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 Edgar-Wallace-Forum
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Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

07.03.2022 12:26
#271 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #270
"Der Rächer" kam damals beim Kinopublikum durchaus gut an. Mir liegt die Angabe von 2,5 Mio. Besuchern vor, während "Der rote Kreis" nur auf 1,9 Mio. kam. Und wenn das Publikum 1960 angeblich so "von Rock´n Roll und Rebellion geprägt" war, dann wundert es mich, dass Filme wie "Im weissen Rössl" oder "Das Erbe von Björndal" (hier stellvertretend für viele andere Produktionen dieser Art genannt) seinerzeit so erfolgreich waren.

Vielleicht ist es am Ende eine Betrachtung des Verhältnisses. Der Europa-Filmverleih rechnete ja mit 5 Mio Besuchern, was aber überhaupt nicht erreicht wurde. Bande und Frosch liefen parallel deutlich erfolgreicher und steigerten sich noch mal bei Augen und Narzissen. Allerdings hat Horst Wendlandt die 3,2 Mio bei Frosch im nachhinein aufgrund einer Zählung auch ausländischer Aufführungen angezweifelt.
Aber 2,5 Mio Besucher ist sicher auch kein schlechter Wert bei Rächer. Ende der 60er Jahre hätte man bei solchen Zahlen wahrscheinlich sogar richtig die Sektkorken knallen lassen.

Parallel dazu einmal eine Übersicht über alle Filme. Beachten muss man allerdings den Besucherschwund im Laufe der 60er Jahre:

Nr. Titel Jahr Besucher
01 Der Frosch mit der Maske 1959 3.200.000
02 Der rote Kreis 1960 1.900.000
03 Der Rächer 1960 2.500.000
04 Die Bande des Schreckens 1960 3.200.000
05 Der grüne Bogenschütze 1961 1.700.000
06 Die toten Augen von London 1961 3.400.000
07 Das Geheimnis der gelben Narzissen 1961 3.500.000
08 Der Fälscher von London 1961 2.000.000
09 Die seltsame Gräfin 1961 2.600.000
10 Das Rätsel der roten Orchidee 1962 1.500.000
11 Die Tür mit den sieben Schlössern 1962 3.200.000
12 Das Gasthaus an der Themse 1962 3.600.000
13 Der Fluch der gelben Schlange 1963 2.000.000
14 Der Zinker 1963 2.900.000
15 Der schwarze Abt 1963 2.700.000
16 Das indische Tuch 1963 1.900.000
17 Todestrommeln am großen Fluss 1963 1.500.000
18 Zimmer 13 1964 1.800.000
19 Die Gruft mit dem Rätselschloss 1964 1.300.000
20 Der Hexer 1964 2.600.000
21 Das Verrätertor 1964 1.500.000
22 Sanders und das Schiff des Todesn 1965 800.000
23 Neues vom Hexer 1965 1.800.000
24 Der unheimliche Mönch 1965 2.600.000
25 Das Rätsel des silbernen Dreieck 1966 1.000.000
26 Der Bucklige von Soho 1966 2.200.000
27 Das Geheimnis der weißen Nonne 1966 1.600.000
28 Die blaue Hand 1967 1.700.000
29 Der Mönch mit der Peitsche 1967 1.800.000
30 Der Hund von Blackwood Castle 1968 1.200.000
31 Im Banne des Unheimlichen 1968 1.800.000
32 Der Gorilla von Soho 1968 1.700.000
33 Der Mann mit dem Glasauge 1969 1.600.000
34 Das Gesicht im Dunkeln 1969 600.000
35 Die Tote aus der Themse 1971 1.400.000
36 Das Geheimnis der grünen Stecknadel 1972 1.100.000
37 Das Rätsel des silbernen Halbmonds1972 800.000

Havi17 Offline




Beiträge: 3.760

07.03.2022 21:29
#272 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Bei allen Betrachtungen ist auch FSK ein Thema. Der Rächer hatte FSK 16 und war aus heutiger Sicht nur ein Kriminalfilm.

