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  • Das Gesicht im DunkelDatumGestern 20:49
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das Maritim-Hörspiel habe ich auch schon mal gehört. Hatte ich schon ganz vergessen, war in einer Sammelbox mit anderen Krimis mit drin. Ist aber nichts bei mir hängengeblieben.
    Der Film "The Malpas Mystery" hat ja im Wallace-Lexikon ganz gute Kritiken bekommen. Eigentlich schade, dass er nicht auf Deutsch vorliegt. Die Handlung scheint sich ja am Buch zu orientieren, aber doch ordentlich gestrafft.

  • Das Gesicht im DunkelDatum17.04.2018 20:21
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Das Gesicht im Dunkel


    Originaltitel: The face in the night
    Erscheinungsjahr: 1924


    Hauptpersonen:

    Captain Dick Shannon: Kriminalbeamter von Scotland Yard
    Audrey Bedford: junge Frau, die in London Fuss fassen will
    Dora Elton: ihre kriminelle Halbschwester
    Martin Elton: Mann von Dora und Gewohnheitsverbrecher
    Lacy Marshalt : reicher Mann mit ruhmloser Vergangenheit
    Tonger: sein Diener und Vertrauter
    Bill Stanford: Ganove mit vielen Beziehungen
    "Slick" Smith : amerikanischer Edel-Gauner mit geheimnisvollen Hintergrund
    Dan Torrington: reicher Südafrikaner, der im Gefängnis war
    Sergeant Steel: Polizeibeamter
    Mr. Willit: Privatdetektiv
    und
    Mr. Malpas: gespenstischer Verbrecher


    Handlung:

    Das erste Kapitel beginnt wie die Eröffnung zu einem klassischen Wallace-Film: Ein angetrunkener Mann betritt in einer nebligen Nacht ein geheimnisvolles Haus, trifft sich mit dem unheimlichen, offenbar maskierten Bewohner namens "Malpas", bedroht ihn nach einem ekalierenden Streit mit einer Waffe und dann geht plötzlich das Licht aus, Schüsse fallen, und der Betrunkene versucht aus dem Haus zu flüchten. Doch das ist gar nicht leicht, Türen öffnen sich und schließen sich wieder, der Fluchtweg ist versperrt. Der Hausbesitzer mit den scheußlichen Gesicht grinst höhnisch von einer Treppe herunter, bevor er seinen Widersacher ermordet. Kapitelende, und hier erwartet das Kopfkino eigentlich eine blecherne Stimme mit dem wohlbekannten Slogan sowie bunte Schriftzüge und schrille Titelmusik, aber es ist ja nur ein Buch. Das springt an einen gänzlich anderen, gegensätzlichen Handlungsort, es gibt einen glamourösen Botschaftsempfang der Reichen und Schönen, und hier trifft man das erste Mal auf Captain Dick Shannon, Polizeioffizier bei Scotland Yard und dem ersten Eindruck nach ein ziemlich "harter Hund". Er ist dazu abbestellt, die Hautevolee samt ihrem reichlich aufgetragenen Schmuck zu beschützen. Das tut offenbar auch bitter Not, denn er kann unter den Anwesenden "Slick" Smith ausmachen, einen amerikanischen Edelgauner, der sich nach USA-Auskunft mit dem Metier des Schmuckdiebstahls beschäftigt und von Captain Shannon prompt eine tüchtige Verwarnung bekommt. Weiterhin erscheinen Lacy Marshalt, ein südafrikanischer Millionär im Diamantengewerbe, und die attraktive Dora Elton, die Frau des schlechtbeleumdeten Gewohnheitskriminellen Martin Elton, die allesamt später noch eine große Rolle spielen werden. Der Abend verläuft ohne weitere Zwischenfälle, aber auf dem Heimweg wird der Wagen der schwedischen Königin überfallen, ihr wertvolles Halsband geraubt und der begleitende Polizist erschossen.
    Als nächste Hauptperson tritt jetzt die junge und hübsche Audrey Bedford auf, die ihre schlechtgehende ländliche Geflügelfarm aufgibt und in London ihr Glück versuchen möchte. Sie lernt zwischendurch kurz Captain Shannon kennen (der natürlich promt "hin und weg" ist) und begibt sich zu ihrer schon weiter oben erwähnten Halbschwester Dora Elton und ihrem Mann Martin. Das geschwisterliche Verhältnis ist nicht ungetrübt; Dora hasst ihre jüngere Schwester und will mit ihr nichts zu tun haben. Das Ehepaar Elton ist aber auch zusammen mit einem Komplizen namens Bill Stanford für den gerade erfolgten Raubüberfall verantwortlich und schmiedet Pläne, wie sie die heiße Ware unbeschadet an den Mann bringen kann. Kaltblütig wird beschlossen, die arglose Audrey Bedford für ihre finsteren Zwecke einzuspannen - was letzten Endes dazu führt, dass die arme Audrey anstelle ihrer Schwester samt Anhang für ein knappes Jahr ins Gefängnis muss, weil sie aus Loyalität über den wahren Sachverhalt geschwiegen hat. Captain Shannon ahnt natürlich den wahren Zusammenhang, kann aber für seine verehrte Audrey nicht viel tun. Der bei dem Raubüberfall erschossene Polizeidetektiv spielt bei dem Strafprozess übrigens keine Rolle mehr. Offensichtlich hat ihn Edgar Wallace schlicht und einfach vergessen, was sogar für seine Verhältnisse ziemlich arg ist und den ersten dicken Minuspunkt einbringt.
    Unterdessen erfährt man, dass Dora Elton offenbar ein Verhältnis mit Lacy Marshalt hat. Mr. Marshalt bewohnt ein Haus am Portsman Square, sein Nachbar im angrenzenden Haus ist der mysteriöse Mr. Malpas, der ganz am Anfang erwähnt wurde. Offenbar fürchtet Marshalt seinen Nachbarn, denn wenn es im Nachbarhaus an die Wand klopft, erschrickt er fürchterlich. Sein Diener und guter Vertrauter Tonger wundert sich über diese Reaktion, doch er weiß, dass Marshalt sich vor einem Mann fürchtet, dem er vor vielen Jahren in Südafrika großes Unrecht antat. Marshalt beauftragt Mr. Willit, einen Beauftragten des Detektivbüros Stormer, das Nachbarhaus zu beobachten.
    Die Affäre seiner Frau mit Lacy Marshalt behagt Martin Elton gar nicht, er will schließlich mit ihm abrechnen. Das führt zu einigem langwierigem Hin und Her. Nach einigen Monaten ist Audrey Bedford wieder aus dem Gefängnis gekommen und will sich eine neue Existenz aufbauen, was gar nicht einfach ist. Schließlich gerät sie gar in die Fänge des unheimlichen Mr. Malpas, der ihr eine seltsame Beschäftigung gibt, außerdem muss sie sich der unanständigen Avancen von Lacy Marshalt erwehren. Dann findet sie noch eine unbekannte Tote im Green Park, die für das weitere Geschehen noch Bedeutung erlangen soll.
    So fließt denn die Handlung über die erste Hälfte des Romans dahin, aber plötzlich überstürzen dich die Ereignisse. Nachdem Captain Shannon das erste Mal das geheimnisvolle Haus von Malpas betritt, beginnt das ewige Spiel mit den sich schließenden und öffnenden Türen, dem aus- und angehenden Licht und ähnlichem Schabernack. Aber plötzlich krachen Schüsse und Lacy Marshalt liegt offensichtlich erschossen in Malpas' Zimmer. Wenig später wird in Marshalts Haus auch der Diener Tonger erschossen. Dafür verschwindet Marshalts Leiche.
    Nun beginnen die recht mühseligen polizeilichen Ermittlungen. Hat Martin Elton die Morde begangen ? Oder etwa "Slick" Smith, der sich die ganze Zeit in der Nähe des Hauses herumtreibt ? Wo ist die Leiche von Marshalt geblieben, die sogar wieder geisterhaft auftaucht und erneut verschwindet ? Was hat es überhaupt mit dem ganzen Spuk in Malpas' Haus auf sich, wo ist der überhaupt verblieben ? Wer ist eigentlich Dan Torrington, ein anderer reicher Mann aus Südafrika, der an dem ganzen Geschehen großes Interesse bekundet und offenbar einen großen Hass auf Lacy Marshalt hatte ? Spielen geschmuggelte Rohdiamanten bei all dem eine Rolle ?
    Die Auflösung aller Fragen braucht noch eine Menge Zeit, es gibt viel Aufregung, Entführung und Mord zu bestehen, ehe sich Captain Shannon endlich mal richtig um seine Angebetete kümmern kann...


    Bewertung:

    Der vorliegende Roman hinterlässt einen sehr zwiespältigen Eindruck. Obwohl zumindest in der zweiten Hälfte viel Wallace-typische Action mit all den bekannten Strickmustern auftaucht (geheimnisvolles Haus mit elektrischen Apparaturen, Entführungen, Morde, doppelte Identitäten, Grusel, ...), wirkt das Ganze zu theaterhaft, um halbwegs glaubhaft zu sein. Man merkt hier wirklich, dass das Theater Wallace' tiefe und lange Zeit unerwiderte Leidenschaft war. Das gilt auch für die Gefühle der Hauptpersonen, die hier im Übermaß ausgegossen werden. So viel Hass, Rachsucht, Liebe und Eifersucht in einen Roman gepresst ist schon zu viel des Guten, zumal es eben auch nur theatralisch rüberkommt und die Personen oft unlogisch und widersprüchlich agieren. Tatsächlich fehlt hier eben wirklich die Tiefe in der Charakterdarstellung.
    Gerade die positiven Helden erfordern einiges an des Lesers Toleranz. Audrey Bedford, die Unschuld vom Lande, hat tatsächlich ein großes Talent, in unangenehme und gefährliche Situationen zu kommen. Kein Wunder bei ihrer kaum glaublichen Naivität und Gutartigkeit. Obwohl ihre Schwester sie ins Gefängnis gebracht hat, später sogar mit einem Messer auf sie losgeht und stets ihre Verachtung zur Schau stellt, kommt sie immer fröhlich angeschnurrt, wenn Dora mit dem Finger schnippst, um sie erneut übers Ohr zu hauen. Sicher, sie hat es wirklich nicht leicht alleine in der großen Stadt, eine junge Frau, die eigentlich an der Armutsgrenze lebt, keine Referenzen aufzuweisen hat und sich der Nachstellungen lüsterner Männer erwehren muss. Ihr selbsternannter Beschützer Captain Shannon ist eigentlich ein ziemlich schwaches Rohr im Wind und keine große Hilfe, da er ständig zu spät oder nur auf den allerletzten Drücker kommt, um seine Liebste zu retten. Er verpasst sie schon, als er sie aus dem Gefängnis abholen will, und das setzt sich bis zum Schluss so durch, wenn sie schreiend dem Unhold der Geschichte gegenübersteht und er weit weg in seinem Büro nachgrübelt, wie denn nun die Lösung des ganzen Falles aussehen kann. Zum Glück für alle Beteiligten gibt es aber noch die Helfer vom Stormerschen Detektivbüro, die die Fäden in der Hand halten, nachdem sich die Polizei so erschreckend unbeholfen anstellt. Selbst nachdem sie nun zum x-ten Mal das Haus von Malpas durchsuchen, sind die Polizisten jedes Mal aufs Neue erstaunt, wenn sich die Haustür von alleine schließt, meistens stehen sie noch auf der falschen Seite der Tür, und der Leser fragt sich wirklich, wie denn die Londoner Polizei zu ihrem guten Ruf gekommen ist. Warum verfolgen sie nicht einfach den Lauf der Stromleitungen, um die geheime Schalttafel zu finden ? Oder lassen den Strom gleich abstellen und nicht erst ganz zum Schluss hin, wobei nicht einmal das richtig funktioniert.
    So sitzt denn Dick Shannon sinnierend an seinem Schreibtisch, zählt die bisherigen Leichen auf und hofft ergeben, dass er bald mal weiterkommen möge. Irgendwann findet ein Beamter, Sergeant Steel, durch Zufall das Versteck der Diamanten, woraus sich dann eine wilde Hatz ergibt, da der unbekannte Schurke des Stückes seine Schätze wieder zurückhaben will. Auch der von vielen gehasste Lacy Marshalt taucht wieder auf, ohne Gespenst zu sein, während sich der im Grunde liebenswürdige Gauner "Slick" Smith immer verdächtiger macht, obwohl er ständig von einem Detektiv der Stormer-Detektei beschattet wird. Deren Hilfe hat auch Marshalts reicher Erzfeind Dan Torrington beansprucht, der seine verschollene Tochter sucht. Wer das wohl sein mag ?
    Im Prinzip ist es das Problem vieler Wallace-Krimis: einen an sich recht dünnen Handlungsfaden durch die Seiten eines ganzen Buches zu spinnen. Da darf die Polizei nicht allzu klug agieren, da sonst die Handlung zu schnell vorbei wäre, aber hier ist es irgendwie zu auffällig. Der Autor verlässt sich zu sehr auf die Gruseleffekte der Handlung, um die Logiklöcher des Geschehens zu übertünchen, allerdings muss man sagen, dass es tatsächlich viele spannende Stellen gibt und man sich durchaus fesseln lassen kann. Bei aller Kritik - der Autor versteht schon sein Handwerk, wenn er will !
    Zum Schluss stehen sich dann gar zwei "Malpasse" im Geisterhaus gegenüber. Das ist schon wieder viel zu dick aufgetragen, aber zur Versöhnung bekommt man dann vom obersten Chef der Stormer-Detektei (der die ganze Zeit eine Tarnidentität hatte) eine Aufklärung über all die mysteriösen Ereignisse vorgetragen, und dann versteht auch Scotland Yard die ganzen Zusammenhänge.

    Tja, für den "normalen" Krimi-Konsumenten ist "Das Gesicht im Dunkel" sicherlich schwer verdauliche Kost, der Edgar-Wallace-Fan wird aber trotz aller Mängel sicher auf seine Kosten kommen.


    Buch:

    Vor langer Zeit habe ich die offenbar besonders in der ersten Hälfte sehr gekürzte Goldmann-Ausgabe gelesen (was bei der dortigen schleppenden Handlung fast verständlich ist, aber das ohnehin etwas konfuse Geschehen noch zusätzlich verwirrt), und vor kurzem die Scherz-Übersetzung mit fast 240 Seiten.


