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  • Romy Schneider - Filme & KarriereDatum07.10.2018 14:08
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema


    SCHORNSTEIN NR. 4


    ● SCHORNSTEIN NR. 4 / LA VOLEUSE (D|F|1966)
    mit Romy Schneider, Michel Piccolli, Sonja Schwarz, Mario Huth und Hans Christian Blech
    eine Produktion der Hans Oppenheimer Film | Chronos Film | Procinex | UGC | im Team Filmverleih
    ein Film von Jean Chapot




    »Ich liebe dich, aber ich kann dich kaum noch ertragen!«


    Julia Kreuz (Romy Schneider) ist von einer aushöhlenden Sehnsucht getrieben. Mit 19 Jahren brachte sie einen Jungen zur Welt, den sie aber kurz nach der Geburt weggegeben hatte. Seitdem lebt das Kind in einer Pflegefamilie. Julia kann an nichts anderes mehr denken, als dass ihr mittlerweile sechsjähriger Sohn (Mario Huth) bei ihr aufwachsen sollte. Ihr Mann Werner (Michel Piccoli) hätte lieber ein eigenes Kind mit ihr, aber seine Frau ist nicht mehr umzustimmen, zumal das Gesetz auf ihrer Seite ist, da der Ziehvater Kostrowicz (Hans Christian Blech) es seinerzeit versäumt hatte, die Adoption zu beantragen. Ein hässliches Tauziehen um den Jungen beginnt, und jeder der Beteiligten glaubt das Richtige zu tun, bis es zu einer schwerwiegenden Entscheidung kommt, die einer Katastrophe gleichkommt...

    Der Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Jean Chapot inszenierte mit "Schornstein Nr. 4" einen seiner wenigen Kinofilme, denn er sollte eher als Autor in Erscheinung treten, außerdem verlagerte der Franzose sein Kerngeschäft ab den 70er Jahren hauptsächlich ins TV-Fach. Dieses am 26. August 1966 durch den neu gegründeten Team-Flmverleih in die Kinos gebrachte Drama konnte weder nennenswerte Erfolge in Deutschland, noch in Frankreich verbuchen und wurde als Romy Schneiders deutsches Comeback angesehen, die hierzulande mehrere Jahre abstinent gewesen war. Comeback oder Boykott? Alleine über diese Schiene kann man den mangelnden Erfolg des Films nicht festmachen, da es sich zugegebenermaßen um einen recht schweren Stoff handelt, der nicht gerade vor Publikumswirksamkeit zu strotzen scheint. Vielmehr verlangt die Thematik dem Zuschauer eine hohe Aufmerksamkeit ab und es muss durchaus eine Affinität für alles was dazu gehört bestehen, um gut mit ihm zurechtzukommen. Die Geschichte vermittelt von Anfang an eine Statik, die sich als Elixier herausstellen wird; außerdem ist wirklich alles bis auf das Nötigste reduziert worden, um die behandelte Brisanz besser wahrnehmen zu können. Telegrammartige Dialoge und eine auffällig steril wirkende Schwarzweiß-Dominanz, die sich aus den Drehorten Berlin, Ruhrgebiet und den Hüttenwerken in Oberhausen ergibt, verfolgen resolut das minimalistische Prinzip, was auch auf das Produktionsbudget zutreffen dürfte.

    Romy Schneider und Michel Piccoli standen in "Schornstein Nr. 4" erstmals gemeinsam vor der Kamera und es zeichnet sich bereits hier eine ganz besondere Chemie zwischen ihnen ab. Die beiden Ausnahme-Interpreten haben die Szenerie von Anfang an fest im Griff, was vielleicht auch eine größere Anzahl von zusätzlichen Darstellern erübrigt hat. Die besagte gute Chemie definiert sich unter Jean Chapots Leitung nicht nur von selbst, sondern unter negativ angelegten Voraussetzungen innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen, da die beiden Protagonisten, Julia und Werner Kreuz, beiläufig über ein Problem diskutieren, welches sich schon wenig später in gefräßiger Art und Weise aufbäumen und nicht mehr abwenden lassen wird. Seinerzeit war der bundesdeutsche Film womöglich für derartig anspruchsvolle Stoffe nicht bereit, zumindest nicht ausgelegt, und es passiert wie so oft, dass man sich über die bestehenden Stärken eines bestimmten Films wundert, die damals nicht anerkannt wurden. Skizziert wird Unbehagen und das Zusteuern auf emotionale oder persönliche Katastrophen von allen Beteiligten, denn obwohl nur wenige Charaktere das Kommando übernehmen, kann niemand dem einen oder anderen helfen, selbst wenn er wollte. Diese Ausweglosigkeit, die quasi immer wieder für Verständnis wirbt, aber eigentlich nur Unverständnis zur Folge haben kann, lässt den Verlauf zu einer Zerreißprobe für den Zuschauer werden, obwohl zunächst keine wilden Ausbrüche zu finden sind; von Hysterie ganz zu schweigen.

    "Schornstein Nr. 4" schildert mit eindrucksvollen Mitteln, dass der aussichtslose Versuch gestartet wird, einen Fehler mit einem Fehler wieder gutzumachen. Hierbei ist es sehr erstaunlich und irritierend zugleich, dass sich die Hauptdarsteller so stark im Griff zu haben scheinen, um ihre Präzisionsleistungen minutiös anzupassen. Romy Schneider diktiert dem Zuseher bereits im Vorspann ihre außergewöhnliche Präsenz auf, indem man lediglich sieht, wie sie auf und ab geht, und dabei über das spricht, was sie bewegt. Als Zuschauer versteht man aufgrund der überlagernden Musik kein Wort, aber dennoch ist zu ahnen, worum es gehen dürfte. Die junge Frau ist in einem Tunnel, der sich aus einer Einbahnstraße ergibt. Der Gedanke an ihr damals abgegebenes Kind treibt sie an und lässt sie beinahe verrückt werden. Die Zukunft und jegliche Emotionen sieht sie nur noch in diesem Zusammenhang; alles Weitere bleibt gnadenlos auf der Strecke. Ihr gegenüber stehen zwei Männer und jeder von ihnen wird auf seine ganz eigene Weise mit der Verzweiflung und Resignation vertraut gemacht. Julias Mann Werner wird von ihr selbst aus ihrem Leben verbannt. Er hasst die Situation und unterschwellig auch das Kind, das als Synonym für Julias vermeintliches Glück steht, aber gleichermaßen für sein persönliches Desaster. Michel Piccoli stattet seine Rolle mit einer Lethargie aus, die kaum auszuhalten ist. Fungierend als wandelnder Vorwurf, setzt er seiner Frau zusätzlich schwer zu, doch jeder der beiden weiß, dass es keinen einfachen Ausweg mehr gibt.

    Der andere Mann wird dargestellt von Hans Christian Blech, einem einfachen Arbeiter, der sich verzweifelt und häufig unüberlegt gegen die sich zuspitzende Ungerechtigkeit stellt. Allerdings ist sie nur im Sinne der Moral ungerecht, doch nicht im Auge der Justiz. Dieses Dilemma ruft Ohnmacht und Hass hervor, die sich massiv gegen Julia richtet. Eine zusätzliche Brisanz kommt durch die öffentliche Meinung auf, da sich plötzlich zehntausende Menschen mobilisieren, von denen die meisten nur breites Unverständnis ausdrücken. Im letzten Drittel des Films spitzt sich die Geschichte zu, da eine Zukunft mit dem Kind in eine Waagschale mit dem Leben eines scheinbar illegitimen Vaters geworfen wird. Als Zuschauer hofft man auf irgend eine gütliche Einigung, eine x-beliebige Lösung, doch es besteht wenig Zuversicht, da Romy Schneider in nahezu pervers wirkender Art und Weise Zeit schindet, die unbequeme Situation aussitzt und rücksichtslos auf ihr Recht pocht. Am Ende werden Masken fallen und zurück bleibt ein überaus verstörender Gesamteindruck, da die Machtlosigkeit der Personen und die Ausweglosigkeit der Situation voll zum Tragen kommt. Jean Chapot ist mit "Schornstein Nr. 4" ein bemerkenswert düsterer Film über die weite Verzweigung menschlicher Abgründe gelungen, der mit einem Mut zur Tragik überrascht, die in dieser Form sicherlich nicht alle Tage zu finden war. Garniert mit großartigen Leistungen von Romy Schneider, Michel Piccoli und Hans Christian Blech, wird der Film zum Musterbeispiel für das eindringliche Nachhallen einer bedrückenden Thematik.

