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  • L'amour toujours bei WallaceDatum01.07.2018 15:18
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema



    DER ZINKER

    Innerhalb laufender Reihen ist es nur eine Frage der Zeit, bis erste Abweichungen der Norm oder sogar entscheidende Stilbrüche auftauchen. Bei Alfred Vohrers "Der Zinker" handelt es sich stilistisch gesehen um einen Beitrag der klassischeren Sorte, jedoch lässt sich angesichts des hier behandelten Themas eine signifikante Änderung ausfindig machen. Im Rahmen der männlich-weiblichen Beziehungen kommt es zu einer Art Scharade, bei der die Karten nicht so offen auf dem Tisch liegen, wie es der Wallace-Fan zuvor gewöhnt war. Die ermittelnde Figur erweckt den unausweichlichen Eindruck, dass es neben seiner Berufung keine weiblichen Götter geben kann, denn zu stark ist die Fokussierung auf die tägliche Arbeit und die eigene Person. Die weibliche Hauptperson ist weder auf der Suche nach einem Partner, noch hat sie die Absicht sich zu binden, zumal sie ohnehin anderweitig liiert ist. Unter diesen Voraussetzungen kreuzt sich der Weg von Heinz Drache als Inspektor Elford und Barbara Rütting als Journalistin Beryl Stedman - eine Konstellation, die besetzungstechnisch kein Kind des Zufalls gewesen sein wird, da sie zu sehr im Schimmer eines gewissen Kalküls strahlt. Beide Protagonisten stehen fest auf eigenen Beinen, regeln ihr Leben ohne dabei Hilfe nötig zu haben und demonstrieren eine Art Unabhängigkeit, die sich trotz der gleichen Attitüde grundlegend voneinander unterscheidet, da eine von beiden naturgemäß eher auf Kosten anderer angelegt ist. Figuren wie Beryl Stedman tauchen bei Wallace nicht zum ersten Mal auf, denn Darstellerinnen wie etwa Sabina Sesselmann, Marisa Mell oder Renate Ewert verkörperten ebenfalls modernere Frauentypen, die nicht vom Helden in die Tasche gesteckt werden mussten. Der Verlauf gewinnt in großem Maße an der Strategie, dass Heinz Drache sich nicht mit der schönsten Nebensächlichkeit der Welt befassen musste und hier lässt sich süffisant sagen, dass es nicht nur ihm, sondern auch dem Zuschauer erspart wurde.

    Zu sehr sind seine hölzernen Darbietungen in dieser Richtung präsent geblieben, sodass er sich mit einer Rolle, die wie hier hauptsächlich auf ihn zugeschnitten ist, wesentlich besser und freier bewegen kann. Die Liebe kommt in "Der Zinker" erstmalig sehr kurz und nur einen mutmaßlichen, beziehungsweise unaufrichtigen Stellenwert eingeräumt. Zu stark wird sie dominiert von Habgier und perfider Planung, was aber durchaus zu dynamischen Eindrücken und Dramatik führen wird. Eine Dreieckskonstellation aus amourösen Verstrickungen sorgt zwar für eine gewisse Spannung im Szenario, aber gleichzeitig auch für eine bis dato beispiellose Vorhersehbarkeit in Sachen früher Identifikation des Haupttäters. Die männliche Ermittlerfigur, die bislang für Schutz und Avancen gegenüber der weiblichen Hauptfigur stand, bleibt vollkommen außen vor und zeigt keinerlei Interesse an Belangen, die ins Private gehen könnten. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Heinz Drache und Barbara Rütting eine reserviert freundschaftliche Basis finden könnten, die aus beruflicher Wertschätzung und dem Prinzip bestehen könnte, dass eine Hand die andere wäscht. Es lässt sich vielleicht sagen, dass Rütting und Drache in dieser Richtung eine Art Pionierarbeit leisten, oder zumindest einen frühen Modellcharakter anbieten, der insbesondere in späteren Produktionen wieder aufgegriffen wurde. Die sympathisch aber manchmal ebenso spröde und resolut wirkende Beryl braucht weder Schutz, noch irgendwelche Ratschläge von männlicher Seite; und wenn dann höchstens nur vom Leben selbst. Bei Barbara Rütting schwingt trotz ihres bodenständigen Charakters und des klaren Verstandes eine seltsame Naivität im Rahmen zwischenmenschlicher Belange mit, die bei den meisten ihrer Kolleginnen in dieser Form nicht zu finden war, da deutlichere Konturen und Kontraste zum Vorschein kommen.

    Wenn sich Luftschlösser auflösen und Kartenhäuser zusammenbrechen, wird es der Ermittler sein, der ihr zur Seite steht, allerdings ohne sie aufzufangen. Beide wissen nur zu gut, dass sie in Momenten der Enttäuschung oder auch des Erfolges niemand anderen neben sich gebrauchen könnten, da der eigene Lebensplan vorsieht, alles selbst zu regeln und Verantwortung zu übernehmen. Sicherlich bietet Vohrer subtile, beinahe versteckte Andeutungen an, um dem Zuschauer einen Strohhalm im Sinne des Themas anzubieten, doch der nüchterne Blick auf zwei Personen, die eigentlich Einzelgänger sein wollen und sich gegenseitig keinesfalls brauchen, lässt den interessierten Zuschauer eher zu dem unausweichlichen Schluss kommen, dass Inspektor Elford und Beryl Stedman weder etwas mit "l'amour" noch "toujours" zu tun haben. Was das weibliche Opfer angeht, das in diesem Film überhaupt keines ist, da nur eine potentielle, beziehungsweise in weiter Ferne liegende Bedrohung vom "Zinker" ausgeht, steht man schnell vor vollendeten Tatsachen. Eher bedauert man eine verzweifelte Nebenbuhlerin, da man sie in wesentlich größerer Gefahr sieht. Vielleicht kann ja im Endeffekt von einer Variante des Rollentauschs gesprochen werden, dessen umgekehrte Voraussetzungen für frischen Wind sorgen und sich demonstrativ gegen die Eintönigkeit aufbäumen, um eine bereits länger laufende Reihe mit frischen Impulsen zu versorgen. Bezüglich "L'amour toujours" wird der danach dürstende Fan im Großen und Ganzen nichts Aufrichtiges oder Relevantes finden können, höchstens eine verwitwete alte Dame, die ein paar Funken nostalgischer Romantik in die laufende Geschichte bringen kann. Misslungen ist Alfred Vohrers Strategie aber keinesfalls, denn der eigentlich interessante Kriminalfall, der letztlich eine zu wenig ausgefeilte Bearbeitung erfahren hat, kann durch die nicht vorhandene Nebensächlichkeit aufgewertet werden.

  • Das Bildnis des Dorian Gray (1970)Datum24.06.2018 14:20


    DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY


    ● DAS BILDNIS DES DORIAN GRAY / IL DIO CHIAMATO DORIAN / DORIAN GRAY (D|I|GB|1970)
    mit Helmut Berger, Marie Liljedahl, Herbert Lom, Maria Rohm, Margaret Lee, Isa Miranda, Eleonora Rossi Drago und Richard Todd
    eine Produktion der Terra Filmkunst | Sargon Film | Towers of London | im Constantin Filmverleih
    nach dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde
    ein Film von Massimo Dallamano




    »Jugend ist das einzige was Wert hat im Leben!«


    Wie es der Zufall will, lernt Dorian Gray (Helmut Berger) den Kunsthändler und Lebemann Lord Henry Wotton (Herbert Lom) im Atelier des gemeinsamen Bekannten und Malers Basil Hallward (Richard Todd) kennen, der den jungen Mann porträtiert. Wotton ist fasziniert von der Unschuld und vor allem der Schönheit Dorians und er führt ihn in den Londoner Jet Set ein. Durch seinen Einfluss lernt Dorian die Vergnügungen und Verlockungen des Lebens kennen; auch seine zynischen und verunsichernden Bemerkungen lassen ihn nur zu einem Schluss kommen: Er will ewig jung bleiben, selbst wenn er dafür seine Seele hergeben müsste. Die Jahre verstreichen, die Bekannten um ihn herum verändern sich, doch er scheint tatsächlich ein dunkles Geheimnis zu haben, denn man sieht ihn unverändert jung und schön...