    Verfilmung:

    Tatsächlich existiert eine Verfilmung in der Edgar-Wallace-Serie mit dem Titel "Das Gesicht im Dunkel", aber ausser diesem hat sie absolut nichts mit dem Roman gemeinsam. Vor langer Zeit mal im TV gesehen, kann ich mich nur noch an ein brennendes Spielzeugauto, eine Menge nackte Haut und einen Klaus Kinski erinnern, der mal ausnahmsweise ein "Guter" ist und den Tod seiner Frau aufklären will. Hat mit Edgar Wallace im allgemeinen und mit dem Buch im besonderen wie gesagt keine Überschneidungen. Eigentlich verwunderlich, eine so abstruse Geschichte wie "Das Gesicht im Dunkeln" mit einem Bösewicht, der eine scheußliche Wachsmaske trägt, als Geist erscheint und in einem gespenstischen Haus lebt, wäre doch für die auch und gerade für die Farbfilm-Ära durchaus eine Vorlage gewesen.
    Aber immerhin, der Film "Der Hund von Blackwood Castle", der "nach Motiven von Edgar Wallace" gedreht sein soll, kann mit ein bisschen Fantasie durchaus durch den besprochenen Roman beeinflusst sein. Für den angeblich verstorbenen Kapitän Wilson, dessen Leiche immer mal auftaucht und dann wieder verschwindet, für den Motiv-Hintergrund des Edelsteindiebstahls, für den zwielichtigen (Versicherungs-)Detektiv Tanner (hier sind aber gut und böse vertauscht) sowie die seltsamen technischen Apparaturen (wie die Schachfigur, mit der man Wilsons Sarg öffnen kann), für all das kann durchaus "Das Gesicht im Dunkel" Pate gestanden haben.

  • Die Tür mit sieben Schlössern (1926)Datum12.04.2018 20:09
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Vielen Dank für die Blumen, Mr. Igle ! So viel Lob macht ja richtig verlegen .
    Aber es soll mir Ansporn sein für viele weitere Rezensionen. Da hat man ja bei Edgar Wallace noch reichlich Stoff...

  • Die Tür mit sieben Schlössern (1926)Datum10.04.2018 20:40
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Die Tür mit den sieben Schlössern

    Originaltitel: The door with the seven locks
    Erscheinungsjahr: 1926


    Hauptpersonen:

    Unterinspektor Dick Martin - Kriminalbeamter von Scotland Yard
    Sybil Lansdown - junge Bibliothekarin
    Dr. Staletti - zweifelhafter Arzt und Schlossbesitzer
    Lord Pierce Selford - verschollener Stammhalter eines Vermögens
    Arthur Havelock - Rechtsanwalt der Selfords
    Bertram Cody - ehemaliger Jagdverwalter mit schlechtem Ruf
    Mrs. Cody - seine Frau
    Tom Cawler - Neffe von Mrs. Cody und Chauffeur
    Inspektor Sneed - Vorgesetzter Beamter der Kriminalpolizei
    Lew Pheeny - kleiner Ganove
    Lopez Silva - ehemaliger Gärtner der Selfords
    Giacco - unheimliche Kreatur


    Handlung:

    Dick Martin, ein junger Unterinspektor bei Scotland Yard und ein Wallace'scher Held ohne Fehl und Tadel, hat seinen letzten Tag im Dienst der bekannten Polizeibehörde und will sein Leben weiterhin anders verbringen. Sein Chef Inspektor Sneed gibt ihm noch ein paar langweilige Routineaufgaben, in deren Verlauf er viele der zukünftigen Hauptfiguren des Buches kennenlernt: den diabolischen Dr. Staletti auf dem düsteren Schloss Selford Manor, den ehemaligen Dieb und jetzigen Chauffeur Tommy Cawler (ein alter Bekannter), und -vor allem- die reizende Bibliothekarin Sybil Lansdown. Natürlich fliegen hier schon ein wenig die Funken, aber tatsächlich kennt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal den Namen seiner Angebeteten.
    An diesem Abend bekommt er noch Besuch eines ihm bekannten Einbrechers und Schlossknackers namens Lew Pheeney. Der ist total verstört und erzählt Dick eine ominöse Geschichte: Er hätte für viel Geld in einer Totengruft eine geheimnisvolle Tür öffnen sollen, hatte sich aber nicht mehr sicher gefühlt und war geflüchtet. Dick Martin lässt ihn in seiner Wohnung und trägt ihm auf, seine Erlebnisse niederzuschreiben. Als er wieder zurück kommt, ist Pheeney verschwunden, so denkt er, aber am nächsten Tag fällt ihm der kleine Ganove tot aus seinem Schlafzimmerschrank, in welchem er die ganze Zeit über versteckt war. Irgend jemand hatte ihm mit brutaler Gewalt das Genick gebrochen. Niemand kann sich erklären, warum das Ganze geschah.
    Zunächst aber arbeitet Dick Martin als Privatdetektiv. Der Rechtsanwalt Havelock beauftragt ihn, den Millionenerben Pierce Selford zu suchen. Dieser ist ein rechter Lebemann, treibt sich überall auf der Welt herum, wovon zahlreiche Postkarten zeugen, und steht kurz vor seinem 25.Geburtstag. Havelock hat Befürchtungen, dass der junge Lord unter schlechten Einfluss gekommen ist oder gar irgendwo unstandesgemäß geheiratet hat. So reist denn Dick Martin dem Globetrotter hinterher, ohne ihn jemals zu erwischen. Auf der Heimreise nach England macht er wieder, wie es der arg strapazierte Zufall will, die erneute Bekanntschaft mit der hübschen Sybil Lansdown einschließlich ihrer Mutter. Die beiden Damen waren dem Aufruf eines gewissen Lopez Silva gefolgt, des ehemaligen Gärtners auf dem Selfordschen Anwesen. Dieser hat nach seinem Tod den beiden einen mysteriösen Schlüssel vermacht. Denn die beiden sind weit entfernte Verwandte der Selfords. Das alles klingt ein bisschen wirr und ist es auch. Irgendwie scheint Wallace der Einstieg in diesen Roman etwas schwer gefallen zu sein.
    Nun aber, wieder daheim in London, kommt die Handlung in altbekanntes routiniertes Fahrwasser. Dick kann geradeso den Diebstahl des seltsamen Schlüssels verhindern und begibt sich auf Ermittlung. Was haben all die Geschehnisse zu bedeuten ? Dick Martin befragt Mr. und Mrs. Cody, die in der Nähe des Selford-Anwesens wohnen und früher beim alten Lord Selford in Diensten standen. Wieder läuft ihm der angeblich geläuterte Dieb Tommy Cawler über den Weg. Aber auch dem unheimlichen Dr. Staletti, dem Bewohner des Selford-Anwesens, fühlt er wieder auf den Zahn. Prompt werden einige Mordanschläge auf ihn verübt. Jedes Mal ist eine schreckliche riesige Kreatur daran beteiligt, fast nackt und von gewaltiger Körperkraft, allerdings so schnell und gewandt, dass nur ein flüchtiger Eindruck bleibt. Martins ehemaliger Chef und Freund Inspektor Sneed verdächtigt Dr. Staletti, wieder einmal grausige und ungesetzliche Experimente zu veranstalten, für die er schon in der Vergangenheit berüchtigt war. Doch auch eine Hausdurchsuchung bei dem offenbar etwas größenwahnsinnigen Wissenschaftler bringt keine Ergebnisse. Allerdings zeitigt eine Expedition zu der Selfordschen Gruft zusammen mit Sybil und dem Anwalt Havelock die Erkenntnis, dass hier eine mysteriöse Tür mit sieben Schlössern existiert, hinter der offenbar ein Geheimnis lauert, für das manche Leute töten. Der Schlüssel des ehemaligen Gärtners Silva passt hier, doch wer hat die anderen Schlüssel ? Wieder werden sie von dem riesigen Unhold bedroht. Hatte der ermordete Lew Pheeney etwa auch in dieser Gruft seinen letzten Auftrag erhalten ?
    Offenbar gibt es mehrere Personen, die hier im Trüben fischen. So wird denn die unschuldige Sybil Lansdown von den Codys entführt und unter Druck gesetzt. Schließlich ist sie ja eine Verwandte der Selfords, und da gibt es noch ein Millionenvermögen... Doch wenn sie glaubte, schon schlimm in der Falle zu sitzen, so wird es jetzt erst recht eng, da sich die Verschwörer der Geschichte mittlerweile selber untereinander aus dem Weg räumen wollen und wieder die Horror-Kreatur zum Einsatz kommt, diesmal allerdings wird es recht blutig. Doch Hilfe naht von unerwarteter Seite...
    Unterinspektor Dick Martin hat noch einige bange Augenblicke zu erleben, bis er seine Sybil in die Arme schließen kann. Es gilt noch viele Fragen zu klären: Wer ist für die Morde, die mittlerweile wieder geschehen sind, verantwortlich ? Was ist das Geheimnis der Tür mit den sieben Schlössern ? Was hat es mit der bzw. den unheimlichen Riesen auf sich ? Ist Dr. Staletti der Hauptbösewicht, oder zieht noch jemand im Hintergrund die Fäden ? Wo sind die restlichen Schlüssel für die siebenschlösserige Tür verblieben ? Und vor allem - wo ist der phantomhafte Pierce Selford, den schon seit Ewigkeiten niemand mehr gesehen hat ? Bis zur Auflösung der Rätsel gibt es noch einige gefahrvolle Momente zu bestehen, und es fließt wieder Blut...


    Bewertung:

    Als Edgar Wallace "Die Tür mit den sieben Schlössern" schrieb, war die Hoch-Zeit des englischen Schauerromans schon hundert Jahre vorbei. Das hinderte ihn nicht daran, alle möglichen Versatzstücke aus dieser Epoche in die Romanhandlung einzubauen: ein Wissenschaftler, der wie Frankenstein seine eigenen Kreaturen erschaffen will; die schauerlichen Wesen selber, die zwar monströs sind, aber auch mitleiderregend; natürlich wieder ein düsteres Schloss mit einer noch düstereren Totengruft; und dann die geheimnisvolle Tür mit einem dunklen Geheimnis dahinter. Fehlte nur noch ein Geist, aber so etwas soll der Autor nicht gemocht haben. Natürlich ist das ganze vollkommen unrealistisch, aber wohl kaum ein Wallace-Roman bietet so angenehmen Grusel wie der vorliegende. Einfach phantastisch die Szene in der Totengruft, wo Dick, Sybil und Mr. Havelock ein wenig ratlos vor der namensgebenden Tür stehen, derweil draußen sich langsam ein Gewitter entwickelt, außerdem der Unhold irgendwo unsichtbar im Gebüsch lauert und sich die Spannung geradezu fühlbar aufbaut. Respekt ! Die Handlung ist wirklich fast durchgehend spannend, auch wenn es hier und da mal ein kleines Logikloch gibt.
    Der Unterinspektor Dick Martin ist einer der arttypischen Wallace-Sympathieträger. Noch recht jung, aber schon mit einiger Berufserfahrung, kräftig, intelligent und von geradem Charakter. Zusätzlich hat er ein besonderes Herz für kleine Diebe, wie Lew Pheeney oder Tommy Cawler. Hat er doch seine Kindkeit als Sohn eines kanadischen Gefängnisleiters mitten unter derartigen inhaftierten Straftätern verbracht und allerhand fingerfertige Praktiken von ihnen gelernt. Manchmal setzt er die sogar ein wenig gesetzwidrig ein, wenn es der Wahrheitsfindung dient.
    Sybil Lansdown als weibliche Heldin hat auch wieder die gewohnten ein wenig stereotypen Attribute. Sie ist noch recht jung, arbeitet für ihren Lebensunterhalt, wenngleich diesmal nicht als Sekretärin, sondern Bibliothekarin, und ist natürlich hübsch und eine unverhoffte Millionenerbin. Im Laufe der Handlung entwickelt sie notgedrungen einiges an Tatkraft, um ihren Häschern zu entgehen.
    Von den kleineren Ganoven mit Herz gibt es diesmal gleich zwei, wovon der erste, Lew Pheeney, allerdings recht rasch das Zeitliche segnet. Der andere, Tommy Cawler, macht im Verlaufe der Handlung fast ein wenig eine Läuterung durch. War er zuerst in die Ränke der Bösewichte zumindest zum Teil eingebunden, entwickelt er sich später gar zum selbstlosen Retter der bedrohten weiblichen Unschuld und später zum Rächer seines mutwillig ins Elend gestürzten Bruders. Obwohl auch er seine Hände mit Blut befleckt, schweigt Dick Martin im Dienste einer höheren Gerechtigkeit darüber.
    Die eigentlichen Schurken der Geschichte sind recht unterschiedlich gezeichnet. Schon bald ist klar, dass Dr. Staletti einer der "Bösen" ist, verschlagen, hinterhältig, geschwätzig, dabei trotz seiner Intelligenz ziemlich verwahrlost. Naja, Italiener kommen bei Edgar Wallace selten gut weg. Aber auch die englischen Codies sind nicht viel besser, ein mittelmäßiges Ehepaar, dass nur aus Vernunftgründen geheiratet hat und maßlos in seiner Gier ist. Mrs. Cody ist eine unzufriedene Frau mit fast schon sadistischen Trieben, wenn es möglich ist. Mr. Cody dagegen ist ein unverbesserlicher Gauner mit mühselig aufrechterhaltener bürgerlicher Fassade. Mit beiden soll es ein schlimmes Ende nehmen...
    Doch im Hintergrund gibt es dann doch noch jemanden, der in seiner Respektabilität und Bürgerlichkeit wesentlich schlechter zu durchschauen ist als die Codies, aber auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckt, wenn er sich schützen will.
    Daneben agieren noch einige andere Figuren, etwa Inspektor Sneed, der vom untergebenen Dick Martin nicht sonderlich respektvoll behandelt wird und aufgrund seiner sprichwörtlichen Faulheit des öfteren einen groben Scherz einstecken muss. Aber die beiden sind eher befreundet und gehen sehr kollegial miteinander um. Im Ernstfall kann man sich auf Sneed (meistens) verlassen. Er ist, ähnlich wie Mr. Havelock, der Anwalt, schon ein etwas ein älterer Herr, aber geistig durchaus rege.
    Eine Sonderstellung nimmt der Helfershelfer für die "grobe" Arbeit der Kriminellen ein. Wie schon weiter oben erwähnt, ist er mehr ein Opfer als ein Täter, doch auch sein Ende ist nicht ersprießlich. Eine unmenschlich starke, aber nicht sehr kluge Kreatur, die von einem verbrecherischen Hirn von außen gesteuert wird - so was kommt im Schaffen des Autors nicht selten vor.
    Zum Ende hin, nachdem sich die Zahl der Schlüsselbesitzer arg dezimiert hat, klärt sich auch das Schicksal des geisterhaften jungen Lord Selford auf. Es gilt für die Helden der Geschichte noch einige böswillige Anschläge auf Leib und Leben zu überstehen, doch dann ist auch das Mysterium der "Tür mit den sieben Schlössern" gelüftet, das Millionenvermögen hat einen dankbaren Abnehmer (bessergesagt Abnehmerin) gefunden, und endlich finden Dick und Sybil auch mal die Zeit für ein paar vertraulichere Worte. Da ist die Schauermär dann auch zu Ende.

