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  • Dazu fällt mir noch ein, dass die Version mit der Weltreise am Anfang ja irgendwie irgendwem zu teuer war, hab ich jedenfalls mal irgendwo gelesen. Obwohl ich das nie so recht verstanden habe, man hätte ja, wie in der guten alten Film-Zeit üblich, die Reise von Dick Martin sowie dem angeblichen Selford mittels einer Karte und einem animierten Pfeil darstellen können. Zwischenstationen als Bilder einblenden sowie vielleicht eine entscheidende Zwischenstation irgendwo in Spanien drehen können und dann behaupten, es wäre irgendwo auf den Antillen oder sonst wo. Hauptsache Meer, Sonne und ein paar Sukkulenten. Auch ein paar südländisch aussehende Chargen hätte man doch analog zu ähnlichen Filmen organisieren können. So ist alles im nebligen (Pseudo-)England geblieben, aber eigentlich macht ja gerade das den Reiz aus, obwohl ich die andere Sache auch gut gefunden hätte.
    Das brennende Schloss am Ende ist natürlich zu aufwändig gewesen. Deswegen wurde die Handlung ja wohl auch komplett umgeschrieben und der Frankenstein-Faktor erhöht.
    Weiter finde ich die Dramatisierung gelungen, dass Cody seine geliebte Emily versehentlich erschießt, obwohl sie ja im Roman an Herzschlag stirbt.
    Kriminalistisch gab es noch zwei Ergänzungen. Einmal der Kreis, den der «Holmes im Westentaschenformat» auf die große Landkarte gezeichnet hat und damit auch für den Zuschauer nachvollziehbar Selford Manor gefunden hat. Zum anderen der fingierte Mordanschlag auf Havelock mit den Auspuffgasen, der zwar eigentlich unglaubwürdig ist, andererseits aber eine Erklärung liefert, warum sich der Urheber verdächtig macht.
    Und verständlicherweise sind der Schatz hinter der ominösen Tür einschließlich des Gerippes des unglücksamen Lords sehr überlegt ausgeführte Änderungen, die eigentlich Wallace selber so hätte schreiben können, das Geständnis aller Beteiligten hätte er ja als Draufgabe beilegen können. Obwohl dann natürlich die Logikfrage berechtigt ist, was der Schatz für die Verbrecher einen Sinn bringt, wenn er unaufgeteilt in der Gruft dahindämmert.

  • @Savini :
    Das Pferderennen, bei dem am Anfang alle Personen eingeführt werden, ihre Beziehungen zueinander angerissen werden und natürlich die bewusste Banknote gefunden wird, ist als Anpassung an den Romanstoff wirklich sehr gelungen. Sicherlich auch ebenso die Hochzeit.
    Das Spiegelzimmer habe ich immer als Modernisierung empfunden, ob es nun weniger theatralisch wirkt als das Drahtnetz, könnte ich nicht mal behaupten. Der Effekt am Ende bei der Schießerei ist so auch größer, wenn der Spiegel kaputtgeht.
    Was die Beziehungen der Personen angeht, so finde ich noch die Darstellung Basil Hales erwähnenswert, den die Jane Leigh im Buch viel mehr mochte als im Film, wenngleich sie ihn beileibe nicht als Gatten haben wollte. So viel Zwiespältigkeit wollte man der „reinen“ Karin Dor wohl nicht zumuten, die bei Wallace stets ganz moralisch auftrat (na gut, in Zimmer 13 nur rein äußerlich).
    Und was die beiden Morde angeht und die Verwicklung des Oberbosses darin, das ist doch eigentlich eine ganz einfache Sache: So lange die Sache gut läuft, drückt der Chef die Augen zu und will alles gar nicht so genau wissen, ermutigt sicher noch dazu, wenn aber die K… am Dampfen ist, dann delegiert er die Schuld weit von sich und wälzt sie auf seine Untergebenen ab. Kann man ja nun jeden Tag auf der Arbeit oder in der kleinen und großen Politik beobachten, warum sollte da der große Fälscher anders handeln ? Zumal er ja, wie am Anfang von Bourke festgestellt, auch nur ein Mensch mit Schwächen ist…

  • Der Adler ist gelandet (1976)Datum21.07.2021 16:46
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Film- und Fernsehklass...

    Der Adler ist gelandet

    Original: The Eagle Has Landed
    Erscheinungsjahr: 1976
    Regie: John Sturges
    Darsteller: Michael Caine, Donald Sutherland, Robert Duvall, Donald Pleasence



    Handlung

    Nach der erfolgreichen Befreiung von Mussolini durch deutsche Fallschirmjäger gibt Hitler die Anweisung zur Entführung Churchills heraus. Der lustlose Admiral Canaris (Anthony Quayle) delegiert die Sache halbherzig an Oberst Radl (Robert Duvall) weiter, doch der intrigante Heinrich Himmler (Donald Pleasence) treibt den Oberst durch Drohungen und Schmeicheleien zu einer raschen Realisierung des Projektes an. Man verspricht sich dadurch, die Engländer einem Verhandlungsfrieden geneigt zu machen. Durch eine Agentin erfährt der Geheimdienst von Churchills geplantem Besuch in dem kleinen englischen (fiktiven) Küstenort Studley Constable, ein Plan wird entwickelt, in dem der erprobte Fallschirmkommandeur Kurt Steiner (Michael Caine) samt seiner Einheit die Hauptrolle spielen soll. Steiner, der ausgezeichnet Englisch spricht, hat sich durch seine versuchte Rettung eines jüdischen Mädchens vor der SS in Polen die Rache des Regimes zugezogen, er und seine Männer müssen einen Strafdienst zur Minenräumung auf den Kanalinseln leisten. Ein Todesurteil auf Raten, die Hälfte der Einheit ist schon umgekommen.
    Radl stellt dem Trupp die komplette Rehabilitierung in Aussicht, wenn sie den Entführungsplan in die Tat umsetzen. Zur Seite wird dem Kommando noch der IRA-Kämpfer Liam Devlin gestellt, der von Donald Sutherland gespielt wird. Nach kurzer Vorbereitung landen die Fallschirmjäger in England, unter der Tarnung von polnischen Uniformen geben sie in Studley Constable vor, Verbündete zu sein. Zuerst scheint alles gut zu gehen, aber durch den Rettungsversuch eines der Soldaten an einem Kind kommt die Identität der Saboteure ans Tageslicht. Die geben sich noch lange nicht geschlagen, die Bevölkerung wird, soweit greifbar, in der Dorfkirche interniert, doch nun überstürzen sich die Ereignisse. Schließlich bekommt eine in der Nähe stationierte amerikanische Einheit Wind von der Sache, was in der Folge zu wilden Schießereien und blutigen Verlusten auf beiden Seiten führt. Steiners Chance auf eine Erfüllung seiner Mission, die auch notfalls die Liquidierung seines Zielobjektes einschließt, scheint aussichtslos, doch schließlich steht er, der mit allen Wassern gewaschene Kämpe, dem britischen Kriegspremier Auge in Auge gegenüber…