    "Das Bildnis des Dorian Gray" brachte es seit Erscheinen des gleichnamigen Romans zu zahlreichen Verfilmungen und Massimo Dallamanos Adaption aus dem Jahr 1970 hält sich nur noch vage an die Vorlage, was allerdings keinen Grund zur Kritik darstellen soll. Handlung und Personen wurden in die tatsächliche Entstehungszeit verlegt, das Grundgerüst der Vorlage ist jedoch weiterhin erkennbar. Auch einige Textpassagen stimmen hier überein, die insbesondere Verwendung als Schlagworte finden. Vielleicht kann man dem Film bescheinigen, dass er sich von der Romanvorlage inspiriert zeigt, sich sogar im weitesten Sinne zu emanzipieren versucht, und insgesamt ist es beim Anschauen empfehlenswert, dies losgelöst von Wildes Roman zu tun. Die Geschichte des narzisstisch veranlagten jungen Mannes, der sich quasi in sein eigenes Spiegelbild verliebt, ereignet sich im vom Zeitkolorit geprägtem London und transportiert daher eine auch heute noch faszinierende Stärke der Bilder und Schauplätze, wobei von den Haupt-Charakteren natürlich nicht der ursprüngliche Schliff ausgeht. Was dem Film allerdings zugute kommt ist die Verpflichtung von Helmut Berger für die Titelrolle. Unabhängig von seiner Art zu interpretieren wirkt er nämlich tatsächlich wie der Prototyp des (oder eines) Dorian Gray, den es überall und immer wieder geben könnte. Massimo Dallamano versucht hier viele Querverbindungen zu etlichen Genres zu knüpfen, sodass es von Drama bis Erotik auch zahlreiche andere Elemente zu finden gibt. Eines ist aber ohne jeden Zweifel entstanden, nämlich ein typisches Kind seiner Zeit, welches in vielerlei Hinsicht seine anziehende Wirkung auf den Zuschauer entfalten kann. Der Verlauf kann in Etappen eingeteilt werden, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. So nimmt man zwischen Poesie bis Aggression viele Facetten wahr, die der Geschichte ein wechselhaftes, ja, beinahe unberechenbares Profil geben.

    Hierzu trägt Helmut Berger in besonderem Maße bei, da man seine grundlegende Verwandlung hautnah miterleben kann. Zunächst muss einfach erwähnt werden, dass die Glaubwürdigkeit der Titelfigur hauptsächlich auf der äußeren Erscheinung des Österreichers fußt; möglicherweise könnte ein Dorian Gray genauso aussehen. Sicherlich verlangt das Drehbuch keine darstellerische Ausnahmeleistung. Ein phasenweise oberflächlicher Tenor ist auch nicht zu leugnen, allerdings ist es die Präsenz Bergers hier überaus beachtlich. Innerhalb der bestehenden Möglichkeiten werden Aspekte wie Zerrissenheit, Angstzustände, Manipulation oder Ausschweifungen recht gut dargestellt. Es bleibt unterm Strich eine spürbare Faszination zurück, die von der faszinierenden Titelrolle ausgeht. Die Produktion birgt ohnehin eine hervorragende europäische Besetzung, die bis in die kleinsten Nebenrollen namhaft besetzt ist. Als Lord Henry Wotton überzeugt Herbert Lom als zynisches Sprachrohr, Mentor und mahnende Instanz, alles auszukosten, bevor es zu spät ist. Konträr zu moralischem Verfall und fehlenden Tugenden steht Richard Todd als Basil Hallward, der das Bildnis geschaffen hat und dadurch eigentlich Teil der Katastrophe ist. Schöne Frauen schwirren um das anziehende Licht Dorian Gray, von denen man ebenfalls sehr ansprechende Darbietungen präsentiert bekommt. Die Schwedin Marie Liljedahl, für die "Das Bildnis des Dorian Gray" bereits ihr vorletzter Film war, überrascht mit einer dynamischen Interpretation der Sybil und ihre bemerkenswerte Schönheit verhilft ihr zusätzlich in höhere Sphären der Glaubhaftigkeit. Sie steht vollkommen konträr zur Londoner Hautevolee, die zumindest bei den Damen verblüffende Gesichter von beispielsweise Margaret Lee, Eleonora Rossi Drago, Maria Rohm oder einer hier kaum zu fassenden Isa Miranda bekommt. Schließlich nimmt man vollkommen zufrieden wahr, dass die Produktion schon alleine aufgrund der Darsteller punkten kann.

    Erneut stellt Massimo Dallamano seine besondere Fähigkeit unter Beweis, einen Film sehr gut strukturieren zu können, was hier wohlgemerkt nicht hauptsächlich am Leitfaden der Romanvorlage liegt. Trotz der quasi determinierten Geschichte kommt es zu sehr interessanten Erweiterungen und ansehnlichen Einfällen, die den geneigten Zuschauer blendend unterhalten können. Zwar wird thematisch sehr vieles aufgegriffen, beziehungsweise angebahnt, allerdings liegt es letztlich an der Fülle begonnener Fragmente, dass nicht überall zu zufriedenstellenden Abschlüssen zu gelangen ist. Hin und wieder entsteht der Eindruck, dass der Dramaturgie ein bisschen mehr Tiefgang ganz gut gestanden hätte. Wie dem auch sei, "Das Bildnis des Dorian Gray" ist als Einheit gesehen ein nicht zu verachtender Film seiner Zeit geworden, der typische oder vielmehr obligatorische Szenen diktiert. Hier ist natürlich der erotische Einschlag zu nennen, der sich schließlich als eine vollkommen erforderliche Zutat herausstellt, nicht zuletzt weil das Interesse auf sehr ästhetischen Einstellungen liegt und man die richtigen Leute vor und hinter der Kamera versammeln konnte. Man nimmt Allianzen zwischen vielen Beteiligten wahr, die vor allem Kamera oder Musik mit einschließen. Der Verlauf schimmert immer wieder in einem sehr eleganten Licht, was sich jedoch nicht als Fazit durchschlagen kann - vielleicht zugunsten einer gewissen Unterordnung durch die zeitgenössische Unterhaltungsmaschinerie. Nichtsdestotrotz präsentiert Massimo Dallamano einen durchweg unterhaltsamen Film, der interessante Persönlichkeiten offeriert, malerische Bilder präsentiert und für spürbare Atmosphäre steht, außerdem mit seiner auf Vielseitigkeit angelegten Geschichte überzeugen kann. So bleibt ein überaus gerne gesehenes Erotik-Drama auf weltliterarischem Nährboden, welches in der persönlichen Rangfolge einen ganz hohen Stellenwert genießt.

  • Maria MarlowDatum24.06.2018 13:50
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Dann habt nochmals vielen Dank für die hilfreichen Kommentare und Denkansätze! Vielleicht ist es ja naturgemäß so, dass man irgend jemanden findet, wenn man am suchen ist und somit Ähnlichkeiten hinein deutet. Wie gesagt, am Ende haben in Riegers Film schließlich viele der Marlow ganz weitläufig ähnlich gesehen, aber eigentlich war es auch klar, dass sie es nicht sein können. Mara Marlow klingt ja fast 1:1 wie Maria Marlow - vielleicht kam ja auch nur wegen dieses Gleichklangs die Überlieferung ihrer Beteiligung zustande.

  • Maria Rohm gestorbenDatum24.06.2018 13:43
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Maria Rohm habe ich immer sehr gerne gesehen und ihre Beteiligung wurde über die Jahre hinweg zu einem regelrechten Auswahlkriterium für mich persönlich, sodass ich mittlerweile beinahe alle ihre Arbeiten fürs Kino gesehen habe. Die Österreicherin galt ja als sehr talentierte Schauspielerin, doch ihr Weg wurde im Endeffekt vielleicht zu sehr von Towers und Franco geprägt und die Karriere lief in zu einseitige Bahnen. Nichtsdestotrotz war Maria Rohm ein stets gerne gesehener Gast in Filmen und sie sorgte nicht nur für viele erotische Momente, sondern auch für gut durchstrukturierte Auftritte und vornehmlich erfreuliche Einsätze in Nebenrollen. Besonders gerne sehe ich sie in Francos "Der heiße Tod" und "Der Hexentöter von Blackmoor", in denen sie jeweils Hauptrollen spielt.