  • Romy Schneider - Filme & KarriereDatum23.09.2018 15:07
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema


    DAS MÄDCHEN UND DER MÖRDER


    ● L'ASSASSINIO DI TROTZKY / L'ASSASSINAT DE TROTZKY / THE ASSASSINATION OF TROTZKY / DAS MÄDCHEN UND DER MÖRDER - DIE ERMORDUNG TROTZKIS (I|F|GB|1972)
    mit Alain Delon, Richard Burton, Romy Schneider, Valentina Cortese, Luigi Vannucchi, Jean Desailly, Enrico Maria Salerno, Simone Valère, Peter Chatel und Giorgio Albertazzi
    eine Produktion der Dino de Laurentiis Cinematografica | CIAC | Cinétel | Joseph Shaftel Productions | im Constantin Filmverleih
    ein Film von Joseph Losey




    »Der Krieg ist nun mal ein Spiel für Kapitalisten!«


    Leo Trotzki (Richard Burton), der einstige Weggefährte Lenins, lebt nach seiner Flucht aus der Sowjetunion in Mexiko-Stadt im Exil. Zu seinem schwer bewachten Haus haben nur wenige Personen Zutritt, wie seine Lebensgefährtin Natalja (Valentina Cortese). Als 1940 trotz eindringlicher Warnungen ein Anschlag auf das Haus und somit Trotzki verübt wird, kommt es zu verschärfen Sicherheitsmaßnahmen, da außerdem sein amerikanischer Leibwächter (Carlos Miranda) in die Hände der Attentäter gelangt ist, und später ermordet aufgefunden wird. Die latente Gefahr mobilisiert sich schließlich im Hintergrund, da Leo Trotzkis Dolmetscherin Gita Samuels (Romy Schneider) die Gefahr trotz ihrer uneingeschränkten Loyalität ihm gegenüber in seine unmittelbare Nähe lässt. Sie lebt mit einem Mann zusammen, der sich als US-Amerikaner (Alain Delon) ausgibt und sich Frank Jacson nennt. Wird er das zu Ende bringen, was andere nicht geschafft haben..?

    Der US-amerikanische Regisseur Joseph Losey kann auf eine ausgefüllte Karriere blicken, in der sich nicht wenige Filme befinden, die ein Aufgebot von Top-Stars zur Verfügung hatten. Dies stellt generell eine gute Voraussetzung für jede Produktion dar, doch für einen Erfolg müssen natürlich auch die Geschichten vielversprechend ausgearbeitet sein. In "Das Mädchen und der Mörder - Die Ermordung Trotzkis" beweist die Regie ein gutes Gespür für die sachgemäße Abhandlung historischer Hintergründe und geht mit Akribie vor, was streckenweise zulasten einer flüssig erzählten, beziehungsweise publikumswirksamen Inszenierung geht. Zwar hängt die Gefahr stets lauernd über dem Szenario - nicht zuletzt wegen des verheißungsvollen Titels und geschichtlicher Tatsachen - aber insbesondere im Mittelteil fehlt es schon etwas an Drive, wobei man die Intention dieses Films sicherlich nicht auf reißerische angelegtes Kino reduzieren sollte. Eindrucksvolle, zum Teil destruktive Bilder und imposante Sets kreieren eine besondere Atmosphäre, die authentisch und überzeugend, in vielen Sequenzen aber auch beklemmend wirkt. Der Fall Trotzki konnte nie restlos aufgeklärt werden, sodass sich Losey an den strikten Leitfaden hält, nicht ins allzu Spekulative abzudriften. Ein behutsamer Aufbau lässt viel Spielraum für dichte Zeichnungen der Hauptcharaktere, die darstellerisch auffällig gegensätzlich wirken, obwohl es genügend Berührungspunkte zu geben scheint.

    In der Titelrolle bekommt es der geneigte Zuschauer mit einem überaus disziplinierten Richard Burton zu tun, der die Szenerie in aller Diskretion dominiert, da über seine Person ein Großteil der Spannung aufgebaut wird. Aufgrund seiner bevorstehenden Ermordung ist somit nicht die Frage wie es vonstatten gehen wird am interessantesten, sondern man beschäftigt sich mit dem »Warum?«. Burton bekommt aufgrund der eng abgesteckten Dramaturgie eigentlich wenige Möglichkeiten geboten, sich frei zu spielen, jedoch legt die Geschichte einen anderen Schwerpunkt. Hier kommt Alain Delon ins Spiel, dessen Gefühlslage den Zuschauer beschäftigen wird. Joseph Losey widmet sich in diesem Zusammenhang nicht einer Art aussichtslosem Ehrgeiz, für eine lückenlose Klärung sorgen zu wollen, aber auf dieser Ebene wird es alternative Angebote und mögliche Beweggründe geben, die zwar auch den geschichtlichen Tatsachen entsprechen, jedoch von Delon sehr variabel dargestellt werden, sodass einige Deutungsmöglichkeiten zurückbleiben. Alain Delon fällt durch eine besondere Effizienz seiner Darbietung auf, da er nur in wenigen Szenen aus sich herauskommen darf. Trotz einer eigentlich vollkommen zerrütteten Persönlichkeit wie ihm erlebt man keine diffusen Gefühlskapriolen, was in stillen Momenten dazu führt, dass man ihn zunächst nicht voreilig oder einseitig stigmatisieren will - was im Endeffekt jedoch unausweichlich sein wird.

    Diese Eindrücke werden weniger über Leo Trotzki, als über Gita Samuels alias Romy Schneider gebahnt, was ihrer eigentlich wenig relevant erscheinenden Rolle eine besondere Schlüsselfunktion zuspielt. Der Verlauf macht aus ihr eine klassische Antagonistin mit der besonderen Fähigkeit, den Zuschauer unmittelbar anzusprechen - und zwar in alle erdenklichen Richtungen. Dies deckt die wichtigen Bereiche wie beispielsweise Gerechtigkeitsempfinden, Ehrgefühl oder Moral ab, aber auch die Gegenseite, denn schließlich lebt sie mit einem potentiellen Mörder zusammen. Romy Schneiders manchmal zügelloses Temperament wirkt hier beinahe wie das einzige Sprachrohr einer doch so aufgeladenen Geschichte, in der viele andere Personen schweigen. Ihre Szenen mit Partner Alain Delon verbreiten erwartungsgemäß eine beinahe obligatorisch wirkende Intimität und einen so natürlich vorhandenen Zündstoff, der für Aufsehen sorgen kann. Eine Schlüsselszene in einer Stierkampfarena transportiert Eruptionen der Gefühle, Aggressionen und bevorstehenden Gewalt; schließlich reizt diese in die Länge gezogene Sequenz eine prosaische Variante der Darstellung komplett aus, indem der wilde Stier minutenlang gehetzt wird und mit dem Tod kämpfen muss, bevor ihm das erlösende Ende gemacht wird. Der tatsächliche Showdown des Films wird außerdem durch diese blutrünstige Strecke vorskizziert, in welchem einem die Minuten vorkommen werden wie eine halbe Ewigkeit.

