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 Edgar-Wallace-Forum
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Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

14.05.2015 12:08
#271 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #268
Das bleibt auch nach euren umfangreichen Erklärungen und Einschränkungen mein Standpunkt, den ich mittlerweile aber häufig genug erläutert habe, weshalb ich mich diesbezüglich jetzt nicht mehr einschalten werde.

Letzteres finde ich zwar sehr schade, kann ich aber aus Sicht des Roman-Enthusiasten vollends verstehen. Wie die Diskussion gezeigt hat, gibt es unter den Wallace-Anhängern bezüglich Neuverfilmungen durchaus konträre Auffassungen. Jenseits der unterschiedlichen Meinungen, finde ich den Austausch recht interessant und im besten Fall auch produktiv.
Zitat von Edgar007 im Beitrag #270
Glaubt hier im Forum tatsächlich irgendjemand, dass der Name Wallace heutzutage noch die Massen in's Kino locken würde?

Vom Kino war ja auch eher weniger die Rede. Ich denke, da wäre das Risiko für Produzenten schwer kalkulierbar. Für einen neuen Wallace-Film wäre da vom Achtungserfolg bis hin zum Totalflop, ungeachtet der Qualität des Produkts, alles möglich. Hier müsste der Film schon einen gewissen Nerv treffen, um seine Produktionskosten wieder einzuspielen bzw. sogar Gewinn abzuwerfen. Hier wäre eine internationale Produktion sicher auch am besten, um auf möglichst vielen nationalen Märkten Einnahmen zu erzielen. Das wäre aber sicher nur für ein singuläres Projekt möglich. Eine neue Wallace-Kinoserie ist in meinen Augen völlig utopisch. Trotzdem haben jüngst die Sherlock Holmes-Filme mit Robert Downey Jr. gezeigt, dass die Zuschauer auch historische Thriller gerne im Kino sehen wollen. Das könnte man folglich auch als Chance begreifen, auch wenn ich den Produzenten einen solchen Pioniergeist gegenwärtig nicht zutraue.

Das Fernsehen bietet da viel mehr Möglichkeiten, etwa mit einer Wallace-Serie oder einer Wallace-Mini-Serie mit mehreren Zweiteilern. Gubanov hat das bereits weiter oben mit einem denkbaren Cliffhanger für Die Tür mit den 7 Schlössern im Gewand eines Zweiteilers und einer Laufzeit von rund 90 (zweimal 45) Minuten angedeutet. Auch andere Romane ließen sich so gut "aufspalten". Spontan fallen mir da Im Banne des Unheimlichen und Der grüne Brand ein. Beim Ersteren gibt es einen guten Schnitt, wenn die Gangster aus der Kammer des Priors fliehen. Der zweite Teil könnte dann fast komplett auf dem Kreuzfahrtschiff spielen. Beim Letzteren bietet sich ein guter Moment als Cliffhanger an: Olivia wurde entführt. Beale trifft auf van Heerdens Geliebte, die jedoch fliehen kann. Zuvor konnte er ihr die Handtasche entreißen. Der Priester bedroht Beale mit einer Waffe, während aus der Tasche der übelriechende Geruch des grünen Brandes entweicht. "Unangenehm, Mr. Beale, nicht wahr?" Da gibt es jede Menge Potenzial. Vielleicht sollte man sich in der Diskussion mehr auf die konkreten Umsetzungsmöglichkeiten (Kinofilm, Serie, Tv-Mini-Serie,Tv-Mehrteiler, evtl. unter Einbeziehung von Wallace-Figuren mit Mehrfach-Auftritten wie Elk, J. G. Reeder, Henry Arthur Milton oder den Gerechten) selbst konzentrieren, anstatt sich bei Frage der Handlungszeit unnötig aufzureiben. Die Fronten scheinen mir nun klar genug gezogen. Dazu hat jeder seine eigene, unverrückbare Meinung.

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Count Villain Offline



Beiträge: 3.605

14.05.2015 14:24
#272 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #268
Meinte ich damit nicht. Ich möchte nur nochmal hervorheben, dass jeder Anlauf der Aktualisierung unnötig und respektlos gegenüber den Vorlagen ist.