    Der Roman "Die Tür mit den sieben Schlössern" ist so eine richtig klassische Wallace-Story mit einigem an "Gothic Grusel". Wenn man sich durch den etwas konfusen Anfang durchgearbeitet hat, ist das Buch sehr lesenswert.


    Buch

    Ich habe hier die normale Goldmann-Ausgabe, dann die Weltbild-Edition (zusammen mit den "Drei Gerechten") sowie die Ausgabe von Heyne gelesen. Die Übersetzerin Marie-Luise Droop hat im Weltbild-Original auf den 200 Seiten ganze Arbeit geleistet, wirklich sprachlich sehr ansprechend. Die Goldmann-Ausgabe wurde offenbar behutsam modernisiert und eventuell hier und da leicht gekürzt, aber das fällt nicht so ins Gewicht, ist vom Sprachstil her noch besser. Die Heyne-Ausgabe fällt sprachlich ziemlich ab. Auch ist sie nicht sehr genau, z.B. aus einem "Mann mit zwei automatischen Pistolen" wird ein "Mann mit zwei Maschinenpistolen" - doch ein gewaltiger Unterschied. Es gibt eine Stelle im Roman, wo die Weltbild/Goldmann-Ausgabe offenbar gekürzt wurde, als Staletti seine Kreaturen "füttert". Ansonsten ist es wohl einer der wenigen Fälle, wo mann die Nachkriegs-Goldmann-Ausgabe zum Lesen empfehlen kann.


    Verfilmung:

    Der Roman wurde schon mal 1940 in England verfilmt, allerdings mit einigen Änderungen zum Buch hin. Leider verfällt der Film immer dann, wenn es gruselig wird, in irgendwelchen Klamauk, so dass der Eindruck eher zwiespältig ist.
    Der deutsche Regisseur Alfred Vohrer versuchte sich dann gute zwanzig Jahre später auch noch mal an dem Stoff, mit wesentlich besseren Ergebnissen.
    Traurigerweise gilt die deutsche Edgar-Wallace-Verfilmung von 1962 bei vielen als langweilig oder gar misslungen. Persönlich kann ich das überhaupt nicht teilen. Als ich sie vor vielen Jahren heimlich tief in der Nacht im elterlichen Wohnzimmer geguckt habe, da war ich hellauf begeistert. Na gut, das Gefühl habe ich jetzt nicht mehr, aber das geht mir eigentlich bei allen Filmen meiner Kindheit so. Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann ist es das mitunter völlige Fehlen einer akzeptablen Filmmusik. Da wurde echt gepfuscht. Auch das unerklärliche Wegfallenlassen der recht brutalen Eröffnungssequenz, die man im Filmtrailer teilweise noch sehen kann, ist unentschuldbar. Allerdings ist die sonstige filmische Umsetzung des Romans in Ordnung und besonders die Darstellerriege ist erste Klasse. Heinz Drache agiert als Inspektor Dick Martin gewohnt kühl und leicht überheblich, ihm zur Seite steht sein Assistent Holmes, eine hinzugedichtete Figur für den lieben Eddi Arent. Mir gefällt sein Humor hier, einzigartig die Szene, wo sich die beiden gerade so aus einem Auto retten können, das dann in einem See versinkt. Kommentar Holmes: "Schade. Ich hatte ihn eben erst vollgetankt !". Sybil Lansdown wird von Sabina Sesselmann gespielt, eine sehr hübsche und nette Blondine, die man ruhig öfter als zweimal in der Serie hätte sehen wollen. Klaus Kinski hat nur eine unbedeutende Rolle als Kleinganove Lew Pheeney, der recht bald malerisch als Leiche aus dem Schlafzimmerschrank herausfällt. Jan Hendiks hat den Part des eigentlich sympathischen Diebes und Chauffeurs Tommy Cawler. Dagegen wird der furchterregende Unhold Giacco wieder von Ady Berber verkörpert, obwohl er irgendwie nicht ganz so böse wie der "Blinde Jake" rüberkommt. Dagegen ist der Dr. Staletti , gespielt von Pinkas Brown, wirklich ein Ausbund an Bösartigkeit und Wahnsinn. Mir gefällt er in seiner Darstellung dieser Figur als gepflegter und fast schon intellektueller Arzt besser als der verschmutzte Hutzelgnom, der er eigentlich in der Romanvorlage ist. Ein besonders einprägsames Verbrecherpaar sind die Codies. Hier agiert Werner Peters als nervöser und unterwürfiger Betram Cody neben Gisela Uhlen, die eine eiskalte und herrische Frau vom Allerfeinsten mimt. Beide lauschen gerne mal den hehren Orgelklängen von Bach, was dann bei Mrs. Codies Abtritt von der Bildfläche noch einmal recht makaber zum Spielen kommt. Siegfried Schürenberg gibt seinen Einstand in die Serie als leicht vertrottelter Polizeichef. Daneben spielen noch Friedrich Joloff als angeblich stummer Hausmeister Burt (eine dazugedichtete Rolle) und Hans Nielsen als scheinbar seriöser und väterlicher Rechtsanwalt Havelock.
    Die Handlung des Films ist natürlich an einigen Stellen besonders zum Ende zum Roman hin abgeändert worden, der Regisseur wollte weder eine Weltreise noch ein brennendes Schloss in seinem Budget verantworten. Dr. Staletti will hier an dem gefangenen Tommy Cawler noch den russischen Professor Pawlow übertrumpfen, was eigentlich für die Handlung wenig Sinn macht, aber besonders gruselig wirken soll. Auch der junge Lord Selford nimmt ein anderes, aber wenig besseres Ende als im Buch. Ansonsten hat man sich doch weitgehend an die Vorlage gehalten, es ist eine recht werkgetreue Verfilmung.
    Besonders rührend finde ich immer ganz den Schluss des Films, als die geheimnisvolle Tür nun endlich geöffnet wurde und den Beteiligten eine nicht mehr ganz taufrische Leiche entgegenmodert. Da schickt der Inspektor Martin seine erschrockene Sybil ganz altpasternalisch nach draußen ("Das ist nichts für dich. Ich bring dich dann nach Haus".) und sie gehorcht ihm auch wohlgefällig. Ach waren das noch Zeiten - keine saucolen abgeklärten schmuddeligen Fernsehkommissarinnen, die den Kerlen erst mal zeigen müssen, wo es lang geht. Früher war vielleicht doch einiges besser...

    "Die Tür mit den sieben Schlössern" ist ein typischer Wallace-Film mit allen Zutaten inklusive Schlössern, Geheimgängen, Nebel, Morden , Bösewichtern und smarten Helden. Lohnt sich anzuschauen.

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum08.04.2018 19:31
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ich glaube, das Problem ist, dass zu viel über die Filme und zu wenig über die Bücher von Edgar Wallace geschrieben wird. Ich war auch vor zehn Jahren schon mal längere Zeit unter anderem Namen angemeldet , aber da ging es schon für meinen Geschmack auch zu viel um die Filme bzw. alles darum, wie viele Pixxel genau nun jedes Standbild hat und wann irgendein Film irgendwo mal mit welchem Vorspann gezeigt wurde usw. Naja, für mich persönlich jetzt nicht sooo interessant.
    Die Romane von Edgar Wallace hätten es auch verdient, so sorgfältig durchgekaut zu werden, da vieles was Filme angeht heutzutage auch Bücher betrifft. Ich meine eben den oft unerträglichen Einheitsbrei, zu viel technischer Schnickschnack bei allem, unerträgliche Brutalität, aber auch die ständige Political Correctness und der ganze hingeseierte Weltschmerz. Von so etwas wird man bei Krimiklassikern, eben auch Romanen von Edgar Wallace, völlig oder weitgehend verschont. Interessant eben auch der zeitliche Abstand - fast schon hundert Jahre. Manches wirkt antiquiert, manches modern. Da könnte man wohl viel draus machen, aber leider wird heutigentags wohl kaum noch gelesen, und wenn, dann nur Mainstream-Reißer. Schade.
    Zumindest gibt es im Forum, so weit mir bekannt ist, noch keinen Thread über die Rangfolge der Wallace-Filme, die sich am nahesten am Roman bewegen. Oder wo das Drehbuch am besten umgeschrieben wurde, um die Handlung im Vergleich zu straffen oder nachvollziehbarer zu machen (Auch das gibt es - Edgar Wallace hat sich in seinen Büchern auch nicht gerade um die Logik geschert und viel dem Zufall überlassen. Manchmal wurde das in den Filmen verbessert, wie beim "Frosch" mit dem gefilmten Mord). Das wäre doch vielleicht noch was, was nicht so ausgenudelt ist.

  • Bewertet: "Goldfinger" (3)Datum07.04.2018 21:07
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Goldfinger ist der einzige Bösewicht der Sechziger Jahre, der nicht irgendwie mit Blofeld zusammenhängt. Alleine deswegen ist der Film schon einzigartig !

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum07.04.2018 20:51
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ja, diese Stelle stört mich auch jedes Mal. Ist wirklich extrem unlogisch. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass sogar Klaus Kinski diesbezüglich während der Dreharbeiten eine Bemerkung gemacht haben soll.
    Auch das Geständnis zum Schluss des Films hätte wohl kein Gericht anerkannt, da es ja unter Zwang erfolgte. Inspektor Elford hätte das ja wissen müssen.
    Außerdem ist es vollkommen unlogisch, dass man die Leiche von Captain Leslie mit Absicht wieder zu Tage förderte, wo man sie doch in der Kiste problemlos hätte verschwinden lassen können. Da wurde doch der Verdacht erst wieder auf die Tierhandlung gelenkt.
    Naja, Logik ist nun mal keine Stärke der Wallace-Filme. Da könnte man wohl endlos weitermachen... Aber das mit der Schlange beim Zinker ist schon irgendwie ganz besonders krass.

  • Stilelemente in Wallace-RomanenDatum02.04.2018 19:11
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Hier mal ein wiederholt auftretendes Handlungselement in den Romanen, auf das auch Margaret Lane in ihrer Edgar-Wallace-Biografie hinweist:

    Schiffsentführungen

    Manchmal liebte es der gute Wallace richtig klotzig. Da musste schon mal ein ganzes Schiff geklaut werden, mit oder ohne Mannschaft. Die Geheimloge in dem Roman Im Banne des Unheimlichen entführt gar einen richtigen großen Luxusdampfer samt allen Passagieren, um ein Lösegeld zu erpressen – Vorlage für einige mehr oder weniger tolle Hollywoodfilme, die in den Jahrzehnten danach folgen sollten. Dagegen kapern die „Gummibrüder“ am Ende des Thrillers Das Gasthaus an der Themse ein Kriegsschiff, wobei die Besatzung niedergemetzelt wird. Damit wollen die Bösewichter auch hier wieder ein Passagierschiff entern, um sich mit ihrer zusammengeraubten Beute nach Südamerika absetzen zu können. Der Plan misslingt allerdings, das Kriegsschiff wird von Küstenartillerie zusammengeschossen. (In diesem Buch spielen Schiffe überhaupt eine sehr große Rolle). Relativ unaufgeregt erfolgt die versuchte Entführung einer Jacht in dem Roman Penelope von der Polythania, eine Schiffentführung auf Sparflamme sozusagen (das betrifft leider auch den ganzen Roman). Etwas drastischer geht es da schon wieder im Mann von Marokko zu, wo maurische Piraten vor der afrikanischen Küste eine englische Luxusjacht kapern wollen, was selbstverständlich nicht gelingen darf.

    Das Motiv einer Schiffsentführung klingt auch in dem Buch Die gelbe Schlange an. Hier wollen diesmal zum Schluss „die Guten“ die Macht über ein Schiff in Diensten der Verbrecher erringen, das alles geht nach viel Dramatik natürlich nicht ohne abschließende Explosion ab. Soweit ich mich erinnern kann, knallte es am Ende des Romans Das Verrätertor auch an Bord eines Themseschiffes recht gewaltig, das die Gangster besetzt hatten.

    Der Hauptverbrecher in Die blaue Hand wird zuletzt auch an Bord seiner Jacht irgendwo im Ozean gestellt, hatte er doch auch noch die nette Heldin gekidnappt. Auch das ist ein häufiges Thema bei Wallace – die Verschleppung einer Person auf ein Schiff. Die unschuldige junge Schönheit des Krimis Der grüne Bogenschütze sieht sich auf einem Frachtschiff wieder, auf das sie ihr skrupelloser Onkel entführen ließ, um sie nach Südamerika zu entführen oder auf See gar Schlimmeres anzustellen. Natürlich wird sie noch rechtzeitig, allerdings nach langem Hin und Her, befreit.
    Sicher gibt es noch etliche andere Beispiele, die Wallace‘ Vorliebe für dramatische Geschehnisse auf Schiffen belegen können. Die Themse mit ihren vielen Häfen taucht oft in seinem Werk auf – er war eben das Kind einer Seefahrernation. Vielleicht hätte er mal zu seinem und der Leser Vergnügen eine richtig schöne Seeräubergeschichte schreiben sollen, so eine Art Francis Drake in Wallace-Manier !

