit entstehen, ob Stadt, ob Land, die BBC lässt sich die Filme praktisch immer einiges kosten! Aber es wird eben wahrscheinlich nichts durch entsprechende Drehbücher auf Hochspannung Getrimmtes, es sei denn, der Roman selbst gibt es her...

Würden wir uns im Jahr 1999 befinden, würde ich dir Recht geben. Mittlerweile ist diese Betrachtungsweise aber zu kurz gesprungen. Das ist das, was ich weiter oben mit dem deutlichen Unterschied mit einer Poirot-Folge aus den 1990ern und einer aus den 2010ern meinte. Da liegen in Bezug auf Spannung, behutsame Modernisierung, "Düsternis", Dynamik, Dramatik etc. Lichtjahre zwischen. Einfach harmlose Literaturverfilmung ist heute auch bei ITV oder der BBC nicht mehr. Beispiel: Ich wette mit dir, dass es die dieses Jahr herauskommende "Negerlein"-Verfilmung der BBC in puncto Hochspannung mit dem 1974er Kinofilm aufnehmen können und die älteren Kinofilme lockerst überflügeln wird.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.621

13.05.2015 06:10
#258 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #256
Mit welchen Romanen soll das nur funktionieren? Du schreibst, dass Krimi-Plots universell wären: Man nehme nur einmal den Roman Das Geheimnis der Stecknadel. Dieser Stecknadel-Trick haut heute keinen mehr vom Hocker und würde die Polizei kaum mehr vor große Rätsel stellen. Alles in dem Roman kreist jedoch mehr oder minder um dieses Rätsel. Wie will man das für die Gegenwart vernünftig umsetzen? Gleiches gilt für den Bogenschützen. Da schleicht also ein maskierter Mörder umher, der ein paar Finsterlinge umlegt und den ein hochmoderner Polizeiapparat im digitalen Zeitalter nicht schnappen kann und am Ende gibt es eine Dreifachhochzeit. Da ist für mich einfach nicht stimmig.


Ich sage ja: Mit fast allen. Mag sein, dass der Stecknadel-Trick für eifrige Krimi-Fans heutzutage leicht durchschaubar ist, weil er schon so viele Locked-Room-Variationen kennt, aber auf den Durchschnittszuschauer trifft das nicht zu.

Den Bogenschützen kenne ich nicht als Roman, aber die Dreifachhochzeit ist doch sicher nicht so plotrelevant als dass man sie nicht wirklich übernehmen müsste, oder? Und wie viele Mörder laufen auch heutzutage noch trotz modernem Polizeiapparat frei herum? Das, was du da gesagt hat, wäre dann ja ein Totschlagargument für beinahe jeden Krimi.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #256
Und wenn man es immer mehr anpasst, dann geht der Original-Wallace immer mehr verloren. Dann hat man am Ende vielleicht einen halbwegs glaubhaften Täter mit Schussinstrument und ultramoderner Ausrüstung, der Jagd auf Gangster macht und mit einer Art Batman-Mobil vor der Polizei flieht oder so, aber Wallace ist mehr oder minder komplett auf der Strecke geblieben.


Warum muss der Bogenschütze denn gleich ausgerüstet sein wie ein Superheld? Sind andere Serientäter in normalen Krimis doch auch nicht.

Und wie gesagt, jeder definiert natürlich ganz für sich, was für ihn Original-Wallace ist. Und selbst, wenn am Ende gefühlt nur etwas "nach Edgar Wallace" herauskommt, kann es doch trotzdem recht eng an seinem Plot, seinen Charakteren liegen und quasi seinen "Geist" ausatmen. Ob im Moment irgendein Filmemacher dazu fähig wäre? Keine Ahnung.

Zitat von Gubanov im Beitrag #257
Würden wir uns im Jahr 1999 befinden, würde ich dir Recht geben. Mittlerweile ist diese Betrachtungsweise aber zu kurz gesprungen. Das ist das, was ich weiter oben mit dem deutlichen Unterschied mit einer Poirot-Folge aus den 1990ern und einer aus den 2010ern meinte. Da liegen in Bezug auf Spannung, behutsame Modernisierung, "Düsternis", Dynamik, Dramatik etc. Lichtjahre zwischen.


Allerdings ging das auch damit einher, dass mitunter größere Eingriffe in den Originalstoff einhergegangen sind als in den früheren Folgen. Damit einher gehen dann natürlich lautere Kritikerstimmen, die dann fragen "Ist das noch Original-Christie", oder in unserem Fall dann "Original-Wallace"?

Aber noch einmal zum Verständnis: Auch ich favorisiere Verfilmungen in den Wallace-Originalzeit, kann mir aber eben durchaus auch eine erfolgreiche Übertragung in die Jetztzeit vorstellen.

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

13.05.2015 06:27
#259 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #258
Allerdings ging das auch damit einher, dass mitunter größere Eingriffe in den Originalstoff einhergegangen sind als in den früheren Folgen. Damit einher gehen dann natürlich lautere Kritikerstimmen, die dann fragen "Ist das noch Original-Christie", oder in unserem Fall dann "Original-Wallace"?

