Ich wollte noch etwas zu dem bereits angesprochenen Punkt ergänzen, dass die Konflikte zwischen Weißen und Indianern in den Karl-May-Filmen von (weißen) Banditen ausgehen, während die Vertreter von Politik und Militär (soweit sie vorkommen) als rechtschaffen dargestellt werden. Eine gewisse Parallele könnte man her zu den klassischen James-Bond-Filmen sehen, in denen teilweise auch ein drohender Krieg zwischen Ost und West verhindert werden muss. Dieser wird sowohl in "Man lebt nur zweimal" als auch im "Spion, der mich liebte" von einer "dritten Partei" aus; in "Octopussy" gibt es zwar mit General Orlov einen Kriegstreiber aus dem sowjetischen Lager, aber dieser wird als eigenmächtig handelnder Psychopath dargestellt, dessen Kriegskurs dem Westen gegenüber sowohl der (optisch an Breschnew orientierte) rechtschaffene Generalsekretär als auch der KGB-Chef General Gogol missbilligen. Überhaupt erscheint Gogol in den Moore-Bonds teilweise durchaus sympathisch.
Die guten alten Bondfilme schienen damals auch im heißesten kalten Krieg von einem Geist der Entspannung durchdrungen, der leider heutzutage komplett verlorengegangen ist...
Allerdings scheinen mir Parallelen zu den Karl-May-Filme tatsächlich auf einen ziemlich komplizierten Handstand hinzudeuten. Wiewohl du auf deine Weise natürlich Recht hast.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #92Die guten alten Bondfilme schienen damals auch im heißesten kalten Krieg von einem Geist der Entspannung durchdrungen, der leider heutzutage komplett verlorengegangen ist...
Wobei das auffälligerweise bei James Bond bereits ein Unterschied zwischen den Filmen und ihren Romanvorlagen ist, was gerade "Liebesgrüße aus Moskau" verdeutlicht: Im Buch sind die sowjetischen Geheimdienste Drahtzieher der Verschwörung, um dem Westen eins Auszuwischen, während im Film SPECTRE beide Seiten täuscht und gegeneinander ausspielt.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #92Allerdings scheinen mir Parallelen zu den Karl-May-Filme tatsächlich auf einen ziemlich komplizierten Handstand hinzudeuten.
Eine Gemeinsamkeit zu den "klassischen" Bonds besteht natürlich darin, dass diese gar nicht den Anspruch erhoben, "realistisch" zu sein. Die Bond-Klassiker waren im Grunde "Märchen für Erwachsene", so wie es Joachim Fuchsberger mal in einem Interview über die Wallace-Reihe meinte. Wobei den Wallace-Romanen märchenhafte Züge auch nicht ganz fremd waren (wenn die positiven Figuren unverhofft mit Erbschaften "beschenkt" werden).
Zitat von Savini im Beitrag #13Nicht umsonst fehlen die albernen und für die Handlung unwichtigen Szenen mit Chris Howland in der englischen Fassung. Fast wirken sie so, als habe man sie nachträglich ins Drehbuch eingefügt, weil man noch eine "komische" Figur brauchte. Es ist zwar sicher Zufall, aber interessanterweise beginnt der originalgetreueste Teil des Films gleich nach seinem Verschwinden aus der Handlung.
Als Kind fand ich das immer sehr lustig. Naja, besonders störend ist eben, dass zum restlichen Geschehen gar kein Bezug ist.
Kürzlich habe ich mittels Fernleihe dieses 2024 erschienen Buch lesen können, das nicht nur viele Seiten des Original-Drehbuchs (einschließlich handschriftlicher Änderungen im Detail, die möglicherweise von Harald Reinls selbst stammen) und hunderte von Bildern vom Set enthalten, sondern auch zahlreiche Einblicke in den Prozess der Dreharbeiten und deren Vorgeschichte:https://www.karl-may.de/Buecher/Film-und...innetou-1.-Teil U. a. wird nun auch klar, warum Howlands Szenen so zusammenhanglos sind: Nach dem gewaltigen Erfolg des "Schatzes im Silbersee" wollte man erneut Eddi Arent als Lord Castlepool auftreten lassen. Das Problem war allerdings, dass er die Hauptfiguren im "Schatz" erst kennenlernte und dessen Handlung chronologisch natürlich erst nach "Winnetou I" spielte. Daher gestaltete man seine Szenen so, dass es zu keiner begegnung oder Interaktion mit Old Shatterhand, Winnetou oder Sam Hawkens kam. Wenige Tage vor Drehbeginn stellte sich jedoch heraus, dass Arent aufgrund anderer Verpflichtung nicht zum Dreh nach Jugoslawien werde kommen können und nun keine Zeit mehr war, das Drehbuch noch einmal umzuschreiben. Daher ließ Wendlandt Reinl in einem (als Faksimile abgedruckten) Brief die Wahl ob er die Szenen ganz streichen oder Castlepool durch eine andere Figur ersetzen wolle. Reinl änderte die meisten Stellen so, dass sie nun auf einen Fotografen statt auf einen Schmetterlingssammler passten, einige strich er auch ganz.
Interessante Info! Dass Eddi Arent 1963 unabkömmlich war, klingt nachvollziehbar. Mit Wallace war er bestimmt terminlich schon ausgelastet. Zumal das Mitwirken in einem Karl-May-Film sicher mit mehr Aufwand verbunden war (Reise nach Jugoslawien). Im Karl-May-Wiki steht übrigens eine etwas abweichende Geschichte über die Entstehung von Jefferson Tuff-Tuff, erzählt von Chris Howland: https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Jefferson_Tuff-Tuff Obwohl... vielleicht stand zu dieser Zeit, von der Howland berichtet, schon fest, dass er anstelle von Arent auftritt und man wusste nur noch nicht, in welcher Rolle. Dies würde zu dem Bericht aus dem Buch passen.
