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  • Edgar Wallace - Heute vor...Datum26.03.2022 21:19
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Edgar Wallace - Heute vor...

    Margaret Lane bezeichnet in ihrer Wallace-Biographie das erste Treffen zwischen Wallace und du Maurier als sehr bedeutungsvoll, wenngleich auch der Schatten eines ernsten Missverständnisses über ihnen schwebte. Aber du Maurier schaffte Wallace den Durchbruch als Schreiber von Theaterstücken, wobei er auch dafür verantwortlich war, dass der Titel des Stückes von "Der seltsame Fremde" in "Der Hexer" geändert wurde, was durchaus zum Erfolg beitrug. Zum ersten Mal verdiente Wallace an Theaterstücken ordentlich Geld, wobei er hier die Hälfte auch an du Maurier abtrat.

  • Zwei Non-Poirot-Marples der Queen of Crime

    Der letzte Joker (The Seven Dials Mystery – Erstveröffentlichung: 1929)

    Auf dem Landsitz Chimneys, der von dem phlegmatischen Adligen Caterham an den Industriellen Oswald Coote samt Gattin Maria und Sekretär Bateman vermietet wurde, will eine Gruppe noch recht junger und nicht unvermögender Leute ein paar unbeschwerte Tage verbringen. Darunter Caterhams Tochter Eileen, genannt „Bündel“, hier in ihrem zweiten und letzten literarischen Abenteuer. Eines Tages wacht der berüchtigte Langschläfer Gerry Wade überhaupt nicht mehr auf, er wurde vergiftet. Just in der vorangegangenen Nacht hatte ihm die reichlich kindische Urlauberbande einen Streich spielen wollen, was nach Wades Tod unerwartet mit sieben Weckuhren in seinem Zimmer endet. Es kommt noch schlimmer, ein anderer aus der Truppe fällt wenig später Lady Eileen erschossen vor das Auto. Nun beginnt die ungestüme Dame selber zu ermitteln, unterstützt von ihren Freunden Bill Eversleigh, Jimmy Thesinger und Wades Halbschwester Loraine, sowie anderen Figuren, hauptsächlich noch dem väterlich auftretenden Superintendent Battle. Eileen stößt auf den skandalösen Club Seven Dials, wo sie die Konferenz einer ominösen Geheimgesellschaft belauscht, die ist offensichtlich in die Todesfälle verstrickt und in Vorbereitung eines großen kriminellen Plans. Es geht um ein Treffen auf dem Sitz des Außenministers Lomax, wo ein deutscher Ingenieur eine Geheimformel verkaufen will. Eileen schafft es samt ihren Kumpels dort eingeladen zu werden, trifft auf die sehr attraktive und rätselhafte Gräfin Radzy und muss erleben, wie die Formel bei einem Überfall trotz aller Vorkehrungen gestohlen wird. Ein erneuter Besuch in Seven Dials endet gefährlich, doch natürlich werden die Schurken des Stückes festgestellt und es bleibt auch noch Zeit für ein bisschen romantische Gefühle…

    Dieser noch recht frühe Roman der bekannten Schriftstellerin führt den Leser abseits der gewohnten Denk-Detektiv-Gewässer entlang. Die Handlung ist verhältnismäßig turbulent, oft an der Grenze zur Albernheit, bedient sich einer Menge schon damals gängiger Klischees über maskierte Unholde, Geheimorganisationen mit Mitgliedsnummern und allerlei Agenten-Tobak. Kann eigentlich nur parodistisch gemeint sein und ist im Prinzip unbeschwerter Lesegenuss, wenn man mit dem Namen „Christie“ nicht was ganz anderes verbindet. Trotz allem gibt es einige Überraschungen, was die Identität der Verschwörer auf allen möglichen Seiten angeht, wenngleich man durchaus zumindest die Person des Hauptbösewichts erraten kann. Gerade ein Trick, den die Autorin Jahre später in ähnlicher und verfeinerter Form bei Tod auf dem Nil verwendete, kann den Leser auf die richtige Spur führen. Sie macht es einem diesmal allerdings nicht leicht, weil sie die Gedanken der meisten handelnden Personen für den Leser darlegt, keine einfache und bei Prüfung sicher auch nicht zu hundert Prozent wasserdichte Methode zur Verwirrung des Konsumenten. Nebenbei betreibt sie neben oberflächlich gezeichneten gelangweilten Upper-Class-Patrioten auch tiefgründig-ironischere Darstellungen einiger Figuren der High Society. Rein spannungstechnisch wäre sicher mehr drin gewesen, der fehlende Ernst der Erzählung schlägt halt immer wieder durch. Die Vielzahl der Personen mag für einige verwirrend wirken, produziert aber auch eine Anzahl Verdächtiger. Leider gibt es eine Menge Unglaubwürdiges festzustellen, hier ist es fast so wie bei Wallace, dass es eher auf Handlung als auf Logik ankommt. Der Schluss hätte dramatischer ausfallen können, im Prinzip ist es nur ein mittelmäßiger Beitrag der Engländerin, leichtfüßig (bzw. leichthändig?) geschrieben, für Fans allemal lesenswert.

    Der letzte Joker (ein großes ungelöstes Rätsel ist immer noch der Sinn des deutschen Titels) wurde 1981 als Zweiteiler im Heimatland verfilmt und ist bei uns unter dem originaleren Titel Das Geheimnis der sieben Zifferblätter herausgekommen. Ist sehr werkgetreu, leider in Teilen irgendwie auch ziemlich albern geraten (zumindest der Erinnerung nach).


    Als nächster ein ein Jahrzehnt später veröffentlichter Roman, der schon wesentlich finsterer daherkommt:

    Das Sterben in Wychwood (Murder is Easy – Erstveröffentlichung: 1939)

    Der nach seinem Kolonialdienst pensionierte, dafür aber noch recht guterhaltene Polizeibeamte Luke Fitzwilliam trifft auf einer Zugfahrt wieder daheim im Mutterland die ältere Miss Pinkerton, die ihm vom verborgenen Treiben eines Massenmörders in ihrem Heimatdorf Wychwood berichtet. Der frischgebackene Müßiggänger erfährt am nächsten Tag aus der Zeitung, dass die Lady auf dem Weg zu Scotland Yard einem Verkehrsunfall erlegen ist. Als er wenig später auch noch vom plötzlichen Tod des von seiner Zugbekanntschaft prophezeiten nächsten Opfers erfährt, beschließt er, in Wychwood private Ermittlungen anzustellen. Es gelingt ihm auf etwas konstruierte Weise, sich als Brauchtumskundler beim ortsansässigen Lord Whitfield einzuquartieren, einem bürgerlichen Aufsteiger, der durch „Yellow-Press“-Zeitschriften zu Wohlstand gekommen ist. Weiter ist da noch dessen Sekretärin und Verlobte Bridget Conway, für die sich auch Luke bald zu interessieren beginnt. Die junge Frau durchschaut auch bald Fitzwilliams Doppelspiel, sein auffälliges Interesse für ein Halbdutzend seltsame Unfälle und Krankheiten unter der Dorfbevölkerung in der letzten Zeit. Verdächtig macht sich vor allem der unangenehm weibische Antiquitätenhändler des Dorfes, der nächtens satanische Orgien feiern soll. Es gibt noch einen alten ehefrauenhassenden Obersten, einen sehr ehrgeizigen Dorfarzt der neuen Generation, einen fragwürdigen Rechtsanwalt und weitere Personen, die alle Grund gehabt hätten, wenigstens eines der vermuteten Mordopfer zu beseitigen. Ein weiteres Verbrechen geschieht. Da gibt die Ex-Verlobte des Lords, Miss Waynflete, einen entscheidenden Hinweis mit einem toten Kanarienvogel. Doch für die nun auch vom Detektivehrgeiz gepackte Bridget ist es fast zu spät…

    Agatha Christie führt den Leser hier wieder mal, auch ohne Miss Marple, in die scheinbar wohlfeile Dorfwelt, wo jeder jeden kennt. Doch die Idylle ist trügerisch, der bei seinen Nachforschungen nur langsam vorankommende Luke sieht sich im Laufe vieler Befragungen unter den Einheimischen mit einer Menge privater Vorurteile und Eifersüchteleien sowie dem in England ausgeprägten Klassendenken konfrontiert. Wobei er nicht ganz sicher ist, am Ende nur einem Phantom hinterherzujagen. Immer mehr Tatsachen über die offiziell abgehakten Todesfälle kommen ans Tageslicht, der unbekannte Serientäter ist in seiner Betätigung recht abwechslungsreich, als Mordinstrument dienen Hutfärbemittel, Leiterstürze, Schädlingsgift… Sogar das kranke Ohr einer Hauskatze sollte man nicht unterschätzen ! Aber wo liegt der Grund? Mehrfach gibt es auch Anspielungen auf Okkultismus, ein Thema, das die Autorin Zeit ihres Lebens zu faszinieren schien. In Fitzwilliam und seiner Begleiterin Bridget keimt allmählich ein Verdacht, als Whitfields aufsässiger Chauffeur von einer Steinskulptur erschlagen wird. Was ist mit dem eitlen kleinen Lord in Wirklichkeit ? Obwohl sie sich mittlerweile zugunsten Lukes von ihrem Arbeitgeber und Verlobten losgesagt hat, traut Bridget dem vermeintlich Offensichtlichen nicht so über den Weg. Doch sie ist schon lange in das Visier des Mörders geraten, das Ganze entpuppt sich als ein Abgrund aus verdrängter Leidenschaft, Standesdünkel, Neid und Rachsucht. Der Tätertyp ist für Christie nicht ganz untypisch. Obwohl das Buch seine Längen hat, schafft die Plotstrickerin es meisterlich, eine immer bedrohlicher wirkende Atmosphäre zu schaffen, wobei das Thema Serienkiller zu dieser Zeit noch nicht so ausgelutscht war wie heute. Am Vorabend des zweiten Weltkriegs war auch in Merry Old England die Welt alles andere als heil, könnte man meinen. Ein lohnenswerter Krimi, in dem auch Superintendent Battle seinen vorletzten Auftritt hat.

    Von einigen Versuchen, den Stoff zu verfilmen, ist der 1982 gedrehte Film Mörderische Leidenschaft mit einigen bekannten Akteuren am authentischsten zum Roman hin, wenngleich er in der modernen Zeit spielt und Luke Fitzwilliam als Computerfachmann agiert, was Mrs. Christie sicherlich etwas irritiert hätte.

  • Edgar Wallace - Heute vor...Datum11.03.2022 13:37
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Edgar Wallace - Heute vor...