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Oh ja ! Bitte unbedingt weitermachen mit den Besprechungen ! Louis de Funes ist vielleicht DER Held meiner Kindheit. Einen Louis-Film zu gucken war damals absolutes Pflichtprogramm. Am besten gefielen mir neben der Fantomas-Trilogie immer die Polizistenfilme mit Louis als Wachtmeister Cruchot. Da konnte er immer in Hochform auflaufen und den für ihn so typischen trotz allem sympathischen Unsympathen spielen: nach oben katzbuckeln und nach unten treten. Unvergessen, wie er seine "Josepha" kennen- und liebenlernte. DAS waren wirklich noch Komödien. Warum gibt es so was eigentlich heute nicht mehr ?

    Den Film mit dem "Geldschrankknacker" habe ich neulich mal bei einem der wenigen Ausflüge ins Fernsehprogramm gesehen. Ich fand ihn auch überraschend gut gemacht.

  • Gucumatz (1927)Datum29.03.2018 12:27
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    "Gucumatz" ist wirklich ein Geheimtipp unter den nicht so bekannten Romanen. Vor allem fragt man sich, wieso diese Geschichte nicht verfilmt wurde, am besten noch in der guten alten SW-Ära. Vom Stoff hätte sie doch mehr hergegeben als z.B. das "Geheimnis der gelben Narzissen". Das finde ich zwar auch nicht schlecht, aber es waren doch beträchtliche Änderungen notwendig, um einen nicht mal sonderlich guten Film zu drehen. Bei "Gucumatz" hätte man an der Handlung gar nicht mal so viel ändern müssen, natürlich hätte der "Bodycount" erhöht werden müssen, zwei Leichen reichen nun mal nicht für einen zünftigen deutschen Edgar-Wallace-Film. Dem Streifen hätte man den Originaltitel "Die gefiederte Schlange" geben sollen.
    Die männliche Helden-Hauptrolle des Filmes hätte sich wohl von dem Reporter Peter Dewin auf Inspektor Clark verlagert. Da könnte ich mir eher Heinz Drache als "Blacky" vorstellen. Den Reporter könnte in einer Nebenrolle wieder mal Eddie Arendt spielen. Als weibliche junge Unschuld Daphne Olroyd hätte ich mir Sabina Sesselmann gewünscht (die hätte ruhig öfter in der Serie mitspielen können...).
    Als die von der "Gefiederten Schlange" verfolgten Personen könnte ich mir Leicester Crewe gut von Pinkas Brown verkörpert vorstellen. Er hätte eine Rolle als diabolischer Hauptbösewicht bekommen. Die kalte berechnende Tänzerin Ella Creed hätte Margot Trooger spielen können. Joe Farmer wäre von irgendeinem Statisten gespielt wurden, dagegen Major Paul Staines (anstatt der Malerin Paula Staines) Ulrich Beiger. Weiter haben wir noch Gregory Beale, den Südamerika-Forscher. Dessen Part ist mir etwas ungewiss, irgendeine Gastrolle, vielleicht soger wieder Günther Pfitzmann ? Dann noch Jan Hendriks als Diener von Gregory Beale, und als ehemaliger Sträfling und Wissensträger Harry Kane geht sicher Friedrich Joloff. Natürlich darf der Scotland-Yard-Chef Sir John alias Siegfried Schürenberg nicht fehlen.

    Im Grunde hätte die Verfilmung ein paar Anleihen bei "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" und dem "Zinker" nehmen können.
    Die Mordwaffe wäre eine Luftpistole oder besser noch ein Luftgewehr gewesen, welches Pfeile bzw. Bolzen mit irgendeinem südamerikanischen Pfeilgift verschießt. Am Anfang, in der Eingangssequenz, hätte es Joe Farmer erwischt, als er gerade von einem Nachtclubbesuch nach Hause kommt. Der Schuss kam aus einem schicken eleganten Wagen, so wie beim Zinker. Den Überfall auf Ella Creed vor ihrem Theater mit der Botschaft der gefiederten Schlange und dem Diebstahl ihres goldenen Eheringes hätte man gleich hinterherschicken können. Im Verlauf der Ermittlungen wäre Inspektor Clarke dahintergekommen, dass der Personenkreis um Leicester Crewe in einen illegalen Handel mit südamerikanischen Antiquitäten verstrickt ist. Dabei sind sie in ihren Methoden nicht zimperlich, was schon mal in der Ermordung eines Zollbeamten endet, der den Verbrechern auf die Schliche kommt. Am Anfang ist die Verwirrung groß, warum wurde Farmer getötet, und warum wurden Bilder mit der gefiederten Schlange gefunden ? Irgendwann bekommt Major Staines kalte FÜße, will sich absetzen und wird prompt als nächtster mit einem Pfeilschuss getötet. Auch hier wird wieder eine Botschaft der gefiederten Schlange gefunden. Jetzt sind natürlich die anderen, allen voran Leicester Crewe, in Verdacht geraten, der Mörder zu sein. Derweil sucht Inspektor Clarke Hilfe bei dem bekannten Südamerika-Experten Gregory Beale. Nach ein paar schauerlichen Geschichten über südamerikanische Geheimbünde und aztekische Opferriten stellt ihm Beale seine neue Sekretärin Daphne Olroyd vor. Es kommt, wie es kommen muss: die beiden finden Sympathie aneinander. Derweil ist der Reporter Peter Dewin einer anderen Sache auf der Spur. Er beobachtet heimlich, wie der Insasse des eleganten Autos aus dem Wagenfenster heraus dem ehemaligen Sträfling Harry Kane an einer Kreuzung im Londoner Zentrum immer mal wieder Geld in die Hand drückt. Nachforschungen ergeben, dass er vor geraumer Zeit in einen Unfall verstrickt war, bei dem ein ehemaliger Mithäftling getötet worden war. Offenbar erpresst er den Fahrer des Nobelautos mit etwas. Dewin teilt seinen Verdacht Inspektor Clarke mit, aber als sie dem Unbekannten bei der nächsten Geldübergabe eine Falle stellen wollen, erschießt dieser Kane vorher wieder mit einem Giftpfeil und flüchtet.
    Weitere Ermittlungen ergeben, dass der ehemalige bei einem Unfall umgekommene Mithäftling von Kane der Ex-Mann von Ella Creed, der kriminellen Tänzerin, war. Dieser war damals wegen einer großen Schwindelei ins Gefängnis gekommen, obwohl es Zweifel an seiner Täterschaft gegeben hatte. Der Verdacht wurde laut, dass er einer Intrige seiner Frau sowie Crewes (ihres Liebhabers), Farmers und Staines zum Opfer fiel.
    Mittlerweile kommt Daphne Olroyd durch Zufall den aktuellen finsteren Machenschaften von Leicester Crewe auf die Spur, da dieser mehr als nur ein Auge auf sie geworfen hat und unvorsichtig geworden ist. So muss sie zwischendurch mal kurz von Inspektor Clarke gerettet werden. Crewe und Ella Creed wollen sich, jeder für sich, aus England absetzen, und Crewe möchte einen Gutteil seiner geschmuggelten Antiquitäten bei Gregory Beale an den Mann bringen, der daraufhin großes Interesse signalisiert. Bei einem Treffen der beiden in Beales Privathaus wird Crewe aber offenbar von draußen durch das Fenster erschossen, wiederum mit einem Luftgewehr. Diesmal ist das Geschoss ein goldenes, extra angefertigtes Projektil. Jetzt fragt sich Inspektor Clark natürlich, warum Crewe nicht wie die anderen mit einem Giftbolzen getötet wurde. Er schlussfolgert irgendwann, dass das goldene Projektil aus dem gestohlenen Ehering von Ella Creed gefertigt wurde und Crewe von dem gar nicht toten Exmann von Ella Creed erschossen wurde. Harry Kane wusste, dass er noch lebte, und wurde dann irgendwann deswegen ermordet. Inspektor Clarke hat jetzt Zweifel an der Darstellung von Crewes Ermordung durch Gregory Beale.

    Aber nun wird als nächste Daphne Olroyd entführt, nachdem sie von einer Unterredung mit Ella Creed aus deren Theater kam. Die heimtückische Creed hatte eine Vorahnung gehabt und scheinbar wohltätig Daphne ihren auffälligen Mantel gegeben. Der Luxuswagen des Entführers steuert ein einsames Gehöft außerhalb Londons an, wo sie in eine unterirdische Zelle gesperrt wird. Eine maskierte Gestalt betrachtet sie in ihrer Zelle, wendet sich aber dann an einen Mittäter und schimpft, dass er die Falsche erwischt hat. So wird auch die Tänzerin Ella Creed noch kurz vor ihrem Abflug am Airport gekidnappt und ebenfalls in die Zelle zu Daphne Olroyd gesperrt. Dort sollen sie nun den Rest ihres Lebens zubringen. Hier gibt sich die geheimnisvolle "Gefiederte Schlange" als Gregory Beale zu erkennen, sein Gehilfe ist sein Diener. Creed erzählt Daphne die ganze Geschichte, wie man Beale damals gemeinsam ins Gefängnis brachte und dass er nun Rache nimmt. Den beiden Frauen gelingt es, den Diener zu überwältigen, aber die boshafte Creed schließt Daphne wieder in der Zelle ein und flüchtet alleine. Zwischenzeitlich hat der Reporter Peter Dewin die Entführung von Ella Creed beobachtet und Inspektor Clarke wieder einen Tipp gegeben. So kann er dann Daphne aus ihrer Zelle retten, während Ella Creed auf die Straße läuft und ein Auto anhalten will. Zu spät erkennt sie, dass es Beale ist, der sie überfährt. Wenig später versucht er einer Polizeiabsperrung auszuweichen und stürzt in einen Teich, wo er etrinkt.

    Zum Schluss werden Inspektor Clark und Daphne Olroyd ein Paar, während Der Reporter Peter Dewin die Geschichte der "Gefiederten Schlange" seiner Zeitung für gutes Geld verkaufen kann.


    Ich hoffe, dass alles klingt nicht zu dilettantisch und wirr. Aber so ähnlich sind ja die Filme meist auch gedreht wurden, Wert auf viel Logik wurde nicht gelegt. Es wäre aber noch die Hauptfabel des Romans erhalten geblieben.
    Auf alle Fälle hätte das Buch eine recht werkgetreue Verfilmung verdient. Die Story vom ehemaligen totgeglaubten Gefangenen, der sich an seinen Verderbern rächt, ist zwar nun nicht sonderlich originell, aber doch recht zählebig und wird auch heute noch gern als Roman- oder Film-Thema genutzt.

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum24.03.2018 19:30
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Tatsächlich ist das Thema "Konzentration auf die Krimihandlung" einer der Hauptgründe, warum ich viel lieber beim Lesen (und auch als Film) auf Krimi-Klassiker zurückgreife. Helden, die ständig jammervoll am Zustand der Welt verzweifeln und mit privaten Problemen überfrachtet sind, brauch ich mir zur Entspannung nicht anzutun. Angefangen hat alles wohl mit den "Schwedenkrimis" von Walhöö/Sjöwall, obwohl die privaten Probleme der Akteure und die gesellschaftlichen Kritiken bei den ersten dieser Bücher durchaus noch Interesse wecken konnten. Da war es noch nicht so dick aufgetragen wie in den späteren Büchern, von den heutigen Schweden-Erzeugnissen mal ganz zu schweigen.

    Ich habe z.B. neulich mal die etwa 70 Jahre alte Kriminalgeschichte "Die heisere Schwalbe" von Erle Stanley Gardener gelesen. Was der Schriftsteller da alles an überraschenden Wendungen und Handlungsvielfalt in die recht kurze Story hineingepackt hat, das würden heutige Autoren wohl nicht mal in zwei dickbändigen Romanen schaffen. (Gardener war wie Wallace ein ungeheuer schöpferischer Autor, benutzte auch ein Diktaphon und hatte einen Stab von Sekretärinnen, die die seine Werke abtippten. Seine Plots waren wesentlich raffinierter als bei Wallace, allerdings die Handlung meist auch viel konventioneller. Sein Aufstieg begann etwa zur Zeit von Wallace`Tod).

    Wenn man Edgar Wallace immer wieder vorgeworfen hat, seine Figuren seien zu zweidimensional (was häufig ungerecht ist), so hat er seinen Lesern wohl eher einen Gefallen damit getan. Das ist bestimmt auch ein Grund, weshalb prominente und alles andere als dumme Menschen zu seinen Büchern gegriffen haben - es zählte allein die Phantasie und nicht die raue Wirklichkeit.