    Bewertung

    Die Verfilmung von Jack Higgins‘ Klassiker kann mit einer Riege von sehr guten Schauspielern sowie einer spannenden Geschichte trumpfen, obgleich man ja weiß, dass Sir Winston nach Kriegsende noch zwei Jahrzehnte weiterlebte, Bücher schrieb, Bilder malte und, wie es sich gehört, allerlei Preise entgegennahm. Zudem ist der Blickwinkel diesmal verschoben, denn es sind ja Deutsche, die ein Kommandounternehmen führen, also auf der „Gegenseite“ stehen. Quasi als Rechtfertigung für einen solchen Helden wird am Anfang Steiners Aversion gegen die Mordaktionen der SS gezeigt, hier lässt Caines Rolle sehr überzeugend seine fast schon an Hass grenzende Abneigung gegen unsoldatische Schlächter hinter der Front heraus, während er sonst den ganzen Rest des Filmes eine ironisch-überlegte, fast schon etwas überhebliche Art dem Schicksal gegenüber an den Tag legt. Irgendwie macht er den Eindruck, dass er sich in seiner (Film-)Haut nicht so endgültig heimisch fühlt.
    Beängstigend real erscheint Pleasence in seiner Himmler-Darstellung, die auch rein äußerlich sehr ähnlich wirkt. Das Gefühl, einer Giftschlange gegenüberzusitzen, muss wohl gleichgeartet sein.
    Hier stellt man die gerne zitierte allgemeine gegenseitige Abneigung von Wehrmacht und SS dar, die im Speziellen in der Rivalität ihrer Geheimdienste ihren Niederschlag findet.
    Auch sonst sind die Akteure durchaus überzeugend, Larry Hagman beispielsweise tritt als Colonel Pitts auf, eine eher lächerliche und komplett unfähige Figur, deren Karrieregeilheit leider eine Menge Männer zum Opfer fallen. Sutherland als irischer Widerstandkämpfer beginnt schnell noch eine Affäre mit der netten Molly von nebenan, was mit einer wahrhaft atemberaubenden Geschwindigkeit vor sich geht, was hat der Typ eigentlich so an sich ? Er prügelt sich noch mit einem brutalen Konkurrenten um die Gunst der Schönen, bereitet zusammen mit der Agentin Mrs. Grey (Jean Marsh) die Landung der Fallschirmeinheit vor, besorgt Lastwagen… viel Arbeit für den flapsigen Burschen in kurzer Zeit.
    Erwähnenswert vielleicht noch Siegfried Rauch als hochdekorierter deutscher Soldat unter Steiners Kommando, der sich und den Rest der Truppe aufopfert, um seinem Chef in auswegloser Lage ein Entkommen zu ermöglichen und den Job noch auszuführen. Da ist er wieder, der deutsche Nibelungenwahn, eine aussichtslose Sache ohne Rücksicht auf Verluste bis zum bitteren Ende durchzuziehen, der die entfernten Vettern jenseits des Kanals irgendwie zu faszinieren scheint.
    Ansonsten noch jede Menge Protagonisten, der hasserfüllte Pater Voreker aus der Kirche etwa oder der besonnene Captain Clark, der nach Pitts katastrophal geendetem ersten Angriff das Kommando über die Ranger übernimmt und buchstäblich schwerere Geschütze auffahren lässt, was die Lage entscheidend wenden soll.
    Die im letzten Drittel des Streifens aufflammenden Kämpfe sind schon wesentlich realistischer gefilmt als in den sechziger Jahren, der zweite Weltkrieg in miniature in einem kleine englischen Flecken an der Südküste. Obwohl die Aufregung sicherlich in diesem Teil am größten ist, gibt es generell keine Längen zu beanstanden, die Dramaturgie hält den Zuschauer bis zum dramatischen Schluss gelungen bei der Stange.


    Vergleich zum Roman:

    In den ersten Jahrzehnten nach dem Weltkrieg waren recht hausbackene Erzählungen über tapfere Kommandoeinheiten schwer in Mode, etwa von Colin Forbes oder Alistair McLean. Vor allem letzter motivierte zu einigen Agentenkriegsfilmen, in denen Tapferkeit, Kameradschaft, Verrat, Liebe und schier unlösbare Herausforderungen stets eine ähnliche Mischung bildeten. Auf diesen Zug sprang auch der britische Schriftsteller Jack Higgins auf, dessen Romanvorlage für den vorliegenden Streifen immer noch sein bekanntestes Werk sein dürfte. Allerdings waren diesmal keine braven Alliierten auf Mission Impossible, sondern die Deutschen, mit einer durchaus ehrgeizigen Zielsetzung. Aus dem Nebel der Geschichte wabern Gerüchte über derartige Unternehmen immer mal durch, etwa Skorzenys Kommandounternehmen gegen die alliierten Staatsoberhäupter beim Kairo-Treffen, der (angebliche) Attentatsplan gegen die „Großen Drei“ bei der Teheran-Konferenz, oder auch der real dokumentierte Mordplan gegen Stalin durch zwei Agenten. Alle diese Ereignisse wurden literarisch oder filmisch verarbeitet, wobei die Fiktion die gesicherten Tatsachen bei weitem überlappt. Bei der von Higgins geschilderten Operation, die mit den Code-Worten „Der Adler ist gelandet“ in die heiße Phase läuft, sollen nach dessen eigener Aussage wenigstens fünfzig Prozent der Wahrheit entsprechen. Man kann wohl eher getrost davon ausgehen, dass hier die Eigenwerbung die „Wahrheit“ um fünfzig Prozent schöngeredet hat. Was nun die Faszination der Sache für Liebhaber des Sujets nicht schmälert.
    Dabei hält sich der Regisseur letzten Endes sehr stark an die berühmte Literaturvorlage, wenngleich es auch einige Änderungen und vor allem Auslassungen gibt. Ein paar auffällige Punkte:
    Oberstleutnant Kurt Steiner war in der Vorlage noch wesentlich kritischer den Nazis gegenüber, sein Engagement hing auch mit vagen Versprechungen zusammen, etwas für seinen in Gestapohaft geschundenen Vater zu tun. Auch hat er beispielsweise die zivilen Geiseln von sich aus gehen lassen und nicht erst auf Bitten des amerikanischen Offiziers. Und, besonders eklatant, am Ende zögert er im entscheidenden Moment, den Abzugsfinger zu krümmen, was allerdings im Prinzip nichts ausmacht. Trotzdem wollte man hier vielleicht einen Offizier in deutscher Uniform nicht zu sympathisch herüberkommen lassen. Auch Oberst Radl war mehr Getriebener als Überzeugter, obgleich natürlich für alle die Pflichterfüllung über allem stand.
    Andererseits waren offenbar auch zu viele Flecken auf Britanniens weißem Schild nicht erwünscht. Mrs. Grey ist im Film nur „die Verräterin“, ihr Hintergrund als Südafrikanerin, der als junge Frau durch britische Soldaten im Burenkrieg sehr großes Unrecht zugefügt wurde, wurde nicht thematisiert (zumindest in der leider um ca. zehn Minuten gekürzten deutschen Fassung). Auf einen englischen SS-Freiwilligen namens Preston, der Steiners Einheit als ungewünschte Unterstützung zugeteilt wurde, hat man lieber gleich verzichtet. Das sogenannte Britische Freikorps, nie mehr als eine Handvoll Männer, ist sicherlich für die Inselbewohner eine peinliche Erinnerung, und man könnte fast vermuten, dass diese von dem in Nordirland aufgewachsenen Higgins, der in seinen Büchern keine übertriebene Anglophilie spüren lässt, als kleine Stichelei eingefügt wurde. Preston wird später von Devlins Nebenbuhler Seymour gelyncht, welcher nun wiederum nicht wie im Film von Molly erschossen wird.
    Der Erzählstrang um Devlin ist im Roman etwas komplexer. Dem IRA-Kämpfer gehört eindeutig die Sympathie des Autors, der auch gleich klarstellt, dass er mit Terroranschlägen nichts am Hut hat. Das Bündnis mit Deutschland ist für ihn nur Mittel zum Zweck gegen die wenig geschätzten Briten. Während im Film nur mal kurz angerissen wird, dass Devlin von ein paar ominösen Gestalten Militärfahrzeuge erhält, sind es „in Wirklichkeit“ ein berüchtigter Gangster mit dessen Bruder und Bande, die erfolglos versuchen, Devlin zu linken. Die grausame Strafe der IRA für Verrat folgt auf dem Fuße, was wiederum die Spezial-Abteilung der Polizei in Gestalt eines Inspektors samt Assistenten auf die Fährte des Verursachers setzt. Das Ganze mündet kurz vor Schluss unabhängig vom restlichen Geschehen in eine unerwartet blutige Auseinandersetzung. Devlin setzt sich im Roman auch zusammen mit einem verwundeten deutschen Unteroffizier des Unternehmens auf einem Schnellboot nach Deutschland ab, während er im Film ja unrealistischerweise bei seiner Molly bleibt und das S-Boot in letzter Konsequenz offenbar abgeschossen wurde.
    Trotz der auch sonst noch bestehenden Abweichungen kann man aber von einer sehr werkgetreuen Verfilmung sprechen, der nun ohnehin nicht zu stark nuancierte Stoff wurde vergröbert und in einer Konzentration auf das Wesentliche umgesetzt.


