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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 68

17.05.2018 19:03
Afrika-Romane Zitat · antworten

Afrika-Romane

Seit langem schon staubt ein zehnbändiger Schuber mit Wallace' berühmten "Afrika-Romanen" in meinem Bücherregal ungelesen vor sich her. Jetzt habe ich mich auch mal an diese herangetraut. Vielleicht interessiert es ja auch den einen oder anderen im Forum. Die Bewertungen für diese Bücher gehen ja von himmelhoch jauchzend bis gaaaaaanz böse. Gleich zu Beginn muss aber gesagt werden, dass es dabei bis auf eine Ausnahme um keine Romane, sondern um Geschichtensammlungen handelt. Meine vorliegende grünbändige Buchreihe ist aus den 80'er Jahren und leider nicht in der Reihenfolge der englischen Erstveröffentlichung, sondern der in Deutschland nummeriert. Um sie in der richtigen Reihe zu lesen, ist also ein wenig Internet-Recherche nötig.
Die Entstehungsgeschichte dieser Erzählungenen ist auch recht interessant. Edgar Wallace hatte zwischen Jahrhundertwende und erstem Weltkrieg ein ereignisreiches Leben mit vielem beruflichem Auf und Ab geführt. Als die sogenannten "Kongogräuel" der Belgier an der eingeborenen Bevölkerung in Belgisch-Kongo ruchbar worden (hier hatte sich ja auch Holmes-Erfinder Conan Doyle stark engagiert), schickte man Wallace als Zeitungsreporter nach Zentralafrika, um der Sache auf den Grund zu gehen. Seine Angaben zu diesem Sachverhalt waren eher zurückhaltend, aber während seiner Zeit im Busch machte er sich (offenbar in kluger Voraussicht) viele Notizen über alles, was er dort sonst zu hören und zu sehen bekam. Wieder zu Hause, wurden diese Schriften erst mal vergessen, aber als ihm ein paar Jahre später finanziell das Wasser schon bis über den Kopf stand, suchte er fieberhaft eine Möglichkeit, wieder zu Geld zu kommen. Eine befreundete Verlegerin riet ihm, doch mal Geschichten über seine Afrika-Skizzen zu schreiben, von denen sie eher zufällig erfahren hatte. An diesen ersten Stories für eine Zeitung soll Edgar Wallace eine für ihn ungewöhnliche Sorgfalt an den Tag gelegt haben. Die Geschichten wurden ein Erfolg, und dank seiner vielen Notizen und seiner unerschöpflichen Phantasie schrieb er in der Folge viele derartige Geschichten, die dann auch in Buchform herausgegeben wurden. Es war eigentlich das erste Mal, dass er mit der Schriftstellerei richtig Geld verdiente.

Hier mal ein paar Gedanken zu den ersten beiden Bänden:

Sanders vom Strom (Sanders of the River) und Die Eingeborenen vom Strom (The People of the River), beide 1911 erstveröffentlicht


Handlung:


