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  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das silberne Dreieck ist im Original eine Kurzgeschichtensammlung über die Abenteuer der Drei Gerechten nach dem (ersten) Weltkrieg, als sie der Selbstjustiz abgeschworen hatten und als Privatdetektive arbeiteten. Ihre Methoden, dem Recht und ihren Klienten zum Sieg zu verhelfen, sind trotzdem nicht immer legal, und so ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis einer der Dreien „rückfällig“ wird…
    Doch der Film hat ja mit dieser Handlung rein gar nichts zu tun. Ein raffiniert eingefädelter Coup zur Erbeutung von mehreren Millionen Pfund (ob zwei oder drei, da ist man sich offenbar nicht ganz einig) steht am Beginn, worauf sich die Handlung bald in das Winterquartier eines Zirkus‘ verlagert, wo der geheimnisvolle Drahtzieher sitzen muss und ihm unliebsame Mitmenschen mit Wurfmessern beseitigt.
    Neben englischen Darstellern tauchen auch einige vertraute Gesichter im Ensemble auf. Tatsächlich ist die Handlung teilweise „realistischer“, weil doch auch einiges an ernsthafter Ermittlungsarbeit der Polizei gezeigt wird, gleichzeitig tauchen aber auch einige phantastische Elemente auf, wie der Löwenbändiger mit der Maske und der Wurfmesser-Killer. Das schafft schon ein wenig klassisches Wallace-Feeling. Allerdings kenn ich den Film nur in Schwarzweiß, wie die Wirkung in Farbe ist, kann ich nicht sagen.
    Ich hatte es schon bei „Unheimlichen Mönch“ geschrieben, dass sich die Macher des Dreieck-Films offensichtlich ein wenig von dessen Buchvorlage beeinflussen ließen. Somit ist es wohl doch auch ein tatsächlicher „Wallace“.

    Der Darsteller des Inspektors, Leo Glenn, kommt sehr sympathisch rüber, auch die britischen Schauspieler für den eleganten Zirkusdirektor, die mannstolle Blondine, den eifersüchtigen Messerwerfer und den ränkevollen Zwerg sind glaubhaft ausgesucht. Christopher Lees Rolle hat den unsinnigen Patzer, dass sein Gesicht zum großen Teil verhüllt ist, ansonsten passt er auch gut dahin. Heinz Drache als Ansager im Zirkus ist schon ein wenig gewöhnungsbedürftig. Eddie Arent dagegen passt als unterwürfiger kauziger Buchhalter gut an seinen Platz, leider musste er ja bei der Besprechung seiner schauspielerischen Qualitäten einige Prügel einstecken. Da hat es Klaus Kinski irgendwie leichter, wer muss nur immer irgendwie finster und mit irrem Blick in die Welt gucken und ab und an ein paar Wutanfälle kriegen, um als toller Schauspieler gefeiert zu werden… Aber hier kann man Eddie wenigstens auch mal richtig böse sehen, als er als Mörder entlarvt wird.

    Ist die Handlung stimmiger als in den anderen Wallace-Verfilmungen ? Nicht wirklich.
    „Der Boss“ hat eigentlich zu großes Glück, dass der einzige seiner Komplizen, der telefonisch mitbekommen hat, wohin Mason das Geld gebracht hat, dann bei der Verfolgung durch die Polizei umkommt. Warum wird es immer als großes Pech für den mysteriösen Mann im Hintergrund angesehen, dass Mason seinen Kollegen erschoss – was an der folgenden Handlung wäre groß anders verlaufen ?
    Heinz Drache alias Carl Fleming verplempert monomanisch Jahre damit, den vermeintlichen Mörder seines Vaters zu finden, und als er ihn gestellt hat, lässt er sich eins zwei drei überzeugen, dass alles ganz anders war? Vielleicht ist sein Urteil ja auch ein wenig getrübt, weil er an die schöne Tochter seines Kontrahenten denkt ? Immerhin findet er ja dann irgendwie auch fix die Wurfmesser mit dem silbernen Dreieck am Heft, man fragt sich, warum das nicht die Polizei fertig gebracht hat, die doch auch den „gesamten Zirkus“ auf der Suche nach dem gestohlenen Geld umgekrempelt hat. Wo der der Täter sich für die Messer ein so „raffiniertes“ Versteck ausgedacht hat – im Spiegelschränkchen seines eigenen Wohnwagens.
    Der Täter ist wahrlich ein Mysterium. Wie kann er, als alberner Gehilfe eines Zirkusdirektors, anonym eine Bande von schweren Jungs zusammentrommeln und einen solchen Banküberfall planen ? Da muss er doch schon eine kriminelle Vergangenheit gehabt haben, auch wenn man bedenkt, wie leicht ihm das Töten und Verstümmeln von Menschen fällt. Das lässt sich schwer mit Eddie vereinbaren, genauso wie seine Liebhaber-Rolle. Seine dunkle Seite, die die blonde Schönheit wohl anziehend fand, hat er doch eigentlich ganz geheim gehalten. Wie hat er es außerdem geschafft, vor der Polizei den gesuchten Löwenbändiger aufzustöbern und zu eliminieren ? Überhaupt ist der Raubtierdompteur mit dem vorgeblich gräßlich zerfleischten Gesicht, das angeblich so viele gesehen haben wollen, auch so ein Klischee aus der Mottenkiste. Ja, mit all zuviel Logik ist es auch hier nicht weit her. Wie kann man mit einem Messerwurf eine Hängeleiter mit zwei Tragseilen durchschneiden, wo der flüchtende Täter kletterte ? War das nicht schon fast Mord ? Und wie der Mörder die Messer wirft, so locker aus dem Handgelenk, da kann er doch auf die Entfernungen nie so genau treffen und die Messer so tief in die Körper eindringen lassen. Usw. usw….

    Trotz alledem, der Film gefällt mir persönlich besser als manche der letzten Schwarzweiss-Filme, von den bunten Nachfolgern ganz zu schweigen. Ist ein routinierter Krimi mit leicht bizarren Motiven.

    Persönliche Wertung: 3 von 5 Punkten

  • Martin Böttcher gestorbenDatum23.04.2019 08:38
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ist schon seltsam, aber ich habe mich vor einigen Tagen mal ein wenig mit Martin Böttcher beschäftigt und seit längerem wieder mal einige CD's gehört (Karl-May-Melodien, Krimi-Filmmusik, sonstige Kompositionen).
    Und dann die Nachricht von seinem Tod. Das zeigt doch, dass es keine Zufälle gibt...

    Für mich einer der größten Filmkomponisten überhaupt, seine Kompositionen sind einzigartig, mag sein, dass es nahe am Kitsch ist, aber ich find es alles genial.
    Sein Beruf war eben auch Berufung, deswegen bestimmt auch das schöne hohe Alter, er hat gemacht, was ihm Spaß brachte.

    Möge er in Frieden ruhen.

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Der unheimliche Mönch ist ein Kriminalkurzroman von Edgar Wallace, der nach einem recht erfolgreichen Theaterstück entstand. Am Anfang überfällt eine Bande in einer spektakulären Aktion einen Goldtransporter, raubt ihn aus und wird dann von ihrem ominösen Chef an die Polizei verraten, woraufhin dieser sich mit der Beute an einen unbekannten Ort hin absetzt und fortan nicht nur von den offiziellen Ermittlern, sondern auch von rachsüchtigen Ex-Kumpanen gesucht wird. Bald verlagert sich das Geschehen in eine ländliche Pension, wo sich allerlei seltsame Gestalten herumtreiben, unter anderem auch der unheimliche Mönch, der irgendwo auch noch heimlich Orgel spielt und die Leute erschrickt. Es dauert nicht lange und es sind erste Tote unter den Pensionsgästen zu beklagen, doch am Ende geht natürlich alles gut aus. Persönlich vermochte mich die ganze Geschichte nicht sonderlich zu fesseln, sie kam irgendwie doch zu aufgesetzt und unrealistisch herüber. Interessanterweise hat der englische Nachfolgefilm, Das silberne Dreieck, erstaunlich viel vom Grundplot der Mönch-Erzählung übernommen – der Überfall auf den Geldtransporter am Anfang, der Verrat der Gangster an die Polizei, die Suche nach dem geraubten Geld durch Polizei und betrogene Verbrecher, das Versetzen des Geschehens in eine eigene, abgezirkelte Welt, hier halt ein Zirkus, sowie allerlei zwielichtige Kreaturen und ein geheimnisvoller Mörder, der aber nicht mit Mönchskutte, sondern mit Wurfmessern durch die Gegend streift. Beim eigentlichen Mönch-Film ist bis auf die vermummte Hauptfigur eigentlich von der Vorlage fast gar nichts übriggeblieben. Was haben wir hier ? Einen vermummten Unhold, der sich mit einer Peitsche bewaffnet in ein Mädchenheim einschleicht, seinen Lebensunterhalt durch Mädchenhandel bestreitet, dann aber die Haupterbin des verstorbenen Besitzers des Anwesens kennenlernt und diese mordend vor ihren habgierigen Verwandten beschützt, daneben noch allerlei merkwürdige Figuren wie rachedurstige Französischlehrer und totenmaskenherstellende Taubenzüchter. Mal ehrlich – einen solch hanebüchenen Unsinn hätte sich Edgar Wallace nicht mal in seiner schlechtesten Schaffenszeit, von Verlegern und Buchmachern getrieben, ausgedacht. Es ist mir echt ein Rätsel, wie viele sich für diesen Film begeistern können. Auch den Film mit dem Frosch zu vergleichen – ich weiß nicht. Der Anführer mit Froschmaske, Gummihandschuhen und Giftgasapparaturen ist ja nun wirklich noch realistisch zu dem Chef der Mädchenhändlerbande, der sich mit seinen hartgesottenen Kumpanen auch in seiner albernen Verkleidung trifft, sich damit im schicken Wagen herumfahren lässt und offenbar auch in seinem privaten Herrensitz als „der Herr“ mit Kutte, Kapuze und Peitsche herumspaziert. Oje.
    Die Musik von Peter Thomas ist in ihrer Theatralik besonders nervig, passt aber zum überzogenen Spiel von Dieter Eppler und Siegfried Lowitz als Erbschleicher, wobei ich mir letzteren irgendwie immer nur als Polizist und nicht als Verbrecher vorstellen kann.
    Der Beginn der Mädchenpensionat-Träume der Regisseure wurde zwar schon beim Hexer gelegt, hier ist es aber noch um einiges schärfer. Hat man da Anleihen bei Agatha Christie genommen (Die Kleptomanin) ? Für die Farbfilme, eine gänzlich andere Welt, passt das ja auch, aber in der Schwarz-Weiß-ist der Mönch irgendwie ein Fremdkörper, da ändern auch einzelne gut und schaurig ins Bild gesetzte Szenen nicht viel.
    Unglücklich ist hier die Verkettung von zwei Handlungssträngen geworden, etwas, was Herrn Reinl bei Zimmer 13 viel besser geglückt ist. Die Mädchenhandelstory für sich genommen hätte eine gute actionreiche Geschichte werden können, und die Fabel von den bösen Erbschleichern hätte durchaus für ein akzeptables Kammerspiel getaugt, aber beides zusammen wirkt unausgegoren und schlicht ermüdend.
    Den Film auf Logikschwächen untersuchen zu wollen wäre sicher auch eine Extraarbeit. Da sag ich nur Auftauchen des Mönches zu eigentlich unmöglicher Zeit an unmöglichen Orten, Polizisten mit Gummiknochen, total unfähige Ermittler als Bewacher usw. usw.
    Eddi Arendts Entlarvung als Oberschurke war ja nun mal schon lange fällig, aber man hätte ihn ruhig auch mal ohne Maske als Bösewicht agieren sehen wollen. Das Ende ist ja extra opernhaft geraten.
    Karin Dors Rolle ist die einer gestandenen Frau und nicht mehr des netten kleinen Mädchens wie bei der Schreckensbande.
    Ja, der letzte Film der guten alten S/W-Ära hat nur mehr wenig mit dem Anfang zu tun und weist schon in die Richtung, in der es nun weitergehen soll. Auch beim nochmaligen wohlwollenden Sichten kann ich mich da nicht für erwärmen – Geschmackssache halt.

    Persönliche Wertung: 1,5 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Neues vom Hexer" (1965, 19)Datum09.04.2019 11:46
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Neues vom Hexer lautet eine Sammlung von Kurzgeschichten, mit der der Krimiautor an den großen Erfolg des Romanes und Theaterstückes vom Hexer anknüpfen wollte. Herausgekommen sind eine Anzahl
    mehr oder weniger phantasievoller Stories (mir persönlich gefallen sie sehr gut, doch da gibt es auch gegenteilige Meinungen), die mitunter lose zusammenhängen und den Hexer als unnachgiebigen
    Bestrafer von allerlei Gesetzesübertretern zeigen, denen die Polizei nicht oder nicht schnell genug auf die Schliche kommt. In einer dieser Geschichten missbraucht ein Ganove den Namen des Hexers
    für seine Übeltaten. Dieser, eigentlich ungewöhnlich milde gestimmt, belässt es nur bei einer scharfen Verwarnung, doch nach einiger Zeit schlägt der Unhold erneut zu und begeht sogar einen recht
    brutalen Doppelmord, bei dem ein Schriftzug "Wieder der Hexer" oder halt eben "Neues vom Hexer" hinterlassen wird. Selbstredend ist der richtige Hexer diesmal nicht mehr nachsichtig und gibt dem
    Mörder seine gerechte Strafe. Das ist der Hintergrund und im Prinzip die einzige Gemeinsamkeit von Buch und Film. Für den wurde erstmals eine vollkommen neue Handlung entworfen.