In Ausnahmefällen ja (dann ist die Kritik auch völlig berechtigt). Jedoch nicht zwangsläufig. Es kommt dann darauf an, wie engagiert die Personen hinter der Kamera sind. Und in England ist es kein kulturelles Todesurteil, engagiert für den klassischen Krimi zu sein. Ich rufe erneut mit den beiden Muster-Beispielen in Erinnerung, dass Suchet mit der Ausnahme des einen Aussetzers vehement für größtmögliche Originaltreue einstand und dass außerdem die Neuverfilmung der "Negerlein" überhaupt erst die zweite von insgesamt einem gefühlten Dutzend sein wird, die sich an das richtige Ende des Romans hält. Die Zeichen stehen also nicht generell auf "Lasst uns weiter von den Vorlagen entfernen".

Und warum verfilmt die BBC die "Negerlein"? Wegen des 125. Geburtstags von Agatha Christie. In zehn Jahren steht der 150. Geburtstag von Edgar Wallace an. Die aktuelle Popularität der Autoren ist recht unterschiedlich, aber ich drücke einfach 'mal die Daumen ...

Es ist ein bisschen schade, dass gerade hier im Forum so getan wird, als seien die Wallace-Romane besonders angestaubt; als benötigten sie, um erfolgreich zu sein, ein Facelift, das sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Was wir uns in Erinnerung rufen sollten, ist, dass Wallace' Bücher einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten der alten Klassiker haben: Sie sind klassenübergreifend und deshalb bis heute in den allermeisten Fällen nicht nur politisch korrekt, sondern erfordern keine Umstrukturierung, Einführung neuer Handlungsstränge oder Personen, um nachfühlbar und dramaturgisch up-to-date zu sein. Hinzu kommen Kniffe wie organisiertes Verbrechen, die in vielen Belangen realistische Beschreibung des Lebens in den 1920er Jahren, die hintersinnig charakterisierten Personen und im Gegensatz zu anderen Autoren Detektive, die nicht wie eine Karikatur ihrer selbst wirken.

Peter Offline




Beiträge: 2.690

13.05.2015 10:34
#260 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #257
Würden wir uns im Jahr 1999 befinden, würde ich dir Recht geben. Mittlerweile ist diese Betrachtungsweise aber zu kurz gesprungen. Das ist das, was ich weiter oben mit dem deutlichen Unterschied mit einer Poirot-Folge aus den 1990ern und einer aus den 2010ern meinte. Da liegen in Bezug auf Spannung, behutsame Modernisierung, "Düsternis", Dynamik, Dramatik etc. Lichtjahre zwischen. Einfach harmlose Literaturverfilmung ist heute auch bei ITV oder der BBC nicht mehr. Beispiel: Ich wette mit dir, dass es die dieses Jahr herauskommende "Negerlein"-Verfilmung der BBC in puncto Hochspannung mit dem 1974er Kinofilm aufnehmen können und die älteren Kinofilme lockerst überflügeln wird.

Was die "Negerlein" betrifft, halte ich gegen Wetter Long äh Gubanov aus Prinzip nicht gegen, da ich mir aus Gründen der Werktreue durchaus mit größtem Optimismus vorstellen kann, dass die BBC mit dem passenden Ende (wie in der sehr schönen Sowjet-Fassung, die ich inzwischen mal sehen konnte) die höchstmögliche Spannung aus einem Stoff ziehen wird, der schlichtweg von sich aus hochspannend ist (die 74er Version gefällt mir trotzdem sehr gut). Nur: Wieviele Wallaces halten da mit?
In Sachen Poirot ist der Einwand völlig richtig. Und ich stimme zu, dass dies Hoffnung auf ein mögliches schönes Ergebnis irgendwann auch bei Wallace macht.
Gleichwohl hat die BBC zwischen 1999 und 2015 durchaus eine ganze Menge historische Stoffe produziert, die man getrost "nur" als Literaturverfilmungen bezeichnen kann. Für mich als Literaturfreund per se mit Sicherheit nichts Schlechtes, zumal ein behutsamer Modernisierungsprozess, "Düsternis" (wie Shakespeare es genannt hätte"), Dynamik etc. dadurch nicht grundsätzlich ausgeschlossen sind. Man sollte nur keine falschen Erwartungen schüren. Ob und wie mit Wallace umgegangen wird, wissen wir einfach nicht, die BBC schickt ja nun auch nicht immer dasselbe Team an den Start - und ist vor allem nicht nur auf dem Krimisektor tätig. Historische Romane (und Wallace ist da ja in einem Graubereich) werden einfach nach wie vor gern historisch und werkgetreu umgesetzt - was die Story betrifft. Modernisierte Inszenierung natürlich zunehmend inklusive. Die BBC hat die Zuschauerbedürfnisse längst erkannt; und dieses Mega-Projekt hat schon seehr viele Freunde gewonnen.
Und: Nein, die Wallace-Romane sind nicht so angestaubt wie viele andere (genau daher eben nicht historisch heilig, sondern auch für Voll-Modernisierung prädestiniert, viele zumindest nicht ungeeignet), sie sind auch nicht - wie Hoch-Literaten gern behaupten - so profan, dass man sie verstecken müsste. Aber sie sind eben auch nicht so gut, dass sie "unbearbeitet" nach 100 Jahren noch die Massen bewegen.
Daher nochmal der Hinweis auf das zweite Konzept der modernen Jetzt-Zeit-Fassungen.
Es ist ja nur ein Gedankenspiel. Aber selbst wenn wir irgendwann mal von sehr gelungenen TV-Filmen (der BBC) ausgehen könnten, werden diese ein hervorragendes Nischenprodukt sein. Wollen wir aber einfach mal über Größeres sinnieren und zumindest mal den Wixxer überflügeln - also möglicherweise von einem echten Kino-Erfolg mit dem Namen Wallace darauf sprechen, dann gibt es zu einer totalen Modernisierung einfach keine Alternativen.
Kein Zweifel: Dies wäre Verrat an den Romanfreunden, an Puristen, Traditionalisten und zuletzt auch an den Rialto-Freunden. Also quasi an allen, die sich hier im Forum tummeln. Und trotz aller daraus resultierenden Ablehnung ist der Gedanke reizvoll, mit modernen, spannenden, harten, geradlinigen Kriminalfilmen, die in ihrer Konsistenz einen möglichst dicken Wallace-Kern aufweisen (der im Bewusstsein der Mehrheit ja nolens volens mehr mit Rialto als den Romanen zu tun hat), auf der großen Leinwand zu glänzen. Unschön formuliert heißt es also, mit Qualität und guten Argumenten eine Marke zu definieren bzw. wiederzubeleben - und in den Markt zu drücken...

Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

13.05.2015 11:06
#261 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #258
Ich sage ja: Mit fast allen. Mag sein, dass der Stecknadel-Trick für eifrige Krimi-Fans heutzutage leicht durchschaubar ist, weil er schon so viele Locked-Room-Variationen kennt, aber auf den Durchschnittszuschauer trifft das nicht zu.

Deine erste Aussage lässt mich etwas ratlos zurück. Quasi alle Romane sollen für Verfilmungen in der Gegenwart taugen? Da stößt meine Vorstellungskraft aber endgültig an Grenzen. Okay, vielleicht kann man die Zuschauer bei geschickter Inszenierung noch mit einem Locked-Room-Mystery überraschen, aber wie soll man Stoffe in die Gegenwart übertragen, wo der Henker von London eine wichtige Rolle spielt? Wie sollte ein Hexer oder ein Zinker im Jahr 2015 agieren? Das würden ja dann doch irgendwie Superhelden wie Fantomas oder The Saint. Nein, ich glaube, dass sich nur eine recht schmale Auswahl an Romanen wirklich für eine Adaption in der Gegenwart eignen würde.
Zitat von Count Villain im Beitrag #258
Warum muss der Bogenschütze denn gleich ausgerüstet sein wie ein Superheld? Sind andere Serientäter in normalen Krimis doch auch nicht.
Und wie gesagt, jeder definiert natürlich ganz für sich, was für ihn Original-Wallace ist. Und selbst, wenn am Ende gefühlt nur etwas "nach Edgar Wallace" herauskommt, kann es doch trotzdem recht eng an seinem Plot, seinen Charakteren liegen und quasi seinen "Geist" ausatmen. Ob im Moment irgendein Filmemacher dazu fähig wäre? Keine Ahnung.

Siehe oben. Die Superheld-Thematik ergibt sich fast zwangsweise aus der Modernisierung. Das beweist die Rialto-Reihe mit ihrer überbordenden Technik-Versessenheit, die ab 1963 verstärkt zu Tage trat und ab 1966 komplett Überhand nahm. Fast bis zur Lächerlichkeit. Selbst aus den Vier Gerechten wurden in den TV-Filmen eine hochtechnisierte Motorradgang. Wie will man einen Einzeltäter wie den Hexer in einer hochtechnisierten Welt ernsthaft agieren lassen, wenn der nicht wie ein Val Kilmer ausgerüstet ist? Da wird immer fast zwangsläufig ein halber Superheld draus, sonst kann man die Exklusivität dieser Person gar nicht glaubhaft verkaufen. Wenn man aber ernsthafte Kriminalfilme will, sollte man für die Gegenwart die ganzen maskierten Täter und Unterweltsschrecke wie Hexer & Zinker besser gleich außen vor lassen. Das ist zumindest meine Meinung. Die Gefahr, dass das sonst in ein buntes, comichaftes Fahrwasser gerät, ist einfach zu groß.

Bei deinem zweiten Absatz kann ich dir grundsätzlich noch folgen. Solange Geist, Grundgerüst und Charaktere noch vorhanden wären, könnte man mit solch einer modernen Verfilmung halbwegs leben. Das wäre für den Romanleser wohl auch noch erträglich. Es wäre halt wichtig, dass man das rechte Maß nicht verliert. Sich dabei allein auf die Regie zu verlassen, birgt aber ein gewisses Risiko. Aber ich will keinen übertriebenen Pessimismus verbreiten. Vom Grundsatz her, ist Wallace mit Einschränkungen wohl auch in der Jetztzeit möglich.
Zitat von Gubanov im Beitrag #259
Es ist ein bisschen schade, dass gerade hier im Forum so getan wird, als seien die Wallace-Romane besonders angestaubt; als benötigten sie, um erfolgreich zu sein, ein Facelift, das sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt.