    Mal ein eher leicht verspäteter persönlicher Einschub: Gestern vor genau einhundert Jahren wurde das erste Mal „The Crimson Circle“ in The People’s Story Magazine veröffentlicht. Das ist mein Lieblingsroman von Edgar Wallace, da befinde ich mich auch in guter Gesellschaft etwa mit dem bekannten Literaturkritiker und Schriftsteller Julian Symons, der das Werk ebenfalls für das wohl beste des Autors hielt.
    „The Crimson Circle“ wurde unter mehreren Titeln ins Deutsche übersetzt („Der rote Kreis“ ist am bekanntesten) und insgesamt viermal verfilmt, zwar nicht so oft wie „Der Hexer“, aber doch schon recht viel, was auch für seine Beliebtheit spricht, die deutsche Nachkriegsverfilmung von 1959 war die letzte. Im Grunde beinhaltet der noch ziemlich frühe Reißer des Altmeisters alles, womit er wenige Jahre später als Thrillerkönig bekannt geworden sein dürfte.
    Sollte man mal vielleicht im Hinterkopf behalten, dass die meisten auch im Forum bekannten Krimis in den auch schon damals nicht so sehr goldenen Zwanzigern entstanden sind und nun in der nächsten Dekade auf ihr Hundertjähriges blicken können…

  • Rückblende - Der Filmklassiker-PodcastDatum21.02.2022 15:37

    Zitat von DanielL im Beitrag #39
    Wie schon hier (Tod auf dem Nil (2022)) kurz angerissen, geht es heute um diesen großen und außerordentlich prominent besetzten Kriminalfilmklassiker:

    Rückblende - Episode 15 vom 20.01.2022
    Thema: Tod auf dem Nil (GB 1978) mit Peter Ustinov, Regie: John Guillermin


    Schön, dass ihr diesen Krimi-Klassiker auch besprochen habt. Hat er echt verdient. Geschmackssache ist sicherlich, dass ihr ihn nur hinter den beiden anderen Glamour-Christies gestellt habt. Für mich hat er eindeutig die Nase vorne. Natürlich ist er sehr weitschweifig, besonders am Anfang, was aber sicherlich auch Agathas Roman geschuldet ist. Den hab ich vor recht kurzer Zeit das erste Mal gelesen und war doch über die relativ zahlreichen Abweichungen zum Film erstaunt. Etwa, dass Colonel Race (ein wiederkehrender Charakter im Werk der Schriftstellerin) nicht im Auftrag einer Versicherung unterwegs war, sondern – viel wichtiger – im Dienste seiner Majestät, auf der Suche nach ägyptischen Terroristen (oder halt, je nach Auslegung, Freiheitskämpfern).
    Es gab sogar mehr Figuren als im Film, wobei die hübsche Rose einen jungen Mann abbekam, der nicht im Film auftrat, aber anstatt Mrs. van Schuyler in den Perlendiebstahl verwickelt war. Cornelia, eine weitere junge Frau, ehelichte am Ende den älteren fleißigen Dr. Bessner, sehr zum Leidwesen des großmäuligen Revoluzzers Fergusson. Das entsprach wohl eher Mrs. Christies Werteeinstellung. Sicher gab es noch viele andere Abweichungen, am augenfälligsten aber ist das Ausmaß, mit dem im Film eine ganze Schiffsladung von Verdächtigen produziert wurde. Da wollte man wohl an den Orient-Express-Fall anknüpfen. Im Buch waren es wesentlich weniger Mitpassagiere, die ernsthaft unter Mordverdacht gerieten, allen voran natürlich der betrügerische Anwalt Pennington. Der hat auch, meiner Ansicht nach eindeutig, den Mordanschlag auf Linnet Ridgeway und ihren Mann in dem Tempel verübt. Das kam auch im Film so rüber, finde ich.
    Derlei Ausschmückungen gab es auch in «Das Böse unter der Sonne» (etwa der Schuss der «Mittagskanone») oder auch in «Rendezvous mit einer Leiche» (etwa ein zweiter Mord).
    Und die Filmmusik von «Tod auf dem Nil» finde ich meisterlich. Die Streicher am Anfang, die das Stampfen des Schiffsmotors versinnbildlichen, mit dem folgenden unheilvollen Grundthema, das alles hat schon chic.
    Sehr lobenswert von Euch Rezensenten, dass ihr diesen Filmen einen gebührenden Platz zuweist.

  • Der schwarze Abt (1926)Datum13.11.2021 15:57
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Der schwarze Abt (1926)

    Der schwarze Abt ist ein Buch, das ich recht schwach in Erinnerung hatte. Vor einigen Jahren nochmal gelesen, hat sich da die Meinung nicht wesentlich geändert. Ein Großteil der Handlung wird darauf verwendet, die Erpressungen und Abhängigkeiten von Gine und Gilder sowie anderen Protagonisten zu beschreiben, die sich ja letzten Endes alle in Rauch auflösen. Das Ende ist mega-versöhnlerisch, der Film ist da "härter", allerdings in seiner verworrenen Handlung nicht unbedingt besser. Das Buch wirkt irgendwie hastig zusammengeschludert, Wallace scheint dringend Geld gebraucht zu haben. Ist bei anderen seiner Bücher nicht ganz so auffällig.
    Ein paar Einfälle sind schon recht nett, das Ende ist spannend und die Schatzsuche mit alten Karten, Büchern und dunklen Familiengeheimnissen schön phantasievoll ausgedacht, auch Harrys Ende mit der Flasche "Lebenselixier" in der Hand ist ziemlich makaber und für Freunde schwarzen Humors sicher bereichernd.
    Trotzdem, ein Knaller ist die Saga um den geheimnisvollen Kapuzenträger nicht gerade.

    Zitat von Savini im Beitrag #11
    Übrigens: Kann es sein, dass Edgar Wallace eine Abneigung gegen Intellektuelle hatte? Der körperlich schwache Verstandesmensch Harry Alford wird von ihm immerhin als weinerliches, wehleidiges und überspanntes Muttersöhnchen der Lächerlichkeit preisgegeben.

    "Intellektuelle sind Männer, die behaupten, es gäbe etwas Interessanteres als Sex", so oder so ähnlich soll sich Wallace ja mal geäußert haben. Liest man Margaret Lanes Biographie über den bekannten Autoren, kann man sich des Verdachtes nicht erwehren, dass King Edgar Frauen gegenüber nicht gerade abgeneigt war. Ergo hatte er wohl für Intellektuelle nicht die großen Sympathien, schließlich war er ja auch nur ein einfaches Arbeiterkind, das "nach oben" gekommen war. Sicher hat er die anderen aber auch heimlich beneidet oder bewundert, wenngleich Graham Greene ja beschrieben hat, dass sich Wallace nicht bemüßigt gefühlt hat, die "besseren" Schriftsteller nachzuahmen, sondern zu seiner eigenen Art gestanden hat. Was ja nicht der schlechteste Charakterzug ist.
    Aber in Hinsicht auf Harry Chelford treten auch wieder die typischen Wiedersprüche in der Schreibe von E.W. auf. Wo es in die Handlung passt, lässt er Harry plötzlich einen der besten Läufer vom College gewesen sein und weiterhin einen Meisterschützen, was mit der sonstigen Schilderung ja gar nicht übereinstimmt.

    Wenn man die Übersetzungen vergleicht, fällt auf, dass bei Heyne einiges steht, was bei Goldmann fehlt, allerdings bietet gerade auch die Gregor-Müller-Taschenkrimi-Ausgabe einige Passagen, die man nun wieder bei Heyne vergeblich sucht. Überall nur Stückwerk. Vielleicht sollte man als Neuleser da zur Auflage des DDR-Kiepenheuer-Verlags greifen, die zur Wendezeit herauskam. Normalerweise waren diese Übertragungen ins Deutsche immer recht hochwertig und vollständig.

  • Aufklärung könnte hier die Heyne-Übersetzung von The Crimson Circle geben. Dort lässt Derrick Yale wenigstens zweimal den Ausdruck "en route" fallen, was französisch ist (Yale hatte ja lange in Frankreich gelebt) und soviel wie "auf dem Weg" bedeutet. In den Übersetzungen anderer Verlage ist der Ausdruck allerdings ins Deutsche übertragen worden.
    Zumindest scheint mir diese Erklärung wahrscheinlich.

  • Ein kleines Stiefmütterchen als Namensgeber eines Hotels. In so einer blutigen Geschichte ! Wieder was dazu gelernt.

  • Backkataloge großer LabelsDatum03.10.2021 21:25
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Backkataloge großer Labels

    Amen.

  • Backkataloge großer LabelsDatum01.10.2021 21:48
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Backkataloge großer Labels

    Natürlich stellt sich niemand hin und ruft zum Deutschmichel hin: "Du wirst jetzt enteignet". Offensichtlich hat man da, sicher unberechtigterweise, noch etwas Angst vor dem Volkszorn. "Enteignung" ist nur das Schlagwort für Populisten, etwa im Hinblick auf Vermieter oder am besten "die Reichen" . Das findet der kleine Mann halt gut, ihm selber als erklärten Nichtreichen soll so offensichtlich lieber nichts genommen werden. Noch soll die Fassade der Demokratie etwas erhalten werden. - Man zahlt etwa für sein gespartes Geld Strafgebühren, Negativzinsen, bekommt immer mehr Steuern draufgebrummt, und die Inflation tut ihr Übriges. Ab und an eine kleine Währungsumstellung. Aber doch keine Enteignung !
    Häuser oder Autos werden mit immer mehr Kosten belegt, die Gesetze werden in dieser Hinsicht immer unfreundlicher und drangsalierender, so dass man am Ende "freiwillig" drauf verzichtet und die Sache verlustreich verkauft. Und so weiter und so weiter... Das ist nun mal der Trend, den die eigentlichen Herrscher, also nicht unsere Politiker, vorgeben.
    Selbstredend macht das auch und gerade vor den Speichermedien nicht halt. Irgendwann rechnet ein kleines Mädchen mit Kulleraugen aus, wieviele Eisbären, Wale und vielleicht auch Gelbbrust-Aras noch leben könnten, wenn es nicht so viel DVD-Müll geben würde. Ganz klar, das Teufelszeug muss weg ! Ist ja für alle besser so, auch auf jeden Fall wegen dem Klima. Also nur noch Streaming. Alles viel smarter. Gut, ich muss vielleicht Grundgebühren berappen, um überhaupt was zu kriegen, jede Menge Mitgliedschaften irgendwo bezahlen, dann kann ich das Medium nur gegen Salär nutzen , und im Ernstfall wird mir bei Zahlungsunfähigkeit einfach der Zugang gesperrt, oder vielleicht als Strafe, weil ich im Internet irgendwo böse "Verschwörungstheorien" veröffentliche - soll's ja geben. Eine Menge Geld ausgegeben und am Ende gar nichts in der Hand - schöne neue Welt. Kein Zufall, dass das gerade in diesem Bereich der Filme, Musik usw. schon so offenkundig wird, denn die "Digitalisierung" ist ja der neueste Schrei, mit der der scheinbar alle Probleme der kommenden Zeit gelöst werden sollen. Bietet sich ja geradezu an. Die Bedingungen des Zur-Verfügung-Stellens, also der Nutzungsrechte, diktieren tatsächlich die Großkonzerne, selbstverständlich im Interesse der Menschheit, weil sie einfach aus Liebe gar nicht anders können...
    Ist ja schon gerade in der digitalen Welt gängige Praxis und breitet sich weiter auf andere Gebiete aus. Dazu gab es noch vor einigen Jahren sogar in der Mainstream-Presse recht kritische Anmerkungen und Prognosen.
    Letztlich liegt es an jedem einzelnen und seinem Handeln, wie die Zukunft in dieser Hinsicht wird, auch wenn es sich nur um eigentlich nebensächliche Dinge wie einen gemütlichen Filmabend handelt. Ist jedenfalls meine Meinung, die aber genau so falsch oder richtig sein kann wie alle anderen.