    "Das Mädchen und der Mörder - Die Ermordung Trotzkis" ist mit den Jahren etwas in Vergessenheit geraten und findet in der Karriere von Romy Schneider, wie im Allgemeinen auch, keine besondere Erwähnung. Bleibt man bei der weitgehend hochwertigen Inszenierung, ist diese Tatsache vielleicht ein wenig unverständlich, schließlich wurde im klassischen Sinn alles richtig gemacht. Auf der Gegenseite steht ein jedoch hin und wieder sperrig wirkender Film, der seine Publikumswirksamkeit nicht richtig auszuspielen weiß. Manche Szenen ziehen den Verlauf stark in die Länge und lassen ihn beinahe trocken wirken, beispielsweise wenn Richard Burton seine (politischen) Gedanken auf Tonband diktiert und dabei immer der Inbegriff von Sachlichkeit bleiben muss. Die zum Ausgleich angebotenen Emotionen wirken daher manchmal nur zweitrangig. Möglicherweise lässt sich sagen, dass dieser überqualifizierte Film schlussendlich schlicht und einfach an bestehenden Sehgewohnheiten scheitert, aber trotzdem zu einem hochwertigen Ergebnis gekommen ist, da geschichtliche Hintergründe und spekulative Inhalte besonders geschickt miteinander verknüpft sind. Joseph Losey lieferte insgesamt gesehen zwar keinen Coup oder gar Klassiker, aber sicherlich einen ernstzunehmenden Beitrag an, der stilistisch und inszenatorisch einem roten Faden folgt und seiner offensichtlichen Ambition treu bleibt. Fans des eher anspruchsvollen Kinos und der Interpreten werden somit sicherlich auf ihre Kosten kommen.

  • Heisse Katzen (1967)Datum03.09.2018 09:16
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von patrick im Beitrag #5
    Sylva Koscina fand ich ohnehin immer toll.

    Dann ist das genau der richtige Film. Womöglich eine von Sylva Koscinas schönsten Rollen. Macht wirklich Spaß!

  • Heisse Katzen (1967)Datum02.09.2018 20:35
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Elke Sommer und Sylva Koscina machen "Heiße Katzen" ja schon irgendwie zu einem Klassiker. Was die Attraktivität der beiden angeht, kann man sich eigentlich kaum entscheiden, wer die Nase vorne hat. Leztlich sind es die vollkommen unterschiedlichen Anlegungen der Charaktere, die in der kurzweiligen Geschichte für eine besondere Situationskomik sorgen. Der Film macht einfach enormen Spaß!

  • Im Netz der goldenen Spinne (1966)Datum02.09.2018 20:22
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Ein wirklich unterhaltsamer und hochwertiger Film, der sich im Agenten-Genre nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken braucht.
    Bei der Besetzung haben mir vor allem Ida Galli und Helga Liné gefallen, die ich ja immer gerne sehe.
    Interessant sind erneut die Zahlen zum Film und die beachtlichen Erfolge in Spanien und Italien.

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auch ich habe für diesen sehr interessanten Exkurs zu danken, Giacco!
    Gerade bei solchen Informationen rund um Filmgesellschaften werde ich stets hellhörig, zumal man in der Regel ja kaum etwas Besonderes dazu weiß.
    Gerne weiter so!

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum04.08.2018 16:44
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #20


    Danke für diese interessante Ausgrabung. Auch wenn Eva Renzi hier nicht selbst zu Wort kommt, ist es dennoch interessant zu sehen, dass sie für solche Berichterstattungen durchaus gefragt war.

  • Augen ohne Gesicht (1960)Datum04.08.2018 16:39
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Giacco im Beitrag #1
    Bei diesem Klassiker handelt es sich nicht um einen herkömmlichen Horrorfilm.

    Dem ist nur zuzustimmen, denn Franju bietet erfahrungsgemäß wieder ein bisschen mehr als die Konkurrenz an. Aber ein Klassiker ist es allemal - immer wieder gerne gesehen!

  • Das Bildnis des Dorian Gray (1970)Datum04.08.2018 16:32
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Giacco im Beitrag #2
    Das deutsche Kinopublikum zeigte damals wenig Interesse.

    Das hatte ich schon vermutet, immerhin war die Adaption recht frei und zu sehr aus dem zeitlichen Kontext gerissen, was aber auch als geheime Stärke angesehen werden kann, auch wenn der Film in seiner tatsächlichen Zeit nicht angekommen ist. Ich mag diesen Film sehr gerne und halte ihn für unkonventionell, schön bebildert und gut von der internationalen Besetzung interpretiert. Natürlich kann es durchaus passieren, dass man über die eigene Kenntnis stolpern kann, falls man Wildes Romanvorlage kennt. Ging mir bei der Erstansicht auch so. Unterm Strich bleibt aber 70er-Jahre-Kino reinster Seele, das man sich auch heute noch gut anschauen kann.

  • Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    "Negresco" habe ich mir wahrscheinlich viel häufiger angesehen, als ich es normalerweise getan hätte, schließlich war ich die ersten 4-5 Mal auf der Suche nach Eva Renzi, die bei den Gästen angekündigt ist. Da sie nicht gerade leicht zu erkennen ist und nur etwa 10 Sekunden zu sehen ist, habe ich sie bei den ersten Sichtungen nie ausmachen können. Anfangs fand ich den Film nicht besonders, aber ich denke dass er durch das häufige Ansehen im Endeffekt enorm gewinnen konnte. Überhaupt sind die Filme die ich bislang von Klaus Lemke gesehen habe recht unkonventionell ausgefallen und vermitteln eine sehr schöne Bildsprache. "Negresco" fällt vielleicht tatsächlich ein bisschen aus dem Rahmen, da man sich hier ganz offensichtlich etwas mehr an gängigen Sehgewohnheiten orientiert hat. Nichtsdestotrotz ein Film, den man sich als Krimi-Crack anschauen kann, falls man denn keine großen Wunder erwartet.

  • 48 Stunden bis Acapulco (1967)Datum04.08.2018 15:38


    48 STUNDEN BIS ACAPULCO

    ● 48 STUNDEN BIS ACAPULCO (D|1967)
    mit Dieter Geissler, Christiane Krüger, Alexander Kerst, Charly Kommer, Manuel Rivera sowie Monika Zinnenberg und als Gäste Ilse Pagé, Michael Maien, Teddy Stauffer, Rod Carter
    eine Produktion der Seven Star Film | im Verleih der Cinema Service
    ein Film von Klaus Lemke




    Frank Murnau (Dieter Geissler) träumt von einem unbeschwerten Leben, das ihm die Heirat mit der reichen Fabrikantentochter Laura Gruner (Christiane Krüger) ermöglichen könnte. Doch Frank will mehr. Mit seiner Geliebten Monika (Monika Zinnenberg) schmiedet er einen Plan und setzt sich nach Acapulco ab, um sein Wissen über die dunklen Geschäfte seines designierten Schwiegervaters Gruner (Alexander Kerst) zu Geld zu machen. In Mexiko angekommen, stößt der mehrgleisig fahrende junge Mann allerdings schnell an seine Grenzen, da er sich im Vorfeld nicht ausmalen konnte, mit welchen Leuten er sich anlegt. Innerhalb von 48 Stunden wird nicht nur über sein Schicksal entscheiden werden...