    Zusammenfassung:

    Wie das Lexikon des internationalen Films bemängelt, wird der Krieg hier tatsächlich als eine Angelegenheit harter Burschen dargestellt, und die sich demzufolge im Übrigen durch soldatische Tugenden, wie Tapferkeit, Kameradschaft, Gehorsam auszeichnen, ansonsten rauhbeinige Gesellen mit dem Herz auf dem rechten Fleck sind, die die Umstände leider auf gegnerische Positionen geworfen haben, die sich dennoch respektieren usw. Das sollte man aber nun bei einem derartigen Film auch erwarten, es geht hier weder um Kriegskritik noch um Hinterfragen gängiger Klischees. Dennoch bleibt auch hier mitunter Zeit für leisere und nachdenklichere Töne. Es wird auf Spannung und Konflikte gesetzt, die selbstredend auftretende Frage des Zuschauers, ob denn hinter allem ein Körnchen Wahrheit stecken könnte, wird geschickt geschürt. Obwohl ja am Ende ein Verantwortlicher bedeutungsschwer sagt, dass das alles niemals stattgefunden hat - im doppelten Sinne treffend.
    Als Ergebnis gibt es einen über zweistündigen dramatischen Film mit hervorragenden Akteuren.

  • Die Tür mit sieben Schlössern (1926)Datum16.07.2021 16:37

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Tatsächlich? Waren "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1886) und "Dracula" (1897) nicht auch noch Klassiker dieses Genres?

    Soweit mir bekannt ist, gilt die Zeit bis maximal in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts als Periode des klassischen (englischen) Schauerromans, der zu der Zeit auch in deutschen Landen populär gewesen sein muss. Sozusagen in Reinkultur. Ist nicht mein Spezialgebiet… Edgar Allan Poe, R.L. Stephenson, Bram Stoker, selbstverständlich auch Edgar Wallace (nicht nur bei der „Tür“) und viele andere haben Versatzstücke daraus verwendet, aber im Zusammenhang mit Kriminalistik, Sozialkritik, Psychologisierung , Thrill usw., auch moderne Horrorliteratur wie Stephen King u.a. bedienen die ewige Lust am Schaurigen, wenn auch in expliziterer Form.

    Die genaue Grenze hat da die trockene Literaturgeschichte festgelegt.

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Beim Vergleich von Marie-Luise Droops Übersetzung mit der von Heyne sind mir allerdings gegen Ende einige gravierende Abweichungen aufgefallen:

    Das stimmt schon. Mir ist nur aufgefallen, dass die Episode mit der Fütterung der beiden Kreaturen bei Frau Droop komplett entfallen ist.

  • Zitat von Savini im Beitrag #45
    Wobei in diesem Fall aus Flemings Sicht eher das Mischlingsmotiv ausschlaggebend sein dürfte. Das setzt er auch bei Bösewichten ohne deutsche Wurzel ein. Dr. No rekrutiert etwa bevorzugt Menschen, die teils von Schwarzen, teils von Chinesen abstammen (zu Flemings Zeiten nannte man sie "Chigroes"). Le Chiffres Herkunft ist unklar, aber in seiner Akte wird über romanische und slawische Wurzeln spekuliert. Mr. Big kontrolliert eine Organisation von schwarzen Kriminellen, aber seine Mutter war weiß (er selbst hat übrigens rote Haare). Blofelds Herkunft wurde bereits erwähnt.

    Mischlinge wurden schon lange Zeit mit erhöhter Aggressivität und Gewalttätigkeit in Zusammenhang gebracht. Es gibt oder gab sogar wissenschaftliche Untersuchungen darüber. Was daran wahr oder nicht ist, kann man gänzlich unvoreingenommen ohne Ideologielastigkeit schwer sagen. Aber wie so häufig, werden auch hier Menschen aufgrund irgendeiner speziellen Eigenschaft von vornherein in eine Schublade gesteckt. Kein schöner Zug, den aber Fleming nicht „erfunden“ hat. Auch Wallace hat die Mischlingsthematik immer mal wieder in seinen Büchern aufgegriffen. Obwohl gerade er es schafft, hier über seinen Schatten zu springen und, wie es ja „Savini“ im Bogenschützen zeigt, sogar einen Sympathieträger daraus zu machen. Das gleiche Thema behandelt er auch im kaum bekannten und im selben Jahr erschienenen Roman Geheime Mächte, wo der hässliche, ungebildete, dunkelhäutige und verachtete „Mischling“ den edelsten Charakter und die reinste Seele aller Beteiligten hat. Das hat im Handlungszusammenhang eine besondere Bewandtnis, in jeder Hinsicht ein ungewöhnliches Werk, was ich auch gerne mal demnächst besprechen möchte, wenn es die Zeit erlaubt.