Der Autor springt im Prinzip mitten hinein ins Geschehen und gibt sich nicht mit langen Erklärungen ab. Erschließen tun sich einem die Zusammenhänge um die handelnden Personen und das britische Kolonial-Gebiet, irgendwo in Zentral-Afrika, erst so richtig nach dem Lesen einiger Geschichten, die selten wenig mehr als zehn, zwölf recht engbedruckte Seiten beinhalten. Held der ersten Buchbände ist der Amtmann Sanders, britischer Verwalter des fiktiven Kolonialgebietes und tatsächlich Herr über Leben und Tod.Er ist wirklich ein Kerl, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. Das Aufhängen missliebiger Eingeborener geht ihm recht leicht von der Hand, genauso wie körperliche Züchtigungen. Denn, so erfahren wir, der Schwarze empfindet nur wirklich drastische Strafen eben auch als Strafe, alles andere nimmt er nicht ernst.
Mr. Sanders hat den lieben langen Tag nichts anderes zu tun, als mit seinem Patrouillendampfer den "großen Strom" samt seinen vielen Nebenflüssen abzufahren und so gut wie möglich für (englisches) Recht und Ordnung zu sorgen. Das beinhaltet Palaver zu halten, Gerichtssitzungen zu führen, Häuptlinge zu ernennen und wieder abzusetzen, Steuern einzutreiben, und ziemlich oft auch zu bestrafen und zu kämpfen.
Die afrikanischen Einheimischen werden auch nicht alle als verkappte Ärzte und Ingenieure beschrieben, sondern doch eher als Menschen, die gerne gegeneinander Krieg führen, sich gegenseitig überfallen und im übrigen an allerlei Geister und Teufel glauben. Daneben unterscheidet er aber zwischen einzelnen Stämmen, es gibt friedlichere, kriegerische, arbeitsame, faule, ängstliche und draufgängerische Völker, die solche Namen haben wie Isisi, Akasava, Ochori oder N'gombi. Allesamt erfundene Wörter. "Weiber" sind dem ersten Eindruck nach nur dazu da, mit vielen Säcken Salz oder Messingstäben gekauft oder besser noch gleich aus dem Nachbardorf geraubt zu werden. Allerdings gibt es recht viele Geschichten, in denen Frauen eine hauptsächliche und meist unrühmliche Rolle spielen. Schaffen sie es doch immer wieder, die Männer mit ihren körperlichen Reizen, Beredtsamkeit und/oder Hexerei zu Gewalttaten aufzustacheln. Und wenn die Männer es als erstebenswert halten, möglichst viele Frauen zu besitzen, so haben auch die Damen gerne mehrere Liebhaber. Überhaupt ist die Geschlechtsmoral der Eingeborenen wesentlich lockerer als die der Weißen. Wenngleich er auch hier nicht ins Detail geht, gibt sich der Autor doch in der Darstellung der Liebesdinge irgendwie freizügiger als in seinen Krimis.
Genau betrachtet sind die Geschichten allesamt sehr gewalttätig. Morde, Aufstände, Kämpfe und Überfälle der Eingeborenen sind an der Tagesordnung, ebenso wie drakonische Bestrafungen auf Seiten der Kolonialherren. Doch auch das wird nicht so dargestellt, dass es einem den Schlaf raubt. Überhaupt haben die Kurzgeschichten ziemlich viele Handlungselemente, die sich oft unabhängig voneinander entwickeln und auf ein gemeinsames dramatisches Finale zutreiben. Die Schilderungen bleiben oft oberflächlich, man hätte sich gerne tiefergehende Beschreibungen gewünscht, manche Geschichten hätten wohl auch gut Stoff für einen richtigen Roman geben können.
Ein besonderer Schützling von Sanders ist ein Schwarzer namens Bosambo. Als geflohener liberianischer Sträfling hat er sich in Sanders' Schutzgebiet zu den als ängstlich geltenden Ochori geflüchtet. Mit List und Tatkraft gelingt es ihm, Häuptling dieses Volkes zu werden. Sanders lässt ihn gewähren, denn wenn er auch bezüglich fremden Eigentums sehr lose Rechtsvorstellungen hat, so ist er doch in ernsten Situationen ein treuer Untertan seines "weißen Herrn". Es ist sozusagen ein running gag der Geschichten, dass Bosambo dem Weißen aus der Patsche hilft und dazu noch sein Schäfchen ins Trockene bringt, oft durch Diebstahl, und Sanders muss ihn wohl oder übel gewähren lassen.
Man erfährt einiges über die Lebensweise der Schwarzen, manche leben als Jäger, Sammler oder Fischer, manche als Bauern und Hirten, manche auch als Handwerker. Die meisten hängen trotz aller Christianisierungsversuche der Missionare an ihren abergläubischen Vorstellungen. Überhaupt die Missionare, neben Sanders fast die einzigen Weißen im riesigen Verwaltungsdistrikt. Ihre Tätigkeit wird ambivalent beurteilt. Einerseits lobt der Autor immer wieder ihre Selbstlosigkeit und Menschlichkeit, andererseits unterstellt er ihnen auch eine gewisse Weltfremdheit. Im zweiten Geschichtenband verschlägt es gar eine Missionarin an diesen verlorenen Winkel der Welt, für die dann der als Weiberfeind verschrieene Sanders mehr als nur freundschaftliche Gefühle zu entwickeln beginnt. Doch ist es ihm offenbar nicht bestimmt, eine Frau an seine Seite zu bekommen.
So geht denn die Zeit im fernen exotischen Erdenwinkel recht schnell dahin, denn es sind stets aufs Neue Abenteuer zu bestehen und meist eingeborene, manchmal auch weiße Verbrecher unschädlich zu machen.