Gruss
Havi17

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

08.03.2022 08:11
#273 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



08.03.

Viktor de Kowa hätte heute seinen 118ten Geburtstag gefeiert




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Viktor de Kowa - Darsteller des Dr. Donald Wells
Dr. Donald Wells in „Der Fälscher von London“ (1961, Harald Reinl) ist ein genauso selbstsicherer wie beunruhigender Charakter. Dieser Eindruck wirkt um so stärker, je mehr man über Viktor de Kowa weiß. Und das ist durchaus genauso gruselig wie die Filmwelt.
Der deutsche Film hatte immer schon seine Probleme mit attraktiven männlichen Hauptdarstellern und so fallen die Ausnahmen besonders auf: De Kowa glänzte mit natürlichem Charme, Intellekt und großem darstellerischen Talent. So ein Schauspieler konnte es mit Leichtigkeit mit amerikanischen Kollegen aufnehmen, die eigentlich auf diesem Feld führten. Dazu war er noch in der Lage, auch höhere gestalterische Aufgaben auszuführen, nämlich Drehbücher zu schreiben, zu inszenieren oder gar Theaterintendanz zu übernehmen. Was für ein Kerl!
Seine große Zeit hatte er in den 30iger und 40iger Jahren, und da liegt auch der Haken an der Sache: Er war in jeder Hinsicht glühender Unterstützer des NS-Regimes. Kein Opportunist wie viele andere, nein, eindeutig mehr. Das mindeste, was er hätte machen müssen, wäre, auf den Tisch zu legen, was war. Zu sagen, was falsch war. Sich zu distanzieren. Aber: er leugnete stoisch, verbog Fakten und immer wieder kam aufs neue heraus, dass De Kowa sich weiter in Falschaussagen verstrickt hatte, anstatt sich zu entschuldigen.
Sicher fühlte sich Viktor de Kowa nicht wohl mit dieser Situation n den 60iger Jahren. Viele Alt-Nazis hatten die Neigung, ihre Schuld zu verwischen, in dem sie mit Arroganz ihre Fähigkeiten ausspielten, in den Vordergrund traten und sich dadurch die verloren gegangene alte Würde zurückholen wollten. Hellmut Lange war hinter den Kulissen von „Der Fälscher von London“ auch privat das Opfer der Arroganz des „eigentlich viel größeren Stars“. De Kowa hatte anscheinend nur Geringschätzung für die neue Generation übrig. Gelernt hatte er wohl leider nichts.
Dr. Donald Wells entspricht dem sowohl in seinem Selbstverständnis, seiner Art und seinem Verhalten in erstaunlicher Weise. Gerade die Szene mit Siegfried Lowitz, in dem Dr. Wells stoisch seine Schuld leugnet und sich immer weiter verstrickt, erscheint parallel zur Wirklichkeit. Die Besetzung De Kowas gerade in dieser Rolle ist damit auf gewisse Weise faszinierend. Im Karl-May-Film der 60iger Jahre dagegen wirkt er als Komödiant mittlerweile schon als Fremdkörper aus einer anderen Zeit. (Winnetou und sein Freund Old Firehand, 1966).
Schade, dass er nicht einen offenen Neuanfang in einer neuen Zeit gemacht hat.
Ich hätte nämlich lieber etwas netteres über so einen fähigen Mann geschrieben.
Dieser Inhalt wurde von @fritz k zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Gestorben ist Viktor de Kowa am 08.04.1973. Geboren am 08.03.1904. Das war heute vor 118 Jahren.

Weitere Ereignisse:
- Geburt Hans Krull (1916)

Und morgen widmen wir uns einem Wallace-Film, der überwiegend in London gedreht wurde.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

08.03.2022 09:03
#274 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

So toll der Text auch ist, dieses Mal ist er wirklich gruselig zu lesen. Und das nicht wegen dem Inhalt.

Es gibt keine 30iger. 30 spricht man schon Dreißig. Da steht also effektiv Dreißigiger.