Ich habe großen Respekt vor den Vorlagen, aber über Gegenwarts-Adaptionen lässt sich eben besser (oder einfach nur mehr) diskutieren und gedankenspielen. Über zeitgenössische Verfilmungen herrscht hier ja eigentlich schon allgemeiner Konsens.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #269
Hier gehe ich nicht mit dir konform. Ein Verlegung der Wallace-Plots in die USA ist für mich undenkbar. Aber du hast ja bereits impliziert, dass das eine mehr oder minder exklusive Ansicht von dir persönlich ist.


Wirklich essentiell ist der Henker eigentlich auch nur im Frosch (zumindest in den mir bekannten Romanen). Der rote Kreis zum Beispiel ist ohnehin schon in einem anderen Land der Todesstrafe entkommen, macht also keinen großen Unterschied, ob Frankreich, USA, Nigeria, China oder welches Land auch immer. Bei der Bande brauchen wir auch nur Sheltons Tod. Der muss nur eine Folge der Verurteilung sein und nicht zwangsläufig durch Hinrichtung erfolgen. Dann ersetzt man die Henker-Rolle eben durch einen Gefängnisarzt oder einen brutalen Wärter oder so, der dann eben stattdessen an Sheltons Tod beteiligt ist, wenn man partout in England bleiben will. Es gibt immer Mittel und Wege. Inwieweit diese mit dem Original-Wallace konform gehen, muss dann jeder selbst nach seinem subjektiven Empfinden entscheiden. Da wird sich sowieso nie ein allgemeiner Konsens finden lassen.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #269
Solche Sorgfalt wäre bei einer modernen Neuinterpretation von Wallace-Handlungen, wie von euch skizziert, auch notwendig. Dann könnte das vielleicht tatsächlich funktionieren. Aber ich schrieb ja schon zuvor: Wieso sich unnötig verbiegen, wenn man die Romane in ihrer Originalzeit und somit werkgetreu umsetzen kann? Eine Gegenwartsverfilmung wäre für mich eher eine Verlegenheitslösung.


Diese Sorgfalt würde ich bei jeder Adaption als essentiell ansehen. Denn auch bei zeitgenössischen Verfilmungen haben wir ja ein modernes Publikum, dass das Werk letztendlich annehmen muss. Es sei denn, man ist wirklich von vornherein nur an einer reinen Literaturverfilmung interessiert und nicht an einem neuen Wallace-Krimi-Hype.

Ansonsten bin ich mittlerweile auch so "ausgehungert", dass ich eine gut gemachte (!) Verlegenheitslösung ebenfalls freudig annehmen würde.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #269
Ein Grund, weshalb ich mir diesen Plot auch nicht in der Gegenwart vorstellen kann, ist der kammerspielartige Charakter des Romans, der ja auch ursprünglich und zuallerst ein Theaterstück war.



Ich kenne mich zwar in der heutigen Filmlandschaft nicht wirklich aus, aber es wird doch wohl auch heutzutage noch funktionierende Kammerspiele geben. Oder ist das wirklich ein ausgestorbenes, komplett gestriges Genre?

Zitat von Edgar007 im Beitrag #270
Glaubt hier im Forum tatsächlich irgendjemand, dass der Name Wallace heutzutage noch die Massen in's Kino locken würde?


Nein. Ein gut gemachter, spannender Kriminalfilm soll die Massen ins Kino oder vor den Fernseher locken. Und wenn der dann eben zeitgleich eine an einem Wallace-Romanplot und Romancharakteren orientierte Adaption ist, die (in welcher Zeit auch immer) eine entsprechende Stimmung verbreitet, wäre ich hocherfreut!

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #271
Trotzdem haben jüngst die Sherlock Holmes-Filme mit Robert Downey Jr. gezeigt, dass die Zuschauer auch historische Thriller gerne im Kino sehen wollen. Das könnte man folglich auch als Chance begreifen, auch wenn ich den Produzenten einen solchen Pioniergeist gegenwärtig nicht zutraue.


Etwas weniger Popcorn-Kino dürfte es schon werden, aber ansonsten ein sehr schönes Beispiel, dass ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #271
Spontan fallen mir da Im Banne des Unheimlichen und Der grüne Brand ein. Beim Ersteren gibt es einen guten Schnitt, wenn die Gangster aus der Kammer des Priors fliehen. Der zweite Teil könnte dann fast komplett auf dem Kreuzfahrtschiff spielen.