Bewertung:

Der heutige Leser, der nicht gerade immer noch von der alten Kolonialherrlichkeit überseeischer "Schutzgebiete" träumt, wird die Geschichten schon mit gemischten Gefühlen lesen. Edgar Wallace hat nie einen Hehl aus seinen kolonialimperialistischen Überzeugungen gemacht, und das merkt man seinen Afrika-Erzählungen auch an. Während etwa Jules Verne oder auch Rider Haggart oder auch unser guter alter Karl May zumindest ansatzweise die koloniale Politik den Einheimischen gegenüber in Frage stellen, merkt man bei Edgar Wallace mit keiner Silbe irgendeine Form von Unrechtsbewusstsein darüber, wie die Weißen im Allgemeinen und schon gar nicht die Briten im Besonderen in den von ihnen besetzten Gebieten versuchen, ihre Vorstellungen von Recht und Kultur durchzusetzen. Und während es für den geringsten und ärmsten Weißen daheim in England ein Gerichtsverfahren gibt, ist Amtmann Sanders in Afrika Ankläger, Richter und Henker in einer Person. Das alles geht im Schnellverfahren ab, die Angeklagten werden oft mit Auspeitschen oder Hinrichtung bedroht und damit zu Geständnissen gezwungen, manchmal bleibt es nicht nur bei den Drohungen. Sicherlich haben sie sich oft schlimmer Vergehen schuldig gemacht, aber es genügt manchmal schon, einfach nicht demütig genug dem weißen Herren gegenüber gewesen zu sein. Tatsächlich herrscht Sanders über sein Gebiet eher wie ein Diktator oder zumindest wie ein feudaler Fürst, obwohl das ja auch eher die Entwicklungsstufe der dortigen Bevölkerung ist. Es ist schon frappierend, wie sorglos Wallace von Misshandlungen und massenweisen Hinrichtungen schreibt, vom Verfrachten zur Zwangsarbeit auf die "Insel der Ketten", vom Abschlachten der aufständischen Stämme mit Maschinengewehren und Geschützen und von Strafmaßnahmen wie dem Niederbrennen von Dörfern und dem Vernichten von Ernte usw. Da fallen einem schon andere Dinge in der Geschichte ein, aber darüber will ich mich lieber nicht auslassen. Der Gerechtigkeit halber muss man angeben, dass Sanders auch weiße Verbrecher wegen Untaten gegen die Eingeborenen bestraft und wirklich bemüht ist, Frieden zwischen den verschiedenen Völkern zu halten und gerechte Urteile zu sprechen. Das geht sicher nicht leicht für einen Mann mit ein paar Hilfstruppen. Zumal auch die Briten an den Zwistigkeiten nicht ganz unschuldig sind, denn "viele kleinere Häuptlinge sind besser als ein großer". Besser kann man die britische Geopolitik des "Teile-und-Herrsche"-Prinzips mit einfachen Worten nicht zusammenfassen. Die Einheimischen erscheinen als große Kinder, im Grunde gutmütig und naiv, aber auch immer wieder zu Ausbrüchen von Gewalttätigkeit neigend. Als kindliche Gemüter werden sie von Wallace oft beschrieben. Trotz aller Herrenmenschenattitüde scheint auch er vom "edlen Wilden" geträumt zu haben, manchmal fabuliert er auch von der Ursprünglichkeit und Triebhaftigkeit ohne zivilisatorische Ketten, die diese Menschen glücklich ihren Weg gehen lässt.
Dass das fragwürdige "Zivilisieren" der Urbevölkerung durch Großbritannien kein selbstloser Akt war, sondern handfeste wirtschaftliche Interessen hatte, erfährt man eher am Rande. Die Bewohner der Kolonie müssen Steuern, meist in Form von Naturalien, Nahrungsmitteln oder Brennholz abgeben, auch an Bodenschätzen hat die Krone durchaus ein Interesse. Besonders böse Weiße versuchen, den Schwarzen Alkohol zu verkaufen oder betrügerische Geschäfte mit ihnen zu machen, doch da ist Sanders dagegen, denn das schädigt ja letzten Endes auch den Gewinn des Britischen Empire.