30er, 40er, 60er.

Jan Offline




Beiträge: 1.753

08.03.2022 13:16
#275 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Ja, hui. Und ich hebe weniger auf Grammatik denn auf den Inhalt ab. Es ist schwer, im Nachgang das Tun und Wirken der einzelnen Akteure exakt zu erfassen. Gerade dann, wenn Filmschaffende im Spiel sind, die nicht selten im Nachgang fähig waren, eine (ihre) eigene Geschichte zu erzählen, die vielleicht nicht immer oder nicht immer ganz der Wahrheit entsprochen haben mag. Werfe der den ersten Stein, der in der entsprechenden Lage eines Schauspielers anders reagiert hätte. Ich bin froh, nie vor einer solchen Situation gestanden zu haben. Insofern finde ich gut und richtig, darüber zwar zu berichten, es aber niemals zu einer "medialen Hinrichtung" kommen zu lassen. Viktor de Kowa war am Ende mehr als nur Schauspieler im NS-Regime und alternder Kasper in Unterhaltungsfilmen à la "Old Firehand". Man denke an so wunderbare Auftritte wie in Brauns "Zwischen gestern und morgen" oder seinen Ekel hervorrufenden Schmidt-Lausitz in Käutners "Des Teufels General"; nur zwei Beispiele für einen Ausnahme-Darsteller.

Gruß
Jan

Havi17 Offline




Beiträge: 3.760

08.03.2022 13:43
#276 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Danke für den Beitrag zu "de Kowa", trotz zwiespältiger Vergangenheit neutral rübergebracht. Es gibt wie überall im Leben Menschen mit besonderer Ausstrahlung, die meist Respekt gegenüber anderen Menschen ausüben und auch dadurch auffallen. "De Kowa" symbolsiert gekonnt den Dr. Wells (lese gerade den Fälscher), allerdings nicht neutral, denn er wiil ihr ja gefallen. Ich denke Charme ist seine passende Stärke gepaart mit einer gewissen Art "über den Dingen zu stehen" oder nennen wir es Arroganz. Ähnlich allerdings positive Beispiele hatten (ich betone echte) Entertainer in großen ARD, ZDF ORF Abendshows.

Gruss
Havi17

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.518

08.03.2022 21:04
#277 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #274
So toll der Text auch ist, dieses Mal ist er wirklich gruselig zu lesen. Und das nicht wegen dem Inhalt.



Die Verwendung des Dativs anstelle des Genitivs ist allerdings nicht minder gruselig.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

08.03.2022 21:28
#278 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Marmstorfer im Beitrag #277
Die Verwendung des Dativs anstelle des Genitivs ist allerdings nicht minder gruselig.



Das ist Umgangssprache, das darf man in gemütlichem Rahmen.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

09.03.2022 07:31
#279 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



09.03.

Heute vor genau 50 Jahren fand die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" statt