Diese Idee hatte ich auch schon länger.

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Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

14.05.2015 15:46
#273 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #272
Ansonsten bin ich mittlerweile auch so "ausgehungert", dass ich eine gut gemachte (!) Verlegenheitslösung ebenfalls freudig annehmen würde.

Das ist ja auch eine Frage der Erwartungshaltung. Ich kann da auch nur für mich sprechen: Wenn eine solche Umsetzung im Kino oder Fernsehen laufen und Qualität aufweisen würde, wäre ich ja auch nicht abgeneigt oder würde das Produkt etwa aus purer Engstirnigkeit ignorieren. Aber es stellt für mich eben nicht die Ideallösung dar. Ich denke, darauf können wir uns verständigen. Letztlich haben wir als Wallace-Begeisterte und reine Filmtheoretiker ohnehin keinen Einfluss darauf, was, wann und vor allem wie in der Film- und Fernsehbranche umgesetzt wird.
Zitat von Count Villain im Beitrag #272
Ich kenne mich zwar in der heutigen Filmlandschaft nicht wirklich aus, aber es wird doch wohl auch heutzutage noch funktionierende Kammerspiele geben. Oder ist das wirklich ein ausgestorbenes, komplett gestriges Genre?

Es kommt halt darauf an, wie man so etwas angeht. Spannung und Tempo müssen hier sitzen. Fürs Kino wäre eine Kammerspiel sicher eher ungeeignet (außer vielleicht im Horror-Bereich), aber ansonsten könnte das durchaus funktionieren. Bei Das indische Tuch ist die Ausgangssituation ja ähnlich wie beim Hexer. Ich denke da in beiden Fällen an Fernsehfolgen von ca. 60 Minuten Laufzeit.
Zitat von Count Villain im Beitrag #272
Etwas weniger Popcorn-Kino dürfte es schon werden, aber ansonsten ein sehr schönes Beispiel, dass ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

Ich hatte hier natürlich auch weniger an krawallige Hollywood-Action gedacht, sondern an einen atmosphärischen, aber dennoch temporeichen Thriller. Die Sherlock Holmes-Filme leben ja auch viel vom Star-Potenzial der beiden Hauptdarsteller und der satten Portion Action. Aber das hätte wegen der Zeitperiode ja trotzdem niemanden interessieren müssen. Aber die Filme waren sehr erfolgreich und werden von den Zuschauern im Internet sehr gut bewertet. Ich fand vor allem im ersten Film das damalige London mit der im Bau befindlichen Tower Bridge faszinierend dargestellt. Solch einen Aufwand (Budget: 90 Millionen Dollar!) wird man bei einer Wallace-Verfilmung zwar nicht erreichen können, aber es zeigt zumindest, was alles möglich ist. 5-10 Minuten historisches Großstadt-London ist mit Matte-Paintings und Computereffekten oder so vielleicht auch für eine Produktion mit mittlerem Aufwand noch tragbar. Aber das können letztlich nur Produzenten wissen. Wir sind ja keine Filmfachleute.

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Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

29.05.2015 21:29
#274 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Wie angekündigt, hier einmal meine Einschätzungen zu den Verfilmungsmöglichkeiten der bisher von mir gelesenen und besprochenen Romane.

VERFILMUNGSMÖGLICHKEITEN – I

Besprochene Romane: Überfallkommando, Der Safe mit dem Rätselschloss, Die blaue Hand, Hands up! und Gucumatz der Allmächtige

