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Dieses Thema hat 825 Antworten
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 Edgar-Wallace-Forum
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Savini Offline



Beiträge: 556

18.08.2022 10:19
#706 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #705
Letztlich weist auch Stolls Werdegang ab dem Ende der 1960er Jahre einen ähnlichen Verlauf auf wie der des jüngst hier behandelten Harry Riebauer.

War es im Falle von Stoll nicht so, dass er schon längere Zeit an einem Herzleiden litt und daher kaum noch in größeren Rollen besetzt wurde?

Jan Offline




Beiträge: 1.719

18.08.2022 19:54
#707 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #706
Zitat von Jan im Beitrag #705
Letztlich weist auch Stolls Werdegang ab dem Ende der 1960er Jahre einen ähnlichen Verlauf auf wie der des jüngst hier behandelten Harry Riebauer.

War es im Falle von Stoll nicht so, dass er schon längere Zeit an einem Herzleiden litt und daher kaum noch in größeren Rollen besetzt wurde?

Das wäre mir neu. Von der Herzkrankheit wusste ich; dass er deswegen aber keine großen Rollen mehr bekam, wusste ich nicht.

Gruß
Jan

Savini Offline



Beiträge: 556

19.08.2022 08:24
#708 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Direkt etwas darüber gelesen habe ich auch nicht; aber dass er eventuell aus gesundheitlichen Gründen kürzer trat, erscheint mir zumindest denkbar.
Wirklich schade, dass über ihn relativ wenig bekannt ist! Abgesehen von den zitierten Stimmen, dass er ein sehr angenehmer und professioneller Kollege gewesen sei.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.850

19.08.2022 08:29
#709 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



19.08.

Marianne Koch feiert heute ihren 91sten Geburtstag


In einem klassischen Wallace-Film hat sie zwar nicht mitgespielt, aber in den Abenteuer-Filmen "Todestrommeln am großen Fluss" und "Sanders und das Schiff des Todes". Größere Bekanntheit erlangte sie auch im Italo-Western "Für eine Handvoll Dollar".
Später ging sie ihrer Tätigkeit als Ärztin nach.

Geboren wurde Marianne Koch am 19.08.1931 und kann daher heute ihren 91sten Geburtstag feiern. Herzlichen Glückwunsch!

Havi17 Offline




Beiträge: 3.646

19.08.2022 10:19
#710 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

In "Die Landärztin" hatte sie eine handfeste Rolle mit Humor einer emanzipierten Frau. Marianne Kochs Karriere endete eher schon mit ihren Wallace Auftritten mit Rollen hin zu Kriminalfilmen.

Gruss
Havi17

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.850

19.08.2022 12:14
#711 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Der Film "Schreie in der Nacht" dürfte eines ihrer letzten Werke gewesen sein. Zusammen mit Helga Anders und Joachim Fuchsberger verläuft eine Nacht in einem einsamen Haus sehr tragisch für alle Beteiligten. Skurriler Film auf dem Weg zum Giallo.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.850

21.08.2022 12:33
#712 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



21.08.

Josef Dahmen ist heute vor 119 Jahren geboren




Wallace-Fans kennen ihn natürlich aus "Die Bande des Schreckens". Er spielte dort den Henker.
Eine gelungene Rolle hatte er auch als undurchsichtigen Tankstellenbesitzer Edgar Tupper in "Tim Frazer". In dieser Rolle konnte er sich etwas mehr entfalten.
Daneben war er bei den Serien "Hafenpolizei" und "Polizeifunk ruft" Mitte der 60er Jahre als Ermittler im Einsatz.
Zurück zur Bande: Wenige Monate nach Ende der Dreharbeiten erlebte er einen Schicksalsschlag: Seine Frau kam bei einem Autounfall ums Leben.
Dahmen ist am 21.01.1985 im Alter von 81 Jahren gestorben. Geboren wurde er am 21.08.1903. Das war heute vor 119 Jahren.