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Das Geheimnis der grünen Stecknadel - italienische Zugeständnisse
Kommen wir gleich zum Punkt: die drei Zugeständnisse an das deutsche Publikum sind 1. der Titel ( wenn auch der Mode entsprechend durch eine Farbe ergänzt) , 2. Schauplatz London anstatt Rom und 3. die Mitwirkung von Joachim Fuchsberger als Ermittler. Alles kein Problem für die Italiener!
Horst Wendlandt hat die italienische Giallo-Produktion dafür mit gutem Geld unterstützt und so haben sich die Italiener einen Ruck gegeben und mehr Zugeständnisse gemacht als bei vergleichbaren Produktionen. Dafür konnten sie mal wieder einen Giallo in deutsche Kinos schicken, denn das Giallo-Genre hatte es hierzulande nicht automatisch einfach. Allerdings: ein Edgar-Wallace-Film ist der Streifen deswegen nicht geworden, sondern ein Etikettenschwindel, zu dem Wendlandt sich auch nur noch ein einziges weiteres Mal hinreißen ließ.
Anfang der 70er Jahre allerdings war Etikettenschwindel nicht mal ein Kavaliersdelikt. Ich erinnere mich beispielsweise an Louis de Funes -Filme, die wir in Jugendvorstellungen doppelt sahen, weil der gleiche Film mit verschiedenen Titeln ( Loius, Balduin, Oscar) erschien oder Filme, in denen ein Star vermarktet wurde, den man schließlich in ei II nem uralten Film am Beginn seiner Karriere in einer winzigen Nebenrolle sah.
Aber was sollte man machen? Edgar Wallace wie gehabt war nicht mehr machbar, es fehlte an Regisseuren, Schauspielern und vor allem am alten Zeitgeist. „Die Tote aus der Themse“ hatte das soeben bewiesen gehabt. Warum also nicht diesen neuen Stil ausprobieren?
Rialto konnte mit Giallo eigentlich nicht so viel anfangen, aber immerhin kam sowas ja durchaus beim Publikum an. Trotzdem war das Ergebnis ein bisschen Lotterie. Wer wusste schon, was da in Italien passierte, was für Leute sich da an Filmen austobten?
Wegweisende Brillianz („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“) lag manchmal nah bei miserablen Trash („Das Gesicht im Dunkel“). Regisseur Massimo Dallamano hatte sich durch - sagen wir einmal - Artploitation einen Namen gemacht. „Venus im Pelz“ und „Das Bildnis des Dorian Gray“ sind zwei Ästhetik-Kracher, die zwischen Erotik, Kunst und Trash liegen. Gar nicht falsch für einen Giallo-Regisseur! Das Ergebnis ist allerdings kein Meisterwerk seines Genres geworden, liegt aber über dem Schnitt - das muss man unbedingt fairerweise sagen. Joe D‘Amato macht eine geschmackvolle Kamera und Filmkomponist Ennio Morricone ist sowieso die Königsklasse der Filmmusik. Ein paar zusätzliche deutsche Darsteller wie Karin Baal und Günther Stoll fügen sich auch gut in das Geschehen ein. Ein waschechter Giallo, der sich durchaus sehen lassen kann.
Was stört an dem Film? Sind es die heutzutage politisch wenig korrekten Morde an attraktiven jungen Frauen? Nein, heimlich sieht man ja doch gerne zu, wenn es nicht so sehr zum Schauwert wird wie später in Dallamanos ansonsten spannendem Poliziottesco „Der Tod Tod trägt schwarzes Leder“ (1974).
Sind es die aus italienischen Filmen nicht wegzudenkenden katholischen Geistlichen? Oder die mediterrane Landschaft und Architektur mitten in England?
Im Gegenteil: mich stören 1. die reinkopierten Edgar-Wallace-Lettern am Anfang ( zerstören die italienische Ästhetik) , 2. Schauplatz London ( Rom oder zumindest Mailand wären viel passender gewesen) , 3. die Mitwirkung unseres guten alten Blacky Fuchsberger, der sich immer mehr Internationalität für Wallace gewünscht hatte. Jetzt hat er sie und macht zwar keine schlechte Figur, ist allerdings leider austauschbar geworden.
Man hätte die Italiener ohne Zugeständnisse machen lassen sollen, sie wissen nämlich, was sie tun. Und das ist wesentlich geschmackvoller als das deutsche Kino um 1970.
Dieser Inhalt wurde von @fritz k zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" fand am 09.03.1972 zeitgleich in Italien und Deutschland statt . Das war heute vor 50 Jahren.

Und morgen gehen wir zum Pfarrer.

Prisma Offline




Beiträge: 7.591

10.03.2022 00:29
#280 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #279
Heute vor genau 50 Jahren fand die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" statt

[...]

Die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" fand am 09.03.1972 zeitgleich in Italien und Deutschland statt . Das war heute vor 50 Jahren.