  • Noch lebende Wallace StarsDatum18.06.2018 09:13
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Danke für die Antwort!

  • Die Schatten werden länger (1961)Datum18.06.2018 09:11
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema


    DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER

    ● DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER (D|CH|1961)
    mit Barbara Rütting, Luise Ullrich, Hansjörg Felmy, Fred Tanner, Iris Erdmann, Helga Sommerfeld, Margot Philipp und Loni von Friedl
    eine Produktion der cCc Filmkunst | Praesens Film | im Verleih der Columbia
    ein Film von Ladislao Vajda




    »Schlagen Sie mich doch!«


    Die Erzieherin Christa Andres (Barbara Rütting) arbeitet in einem Heim für schwer erziehbare Mädchen und ist dort bekannt für ihren feinfühligen Erziehungsstil, schließlich hat sie in jungen Jahren selbst eine schwere Zeit durchgemacht. Von Frau Diethelm (Luise Ullrich), die im Heim eine leitende Funktion inne hat, bekommt die engagierte Erzieherin jegliche Kompetenzen übertragen und genießt eine Vertrauensstellung. Diese wird eines Tages allerdings schwer auf die Probe gestellt, da die renitente Insassin Erika Schöner (Loni von Friedl) alles versucht, Christa in Verruf zu bringen. Als das junge Mädchen merkt, dass sie mit ihren Methoden nicht weiterkommt, bricht sie aus dem Heim aus und wirft sich einem zwielichtigen Zuhälter an den Hals. Die Erzieherin versucht alles, um Erika vor Schlimmerem zu bewahren, denn auch sie ging einst auf den Strich. Als Christas früherer Zuhälter Max (Hansjörg Felmy) wieder auftaucht, wird sie von der Vergangenheit eingeholt und die Situation spitzt sich zu...

    In Zeiten, in denen der sogenannte Problemfilm en vogue war, beschäftigte sich insbesondere Artur Brauner mit zahlreichen provokanten Stoffen und kam zumindest häufiger in die Nähe roter Linien und Tabuthemen als manch andere Produzenten. Die Spürnase des Berliner Produzenten ist retrospektiv nicht zu unterschätzen, immerhin prägte er die deutsche Filmlandschaft mit vielen extravaganten Beiträgen, die seinerzeit zwar nicht immer erfolgreich waren, aber dennoch als bahnend für aufkommende Filmwellen in der Bundesrepublik angesehen werden können. Brauner stellte mit dem ungarischen Regisseur Ladislao Vajda bereits den Klassiker "Es geschah am hellichten Tag" auf die Beine und auch in "Die Schatten werden länger" zeigt sich zumindest eine Vision, den Film möglichst andersartig im Sinne von kaum dagewesen zu inszenieren, was sich erneut in den ungewöhnlich starken Zeichnungen der beteiligten Charaktere widerspiegelt. Viele Verhaltensweisen sind vor allem für damalige Begriffe überraschend, da sie teils befremdlich und absolut nicht konform mit den üblichen Regeln einer konservativen Gesellschaft erscheinen. Aus dieser Unberechenbarkeit und Variation entsteht neben der natürlich sehr interessanten Geschichte eine gut konstruierte Spannung, die Dramatik und Konfrontation andeutet. Die Thematik rund um (durch das Raster) gefallene Mädchen kann sicherlich als Abhandlungsschlager angesehen werden - und das gleich in mehreren Dekaden. In Erinnerung bleiben allerdings eher mutige Beiträge oder vielleicht solche, die nicht ausschließlich an Augenwischerei oder plumpem Spektakel interessiert waren, wenngleich solche Exemplare natürlich auch einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert anbieten.

    Ladislao Vajda legt großen Wert auf einen klaren Aufbau und eine stringente Abhandlung der Geschichte, ohne dabei die Vorhersehbarkeit zu bedienen. Außerdem wird man Zeuge von ungewöhnlich expliziten Szenen, was sich keineswegs auf nackte Haut, aber hauptsächlich auf das Integrieren verbaler Attacken bezieht. Was im zeitlichen Kontext als gewagt angesehen werden darf, kann natürlich jetzt kaum mehr für Schockmomente sorgen. So ist der Blick auf die Charaktere des Geschehens vor allem noch aus heutiger Sicht interessant, da es nicht zum Erwarteten kommt. Die Mädchen des Heims haben unter keinen sadistischen Tyrannen zu leiden, denn das absolute Gegenteil ist der Fall. Empathie schwingt durch die Mauern, Nachsicht, Gnade und Verständnis dominieren selbst die renitentesten der Mädchen und nehmen ihnen den Wind aus den Segeln. Was man heute als anti-autoritär bezeichnen würde, wird hier insbesondere von Barbara Rütting und Ufa-Star Luise Ullrich richtiggehend zelebriert und ruft von Zeit zu Zeit Unverständnis hervor, ohne gleichzeitig jedoch Zweifel zu schüren, dass die beiden Damen ihr Haus und die Problemfälle nicht im Griff hätten. Barbara Rütting ist ohne jeden Zweifel als eine der überzeugendsten Charakterdarstellerinnen des deutschsprachigen Films anzusehen und auch hier beweist sie erneut ein gutes Gespür für die optimale Balance ihrer Rolle. Die Erzieherin mit dunkler Vergangenheit könnte im Zweifelsfall Freiwild werden, falls Gespenster der Vergangenheit auftauchen und sie regelrecht heimsuchen. Ihre Stärken werden genau wie ihre Schwächen sichtbar, allerdings nicht im Umgang mit den Mädchen, denen sie nachsichtig begegnet und sie vor allem nicht von oben herab betrachtet.

    Diese einfache Strategie entspringt sicherlich der eigenen Erfahrung, da sie auch die Schattenseiten des Lebens kennenlernen musste. Gemeinsam mit Luise Ullrich zieht die resolute Frau an einem Strang und beide bleiben aufgrund ihrer sympathischen Wesenszüge in Erinnerung. Hansjörg Felmy als Wolf im Schafspelz überzeugt durch seine Wandlungsfähigkeit und den Mut, weniger populäre Charakterzüge zu formulieren. Eine der intensivsten Darbietungen liefert sicherlich Loni von Friedl als durchtriebene Heiminsassin, die schnell mit der Bereitschaft irritiert, auch zu außergewöhnlichen Mitteln zu greifen. Ihre Gefühlsausbrüche und ihre Durchtriebenheit sorgen für die reißerischen Momente des Films und legen eben genau jene inneren Abgründe offen, wegen denen Mädchen wie sie in einem solchen Heim untergebracht sind. Vermutlich hat man die Österreicherin selten besser gesehen. Themen wie beispielsweise Verführung Minderjähriger, Zuhälterei oder Prostitution werden im Verlauf immer wieder vorsichtig thematisiert, ohne jedoch in aller Deutlichkeit Konturen anzunehmen. "Die Schatten werden länger" ist nicht zuletzt durch die solide Regie ein sehenswerter Vertreter seiner Gattung geworden. Auch kommt dem ambitionierten Verlauf sehr zugute, dass keine handelsüblichen und verwässernden Happy-End-Anflüge aufkommen wollen, schließlich waren derartige Abgrenzungstaktiken in zahlreichen Sequenzen dieses Beitrags wahrzunehmen, was ihm letztlich sein eigenständiges, wenn auch nicht unabhängiges Profil verleiht. Mit charismatischen Darstellern, alternativ gefärbten Angeboten und zahlreichen Finessen des Schwarzweißfilms versehen, kann sich diese deutsch-schweizerische Kollaboration durchaus sehen lassen und bleibt in angenehmer Erinnerung.

  • Deutsche Filme in ItalienDatum17.06.2018 19:49
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auf die Co-Produktionen bin ich besonders gespannt - Danke für die Rückmeldung!

  • Deutsche Filme in ItalienDatum17.06.2018 16:55
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Auch hier wieder vielen Dank an Giacco für die Fülle an Informationen. Hochinteressanter Thread!

    Zitat von Giacco im Beitrag #5

    Der Bucklige von Soho (D) - erste 64 Tage - 23,8 Mio.