Ist Edgar Wallace nun ein bösartiger verabscheuungswürdiger Rassist ? Ich glaube, man würde es sich zu einfach machen, wenn man ihn so bezeichnet. Er beschrieb die Eingeborenen halt so, wie er und die Missionare, Soldaten usw. sie in Afrika halt wahrnahmen. Wenn man sieht, wieviel Gewalt es auch heute noch auf dem "schwarzen Kontinent" gibt, die unzähligen Kriege und Massenmorde (Ruanda), fernerhin der immer noch existierende unglaubliche Aberglaube, dann hat er meiner Ansicht nach die Einheimischen eher noch harmlos dargestellt. Selbst heute noch werden besonders in den zentralen Regionen Menschen als Hexen verfolgt, oder weil sie Albinos sind oder gar weil sie Glatzen haben, die ein Zeichen für Reichtum sind, werden sie umgebracht. Und das sind keine Einzelfälle. Die Ju-ju-Verwünschungen, die Wallace erwähnt und aus denen sich dann auf Umwegen das Voodoo entwickelte, gibt es heute auch noch. Und wer immer noch das Märchen glaubt, dass nur der "weiße Mann" die Gewalt nach Afrika brachte und davor dort der Garten Eden herrschte, der kann sich ja z.B. mal im Völkerkunde-Museum in Leipzig die afrikanische Abteilung ansehen. Da gibt es jede Menge Exponate, die von Kriegen aus fernen Zeiten, finsterem Aberglauben und Sklaverei künden, die besonders jahrhundertelang die Araber zu verantworten hatten. Auch davon berichtet Wallace. Ebenso wie von den oft vergeblichen Versuchen der christlichen Missionare, die Einheimischen zu bekehren, während viele Beteiligte einen fanatischen Glauben an den Propheten entwickelt haben. Sollte man mal ernsthaft drüber nachdenken...
Natürlich weiß man gerade bei den Wallace'schen Afrika-Erzählungen nicht, wo die Wahrheit aufhört und die Phantasie anfängt. Langweilig werden sie eigentlich nie, obwohl es auch hier Wiederholungen und Stereotypen gibt, die man aus seinen Kriminalromanen kennt, die doch eine völlig andere Welt sind. Natürlich schleichen sich auch wieder die altbekannten Nachlässigkeiten des Autors ein. Einmal schreibt er, dass Sanders die Missionare nicht mag, dann wieder bewundert er sie. Einmal erklärt er, dass Sanders durchaus Verständnis hat für die Ängste der Einheimischen vor dunkler Magie (er konsultiert sogar ernsthaft einen "Zauberdoktor") und an ihre teilweise übersinnlichen Fähigkeiten glaubt, dann wieder behauptet er später, dass er das alles für Humbug hält. Aber den Vogel schießt er förmlich ab, als er schildert, wie die Eingeborenen das blonde Haar der Missionarin Miss Glandynne hässlich finden, um ein paar Seiten später Sanders über ihr schönes kastanianbraunes Haar schwärmen zu lassen. Da war es denn mit der Sorgfalt der ersten Stories vorbei. Trotz allem - die Erzählungen sind sehr unterhaltsam, spannend, oft humorvoll und auch in ihren eher spärlichen Beschreibungen der Landschaft, Tierwelt etc. sehr farbenfroh. Gewissermaßen sind sie auch ein Zeitdokument.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, die zentralafrikanische Welt durch die Brille des dünkelhaften britischen Eroberers zu sehen, den erwartet ein Bündel durchaus auch heute noch reizvoller Geschichten. Wer Interesse hat, sollte sie sich jetzt noch besorgen, denn irgendwann werden sie wohl auch der grassierenden "Political Correctness" zum Opfer fallen. (Ich wundere mich sowieso, warum auf Wikipedia noch kein Hinweis auf Wallace' Rassismus steht, wo man doch schon sogar abstruserweise Agatha Christie der Fremdenfeindlichkeit und des Antisemitismus verdächtigt hat). Aber wir sind doch eigentlich alle alt genug, um auch die "Afrika-Romane" von Edgar Wallace richtig einordnen zu können.
Mal sehen, wie es weitergeht, ob die anderen Bände irgendwann größere "Abnutzungserscheinungen" aufweisen und ich bis zum Schluss durchhalte...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.455