Wie beruhigend, dass dieser doch auffällig puristische Text noch von einer einführend und abschließend sachlichen Meldung zum Film umzingelt wird.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

10.03.2022 07:38
#281 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #280
Zitat von Peter Ross im Beitrag #279
Heute vor genau 50 Jahren fand die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" statt

[...]

Die Uraufführung von "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" fand am 09.03.1972 zeitgleich in Italien und Deutschland statt . Das war heute vor 50 Jahren.

Wie beruhigend, dass dieser doch auffällig puristische Text noch von einer einführend und abschließend sachlichen Meldung zum Film umzingelt wird.

Danke für dein Feedback dazu. So wie ich dich verstehe, hättest du dir noch eine tiefergehende Betrachtung des Filmes gewünscht oder vielleicht eine etwas sachlichere Darstellung. Das ist ein guter Punkt, denn genau diese Frage habe ich mir auch gestellt: Will ich tagtäglich "Wikipedia kopieren" und Informationen benennen, die ohnehin jeder kennt? Oder soll die Betrachtung mehr subjektiv sein, also auch Meinungen umfassen oder auch nur punktuiert thematisch auf einzelne Aspekte eingehen? Ich habe mich für eine Vielzahl an Tagen für den zweiten Weg entschieden, wenngleich dies zu unter Umständen unterschiedlichen Sichtweisen führt. In diesem Zusammenhang greife ich bei Gelegenheit auch auf die Texte von fritz_k zurück, da die Vielzahl der Texte sonst kaum leistbar sind.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

10.03.2022 07:40
#282 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



10.03.

1916 wurde Hans Krull geboren


Um Abwechselung in die Wallace-Reihe zu bringen, tauchten auch immer wieder Nebendarsteller auf, die in keinem weiteren Wallace-Film in Erscheinung traten. Einer von ihnen ist der bereits vorgestern vor 106 Jahren geborene Hans Krull.
"Im Banne des Unheimlichen" war sein einziger Auftritt, als Pfarrer Mr. Potter, der schnell auch in den Kreis der Verdächtigen gehört.
Viele Jahre hatte er bis 1950 an Theatern gearbeitet, bevor er zum Film kam. Dort war er überwiegend in Nebenrollen zu sehen.
Beachtlich ist, dass sein Name auch heute noch präsent ist. Die "Hans und Charlotte Krull Stiftung" vergibt jährlich Arbeitsstipendien und bezuschusst ausgewählte Projekte der bildenden Kunst und der Gartenbaukunst in Berlin und Brandenburg.

Hans Krull ist 1983 gestorben. Geboren wurde er bereits am 08.03.1916, vorgestern vor 106 Jahren.

Und unser morgiger Darsteller war bei den 3 erfolgreichsten Wallace-Filmen (anhand der Kinobesucherzahlen) dabei.

Peter Ross Offline



Beiträge: 1.998

11.03.2022 08:07
#283 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten



11.03.