    Der Anfang des Filmes ist auch so eine tiefsitzende Kindheitserinnerung, ähnlich wie der Mord an Larry Graeme in der Telefonzelle beim Zinker. Damit meine ich weniger die suerrealistische Szene
    mit dem Sarg am Anfang, sondern mehr den Mord an Lord Curtain mit der Leiche im Rollstuhl, der auf Schienen in den Fahrstuhl fährt und besonders die Szene mit dem Schrei vom Tonband. Da hab ich
    mich immer furchtbar gegruselt und musste dann meistens ins Bett. Tatsächlich ist Neues vom Hexer auch jetzt noch für mich der letzte Wallace-Film (und im Vergleich zu einigen seiner Vorgänger
    wieder der erste), der noch einmal das richtige schöne Schwarz-Weiss-Wallace-Feeling der Anfangszeit verbreitet. Die hauptsächliche Handlung, die Rache an einer ganzen Familie durch einen
    gekränkten Außenseiter und Erben, ist zwar nicht so originell, aber doch recht effektvoll in Szene gesetzt. Eigentlich stört der Hexer da fast, es wäre auch ohne ihn gegangen. Man hätte sich die
    Albernheiten mit den Masken sparen können. Das ist so eine Sache: Selbst wenn man mal die Unmöglichkeit außer Acht lässt, dass der Maskenträger gleichzeitig Körpergröße und Statur sowie die Stimme
    seines "Opfers" annimmt, so fragt man sich ob es überhaupt eine so täuschend echte Maske geben kann, die man nicht als solche erkennt. Vielleicht würde es ein hochtechnisierter Bösewicht wie
    Fantomas tatsächlich schaffen, so etwas zu entwickeln, aber der Hexer ist da doch eine kleinere Nummer, mal abgesehen von der blödsinnigen Scharade zum Schluss, als jeder mal irgendwie eine Maske
    aufhat. In diesem Punkt wäre etwas mehr Zurückhaltung besser gewesen. Ansonsten ist der Film so logisch oder unlogisch wie der Durchschnitt der Wallace-Filme, hier ist ja schon genug zur Sprache
    gekommen. Eine große weitverzweigte verbrecherische Organisation, nur um eine Familie auszurotten ? Warum ertönt beim Mord an Lady Curtain ebenfalls ein Tonbandschuss, obwohl doch der Trick nun
    schon lange gelüftet wurde ? Hier geht Gruseleffekt vor Sinnhaftigkeit. Überhaupt gibt es viele schöne gruselige Momente, etwa die versuchte Ermordung des jungen Curtain mit der Giftspritze und
    die anschließende Szene im Wald.
    Schauspielerisch ist natürlich Brigitte Horney hervorzuheben, bei der man irgendwie nie so recht weiß, auf wessen Seite sie steht und wieviel sie in die Hintergründe verstrickt ist. Auch Heinz
    Drache als forscher Inspektor und Eddi Arent als umtriebiger Gehilfe des Hexers hinterlassen einen nachdrücklichen Eindruck, ebenso Klaus Kinski, der wieder mal schön malerisch als Leiche
    hervorpurzeln darf, diesmal aus einem Aufzug. Auch der attraktive Robert Hoffmann als mörderischer Neffe Archie Moore hat mir immer gut gefallen.
    Klar ist das Ende enttäuschend, man hätte den Darsteller des Philip Curtain wenigstens einmal irgendwie als Nebenfigur einbauen können. Bei Wikipedia wird ja behauptet, dass Alfred Vohrer neben
    der kleinen Rolle in der Hotelrezeption auch den toten Philip Curtain darstellte, aber das kann doch irgendwie nicht stimmen...

    Am meisten stört mich an dem Film der ganze Mummenschanz mit den Masken, ansonsten, bei allen Fehlern, ist Neues vom Hexer ein recht gut gelungener Beitrag zur Serie.

    Persönliche Wertung: 4 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Das Verrätertor" (1964, 18)Datum29.03.2019 14:21
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Ich denke mal, es muss Ende der Siebziger irgendwann im Nachmittagsprogramm oder am frühen Abend gewesen sein, ich durfte nicht so lange aufbleiben. Keine Ahnung, ob es "West"- oder DDR-Fernsehen war.
    Ich erinnere mich da nur an die Szenen mit Eddi Arent und den Einbruch in den Tower sowie an die Filmmusik ("Aha").
    Jedenfalls war es "Liebe auf den ersten Blick".

    Interessant ist aber auch, dass die Kronjuwelen drei Jahre nach dem Film offenbar an einer anderen Stelle im Tower untergebracht wurden. Insofern hat der Film im Prinzip historischen Charakter, wenn man davon ausgeht, dass die Außen-, aber auch die Innenaufnahmen einigermaßen authentisch sind.

  • Bewertet: "Das Verrätertor" (1964, 18)Datum26.03.2019 14:51
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das Verrätertor war mein erster Wallace-Film, hab ich mal als ganz kleiner Junge gesehen, fand es damals sehr spannend und witzig. Hier gibt es tatsächlich einen Nostalgie-Bonus. Natürlich ist es eben kein typischer Wallace, aber innerhalb der Serie hat er durchaus seine Berechtigung. Es gibt keinen verhüllten Oberschurken - das gibt eben die Vorlage des Romans nicht her und würde irgendwie bei diesem recht simpel gestricktem Heist-Movie auch keinen Sinn machen. Häufig wird die fehlende Spannung bemängelt, aber da ist der Film noch viel besser als das Buch, so weit ich mich erinnere. Tatsächlich hätte an der Spannungsschraube mehr gedreht werden können.

    Durch die Original-London-Aufnahmen ist das England-Feeling recht hoch. Auch der Anfang, die Flucht des Sträflings über die Sumpflandschaft von Dartmoor, ist so richtig schön atmoshärisch und weckt Hoffnungen, die sich aber nur zum Teil bestätigen können. Die Filmmusik von Peter Thomas finde ich sehr gelungen. Gerade die Variation des Titelthemas von heiter-beschwingt beim Bummel durch London zu recht brutal-düster beim Einbruch in die Schatzkammer ist doch auch sehr variantenreich. Und die Schauspieler sind doch auch recht passabel. Im Gedächtnis bleiben die hübsche Catherina von Schell (kein so peinliches Blödchen wie Sophie Hardy beim Hexer) als Sekretärin und unfreiwillige Helferin des Raub-Initiators, Eddi Arent als sympathischer Tourist auf den Spuren einer Gangsterbande und Klaus Kinski als fingernuckelnder Killer. Sicher wäre es besser gewesen, wenn Eddi bei der Rangelei auf dem Schiff tatkräftige Hilfe gegeben hätte anstatt albere Grimassen zu schneiden. Und bei Kinski hätte ein bisschen weniger aufgesetztes psychopathisches Fingerlutschen und Grinsen auch gereicht. Statt dessen wäre es zuträglicher gewesen, ihn wie beim tatsächlichen Überfall auf den Tower rüberzubringen: ein eiskalter, wortkarger und zielgerichteter Ex-Söldner-Typ, das hätte man ihm auch gut abnehmen können. Albert Lieven spielt das Bandenoberhaupt professionell. Gary Raymond als Wachoffizier ist ein so rechter keuscher Wallace-Held, der sicher von vielen Kindern mit seiner Verlobten träumt und auch mal ihr Schlafhöschen anschmachtet, sonst aber sich vor der Hochzeit in strenger Zucht hält, während Gary Raymond als Schmalspurganove schon nach zwei Tagen mit der Freundin seines Chefs ins Bett geht.

    Die ungeklärten Fragen sind hier ja schon genannt worden. Ist es wirklich so relativ einfach, die Kronjuwelen zu klauen ? Nur indem man einen Doppelgänger einsetzt (Feuerball lässt grüßen)? Wie ist der Ex-Sträfling am Anfang eigentlich so schnell auf Tiger Trayne als Drahtzieher eines Komplottes gegen die Kronjuwelen gekommen ? Warum unternimmt die Polizei nach Eddies Intervention einfach gar nichts ? Und wie konnten sie so schnell die Wohnung finden, aus der sie die eingesperrte Sekretärin angerufen hatte ? Wohnungen mit Blick auf den Tower gibt es doch wohl mehr als drei? Da gibt es eine oder auch mehrere Folgen von den Profis, wo das Problem mit der Wohnungssuche handlungsfüllender und glaubhafter bearbeitet wurde.

    Das Verrätertor ist kein charakteristischer Film der Schwarz-Weiss-Ära, aber trotz allem weist es doch das eine oder andere liebgewonnene Klischee auf, außerdem leht er sich in den grundsätzlichen Elementen (Raub der Kronjuwelen, Doppelgänger, Finale auf einem Themseschiff etc.) an das Buch an und ist somit tatsächlich "Wallace".

    Persönliche Wertung: gute 3 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Der Hexer" (1964, 17)Datum25.03.2019 18:23
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Es las sich nur so, als würde der "Hexer" von euch genau dafür kritisiert. Wenn nicht, dann umso besser. Wobei es mir bei @Dr. Oberzohn so erscheint, als werde nach allem nur Erdenklichen gesucht, um Punkte abziehen zu können. Aber so ist das, wenn persönliche Antipathien ausgerechnet auf einen allgemein beliebten Film fallen. Ist ja nicht so, als würde ich das nicht auch kennen.

    Ja, die Sticheleien gegen den Fälscher sind nicht unbemerkt geblieben...
    Aber man sollte schon auch die hochgelobten Filme kritisch sehen dürfen. Wenn ich da an den Unheimlichen Mönch denke... Gibt es da bei Kritik Forenverbot ?
    Aber Fuchsbergers Rolle einschließlich der seiner Geliebten finde ich wirklich zum Fremdschämen, wofür die beiden ja nun kaum was können. Der "beste" Detektiv von Scotland Yard kann zum Schluss nur zugeben, dass er grade nicht durchblickt... Der Hexer war für mich wirklich eine Enttäuschung, ich kannte nur den Nachfolgefilm, den ich trotz aller Schwächen wesentlich besser und vor allem atmosphärischer finde.

    Es ist überhaupt immer wieder interessant, was so die einzelnen Mitglieder bemängeln. Die Geschichte mit der Türschwelle ist mir noch nie aufgefallen, ich weiß gar nicht recht, was da gemeint ist. Mich stört halt eben gleich, dass ein Mann im besten Pensionsalter eine gerade volljährige Schwester haben soll. Da hat eben jeder so seinen Aufhänger, aber das ist doch eher aufschlussreich und lustig.
    Schließlich ist auch ein verkorkster Wallace-Streifen meist noch viel besser als die heutigen ewig gleichen Mainstream-Filme, vom Tatort und anderen Volksbelehrhilfen mal ganz zu schweigen...