  • Backkataloge großer LabelsDatum29.09.2021 09:12
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Backkataloge großer Labels

    Zitat von Havi17 im Beitrag #17
    Insgesamt betrachtet führt der Verlust an physischen Medien immer mehr zu Enteigung.

    Ob es da mit den Aussagen eines gewissen Herrn Schwab eine gewissen Zusammenhang gibt ? "Du wirst nichts besitzen, und du wirst glücklich sein." Nur mal so in den Raum gestellt...

  • KlappentexteDatum21.08.2021 21:35
    Foren-Beitrag von Dr. Oberzohn im Thema Klappentexte

    Von mir nochmal eine Anmerkung zum Klappentext vom "Indischen Tuch". Wie Savini schon bemerkt hat, ist der von Goldmann ziemlich unsinnig, da er den Schwerpunkt auf eine im Gesamtkontext absolute Nebenszene legt:


    Mr. Briggs hörte einen furchtbaren Schrei. Kurz danach sah er im schwachen Mondlicht einen Mann, der eilig näher kam. Aber der hatte offenbar nichts gehört. Dann fand Briggs im Gebüsch einen Toten. Höchste Zeit für Mr. Briggs, sich aus dem Staube zu machen! Sicher, er war unschuldig am Tod dieses Fremden – aber in seinen Taschen hatte er Falschgeld. Bündelweise...!


    Hier zum Vergleich der Klappentext vom Scherz-Verlag:

    Der furchtbare Schrei dringt Mr. Briggs durch Mark und Bein. Wenig später entdeckt er am Rande eines Feldwegs eine Leiche. Mr. Briggs gilt als ehrenwerter Mann. Doch statt die Polizei zu holen, flüchtet er in panischer Angst. Denn in seinen Taschen steckt bündelweise Falschgeld...

    Was sagt uns das ? Der Klappentext-Entwickler von Scherz ist offenbar nicht in der Lage, sich aus der Goldmann-Übermacht zu lösen und eine im Kern sinnvollere Inhaltsbeschreibung zu geben. Immerhin hat er zumindest die ersten Kapitel des Buches gelesen, da er ein paar neue Einzelheiten mitzuteilen vermag, etwa den Leichenfundort Feldweg. Und -als ganz besonderes Schmankerl- verrät er dem potenziellen Leser, dass Mr. Briggs als ehrenwerter Mann gilt. Dafür noch mal die betreffende Stelle aus dem Roman:

    Ein gewisser Briggs, mit einem erheblichen Vorstrafenregister belastet [...] hielt sich in Marks Thornton auf.

    Hm, dass die Briten recht exzentrisch sein sollen, ist ja bekannt, aber dass ein Mann mit einem langen Vorstrafenregister in England als "ehrenwert" gilt, setzt ja allem die Krone auf.
    Jo. Ziemlich peinlich.

    Ich möchte aus gutem Grund auch noch einmal auf die schon erwähnte Zusammenfassung unseres leider ausgeschiedenen Forums-Kollegen Gubanov zu sprechen kommen:

    Lord Willie Lebanon hätte jeden Grund, glücklich zu sein. Seine Heirat mit der schönen Isla ist beschlossene Sache und er regiert als Herr auf Schloss Marks Priory. Doch halt – tut er dies wirklich? Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass der schwächliche Lord nichts zu sagen hat. Seine Mutter überwacht die Vorgänge auf dem alten Adelssitz mit eiserner Hand. Ihr Verbündeter, der undurchsichtige Dr. Amersham, steht ihr dabei in seiner vollen Arroganz zur Seite. Ein ums andere Mal entlassen sie Dienstboten, die ihnen unbequem werden, wenn sie sich mit Willie anfreunden. Die düsteren Diener Gilder und Brooks hingegen scheinen sich alles herausnehmen zu können. Als der Chauffeur Studd schließlich ankündigt, er wisse dunkle Details aus Dr. Amershams Vergangenheit als Armeearzt in Indien, dauert es nicht lange, bis seine Leiche nahe Marks Priory gefunden wird. Er war auf dem Weg zu einem Dorffest – seine Kostümierung: ein Inder. Erdrosselt wurde er mit einem indischen Tuch. Als die Scotland-Yard-Ermittler Tanner und Totty die Spurensuche im Schloss aufnehmen, verwickelt sich vor allem Lady Lebanon in Widersprüche. Was hat sie zu verbergen – und was verbirgt sich hinter der verschlossenen Tür?

    Kein schlechter Beitrag vom alten Gewürzspezialisten, aber was sagt der Klappentext der Neuausgabe des Krimis aus dem Anaconda-Verlag ? :

    Lord Willie Lebanon, Herr auf Schloss Marks Priory, könnte ein glücklicher Mann sein. Doch das Geschehen auf dem Adelssitz hat seine Mutter fest im Griff, und sie wiederum bedient sich der Hilfe des undurchsichtigen Dr. Amersham. Bis eine Leiche gefunden wird: Der Chauffeur war, als Inder kostümiert, auf dem Weg zu einem Fest und wurde mit einem indischen Tuch erdrosselt. Bei ihrer Spurensuche nehmen Tanner und Totty von Scotland Yard zunächst Lady Lebanon ins Visier: Was hat sie hinter der verschlossenen Tür im Obergeschoss zu verbergen?

    Tja, irgendwie fällt hier ja doch was auf, finde ich mal.

    Was lernt man daraus? Möglicherweise, dass Klappentext-Entwickler zumindest bei Wallace-Büchern nicht mit Erfindungsreichtum gesegnet sind und sich gerne mal auf vorgekaute Vorlagen stützen, vielleicht?

  • 3 Krimis in einem Band
    Benimm Dich, Mädchen und zwei weitere Romane - Eduard Kaiser Verlag

    Brett Halliday - Nach dem dritten Martini (She Woke to Darkness ; 1954 ; ca. 170 Seiten)

    Brett Halliday (1904-1977) verlor frühzeitig ein Auge, ging als Jugendlicher zum US-Militär, später wurde er nach abgeschlossener Ausbildung Ingenieur und führte drei Ehen. Er fing an zu schreiben, wobei sich der Erfolg erst nach einiger Zeit einstellte. Am bekanntesten aus seinem umfangreichen Werk wurde der Privatdetektiv Michael Shayne.

    Im vorliegenden Roman lernt der Autor selber auf dem jährlichen Krimi-Schriftsteller-Treffen in New York eine attraktive junge Frau, Elsie Murray, kennen, mit welcher er zu vorgerückter Stunde nach dem Genuss etlicher Alkoholika in deren Wohnung landet. Aus dem erhofften Schäferstündchen wird wegen eines verstörenden Telefonanrufes leider nichts, der der Dame die Laune verdirbt. Kurze Zeit später, Halliday ist wieder auf seinem Hotelzimmer, ist sie tot - ermordet. Der Schriftsteller ist sich sicher, dass die Sache mit der Geschichte zusammenhängt, die in dem angefangenen Manuskript beschrieben wird, welches er ihr zuliebe zu lesen angefangen hatte. Die Tote hatte mit verfremdeten Namen und Orten ein selbst erfahrenes Erlebnis geschildert, wie sie sich nach einer wilden Party irgendwann halbnackt mit einer unbekannten männlichen Leiche in einem Hotelzimmer wiederfand. Zu viel Alkohol hatte bei ihr oft die Wirkung eines "Filmrisses", ebenso aber das Verlangen, mit irgendwelchen Männern ins Bett zu gehen. Die Niederschrift fasst die Vorgeschichte und späteren Ereignisse um dieses Erlebnis mit einigen Partygästen auf, dann bricht sie ab. Mittlerweile fühlt sich Halliday in arger Bedrängnis, selbst unter Mordverdacht zu geraten. Er konsultiert einen alten Kumpel in New York und zusätzlich seinen (angeblich) real existierenden Helden Mike Shayne, der aus Miami so schnell er kann anreist. Gemeinsam fangen sie mit den Ermittlungen im Kreise von Elsies Bekannten an, zu denen auch nicht sonderlich liebenswerte Krimischreiber gehören. Als Halliday plötzlich verschwindet, lässt der ohnehin nicht zartbesaitete Hüne Shayne die letzten Hemmungen fallen, die Verdächtigen auf seine spezielle Art zu verhören. Aber am Ende fügt sich alles glücklich und logisch zusammen, die Rätsel entwirren sich, der Mörder hat keine Chance...

    Das Buch bietet gewissermaßen etwas experimentelle Schreiberei, wie es auch schon andere Autoren taten. Von der Ich-Form des Kriminalschriftstellers wird zur niedergeschriebenen Ich-Erzählung des Opfers gewechselt, dann wieder zur dritten Person, als sich Mike Shayne einschaltet. Trotzdem kann man der Handlung jederzeit folgen. Sicher, Halliday macht etwas unverfroren Eigenwerbung, doch da kann man ein Auge zudrücken. Übelkeit erregend sind die Mengen an alkoholischen Getränken, die die Beteiligten in sich hineinschütten, wenn sie mal nicht gerade beim Zigarettenanzünden sind. Und der Verschleiß an Geschlechtspartnern ist ebenso immens. Elsie mit ihrer Mischung von Amnesie und Nymphomanie nach einer gewissen Anzahl von Drinks (hier: Nach dem dritten Martini...) reizt gewisse Klischees ganz schön aus. Aber möglicherweise lebten manche Leute damals, im offiziell prüden Amerika, wirklich so. Mike Shayne, der Seriendetektiv, ist jetzt besonders rüpelig. Mit subtilerer Vernehmung der Verdächtigen im Umkreis der Ermordeteten gibt er sich gar nicht ab, mit Drohungen, Einschüchterungen und tatsächlicher körperlicher Gewalt kommt man halt schneller zum Ziel. Natürlich sind die Typen allesamt widerlich, weiche, perverse Schreiberlinge, denen man mal so richtig zeigen muss, wo der Hammer hängt. Shayne muss halt stets den harten Burschen herauskehren, daneben kann er aber auch durchaus logische Schlüsse ziehen, die Ermittlung des Mörders ist auch in diesem seltsamen Fall durch den Gebrauch des "Köpfchens" gemacht. Welche Figur aus Elsies begonnenem Buch entspricht welcher realen Person ? Wer hat wo gelogen ? Die Begebenheit um ein Telefonat kann den geübten Leser auf die richtige Spur bringen, doch wird man schnell wieder abgelenkt. Die Auflösung ist dann doch gut nachvollziehbar, wenngleich Motiv und manches andere nicht völlig überzeugen.