    Zitat von Savini im Beitrag #45
    Stouts krasse Deutschfeindlichkeit ist mir bekannt. Im Falle von Fleming schien seine Haltung selbst in den gekürzten Ausgaben des Scherz-Verlags noch durch. Wobei man sagen muss, dass er generell auf alles herabblickte, was nicht von den britischen Inseln stammte (die Bösewichter sind alles, nur keine geborenen Briten). Im Falle der Deutschen ist es interessant, dass in den Büchern mitunter sogar eine gewisse widerwillige Bewunderung durchscheint, da die deutsche Wirtschaft bereits einen Aufschwung erlebte, als in England noch rationiert wurde. Ob Fleming dieser Neid bewusst war oder nicht?

    Der britische Neid auf Deutschland ist tief verwurzelt und hat, mal ganz neutral ausgedrückt, letzten Endes einen erheblichen Anteil an den beiden verheerenden Weltkriegen gehabt. Natürlich, von „den Briten“ pauschal zu sprechen ist nicht richtig, die dortige sogenannte Elite sah (und sieht ?) in Deutschland den Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt. Fleming mit seinem Upper-Class-Hintergrund hat das sicher mit der Muttermilch einsogen, genauso wie die Neigung, generell auf alles Nichtbritische und nicht seiner Klasse zugehörige herabzublicken. Gerade seine Tätigkeit für den Geheimdienst im Interesse der Elite zeigt doch, wie sehr er sich diesen Leuten verbunden fühlte. Trotzdem schließt das eine charakterliche Weiterentwicklung nicht aus, wie es bei Fleming damit aussah, ist sicher zweifelhaft.

    Zitat von Savini im Beitrag #45
    Das ist mir bewusst, Fleming ist aber ein spezieller Fall, bei dem das mit der "völlig anderen Zeit" nicht so einfach ist.
    Ich weiß nicht, ob du Kingsley Amis´ erstmals 1965 in England erschienenes Buch "Geheimakte 007. Die Welt des James Bond" kennst.

    Das Buch kenne ich nicht. Etwa zur gleichen Zeit hat ja auch schon Umberto Eco sein negatives Urteil in Buchform über die Bond-Erzählungen abgegeben. Vielleicht hätte er es als älterer Mann etwas differenzierter gesehen, wer weiß. Aber was solls, das eine sind eben die Kritiker, das andere das Publikum. Wenn die Bücher so schlimm wären, hätten sie nun sicher keine so breite Verbreitung gefunden und zu einer der langlebigsten Filmserien motiviert. Dass eine Person wie Bond, der die Drecksarbeit für Königin, Empire und Demokratie macht, kein zartfühlender Akademiker mit weltoffenen Glaubensgrundsätzen ist, liegt auf der Hand, zumal als herumgeschubstes Waisenkind mit Bindungsstörungen und notwendigerweise entwickelter Ellenbogenmentalität. Der muss einfach skrupellos, aggressiv und „kalt“ sein, gewissermaßen in den Tag hineinleben und ein Feindbild mit Vorurteilen haben, welches ihn bei Stange hält. Zeigt auch, was seine Vorgesetzten für eine Mentalität haben und entspricht sicher mehr der Realität, als es manchem lieb ist. Wem die Bücher nicht gefallen, soll sie eben einfach nicht lesen.
    Gerade bei Fleming und seinem Werk gibt es abseits der üblichen Verdammung noch viele interessante Aspekte zur Recherche, die sicher lohnenswerter sind. Die okkulten Anspielungen, oft mit rosenkreuzerischem Hintergrund, die sogar in den Filmen auftauchen, gehen auf eine interessante Seite ihres Schöpfers zurück, die zum großen Teil auch mit dessen Arbeit im Geheimdienst verknüpft ist. Wenn Du Dich damit mal vorurteilslos beschäftigst und das alles nicht gleich als Spinnerei abtust, kommst Du auf skurrile Sachen, woher etwa die Bezeichnung „007“ stammt oder was es auch mit „For your eyes only“ auf sich hat. Sogar mit Blofelds Vorbildern gibt es da Mutmaßungen, die sicher nicht alle stimmen, denn alles muss man sicher auch nicht glauben…

    Zitat von Savini im Beitrag #46
    In einem anderen Forum meinte jemand mal, dieser Blofeld wirke "weniger wie Bonds Moriarty denn wie ein jovialer Zuhälter". Das ist dann doch etwas zu drastisch. Ironischerweise ist ausgerechnet dieser so bodenständige Darsteller der einzige Blofeld, der ein nicht-materielles Motiv (einen Adelstitel) hat, was nicht recht zusammenpassen will.

    Ja, dass ausgerechnet der „prollige“ Savalas-Blofeld so für Adelstitel schwärmt, kam mir auch immer unpassend vor. Das hätte besser zu Pleasence gepasst, sollte man meinen. Aber, wie so viele wie von Savalas dargestellte Gemüter hat dieser womöglich auch insgeheim davon geträumt, „was Besseres“ zu sein, durch den Adelstitel auf seine alten Tage in die gehobene Gesellschaft eingeführt zu werden. Wer weiß ?

    Zitat von Savini im Beitrag #46
    Ist das nicht ein grundsätzliches Merkmal von Bösewichtern dieser Kategorie? Ebenso wie dass sie bei ihren Hauptwidersachern dann wieder zurückhaltend sind.

    Das stimmt schon. Geradezu klassisch. Da Bond aber weltweit bekannt geworden ist, wird das endlose Spiel, dem Agenten alles zu verraten, zu verschonen und ihn am Ende dann in komplexe Todesfallen zu stecken, woraus er sich wieder befreien kann, wahrscheinlich besonders mit diesen Filmen in Verbindung gebracht.