18.05.2018 18:20
#2 RE: Afrika-Romane Zitat · antworten

Edgar Wallace' Afrika-Erzählungen habe ich nur hin und wieder sehr sporadisch gelesen, weil mir die Krimis thematisch einfach näherliegen. Aber auch allgemein sind die Stories in Vergessenheit geraten, nachdem die Wallace-Filme zum überwiegenden Teil ja vor allem die gewohnten Krimi-Aspekte immer wieder aufs neue bestätig(t)en und die Wahrnehmung des britischen Kolonialismus sich im Laufe der Jahre doch recht deutlich geändert hat.

Im Zuge eines Uni-Seminars zu Forschungsreisen in Afrika in der deutschen und englischen Literatur hatte ich vor etwa zwei Jahren die Gelegenheit, eine kurze Hausarbeit über die erste Geschichte aus dem Sammelband "Sanders of the River" zu schreiben. Wir scheinen uns diesbezüglich in unserer Wahrnehmung zu ähneln, wenn ich das mit deiner Einschätzung vergleiche.

Für Interessierte die Links:

"Imperialist Discourses in Edgar Wallace's The Education of the King"
Originalgeschichte

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 68

22.05.2018 12:34
#3 RE: Afrika-Romane Zitat · antworten

Vielen Dank für den Link ! Leider ist mein Englisch mangels Übung nur für den Überlebensgebrauch ausgelegt, aber ich habe Deinen Text trotz allem recht gut übersetzen können. Hat mir sehr gut gefallen.
So hat Edgar Wallace wenigstens seinen Weg in eine wissenschaftliche Arbeit gefunden, hoffentlich wurde es auch vom Lehrpersonal ausreichend gewürdigt... :-). Obwohl ja Dein Litera-turverzeichnis angibt, dass sich auch schon andere mit der Thematik beschäftigt haben.
Ich denke, die Briten sind auch heute immer noch das Volk in Europa, das seine Geschichte am meisten glorifiziert und seine Verbrechen am stärksten beschönigt oder vertuscht hat. Wer weiß schon von den schrecklichen genozidartigen Hungersnöten in Indien, Iran oder auch Irland, die die Briten verursacht haben. Ganz abgesehen von vielen Auswirkungen der britischen Kolonialpolitik, die z.B. mit der Teilung Irlands, der willkürlichen Teilung Arabiens (Sykes-Picot-Abkommen) oder der Teilung Indiens noch bis heute Auswirkungen auf das Weltgeschehen haben. Dagegen sind die Wallace-Geschichten wirklich schlicht und, wie du ja auch geschrieben hast, eben zur Unterhaltung gefertigt. Die Sehnsucht des Lesers nach Exotik und Abenteuern soll eben bedient werden, größere und tiefergehende Zusammenhänge schließen sich da wohl aus. Aber unterhaltsam sind die Stories ohne Wenn und Aber. Das funktioniert heute noch genauso wie vor hundert Jahren.