    Nach dem dritten Martini ist nicht unbedingt ein Meisterwerk in Hallidays Schaffen, doch wie stets ein solide konstruierter Krimi mit reichlichen Zutaten der "harten Schule".


    Rex Stout - Die Gummibande (The Rubber Band ; 1936 ; ca. 220 Seiten)

    Rex Stout (1886-1975) arbeitete in den USA in sehr vielen Berufen und begann erst relativ spät zu schreiben. Nebenher war er politisch sehr aktiv. Er verfasste zahlreiche Bücher. Berühmt wurde er durch seine Kriminalromane um den orchideenzüchtenden dicken Privatdetektiv Nero Wolfe und dessen rechte Hand Archie Goodwin.

    Nero Wolfe und Archie Goodwin sollen einen Diebstahl im Gebäude der New Yorker Küstenprodukte AG aufklären. Verdächtig am Klau von 30.000 Dollar ist die Sekretärin Clara Fox, jedenfalls nach Meinung des zweiten Mannes im Unternehmen, Muir, während der Präsident namens Perry an die Unschuld der schönen jungen Frau glaubt. Kurze Zeit später wird ein Besucher der Wolfeschen Detektei nach Verlassen derselben aus einem Auto heraus erschossen. Er gehörte zu einer Gruppe von Personen, welche hinter einer größeren Geldsumme her sind. Vor vierzig Jahren, als der Westen noch recht wild war, retteten einige Leute, die sogenannte Gummi-Bande, einem zur Hinrichtung verurteilten Burschen das Leben, der daraufhin versprach, sein zu erwartendes großes englisches Erbe mit ihnen zu teilen. Tatsächlich scheint der gerade in diplomatischer Mission im Lande weilende Lord Clivers mit dem ehemaligen Todeskanditaten identisch, Wolfe soll im Interesse der Überlebenden der Gummi-Bande und deren Erben einen größtmöglichen Geldbetrag herausschlagen, nur der Anführer "Gummi-Coleman" fehlt. Zum Kreis der Klienten zählt auch wundersamerweise die bezaubernde Miss Fox. Bald ist die Polizei hinter ihr her, sie findet in Wolfes Backsteinhaus mit den vielen Orchideen einen guten Unterschlupf. Währenddessen ermitteln Archie und die üblichen Hilfsdetektive in alle Richtungen. Ist Clivers der Mörder, oder jemand aus der Gummi-Bande, wie der alte Querulant Walsh, und was hat der unsympathische Muir aus der Küstenprodukte AG auf dem Kerbholz ? Es gibt weitere Opfer, die Polizei und Staatsanwaltschaft rotieren auf Hochtouren, aber der dicke Armchair-Detektiv Wolfe behält die Nerven und arbeitet einen Plan zur Überführung der Täters aus. Wie immer in seinem Büro vor versammelter Mannschaft wird dieser in einer explosiven Endabrechnung bloßgestellt, nicht ohne Gefahr...

    In seinem dritten Nero-Wolfe-Krimi schreibt Stout wie stets aus der Sicht von Archie Goodwin, des unentbehrlichen Assistenten des Unmengen von Bier trinkenden Exzentrikers Wolfe. Archie ist flapsig wie immer, im Gegensatz zu den späteren Büchern raucht er hier noch zuweilen und nimmt gerne mal einen Schluck Hochprozentiges zu sich. Nebenher wirft er zwei übereifrige Polizisten aus dem Haus, trifft auf seinen Intimfeind Sergeant Rowcliff und bekommt Gelegenheit, mit seiner Pistole herumzuballern. Nero Wolfe ist zwar auch schon ein erklärter Misogyn, doch er bietet der betörenden Miss Fox immerhin freiwillig Quartier unter seinem Dach an - ein außergewöhnlicher Vorgang. Aber die Schöne verwirrt einigen Herren die Sinne und macht am Ende wohl einen recht guten Schnitt, zum Ärger des ziemlich eifersüchtigen Goodwin. Dass er und sein fetter Chef die Verdächtige vor dem Arm des Gesetzes verstecken ist ganz typisch, auch ansonsten macht Wolfe wieder was er will, allen Drohungen und Schmeicheleien der Staatsorgane zum Trotz. Der Fall an sich ist nicht übel, einigermaßen abwechslungsreich, obwohl man aus der Geschichte irgendwie hätte mehr machen können. Aber sie ist phantasievoll und spannend. Betrug, Morde, Rechtsstreitigkeiten, eine Hausdurchsuchung, befürchtete politische Verwicklungen - die Ermittler müssen mit einigen Herausforderungen kämpfen. Natürlich hängt alles mit allem zusammen, auch die im Laufe der Handlung fallengelassene Diebstahlsklage gegen die Sekretärin findet ihren Platz im Gummibanden-Rätsel samt des mysteriösen verschollenen Anführers sowie des gar nicht so edlen englischen Edelmannes mit bewegter Vergangenheit. Es gibt wieder einige falsche Identitäten zuzuordnen, Inspektor Cramer von der Kripo zu besänftigen, und -vor allem- um Geld zu feilschen, für Nero wohl meistens die Hauptsache, für die er sich gerne Zeit nimmt.

    Die Gummibande kann zu Stouts sehr gelungenen Krimis um den Orchideenfreund Nero Wolfe zählen, die turbulente Handlung verdeckt einige Schwachstellen mühelos.


    Peter Cheyney - Benimm dich, Mädchen (Lady, Behave ; 1950 ; ca. 180 Seiten)

    Peter Cheyney (1896-1951) wuchs in London auf, war Soldat, Reporter und Kriminalbeamter, bis sich der Erfolg mit dem Schreiben von Thrillern einstellte. Privat und beruflich wurde er ein ziemlich ausschweifendes Leben. Am bekanntesten wurden seine Bücher um den FBI-Agenten Lemmy Caution, doch er verfasste auch andere Krimis.

    Johnny Vallon, Geschäftsführer eines gutlaufenden Detektivunternehmens, wird von einem gewissen Vine Allard gebeten, ihn in einem auswärts von London gelegenen Cafe zu treffen. Der gehört eigentlich zur Konkurrenz, ist schlechtbeleumdet und erscheint nicht zum Termin. Grund ist ein tödlicher Verkehrsunfall, in den er kurz zuvor verwickelt wurde. Vallon ist immer mehr überzeugt, dass es kein Unfall war, sondern Mord. Was wollte das Opfer mitteilen, wovor hatte es Angst ? Er findet heraus, dass der Getötete von der überaus attraktiven verwitweten Paula Clavering beauftragt war, deren mittlerweile schon erwachsene Tochter aus erster Ehe mit einem Südamerikaner zu finden. Letztlich hängt auch eine nicht zu verachtende Geldsumme daran, die der verstorbene Mr. Clavering seiner geliebten Frau zur Verfügung stellte. Jetzt übernimmt Vallon den Auftrag, er bespricht sich mit Allards Partner Inskip, der aber seine eigenen Spiele spielt und bald darauf als Leiche in einem Wassertank endet. Vallon trifft auf den selber in Mrs. Clavering verliebten Anwalt Dyce, den lärmenden Theaterintendanten Friday, den glatten Lebemann Bizard und so manche andere Person. Seine Ermittlungen führen ihn nach Frankreich und wieder zurück nach England, er pendelt doch ständig hin und her und kommt der Wahrheit mit der Präzision eines Uhrwerkes immer näher. Ist die junge Frau, die Allard vor seinem Tod als Paulas Tochter Lolita ausgegeben hat, eine Schwindlerin ? Immerhin kommt sie aus dem Theatermilieu, woher auch die anderen Beteiligten der Affäre stammen. Die betörende Mrs. Clavering glaubt an eine Täuschung, Vallon interessiert sich für das Testament ihres Gatten und handelt mit Yard-Inspektor MacIlroy einen Deal aus. Er kann die Fäden entwirren und auf seine eigene Art dem Recht zum Sieg verhelfen, kleine Eigenmächtigkeiten inbegriffen...

    Cheyneys Krimi ist relativ schnörkellose Kriminalunterhaltung. Der Held Vallon agiert schon fast automatenhaft, er bellt seinen Untergebenen Anweisungen zu, tritt bei den Protagonisten zwar höflich, doch sehr bestimmt auf und schreckt auch mal vor Drohungen nicht zurück. Er ist ständig in Bewegung, Reisetätigkeit gehört zu seinem Job genauso dazu wie unermüdliche Ausdauer bei Befragungen und Verhören und der Aufenthalt an der Hotelbar, wo er sich gerne mal einen guten Tropfen gönnt. Der Leser kann minutiös miterleben, wie er Stück für Stück immer mehr Einzelheiten des erstaunlich komplexen Falles ans Tageslicht bringt. Was hat er alles ausgebuddelt! Mord, Betrug, Urkundenfälschung, Diebstahl, Identitätsverschleierung - all diese Delikte kommen zum Vorschein. Dabei lässt sich der Detektiv nicht von seinem Ziel abbringen, nur die reizende Mandantin scheint geeignet, ihn auf Abwege zu ziehen. Oder ist sie eher die femme fatale des Stückes ? Verdächtig ist jedenfalls der homosexuelle Theaterintendant Friday, der offenbar einen Groll gegen die Welt im Allgemeinen und Mrs. Clavering im Besonderen hegt. Der Lastwagen, der den Unfall verursachte, hing mit ihm zusammen, doch Friday hat ein Alibi. Oder doch nicht ? Vallon taucht auch tief in die Vergangenheit ein, in die Geschäfte von Paulas erstem Mann, und er stößt auf einen verheerenden Hotelbrand... Irgendwie haben alle den sprichwörtlichen Dreck am Stecken, die Welt ist nicht perfekt bei Peter Cheyney. Die Vergangenheit wirft lange Schatten, kann man das Schicksal der verschollenen Tochter überhaupt noch aufklären ? Es dauert eine Weile, bis Vallon restlos hinter Allards Geheimnis kommt. Obwohl er der Polizei große Versprechungen macht, sorgt er doch am Ende selber für Gerechtigkeit, er muss seinen Klienten so gut wie möglich vertreten, aber auch einen Mörder festsetzen.