Unser morgiger Darsteller wirkte in zwei klassischen Edgar Wallace Filmen mit. Inklusive der Filme, die auf Sanders-Romane basieren, käme man sogar auf vier Einsätze.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.359

21.08.2022 15:06
#713 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Marianne Koch ist ja übrigens bis heute noch regelmäßig Mittwoch Vormittags im Radio auf Livesendung (Sender Bayern 2). Sie berät dort in ihrer Eigenschaft als Ärztin Anrufer und Anruferinnen zu gesundheitlichen Fragen. Nicht jeden Mittwoch aber durchaus häufig.
https://www.br.de/mediathek/podcast/gesundheitsgespraech/476

Ich finde speziell ihre Darbietung im Ungeheuer von London City auch ziemlich stark!

Savini Offline



Beiträge: 556

21.08.2022 19:21
#714 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #712
Wallace-Fans kennen ihn natürlich aus "Die Bande des Schreckens". Er spielte dort den Henker.
Eine gelungene Rolle hatte er auch als undurchsichtigen Tankstellenbesitzer Edgar Tupper in "Tim Frazer". In dieser Rolle konnte er sich etwas mehr entfalten.
Daneben war er bei den Serien "Hafenpolizei" und "Polizeifunk ruft" Mitte der 60er Jahre als Ermittler im Einsatz.

Später war er mit seiner immer belegter klingenden Stimme auch an einigen Europa-Hörspielen beteiligt:https://hoerspielforscher.de/kartei/pers...ort=1#page-main
Seine letzte Rolle in diesem Bereich hatte übrigens auch mit Edgar Wallace zu tun: Ezra Maitland im "Frosch mit der Maske"

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.850

22.08.2022 08:15
#715 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



22.08.