    Ich hätte nur eine Frage zu den Zahlen, da ich mir wenig darunter vorstellen kann und nehme mal das Beispiel "Der Bucklige von Soho".
    Ist 23,8 Mio. seinerzeit ein schlechtes oder eher durchschnittliches Einspielergebnis gewesen?

  • Noch lebende Wallace StarsDatum17.06.2018 16:42
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Erst kürzlich? Ich konnte dazu leider keine Informationen finden.
    Hast Du zu dieser Meldung vielleicht eine Quelle?

  • Maria MarlowDatum17.06.2018 16:33
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Den Film habe ich jetzt schon häufiger nur aus dem einen Grund angeschaut, Maria Marlow irgendwo ausmachen zu können. Wie gesagt, bin mir da alles andere als sicher und irgendwann findet man quasi überall Parallelen oder Ähnlichkeiten. Selbst dann, wenn man genau weiß, dass es jemand anders ist. Verwirrend bleibt das Ganze jedenfalls und unter normalen Umständen würde ich ja fast sagen, dass Maria Marlow einfach nicht mitspielt. Aber irgendwo her muss die Information ja schließlich stammen.

  • Ellen SchwiersDatum17.06.2018 16:24
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #10
    "Hafenpolizei"

    Ich nehme ich diese interessante Schwiers-Rollenbesprechung jetzt als Erinnerung, endlich einmal in die Serie hineinzuschauen.
    Gerne gesehene Darsteller sind ja von hinten bis vorne vorhanden!

  • Das Gesicht auf der Wand (1983, TV)Datum17.06.2018 16:01
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Zitat von Percy Lister im Beitrag #2
    Danke für Deinen ausführlichen Bericht, dessen Intention ich nachvollziehen kann, weil man es in der Tat mit einem zwiespältigen Ergebnis zu tun bekommt.

    Ebenfalls Danke für Deine Besprechung, da zeigen sich noch einmal ganz andere Blickwinkel. Zum Film kann ich im Endeffekt tatsächlich nur sagen, dass er mich zwiespältig zurückgelassen hat. Er liefert im Grunde genommen nicht das, was vielleicht zu erwarten gewesen wäre, was ja prinzipiell gut ist. Hier kommt es aber leider nicht zu dem gewünschten Effekt, denn das Finale bringt sozusagen nur einen negativen Überraschungsmoment zutage. Nichtsdestotrotz war es schön, "Das Gesicht auf der Wand" gesehen zu haben, und sei es nur aus Komplettierungsgründen.

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum16.06.2018 16:00
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● EVA RENZI als SABRINA VON DER WIES in
    BEIẞ MICH LIEBLING! (D|1970)



    Der Legende nach ist in nahezu jeder Filmografie von Darsteller_innen ein Ausrutscher zu finden, oftmals sind es sogar mehrere schwarze Kapitel. Eva Renzi selbst gab ihrem eigenen Schaffenstiefpunkt den Namen "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe", ohne dabei zu betrachten, dass persönliche Ressentiments die bestehenden Tatsachen hinsichtlich einer einwandfreien Leistung nicht ausräumen können. Wenn die gesamte Renzi'sche Filmografie so gut wie bekannt ist, kann es gar nicht anders kommen, dass man Helmut Förnbachers Erotik-Komödie in diesem Zusammenhang ins Visier nimmt, was jedoch hauptsächlich auf den Film und nicht auf Eva Renzis Leistung bezogen ist. Auch hier gilt ihr selbst erwähntes Prinzip, dass es die persönlichen Möglichkeiten stets zugelassen haben, gut oder zumindest der Anforderung entsprechend zufriedenstellend zu sein. Als Sabrina von der Wies macht Renzi zumindest einen mehr als soliden Eindruck und weiß sich erneut prominent in Szene zu setzen, was unterm Strich vom inszenatorischen und dramaturgischen Diktat verwässert wird. Weiß man um Eva Renzis kritischen Blick auf Frauenrollen bestimmter Anlegung, liegt es nahe, dass es sich hierbei um eine von jenen handeln müsste, die sie unter normalen Umständen mit Genuss in der Luft zerrissen hätte. Aber wer weiß das schon? Ein Blick auf die bestehenden Tatsachen zeigt eine - für den zeitgenössischen deutschen Genrefilm - ungewöhnlich stark instrumentalisierte Eva Renzi, deren Mehrfachanforderung beinahe ausschließlich darin besteht, den Klamauk zu dosieren, unter anderem für Erotik zu sorgen und dabei natürlich blendend auszusehen. Strecken von Großaufnahmen ihres hier frisch und ausdrucksstark wirkenden Gesichts tun ihr Übriges dazu.

    Bei der Darstellung der Sabrina ist vor allem interessant, dass es sich um eine Dame handelt, die vergleichsweise weniger in das klassische Beuteschema der Eva Renzi fällt. Nur zu oft hat man selbstbewusste, schlagfertige, aber auch oppositionelle Charaktere von ihr sehen können, doch hier findet eine merkliche Abkehr zu diesem Schema statt, denn Sabrina steckt in einem Korsett, das von Männern ihres Umfeldes maßgeschneidert wurde. Zwar genießt die schöne Frau zahlreiche Freiheiten, von denen andere in diesem Zeitfenster nur hätten träumen können, aber innerhalb des ambitioniert modernen Anstrichs zeigen sich für Renzis Verhältnisse fast konservative Züge, die so rückschrittig sind, dass einem keine ähnlich gearteten Darbietungen ihrerseits einfallen. Sabrina lebt in uneindeutigen Verhältnissen mit ihrem Onkel zusammen und wirkt dabei wie eine bessere Hausangestellte, die sich zwar kritische Kommentare erlauben darf, die obendrein immer wieder Zweifel schüren, aber dennoch effektlos im Ganzen untergehen. Es ist mehr als offensichtlich, dass Renzi die Dramaturgie immer wieder mit ihrer persönlichen Note durchbricht, allerdings nicht viel gegen die Marschrichtung der Produktion ausrichten kann, da immerhin alle Darsteller vor die gleiche Karre gespannt werden. Im Fokus liegen schließlich männlich-weibliche Beziehungen, sodass nur auf das Auftauchen des neuen Briefträgers gewartet werden muss, um vollkommen weich zu werden: »Ich glaub ich bin verliebt! Ich hab ihn einfach angeschaut...« Beinahe ungläubig hört man Eva Renzi zu, als sie ihrem Onkel von Amors Treffsicherheit berichten muss und buchstäblich dahin schmilzt. Etwas Vergleichbares ist in ihrer Karriere kaum zu finden. Aber es läuft hier wie es eben laufen muss; auch wenn es unter diesen quasi umgekehrten Voraussetzungen geschieht.

    Auch wenn "Beiß mich Liebling" gewiss das Schlusslicht in Eva Renzis Filmografie darstellt, bekommt der geneigte Zuschauer eine Rolle geboten, die in dieser Form auch nicht alle Tage zu finden war. Zunächst lässt sich der Eindruck nicht wegdiskutieren, dass die Berlinerin trotz der Rahmenbedingungen - die mit Schraubzwingen in Kontur gebracht sind - gelöster als sonst wirkt; ein paradoxer Eindruck, denn schließlich wird Eva Renzi hier deutlich an der kurzen Leine gehalten und es bietet sich so gut wie keine Gelegenheit, wie üblich aus bestehenden Mustern auszubrechen. Daher sieht man dem Empfinden nach weniger Eigeninterpretation und Selbstinszenierung, als eine klassische Abhandlung des Geforderten. Dies soll zwar keineswegs heißen, dass die Schauspielerin sonst immer das tat, worauf sie gerade Lust hatte, aber dennoch ist in fast allen ihrer anderen Auftritte nicht nur die ausführende Interpretin zu beobachten, sondern auch die teils auflehnerisch wirkende Person Eva Renzi. Nichtsdestotrotz beugt sie sich hier wie kein zweites Mal dem aufdringlichen Diktat der Regie und hat den Mann an ihrer Seite anzuhimmeln und schöne Staffage zu sein, was man ketzerisch vielleicht schon eher als Verschwendung ansehen sollte. Mit ihrem Partner Amadeus August entstehen viele Sequenzen der Erotik und Intimität. Daraus resultiert eine auffällige Körperbetontheit der Schauspielerin, die sich vom fordernden Auge der Kamera zu dem Objekt degradieren lässt, welches sie auch nach eigenen Angaben nie sein wollte. Abschließend zu dieser im Endeffekt nicht uninteressanten Rolle soll ein Auszug aus der Zeitschrift "Praline" aus dem Jahr 1969 als unkommentierte Anmerkung Licht ins Dunkel bringen: »Eva: "Ich ziehe mich nur aus, wenn der Film künstlerisch wertvoll ist." Die Filmleute: "Aber woher wissen Sie vorher das Filmprädikat?" Eva: "Das entscheide ich."«

  • Beiß mich Liebling! (1970)Datum16.06.2018 15:43


    BEIẞ MICH LIEBLING!