Ja, ich finde auch, dass man die Romane durch die Bank geringer einstuft als sie eigentlich sind. Das könnte aber auch an der Übersetzungsproblematik liegen. Ich habe zum Beispiel viele Scherz-Übersetzungen und die lassen, im direkten Vergleich, die Romane häufig runder, atmosphärisch dichter und geschlossener wirken als die mir vorliegenden Goldmann-Ausgaben. Aber das ist vielleicht nur mein persönlicher Eindruck. Was ich unter "Entstaubung" verstehe, habe ich ja weiter oben schon angedeutet: Im Kern geht in meinen Augen im wesentlichen nur um eine Erhöhung von Spannung und Tempo und eine Verdichtung der Handlung, die das Medium Film aber, meiner Meinung nach, per se von jeder Romanvorlage, egal welchen Autors oder welcher Handlungsfülle, einfordern muss. Beide Medien funktionieren einfach nach unterschiedlichen Prinizipien.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Mr. Wooler Offline




Beiträge: 412

13.05.2015 13:25
#262 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #261
Zitat von Count Villain im Beitrag #258
Ich sage ja: Mit fast allen. Mag sein, dass der Stecknadel-Trick für eifrige Krimi-Fans heutzutage leicht durchschaubar ist, weil er schon so viele Locked-Room-Variationen kennt, aber auf den Durchschnittszuschauer trifft das nicht zu.

Deine erste Aussage lässt mich etwas ratlos zurück. Quasi alle Romane sollen für Verfilmungen in der Gegenwart taugen? Da stößt meine Vorstellungskraft aber endgültig an Grenzen. Okay, vielleicht kann man die Zuschauer bei geschickter Inszenierung noch mit einem Locked-Room-Mystery überraschen, aber wie soll man Stoffe in die Gegenwart übertragen, wo der Henker von London eine wichtige Rolle spielt? Wie sollte ein Hexer oder ein Zinker im Jahr 2015 agieren? Das würden ja dann doch irgendwie Superhelden wie Fantomas oder The Saint. Nein, ich glaube, dass sich nur eine recht schmale Auswahl an Romanen wirklich für eine Adaption in der Gegenwart eignen würde.


Hier möchte ich kurz einlenken. Aus Zeitmangel leider nicht so ausführlich, wie ich es gerne würde. Aber meiner Ansicht nach sind gerade Stoffe die "Der Hexer" und "Der Zinker" einfach zeitlos und noch am ehesten in die Moderne übertragbar.
Der Hexer = ein Mann, der verbrecher dazu bringt, sich selbst zu richten, bzw. der Selbstjustiz verübt. Hier sehe ich keine Schwierigkeit, warum dieses Handlungsmotiv nicht auch in 2015 funktionieren soll. Es laufen genügend Verbrecher herum, die nicht bestraft werden oder nach nur zwei Jahren wieder auf freiem Fuß sind.
Der Zinker = ein Mann, der sich in der Unterwelt sehr gut auskennt und die Verbrecher unter Druck setzt, bzw. gegeneinander ausspielt. Warum denn nicht? Gut, die Heiratsschwindler-Story innerhalb des Romans ist etwas sehr altbacken, aber auch das ließe sich in die Moderne umwandeln.
Es kommt eben auf das WIE an. Aber eine moderne Fassung vom Hexer könnte auch heute noch sehr spannend sein.

Peter Offline




Beiträge: 2.690

13.05.2015 13:42
#263 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Ich finde ebenfalls, Modernisierung heißt zum Glück noch lange nicht, dass sich ein depperter US-Held durch den Film rambolieren oder valkilmerisieren muss.
Natürlich müssen viele Gedanken her, wie man den jeweiligen gedachten Kern der Sache glaubwürdig auf die heutige Zeit überträgt. Für zu alten Firlefanz ist da natürlich nicht viel Platz.
Verstärkt müsste man sich darauf stützen, dass z.B. ein Zinker Helfer hat (mehr als nur einen Krischna) und höchstselbst nur selten aus der feigen Deckung kommt. Dass ein Hexer keine unglaubwürdigen Masken trägt, sondern dass seine Identität den "Feinden" aus bestimmten Gründen einfach nicht bekannt ist und sehr dezent aus dem Hintergrund arbeitet, gezielt zustößt. Er könnte dann sehr wohl inkognito in die ein oder andere harmlose, unauffällige Figur schlüpfen. Das ist auch heute noch glaubwürdig (man denke da doch mal an Hollywood, z.B. den unauffälligen John Doe in "Sieben").
Was die Zeitlosigkeit guter Stories angeht, bin ich also ganz beim Count und Mr. Wooler. Rache und Gier ziehen immer.
Und: Drei, vier wirklich gut inszenierte Morde (es muss ja nicht gleich die Deutlichkeit von Argento sein) pro Film wirken besser als jedes Leichenspektakel. Hier müsste gegenüber dem Rialto-Schnitt schon eine klare Reduktion her.
Was die Inszenierung und die Mörder-Ausrüstung betrifft: Warum sollte ein potentielles Opfer nicht beim nächtlichen Gassigehen in düsterer Spannungsatmosphäre auf glaubwürdige Art von einem unheimlichen, vielleicht sogar symbolisch verkleideten Mörder erwischt werden können, der bis zur nächsten Tat unerkannt verschwindet? Die Spannung wäre nach wie vor riesig.
Aber frage bitte niemand, wie man den Bucklijen, den Gorilla und den Peitschenaugust in die heutige Zeit bringt. Gar nicht.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

13.05.2015 16:05
#264 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Mr. Wooler im Beitrag #262
meiner Ansicht nach sind gerade Stoffe [w]ie "Der Hexer" und "Der Zinker" einfach zeitlos