    Benimm dich, Mädchen bietet dem Leser einen guten Kriminalroman mit einer verwickelten Geschichte und einem unbeirrbaren Detektiv, der zwischen Gesetz und Klienteninteresse abwägen muss.


    Zusammenfassung:

    Der Sammelband bietet drei Kriminalromane bekannter Autoren aus dem angelsächsischen Raum. Der Amerikaner Brett Halliday dürfte heutzutage weitgehend in Vergessenheit geraten sein, Rex Stout aus den USA ist wohl immer noch sehr bekannt und Peter Cheyney, schriftstellerisch Halbamerikaner und Halbbrite, hat bei manchen Krimi-Fans auch noch einen Klang. Alle drei Autoren waren recht produktiv. Getrunken wird in diesen Texten in Unmengen, auch körperliche Auseinandersetzungen und Schusswaffengebrauch kommen vor, genauso attraktive Frauen und fiese Verbrecher. Oft geht es um viel Geld. Am "härtesten" ist sicherlich Hallidays Detektiv Shayne, Cheyneys Versicherungsagent Vallon löst den vertracktesten Fall, während Stouts Wolfe-Goodwin-Geschichte der phantasievollste Beitrag ist.
    Das Buch ist antiquarisch für wenig Geld erhältlich und für Freunde älterer Krimis mit einem gewissen "Hard-boiled"-Touch, aber auch klassischer Fallermittlung durchaus empfehlenswert.

  • Geheime Mächte (1923)Datum15.08.2021 07:27
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Romane

    Geheime Mächte

    Originaltitel: Captains of Souls
    Erstveröffentlichung: 1923



    Hauptpersonen:

    Ronald Morelle - Lebemann ohne Moral
    Jan van Steppe - rücksichtsloser reicher Spekulant
    Ambrose Sault - geheimnisvoller "seelenreiner" Mann
    Doktor Merville - pensionierter verführbarer Arzt
    Beryl Merville - seine hübsche junge Tochter
    Paul Moropulos - krimineller Alkoholiker
    Mrs. Colebrook - Zimmerwirtin
    Evie Colebrook - ihre jüngere leichtsinnige Tocher
    Christine Colebrook - die ältere gehbehinderte Tochter
    John Maxton - erfolgreicher Rechtsanwalt
    Francois - Diener
    Madame Ritti - Bordellbetreiberin


    Handlung:

    Der Selfmade-Millionär Jan van Steppe ist ein Mann, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Ein behaarter Hüne von Mensch, setzt er seine Pläne rücksichtslos durch, die vor allem in betrügerischen Spekulationen auf dem Aktienmarkt sowie anderen Finanztransaktionen bestehen. Er hält sich trotzdem gerne eher im Hintergrund, beschäftigt eine Reihe von Strohmännern, die mitunter selber nicht genau von den Hintergründen Ahnung haben. Da ist der im Ruhestand befindliche Herzspezialist Dr. Merville, der immer tiefer in einen Sumpf von Schulden und Kabalen rutscht. Seine schöne Tochter weiß davon nichts, obwohl sie sich Gedanken macht. Weiter gibt es noch Ronald Morelle, einen sehr gutaussehenden, aber charakterlosen Mann, sprichwörtlicher Schürzenjäger (heute würde man wohl drastischere Ausdrücke verwenden), der zwar selber einen gewissen Wohlstand hat, aber auch in Steppes Geschäfte verwickelt ist. Seinen Herrn und Meister fürchtet er sehr. Der letzte im Bunde ist der Grieche Paul Moropulos, ein früherer Schmugglerkapitän. Der neigt zu Alkoholexzessen, ist immer noch an jeder Menge dunkler Geschäfte beteiligt und ein wichtiges Bindeglied im Kreis. Sein von ihm verabscheuter Bediensteter Ambrose Sault ist ein eigenartiger Mann. Ein sehr kräftiger, eher grobgeschnitzer Kerl, ausländisch mit dunkler Hautfarbe, Analphabet und trotzdem von erstaunlichem Wissen und hoher Weisheit. Nebenher verfügt er offensichtlich noch über übernatürliche Fähigkeiten, seine Ansichten zur Seele sind möglicherweise beunruhigend. Sault ist sehr geschickt, er hat für Steppe einen Tresor gebaut, der nur durch ein geheimes Passwort geöffnet werden kann, ansonsten wird bei fehlerhafter Eingabe oder Einbruchversuch der Inhalt durch Säure vernichtet. Der bei Moropulos stehende Safe wird fortan ein Ablageort für brenzlige Papiere.
    Sault ist Mieter im Hause der verwitweten Frau Colebrook, zu deren älterer im Rollstuhl sitzender Tochter Christine er ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Nebenher hilft er ihr durch Vermittlung eines guten Orthopäden auf wundersame Weise. Die jüngere und sehr hübsche Tochter Evie mag den großen Mann gar nicht, ihr Herz hängt seit kurzem an "Ronnie" Morell. Der versierte Herzensbrecher arbeitet planmäßig auf sein Ziel hin, das auf keinen Fall Heirat heißt, sondern, wie stets, mit dem gezielten Verlust von Evies Keuschheit in Verbindung steht. Die Kleine ist nicht sein einziger Zeitvertreib, denn Morelle ist durch und durch verdorben, wie es sein Bekannter John Maxton, der als Anwalt mit den Beteiligten ab und an in Verbindung steht, zu bezeichnen pflegt. Wenn seine Nerven unter den Widrigkeiten der Welt zu sehr leiden, verschafft sich Herr Morelle in Madame Ritties Etablissement die nötige Entspannung. Nun ist auch Beryl Merville seinem schönen Äußeren verfallen, was der Widerling auf die übliche Art auszunutzen versteht. Doch da ist noch Ambrose Sault. Dessen Charakter ist für Beryl ebenso begehrenswert, wie das ganze Mädchen für Ambrose, doch da gibt es noch den brutalen Steppe, der die Reize der schönen Maid ebenso für sich einfordert, mit Unterstützung ihres erpressbaren Vaters. Letztlich hat noch der schmierige Grieche Moropulos einen Beweis für Beryls Fehltritt mit dem smarten Weiberhelden Morelle, den er auch skrupellos einzusetzen gedenkt... Ein Schuss fällt, Ambrose Sault wird wegen Mordes verhaftet. Die Strafe ist die in England Übliche. Der boshafte "Ronnie" geht zur Hinrichtung. Aber was ist mit ihm geschehen, plötzlich ist sein Charakter wie gewandelt, er ist nett zu seinem Diener Francois, ebenso zu anderen Personen, seine unseligen Affären tun ihm leid und werden beendet, er verhält sich männlicher zu seinen Gegnern. Doch es gibt immer noch den bösen Steppe, der Beryl heiraten will und nicht daran denkt, seine Gefährten wegen der anrüchig gewordenen Betrügereien zu retten...
    Auch hier hat Edgar Wallace wieder eine Lösung gefunden, die für alle ein gutes und gerechtes Ende garantiert.


    Bewertung:

    Ein für den Autor ungewöhnlicher Roman. Ein waschechter Krimi direkt ist es nicht, obwohl Mord und Betrug vorkommen sowie die raffinierte Apparatur zur Tatverschleierung. Aber hier wird ungewöhnlich viel Wert auf die Schilderung der persönlichen Beziehungen der Personen untereinander gelegt. Die üblichen Zufälle und Handlungssprünge gibt es diesmal kaum, es erscheint eher, als wäre das Werk wirklich ambitioniert geschrieben worden. Man kann es wohl eher als "Gesellschaftsroman" einordnen, mit kriminalistischer Note und einem esoterischen Aspekt.
    Der skrupellose Großschuft van Steppe erinnert irgendwie an Abel Bellamy aus dem Grünen Bogenschützen, ein ähnlich dickleibiges Buch, das von Wallace im selben Jahr geschrieben wurde und vielleicht noch ein wenig gedankliche Anregung für das vorliegende geliefert hat. Der Bösewicht ist diesmal allerdings kein Amerikaner, sondern Bure. Angehöriger jenes Volkes, das dem großartigen Britannien in Südafrika eine Menge Probleme machte, die Vorurteile des Autors gegen die früheren erbitterten Feinde im Kolonialkrieg scheinen an manchen Stellen noch unverhüllt durch. Dagegen ist er ungewöhnlich großmütig gegenüber dem Mischling Ambrose Sault, der, abgesehen von seinem nicht allzu vorteilhaften Äußeren, geradezu das Idealbild eines reinen und aufrechten Menschen verkörpert. Gerade den nach europäischen Maßstäben ungebildeten und minderwertigen Halbinder (was genau er ist, wird nie so recht geklärt) setzt er auf den Platz des im Grunde einzig positiven Helden der Geschichte. Vielleicht hat ihm Savinis Läuterung aus dem Bogenschützen ebenso gut gefallen wie Abels Schlechtigkeit ?
    Heimliche Hauptperson ist jedoch der Schönling Ronald Morelle. Er vereint wohl alles in sich, was sein geistiger Schöpfer an Männern verachtenswert fand. Ein wenig vergleichbar ist er mit Thornton Lyne aus den Gelben Narzissen oder noch mehr mit Digby Groat aus der Blauen Hand, wenngleich ihm deren krimineller Ehrgeiz fehlt. Natürlich hat er sich vor dem Kriegsdienst an der Front gedrückt - selbstredend unverzeihlich. Gefahren und Auseinandersetzungen geht er als häufig so bezeichneter Feigling am liebsten aus dem Wege, wenngleich er auch eine gewisse Verschlagenheit und Tücke entwickelt hat und gegenüber dem Leid anderer vollkommen empathielos ist. Dagegen ist er hinter jedem Weiberrock her, der ihm über den Weg läuft, bessergesagt hinter dem Inhalt des Rockes. Aufgrund seines adonishaften Aussehens machen es ihm die Damen oft auch nicht übermäßig schwer, möglicherweise motiviert ihn die hübsche Larve zu seinen Aktionen, die trotzdem oft in mühsam wieder bereinigten Skandalen mit entrüsteten Mädchen und drohenden Männern enden. Seine bevorzugte "Beute" sind die Frauen der niederen Klassen, Ladenmädchen, Bedienstete usw., die man damals wohl für besonders unmoralisch hielt (das Klischee des Schauspielerin verkneift sich Wallace allerdings). Trotzdem ist es hier in der Geschichte die Dame der besseren Gesellschaft, Beryl Merville, die ihre Tugend recht bereitwillig vor der Ehe an den charakterlosen Verführer verliert, während die schlichtere Evie standfester bleibt. Für eine Wallace-Heldin ist Beryls Vergehen eigentlich eine untragbare Situation, die allerdings durch das etwas konstruierte Ende der Story wieder relativiert wird. Aber die sexuellen Anspielungen sind für Wallace'sche Verhältnisse sehr deutlich und zahlreich, wie sonst in kaum einem anderen (gelesenen) Buch von ihm. Sogar die Zustände in Madame Rittis Edelbordell werden etwas näher erläutert, die "Puffmutter" mit ihren rot gefärbten Haaren (die dadurch Jahre älter aussieht) kann an Gisela Uhlens Darstellung im Buckligen denken lassen.
    Mittendrin wird mit seltener Ausführlichkeit wieder mal eine Hinrichtung durch Erhängen beschrieben, wofür Thriller-Edgar wirklich eine besondere Vorliebe hatte. Diesmal ist das Opfer aber ein von allen geachteter und geschätzter Mensch, aber ist er wirklich tot ? Ist seine Seele erhalten geblieben ? Statt dessen eine andere Seele zu ihrem Schöpfer oder wohin auch immer geschickt worden ? - Eine Schlüsselszene in der Handlung, erdacht von einem Mann, der Spiritismus und ähnlichem eigentlich sehr ablehnend gegenüberstand, seinem Berufskollegen Conan Doyle diesbezüglich eine schroffe Abfuhr gab und sogar eine unwürdige Schlammschlacht in Zeitungen gegen einen dafür offenherzigen Bekannten führte. Doch schien ihn das Thema Seelenwanderung zumindest im Jahre 1923 einigermaßen fasziniert zu haben.