  • Bewertet: "Der Hexer" (1964, 17)Datum21.03.2019 13:57
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Der Hexer - der berühmteste Roman von Edgar Wallace. Die Berühmtheit gründet sich wohl auf die Popularität des gleichnamigen Theaterstücks, aus welchem dann auch das Buch, auch noch in zwei Versionen, hervorging. Wir erfahren hier, dass die Schwester des Hexers Selbstmord begangen hat, da sie den Verführungen des bösen Anwalts Meister (oder Messer) nachgegeben hat und das Geschehen auf dem Lotterbett nicht folgenlos geblieben ist. So kommt denn der geheime Rächer aus Australien wieder nach England, um den Schurken über lange lange Buchseiten hinweg in Schrecken zu versetzen.
    Zum ebenfalls lange herbei gesehnten (und zugegebenermaßen sehr gelungenem ) Schluss findet der Schuft mit Juristenzulassung sein wohlverdientes Ende, wobei der Hexer dann auch je nach Buchversion von seiner Gattin mit echten oder falschen Patronen erledigt wird. Alles in allem alles andere als schweißtreibende Spannung, das Ende mal ausgenommen.
    Der gleichnamige Film aus der Wallace-Reihe ist auch so eine Berühmtheit, deren Popularität für mich persönlich schwer nachvollziehbar ist. Die Handlung wurde natürlich stark abgeändert.
    Auf der Habenseite natürlich drei bekannte Wallace-Ermittler (Fuchsberger, Drache, Lowitz) auf einmal (und noch S. Schürenberg alias Sir John als Zugabe). Das ist gleichzeitig auch die Crux, denn der Film verlässt sich viel zu sehr auf die Wirkung der Hauptdarsteller. Alles andere wirkt da eher nebensächlich. Lowitz und besonders Drache als geheimnisvoller Hexer-Hauptverdächtiger machen ihre Sache recht gut, aber Kollege Fuchsberger als geistig minderbemittelter Frauenheld... Boahhh! Nicht dass man sich das Interesse des schönes Geschlechtes an ihm nicht vorstellen kann, trotzdem passt die Rolle nun mal nicht zu ihm und ist nur peinlich. Wer würde es auch mit einem so dämlichen Dummchen wie der von Sophie Hardy verkörperten Freuundin auch aushalten ? Deren körperliche
    Vorzüge werden ja recht freizügig in Szene gesetzt, aber leider hält sie eben nicht ihren Mund und ist quasi die Vorlage aller Blondinenwitze. Einfach nervtötend, genauso wie die Filmmusik, eine sehr experimentelle Kakophonie von Peter Thomas, der wahrlich besseres geliefert hat. Schürenberg ist mal wieder sehr senil, aber auch recht witzig, allerdings verhält er sich natürlich alles andere als politisch korrekt, als er seiner attraktiven Sekretärin aus Begeisterung einen Kuss auf die Stirn drückt. Heute würde sich die Gute wohl auf Metoo ausheulen... So etwas würde sich die Frau des Hexers (M. Trooger) natürlich nicht gefallen lassen, aber mit deren abgehobenem Getue kann ich nun auch gar nichts anfangen.
    Jochen Brockmann gibt einen passablen Obergangster, Eddi Arent einen richtig gelungenen Kleinganoven jenseits der richtigen Seite des Gesetzes. Und dann diese Oberschwester im Mädchenpensionat - so habe ich mir immer eine KZ-Aufseherin vorgestellt. Einfach gruselig.
    Naja, die Handlung ... Im Vergleich zu anderen derartigen Filmen gibt es viel action: ein gesprengtes Haus, umgefahrene Telefonzelle und ein explodiertes Zwei-Mann-Klein-U-Boot. Was das Letztere eigentlich sollte, ist auch schwer erklärbar: So eine Endsieg-Wunderwaffe für den gelungensten Wallace-Film etwa? So
    richtig Sinn macht die Sache kaum. Irgendwie lässt der Film weitgehend das Wallace-Feeling der meisten Vorgänger-Beiträge vermissen, ein auf Hochglanz poliertes Standard-Produkt, das aber kaum Spannung erzeugt.
    Wenn Inspektor Higgins zum x-ten Mal in eine Falle der Ganoven tappt und niedergeschlagen wird, dann animiert das nur noch zum Gähnen. Auch wenn er aus allen Rohren auf einen Mann schießt, der an seiner Tür gelauscht hat, befremdet das doch ziemlich stark, zumal er dann auch noch fast vom Dach runterfällt, obwohl sich der andere gar nicht wehrt. Ein großes Manko ist auch, dass sich die Verbrecher ja großteils selber umbringen, und der Hexer nur den finalen Degenstoß anbringen muss. Über die Unlogik des Endes ist ja sogar im Wallace-Lexikon kritisch geschrieben worden.
    Die Maskengeschichte ist schwer glaubhaft, wie bei allen solchen Filmen. Ebenso schwer vorstellbar ist doch, dass der Hexer, in der Mitte der Fünfziger stehend, eine einundzwanzigjährige Schwester hat, also weit über dreißig Jahre älter ist. Biologisch mag das vielleicht grad so noch gehen, aber trotzdem...
    Der Unsinn mit den Mädchenheimen hat hier seinen ersten, leicht verschämten Anfang genommen. Sind die jungen Damen hier eigentlich auch schon Opfer der skrupellosen Mädchenhändler-Bagage ?

    Tja, persönlich kann ich dem Film überhaupt nichts abgewinnen. Da gefällt mir noch so mancher aus der Farb-Ära besser. Der Streifen hat überhaupt keine Spannung, eine beliebig aneinandergereihte Handlung, da nützt auch das einigermaßen überraschende Ende nicht mehr.

    Persönliche Wertung: schlechte 2 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Zimmer 13" (1963/4, 15)Datum07.03.2019 15:43
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Zimmer 13 dürfte der erste Wallace-Film sein, der mit seiner Vorlage fast gar nichts mehr gemeinsam hat.
    Mehr noch als beim „Indischen Tuch“ oder den „gelben Narzissen“ folgt der Streifen seinem eigenen Gusto, einzig der Name Joe Legge für den Obergangster sowie das ominöse Zimmer 13 in einem halbweltseitigen Club erinnern noch an seinen Schöpfer, sonst wohl kaum mehr, vielleicht noch der Name Johnny Gray für den Detektiv, für den der große Ermittler John Gray Reeder wohl Pate stand….
    Ehrlicherweise gibt das Buch auch nichts für eine Verfilmung im Wallace-Format her, es geht um Ehre unter Gangstern, Verrat und Falschgeld, sehr stimmig komponiert, aber mit viel zu wenig Leichen und für einen simplen Schwarz-Weiß-Film nicht geeignet.
    Harald Reinl hat hier nach dem etwas betulichen, aber schon gewaltbelasteten Frosch, der gruseligen märchenhaften Schreckensbande und dem eher nüchtern-geheimnisvollen Fälscher einen geplanten und durchgeführten Gangsterüberfall auf einen Postzug mit einem psychotischen Rasiermessermörder gemixt. Über Sinn und Unsinn der ganzen Sache kann man sich natürlich streiten, aber ich fand die beiden parallel laufenden Handlungsstränge, die doch irgendwie entfernt zusammenhängen und am Ende gemeinsam kulminieren, immer sehr eindrucksvoll inszeniert. Natürlich ist das ganze nun mal kein „Heist-Movie“ mit detaillierten Vorbereitungen und allen möglichen Widrigkeiten für ein „ganz großes Ding“ und auch kein ausgefeilter Psychothriller mit allen möglichen Finessen und Rückblenden, sondern einfach nur ein schlichter Edgar-Wallace-Film.
    Schön, wieder mal Fuchsberger und Arent als Kumpels zusammen zu sehen, die Konstellation gefiel mir immer besonders gut. Aber auch Blacky und Karin Dor strecken wieder mal die Liebesfühler aus, wenngleich diesmal mit recht tragischem Ausgang. Tatsächlich wirkt „Miss Krimi“ viel erwachsener als bei ihrem ersten Auftritt im Hause Revelstoke, doch auch sie wohnt ja noch mit Mitte Zwanzig bei ihrem Vater, dem Abgeordneten Marney. Was hat sie eigentlich die ganze Zeit über so getrieben, fragt man sich da. Ahnt Marney eigentlich, dass seine Tochter Denise die Mörderin ist ? Das bleibt leider offen.
    Fuchsberger ist hier recht schnodderig, braucht sich über Mangel an weiblicher Zuwendung offenbar auch nicht zu beklagen. Verblüffend, wie schnell er auch die schöne Tochter von Marney um den Finger wickelt und in den anrüchigen Nachtclub einlädt… Verblüffend auch, dass er ungestraft mal ebenso in der Bibliothek seines Gastgebers herumballern darf.
    Eddi Arent als verschrobener, aber tüchtiger Polizeiarzt mit einer amourösen Beziehung zu einer Schaufensterpuppe fand ich als Kind immer total lustig. Na gut, jetzt braucht man dazu zugegebenermaßen schon etwas mehr guten Willen. Bei aller Exzentrizität ist er doch aber für den nicht mehr ganz so jugendlichen Fuchsberger-Helden doch recht nützlich.
    Richard Häussler ist ein kaltherziger, skrupelloser Verbrecherboss ohne Fehl und Tadel. Ich frage mich immer, wie er zwanzig Jahre lang im Ausland gelebt hat und trotzdem eine gut funktionierende Bande zur Verfügung hat, mit der er gleich ein ganz großes Ding drehen kann. Zumal einige seiner Gangmitglieder ja noch halbe Kinder waren, als er aus England flüchten musste.
    Siegfried Schürenberg als trotteliger Polizeichef gibt hier doch nicht nur den Tölpel vom Dienst. Da es keinen richtigen Polizeiinspektor als Ermittler gibt, ergreift er ungewohnt oft selber die Initiative. Gerade wie er den von ihm offenbar verhassten Igle immer wieder ziemlich unsanft, geradezu bösartig behandelt und mit dem Henkerstrick bedroht, zeigt schon, dass er seinen hohen Posten offenbar nicht nur durch Dienstalter, sondern auch eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit gewonnen hat. Er ist hier ein Junggeselle in einer recht schlichten (Miet?)-Wohnung, sein Interesse an der Damenwelt ist auch bei weitem nicht so groß wie in den anderen Filmen.
    Erstmal gibt es kurzzeitig den blanken Busen einer Striptease-Tänzerin zu sehen, deren Blut dann auch kurz darauf recht reichhaltig spritzt – ebenfalls eher neu für diese Sorte Film.
    Die Unterwelt-Atmosphäre ist hier glaubwürdiger dargestellt als bei den Gangstern, die das nicht vorhandene Rätsel um die rote Orchidee bevölkerten.
    Natürlich haben die beiden Handlungsstränge eben auch die Schwäche, dass sie beide nicht sonderlich vertieft sind. Johnny Grays Experiment mit blonder Schaufensterpuppe und mundgerecht dargebotenem Rasiermesser zur Entlarvung der Mörderin ist natürlich Holzhammer-Psychologie hoch drei. Doch die Entlarvung einer Lady als Serienkillerin und der Verzicht auf ein gewohntes Happy End stellen ein Novum in der Serie dar. Das dänische Schloss Vallo als Familiensitz der Marneys wirkt recht düster (Ein dutzend Jahre später sollte hier auch die Olsenbande ihren halbseidenen Geschäften nachgehen.)
    Bei finalen Gemetzel werden alle Beteiligten und Bewohner zur Strecke gebracht, die unglückliche junge Frau richtet sich selbst (und liegt zu dem düsteren Schlusstönen der Tür in ihrem eigenen Blut).
    Somit wurde, wie beim Vorgängerfilm, wieder mal eine ganze Familie ausgelöscht. Doch diesmal liegt sicher auch gewollt mehr Tragik darin, wenn Johnny Gray zum Schluss noch einmal nachdenklich-wehmütig die ganze Szenerie betrachtet und in die Nacht davonfährt.

    Persönlich schaue ich den Film immer wieder gerne, trotz der sehr einfach gehaltenen Psycho-Handlung.


    Persönliche Wertung: 4 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das indische Tuch dürfte einer der letzten Romane gewesen sein, den Edgar Wallace vor seinem frühen Tod schrieb. Er vereint noch einmal auf beste Weise vieles von dem, was für den Namen Wallace steht. Obwohl aus einem Theaterstück entstanden, ist die Handlung doch erstaunlich stringend und spannend. In den achziger Jahren wurde das Buch unter seinem Originaltitel "Die verängstigte Lady" von der BBC sehr werkgetreu verfilmt, aber der Vohrer-Film setzte hier andere Akzente. Natürlich musste die Zahl der Opfer wieder maßlos gesteigert werden, so wurde eine im Grunde völlig neue Handlung entworfen. Das Gemeuchel nach dem "Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip" mag ja nicht sonderlich originell sein, aber es ist immer sehr wirkungsvoll. Aus dem Buch wurden nur sehr wenige Elemente übernommen. Der unter der Fuchtel seiner herrischen Mutter stehende wahnsinnige Sohn und die Mordwaffe (eben das "Indische Tuch") sind wohl die wichtigsten Beispiele. Gleichfalls kommt die Figur des Dr. Amersham ihrer literarischen Vorlage am nächsten, sein Charakter, die Beziehung zu Lady Lebanon und sein Tod. Da hört es dann aber auch schon auf, aus dem Kriminalinspektor Tanner wurde
    ein kriminalistisch nicht sonderlich begabter Anwalt, das sich nicht sehr zugetane Ehepaar Tilling im Film findet seinen Ursprung in einem gleichnamigen Parkwächter, der stets auf seine schöne und leichtlebige Frau eifersüchtig ist. Die entfernt verwandte Isla als potenzielle Gattin des jungen Lebanon und "Produzentin" entsprechender Stammhalter kommt auch im Buch vor, wird aber von der Lady Lebanon nicht abgelehnt, sondern geradezu erwünscht.
    Dazu gedichtet wurde das Klavierspielen von Lebanon jr., und man trifft doch bei den Besprechungen im Forum dankenswerterweise immer wieder auf neue Zusammenhänge. Dass die Titelmusik von Peter Thomas ihren Ursprung in Chopins Klaviersonate hat, die bei den Morden immer gespielt wird, ist mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Aber tatsächlich...
    Heinz Drache ist wieder mal parademäßig schnodderig und selbstbewusst, Elizabeth Flickenschildt als Übermutter überzeugend, Klaus Kinski gibt seiner offensichtlichen Abneigung gegen Herrn Drache richtig Zucker, und Eddi Arendt hat hier eine mustergültige Rolle als englischer Butler. Ich finde es bedauerlich, dass man ihn oft in so albernen Rollen verheizt hat, seine Darstellung im "Tuch" finde ich, bis auf wenige Ausnahmen, wirklich komisch und überaus gelungen. Siegfried Schürenberg gibt den weltmännischen Forschungsreisenden, der doch auch ganz unverfroren hinter dem Geld her ist. Ady Berber hat hier leider seinen letzten Auftritt, diesmal nicht als mordendes minderbemitteltes Ungetüm, aber trotz allem nicht sonderlich mono- bzw. dialoglastig ("Regen - Regen" ; "Nur Dampf - Nur Dampf"). Im Prinzip sind die Gestalten und Opfer des Würgers austauschbar, man leidet nicht mit ihnen mit, einzig der Täter kann zumindest kurzzeitig mal Mitleid und gar Sympathie erwecken. Ich finde die Szene, wo er, der junge Lord, seiner Mutter eröffnet, dass er nie was von seinem Leben hatte und immer alleine war, immer recht rührend. Aber sein Irrsinn verbietet eine weitere schönere Zukunft.
    Handwerklich finde ich den Film vor allem in denersten beiden Dritteln recht gut. Wie erst recht glaubhaft Verdächtige aufgebaut werden und dann immer wieder als Leiche enden, das ist doch recht geschickt inszeniert. Leider fällt der Film zum Ende hin ab, da zerfasert sich die Regie doch etwas stark, oder liegt es nur daran, dass die immer mehr zusammenschmelzende Schar im Schloss langsam auch die Nerven und den Verstand verliert ?
    Logigschwächen ? Sicher jede Menge. Der aufmerksame Beobachter wird feststellen, dass der Butler Bonvit nach Tillings Ermordung auch sein Gedeck am gemeinsamen Frühstückstisch zusammenräumt und das Ei in die Hosentasche steckt (wozu hat er es überhaupt erst auf den Tisch getan ?), obwohl doch Tilling in die Kellerzelle gesperrt wurde und gar nicht hätte mitessen können. Derlei Dinge trüben doch nicht den Sehgenuss, aber ein arger Patzer ist die Darstellung des "insulinsüchtigen" Diabetikers durch Klaus Kinski. Insulinmangel mit den Symptomen von Rauchgiftentug gleichzusetzen, zeugt nun nicht gerade von medizinischer Fachkenntnis.
    Warum schickt der Butler seine Brieftaube mit der Bitte um Hilfe eigentlich auch erst so spät los ?
    Den häufig kritisierten selbstfahrenden Servierwagen finde ich immer sehr lustig, auch wenn er natürlich Blödsinn ist. Ein "Smart-Service-Kit" würde man sowas wohl heute nennen, vielleicht ist das Ding auch einfach durch ein Zeitloch aus der Zukunft auf Schloss "Marks Priory" gefallen...
    Auch das Stühlerücken am Ende finde ich spaßig. Allerdings ist dann der "Inspektor Fuchsberger" am Telefon oberpeinlich, genauso wie Edgar Wallace als Alleinerbe des Vermögens, über dreißig Jahre nach seinem Tod. Wer würde das Geld dann wohl kriegen, Brian oder Penny vielleicht, oder ist das Testament vielleicht sogar ungültig... ? Man weiß es nicht.