Überfallkommando
Wie bei der Buchbesprechung (Romane (24)) erläutert, ein insgesamt mittelmäßiger Roman mit sehr viel Streichpotenzial. Meines Erachtens von der Handlung her nicht für eine standardisierte Spielfilmlänge von 90 Minuten (Fernsehfilm/Kinofilm) oder mehr geeignet. Mehr als 45 bis 60 Minuten sollte man aus dem Stoff, wie ich denke, nicht machen. Folglich wäre der Romanplot gut für eine Episode einer Edgar Wallace-Fernsehserie oder als flotter, knackiger Fernsehfilm denkbar. Insgesamt sehe ich bei der Handlungszeit keine Alternativen. Die Romanhandlung ist kaum aktualisierbar, da man zurückkehrende Tote und den Henker von London heute nur schwer bzw. gar nicht verkaufen kann. Zudem steht hier die zu Lebzeiten von Edgar Wallace brandaktuelle "Flying Squad" im Mittelpunkt, die in den Siebziger Jahren arg in Verruf geriet und mittlerweile mit anderen Londoner Polizeieinheiten zur Verbrechensbekämpfung zusammengelegt wurde. Von daher kann man Überfallkommando in meinen Augen nur in der Originalhandlungszeit (Ende der Zwanziger Jahre) adäquat umsetzen.

Der Safe mit dem Rätselschloss
In meiner Rezension (Romane (25)) habe ich das Werk gelobt und zu den besseren Romanen von Wallace gezählt. Allerdings sperrt sich das Buch, wenn man genauer darüber nachdenkt, doch stärker als andere Arbeiten von Edgar Wallace einer guten und flüssigen Verfilmung, was ja auch der 1964er Anlauf der Rialto Film bewiesen hat. Die Autoren haben den Plot hier nicht richtig in den Griff bekommen. Vom reinen Umfang gibt die Handlung auch in diesem Fall für einen 90-Minüter nicht genug her, weshalb der Kinofilm komplett außen vor bleiben muss und der Fernsehfilm nur mit einer kürzeren Laufzeit wirklich funktionieren würde. Auch hier wäre allerdings eine Komprimierung des Romans zu einer Fernsehfolge ohne größere Probleme möglich. Bei der Handlungszeit will ich den Aktualisierungsbefürwortern entgegenkommen und zugeben, dass es riesige Vermögen, verschrobene Testamente und hochtechnisierte Safes und Fallen auch heute noch gibt. Von daher wäre der Plot grundsätzlich auch in der Gegenwart denkbar, wobei bei einer Adaption in der Originalzeit freilich erheblich weniger Probleme für die Drehbuchautoren bestünden.

Die blaue Hand
Ganz anders sieht es da bei diesem Roman aus, den ich mir nur der Originalzeit vorstellen kann. In meiner Besprechung (Romane (25)) habe ich das Werk als eines der Besten von Wallace ausgewiesen. Dennoch muss ich Gubanov dahingehend zustimmen, dass es doch nur wenig Möglichkeiten für Action bietet und mehr durch Schaueratmosphäre und dunkle Familiengeheimnisse besticht. Wie andernorts erwähnt, könnte man zur Belebung der Handlung die Aktivitäten der "Bande der 13" zeigen; beispielsweise einen Raubüberfall als spektakuläre Anfangssequenz. Auch ansonsten müsste man die Geschehnisse deutlich raffen und für die Vergangenheitshandlung mit Rückblenden arbeiten. Einen Film (Tv oder Kino) von 90 Minuten oder mehr könnte ich mir grundsätzlich vorstellen; wobei ein Fernsehfilm, aufgrund der weitgehend fehlenden Action, sicherlich besser geeignet wäre. Eine Kürzung auf Fernsehepisodenlänge von 45 oder 60 Minuten würde ich kritisch sehen, da man auf diese Weise die umfangreiche Hintergrundgeschichte sicherlich nicht vernünftig abgehandelt bekommt. Eventuell wäre hier ein Zweiteiler denkbar, wobei sich die überstürzte Flucht Groats gut als Cliffhanger eignen würde.