    ● BEIẞ MICH LIEBLING! / BEIẞ MICH, LIEBLING! (D|1970)
    mit Eva Renzi, Amadeus August, Patrick Jordan, Brigitte Skay, Wera Frydtberg, Herbert Fux, Barbara Valentin, Dieter Augustin, Gudrun Herms,
    Rainer Basedow, Frederick Pressel, Toni Treutler, Katharina de Bruyn, Marianne Sock, Franz Esser, Folker Bohnert, Stefan Menz und Ralf Wolter
    eine Produktion der New Art | im Verleih der Cinerama
    ein Film von Helmut Förnbacher




    »Es ist jetzt das zweite Mal, dass wir von ihm Abschied nehmen müssen!«


    Briefträger Engelmann (Herbert Fux) wird wegen eines Unfalls arbeitsunfähig und durch seinen Kollegen Peter Busch (Amadeus August) ersetzt. Der junge Mann hat allerdings noch ganz andere Qualitäten als das Zustellen von Briefen, denn schon nach kürzester Zeit avanciert er zum Renner in den Betten sogenannter grüner Witwen. Dem Sexualtherapeuten und Eheberater Hartlieb von der Wies (Patrick Jordan) läuft durch diese neue Situation die komplette weibliche Kundschaft davon, denn die nun rundum glücklichen Damen haben ab sofort nichts mehr auf seiner Couch zu berichten. Kurzerhand beschließt von der Wies also, den geschäftsschädigenden Briefträger ins Jenseits zu befördern, zumal dieser auch noch seine Nichte Sabrina (Eva Renzi) heiraten will. Doch alle Anschläge schlagen fehl, bis er schließlich selber ins Gras beißen muss. Damit hat die Farce allerdings kein Ende, denn der Verblichene steigt aus seinem Grab und macht die Gegend als blutdürstiger Vampir unsicher...

    In einem Film von Helmut Förnbacher wird erfahrungsgemäß allerhand geboten, nur eben nicht das, was uns der Titel verzweifelt zu versprechen versucht. Seinerzeit wurde der Schweizer als hoffnungsvolles Nachwuchstalent gehandelt, doch nach einem Flop wie "Beiß mich Liebling!" wurde der Regiestuhl wieder schnell durch schauspielerische Aktivitäten ersetzt, bei denen Förnbacher eindeutig die bessere Figur machen konnte. In dieser Produktion fungierte er nicht nur als Regisseur, sondern gleichzeitig als Produzent und Drehbuchautor, was dieser Angelegenheit jedoch in unmissverständlicher Art und Weise nicht zugute kommen möchte. Der Filmdienst lästerte: »Wie schnell doch Jungregisseure für Opas Kino heranaltern.«, und diese Einschätzung ist nach diesem Flick gar nicht so weit hergeholt, denn so weit das Auge reicht ist nur hemmungsloser Abklatsch und abgedroschener Klamauk wahrzunehmen, der schon in vielen anderen Filmen keinen Grund mehr zum Lachen darstellen konnte. Entstanden ist schließlich ein mäßig interessanter Versuch, diffusen Erotik-Klamauk in andere Gewänder zu zwängen und dabei noch darauf zu spekulieren, dass es aufgrund des beigemischten Vampir-Themas keinem Menschen auffällt, welches übrigens erst nach einer geschlagenen Stunde prominent in Erscheinung tritt. Was man dem Film bestimmt zugute halten darf, ist, dass er sich am Zeitgeist orientiert und vielleicht mehr typisches Kind dieser beginnenden Dekade ist, als einem lieb ist. Offenbarungen bleiben hinlänglich aus, so viel kann bereits im Vorfeld gesagt werden. Der Verlauf nimmt teilweise zu uniforme Tendenzen an, die einiges an Langeweile transportieren. Da können auch ein paar Lacher nicht für die anvisierte Atmosphäre sorgen, die sich aufdringlich und phasenweise in peinlicher Art und Weise aufbäumen wird.

    Die Geschichte fängt mit dem Ausfall des hiesigen Briefträgers an, um schleunigst seinen potenten Nachfolger zu integrieren, der ab sofort die Damen aller Couleur beglücken darf, außerdem frustrierte grüne Witwen. Dieses Beischlaf-Karussell dreht sich beinahe eine geschlagene Stunde lang, um anschließend zur eigentlichen Sache zu kommen, die der Titel immerhin angekündigt hatte. Albernheiten und Zweideutigkeiten dominieren diesen Beitrag zusehends erdrückend, sodass eine gute Ausdauer des Zuschauers zur Grundvoraussetzung wird. Sicherlich entstehen insbesondere mit Brigitte Skay oder Barbara Valentin auch ein paar wirklich gelungene Szenen im Rahmen der Situationskomik, jedoch kann sich insgesamt kein ausgewogener Eindruck aufdrängen, da die Stimmung immer wieder umkippt. Helmut Förnbacher ist daher anzukreiden, dass er dem Film eine zu kopflastige Richtung mitgegeben hat und dabei keine Entscheidung trifft, die Parallelhandlungen prägnant und zufriedenstellend abzuhandeln. Im Bezug auf die sicherlich nicht zu verachtende Schauspieler-Riege kündigt der deutsche Kino-Trailer überdies noch Folgendes an: »Mit Deutschlands Komikerelite.« Der schnelle Blick auf die Hauptrollen stiftet in diesem Zusammenhang eine spürbare Verwirrung, denn für etliche Interpreten stellte die Komödie keineswegs eine Domäne dar, aber dennoch bleibt erst einmal abzuwarten, wie sie sich letztlich hier präsentieren werden, und ob tatsächlich komödiantisches Blut ihn ihnen fließt. Zu einer bemüht heiteren musikalischen Untermalung ist wie erwähnt ein Stelldichein nach dem anderen zu begutachten, wofür sich selbst eine renommierte Interpretin wie Wera Frydtberg nicht zu schade war. Anhand etlicher Beispiele ist deutlich zu erkennen, dass Förnbacher gewisse Schauspieler gezielt auf unbekanntes - um nicht zu sagen - schlüpfriges Terrain führt.

    Das Treiben wird von keiner Geringeren als Eva Renzi angeführt, um Unterstützung von einem bunt durchgemischten Ensemble zu erhalten, das vor allem nach Leibeskräften agiert. Als ihren Onkel sieht man den Engländer Patrick Jordan, der weder internationales Flair in die Szenerie bringen kann, noch durch eine besondere Schauspiellaune auffallen will. Seine Gebärden und die damit verbundenen Dialoge fahren unausweichlich in eine Einbahnstraße, sodass es zu keinem besonders großen Vergnügen wird, ihn auszuhalten, was übrigens genauso für Ralf Wolter gilt, der die unbequeme Verpflichtung auferlegt bekommen hat, wirklich jeden Vogel abschießen zu müssen. Amadeus August hingegen wirkt gelassen und flexibel genug, um dem Verlauf einen deutlichen Stempel aufzudrücken, wenngleich man aber fairerweise sagen muss, dass ihm von der Geschichte her nicht besonders viel abverlangt wird. Dennoch bleiben gerade seine Szenen in Erinnerung, in denen er sich in diversen Betten verlustiert, denn hierbei handelt es sich immerhin um den Löwenanteil seiner Auftrittsdauer. Zusätzlich geben er und Eva Renzi ein nett anzusehendes Paar ab, dem anzusehen ist, dass schon ein bisschen Spaß beim Dreh geherrscht haben wird. Natürlich übersteigt dieser Eindruck quasi die eigene Vorstellungskraft, immerhin blickt man auf Förnbachers fertiges Produkt. Trotzdem versprühen beide ein wenig natürlichen Spaß, der ansonsten nur schwer zu finden ist, oder aufgesetzt wirkt. Szenen zum Schmunzeln und Lachen (hinter vorgehaltener Hand) liefern Brigitte Skay und Barbara Valentin, die sich buchstäblich in ihren eigenen Klischees suhlen, oder doch eher räkeln. Beide reihen sich in die Riege der sehr nett anzuschauenden Interpretinnen des Verlaufs ein, genauso wie Hansi Linder oder Gudrun Herms. Mit Vera Frydtberg ist eine Schauspiel-Veteranin in den Anfängen ihres Schwanengesangs zu beobachten, doch selbst dieser Abstecher in ungewohnte Gefilde demonstriert genügend Routine und Souveränität.