    Alles in allem ist Das indische Tuch für mich ein typischer Wallace-Film, einzigartig durch seine Kammerspiel-Atmosphäre.

    Persönliche Wertung: 4 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Der schwarze Abt" (1963, 13)Datum22.02.2019 14:19
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Der Roman Der schwarze Abt macht es einem Regisseur nicht ganz so einfach. Die titelgebende Figur ist kein Oberhaupt einer Verbrecherbande und auch kein von Rache getriebener Serientäter, sondern nur eine legendäre Gestalt, die einen halbwahnsinnigen Lord erschrecken soll, ansonsten aber keine kriminellen Aktionen auf dem Gewissen hat. Tatsächlich gibt es auch „nur“ zwei Tote – einmal den dahingemeuchelten „falschen“ Schwarzen Abt, den verkleideten Butler Thomas, und zum anderen den vom Goldschatz erschlagenen Harry Chelford. Beides wurde ja irgendwie mit in den Film hinübergerettet. Da der Drehbuchschreiber darauf verzichtet hat, den Kuttenträger als massenmordenden Banditen umzumünzen, aber trotzdem eine respektable Zahl von Leichen vorweisen wollte, musste er das Drehbuch halt dahingehend auslegen, dass sich die beteiligten Schatzsucher zum großen Teil gegenseitig umbringen. Das bietet viel Verwirrung in der Handlung und oft wenig Sinnhaftigkeit. Irgendwie unverständlich, dass die zeitgenössische Kritik dem Film eine „große Werktreue“ bescheinigte, obwohl tatsächlich doch sehr viel aus dem Roman in die Dramaturgie des Filmes eingeflossen ist.
    Trotzdem, dem Film fehlt es an Grusel, Tempo und Zusammenhang. Immer, wenn Spannung erzeugt werden soll, laufen die Protagonisten in der Nacht um das Schloss herum, belauern sich gegenseitig und ab und zu tritt auch mal der legendäre Schwarze Abt auf. Die hervorragende Musik von Martin Boettcher müht sich nach Kräften, dem Geschehen Dramatik einzuhauchen, aber muss letztlich auch scheitern.
    Die Darsteller sind wieder mal beste Güte. Joachim Fuchsberger als Nichtermittler ist zwar für mich persönlich schwer genießbar. Ein Eddi oder eine Karin als Mörder/in, das ist schon okay, aber Blacky ist doch eine Konstante, da fällt das Umdenken schwer. Die weibliche Heldin, Grit Böttcher, ist eine der letzten noch lebenden Wallace-Damen, obwohl man ja unberechtigterweise selten an sie denkt, wenn man von dieser Personengruppe spricht. Dabei hat sie durchaus eine nicht zu unterschätzende Attraktivität vorzuweisen. Eddi Arents Spiel hätte wirklich eingebremst werden sollen, doch er hat auch sinnvolle Auftritte. Werner Peters und Harry Wüstenhagen als zwielichtige Zeitgenossen machen ihre Sache richtig gut, Charles Regnier als Inspektor sieht nicht so furchtbar aus wie im Buch, allerdings fragt man sich wirklich, woher er all seine Ermittlungsergebnisse hat, da er doch nur rauchend herumsitzt und mal zwischendurch nach London fährt, um auf mysteriöse Weise den Mörder von Smooth festzustellen.
    Dieser Smooth muss übrigens ein blutleerer Geselle gewesen sein, denn eine so blinkende saubere Mordwaffe wie den Dolch, mit dem ihm angeblich das Lebenslicht ausgeblasen wurde, gibt es selten in Krimis. Da sind wir wieder beim leidigen Logik-Thema, aber warum Gilder seinen Strohmann Smooth von dem verräterischen Butler Thomas hat umbringen lassen, ist vollkommen unklar, ebenso, wieso er ihn überhaupt zum Rumschnüffeln gebraucht hat, wo doch der Butler viel näher am Geschehen war und ausgereicht hätte. Arthur Gine hat Mary Wenner erschossen, um seinen Konkurrenten Gilder in Verdacht zu bringen ? Hm, umständlicher geht es auch kaum noch. Und dann das ständige Bezeichnen von Pistolen als „Revolvern“, das sollte gestandenen Kriminalisten nicht passieren. Letzten Endes feuert der Inspektor seine Pistole in dem engen unterirdischen Gang ab, dass es eine rechte Lust ist, doch sollten sich da nicht seine und Dick Alfords Trommelfelle in die ewigen Jagdgründe verabschiedet haben ?
    Für mich bleibt eigentlich immer unklar, wer nun welches Pergament wo gefunden oder seine sonstigen Kenntnisse über die Lage des Schatzes her hat. Ist ja auch egal. Auch der Sinn, dass Harry Alfords (oder doch Chelfords ?) angeblich gestorbene Mutter jahrelang ganz in der Nähe lebt und dann genau zu dem Zeitpunkt ihrem Sohn in die Arme läuft, als die Polizei grad Untersuchungen anstellt, sollte nicht zu genau hinterfragt werden. Dieses Element der noch lebenden Mutter wurde auch zusätzlich mit in die Handlung genommen, doch man hätte es auch bleiben lassen können.
    Der Gothic-Faktor ist beim Schwarzen Abt natürlich nicht zu unterschätzen, doch so tragend ist er nicht unbedingt, wie er hätte sein können. Der dunkelgewandete Geselle tritt einfach zu wenig auf.
    Meiner Ansicht nach wurde hier viel verschenkt, doch für die Wallace-Welle der frühen Sechziger bietet das Buch eben auch wenig geeigneten Stoff, der Versuch, eine werknahe Umsetzung mit vielen Leichen zu produzieren, konnte sicher nicht allzu gut gehen. Lobenswert ist trotzdem die Kameraarbeit mit einigen skurrilen Einstellungen.

    Ich finde den Film einfach zu schleppend und verworren, um ihn zu mögen, trotz guter Darsteller und schöner musikalischer Bearbeitung.

    Persönliche Wertung: 2 von 5 Punkten

  • Bewertet: "Der Zinker" (1963, 12)Datum09.02.2019 20:03
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Mit dem von einem Theaterstück stammenden Roman Der Zinker hat sich Alfred Vohrer eins der berühmtesten Bücher von Edgar Wallace zur Verfilmung ausgesucht. Woher kommt diese Bekanntheit ? Ist der Zinker etwa eine besonders raffinierte, einprägsame oder gar blutrünstige Verbrechergestalt ? Nein, da herrscht wohl überall totale Fehlanzeige. Für meinen Geschmack ist Der Zinker einer der schlechtesten Krimis, den der Autor je geschrieben hat. Nach einem recht vielversprechenden Anfang gleitet das Ganze in eine rührselige Schnulze ab, mit gelegentlichen Versuchen, die Spannung ein wenig zu fördern, was aber misslingt. Schlecht zusammengekittete Versatzstücke und wieder einmal unwahrscheinliche Zufälle tun ein Übriges, aber Hauptübel ist eben die übertriebene Liebesschmonzette.
    Gewiss ist der Zinker eine anrüchige Figur, doch außer einer eher als Notwehr denn als Mord zu bezeichnenden Tötung eines verratenen rachsüchtigem Diebes kann man ihn nun nicht so gefährlich für die Allgemeinheit bezeichnen, wenn man die gebrochenen Frauenherzen mal außer Acht lässt, die er mit seinem Nebenjob als Heiratsschwindler auch auf sein Schuldkonto lädt. Tatsächlich ist er ja ein Großhehler für Diebesgut, der der Polizei sogar ab und an einen guten Tipp gibt. So wurde denn die erste Verfilmung Anfang der Dreißiger schon ein wenig mit zusätzlichen Leichen und mehr action aufgepeppt, sogar der Täter wurde überraschenderweise geändert.

    Für den neuen Film von 1963 mussten unbedingt noch zusätzliche Schlüsselelemente der Reihe eingebaut werden. Da hat man aus dem Roman Die Drei Gerechten die Idee mit dem tiefgefrosteten verschossenen Schlangengift übernommen, möglicherweise auch die Gestalt des geistesgestörten Helfers des Hauptbösewichts. Weiterhin spielt die Geschichte in einer Tierhandlung, aber in keiner für Katze und Sittich, sondern richtig für Großtiere. Eine richtige Liebesgeschichte gibt es diesmal nicht. Die heimliche Hochzeit zwischen Frank Sutton und seiner Sekretärin wurde aus der Vorlage übernommen, wenngleich die Dame kein so schreckliches Ende findet. Ebenso gab es den Tod von Larry Graeme durch Zinkers Hand, auch eine Polizeifalle, die im Film gleich zur Falle von rachedurstigen Ganoven umgemünzt wurde. Das war es fast auch schon. Ob sich zwischen der getäuschten Beryl Stedman und dem ruppigen Inspektor Elford nochmal eine Romanze anbahnt ? Beide strömen ja den Charme eines Eisblockes aus, wenig wahrscheinlich. Inspektor Elford, eigentlich nur eine Nebenfigur, erhält im Film die Hauptrolle, während John Leslie, der lange Zeit zweifelhafte Held des Buches, nur auf eine simple Polizeispitzel-Rolle reduziert wird und zudem recht bald das Zeitliche segnet. Die schrullige Inhaberin der Mulfordschen Tierhandlung ist dazugedichtet, ebenso der Zeitungsverleger Fielding, dagegen hat der Reporter Josuah Harras (eigentlich Josuah Collie) sowohl in Buch als auch in Film eine recht bedeutende Rolle.
    Bei kaum einer zumindest der bisherigen Verfilmungen fallen die unvermeidlichen Logikfehler so ins Auge wie hier. Warum hat Sutton mit dem Diebstahl der Schlange überhaupt die Aufmerksamkeit der Polizei auf seine Tierhandlung gelenkt ? Wieso allerdings ist er verdächtig, sogar dass so schnell ein Spitzel bei ihm eingeschleust wird ? Und wieso wird die Kiste mit dem ermordeten Leslie absichtlich fallengelassen, was ja letztendlich erst Recht die Spur zur Zoohandlung führt ? Und die ganze Szene mit dem fingierten Mordanschlag mit der zahnlosen Mamba, mit der sich Sutton unverdächtig machen will, die strotzt geradezu vor Unlogik. Das ist nun wirklich bewusste Irreführung des Zuschauers ! (Warum eigentlich sollte der Zinker Sutton auch töten wollen ?).
    Und wie kann Millie Trent den verrückten Krischna als "Zinker" beschuldigen, wenn sie doch genau um das Doppelleben ihres kriminellen Mannes weiß ?
    Warum schmilzt das Schlangengift nicht, wenn es der Mörder stundenlang in seiner merkwürdigen Apparatur herumträgt ?
    Und das unter Todesdrohung erzwungene Geständnis am Ende des Filmes mit heimlich mitgeschnittenen Tonbandaufnahmen - welcher Richter hätte das vor Gericht gelten lassen ? Mal ehrlich, ein bisschen mehr Realismus hätte dann doch nicht geschadet. Wenn der irre Krischna seinen Herrn und Meister nicht durchlöchert hätte, dann wäre der Zinker wohl durch die Unfähigkeit der Polizei wieder freigekommen. Ich glaube, das waren die schlimmsten Patzer, aber die reichen ja auch.