  • Soweit ich mich erinnern kann, kam irgendein Teil von Blofelds Familie ursprünglich aus Deutschland. Der Name "Blofeld" klingt nun auch nicht unbedingt Polnisch. Übrigens war auch Dr. No zu einem Teil deutsch, zum anderen chinesisch. Das gibt selbstredend eine geniale Mischung, eine Mischung aus Fumanchu und "Hunne", wie geschaffen zum Welterobern...
    Dass Fleming häufig Ausländer, Menschen mit Gebrechen und andere Rassen auf der Seite der Bösewichter einordnete, wurde und wird ihm ja nun von allerlei schnell empörbaren Mitmenschen angekreidet. Wie stellen die sich eigentlich real existierende Bösewichter vor ? Auf alle Fälle männlich, weiß und entweder mit schwarzem Schnauzbart oder neuerdings blondierter Haartolle ? Etwas einseitig, besonders wenn man bedenkt, dass die Einsätze des Geheimagenten tatsächlich oft in exotischen Gegenden stattfinden, wo eben halt Personen mit anderer Hautfarbe, Sitten und Sprache leben, was ja an sich eine feine Sache ist. na, ich will mich lieber nicht weiter darüber auslassen. Trotz seiner Ablehnung alles Deutschen lese ich die Bond-Romane von Fleming auch gerne, ebenso die Nero-Wolfe-Krimis von Rex Stout, der in seiner Germanophobie wohl noch einiges schlimmer war. Die vielbeschworene Toleranz sollte da helfen, die Dinge richtig einzuordnen und nicht immer nur die Negativseiten von Menschen herauszupicken, die in einer völlig anderen Zeit lebten.

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  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum14.07.2021 21:00

    Dann werde ich den kleinen Exkurs mal kurz fortführen (die Foristen mögen mir verzeihen). In seinem 1989 erschienenen Buch Endstation Dschungel (das wirklich sehr interessant ist) beschreibt der Weltenbummler Axel Thorer seine Suche nach Flugzeugwracks aus dem zweiten Weltkrieg auf Neu Guinea. Er erwähnt, dass John Wayne dort "gedient" hat, und später trifft er auf einer der dortigen Inseln einen alten Eingeborenen, der gerne von seinem Kumpel "Duke" spricht, den er scheinbar wirklich gekannt haben muss, wobei er ganz schockiert von dessem zwischenzeitlichen Ableben ist und das er mit "Too much F... (?)" in Verbindung bringt.
    Aber ich habe vor einiger Zeit auch mal eine Doku gesehen, wo von Waynes Einsatz (ich glaube Truppenbetreuung) an der Front mit Japan die Rede war.
    Wie auch immer, sicher war er ein reaktionärer Haudegen, trotzdem gefallen mir viele Western mit ihm, die ich immer wieder gerne schaue.
    Nun aber zurück zum Wallace-Thema, oder ?

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum14.07.2021 15:59

    Zitat von Savini im Beitrag #34
    Apropos: Würdest du denn auch meinem anderen Beitrag zustimmen, dass das Begleiten der überführten Verbrecher in die Todeszelle/bis zur Hinrichtung auch sehr für diesen Autor typisch ist?

    Ja. Auf jeden Fall. Über Wallace‘ Vorliebe für Hinrichtungen hat sich schon Joachim Kramp zur Genüge ausgelassen. Ich hab mal einen Essay von George Orwell aus den Vierzigern gelesen, wo sich dieser nicht nur über ungewöhnlich brutale Polizisten bei E.W. mokierte, sondern auch über dessen Neigung, Hinrichtungen zu beschreiben, meist auch noch am selben Tage, wo der Held seine Heldin ehelicht (so jedenfalls Orwell).

    Zitat von Savini im Beitrag #34
    Ob er sowohl in Bezug auf Kriegserfahrungen als auch bei der Lebensweise durch die Darstellung seiner Heldenfiguren etwas kompensieren wollte?
    In einer Dokumentation über John Wayne hieß es mal, dass dieser (anders als viele Hollywood-Stars seiner Generation) nicht am Zweiten Weltkrieg teilnahm, dies aber später als Makel empfand und daher Filmrollen übernahm, die das Soldatentum selbst für die damalige Zeit extrem glorifizierten.

    Edgar Wallace hat bei der Armee infolge des Drills und aufgrund von Bestrafungen eigentlich nicht die allerbesten Erfahrungen gemacht. (Allerdings war sein bisheriges Leben aber auch generell kein Zuckerschlecken gewesen.) Als Sanitätssoldat sollte er bei der Versorgung von Schwerverwundeten im Burenkrieg auch die Kehrseite des Schlachtengetümmels kennengelernt haben. Aber Kriegsbegeisterung und -verherrlichung waren zu der Zeit nun mal Gang und Gebe. Daraus konnte er sich nicht lösen, sogar seine Biografin Margaret Lane merkt an, dass er damals schon für seine Kritiklosigkeit manchen Dingen gegenüber angegriffen wurde, auch für seine heftigen Ausfälle gegenüber Abweichlern im Weltkrieg. Er hat ja auch einen großen Teil Kriegsliteratur verfasst, der hierzulande unbekannt ist, sicher nicht zum Nachteil. Ich denke, da spielt viel Phantasie und weniger Erlebtes eine Rolle. Kann schon sein, dass er da auch was „nachholen“ wollte.
    Beim Duke dachte ich immer, der wäre schon mit einer Sechsschüssigen zusammen auf die Welt gekommen. Hat aber eine Zeitlang als Truppenbetreuer im Pazifik gedient, hab ich mal wo gelesen, wo er allerdings mehr Interesse für die heimische Damenwelt als für Kampfhandlungen gezeigt haben soll.
    Unzweifelhaft fühlte er sich dem eigenen Land nun mal stark verbunden, das ihm einen so großen Erfolg ermöglichte, da sah es mit kritischen Überlegungen eher schlecht aus. Das gleiche gilt vielleicht auch für Edgar Wallace, der ja ähnlich wie Wayne im Prinzip eine „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Karriere hingelegt hat.

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum14.07.2021 13:12

    Zitat von Savini im Beitrag #32
    Zumindest im Falle von Digby Groat (der als Widerling durch und durch porträtiert wird) oder des mehrfachen und kaltblütigen Mörders Cravel würde ich das bezweifeln; auch bei Abel Bellamy wird zwar angedeutet, dass seine Hässlichkeit und sein schroffes Verhalten zu seiner Unbeliebtheit beigetragen haben, aber er wird zugleich als extrem grausam und unmenschlich dargestellt.
    Auffallend ambivalent ist die Darstellung Dr. Judds in den "toten Augen": Einerseits die naive Schwärmerei für seinen Bruder, andererseits die Gefühlskälte seinen Opfern gegenüber, deren Leid ihm völlig gleichgültig ist (wie er unverhohlen zugibt). Im letzten Kapitel schwankt Larry Holt ja auch zwischen Schauder und Gerührtheit, was besonders im letzten Absatz deutlich wird (sofern man eine ungekürzte Ausgabe vorliegen hat).