  • John Flack (1927)Datum24.03.2018 18:26
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    John Flack


    Originaltitel: Terror Keep
    Erscheinungsjahr: 1927


    Hauptpersonen:

    Mr. J.G. Reeder - Beamter der Staatsanwaltschft
    Margaret Belman - seine junge Bekannte, arbeitet als Sekretärin
    John Flack - geistesgestörter "Super"verbrecher
    Olga Crewe - junge Frau mit ungeklärter Vergangenheit
    Georg Ravini - verräterischer Chef einer Ganovenbande
    Mr. Daver - Pensionsbesitzer mit seltsamen Hobbies
    Mrs. Burton - Köchin
    Oberst Hothling - fragwürdiger Pensionsgast 1
    Ehrwürden Dean - fragwürdiger Pensionsgast 2
    Sergeant Brill - Kriminalbeamter von Scotland Yard
    Sergeant Gray - Kriminalbeamter von Scotland Yard
    Oberinspektor Simpson - Kriminalbeamter von Scotland Yard


    Inhalt:

    Im Zuchthaus Broadmoor sitzt seit geraumer Zeit ein Mann ein, der es englandweit zu einiger "Berühmtheit" gebracht hat. Sein Name ist John Flack, und er war einst ein berüchtigter und gerissener Bandenchef, der spektakuläre Raubüberfälle beging und auch nicht vor Mord zurückschreckte. Sein amtlich festgestellter Irrsinn rettete ihn vor dem Henkerstrick, aber eines Tages verschwindet der Schurke unter Zurücklassung eines toten Wärters aus seiner Zelle hinaus in die Freiheit, wo er noch viele dunkle Pläne hat, die er verwirklichen will. Da kann nur einer helfen - der Mann, welcher ihn schon einmal dingfest machte und von ihm ganz besonders gehasst wird. Es ist der schrullige Junggeselle Mr. J. G. Reeder, ein hochrangiger Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, einer der wenigen Helden, die Edgar Wallace in mehreren seiner Geschichten auftreten ließ. In einer dieser Geschichtensammlungen (Der sechste Sinn des Mr. Reeder) trifft Mr. Reeder immer wieder auf die junge Miss Belman, von ihm bald verschämt-vertraulich "Miss -hm- Margaret" genannt, die mit ihren Anfang der Zwanzig Jahren wenigstens halb so alt wie er ist. Trotz des Altersunterschiedes und Mr. Reeders altjüngferlicher Schüchternheit stellt sich bald ein Vertrauensverhältnis zwischen den beiden ein, ja der gute Mr. Reeder muss sie sogar ab und zu aus der einen oder anderen Bredoullie retten, und in der letzten Geschichte dieser Sammlung gelingt den beiden gar eine knappe Flucht aus einer Ertränkungskammer, wobei sie nur in ihrer Unterwäsche den Heimweg antreten können. Man kann davon ausgehen, dass Mr. Reeder deswegen mehr emotionale Schrecken durchlebt als durch die Todesgefahr, welcher er eben entronnen ist. Sei es drum - zu Beginn des Romans "John Flack" sind die beiden schon gute Bekannte, wenngleich noch lange kein Liebespaar. Auch Miss Belman spielt in der nun folgenden Handlung eine entscheidende Rolle.
    Just zu dem Zeitpunkt, da der größenwahnsinnige John Flack seine Flucht zu seinen immer noch zahlreichen in Freiheit lebenden Gefährten bewerkstelligte, bekam die arbeitssuchende Miss Belman ein gutes Angebot, als Sekretärin in "Larmes Keep" (Das Verlies der Tränen), einem düsteren Gemäuer an der englischen Küste in der Nähe von Siltbury, zu arbeiten. Der Bau wird von einem Mr. Daver als Pension geführt, ein etwas verschrobener älterer Mann, der aber sofort von Miss Belman begeistert ist. Zu Miss Belmans Enttäuschung ist Mr. Reeder sogar erfreut, dass sich Miss Bellman aus seiner Nähe entfernt. Aber da John Flack wieder in Freiheit ist, will Reeder seine gute Bekannte außerhalb der Gefahrenzone wissen, in der er fortan leben muss. Außerdem gibt es da noch einen äußerst aufdringlichen Verehrer, Georg Ravini, den Margaret Belman abschütteln will. Dieser Georg Ravini, ein eitler Italiener und so eine Art Mafiaboss, ist auch ein guter Bekannter von Mr. Reeder. Schließlich war er es, der den alten John Flack vor sechs Jahren der Polizei ans Messer geliefert hat. Das macht ihn zu Hauptfeind Nummer Zwei des Bösewichts.
    Kurz darauf entgeht der listige Mr. Reeder daheim in London in guter alter Wallace-Manier einigen Mordanschlägen, derweil Margaret ihre neue Stelle in Larmes Keep bei dem wundersamen koboldartigen Mr. Daver antritt und Bekanntschaft mit der mürrischen Köchin Mrs. Burton macht sowie mit der jungen Olga Crewe, die dort schon seit langer Zeit wohnt, und einiges an Personal und einen britischen Oberst und einen Geistlichen als Gäste kennenlernt. Der eingebildete Ravini ist ihr in der Zwischenzeit nach Larmes Keep nachgereist, will er doch den Korb nicht gelten lassen, den sie ihm gab. Aber eines Nachts verschwindet er unter mysteriösen und beunruhigenden Umständen. Dafür bekommt Mr. Reeder untrügliche Hinweise darauf, dass Ravini ermordet wurde, und begibt jetzt selber nach dem Ort, wo der Ganove zuletzt gesehen wurde - eben zum Verlies der Tränen, das geheimnisvoll und finster am Rande einer Klippe steht und allerlei Geheimnisse zu verbergen scheint. Längst ahnt er wohl schon, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht, und so langsam nimmt die Handlung jetzt Fahrt auf. Der geschworene Feind aller Verbrecher schnüffelt ein wenig auf dem Anwesen herum, hört und sieht sich um und wird eines Nachts gar vom leibhaftigen Supergangster Flack auf seinem Zimmer besucht, oder hat er sich das nur eingebildet ? Mr. Reeder glaubt nicht daran, er schickt, wie er denkt, seine Angebetete "Miss -hm- Margaret" nach London zurück und sieht sich bald arg in die Klemme gebracht. Jetzt will man ihm richtig ans Leder, aber er übersteht auch dies, doch nun fangen die Verwicklungen erst recht an: ein millionenschwerer Goldtransport wird von der Flack-Bande ebenso genial wie rücksichslos ausgeraubt, und vor allem (und am schlimmsten) ist auch noch seine Miss Belman verschwunden... Es beginnt eine aufregende Jagd, die sich unter die Erde in ein weitverzweigtes Höhlensystem verlagert, denn hier befindet sich wie zu alten Piratenzeiten das Hauptquartier der Verbrecherbande. Nach einem wahrhaft atemberaubenden Finale, nach vielen Gefahren und Verwicklungen, können sich die beiden sympathischen Haupthelden endlich auch menschlich mal näherkommen, aber bis dahin ist es ein turbulenter Weg...


    Bewertung:

    Der vorliegende Roman ist sicher einer der wenig bekannten des berühmten Krimi-Autors. Das ist eigentlich völlig unverständlich, denn es gibt mit Sicherheit wesentlich bekanntere und gleichzeit schlechtere Romane aus der Feder von Edgar Wallace. Vielleicht liegt es einfach am einfallslosen deutschen Buchtitel, das englische Original lässt sich ja reißerischer mit "Der Turm des Schreckens" oder "Das Verlies der Schreckens" übersetzen. Ein Pluspunkt sollte auf jeden Fall der Hauptermittler sein, diesmal kein jugendlicher strahlender Held von Scotland Yard, sondern der schon weit über das Jugendstadium hinausgehende Mr J. G. Reeder, der irgendeinen undefinierbaren Posten bei der Staatsanwaltschaft hat und trotz oder gerade wegen seiner altjungfernhaften Manieriertheit, seiner umständlichen Redeweise, seines stets etwas deprimierten Ausdrucks und der vorgeblichen Milde und zahlreicher anderer Eigenschaften ein eindeutiger Sympathieträger ist. Wenn es hart auf hart geht, dann zeigt dieser Mr. Reeder schon, dass er auch anders kann - schließlich hat er sein Leben lang erfolgreich Gesetzesbrecher ins Gefängnis oder gar aufs Schafott gebracht, ohne dass ihm das den Schlaf rauben würde. Auf jeden Fall hat Mr. Reeder auch ein komisches, fast schon karikaturhaftes Element in sich. Das gleiche gilt auch für den immer mal irrsinnig kichernden Oberschurken, der eine dreiundsechzigbändige Abhandlung über das Verbrechen geschrieben hat. Ja, John Flack ist so ein richtiger englischer Dr. Mabuse, fast könnte man denken, dass Edgar Wallace hier ein wenig bei anderen abgeschrieben hat, aber das hatte er bei seiner ausufernden Phantasie wohl echt nicht nötig. So hat denn der Meisterverbrecher auch ein Hauptquartier, wie es einem Dr. Mabuse geziemen würde. Ein altes burgartiges Gebäude mit einem riesigen Höhlensystem darunter - das ist schon starker Tobak und macht so richtig Spaß zu lesen. Sicher ist es ein gewisser "Mangel" des Romans, dass der Verbrecherboss schon von vornherein feststeht, aber es gibt noch genug doppelbödige Charaktere in Larmes Keep zu entlarven, die alle mit dem Chef in Verbindung stehen, denn hier ist niemand das, was er zu sein scheint. Der Hotelbesitzer und Hobbykriminologe Mr. Daver, die undurchschaubare Olga Crewe, sogar die stets missgelaunte Köchin Mrs. Burton haben alle ihre Geheimnisse.
    Hier gibt es auch wieder die gerne von Wallace verwendeten familiären Verstrickungen. Auch die weiter oben erwähnten Pensionsgäste Oberst Hothling und Ehrwürden Dean werden von Mr. Reeder während einer Bridgepartie mit einigen gelungenen Wortspielen in ihrer wahren Identität entlarvt - eine schöne und intelligent geschriebene Szene.
    Über der vorgeblich freundlichen und sommerlichen Atmosphäre von Larmes Keep liegt eine morbide Stimmung, die sich stetig zu unverhüllter Bedrohlichkeit steigert. Man fühlt richtig die Düsternis und Gefahr, die sich hinter der falschen Oberfläche verbirgt. Das hat der Autor sehr gut dargestellt.
    Die weibliche Hauptrolle in Gestalt der Margaret Belman ist wieder eine der emanzipierteren jungen Damen, die der Schriftsteller auch privat zu schätzen wusste. Immerhin wird sie vom Hauptbösewicht persönlich entführt, kann aber flüchten und muss sich einen Großteil des Romans alleine durchschlagen, erst auf den gefährlichen Klippen und dann direkt in der "Höhle des Löwen". Ihre Rettung durch Mr. Reeder erfolgt nur durch einen großen Zufall (auch hier ist die Plausibilität der Handlung mal wieder sehr fragwürdig) und ist eher unbeabsichtigt. Nein, Miss Margaret kann schon auf sich alleine aufpassen !
    Ob man die Liebesgeschichte der jungen Frau mit dem wesentlich älteren Mann nun gut findet oder nicht, sollte man halt für sich entscheiden. Edgar Wallace hat sich nicht daran gestört - im Gegenteil, er war etwa im selben Alter wie Mr. Reeder, als er seine zweite Frau heiratete, die gleich alt wie Miss Belman war. Ob er da bewusst oder unbewusst etwas literarisch verarbeitet hat, wie man heute wohl sagen würde? Wer weiß...
    Auf alle Fälle gibt es noch eine Menge spektakuläre Szenen, der skrupellose Überfall auf den Goldtransport etwa und besonders das Finale in der Gangsterhöhle. Hier kracht es buchstäblich richtig gewaltig, als das Hauptquartier des wahnsinnigen Verbrechers zusammenstürzt und vom Meer verschlungen wird. Man fühlt sich ein wenig an "Der Untergang des Hauses Usher" von Edgar Allen Poe erinnert, aber "Edgar 2" hat die ganze Sache mit mehreren Potenzen dramatischer gestaltet. Militär und Torpedoboote kommen zum Einsatz, von dem kriegsbegeisterten Wallace auch ein öfter mal eingesetzter Kniff. Für die meisten der Ganoven geht die Sache schlecht aus, und auch Mr. Reeder und Miss Belman entkommen nur knapp der tödlichen Falle.
    Als Belohnung darf Mr. Reeder zum Schluß seiner Margaret unter ihrer tatkräftigen verbalen Mithilfe endlich ein Heiratsangebot machen und spürt zum ersten Mal die weichen Lippen eines Weibes auf den seinen, was ihm großes Vergnügen bereitet. Man gönnt es ihm von Herzen, dem guten alten Knaben !

    John Flack
    ist ein unterschätzter Roman von E.W. Für seine Fans wohl ein Muss zum Lesen !


    Buch:

    Erst habe ich die Goldmann-Ausgabe und dann die Weltbild-Version (zusammmen mit dem "Grünen Bogenschützen") gelesen. Da hat der Roman zweihundert Seiten. Goldmann hat wie immer einige Kürzungen zum Original vorgenommen, allerdings nicht ganz so drastisch.
    Aber alleine der fehlende letzte Satz, als J.G. Reeder die Wonnen eines Kusses genießt, sollte schon für die Weltbild-Ausgabe sprechen, zumal man den sonst so schrecklich verstümmelten Bogenschützen-Roman in seiner vollen Länge genießen kann.

    Offensichtlich hat Edgar Wallace selber großen Gefallen an dem Stoff gefunden, den ein Jahr später verwurstete er das Ganze ähnlich noch einmal zu einem Theaterstück und dann auch zu einem Kurzroman mit dem Titel "Der unheimliche Mönch". Gewiss gibt es in der Wahl der Hauptpersonen, im zeitlichen Ablauf und auch in vielen Handlungssträngen große Abweichungen, aber eben auch frappierend viele Übereinstimmungen: der wahnsinnige Supergangster, der sich in einem Höhlensystem unter einer Pension verbirgt, die von einem Strohmann geleitet wird; ehemalige Mitgefährten, die von ihm in seinem Schlupfwinkel ermordet werden; die Methode des Überfalls auf einen Goldtransporter ist genau die selbe; ... usw.
    Allerdings ist das "Original" John Flack um Längen besser.


    Verfilmung:

    Eine deutsche Verfilmung von John Flack gibt es nicht. Es sei denn, man sieht in den Dr.-Mabuse-Filmen ein wenig "John Flack"...