Walter Rilla hätte heute seinen 128sten Geburtstag gefeiert




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Walter Rilla (1884-1980) - Dr. Mabuse lebt!
Im Berlin der 1920er Jahre fanden sich die verschiedensten politischen, und kulturellen Strömungen. Die interssanteste Stadt der Welt beherbergte eine unglaubliche hohe Zahl Intellektueller und Künstler, die auch heute noch weltweite Relevanz haben. Einer davon war Fritz Lang, Pionier und Meister des Abenteuer- , ScienceFiction und Kriminalfilms. 1922 entstand nach dem Roman von Norbert Jacques sein monumentaler Kriminalfilm „Dr. Mabuse, der Spieler“ mit einer Länge von 3 1/2 Stunden. Die schwer zu deutende und dennoch faszinierende Gestalt des Dr. Mabuse wurde zu einem Mythos deutscher Filmkultur. (Im November 2022 gibt es in Berlin eine Neu-Aufführung des Kolossalkrimis mit neu vertonter und sehr gelungener Musik von Mark Scheibe).
Auch Walter Rilla lebte in den 1920er Jahren in Berlin. Er hatte in Königsberg, Breslau und Berlin Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte studiert und sein Ziel war es, Schriftsteller zu werden. Da man aber auch Geld verdienen muss, arbeiteten Autoren in spe als Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften. Walter Rilla sah sehr gut aus und hatte ein freundliches einnehmendes Wesen. Seine Bildung und Klugheit wirkten anziehend und so hatte er auch in seinem Milieu exzellente Kontakte. Er wagte es, mit „Die Erde“ ab 1919 eine Zeitschrift für zeitgenössische Literatur herauszugeben und kam in Kontakt mit fast allen Größen der Literatur. Zum Beispiel waren darunter Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Heinrich Mann und Thomas Mann. Mit letzterem hatte er sogar eine Art Freundschaft. Politisch engagierte er sich in der KPD, innerhalb der er sogar am äußersten linken Rand stand.
Die Nähe zum Proletariat ließ ihn auch das zumindest damals als Trivialkultur empfundene Kino akzeptieren. Auch Jahrzehnte später dürfte das ein Grund für Rillas Schauspielkarriere gewesen sein. Seine Mitwirkung als Darsteller in Stummfilmen war zunächst noch eine Nebenbeschäftigung für Spaß und Geld. Wie er speziell zu Fritz Lang und Dr. Mabuse stand, ist leider nicht recherchierbar, aber ganz sicher kannte er den Film.
Rilla kam mit seiner Zeitschrift immer mehr in Schwierigkeiten. Als Schriftsteller und Herausgeber hatte er natürlich auch gute Kontakte zu Theatern, um zusätzlich als Dramaturg und später auch Regisseur und sogar Darsteller zu arbeiten.
1933 wurde es ungemütlich für Walter Rilla: seine mittlerweile bankrotte Zeitschrift stand für entartete Kunst, politisch war er sehr weit links und er hatte inzwischen eine jüdische Frau geheiratet. Das Ehepaar ging zunächst nach Wien, dann nach London. Da Walter Rilla sehr gut englisch sprechen konnte (was in dieser Generation eine Seltenheit war) und über seine literarischen Tätigkeiten selbst in London gute Kontakte hatte, fasste er erstaunlich schnell Fuß und arbeitete viel und erfolgreich als Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler vor allem für BBC. Anlässlich einer Buchveröffentlichung kam Walter Rilla in den späten 1950er Jahren erstmals wieder nach Deutschland. Rillas Frau war schon 1948 verstorben und sein Sohn Wolf Rilla war selbst ein erfolgreicher englischer Regisseur („Das Dorf der Verdammten“, 1960). Rilla hatte außerdem Probleme und Reibereien mit der BBC. Als Erika Mann ihn bat, im Kurt-Hoffmann-Film „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nach Thomas Mann eine Rolle zu spielen, sagte er somit zu und übersiedelte zurück nach Deutschland. Hier galt er als eine vornehme Kulturinstanz, als ein kluger Mann, der alle erdenklichen Kontakte zu den Größen seiner Zeit gehabt hatte. Und Walter Rilla war wie damals auch bereit, in publikumsnahen Filmen mitzuwirken.
Der Ex-Londoner spielte gerne die Titelfigur in dem Edgar-Wallace-Krimi „Der Fälscher von London“ (1961). Seine Rollen in Kriminalfilmen der 1960er Jahre waren meist seriöse und gebildete ältere Herren, deren noble und humanistische Weltanschaung mit den Handlungen übler Verbrecher konfrontiert wird. („Edgar Wallace: Zimmer 13“, 1964 ; „B.E.Wallace: Das siebente Opfer“,1964; „Vier Schlüssel“, 1965 ; „Ich, Dr. Fu Manchu“, 1965 uvm). Am nachhaltig eindrucksvollsten war das wohl in dem Fernsehspiel „Die zwölf Geschworenen“ (1963).
Filmproduzent Arthur Brauner allerdings hatte eine ganz andere Idee: Walter Rilla als 1920er-Kulturlegende könne doch selbst den Dr. Mabuse spielen!
Brauner und Regisseur Werner Klingler vergriffen sich 1962 an dem Fritz-Lang-Klassiker „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) und brachten ein sorgfältiges, aber blutleeres Remake auf den Markt. Rilla als Prof. Pohland übernahm von Wolfgang Preiss die Rolle des Mabuse. Selbst wenn dieser und die beiden folgenden leider etwas zu infantilen Mabuse-Filme bei weitem nicht mehr die Wirkung hatten, die einst Fritz Langs Filme hatten, so war doch die Diskrepanz zwischen Rillas gutem und gebildeten älteren Herren und der Figur des Mabuse sehr gelungen. So reizvoll diese Aufgabe war, war es doch für den Darsteller eher nur eine kuriose Seitenbeschäftigung.
In den 1970er Jahren arbeitete Walter Rilla in bereits gehobenem Alter verstärkt wieder für die Hochkultur. Er führte Regie an Theatern, schrieb sowohl Dramen als auch eine als Roman versteckte Autobiografie und wirkte in einigen wenigen ambitionierten Filmen mit, wie zum Beispiel in Harry Kümels psychedelischem Horror-Rausch „Malpertius“ (1971).
Heute, viele Jahrzehnte nach Walter Rillas Tod ist nicht mehr viel geblieben von seiner Literatur, von seinen Dramen und seiner Zeitung. Nur Experten wissen noch darum. Sein buntes Leben scheint der Vergessenheit anheimzufallen. Als Schauspieler ist sein Name lediglich noch einigen Fans bekannt. Es ist schon seltsam, dass Walter Rilla heutzutage ausgerechnet als Dr. Mabuse wahrgenommen wird. Dr. Mabuse, der Spieler, stand in der Weimarer Republik für Expressionismus, Chaos und wilde Kultur. Und Dr. Mabuse lebt!
Dieser Inhalt wurde von @fritz k zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Walter Rilla ist am 21.11.1980 im Alter von 86 Jahren verstorben. Geboren wurde er am 22.08.1894. Das war heute vor 128 Jahren.