    Keine Ahnung, was der Herr Krimiautor nun wirklich dachte…
    Digby Groat hat das für Wallace wohl unverzeihlichste Verbrechen begangen, nämlich sich vorm Kriegsdienst gedrückt. Ansonsten war er wirklich ein widerlicher Kerl, aber gerade als er dann sein weibliches Opfer lange Zeit in der Gewalt hatte, benahm er sich ihr gegenüber trotz der stark beschworenen Lüsternheit doch ganz anständig. Bei Abel Bellamy glaube ich tatsächlich, dass ihn sein Schöpfer sehr faszinierend fand, weil er sich sehr intensiv mit ihm beschäftigt hat und viele seiner Gedankengänge kund tat. Letztlich hat ja auch Bellamy ein paar durchaus menschliche Züge. Wallace selber scheint auch eine starke und besitzergreifende Persönlichkeit gehabt zu haben, was ihm an seinem „Kind“ Bellamy sicher auch gefiel.
    Larry Holts plötzliches Mitleid für Judd am Tage von dessen Hinrichtung fand ich immer irgendwie seltsam und unerklärlich.

    Zitat von Savini im Beitrag #32
    Interessant wäre wirklich, was für eine Rolle im Wallace-Kosmos eine Figur eingenommen hätte, die optisch (übergewichtig, Glatze) und charakterlich (unstete Lebensweise, mehrmals verheiratet, ungesund lebend, spielsüchtig, verschwenderisch) Züge des Verfassers gehabt hätte. Sicher keine positive!



    Bestimmt nicht. Auffällig ist, dass Spielertypen in seinen Büchern meistens sehr negativ gezeichnet werden. Ebenso leichtlebige Personen, besonders Männer, die als reiche Playboys, Partygeister und Schürzenjäger agieren und ein verschwenderisches Leben führen. Wallace muss insgeheim gewusst haben, dass er sich mit seiner Lebensweise ruinierte, die positiv ausgelegten Helden sind für ihn sicher auch alter egos, von den Personen mit schlechter oder schlecht empfundener Lebensweise wollte er sich sicher innerlich distanzieren.

    Zitat von Savini im Beitrag #32
    Übrigens gelang ihm im Falle des Privatdetektivs eine schön doppeldeutige Stelle, als dieser sich kurz vor der Auflösung über Parr Gedanken macht.

    Das stimmt. Hatte ich schon ganz vergessen. Schließlich wurde ja Parrs eventuelle Identität als Roter Kreis mehrfach im Text angeschnitten. Aber solche direkten gedanklichen „Doppeldeutigkeiten“ sind wohl im Gesamtschaffen des Autors eher selten.

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum13.07.2021 22:07

    Wirklich eine spezielle Eigenschaft der Wallace-Romane. Die "Täter-Sicht" zumindest teilweise darzustellen, hat er wohl gerne gemacht. Auch im "Gasthaus" ist der Schlussteil lange aus der Perspektive des zwischendurch enttarnten Bandenchefs einschließlich seiner intriganten Schergen erzählt. Oder die "Toten Augen" - die Ermordung des willigen Helfers Jake durch den bösen Reverend ist aus dessen Sicht geschildert, vorher auch Jakes Träume, die Gesichter der Opfer, die der Blinde nie gesehen hat und die ihn anklagten, irgendwie berührend und wie so vieles weitere in der Taschenbuchausgabe lieblos herausgekürzt. Da gibt es noch viele Beispiele, gerade diese Schreibart bringt aber auch Bewegung in die Handlung, der eher unaufdringliche Perspektivwechsel der Figuren ist eine Würze, die anderen Erzählstrukturen fehlt.
    Wallace hat wohl so gut wie keine Bücher in der Ich-Form geschrieben, das lag ihm wohl nicht so. Tatsächlich fordert es auch zu einer konzentrierteren und anderen Führung des Plotfadens heraus. Ansonsten kommt es dann zu so eher kuriosen Beschreibungen der Handlung wie in den "ABC-Morden" oder dem "Fahlen Pferd" von Agatha Christie, wo ein Hin- und Herspringen zwischen dem Ich-Erzähler und in der dritten Person Romanteile erfolgt.
    Ob Wallace nun keine (heimliche) Sympathie für zumindest einige seiner Schurken hatte, glaube ich nicht mal so ganz. Hat sich wohl auch etwas in den Büchern ausgelebt, war ja auch in Natur nicht unbedingt der klassische Saubermann. Seine Bösewichter sind ihm oft plastischer und in ihrer Motivation überzeugender gelungen als die tapferen Helden auf Seiten des Gesetzes, die auch erst interessanter werden, wenn sie den Pfad der Rechtmäßigkeit zur Erringung der Gerechtigkeit mal kurz verlassen. Schließlich hatte er auch eine besondere Vorliebe für zwielichtige Gestalten, auch kleine Gauner mit dem Herz auf dem rechten Fleck oder nicht ganz so ehrbare Damen, die noch mal rechtzeitig die Kurve kriegten.
    Natürlich ist der Perspektivwechsel der Figuren auch erzählerisch bei einem Krimi, wo es um die Täterfrage geht, nicht so leicht zu bewerkstelligen, beim "Roten Kreis" etwa erfährt man einiges über die Gefühle und Gedanken von Jack Beardmore, soger der stets verdächtigen Thalia Drummond, auch des Bankiers Brabazon, des geizigen Froyant sowie zahlreicher anderer Darsteller, Parr kommt da nicht mal so gut weg. Von Yale gibt es nur mal eine direkte Gedankenansage, als er sich über Froyants Geiz lustig macht, ansonsten nur Andeutungen. Natürlich aus gutem Grund...

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum09.07.2021 21:52
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Banknotenfälscher (1927)

    Zitat von Savini im Beitrag #20
    Was noch gar nicht erwähnt wurde: Am Ende erklärt Bourke, nun seinen Abschied nehmen zu müssen, da er "zwei Herren gedient" und damit seine Pflichten verletzt habe. Interessant, dass er bei Leith und Rouper Milde walten lässt, aber dafür so hart in eigener Sache entscheidet.n

    Soweit ich mich erinnere: Allerdings hat er sich bemüht, die Härte gegen sich selbst abzufedern, indem er seinem Freund Peter zu verstehen gab, dass er durchaus nichts gegen ein "Geschenk" einzuwenden hätte. Tja, irgendwie waren halt doch alle hinter Cliftons Geld her.
    Die an sich vorlagentreue Verfilmung hat die zahlreichen "Grauzonen" der Hauptfiguren natürlich nicht so rübergebracht, hier war mehr das typische Gut und Böse mit scharfer Trennlinie gefragt.

  • Der Unheimliche (1924)Datum09.07.2021 21:37
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Unheimliche (1924)

    Zitat von Savini im Beitrag #5
    Wäre Peters nicht etwas ZU durchsichtig gewesen? Aufgrund seiner geringen Körpergröße stelle ich mir den Kampf zwischen Tupperwill und Amery auch etwas schwierig vor.

    Naja, schließlich hat aber Tupperwill auch den kürzeren gezogen...