  • Die Bande des Schreckens (1926)Datum21.03.2018 17:29
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Die Bande des Schreckens

    Originaltitel: The Terrible People
    Erstveröffentlichung: 1926

    Hauptpersonen:

    "Wetter" Arnold Long - Inspektor von Scotland Yard
    Clay Shelton - Meisterfälscher und Mörder
    Alicia Revelstoke - vermögende ältere Dame
    Nora Sanders - Privatsekretärin bei Miss Revelstoke
    Godley Long - Bankier und Vater von Arnold Long
    Joshua Monkford - Bankier
    Mr. Cravel - Hotelbesitzer mit zweifelhaftem Benehmen
    Alicia Cravel - seine Schwester
    Frederick Henry - strebsamer Rechtsanwalt
    Jackson Crayley - schwächlicher Gartenbesitzer
    Wachtmeister Rouch - Untergebener von Inspeltor Long
    Oberst Macfarlane - Chef von Inspektor Long

    Inhalt:

    Englands Bankenwelt zittert vor Clay Shelton, dem meisterhaften Scheckfälscher. Scotland Yard braucht endlich einen Erfolg und setzt schließlich Inspektor Arnold Long auf den Schurken an, obwohl der noch recht junge Inspektor wegen seiner laxen Auslegung der Dienstvorschriften und rüden Ermittlungsmethoden eher berüchtigt ist. Der aufgrund einer Angewohnheit auch "der Wetter" genannte Kriminalist schafft tatsächlich auch bald das Unmögliche: Es gelingt ihm, Shelton in flagranti zu verhaften, wobei allerdings ein Polizist getötet wird. Kurz vor seiner Hinrichtung prophezeit der Verbrecher dem Inspektor Long sein baldiges Ende und auch das der anderen an seinem Tode Beteiligten. Kaum hat "der Wetter" Zeit, darüber nachzudenken, schon fliegen ihm die ersten Kugeln um die Ohren. Der Attentäter war ein ehemaliger Sträfling, der den Inspektor hasste und nach dem missglückten Mordanschlag selber erschossen wurde. Der Staatsanwalt, der Richter und der Henker von Clay Shelton sterben in der Folge an seltsamen Unglücksfällen, die Inspektor Long in akribischer kriminalistischer Polizeiarbeit als äußerst geschickt getarnte Mordanschläge entlarven kann. Bei seinen Vorgesetzten stößt er damit auf wenig Gegenliebe, sie halten die "Bande des Schreckens", die den Tod Clay Sheltons rächen will, für ein pures Hirngespinst. Daran ändern auch weitere Opfer im Umfeld von Sheltones Tod sowie mehr oder wenig komplexe Mordanschläge auf den wackeren Polizeiinspektor wenig. Immerhin bekommt er den Auftrag, den fröhlichen und beleibten Bankier Joshua Monkford zu beschützen, der maßgebend an Sheltons Verhaftung beteiligt war. Dessen Bekannte und Nachbarin, die ältliche Miss Revelstoke, hat eine junge und schöne Sekretärin. Es ist natürlich nur eine Frage der Zeit, dass die beiden jungen Menschen sich näher- und nahekommen. Miss Revelstoke ist davon gar nicht begeistert. Lieber hätte sie es gesehen, wenn Nora Sanders dem Werben von ihrem Rechtsanwalt Frederick Henry nachgegeben hätte. Doch die Ereignisse nehmen ihren verhängnisvollen Lauf. Die Beteilgten fahren in das Hotel von Mr. Cravel und seiner Schwester zum Golfspielen, ebenso wie der seltsame Mr. Crayley, auch ein Nachbar von Monkford und bei der Verhaftung von Shelton durch Zufall auch beteiligt (Ein bisschen viel Zufall...). Dabei schwebt über allen der drohende Schatten des hingerichteten Verbrechers - die "Galgenhand" sucht und findet weitere Opfer. Auch Nora Sanders wird in das undurchsichtige Spiel mit einbezogen, sie bekommt merkwürdige Geschenke verehrt und soll schließlich gar ein Millionenvermögen erben... Offenbar haben es die Bösewichter auch auf sie abgesehen, denn sie wird (nicht nur einmal) entführt und Inspektor Long hat alle Hände voll zu tun, sie zu retten, Anschläge auf sein Leben abzuwehren und das Geflecht der Beziehungen aller beteiligten Personen zu entwirren. Sogar sein eigener Vater scheint mehr zu wissen und dunkle Familiengeheimnisse zu verbergen, die den Fall in einem ganz anderen und für Inspektor Long unangenehmen Licht erscheinen lassen. Doch die Verbrecher fackeln nicht lange, und so kommt es letztendlich zum dramatischen Finale...

    Bewertung:

    Eigentlich hat die "Schreckensbande" alles, was einen guten Wallace ausmacht. Morde, Entführungen, ein schrecklicher Fluch, eine geheimnisvolle Organisation, rätselhafte Gestalten, einen beherzten Helden und eine verfolgte Unschuld, eingebettet in ein temporeiches Geschehen. Aber es gibt auch wieder die üblichen Unwahrscheinlichkeiten sowie ein zwar spannendes, aber doch sehr unwahrscheinliches Finale.
    Zu Beginn des Buches und immer mal zwischendrin schildert der Autor die Flusslandschaft der Themse außerhalb Londons, an der viele Beteiligte ihr Grundstück haben. Die Naturbeschreibungen sind ihm wirklich sehr gut gelungen, man sieht, riecht und fühlt die Landschaft förmlich. Ein eigenartiger Kontrast zu der doch sonst recht düsteren Handlung. Der Autor hätte möglicherweise schon Talent zu Höherem gehabt...
    Inspektor Long ist so ein richtig starker, männlicher Held, während Nora Sanders diesmal wirklich mehr die verfolgte Schönheit ist, die sich öfter mal retten lassen muss. So gut die Guten sind, so böse sind die Bösen. Der eifrige Wallace-Konsument wird schon lange festgestellt haben, dass die Anzahl der Leichen bei den Verfilmungen meist um einiges höher als in den Romanen ist. Die "Bande des Schreckens" allerdings mordet auch in der Romanvorlage tatsächlich recht unbekümmert. Dabei kommen allerlei gut durchdachte "Unfallszenarien" und technische Finessen (Mord im verschlossenen Raum) zum Einsatz, aber auch purer Meuchelmord aus dem Hinterhalt. Die Kontakte zur Unterwelt nimmt eine geheimnisvolle Gestalt mit der Bezeichnung "Der Professor" auf, dessen Identität schleierhaft ist. So nach und nach werden die Mitglieder der geheimen Rächergruppierung sowie auch ihr Motiv enttarnt (immerhin galt Clay Shelton bisher ja als Einzeltäter ohne Verbindungsleute). Aber wer ist der Chef ? Doch es gibt auch wenigstens eine eher tragische Figur, die zu den Untaten gezwungen wird und es nicht schafft, sich aus diesen Verstrickungen zu lösen. Bis zum bitteren Ende...
    Inspektor Long erfährt mit der Zeit , dass er dem hingerichteten Fälscher samt seiner Gruppierung näher stand, als er es sich hätte träumen lassen. Denn auch sein Vater Godfrey Long, der reiche Bankier, hat seine Geheimnisse in der Vergangenheit. Eine typische Wendung für Edgar Wallace, die nun aber nicht unbedingt realistisch ist.
    Der "Wetter", kein Frauenheld, fühlt sich nur langsam zu Nora Sanders hingezogen, wenngleich sie seine Gesellschaft sofort zu schätzen weiß. Doch die Gangster haben die Sekretärin der Miss Revelstoke in ihre Gewalt gebracht. Sie soll als Mittlerin zu einem Millionenvermögen fungieren, auch das wieder ein oft gebrauchtes Thema bei E.W. Außerdem wollen sie den armen Inspektor Long damit erpressen, dass er sozusagen zu seiner eigenen Beerdigung kommen soll. So findet denn das Finale im leerstehenden Golfhotel des Mr. Crayley statt. Und während die Schurken eifrig bemüht sind, dem armen Inspektor das Lebenslicht auszublasen, hat man das Gefühl, das halb London mal zwischendurch zu Besuch kommt. Ein einziges treppauf, treppab, hin und her. Alle Figuren schlagen irgendwann mal dort auf, werden niedergeschlagen, verstecken sich oder verschwinden einfach wieder. Das liest sich eher wie ein überkandideltes Theaterstück als ein doch ernst sein sollender Roman. Aber das ist natürlich wieder persönlicher Geschmack, vielen wird der Schlussteil, ähnlich wie im Film, besonders gut gefallen. Nachdem nun auch das Rätsel des Mordes im verschlossenen Raum geklärt wurde, was wieder mit einem Opfer einherging, gelingt dem "Professor" als Hauptübeltäter vorläufig die Flucht ins Ausland, doch auch dort ereilt ihn schließlich die Gerechtigkeit. Nach einigen dramatischen Wendungen kann Inspektor Long dann tatsächlich noch seine Nora heiraten und sich wieder mit seinem Vater aussöhnen. So ist auch bei der "Bande des Schreckens" schließlich alles gut ausgegangen...


    Alles in allem ist die "Bande des Schreckens" ein temporeicher Thriller. Für den Wallace-Freund ein Muss !


    Buch:

    Nach der Goldmann-Ausgabe habe ich die Heyne-Übersetzung und ganz zum Schluss die Weltbild-Ausgabe gelesen. Hier merkt man wieder mal, wie sehr Goldmann nach dem Krieg mitunter die Romane verstümmelt hat. Die "Bande" ist wohl einer der krasseren Fälle. Also auf jeden Fall die Weltbild-Version lesen !


    Verfilmung:

    Als dritten Beitrag der offiziellen deutschen Edgar-Wallace-Reihe drehte Harald Reinl im Jahre 1960 "Die Bande des Schreckens". Hier wird zum ersten Mal der typische bizarre Grusel zelebriert, der die besten Filme der Serie ausmacht. Kleinere und größere Änderungen zum Roman hin lassen doch stets immer noch die Vorlage durchscheinen, es ist wohl noch eine recht werkgetreue Verfilmung. Es wird zumindest am Anfang größeren Wert auf die "Galgenhand" und den "Geist" von Clay Shelton gelegt, der an den Tatorten der Morde auftritt. Leider wurde dieses Motiv dann irgendwann fallengelassen, obwohl es gerade gute Gruselstimmung verbreitete. Ansonsten ist es der erste gemeinsame Auftritt von Joachim Fuchsberger alias Inspektor Long sowie Karin Dor als Nora Sanders in einem Wallace-Film. Frau Dor agiert hier fast noch als kleines Mädchen, so rein, lieb und unschuldig ist sie, wenngleich sie recht oft mit angstverzerrtem Gesichtsaudruck in die Kamera schauen muss. "Blacky" ist mal wieder der Held ohne Fehl und Tadel, manchmal gar mit einem recht bösen Spruch auf den Lippen. Eddie Arendt gibt den Polizeifotogafen Edwards, eine hinzugedichtete Figur, der aber trotz seiner Aversion gegen Leichen sogar recht tatkräftige Hilfe gibt. Elisabeth Flickenschildt als Mrs. Revelstoke setzt in Punkto kühler aristokratischer Überheblichkeit natürlich Akzente, Fritz Rasp gibt den geheimnisvollen Vater Godley Long, während Ulrich Beiger gewohnt schmierig-unsympathisch den Rechtsanwalt Mr. Henry mimt. Zu erwähnen sind noch der überängstliche Dieter Eppler als Jackson Crayley, die etwas anzügliche Karin Kernke als seine Geliebte Alice (eine Abweichung zum Buch) und der ruppig-böse Alf Marholm als Hotelbesitzer Cravel. Karl-Georg Saebisch hat eine Doppelrolle als Zwillingsbruderpaar Monkford darzustellen, was beide Male böse endet. Zu erwähnen ist noch die Musik von Heinz Funk, die die unheimliche Atmophäre gut unterstreicht. Einige Stellen des Films bleiben durchaus im Gedächtnis hängen, etwa wenn der "Geist" Clay Shelton mit erhobener "Galgenhand" vorne auf dem Bug einer Motorbarkasse steht und das Ruderboot der armen Karin Dor bzw. Nora Sanders rammt. Mehrere der Morde sind recht brutal in Szene gesetzt, zum Beispiel das Zu-Tode-Stürzen der verräterischen Alice in einen unfertigen Fahrstuhlschacht. Daneben gibt es gleich zu Anfang eine geradezu unglaublich schlecht gemachte Rückprojektion, als Inspektor Long über ein Nagelbrett fährt und mit dem Auto ins Schleudern kommt.
    Bei der Verfilmung tritt noch viel deutlicher als im Buch die Unwahrscheinlichkeit zu Tage, dass sich alle Beteiligten irgendwie kennen und dann sogar noch im selben Golfhotel Urlaub machen. Eigentlich völliger Blödsinn, aber Logik ist nun mal nicht die Stärke dieser Art Filme. So muss denn auch trotz Wissens des Polizeichefs der geschundene Inspektor Long zum Schluss alleine gegen die Schurken im verlassenen Hotel kämpfen, wobei sie ihn schon x-mal hätten umbringen können, aber ähnlich wie bei James Bond soll es eben auf besondere Art geschehen, so dass er sie alle so nach und nach außer Gefecht setzen kann. Auch hier gibt es wie im Roman ein ziemliches Hin und Her mit verschiedenen Besuchern zwischendurch. Aber irgendwann sind die Bösewichter alle tot, die Polizei kommt auch hereingestürmt wenn alles vorbei ist, und Fotograf Edwards will nur noch Tiere und schöne Dinge anstatt Leichen fotografieren. Gerade das Ende des Filmes hat so richtigen Kultwert und zeichnet Harald Reinl eben auch als ewigen Heimatfilm-Regisseur aus, als nach all den düsteren Schrecknissen das junge glückliche Paar sorglos auf einer sonnenbeschienen Wiese umherturtelt, während über ihm sogar der hohe wolkenlose Schwarzweiss-Himmel förmlich blau herunterstrahlt und die Filmmusik alle Register des Kitsches zieht. Hier ist es noch einiges "schärfer" als beim Frosch mit der Maske, der ein ähnliches heimeliges Ende aufzuweisen hat. Aber dafür lieben wir die Filme doch gerade, oder ?
    Immerhin, die "Bande des Schreckens" ist einer derjenigen Edgar-Wallace-Filme, die bei mir am häufigsten ihren Platz im DVD-Player finden. Einfach gut !