    Klaus Lemke lieferte mit seinem subtilen Thriller "48 Stunden bis Acapulco" ein bemerkenswertes Spielfilmdebüt ab. Der Verlauf wird dabei in auffälliger Weise von eingängiger Musik, exzellenten Bildern und außergewöhnlichen Typen getragen. Dabei orientiert sich die Geschichte offensichtlich an amerikanischen Vorbildern, ohne sich jedoch als lose Kopie abzuqualifizieren. Derartige Anläufe des Jungen Deutschen Films warten mit zahlreichen Neuerungen auf, die sonst in höherer Konzentration eher nicht zu finden waren und man stellt sich hier selbstbewusst gegen herkömmliche Erzählstrukturen. So findet das Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit ihre Verwendung in einer straff aufgezogenen Kriminalgeschichte, die versucht, ihre Kraft aus der Grunderneuerung zu ziehen. Ins Auge dabei fällt zunächst die Sprache der Bilder und deren moderne Gestaltung, Kontraste und rasche Ortswechsel fabrizieren die Spannung, die sich zunächst nicht aus der Story ableiten lässt. Allerdings bleibt zu betonen, dass Lemkes auf vielen Ebenen anlockender Film kein handelsüblicher Reißer sein möchte. So konzentriert man sich also auf das vermeintlich Wesentliche und der Verlauf erscheint derartig kompakt inszeniert zu sein, dass weder Längen aufkommen, noch der Eindruck entsteht, dass auch nur eine Minute als Füllmaterial herhalten musste. Diese Strategie lässt sich vor allem aus der Dialogarbeit herausfiltern, die manchmal im regelrechten Telegrammstil vonstatten geht. Die Personen sprechen miteinander, liefern dem Zuschauer dabei aber nur eine Grundversorgung an Informationen und reden hin und wieder sogar aneinander vorbei, sodass die Bildgewalt ihr Überholmanöver starten darf. Wortkarge Typen, schöne Frauen und ein paar unberechenbare Personen bilden die übersichtlich angelegte Besetzungsliste, die beim genauen Hinschauen durch die Bank für beeindruckende Momente sorgen kann.

    Dieter Geissler stattet seine Rolle nach einem minimalistischen Prinzip aus, was hier aber durchaus erforderlich erscheint. Man sieht kaum eine Regung von ihm und seine Ruhe steht in vielen Situationen ziemlich konträr zum Grundtenor des Geschehens, in dem man dennoch keine Hysterie finden wird. Seinen großen Traum nimmt man ihm auch ohne ausladende Erklärungen sofort ab. In Einstellungen, in denen er sich insgeheim schon am lang ersehnten Ziel sieht, fällt eine spürbare Last von ihm ab. In seinem Sport-Cabriolet fährt er mit "Summer in the City" seinen Wünschen, ja, dem anvisierten neuen Leben entgegen und es bleiben Sequenzen in Erinnerung, die vor allem in Verbindung mit der exzellenten und hoch-atmosphärischen Musik des Jazz-Musikers Roland Kovac aus Österreich gebracht werden können. An Franks Seite befinden sich attraktive Frauen, die sich von ihrer Optik her kaum voneinander unterscheiden werden, was die charakterlichen Eigenschaften nur mehr in den Fokus rückt. Christiane Krüger ist erstmalig in einem Spielfilm zu sehen, außerdem wirkt sie so schön wie nie, und was sie und die Kamera betrifft, darf man ohne jeden Zweifel von einer Liebe auf den allerersten Blick sprechen. Christiane Krüger gewährt dem Zuschauer vor allem einen oberflächlichen Blick auf ihre makellose Hülle, jedoch sind zwischen den Zeilen einige Momente zu finden, die eine Art Intimität vermitteln möchten. Es bleibt ein fulminanter Einstieg in die Filmwelt und angesichts ihrer Karriere sogar eine Basis, im Sinne eines Modell-Charakters. Monika Zinnenberg darf erneut auf ihrem sichersten Terrain begleitet werden, denn sie sorgt für Unruhe, Skepsis und Unfrieden wo sie nur kann. Dabei ist erneut das grundeigene Potential zu erkennen, dass sie in bestimmten Situationen sehr giftig und bestimmend werden kann.

    Zwar handelt es sich dabei quasi um ein Rollen-Abonnement, aber um ehrlich zu sein liefert sie genau unter dieser Voraussetzung das ab, was sie ab besten kann. Im Endeffekt entsteht nicht zuletzt wegen der immer wieder beeindruckenden Monika Zinnenberg ein spürbares Tauziehen, bei dem sich schließlich herausstellt, dass eigentlich nur der Mann als Tauwerk dienstbar gemacht wird. Weitere Auftritte, die für Wiedersehensfreude sorgen, liefern Routinier Alexander Kerst, mit seiner gewohnt weltmännischen bis zwielichtig-berechnenden Note, und einige der beteiligten Gäste des Geschehens. Sie werden ohne größere Ankündigungen und Erklärungen auftauchen und ihre Aufgaben minutiös übernehmen, doch im Endeffekt dreht sich alles um die unaufdringliche Hauptperson Frank Murnau, die dem Anschein nach versucht, seine ebenso unaufgeregte Art auf den Zuschauer übertragen zu wollen. Vielleicht lässt sich diese Tatsache hin und wieder mit Spannungsarmut verwechseln, aber dem Konzept und dem linearen Aufbau der Geschichte perfekt angepasst worden und charakterisiert überdies die Sinnhaftigkeit des Titels dieser Produktion. Klaus Lemke ebnet einen Weg, bei dem es von vorne herein eigentlich außer Frage steht, dass groß angelegte Überraschungen auftauchen könnten. Die Geradlinigkeit der Geschichte offenbart eine Effizienz, bei der es den Anschein hat, dass sie von vorne herein en detail geplant gewesen sein wird. Somit ist ein sehr schönes und noch vielmehr aussagekräftiges Exemplar des Jungen Deutschen Films entstanden, das viele Stärken ohne halsbrecherische Kapriolen zu bieten hat und mit einer beinahe genialen Einfachheit auftrumpfen möchte. Die These, dass man Ideen auch ohne ein Mammut-Budget in eine besondere Gestalt bringen kann, wird von Klaus Lemke mit "48 Stunden bis Acapulco" in eindrucksvoller Manier belegt. Ein edles Sehvergnügen!


  • WIE KOMMT EIN SO REIZENDES MÄDCHEN ZU DIESEM GEWERBE?

    ● WIE KOMMT EIN SO REIZENDES MÄDCHEN ZU DIESEM GEWERBE? / MIR HAT ES IMMER SPAẞ GEMACHT / DOVE VAI SENZA MUTANDINE? (D|I|1970)
    mit Barbi Benton, Clyde Ventura, Jeff Cooper, Lionel Stander, Claude Farell, Massimo Serato, Broderick Crawford, Riccardo Carrone, Mark de Vries, Umberto D'Orsi,
    Paul Muller, Max Nossak, Bruce Low, José Luis de Villalonga, Murray Roman, Eric Matthews, Hugh Hefner, Horst Wendlandt sowie Hampton Fancher und Klaus Kinski
    eine Produktion der Rialto Film Preben Philipsen | Due Emme Cinematografica | im Inter Verleih
    ein Film von Will Tremper





    Die attraktive 16-jährige Lynn Keefe (Barbi Benton) macht mit ihrem leichtfertigen und naiven Gehabe eine komplette Kleinstadt in Pennsylvania verrückt. Dabei ist sie sich ihrer Wirkung auf die ansässige Männerwelt durchaus bewusst. Als sie eines Tages den etwas älteren Nick ( Clyde Ventura) kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf und träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Nach einem bizarren Liebesabenteuer wird Lynn von ihm schwanger und erwartet, dass er sie heiratet. Doch Nick sucht das Weite und lässt Lynn einfach sitzen. Schon bald beschließt sie, aus dem provinziellen Kleinbürgertum auszubrechen und begibt sich in der Hoffnung den Richtigen zu treffen auf eine Reise ins Überall und Nirgends. Doch Lynn kommt schon bald auf dem Boden der Tatsachen an und lernt die wahren Gesichter vieler Männer kennen, bis sie sich im Endeffekt folgendes vorhalten lassen muss: »Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe?«