Hands up!
In meiner Rezension (Romane (25)) habe ich die Fokussierung des Romans auf gesellschaftliche Ränke und dramatische Konflikte beschrieben. Es gibt kaum Action und auch keinen spektakulären Mord, was die filmische Adaption erschwert. Hier müsste man eventuell ein wenig in die Handlungsstruktur eingreifen und für mehr Action und Tote sorgen. Beispielsweise indem Morell und Connor Gunner Haynes einige Handlanger auf den Hals hetzen oder der "Gunner" als Eingangssequenz eine seiner legendären Taten vollbringt. Da gibt es grundsätzlich einige Möglichkeiten. Bei der Laufzeit bin ich mir unsicher. Eigentlich kann man das nicht allzu umfangreiche Buch sicherlich für eine 45 bis 60 Minuten-Umsetzung komprimieren, andererseits wäre, bei entsprechenden Änderungen, ein 90-Minüter vielleicht fruchtbarer. Auf diese Weise könnte man das Vierecksverhältnis zwischen Luke, Margaret, Morell und Haynes sehr schön entwickeln und auch mit dem Motiv der konkurrierenden Gangsterbanden spielen. In dem Falle würde ich eher zu einem Tv-Film tendieren, da man fürs Kino die Handlung wohl nicht ausreichend mit Action anreichern kann, ohne das Handlungsgerüst des King of Crime vollends zu torpedieren. Bei der Frage der Handlungszeit wäre natürlich auch hier die Originalzeit die Ideallösung, allerdings muss ich auch an dieser Stelle Aktualisierungsmöglichkeiten einräumen. Größte Probleme würden hierbei allerdings die geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse und der unzeitgemäße Zwanziger Jahre-Supergangster Gunner Haynes bereiten. Indes hat man mit den Finanzkrisen unserer Zeit einen guten Anknüpfungspunkt für den finanziellen Doppelruin im Roman.

Gucumatz der Allmächtige
Auf gewisse Schwächen dieses ansonsten sehr guten Romans habe ich in meiner Buchbesprechung (Romane (25)) hingewiesen: Es wäre insbesondere für eine Verfilmung notwendig, die Enttarnung des Haupttäters bis zum Schluss hinauszuzögern und mehr Verdächtige innerhalb der Handlung aufzubauen. Dafür bietet der Roman grundsätzlich ein ausreichendes Figurenpersonal, das man nur konsequenter nutzen müsste. Ansonsten ist diese Mystery-Geschichte mit übernatürlichen Gruselelementen eigentlich wie gemacht für eine Verfilmung. Eventuell müsste das Drehbuch dann nur mehr aufs Tempo drücken als der Roman, damit dem Zuschauer wenig Zeit zum Nachdenken bleibt. Aufgrund der umfangreichen Hintergrundgeschichte würde ich hier auch eine Laufzeit von 90 Minuten veranschlagen wollen. Eine Kürzung auf 45 bis 60 Minuten wäre meiner Ansicht nach kontraproduktiv. Ein Zweiteiler würde außerdem nicht so gut funktionieren, da der spannende Handlungsfluss unterbrochen würde und sich jetzt auch kein großartiger Cliffhanger direkt anbietet. Der Stoff wäre demnach sehr gut für einen Fernseh- oder Kinofilm in Spielfilmlänge denkbar. Gucumatz der Allmächtige hat in meinen Augen durchaus auch das Potenzial für die Leinwand. Bei der Handlungszeit kann ich mir allerdings nur die Zwanziger Jahre vorstellen, da dieser ganze Aztekenzauber heute nicht mehr so gut funktionieren würde wie noch in der Originalhandlungszeit.

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Count Villain Offline



Beiträge: 3.605

29.05.2015 22:54
#275 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

@ Überfallkommando

Ich wüsste jetzt nicht, was das Thema "zurückkehrende Tote" so speziell "historisch" machen sollte. Oder ist es die Art, wie es in der Geschichte umgesetzt ist? Ich kenne Überfallkommando leider nicht.

@ Die blaue Hand

Hast du auch Gründe für die Originalzeit? Bzw. gegen Modernisierung? Hier habe ich den Roman bereits gelesen, allerdings nicht mehr in allen Einzelheiten im Kopf drin.

@ Allgemein

Mir scheint, dass du Kino immer auch gleich mit viel Action gleichsetzt, wenn du die Wahl des Mediums bedenkst. Oder kommt mir das nur so vor?

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Mr. Igle Offline




Beiträge: 49

30.05.2015 12:27
#276 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #275
@ Überfallkommando: Ich wüsste jetzt nicht, was das Thema "zurückkehrende Tote" so speziell "historisch" machen sollte. Oder ist es die Art, wie es in der Geschichte umgesetzt ist? Ich kenne Überfallkommando leider nicht.