  • Der Frosch mit der Maske (1925)Datum16.03.2018 21:33
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Beim Durchlesen dieses (leider) schon lange nicht mehr besprochenen Threads bin ich auf die Frage der Übersetzungen gestoßen. Der Frosch liegt neben der Original-Übersetzung im Weltbild-Verlag und der leicht überarbeiteten und gekürzten Ausgabe von Goldmann auch im Heyne-Verlag unter dem Titel "Die Brüderschaft der Frösche" vor (wie es ja auch im Original so ähnlich heißt). Die hatte ich mal vor einiger Zeit gelesen. Neben dem bei Goldmann schon immer weggelassenen Prolog gibt es noch eine größere Kürzung in der Mitte des Buches, als Herr Johnson vom "Frosch" in seiner Wohnung überfallen und niedergeschlagen wird. Das wurde bei Goldmann immer ein wenig abgehackt dargestellt, als Mr. Johnson mit verbundenem Kopf zuhause dasitzt und von seinem Erlebnis berichtet. Dabei soll gerade dieser gekürzte Teil des Romans die Täterfrage ein wenig verwirren. Ansonsten gibt es hie und da ein paar Einzelheiten mehr als in der Goldmann/Weltbild-Ausgabe, aber auch einige Kürzungen demgegenüber.
    Der "Frosch" ist einer der längsten, bekanntesten und auch spannendsten Romane, leider auch mit einer fast unerträglichen Kette von Zufällen und auch einer fast märchenhaften Auflösung des Froschmysteriums behaftet. Die "Zweiteilung" des Buches ist mir auch aufgefallen, wobei mir persönlich der erste Teil besser gefällt. Die Geschichte um die Intrige um Ray Bennett samt seiner wundersamen Errettung zum Schluss finde ich wirklich zu - ja wirklich wie im Märchen. Wenngleich das Ende auch sehr tempo- und actionreich ist. Eine schöne Idee, die ganzen Telekommunikationsmittel und Verkehrswege der damaligen Zeit lahmzulegen, um eine gewisse Nachricht nicht durchkommen zu lassen. Da verfällt der alte in die Enge getriebene Frosch in den reinen Terror.
    Für mich ist der "Frosch" nicht der beste Roman von E.W., aber schon unter den Spitzentiteln angesiedelt. Hoffentlich wird er, wie alle Krimis des Autors, endlich mal vollständig und sorgfältig übersetzt !

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum10.03.2018 18:59
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ja, von den Filmen auf die Romane zu schließen, kann daneben gehen. Ich fand den Hexer, bis auf den Schluss, auch ziemlich langweilig, ebenso den Zinker, ein grottenlangweiliger Roman ! Und das sind ja Wallace' berühmteste Bücher !
    Hängt sicher mit den Erfolgen als Theaterstücke zusammen, aber was auf der Bühne sicherlich sehr gut funktionieren kann, das muss als Buch nicht gut sein. Deswegen wurden ja beide Stücke in den Verfilmungen weitgehend umgeschrieben, wobei mir der Zinker da einiges besser als der Hexer gefällt.
    Meist ist es aber doch so, dass die Romane besser als ihre Verfilmungen sind. Oft sind in den Filmen die Charaktere und Handlung sehr verflacht, viele Erzählstränge wurden weggelassen oder durch hinzu gedichtete Handlungselemente ersetzt - nicht immer zum Vorteil ! Wenn bei den meisten S/W-Filmen immerhin noch ein Zusammenhang zur literarischen Vorlage besteht, so fällt der bei den Farbfilmen völlig weg. Es ist eigentlich so, als wären diese Romane überhaupt nicht verfilmt worden. Dabei gibt es hier auch viele spannende Titel zum Schmökern...

  • Die toten Augen von London (1924)Datum07.03.2018 21:18
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Da noch niemand eine Rezension für diesen so richtig Wallace-typischen Roman geschrieben hat, werde ich das mal machen. Immerhin einer seiner besten...

    Die toten Augen von London

    Originaltitel: The Dark Eyes of London
    Erscheinungsjahr der Erstveröffentlichung: 1924

    Hauptpersonen:

    Inspektor Larry Holt - Kriminalbeamter von Scotland Yard
    Diana Ward - seine Sekretärin
    Stephen Judd - Inhaber einer Versicherungsgesellschaft
    „Flimmer“-Fred Grogan - vielseitiger Ganove
    Jake Bradford - furchterregender Verbrecher – „der Blinde Jake“
    Reverend John Dearborn - Vorsteher eines Blindenheims
    Patrick Sunny - Diener von Larry Holt
    Gordon Stuart - reicher Kanadier
    Fanny Weldon - Gelegenheitsdiebin
    Ella Ward - arme Frau mit einem Geheimnis
    Sir John Hason - Kommissar bei Scotland Yard


    Inhalt:

    Kaum ist der Inspektor Larry Holt von einem Auslandseinsatz ins heimische London zurückgekehrt, bekommt er von seinem Chef und Freund Sir John Hason einem neuen Fall übertragen. Ein reicher Kanadier mit Namen Gordon Stuart wurde ertrunken aus der Themse gefischt, in seiner Kleidung befanden sich merkwürdige Zettel mit Blindenschrift. Larry Holts neue Sekretärin, die gutaussehende Diana Ward, kann die Schriftstücke entziffern, in denen von Mord und Verbrechen die Rede ist. Außerdem hat Stuart vor seinem Tod noch sein Testament auf sein eigenes Hemd geschrieben, in welchem er sein Vermögen seiner Tochter vermacht. Zusammen beginnen die beiden die Ermittlungen, die erst mal zur Greenwich-Versicherungsgesellschaft führen, deren Inhaber Dr. Stephen Judd ist. Inspektor Holt kann ihn gerade noch vor den versuchten Erpressungen eines gewissen Fred Grogan, genannt Flimmer-Fred, retten, ein Gauner, der später noch eine große Rolle spielen wird. Weitere Spuren führen in ein Blindenheim, das von dem ebenfalls blinden Reverend Dearborn geführt wird. Bald wird klar, dass hier einiges nicht stimmt. Sind etwa die „toten Augen“ wieder am Werk, eine Bande blinder Hausierer, die früher Verbrechen beging ? Die couragierte Diana Ward wird beinahe von einem Horror- Wesen entführt, einem hünenhaften Blinden, der als „Blinder Jake“ bezeichnet wird und bald noch ähnliche, viel schlimmere Schreckenstaten vollbringen wird. Doch wer sind die Hintermänner dieses gruseligen Wesens, das selbst den tapferen Inspektor Holt überrumpeln konnte ? Bald sehen sich Larry Holt und Diana Ward in eine turbulente und gefährliche Geschichte verwickelt. Es gibt weitere Mordversuche und Entführungen, geheimnisvolle Dinge kommen ans Tageslicht, immer wieder läuft ihnen auch der erfolglose Flimmer-Fred über den Weg, der beinahe selbst zum Opfer wird. Und wer ist die Millionenerbin Clarissa Stuart, die Tochter des ermordeten Kanadiers ? Ist die Greenwich-Versicherung in die Untaten verstrickt ? Was hat es mit dem Macready-Theater auf sich, in dem Stuart zuletzt gesehen wurde und in dem unmögliche Theaterstücke aufgeführt werden ?
    Dass sich Larry und Diana auch menschlich näherkommen, ist natürlich bei Edgar Wallace selbstverständlich, aber der Weg zum ebenso unvermeidlichen Happy End ist noch sehr mühsam und gefahrvoll, denn die Bösewichter der Geschichte schrecken vor keinem Verbrechen zurück, um ihre finsteren Ziele zu erreichen …

    Bewertung

    „Die toten Augen von London“ dürfte ein bekanntes Werk von Edgar Wallace sein, wohl auch durch die gelungene und gruselige gleichnamige Verfilmung aus den Sechzigern. Im Prinzip hat die Geschichte wirklich auch nach heutigen Maßstäben Thriller-Qualitäten. Eine Reihe zwielichtiger, schrecklicher, aber auch humorvoller Gestalten, finstere Handlanger und scheinbar seriöse Hintermänner (wie meist bei E.W.), daneben eine Liebesgeschichte, die manchmal ein wenig kitschig wirkt, aber nie die Handlung dominiert, sowie vornehme Häuser und Geschäftsräume auf der einen und üble Verbrecherschlupfwinkel auf der anderen Seite – das alles sind Zutaten, die einen guten und spannenden Roman versprechen. Es gilt einen großen und maßlosen Betrug aufzuklären, der rücksichtslos durchgeführt wird und einige Opfer fordert. Als Krönung der Geschichte setzt der Autor auch noch die Suche nach der verschwundenen Millionenerbin, was die ganze Sache nun wieder in der Bereich des Märchenhaften verschiebt und aufgrund der Identität der Person, die der Wallace-Kenner sicher schon jetzt erraten kann, auch nicht gerade glaubhafter macht. Ohne diese Erbinnen-Sache wäre das Ganze auch gut gewesen, aber für sowas hatte der Schriftsteller nun mal eine Vorliebe. Es entsprach wohl auch dem Zeitgeschmack.
    Die weibliche Heldin ist aber eine bemerkenswert selbständige und kluge Person, die meistens noch vor Inspektor Holt die richtigen Schlüsse zieht und schon mal selber den riesigen Unhold der Geschichte mit einem Stromkabel bekämpft, weil ihr männlicher Beschützer nicht recht aus dem Knick kommt und selber jede Menge Mordanschläge abzuwehren hat. Der arme Inspektor Holt steht wirklich unter Dauerfeuer, Pistolenkugeln, Messerangriffe , sogar abstürzende Fahrstühle, Ertränkungskammern und jede Menge sonstige Attacken gilt es für ihn zu überstehen, da braucht er schon eine taffe Frau an seiner Seite, die nicht auch noch ständig gerettet werden muss.
    Im Roman wimmelt es von Geheimgängen, verborgenen Türen und schaurigen Orten, wie zum Beispiel das schon erwähnte Blindenheim oder das Wohnhaus der Hauptverbrecher mit allen möglichen Kammern und technischen Einrichtungen. Wallace pur eben.
    Im Buch gibt es viele skurrile Gestalten, wie Larry Holts komischer Diener Sunny (der aber trotzdem zum Lebensretter wird) oder eine mysteriöse Frau namens Ella Ward, die von den Gangstern verschleppt wird. Daneben tummeln sich einige Kleinkriminelle, die Hochstaplerin Fanny Weldon etwa oder der schon erwähnte Flimmer-Fred, ein Heiratsschwindler, Dieb und Erpresser und eigentlich eine verdammenswerte Figur, doch sein Schöpfer stattete ihn auch mit sympathischen Zügen aus. Notgedrungen muss er Inspektor Holt bei seinen Ermittlungen sogar helfen, wobei der über einige von Freds Verfehlungen schon mal ein Auge zudrückt. Die eigentlichen Verbrecher des Romans sind aber nicht Flimmer-Fred oder seine Zunftgenossen, ja nicht einmal der schreckliche und doch irgendwie bedauernswerte blinde Jake, sondern (wieder einmal) angesehene Männer der Gesellschaft, maßlos, gierig und fast schon psychopatisch.
    Zum Schluss kommt Larry Holt noch einmal richtig in Bedrängnis und darf dann nicht nur sich, sondern auch seine Diana vor einem schrecklichen Schicksal retten. Wieder ist die Welt vorübergehend ein bisschen mehr in Ordnung gebracht wurden, die Täter bekommen ihre gerechte Strafe, die damals selbstverständlich beim Henker endete, und zwei Menschen haben sich wieder fürs Leben gefunden. Schön, oder ?

    „Die toten Augen von London“ ist einer von Wallace‘ richtig guten Kriminalthrillern !

    Buch:
    Gelesen habe ich von diesem Roman die erheblich gekürzte Goldmann-Version, dann eine Neuübersetzung von Heyne und eine Sammler-Edition von Weltbild (zusammen mit dem Roman „Der Unheimliche“). Da hat der Roman knapp 250 Seiten. Es sollte unbedingt die ungekürzte Weltbildversion gelesen werden, besonders in der Goldmann-Übersetzung fehlen viele Einzelheiten, z.B. der Mordanschlag mit dem kaputten Fahrstuhl auf den Inspektor, die Entführung der seltsamen Ella Ward oder die Hinrichtungsszene am Ende des Romans. Persönlich finde ich auch hier die Übersetzung am gelungensten.

    Verfilmung:
    Nachdem die Geschichte in den Dreißigern schon in England mit dem damals sehr bekannten Horrorfilmdarsteller Bela Lugosi als Hauptbösewicht verfilmt worden war, setzte der deutsche Regisseur Alfred Vohrer im Jahre 1961 noch eins drauf. Für viele gilt der fünfte offizielle Edgar-Wallace-Film als bester Beitrag der Reihe, und ich selber schließe mich dieser Meinung vorbehaltlos an. Der Film ist ein Schwarz-Weiss-Alptraum aus Nebel, Morden, geheimnisvollen gesichtslosen Verbrechern und blinden Augen. Ady Berber als „Blinder Jake“ ist alles andere als ein alberner Kinderschreck, wie es die Mörder in späteren, meist farbigen Wallace-Filmen waren. „Blacky“ Fuchsberger als Inspektor Holt und Eddi Arent als sein Assistent Sunny Harvey (hier wurden zwei Personen des Romans zu einer zusammengefasst) sind ein Kriminalisten-„Traumpaar“, und die Dame vom Dienst, Nora Ward, wird von Karin Baal gespielt. Klaus Kinski gibt seinen (offiziellen) Wallace-Einstand als Edgar Strauss, dem Sekretär Stephen Judds, der von Wolfgang Lukschy verkörpert wird. Die Rolle von Strauss wurde hier zum Roman hin stark aufgewertet, er spielt einen ähnlich kriminellen Typen wie Flimmer-Fred, der sehr gut von Harry Wüstenhagen dargestellt wird. Unbedingt erwähnenswert ist Dieter Borsche in seiner Rolle als diabolischer Reverend Dearborn. Die schöne Schaupielerin Ann Savo spielt schließlich noch die Fanny Weldon, allerdings nicht sehr lange, da sie schon recht bald hinweggemeuchelt wird. Dieses Schicksal teilen übrigens viele der Darsteller, es gibt mehr Opfer als im Roman. Schrecklich das Ende von Flimmer Fred, der in einen Fahrstuhlschacht stürzt, nachdem ihm vorher noch die Finger verbrannt wurden sind. Auch der blinde Jake erleidet einen schlimmen Abgang und wird in einer wirklich schön gruseligen Szene auf einer Müllhalde entsorgt. Es gibt noch weitere recht drastische Stellen im Film, er ist eigentlich eine Abfolge von Brutalitäten, die zwischendurch ein wenig durch den trockenen Humor von Eddi Arent aufgelockert werden. Die Handlung orientiert sich trotz einiger weiterer Abweichungen noch recht stark an der Romanvorlage. Vielfach wird die Filmmusik von Heinz Funk kritisiert, aber mir persönlich gefällt sie ganz gut und unterstreicht die spannungsgeladene Atmosphäre gelungen. Die Kameraarbeit arbeitet viel mit Szenensprüngen von einem Zoom auf den nächsten, das Licht-Schatten-Spiel ist sehr ausgefeilt und der Kunstnebel wabert reichlich durch die Straßen Hamburg-Londons.
    Der Film hat mich damals in meiner Kinder- und Jugendzeit wegen seiner zumindest für die damalige Zeit ungewohnten Gewaltdarstellungen wirklich richtig schockiert, die Fratze des „Blinden Jake“ hat mich bis in meine Träume verfolgt. (Naja, heute funktioniert das nicht mehr so ganz). Daneben hat diese Verfilmung des englischen Autors wirklich Atmosphäre und ist Maßstab für die anderen Filme der Serie. Für Wallace-Freunde gilt: Unbedingt anschauen !