    Will Tremper brachte es in seinem dem Vernehmen nach turbulenten Schaffen auf fünf Filme, die größtenteils gute Kritiken bekamen, aber wirtschaftlich gesehen nicht als zufriedenstellend bezeichnet werden müssen. Das Dilemma des Will Tremper besteht vielleicht darin, dass der durchaus visionäre Regisseur und inoffizielle Vorreiter des Neuen Deutschen Films deutlich vor seiner Zeit inszenierte, diese aber noch nicht reif für seine unkonventionellen Beiträge war. Auch "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe" wurde zum Misserfolg, der mit einem Produktionsbudget von rund 2½ Millionen D-Mark sogar zum wohl größten Flop von Horst Wendlandts Rialto Film werden sollte. Da der Film in den Kinos schlecht anlief, wurde er im Rahmen einer möglichen Schadensbegrenzung in "Mir hat es immer Spaß gemacht" umbenannt und um etwa 15 Minuten gekürzt, was allerdings auch nichts mehr helfen sollte. Beim Anschauen des Films drängen sich Quervergleiche zu Trempers 1966 entstandenem "Playgirl" auf, in welchem er seiner unerfahrenen Hauptdarstellerin quasi die alleinige Macht gab, und es neben ihr keine anderen Götter, geschweige denn Göttinnen geben durfte. Dennoch zeigen sich natürlich bedeutende Unterschiede bei der Handlung und Struktur der Geschichte, außerdem ist ein näheres Heranrücken an den herkömmlichen deutschen Film zu beobachten, sodass sich erstmals und insgesamt gesehen keine Besonderheiten herauskristallisieren. Aber der komplette Film wurde nicht optimal angepackt, wie Tremper selbst einräumte.

    Zitat von Will Tremper
    Barbi-Darling erwies sich als ein Naturtalent, das, ähnlich wie die Renzi, ihrer Rolle hemmungslos gerecht wurde, von einem Bett ins andere springend, aber nie auch nur einen Busen zeigend. Ich Trottel. Als der Film im Januar 1970 in München anlief, hatte Rolf Thiele in diesem »Sonnen-Kino« in der Sonnenstraße gerade seine Sex-Schnulze KOMM NUR MEIN LIEBSTES VÖGELEIN herausgebracht. In unserem Film aber gab's nicht die Spur von nacktem Fleisch zu sehen. Dafür veröffentlichte Hugh Hefner im PLAYBOY zwölf Seiten pudelnackte Barbi Benton. Nun ja. Horst Wendlandt erwies sich als »good sport« und meint bis heute: »Aber wir haben uns doll amüsiert, Dicker!«


    Der große Vorzug dieses komödiantischen Dramas ist sicherlich die atemberaubende Hauptdarstellerin und Hugh-Hefner-Bunny Barbi Benton, der Will Tremper ähnlich wie seinerzeit Eva Renzi in "Playgirl" einen Künstlernamen gab, außerdem die absolute Prokura, den Film im Alleingang prägend dominieren zu können. Vielmehr erscheint es auch hier so zu sein, dass ein kompletter Film um die attraktive Hauptrolle herumkonstruiert wurde. Barbi Benton schöpft ihre Stärke aus der Unverbrauchtheit und einer natürlich gegebenen Interpretationsgabe, von ihrem Charme und Charisma ganz zu schweigen. Man lässt sich gerne auf die ansprechende Performance der hübschen Lynn ein, die entgegen zum Kern der Geschichte auffällig leichtfüßig wirkt. Hin und wieder ist es kaum zu glauben, dass Lynn gerade erst anfangen soll, ihre ersten amourösen Gehversuche zu wagen, aber insgesamt gesehen hält die Konstruktion aufgrund der lockeren und leichten Eindrücke stand, die spielend vermittelt werden können. Begleitet wird das Gezeigte von Lynns Stimme aus dem Off, die ihre Gedanken dem Zuschauer einerseits nachdenklich-naiv, aber auch frech-verspielt präsentiert, sodass die anvisierte Situationskomik immer wieder greifen kann. Leider ist es so, dass die Geschichte insgesamt zu oberflächlich bleibt, was nicht zu den in Dramatik getränkten Leitlinien der gesamten Chose passen möchte, allerdings ist wohl auch zu betonen, dass Tremper es im Endeffekt doch hinbekommen hat, diese Gratwanderung auszubalancieren. Dass der Film seinerzeit floppte, liegt vermutlich wirklich daran, dass absolut keine handelsüblichen Schauwerte geboten werden. Somit ist "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe" zu weit weg von Produktionen dieser Zeit, die sich in dieser Hinsicht schon einiges mehr getraut haben, aber ebenfalls zu weit entfernt von Will Trempers charakteristischem Inszenierungsstil, dem erstmals der letzte Schliff zu fehlen scheint und trotz alternativer Ansätze zu konventionell und leicht uniform wirkt.

    Aus diesen Gründen hängt diese Story irgendwie in der Luft, die man zwar zugegebenermaßen charmant und kurzweilig findet, ihr aber unterm Strich unterstellen mag, dass das gewisse Etwas einfach fehlt. Hinter den Kulissen ist dank eines verlässlichen Rialto-Stabs sehr viel Routine zu bemerken, was sich leider nicht weiter in der Besetzungsliste durchschlägt. Für den deutschen Markt wirkt die Präsentation der Darsteller einfach zu unwirsch, da abgesehen von Klaus Kinski nationale Stars fehlen; ein Manko, das von internationaler Seite nicht ausgeglichen werden kann. Dem linearen Aufbau der Geschichte folgend, sieht man die Stars und No-Names der Produktion in kurzen, isolierten Intervallen, die gemessen an der Screentime und Schauspiellaune von Barbi Benton nur wie unbedeutende Gastauftritte anmuten. Will Tremper schafft es in seinem letzten Film leider nicht, sich und seine geistreichen Reisen ind Ungewisse nochmals neu zu erfinden und es ist sehr schade, dass sein Dasein als Regisseur hiermit besiegelt war, denn Leute wie ihn hätte das deutsche Filmgeschäft eigentlich dringend nötig gehabt - gerade angesichts der neu anbrechenden Dekade. Auch wenn der Film durchaus seine Momente zu vermitteln weiß, kurzweilig ist und unterm Strich wirklich Spaß machen kann, bleibt ein Flop leider doch nur ein Flop. In der Retrospektive sollte die Produktion dennoch milde bewertet werden, da Tremper immerhin eine herrliche Bildsprache anbietet und etliche Ambitionen durchschimmern lässt, die bei dieser Umsetzung jedoch weitgehend untergehen. Über allem steht vielleicht auch der Vergleich zu seinen vier vorher gegangenen Filmen, die wesentlich frischer und moderner wirken, als "Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe". Außerdem kann man sich hin und wieder des Eindrucks nicht verwehren, dass zahlreiche Ersatzteile aus seinem eigenen Klassiker "Playgirl" auftauchen. Das kommt weniger gut an, denn man kann ein Gefühl oder Flair nur schwer wiederholen. Was bleibt ist der Blick auf einen Film, der aus heutiger Sicht dennoch einfach schön ist, falls man ihm zu viele kritische Blicke erspart.