Eine gute Erkenntnis. Wenn sie zeitlos sind, faszinieren die Originalstoffe das Publikum ja noch heute. Der beste Grund, eine Aktualisierung zu vermeiden.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

13.05.2015 19:36
#265 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Die Ausführlichkeit und Fantasie eurer Schilderungen einer Neuverfilmung in der Gegenwart sprechen für euch. Ich erkenne da sehr viel Elan, Herzblut und Sachkenntnis. Wirklich bravourös. Mein Problem ist und bleibt die wachsende Anzahl an Kompromissen, die man bei einer Verlegung von Wallace-Plots in die Jetztzeit eingehen müsste. Da müsste man einfach ein gesundes Maß einhalten und das wird bei einer Aktualisierung schwierig. Vielleicht bin ich da als Romanleser auch etwas zu engstirnig, aber ein weichgespülter Wallace ist bis zu einem gewissen Grad schlicht und ergreifend kein echter Wallace mehr. Wenn es sich jedoch einrichten ließe, dass die Änderungen gegenüber der Originalhandlung nicht zu umfangreich ausfallen, dann könnte ich, wenn das Endergebnis stimmt, einigermaßen damit leben. Dennoch favorisiere ich eine Zwanziger Jahre-Umsetzung und wenn die BBC hier in Zukunft tätig werden sollte, würde ich solchen Verfilmungen durchweg den Vorzug vor aktualisierten deutschen Wallace-Eventfilmen geben. Zumal sich die meisten Probleme einfach durch die Aktualisierung selbst ergeben:

Zitat von Mr. Wooler im Beitrag #262
Der Zinker = ein Mann, der sich in der Unterwelt sehr gut auskennt und die Verbrecher unter Druck setzt, bzw. gegeneinander ausspielt. Warum denn nicht? Gut, die Heiratsschwindler-Story innerhalb des Romans ist etwas sehr altbacken, aber auch das ließe sich in die Moderne umwandeln. Es kommt eben auf das WIE an.

In der Originalzeit ist der Heiratsschwindler-Plot eben nicht altbacken. Dieses Problem entsteht durch den Versuch der Aktualisierung.
Zitat von Peter im Beitrag #263
Dass ein Hexer keine unglaubwürdigen Masken trägt, sondern dass seine Identität den "Feinden" aus bestimmten Gründen einfach nicht bekannt ist und sehr dezent aus dem Hintergrund arbeitet, gezielt zustößt. Er könnte dann sehr wohl inkognito in die ein oder andere harmlose, unauffällige Figur schlüpfen. Das ist auch heute noch glaubwürdig (man denke da doch mal an Hollywood, z.B. den unauffälligen John Doe in "Sieben").

Auch hier sind die ganzen Anpassungen allein der Aktualisierung geschuldet. Es gehört eben zum Hexer, dass er sich maskiert. Mein Problem ist, wie ich schon schrieb, dass das zu leicht in übertriebene Theatralik entgleiten könnte. Zwar war Wallace das auch nicht fremd, aber ich sehe bei der Modernisierung eben das Risiko, dass die Unterwelt dominierende Einzelpersönlichkeiten schnell ins comichafte abrutschen. So wie bei Batman, wo irgendwelche extravaganten und ausgeflippten Bösewichter im Handumdrehen den ganzen mafiösen Mob einer Großstadt einschüchtern und dann unter ihre Kontrolle bringen. Da wäre enorme Sorgfalt vonnöten, dass das nicht ins Alberne abdriftet. Und hier sehe ich das Grundproblem: Autoren müssten sich ihr Hirn zermartern, wie sie den jeweiligen Romanplot gelungen anpassen, ohne dabei den filmischen Gestus zu vernachlässigen. Regisseure, Requisiteure und Schauspieler müssten unzählige Fallstricke umgehen, damit die ganze Geschichte den richtigen Ton trifft und sich nicht plakativ ausnimmt. Ein immenser Aufwand, der im Grunde der reinen Finanzierung einer Zwanziger Jahre-Ausstattung in nichts nachsteht. Mal ganz abgesehen davon, dass die Drehbuchautoren im letzteren Falle eine wesentlich leichtere Aufgabe hätten und ihr kreatives Augenmerk nicht primär auf Aktualisierungsaspekte richten müssten.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Peter Offline




Beiträge: 2.690

13.05.2015 19:55
#266 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #265
Auch hier sind die ganzen Anpassungen allein der Aktualisierung geschuldet. Es gehört eben zum Hexer, dass er sich maskiert. Mein Problem ist, wie ich schon schrieb, dass das zu leicht in übertriebene Theatralik entgleiten könnte. Zwar war Wallace das auch nicht fremd, aber ich sehe bei der Modernisierung eben das Risiko, dass die Unterwelt dominierende Einzelpersönlichkeiten schnell ins comichafte abrutschen. So wie bei Batman, wo irgendwelche extravaganten und ausgeflippten Bösewichter im Handumdrehen den ganzen mafiösen Mob einer Großstadt einschüchtern und dann unter ihre Kontrolle bringen. Da wäre enorme Sorgfalt vonnöten, dass das nicht ins Alberne abdriftet. Und hier sehe ich das Grundproblem: Autoren müssten sich ihr Hirn zermartern, wie sie den jeweiligen Romanplot gelungen anpassen, ohne dabei den filmischen Gestus zu vernachlässigen. Regisseure, Requisiteure und Schauspieler müssten unzählige Fallstricke umgehen, damit die ganze Geschichte den richtigen Ton trifft und sich nicht plakativ ausnimmt. Ein immenser Aufwand, der im Grunde der reinen Finanzierung einer Zwanziger Jahre-Ausstattung in nichts nachsteht. Mal ganz abgesehen davon, dass die Drehbuchautoren im letzteren Falle eine wesentlich leichtere Aufgabe hätten und ihr kreatives Augenmerk nicht primär auf Aktualisierungsaspekte richten müssten.