    Nebenher gibt Wallace ein paar gar nicht so unkluge Lebensweisheiten von sich, etwa über die Rolle der Erziehung, die Einbindung der Persönlichkeit in Beruf und Gesellschaft und die Gefahren, wenn jemand plötzlich von all dem befreit wird und auf sein eigentliches (unbekanntes) Ich zurückgeworfen wird. Außerdem ist das Buch durchaus gewissermaßen eine Art Sittengemälde der Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Autos fahren umher, anstatt dass geritten wird, die Mädchen fassen es nicht mehr als höchstes Lebensglück auf, irgendwo als Dienstbotin angestellt zu werden, sondern haben bessere Pläne. Und der Verlust der Jungfernschaft vor der Heirat wird nicht mehr als DIE Weltkatastrophe schlechthin angesehen. Alte Werte und neue Ansichten stehen sich gegenüber, und man kann wohl davon ausgehen, dass der Autor hier auf der Seite eines gesunden Mittelmaßes stand.
    Allerdings gibt es eben hier auch die Kehrseite des Ganzen. Wer einen spannenden Reißer mit den liebgewonnenen Zutaten erwartet, wird wohl weitgehend enttäuscht werden. Sicher geht es letztendlich um verbrecherische Machenschaften. Aber es wird sehr viel beschrieben, endlose Dialoge werden abgespult, und die übersinnliche Auflösung der Affäre ist für einen traditionellen Krimi auch nicht geeignet.
    Für einen engagierten Stammleser von Herrn Wallace hat das Buch sicher durchaus einen Reiz, auch mal eine andere Seite des Schreibers kennenzulernen, zumal es anspruchsvollere Kost ist als viele andere seiner Bücher. Wer nur Thriller lesen möchte, sollte es lieber mit den dafür bekannteren Werken probieren.


    Leseexemplar:

    Der etwa 320 Seiten starke Roman ist zusammen mit Richter Maxells Verbrechen in einer Doppelausgabe des Weltbild-Verlages erhältlich, in der Übersetzung von E. Mac Calman aus dem Jahre 1929. Durchaus konsumierbar, wobei die Anreden, Straßennamen und ähnliches eingedeutscht wurden, was gar nicht weiter stört.


    Verfilmung:

    Eine deutsche Verfilmung existiert hierfür nicht. Verständlich, da es in keinerlei Konzept passen würde. Höchstens die Idee mit dem Patentsafe hätte man wohl für die Serie übernehmen können.

  • Dazu fällt mir noch ein, dass die Version mit der Weltreise am Anfang ja irgendwie irgendwem zu teuer war, hab ich jedenfalls mal irgendwo gelesen. Obwohl ich das nie so recht verstanden habe, man hätte ja, wie in der guten alten Film-Zeit üblich, die Reise von Dick Martin sowie dem angeblichen Selford mittels einer Karte und einem animierten Pfeil darstellen können. Zwischenstationen als Bilder einblenden sowie vielleicht eine entscheidende Zwischenstation irgendwo in Spanien drehen können und dann behaupten, es wäre irgendwo auf den Antillen oder sonst wo. Hauptsache Meer, Sonne und ein paar Sukkulenten. Auch ein paar südländisch aussehende Chargen hätte man doch analog zu ähnlichen Filmen organisieren können. So ist alles im nebligen (Pseudo-)England geblieben, aber eigentlich macht ja gerade das den Reiz aus, obwohl ich die andere Sache auch gut gefunden hätte.
    Das brennende Schloss am Ende ist natürlich zu aufwändig gewesen. Deswegen wurde die Handlung ja wohl auch komplett umgeschrieben und der Frankenstein-Faktor erhöht.
    Weiter finde ich die Dramatisierung gelungen, dass Cody seine geliebte Emily versehentlich erschießt, obwohl sie ja im Roman an Herzschlag stirbt.
    Kriminalistisch gab es noch zwei Ergänzungen. Einmal der Kreis, den der «Holmes im Westentaschenformat» auf die große Landkarte gezeichnet hat und damit auch für den Zuschauer nachvollziehbar Selford Manor gefunden hat. Zum anderen der fingierte Mordanschlag auf Havelock mit den Auspuffgasen, der zwar eigentlich unglaubwürdig ist, andererseits aber eine Erklärung liefert, warum sich der Urheber verdächtig macht.
    Und verständlicherweise sind der Schatz hinter der ominösen Tür einschließlich des Gerippes des unglücksamen Lords sehr überlegt ausgeführte Änderungen, die eigentlich Wallace selber so hätte schreiben können, das Geständnis aller Beteiligten hätte er ja als Draufgabe beilegen können. Obwohl dann natürlich die Logikfrage berechtigt ist, was der Schatz für die Verbrecher einen Sinn bringt, wenn er unaufgeteilt in der Gruft dahindämmert.

  • @Savini :
    Das Pferderennen, bei dem am Anfang alle Personen eingeführt werden, ihre Beziehungen zueinander angerissen werden und natürlich die bewusste Banknote gefunden wird, ist als Anpassung an den Romanstoff wirklich sehr gelungen. Sicherlich auch ebenso die Hochzeit.
    Das Spiegelzimmer habe ich immer als Modernisierung empfunden, ob es nun weniger theatralisch wirkt als das Drahtnetz, könnte ich nicht mal behaupten. Der Effekt am Ende bei der Schießerei ist so auch größer, wenn der Spiegel kaputtgeht.
    Was die Beziehungen der Personen angeht, so finde ich noch die Darstellung Basil Hales erwähnenswert, den die Jane Leigh im Buch viel mehr mochte als im Film, wenngleich sie ihn beileibe nicht als Gatten haben wollte. So viel Zwiespältigkeit wollte man der „reinen“ Karin Dor wohl nicht zumuten, die bei Wallace stets ganz moralisch auftrat (na gut, in Zimmer 13 nur rein äußerlich).
    Und was die beiden Morde angeht und die Verwicklung des Oberbosses darin, das ist doch eigentlich eine ganz einfache Sache: So lange die Sache gut läuft, drückt der Chef die Augen zu und will alles gar nicht so genau wissen, ermutigt sicher noch dazu, wenn aber die K… am Dampfen ist, dann delegiert er die Schuld weit von sich und wälzt sie auf seine Untergebenen ab. Kann man ja nun jeden Tag auf der Arbeit oder in der kleinen und großen Politik beobachten, warum sollte da der große Fälscher anders handeln ? Zumal er ja, wie am Anfang von Bourke festgestellt, auch nur ein Mensch mit Schwächen ist…

  • Der Adler ist gelandet (1976)Datum21.07.2021 16:46
    Thema von Dr. Oberzohn im Forum Film- und Fernsehklass...

    Der Adler ist gelandet

    Original: The Eagle Has Landed
    Erscheinungsjahr: 1976
    Regie: John Sturges
    Darsteller: Michael Caine, Donald Sutherland, Robert Duvall, Donald Pleasence



    Handlung

    Nach der erfolgreichen Befreiung von Mussolini durch deutsche Fallschirmjäger gibt Hitler die Anweisung zur Entführung Churchills heraus. Der lustlose Admiral Canaris (Anthony Quayle) delegiert die Sache halbherzig an Oberst Radl (Robert Duvall) weiter, doch der intrigante Heinrich Himmler (Donald Pleasence) treibt den Oberst durch Drohungen und Schmeicheleien zu einer raschen Realisierung des Projektes an. Man verspricht sich dadurch, die Engländer einem Verhandlungsfrieden geneigt zu machen. Durch eine Agentin erfährt der Geheimdienst von Churchills geplantem Besuch in dem kleinen englischen (fiktiven) Küstenort Studley Constable, ein Plan wird entwickelt, in dem der erprobte Fallschirmkommandeur Kurt Steiner (Michael Caine) samt seiner Einheit die Hauptrolle spielen soll. Steiner, der ausgezeichnet Englisch spricht, hat sich durch seine versuchte Rettung eines jüdischen Mädchens vor der SS in Polen die Rache des Regimes zugezogen, er und seine Männer müssen einen Strafdienst zur Minenräumung auf den Kanalinseln leisten. Ein Todesurteil auf Raten, die Hälfte der Einheit ist schon umgekommen.
    Radl stellt dem Trupp die komplette Rehabilitierung in Aussicht, wenn sie den Entführungsplan in die Tat umsetzen. Zur Seite wird dem Kommando noch der IRA-Kämpfer Liam Devlin gestellt, der von Donald Sutherland gespielt wird. Nach kurzer Vorbereitung landen die Fallschirmjäger in England, unter der Tarnung von polnischen Uniformen geben sie in Studley Constable vor, Verbündete zu sein. Zuerst scheint alles gut zu gehen, aber durch den Rettungsversuch eines der Soldaten an einem Kind kommt die Identität der Saboteure ans Tageslicht. Die geben sich noch lange nicht geschlagen, die Bevölkerung wird, soweit greifbar, in der Dorfkirche interniert, doch nun überstürzen sich die Ereignisse. Schließlich bekommt eine in der Nähe stationierte amerikanische Einheit Wind von der Sache, was in der Folge zu wilden Schießereien und blutigen Verlusten auf beiden Seiten führt. Steiners Chance auf eine Erfüllung seiner Mission, die auch notfalls die Liquidierung seines Zielobjektes einschließt, scheint aussichtslos, doch schließlich steht er, der mit allen Wassern gewaschene Kämpe, dem britischen Kriegspremier Auge in Auge gegenüber…