  • L'amour toujours bei WallaceDatum01.07.2018 15:18
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema



    DER ZINKER

    Innerhalb laufender Reihen ist es nur eine Frage der Zeit, bis erste Abweichungen der Norm oder sogar entscheidende Stilbrüche auftauchen. Bei Alfred Vohrers "Der Zinker" handelt es sich stilistisch gesehen um einen Beitrag der klassischeren Sorte, jedoch lässt sich angesichts des hier behandelten Themas eine signifikante Änderung ausfindig machen. Im Rahmen der männlich-weiblichen Beziehungen kommt es zu einer Art Scharade, bei der die Karten nicht so offen auf dem Tisch liegen, wie es der Wallace-Fan zuvor gewöhnt war. Die ermittelnde Figur erweckt den unausweichlichen Eindruck, dass es neben seiner Berufung keine weiblichen Götter geben kann, denn zu stark ist die Fokussierung auf die tägliche Arbeit und die eigene Person. Die weibliche Hauptperson ist weder auf der Suche nach einem Partner, noch hat sie die Absicht sich zu binden, zumal sie ohnehin anderweitig liiert ist. Unter diesen Voraussetzungen kreuzt sich der Weg von Heinz Drache als Inspektor Elford und Barbara Rütting als Journalistin Beryl Stedman - eine Konstellation, die besetzungstechnisch kein Kind des Zufalls gewesen sein wird, da sie zu sehr im Schimmer eines gewissen Kalküls strahlt. Beide Protagonisten stehen fest auf eigenen Beinen, regeln ihr Leben ohne dabei Hilfe nötig zu haben und demonstrieren eine Art Unabhängigkeit, die sich trotz der gleichen Attitüde grundlegend voneinander unterscheidet, da eine von beiden naturgemäß eher auf Kosten anderer angelegt ist. Figuren wie Beryl Stedman tauchen bei Wallace nicht zum ersten Mal auf, denn Darstellerinnen wie etwa Sabina Sesselmann, Marisa Mell oder Renate Ewert verkörperten ebenfalls modernere Frauentypen, die nicht vom Helden in die Tasche gesteckt werden mussten. Der Verlauf gewinnt in großem Maße an der Strategie, dass Heinz Drache sich nicht mit der schönsten Nebensächlichkeit der Welt befassen musste und hier lässt sich süffisant sagen, dass es nicht nur ihm, sondern auch dem Zuschauer erspart wurde.

    Zu sehr sind seine hölzernen Darbietungen in dieser Richtung präsent geblieben, sodass er sich mit einer Rolle, die wie hier hauptsächlich auf ihn zugeschnitten ist, wesentlich besser und freier bewegen kann. Die Liebe kommt in "Der Zinker" erstmalig sehr kurz und nur einen mutmaßlichen, beziehungsweise unaufrichtigen Stellenwert eingeräumt. Zu stark wird sie dominiert von Habgier und perfider Planung, was aber durchaus zu dynamischen Eindrücken und Dramatik führen wird. Eine Dreieckskonstellation aus amourösen Verstrickungen sorgt zwar für eine gewisse Spannung im Szenario, aber gleichzeitig auch für eine bis dato beispiellose Vorhersehbarkeit in Sachen früher Identifikation des Haupttäters. Die männliche Ermittlerfigur, die bislang für Schutz und Avancen gegenüber der weiblichen Hauptfigur stand, bleibt vollkommen außen vor und zeigt keinerlei Interesse an Belangen, die ins Private gehen könnten. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Heinz Drache und Barbara Rütting eine reserviert freundschaftliche Basis finden könnten, die aus beruflicher Wertschätzung und dem Prinzip bestehen könnte, dass eine Hand die andere wäscht. Es lässt sich vielleicht sagen, dass Rütting und Drache in dieser Richtung eine Art Pionierarbeit leisten, oder zumindest einen frühen Modellcharakter anbieten, der insbesondere in späteren Produktionen wieder aufgegriffen wurde. Die sympathisch aber manchmal ebenso spröde und resolut wirkende Beryl braucht weder Schutz, noch irgendwelche Ratschläge von männlicher Seite; und wenn dann höchstens nur vom Leben selbst. Bei Barbara Rütting schwingt trotz ihres bodenständigen Charakters und des klaren Verstandes eine seltsame Naivität im Rahmen zwischenmenschlicher Belange mit, die bei den meisten ihrer Kolleginnen in dieser Form nicht zu finden war, da deutlichere Konturen und Kontraste zum Vorschein kommen.

    Wenn sich Luftschlösser auflösen und Kartenhäuser zusammenbrechen, wird es der Ermittler sein, der ihr zur Seite steht, allerdings ohne sie aufzufangen. Beide wissen nur zu gut, dass sie in Momenten der Enttäuschung oder auch des Erfolges niemand anderen neben sich gebrauchen könnten, da der eigene Lebensplan vorsieht, alles selbst zu regeln und Verantwortung zu übernehmen. Sicherlich bietet Vohrer subtile, beinahe versteckte Andeutungen an, um dem Zuschauer einen Strohhalm im Sinne des Themas anzubieten, doch der nüchterne Blick auf zwei Personen, die eigentlich Einzelgänger sein wollen und sich gegenseitig keinesfalls brauchen, lässt den interessierten Zuschauer eher zu dem unausweichlichen Schluss kommen, dass Inspektor Elford und Beryl Stedman weder etwas mit "l'amour" noch "toujours" zu tun haben. Was das weibliche Opfer angeht, das in diesem Film überhaupt keines ist, da nur eine potentielle, beziehungsweise in weiter Ferne liegende Bedrohung vom "Zinker" ausgeht, steht man schnell vor vollendeten Tatsachen. Eher bedauert man eine verzweifelte Nebenbuhlerin, da man sie in wesentlich größerer Gefahr sieht. Vielleicht kann ja im Endeffekt von einer Variante des Rollentauschs gesprochen werden, dessen umgekehrte Voraussetzungen für frischen Wind sorgen und sich demonstrativ gegen die Eintönigkeit aufbäumen, um eine bereits länger laufende Reihe mit frischen Impulsen zu versorgen. Bezüglich "L'amour toujours" wird der danach dürstende Fan im Großen und Ganzen nichts Aufrichtiges oder Relevantes finden können, höchstens eine verwitwete alte Dame, die ein paar Funken nostalgischer Romantik in die laufende Geschichte bringen kann. Misslungen ist Alfred Vohrers Strategie aber keinesfalls, denn der eigentlich interessante Kriminalfall, der letztlich eine zu wenig ausgefeilte Bearbeitung erfahren hat, kann durch die nicht vorhandene Nebensächlichkeit aufgewertet werden.

  • Das Bildnis des Dorian Gray (1970)Datum24.06.2018 14:20


    DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY


    ● DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY / IL DIO CHIAMATO DORIAN / DORIAN GRAY (D|I|GB|1970)
    mit Helmut Berger, Marie Liljedahl, Herbert Lom, Maria Rohm, Margaret Lee, Isa Miranda, Eleonora Rossi Drago und Richard Todd
    eine Produktion der Terra Filmkunst | Sargon Film | Towers of London | im Constantin Filmverleih
    nach dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde
    ein Film von Massimo Dallamano




    »Jugend ist das einzige was Wert hat im Leben!«


    Wie es der Zufall will, lernt Dorian Gray (Helmut Berger) den Kunsthändler und Lebemann Lord Henry Wotton (Herbert Lom) im Atelier des gemeinsamen Bekannten und Malers Basil Hallward (Richard Todd) kennen, der den jungen Mann porträtiert. Wotton ist fasziniert von der Unschuld und vor allem der Schönheit Dorians und er führt ihn in den Londoner Jet Set ein. Durch seinen Einfluss lernt Dorian die Vergnügungen und Verlockungen des Lebens kennen; auch seine zynischen und verunsichernden Bemerkungen lassen ihn nur zu einem Schluss kommen: Er will ewig jung bleiben, selbst wenn er dafür seine Seele hergeben müsste. Die Jahre verstreichen, die Bekannten um ihn herum verändern sich, doch er scheint tatsächlich ein dunkles Geheimnis zu haben, denn man sieht ihn unverändert jung und schön...