Wir diskutieren ja recht spontan, daher mag nicht jeder Vorschlag sauber durchgeplant sein. Doch die mehrfach angesprochene Gefahr eines Abgleitens ins Comichafte sehe ich überhaupt nicht, weil die aktualisierte Story als solche - sowie deren Inszenierung - dies leicht verhindern könnten.
Um bei den Beispielen zu bleiben: Leute wie Zinker und Hexer müssten ja nicht die gesamte Unterwelt in Schach halten, sondern nur einen überschaubaren Ausschnitt. Das macht die Geschichte auch glaubwürdiger. Der Zinker könnte alte Bekannte verzinken, die ihn vielleicht gar nicht mehr auf der Rechnung haben, der Hexer müsste nicht der Lyncher der Nation sein, sondern seinen privaten Rachefeldzug gegen eine fix definierte Gruppe vollziehen, die ja schon in der 64er-Version vorzüglich daherkam und zumindest versuchte, sich tatkräftig zu wehren. Allein daraus ergibt sich genügend Stoff für einen abendfüllenden Spannungslieferanten. Und wie erwähnt: Der Hexer könnte sich ein, zweimal sinn- und wirkungsvoll maskieren (natürlich nur als Randfigur, nicht als ein Inspektor Lowitz, DAS wäre albern), man dürfte diesen Aspekt nur nicht übertreiben. Die geheimnisvolle Aura sollte einfach daher rühren, dass der Hexer überall sein könnte - aber nicht greifbar ist. Weil er eben gut getarnt aus dem Hintergrund agiert.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.621

13.05.2015 20:14
#267 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #259
Es ist ein bisschen schade, dass gerade hier im Forum so getan wird, als seien die Wallace-Romane besonders angestaubt; als benötigten sie, um erfolgreich zu sein, ein Facelift, das sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt.


Falls du mich da einschließt: Ich tue keinesfalls so. Ich bin lediglich für unterschiedliche Wege der Adaption offen, so lange sie gekonnt sind und ausreichend "Wallace-Essenz" und Plot-Nähe zu den Romanen aufweisen.

Zitat von Peter im Beitrag #260
(der im Bewusstsein der Mehrheit ja nolens volens mehr mit Rialto als den Romanen zu tun hat)



Leider möchte ich da fast sagen. Bisher haben alle "neuen" Annäherungen an das Thema sehr stark aus der 60er-Serie geschöpft. Und was beim Wixxer aufgrund des parodistischen Ansatzes noch sehr gut funktioniert, war bei den Fernsehfilmen der 90ern meines Erachtens ein großer Nachteil.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #261
Deine erste Aussage lässt mich etwas ratlos zurück. Quasi alle Romane sollen für Verfilmungen in der Gegenwart taugen? Da stößt meine Vorstellungskraft aber endgültig an Grenzen. Okay, vielleicht kann man die Zuschauer bei geschickter Inszenierung noch mit einem Locked-Room-Mystery überraschen, (...)


Wenn man sich Mühe gibt, kann man das vermeintlich Absurde vielleicht sogar als genial hinstellen. Wer denkt heutzutage noch an so profane Möglichkeiten wie bei der Stecknadel. Und vielleicht wird ein Bogen benutzt, weil dort das Projektil nicht so einfach einer bestimmten Waffe zuordenbar ist wie bei einer Kugel und einer Feuerwaffe (z. B., keine Ahnung ob da was dran ist). Ich finde auch heutzutage noch alle Gegenstände als Tatwaffe geeignet so lange sie nur tödlich sein können und von der Handlung her Sinn ergeben.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #261
(...) aber wie soll man Stoffe in die Gegenwart übertragen, wo der Henker von London eine wichtige Rolle spielt?


Das ist sehr einfach: In den USA spielen lassen. Noch haben wir das "Glück", eines englischsprachigen Landes mit Todesstrafe. Rein plot-mäßig sehe ich da also eher weniger Probleme. Ist zwar eine sehr pragmatische Ansicht, aber jetzt nicht wirklich jenseits aller Vorstellungskraft.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #261
Wie sollte ein Hexer oder ein Zinker im Jahr 2015 agieren? Das würden ja dann doch irgendwie Superhelden wie Fantomas oder The Saint.


Ich gebe zu, dass der Hexer als in London mehr oder weniger allgemein bekannter Meister der Verkleidungen natürlich nicht Eins zu Eins übertragbar ist und in der Form sicher zu den antiquiertesten Verbrechern aus Wallace' Feder zählt.*** Aber im Grunde geht es im Roman doch nur darum, dass ein bereits mit Tötungsdelikt in Verbindung gebrachter aber nie geschnappter Mann hinter einem verbrecherischen Anwalt her ist und dazu in die Rolle eines Polizeiarztes schlüpft. Und das wird doch wohl irgendwie zu übertragen sein. Ob es noch nah genug am Original-Wallace ist, diese "Superschurken" etwas zu erden, ist dann natürlich wieder eine treffliche Streitfrage, aber - und da wiederhole ich mich - dennoch im Rahmen des Vorstellbaren.