    Daneben war der Zinker mit seinem Schlangengift-Schussgerät immer einer der gruseligsten Wallace-Mörder meiner Kindheit. Tatsächlich ist die erste Hälfte des Filmes sehr schwungvoll inszeniert. Besonders gut finde ich auch immer die Stelle, mit der die Graeme-Gangster den großen Unbekannten mit seinem schicken Jaguar in einen Hinterhalt locken und er geradeso entkommt, oder auch den effektvollen Mord an Leslie, wenngleich man hier die Puppe sehr auffällig wahrnimmt. Dann erst setzt sich der etwas ermüdende und manchmal alberne Kammerspiel-Charakter durch, so, als wäre dem Regisseur nichts Sinnvolles mehr eingefallen.
    Besonders die abwechslungsreiche Musik von Peter Thomas sticht hier sehr positiv hervor, was man in späteren Produktionen nicht immer behaupten kann. Die Schauspieler sind alle richtig gut. Heinz Drache übertreibt es diesmal mit seiner Ungeduld und Unhöflichkeit anderen gegenüber. "Softskills"-Seminare für leitende Angestellte gab es damals ganz offensichtlich noch nicht. Auch Eddi Arent hätte sich manchmal ein wenig zurückhalten können, doch irgendwie ist er auch ganz witzig. Der noch lebende Wallace-Star (oder StarIn ?) Barbara Rütting (liegt vielleicht doch an der veganen Ernährung...) ist nun alles andere als das kleine schützenswerte Mädchen, aber auch sie fällt ja auf den charmanten jungenhaften Günter Pfitzmann herein, zumindest im Film.
    Alles in allem, trotz wirklich eklatanter Logik-Abstriche und schleppender zweiter Hälfte, immer noch ein guter Wallace-Krimi.

    Persönliche Wertung: schlechte 4 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Die gelbe Schlange ist eher ein unbekanntes Buch des großen Thriller-Kings. Der Titel bezieht sich übrigends ganz unverfroren auf den chinesischen Hauptbösewicht, was im Film aber auf ein ominöses Heiligtum des Verbrecherbande umgemünzt wurde. Irgendwie ist es ein typischer "Atze"-Brauner-Film. Äußerlich ein zumindest technisch gelungener Versuch, die Original-Filmreihe zu kopieren, krankt das ganze doch an einem wirklich "trashigem" Drehbuch.
    Ich hab den Film einmal vor einiger Zeit irgendwo im Netz gesehen, leider ist die Quelle zwischenzeitlich versiegt, so dass hier die Erinnerung herhalten muss. Ich kann mich nur an einen gewohnt souverän, fast schon forsch agierenden Fuchsberger mit Bart erinnern, an unseren Eddi, der leider ziemlich genervt hat, und an Pikas Braun als Chinesen, gegen den Christopher Lees Ling Chu aus den Narzissen ja geradezu als eingeborenes Landeskind agiert. Aber Werner Peters Rolle als Stephen Narth war gut besetzt.
    Das Motiv der beiden feindlichen quasi Halbbrüder wurde aus dem Roman entnommen, weiterhin die Geschichte mit der geldbedingten Verheiratung von Clifford Lynn und Joan Bray sowie die Einführung des geldgierigen Stephen Narth bei Fin Su einschließlich der Zeremonie mit der Tötung des unter einem Laken liegenden Menschen und noch so dies und das Andere. Da es im Buch keinen mysteriösen maskierten Unbekannten gab, hat der Film auch darauf verzichtet, solche Klimmzüge wie etwa bei Das Rätsel der roten Orchidee zu veranstalten, um doch noch einen Whodunit zu produzieren. Fing Su ist im Roman nun kein Dr.-FuManChu-ähnlicher Schurke mit Weltherrschaftsplänen (das klingt nur mal ganz kurz an), sondern ein machtbesessener chinesischer Politiker, der seinen eigenen General samt Truppen im bürgerkriegszerrissenen China der zwanziger Jahre unterstützt und dazu Waffenschmuggel von England aus betreibt sowie allerlei kriminelle Aktionen durchführt. Im Film soll ja der Besitz des Schlange-Artefaktes dazu führen, die Herrschaft über die Weißen zu erlangen, was bei den paar Mann in Fing Sus Organisation kaum glaubhaft erscheint. Irgendwann nervt das ganze Gerangel um den "Schatz" nur noch, wobei die Handlung auch ein arg gebremstes Tempo vorlegt. Eigentlich ein Film eher zum Vergessen. Und die albernen Rassismus-Vorwürfe: solange die Gangster Weiße sind, regt sich doch auch niemend darüber auf, als ob die das Anrecht auf Verbrechertum gepachtet hätten. Was hätte man wohl gesagt, wenn unter der Froschmaske ein schwarzer Kopf gesteckt oder sich der grüne Bogenschütze mit Pfeil und Bogen doch tatsächlich treffenderweise als Rothaut entpuppt hätte :-) Dabei gibt es schon seit Jahrhunderten chinesische Verbrechergesellschaften, etwa die Triaden, die schon lange in Europa Fuß gefasst haben. Und die Japaner haben ja im zweiten Weltkrieg auch gezeigt, dass Asiaten sehr wohl größenwahnsinnige Pläne haben können. Allerdings sind Fing Sus Mannen mit ihrem Anführer weit davon entfernt, einen James Bond auf den Plan zu locken, da reicht dann auch unser Blacky...
    So bleibt trotz aller Bemühungen nur ein mäßiges Ergebnis.

    Persönliche Wertung: 1,5 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das Gasthaus an der Themse (Originaltitel: Die Gummimänner) ist einer der Romane aus der letzten Periode von Wallace' Schaffen. Im Entstehungsjahr 1929 gingen die "Goldenen Zwanziger" in jeder Hinsicht zu Ende, ein Jahrzehnt mit Wirtschaftskrise, Armut, Extremismus und letztlich Weltkrieg stand bevor. Die Gangsterrorganisation der "Gummibrüder", wie sie in der Übersetzung genannt werden, ist hier bei Wallace auch schon besonders skrupellos, schießt mit automatischen Waffen um sich, begeht Überfälle am hellichten Tag und ist auch sonst nicht zimperlich. Zahllose, oft auch ausländische Verbrecher, stehen in Diensten der Organisation, deren Führer jedoch Einheimische sind und seit Kindheit dem kriminellen Milieu zugehören. In dieser feindseligen Umgebung ist auch Inspektor Wade von der Flusspolizei, Sohn eines Polizisten, aufgewachsen. Es ist definitiv nicht die Gegend, wo man Lords und Ladies vermuten würde, wenngleich im Buch auch ein abgehalfterter Adliger eine Rolle spielt und dann irgendwann unsanft "entsorgt" wird. Das zwielichtige Hafen- und Themsemilieu, in dem ein großer Teil des Romans spielt, mit seinen Schmugglern, Dieben und Hehlern, seinen Kaschemmen und Spelunken, auch dem Elend und der allgegenwärtigen Gewalt hat nicht nur auf Edgar Wallace einen besonderen Reiz ausgeübt. Die Helden des Romans sind Teil dieser Welt, und der Film hat sich auch redlich bemüht, die spezielle Atmosphäre am großen Fluss einzufangen. Die Hafenkneipe "Mekka" mit Elisabeth Flickenschildt als Inhaberin Mrs. Oaks ist genauso, wie man sie sich auch als Leser vorstellt. Viele Boote, Schiffe und Nebelhorn-Getute tun ein Übriges. Doch es gibt zwei große Abweichungen zur Literaturvorlage. Aus der großen gummigekleideten und manchmal gasmaskentragenden Verbrecherbande ist ein Einzeltäter geworden, allerdings ebenfalls als harpunenbewaffneter Taucher in einem Gummianzug. Dieser Kerl stützt sich auf eine Reihe Unterweltgestalten, die sein Diebesgut verhökern und außer Landes schmuggeln. Doch während sich im Buch der scheinbar unterdrückte Ehemann von Mrs. Oaks und Kneipenwirt als der Chef der illegalen Gesellschaft entpuppte, so bleibt doch eine ähnlich angelegte Gestalt im Film letztendlich nur ein unbedeutender Handlanger für die Gauner, der eigentliche Haupttäter ist eine andere, hinzugedichtete Figur.
    Es gibt noch eine Menge andere Abweichungen, die allerdings kaum mehr ins Gewicht fallen als bei den anderen bisherigen Verfilmungen. Ich finde sogar, dass Das Geheimnis der gelben Narzissen noch viel größeren Änderungen bei der Verfilmung unterworfen war als das Gasthaus, das wesentlich mehr noch richtigen Wallace-Geist atmet. Die Geschichte von Lilas millionenschwerem Hintergrund wurde aus dem Buch übernommen, einige Hauptpersonen auf der Seite der Ganoven, die Siegel von Troja samt Kapitän sowie noch einiges mehr, doch auch ein Polizeispitzel namens "Gubanov Im- und Export" eingeführt und dafür Wades Helfer Inspektor Elk fallengelassen. Außerdem ist da noch der ewige Zeuge Barnaby, der trotz seiner Späße sogar ein wenig in Verdacht gerät. Aber – wie sollte er denn der Hai sein, wenn er von ihm von seinem Paddelboot gestoßen wurde ?
    Der Arzt Dr. Collins, der auf Honorarbasis auch für die Polizei arbeitet, ist im Prinzip die einzige Figur, die der Haupttäter sein kann. Außer seiner recht freundschaftlichen Beziehung zum Inspektor gibt es keine Verbindung zu den anderen Geschehnissen - fast keine. Immerhin war er ja in den 18 Jahre zurückliegenden Fall Pattison mit dem Brand und den vertauschten Kindern involviert. Kam ihm da der Gedanke, später das Erbe zu erschleichen ? Gab es da überhaupt schon den Hai samt seiner Helferbande ? Wohl kaum, hat er doch in der näheren Vergangenheit schon mal einen Harpunenmord begangen. (Wenn das so ist, so ist seine Mordrate im neuen Jahr ja potenziert.) Das ist aber auch ein Schwachpunkt der ganzen Geschichte: Warum bringt er eigentlich seine ganzen Helfershelfer um ? Weiß er von ihren versuchten Tricksereien hinter seinem Rücken ? Aber woher ? Warum bringt er Anne Smith um ? Dass sie anfing, mit der Polizei reden zu wollen, war zwar Oakes, Willy und Lane bekannt, doch hätten die ja dem "Hai" Bescheid geben müssen, dass er sie beseitigen soll, was sie wohl nicht getan haben werden. Überhaupt macht eben die aus dem Gesamtzusammenhang gerissene Geschichte mit dem Pattison-Vermögen überhaupt keinen Sinn, weil die anderen ihren großen Boss eben dann auch als Mitverschwörer hätten kennen müssen. Nein, sonderlich logisch ist die Sache wirklich nicht. Und sonst ?
    Woher weiß Kinski/Gubanov eigentlich, dass der Hai den Juwelierladen ausrauben will (wie anders soll man sein Grinsen deuten, mit dem er kurz zuvor das Schaufenster beglückt) ? Hätte man da nicht eine Falle stellen und den Wachmann retten können ?
    Weiterhin ist eigentlich das Auftauchen von Raggit Lane im unbequemen Taucheranzug im Anwaltsbüro völliger Unsinn. Wozu braucht er den, wenn er sich schon zu Büroschluss einschließen ließ ? Und dann noch die Taucherbrille… Hätte er für die Arbeit mit dem Schweißbrenner nicht eine dunkel getönte Schutzbrille aufsetzen sollen ? Und das Klatschnasse, soll das Schweiß darstellen ? Woher weiß der Hai den genauen Zeitpunkt, wann er aus dem Gulli auftauchen muss, um Lane zu erschießen ?
    Wenig sinnig ist ebenfalls, dass der Hai nach der Erledigung von „Nummer Siebzehn“ das Diebesgut am Schiffsrumpf hängen ließ, wo doch jetzt die Zusammenhänge der Polizei bekannt waren.
    Und dann die Kelleranlagen unter der kleinen Hafenkneipe zum Schluss… Da muss die Schänke doch mal von Fabrikgröße auf Häuschenformat zusammengeschrumpft sein, und die unterirdischen Anlagen sind nicht mitgekommen…
    Das sind halt wieder mal die üblichen Ungereimtheiten, die einem beim mehr oder weniger genauen Hinsehen auffallen. Und viele andere auch...