    "Das Bildnis des Dorian Gray" brachte es seit Erscheinen des gleichnamigen Romans zu zahlreichen Verfilmungen und Massimo Dallamanos Adaption aus dem Jahr 1970 hält sich nur noch vage an die Vorlage, was allerdings keinen Grund zur Kritik darstellen soll. Handlung und Personen wurden in die tatsächliche Entstehungszeit verlegt, das Grundgerüst der Vorlage ist jedoch weiterhin erkennbar. Auch einige Textpassagen stimmen hier überein, die insbesondere Verwendung als Schlagworte finden. Vielleicht kann man dem Film bescheinigen, dass er sich von der Romanvorlage inspiriert zeigt, sich sogar im weitesten Sinne zu emanzipieren versucht, und insgesamt ist es beim Anschauen empfehlenswert, dies losgelöst von Wildes Roman zu tun. Die Geschichte des narzisstisch veranlagten jungen Mannes, der sich quasi in sein eigenes Spiegelbild verliebt, ereignet sich im vom Zeitkolorit geprägtem London und transportiert daher eine auch heute noch faszinierende Stärke der Bilder und Schauplätze, wobei von den Haupt-Charakteren natürlich nicht der ursprüngliche Schliff ausgeht. Was dem Film allerdings zugute kommt ist die Verpflichtung von Helmut Berger für die Titelrolle. Unabhängig von seiner Art zu interpretieren wirkt er nämlich tatsächlich wie der Prototyp des (oder eines) Dorian Gray, den es überall und immer wieder geben könnte. Massimo Dallamano versucht hier viele Querverbindungen zu etlichen Genres zu knüpfen, sodass es von Drama bis Erotik auch zahlreiche andere Elemente zu finden gibt. Eines ist aber ohne jeden Zweifel entstanden, nämlich ein typisches Kind seiner Zeit, welches in vielerlei Hinsicht seine anziehende Wirkung auf den Zuschauer entfalten kann. Der Verlauf kann in Etappen eingeteilt werden, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. So nimmt man zwischen Poesie bis Aggression viele Facetten wahr, die der Geschichte ein wechselhaftes, ja, beinahe unberechenbares Profil geben.

    Hierzu trägt Helmut Berger in besonderem Maße bei, da man seine grundlegende Verwandlung hautnah miterleben kann. Zunächst muss einfach erwähnt werden, dass die Glaubwürdigkeit der Titelfigur hauptsächlich auf der äußeren Erscheinung des Österreichers fußt; möglicherweise könnte ein Dorian Gray genauso aussehen. Sicherlich verlangt das Drehbuch keine darstellerische Ausnahmeleistung. Ein phasenweise oberflächlicher Tenor ist auch nicht zu leugnen, allerdings ist es die Präsenz Bergers hier überaus beachtlich. Innerhalb der bestehenden Möglichkeiten werden Aspekte wie Zerrissenheit, Angstzustände, Manipulation oder Ausschweifungen recht gut dargestellt. Es bleibt unterm Strich eine spürbare Faszination zurück, die von der faszinierenden Titelrolle ausgeht. Die Produktion birgt ohnehin eine hervorragende europäische Besetzung, die bis in die kleinsten Nebenrollen namhaft besetzt ist. Als Lord Henry Wotton überzeugt Herbert Lom als zynisches Sprachrohr, Mentor und mahnende Instanz, alles auszukosten, bevor es zu spät ist. Konträr zu moralischem Verfall und fehlenden Tugenden steht Richard Todd als Basil Hallward, der das Bildnis geschaffen hat und dadurch eigentlich Teil der Katastrophe ist. Schöne Frauen schwirren um das anziehende Licht Dorian Gray, von denen man ebenfalls sehr ansprechende Darbietungen präsentiert bekommt. Die Schwedin Marie Liljedahl, für die "Das Bildnis des Dorian Gray" bereits ihr vorletzter Film war, überrascht mit einer dynamischen Interpretation der Sybil und ihre bemerkenswerte Schönheit verhilft ihr zusätzlich in höhere Sphären der Glaubhaftigkeit. Sie steht vollkommen konträr zur Londoner Hautevolee, die zumindest bei den Damen verblüffende Gesichter von beispielsweise Margaret Lee, Eleonora Rossi Drago, Maria Rohm oder einer hier kaum zu fassenden Isa Miranda bekommt. Schließlich nimmt man vollkommen zufrieden wahr, dass die Produktion schon alleine aufgrund der Darsteller punkten kann.

    Erneut stellt Massimo Dallamano seine besondere Fähigkeit unter Beweis, einen Film sehr gut strukturieren zu können, was hier wohlgemerkt nicht hauptsächlich am Leitfaden der Romanvorlage liegt. Trotz der quasi determinierten Geschichte kommt es zu sehr interessanten Erweiterungen und ansehnlichen Einfällen, die den geneigten Zuschauer blendend unterhalten können. Zwar wird thematisch sehr vieles aufgegriffen, beziehungsweise angebahnt, allerdings liegt es letztlich an der Fülle begonnener Fragmente, dass nicht überall zu zufriedenstellenden Abschlüssen zu gelangen ist. Hin und wieder entsteht der Eindruck, dass der Dramaturgie ein bisschen mehr Tiefgang ganz gut gestanden hätte. Wie dem auch sei, "Das Bildnis des Dorian Gray" ist als Einheit gesehen ein nicht zu verachtender Film seiner Zeit geworden, der typische oder vielmehr obligatorische Szenen diktiert. Hier ist natürlich der erotische Einschlag zu nennen, der sich schließlich als eine vollkommen erforderliche Zutat herausstellt, nicht zuletzt weil das Interesse auf sehr ästhetischen Einstellungen liegt und man die richtigen Leute vor und hinter der Kamera versammeln konnte. Man nimmt Allianzen zwischen vielen Beteiligten wahr, die vor allem Kamera oder Musik mit einschließen. Der Verlauf schimmert immer wieder in einem sehr eleganten Licht, was sich jedoch nicht als Fazit durchschlagen kann - vielleicht zugunsten einer gewissen Unterordnung durch die zeitgenössische Unterhaltungsmaschinerie. Nichtsdestotrotz präsentiert Massimo Dallamano einen durchweg unterhaltsamen Film, der interessante Persönlichkeiten offeriert, malerische Bilder präsentiert und für spürbare Atmosphäre steht, außerdem mit seiner auf Vielseitigkeit angelegten Geschichte überzeugen kann. So bleibt ein überaus gerne gesehenes Erotik-Drama auf weltliterarischem Nährboden, welches in der persönlichen Rangfolge einen ganz hohen Stellenwert genießt.

  • Maria MarlowDatum24.06.2018 13:50
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Dann habt nochmals vielen Dank für die hilfreichen Kommentare und Denkansätze! Vielleicht ist es ja naturgemäß so, dass man irgend jemanden findet, wenn man am suchen ist und somit Ähnlichkeiten hinein deutet. Wie gesagt, am Ende haben in Riegers Film schließlich viele der Marlow ganz weitläufig ähnlich gesehen, aber eigentlich war es auch klar, dass sie es nicht sein können. Mara Marlow klingt ja fast 1:1 wie Maria Marlow - vielleicht kam ja auch nur wegen dieses Gleichklangs die Überlieferung ihrer Beteiligung zustande.

  • Maria Rohm gestorbenDatum24.06.2018 13:43
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Maria Rohm habe ich immer sehr gerne gesehen und ihre Beteiligung wurde über die Jahre hinweg zu einem regelrechten Auswahlkriterium für mich persönlich, sodass ich mittlerweile beinahe alle ihre Arbeiten fürs Kino gesehen habe. Die Österreicherin galt ja als sehr talentierte Schauspielerin, doch ihr Weg wurde im Endeffekt vielleicht zu sehr von Towers und Franco geprägt und die Karriere lief in zu einseitige Bahnen. Nichtsdestotrotz war Maria Rohm ein stets gerne gesehener Gast in Filmen und sie sorgte nicht nur für viele erotische Momente, sondern auch für gut durchstrukturierte Auftritte und vornehmlich erfreuliche Einsätze in Nebenrollen. Besonders gerne sehe ich sie in Francos "Der heiße Tod" und "Der Hexentöter von Blackmoor", in denen sie jeweils Hauptrollen spielt.

  • Noch lebende Wallace StarsDatum18.06.2018 09:13
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Danke für die Antwort!