Unser morgiger Darsteller spielte immerhin drei Mal den Scotland Yard Chef in den Wallace-Filmen.

Savini Offline



Beiträge: 556

22.08.2022 08:32
#716 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Durch diesen umfassenden Beitrag wird mir bewusst, dass Walter Rilla ein weiterer Schauspieler ist, bei dem durch das Fehlen einer umfassenden Biographie (oder von Memoiren) eine echte Lücke existiert! Wirklich ein schillerndes Leben!

Dass er in jungen Jahren Kommunist war, war mir bereits bekannt. Trotzdem wirkt es angesichts seines späteren Images äußerst skurril!

Count Villain Offline




Beiträge: 4.533

22.08.2022 09:35
#717 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Was für eine interessante Persönlichkeit!

Und für mich auch einer der prägenden Krimi-Gesichter der 60er Jahre, so dass es mich auch immer wieder verwundert, dass er nur in zwei Wallace-Filmen zu sehen war. So charismatisch und prägnant waren seine Auftritte.

Zitat von Peter Ross im Beitrag #715
Es ist schon seltsam, dass Walter Rilla heutzutage ausgerechnet als Dr. Mabuse wahrgenommen wird.


Den Schuh muss ich mir ebenfalls anziehen. Für mich ist Walter Rilla auch heute noch mehr mit dem Namen Mabuse verbunden als Wolfgang Preiß. Das wird wohl daran liegen, dass "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" einer meiner ersten Berührungspunkte mit Dr. Mabuse war und ich auch in jungen Jahren als Kind/Jugendlicher ziemlich empfänglich für diese bisweilen als kindisch/trashig verschriene Räuberpistole war. Auch heute noch gehört der Film zu meinen Lieblings-Mabuses.

Jan Offline




Beiträge: 1.719

22.08.2022 15:49
#718 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Bemerkenswert auch der Geburtsort Neuenkirchen (Saar), in dem Walter Rilla 1894 zur Welt kam und der scheinbar einen guten Nährboden kommunistisch-sozialistischer Prägung bot: 18 Jahre nach Rillas Geburt wurde im gleichen 45.000-Seelen-Ort auch Erich Honecker geboren.

Gruß
Jan

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.850

23.08.2022 08:46
#719 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



23.08.