Es ist tatsächlich die Art, wie es in der Geschichte umgesetzt ist. Das kann man einfach nicht glaubwürdig in die Gegenwart transportieren. Ich schreibe allerdings sowohl hier, als auch bei den Buchbesprechungen bewusst etwas blumig um bestimmte Sachverhalte herum, um dem möglichen Leser des Romans nicht alle Wendungen gleich vorweg zu nehmen. Deshalb habe ich mich hier nicht so klar ausgedrückt. Ich möchte ja niemandem die Lektüre verleiden. Bei Überfallkommando kommt, wie angemerkt, aber noch hinzu, dass die "Flying Squad" zur Verbrechensbekämpfung damals brandneu war, aber heute nicht mehr als eigenständige Einheit existiert. Zudem finde ich den "Gothic-Grusel" des Buchs (Romankenner wissen, was ich meine) nicht gut übertragbar. Alles in allem würde ich mich, trotz grundsätzlicher Toleranz, komplett gegen eine Aktualisierung aussprechen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #275
@ Die blaue Hand: Hast du auch Gründe für die Originalzeit? Bzw. gegen Modernisierung?

Auch hier gibt es meines Erachtens zu viele Elemente, die man nicht in die Jetztzeit übertragen kann. Lässt man die alle weg, wird der Original-Wallace doch arg verfälscht. Beispiele hierfür wären: 1. Steele ist ein Held des 1. Weltkriegs - Groat ein Kriegsdienstverweigerer, was beständig für Spannung zwischen den Beiden sorgt 2. Das erklärt auch Steeles Fliegerqualitäten - zudem kann ich mir die Flugzeugmanöver nicht mit modernen Kleinflugzeugen vorstellen 3. Groats Schreckenslabor nach Art des Dr. Staletti 4. Groats abenteuerliche Flucht wäre heute so sicherlich nicht mehr denkbar 5. Die ganze Familiengeschichte mit ihren Hintergründen würde so in der Gegenwart nicht mehr funktionieren bzw. wäre nur äußerst schwer anpassbar. Das sind schon allerlei Probleme und daher kann ich mir die Romanhandlung nicht im Jahr 2015 vorstellen.
Zitat von Count Villain im Beitrag #275
Mir scheint, dass du Kino immer auch gleich mit viel Action gleichsetzt, wenn du die Wahl des Mediums bedenkst. Oder kommt mir das nur so vor?

Ich habe mir meinen Beitrag nochmal durchgelesen und muss dir zustimmen. Diesen Eindruck kann man bekommen, gemeint war es indes anders. Ich vertrete ja allgemein die Auffassung, dass man bei einer Adaptierung von Wallace-Romanen Spannung und Tempo erhöhen und gleichzeitig jede Menge Dialoge streichen müsste. Das erfordert einfach das Medium Film. Überbordende Action brauchen Wallace-Verfilmungen sicherlich nicht. Es wären ja Kriminalthriller, keine reinen Actionthriller. Tatsächlich bin ich jedoch der Meinung, dass man bei einem Kinofilm doch noch etwas mehr auf Action und rasante Passagen setzen sollte, da in diesem Medium die Konkurrenz am größten und die finanzielle Fallhöhe am höchsten ist. Hier sollte man daher schon, um innerhalb des aktuellen Kinoprogramms nicht völlig unterzugehen, für das eine oder andere Highlight sorgen. Natürlich denke ich hier nicht an ein übertriebenes Krawumm-Level wie bei den Sherlock Holmes-Filmen, sondern an ein paar temporeiche, aber nervenaufreibende Passagen. Ich hoffe, es wird einigermaßen klar, was ich meine. Fürs Kino eignen sich daher in meinen Augen nur Romane, die für solche temporeichen Passagen den Raum bieten bzw. diese gleich mitbringen. Einen Kino-Wallace würde ich mir vielleicht ein wenig wie Verblendung von David Fincher vorstellen; zumindest was die Ausstattung, die detailreichen Rückblenden, die atmosphärische Kameraführung und die Spannungs- und Action-Momente im prozentualen Verhältnis zur Gesamtlaufzeit des Films angeht. So ungefähr. Es ist halt schwer etwas zu beschreiben, zu dem es noch kein auch nur annäherend 100 prozentiges Referenzprodukt gibt.