Was findest du denn am Zinker am Problematischsten? Ansonsten Zustimmung zum Beitrag von Mr. Wooler.

***Wobei das meines Erachtens auch bei einer zeitgenössischen Verfilmung für heutige Zuschauer und Sehgewohnheiten zu fantastisch und unglaubwürdig wirken könnte. Während man andererseits natürlich auch mal darüber nachdenken könnte, ob die Möglichkeiten, sein Äußeres zu ändern heute - auch ohne Comic-Anleihen - nicht ebenfalls fortgeschrittener sind als sie es damals waren. Schließlich entwickelt sich alles weiter und nicht nur die Polizeitechnik.

Zitat von Peter im Beitrag #263
[...] (mehr als nur einen Krischna) [...] Aber frage bitte niemand, wie man den Bucklijen, den Gorilla und den Peitschenaugust in die heutige Zeit bringt.


Muss man ja auch nicht. Die sind (zum Glück) nicht Original-Wallace.

Zitat von Gubanov im Beitrag #264
Eine gute Erkenntnis. Wenn sie zeitlos sind, faszinieren die Originalstoffe das Publikum ja noch heute. Der beste Grund, eine Aktualisierung zu vermeiden.


Du klingst immer noch so, als wären wir gegen 20er-Jahre-Verfilmungen, nur weil wir gedankenspielerisch Wallace in die Jetzt-Zeit heben. Dass das zumindest bei mir nicht der Fall ist, habe ich in diesem (und wahrscheinlich auch ähnlichen) Threads bereits mehr als genug betont. Nur weil man für das Eine ist, muss man nicht automatisch gegen das Andere sein.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #265
In der Originalzeit ist der Heiratsschwindler-Plot eben nicht altbacken. Dieses Problem entsteht durch den Versuch der Aktualisierung.


Mal losgelöst vom Zinker-Plot: Heutzutage auch nicht wirklich (höchstens in der Vorstellung einiger Leute). Auch Heiratsschwindler gehen mit der Zeit: Love-Scamming

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #265
So wie bei Batman, wo irgendwelche extravaganten und ausgeflippten Bösewichter im Handumdrehen den ganzen mafiösen Mob einer Großstadt einschüchtern und dann unter ihre Kontrolle bringen. Da wäre enorme Sorgfalt vonnöten, dass das nicht ins Alberne abdriftet.


Wahrscheinlich lässt man sich eher darauf ein, wenn so etwas in der "Comic-Welt" von Gotham City spielt, aber fandest du zum Beispiel die Nolan-Trilogie jetzt so albern? Dass wir nicht über die Burton- und Schumacher-Streifen reden müssen, versteht sich natürlich von selbst.

Aber ich denke, dass auch bei zeitgenössischen Verfilmung bei manchen Stoffen eine fast ebenso große Sorgfalt und Fingerspitzengefühl nötig ist, damit sie bei heutigen Zuschauern nicht albern wirken. Und um dem Werk treu zu bleiben, darf sich der Hexer dann natürlich auch nur mit den Mitteln der 20er-Jahre maskieren, sonst geht es wieder Richtung Phantastik. Ich weiß nicht, wie glaubwürdig das hinzukriegen ist. Letztendlich ist der Hexer auch nur wegen der "Dummheit" der Polizei so erfolgreich. Dass "Dr. Lomond" sein Aussehen kosmetisch verändert hat, hätte man doch irgendwie herausfinden können. Hat aber keiner frühzeitig getan. Und sollte mir jetzt doch irgendwie die Erinnerung einen Streich spielen, korrigiert mich.

@Peter

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Gubanov Offline




Beiträge: 14.089

13.05.2015 22:08
#268 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #267
Zitat von Gubanov im Beitrag #264
Eine gute Erkenntnis. Wenn sie zeitlos sind, faszinieren die Originalstoffe das Publikum ja noch heute. Der beste Grund, eine Aktualisierung zu vermeiden.

Du klingst immer noch so, als wären wir gegen 20er-Jahre-Verfilmungen, nur weil wir gedankenspielerisch Wallace in die Jetzt-Zeit heben.

Meinte ich damit nicht. Ich möchte nur nochmal hervorheben, dass jeder Anlauf der Aktualisierung unnötig und respektlos gegenüber den Vorlagen ist. Das bleibt auch nach euren umfangreichen Erklärungen und Einschränkungen mein Standpunkt, den ich mittlerweile aber häufig genug erläutert habe, weshalb ich mich diesbezüglich jetzt nicht mehr einschalten werde.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

13.05.2015 22:37
#269 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Eine wahrhafte Mammutantwort, CountVillain! Da lag ich mit meiner vorherigen Einschätzung in Bezug auf euren Diskussionseinsatz ja mehr als goldrichtig.