Hubert von Meyerinck hätte heute seinen 126sten Geburtstag gefeiert




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Hubert von Meyerinck - der preußische Yard-Chef
Zu Kaisers Zeiten 1896 in Potsdam als Sohn einer preußischen Gutsbesitzerfamilie mit militärischer Tradition geboren, war Hubert von Meyerincks Neigung zum Theater bald genauso bestimmend für sein Leben wie seine auch in intoleranten Zeiten kaum verheimlichte Homosexualität. Der quirlige Schauspieler stand damit in größtmöglichem Widerspruch zu seiner Herkunft. Es verwundert nicht, dass er gerade deswegen zeitlebens den Drang hatte, diese Herkunft zu parodieren,zu karikieren und lächerlich zu machen. Schon in jungen Jahren war er „Der Hauptmann von Köpenick“ auf Berliner Theaterbühnen, spielte in grellen Wilhelminismus-Satiren von Carl Sternheim oder in expressionistischen Theaterstücken und Stummfilmen. Gerade im Expressionismus war ein Überagieren der Schauspieler üblich. Man kennt die theatralische Stummfilmmimik, die die fehlenden Worte ausdrucksstark ersetzen muss. Ähnlich wie bei Theo Lingen blieb den expressionistischen Schauspielern nach den 1920iger Jahren nur die Komödie, denn in ernsteren Stoffen war jetzt eine kühlere, realistischere Art des Schauspiels angesagt und das expressionistische Spielen erschien ziemlich bald unfreiwillig komisch. Hubert von Meyerinck neigte ohnehin auch stark der Komödie zu und spezialisierte sich so immer mehr auf die Parodie des engstirnigen preußischen Militärmenschen. Glatze sowie zuweilen Schnurrbart und Monokel unterstrichen die Karikatur; seine eher zarte Gestalt und unmilitärische Körpergröße ließen die Figuren noch lächerlicher wirken.
Energie war im Überfluss da; Meyerinck kommandierte bis zum Exzess. Seine Komik ist für die Momente bestimmt, wo wir bereits vor Lachen auf die Schenkel klopfen. Dann erst kommt er ins Spiel und setzt noch einen oben drauf.
Das Problem ist, dass wir selten auf dem Level sind und dass die vielen Filmkomödien der vergangenen Jahrzehnte uns heutzutage auch nicht mehr so sehr zu Lachattacken reizen.
Hubsi, so Meyerincks Spitzname, drehte in seinen letzten Jahren fünf Wallace-Filme mit Alfred Vohrer.
In „Neues vom Hexer“ (1965) bietet Meyerinck ein kleines effektvolles Kabinettstückchen als Richter. Die beste Rolle hatte er ein Jahr später in „Der Bucklige von Soho“. Seine Karikatur erweist sich als Finte für den Zuschauer. Unter der Maske des schrulligen Generals steckt der brutale Ex-Kommandant eines Straflagers, dem Menschenleben schon lange nichts mehr bedeuten. Wie auch in “Das Rätsel des silbernen Dreieck” ist der Effekt unschlagbar, wenn der geschmacklose Klamauk sich als Spielart eines pervers brutalen Geistes entpuppt. Wie auch in dem Dürrenmatt-Fernsehspiel “Frank V” mit Meyerinck in der Titelrolle neigt die Verquickung von Komödie mit dem Makabren wieder dem Expressionismus zu, der vielleicht die eigentliche Basis von seinem Spiel war. Zumindest ist die Szene, in der sich General Perkins die Pistole an die Schläfe setzt, ein kleiner Gruß aus dieser Stilistik.
In „Im Banne des Unheimlichen“ , „Der Gorilla von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“ löst Meyerinck 1968 Siegfried Schürenberg als Scotland-Yard-Chef ab. Doch seine überbordende Lust am Klamauk lässt den englischen Scotland-Yard-Chef als solches nicht mehr erkennen. “Sir Arthur” , so sein Name, nimmt die Fälle nicht mehr ernst, die Serie ist am Ende.
Man könnte natürlich nörgeln, in welch albernes Fahrwasser “Opas Kino” ganz allgemein um 1970 kam, aber immerhin, wenigstens erlaubte die Zeit Meyerinck die Lust am Spiel. Dreißig Jahre vorher war das anders. Und da war der unmaskierte Mensch Hubert von Meyerinck einer, der viel Rückgrat hatte, indem er für seine Neigungen und auch für andere Menschen mutig einstand.
Dieser Inhalt wurde von @fritz k zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Hubert von Meyerinck ist am 13.05.1971 im Alter von 74 Jahren verstorben. Geboren wurde er am 23.08.1896. Das war heute vor 126 Jahren.

Unser morgiger Darsteller hat als Inspektor in einem späten Wallace-Film mitgewirkt und wurde später Tatort-Ermittler.

Savini Offline



Beiträge: 556

23.08.2022 13:50
#720 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #719
Dreißig Jahre vorher war das anders. Und da war der unmaskierte Mensch Hubert von Meyerinck einer, der viel Rückgrat hatte, indem er für seine Neigungen und auch für andere Menschen mutig einstand.

Schön, dass auch dieser Aspekt seines Lebens (für den ihm Billy Wilder im Interview Respekt zollte) nicht unerwähnt blieb!
Zitat von Peter Ross im Beitrag #719
[Unser morgiger Darsteller hat als Inspektor in einem späten Wallace-Film mitgewirkt und wurde später Tatort-Ermittler.

Jahre vor seinem Auftritt in der Reihe war er doch in anderer Hinsicht gleich dreimal mit dem Namen Wallace in Kontakt gekommen, oder?

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