    In Helmut Förnbachers "Beiß mich Liebling!" gibt es letztlich allerhand Schattenseiten, die positive Aspekte immer wieder stark überlagern. Im Grunde genommen ist die Geschichte nicht ganz so schlecht, wie es das Ergebnis suggeriert, aber das Endergebnis hätte bei einer etwas mehr strukturierten Bearbeitung deutlich besser aussehen können. Zu Spät wird das eigentliche Vampir-Thema integriert, und zwar dann, wenn der strapazierte Zuschauer bereits kurz vorm Einschlafen ist. Im letzten Drittel darf schließlich noch etwas gebissen werden, doch diese Sequenzen reichen nicht mehr aus, um das Lenkrad noch herumzureißen. Dass es an vielen Stellen einfach zu albern und herkömmlich wird, kann man einem Film nicht anlasten, der eigentlich nichts anderes sein will, als ein Unterhaltungsvertreter seiner Zeit. Trotzdem neigt man schnell dazu, mit diesem Vehikel schwerer als üblich ins Gericht zu gehen, da Förnbacher ein unausgewogenes Mischmasch abgeliefert hat, das sich im Endeffekt nicht gerade entscheidungsfreudig präsentiert. Der Film ist seit seiner Kino-Aufführung im August 1970 und der Veröffentlichung auf VHS verständlicherweise komplett in der Versenkung verschwunden, denn selbst der hartgesottene und geneigte Zuschauer bekommt nicht viel Neues vom Schweizer Jungregisseur geboten; außer, dass er einem seine augenscheinlichen Ambitionen ergebnislos auftischt und dass etliche gerne gesehene Darsteller als Zirkuspferde in die Manege gepeitscht werden. Insgesamt gesehen, kann man sich diesen Erotik-Klamauk mit wohlgemerkt äußerst abgespecktem Vampir-Thema anschauen, ohne dabei den Glauben an die Qualität der deutschen Filmindustrie jener Zeit zu verlieren, aber Aha-Effekte oder zufriedenstellende Ergebnisse bleiben definitiv und wahrscheinlich sogar weitgehend aus. Daher: für Fans, Komplettisten und auch Optimisten.

  • Das Gesicht auf der Wand (1983, TV)Datum02.06.2018 14:45


    DAS GESICHT AUF DER WAND

    ● DAS GESICHT AUF DER WAND (D|1983) [TV]
    mit Manfred Günther, Antje Weisgerber, Ivan Desny, Siegfried Wischnewski, Klaus Miedel, Mady Rahl, Rudolf Schündler, Ursula Diestel, Monica Bielenstein, u.a.
    eine Produktion des SFB
    ein Film von Dieter Finnern




    »Die Sache ist unglaubwürdig, um es milde auszudrücken!«


    In einer abgelegenen Kneipe erzählen sich drei Bekannte (Siegfried Wischnewski, Antje Weisgerber und Ivan Desny) Gruselgeschichten, die an diesem Abend besonders intensiv wirken, da es draußen sehr ungemütlich ist. In dieser schaurigen Atmosphäre schaltet sich plötzlich ein Mann vom Nebentisch (Manfred Günther) ein, der der Runde ebenfalls eine derartige Geschichte erzählen möchte. Es handelt sich dabei um seine eigene Geschichte. Aufgelöst berichtet er, dass in seinem Zimmer regelmäßig ein unheimliches Gesicht auf der Zimmerwand erschienen sei, welches ihn beinahe in den Wahnsinn getrieben hat. Ist der Mann glaubwürdig, oder möchte er sich nur profilieren..?

    Betrachtet man die unterschiedlichen Dekaden der Filmkunst, so wurde das breit gefächerte und daher ergiebige Thema rund um parapsychologische Phänomene immer wieder aufgegriffen und in unterschiedlichsten Varianten verarbeitet. Auch das Fernsehspiel kam Dank Regisseur Dieter Finnern, der in 30 Jahren etwa genauso viele TV-Filme inszenieren sollte, nicht an dieser Thematik vorbei und lieferte mit "Das Gesicht auf der Wand" einen Beitrag ab, der sich zunächst einmal sehr interessant anhört. Die frühe Verwendung von etlichen, brauchbaren Verstärkern, die sonst beispielsweise in Gruselfilmen zu finden sind, bieten dem Zuschauer die Möglichkeit, unmittelbar in das Geschehen einzusteigen und es baut sich sogar eine leicht wahrzunehmende Beklemmung auf. Sobald die erste Gruselgeschichte über die Bühne ist, die man sich in einer urigen Kneipe erzählt hat, erfährt er Verlauf einen harten Schnitt. Nicht etwa, weil alles Weitere an der eigentlichen Thematik vorbeizulaufen scheint, sondern es kommt zu einem eigenartigen hin- und herpendeln zwischen Realismus und einem in der kranken Psyche verankerten Thema. Sicherlich klingt dies alles andere als langweilig, jedoch hüllt sich der Verlauf in zu viel stilistische Fließbandarbeit, die daher auf inszenatorischer Seite keinen runden Eindruck hinterlassen will. Doch es bleibt abzuwarten, denn schließlich bietet das Thema sehr viel Potential an.

    Ab sofort begleitet man den Protagonisten in Rückblenden, die vielleicht weniger beängstigend als verstörend wirken. »Wir fürchten uns, weil wir Angst haben!«, heißt es in einer der Szenen und beim Blick auf den Mann, der den Kneipengästen seine Geschichte quasi aufnötigt, zeigen sich deutliche Unterschiede in seiner Gemütsverfassung und äußeren Erscheinung. In diesen Sequenzen ist Manfred Günther als vollkommen heruntergekommen wirkende Person zu sehen, die zusehends von diffusen Ängsten zerfressen wird. Zwar bekommt die Angst hier im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht, aber man erkennt weder einen Ursprung noch einen plausiblen Grund für die Geschehnisse, da es keine Hintergrundinformationen gibt. Regisseur Dieter Finnern rückt daher komplett von der anfänglich in den Fokus gerückten Gruselatmosphäre ab, um Wahnvorstellungen und Verschwörungstheorien der Hauptperson anzudeuten, die aufgrund der Wandlungsfähigkeit von Manfred Günther recht gut ankommen. Man verfolgt den mentalen Abstieg eines Mannes hautnah mit, sodass etliche bekannte Interpreten seinen Weg kreuzen dürfen, wie etwa Klas Miedel, Rudolf Schündler oder Mady Rahl. Letztere bietet eine besonders schmackhafte Darbietung als alt gewordene Prostituierte, deren Performance von hier doch sehr an ihren Auftritt in der "Kommissar"-Episode "Ein Funken in der Kälte" erinnern möchte, wenngleich ganz offenkundig auch schon wieder einige Monate seitdem vergangen waren.