Über Pfingsten habe ich mal den nächsten Geschichten-Band gelesen:

Bosambo von Monrovia

Wie der Titel schon sagt, geht es hier ein wenig mehr um den Eingeborenenhäuptling Bosambo, der den Stamm der Ochories wieder zu furchterregenden Kriegern gemacht hat, treu zu Distriktsverwalter Sanders steht und ansonsten stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Eigentlich ist alles beim Alten, ich finde, Edgar Wallace hat seine Kurzgeschichtentechnik, mehrere Handlungsstränge unabhängig voneinander zu entwickeln und dann zum Ende hin logisch zusammenzuführen, noch besser ausgebaut als bei den anfänglichen Geschichten. Eher besinnlichere und humorvolle Geschichten mit tiefergehenden beschriebenen Charakteristiken der jeweiligen Helden wechseln sich ab mit ziemlich bluttriefenden und gewalttätigen Episoden, wobei die humorvollen Geschichten humorvoller und die blutigen Geschichten blutiger geworden sind.
Da gibt es eine Story, wo ein gewissenloser weißer Händler den Schwarzen für viel Geld wertlosen Plunder andrehen will. Zu seinem Unglück gerät er aber an Bosambo, welcher ihn mit treuem Unschuldsblick selber jedes Mal übers Ohr haut, zuguterletzt kann der Händler froh sein, wenn er mit heiler Haut davonkommt. Da musste ich oft schmunzeln. Daneben gab es eine Episode mit einem zurückgezogen lebenden Stamm, der von einem besonders grausamen König beherrscht wird, der hunderte Frauen opfert, seine Feinde (und Freunde) vernichtet, kreuzigt, brennt und mordet. Das ist schon recht gruselige Kost, überhaupt spielt das Kreuzigen an Pfähle in diesem Buch eine recht große Rolle, auch andere Folterungen und Hinrichtungen werden viel beschrieben. Manchmal vermischen sich Humor und Gewalt, etwa wenn ein überspannter Amerikaner eine geheimnisvolle Fabelkreatur sucht (heute würde man von Kryptozoologie sprechen) und Bosambo ihm diese für gutes Geld auch liefert. Das Ganze artet allerdings in einen verlustreichen Kampf mit den kleinwüchsigen Waldmenschen aus, eine grausame Rasse, die sowohl von Weißen wie Schwarzen gehasst und gefürchtet wird. Daneben erfahren wir, dass sowohl die weißen wie die schwarzen Männer eine Abscheu gegen "Mischehen" haben, und auch, dass Perioden des Friedens für alle das Beste sind. Hauptmann Sanders muss sich auch mit einem englischen Waffenhändler herumschlagen, der verbotenerweise Hinterladergewehre an die Einheimischen liefert, die nun nichts anderes zu tun haben, als Aufstand und Rebellion ins Land zu bringen. Seine "Kinder" sind eben doch schon recht groß und wild, aber er zögert trotz allem, koloniale Eingreiftruppen anzufordern und den Krieg restlos eskalieren zu lassen. So geht denn auch diese Geschichte gut und ein wenig abrupt zu Ende.

Als nächstes werde ich mir mal den "Diamantenfluss" vornehmen, der läuft ja auch unter der Kategorie "Krimi", aber spielt auch in Afrika. Hab ich mal vor langer Zeit gelesen, ist aber kaum was haften geblieben.

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