    Der Film vereint noch einmal alle Wallace-Klischees in sich, auf beste Weise, aber ich finde ihn kein bisschen englisch. Das ist wohl das, was mich neben seiner etwas zu ausgeprägten Routiniertheit am meisten stört, aber sicher Jammern auf hohem Niveau. Sehr innovativ sind sowohl der Taucher an sich als auch die Harpune als Mordwaffe. Da gab es in der Folge noch einige Filme, die ebenfalls auf diese Zutaten zurückgreifen. Die Musik von Martin Böttcher ist sehr charakteristisch und gelungen. Besonders das Thema, wenn der Hai bzw. seine Harpune irgendwo auftauchen, ist genial. Ich persönlich finde es ja immer, vorsichtig formuliert, sehr befremdlich, wenn mitten im Film Schauspieler plötzlich mit Singen anfangen. Doch hier passt Mutter Oaks‘ Darbietung ganz gut, auch wieder viel besser als ähnliches beim Narzissen-Film. Dass war wohl damals Zeitgeschmack.
    So bleibt einer der sicher besten Wallace-Filme übrig, mit kleinen Abstrichen hier und da.

    Persönliche Wertung: 4,5 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    @Count Villain

    Ich habe mir die Szene extra noch einmal angeguckt. Es ist Draches rechte Hand, die an etwas rüttelt oder zieht. Und da er rechts sitzt, ist es der Griff der Autotür und nicht die Handbremse. Und hinterher fasst er auch einmal kurz auf die Fahrbahn und sagt: "Das habe ich mir gedacht. Öl."

    Hm, das mit dem Türgriff kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Außerdem geht doch die Tür nur kurze Zeit später auf, als er mit seinem Assistenten aus dem Auto springt. (Wobei hier auch wieder die Frage auftauchen würde: Wer hat eigentlich den Türgriff manipuliert und wann ?)
    Ich denke mal, es soll schon die Handbremse darstellen. Und jetzt die Kombination: Würde sie funktionieren und wäre Öl auf der Straße, dann würde der Wagen ja ins Wasser rutschen. Aber er rollt ja bis zum Schluss, so dass die Bremse eigentlich nicht funktionieren kann.
    Bei genauer Überlegung allerdings muss ich Dir schon recht geben, offenbar war es doch der Kern des teuflischen Plans, den Wagen durch die Sperrung auf den Bootssteg umzulenken und dann durch das Öl auf dem Boden ins Wasser schliddern zu lassen. Ist halt nur nicht ganz so ingenieurtechnisch gefilmt worden...
    Aber wirklich die sinnvollste Erklärung. Wieder ein Rätsel gelöst...

  • Der Joker (1926)Datum24.01.2019 08:02
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Der Joker


    Erscheinungsjahr: 1926
    Originaltitel: The Joker


    Hauptpersonen:

    Stratford Harlow - Millionär mit zweifelhaften Ambitionen ("Der Joker")
    James Carlton - Inspektor bei Scotland Yard
    Aileen Rivers - Stenotypistin und Rechtsanwaltsgehilfin
    Arthur Ingle - vorbestrafter Schauspieler
    Mr. Ellenbury - Rechtsanwalt mit dunklem Punkt in seiner Vergangenheit
    Inspektor Elk - altgedienter Kriminalbeamter
    Joseph Layton - Außenminister von Großbritannien
    Saul Marling - ehemaliger Hauslehrer von Harlow
    Mrs. Edwins - Hausdame bei Harlow
    Annie Gibbins - Putzfrau
    Mr. Stebbings - Rechtsanwalt


    Handlung:

    In der Londoner Geschäftswelt ist Stratford Harlow als sehr zwielichtiger Mann bekannt. Der mehrfache Millionär hat den Vorsitz über ein von Strohmännern geleitetes Syndikat namens "Rata". Dieses ist immer mal wieder in den Ruf gekommen, an Spekulationen verdient zu haben, die man nur als gesetzwidrig bezeichnen kann. Mr. Harlow bezeichnet sich selbst als "Spaßmacher", ein Ausdruck, den er der Ganovensprache entlehnt hat. So treibt er gerne seine "Späße" an der Börse und im Handel, wobei seine Opfer das gar nicht lustig finden. Sein Reichtum wird immer größer, er selber hat wenig Mitgefühl mit seinen Mitbürgern, obwohl er manchmal für karitative Zwecke spendet und sogar der Stadt eine funkelnagelneue Polizeistation schenkt, mit welcher es im Endeffekt noch eine besondere Bewandnis haben soll. Für seine Aktionen nutzt er auch immer wieder Handlanger, etwa den ältlichen Rechtsanwalt Ellenbury, den er durch eine dunkle Geschichte seiner Anwaltskarriere erpresst, aber auch gut bezahlt. Neuerdings hat er offenbar auch den gerade wegen Diebstahls bestraften aus dem Gefängnis entlassenen Schauspieler Arthur Ingle, einen Berufsrevoluzzer, in seine Dienste gestellt. Das vermutet jedenfalls Inspektor James Carlton, der unentbehrliche jugendhafte Wallace-Held. Ihm zur Seite steht der stets zigarrenschnorrende und etwas sauertöpfische Inspektor Elk, dem Leser schon aus anderen Romanen, etwa dem Frosch mit der Maske (auf den er sich auch direkt bezieht) bekannt. Sein Schicksal ist es offenbar, der ewige Sidekick für die jüngeren Männer des Gesetzes zu sein, welche am Schluss die Dame ihres Herzens zum Traualtar führen können. Denn auch James Carlton hat natürlich eine in die Handlung eingewobene Angebetete mit Namen Aileen Rivers. Diese arbeitet bei dem Anwalt Mr. Stebbings, welcher Harlow auch schon von früher kennt, und sie ist zufällig weitläufig mit Arthur Ingle verwandt. Wie man sieht, wieder eine Menge Zufälle, aber es geht noch weiter.
    Es treten noch eine Putzfrau Mrs. Gibbins, eine Mrs. Edwins als Haushälterin sowie ein gewisser Mr. Marling auf, der der ehemalige Hauslehrer des jungen Harlow gewesen war. Alle standen oder stehen sie irgendwie in Beziehung zu dem reichen Mann. Den Mr. Marling verbirgt Harlow in seinem Hause in einem geheimen Zimmer, scheint ihm aber als einzigen Menschen auf der Welt tatsächliche Sympathie entgegenzubringen.
    Inspektor Carlton hegt ein tiefes Misstrauen gegenüber dem exzentischen Millionär und beobachtet sein Tun sehr kritisch, wobei freilich sein Antrieb nebulös bleibt. Tatsächlich bereitet Mr. Harlow seines neuestes, größtes Betrugsmanöver vor. Währenddessen gibt es in seinem Umfeld einen mysteriösen Todesfall, auf Inspektor Carlton wird ein Anschlag unternommen, doch die Ereignisse bleiben weiterhin verworren. Der Schauspieler und Onkel von Aileen, Mr. Ingle, scheint auf einmal der Filmleidenschaft verfallen. Plötzlich verschwindet nach einer seltsamen Rede im Parlament der Außenminister Sir Layton, und es scheint Krieg in der Luft zu hängen... James Carlton und sein Vertrauer Inspektor Elk mühen sich redlich ab, die Ereignisse zu entschlüsseln, währenddessen Aileen Rivers in tödliche Gefahr gerät. Doch letzten Endes geht alles gut aus, es gilt, wie meist, ein paar Identitäten zu tauschen, und auch der Joker treibt seinen letzten Spaß in England...


    Bewertung:

    Der Joker ist keiner der Wallace-Thriller mit maskiertem Schurken an der Spitze einer Verbrecherorganisation, sondern fällt mehr so in die Richtung von Ein gerissener Kerl oder Kerry kauft London. Das kann man mögen, oder auch nicht.
    Was ist der Joker nun eigentlich, ein Kriminalreißer, ein Unterhaltungsroman, eine Groteske ? Im Prinzip geht es nur darum, die Handlung auf den neuesten "Spaß" des Jokers zuzutreiben, der ihm wieder märchenhafte Gewinne an der Börse sichern soll. Da das, obwohl ungesetzlich, für einen Krimi nicht ausreicht, garniert es der Autor etwas aufgesetzt mit den üblichen Zutaten: ein Überfall auf den Inspektor, den er zudem nicht nur einmal in halsbrecherischer Aktion auf Häusern herumturnen lässt, es gibt eine offenbar gewaltsam zu Tode gekommene Putzfrau, deren Leiche in einem Kanal versenkt wurde, des weiteren allerlei Schriftstücke mit geheimnisvollen Botschaften, viele Unklarheiten in der Vergangenheit der Hauptpersonen usw. usw. Gegen Ende zu lässt Wallace noch einmal seiner Vorliebe für "geheimnisvolle" Häuser und Geheimgängen freien Lauf.
    Trotz allem, ein richtiger Thriller, bei dem man die Fingernägel kaut, ist das Buch nicht. Es erstaunt, dass der Inspektor dem Millionär monatelang einfach mal so hinterherspionieren kann, als hätte er nichts anderes zu tun. Tatsächlich lässt ihn auch Harlow gewähren, obwohl er ihm das Leben schwermachen könnte, wie er sagt. Er will ihn sogar bestechen, doch ein edler Scotland-Yard-Held ist darüber natürlich erhaben. Harlows Gesellschaft Rata ist in der City wegen ihrer Betrugsmanöver berüchtigt, es scheint so, als hätte es damals mehr Moral in der Bankenwelt gegeben, was man auch anzweifeln kann. Doch was treibt Harlow eigentlich an, dem der Autor sichtlich auch Sympathie entgegenbringt ? Ist er so eine Art Soros oder Buffett der wilden Zwanziger ? Doch weder politische noch wirtschaftliche Einflussnahme stehen auf seinem Programm, wie die Polizisten einmal konsterniert feststellen. Es geht ihm nur um das Geldverdienen als puren Selbstzweck. Die Tatsache, dass er, der reiche Kapitalist, sich des anarchistischen Ingle für seine Pläne bedient, rückt das Ganze, ob gewollt oder ungewollt, in die Nähe auch moderner Verschwörungstheorien.
    Man kann ebenfalls durchaus vermuten, dass die häufig kolportierte Geschichte, mit der Nathan Rothschild an der Londoner Börse im Zusammenhang mit Napoleons Waterloo ein Millionenvermögen verdiente, für den Joker-Plan Pate gestanden hat. Die von Laytons Rede ausgelösten Kriegsgerüchte mit Frankreich führen zu einer Panik an den Börsen und stark fallenden Kursen, sogar in der Wallstreet wird ein Chaos verursacht und Selbstmorde verübt. Das klingt doch schon sehr nach "Schwarzem Freitag", der aber erst drei Jahre später kam. Letzten Endes hat auch Harlow hier sein Schäfchen ins Trockene gebracht. Leider ist die Beschreibung der Auswirkungen seines Coups dann doch nur sehr kurz geraten. Sein unterdrückter, nervenschwacher Mitarbeiter Ellenbury plant seine eigene Flucht mit den Gewinnen, dabei kommt ihm die hübsche Aileen in die Quere, es gibt hier noch einige Aufregung zu meistern. Zwischendurch findet sich auch der verschwundene Außenminister an. Letztlich heftet sich jetzt auch die Polizei an Harlows Fersen, er begeht seine ersten schweren Fehler und landet sogar hinter Gittern. Einige der Rätsel im Dunstkreis des Millionärs werden überraschend aufgeklärt, der geheimnisvolle Marling aus seiner Wohnung kommt frei, doch der Joker wäre nicht der Joker, wenn er nicht noch einen letzten "Spaß" auf Lager hätte... Da ist Inspektor Carlton dann schon längst an der Seite seiner lieben Aileen einer rosigen Zukunft entgegengeschritten, denn auch hier setzt sich natürlich wieder die Liebe durch.

    Für einen richtigen Krimi-Liebhaber wird der Joker wohl eher enttäuschend sein, das Buch ist eher ein Kuriosum unter seinen Werken, allerdings liest es sich recht unterhaltsam und hat auch einige typische Wallace-Attribute.


    Buch:

    Vor langer Zeit habe ich mal die Goldmann-Taschenkrimi-Ausgabe gelesen, jetzt die Version des Scherz-Verlages mit knapp 200 Seiten und angenehmer Übersetzung.


    Verfilmung:


    Einen deutschen Wallace-Film der berühmten Reihe gibt es nicht. Es wurde mal in den neunziger Jahren ein Film unter diesem Titel gedreht, ebenso ein Hörspiel kreiert, doch beide haben mit dem Buch keine Gemeinsamkeiten.