Heute hätte Joachim Fuchsberger seinen 95sten Geburtstag gefeiert




Hinweis: Dieser Text enthält Spoiler.
Joachim Fuchsberger - zuverlässig charmant
Nach seinem großen Filmerfolg “08/15” (1954) ist Joachim Fuchsberger ein Name, den man in Deutschland kennt. Dieser Film hat sein Image mehr geprägt , als man im ersten Moment denken würde. Joachim Fuchsberger war der modernste Hauptdarsteller der 50iger Jahre, auch wenn der deutsche Film mit ihm außer in den “08/15”-Filmen damals noch nicht so richtig etwas anzufangen wusste, denn Charme und Lässigkeit waren Anfang der 50iger Jahre in Deutschland völlig exotisch.
Anderen Hauptdarsteller von Joachim Hansen über Hansjörg Felmy bis O.W. Fischer haftete immer eine gewisse Schwere an; in vielen ihrer oft umständlich Filmen ging es um Vergangenheitsbewältigung. Oder andere Filmstars wie Hardy Krüger oder Horst Buchholz waren Rebellen gegen die alte Ordnung, und selbst auch das mit einer gewissen Schwere, weil ihnen die Zukunftsperspektive noch unklar war.
Joachim Fuchsberger brachte eine Leichtigkeit mit, weil er schwere Kämpfe zwischen Vergangenheitsbewältigung und Zukunftsperspektive nicht brauchte. Ganz sicher war er kein Altnazi, ganz sicher aber auch kein Revolutionär. Er stand mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit für eine neue moderne und freie Gesellschaft, ohne Zweifel und ohne Selbstqual, mit sicherem Gespür für richtig oder falsch. Mit eben dieser Leichtigkeit und seinem natürlichem Charme war Blacky Fuchsberger eine ideale Identifikationsfigur in Westdeutschland. Dass er schon 1960 als Quiz-Fernsehmoderator in “Nur nicht nervös werden” auftrat, erhöhte noch seine Publikumsnähe.
Damit war er zu einer festen und zuverlässigen Figur in der Film- und Fernsehlandschaft geworden, mit der man sofort in die wilde Welt der Wallace-Filme gehen konnte. Den haarsträubenden Zuständen begegnete er erstaunt, schockiert, wütend und energisch. Aber immer auf dem sicheren Boden, dass die Werte und Normen bei ihm unumstößlichfest sind, dass eine neue Vernunft da ist und dass er eigentlich deswegen nur gewinnen kann. So macht es den Zuschauern dann auch gehörig Spaß, mit ihm die Geisterbahnfahrt durch die Wallace-Filme anzutreten. Und das funktionierte auf Anhieb perfekt. “Der Frosch mit der Maske” (1959) war auch deshalb ein perfekter Kintopp und Überraschungserfolg, weil Blacky im Kampf für das Gute so unproblematisch im Vergleich zu anderen Hauptdarstellern wirkte. In den Wallace-Filmen und auch in den Weinert-Wilton-Filmen bis 1963 spielte er immer auf dem gleich hohen Niveau. Verband man ihn damals noch eher mit B-Filmen, zeigte sich Anfang der 60iger Jahre, dass er in jeder Hinsicht die “A-Schauspieler” verdrängte und zum Beispiel Joachim Hansen oder Hansjörg Felmy zur zweiten Wahl als Hauptdarsteller werden ließ, weil diese vergleichsweise zu schwierig und folglich sogar zu steif wirkten. Als einziges Pendant funktionierte nur Heinz Drache, der ebenfalls -aber in anderer Weise - auf festem Boden stand.
In “Zimmer 13” (1964) musste Blacky dann mal ein bisschen Schwermut zeigen, was er auch beeindruckend gut machte. (wie auch in den Fernseh-Dreiteilern “Der Tod läuft hinterher” und “11 Uhr 20”). Aber wenn er dann doch einmal schwermütig war, rührte das immer von den Ereignissen her und steckte nicht in seiner Persönlichkeit.
Ganz konträr war es wieder in “Der Hexer” (1964). Sein Inspektor Higgins war entwaffnend charmant und selbstironisch. Zusammen mit seiner ebenso charmanten und selbstironischen Verlobten Sophie Hardy stolpert er durch erstaunliche Ereignisse. Möglicherweise war es dem Schauspieler damals fast ein bisschen zu gewagt, doch gerade diese Steigerung der Leichtigkeit brachte einen Helden hervor, der sich ernsthaft mit amerikanischen Stars wie Cary Grant oder Rock Hudson messen konnte. Das hätte kein anderer deutscher Darsteller in dieser Zeit erreichen können. Der Nachteil daran war allerdings, dass er eben diese eine Rolle immer wieder in Variationen spielen musste. Aber wen stört es?
Die „seriöse“ Filmkritik war so sehr mit den Themen der „68er“ beschäftigt, dass sie nicht verstanden hat, was hier passierte.
Danach aber wurde für Joachim Fuchsberger das Fernsehen künstlerisch und kommerziell immer wichtiger. “Zwei Pistolen” aus “Die fünfte Kolonne”, (1965) “Hotel Royal” (1969) und vor allem die fantastischen Reinecker- Dreiteiler “Der Tod läuft hinterher”(1967) und “11 Uhr 20” (1970) boten ihm eine viel bessere Plattform als seine noch folgenden Kinofilme, zumal er in dem inzwischen immer besser etablierten Fernsehen wesentlich näher am Publikum war.
Blackys letzte drei Wallace-Filme gaben sich leider zu sehr damit zufrieden, dass er ein etablierter Hauptdarsteller war und ließen ihn ungewollt etwas farbloser aussehen. Er konnte nicht mehr so engagiert sein wie in “Die toten Augen von London”, “Das Gasthaus an der Themse” oder “Die seltsame Gräfin”, weil die Handlung sich selbst nicht mehr so ernst nahm und er konnte auch nicht so selbstironisch wie in “Der Hexer” sein, weil auch das die Handlung schon übernahm.
Joachim Fuchsberger drehte neun Filme mit Harald Reinl und sieben Filme mit Alfred Vohrer. Karin Dor war in neun Filmen seine Partnerin.
Im Kino ab Mitte der 70iger Jahre konnte kein Platz mehr für ihn sein. Seine Filmfigur drängte stattdessen von dem Gefreiten Asch in “08/15” über Edgar-Wallace-Inspektoren und Rollen in Reinecker-Fernsehkrimis in die Realität der Samstagabend-Show und zur Talkshow.
Wieviel Rolle war und wieviel authentisch war, ließ sich in seinem Fall eigentlich nie mit Sicherheit bestimmen. Im Gegenteil. Wir können uns darauf verlassen, dass er immer derselbe ist, wo wir ihm auch begegnen: charmant, liberal und mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität.
Dieser Inhalt wurde von @fritz k zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Am 11.09.2014 ist Jochim Fuchsberger leider von uns gegangen. Geboren ist er am 11.03.1927. Das war heute vor 95 Jahren.