    Obwohl dieser TV-Film nur rund eine Stunde Spielzeit hat, zieht sich die Handlung empfundenermaßen in die Länge, was die spannenden Phasen ungünstig aufweicht. Im Grunde genommen verlaufen die zwei in direkter Verknüpfung stehenden Handlungsstränge um die Personen in der Kneipe und dem Fremden, der seine Geschichte erzählt, zu isoliert voneinander ab, was von einem Finale unterstrichen wird, das im Sinne der Aufklärung wenig prägnant wirkt. Die verschiedenen Etappen, die Angstzustände, Impulsivität, Wahnvorstellungen und Aggressionen der Hauptfigur zeigen, leiden unter einer Monotonie, die vielleicht eher den begrenzten Möglichkeiten zuzuschreiben sind, die einem TV-Film in der Regel zur Verfügung stehen. "Das Gesicht auf der Wand" kann die hohen Erwartungen - die nicht zuletzt wegen des gruselig klingenden Titels aufkommen - unterm Strich kaum erfüllen. Zu sehr wird die ohne jeden Zweifel mit Potential versehene Geschichte zu statisch abgehandelt, ohne auf die natürlichen Variationsmöglichkeiten zurückzugreifen, die der Stoff anbietet. Dennoch werden viele Akzente gesetzt, die zu Gefallen wissen. Sei es die passende musikalische Begleitung oder das in Szene setzen gewisser Charaktere, die ambitionierten Tricks oder immer wieder aufkommende atmosphärische Verstärker, wie beispielsweise Sets und spürbare Schwingungen. Dieter Finnern hat schlussendlich einen Beitrag abliefern können, der in seiner teils unorthodoxen Bearbeitung gefallen kann - vorausgesetzt man hat quasi ein paar parapsychologische Antennen.

  • Maria MarlowDatum23.05.2018 11:48
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema



    Nach der Sichtung von August Riegers "69 Liebesspiele" darf die Fragestunde über Maria Marlows Leinwandpräsenz in die zweite Runde gehen, bevor abschließend "Lösegeld Kilometerstein 15" an die Reihe kommt. Abgesehen davon, dass mir dieser ans Kiez-Genre angelehnte Film erneut sehr gut gefallen hat, stellt sich wieder die alte Frage der Erstsichtung, ob es sich bei der im Vorspann weit hinten genannten Darstellerin Mara Marlow tatsächlich um Maria Marlow handelt. Die Anhaltspunkte reichen nicht über die Kolportage der Datenbanken hinaus, hinzu kommt, dass keineswegs einwandfrei zu erkennen ist, ob sie in der Masse der Darstellerinnen überhaupt beteiligt ist. Die einzige Interpretin bei der zumindest eine Ähnlichkeit festzustellen war ist die blonde Dame auf den Screenshots, deren Auftritt nicht einmal in die Nähe von einer Minute Auftrittsdauer kommt. Um eine Sprechrolle handelt es sich ebenfalls nicht und für die Handlung ist sie nicht relevant.

    Also die erneute Frage in die Runde hier lautet: könnte es Maria Marlow sein, oder sollte ich weiter suchen?

  • Audrey Hepburn - ihre FilmeDatum17.05.2018 21:20
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema


    WARTE, BIS ES DUNKEL IST

    ● WAIT UNTIL DARK / WARTE, BIS ES DUNKEL IST (US|1967)
    mit Audrey Hepburn, Alan Arkin, Richard Crenna, Samantha Jones, Julie Herrod, Jean Del, ValRobby Benson und Efrem Zimbalist Jr.
    eine Produktion der Warner Bros. | im Verleih der Warner Brothers | Seven Arts
    ein Film von Terence Young





    Susy Hendrix (Audrey Hepburn) hat vor nicht langer Zeit bei einem Autounfall ihr Augenlicht verloren. Um sich zurecht zu finden, wird sie von ihrem Mann Sam (Efrem Zimbalist Jr.) unterstützt, doch der Fotograf ist beruflich viel unterwegs und kann daher nicht die ganze Zeit an ihrer Seite sein. Eines Tages bringt Sam eine Puppe von einer Auslandsreise mit, die er von einer Fremden zugesteckt bekommen hat und in der sich sich Heroin befindet. Als sie die Puppe wenig später abholen möchte, ist diese spurlos verschwunden und wenig später wird die Frau ermordet aufgefunden. Daraufhin tauchen drei zwielichtige Männer bei Susy auf, die von dem rücksichtslosen Harry Roat (alan Arkin) angeführt werden. Sie interessieren sich offensichtlich für die Puppe samt Inhalt und sind davon überzeugt, dass sie sich in Susys Appartment befindet. Da Sam wieder beruflich unterwegs ist und Susy blind, glauben die Gangster leichtes Spiel zu haben...

    »Lügen und betrügen, Theater spielen...« So lautet die einfache Devise unter Verbrechern gleich zu Beginn, um das begehrte Heroin in die Hände zu bekommen. Dem Zuschauer werden zunächst nicht allzu viele Hintergrundinformationen gewährt und die Geschichte wird einem weniger angeboten, als dass sie einen plötzlich komplett vereinnahmt und zum mitfiebern zwingt. Durch die Thematik ist der Grundstein für eine wirklich perfide Marschrichtung gelegt worden, die von ihren eindrucksvollen Bildern an wenigen Schauplätzen und einem überaus gut strukturierten Spannungsaufbau lebt, dessen Eruption bis zum letzten Moment hinausgezögert wird. Erwähnenswert ist die ausgezeichnete darstellerische Leistung von Audrey Hepburn als unschuldiges Opfer eines doppelten, beziehungsweise dreifachen Spiels, und die Regie bäumt die große Bedrohung förmlich auf, dass eine Blinde doch leicht in die Tasche zu stecken sein müsste.

    Im Endeffekt ist es der Titel des Films, der fortlaufend immer mehr an Bedeutung gewinnt und wenn es dann schließlich dunkel wird, ist der Thrill kaum auszuhalten, da man hofft, dass jegliches Licht im Szenario verschwindet. Die Konzentration ist beinahe ausschließlich auf die weibliche Hauptperson gelegt worden, deren fehlende Sinneswahrnehmung ihre anderen nur aufmerksamer werden lässt. Hepburn fühlt sich bemerkenswert in diese Rolle mit all ihren schwierigen Anforderungen hinein und ihre männlichen Kontrahenten setzen ihr schwer zu, jedoch nicht ohne einen ebenso bemerkenswerten Eindruck zu hinterlassen. Interessant bleibt die Tatsache, dass "Warte, bis es dunkel ist" auch ohne große Effekte brillant funktioniert und zum Selbstläufer wird. Garniert mit einem Finale, das von Hochspannung durchzogen ist, lieferte Regisseur Terence Young einen subtilen Klassiker ab, den man bei Interesse für derartige Alpträume unbedingt gesehen haben sollte.

  • Die zornigen jungen Männer (1960)Datum13.05.2018 14:06
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema

    Vielen Dank für die Vorstellung, die Geschichte klingt sehr interessant.
    Ich werde es zum Anlass nehmen und mir den Film endlich mal anschauen.
    Alleine die Besetzung ist ja schon verlockend genug.

  • Eva Renzi - Filme & KarriereDatum13.05.2018 14:02
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● EVA RENZI als MONICA RANIERI in
    DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE (D|I|1969)



    Durch den Protagonisten Sam Dalmas bekommt der Zuschauer das aktuelle Verbrechen im Panoramablick geboten: fern, nah, unmittelbar am Ort des Geschehens. Mit ihm ist man über des gesamten Verlaufs einer Meinung, dass genau in dieser Situation der Schlüssel zur Aufklärung zu finden ist. Doch wie mag dieser aussehen? Es bleibt nur das diffuse Gefühl, dass tatsächlich etwas Signifikantes übersehen worden sein muss, dass etwas nicht in das Gefüge gepasst hat, doch man kann es nicht beim Namen nennen. Mit diesem Verwirrung stiftenden Element spielt Dario Argento über die komplette Distanz und entgegengesetzt zu der Kürze ihrer Rolle ist es Eva Renzi, die diesbezüglich zur Projektionsfläche wird, somit eine der wichtigsten Charaktere in "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" formen konnte. Nicht nur, dass ihr erstes Auftreten gleich zu Beginn die Erinnerung beschäftigen wird; es ist auch bemerkenswert in welchem Umfeld sich diese Szenen abspielen. Argentos Set scheint bis ins kleinste Detail durchdacht zu sein, es wird eine auffällige Struktur innerhalb dieser Szenerie vermittelt, die als visuelles Ablenkungsmanöver gesehen werden kann. Zwischen den imposanten und geradezu vereinnahmenden Skulpturen findet sich das schöne Opfer des Frauenmörders, welcher Rom seit geraumer Zeit unsicher macht. Zu Eva Renzi lässt sich schließlich sagen, dass sie wie ein Teil dieses Sets erscheint und dass sie ebenso präzise durchdacht wirkt. Ihre weiße, mit Blut überströmte Kleidung stellt die Verletzung in den Vordergrund, die kurze Entfernung zu Sam Dalmas wird aufgrund der Tatsache, dass eine Glasscheibe sie trennt und wegen des langen Kampfes der Monica Ranieri, zur unüberwindbaren Distanz, da sie nur Zentimeter für Zentimeter zurücklegen kann. Alles wirkt abgestimmt, alles ist zu Ende gedacht worden worden, sodass gesagt werden darf, dass eine derart lückenlos aufgebaute Assoziationskette nicht alle Tage zu finden ist, die rückblickend in ihrem Aufbau derartig raffiniert gestaltet wurde. Erleichtert nimmt man schließlich zur Kenntnis, dass sich der empfundene Todeskampf der Monica Ranieri als nicht lebensgefährlich herausstellt.