    Bewertung

    Die Verfilmung von Jack Higgins‘ Klassiker kann mit einer Riege von sehr guten Schauspielern sowie einer spannenden Geschichte trumpfen, obgleich man ja weiß, dass Sir Winston nach Kriegsende noch zwei Jahrzehnte weiterlebte, Bücher schrieb, Bilder malte und, wie es sich gehört, allerlei Preise entgegennahm. Zudem ist der Blickwinkel diesmal verschoben, denn es sind ja Deutsche, die ein Kommandounternehmen führen, also auf der „Gegenseite“ stehen. Quasi als Rechtfertigung für einen solchen Helden wird am Anfang Steiners Aversion gegen die Mordaktionen der SS gezeigt, hier lässt Caines Rolle sehr überzeugend seine fast schon an Hass grenzende Abneigung gegen unsoldatische Schlächter hinter der Front heraus, während er sonst den ganzen Rest des Filmes eine ironisch-überlegte, fast schon etwas überhebliche Art dem Schicksal gegenüber an den Tag legt. Irgendwie macht er den Eindruck, dass er sich in seiner (Film-)Haut nicht so endgültig heimisch fühlt.
    Beängstigend real erscheint Pleasence in seiner Himmler-Darstellung, die auch rein äußerlich sehr ähnlich wirkt. Das Gefühl, einer Giftschlange gegenüberzusitzen, muss wohl gleichgeartet sein.
    Hier stellt man die gerne zitierte allgemeine gegenseitige Abneigung von Wehrmacht und SS dar, die im Speziellen in der Rivalität ihrer Geheimdienste ihren Niederschlag findet.
    Auch sonst sind die Akteure durchaus überzeugend, Larry Hagman beispielsweise tritt als Colonel Pitts auf, eine eher lächerliche und komplett unfähige Figur, deren Karrieregeilheit leider eine Menge Männer zum Opfer fallen. Sutherland als irischer Widerstandkämpfer beginnt schnell noch eine Affäre mit der netten Molly von nebenan, was mit einer wahrhaft atemberaubenden Geschwindigkeit vor sich geht, was hat der Typ eigentlich so an sich ? Er prügelt sich noch mit einem brutalen Konkurrenten um die Gunst der Schönen, bereitet zusammen mit der Agentin Mrs. Grey (Jean Marsh) die Landung der Fallschirmeinheit vor, besorgt Lastwagen… viel Arbeit für den flapsigen Burschen in kurzer Zeit.
    Erwähnenswert vielleicht noch Siegfried Rauch als hochdekorierter deutscher Soldat unter Steiners Kommando, der sich und den Rest der Truppe aufopfert, um seinem Chef in auswegloser Lage ein Entkommen zu ermöglichen und den Job noch auszuführen. Da ist er wieder, der deutsche Nibelungenwahn, eine aussichtslose Sache ohne Rücksicht auf Verluste bis zum bitteren Ende durchzuziehen, der die entfernten Vettern jenseits des Kanals irgendwie zu faszinieren scheint.
    Ansonsten noch jede Menge Protagonisten, der hasserfüllte Pater Voreker aus der Kirche etwa oder der besonnene Captain Clark, der nach Pitts katastrophal geendetem ersten Angriff das Kommando über die Ranger übernimmt und buchstäblich schwerere Geschütze auffahren lässt, was die Lage entscheidend wenden soll.
    Die im letzten Drittel des Streifens aufflammenden Kämpfe sind schon wesentlich realistischer gefilmt als in den sechziger Jahren, der zweite Weltkrieg in miniature in einem kleine englischen Flecken an der Südküste. Obwohl die Aufregung sicherlich in diesem Teil am größten ist, gibt es generell keine Längen zu beanstanden, die Dramaturgie hält den Zuschauer bis zum dramatischen Schluss gelungen bei der Stange.


    Vergleich zum Roman:

    In den ersten Jahrzehnten nach dem Weltkrieg waren recht hausbackene Erzählungen über tapfere Kommandoeinheiten schwer in Mode, etwa von Colin Forbes oder Alistair McLean. Vor allem letzter motivierte zu einigen Agentenkriegsfilmen, in denen Tapferkeit, Kameradschaft, Verrat, Liebe und schier unlösbare Herausforderungen stets eine ähnliche Mischung bildeten. Auf diesen Zug sprang auch der britische Schriftsteller Jack Higgins auf, dessen Romanvorlage für den vorliegenden Streifen immer noch sein bekanntestes Werk sein dürfte. Allerdings waren diesmal keine braven Alliierten auf Mission Impossible, sondern die Deutschen, mit einer durchaus ehrgeizigen Zielsetzung. Aus dem Nebel der Geschichte wabern Gerüchte über derartige Unternehmen immer mal durch, etwa Skorzenys Kommandounternehmen gegen die alliierten Staatsoberhäupter beim Kairo-Treffen, der (angebliche) Attentatsplan gegen die „Großen Drei“ bei der Teheran-Konferenz, oder auch der real dokumentierte Mordplan gegen Stalin durch zwei Agenten. Alle diese Ereignisse wurden literarisch oder filmisch verarbeitet, wobei die Fiktion die gesicherten Tatsachen bei weitem überlappt. Bei der von Higgins geschilderten Operation, die mit den Code-Worten „Der Adler ist gelandet“ in die heiße Phase läuft, sollen nach dessen eigener Aussage wenigstens fünfzig Prozent der Wahrheit entsprechen. Man kann wohl eher getrost davon ausgehen, dass hier die Eigenwerbung die „Wahrheit“ um fünfzig Prozent schöngeredet hat. Was nun die Faszination der Sache für Liebhaber des Sujets nicht schmälert.
    Dabei hält sich der Regisseur letzten Endes sehr stark an die berühmte Literaturvorlage, wenngleich es auch einige Änderungen und vor allem Auslassungen gibt. Ein paar auffällige Punkte:
    Oberstleutnant Kurt Steiner war in der Vorlage noch wesentlich kritischer den Nazis gegenüber, sein Engagement hing auch mit vagen Versprechungen zusammen, etwas für seinen in Gestapohaft geschundenen Vater zu tun. Auch hat er beispielsweise die zivilen Geiseln von sich aus gehen lassen und nicht erst auf Bitten des amerikanischen Offiziers. Und, besonders eklatant, am Ende zögert er im entscheidenden Moment, den Abzugsfinger zu krümmen, was allerdings im Prinzip nichts ausmacht. Trotzdem wollte man hier vielleicht einen Offizier in deutscher Uniform nicht zu sympathisch herüberkommen lassen. Auch Oberst Radl war mehr Getriebener als Überzeugter, obgleich natürlich für alle die Pflichterfüllung über allem stand.
    Andererseits waren offenbar auch zu viele Flecken auf Britanniens weißem Schild nicht erwünscht. Mrs. Grey ist im Film nur „die Verräterin“, ihr Hintergrund als Südafrikanerin, der als junge Frau durch britische Soldaten im Burenkrieg sehr großes Unrecht zugefügt wurde, wurde nicht thematisiert (zumindest in der leider um ca. zehn Minuten gekürzten deutschen Fassung). Auf einen englischen SS-Freiwilligen namens Preston, der Steiners Einheit als ungewünschte Unterstützung zugeteilt wurde, hat man lieber gleich verzichtet. Das sogenannte Britische Freikorps, nie mehr als eine Handvoll Männer, ist sicherlich für die Inselbewohner eine peinliche Erinnerung, und man könnte fast vermuten, dass diese von dem in Nordirland aufgewachsenen Higgins, der in seinen Büchern keine übertriebene Anglophilie spüren lässt, als kleine Stichelei eingefügt wurde. Preston wird später von Devlins Nebenbuhler Seymour gelyncht, welcher nun wiederum nicht wie im Film von Molly erschossen wird.
    Der Erzählstrang um Devlin ist im Roman etwas komplexer. Dem IRA-Kämpfer gehört eindeutig die Sympathie des Autors, der auch gleich klarstellt, dass er mit Terroranschlägen nichts am Hut hat. Das Bündnis mit Deutschland ist für ihn nur Mittel zum Zweck gegen die wenig geschätzten Briten. Während im Film nur mal kurz angerissen wird, dass Devlin von ein paar ominösen Gestalten Militärfahrzeuge erhält, sind es „in Wirklichkeit“ ein berüchtigter Gangster mit dessen Bruder und Bande, die erfolglos versuchen, Devlin zu linken. Die grausame Strafe der IRA für Verrat folgt auf dem Fuße, was wiederum die Spezial-Abteilung der Polizei in Gestalt eines Inspektors samt Assistenten auf die Fährte des Verursachers setzt. Das Ganze mündet kurz vor Schluss unabhängig vom restlichen Geschehen in eine unerwartet blutige Auseinandersetzung. Devlin setzt sich im Roman auch zusammen mit einem verwundeten deutschen Unteroffizier des Unternehmens auf einem Schnellboot nach Deutschland ab, während er im Film ja unrealistischerweise bei seiner Molly bleibt und das S-Boot in letzter Konsequenz offenbar abgeschossen wurde.
    Trotz der auch sonst noch bestehenden Abweichungen kann man aber von einer sehr werkgetreuen Verfilmung sprechen, der nun ohnehin nicht zu stark nuancierte Stoff wurde vergröbert und in einer Konzentration auf das Wesentliche umgesetzt.


    Zusammenfassung:

    Wie das Lexikon des internationalen Films bemängelt, wird der Krieg hier tatsächlich als eine Angelegenheit harter Burschen dargestellt, und die sich demzufolge im Übrigen durch soldatische Tugenden, wie Tapferkeit, Kameradschaft, Gehorsam auszeichnen, ansonsten rauhbeinige Gesellen mit dem Herz auf dem rechten Fleck sind, die die Umstände leider auf gegnerische Positionen geworfen haben, die sich dennoch respektieren usw. Das sollte man aber nun bei einem derartigen Film auch erwarten, es geht hier weder um Kriegskritik noch um Hinterfragen gängiger Klischees. Dennoch bleibt auch hier mitunter Zeit für leisere und nachdenklichere Töne. Es wird auf Spannung und Konflikte gesetzt, die selbstredend auftretende Frage des Zuschauers, ob denn hinter allem ein Körnchen Wahrheit stecken könnte, wird geschickt geschürt. Obwohl ja am Ende ein Verantwortlicher bedeutungsschwer sagt, dass das alles niemals stattgefunden hat - im doppelten Sinne treffend.
    Als Ergebnis gibt es einen über zweistündigen dramatischen Film mit hervorragenden Akteuren.