    Zitat von Savini im Beitrag #5
    Hast du dir zu manchen der übrigen Rollen auch schon Gedanken gemacht?n

    Schwierig. Bickerson hatte ich immer mit Klaus Kinski in Verbindung gebracht. Zu durchsichtig ? Aber man hat ihn ja beim Narzissen-Film auch in ähnlicher Rolle eingesetzt. Die weibliche Hauptrolle bringe ich vom Typ her mit der Grothum in Verbindung. Der Arzt Hallam ist sicher mit Wüstenhagen recht gut besetzt, seine Frau könnte wieder Mady Rahl spielen. Beide dürften im Film natürlich nicht am Leben bleiben. Wer spielt Dames Tochter? Vielleicht nochmal Edith Hancke. Die müsste auch dahinscheiden, der Strumpf um ihren Hals wie im Buch sollte im Film endgültig sein, um das Gesetz der Wallace-Filme zu erfüllen. So, das war aber blutrünstig genug. Wer spielt den Chinesen? Christopher Lee wohl wieder.. Da müsste er aber überleben, ein Held wie er stirbt nicht.
    Sicher sollte Eddi Arent eine hinzugefügte humoristische Figur spielen, so wie Du es schon beschreibst.

  • Der Unheimliche (1924)Datum09.07.2021 13:55
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Unheimliche (1924)

    Ja, Feng Ho und Ling Chu ähneln sich sehr. Sehr auffällig.
    Und, natürlich wäre Der Unheimliche, Major Amery, Heinz Drache gewesen. Obwohl es wirklich denkbar ist, dass die Verfilmung den „sinistren Mann“ irgendwie auf die Seite der Bösen geschoben hätte. Für den dicken Bankier Tupperwill mit scheinbarer schleimiger Freundlichkeit, aber schwarzer Seele habe ich immer Werner Peters vor Augen gehabt. Der passt meiner Ansicht nach in diese Rolle wie Drache in die andere.

  • Die drei Gerechten (1926)Datum09.07.2021 13:42
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Die drei Gerechten (1926)

    Zitat von Savini im Beitrag #13
    Daneben gab es ähnliche Belagerungen natürlich auch in Fritz Langs Mabuse-Filmen von 1922 und 1932/33.

    Richtig. Besonders im ersten Film werden ja auch Soldaten eingesetzt. Entsprach aber auch der generellen politisch aufgeheizten Situation in der frühen Weimarer Republik, Militär oder schwerbewaffnete Polizeieinheiten bei Putschversuchen und Aufständen einzusetzen, was dann in der Endphase so weiterging.
    Wie realistisch das nun für Britannien war, lässt sich schwer sagen. Schon zwei Jahre nach den Sidney-Street-Ereignissen wurden ja die Wallace'schen Verbrecher der "Roten Hand" mit genau der selben Gnadenlosigkeit liquidiert - wohl ein unmittelbarer Bezug zu den jüngst zurückliegenden Ereignissen. Edgar Wallace griff gerne mal zu diesem letzten Mittel, Verbrecher mit Militär niederzukämpfen. Besonders nachdrücklich natürlich nach dem die allgemeine Verrohung fördernden Weltkrieg. Beim Bogenschützen, John Flack oder Gasthaus wird Militär und Marine oder Küstenartillerie auch im Inneren zum Einsatz gebracht. Real gab es das in England wohl auch, beim Irischen Konflikt oder beim großen Generalstreik 1926, wo sogar Panzer durch London fuhren. Ich denke, Wallace ging es hier in den Romanen aber weniger um politische Betrachtungen (die harte Hand), sondern um den "Spektakel" des Ganzen. Was ja auch gut funktioniert.

  • Die drei Gerechten (1926)Datum08.07.2021 10:56
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Die drei Gerechten (1926)

    Wallace hat beim Theaterstück-Abschnitt wirklich eine Menge durchaus verzeihliches Eigenlob eingeflochten. Besonders lustig ist die „Realitätsnähe“, die eine der Protagonistinnen auf der Seite der Halbweltfiguren zu erkennen glaubt.
    Der anschließende Mord im Theater an sich ist ja auch ein gerne verwendetes Klischee in Kriminalromanen.

    Dass die ganze Story um den Doktor und seine Widersacher seeeehr gestreckt wirkt, empfinde ich auch so. Trotzdem macht die rein äußerliche und künstlich erzeugte Spannung einiges wett, aber über Geschmack lässt sich wohl kaum verhandeln.

    Dass der Zinker in der englischen Film-Synchro als „Die Schlange“ bezeichnet wird, war mir neu. Schon passend. Die Mordmethode im bitterkalten Winter funktioniert aber nur beim ersten Zuschlagen des Schurken, später verlagert sich die Sache ja ins Innere von Autos oder Wohnungen. Wobei „The Snake“ ja seine Killapparatur lange Zeit direkt am Körper mit sich führt, was durch die Körperwärme unbedingt zu einem Schmelzen der Eisgeschosse führen würde. Naja, vielleicht ist ja irgend so eine Art Trockeneis oder ähnliches physikalisches Verfahren, das länger den Aggregatzustand hält.

    Von Hitchcocks Verfilmung kenne ich nur die aus den Fünfzigern, wo es aber meiner Ansicht nach keine Schießerei mit der Polizei mehr gab (?)

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum07.07.2021 21:43
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Banknotenfälscher (1927)

    Wallace hat nun mal den den "Gerissenen" davon kommen lassen. Warum, weiß nur er allein. Hat eben auch mal seine eigenen Regeln durchbrochen. Ebenso auch den bestechlichen Inspektor Rouper. Während etwa Marborne aus Der Mann von Marokko mit einer Meuchelschlinge um den Hals oder Tetley aus Gangster in London mit einer Bleikugel im Kopf endeten, kam Rouper außer ein paar an den Kopf geworfenen Gehässigkeiten seitens Chefinspektor Bourke sehr glimpflich davon. In der Realität werden eben Verbrecher auch nicht immer bestraft. Wobei Bourke, wenn auch im Dienste der Gerechtigkeit, sich auch erheblich über die Vorschriften hinweg setzte. Als Ausgleich hat er eben auch die Ganoven mehr geschont als sonst. Wobei ja Wells sein Ende fand, wenn auch nicht durch das Gesetz. Ich finde das Buch auch aus diesen Grunde durchaus reizvoll, ebenso wie die schon beschriebenen unterschiedlichen Sichtweisen, einmal von Seiten Janes, dann wieder von Bourke und sogar längere Zeit aus Sicht von Wells. Auch die Fälscherorganisation mit dem sehr initiativen Dr. Wells (mehr Hauptperson als Leith) sowie die darin eingebundene klassische Erbenintrige sind mehr als nur Standard und zeugen durchaus von Wallace` Phantasie und Können, finde ich.

    Und ja, auch der "Engel des Schreckens" kam ohne Strafe davon. Ich glaube, sie hatte sich zum Schluss an einen Berberhäuptling rangemacht - ein ähnliches wildes und rücksichtslosen Naturell wie sie.
    Wallace hat manchmal Schurken oder ihre Helfer verschont. Mr. Reeder hat die die Tochter seines Erzfeindes John Flack, Olga Crewe, auch verschont, obwohl die ihn auch in eine Falle locken wollten, wenngleich sicher nicht ganz freiwillig.