  • Der Banknotenfälscher (1927)Datum01.03.2018 20:00
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Der Banknotenfälscher

    Originaltitel: The Forger
    Erscheinungsjahr: 1927

    Hauptpersonen:

    Peter Clifton - Millionenerbe mit Geheimnissen
    Jane Leigh - seine nicht ganz freiwillige Braut
    John Leigh - Kunstmaler und Vater von Jane
    Basil Hale - verschwenderischer Verehrer von Jane
    Donald Wells - Arzt mit dunkler Vergangenheit
    Marjorie Wells - seine Ehefrau
    Chefinspektor Bourke - Freund von Peter und hochrangiger Beamter von Scotland Yard
    Inspektor Rouper - eher zweifelhafter Kriminalist
    Mrs. Untersohn - schrille Dame mit dubiosen Erbansprüchen
    Mr. Radlow - Rechtsanwalt


    Handlung:

    Der Millionenerbe Peter Clifton heiratet die junge Jane Leigh, die Tochter eines älteren Kunstmalers. Von ihrer Seite ist es keine Liebesheirat, sie wurde vielmehr von ihren Bekannten und nicht zuletzt von ihrem Vater dazu gedrängt. Peter sieht nicht schlecht aus und ist, natürlich, sehr vermögend, aber im Verhalten sehr unsicher. Außerdem quält ihn ein dunkles Familiengeheimnis, das er mit seinem Arzt und guten Bekannten, Dr. Donald Wells, teilt. Ein anderer Bekannter, der Lebemann Basil Hale, ergeht sich vor der frischgebackenen Jane Clifton, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat, in nebulösen Andeutungen. Liegt etwa Wahnsinn in Peters Familie ? Ist er selber vielleicht verrückt ?
    Die Flitterwochen des frisch vermählten Paars auf dem düsteren Landsitz Longford Manor beginnen nicht sehr vielversprechend. Peter macht sich durch sein Gebaren immer wieder verdächtig. Ist er am Ende gar der "Gerissene" (oder, je nach Übersetzung, der "Fuchs" oder der "Clevere"), ein meisterhafter Geldfälscher im ganz großen Stil ? So vermutet es jedenfalls Inspektor Rouper, ein Beamter von Scotland Yard, der dem Fälschergenie schon lange auf der Spur ist. Und wer ist die groteske Mrs. Untersohn, die Peter allerlei Vergehen bezichtigt ? Was weiß der kauzige Rechtsanwalt Radlow, der Familienanwalt der Cliftons ?
    Auch der Besuch von Dr. Wells und seiner etwas boshaften Ehefrau Marjorie heitert die Stimmung nicht auf. Es kommt zum Streit mit Janes Verehrer Basil Hale, und eines Morgens liegt dieser erschlagen im Schloßpark. Peter wird von seiner Frau blutverschmiert und bewusstlos im Bett gefunden. Doch statt ihn anzuzeigen, beseitigt sie alle Spuren und versucht ihm zu helfen. Und dann hat Peter da noch seinen guten Freund, Chefinspektor Bourke, der sich für ihn einsetzt... Ist Peter nun ein Verbrecher, oder steckt etwas anderes dahinter ?


    Bewertung:

    Der "Banknotenfälscher" ist ein Roman, der im Schatten anderer Werke des bekannten Krimi-Autors steht. Zu Unrecht, wie ich persönlich meine, hat er doch ein paar Qualitäten aufzuweisen, die vielen Geschichten von Wallace abgehen. Das Ganze braucht ein bisschen zu lange Zeit, um in Schwung zu kommen, das kann man nicht abstreiten. Das Geschehen verläuft jedoch weitgehend logisch und ist viel weniger von Zufällen abhängig als sonst. Die eigentliche Handlung, ein Komplott um ein Millionenvermögen, wäre im Prinzip auch ohne die "Übergeschichte" des obskuren Meisterfälschers ausgekommen, aber ein derartiger Handlungsaufbau ist ja bei Edgar Wallace häufig anzutreffen. Die Figuren in diesem Spiel sind sehr sorgfältig gezeichnet, die Liebesgeschichte zwischen Peter und Jane ist nicht "aufgepfropft", sondern beginnt sich im Verlaufe der Handlung glaubwürdig zu entwickeln, ist diesmal für den Ausgang des Geschehens sogar notwendig. Obwohl sie ihn nicht sonderlich mag, hilft die Gattin ihrem Mann aus Pflichtbewusstsein heraus, als er hilflos und in Bedrängnis ist. Dabei verliebt sie sich in ihn - so etwas soll schon vorgekommen sein. Dabei hat Peter neben seiner Selbstunsicherheit auch durchaus männliche Züge aufzuweisen, aber er zweifelt selber an seinem Verstand bereut manchmal, die Ehe eingegangen zu sein.
    Seine Bekannten, allen voran der Dr. Wells, scheinen auch nicht ganz das zu sein, was sie vorgeben. Aber das gilt eigentlich für fast alle Personen in diesem Roman. Letztlich sind sie alle nur mehr oder weniger freiweillige Marionetten, an deren Fäden der geheimnisvolle große Unbekannte zieht. Ausgenommen nur Peters Freund, der erfahrene Chefinspektor Bourke, welcher allerdings bei seinen Ermittlungen mehr als einmal die Dienstvorschriften umgeht. Ansonsten sieht es für Peter Clifton nicht rosig aus, außer Bourke hält nur noch seine Frau zu ihm, sogar als er bei einem erneuten Verbrechen wieder in verdächtigen Umständen aufgefunden wird.
    Im Grunde ist es eine klassische englische Kriminalstory: Millionenerbe, versteckte Testamentsformulierungen, Ärzte, Anwälte, falsche Freunde, Familiengeheimnisse, mysteriöse Morde, ... Und es ist einer der wenigen Stellen im Werk des Autors, wo der Kriminalist tatsächlich mal Spuren sichert und auswertet (hier z.B. der Inhalt eines Staubsaugerbeutels). Daneben gibt es auch wieder die Wallace-typische Verbrecherorganisation mit einem Meisterschurken an der Spitze, der neben Gewinnen aus Falschgeldherstellung und Geldverleih auch ein kleines Zubrot auf anderem Wege nicht verschmäht. Sehr schön die Stellen im Roman, wo der große Unbekannte in einem geheimen Raum hinter einem Drahtverschlag sitzt und seine Anweisungen gibt. Gruselig gruselig ...
    Mit der Zeit fallen von allen Beteiligten die Masken, es wird für alle, Peter und Jane eingeschlossen, recht schmerzlich. Jane Clifton ist eine tatkräftige Frau, die von Männern schon mal drastisch unterschätzt wird. Keinesfalls die Dame, die immer gerettet werden muss, im Gegenteil. Doch wer ist nun der "Gerissene", und ist Peter tatsächlich wahnsinnig? Wer hat die Morde begangen ?
    Das Ende des Buches ist für den Gerechtigkeitsfanatiker sicher unbefriedigend, der Autor geht mit seinen Bösewichtern recht nachsichtig um, sei es ein korrupter Polizist, der mit einem blauen Auge davonkommt, sei es der Hauptschurke des Romans, dessen Schicksal recht ungewöhnlich ist. Doch dass der Mörder seine Strafe bekommt, dafür hat Wallace schon gesorgt.

    "Der Banknotenfälscher" ist ein Roman, der auf dem Programm eines jeden Freundes für klassische Krimis stehen sollte. Hat man sich durch den etwas zähen Anfangsteil gearbeitet, belohnt einen der Rest des Buches mit einer durchaus spannenden und abwechslungsreichen Geschichte.

    Buch:

    Gelesen habe ich die DDR-Ausgabe unter dem Titel "Der Fälscher", zuerst im Doppelband mit dem Roman "Der Feuerrote Kreis", dann in der Kompass-Taschenbuchausgabe. Diese ist sogar recht ansprechend illustriert, die Übersetzung ist ansprechend und, so weit ich das beurteilen kann, auch vollständig. War übrigens mein allererstes Buch von Edgar Wallace... :-)


    Verfilmung:

    "Der Fälscher von London" ist vielleicht mit Ausnahme des "Rächers" derjenige deutsche Edgar-Wallace-Film, der sich am engsten an die literarische Vorlage hält. Es gibt ein paar kleine Änderungen (z.B. John Leigh ist Janes Onkel statt Vater), Weglassungen (z.B. wurde die Geschichte der Beziehung von Dr. Wells zu seiner Ehefrau etwas gekürzt) und Ergänzungen (wie etwa der in jeder Hinsicht mysteriöse Organist), aber ansonsten erkennt man stets die Romanhandlung. Für die Rolle des Peter Clifton wurde der damals recht unbekannte Helmut Lange ausgewählt, seine Frau Jane durfte die schöne Karin Dor spielen. Chefinspektor Bourke wird wie immer hintergründig von Siegfried Lowitz verkörpert. Ansonsten mimen Walter Rilla den Onkel von Jane, Victor de Kowa den zweifelhaften Arzt Donald Wells, Robert Graf den lebenslustigen Basil Hale und der unnachahmliche Ulrich Beiger den unsympathischen Inspektor Rouper. Eddie Arendt hat diesmal eine nur kleine Rolle bekommen, allerdings gibt es die Person auch im Buch in einer kurzen Szene. Daneben spielen noch eine Reihe anderer Schauspieler und -innen aus dem Wallace-Kanon mit. Nur die Rolle des Organisten ist immer noch ein Geheimnis, ob es tatsächlich ein verkleideter Eddie war ... ? :-)
    Auch der Film braucht eine Weile, um in Gang zu kommen. Das erste Drittel ist etwas langatmig. Dann schließt sich eine gutgebaute Krimihandlung an, die letzte Viertelstunde verspricht so richtig schönen Wallace-Grusel. Über der ganzen Szenerie liegt immer etwas verhalten Gruseliges, daran hat zum großen Teil die schöne Filmmusik von Martin Böttcher ihren Einfluss, welche für mich persönlich die beste der ganzen Wallace-Serie ist. Auch die Kamera arbeitet viel mit Licht- und Schatteneffekten und ist sehr stimmig. Da gibt es eine musterhafte Schießerei im sogenannten "Spiegelzimmer", viel Nebel und düstere Gestalten, die umherschleichen.
    Das Ende ist natürlich anders als im Buch, da der Schurke halt immer bestraft werden muss.
    So ist der "Fälscher von London" kein Reißer wie andere derartige Verfilmungen, sondern mehr ein "Whodonit"-artiger Kriminalfilm mit durchaus auch Wallace-haften Stereotypen und einer einprägsamen musikalischen Untermalung - immer wieder gern gesehen.

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Da besteht also wenig Hoffnung (?) Sehr schade. Heutzutage wird doch wirklich jeder Sch... gedruckt, warum nicht mal ein wieder ein verschollener Klassiker ? Immerhin existieren doch noch die englischen Originale, von "A King by Night" kann man sich die englische Fassung sogar gratis im Internet ansehen oder sogar herunterladen (Leider ist mein Englisch nicht gut genug dafür ). Da wären auch noch die frühen Wallace-Krimis "The Council of Justice" und "The Nine Bears", die sicher recht lohnenswert zum Lesen sind, wenn man den Inhaltsbeschreibungen im Wallace-Lexikon glauben darf. Die könnten doch auch mal ins Deutsche übersetzt werden, früher gab es doch da mal die Heyne-Classics, das wäre doch mal was dafür gewesen. Der Anaconda-Verlag bezieht sich nur auf alte Übersetzungen, so weit ich weiß. Aber "Treffbube ist Trumpf" wurde ja auch erstmalig Anfang der Sechziger in Deutschland veröffentlicht, "Der Mann mit den zwei Gesichtern" erst in den Neunzigern. Gehen tut das also. Auch die DDR-Bücher "Der Fälscher", "Der Feuerrote Kreis", "Der Pfeifer" und auch "Der schwarze Abt" wurden in den Achtzigern völlig neu übersetzt gedruckt. Wenn sich die "arme" DDR das leisten konnte, dann sollte das doch heute auch möglich sein.

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Schade. Warum wurde der nach dem Krieg nicht mehr aufgelegt ? Wegen irgendwelcher politischer Korrektheit ? Aber dann hätte man ja erst recht nicht mehr die Afrika-Romane von Edgar Wallace verlegen dürfen.
    Das wäre doch mal was für den Anaconda-Verlag, anstatt immer wieder die selben Titel zum x-ten Male wieder hervorzuholen, könnte man ja den "Unhold" mal wieder drucken. Und die Original-Übersetzung von "Im Banne des Unheimlichen", da gibt es ja in den Nachkriegs-Ausgaben auch nur verstümmelte Texte oder gar die Übersetzung von Gregor Müller, der ja für seine Textüberarbeitungen eher berüchtigt ist... ?

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ich habe mal eine Frage an die begeisterten Wallace-Leser: Vor einiger Zeit habe ich das Hörspiel Der Unhold konsumiert, und es hat mir sehr gut gefallen. Trotzdem hatte ich rein subjektiv den Eindruck, dass hier im Vergleich zum Roman einiges entfallen oder auch etwas dazu gedichtet wurde. Das Buch möchte ich unbedingt mal auf Deutsch lesen, aber seit Jahren ist es im Internet nur für hohe dreistellige Summen als vergilbte Vorkriegsausgabe erhältlich. Gibt es irgendwo die Möglichkeit, den Roman zu einem vernünftigen Preis auf Deutsch zu erwerben ? Er ist ja nach dem Krieg offenbar nicht mehr verlegt worden.

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