  • Die Tür mit sieben Schlössern (1926)Datum16.07.2021 16:37

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Tatsächlich? Waren "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1886) und "Dracula" (1897) nicht auch noch Klassiker dieses Genres?

    Soweit mir bekannt ist, gilt die Zeit bis maximal in die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts als Periode des klassischen (englischen) Schauerromans, der zu der Zeit auch in deutschen Landen populär gewesen sein muss. Sozusagen in Reinkultur. Ist nicht mein Spezialgebiet… Edgar Allan Poe, R.L. Stephenson, Bram Stoker, selbstverständlich auch Edgar Wallace (nicht nur bei der „Tür“) und viele andere haben Versatzstücke daraus verwendet, aber im Zusammenhang mit Kriminalistik, Sozialkritik, Psychologisierung , Thrill usw., auch moderne Horrorliteratur wie Stephen King u.a. bedienen die ewige Lust am Schaurigen, wenn auch in expliziterer Form.

    Die genaue Grenze hat da die trockene Literaturgeschichte festgelegt.

    Zitat von Savini im Beitrag #6
    Beim Vergleich von Marie-Luise Droops Übersetzung mit der von Heyne sind mir allerdings gegen Ende einige gravierende Abweichungen aufgefallen:

    Das stimmt schon. Mir ist nur aufgefallen, dass die Episode mit der Fütterung der beiden Kreaturen bei Frau Droop komplett entfallen ist.

  • Zitat von Savini im Beitrag #45
    Wobei in diesem Fall aus Flemings Sicht eher das Mischlingsmotiv ausschlaggebend sein dürfte. Das setzt er auch bei Bösewichten ohne deutsche Wurzel ein. Dr. No rekrutiert etwa bevorzugt Menschen, die teils von Schwarzen, teils von Chinesen abstammen (zu Flemings Zeiten nannte man sie "Chigroes"). Le Chiffres Herkunft ist unklar, aber in seiner Akte wird über romanische und slawische Wurzeln spekuliert. Mr. Big kontrolliert eine Organisation von schwarzen Kriminellen, aber seine Mutter war weiß (er selbst hat übrigens rote Haare). Blofelds Herkunft wurde bereits erwähnt.

    Mischlinge wurden schon lange Zeit mit erhöhter Aggressivität und Gewalttätigkeit in Zusammenhang gebracht. Es gibt oder gab sogar wissenschaftliche Untersuchungen darüber. Was daran wahr oder nicht ist, kann man gänzlich unvoreingenommen ohne Ideologielastigkeit schwer sagen. Aber wie so häufig, werden auch hier Menschen aufgrund irgendeiner speziellen Eigenschaft von vornherein in eine Schublade gesteckt. Kein schöner Zug, den aber Fleming nicht „erfunden“ hat. Auch Wallace hat die Mischlingsthematik immer mal wieder in seinen Büchern aufgegriffen. Obwohl gerade er es schafft, hier über seinen Schatten zu springen und, wie es ja „Savini“ im Bogenschützen zeigt, sogar einen Sympathieträger daraus zu machen. Das gleiche Thema behandelt er auch im kaum bekannten und im selben Jahr erschienenen Roman Geheime Mächte, wo der hässliche, ungebildete, dunkelhäutige und verachtete „Mischling“ den edelsten Charakter und die reinste Seele aller Beteiligten hat. Das hat im Handlungszusammenhang eine besondere Bewandtnis, in jeder Hinsicht ein ungewöhnliches Werk, was ich auch gerne mal demnächst besprechen möchte, wenn es die Zeit erlaubt.

    Zitat von Savini im Beitrag #45
    Stouts krasse Deutschfeindlichkeit ist mir bekannt. Im Falle von Fleming schien seine Haltung selbst in den gekürzten Ausgaben des Scherz-Verlags noch durch. Wobei man sagen muss, dass er generell auf alles herabblickte, was nicht von den britischen Inseln stammte (die Bösewichter sind alles, nur keine geborenen Briten). Im Falle der Deutschen ist es interessant, dass in den Büchern mitunter sogar eine gewisse widerwillige Bewunderung durchscheint, da die deutsche Wirtschaft bereits einen Aufschwung erlebte, als in England noch rationiert wurde. Ob Fleming dieser Neid bewusst war oder nicht?

    Der britische Neid auf Deutschland ist tief verwurzelt und hat, mal ganz neutral ausgedrückt, letzten Endes einen erheblichen Anteil an den beiden verheerenden Weltkriegen gehabt. Natürlich, von „den Briten“ pauschal zu sprechen ist nicht richtig, die dortige sogenannte Elite sah (und sieht ?) in Deutschland den Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt. Fleming mit seinem Upper-Class-Hintergrund hat das sicher mit der Muttermilch einsogen, genauso wie die Neigung, generell auf alles Nichtbritische und nicht seiner Klasse zugehörige herabzublicken. Gerade seine Tätigkeit für den Geheimdienst im Interesse der Elite zeigt doch, wie sehr er sich diesen Leuten verbunden fühlte. Trotzdem schließt das eine charakterliche Weiterentwicklung nicht aus, wie es bei Fleming damit aussah, ist sicher zweifelhaft.

    Zitat von Savini im Beitrag #45
    Das ist mir bewusst, Fleming ist aber ein spezieller Fall, bei dem das mit der "völlig anderen Zeit" nicht so einfach ist.
    Ich weiß nicht, ob du Kingsley Amis´ erstmals 1965 in England erschienenes Buch "Geheimakte 007. Die Welt des James Bond" kennst.

    Das Buch kenne ich nicht. Etwa zur gleichen Zeit hat ja auch schon Umberto Eco sein negatives Urteil in Buchform über die Bond-Erzählungen abgegeben. Vielleicht hätte er es als älterer Mann etwas differenzierter gesehen, wer weiß. Aber was solls, das eine sind eben die Kritiker, das andere das Publikum. Wenn die Bücher so schlimm wären, hätten sie nun sicher keine so breite Verbreitung gefunden und zu einer der langlebigsten Filmserien motiviert. Dass eine Person wie Bond, der die Drecksarbeit für Königin, Empire und Demokratie macht, kein zartfühlender Akademiker mit weltoffenen Glaubensgrundsätzen ist, liegt auf der Hand, zumal als herumgeschubstes Waisenkind mit Bindungsstörungen und notwendigerweise entwickelter Ellenbogenmentalität. Der muss einfach skrupellos, aggressiv und „kalt“ sein, gewissermaßen in den Tag hineinleben und ein Feindbild mit Vorurteilen haben, welches ihn bei Stange hält. Zeigt auch, was seine Vorgesetzten für eine Mentalität haben und entspricht sicher mehr der Realität, als es manchem lieb ist. Wem die Bücher nicht gefallen, soll sie eben einfach nicht lesen.
    Gerade bei Fleming und seinem Werk gibt es abseits der üblichen Verdammung noch viele interessante Aspekte zur Recherche, die sicher lohnenswerter sind. Die okkulten Anspielungen, oft mit rosenkreuzerischem Hintergrund, die sogar in den Filmen auftauchen, gehen auf eine interessante Seite ihres Schöpfers zurück, die zum großen Teil auch mit dessen Arbeit im Geheimdienst verknüpft ist. Wenn Du Dich damit mal vorurteilslos beschäftigst und das alles nicht gleich als Spinnerei abtust, kommst Du auf skurrile Sachen, woher etwa die Bezeichnung „007“ stammt oder was es auch mit „For your eyes only“ auf sich hat. Sogar mit Blofelds Vorbildern gibt es da Mutmaßungen, die sicher nicht alle stimmen, denn alles muss man sicher auch nicht glauben…

    Zitat von Savini im Beitrag #46
    In einem anderen Forum meinte jemand mal, dieser Blofeld wirke "weniger wie Bonds Moriarty denn wie ein jovialer Zuhälter". Das ist dann doch etwas zu drastisch. Ironischerweise ist ausgerechnet dieser so bodenständige Darsteller der einzige Blofeld, der ein nicht-materielles Motiv (einen Adelstitel) hat, was nicht recht zusammenpassen will.

    Ja, dass ausgerechnet der „prollige“ Savalas-Blofeld so für Adelstitel schwärmt, kam mir auch immer unpassend vor. Das hätte besser zu Pleasence gepasst, sollte man meinen. Aber, wie so viele wie von Savalas dargestellte Gemüter hat dieser womöglich auch insgeheim davon geträumt, „was Besseres“ zu sein, durch den Adelstitel auf seine alten Tage in die gehobene Gesellschaft eingeführt zu werden. Wer weiß ?

    Zitat von Savini im Beitrag #46
    Ist das nicht ein grundsätzliches Merkmal von Bösewichtern dieser Kategorie? Ebenso wie dass sie bei ihren Hauptwidersachern dann wieder zurückhaltend sind.

    Das stimmt schon. Geradezu klassisch. Da Bond aber weltweit bekannt geworden ist, wird das endlose Spiel, dem Agenten alles zu verraten, zu verschonen und ihn am Ende dann in komplexe Todesfallen zu stecken, woraus er sich wieder befreien kann, wahrscheinlich besonders mit diesen Filmen in Verbindung gebracht.

  • Soweit ich mich erinnern kann, kam irgendein Teil von Blofelds Familie ursprünglich aus Deutschland. Der Name "Blofeld" klingt nun auch nicht unbedingt Polnisch. Übrigens war auch Dr. No zu einem Teil deutsch, zum anderen chinesisch. Das gibt selbstredend eine geniale Mischung, eine Mischung aus Fumanchu und "Hunne", wie geschaffen zum Welterobern...
    Dass Fleming häufig Ausländer, Menschen mit Gebrechen und andere Rassen auf der Seite der Bösewichter einordnete, wurde und wird ihm ja nun von allerlei schnell empörbaren Mitmenschen angekreidet. Wie stellen die sich eigentlich real existierende Bösewichter vor ? Auf alle Fälle männlich, weiß und entweder mit schwarzem Schnauzbart oder neuerdings blondierter Haartolle ? Etwas einseitig, besonders wenn man bedenkt, dass die Einsätze des Geheimagenten tatsächlich oft in exotischen Gegenden stattfinden, wo eben halt Personen mit anderer Hautfarbe, Sitten und Sprache leben, was ja an sich eine feine Sache ist. na, ich will mich lieber nicht weiter darüber auslassen. Trotz seiner Ablehnung alles Deutschen lese ich die Bond-Romane von Fleming auch gerne, ebenso die Nero-Wolfe-Krimis von Rex Stout, der in seiner Germanophobie wohl noch einiges schlimmer war. Die vielbeschworene Toleranz sollte da helfen, die Dinge richtig einzuordnen und nicht immer nur die Negativseiten von Menschen herauszupicken, die in einer völlig anderen Zeit lebten.

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