    Diese eindrucksvolle erste Etappe ihrer Rolle wird für den Moment stillgelegt, doch beschäftigt die Erinnerung des Protagonisten und Zuschauers sehr nachhaltig und effektiv. Das nächste Aufeinandertreffen erfolgt erneut am Ort des Verbrechens, an dem das Opfer sich beinahe gehemmt bei ihrem Retter bedanken wird. Verheißungsvoll gibt sie die Erklärung ab, dass sie auch weiterhin in Angst lebe und man wird hellhörig, da Monica Ranieri dem Empfinden nach weiterhin in Gefahr ist. Eva Renzi stattet diese kurze Szene mit allen erforderlichen Mitteln aus, die zur Glaubwürdigkeit führen und es ist erstaunlich, dass sie hier komplett entgegengesetzt zu ihren üblichen Rollenstrukturen eingesetzt wurde. Sie erscheint wie eine unterdrückte Frau, die sofort handelt, wenn ihr unsympathisch wirkender Mann ruft. Angst und Besorgnis trieben bei ihr normalerweise andere Blüten und das im Sinne einer völlig anderen dramaturgischen Ausgangsposition. Erneut wird es wieder länger ruhig um Monica, um die letzten Etappen ihres Auftritts zu bahnen. Über allem steht der bemerkenswerte Aufbau des Films, also auch dieser Rolle. Eva Renzi als Teil dieses Verwirrspiels und Bestandteil eines Dekors, ist eine wichtige Komponente einer Konstruktion, die einfach nur als brillant zu bezeichnen ist. Monica Ranieri erscheint unergründlich, obwohl die Dramaturgie sie als vermeintlich transparente Erscheinung in den Ring schickt. Insbesondere ihre anschließenden Sequenzen bleiben in nachhaltiger Erinnerung und es ist bemerkenswert, wie Eva Renzi diese recht komplexe Anforderung wieder einmal spielend lösen konnte. Die Mischung aus dosiertem, ebenso spontanem Schauspiel, bis hin zu ihrem impulsivem Darbietungsstil manifestiert den Begriff Idealbesetzung. Betrachtet man ihre eigenen Aussagen zu gerade dieser Rolle, die immerhin eine ihrer bekanntesten darstellt, ist es tatsächlich kaum zu verstehen, warum die Interpretin sie selbst so zynisch beurteilte, denn im Kontrast steht eine hochklassige Leistung mit Modellcharakter, der fortan in diversen Gialli sozusagen als "Monica-Ranieri-Effekt" Verwendung finden sollte, aber in dieser Qualität nicht mehr häufig reproduziert werden konnte.

  • Maria MarlowDatum05.05.2018 16:22
    Foren-Beitrag von Prisma im Thema





    ● MARIA MARLOW als KRIEMHILD in
    DIE NIBELUNGEN TEIL I - SIEGFRIED (D|JUG|1966)



    Einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge, war Produzent Artur Brauner auf der Suche nach geeigneten Darstellern für sein bereits sieben Jahre Planung in Anspruch nehmendes Großprojekt "Die Nibelungen". Für die Rolle Kriemhild hatte man sehr populäre Darstellerinnen ins Auge gefasst; zunächst Marianne Koch und anschließend Romy Schneider. Als Brunhild wurden Barbara Rütting und Eva Bartok in Erwägung gezogen. Wie es letztlich zu der Verpflichtung der völlig unbekannten Natascha Stepun kam, die mit dem internationaler klingenden Künstlernamen Maria Marlow ausgestattet wurde, ist nur zu vermuten und richtet sich möglicherweise nach den Empfehlungen der Befragten - genau wie übrigens bei Siegfried auch - unverbrauchte Interpreten in die Manege zu schicken. Etwas Aufmerksamkeit erlangte Maria Marlow kurz zuvor in Peter Schamonis Spielfilmdebüt "Schonzeit für Füchse", in dem sie als Nina Stepun aufgetreten war und eine leichtfüßige Darbietung in einer besonders interessanten Nebenrolle zum Besten gab. Für die Rolle der Kriemhild wirkt sie wie geschaffen und sei es, falls man sie nur auf ihre der Sage nach überlieferte Schönheit reduziert. Im Allgemeinen bekommt Maria Marlow für ihre Leistung nicht die besten Kritiken zugebilligt, was vielleicht in erster Linie daran liegt, dass Regisseur Harald Reinl seine damalige Ehefrau Karin Dor als Brunhild wesentlich prominenter und stärker inszenierte, außerdem zusätzlich der laufenden Geschichte geschuldet ist. Maria Marlow hingegen versucht es anfänglich mit einer bemerkenswerten Einfachheit, bevor die zweifellos vorhandene Ausstrahlung bemüht wird. Es ist nahezu selbstverständlich, dass die zahmere der beiden Frauen auf den richtigen Moment zu warten hat, der sich hier Ende des ersten Teils plötzlich ergibt und im Rahmen der Voraussetzungen von "Kriemhilds Rache" seine darstellerische Vollendung findet, für die Maria Marlow wohlgemerkt aktiv verantwortlich ist.

    Man kann keineswegs sagen, dass Maria Marlow ihre Rolle zu Beginn schwach zeichnet, vielmehr ist es einfach noch nicht an der Zeit, ihre Stärken auszubuchstabieren und der Dramatik vorwegzugreifen. Des Weiteren findet eine radikale Unterordnung zugunsten Brunhilds, respektive Karin Dors statt, die alleine stilistisch und inszenatorisch gesehen alle erdenklichen Vorteile - von der Totalen ihres Gesichts bis hin zu inbrünstigen Dialogen - zugebilligt bekommt. Landläufig entstand somit der vielleicht nicht ganz unberechtigte Eindruck, dass Karin Dor die wesentlich stärkere Interpretation anbietet. Doch es gilt zu unterscheiden, denn sie kann mit etwas auftrumpfen, das Maria Marlow naturgemäß nicht bieten konnte: Routine. Gemessen an dieser Tatsache und des Eindrucks, wenn Brunhild nur noch eine tragische Erinnerung sein wird, der im zweiten Teil folgen wird, wertet sich Marlows einwandfreie Interpretation von selbst auf. Zunächst schaut der Zuschauer auf eine anmutige und gutherzige junge Frau, die die bevorstehende Ruhe vor dem Sturm charakterisieren wird. In übersichtlich wenigen Sequenzen tastet sich die Kamera vorsichtig aber zusehends interessiert an ihr klassisch schönes Gesicht heran. Im Endeffekt bewegt sich der Neuling jedoch stilsicher genug auf dem Parkett, das eine Großproduktion pflastert, und muss sich keineswegs hinter etablierten Stars verstecken. Wo Maria Marlow in Teil I noch zuverlässig und der Anforderung entsprechend die Aufgabe abarbeitet, eine gute Portion Rührseligkeit und Naivität zu bedienen, muss man einfach auf den stärkeren Nachfolger warten, um ihre darstellerischen Fähigkeiten in vollem Umfang kennenzulernen. Kostproben ihres Temperaments und einer eigenartigen Disziplin im Rahmen ihrer Mimik und Körpersprache werden bereits hier ersichtlich, doch ein vollmundiger Racheschwur kündigt nicht nur den Anfang vom Ende an, sondern die unbändige Performance einer Gelegenheitsinterpretin, deren Spur sich leider komplett verloren hat.

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