  • Die Schatten werden länger (1961)Datum18.06.2018 09:11
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema


    DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER

    ● DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER (D|CH|1961)
    mit Barbara Rütting, Luise Ullrich, Hansjörg Felmy, Fred Tanner, Iris Erdmann, Helga Sommerfeld, Margot Philipp und Loni von Friedl
    eine Produktion der cCc Filmkunst | Praesens Film | im Verleih der Columbia
    ein Film von Ladislao Vajda




    »Schlagen Sie mich doch!«


    Die Erzieherin Christa Andres (Barbara Rütting) arbeitet in einem Heim für schwer erziehbare Mädchen und ist dort bekannt für ihren feinfühligen Erziehungsstil, schließlich hat sie in jungen Jahren selbst eine schwere Zeit durchgemacht. Von Frau Diethelm (Luise Ullrich), die im Heim eine leitende Funktion inne hat, bekommt die engagierte Erzieherin jegliche Kompetenzen übertragen und genießt eine Vertrauensstellung. Diese wird eines Tages allerdings schwer auf die Probe gestellt, da die renitente Insassin Erika Schöner (Loni von Friedl) alles versucht, Christa in Verruf zu bringen. Als das junge Mädchen merkt, dass sie mit ihren Methoden nicht weiterkommt, bricht sie aus dem Heim aus und wirft sich einem zwielichtigen Zuhälter an den Hals. Die Erzieherin versucht alles, um Erika vor Schlimmerem zu bewahren, denn auch sie ging einst auf den Strich. Als Christas früherer Zuhälter Max (Hansjörg Felmy) wieder auftaucht, wird sie von der Vergangenheit eingeholt und die Situation spitzt sich zu...

    In Zeiten, in denen der sogenannte Problemfilm en vogue war, beschäftigte sich insbesondere Artur Brauner mit zahlreichen provokanten Stoffen und kam zumindest häufiger in die Nähe roter Linien und Tabuthemen als manch andere Produzenten. Die Spürnase des Berliner Produzenten ist retrospektiv nicht zu unterschätzen, immerhin prägte er die deutsche Filmlandschaft mit vielen extravaganten Beiträgen, die seinerzeit zwar nicht immer erfolgreich waren, aber dennoch als bahnend für aufkommende Filmwellen in der Bundesrepublik angesehen werden können. Brauner stellte mit dem ungarischen Regisseur Ladislao Vajda bereits den Klassiker "Es geschah am hellichten Tag" auf die Beine und auch in "Die Schatten werden länger" zeigt sich zumindest eine Vision, den Film möglichst andersartig im Sinne von kaum dagewesen zu inszenieren, was sich erneut in den ungewöhnlich starken Zeichnungen der beteiligten Charaktere widerspiegelt. Viele Verhaltensweisen sind vor allem für damalige Begriffe überraschend, da sie teils befremdlich und absolut nicht konform mit den üblichen Regeln einer konservativen Gesellschaft erscheinen. Aus dieser Unberechenbarkeit und Variation entsteht neben der natürlich sehr interessanten Geschichte eine gut konstruierte Spannung, die Dramatik und Konfrontation andeutet. Die Thematik rund um (durch das Raster) gefallene Mädchen kann sicherlich als Abhandlungsschlager angesehen werden - und das gleich in mehreren Dekaden. In Erinnerung bleiben allerdings eher mutige Beiträge oder vielleicht solche, die nicht ausschließlich an Augenwischerei oder plumpem Spektakel interessiert waren, wenngleich solche Exemplare natürlich auch einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert anbieten.

    Ladislao Vajda legt großen Wert auf einen klaren Aufbau und eine stringente Abhandlung der Geschichte, ohne dabei die Vorhersehbarkeit zu bedienen. Außerdem wird man Zeuge von ungewöhnlich expliziten Szenen, was sich keineswegs auf nackte Haut, aber hauptsächlich auf das Integrieren verbaler Attacken bezieht. Was im zeitlichen Kontext als gewagt angesehen werden darf, kann natürlich jetzt kaum mehr für Schockmomente sorgen. So ist der Blick auf die Charaktere des Geschehens vor allem noch aus heutiger Sicht interessant, da es nicht zum Erwarteten kommt. Die Mädchen des Heims haben unter keinen sadistischen Tyrannen zu leiden, denn das absolute Gegenteil ist der Fall. Empathie schwingt durch die Mauern, Nachsicht, Gnade und Verständnis dominieren selbst die renitentesten der Mädchen und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln. Was man heute als anti-autoritär bezeichnen würde, wird hier insbesondere von Barbara Rütting und Ufa-Star Luise Ullrich richtiggehend zelebriert und ruft von Zeit zu Zeit Unverständnis hervor, ohne gleichzeitig jedoch Zweifel zu schüren, dass die beiden Damen ihr Haus und die Problemfälle nicht im Griff hätten. Barbara Rütting ist ohne jeden Zweifel als eine der überzeugendsten Charakterdarstellerinnen des deutschsprachigen Films anzusehen und auch hier beweist sie erneut ein gutes Gespür für die optimale Balance ihrer Rolle. Die Erzieherin mit dunkler Vergangenheit könnte im Zweifelsfall Freiwild werden, falls Gespenster der Vergangenheit auftauchen und sie regelrecht heimsuchen. Ihre Stärken werden genau wie ihre Schwächen sichtbar, allerdings nicht im Umgang mit den Mädchen, denen sie nachsichtig begegnet und sie vor allem nicht von oben herab betrachtet.

    Diese einfache Strategie entspringt sicherlich der eigenen Erfahrung, da sie auch die Schattenseiten des Lebens kennenlernen musste. Gemeinsam mit Luise Ullrich zieht die resolute Frau an einem Strang und beide bleiben aufgrund ihrer sympathischen Wesenszüge in Erinnerung. Hansjörg Felmy als Wolf im Schafspelz überzeugt durch seine Wandlungsfähigkeit und den Mut, weniger populäre Charakterzüge zu formulieren. Eine der intensivsten Darbietungen liefert sicherlich Loni von Friedl als durchtriebene Heiminsassin, die schnell mit der Bereitschaft irritiert, auch zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen. Ihre Gefühlsausbrüche und ihre Durchtriebenheit sorgen für die reißerischen Momente des Films und legen eben genau jene inneren Abgründe offen, wegen denen Mädchen wie sie in einem solchen Heim untergebracht sind. Vermutlich hat man die Österreicherin selten besser gesehen. Themen wie beispielsweise Verführung Minderjähriger, Zuhälterei oder Prostitution werden im Verlauf immer wieder vorsichtig thematisiert, ohne jedoch in aller Deutlichkeit Konturen anzunehmen. "Die Schatten werden länger" ist nicht zuletzt durch die solide Regie ein sehenswerter Vertreter seiner Gattung geworden. Auch kommt dem ambitionierten Verlauf sehr zugute, dass keine handelsüblichen und verwässernden Happy-End-Anflüge aufkommen wollen, schließlich waren derartige Abgrenzungstaktiken in zahlreichen Sequenzen dieses Beitrags wahrzunehmen, was ihm letztlich sein eigenständiges, wenn auch nicht unabhängiges Profil verleiht. Mit charismatischen Darstellern, alternativ gefärbten Angeboten und zahlreichen Finessen des Schwarzweißfilms versehen, kann sich diese deutsch-schweizerische Kollaboration durchaus sehen lassen und bleibt in angenehmer Erinnerung.

  • Deutsche Filme in ItalienDatum17.06.2018 19:49
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auf die Co-Produktionen bin ich besonders gespannt - Danke für die Rückmeldung!

  • Deutsche Filme in ItalienDatum17.06.2018 16:55
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auch hier wieder vielen Dank an Giacco für die Fülle an Informationen. Hochinteressanter Thread!

    Zitat von Giacco im Beitrag #5

    Der Bucklige von Soho (D) - erste 64 Tage - 23,8 Mio.

    Ich hätte nur eine Frage zu den Zahlen, da ich mir wenig darunter vorstellen kann und nehme mal das Beispiel "Der Bucklige von Soho".
    Ist 23,8 Mio. seinerzeit ein schlechtes oder eher durchschnittliches Einspielergebnis gewesen?

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