Weitere Ereignisse:
- Tod Albert Benitz (Kamera) (1979)
- Tod Siegfried Rauch (2018)

Und morgen gedenken wir Siegfried Rauch, der heute vor 4 Jahren verstorben ist.

Havi17 Offline




Beiträge: 3.760

11.03.2022 11:15
#284 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Zitat von Peter Ross im Beitrag #283
Wir können uns darauf verlassen, dass er immer derselbe ist, wo wir ihm auch begegnen: charmant, liberal und mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität.
Sehr treffend formuliert, genau das vermisse ich bei immer mehr SCHAUspielern in der heutigen Zeit.

Gruss
Havi17

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 642

11.03.2022 13:37
#285 RE: Edgar Wallace - Heute vor... Zitat · Antworten

Mal ein eher leicht verspäteter persönlicher Einschub: Gestern vor genau einhundert Jahren wurde das erste Mal „The Crimson Circle“ in The People’s Story Magazine veröffentlicht. Das ist mein Lieblingsroman von Edgar Wallace, da befinde ich mich auch in guter Gesellschaft etwa mit dem bekannten Literaturkritiker und Schriftsteller Julian Symons, der das Werk ebenfalls für das wohl beste des Autors hielt.
„The Crimson Circle“ wurde unter mehreren Titeln ins Deutsche übersetzt („Der rote Kreis“ ist am bekanntesten) und insgesamt viermal verfilmt, zwar nicht so oft wie „Der Hexer“, aber doch schon recht viel, was auch für seine Beliebtheit spricht, die deutsche Nachkriegsverfilmung von 1959 war die letzte. Im Grunde beinhaltet der noch ziemlich frühe Reißer des Altmeisters alles, womit er wenige Jahre später als Thrillerkönig bekannt geworden sein dürfte.
Sollte man mal vielleicht im Hinterkopf behalten, dass die meisten auch im Forum bekannten Krimis in den auch schon damals nicht so sehr goldenen Zwanzigern entstanden sind und nun in der nächsten Dekade auf ihr Hundertjähriges blicken können…

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