Zitat von Count Villain im Beitrag #267
Das ist sehr einfach: In den USA spielen lassen. Noch haben wir das "Glück", eines englischsprachigen Landes mit Todesstrafe. Rein plot-mäßig sehe ich da also eher weniger Probleme. Ist zwar eine sehr pragmatische Ansicht, aber jetzt nicht wirklich jenseits aller Vorstellungskraft.

Hier gehe ich nicht mit dir konform. Ein Verlegung der Wallace-Plots in die USA ist für mich undenkbar. Aber du hast ja bereits impliziert, dass das eine mehr oder minder exklusive Ansicht von dir persönlich ist.
Zitat von Count Villain im Beitrag #267
Was findest du denn am Zinker am Problematischsten? Ansonsten Zustimmung zum Beitrag von Mr. Wooler.

Beim Zinker sehe ich diese ähnliche Gefahr, dass das in der Gegenwart plakativ und platt wirken könnte. Der Zinker ist ja auch so ein Unterweltsschrecken wie der Hexer. Meine Befürchtungen diesbezüglich habe ich ja schon ausgiebig geschildert. Möglicherweise sind sie ja unbegründet, wenn man sorgsam an eine Umsetzung herangeht. Das ist wohl ein persönliches Ding bei mir. Kurioserweise habe ich hier ja Hands up! als gut übertragbaren Roman genannt, obwohl der ein vergleichbares Problem hat. Gunner Haynes ist ja auch so ein unnahbarer, gefürchteter Einzelgänger mit vorauseilendem Ruf.
Zitat von Count Villain im Beitrag #267
Wahrscheinlich lässt man sich eher darauf ein, wenn so etwas in der "Comic-Welt" von Gotham City spielt, aber fandest du zum Beispiel die Nolan-Trilogie jetzt so albern? Dass wir nicht über die Burton- und Schumacher-Streifen reden müssen, versteht sich natürlich von selbst.

Da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Ja, bei den neuen Batman-Filmen hat man fast alles Übertriebene und Hanebüchene durch eine geschickte Dramaturgie und eine düster-semirealistische Herangehensweise geschickt überdeckt bzw. umgangen. Da haben Drehbuch und Inszenierung ganze Arbeit geleistet. Solche Sorgfalt wäre bei einer modernen Neuinterpretation von Wallace-Handlungen, wie von euch skizziert, auch notwendig. Dann könnte das vielleicht tatsächlich funktionieren. Aber ich schrieb ja schon zuvor: Wieso sich unnötig verbiegen, wenn man die Romane in ihrer Originalzeit und somit werkgetreu umsetzen kann? Eine Gegenwartsverfilmung wäre für mich eher eine Verlegenheitslösung. Deswegen kann ich auch voll verstehen, wieso Gubanov in dieser Variante keine rechten Sinn erkennen mag. Ich bin da auch äußerst skeptisch.
Zitat von Count Villain im Beitrag #267
Aber ich denke, dass auch bei zeitgenössischen Verfilmung bei manchen Stoffen eine fast ebenso große Sorgfalt und Fingerspitzengefühl nötig ist, damit sie bei heutigen Zuschauern nicht albern wirken. Und um dem Werk treu zu bleiben, darf sich der Hexer dann natürlich auch nur mit den Mitteln der 20er-Jahre maskieren, sonst geht es wieder Richtung Phantastik. Ich weiß nicht, wie glaubwürdig das hinzukriegen ist. Letztendlich ist der Hexer auch nur wegen der "Dummheit" der Polizei so erfolgreich. Dass "Dr. Lomond" sein Aussehen kosmetisch verändert hat, hätte man doch irgendwie herausfinden können. Hat aber keiner frühzeitig getan. Und sollte mir jetzt doch irgendwie die Erinnerung einen Streich spielen, korrigiert mich.

Sorgfalt und Fingerspitzengefühl wären natürlich bei jeder Wallace-Adaption gleich welcher Handlungszeit geboten. Da sind wir einer Meinung. Leider ist meine Hexer-Lektüre mittlerweile auch schon wieder ca. 10 Jahre her, deswegen kann ich bei der Sache mit Lomond jetzt auch nicht weiterhelfen. Da wird es wohl dringend Zeit für eine Gedächtnis-Auffrischung. Natürlich profitiert Milton auch von der Unfähigkeit der Polizei, aber er hat auch den Vorteil, dass die Polizei sein Aussehen nicht kennt und außerdem dazu gezwungen ist, auf seine Aktionen zu warten, um ihn ergreifen zu können. Ein Grund, weshalb ich mir diesen Plot auch nicht in der Gegenwart vorstellen kann, ist der kammerspielartige Charakter des Romans, der ja auch ursprünglich und zuallerst ein Theaterstück war.

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.239

14.05.2015 10:09
#270 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Glaubt hier im Forum tatsächlich irgendjemand, dass der Name Wallace heutzutage noch die Massen in's Kino locken würde? Warum sollte man dann einen Kriminalfilm oder auch Thriller, der nur vage an Wallace angelehnt ist, unter dem "Markenzeichen" Wallace in's Kino (oder auch TV) bringen? Das hätte m.E. überhaupt keinen Nutzen oder gar Vorteil. Wenn man tatsächlich einen Wallace-Film neu produzieren wollte, funktioniert das eigentlich nur mit einer romangetreuen Umsetzung. Alles andere wäre völliger Quatsch und ginge genauso in die Hose wie die 90er Jahre-Verfilmungen von RTL.

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