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Lord Low Offline




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24.08.2015 17:02
#277 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Ich wäre auch für ein Remake des Hexers.

Für die Regie würde ich mir Christopher Nolan wünschen.

Als Cast-Szenario könnte ich mir folgendes vorstellen:

Inspektor Higgins: Michael Fassbender
James Wesby: Hugh Jackman
Elise Penton: Margot Robbie
Inspektor Warren: Donald Sutherland
Cora Ann Milton: Cate Blanchett
Maurice Messer: Danny Huston
Reverend Hopkins: Jesper Christensen
Sir John: Michael Gambon
Archibald Finch: Nick Frost
Arthur Milton: Nick Dunning

Count Villain Offline



Beiträge: 3.605

24.08.2015 17:14
#278 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Netter Traum.

Aber ich glaube kaum, dass ein internationales Team ausgerechnet einen deutschen Film remaken würden. Da glaube ich doch eher an eine britische Produktion nach Romanvorlage.

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Lord Low Offline




Beiträge: 331

24.08.2015 17:21
#279 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #278
Netter Traum.

Aber ich glaube kaum, dass ein internationales Team ausgerechnet einen deutschen Film remaken würden. Da glaube ich doch eher an eine britische Produktion nach Romanvorlage.


Bei "Es geschah am hellichten Tag" hat man es auch gemacht. Das Remake kam da zwar bei weitem nicht an das Original heran, aber immerhin.

Ich weiss aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.605

25.08.2015 06:08
#280 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #279
Bei "Es geschah am hellichten Tag" hat man es auch gemacht. Das Remake kam da zwar bei weitem nicht an das Original heran, aber immerhin.



Na ja, da kann man sicher auch darüber streiten, ob das ein Remake des Films ist oder eine eigenständige Adaption von Dürrenmatts Roman. Zumal sich der Film mit Jack Nicholson an das Original-Dürrenmatt-Ende und nicht das Happy-End des Rühmann-Films hält.

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Lord Low Offline




Beiträge: 331

25.08.2015 10:29
#281 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Wichtig ist aber sowieso, dass es mal überhaupt wieder Wallace-Verfilmungen (neben King Kong) gibt. Ob und wie stark sich die dann an den Rialto-Produktionen orientieren ist dann wieder die andere Geschichte.

lasher1965 Offline




Beiträge: 362

25.08.2015 15:29
#282 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Josh im Beitrag #235
Ich hoffe ja schon seit Ewigkeiten, dass Tarantino mal Lust auf eine Neuinterpretation der Filme hat.


Genau das war auch meine Idee, wenn man nicht an romangetreue Verfilmungen, sondern eher an eine Hommage an die Rialto-Reihe denkt, ohne gleich in der Parodie a la 'Wixxer' zu landen. Durchaus etwas abgedreht und schräg, aber eindeutig auf der Thriller- und nicht auf der Komödienseite. In einem solchen Film könnte man dann auch einen fantasievoll maskierten Mörder (Abt, Mönch etc.) unterbringen und das wäre auch genau das, was man in einer Rialto-Wallace-Hommage sehen will. Tarantino hätte sicherlich auch die geistige Nähe zu Vohrer, den er ja selbst mal in einem Interview als seinen Lieblingsregisseur bei den Edgar Wallace-Filmen bezeichnet hat.

Lord Low Offline




Beiträge: 331

25.08.2015 16:40
#283 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Ein Tarantino-Wallace wär natürlich super und auch am wahrscheinlichsten.

lasher1965 Offline




Beiträge: 362

25.08.2015 18:03
#284 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von Lord Low im Beitrag #283
Ein Tarantino-Wallace wär natürlich super und auch am wahrscheinlichsten.


OK, wer spricht mir Tarantino? Ich selbst kann lediglich Kontakte zur Ex-Frau von Wim Wenders und zur Witwe von Sam Fuller vorweisen, aber das hilft uns hier nicht weiter.

Lord Low Offline




Beiträge: 331

25.08.2015 19:31
#285 RE: Wallace-Neuverfilmungsmöglichkeiten Zitat · antworten

Zitat von lasher1965 im Beitrag #284


OK, wer spricht mit Tarantino?


Wir könnten ja Christoph Waltz fragen.

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