Zitat von MrTwelve im Beitrag #96Im Karl-May-Wiki steht übrigens eine etwas abweichende Geschichte über die Entstehung von Jefferson Tuff-Tuff, erzählt von Chris Howland: https://www.karl-may-wiki.de/index.php/Jefferson_Tuff-Tuff Obwohl... vielleicht stand zu dieser Zeit, von der Howland berichtet, schon fest, dass er anstelle von Arent auftritt und man wusste nur noch nicht, in welcher Rolle. Dies würde zu dem Bericht aus dem Buch passen.
Diese Information kenne ich natürlich, sie dürfte aber durch das Buch überholt sein.* Vielleicht erinnerte Howland sich hier ungenau und er musste herumstehen, weil seine Szenen angepasst werden mussten? Oder es war ihm etwas peinlich zuzugeben, dass er seine Besetzung einer Verlegenheitslösung verdankte? Dass man zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nicht mit dem gewaltigen Erfolg gerechnet hätte, kann ich mir kaum vorstellen, da die riesigen Einspielergebnisse des "Schatzes" zuvor überhaupt der Grund dafür waren, weitere Karl-May-Filme zu produzieren und man deswegen natürlich gleich das bekannteste Werk auswählte.
*Dass Arent als Castlepool auftreten sollte und nicht konnte, wird wie gesagt mittels Drehbuchseiten und durch den faksimilierten Brief Wendlandts an Reinl belegt.
Zitat von Savini im Beitrag #97Dass man zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nicht mit dem gewaltigen Erfolg gerechnet hätte, kann ich mir kaum vorstellen, da die riesigen Einspielergebnisse des "Schatzes" zuvor überhaupt der Grund dafür waren, weitere Karl-May-Filme zu produzieren und man deswegen natürlich gleich das bekannteste Werk auswählte.
Diese Aussage hat mich auch verwundert. Beim "Schatz im Silbersee" als erstem Film konnte man natürlich noch nicht wissen, wie erfolgreich er wird. Aber nach dessen Erfolg werden doch wohl alle Beteiligten beim nächsten Film wieder entsprechende Erfolge erwartet haben.
Dass Howland sich ungenau erinnert, könnte sein. Ich weiß ja nicht, von wann diese Aussage ist. Nach längerer Zeit kann man schon mal was durcheinander bringen.
Joachim Kramp hat im Wallace-Lexikon etwas lapidar behautet, Reinl hätte "nicht zu viel Arent" gewollt und deshalb die Komik-Rolle in Winnetou 1 mit Chris Howland besetzt. Das schien mir aber irgendwie von seiner spürbaren und unsachlichen Abneigung gegen Eddi Arent inspiriert zu sein.
Und apropos Winnetou: dieses Jahr hat nicht nur der Namensgeber des Forums seinen 150. Geburtstag. Auch der größte (fiktive) Häuptling der roten Völker feiert 2025 sein literarisches Jubiläum, das sich zum 150-mal jährt. Eine Menge zu feiern....
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #99Joachim Kramp hat im Wallace-Lexikon etwas lapidar behautet, Reinl hätte "nicht zu viel Arent" gewollt und deshalb die Komik-Rolle in Winnetou 1 mit Chris Howland besetzt. Das schien mir aber irgendwie von seiner spürbaren und unsachlichen Abneigung gegen Eddi Arent inspiriert zu sein.
Tatsächlich? Mir kam es bis jetzt nicht so vor, als hätte Kramp eine solche Abneigung gegen Arent gehabt.
Ist Euch bekannt, dass es eine sehr gute Einführung in die Winnetou Filme gab. Ausgestrahlt am 01.11.2004 auf KK "Titel Auf den Spuren Winntous"
Gruss
Havi17
Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht übersteigt, erst dann wird die Welt endlich wissen, was Frieden heißt (Jimi Hendrix)
Die Rüstungsindustrie ist eine der größten Gefährdungen der Menschheit. Albert Einstein
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen. Albert Einstein
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #12Besonders beeindruckend für mich ist immer wieder die von Mario Adorf verkörperte Bösewicht-Figur Frederick Santer. Anfangs noch ein extrem stutzerhafter Geck, blättert bei ihm im Laufe der Zeit die Fassade ab, er sieht immer verwahrloster aus, ein von seiner Habgier und Zügellosigkeit geriebener Besessener, dessen wohlverdienter Abgang am Schluss wahrhaft schrecklich ist.
Interessanterweise wiederholte sich dieses Schema in "Winnetou II" beim von Anthony Steele gespielten Bud Forrester: Zunächst tritt dieser auch eher dandyhaft auf, eine leichte Veränderung ist bereits nach dem Ölbrand sichtbar. In den späteren Szenen, in dnene er außerhalb seiner Siedlung zu sehen ist, wirkt er in Auftreten und Aussehen immer fahriger und hat auch keine Hemmungen mehr, sich selbst die Hände schmutzig zu machen.
Und an der besagten Doku hab ich auch mitgearbeitet und u.a. den Kontakt zum Kroatischen Pfadfinder Tomislav Maruna hergestellt, der leider am Gründonnerstag an Lungenkrebs verstorben ist mit 57....!. Er war ein guter Freund!!!! Wenn man den Drehplan mit dem "Tuch" vergleicht hätte E. Arent auch nicht unbedingt die Zeit gehabt für "Winnetou 1". Es ging ja pausenlos weiter...