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Die Tür mit den sieben Schlössern - alleine der Titel bürgt schon für allerlei Geheimnisvolles und Schauerliches. Tatsächlich ist Wallace' gleichnamiger Roman eine starke Vorlage, die viel Potenzial für eine direkte Übertragung hat, aber auch durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Das hat man dann auch so, meist geschickt, umgesetzt.
    Der Handlungsaufbau ist am Anfang recht sorgfältig, leider konnte das nicht bis zum Schluss durchgehalten werden. Ein immer wieder berechtigt geäußerter Kritikpunkt ist der Wegfall der Anfangsszene mit der recht brutalen Tötung eines gewissen Livingstone, die noch teilweise in einem Trailer erhalten ist. Hätte man da nicht irgendwie den Film wieder "zusammenstoppeln" können ? So wird dieser Mord immer mal erwähnt, was aber dem eigentlichen Handlungsverständnis nicht schadet.
    Heinz Drache gibt seinen (offiziellen) Einstand bei Wallace, schnodderig, arrogant und nicht sonderlich einfühlsam, auf keinen Fall der "gute Bulle". Als seine Sybil in Lebensgefahr ist, hat er immer noch Zeit, seinem Assistenten ein paar Kartentricks zu zeigen. Eddie Arent als sein Kollege Holmes ist wirklich mit trockenem Humor und wenig Alberei ausgestattet, was dem Film sehr gut tut. Immerhin findet er immer mal eine wichtige Spur, wie den Landsitz Selford Manor inmitten des großen Kreises, den er auf eine Landkarte gemalt hat. Auch Siegfried Schürenberg ist noch nicht so senil wie später, doch ein Chef, den man ernst nehmen sollte. Sabina Sesselmann ist eine sehr hübsche Blondine, die mir hier in ihrer Rolle wesentlich besser gefällt als in den "Narzissen", was aber sicherlich an den Filmen selber liegt. Die Schurken sind erste Garde. Am besten gefällt mir das Ehepaar Cody. Werner Peters als unterwürfiger, aber trotzdem gefährlicher Bertram Cody und Gisela Uhlen als seine herrschsüchtige und gierige Frau Emily sind schon ein schrecklich-schönes Paar. Der Anwalt Haveloc (Hans Nielsen) gibt auch einen akzeptablen Schurken im bürgerlich-väterlichen Gewand ab, doch bleibt er irgendwie zu sehr im Hintergrund, als dass seine Entlarvung notwendig erscheint. Dagegen ist Pinkas Braun als "Mad Scientist" Dr. Staletti natürlich ein Bösewicht ersten Ranges, einer meiner Lieblings-Wallace-Schurken.
    Allerdings, bei der jetzigen Sichtung muss ich auch zugeben, dass er es zum Ende doch sehr übertreibt. Bis dahin ist seine überlegen-kalte Intelligenz mit seinem diabolischen Grinsen wirklich eine Bereicherung, doch wenn er dann letztendlich überschnappt, ist das nicht nur eine Spur zu dick aufgetragen. Dagegen ist seine Kreatur Giacco nicht ganz so furchtbar wie der "Blinde Jake", trotzdem noch gruselig genug.
    Auch alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut, besonders drollig finde ich immer den alten Knaben mit der Schirmmütze am Eingang der Bibliothek, wo Miss Lansdown arbeitet. Wer ist das eigentlich ? Echt lustig !

    Die Handlung baut sich zum großen Teil recht logisch auf, natürlich gibt es auch, wie immer, einige Patzer.
    Warum vergiftet der Hausmeister den Priester am Anfang nicht gleich endgültig ? Wollte Dr. Staletti aus purem Sadismus selber noch die Spritze ansetzen ?
    Wer hat nun die Bremsschläuche des Polizeiautos von Dick Martin und Assistent Holmes durchgeschnitten, so dass dieses (schön vollgetankt) in den Fluten versank? Die Codies können es nicht gewesen sein, auch Staletti nicht, den sie erst später informieren konnten. Außerdem saß ja noch Mr. Holmes darinnen, als er auf seinen Chef warten musste, der gerade Mr. Cody verhörte. Das hätte Holmes doch mitbekommen müssen, aber vielleicht war er ja so voll und ganz mit dem Üben von Kartentricks beschäftigt... Trotzdem im Prinzip unmöglich.
    Eigentlich sollte es doch genug Zeugen geben, die wissen müssten, wer im Flugzeug neben dem Ermordeten gesessen hatte. Gab es da keine Sitzzuordnung der Karten ? Offenbar nicht, denn wie hätte Cody direkt seinen Platz neben dem von Silva organisieren können ? Na, wie auch immer, jemanden im Flugzeug umzubringen ist ja wirklich riskant.
    Dass Sybil Lansdown in ihrer Bibliothek ausgerechnet eng mit den Selfords verwandt ist, grenzt schon an einen schier unglaubwürdigen Zufall, geht aber auf Kosten des Autors.
    Natürlich ist es schon seltsam, dass Bertram Cody ein - auch noch manipuliertes - Taxi besitzt, mit dem er die nichtsahnende Sybil entführen kann. Das wurde ja schon angemerkt. Ebenso unverständlich ist die Überleitung zur nächsten Szene, wo Sybil offenbar halbbetäubt in der Dachkammer sitzt. "Sie hat nur das halbe Glas ausgetrunken", raunen sich die Codies zu (oder so ähnlich). was ist da eigentlich zwischendurch passiert ? Gab es da vielleicht mal eine andere Passage im Drehbuch, wo Sybil in das Haus der Codies gelockt wurde, also freiwillig dorthin ging, und dann dort betäubt wurde ? So war es jedenfalls im Originalroman. Vielleicht hat man die Taxi-Entführung erst im Nachhinein eingefügt.
    Und der vorgebliche Mordanschlag auf den Anwalt Haveloc... Natürlich hätte der doch die Abgase riechen müssen, auch das laute Geräusch beim Gasgeben bemerken müssen, wie es dann der Inspektor tat. Allerdings ist der ins Wageninnere geführte Abgasschlauch auch so ein unausrottbares Klischee für mysteriöse Morde oder Selbstmorde in Krimis.
    Die ganze Geschichte mit Dr. Staletti und seinen Pawlowschen Hunde-Versuchen am Menschen passt genaugenommen gar nicht recht zum Rest. Warum macht er das ausgerechnet gerade dann, wo es eigentlich mit anderen Dingen schon genug zu tun gibt ? Es wirkt so, als ob er das Experiment an Cawler geplant hätte, doch dessen Entführung durch Giacco hat sich doch eher zufällig ergeben. Und wem hätte er den Kopf von Cawler eigentlich transplantieren wollen ? Dem Affen ? Was wollte er da überhaupt machen ? Ob er, der kurz zuvor noch in großartiger Dr. Faustus-Geste den Totenschädel in der Hand hielt und Pläne schmiedete, dann wirklich so zusammenbrechen würde, das kann man wohl anzweifeln. Irgendwie wirkt das Ganze wirklich zu aufgesetzt. Aber so schlimm ist es halt auch wieder nicht.
    Ich frage mich auch immer wieder, wo plötzlich die uniformierten Polizisten herkommen, nachdem der verbrecherische Haveloc durch den Feuerlöscher außer Gefecht gesetzt wure. Hätten die nicht eher eingreifen können ?
    Und die vermoderte Leiche im Sarkophag... Obwohl die Zeitangaben im Film sehr schwammig sind, kann man doch wohl davon ausgehen, dass die Verschwörer ihr Spiel schon eine Weile treiben. Im Buch waren es wohl schon an die zwanzig Jahre. Da hätte doch kein erwachsener Toter im Sarg liegen dürfen. Aber das ist spekulativ. Allerdings wurde ja schon richtig angemerkt, dass der Schatz in der Gruft hinter der Tür mit den sieben Schlössern wenig Sinn macht. Die Verschwörer lebten ja von den angeblichen Geldüberweisungen an den jungen Selford aus dem von Haveloc verwalteten Erbe. Im Buch lag hinter der berüchtigten Tür ja ein von allen unterschriebenes Geständnis, damit niemand auf den Gedanken kommen sollte, die anderen zu übervorteilen. Doch, wie wäre es weitergegangen. Hätte man einen jungen Lord Selford aus dem Hut gezaubert und sich dann das Erbe untereinander aufgeteilt ? Die Codies wollten ja über Sybil Lansdowns Erbansprüche an das Geld kommen. Offenbar gab es da keine gemeinsame Strategie. Im Prinzip wurde die ganze Sache nicht zu Ende gedacht.

    Doch trotz aller tatsächlichen oder vermeintlichen Mankos - die Tür ist wirklich ein Film, der die liebgewonnenen Attitüden der Serie aufs Beste in sich vereint. Die Gebäude auf der Pfaueninsel passen wirklich gut in die Geschichte, nur das Geschrei der namensgebenden Vögel irritiert irgendwie. Die Kameraarbeit ist hervorragend. Schön die Passagen in Dick Martins Wohnung, die vorbeiratternden Züge, die rasselnde Uhr, die Erotik-Bar in der Nachbarschaft. Alles sehr stimmig gefilmt.Man hat sogar in einer Büro-Szene die "Skyline" von London, sprich Parlament und Big-Ben-Turm, als Hintergrundschatten eingefügt.
    Besonders gut choreografiert finde ich immer die Szenen in der Dachkammer der "ehemaligen Mühle von Selford Manor". Das Terrarium mit den vielen Schlangen ist albern (Vohrer scheint tatsächlich Schlangen-Fetischist gewesen zu sein), doch das Spiel von Licht und Schatten mit der schwankenden Lampe, wenn Mrs. Cody unbarmherzig die blonde Unschuld unter Druck setzt, ist echt meisterlich.

    Warum manche den Film langweilig finden, erschließt sich nicht, wahrscheinlich liegt es am zu Recht kritisierten Fehlen einer durchgängigen Filmmusik. Da wurde wirklich geschlampt. Doch auch hier gibt es Highlights, wenn Kinski als Lew Pheeny so unglücklich mit gebrochenen Augen aus dem Wandschrank fällt und die süßliche Barmusik herüberweht, oder auch das Ende von Mrs. Cody zu den Klängen von Bach.

    Die Tür ist so ein richtiger Wohlfühl-Wallace, wenngleich auch mit kleinen Abstrichen.

    Persönliche Wertung: 4,5 von 5 Punkten

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Sorry, wollte niemandem in Punkto Musikgeschmack zu nahetreten. Hab selber eine recht häufig gehörte CD mit den "besten deutschen Schlagern der 60'er" zu Hause, eine zugegebener Maßen heimlich gepflegte Leidenschaft...
    Ich finde nur, das Geträller des Herren im Film klingt echt so wie mindestens zehn Bier intus. Außerdem, zur Authentizität wäre wohl wirklich ein englisch klingendes Lied angebracht gewesen. Dass die handelnden Personen deutsch sprechen, ist ja gut so, auch die Schriftstücke, die ab und an in deutscher Schrift gezeigt werden, sind für das bessere Verständnis angebracht, aber müssen auch noch die Lieder aus dem Radio "eingedeutscht" werden ?
    Obwohl, auch die Gesangseinlagen der Damen aus Frosch, Narzissen und Gasthaus sind ja auf Deutsch. Wäre wohl schlecht angekommen, wenn die auf Englisch dargeboten worden wären.
    Aber das mit dem Schlager find ich echt übertrieben, da sind ja die "Peters" und "Michaels" noch harmlos...

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Na gut, aber was hat er davon ? Hat er den Rest des Geldes irgendwelchen Strohmännern oder Briefkastenfirmen überschrieben, auf die er dann zugreifen kann ? Wie sollte er das so einfach machen, ohne dass da irgendwelche Nachforschungen angestellt worden wären ? Vor allem, da die Polizei doch nun auch die Kontobewegungen auf Dorries Bank, seiner "Geldwaschanlage", begutachten konnte, da wäre das doch unbedingt aufgefallen. Obwohl sich die Polizisten nun nicht sonderlich schlau anstellen.
    Und warum hat er das überhaupt gemacht ? Einfach erben wäre doch nun das Beste gewesen. Wieso hätte man ihn verdächtigen sollen ? Er hätte sich ja als frischgebackener Halbmillionen-Erbe selber erpressen können, um den Verdacht von sich abzulenken...

  • Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema

    Das Rätsel der roten Orchidee bietet gleich als Filmtitel eine harte Nuss zu knacken. Um welches Rätsel ging es eigentlich ? Was ist daran rätselhaft, wenn ein (vorgeblicher) Orchideenforscher einer Frau ab und zu mal eine Vertreterin dieser hübschen Pflanzenfamilie verehrt ? Offensichtlich wollte man an den (wirklich rätselhaften) Erfolg von Das Geheimnis der gelben Narzissen anknüpfen, wobei der Buchtitel Gangster in London wirklich passender gewesen wäre. Und warum ausgerechnet eine "rote Orchidee" ? Die Farbe spielt nur insoweit eine Rolle, als er ihr beim zweiten Mal ein Exemplar mit gelben Blüten verehrt...
    Diesmal kann ich Gubanovs Besprechung voll und ganz zustimmen. Gangsterklischees und Albernheiten leider zuhauf. Wenig eigentliches Wallace-Feeling, allerdings an sich gesehen mal etwas Neues.
    Verwunderlicherweise hat noch keiner meiner Vorredner auf einen speziellen Rekord dieses Filmes hingewiesen: Er ist, zumindest unter den Schwarz-Weiß-Filmen, der mit dem höchsten Bodycount. Sage und schreibe 17 Leichen werden im wohl kürzesten Wallace-Film produziert, zumindest nach meiner Zählung. Doch auch hier gilt wieder, dass ein bloßes Stapeln von Toten nicht unbedingt positiven Einfluss auf die Spannung haben muss. Auch hier hat Eddi Arent als Todesbutler Parker einen seiner weniger gelungenen Auftritte, die Albereien sind dann doch zu stark.
    Doch es gibt auch Momente, die einen aus der zeitlichen Perspektive betrachtet schmunzeln lassen. Man stelle sich mal einen Tatort vor, wo der/die ermittelnde Kommissar/*In bei Nachforschungen etwa im Bereich gewisser ethnisch-religiös zuordenbarer Clans mit reichlich verächtlichem Tonfall darauf hinweist, dass das ja alles "landesfremde Elemente" sind. Den Aufschrei der Bessermenschen könnte man wohl bis über den großen Teich hören. Tatsächlich befleißigt sich die Polizei hier bei Wallace dieser Ausdrucksweise, um eine Erklärung für die Rücksichtslosigkeit der US-Gangstermethoden nahezulegen. Weiter spricht Fritz Rasp sorglos von seinem Neffen als "Zigeuner und Herumtreiber", aber auch das scheint die Gesellschaft der sechziger Jahre unbeschadet ausgehalten zu haben. Doch es gibt auch andere, vertrauter vorkommende Töne, etwa wenn das Bankgeheimnis außer Kraft gesetzt wird, da das ja "bisher nur den Gangstern genützt" hat. Doch dazu waren damals noch eine Menge Ausnahmeverordnungen mit tatsächlichem Einzelfallcharakter notwendig, da hat es der heutige Tatortschnüffler wesentlich leichter, mal eben die Kontobewegungen eines jeden zu checken.
    Die Gangster in diesem Film sind eigentlich das allergrößte Manko, denn sie wirken doch mit ihren schlichten Erpresserbriefen wie aus der Zeit gefallen. Möglicherweise haben sie ja in den "wilden Zwanzigern" mal so agiert, doch schon in den dreissiger Jahren kam eine neue Generation von Gangstern nach oben, die ihre schnurrbarttragenden Vorgänger in der "Nacht der langen Messer" (nicht zu verwechseln mit der in einer anderen zeitgleichen, noch größeren deutschen Gangsterorganisation) schonungslos ins Jenseits schickten. Erfolgreiche US-Gangster verdienten auch damals, zu Al Capones Zeiten, neben Schutzgelderpressung schon viel Geld mit illegalem Glücksspiel, Rauschgift, Prostitution, politischer Einflussnahme etc., selbst als das einträglichste Geschäft, Alkoholschmuggel, weggefallen war. Kerky Minelli, der "schöne Steve" und O'Connor sind doch eher Anachronismen und nicht die großen Bandenführer aus Chicago, die sie zu sein vorgeben, auch wenn O'Connor mit seiner Bande wie Al Capone in einem Hotelzimmer residiert oder Kerky Minelli wegen Steuerhinterziehung ausgewiesen wird, worüber ja der "große Al" bekanntlich auch gestolpert ist. Auch in ihrem Gehabe erweisen sich die Gangster trotz Maschinengewehr-Rumgeballer eher als Schmalspurganoven, denn was ist das für Gangsterboss, der sich in seinem Hotelzimmer einfach mal so ohne Warnung überfallen lässt ? Oder - Gipfel der Peinlichkeit - der große Kerky Minelli, welcher sich von seiner hysterischen Ehefrau dazu bequatschen läßt, wie ein stammelnder Schuljunge bei der Polizei anzurufen und sich für den Drohbrief an Miss Ranger zu entschuldigen. Das alles nur, weil ein bis dato unbekannter Orchideenforscher Mrs. Minelli ein paar Gruselgeschichten von Schrumpfköpfen erzählt. Würde so ein rücksichtsloser Verbrecherboss handeln ? Wohl kaum, doch es gibt auch durchaus glaubhafte Momente, etwa wenn sich Minelli so schön klischeehaft auf seinem Frisierstuhl rekelt und seinen Killer losschickt, um den vermeindlich abtrünnigen Babyface zu "rasieren". Auch sonst sehen die Verbrecher aus Amiland genauso aus, wie man sie sich vorstellt, wobei das Ganze nicht nur überzogen, sondern auch zuweilen recht real wirkt.
    Dabei hält sich auch dieser Film noch ziemlich nahe an den Roman, der auch ziemlich dünn ist (sowohl was Seitenzahl und Handlung betrifft), aber mit weit über zwanzig Dahingemeuchelten ebenfalls einen Wallace-Rekord aufstellt.
    Es musste allerdings den Konzepten der Serie getreu noch ein Whodunit hineingeschrieben werden, welches es im Roman gar nicht gibt, hier steht gleich fest, dass Kerky Smith (nicht Minelli) und Edwin Tanner die beiden Anführer sind. Dass dieser (Gangster-)Schuss nach hinten losging, liegt aber auch nur teilweise an der häufig kritisierten Anfangsszene, wo man Pinkas Brown schon an der Stimme erkennt. Als ich den Film damals zu DDR-Zeiten das erste Mal gesehen habe, ist mir das gar nicht aufgefallen. Auch beim Fälscher hat ja der Unbekannte hinter Glaswand mit seiner Originalstimme gesprochen, ohne dass das gleich ins Auge oder besser gesagt Ohr stach. Man kann Pinkas Brown ja auch von hinten erkennen, sogar das Gesicht sehen, wenn er auf Minelli schießt. Doch, wie schon richtig angemerkt wurde, wer sollte es denn sonst sein ? Das Versteckspiel des totgeglaubten O'Connor /Tanner sollte wohl dahin führen, dass sich dieser eine bürgerliche Existenz aufbauen wollte, nachdem er nochmal kräftig abgesahnt hatte. Eigentlich gar kein so schlechter Einfall des Drehbuches. Aber, wie der "Graf der Schurkereien" (schönen Gruß zurück) schon festgestellt hat, ist es unerklärlich, warum man so felsenfest von O'Connors Tod ausgeht. Hat dieser nach dem misslungenen Attentat einen seiner schon arg verunstalteten getöteten Kumpane noch restlos entstellt, seinen Ausweis und Zigarettenetui zugesteckt und dann über die Hintertreppe das Weite gesucht, und war die Polizei mit dieser einfachen Erklärung von O'Connors Tod dann zufrieden und konnte die Aktendeckel schließen ? Man weiß es nicht, aber sonderlich glaubwürdig ist es nicht unbedingt. Auch die erwähnte Sache mit O'Connors Unterschrift ist albern, genauso die Feststellung, dass Minelli aus O'Connors Maschinenpistole erschossen wurde. Woher wissen die Polizisten das, steht vielleicht das Signum des geheimnisvollen Obergangsters auf den Kugeln ? Und überhaupt - die Maschinenpistolen. Zumindest am Anfang bei dem Massaker im Hotelzimmer hat man sich ja Mühe gegeben, ein paar Kugeleinschläge und Chaos zu simulieren. Doch als der arme Fritz Rasp als Elias Tanner aus nächster Nähe von einem Kugelregen niedergemäht wird und später Eric Pohlmann als Kerky Minelli die Maschinenpistolengarbe abbekommt, da sollte schon ein bisschen mehr passieren als ein langsames Zusammensacken. Man kann und will in einem Edgar-Wallace-Film sicher keine zerfetzten blutüberströmten Körper sehen, aber so ganz ohne Spuren, das ist dann schon unglaubwürdig (Das Ende des Zinkers war da schon ein wenig gewalttätiger). Auch die Bomben im Film, bis auf die Autobombe, scheinen eher auf Kuschelkurs zu gehen, es reicht schon, wenn sich Minelli samt Frau hinter dem Sofa versteckt, wenn ein solcher Sprengkörper losgeht. Wobei die Bombe ja auch praktischerweise wieder so eine Verzögerungszündung hat wie bei der Gräfin. Vielleicht haben die Attentäter die ja im Ausverkauf bei dem gleichen Händler erworben... Und die Bombe in der Zigarrenkiste im Tabakladen des ,schönen Steve' schafft ja auch nur ein bisschen Unordnung und hilft der Polizei noch bei ihren Untersuchungen. Wozu sollte die eigentlich gut sein, außer den leeren Laden zu verwüsten und den Bandenkrieg von Neuem zu entfachen ? Ja, die Personen in dem Film agieren wahrlich nicht immer sinnvoll. Man muss es auch schlucken, dass sich das dümmlich-blonde Gangsterliebchen am Ende noch zur eiskalten Rächerin an ihrem "Kerkyschnäuzchen" wandelt, eine nicht unbedingt glaubhafte Charakteränderung. Und dem von Adrian Hoven verkörperten Inspektor Weston fällt als Ausgeburt polizeilicher Kompetenz nichts anderes ein, Lilian Ranger (von Marisa Mell gespielt) den Rat zu geben, doch die Türen zu verschließen, als sie ihm von dem Erpresserbrief der Gangster an ihren Chef erzählt. Da nimmt es auch nicht wunder, dass die Opfer nur so purzeln...
    Christopher Lee gibt den abgebrühten Cop aus Chicago, hart, wortkarg und unbestechlich, immer die Hand am Abzug. Seine Kollegen von Scotland Yard oder besser das Innenministerium müssen großes Vertrauen in ihn haben, denn wie könnte er sonst als ausländischer Polizist einen Durchsuchungsbefehl für den Laden des ,schönen Steve' bekommen ? Eigentlich egal, denn er nutzt ihn ja sowieso nicht.
    Der Gangsterkrieg zwischen den beiden Banden ist bei weitem nicht so blutig wie im Buch, wo sogar vollbesetzte Autos in Brand geschossen werden. Doch bietet er einen der größten Schrecken des Filmes - einen in einem Pub in voller Lautstärke abgenudelten kitschigen Schlager, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen und man sich wirklich fragt, was sich die Macher dabei gedacht haben. Warum sollte man in London einen drittklassigen deutschen Schlager hören, normalerweise läuft es doch (leider) immer andersherum.
    Es gibt auch eine Horde von Großwildjägern, die einfach mal nach Herzenslust herumballern dürfen und Flugzeuge vom Himmel schießen, was die öffentlichen Stellen offenbar sogar mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen. Da haben sich die Zeiten doch schon arg geändert, was das Recht auf Selbstverteidigung und die Wahl der eingesetzten Mittel angeht...
    Wenig sinnvoll ist auch der versuchte Mord an Dorries im Zugabteil inszeniert, ich denke nicht, dass ein geübter Killer mit seinem Messer mal eben so ins Dunkel drauflossticht und erst dann bemerkt, dass gar niemand im Bett liegt. Zur Vermeidung von Lärm hätte er sein Opfer wohl kurz angeleuchtet, und dann sicher in die Kehle gestochen. Aber da kenne ich mich auch nicht so aus...
    Es gibt sicher noch viele weitere Unstimmigkeiten, doch was für mich immer vollkommen unklar bleibt, ist der Hintergrund, warum Edwin Tanner das Testament gefälscht und alles auf Lilian Ranger übertragen hat. Um den Verdacht von sich abzulenken, wie er sagt. Er verzichtet also auf eine halbe Million Pfund, um seinem Onkel eine Lektion zu erteilen, weil der die zehntausend Pfund Erpressungsgeld nicht zahlen wollte ? Wieso sollte er überhaupt in Verdacht kommen, da zwischen ihm und den Gangstern ja erst Mal überhaupt kein Zusammenhang bestand. Ein besseres Alibi hätte er sich nicht wünschen können. Und war es nicht eigentlich Minelli, der den alten Tanner und später dann Miss Ranger erpresste ? Das kommt nicht so ganz klar rüber. Aber was wollte Tanner/O'Connor mit dem Originaltestament mit ihm als Haupterben machen, später vorlegen, wenn Gras über die Sache gewachsen ist ? Irgendwie fehlt da wirklich der Sinn.
    Dagegen ist die Szene, wo Inspektor Weston zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen den Killer "Babyface" vor seinen Kumpanen diskreditieren und mit voller Absicht in den Tod schicken, aus dem Roman entlehnt. Edgar Wallace hatte ja wenig Probleme mit Selbstjustiz, auch seine ansonsten tadellosen Polizisten bedienen sich ab und an ungesetzlicher Mittel, um Delinquenten zum Reden zu bringen. Häufig wurden diese Szenen in den Buchübersetzungen entschärft und aus den Verfilmungen ganz weggenommen. Dass sich hier im besprochenen Film auch die Polizei solcher schmutzigen Tricks befleißigt, soll wohl tatsächlich eine Referenz an die US-Gangsterfilme sein, die ja häufig demonstrieren, dass auch die Gesetzeshüter den Kampf gegen die Verbrecher nur bestehen können, wenn sie illegal agieren. So richtig hard-boiled also...

    Was bleibt nun vom Film. Eine Menge Albernheiten, eine Menge recht ungewohnte Action, eine Menge Leichen, eine Menge ungewohnte Darsteller, eine Menge Klischees. Langweilig würde ich den Film nun nicht bezeichnen, unterhaltsam ist er allemal. Hat leider wenig Wallacetypisches, doch das ist vielleicht auch dem Thema geschuldet.

    Persönliche Wertung: schlechte drei von fünf Punkten

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