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum06.07.2021 21:40
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Banknotenfälscher (1927)

    Das ist sicherlich richtig. Aber Leith hat es ja in seiner Eigenschaft als scheinbar unterwürfiger Untergebener dem großen Chef gegenüber gesagt. In seiner wirklichen Rolle als Boss der Organisation hat er vielleicht doch Wells zu den Untaten angestiftet.

    Natürlich ist der kriminelle Doktor schon eine Person mit viel Eigeninitiative und Machtstreben, der, so wird es angedeutet, durchaus auch weitergehende Ambitionen innerhalb der Verbrecherbande hat. Ein guter Grund für den manipulativen Chef, Wells seiner unfreiwilligen Vollstreckerin auszuliefern, die im Buch ja überlebt.
    Letzten Endes bleibt es schlicht offen, was genau Dr. Wells zu den Morden trieb. Kaum vorstellbar, dass er ohne Absegnung durch seinen skrupellosen Chef handelte.

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum06.07.2021 15:43
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der Banknotenfälscher (1927)

    Zitat von Savini im Beitrag #8
    Ehrlich gesagt, hat mir früher die Frage, wer im Roman nun der Haupttäter ist, Kopfzerbrechen bereitet; der Einfachheit halber werden die Namen genannt: Einerseits heißt es am Ende, dass John Leith der Fälscher war, andererseits hat Dr. Wells die beiden Morde begangen (Bourke traut ihm noch weitere zu) und liegt am Ende tot in Blonbergs Büro. Außerdem gibt es zwei Szenen, in denen Leith und der Arzt sich konspirativ treffen, dabei über den Chef sprechen, als sei es eine ihnen beiden unbekannte Person und sogar Wells´ Gedanken beschrieben werden, wobei es heißt, dass er den Maler nur für ein nicht sehr wichtiges Mitglied der Organisation halte.
    Im Film schien es besser gelöst zu sein, da dort Blonberg und der "Gerissene" tatsächlich eine Person sind und dieser Dr. Wells am Telefon auffordert, sich Mrs. Untersohn gegenüber als er auszugeben (wobei dessen Ermordung einkalkuliert ist).


    Der Haupttäter ist sicher ganz klar "Der Fälscher von London", John Leith. Schließlich steht er auch hinter Dr. Wells. Ob Wells die Morde nur aus eigenem Antrieb begangen hat, geht (so weit ich mich erinnere) im Buch nicht so ganz hervor, anders als im Film, wo "Der Gerissene" jede Schuld an Gewalttaten von sich weist. Im Buch droht Wells seiner vom ihm zur Disziplinierung eingesperrten widerspenstigen Frau sogar mit dem großen Unbekannten hinter dem Drahtverschlag. Was, wenn der ihm nun in gewohnt kaltblütiger Weise den Befehl zur Beseitigung seiner gefährlich werdenden Ehefrau geben würde? Das setzt ja schon ein Einverständnis und Wissen des "Chefs" für brutale Maßnahmen voraus.

    Dass Leith mittendrin im Buch als relativ hochrangiges Mitglied der großen Fälscherorganisation eingeführt wird, er ist da der "Abteilungsleiter" für Spionage, nimmt sicher etwas die Spannung zur Täterauflösung weg, andererseits wird er von Dr. Wells ja stets eher mitleidig betrachtet, ein Untertan, der vom großen Boss mit Verachtung gestraft wird, weil er sogar dessen Tochter in die schmutzigen Pläne einspannt. Denkt jedenfalls Wells, der mit der Verschlagenheit von Leith nicht gerechnet hat. Das ist im Film auch so übernommen, gleichwohl hätte man da für das schönere Whodunit-Gefühl auf die Episode verzichten können, wo sich der Onkel als Teil der Verschwörer zu erkennen gibt.

    Übrigens sind sowohl in Film und Buch die Blonbergs in ihrem Büro nur Strohmänner für den eigentlichen Hintermann. Ich kann da jetzt nicht so den großen Unterschied entdecken, der eigentliche Blonberg ist natürlich der gerissene Oberfälscher.
    Natürlich ist Peter Clifton sehr nachsichtig mit seinem abwegigen Schwiegervater, doch er tut es ja auch aus Liebe zu seiner Frau, die ja bekanntlich oft auch mal den Verstand ausschaltet...

  • Trotzdem ist irgendwie bemerkenswert, dass die bekanntesten Wallace-Romane Hexer und Zinker erst relativ spät verfilmt worden sind. Tatsächlich eignen sie sich ja im Original auch gar nicht sonderlich für eine spannende turbulente Verfilmung, auch der Zinker-Film aus den frühen Dreißigern wurde noch mit mehr Action aufgepeppt. Das muss den Filmschaffenden der Rialto-Ära auch schon zu Beginn bewusst gewesen sein. Gerade beim Zinker wurden dann ja noch unzweifelhaft Elemente aus dem Wallace-Buch Die Drei Gerechten übernommen, was ja durchaus auch auf tiefergehende Kenntnisse der Romane zumindest bei den Drehbuchschreibern schließen lässt. Ähnlich wurden die Narzissen mit dem Rauschgift-Hintergrund ausgestattet wie beim Unheimlichen, was aber auch nur Zufall sein kann. Trotzdem auch später noch immer wieder Versatzstücke aus den Romanen, etwa beim Hund von Blackwood Castle mit den gerne von Wallace verwendeten Edelstein-Schmuggeleien, das kann durchaus auch andere Ursachen haben. Aber bei der Nonne sogar eindeutige Anspielungen aus mehreren literarischen Vorlagen, soweit ich mich erinnern kann. Bei den späten Filmen, wie Peitschenmönch oder Buckliger trotz aller Abseitigkeit das beliebte Motiv der Millionenerbin. Kann sich allerdings auch aus den romannäheren Vorgängerfilmen quasi verselbständigt haben.

    Dass der Frosch der filmische Versuchsballon war, ist vielleicht auch damit zu erklären, dass der Titel ja auch Goldmanns Taschenkrimi Nr.1 war, mit dem nach dem Krieg der enorme Erfolg dieser Buchreihe eingeläutet wurde. Bestimmt wollte man da einen gewissen „Synergieeffekt“ nutzen. Außerdem ist Der Frosch mit der Maske schon ein spezieller Wallace-Krimi, der die typischen Wallace-Attribute und vor allem Mythen, die der Autor sicher eher instinktiv sehr erfolgreich verwendete, sehr stark und zahlreicher als in anderen Werken in sich vereint, was sicher auch zu seinem enormen Bekanntheitsgrad geführt hat. Da wollten die Regisseure vielleicht auch anknüpfen, was ja wieder auf eine Beschäftigung mit den Büchern schließen lassen sollte. Aber, wie immer, alles nur Spekulation…

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